Donnerstag, 26. Oktober 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003

Werte Rum Gemeinde,

nach längerer Pause melde ich mich heute mit einer spontanen Abfüllung bei euch zurück. 

Denn ich habe hier einen neuen Rum für euch, mit dem weder The Rum Cask als Abfüller selbst, noch dementsprechend ich schon gerechnet haben: einen 14 YO Monymusk Jamaica Rum in Fassstärke aus 2003. Schon gerechnet? Jawohl, dass etwas in der Pipeline liegt war bekannt, allerdings traf das Fass überraschend schon früher in Pirmasens ein, zusammen mit einer weiteren neuen Abfüllung aus Panama. Eigentlich war die Abfüllung vom Monymusk erst für nächstes Jahr geplant, aber jetzt ist er nun mal da ;) Heißt auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass wir uns bereits jetzt über den Rum freuen können und so stelle ich ihn euch also heute vor. 

Monymusk aus 2003 ist jetzt per se erst einmal keine große Sensation. Seit Murray McDavid/Renegade Rum Company im Jahr 2009 einen 5 Jahre alten Rum dieses Batches herausgebracht haben, haben auch andere unabhängige Abfüller immer mal wieder einen solchen Rum im Portfolio gehabt, wie z.B. Duncan Taylor, Moon Import oder Berry Bros. & Rudd.
Allerdings ist hier zu beachten, dass, sollte ich nichts übersehen haben, die Rums entweder immer leicht verdünnt waren, oder aber einen deutlich geringeren Alkoholgehalt aufwiesen. Die Rums von Duncan Taylor oder auch die Abfüllung von Berry Bros. & Rudd wiesen alle einen Alkoholgehalt von 50-55% vol. auf, während der hier heute vorgestellte The Rum Cask stolze 60,7% vol. zu bieten hat. In dieser enormen Stärke waren mir bisher nur sehr junge 1997er Monymusk und ein ähnlich alter 1998er Monymusk bekannt. Von daher hebt sich der The Rum Cask, es ist übrigens deren erster aus Monymusk, an dieser Stelle schon einmal deutlich von seinen Brüdern ab. Idealer Weise ist er dazu dann aber auch qualitativ im Glas im Stande, wovon ich mich im Folgenden noch überzeugen werde. Erfreulich ist außerdem, dass The Rum Cask erneut das Mark des Fasses mit auf das Label gebracht haben, wenn gleich dieses in diesem Fall keine echten Aufschlüsse über den Rum bringt. So steht das Mark JMM wohl schicht für Jamaica Main Monymusk. Nichts desto trotz empfinde ich die Angabe als wohltuend und förderlich auf dem Weg zu immer mehr Transparenz. Apropos Transparenz: die Single Cask Abfüllung ist genau 247 Flaschen stark. 



Verkostung des The Rum Cask 14 YO Monymusk 2003:

Preis: ca. 55 Euro werden 0,5 Liter Monymusk ab dem 27.10.17  im TRC-Shop kosten.

Alter: der Rum reifte von 2003 bis 2017 insgesamt 14 Jahre im Fass.

Lagerung: vermutlich größtenteils kontinentale Lagerung in einem Fass mit ca. 200 Litern Volumen.

Fassnummer: #20

Angel's Share: ca. 38%

Alkoholstärke: 60,7% vol. misst der Rum noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: zum Einsatz kam eine Pot Still von Monymusk.

Mark: JMM

Farbe: blasses, strohiges Gold. 

Viskosität: kleine, feine Perlen bilden sich gleichmäßig an der Glaswand und verlaufen langsam und träge daran herunter. Öliger Film.


Nase: Oh, Überraschung! Diese typische 2003er Nase, die in bisher allen Rums dieses Batches sehr dominant auftrat und wahlweise entweder wohlwollend als Buttersäure oder abschätzig als Erbrochenes umschrieben wird, kommt hier sehr viel dezenter daher. Sie war dafür verantwortlich, dass ich jeden 2003er Monymusk bisher vermutlich blind erkannt hätte. Das ist hier in dieser Form nicht mehr möglich. Die Nase erinnert mich viel eher an die alten Monymusk aus den Siebziger Jahren, wie sie bis vor 15 Jahren noch von Bristol abgefüllt wurden. Gegrillte Ananas und einen Hauch Nuss, sage ich nur. Im Background habe ich auch noch etwas Toffee, sowie peripher vor allem frisch geschnittene Äste. Das ganze unter einem spürbaren, schönen Fasseinfluss. Blind hätte ich 77er Monymusk oder Long Pond Light getippt, wobei die alten Monymusk noch etwas dezenter waren als dieser hier. 
Trotz dessen ist die Buttersäure-Note in geringem Maße noch vorhanden, so dass ausgeschlossen werden kann, dass bei den Angaben beim Broker etwas durcheinander kam. 2003, das wird überdeutlich, hat eine Entwicklung durchgemacht. Der Rum kommt mit zunehmender Verweildauer im Glas auch noch etwas kräftiger heraus, so ca. 30-45 Minuten sollte man ihm schon geben. Auffällig unauffällig: der Alkohol. Trotz über 60% vol. habe ich von Anfang an keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase. Stechende Einflüsse waren gar so abwesend, dass ich mir bei der Erstverkostung des Rums keinerlei Angaben dazu notiert hatte. Das steht, bei einem Rum mit 60,7% vol., glaube ich für sich.

Gaumen: Mhhm, der ist richtig gut! Trotz etwas kräftigerer Schlücke, die der Rum ohne Weiteres erlaubt, ist der Alkohol nicht übermäßig präsent und super entspannt eingebunden. Der Monymusk präsentiert sich überaus vollmundig, cremig und komplex. Oh ja! Breites Grinsen an dieser Stelle. Eine ganz leichte natürliche Süße gleich zum Start, dahinter dann aber vor allem trocken. Ein reifer, erwachsener Rum! Hier zeigt sich die Entwicklung des Rums neuerlich. Ich habe einen 12 YO Monymusk von Duncan Taylor daneben, der noch wesentlich griffiger ist und in dem dieses bisher so typische 2003er Profil noch wesentlich stärker zu finden ist, während man es hier beim The Rum Cask 14 YO schon nur noch erahnen kann. Wahnsinn! Zu Beginn noch leicht vorhanden, geht der Rum dann aber komplett Weg von der Buttersäure und wartet dann mit spürbaren Anteilen dessen, was man bisher nur aus den über 20 Jahre alten Monymusk kennt auf. Ein Rum mitten in der Transformation! Sau Lecker! 

Abgang: trocken, ganz entfernt an Sancti Spiritus erinnnernd, geschnittenes Geäst, Anis. Mittellang.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Wow! Dieser Monymusk war tatsächlich vor allem eines: aufschlussreich. Nicht, dass er mir nicht auch wirklich sehr gut geschmeckt hätte, er ist hervorragend, aber das interessanteste an dieser Abfüllung sind die Erkenntnisse, die sie in Bezug auf Rum aus Monymusk gebracht hat. Bisher glaubte ich daran, dass 1977 und 2003 zwei grundsätzlich verschiedene Stile seien, so wie auch bei anderen Destillerien zum Teil beträchtliche Unterschiede zwischen den Jahrgängen bestehen, denn die alten Rums aus 1977 und die neuen aus 2003 hatten kaum etwas gemeinsam. Diese Abfüllung aber zeigt, dass der Stil, den ich bisher für typisch 2003 hielt, in Wahrheit nur typisch für jungen Rum aus Monymusk ist. Dementsprechend hat also vermutlich auch der 1977er Monymusk in jüngeren Jahren so ähnlich geschmeckt, wie man das jetzt aus 2003 kannte. Diese Abfüllung zeigt den Weg dieses Stils von Jung zu Alt auf und ist daher als eine Art "Missing Link" von Monymusk zu sehen. Ich würde gar so weit gehen und sagen, dass es unmöglich ist Monymusk wirklich zu verstehen, ohne diesen Rum zu kennen. Das macht ihn so wichtig und einzigartig!
Darüber hinaus lässt mich der Rum mit Erstaunen zurück, denn ich kannte bisher keine Rum-Destillerie, deren Stil sich mit der Zeit so sehr verändert. Nimmt man einen jungen Port Mourant aus Guyana, so findet man dort immer auch den Rum wieder, den man von 30 YO Port Mourants kennt. Nimmt man jungen Hampden und vergleicht ihn mit lange gereiften Hampden, so zeigt sich das gleiche. Und so weiter. Aber in alten Monymusk finde ich neuen Monymusk kaum noch wieder. Parallelen findet man fast nur, wenn man weiß wonach man suchen muss.

Und zu guter Letzt: wer sich jetzt, beim Anblick des nebenstehenden Bildes der Flasche, gefragt haben sollte warum der Gelbbrustara der letzten zwei BAT-Abfüllungen dieses Mal nicht auf dem Label zu finden ist, obwohl er ja jetzt immer die "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen repräsentieren sollte, dem sei versichert, dass das nicht etwa schon wieder hinfällig ist. Das ist der Spontanität geschuldet, mit der das Fass eintraf. Labeldruck und Tasting überschnitten sich leider komplett. Da mich der Rum allerdings gleich in doppelter Hinsicht überzeugte wollte ich ihm meine Empfehlung nicht verweigern. Denn noch einmal: es braucht imho diesen Rum um Monymusk voll umfänglich zu verstehen. Daher ist die heutige Empfehlung zwar vielleicht nicht unbedingt die beste die ich je ausgesprochen habe (da wird es auch ganz, ganz schwer am 26er Weltklasse-Hampden aus 1990 vorbeizukommen), sie ist aber aus oben genannten Gründen ganz sicher eine der bedeutendsten und wichtigsten bisher!

Und nun bleibt mir nur, auch euch viel Spaß mit dem Monymusk zu wünschen!


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 20. August 2017

Velier Caroni 2017 Meeting: 21 YO und 23 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch zwei Rums aus der geschlossenen Destillerie Caroni von Trinidad vorstellen, die auf den ersten Blick vieles gemeinsam haben: beide erschienen in diesem Jahr beim italienischen unabhängigen Abfüller Velier, beide kommen mit 57,18% vol. daher, die exakt 100° Imperial Proof entsprechen, beide gibt es noch zu kaufen aber beide kosten auch enorm viel Geld. Die entscheidenden Unterschiede? Der eine, der 21 jährige Caroni, ist aus dem Jahr 1996 und aus dem sog. Trinidad Stock und der andere, der 23 YO, stammt aus dem Jahr 1994 und aus dem sog. Guyana Stock. Somit haben wir es heute mit zwei Rums zu tun, die aus grundverschiedenen Batches stammen. Aber nicht nur das: sie gehören auch zwei verschiedenen Serien innerhalb der Caroni-Linie Veliers an. Doch der Reihe nach:


Velier Caroni 100% Trinidad Rum 21YO ('96/'17) - 57,18% vol.

Dieser Rum erschien erst vor wenigen Wochen in den internationalen Shops und wurde von vielen sehnsüchtig erwartet, denn er ist der vierte Rum der extrem beliebten "100% Trinidad Rum Extra Strong"-Serie mit dem historischen Label der zwei Seemänner im Hafen. Bisher waren da schon ein 12 YO mit 50% vol. aus dem Jahr 2000, ein 15 YO mit 52% vol. aus dem Jahr 1998 und ein 17 YO mit 55% vol. ebenfalls aus 1998 erschienen. Nun also ein 21 YO mit 57,18% vol. aus 1996. Das klingt für Menschen mit Caroni-Erfahrung schon mal nicht so verkehrt. Was diese Serie bisher ausgemacht hat waren neben natürlich der Qualität vor allem das Aufzeigen der Entwicklung von Caroni im Fass und der sehr faire Preis. Der User "casaBARcardi" hat das im Rum Club Forum einmal, wie ich finde, sehr treffend auf den Punkt gebracht: der 12er ist noch sehr puristisch und dreckig, während der 15er dreckig und reif ist und der 17er schließlich reif und ausgewogen daherkommt. Die Ausgabepreise lagen bei ca. 45, 60 und 90 Euro für den 12er, 15er bzw. 17er und für das Geld bekam man da wirklich sehr viel Rum geboten.
Was den Preis betraf, so wurden viele Connaisseure leider schnell desillusioniert, denn der Rum ist mit ca. 200-240 Euro nicht günstig. Ich hatte den 17er Caroni zu deutlich humanerem Kurs hier auf BAT schon im April vorgestellt und war sehr angetan. Bleibt für den 21er also die Hoffnung, dass der Rum inhaltlich überzeugt und die Linie der bisherigen Serie sinnvoll fortsetzt. Aber selbst dann wird es schwer, mich bei diesen Preisen wirklich zu überzeugen.

Verkostung:

Gewohnt dunkel kommt der Rum im Glas satt und ölig daher. Mich erwartet von Beginn an eine absolut jahrgangstypische 1996er Caroni Nase, der kommt sofort sehr gut und lässt schon mal einen grundsoliden und tatsächlich auch zu diesem Preis empfehlenswerten Caroni erwarten.
Die Eindrücke am Gaumen bestätigen diesen Verdacht. Der Rum hat zwar ein eher gefälligeres Profil, echte Ecken und Kanten muss man lange suchen ohne echte Garantie, dass man wirklich fündig wird, aber mir gefällt er dennoch außerordentlich gut. Denn er ist einfach lecker und letztlich führt der Rum unweigerlich zu der Frage: auf was kann und möchte ich mich einlassen? Ich mag Caroni richtig dreckig, aber ich brauche bei Caroni auch nicht immer einen Rum, an dem ich mich bis zur Erschöpfung abarbeiten muss und möchte. Caroni darf bei mir gerne anstregend sein, aber ich sehe dabei keine Notwendigkeit. Der 21 YO Caroni ist ein Rum, der zu unglaublich vielen Gelegenheiten eine gute Figur macht. Ich kann ihn mir an Tagen einschenken, an denen mir ein Triptych zu langweilig wäre, aber auch an Tagen, an denen mir ein 1992er Caroni oder ein 1990er Hampden zu extrem wären. Ich kann ihn einem Neuling genauso vorsetzen wie einem Nerd. Den Neuling verschreckt er  nicht und für den Nerd steckt immer noch genug drin, um nicht einfach nur abzuwinken.

Fazit: 

In die 100% Trinidad Extra Strong Reihe fügt er sich meines Erachtens nahtlos ein und ist eine logische Fortsetzung zu den bisherigen vieren. Ausgewogen und angekommen wären wohl die zwei Attribute, die mir hier in den Kopf kämen. Ich finde ihn, tatsächlich auch zu diesem Preis, empfehlenswert, schlicht und ergreifend, da günstigere und dabei gleichwertige Alternativen ausbleiben. Und die Caroni-Bestände werden nun einmal leider nicht mehr...




Velier Caroni Heavy Trinidad Rum 23YO ('94/'17) - 57,18% vol.

Schon im Frühsommer 2017 erschienen und dann auch sehr schnell ausverkauft, ist dieser Rum, das 36th Release der allgemeinen Caroni-Serie und die 5. Abfüllung aus 1994, noch immer gut verfügbar. Wie das zusammengeht?
In erster Linie ist das damit zu erklären, dass der vermeintliche Ausverkauf in Wirklichkeit gar keiner war. Man rechnete vielerorts schlicht nur nicht damit, dass er so breit gestreut, sprich, in so vielen Shops ankommen würde wie es jetzt passiert ist. Dazu kommt auch ein erheblicher Anteil an Privatanbietern bei Ebay, denen der Rum entweder nicht geschmeckt hat, oder die in ihm letztlich doch keinen gesuchten Rum sehen und das Spekulationsobjekt nun wieder abstoßen wollen. Auch mit hineinspielen könnte die Tatsache, dass viele potenzielle Käufer auch lieber noch den Full Proof dieses Rums abwarten, der mit 61% vol. daherkommen und ebenfalls noch dieses Jahr erscheinen wird. Und nicht zuletzt hatte sich der Preis für diesen Caroni noch erheblich mehr gesalzen als der für den 21er aus 1996, denn für den 1994er wurden und werden ca. 290 Euro und mehr aufgerufen. Inwieweit diese Preise gerechtfertigt sind, auch im Hinblick auf erheblichen Angel's Share und weitere Bestanddezimierungen, möchte ich an dieser Stelle unkommentiert lassen. Alles was ich objektiv dazu sagen kann und möchte ist, dass das schon sehr üppig ist und der Rum mich geschmacklich umhauen müsste, um hier im Gesamtpaket zu einer Empfehlung zu gelangen.

Verkostung:

Im Glas ebenso dunkel wie der obige Rum, kommt auch dieser sehr satt und ölig daher. In der Nase ist der Rum dann aber schon sehr viel dunkler und tiefer. Er ist nicht sofort in dieser Weise typisch Caroni wie es mir beim 21er in den Kopf schoss, aber auch bei ihm merkt man natürlich, woher er stammt. Das hohe Alter merkt man dem Rum durchaus an, denn es begrüßen mich in der Nase direkt die Tannine. Der Rum hat sehr viel vom Fass mitbekommen. Zu viel?
Ich lasse den Rum deutlich länger gewähren als den 21er, der sich sehr viel schneller geöffnet hat, in der Hoffnung, dass da noch mehr kommt. Auf der anderen Seite ist dieses dunkle Profil auch überaus faszinierend. Dieser Caroni ist ganz klar weniger gefällig als der eben besprochene, er ist der individuellere, der speziellere Rum.  Mir persönlich ist er einen Ticken zu bitter, zu dunkel, zu deep. Dem Eindruck, dass dieser Rum zu lange im Fass gelegen hat, kann ich mich zu keinem Zeitpunkt der Verkostung entziehen. Der wäre, da lege ich mich fest, vor 2-3 Jahren noch sehr viel besser gekommen. Was mich aufhorchen und hoffen lässt: hier wird ja noch ein Full Proof kommen. Und bei diesem hoffe ich darauf, dass die Tannine und Bitterstoffe nicht ganz so extrem hervortreten. Die Zugabe von Wasser löst diese Stoffe und möglicherweise wurde das dem heute verkosteten Rum zum Verhängnis. Wenn der Full Proof weniger geöffnet daher kommt als dieser hier, dann könnte der sehr meines sein. Was heißt das für den heutigen Rum?

Fazit: 

Der 23 YO fällt bei mir nicht im klassischen Sinne durch, aber ich kann ihn auch, gerade zum aufgerufenen Preis, nicht wirklich empfehlen. Er hat seine Liebhaber, das weiß ich, aber ich persönlich brauche von diesem Rum keine ganze Flasche. Wer hingegen genau auf diesen Stil abfährt, für den sind die fast 300 Euro zwar immer noch eine Stange Geld, aber bei der preislichen Entwicklung von Caroni sollte man dennoch darüber nachdenken hier zuzuschlagen. Günstiger werden sie nicht und gerade aus 1994 dürfte wohl kaum noch etwas gleichwertiges oder gar besseres kommen. Woher auch?  Aber nochmal: ich hoffe auf den Full Proof!



Gesamt-Fazit:

Wie ihr sicher bereits festgestellt habt, war das heute kein direkter, unmittelbarer Vergleich zweier Rums und dementsprechend auch kein klassisches Duell. Dafür eignen sich die beiden Rums schlicht und einfach nicht, da sie in jeder Hinsicht, trotz auf den ersten Blick sehr ähnlicher und vergleichbarer Eckdaten, grundverschieden sind. Der eine ein eher gefälliger Rum mit hoher Auflage (man munkelt von 7-10.000 Flaschen) und der andere ein Nischenrum mit vermutlich deutlich geringerer Auflage. Und auch wenn es daher natürlich auch keinen Sieger im eigentlichen Sinne geben kann, so gab es doch einen Rum, der mir besser gefiel als der andere und das ist der 21 YO aus dem Jahr 1996 aus den weiter oben genannten geschmacklichen und finanziellen Gründen. Ein Rum mit dem man wenig falsch und vieles richtig machen kann. Oft liebe ich es anders herum, aber heute bin auch ich einmal Mainstream.
In erster Linie aber, und das war mir heute deutlich wichtiger, ging es darum beide hier nebeneinander kurz vorzustellen solange sie noch verfügbar sind um dem einen oder anderen Leser bei einer möglichen Kaufentscheidung eventuell behilflich sein zu können. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Bis demnächst und noch einen schönen Sonntag,
Flo

Donnerstag, 10. August 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

schon mit der Veröffentlichung des 26 jährigen 1990er Hampdens im März deutete sich intern bereits an, dass es in diesem Jahr noch zwei weitere High Ester Rums ins Portfolio von The Rum Cask schaffen könnten und im Mai erreichten mich dann tatsächlich auch zwei Fasssamples: eines davon war der 17 YO 2000er Hampden, der schon im Juni bei TRC erschienen und inzwischen bereits wieder ausverkauft ist und das andere war der heute vorgestellte Rum. Vor einigen Wochen ist daraus dann glücklicherweise auch Gewissheit geworden: beide Fässer dieser grandiosen und außergewöhnlichen Destillerie konnte gesichert werden! Morgen ist es dann auch endlich so weit und der zweite Rum kann über das Shopsystem des Abfüllers bestellt werden. Doch wovon reden wir jetzt eigentlich? Die Rede ist von einem 19 Jahre alten Hampden aus dem von mir hoch geschätzten 1998er Batch in Fassstärke!

Fassstärke... Es kommt zum Glück nicht mehr oft vor, dass ich mich mit dieser noch gesondert auseinandersetze, so sehr ist sie in den letzten Jahren zum Standard, nicht nur bei Whisky, sondern auch bei unabhängigen Rum Abfüllungen, geworden. Gut so! Ab und zu allerdings komme ich dann aber doch nicht drum herum diese nochmal gesondert hervorzuheben. Im März, beim 90er Hampden, war das so, da es sich um die m.W.n. erste Abfüllung dieses Jahrgangs in Fassstärke handelte und darauf viele Connaisseure sehnsüchtig gewartet haben. Okay. Warum aber hier und heute, werden sich einige von euch nun schulterzuckend fragen, bei einem 1998er Hampden? Da gab es doch schon einiges in Fassstärke! Ja, soweit richtig, aber der heutige Rum sticht da tatsächlich noch einmal heraus, denn er kratzt an der magischen 70% vol. Marke und kommt mit unglaublichen 69,1% vol. daher, die ihm den Spitznamen "The Beast" eingebracht haben, der auch auf dem Label vermerkt ist. Tatsächlich ist dies der stärkste Hampden in lange gereiftem Zustand den ich kenne und soweit ich weiß wurde bisher niemals ein höherprozentiger Hampden auf den Markt gebracht und wenn, dann nur in un- oder kurzgelagerter Qualität. 

Für etwas Verwirrung sorgte nach meinem Teaser am Sonntag der Papagei auf dem Label, der auch schon beim 1990er Hampden verwendet wurde. Ja, der war ursprünglich speziell für den 1990er Hampden gedacht, allerdings haben TRC und ich uns dazu entschieden, diesen nun grundsätzlich bei den "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen zu verwenden, um diese optisch noch etwas deutlicher herauszustellen.

Für größere Verwirrung hingegen sorgt dieses Mal das Mark des Fasses. Es lautete ursprünglich "JMD", wobei das "D" später mit einem "H" überschrieben wurde. Daher: "JMH". Vom Mark JMH weiß ich allerdings, dass es in der Vergangenheit schon für das Ester-Mark <>H verwendet wurde. Das 1998er Batch hatte ich hingegen bisher eher dem Ester-Mark HLCF zugeordnet. Auch hier würde JMH natürlich passen, ebenso wie es auch bei einem HGML passen würde. Um Klarheit zu erlangen, werden wir hier um ein paar Crosstastings nicht umhin kommen. Ich bin gespannt!



Verkostung des TRC Rum 19 YO Hampden 1998 "The Beast":

Preis: der neue Hampden wird bei 79,90 Euro pro 0,5 Liter Flasche liegen.

Alter: 19 Jahre lang reifte der Rum von 1998 bis 2017 im Fass.

Lagerung: der Rum lag, wenigstens zu großen Teilen, in Großbritannien.

Fassnummer: #26

Angel's Share: ca. 25%

Alkoholstärke: der Rum kommt mit starken 69,1% vol. Fassstärke daher. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: JMD → JMD → JMH

Farbe: schönes Gold

Viskosität:  weite und dünne, dabei aber ungleichmäßige Schieren, die sich am Glas festbeißen und eine angenehm ölige Viskosität erwarten lassen.

Nase: zu Beginn, direkt nach dem Einschenken ist der Hampden weniger intensiv als der 16 jährige Bruder. Der 19er macht da noch nicht so ganz auf und zeigt sich unglaublich stark. Die Hampden-typischen Aromen wie gegrillte Ananas und Banane sind natürlich da, aber hier wird noch viel vom Alkohol überlagert. Nach ca. 15 Minuten ist der 16er noch immer etwas fruchtiger als das Pendant mit 19 Jahren, der schon wesentlich gereifter daher kommt und gemächlicher wirkt. Die alkoholische Schärfe in der Nase nimmt ab und man merkt deutlich, dass sich der Rum charakteristisch schon ganz klar in die Richtung 20-25 YO am verabschieden ist, während der 16 YO seine Teeniezeit noch konsequent auslebt. Hier ist eine deutlich wahrzunehmende Entwicklung innerhalb des Batches zu beobachten, die mir sehr gut gefällt. Schon nach kurzer Zeit deutet hier vieles auf einen qualitativ sehr hochwertigen Rum hin.
Nach ca. 30 - 45 Minuten habe ich eine volle, runde Nase, die der des 16ers inzwischen sehr klar überlegen ist. Zu Ananas und Banane gesellen sich auch Zirone und Humus, sowie Vanille vom Fass. Jetzt zeigt sich der Unterschied deutlich. Während der 16er im Glas im Vergleich zu stagnieren scheint, kommt der 19er immer mehr. Eine volle, runde, ausgewogene Nase eines kompletten Rums, der richtig Spaß macht!
Nach ca. einer Stunde hat der 19 YO dann seinen Zenit erreicht und richtig aufgedreht. Eine unglaublich schön eingebundene Holznote rundet das Gesamtergebnis ab. Ich finde hier alles, was ich mir von einem gemäßigteren High Ester Hampden wünsche. 

Gaumen: den ersten Schluck nehme ich nach ca. 15 Minuten, als der Rum in der Nase schon einiges an Bissigkeit eingebüßt hat. Er britzelt natürlich trotzdem noch kurz, kommt aber alles in allem schon sehr angenehm daher, insbesondere wenn man seinen enormen Alkoholgehalt bedenkt. Halleluja, dafür dass der ja wirklich fast 70% vol. hat lässt er sich echt sehr, sehr smooth trinken, wobei ich mich hier von Anfang an kleinere Schlücke gehalten habe. Bei größeren Schlücken merkt man den Alkoholgehalt aber deutlich und weiß dann, was einem da gerade die Zunge versengt. Wie alle Rums aus Hampden, so ist auch dieser komplett mundfüllend und kommt mit sehr viel Körper daher.
Geschmacklich hält der Rum, nach zig Reviews zu Hampden klingt das leider immer etwas wie ein Sprung in der Platte, nicht viel neues bereit. Das klingt zwar negativ, ist es aber keinesfalls. Ich möchte damit lediglich sagen, dass der Rum schmeckt, wie Kenner dieser Vertreter einen solchen eben erwarten würden: fruchtig, reif, leicht erdig, teilweise leicht fleischig. Die Süße nimmt einen deutlich kleineren Teil ein als bei jüngeren Hampden, dafür allerdings ist auch die Säure nicht so präsent. Die Ballance ist, wie schon in der Nase, die offenkundige Stärke dieses Rums! 

Abgang: wie immer eine Frage von Stunden, nicht von Minuten. In seiner Königsdisziplin liefert auch dieser Hampden zuverlässig ab.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Zwar überzeugte mich der Rum schon im Mai beim ersten kurzen Tasting, jedoch habe ich ihn erst im vergangenen Monat, während der ausführlicheren Verkostung, auch so richtig schätzen gelernt. Natürlich war ich durch den 1990er im März die letzten Monate sehr Hampden-verwöhnt, aber man darf diese beiden Stile einfach nicht miteinander vergleichen. Das wäre unfair und es funktioniert schlicht nicht.
Dennoch habe ich, wie eingangs angekündigt, ein Crosstasting mit einem <>H gemacht, nämlich mit dem zwei Jahre älteren Samaroli 1993 Full Proof, um das Mark JMH hier etwas weiter zu spezifizieren. Ergebnis war: der heute verkostete Rum rangiert in seinem Estergehalt doch sehr deutlich und eindeutig unter diesem, weswegen HGML natürlich auch rausfällt und ich nach wie vor klar zu HLCF tendiere. Das war schon vor zweieinhalb Jahren meine Vermutung, als der 16er aufkam, und das dachte ich seither auch bei jeder weiteren Verkostung eines Rums aus diesem Batch. Heißt also: die "JM-..." Marks, die keine ursprüngliche Hampden Marks sind, sondern nur anstatt solcher auf den Fässern stehen, sind nicht fest definiert und fallen damit als eindeutige Deklaration leider raus. Sie können zwar wertvolle Hinweise, aber letztlich keine hinreichenden Aufschlüsse über das tatsächliche Hampden-Mark geben.
Letztlich ist das alles aber natürlich in erster Linie Nerdtum, denn den Genuss der Abfüllung schmälert das ja keinesfalls und das ist am Ende des Tages immer das wichtigste. In dieser Disziplin kann der Rum voll und ganz überzeugen, was letztlich auch zur Empfehlung führte. Aus dem 1998er Batch ist dieser Rum bisher meines Erachtens der beste, da er so sehr auf den Punkt kommt, wie bisher keine der Abfüllungen vor ihm. Er ist sehr viel reifer als z.B. der 16 oder der 17 YO, sehr viel charakterstärker als z.B. der 18 YO von Rum Nation, aber eben auch noch nicht ganz so gesetzt wie die Abfüllungen aus 1992 mit ca. 25 Jahren Reife, die einen sehr ähnlichen Estergehalt haben. Da stellt dieser Rum ein schönes Bindeglied zu einem, wieder einmal, außerordentlich fairen Preis dar. Ja, der Vorgänger aus 2015 war klar günstiger, aber der war eben nicht nur auf dem Etikett drei Jahre jünger (16 vs. 19 YO), sondern das ist nun auch über zwei Jahre her (März 2015), zwei Jahre in denen sich der Markt einmal komplett auf Links gedreht hat. Vergleicht man den aufgerufenen Preis mit dem der aktuellen Mitbewerber, so sollte sehr klar sein, was genau ich meine. Insofern bin ich froh, dass The Rum Cask hier immer wieder noch ein paar Schätze entdecken und diese auch zu einem fairen Kurs anbieten können!

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Rum, genießt ihn, und habt noch einen schönen Sommer!

Bis demnächst
Flo