Sonntag, 2. Juli 2017

Foursquare RUMble - Triptych/ Criterion/ C.d.I.

Liebe Rum Gemeinde,

die Zeit ist ein kostbares Gut, umgeben vom Hauch der Unendlichkeit und doch so individuell begrenzt und limitiert, dass sie an manchen Tagen wahrlich beinahe einer Währung gleicht. Momentan finde ich für Barrel Aged Thoughts leider oft nicht so viel von eben jener Zeit wie der Blog und ihr es verdient hättet und auch wie ich es mir wünsche. Um euch aber nicht vollkommen im Regen stehen zu lassen habe ich mich dazu entschlossen, hier nun hin und wieder auch Kurz-Reviews zu bringen, die dann allerdings eher den Charakter einer Kolumne haben werden und deren Notes sich mehr auf den Stil eines Rums und auf meine Bewertung des Rums konzentrieren als auf breit angelegte Geschmacksbeschreibungen. Das ganze bewegt sich also eher in die Richtung "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht" zu. Ich weiß, dieses Konzept hat auch Fans, hoffe aber doch, dass ich bald wieder die Zeit für die vollen 100% finde. 

Foursquare war für mich immer eine Destillerie, die ich so richtig nicht auf meinem Radar hatte. Ich probierte über die Jahre mal hier und mal dort einen, von Bristol als auch Originalabfüllungen u.a., und war aber jedes Mal alles andere als angetan oder gar begeistert. Nein, schlecht waren die bis auf Ausnahmen nicht, aber in meinen Augen eben auch nicht gut. Langweilig, trifft es da wohl am besten - das Schicksal auch vieler Rums im spanischen Stil bei mir. Das ging bis letztes Jahr, so mein Eindruck, jedoch auch den meisten anderen Connaisseuren so. Dann kam der 2006er Foursquare von Velier und alle rasteten aus. Eine Destillerie, deren Rums das Mittelmaß bis dahin meines Erachtens nach gerade zu definieren hätten können, rückte mit nur einem einzigen Rum aus dem Schatten in das Licht und spielte fortan mit den "großen" mit. Dies hängt, ich denke, da dürften mir fast alle zustimmen, untrennbar mit Richard Seale zusammen, der seit geraumer Zeit unermüdlich unterwegs ist und die Lehre vom reinen Rum predigt, oft und gerne auch in den sog. "sozialen Netzwerken". Ebenso oft tut er das mit einer Rhetorik, die sehr radikal ist und die kaum einen Raum lässt für Grautöne. Das zeigt Wirkung und so wurde wurde Foursquare für viele Gleichgesinnte zu einem der Angelpunkte des Rums. Ich selbst zähle mich bereits seit 2011 zu den Gegnern von Zucker und anderen Zusatzstoffen im Rum, seit einer Zeit also schon, als man deren Existenz zwar ahnte und schlicht und ergreifend auch schmeckte, für die damals allerdings noch gar keine Beweise vorgelegen hatten. Ich teile ich die Ansichten Seales zu diesem Thema daher im Grundsatz.

Foto by Micha. Danke! :)
Für meine erste Kurztasting-Runde habe ich also drei Rums der barbadischen Destillerie Foursquare gewählt, von denen vor allem einer in den vergangenen Tagen und Wochen ordentlich von sich reden machte: den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke, den Velier "Triptych" aus 2004, 2005 und 2007 und die Originalabfüllung "Criterion", die 10 Jahre alt ist und 2017 abgefüllt wurde. Deutlich im Fokus der Aufmerksamkeit: der Triptych.
Schon Monate vor seinem Erscheinen hat diese Abfüllung viele Connaisseure rund um den Erdball elektrisiert. Während man vom schon 2015 abgefüllten Compagnie des Indes oder vom erst kürzlich erschienenen Criterion sehr viel weniger gehört hat und auch nicht so richtig das Gefühl hatte, dass sich für die beiden, im Vergleich zum Triptych, wirklich viele Menschen interessiert haben, sondierten viele schon zum Jahreswechsel, wo und wie sie an eine Flasche Triptych kommen könnten, wo ja der Vorgänger die Shops dieser Welt kaum von Innen heraus gesehen hat - zumindest nicht zum Ausgabepreis. Warum ist das so? Dass ein Compagnie des Indes, bekannt für doch oft sehr schwankende Qualität der Rums, nicht unbedingt die Blicke auf sich zieht: bon! Aber gerade im Hinblick darauf, dass auch der Triptych im Grunde genommen ein von Foursquare selbst zusammengestellter Blend ist, der von Velier lediglich abgefüllt und vertrieben wurde, verwundert zumindest das vergleichbar geringe Interesse am Criterion. Aber Velier ist eben Velier und letztlich wiederholte sich also im Prinzip nur das gleiche, was auch schon beim 2006er Velier los war. Inwieweit es sich da jetzt also um einen wirklichen Anstieg des Interesses um Foursquare handelt, oder ob es dabei in Wahrheit nicht viel eher um die Popularität von Velier geht, das ist zumindest umstritten. Für mich war das alles jedenfalls Grund genug um einmal hinter diesen Hype zu blicken und schaute mir die erwähnten drei Rums mal aus der Nähe an.


Velier "Triptych" 2004/2005/2007 - 56% vol.:

Micha again...
Ich testete zunächst den Triptych und besorgte mir direkt nachdem er raus kam ein Sampel (Danke Johannes!)! Hier war ich zunächst enttäuscht. Die Nase empfand ich als ganz und gar unspektakulär und sie erinnerte mich an die Non-Rockley WIRD-Abfüllungen. Eher ein Spanier, denn ein Brite. Am Gaumen dann überraschte mich der Triptych jedoch, denn nach der eher schwächeren Nase hatte ich keine großen Steigerungen mehr erwartet. Doch hier wusste der Triptych zu überraschen und begeisterte mich mit einer gelungenen Komposition, die doch schon sehr viel anders und auch besser ist, als die sonst am Markt so erhältlichen Foursquares. Hervorragend eingebundener Alkohol! Um den wirklich gut zu finden muss man zwar vermutlich ein kleiner Fan der Destillerie sein, aber dieser hier darf sich doch zumindest mal guter Durchschnitt nennen. Ein Rum, den ich fantastisch fänd zu einem Grillabend mit Freunden und zum nebenher trinken, ohne sich groß Gedanken um sein Glas zu machen. Zu diesem Zwecke würde ich ihn mir wohl kaufen und dafür auch gerne bis zu 50 Euro hinlegen. Zu diesem Preis hätte ich zugeschlagen. Die aufgerufenen 129 Euro sind mir der Rum jedoch in keiner Weise wert, da ich Rums dieser Preislage nicht mehr zum peripheren Genuss kaufe.


Criterion 10 YO - 56% vol.:

Nochmal Micha... :)
Als nächstes, ein Dank geht an Marius von Single Cask Rum für das Sample, probierte ich den Criterion. Hier waren meine Erwartungen, Dank des Triptych, schon etwas höher als sie es normalerweise an einen Foursquare gewesen wären und dementsprechend ging ich sogar mit leichter Vorfreude an das ganze ran. Diese schlug schlagartig in blankes Entsetzen um, als der Rum dann im Glas war.
Wo der Triptych noch rund und als Komposition harmonisch war, war der Criterion einfach nur schwach, dünn, unrund, alkoholisch und ohne jede Stimmigkeit. Wie ein Triptych, bei dem man alles einfach nur schlechter gemacht hat. "Warum?" - diese Frage schießt mir spontan durch den Kopf. Warum füllt Richard Seale unter eigenem Namen, fast zeitgleich zum Triptych, einen Rum ab, der gegen diesen so gnadenlos abstinkt? Man muss und man möchte nicht unbedingt alles verstehen, aber ich finde das schon sehr unglücklich und ich denke, das wird die Euphorie vor dem nächsten Velier Foursquare wohl kaum bremsen. Bei den Eigenabfüllungen aber bin ich nun skeptischer denn je, insbesondere, da ich auch schon den Zinfandel z.B. nicht gut fand.


Compagnie des Indes 16 YO 1998/2015 - 60% vol.:

Zu guter Letzt ließ ich mir noch den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke (60% vol.) empfehlen, der exklusiv für Dänemark abgefüllt wurde. Auch für dieses Sample muss ich mich bei Johannes bedanken!
Ich hatte zuvor schon gutes zu diesem Tropfen gehört und daher durfte er bei mir dann gegen den Sieger aus Triptych und Criterion ran, also gegen den Triptych. Und was soll ich sagen? Auch dieser hat gegen den Triptych leider keine Schnitte gesehen. Er ging in eine ganz andere Richtung und ich empfand den Rum, und das passiert mir selten, als regelrecht eklig. Eine genauere Beschreibung entfällt daher, der Rum ging dort wieder raus wo er hinein ging und ich spülte mit Triptych hinterher. Gruselig!


Fazit:

Mit dem Triptych hat ein Rum diesen Dreier-Vergleich klar für sich entschieden! Da gab es nichts dran zu rütteln. Ich kann daher nach dem probieren verstehen, warum der Triptych sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhält als der Criterion. Dass das allerdings durch die Bank auch schon Monate vorher so war, bevor irgendwer diese Rums wirklich probieren konnte, das kann ich nur bedingt verstehen. Okay, mit dem 2006er, den ich leider nicht kenne, hatte Velier wohl gut vorgelegt, da er dem Hören nach wirklich gut war, aber eine Schwalbe macht in meinen Augen noch keinen Sommer, auch bei Velier nicht. Ich bin daher nach wie vor der Meinung, dass hier auch ein Stück weit eine Glorifizierung des Abfüllers vorliegt, die genauso gut auch ins Auge gehen hätte können. Denn da ich mich glücklich schätzen kann auch ältere Abfüllungen von Velier aus vergangenen Tagen zu kennen, kann ich sagen: auch die hatten, bei aller unbestreitbarer Qualität, die sie gebracht haben, genug Ausfälle im Repertoire, wie eben jeder andere Abfüller auch.

Micha ein weiteres Mal. :)
Was ich deutlich festhalten möchte: mag der Triptych auch im internen Foursquare Vergleich klar die Nase vorn gehabt haben, aber zu diesen Preisen und bei diesen Ergebnissen, und das schließt auch den Triptych mit ein, ist die Destillerie bei mir persönlich nicht konkurrenzfähig. Da bieten viele andere in meinen Augen einfach mehr. Guter, gehobener Durchschnitt, den der Triptych bietet, scheint hier momentan das Maximum zu sein und das ist mir zu diesen Preisen deutlich zu wenig. Da habe ich zwar gelegentlich Lust drauf, aber dann eben auch zu anderen Preisen. Solange Foursquare mit Velier kooperieren, dessen kann man sich sicher sein, sind sie relativ unabhängig von allem inhaltlich gebotenen, die Rums werden sich immer verkaufen und in Teilen der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Gänzlich unabhängig von Velier müsste da meines Erachtens aber mehr kommen, wenn man plant, in einem Atemzug mit Hampden , Long Pond, DDL, WIRD, Mount Gay, St. Lucia Distillers oder Caroni genannt zu werden. Denn momentan sehe ich sie doch eher noch in einer Reihe mit Travellers, Westerhall, Barbancourt, Don Jose oder Angostura; handwerklich ordentliche Rums (wobei das bei einigen der genannten definitiv nur auf die unabhängig abgefüllten Rums zutrifft!), aber eben ohne das besondere, das reizende, das alleinstehende.

Ein vorletztes Wort gilt dem, was auf das Review des Triptychs meines Blog-Kollegen Marius hin geschehen ist, vor allen Dingen auf F***book. Dieser hatte sich das Recht herausgenommen, den Rum ähnlich durchschnittlich zu bewerten wie ich und erntete daraufhin einen Shitstorm, der an Verhältnislosigkeit kaum zu übertreffen war. Vordergründig hängte sich das ganze an einer Detailfrage auf, aber ich halte es dann doch für sehr abwegig, dass einem solch ein Zorn entgegen schlägt, nur weil es heißt, dass ein Rum "höchstwahrscheinlich" gefärbt sei, noch dazu, nachdem Marius, einer fehlerhaften Quelle aufgesessen, das ganze schnell und souverän korrigierte. Nein, da haben meines Erachtens eher einige wenige, aber dafür umso lautere, nicht ertragen, dass ihr Lieblingsabfüller einmal keine Top Note absahnte. Daraus wiederum wurde dann in Windeseile eine negative Bewertung und im nächsten Moment ein Hass auf den Abfüller. Ja Leute, geht's denn noch? Besonderes Kopfschütteln löste bei mir die Tatsache aus, dass Richard Seale selbst ganz vorne mit dabei war. Ob er das nötig hatte, und wenn ja, warum, werden wir wohl nicht erfahren. Mir ist nur wichtig einmal klar zu machen: auch Reviews, die sich einmal nicht vor Begeisterung überschlagen gehören dazu und sind wichtig. Ich gucke auch, dass ich vornehmlich über Rums schreibe, die mir gefallen, aber gerade wenn ich hochgelobtes für völlig überbewertet oder überpreist halte, dann sage ich das auch gern.

Und das letzte Wort schließlich richtet sich an den Micha, der mir die Fotos vom Triptych und vom Criterion gemacht hat. Vielen herzlichen Dank dafür, auch und gerne noch einmal an dieser Stelle!

Bis demnächst, habt eine schöne Zeit,
Flo

Sonntag, 11. Juni 2017

Thoughts - Ausverkäufe und Auswüchse

Liebe Rum Gemeinde,

im März ging noch ein kollektiver Aufschrei durch die Szene, als ein Rum, seinerzeit war es der The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990, innerhalb von nur drei Tagen ausverkauft war.
Dass das aber nur die vergleichsweise harmlose Spitze eines momentan stetig wachsenden Eisbergs ist, war zwar innerhalb der engeren Rumszene ein offenes Geheimnis, spielte sich insgesamt aber eher konspirativ ab. Neu ist, dass diese Vorgänge die Oberfläche erreichen und derzeit auch für jedermann immer mehr offenbar werden. Denn der Newsletter eines bekannten deutschen Onlineshops zeigte Anfang der Woche, ungewohnt offen, eindrucksvoll und beispielhaft, wie weit die Praktiken vieler Connaisseure und/oder Anleger inzwischen geschritten sind, wenn ein Rum in einem Shop schon ausverkauft ist, noch bevor er das Shopsystem von Innen gesehen hat. *1 

Im Newsletter des Shops heißt es wörtlich:
"Eigentlich sollte das "Highlight" dieses Rum-Angebotes ein 30 Jahre alter Jamaica-Rum aus der Long Pond-Distillery sein...allerdings hat kurz vor Erscheinen dieses Angebotes ein Kunde alle verfügbaren Flaschen davon gekauft (Schöne Grüsse an Herrn H. aus HH)."

Ich möchte das an dieser Stelle nicht werten, das würde auch niemanden weiterbringen, wohl aber möchte ich den Informationswert dieses Vorgangs festhalten. Denn dieser offenbart eben, wie realitätsfern es im Jahr 2017 sein kann, stark limitierte Rums noch bequem auf herkömmliche Weise kaufen zu wollen. Und wie das Beispiel aus dem Newsletter zeigt, passiert das inzwischen auch bei Rums, die eine eher großzügige Limitierung haben (hier waren es 800 Flaschen) und noch dazu sündhaft teuer (~230 Euro für 0,5 Liter) sein können. Das sind alles keine Garantien mehr dafür, dass der Vorrat, auch der eines solchen Rums, einige Zeit vorhält.
Die daraus resultierenden Konsequenzen sind, dass andere Connaisseure nachziehen müssen, ihre Methoden anpassen müssen, wenn, ja wenn sie auch weiterhin an derlei Abfüllungen partizipieren wollen. Denn nur damit wir uns in dieser Frage richtig verstehen: mir gefällt das nicht! Ich überlege immer mehr und noch genauer, wie ich selbst mich innerhalb dieses Systems definiere und wie und wo ich mich positionieren möchte.
Ich bin darüber hinaus nämlich auch nicht der Typ, da kommen wir dann zu einem weiteren der jüngsten Auswüchse der Szene, der große Lust dazu verspürt sich in irgendwelche kilometerlangen Vorbestelllisten für die Rums eines renommierten italienischen unabhängigen Abfüllers mit schwarzen Flaschen einzutragen in der Hoffnung, auf Platz 1374 noch eine Chance auf eine Flasche zu haben, da auch sie die Shops nie erreichen oder wenn, dann nur kurz (und über die nicht mehr nachzuvollziehenden Preise für diese Abfüllungen haben wir da dann ja noch gar nicht gesprochen). Ich kaufe gerne Rum, gerne guten Rum und ich kaufe auch teuren Rum. Und ja, wir reden da von Luxuskonsum. Aber was ist das denn für ein Luxus-Kauferlebnis, bei dem mir als Käufer keinerlei Respekt mehr gezollt wird, bei dem ich als Käufer auch jeden Respekt vor mir selbst verliere und meine Würde an den F5 Button abtrete? Das ist mir in Gänze zuwider und ich kann all jenen, die es da ähnlich halten wie ich nur mit auf den Weg geben: lasst euch nicht irre machen und glaubt bitte bloß nicht, dass ihr in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis steckt! Es gibt auch eine sehr lohnenswerte Rumwelt jenseits von Genua. Vielleicht nicht immer in schwarzen Flaschen, aber es gibt sie. Man muss sich nur frei davon machen können, dem Prestige zu erliegen, die Rums haben zu wollen, für die alle Welt momentan bereit zu sein scheint, so viel Kohle zu zahlen. Der Kopf kann und soll manchmal bei einigen schönen und besonderen Abfüllungen auch mittrinken. Ohne wäre es langweilig! Aber ab und zu darf man den auch gefahrlos dazu benutzen, rational zu hinterfragen, Verhältnisse abzuwägen, sich selbst in Bezug zu seiner Umwelt zu setzen und über den Tellerrand zu blicken. Gier frisst Hirn, heißt es oft. Und das stimmt auch... oft. In diesem Sinne: bleibt kritisch, genießt wo ihr könnt und lasst es auch bleiben, wo ihr es nicht mehr könnt. Dann läuft der Rest von ganz alleine.

Habt einen schönen Restsonntag, eine zufriedene und erfolgreiche Woche und demnächst ist dann hier auch wieder ein schöner Rum am Start.

Bis dahin,
Flo

*1 Wie mir glaubhaft dargelegt wurde, schaffte es der im zitierten Newsletter betreffende Rum doch bis ins Shopsystem (wenn auch nur sehr, sehr kurz) des betreffenden Shops. Demnach ist die Darstellung im Newsletter in diesem konkreten Detail nicht zutreffend. Unberührt davon bleibt jedoch natürlich die Hauptaussage des Textes, dass es für den gewünschten Rum bereits zu spät sein kann, wenn man nach Erhalt des Newsletters den Shop aufsucht. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

MAI Tai 2.0 - Fazit

Liebe Rum- und Mai Tai Kumpanen,

der Monat Mai geht heute zu Ende und ich werde den letzten Tag heute dazu nutzen ein kleines Fazit zu ziehen. 

26 Mai Tais sind in den letzten 30 Tagen hier von mir vorgestellt worden. 5 davon wurden bereits vor vielen Jahren gemixt, die übrigen 21 Mai Tais aber sind von mir im Zeitraum Februar bis Mai 2017 zubereitet worden, so dass die geschilderten Eindrücke relativ frisch sind. Ich hatte 18 Mai Tais, deren Zutaten derzeit noch käuflich erworben werden können und 8, bei denen leider auch schon Zutaten ausverkauft sind. Das betrifft dann jeweils immer die Rums. Eine gute Quote, wie ich finde. Bedenkt man, dass auch die beiden Hampden von The Rum Cask, 1990 und 2000, ursprünglich von mir als verfügbare getestete Rums vorgesehen waren, so zeigt das sehr schön, die von mir klar angepeilte Aktualität dieses Monats. Ich wollte wenig Drinks für's Museum mixen! 


Ein Dank an die Gastblogger!

Eine besondere Freude war es mir, dass ich mit Marius von Single Cask Rum und Thomas von RUMBOOM zwei Gastblogger dafür gewinnen konnte, mich bei meinem Vorhaben durch zwei eigene gemixte Mai Tais zu unterstützen. Dafür auch auf diesem Wege noch einmal vielen Dank! Ich finde es großartig, dass durch solche "Gastspiele" ab und zu mal etwas frischer Wind auf BAT weht und es einfach mal was anderes zu lesen gibt als immer nur von mir ;)  


Experimente...

Mit dem Pineapple Mai Tai und dem Mai Tai Fizz hatte ich zwei spannende Experimente dabei, die den Mai Tai einmal etwas anders interpretiert haben und aus den sonst festgelegten Strukturen ein wenig ausbrachen. Die Kombination mit Ananas trat mit dem Anspruch an, zwischen der anspruchsvollen, ans Original von Trader Vic angelehnten Version des Drinks und der in weiten Teilen der Welt oft üblichen (Ananas-)saftgetränkten Version des Mai Tais ein wenig zu "vermitteln". Das ist, so meine ich, doch ganz gut gelungen, auch wenn das ganze durchaus noch ausbaufähig ist. 
Der Mai Tai Fizz war dagegen geschmacklich wenig anders, in der Darbietung dafür umso mehr. Verlängert als Long Drink bekommt der Mai Tai ein wenig Durstlöscher-Charakter, der ihm, bedingt durch seine Potenz, sonst eher weniger nachgesagt wird. Natürlich ist der Longdrink noch immer extrem stark, aber sein Alkoholgehalt (ich hatte ihn mit dem 68,5%igen Habitation Velier Jamaica HLCF 6 YO) verringert sich von ~40% vol. (wir reden noch immer von einem Drink, nicht von einer Pur-Spirituose!) auf ~25% vol. und das macht schon etwas aus. 
Etwas weiter gefasst, dürfen aber auch die Mai Tais mit Savanna HERR, den Demeraras und Caroni zu den Experimenten gezählt werden, da auch sie keine klassischen Mai Tais gemacht haben. 


Enttäuschungen

Echte Enttäuschungen sind, wie 2013, auch dieses Mal nicht wirklich dabei. Allerdings war die Anzahl der Mai Tais, die ich in dieser Form einfach nicht nochmal mixen würde doch etwas höher, schlicht, weil ich mich 2013 aus einem Pool unglaublich hochwertiger Mai Tais bedienen konnte, die ich auf dem Blog-Vorgänger "Mai tai roa ae!" bereits veröffentlicht hatte. 
Das war dieses Mal etwas anders, da, wie gesagt, die allermeisten Reviews neu geschrieben wurden. Auch die Rums waren, da sie verfügbar sein sollten, oft neu und so konnte ich weniger auf Erfahrungswerte zurückgreifen und probierte einfach vieles. Wenn man denn von Enttäuschungen reden möchte, so würde ich hier am ehesten die Mai Tais mit Long Pond nennen. Pur manchmal fast an Hampden grenzend, bekommen sie im Drink dann doch sehr deutlich ihre Grenzen aufgezeigt. Ein weiteres geplantes Review mit einem Long Pond habe ich dann schließlich gar nicht mehr durchgeführt und stattdessen ein weiteres mit Hampden gebracht. 
Worthy Park macht für mich ebenfalls keine so gute Figur im Mai Tai, aber von der geschmacklichen Definition dieses Cocktails weggehend taugte der Drink sehr wohl. Ja, und wenn man denn dann noch möchte, dann darf hier auch der Savanna HERR Mai Tai noch erwähnt werden. Der war zwar nicht schlecht, aber auf Grund dessen, dass ich den Pur einfach mega fand und der Junge Ester ohne Ende hat, hatte ich da einfach ein wenig mehr erwartet, als ich bekommen habe. Aber das ist dann irgendwo auch Jammern auf hohem Niveau!


Kracher!

Genauso, wie ich nur wenige echte Enttäuschungen zu verzeichnen hatte, hatte ich aber auch nur wenige echte Knaller! An vorderster Front zu nennen ist dabei natürlich der The Rum Cask Hampden 1990 Mai Tai. Ein Rum mit der Explosionskraft einer Bombe! Genauso angetan hat es mir darüber hinaus aber auch das Hampden Sextuple, welches erst gestern hier zu bestaunen war. Das war schon etwas ganz besonderes und diese beiden Mai Tais waren eine Klasse für sich! Achso, und die Purverkostung des Savanna HERR soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ein Rum, der ganz für sich alleine steht. Etwas dahinter und vielleicht nicht ganz so im Rampdenlicht stehend wie die beiden oben genannten haben sich aber definitiv ebenso die Mai Tais mit dem 17 jährigen 98er Hampden von The Rum Cask, mit dem Duncan Taylor Monymusk 2003, mit dem Blend aus Rum Fire und Habitation Velier Hampden HLCF und das Mai Tai-Hausrezept von Casa eine Erwähnung verdient. Der TRC 17 gefiel mir dann auch nochmal besser als die anderen beiden und klar, zwischen denen und den weiter oben genannten ist schon nochmal eine deutliche Kluft, aber hier muss auch insbesondere das Preisleistungsverhältnis beachtet werden. 


Die PLV-Knaller!

Was mich dann direkt hier her führt und da müssen einfach die beiden eben schon erwähnten Mai Tais nochmals aufgeführt werden: der mit dem Rum Fire/Habitation Velier HLCF Blend und der Casa Mai Tai! Die sind nämlich nicht nur richtig, richtig gut, sondern kosten auch eine ganze Ecke weniger als so mancher guter Rum, der einen schönen Mai Tai macht. Wer gerne mal Gäste im Haus hat, die einen schönen Mai Tai zu schätzen wissen, der sollte über eine der beiden Versionen nachdenken, wenn er es denn nicht schon längst getan hat. Dicke Empfehlung!


Ein Dank an die Sampledealer!

Ein besonderer Dank kommt an dieser Stelle auch den inzwischen sehr zahlreichen Sampledealern der Szene zu, aktiv auch im Forum Der Rum Club! Marius, Thomas, Sani28, Rum_Aficionado, Casa, Knorke, Rumlounge, Trelawny, RUMZ, Mowgli und SpiritSafe, (... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, das täte mir sehr Leid!) vielen Dank dafür! Ohne euch hätte ich einige der diesen Monat gemixten Drinks nicht zaubern können!


... und Danke an euch alle!

Last but not least bedanke ich mich natürlich auch bei euch allen Lesern, dass ihr mich diesen Monat auf dieser feucht-fröhlichen Reise begleitet und Interesse gezeigt habt! Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und denke, dass es euch genauso erging. Denn das ist ja schließlich die Hauptsache. 



Ich gönne mir nun erstmal einen Schluck Caroni, pack' mich in die Eistonne und wünsche euch noch eine schöne Woche! ;)

Bis demnächst
Flo