Sonntag, 4. Februar 2018

Es geht voran...

Liebe Rum Gemeinde,

viel ist zu tun in letzter Zeit und es ist mir schon fast peinlich, dass gefühlt jeder der wenigen Beiträge von mir in den letzten Monaten mit diesen oder ähnlichen Worten beginnt. Und doch möchte ich mit Freude vermelden, dass sich hinter den Kulissen gerade wieder ein wenig etwas regt! 


Caroni incoming... 

Zum einen konnte ich in den letzten Wochen viele großartige Rums probieren und habe dazu auch Verkostungsnotizen verfasst, die hier zu gegebener Zeit veröffentlicht werden! Momentan ziere ich mich da gerade in Bezug auf die Rums aus Caroni noch etwas, denn ich möchte, wenn ich die Rums hier vorstelle, meinen Horizont in Bezug auf Caroni zumindest dahingehend erweitert haben, dass alle Rums auch eine wirklich aussagekräftige Einordnung erfahren können. Ich habe bei Caroni nun einmal sehr spät angefangen und bewege mich auf dem Terrain dieser Destillerie noch nicht so sicher wie bei Long Pond oder Hampden. Aber ich gebe mir gerade alle Mühe, das nach- und aufzuholen. Da wird also noch einiges kommen hier!


Long Pond in da house... 

Wo wir es gerade kurz von Long Pond hatten. Nicht ohne Stolz möchte ich euch darauf hinweisen, dass die Info-Seite von Long Pond (rechts am Rand, bei den Destillerien Jamaicas) als erste neu verfasst und soweit erst einmal fertig gestellt ist! Eine noch detailreichere Version ist zwar in Planung, wird aber auf unabsehbare Zeit nicht zu realisieren sein. Doch für den Moment bin ich damit sehr zufrieden und gerade die Infos zu den Ester-Marks von Long Pond dürften viele vermutlich noch nicht kennen. In nächster Zeit werde ich auch die anderen neuen bereits vorhandenen Info-Seiten auf vergleichbare Weise füllen, damit euch nicht für alle Zeit der Hinweis entgegenkommt, dass sich die Seite im Aufbau befände. Das soll bis Sommer 2018 endlich Vergangenheit sein! 


Transparency...

Ich habe auf der Long Pond Seite auch eine Idee von Marius Lohschelder von Single Cask Rum übernommen, nämlich jeweils die Abfüllungen aufzuführen, die man selbst auch schon im Glas gehabt hat (soweit man sie noch zusammen bekommt, einige sind mir über die vielen Jahre sicher hinten runtergefallen). Ich finde das gleich im doppelten Sinne sehr genial. Zum einen dient es mir selbst als Überblick, zum anderen aber, und das finde ich noch viel besser, dient es auch der Transparenz gegenüber euch Lesern, die ihr so sehr unkompliziert meinen jeweiligen Erfahrungsschatz überblicken könnt und euch daher ein klares Bild dazu machen könnt, was meine Einschätzungen zu einem Rum wert sind, denn wenn ich beispielsweise behaupte, ein Rum sei der beste seiner Destillerie, der mir je unterkam, dann macht es ja durchaus einen Unterschied, ob ich das nach zwei, zwanzig oder zweihundert probierten Rums sage. 




Mit dieser kurzen Wasserstandsmeldung möchte ich für den Moment schließen, melde mich aber als bald als möglich zurück! 

Bis demnächst,
Flo

Samstag, 30. Dezember 2017

Meine Top 10 Rums 2017

Liebe Rum Gemeinde,

der Jahreswechsel steht schon wieder vor der Tür und da das Jahr 2017 aus meiner Sicht als Rum Connaisseur ein sehr ergiebiges war, möchte ich für euch einmal meine Favoriten aus diesem Jahr zusammenfassen, also Rums, die 2017 abgefüllt wurden oder erschienen sind, oder 2017 erst populär wurden.
Für mich ganz persönlich war 2017 vor allen Dingen das Jahr meiner Rückkehr in die Rumwelt und das Jahr, in dem ich, im Vergleich zur Zeit davor, ganz vieles ausprobiert habe und deutlich offener war für Neues. So konnten mich 2017 z.B. sogar einige wenige Rums der französischen Überseedepartements begeistern, die ich früher gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Zu nennen sind hier die Rums der Bellevue Destillerie, aber auch ein fassstarker J. Bally aus 1998 konnte mich überzeugen. Ein Rum französischen Anstrichs hat am Ende sogar nur ganz knapp meine Top Liste verpasst, nämlich der Savanna HERR!
Eine Destillerie die ich ebenfalls erst seit diesem Jahr auf dem Schirm habe ist die, leider geschlossene, frühere Destillerie Caroni auf Trinidad. Die Jungs haben verdammt leckeren Rum gebrannt, deren Preise heute leider immer öfter dazu führen, dass man eben nicht mehr alles von dort auch probieren kann. Schade. Aber es haben von hier einige Rums aus diesem Jahr in meine Top Liste geschafft. 
Ansonsten stand 2017 auch im Zeichen des 70. Geburtstags von Velier, der von zahlreichen Abfüllungen begleitet wurde, und auch der schottische Abfüller William Cadenhead hatte Geburtstag: hier darf man bereits auf 175 Jahre Geschichte zurückblicken - meine Hochachtung! Beide Abfüller werden auch mit jeweils einer ihrer Jubiläumsabfüllungen in meiner Top Liste zu finden sein, in der sich darüber hinaus vor allem die üblichen Verdächtigen aus Caroni und natürlich Jamaica wiederfinden, von denen einer hingegen bis zu diesem Jahr so überhaupt nicht üblich war und ein anderer wiederum ist in diesem Jahr erschienen, auf den ich zuvor Jahre lang gewartet hatte. Und dann war da auch noch ein Monymusk, der meine Sicht erweitert hat... Ihr sehr: es war ein turbulentes, rumreiches Jahr für mich! ... und bereits das fünfte von Barrel Aged Thoughts! 

Meine Top 10 Rums in 2017


Meine TOP 10:


1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Meine absolute Nummer 1 in diesem Jahr und der Rum, auf den ich wohl am längsten warten musste und auch gewartet habe, nämlich sechs Jahre. Ich konnte ihn im letzten Januar vorab probieren und war sofort begeistert. Im März kamen dann Abfüllung und Release, sowie der Ausverkauf in nur drei Tagen. Diese Abfüllung war zugleich der Startschuss eines überaus erfolgreichen Jahres der Zusammenarbeit mit The Rum Cask insgesamt. Für mich ist dieser Rum noch immer ohne Frage der beste, den ich aus Hampden je probieren durfte! Outstanding!


2. Velier Caroni Full Proof 20 YO (1996 - 2016) - 62,4% vol. (Kirsch Whisky)

2016 schon abgefüllt, wurde dieser Rum im Frühjahr 2017 veröffentlicht, war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und ging dann preislich durch die Decke. Inwieweit diese Preise noch ein Verhältnis haben sei einmal dahingestellt, aber letztlich war dieser Rum einfach verdammt gut und er taucht deshalb auch zurecht auf meinem Platz 2 auf. Viel besser kann ein Caroni vermutlich nicht schmecken, auch wenn das natürlich immer Geschmacksache ist. Ich kenne einige, die ihn gerade mal durchschnittlich fanden, aber dem kann ich mich nicht anschließen. Ein Review wird hier auch sicher noch folgen!


3. Cadenhead Trinidad Rum 18 YO Caroni 1998 (175th Anniversary) - 65,8% vol.

Noch so ein Kandidat, der nur schwer zu fassen war! Leider zieht sich das inzwischen durch fast alles was gut ist. Verfügbarkeiten waren auch insgesamt ein zentrales Thema in 2017. Dieser Cadenhead wurde im Sommer als 175th Anniversary Bottling abgefüllt und war meines Erachtens ein echter Knaller. Ich bin sehr, sehr froh von dieser Abfüllung etwas abbekommen zu haben und ich plane auch in nächster Zeit ein Review dieses Tropfens hier auf BAT zu bringen. Aus 1998 ist das die beste Caroni Abfüllung, die ich bisher probiert hab und darunter waren auch schon drei von Velier! 


4. Velier Caroni 100% Trinidad Rum 21 YO (1996 - 2017) - 57,18% vol.

Der 4. Platz und schon der dritte Caroni in dieser Liste! Wow! Ja, 2017 war für mich auch ein Caroni-Jahr, was aber auch daran liegt, dass ich aus Jamaica bereits fast alles im Glas hatte, was man so im Glas gehabt haben sollte. Caroni hatte 2017 den Reiz des Neuen für mich! Dieser 21 YO konnte mich dabei sehr begeistern, bietet er doch ein sehr rundes und entspanntes Gesamtpaket. Das galt auch für seine Verfügbarkeit. Er war dieses Jahr einer der wenigen Caronis, bei dem es keinen Mangel an Verfügbarkeit gegeben hat. Letztlich kann das aber fast nur daran liegen, dass es hier ein paar Tausend Flaschen gibt, nicht an fehlender Qualität. Auch über das Jahr hinaus einer meiner Lieblings Rums! 


5. Cave Guildive Jamaica Rum 23 YO Hampden 1993 - 61% vol.

Das Mysterium in dieser Liste! Da es den Rum nur in der Schweiz gegeben hat und man aus Deutschland nicht einfach in der Schweiz bestellen kann und der Rum zudem eine Single Cask Abfüllung ist, haben es hier nur wenige Flaschen nach Deutschland geschafft. Schon 2016 abgefüllt, stolperte man aber erst in diesem Jahr über die in der Schweiz doch eher versteckte Abfüllung. Ich hatte das große Glück sie probieren zu können (Danke an den edlen Spender für das Sample!) und war durchaus begeistert. Er kommt zwar für mich nicht an den Jahrgang 1990 heran, aber er kommt diesem in meiner Gunst am nächsten. Der Preis war mit ~250 Euro echt heftig, aber letztlich auch fast marktüblich. Inzwischen gibt es ihn längst nicht mehr. 


6. Compagnie des Indes Jamaica Rum 12 YO New Yarmouth 2005 - 65,2 vol.

DIE dicke Überraschung in 2017 kam von Compagnie des Indes, indem sie einen Rum aus New Yarmouth abgefüllt haben! Zwar war mir New Yarmouth grundsätzlich bekannt, aber einen Rum rein von dort hatte ich zuvor noch nie im Glas. Hier in Deutschland gab es leider nur eine 55% vol.-Version dieser Abfüllung zu kaufen. In Dänemark allerdings gab es das Teil auch in Fassstärke und auch hier hatte ich das Glück an ein Sample zu kommen. Auch hier gilt mein Dank dem Spender! Der Rum kostete in Dänemark ca. 130 Euro und dafür ist er imho ein PLV-Knaller! Trost: die 55% vol. Variante ist meines Erachtens nicht viel schwächer, auch hier wird sehr viel zu fairem Kurs geboten, aber die Fassstärke-Variante toppt das eben noch einmal etwas! Kein Rum der nicht aus Hampden stammt kam Hampden jemals so nahe. Ich habe immer behauptet, man würde Hampden erkennen wenn man ihn im Glas hat, aber dieser Rum ist der erste, der mich vielleicht täuschen könnte. In diesem Ranking zwar "nur" die Nr. 6, aber dass da noch eine andere Destillerie auf Jamaica solch krassen Rum brennt und von dort nun vielleicht auch häufiger mal was kommt, das ist für mich im Grunde fast die Nr. 1 der Rum-Nachrichten des Jahres!


7. The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998 - 69,1% vol.

The Beast! Nachdem der 1990er Hampden ja so schnell vergriffen war, konnte The Rum Cask mit dem 1998er im Sommer nochmal einen nachlegen. Und auch wenn ein HLCF natürlich kein C<>H ist, so war das "Biest" nicht nur trotz, sondern auch wegen seiner enormen Stärke eine schöne Ergänzung zum bisherigen Portfolio des Abfüllers. Fast 70% vol. sind das heftigste, was ich bei einem solch lange gereiften Hampden je im Glas hatte. Dennoch war der Rum angenehm weich und gut zu trinken. Ein toller Hampden, wenn es mal nicht das ganz schwere Ester-Geschütz (1990, 1993) sein soll! Leider war auch diese Abfüllung innerhalb weniger Tage vergriffen. 


8. Velier Jamaica Rum 7 YO  <H> (2010 - 2017) - 62% vol.

Schon die dritte Velier-Abfüllung in den Top 10 und dieses Mal ein Jubiläums-Bottling aus der Warren Khong Serie! Ja, dieser italienische Erfolgsabfüller hat sich zu seinem 70. Geburtstag in 2017 nicht lumpen lassen und die Rumwelt mit einer ganzen Welle an schönen Abfüllungen daran teilhaben lassen - zumindest den schnellsten Teil der Rumwelt. Um die Flaschen keines anderen Abfüllers muss man so sehr herumschleichen wie um die Veliers um jeweils die Release-Fenster zu erwischen und damit die Möglichkeit zu haben, einige dieser Rums zu bekommen. Beim <H> ist es mir gelungen und es hat sich gelohnt. Und dies war auch die erste Flasche seit langem, die ich geöffnet habe ohne vorher ein Sample bekommen und probiert zu haben. Es zeigt sich immer mehr, dass tropische Reifung Hampden in einigen Jahren in neue Sphären katapultieren könnte. Ich ziehe länger gelagerte Hampden mit deutlich stärkerem Fasseinfluss vor und noch werde ich da eher bei alten Stocks mit kontinentaler Reife fündig, aber die Zukunft ist eindeutig gesichert und in ca. 10 Jahren spätestens werden tropisch gereifte Hampden die alten Stocks in Sachen Fasseinfluss vermutlich abgelöst und überholt haben!


9. Velier Caroni 100° Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1994 - 2017) - 57,18% vol.

Und noch einmal Velier! Diese Abfüllung gefiel mir zwar nicht ganz so gut wie einiges anderes von Caroni früherer Jahre, aber rein auf 2017 gesehen gehört er für mich dennoch in die Top Listen, zumal er mir inzwischen sogar noch etwas besser schmeckt als zum Zeitpunkt meines Reviews. Einzig der Preis war hier einfach zu hoch angesetzt, zumindest ist das mein Empfinden. Und trotz dessen, dass mir der Rum gut gefällt verstehe ich ohne Ausnahme jeden, der den Rum deshalb nicht gekauft hat. Im Gedächtnis bleiben nicht zuletzt die schnellen, anfänglichen Käufe in der Hoffnung auf satte Renditen in Kombination damit, dass der Kurs in der Folge noch unter den Ausgabepreis fiel. Profitiert haben davon die Genießer!


10. The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003 - 60,7% vol.

Monymusk steht oft im Schatten anderer, populärerer jamaicanischer Destillerien wie u.a. Long Pond und Hampden, sowie in letzter Zeit auch Worthy Park. Und auch wenn ich persönlich zumindest die beiden erstgenannten Destillerien auch deutlich vor Monymusk sehe, so empfinde ich die Rums von dort doch auch immer wieder als willkommene Abwechselung, was sich am Ende auch hier in meiner Top Liste zeigt! Diese spezielle Abfüllung konnte gar meinen Horizont erweitern, im Hinblick nämlich auf das Verhalten von Monymusk Rum bei zunehmender Reife im Fass. Spannend und lecker zugleich! Und letztlich, so finde ich, runden solche kleinen Überraschungen ein Rum-Jahr doch erst so richtig ab. 



Epilog:

Das waren sie also, meine Favoriten in 2017. Selbstverständlich gibt eine solche Liste immer nur einen kleinen Teil dessen wieder, was wirklich alles an tollen Spirits im Glas gelandet ist und natürlich ist sie vor allem auch rein subjektiv. Ganz klassisch erhitzen solche Top Listen oft die Gemüter von anderen Connaisseuren, die ihren Liebling in der Liste vermissen. Wie kann er diesen oder jenen Rum nur ignorieren? Hierbei sollte beachtet werden, dass mein Geschmack schon sehr festgelegt und auch, im Vergleich zu einigen anderen Connaisseuren, sehr eng gefasst ist. Demerara Rum ist im Allgemeinen nur selten mein Ding und auch das allermeiste aus dem Bereich Agricole sagt mir überhaupt nicht zu.
Es gab aber natürlich im vergangenen Jahr doch auch noch einige andere Rums, wie den Savanna HERR, den Rum Nation Hampden 1992, den The Rum Cask 20 YO Uitvlugt 1997, den Habitation Velier 2006 WPM 11 YO, den Habitation Velier Last Ward 2007, den Premium Rum Hampden 16 YO von Andreas Schwarz oder den Velier Triptych, die es zwar nicht in die Top Liste geschafft haben, die mir durchaus gut gefielen und die ich deshalb an dieser Stelle noch einmal würdigen möchte, indem ich sie nicht unerwähnt lasse. Wiederum andere Rums habe ich im vergangenen Jahr leider nicht geschafft zu probieren. Hier sei der Velier St. Lucia 2010 exemplarisch zu nennen, der sehr gut sein soll. Vielleicht werde ich das ja im nächsten Jahr noch erfahren. Die Dichte an Qualität war in 2017 meines Erachtens überaus beachtlich und längst kann man nicht mehr jede Abfüllung, die einem gut schmeckt auch automatisch kaufen und so manchen tollen Rum musste ich leider auch vorbeiziehen lassen.

Für 2018 hoffe ich natürlich wieder auf tolle neue Abfüllungen und bin mir sicher, dass wir auch weiterhin viele davon bekommen werden. Die Abfüller und auch einige der Destillerien haben längst auf das steigende Interesse an Rum reagiert und wie man an New Yarmouth gesehen hat, ist auch noch längst nicht alles an Potenzial da draußen ausgeschöpft. Gerade New Yarmouth, aber auch St. Lucia Distillers, der South Pacific Distillery auf Fiji oder mit Abstrichen auch Sancti Spiritus auf Cuba traue ich zu den nächsten Schritt zu machen und eine noch wichtigere Rolle innerhalb der Szene einzunehmen. Momentan noch stehen diese deutlich im Schatten der "Großen" aus Jamaica, Guyana, Trinidad oder Barbados. Allerdings sehe ich hier momentan einzig bei Hampden und Foursquare eine gesicherte Zukunft und sollten sich daneben in den nächsten Jahren Lücken auftun, so stehen oben genannte Destillerien sicherlich bereit. Rum lebt! Und Leben ist Veränderung!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

Flo

Donnerstag, 26. Oktober 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003

Werte Rum Gemeinde,

nach längerer Pause melde ich mich heute mit einer spontanen Abfüllung bei euch zurück. 

Denn ich habe hier einen neuen Rum für euch, mit dem weder The Rum Cask als Abfüller selbst, noch dementsprechend ich schon gerechnet haben: einen 14 YO Monymusk Jamaica Rum in Fassstärke aus 2003. Schon gerechnet? Jawohl, dass etwas in der Pipeline liegt war bekannt, allerdings traf das Fass überraschend schon früher in Pirmasens ein, zusammen mit einer weiteren neuen Abfüllung aus Panama. Eigentlich war die Abfüllung vom Monymusk erst für nächstes Jahr geplant, aber jetzt ist er nun mal da ;) Heißt auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass wir uns bereits jetzt über den Rum freuen können und so stelle ich ihn euch also heute vor. 

Monymusk aus 2003 ist jetzt per se erst einmal keine große Sensation. Seit Murray McDavid/Renegade Rum Company im Jahr 2009 einen 5 Jahre alten Rum dieses Batches herausgebracht haben, haben auch andere unabhängige Abfüller immer mal wieder einen solchen Rum im Portfolio gehabt, wie z.B. Duncan Taylor, Moon Import oder Berry Bros. & Rudd.
Allerdings ist hier zu beachten, dass, sollte ich nichts übersehen haben, die Rums entweder immer leicht verdünnt waren, oder aber einen deutlich geringeren Alkoholgehalt aufwiesen. Die Rums von Duncan Taylor oder auch die Abfüllung von Berry Bros. & Rudd wiesen alle einen Alkoholgehalt von 50-55% vol. auf, während der hier heute vorgestellte The Rum Cask stolze 60,7% vol. zu bieten hat. In dieser enormen Stärke waren mir bisher nur sehr junge 1997er Monymusk und ein ähnlich alter 1998er Monymusk bekannt. Von daher hebt sich der The Rum Cask, es ist übrigens deren erster aus Monymusk, an dieser Stelle schon einmal deutlich von seinen Brüdern ab. Idealer Weise ist er dazu dann aber auch qualitativ im Glas im Stande, wovon ich mich im Folgenden noch überzeugen werde. Erfreulich ist außerdem, dass The Rum Cask erneut das Mark des Fasses mit auf das Label gebracht haben, wenn gleich dieses in diesem Fall keine echten Aufschlüsse über den Rum bringt. So steht das Mark JMM wohl schicht für Jamaica Main Monymusk. Nichts desto trotz empfinde ich die Angabe als wohltuend und förderlich auf dem Weg zu immer mehr Transparenz. Apropos Transparenz: die Single Cask Abfüllung ist genau 247 Flaschen stark. 



Verkostung des The Rum Cask 14 YO Monymusk 2003:

Preis: ca. 55 Euro werden 0,5 Liter Monymusk ab dem 27.10.17  im TRC-Shop kosten.

Alter: der Rum reifte von 2003 bis 2017 insgesamt 14 Jahre im Fass.

Lagerung: vermutlich größtenteils kontinentale Lagerung in einem Fass mit ca. 200 Litern Volumen.

Fassnummer: #20

Angel's Share: ca. 38%

Alkoholstärke: 60,7% vol. misst der Rum noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: zum Einsatz kam eine Pot Still von Monymusk.

Mark: JMM

Farbe: blasses, strohiges Gold. 

Viskosität: kleine, feine Perlen bilden sich gleichmäßig an der Glaswand und verlaufen langsam und träge daran herunter. Öliger Film.


Nase: Oh, Überraschung! Diese typische 2003er Nase, die in bisher allen Rums dieses Batches sehr dominant auftrat und wahlweise entweder wohlwollend als Buttersäure oder abschätzig als Erbrochenes umschrieben wird, kommt hier sehr viel dezenter daher. Sie war dafür verantwortlich, dass ich jeden 2003er Monymusk bisher vermutlich blind erkannt hätte. Das ist hier in dieser Form nicht mehr möglich. Die Nase erinnert mich viel eher an die alten Monymusk aus den Siebziger Jahren, wie sie bis vor 15 Jahren noch von Bristol abgefüllt wurden. Gegrillte Ananas und einen Hauch Nuss, sage ich nur. Im Background habe ich auch noch etwas Toffee, sowie peripher vor allem frisch geschnittene Äste. Das ganze unter einem spürbaren, schönen Fasseinfluss. Blind hätte ich 77er Monymusk oder Long Pond Light getippt, wobei die alten Monymusk noch etwas dezenter waren als dieser hier. 
Trotz dessen ist die Buttersäure-Note in geringem Maße noch vorhanden, so dass ausgeschlossen werden kann, dass bei den Angaben beim Broker etwas durcheinander kam. 2003, das wird überdeutlich, hat eine Entwicklung durchgemacht. Der Rum kommt mit zunehmender Verweildauer im Glas auch noch etwas kräftiger heraus, so ca. 30-45 Minuten sollte man ihm schon geben. Auffällig unauffällig: der Alkohol. Trotz über 60% vol. habe ich von Anfang an keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase. Stechende Einflüsse waren gar so abwesend, dass ich mir bei der Erstverkostung des Rums keinerlei Angaben dazu notiert hatte. Das steht, bei einem Rum mit 60,7% vol., glaube ich für sich.

Gaumen: Mhhm, der ist richtig gut! Trotz etwas kräftigerer Schlücke, die der Rum ohne Weiteres erlaubt, ist der Alkohol nicht übermäßig präsent und super entspannt eingebunden. Der Monymusk präsentiert sich überaus vollmundig, cremig und komplex. Oh ja! Breites Grinsen an dieser Stelle. Eine ganz leichte natürliche Süße gleich zum Start, dahinter dann aber vor allem trocken. Ein reifer, erwachsener Rum! Hier zeigt sich die Entwicklung des Rums neuerlich. Ich habe einen 12 YO Monymusk von Duncan Taylor daneben, der noch wesentlich griffiger ist und in dem dieses bisher so typische 2003er Profil noch wesentlich stärker zu finden ist, während man es hier beim The Rum Cask 14 YO schon nur noch erahnen kann. Wahnsinn! Zu Beginn noch leicht vorhanden, geht der Rum dann aber komplett Weg von der Buttersäure und wartet dann mit spürbaren Anteilen dessen, was man bisher nur aus den über 20 Jahre alten Monymusk kennt auf. Ein Rum mitten in der Transformation! Sau Lecker! 

Abgang: trocken, ganz entfernt an Sancti Spiritus erinnnernd, geschnittenes Geäst, Anis. Mittellang.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Wow! Dieser Monymusk war tatsächlich vor allem eines: aufschlussreich. Nicht, dass er mir nicht auch wirklich sehr gut geschmeckt hätte, er ist hervorragend, aber das interessanteste an dieser Abfüllung sind die Erkenntnisse, die sie in Bezug auf Rum aus Monymusk gebracht hat. Bisher glaubte ich daran, dass 1977 und 2003 zwei grundsätzlich verschiedene Stile seien, so wie auch bei anderen Destillerien zum Teil beträchtliche Unterschiede zwischen den Jahrgängen bestehen, denn die alten Rums aus 1977 und die neuen aus 2003 hatten kaum etwas gemeinsam. Diese Abfüllung aber zeigt, dass der Stil, den ich bisher für typisch 2003 hielt, in Wahrheit nur typisch für jungen Rum aus Monymusk ist. Dementsprechend hat also vermutlich auch der 1977er Monymusk in jüngeren Jahren so ähnlich geschmeckt, wie man das jetzt aus 2003 kannte. Diese Abfüllung zeigt den Weg dieses Stils von Jung zu Alt auf und ist daher als eine Art "Missing Link" von Monymusk zu sehen. Ich würde gar so weit gehen und sagen, dass es unmöglich ist Monymusk wirklich zu verstehen, ohne diesen Rum zu kennen. Das macht ihn so wichtig und einzigartig!
Darüber hinaus lässt mich der Rum mit Erstaunen zurück, denn ich kannte bisher keine Rum-Destillerie, deren Stil sich mit der Zeit so sehr verändert. Nimmt man einen jungen Port Mourant aus Guyana, so findet man dort immer auch den Rum wieder, den man von 30 YO Port Mourants kennt. Nimmt man jungen Hampden und vergleicht ihn mit lange gereiften Hampden, so zeigt sich das gleiche. Und so weiter. Aber in alten Monymusk finde ich neuen Monymusk kaum noch wieder. Parallelen findet man fast nur, wenn man weiß wonach man suchen muss.

Und zu guter Letzt: wer sich jetzt, beim Anblick des nebenstehenden Bildes der Flasche, gefragt haben sollte warum der Gelbbrustara der letzten zwei BAT-Abfüllungen dieses Mal nicht auf dem Label zu finden ist, obwohl er ja jetzt immer die "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen repräsentieren sollte, dem sei versichert, dass das nicht etwa schon wieder hinfällig ist. Das ist der Spontanität geschuldet, mit der das Fass eintraf. Labeldruck und Tasting überschnitten sich leider komplett. Da mich der Rum allerdings gleich in doppelter Hinsicht überzeugte wollte ich ihm meine Empfehlung nicht verweigern. Denn noch einmal: es braucht imho diesen Rum um Monymusk voll umfänglich zu verstehen. Daher ist die heutige Empfehlung zwar vielleicht nicht unbedingt die beste die ich je ausgesprochen habe (da wird es auch ganz, ganz schwer am 26er Weltklasse-Hampden aus 1990 vorbeizukommen), sie ist aber aus oben genannten Gründen ganz sicher eine der bedeutendsten und wichtigsten bisher!

Und nun bleibt mir nur, auch euch viel Spaß mit dem Monymusk zu wünschen!


Bis demnächst
Flo