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Sonntag, 1. März 2020

RA Australia Rum 12 YO Inner Circle 2007

Liebe Rum Gemeinde,

nach einem grippalen Infekt im Dezember und einer Magenschleimhaut-Entzündung im Januar und Februar hat sich bei mir einiges angestaut, was ich euch eigentlich schon längst vorstellen wollte, dann aber einfach nicht dazu kam. Einer dieser Rums ist der 12 jährige RA Australia Inner Circle Rum aus dem Jahr 2007, den Rum Artesanal im letzten Jahr zum German Rum Fest in Berlin releast hat und dessen Geschichte ich euch schon lange mal näher bringen wollte.



Aber apropos Release zur Messe noch ganz kurz vorher eingeschoben: auch zur diesjährigen Cologne Spirits wird RA mit neuen Tropfen am Start sein, wie man via Facebook bereits geteasert hat. Und da darf man sich einmal mehr richtig freuen, denn da werden wieder echte Granaten am Start sein, aber dazu nächsten Sonntag mehr ;-) Zur Einstimmung gibt es heute erst einmal einen Rum des letzten RA-Schubs, den ich aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr interessant finde und daher hier besprechen möchte.
Denn mit dem Inner Circle ist hier heute tatsächlich etwas ganz besonderes am Start. Zunächst einmal natürlich, weil Rum aus dem Südpazifik/ Ozeanien grundsätzlich noch immer etwas sehr exotisches ist. Aus Fiji erscheinen häufiger mal Rums, klar, und aus Australien kennt man Bundaberg und Beenleigh, aber gerade letztere mit ihren Originalabfüllungen haben im Allgemeinen wohl die wenigsten auf dem Schirm, wenn es um wirklich guten Rum geht. Aber darauf ziele ich nicht in erster Linie ab. Mir geht es vor allen Dingen darum, dass Inner Circle sowohl geschichtlich, als auch in der Neuzeit ein Projekt ist, das einer echten Rum-Nerd-Lovestory gleicht, die erzählt gehört! ... und die am Ende sogar auch noch für sämtliche Träume um ein Re-opening von Caroni relevant ist... Seid gespannt! Doch beginnen wir von vorn:


Geschichte des Inner Circle Rums:

Möchte man die Geschichte vom Inner Circle Rum erzählen, dann muss man bei der Colonial Sugar Refinery Company Limited (CSR Ltd) anfangen. Die CSR wurde im Jahr 1855 als Zuckerraffinerie im Raum Ozeanien (Australien, Neuseeland, Fiji,...) gegründet und erwies sich als äußerst erfolgreich und lukrativ, da das dortige Klima den Anbau von Zuckerrohr sehr begünstigt. Achtzehn Jahre nach der Gründung, 1873, begann man bei CSR dann auch mit der Destillation von Alkohol, indem man auf Harwood Island am Clarance River in New South Wales in Süd-Ost-Australien eine Destillerie errichtete. Produziert wurde dort allerdings nicht nur Rum, der eher einen kleinen Teil des Produktionsvolumens ausmachte, sondern vor allem Industriealkohol. 1896, nach nur 23 Jahren, war in Harwood dann auch schon wieder Schluss mit der Produktion und man errichtete stattdessen im Jahr 1901 eine neue Destillerie in Pyrmont, im Hafen von Sydney. In der Zwischenzeit produzierte man in Nausori auf Fiji, wo man kurz vor der Schließung Harwoods, im Jahr 1890, noch eine zweite Destillerie gebaut hat. Wieder allerdings stand der Industriealkohol deutlich im Vordergrund des Unternehmens, während die Rum Produktion in dieser Zeit eher als eine Art Hobby der Mitarbeiter beschrieben wird.
Die Pyrmont Distillery produzierte über viele Jahrzehnte große Volumen an Industriealkohol und auch geringe Mengen Rum mit zwei Pot Stills, die in Betrieb waren, bis die Destillerie im Jahr 1986 geschlossen wurde. Die Qualität des Rums wurde über die Jahrzehnte immer weiter gezielt gesteigert. Wegweisend war das Jahr 1934, als der damalige Chef-Chemiker von Pyrmont, ein Dr. Harman, von einer Amerika-Reise zurückkehrte, und eine neue Hefekultur im Gepäck hatte. Diese wurde von diesem Zeitpunkt an für die Rums verwendet, was deren Qualität schlagartig enorm verbesserte. CSR allerdings war auch weiterhin nicht wirklich daran interessiert diese Rums groß zu vermarkten, sondern verkaufte sie lieber weiter an unabhängige Abfüller, die die Rums unter eigenem Label und eigenen Markennamen verkauften. Da waren beispielsweise "Old Kedge", "Red Mill" oder "Frigare", aber auch noch einige weitere. Diese Rums muss man sich als eine Art Äquivalent zu z.B. Lemon Hart bei Demerara Rums oder Coruba bei Jamaica Rum vorstellen.

Historisches Label des Inner Circle Green Dots
Source: rum.cz
Nichts desto weniger wusste man bei CSR um die enorme Qualität der Rums, weswegen man die Geheimnisse um sämtliche Prozesse, von Fermantation über Destillation, streng geheim hielt. Natürlich schwankte die Qualität auch mal über die Jahre, und so hielt man bei CSR gezielt immer wieder die besten Destillate zurück und verkaufte diese nicht an andere Firmen weiter. Stattdessen machte man daraus eigene Abfüllungen wie den "Director's Special" und den "General Manager's Reserve", die man wiederum ausschließlich an ausgewählte Kunden, sowie Führungskräfte der Firma ausgab. Dies änderte sich erst langsam ab den 1950er und 1960er Jahren, als die Mitarbeiter von CSR immer öfter darauf darauf drängten, ebenfalls an Abfüllungen wie dem "General Manager's Reserve" partizipieren zu dürfen, wenn gleich es weiterhin als äußerst schwierig galt, an diese besonderen Rums heranzukommen. Wer das Glück hatte, mal davon zu probieren oder eine Flasche zu bekommen, der hängte das nicht an die große Glocke, sondern man sprach darüber sehr diskret im kleinen Kreis. Als man diesen Rum dann ab 1968 in Pyrmont in geringer Auflage begann offiziell zu verkaufen, hätte man den Namen mit "Inner Circle" also nicht passender treffen können. Von diesem gab es zwei Versionen: den verdünnten Standard Green Dot und den Red Dot in Full Strength. Allen anderen Rum, der den Qualitätskriterien des Inner Circle Rums nicht entsprach, verkaufte CSR weiterhin an unabhängige Abfüller. Das alles klingt bis hier hin im Grunde wie eine einzige Erfolgsgeschichte, doch im Jahr 1986 verkaufte CSR seine Rum-Sparte komplett an Bundaberg und der Inner Circle Rum verschwand in der Konsequenz dadurch komplett vom Markt. Tja, und während derlei Geschichten an dieser Stelle normalerweise eigentlich enden, fängt die des Inner Circles quasi einfach nochmal von vorne an! 

Denn im Jahr 2000 wurde dem früheren australischen Olympiasegler Stuart Gilbert seiner Sehnsucht nach dem guten, alten Inner Circle Rum überdrüssig und entschloss sich, getrieben von seiner Leidenschaft für den Rum, in der Welt nach etwas vergleichbarem zu suchen. Da er dabei keinen Erfolg hatte, suchte er mit Malcom Campbell kurzentschlossen den Mann auf, der als letzter bei Pyrmont bis 1986 verantwortlich für die Rum Produktion war, in der Hoffnung, den Inner Circle Rum wieder aufleben zu lassen. Und trotz dessen, dass Campbell damals bereits seit einigen Jahren in den Ruhestand getreten war, erklärte er sich bereit, bei dem Projekt mitzumachen. Zunächst ging man dafür 2001 nach Fiji und stellte mit Hilfe der South Pacific Distillery einen Rum zusammen, der den alten CSR Rums aus Pyrmont möglichst nahe kommen sollte. Als zweiten Schritt kaufte Gilbert im Jahr 2002 von Bundaberg die Namens- und Markenrechte am Inner Circle Rum zurück, so dass man noch im gleichen Jahr einen auf Fiji geblendeten Rum unter diesem Namen auf dem australischen Markt relaunchen konnte. Das genügte Stuart und Campbell allerdings nicht und so kaufte man 2004 schließlich Beenleigh Distillery in Australien und begann damit, diese so umzustellen, dass man in der Lage war, den Geschmack des Inner Circle Rums hergestellt zu bekommen. Den wichtigsten Beitrag dazu lieferte Malcom Campbell, der tatsächlich weite Teile des Know Hows, vor allem aber noch die originalen Hefekulturen aus Pyrmont Distillery bei sich in der Gefriertruhe aufbewahrt hatte und die nun wieder zum Einsatz kamen! Diese werden bis heute bei Beenleigh für die Rumherstellung verwendet und das finde ich mal eine sensationelle Story, dass da ein ehemaliger Verantwortlicher so sehr an seinen Rum geglaubt hat, dass er alles über einen solch langen Zeitraum aufbewahrt hat, so dass eine Weiterproduktion zu späterem Zeitpunkt überhaupt erst möglich war. 
Im April 2006, nach Vollendung seines Traums, verkaufte Stuart Gilbert Inner Circle an den australischen Nahrungsmittel und Getränkekonzern Lion Nathan. Im Mai 2012 wiederum ging Beenleigh/Inner Circle dann an VOK Beverages, wozu sie bis heute gehören. Der Inner Circle Rum wird dort nach wie vor in der Tradition von Pyrmont Distillery und später Gilbert und Campbell hergestellt. 



Was das alles mit Caroni zu tun hat, ...

... liegt nun natürlich auf der Hand, denn die Geschichte Inner Circles, bzw. die Wiederbelebung in den 2000er Jahren, sagt ganz viel darüber aus, was es bräuchte, um einen liebgewordenen Rum zurück zu holen. Gehen viele davon aus, dass es die Destillieranlagen in der Hauptsache sind, die dem Rum den Geschmack verleihen, zeigt diese Geschichte einmal mehr sehr deutlich, dass das Geheimnis guten Rums viel eher in deren Hefekulturen und in der Fermentation liegen. Hampden, als aktive Destillerie, beweist das ja z.B. ebenfalls sehr deutlich. Ich unterhielt mich zu diesem Threma auch schon mehrfach mit Steffen Mayer, der an einem Buch über Caroni arbeitet und der ebenfalls in Fermentation und Hefekulturen ganz konkret den Schlüssel zum Rum sieht. Insofern kann man also nur hoffen, dass der letzte Verantwortliche bei Rum Distillers Ltd. (Caroni) seine Hefekulturen ebenfalls noch irgendwo sicher verwahrt hat. ;-) 


Zur Abfüllung:

So, nun habe ich euch hier ganz viel mit der Theorie zugespamt, weswegen ich mich zur Abfüllung möglichst kurz halten und quasi direkt zur Verkostung übergehen möchte.  Ganz kurz sei zur Einordnung erwähnt: der Rum um den es geht wurde im August 2007 destilliert, also zu einem Zeitpunkt, nachdem Stuart Gilbert das Unternehmen bereits an Lion Nathan verkauft hat. Der Name Inner Circle befindet sich nicht auf dem Label, aber das Mark MAIC verrät es uns zum Glück, wenn man die Codes der Main Rum Company ein wenig zu entschlüsseln weiß. Über die fantastische Geschichte des Inner Circle hinaus erleben wir mit diesem Bottling tatsächlich auch noch eine Besonderheit, denn meines Wissens nach wurde Inner Circle noch nie zuvor von unabhängigen Abfüllern angeboten. Es scheint da nur dieses eine Batch aus 2007 zu geben, von dem Main einige Fässer zu haben scheint. In die Flasche kam der gute mit 50,4% vol., was bedeutet, dass er verdünnt wurde, denn die ursprüngliche Fassstärke lag bei ca. 70% vol. Doch bevor nun der große Aufschrei kommt: wenn eines ganz klar ist, dann das die Jungs und Mädels bei RA wissen was sie tun! Das heißt, dass man davon ausgehen kann, dass hier keinesfalls ein Rum tot verdünnt wurde, sondern im Gegenteil, dass man festgestellt haben wird, dass der mit Trinkstärke einfach besser kommt. Und auch wenn wir Nerds das in unserer Nerdigkeit manchmal schon fast vergessen, aber es gibt tatsächlich Rums, denen 50-55% vol. wesentlich besser stehen als 70% vol. Insofern bin ich hier guter Dinge und gehe dann auch mal direkt über zum Glas...

PS: Als kleinen Bonus gab es von Dominik dann sogar noch die Info, dass der Stoff ganze zehn Jahre seiner Reifezeit in Australien lagern durfte, bevor der Rum im Jahr 2017 nach Europa kam und dort noch einmal zwei Jahre weiter reifen durfte. 



Verkostung des RA Australia Rum 12 YO Inner Circle 2007:

Preis: gerade einmal 39,90 Euro muss man für eine Flasche (0,5 Liter) bezahlen und der Rum ist derzeit noch erhältlich.  

Alter: 12 Jahre, von August 2007 bis August 2019 reifte der Inner Circle im Eichenfass.

Lagerung: keine Angaben. Ich halte eine Teilreifung in Ozeanien aber für denkbar (s. Farbe). EDIT: eine zehn jährige Reife in Australien wurde mir durch Dominik von RA inzw. bestätigt.

Fassnummer: #45

Angel's Share: keine Angaben

Alkoholstärke: leicht verdünnt, kommt der Rum immer noch auf 50,4% vol. - die originale Fassstärke dagegen lag bei ca. 70% vol.!

Destillationsverfahren: der Rum stammt aus einer Pot Still von Beenleigh und wurde im Stil des Inner Circle Rums hergestellt, so wie er früher, bis 1986, bei Pyrmont gebrannt wurde.

Mark: MAIC (Main Australia Inner Circle)

Farbe: leuchtendes, goldenes Stroh, wie ich es von kontinental gereiften Rums in diesem Alter eigentlich nicht kenne, zumal nicht wenn sie verdünnt sind. 

Viskosität: satt und fett klebt sich der Rum an die Glaswand. Enge, unregelmäßige Schlieren laufen anschließend zügig am Glas herab.

Nase: intensive, kräftige Nase, die nicht darauf schließen lässt, dass da eine Verdünnung stattgefunden hat. Zumal auch der Alkohol nach wie vor echte Präsenz hat. Ich stelle mich dementsprechend nicht unbedingt auf Easy Drinking ein, der Rum hat Dampf! Und vor allem hat der Rum für mich etwas wirklich alleinstehendes, im Marketing Sprech würde man wohl USP sagen. Ein Stil, den ich so noch nirgendwo anders gesehen habe, außer eben bei den Inner Circle Rums. Nach gut 45 Minuten ist der Rum dann auch zugänglich und gibt sein Profil frei. Dieses würde ich als kräuterig-fruchtig-medizinisch beschreiben, mit einem guten Schlag Menthol und vor allem eingelegter Birne. Im Hintergrund sind wiederum auch bereits einige Einflüsse vom Fass deutlich wahrnehmbar. Er ist nicht der komplexeste Rum, den ich bisher im Glas hatte, aber seine Intensität ist, gerade ob der (noch immer nicht präsenten) Verdünnung, schon bemerkenswert. Man kann sich nur zu gut vorstellen, warum RA hier, entgegen der grundsätzlichen Philosophie, zum Einsatz von Wasser gegriffen hat. Ein Rum, der bis hier hin wirklich spannend ist, ja, der, zugegeben, aber auch sehr speziell ist. Das muss man wirklich mögen.

Gaumen: am Gaumen bemerke ich erstmals bewusst die Verdünnung. Ja, der hat etwas Wasser bekommen, aber hier dürfte es ihm wirklich gut getan haben. Denn auf diese Weise wird der Rum sofort zugänglich, was er bei ca. 70% vol. wohl kaum gewesen wäre, so dass wir hier ein seltenes Beispiel dafür erleben dürfen, dass der Einsatz von Wasser nicht per se schlecht ist, sondern durchaus auch einen Mehrwert generieren kann, wenn das denn sinnvoll und in Maßen passiert. Was mir direkt auffällt, ist der enorme Einschlag der Birne, aber auch eine Art Verwandtschaft zu Worthy Park und sogar Single Malt Whisky. Der Rum ist, vielleicht trifft es das ganz gut, so ein wenig wie ein Worthy Park, der anstatt der Banane aber die Birne als Kopfnote hat.

Abgang: im Abgang wird das ganze eher unspektakulär. Ich habe etwas frisch geschnittenes Geäst und trockenes Holz im Hintergrund. Er verweilt auch nicht sonderlich lange am Gaumen. Hier kann der Rum das bisherige Niveau leider nicht halten.

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Fazit: ein Rum, der in jeder Hinsicht anders ist als andere! Rein geschmacklich, aber auch mit Blick auf die Historie natürlich. Vor mir steht ein Rum den es nur gibt, weil seine Liebhaber voller Leidenschaft danach strebten ihn wieder zu beleben! Mir ist da kein anderer, vergleichbarer Fall bekannt, wo es so etwas im Rum Bereich und auf diesem qualitativen Niveau schon einmal gegeben hat. Zwar ist der Rum sicher nicht in der absoluten Spitzenklasse angesiedelt, wenn man sich das gesamte Spektrum dieser Spirituose anschaut und dann auch mal auf die Benchmarks schielt, aber er nötigt einem im Hinblick auf seine Geschichte einfach wahnsinnig viel Respekt ab! Mehr Historie im Glas geht ja kaum. Und doch, das sollte hier nicht geschmälert werden, ist der Rum auch sehr viel mehr als nur seine Geschichte. Der kann auch ne ganze Menge im Glas, selbst wenn das ob dieser enormen Story leicht droht daneben etwas zu verlassen. Noch darüber hinaus ist er mit seinen 39,90 Euro ein echter Kracher was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft! Da kann man wirklich wenig falsch machen und gerade wer möglicherweise glaubt, schon alles gesehen zu haben und dennoch gern nochmal so richtig positiv überrascht werden möchte, der sollte auf diesen Rum vielleicht einmal einen Blick werfen, auch wenn er sicher nicht jedem gefallen wird. Allerdings möchte dieser Rum das auch gar nicht und auch das macht ihn über weite Strecken aus! Mir hat er in jedem Fall wirklich sehr gefallen!

-86/100-

Bis demnächst,
Flo

PS: bedanken möchte ich mich noch bei Dominik und RA für die zu Foto- und Verkostungszwecken erhaltene Mini-Flasche, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich keinerlei Auswirkungen.


Quellenhinweise:

https://pyrmonthistory.net.au/wp-content/uploads/2016/12/Inner-Circle-Rum-History-with-pics.pdf
https://en.wikipedia.org/wiki/Beenleigh_Rum
https://en.wikipedia.org/wiki/Lion_(Australasian_company)
https://www.vok.com.au/our-brands
https://www.couriermail.com.au/business/inner-circle-rum-sold/news-story/6cd2c29900bbc8a67780e29aff896278?sv=bc5b4af3e4c650102a98deaeec6547cd

Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo