Sonntag, 11. November 2018

A bunch of rare medium Jamaica Rums

Liebe Rum Gemeinde,

ich habe während der letzten Woche das Archiv von Barrel Aged Thoughts aufgeräumt und ausgemistet. Dabei bin ich unerwartet auch auf einige alte, unveröffentlichte Verkostungsnotizen aus 2012 zu einigen medium bodied Jamaica Rums getroffen. Sie sind nicht über die Maßen umfangreich, allerdings sind einige der damals verkosteten Rums heute sehr rar und oft nahezu unbekannt. Nicht selten jedoch schlummern solche Rums noch in den Kellern einiger Connaisseure und an genau die richtet sich das hier, denn wer möglicherweise schon immer mal wissen wollte, ob es sich lohnt eine dieser Flaschen zu öffnen, der findet hier und heute möglicherweise eine Entscheidungshilfe. 

Bildquelle: Wikipedia



Die verkosteten Jamaicaner:

- Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO (alte Version) - 43% vol.
- Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.
- Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.
- Plantation SC Jamaica 25 YO Long Pond 1986 - 42% vol.
- Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

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Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO - 43% vol.

Nase: Appleton-typisch, sehr reif, melassig, schwer und dunkel. Eine lange Reifezeit deutet sich direkt an.

Gaumen: sehr viel Gewürze und Trockenfrüchte, der Eindruck der Nase setzt sich fort, zweifellos wurde dieser Rum lange Zeit gelagert, das kann er nicht verbergen. Seine jamaicanische Herkunft leugnet der Appleton 21 nicht, trotz dessen, dass ihm jegliche Brachialgewalt abhanden gekommen ist. Er weiß zu gefallen, auch im Old Fashioned wäre er sicher eine gute Wahl.

Abgang: etwas bitter, leichte Mandelnote, trocken, wirklich langanhaltend.


Fazit: der Appleton 21 ist ein solider Rum, den ich allerdings damals wie heute als überpreist empfinde. Ja, 21 Jahre tropische Jahre haben ihren Preis, aber Verdünnung und Beliebigkeit des Rums sorgen einfach dafür, dass mir hier die Bereitschaft dafür fehlt ihn zu zahlen. Zumal sich für das Geld auch andere Optionen auftun. Eher würde noch ein bisschen was drauflegen und einen Vale Royal oder einen Cambridge, oder gar für weniger Geld einen 6 jährigen Velier Antigua 2012 z.B. kaufen. Was bleibt zu hoffen? Natürlich, dass von Appleton in naher Zukunft endlich einmal Small Batch Abfüllungen in Fassstärke kommen. Das fänd ich unglaublich reizvoll! 



Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de

Nase: sehr Jamaica-untypisch, dabei aber vor allem ungewöhnlich karamellig. Trotz 45% vol. hat er eine leichte alkoholische Schärfe. Im Bouquet hat er etwas Ester in Form von Banane und... Karamell! Letzteres liegt wirklich über allem.

Gaumen: der Rum kommt hier leider etwas flacher als die Nase. Die Verdünnung merkt man dem Long Pond an, trotz dessen weist er alkoholische Schärfe auf. Das Karamell setzt sich fort. Würze und Süße gesellen sich dazu, auch alkoholische Noten und Anklänge von Früchten finden sich im Geschmack wieder. Nach einer Weile im Glas kommen auch ein paar Holztöne vom Fass durch.

Abgang: kurz und eher trocken, dabei etwas Eiche und Karamell. Nach einer Minute ist der Rum gänzlich verschwunden.


Fazit: Karamell-Bombe! Das ist Long Pond auf eine Weise, wie ich sie so gar nicht mag und brauche. Der Jahrgang 1992 ist leider sehr speziell und geht ganz weit von allem weg, was man von einem Long Pond traditionell erwartet. Schade! Auch der 18 YO, den ich ebenfalls mal im Glas hatte, ist nicht wirklich anders, genauso wie ein 1992er Bottling von MacY. Wer da noch was im Regal hat: lasst sie lieber zu!



Bristol Spirits Rum 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de
Nase: zu Beginn unglaublich verhalten, da kommt erstmal wenig durch im Bouquet. Auch alkoholische Schärfe ist kaum vorhanden. Ich habe etwas Holz, dunkle Früchte und Kakao. Dazu leichte Spuren von Nüssen und Heu. Monymusk ist zunächst dezent zu erahnen, wenn man den Stil kennt, kommt aber mit zunehmender Zeit im Glas klarer heraus.

Gaumen: hier kommt der Bristol angenehm weich, er ist kaum alkoholisch. Die Verdünnung ist zu merken, schadet dem Rum aber nicht übermäßig. Der Monymusk ist ölig, vielleicht leicht bitter mit dunkler Schokolade, gepaart mit überreifer Banane und Holz. Eine Geschmacksexplosion bleibt aus, was aber für Monymusk aus 1976/1977 nicht untypisch ist.

Abgang: leider eher kurz, trocken und unspektakulär verabschiedet sich der Rum vom Gaumen. 


Fazit: ein handwerklich rundherum ausgezeichneter Rum, der eher mit leisen als mit lauten Tönen zu überzeugen weiß. Damals lag die Flasche bei etwas über 100,- Euro, soweit ich mich erinnere. Das war ein guter, wenn auch seinerzeit ein durchaus hoher Preis. Heute sieht das freilich anders aus. Wer noch eine Flasche, möglicherweise auch vom 21 YO, vom 23 YO oder vom 25 YO, bei sich zuhause stehen hat und Jamaica nicht immer mit der Brechstange braucht, der kann ihn durchaus auch mal aufmachen. Viel falsch machen kann man dann nicht. 



Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.

Nase: trotz der nur 46% vol. habe ich eine eher alkoholische Nase. Jamaica lässt sich erahnen, insgesamt wird aber zunächst viel vom Alkohol verdeckt. Dahinter finden sich Spuren von Toffee und Schokolade, die nach einiger Zeit im Glas deutlicher durchkommen. Dazu viel Holz! 

Gaumen: überaus bitter und holzig! Der lag meines Erachtens definitiv zulange im Fass. Trotz der Verdünnung ist der Rum noch schwarz wie die Nacht. Entweder der Rum hatalso einen Teil seiner Reife noch in der Karibik erfahren und nicht im kühlen Schottland, oder aber das Fass war, wie auch alte Demerara damals, entsprechend präpariert. 

Abgang: bitter und holzig. Der Rum ist länger präsent als ich ihn schmecken möchte.


Fazit: der ist meiner Meinung nach mal so gar nichts! Viel zu verholzt und eindimensional macht es einfach keinen  Spaß den im Glas zu haben. Auch andere 1974er Jamaicaner aus Long Pond die ich im Glas hatte zeigten ein ähnliches Bild. Long Pond hat wesentlich schönere Vintage-Jahrgänge, wie 1977, 1982 oder 1986. Diese sind ihr Geld dann auch wert. Die 74er hingegen würde ich verschlossen lassen. 



Plantation Old Reserve Jamaica 1986 Single Cask - 42% vol.

Nase: sehr volle Nase! Ich habe Esternoten, Banane, Mandel und eine erhebliche Süße, die mir nicht natürlich erscheint. Dazu eine für die Plantations sehr charakteristische Eigennote.

Gaumen: Schokolade, danach Mandel und Toffee, Banane, Ester. Sehr warm und rund. Dazu eine erhebliche Süße. Ich vermute eine Zugabe von Zucker. Long Pond ist zu erkennen. Einzig: er könnte noch eine Spur vollmundiger sein! Leider ist der Rum sehr verdünnt worden. 

Abgang: langanhaltend, schokoladig und einfach lecker!


Fazit: unglaublich aber wahr, aber auch der Plantation 1986 konnte mich damals tatsächlich überzeugen und er reicht fast an seinen 1983er Bruder heran. Klar, er ist gesüßt und auch viel zu sehr verdünnt worden, aber als Easy Sipper nebenbei ist der durchaus zu gebrauchen. Der lag damals bei ca. 70,- Euro pro Flasche, dürfte heute aber deutlich darüber liegen. Und ganz ehrlich? Mehr als die damaligen 70,- Euro ist der Rum meines Erachtens nicht wert. Lasst den zu und versucht ihn bei Plantation Sammlern gegen einen ehrlichen Rum einzutauschen. 



Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

Nase: ich habe eine eher leichte Nase, etwas Vanille, etwas Holz. Viel zu erkennen ist da aber nicht. Sehr flach. 

Gaumen: wieder Vanille, erneut sehr flach und eher wässrig statt ölig, Holz kommt deutlich, aber nicht unangenehm durch, wie auch beim Appleton 21 verheimlicht auch dieser Rum sein hohes Alter nicht. Insgesamt fehlt mir hier aber Vielschichtigkeit, Komplexität und Jamaica-Flavour.

Abgang: unspektakulär, mittellang, bleibt nicht im Gedächtnis.


Fazit: ein Rum, den man meines Erachtens nicht braucht. Von Coruba überzeugten mich aber überhaupt nur die N.P.U.-Abfüllungen. Das sind solide Jamaicaner mit ordentlich Estern, aber die länger gelagerten Varianten sind für meinen Geschmack alle austauschbar und überpreist. Lasst da lieber die Finger davon! 

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Gesamt-Fazit: 

Der klare Sieger dieser Runde ist der Monymusk aus 1977 von Bristol. Er ist auch der einzige, den ich guten Gewissens und uneingeschränkt empfehlen kann. Der Plantation 1986 ist als Easy Sipper solide, aber nicht mehr wert als sein damaliger Ausgabepreis. Den Appleton 21 kann man dagegen trinken, ist aber für meinen Geschmack zu teuer. 
Auf der Seite der Verlierer finden sich dagegen ganz klar die drei anderen Rums wieder: der Coruba 25 YO, der Alambic Classique 15 YO und der Cadenhead's Green Label 25 YO, die nicht nur ihr Geld meiner Ansicht nach überhaupt nicht wert waren und sind, sondern eben auch mit klaren Fehlnoten und Mängeln daher kommen! Habt ihr eine dieser Flaschen noch irgendwo herumstehen, dann lasst sie besser zu. 

Ich hoffe, diese Kurz-Reviews konnten einen kleinen Überblick über die eher selten anzutreffenden, zumeist sehr lange gereiften, eher etwas softeren Jamaica Rums geben und helfen vielleicht dem einen oder anderen dabei sich zu entscheiden, ob er einen dieser Rum kaufen oder aufmachen möchte oder es vielleicht besser lässt. 


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 4. November 2018

Velier HP Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1996

Liebe Rum Gemeinde,

nach ganz viel Long Pond und Jamaica geht es heute endlich auch einmal wieder zu meiner momentanen Lieblingsdestillerie, das heißt, es geht natürlich nach Trinidad und dort direkt nach Caroni an die Old Southern Main Road!


Und es geht nicht einfach nur nach Caroni, was für sich genommen ja schon immer eine gute Wahl ist, nein, es geht auch noch in einen meiner absoluten Lieblingsjahrgänge von Caroni, es geht in das Jahr 1996! Dieser Jahrgang ist kein unbekannter hier auf Barrel Aged Thoughts, denn mit dem 21 YO Extra Strong 100° Proof, dem 17 YO High Proof Bottling aus 2013 und der 20 YO Single Cask Abfüllung für Kirsch Whisky kamen hier bereits drei Velier 1996 zur Verkostung, sowie mit dem 12 YO Rendsburger Caroni 1996 von Whisky Krüger auch noch ein 1996, der ursprünglich aus den Tropical Caroni Stocks von Bristol Spirits Ltd. stammt. Wer sich mit Caroni und seinen Bottlings etwas auskennt und diese Auswahl kurz überfliegt, dem fällt aber vielleicht auf, dass da durchaus auch noch ein paar spannende Abfüllungen fehlen. Und eine von ihnen möchte ich euch heute gerne etwas näher vorstellen, nämlich den Velier 100° Proof Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni aus 1996!

                   

















Dieser kam im Jahr 2016 nach 20 Jahren tropischer Reifung als das 34th (auf dem Label fälschlich 34rd) Release der regulären Velier Caroni Serie zur Abfüllung und hat einen Alkoholgehalt von 57,18% vol.. Die Reifung erfolgte bis 2008 auf der Insel Trinidad. Dann wurden die Fässer, wie alle anderen Fässer des Trinidad Stocks von Velier, nach Guyana zu DDL gebracht, wo sie, noch weitere acht Jahre weiterreifen durften. Während der insgesamt 20 jährigen Reifung verdunsteten über 85% der ursprünglichen Menge Rum, der so genannte Angels Share. Diese Angaben liest man immer wieder auf Flaschen, allerdings habe ich in letzter Zeit häufig festgestellt, dass einigen Connaisseuren nicht immer klar ist, was genau diese Angabe bedeutet. Viele stellen sich darunter dann Fässer vor, in denen sich nur noch rund 15% des Rums befinden, sprich, die fast leer sind. Das ist, zumindest bei Velier, aber nicht zutreffend (andernfalls wären Single Cask Abfüllungen ja auch keine 50 Flaschen mehr stark). Vielmehr kippt Velier immer wieder Fässer des selben Batches zusammen, so dass sie wieder voll befüllt sind. Es reduziert sich also nicht die Menge Rum in den Fässern, sondern die Anzahl der gefüllten Fässer.


Angels Share am Beispiel des 34th Caroni Release:

Was heißt das im konkreten Fall der heutigen Abfüllung? Ein Rechenbeispiel: das 34th Release ergab am Ende noch 3800 Flaschen. Wenn wir davon ausgehen, dass man pro Fass ca. 250 Flaschen herausbekommt, dann wissen wir, dass für den Rum ca. 15 Fässer miteinander vermählt wurden. Diese ca. 15 Fässer sind also ca. 15% der Menge der für diesen Rum ursprünglich befüllten Fässer, was bedeutet, dass im Jahr 1996 nicht weniger als ca. 100 (!!) Fässer für das 34th Release befüllt wurden. Das heißt, dass in den 20 Jahren der Reifung die Menge von mehr als 85 Fässern Rum verdunstet ist, um am Ende noch ca. 15 Fässer a 3800 Flaschen herauszubekommen.

Bildlich sieht das dann so aus:

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Zum Vergleich dazu: bei einer Lagerung in Europa verdunsten im gleichen Zeitraum nur etwa 25% des Rums. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Hätte man also im Jahr 1996 die 100 Fässer nach Europa gebracht, so wären noch ca. 75 von ihnen gefüllt gewesen.  Das sähe dann so aus:


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Diese 75 Fässer hätten dann wiederum ca. 19.000 Flaschen ergeben. Das heißt also, dass sich einzig und allein durch die Wahl von tropischer Sonne statt der gemäßigten Temperaturen in Europa zur Reifung der Fässer eine Differenz von ca. 15.000 Flaschen (!!) ergibt! Rechnet man mit einem Preis von 100,- Euro pro Flasche, so ergibt sich eine Differenz von stolzen 1,5 Millionen Euro! Ein gewaltiger Unterschied und spätestens jetzt wird vermutlich jedem klar, warum eine derart lange tropische Reifung tatsächlich so besonders ist und warum das bisher kaum so gemacht wurde. Ich bin kein Freund davon, die Jahre der Reifung oder den Reifegrad der jeweiligen unterschiedlichen Reifung im Vergleich zwischen den Tropen und Europa gegeneinander aufzurechnen. Und auch geschmacklich möchte ich da keine grundsätzliche Herauf- oder Herabstufung vornehmen oder mich irgendeinem Dogmatismus hingegen, weder zur einen noch zur anderen Seite, weswegen man eine Pauschal-Aussage wie "Tropische Reifung ist immer besser!" von mir auch nicht hören wird, aber die rein wirtschaftlichen Unterschiede, die sich bei der tropischen Reife in einem Verlust fast des gesamten Bestandes manifestiert, die war es mir ein Anliegen einmal sehr deutlich darzustellen. Um diesen Weg zu gehen, bedarf es also schon einer großen Portion Überzeugung und Idealismus und letztlich auch Mut, und daher freue ich mich, dass es mit Luca Gargano einen Mann gegeben hat, der ihn erfolgreich gegangen ist. Wie gesagt, ich sehe in tropischer Reifung kein Dogma, aber ich erachte sie als eine unschätzbare Bereicherung für die Rum Welt!




Verkostung des Velier 20 YO HP Caroni 1996:

Preis: der Ausgabepreis im Jahr 2016 lag bei ca. 100,- bis 150,- Euro. Heute kostet eine Flasche ca. 200,- bis 250,- Euro. Für Velier- und Caroni-Verhältnisse hält sich der Aufpreis hier also bisher noch in Grenzen.

Alter: insgesamt 20 Jahre lag, von 1996 bis 2016, lag der Rum im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1996 bis 2008 auf Trinidad und von 2008 bis 2016 bei DDL in Guyana statt. Somit ist er zu 100% tropisch gereift.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 3800 Flaschen abgefüllt.

Angel's Share: >85% 

Alkoholstärke: 100° Imperial Proof - der Rum hat eine Trinkstärke von 57,18% vol.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. 

Viskosität: dicke, fette und satte Schlieren laufen an der Glaswand herunter.

Nase: Caroni! No doubt... Sehr stiltypisch schreit einem dieser Rum sofort entgegen was er ist. Herrliche Nase! Sehr tief, sehr voll, sehr reichhaltig, sehr komplex. Genau so muss ein guter Caroni riechen! Auch der Jahrgang 1996 lässt sich durchaus bereits definieren. Da ist diese schwere, für Caroni 1996 so unglaublich typische Süße, mit Anklängen von reichhaltig gefülltem tropischen Obstkorb, gepaart mit dreckigen Komponenten von Petroleum, Nagellackentferner, Phenolen, Holzlack, kurz, allem, was nicht in Kinderhände gehört. Dazu hat er auch noch etwas leicht pafümiertes und die lange Fassreife kommt ebenfalls durch. Die alkoholische Schärfe klingt zu Beginn kurz an, verzieht sich aber innerhalb einer halben Stunde fast gänzlich. Für eine Stärke von fast 60% vol. ist das wirklich sehr dezent. Ganz, ganz großes Kino, großartige Nase!

Gaumen: erneut besteht kein Zweifel darüber, was ich gerade im Glas habe! Vor allem auch das Jahr 1996 lässt sich deutlich herausschmecken. Die Verdünnung ist dem Caroni zu Beginn kurz anzumerken, auch Blind hätte ich sicher nicht auf einen Full Proof getippt. Allerdings bleibt das alles im Rahmen und ich würde alles in allem sogar fast von einer optimalen Trinkstärke sprechen, auch und gerade weil die Caronis aus 1996 in Fassstärke ja auch gerne mal um die 70% vol. aufweisen. Das ist zwar auf seine Weise ebenso genial, aber im Umkehrschluss auch sehr anstrengend, weswegen diese smoothe Auslegung sehr gut passt, wie ich finde. Nach kurzer Zeit im Mund wird der Rum dann auch zunächst adstringent und dann cremig, was mir gut gefällt, ich mag das. Das Aromenspektrum reicht von tropischen Früchten, über Petroleum, Phenole, Holzlack und Teer, bis hin zu einer tollen Note vom Fass, die uns neben der schönen Holzaromen auch noch etwas Bourbon Vanille und eine gute Portion Anis sowie Nelke beschert. Das ist schon ein sehr typischer Vertreter für 1996!

Abgang: der Rum ist langanhaltend und es bleibt vor allem das Holz vom Fass, gepaart mit etwas frischem Schnittholz, viel Anis und Nelke und ein wenig Kastanie.

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Caroni in Autumn
Fazit: Geil, geil, geil! Genau so muss ein Caroni für mich sein, und tatsächlich ist das einer der besten Vertreter des herausragenden Jahrgangs 1996 für mich! Umso weniger kann ich verstehen, dass er noch immer so ein wenig im Schatten zu stehen scheint, immer ein wenig vergessen wird, wenn es um die ganz großen Caroni Bottlings geht. Das manifestiert sich letztlich auch im Preis für diese Abfüllung, der mit 200,- bis 250,- Euro pro Flasche noch vergleichbar human ausfällt, bedenkt man, was da bei Caroni sonst gerade so los ist. Damit liegt er in etwa bei dem, was eine Flasche Caroni 21 YO aus 1996, der noch immer verfügbar ist, oder was das 31st Release 1996 - 2013 High Proof kostet und ich meine, dass er diesen beiden wiederum ganz deutlich überlegen ist. Das liegt vor allem daran, dass das heute verkostete 34th Release, im Gegensatz zu den beiden anderen eben erwähnten Rums, immer wieder auch Ecken und Kanten aufweist und trotz der Verdünnung alles andere als weichgespült ist. Gleichzeitig sorgt der leicht gesenkte Alkoholgehalt aber wiederum dafür, dass der Rum auch Nicht-Caroni-Nerds zugänglich ist, weswegen es also wohl diese Caroni-Abfüllung wäre, die ich fast jedem fast blind empfehlen würde! So war es nur logisch, dass ich mir auch selbst eine Flasche dieses wirklich hervorragenden Rums gekauft habe. Denn das ist einer dieser Rums, bei denen mir ein Sample nicht gereicht hätte. Davon möchte ich noch mehr trinken und das werde ich auch in Zukunft gerne tun!

Ein Dankeschön geht heute noch an den T9, der sich einer Flaschenteilung dieses Rums angenommen hat, bei der ich nicht leer ausgegangen bin. ;-)

In diesem Sinne, bis demnächst!
Flo