Sonntag, 2. August 2020

Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Ganesh "Buju" Ramgobie

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem Nita "Nitz" Hogan als erste weibliche Employee der bisherigen Velier-Caroni Serie letzte Woche den Anfang gemacht hat, geht es heute mit Ganesh "Buju" Ramgobie weiter, dem der neue 1998er Employee gewidmet ist.



Und genau wie beim 2000er Bottling dürfen wir auch heute una World Premiere😉 feiern, wir sehen nämlich den ersten Velier Caroni in himmelblauer Optik! Nein, das ist sicher nicht so aufregend wie die erste Frau auf dem Label oder der erste 2000er Full Proof mit stärkerer Auflage, aber hey: World Premiere ist World Premiere! Es wundert mich eigentlich nur, dass das nicht auf dem Label vermerkt war.😆 So, aber nun ist gut.😎




















Tatsächlich gibt es über die 1998er Abfüllung des 3rd Employee Release erst einmal wenig aufregendes zu sagen. Wir erfahren auf dem Backlabel, dass Ganesh "Buju" Ramgobie insgesamt zehn Jahre bei Caroni gearbeitet hat, womit er zumindest schon mal unmittelbar in die Fußstapfen seines Jahrgangs-Vorgängers Kevon "Slippery" Moreno tritt, der ebenfalls zehn Jahre bei Caroni gearbeitet hat.

Nun sind die 1998er Caronis ja nicht gerade als meine Lieblinge bekannt - im Gegenteil, es handelt sich bei diesem Jahrgang vermutlich sogar um den meines Erachtens schwächsten der gesamten 1990er Jahre von Velier, wenn man jetzt nur mal auf die Auflagen-starken Jahrgänge (1992, 1994, 1996, 1998, 2000) schaut. Anders als letzte Woche beim 2000er, als ich dem Tasting richtig entgegen fieberte, gehe ich das ganze heute also deutlich nüchterner an. Ich erwarte weder viel, noch spekuliere ich auf große Überraschungen. Was dennoch wichtig ist, ist die korrekte Einordnung dieser Worte in mein Geschmacksbild. Denn was nun ziemlich despektierlich klingt, ist in Wahrheit noch immer Kritik auf ganz hohem Niveau! Denn auch wenn ich die 1998er im internen Caroni-Ranking als eher schwach ansehe, so schlagen diese Rums im Gesamtvergleich aller Destillerien die meisten derer noch immer mit links. Und so gingen Dennis "X" Gopaul und Kevon "Slippery" Moreno denn auch beide mit stolzen 93 Punkten aus ihren Verkostungen. Nun allerdings muss man das wiederum zu lesen wissen: was bei vielen Reviewern jetzt schon eine absolute Top-Wertung wäre, weil bei den meisten schon bei 95 Punkten das Ende erreicht ist, ist bei mir eben noch die Vorstufe zum wirklich letzten, absoluten Spitzenbereich. Ich nutze die 100er Skala also bis ganz nach oben aus.

Was können wir über den Ganesh Caroni noch sagen? Nun, er besteht aus dem Inhalt von insgesamt sieben Fässern des Jahrgangs 1998 und ergab am Ende noch 1.295 Flaschen. Ich sprach es letzte Woche schon an, in diese Rechnung sind die Mini-Bottlings noch nicht mit einbezogen. Insofern haben die sieben Fässer wohl schon noch etwas mehr hergegeben, als es hier auf den ersten Blick scheint. Preislich lagen wir bei 395,- Euro zu Ausgabe - ja, waren, denn der Rum war innerhalb weniger Minuten sofort vergriffen und generiert daher nur noch Secondary-Preise von ca. 600,- Euro. Inwiefern das alles gerechtfertigt ist, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist: so lange tropisch gereifter Stoff in dieser Qualität ist, gemessen an der Nachfrage, extrem rar. Und Stoff dieses Geschmacksprofils gar wird wohl nie wieder kommen. Insofern finde ich es nachvollziehbar, dass Menschen, die das realisiert haben, bereit sind extreme Summen für derlei Rum auf den Tisch zu legen. Kurios ist, um auf das Bottling selbst zurückzukommen, und auch bei der Nita fand sich dieser Hinweis schon, dass es sich laut Backlabel um Fässer des Guyana Stocks halten soll, wobei es meines Wissens nach keine Fässer aus 1998 nach Guyana geschafft haben. Dies war lediglich einigen Fässern aus 1992, 1994 und 1996 vorbehalten - wie gesagt: so weit ich weiß. Aber die Info ist eigentlich schon ziemlich safe. Daher kommen wir nun direkt zur Verkostung und hier sei angemerkt, dass ich den Ganesh heute mit einem seiner Vorgänger vergleichen möchte, nämlich mit Dennis X Gopaul. Diesen sah ich relativ gleich auf mit dem Kevon, allerdings erfreut er sich in der Rum Welt insgesamt deutlich größerer Beliebtheit als dieser. Daher heute das Duell Ganesh vs. Dennis!


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Verkostung des Velier FP HTR 21 YO Caroni 1998 - Ganesh "Buju" Ramgobie:

Preis: mit einem Ausgabepreis von 395,- Euro blieb der 1998er Employee des 3rd Release noch einmal (und vermutlich ein letztes mal) ganz knapp unter der 400,- Euro Marke.

Alter: vom Jahr 1998 an bis April 2019 reifte der Rum 21 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 1998er zu und auch ein wenig Recherche ergab, dass hier eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 7 Fässer zu 1.295 Flaschen abgefüllt. Damit ist der Ganesh die auflagestärkste Abfüllung der 3. Employee-Serie.

Angel's Share: >80% gingen an glückliche Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von genau 67% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: der Caroni bildet parallele, relativ eng zueinander verlaufende Schlieren, die recht zügig an der Glaswand hinablaufen.

Nase: ouhh, Überraschung! Mein erster Eindruck ist extrem positiv, so hatte ich 1998 eher weniger in Erinnerung. Da bin ich ja mal gespannt, was der Ganesh uns heute noch bereit hält! In der Nase wird allerdings zunächst erst einmal deutlich, dass die Reife-Entwicklung bei den Caronis auch vor diesem Bottling keineswegs halt gemacht hat. Insbesondere im direkten Vergleich zum Dennis "X" Gopaul wird das offenkundig. Das kann man mögen, ich selbst bin großer Fan dieser extremen tropischen Reifung, hingegen kenne ich auch viele Connaisseure, die diesem Prozess auch in entschlossener Abneigung gegenüber stehen. Ein klarer Kontrast zueinander besteht zwischen den beiden 1998ern auch in der Einbindung des Alkohols. Wo der Dennis noch immer ganz schön sticht, hat sich die alkoholische Schärfe beim Ganesh vergleichsweise schnell verzogen. Zwar braucht auch er einiges an Zeit zum Atmen, aber die 67% vol. kommen definitiv deutlich smother daher als die 69,5% vol. des Dennis. Hinter der Wand aus Alkohol erwartet mich dann beim Ganesh ein deutlich tanninigeres Bouquet als es der Dennis noch bot, finde aber auch gleichzeitig ein Mehr an natürlicher Süße vor, wo beim Dennis noch sehr viel dreckigere Eindrücke die Überhand hatten. Nach ca. 1,5 Stunden im Glas habe ich das Gefühl, dass der Rum wirklich angekommen ist. Zu den sehr schweren tanninigen Eindrücken mit zarter Süße, die mich nun sogar ein wenig an den Skeldon 1978 erinneren, gesellen sich Trockenfrüchte, leichte Lösungsmittel, Orangenzeste, Mangos, Papayas, Bourbon Vanille und Anis. Nach hinten heraus ist da auch noch ein bisschen sehr trockene Bitterschoki. Die für 1998er so typische Umami-Note ist nur schwach wahrnehmbar, aber vorhanden. Die dreckigeren Assoziationen, wie die zu verbranntem Gummi oder Teer muss man wirklich suchen. Blind könnte ich hier vielleicht wirklich eher auf einen Demerara Rum tippen. Der Dennis erscheint dagegen ausgewogener und etwas dreckiger als der Ganesh. Den tanninigen Einschlag hat er merklich schwächer. Nach ca. zwei Stunden geht der Rum ein wenig ins minzige. Die Veränderung, die der Rum im Glas durchlebt ist bemerkenswert und spricht für die doch gesteigerte Komplexität, die dieses Bouquet insgesamt zu bieten hat!

Gaumen: am Gaumen überrascht mich der Ganesh neuerlich! Denn der extrem leckere Eindruck, der mich schon in der Nase erst einmal unerwartet traf, setzt sich auch am Gaumen fort. Der Alkohol ist tatsächlich extrem gut eingebunden, hier wird der Unterschied zum Dennis erneut so richtig deutlich. Alkoholische Schärfe ist wirklich nur ganz minimal vorhanden und zeigt sich einzig durch ein angenehmes Prickeln auf der Zunge. Der Dennis hingegen brennt im Vergleich schon ganz ordentlich! Als nächstes fällt eine angenehme und für 1998 schon überaus ausgeprägte natürliche Süße auf, die mich, warum auch immer, jedes Mal an eine Art Holzlack erinnert. Ich bin sicher, die Assoziation ist eine andere, aber ich bekomme die wenn, dann seit Jahren nun schon nicht korrekt abgerufen. Da ist sensorisch also noch Luft nach oben. Es ist diese Süße, die ich eigentlich dem Guyana Stock zuordne, weswegen ich mich, wie schon bei der Nita, frage, ob die Info auf dem Backlabel nicht doch korrekt ist. Hier besteht dann gleichzeitig auch der größte Unterschied zum Dennis, der diese Süße fast gar nicht hat, dafür aber vor dreckigen Assoziationen nur so strotzt, die wiederum dem Ganesh fast gänzlich abgehen. Im Vergleich wirkt der Dennis hier schon fast eindimensional. Der Ganesh ist ungemein fruchtig, kommt von dieser Fruchtigkeit dann ins trockenere. Jetzt kommen auch die Tannine ordentlich raus und bringen feine, subtile Röstaromen mit sich. Ein wenig Platz ist dann auch noch für den 1998er Teer und den verbrannten Fahrradschlauch, aber das ist schon wirklich minimal. Zum Ende hin wird dann Anis immer mehr und zuletzt auch sehr dominant, was ich gern mag. Sehr starker Rum, der auch am Gaumen mit extremer Komplexität und Tiefe glänzt!

Abgang: lang anhaltend! Dreckiger Abgang, das ist jetzt typisch 1998! Erinnerungen an die Nita kommen hoch, als das jahrgangstypische auch erst im Abgang nochmal so richtig heraus kam. Der Rum wird dann aber schnell trockener und bitterer. Wobei das noch fast untertrieben ist, denn ich würde das schon als staubtrocken bezeichnen. Fast ist es, als würde der Rum nach dem letzten Schluck zu Pulver verfallen. Dann folgt noch ein krass medizinischer Einschlag, bevor er dann aber auch wirklich weg ist.

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Fazit: der Ganesh ist für einen 1998er Caroni schon sehr untypisch! Vor allem im Vergleich mit einem Arche-1998er, wie dem Dennis, zeigte sich das deutlich. Aber: eben gerade deshalb gefiel mir der Rum wirklich ausgesprochen gut! Mehr noch, das ist der allererste 1998er, bei dem ich, zumindest zum Ausgabekurs, sage: okay, der ist es mir wert! Das bedeutet aber natürlich auch: wer vielleicht ein "Die Hard 1998"-Fan ist, der könnte möglicherweise enttäuscht werden, auch wenn ich mir das ehrlicherweise nur schwer vorstellen kann. Deutlich eher als Ausschlusskriterium taugt da aus meiner Sicht die schon sehr fortgeschrittene Reife, zumindest für die Connaisseure, die sich auch bisher schon eher bei den Caronis mit bis zu 20 Jahren Reife gesehen haben. Versteht mich bitte nicht falsch, aus meiner Sicht ist der Ganesh keinesfalls overaged, im Gegenteil, ich finde diesen Reifeprozess bis in die Spitze hinein großartig und genau auf den Punkt, aber man muss darauf eben auch stehen. Und wer da partout nicht vermag, sich dafür zu begeistern, der könnte mit dem Ganesh am Ende dann auch falsch liegen. Wenn, dann allerdings nicht nur mit dem, ihr ahnt es, sondern ich fürchte, dann ist für diejenigen der Caroni-Zug tatsächlich abgefahren, bzw. es bliebe nur das teure Shopping früherer Bottlings auf dem Secondary. Aber in dem Punkt erzähle ich ja hier niemandem noch etwas neues. In diesem Sinne...

-94/100-


Nutzer der Rum Tasting Notes App finden den Rum hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 - Ganesh "Buju" Ramgobie

Ein Dank geht abschließend noch an Goose Nova aus Frankreich, der diese Abfüllung geteilt hat. Merci!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 26. Juli 2020

Velier HTR 19 YO Caroni 2000 - Nita "Nitz" Hogan

Liebe Rum Gemeinde,

die neuen Employees von Velier sind da! Wie in den beiden vergangenen Jahren, so stelle ich euch auch in diesem Jahr die aktuelle Range vor und würde sagen, ich beginne am besten mit derjenigen der drei Abfüllungen, auf die ich am meisten gespannt war, nämlich auf den Jahrgang 2000. Und so sage ich dann gleichsam: Ladies first!


Denn ganz recht, erstmals hat es mit Nita „Nitz“ Hogan eine weibliche Ex-Employee Caronis auf das Frontlabel und damit in die Serie geschafft! Eine willkommene Abwechslung, wie ich finde - und noch dazu hoch verdient! Denn auf dem Backlabel der Flasche befindet sich der Hinweis, dass die Frau ganze 30(!!) Jahre bei Caroni gearbeitet hat und somit noch vor 1975, also zu einer Zeit dort angestellt wurde, als Caroni noch teilweise zu Tate & Lyle gehört hat. Meine Hochachtung! Allerdings kann das ihr gewidmete Bottling auch in anderer Hinsicht mit einer Premiere aufwarten, denn die Abfüllung ist tatsächlich die allererste des Jahrgangs 2000 von Velier, der in Full Proof abgefüllt wurde ohne gleichzeitig ein Single Cask zu sein. Sämtliche bisherige 2000er waren entweder verdünnt oder eben Single Casks. In die insgesamt 39 Abfüllung umfassenden Regular Releases hat es nie ein Caroni 2000 geschafft!




















Somit habe ich dieser Abfüllung gerade deshalb so entgegengefiebert, weil ich mir neue Erkenntnisse davon verspreche und sicher bin, nicht etwas zu probieren, was man so oder so ähnlich nun doch schon das eine oder andere mal probieren konnte. Versteht mich nicht falsch, ich schätze insbesondere den Jahrgang 1996 wirklich außerordentlich, aber man weiß eben grob was man bekommt. Das ist bei diesem 2000er nun anders! Klar, wir kennen grob das Jahrgangs-Profil, aber die Qualität dieses Jahrgangs gab sich bisher leider oft auch schwankend und wechselhaft. Von grundsolide (12er, EU-Bottling), über eher enttäuschend (EATALY, 100th Anniversary-Bottling, Millennium Magnum) bis hin zu herausragend (Nectar, Ullrich, Juuls) war quasi alles dabei. Dabei zeigte sich, dass die Rums zwar nicht per se über die Maßen unter der Verdünnung litten, aber bemerkbar machte sie sich eben doch. Die Single Casks in Full Proof wiederum waren echte Monster! Hier suchte man Easy Sippin' vergebens, was bei über 70% vol. allerdings auch nicht unbedingt verwunderlich ist. Nun hat die Nita allerdings knapp 5% vol. weniger im Tank, kommt mit vergleichsweise leichten 65,2% vol. daher, und ist auch nochmal deutlich älter als die meisten bisherigen Single Casks. Ich gehe davon aus, dass sich das bemerkbar macht und insofern bin ich gespannt, was für einen Rum ich da heute ins Glas bekomme! Parallel vergleichen werde ich den Employee heute allerdings nicht mit einem der herausragenden Single Casks, sondern mit dem EU-Caroni. Das hat zwei Gründe. Zum einen kennen den EU-Caroni vermutlich die meisten Leser und können mit dem Vergleich etwas anfangen und zum anderen ist der EU-Caroni für mich unter jenen 2000er Abfüllungen, die zum trinken auch ganz realistisch noch in Frage kommen, die beste. Da sind die Single Casks einfach raus, da ich sie zu den inzwischen aufgerufenen Kursen wohl nicht mehr kaufen, geschweige denn öffnen würde. Insofern muss sich der Employee gegen den EU-Caroni beweisen, denn auch diesen gilt es ja erst einmal zu schlagen.



Aufgegangen sind in dieser Abfüllung insgesamt acht Fässer des Jahrgangs 2000, die eine Auflage von noch 1.247 Flaschen erreichten. Kurz nachgerechnet hieße das, dass jedes Fass noch ca. 150 Flaschen Rum ergeben hätten, bzw. dass sich pro Fass nur noch ca. 110 Liter Rum darin befunden hätten. Allerdings kommen ja auch noch die Mini-Employees. Insofern waren es dann also noch etwas mehr, aber man sieht, gerade im Vergleich zu dem, was Caroni-Fässer früher ergaben (durch das permanente Auf- und Umschütten), dass nicht nur die Fässer immer weniger werden, sondern dass auch deren Inhalt weniger ergiebig wird. Auf dem Backlabel erfährt man dementsprechend auch, dass der Angel's Share einmal mehr bei ca. 80% lag. Allerdings erfährt man dort auch, dass der Rum ab 2008 bei DDL in Guyana gelegen haben soll, was ich wiederum für sehr unwahrscheinlich halte. Denn bisher lagen alle 2000er komplett auf Trinidad. In Guyana reiften ab 2008 nach meiner Kenntnis nur Rums der Vintages 1992, 1994 und 1996 nach. Im April 2019 jedenfalls wanderte der gesamte Inhalt aller Caroni Fässer von Velier in Glasballons oder Stahltanks, so dass die Alterung ab diesem Zeitpunkt aussetzte. Darum ist der Rum auch, trotz Abfüllung in 2020, nur 19 Jahre alt.

Battle 2000: Nita "Nitz" Hogan Employee Full Proof Caroni 19 YO vs. EU-High Proof Caroni 17 YO

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Verkostung des Velier FP HTR 19 YO Caroni 2000 - Nita "Nitz" Hogan:

Preis: Nita "Nitz" Hogan war die günstigste der drei Abfüllungen des 3rd Employee Release. Der Ausgabekurs war 385,- Euro.

Alter: vom Jahr 2000 an bis April 2019 reifte der Rum 19 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 2000er zu und auch ein wenig Recherche ergab, dass hier eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 8 Fässer zu 1.247 Flaschen abgefüllt.

Angel's Share: >79% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von 65,2% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: sehr ölig legt sich der Rum an die Glaswand und läuft in engen, parallelen Schlieren daran herab.

Nase: ohh ja, der Jahrgang 2000 ist erwachsen geworden! Gut, dass ich mir parallel auch nochmal den EU Caroni eingeschenkt habe, anhand dessen dass auch noch einmal deutlicher wird als ohnehin schon. Ich finde hier direkt alles, was ich mit Caroni verknüpfe und auch, was ich mit dem Jahrgang 2000 verknüpfe: der Rum ist dreckig! Ja, er ist reifer geworden und er kaschiert es so stark wie noch kein 2000er vor ihm, aber wir befinden uns noch immer zweifelsfrei auf einem Schrottplatz. Das bekommt insbesondere der Jahrgang 1996 gänzlich anders verborgen. Im Gegensatz zu früheren Full Proof 2000ern fällt auf, dass die Nase vom Start weg zugänglicher ist. Wo ich bei einigen der Single Casks erst einmal eine Stunde und länger warten musste, insbesondere bei den Blenders Gläsern fiel das auf, kann ich am Employee quasi vom Start weg schnuppern. Der Alkohol ist hier also wesentlich besser eingebunden als bei früheren Full Proofs mit über 70% vol. Da hat die Nita mit ihren 65,2% schon einiges an Power eingebüßt, was mir persönlich besser gefällt. Anstatt mir also die Nasenschleimhäute zu verätzen gibt sie quasi kampflos ihr Bouquet preis und das hat es durchaus in sich. Lösungsmittel, Klebstoffe, aber auch Süße und Fruchtigkeit kommen etwas weniger raus als bei anderen Jahrgängen, sind aber natürlich deutlich vorhanden. Was, neben Teer und verbranntem Gummi, sehr dominant rüber kommt, sind Trockenfrüchte, Nüsse und Tannine, was die fortgeschrittene Reife des Rums gut dokumentiert. Nach hinten heraus habe ich Menthol und Anis. Parallel rieche ich immer wieder auch am EU-Caroni, der im Vergleich zur Nita tatsächlich eher schwächlich anmutet. Da bietet der 19 Jahre alte Stoff also schon klar mehr.

Gaumen: der Gaumen überrascht mich direkt beim ersten Schluck! In der Premieren-Verkostung und da beim ersten Schluck empfand ich den Rum kurz als etwas zu dünn geraten. Im zweiten Schluck relativierte sich das dann aber direkt und bei der nachfolgenden Verkostung hatte ich diesen Eindruck dann auch im ersten Schluck nicht mehr. Ein schönes Beispiel dafür, warum es immer wieder Sinn ergibt mehrfach zu testen! Bei der zweiten Verkostung hatte ich auch mehr noch als in der ersten das Gefühl beim ersten Schluck, dass das schon ein ziemlicher Hammer-Caroni ist! Auffällig ist einerseits der wirklich ungemein gut eingebundene Alkohol, das ist bei 2000er Full Proof Caronis eine gänzlich neue Erfahrung. Im Anschluss daran habe ich aber auch andererseits diese eigenartige Mischung aus Holzlack und Süße, die ich so eigentlich nur von den Guyana Stocks kenne und die ich unfassbar lecker finde! Ob das Label am Ende doch die Wahrheit gesagt hat? Offenkundig scheint mir, dass der Rum aus meiner Sicht, auch im vergleich zu früheren Abfüllungen, sehr von der fortgeschrittenen Reife profitiert. Ansonsten finde ich eigentlich alles, was in einen  guten Caroni hineingehört. Er ist angenehm fruchtig, das hat er früheren 2000ern z.B. voraus, und bekommt den Spagat aus Stil-Spezifikation und Erwachsenheit sehr gut hin. Mir gefällt der Caroni am Gaumen sehr viel besser als die Nase! Im direkten Vergleich fällt beim EU-Caroni hingegen vor allem die nicht unerhebliche Verdünnung auf. Klar, das ist auch immer noch ein leckerer Rum, aber den Vergleich verliert er mehr als deutlich.

Abgang: nach hinten heraus gestaltet sich das ganze dann nochmal sehr dreckig, da grüßt der Brennerei-Charakter aber nochmal standesgemäß! Ansonsten geht der Rum alsbald ins trockene über, ich habe noch Tannine und Walnuss. Der Abgang hält wirklich lange an, ich hatte den Rum auch nach Stunden noch im Mund.

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Fazit: die Erwartungen waren hoch, zumindest bei mir, aber Velier hat dennoch einmal mehr geliefert! Ich war gespannt, ob der Rum noch immer dieses für 2000 bisher so typisch puristische hat, oder ob die Reife den Rum einfach nur einreiht in die vielen anderen Caronis aus anderen Jahrgängen im vergleichbaren Alter. Und herausgekommen ist: ein Hybrid! Na klar, der Rum gibt sich sehr viel erwachsener, insbesondere im Hinblick auf die erst 15 Jahre alten Single Casks von vor fünf Jahren, aber man könnte ihn dennoch eher weniger mit einem Caroni anderer Jahrgänge verwechseln. Klar, die dreckigen Komponenten erlauben auch Assoziationen zum Jahrgang 1998, aber für diesen ist er wieder zu fruchtig, hat zu viel von dieser natürlichen Süße. Für einen 1996er aber z.B. ist er wiederum klar zu ruppig und zu dreckig. Insofern eben der Hybrid. Das ist natürlich gewöhnungsbedürftig, insbesondere da viele Connaisseure eine bevorzugte Linie haben, aber mir gefällt das sehr gut. Besser als die bisher besten 1998er die ich hatte, aber nicht so gut wie die richtig geilen 1996er, 1994er oder 1992er. Das passt also schon so und ordnet sich dort ein, wo ich den Jahrgang 2000 bisher auch gesehen habe.

-94/100-


Nutzer der Rum Tasting Notes App finden den Rum hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 - Nita "Nitz" Hogan


Ein Dank geht abschließend noch an den Mr. FT, der auch diese Abfüllung geteilt hat. Vielen Dank!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 19. Juli 2020

Habitation Velier C<>H Jamaica 10 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde!

Endlich! Lange angekündigt, hat Habitation Velier mit dem C<>H mein persönliches Lieblings-Mark von Hampden erstmals tropisch gereift auf die Flasche gebracht. Selten habe ich einem Release mit so viel Vorfreude entgegen gesehen. Ich bin gespannt! 


C<>H! Das ist meines Erachtens das Mark, welches den Ester-Wahnsinn perfekt auf die Spitze treibt, ohne dabei zu weit zu gehen. Denn das Mark DOK kommt meines Erachtens zu extrem daher, um wirklich noch genießbar zu sein. Man kann das trinken, klar, und ich bin wahnsinnig froh, dass es vor zwei Jahren endlich die Möglichkeit gab sowas mal probieren zu können und auch stolz darauf, da mit dem Letter of Marque so ein wenig Part of the Story gewesen zu sein, aber für mich ist DOK inzwischen auserzählt. Das war seinerzeit spannend, gewiss, aber mir persönlich macht DOK nicht mehr wirklich Spaß. Das merkte ich nochmal ganz deutlich, als ich diverse un-/kurz-gelagerte DOK parallel verkostet hatte.




Ganz anders sieht es da bei C<>H (steht für Continental Diamond Hampden) aus! Dieses Mark, welches Hampden verwendet um seine Rums mit einem Estergehalt von 1300 - 1400 gr/hlpa zu kennzeichnen, begleitete mich auf meiner Rum-Reise schon lange bevor ich von dessen Existenz überhaupt erfuhr. Denn wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass die genaue Zuordnung von Jahrgängen zu Marks erst seit wenigen Jahren möglich ist. Dass es sich bei dem Jahrgang 1990 um eben dieses Mark handelt, ist erst seit 2017 bekannt, als TRC einen solchen Rum auf den Markt brachten und das Kürzel JMC hier mehr verriet, als es einem auf den ersten Blick scheinen könnte. Und der Jahrgang 1990, um auf meine Reise zurück zu kommen, war Anno 2011 meine erste richtig große Rum-Liebe! Als ich den Berry's Hampden 1990 das erste Mal im Glas hatte, war das nicht weniger als eine Offenbarung! Trotz des geringen Alkoholgehalts von nur 46% vol. besaß dieser Rum eine Power, die seinesgleichen suchte, aber lange nicht fand. Erst Folge-Abfüllungen von Duncan Taylor und eben 2017 The Rum Cask sollte das gelingen. Insofern bin ich also bereits seit neun Jahren großer Fan des Marks C<>H. Es ist mein persönliches Lieblings-Mark, im wahrsten Sinne des Wortes meine Benchmark, und dementsprechend gespannt war ich darauf, wie ein solcher Rum wohl tropisch gereift schmecken würde. Hier haben mir die bisher veröffentlichten Marks wie HLCF, <>H oder HGML zwar durchaus gefallen, aber meinen 1990ern konnte davon bisher nichts gefährlich werden, insbesondere da mir nach hinten heraus einiges an Abgang fehlt. Das verrät die doch vergleichsweise kurzen Reifezeiten am Ende, Tropical Aging hin oder her. Allerdings sind es nichts desto weniger der <>H und der HGML, die es für den C<>H auf der Seite der tropisch gereiften Hampdens auch erst einmal zu schlagen gilt, weswegen ich sie im heutigen Tasting quer vergleiche, ebenso wie zwei der bisherigen Benchmarks auf Seiten des C<>H. So muss sich der Habitation Velier also einerseits gegen die niedrigeren Marks bei ansonsten vergleichbarem Alter beweisen, als auch gegen die kontinental gereiften Brüder gleichen Marks aus dem Jahrgang 1990!

Vintage 2010 Mark-Battle: <>H vs. HGML vs. C<>H

C<>H-Battle: BBR 17 YO 1990 vs. TRC 26 YO 1990 vs. HV 10 YO 2010


Als ganz besonderen Bonus bekam ich darüber hinaus die Möglichkeit, die Verkostung mit dem Original Sample von Luca Gargano selbst durchzuführen, welches mir ein guter Freund von einem Besuch dort mitgebracht hat. Vielen lieben Dank dafür an dich und natürlich an Luca!


Fasssample von Luca © E.H.

Trivia:

Zu einer guten Tradition bei den Velier Bottlings sind missverständliche Angaben auf deren Labeln geworden. So ist auf dem Frontlabel zu lesen, dass der Rum 2.615,2 gr/hlpa Congeners (also Begleitstoffe bei der Destillation, zu denen auch die Ester zählen) enthält, während man auf dem Backlabel  auf den Estergehalt von zwischen 1300 und 1400 gr/hlpa hinweist. Beide Angaben sind (richtige Messung vorausgesetzt) korrekt, doch verwirren sie vor allem Connaisseure, die nicht so tief im Thema stecken, was ich schade finde. Eine einheitliche, Bottling-übergreifende Angabe fänd ich deutlich transparenter. Aber das nur am Rande. Super finde ich hingegen, dass man sich dazu entschlossen hat, den Rum in Barrel Proof (68,5% vol.) statt nur in High Proof (62%) zu releasen!



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Verkostung des Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010:


Preis: mit 159,- Euro Ausgabepreis ist der C<>H der bisher teuerste Hampden der Habitation Velier Reihe. 

Alter: von 2010 bis 2020 lag der Rum insgesamt 10 Jahre im Fass. 

Lagerung: die Fässer wurden während der gesamten Dauer ihrer Reifung bei Hampden auf Jamaica in tropischem Klima gelagert. 

Fassnummern: unbekannt. Auch, wie viele Fässer und wie viele Flaschen es am Ende genau waren ist nicht sicher bekannt. Gerüchte sprechen von 600 Flaschen, was für Abfüllung zweier Fässer spräche.

Angel's Share: >64% gingen an sicher glückliche Engel. 

Alkoholstärke: mit starken 68,5% vol. wartet der Rum auf - anders als früheren Habitation Velier Abfüllungen, die "nur" in High Proof kamen, liefert uns Luca den C<>H in Barrel Proof!

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: C<>H (Continental <Diamond> Hampden)

Farbe: tiefes, kräftiges Gold. Von den jeweils neunjährigen <>H und HGML aus 2010 unterscheidet er sich optisch nicht, zu den kontinental gereiften C<>H dagegen deutlich. Diese sind wesentlich heller, insbesondere der Berry's. 

Viskosität: ein fetter Film wabert über das Glas, der Rum läuft in eher engen, parallel zueinander verlaufenden Schlieren ins Glas zurück. 

Nase: eskalierendes Programm heute! Nachdem die Rums ca. 1,5 bis 2 Stunden geatmet haben, kommt der C<>H 2010 sehr zugänglich und rund daher. Rund in dem Sinne, dass mir beim Bouquet zunächst einmal nichts auffällt, was mich stört oder, dass ich das Gefühl hätte, dass mir da irgendetwas fehlt. Der Alkohol ist natürlich präsent, aber das überrascht bei 68,5% vol. natürlich auch wenig. Vor allem aber hat der Rum Kraft! Eine wirklich berauschende Intensität voller saurer Ester, Nagellackentferner und flüssigem Klebstoff strömt mir entgegen und macht unmissverständlich deutlich, um welches Mark es sich handelt. Ich finde den für C<>H so typischen Korb voller tropischer Früchte, ich habe Säure von Zitronen und Limetten, gegrillte Ananas, Marzipan, Vanille, Humus, Antipasti, aber auch schon viel Holz. Seine 10 Jahre der tropischen Reifung verbirgt er nicht, allerdings habe ich dieses Gefühl beim HGML stärker gehabt. Hier, beim C<>H, kommt das schon sehr perfekt daher. Es bestätigt sich insgesamt, warum ich C<>H schon seit vielen Jahren als mein absolutes Lieblings-Mark bezeichne! Richtig tolle Ester, die hier meines Erachtens auch direkt besser und wesentlich intensiver kommen als beim <>H und beim HGML. Und, leider muss ich das zugeben, sie kommen auch fast auf Augenhöhe zum TRC 1990! Die Art und Weise ist dabei nicht vergleichbar, da merkt man sehr schön den Unterschied zwischen kontinentaler und tropischer Reifung, aber hier holen die tropischen Hampden merklich auf! Dennoch liegt der TRC für mich noch in Front. Der Berry's 1990 spielt leicht dahinter, da macht sich die Verdünnung und der geringere Reifegrad bemerkbar, kann das Niveau aber ansonsten problemlos mitgehen!  

Gaumen: am Gaumen machen sich zunächst einmal die sauren Ester-Verbindungen bemerkbar, die sich zu denen vom HGML oder zum <>H auch merklich unterscheiden. Sehr adstringierend, so dass sich die Schleimhäute erst einmal zusammenziehen. Richtig hart überrascht bin ich davon, wie gut der schon enorm hohe Alkoholgehalt eingebunden ist. Ich habe nahezu keine alkoholische Schärfe in der Mundhöhle, das ist schon extrem paradox! Nicht einmal der Rendsburger Caroni 1996 mit 69% vol. kommt so weich daher! Stattdessen macht es sich der Rum eigentlich direkt auf der Zunge bequem und verströmt einen fast unglaublichen Geschmack intensivsten High Ester Jamaica Rums. Der C<>H ist unfassbar mundfüllend! Das adstringierende geht dann ins cremige über und kommt sehr angenehm. Der Rum zeigt am Gaumen die gleiche Säuerlichkeit wie in der Nase, das gehört zu diesem Mark einfach dazu und gefällt mir sehr. Viele mögen das nicht, die werden mit dem C<>H dann also vielleicht auch ihre Probleme haben und eher leichtere Marks favorisieren. Mir aber gefällt genau das! Letztlich ist die Säure allerdings auch schon die größte Hürde, die hier genommen werden muss. Der Rum kommt ansonsten nämlich sehr, sehr ausgewogen daher und macht einfach Spaß! Kein zu krasser Einfluss des Holzes, kein zu präsenter Alkohol. Es mag verrückt anmuten, aber dieser Hampden ist für mich schon beinahe Easy Sippin! Einzig: an die enorme Komplexität des TRC 1990 kommt der HV nicht heran. Da ist der Abstand der beiden zueinander auch noch etwas größer als in der Nase, das ist beim TRC am Gaumen nochmal eine andere, stärkere Liga! 

Abgang: fruchtiger Abgang! Gegrillte Ananas weist dem Hampden den Weg hinab. Spätestens jetzt verrät sich der C<>H allerdings auch als tropisch gereifter Rum, denn wie alle auf Jamaica gelagerten Hampden fehlt ihm dieses ewig anhaltende und nachhallende, was die lange kontinental gereiften Hampden haben. Das ist schade, aber der eben doch noch vergleichsweise kurzen Reifedauer von nur zehn Jahren geschuldet. Zum Schluss kommen noch ein paar trockene Tannine, aber dann ist er nach wenigen Minuten dann auch schon verschwunden. 

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Fazit: der C<>H ist wirklich extrem gelungen und genau das, worauf die Fans dieses Marks (wie ich) viele Jahre gewartet haben, seit Velier damit begann tropisch gereifte Hampdens auf den Markt zu bringen! Der Rum hat Kraft, Intensität, Flavour,... ist einfach lecker! ... und so müssen wir wirklich bis zum Abgang vorspulen, wenn wir bei diesem Rum irgendwie über Schwächen diskutieren möchten. Ja, mir fehlte zwar auch am Gaumen etwas an Komplexität, ich erwähnte es, allerdings fällt das nur im direkten Vergleich auf und ist auch Kritik auf unglaublich hohem Niveau. Daher fällt das für mich nicht so stark ins Gewicht wie die mangelhafte Kondition nach hinten heraus. Das wiederum geht einher damit, dass sich beim C<>H bei mir, wie schon beim HGML, das Gefühl einstellt, dass der Rum in puncto Reife ziemlich nah dran am Zenit ist. Man holt durch die Reifung auf Jamaica vieles was die Hampdens in Europa erst nach 20-25 Jahren im Fass bekommen schon innerhalb von zehn Jahren aus ihnen heraus, weswegen ich überzeugt bin, dass sie so sehr viel länger nicht im Fass liegen sollten, bevor sie schwächer (weil runder, holziger,...) werden und ihre Ecken und Kanten und damit ihr Profil verlieren. Sie müssten aber wiederum länger liegen, um im Abgang aufzuholen zu den kontinentalen Vertretern, denn um diese Abgänge so hinzubekommen benötigt man Zeit, die auch tropische Reifung nicht im Eiltempo hervorzaubern kann. Und das ist wohl der entscheidende Punkt, der Knackpunkt, weswegen ich bei Hampden die kontinentale Reifung favorisiere und für die zum Rum passendere halte. Deshalb liegt der The Rum Cask C<>H 1990 für mich noch immer auf Platz 1 aller Hampdens! Er hatte nach 26 Jahren in Europa alles was tropisch auch in zehn Jahren machbar ist, hat aber einen viiiiel krasseren Abgang, den man so eben erst nach 20 Jahren und mehr im Fass erreichen kann, egal wo man das Fass lagert. Nichts desto weniger ist der Habitation Velier C<>H ein mehr als hervorragender Vertreter seiner Gattung, der zurecht gerade auf der ganzen Welt gejagt wird! Und es lohnt sich, er schmeckt wirklich hervorragend und ich bin sicher, dass niemand den Kauf bereuen wird! Der Preis, um letztlich auch darüber noch zu sprechen, ist schon hoch, keine Frage, gerade auch im Vergleich zum deutlich günstigeren HGML letztes Jahr, aber letzten Endes ist das Mark C<>H eben auch extrem rar und so ist der Preis nicht zuletzt auch ein Resultat aus dem Gesetz des freien Marktes von Angebot und Nachfrage. Wenn man sich das vor Augen hält, dann kommt das alles schon hin.

-95/100-


PS: Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010


Bis demnächst
Flo