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Donnerstag, 24. Mai 2018

Daiquiri mit Habitation Velier Foursquare White

Liebe Rum Gemeinde,

am letzten Montag hatte ich drei Foursquare von Velier in der Parallelverkostung. Dabei stach einer der drei, der Habitation Velier Foursquare White, unter den beiden anderen gelagerten, sowie dem Triptych als Referenz, deutlich heraus und firmierte dahingehend also auch nicht als Konkurrenz dieser anderen gereiften Rums. Letztere empfand ich pur zwar lecker und grundsätzlich ansprechender als den White, da ich ein Freund gelagerter Spirituosen bin, allerdings sind sie mir für das Geld was sie kosten letztlich doch zu gewöhnlich, zu unspannend, zu durchschnittlich. Für 100 Euro und mehr brauche ich einen Rum, an dem ich mich auch reiben kann, und da bieten Foursquare Rums in der Regel leider wenig Zielfläche. Der White als fast ungelagerter und reiner Pot Still Rum ließ hingegen deutlich anklingen, dass, bei aller Schwächen in der Purverkostung, er aber eine sehr ausgeprägte Mixability aufzuweisen scheint. Diesem Verdacht werde ich heute nachgehen und den Foursquare White einem Praxistest unterziehen. Das wiederum werde ich nicht in irgendeinem Drink machen, sondern ich werde ihn mir in DEM klassischen Drink für einen ungelagerten Rum zubereiten: im Daiquiri! 



Das Rezept:

- 5,0 cl HV Foursquare White 2015
- 2,5 cl Limettensaft
- 1,0 cl Zuckersirup

Limettenzeste als Garnitur

Geschüttelt, nicht gerührt ;-) und durch Strainer und Teesieb in eine vorgefrostete Coupette abgeseiht. 


Optisch, im Glas, ist das schon einmal der Traum von einem Daiquiri! Die Farbe, nicht ganz farblos, leicht blass strohig und etwas milchig, passt perfekt zu diesem Drink.

Und geschmacklich? Da, liebe Rum Gemeinde, mag ich heute nicht drum herum reden und lasse es deshalb auch sein: vor mir steht tatsächlich der Archetyp eines Daiquiri mit einem ungelagerten bzw. kaum gelagerten Rum! Genau so muss das sein! Der Rum, der mir pur etwas zu rau ist, um ihn wirklich in einem Nosing Glas genießen zu können, bringt hier alles mit rein was er hat und lässt sich angenehm von Sweet & Sour etwas einfangen. Die leichten Ester, sowie Banane und Vanille des Rums bestimmen den Charakter des Drinks und zwischendurch kommen immer wieder Zucker und Limettensaft durch. Diese verwaschen aber weder den Rum und nehmen ihm seine Ecken und Kanten, noch rauben sie der Kombination ihre Kraft. Gleichzeitig strengt der Drink aber auch kein bisschen an, das ist wirklich smooth und unkompliziert, ohne langweilig zu sein. Geil! Hier wird eine tolle Spirituose wirklich veredelt!

Fazit: so brauche ich den Daiquiri im Sommer! Herrlich frisch, knackig, rummig und damit lecker. Und natürlich reiht sich der Daiquiri damit auch in den historischen Kontext des Drinks ein (dazu mehr hier), wenn auch auf ganz anderem, ungleich höherem Niveau. Die ersten Daiquiris wurden vor über 100 Jahren gemixt, um ungenießbaren Rum durch Zucker und Limettensaft gefügiger zu machen. Ungenießbar ist der Foursquare White natürlich nicht, auch pur nicht, da ist er mir einfach nur etwas zu unrund, aber das Prinzip bleibt bestehen. Diese von mir empfundene Schwäche behebt der Drink meisterhaft und während ich normalerweise die Ansicht vertrete, dass ein Rum, den ich ausschließlich zum Mixen kaufen würde, höchstens 30-40 Euro kosten darf, so würde ich bei diesem auch 50-60 Euro zahlen! Da dürfte man bei Foursquare aus meiner Sicht also auf jeden Fall einmal darüber nachdenken, ob man einen Rum diesen Stils nicht in Serie bringen möchte und letztlich ebenso darüber, auch reine Pot Still Rums mal länger reifen zu lassen und abzufüllen. Jedenfalls ist dieser Rum spannender, als alles andere, was ich bisher aus Foursquare im Glas hatte! In die Richtung darf es gerne weitergehen...

Cheers! 


Montag, 21. Mai 2018

Foursquare RUMble II - Principia / Destino / White

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch dazu einladen, nach doch recht langer Zeit einmal wieder einem meiner RUMbles hier auf Barrel Aged Thoughts beizuwohnen! Das heißt, ich werde mich zu den heute vorgestellten Rums wieder eher etwas kürzer fassen als gewohnt, im Gegenzug werdet ihr dafür aber auch meine Einschätzung zu gleich drei Rums erhalten, statt wie gewohnt nur zu einem.





Was liegt heute an? 

Ich habe mich dazu entschlossen, mich zum zweiten Mal zur barbadischen Destillerie Foursquare zu begeben (alles zur ersten Reise könnt ihr hier noch einmal nachlesen). Die Destillerie Foursquare und ihre Galionsfigur, Richard Seale, der gerade auch in den sog. sozialen Netzwerken in der Vergangenheit immer wieder stark polarisierte, haben in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hinter sich. Während die Insel Barbados unter Nerds vor einigen Jahren noch ausschließlich durch Rockley/ WIRD besetzt war und Foursquare durch Rums wie den Doorly's XO eher ein unbeachtetes Phänomen des Massenmarktes war, so hat sich das spätestens seit Veliers 2006er Abfüllung grundlegend geändert. Welche Gründe ich dafür in der Hauptsache sehe, habe ich im oben verlinkten ersten Ausflug ausführlicher dargelegt. Innerhalb des letzten Jahres zogen dann auch der Nachfolger, der Triptych, sowie die Originalabfüllung Criterion (s. ebenfalls erstes FS-RUMble) große Aufmerksamkeit auf sich. Der Triptych hat mir dabei gut gefallen, wenngleich er mir etwas zu teuer erschien, der Criterion war preislich attraktiver, leider hingegen geschmacklich gar nicht meins. Heute kommen dann der Velier Principia, der Velier Destino und der Foursquare White aus der Habitation Velier Serie zur Verkostung. Und da mir der Triptych, wie eben gesagt, durchaus gut geschmeckt hat, wird er heute für den Principia und den Destino als Referenz herhalten. Heute also Velier-Foursquare only! Und wer nun stutzig geschaut hat: der White läuft selbstverständlich außerhalb der Konkurrenz der beiden lange gelagerten Rums. Ein direkter Vergleich ergäbe keinen Sinn und das wäre auch nicht fair. Dennoch empfinde ich ihn als spannend genug, ihn hier einmal zu betrachten und werde daher auch meine Eindrücke schildern. 

Nun aber möchte ich auch gar keine Zeit mehr verlieren und direkt zu den Rums kommen...



Velier "Principia" 2008/2017 - 62% vol.:

Der Principia wurde im Jahr 2008 bei Foursquare destilliert, dann drei Jahre lang in Ex-Bourbon Fässern und noch einmal sechs Jahre lang in Ex-Sherry Fässern gelagert. Somit reifte der Rum insgesamt neun volle Jahre und er tat dies auf Barbados, ist also tropisch gereift. Es ergab sich ein Angels Share von >43%. Der Alkoholgehalt beträgt 62% vol. Er ist in Europa derzeit noch auf dem sog. 1. Markt erhältlich, also direkt in diversen Shops. Hier werden zwischen 140 und 160 Euro aufgerufen, was nochmal ein deutlicher Anstieg zum Triptych von vor einem Jahr ist, der ca. 130 Euro gekostet hat. Ihr wisst, ich habe schon beim Preis des Triptych skeptisch geschaut und dementsprechend darf man auch die Preisvorstellung beim Principia, meines Erachtens, durchaus als ambitioniert bezeichnen. Immerhin 5400 Flaschen wurden abgefüllt. Das Sample stammt aus einer Flaschenteilung eines netten Mitglieds des "Rum Clubs". Vielen Dank für's Teilen!

Im Glas kommt der Rum in einem schönen, der tropischen Lagerung entsprechenden Bernstein daher. In der Nase kann mich der Principia zunächst dann sogar noch etwas mehr überzeugen als der Triptych. Letzterer braucht im Glas deutlich länger, während der Principia sehr schnell präsent ist. Das ungewöhnlich lange Finish macht sich beim Principia natürlich deutlich bemerkbar, unterstützt den Rum aber augenscheinlich, denn das gefällt mir hier schon wirklich gut. 
Am Gaumen ist der Rum dann trockener als ich ihn angesichts des Sherry-Finish erwartet hatte (und wie süß Sherry tatsächlich sein kann, stellte ich ja anfangs des Monats erst bei einem Tasting dreier sehr alter Sherrys fest) und er zeigt sich auch durchaus reifer, als ich das bei einem 9 YO vermutet hätte, denn es kommt sehr viel trockenes Holz durch. Gar nicht negativ, allerdings für meinen Geschmack sehr eindimensional. Irgendwie fehlt mir da einfach was. Komplexität und Vielschichtigkeit gehen ihm leider ab. Schade. Nach der Nase hatte ich da mehr erwartet. Der Alkohol, das möchte ich positiv festhalten, ist sehr gut eingebunden.
Im Finish kommt dann eben jenes vom Sherry wieder durch, denn ich habe die Nussmischung vom Studentenfutter sehr präsent. Dahinter dann eine deutliche Bitterkeit. 


Velier "Destino" 2003/2017 - 61% vol.: 

Der Destino ist der älteste Rum des heutigen RUMbles. Er reifte von 2003 bis 2015 in Ex-Madeira Fässern und anschließend noch zwei Jahre bis 2017 in sehr alten Ex-Rum Fässern. Auch der Destino reifte zu 100% auf Barbados in den Tropen. Er kommt mit 61% vol. daher. Leider ist nicht bekannt, wie hoch der Anteil der Engel gewesen ist. Der Destino wurde von Richard Seale zum 70th Anniversary Veliers abgefüllt und das Logo zieren daher auch genau 70 kleine bunte Tropfen. Es gibt ihn inzwischen leider nur noch auf dem sog. 2. Markt, d.h. über private Anbieter oder Shops, die sich auf Raritäten spezialisiert haben, da er im regulären Handel sehr schnell vergriffen war. Für ihn muss man mit mindestens 300 Euro rechnen, eher mehr. Hier wurden auch nur insgesamt 500 Flaschen abgefüllt, das heißt potente Sammler sind hier die primäre Zielgruppe. Mein Sample bekam ich von einem sehr netten Rum-Buddy aus Berlin. Auch dir einen herzlichen Dank dafür! 

Wie schon der Principia, überzeugt auch der Destino optisch durch einen klasse Bernsteinton! Er ist noch etwas dunkler als der Principia, allerdings reifte er ja auch fünf Jahre länger. 
In der Nase gefällt er mir sofort nochmal klar besser als der Principia! Er ist voller, reifer, komplexer und er wirkt im Vergleich nochmal deutlich hochwertiger. Das gilt auch für den Vergleich mit dem Triptych, den ich hier im direkten Vergleich am schwächsten sehe. Das Madeira Cask Aging prägt natürlich auch hier im Vergleich zu gewöhnlicher Ex-Bourbon Reifung den Rum und passt gut. 
Am Gaumen erlebe ich den Destino dann vollmundig, allerdings so ganz anders als z.B. den Principia. Das Profil ist hier ein ganz anderes als das aus 2008. Der Rum hat Klasse! Ich erkenne hier durchaus frühere 2003er Foursquare wieder, allerdings erlebe ich diesen hier wesentlich besser als andere vorherige. Da steckt wesentlich mehr Komplexität drin und auch Fruchtigkeit, die dem Principia z.B. leider auch fehlt. Der Alkohol ist beim Destino ebenso gut eingebunden wie beim Principia, er macht sich nicht negativ brennend bemerkbar.
Im Finish dann eine erstaunliche Parallele zum Principia, hier bleibt nämlich wieder vor allem Holz. Aber eben auch hier nicht im Sinne eines Tannine-Einschlags, sondern trockenes, gut gelagertes Holz. Sehr leckerer Rum!



Habitation Velier "White" 2015 - 59% vol.: 

Der White Rum ist streng genommen gar keiner, denn er hat sowohl ein Fass von innen gesehen, als auch darin schon etwas Farbe bekommen. Aber die Lagerzeit betrug hier nur wenige Monate im Jahr 2015, so dass die Charakteristik klar die eines rauen Ur-Produkts mit 100% Brennereicharakter ist! Die geringe Lagerzeit kam zustande, da Richard Seale Luca Gargano den Wunsch abgeschlagen haben soll, einen vollkommen ungelagerten Rum auf die Flasche zu bringen. Die wenigen Monate wären somit ein Kompromiss. Abgefüllt wurde der Rum mit 59% vol. Vom White existieren meines Wissens nach nur 400 Flaschen, was für die Habitation Velier Reihe schon sehr wenig ist und weswegen es auch ihn  nur noch auf dem sog. 2. Markt gibt. Der White stand zuletzt bei 70-80 Euro! Nochmal zur Erinnerung: wir reden über einen nahezu ungelagerten Rum! Verrückt! Abermals stammt das Sample, aber auch das Bild der Flasche, aus Berlin. Vielen Dank!

Dass der White im Vergleich zu den beiden anderen vollkommen aus der Rolle fällt war klar und deshalb bewegt er sich hier ja heute auch außer Konkurrenz. Zurecht, wie ich innerhalb von Bruchteilen von Sekunden feststellen muss, denn dieser reine Pot Still Rum ist mal so ganz anders als es seine Brüder sind. Hier ist Feuer in da House und in einem Blind Tasting könnte man den auch durchaus als gemäßigten Jamaicaner verordnen. Somit ist klar, dass wir es hier durchaus mit einem für Foursquare ungewöhnlichen Rum zu tun haben. 
In der Nase habe ich klare Ester und Anflüge von gebackener Banane und Ananas. Das ist eindeutig kein Hampden, aber ein ganz junger Worthy Park könnte es durchaus sein! Ich lege mich auch darauf fest, dass ich das blind getippt hätte! 
Am Gaumen fällt der Rum dann, gemessen an purem Vergnügen, natürlich ab, aber auch hier zeigt er deutlich sein Potenzial. Und damit meine ich vor allem, dass ich von Foursquare sehr gerne mal einen länger gelagerten reinen Pot Still Rum sähe! Das wäre sicherlich spannend und eine klare Bereicherung für deren Portfolio! Den White kann man durchaus auch pur trinken, aber in meinen Augen bietet er zu wenig Argumente dafür das zu tun, zu gut sind so viele andere Rums in meinem Bestand, die eine jahrelange Fassreifung hinter sich haben. Worauf ich aber ganz spontan Bock hätte bei diesem hier ist ein Daiquiri! Wer weiß, vielleicht probiere ich das in den nächsten Tagen mal aus. ;-) 

Fazit: 

Meinen heutigen Ausflug nach Foursquare empfand ich als sehr viel angenehmer als den ersten von vor ca. einem Jahr! Da mir zwei von drei Rums damals überhaupt nicht zusagten, war das seiner Zeit, vom Triptych abgesehen, doch ein ziemlicher Reinfall. Den klassischen Verlierer gab es im Vergleich dazu heute hingegen überhaupt nicht. Keinen der heute verkosteten Rums empfand ich als schlecht! Mir gefiel der Destino sowohl in der Nase als auch am Gaumen von den drei länger gelagerten am besten. In der Nase konnten sowohl der Principia, als auch sogar der White, den Triptych abhängen. Am Gaumen dann schlug der Triptych wiederum den Principia und natürlich auch den White. Hier hatte letzterer keine Chance, aber er fällt ja auch aus der Wertung. Nichts desto trotz hat mich der White dahingehend überzeugt, ihn die Tage mal zu vermixen. Ich glaube, der kann was! Nur: selbst wenn, so ist er leider viel zu teuer, weswegen eine ganze Flasche für mich nicht in Frage käme. Das trifft leider aber auch auf Destino und Principia zu, da mir hier für das aufgerufene Geld zu wenig Action geboten wird. Für den Destino gilt das, ob seines Sammlerpreises, natürlich noch einmal im Besonderen, trotz dessen, dass er im direkten Vergleich klar als Sieger der drei Rums hervorgegangen ist.



Und da bin ich dann auch schon bei, für mich, DEM Thema bei Foursquare, denn ich habe nach wie vor das Problem mit Foursquare, dass mir deren Rums zu wenig aus dem Durchschnitt ausbrechen. Dort bleiben sie für mich zumeist verhaftet, wenn auch auf unbestritten ganz, ganz hohem Niveau! Das reicht für mich aber nicht, um die aufgerufenen Preise in dieser Weise zu rechtfertigen. Für das Geld was die Foursquare von Velier kosten erwarte ich noch immer deutlich mehr als ich bekomme. Allerdings gibt es, auch wenn das eben ziemlich abwertend klang, doch auch eine eindeutig positive Aussicht. Denn in genau dem von mir beschriebenen Durchschnitt auf hohem Niveau liegt ironischerweise auch eine Chance, etwas, das die Rums in meinen Augen tatsächlich auszeichnet, weil sie damit eine Nische besetzen, die ich bisher deutlich zu unterrepräsentiert finde! Denn auf hohem Niveau anspruchslos sind nur ganz wenige Rums, wie ich finde. Und nochmal, nein, da steckt tatsächlich keine Häme drin, ich meine das ganz ernst. Entweder, einem Rum fehlen Anspruch UND Niveau, oder aber sie haben beides. Ich kenne kaum einen Rum, der anspruchslos wie ein 20-30 Euro Rum ist, aber die Qualität eines 70 Euro Rums hat. Die Velier Foursquare hingegen könnten das (kosten nur eben nicht das)! Schon beim Triptych war ich der Meinung, dass das ein perfekter Begleiter zu einem gepflegten Barbecue wäre: hochwertig, ungesüßt und unbearbeitet, lecker und überhaupt nicht fordernd. Ich könnte ihn nebenher trinken, ohne dass er die Aufmerksamkeit gegenüber meinen Gästen auf sich lenken würde, denn weder müsste ich mich besonders auf ihn konzentrieren, noch würde mich fehlende Qualität stören, so wie es bei vielen anderen günstigeren Rums zu solchen Anlässen der Fall wäre. Und für meine Gäste würde natürlich das gleiche gelten. Den könnte ich auf den Tisch stellen, ohne, dass danach der Rum das Gesprächsthema des Abends wäre, sondern der würde einfach nur getrunken werden und den Leuten schmecken. Aber da waren wir eben dann auch schon beim Stolperstein, dem Preis. Der passt nicht in die ansonsten perfekte Szenerie. Dass Foursquare gute Preise grundsätzlich aber machen kann, beweisen die Originalabfüllungen für jeweils +/- 70 Euro! Das ist ein Preis, den ich für die heute verkosteten Rums gerne ausgeben würde und dann auch nicht nur eine Flasche holen würde. Es geht also! Leider können mir diese wiederum aber nicht den tollen Geschmack der Rums bieten, die bisher für Velier abgefüllt wurden. Womit das zu tun hat ist für mich leider nicht offensichtlich. Da alles aus einem Haus kommt würde ich erstmal von Zufall ausgehen, allerdings häufen sich diese Zufälle inzwischen. Über eine stichhaltige Erklärung dazu, warum das so ist oder vielleicht sogar, warum es gar nicht anders sein könnte, würde ich mich sehr freuen, aber im Grunde glaube ich nicht, dass es nicht funktionieren kann! Bis dahin hoffe ich also darauf, dass wir einen solch tollen Foursquare wie wir sie bisher von Velier sahen auch bald einmal als Originalabfüllung bekommen. Und, Stichwort Habitation Velier FS White, der dürfte dann auch gerne mal rein aus der Pot Still kommen! Da wiederum, und da schließt sich der Kreis, sehe ich nämlich sogar das Potenzial für Rums, die dann auch das kosten dürften und die Preise vielleicht rechtfertigen könnten, die heute noch für die "Barbeque Foursquare" aufgerufen werden. Das wäre dann eine ganz andere Hausnummer! Diese Meinung vertrete ich in dieser Form schon seit dem Triptych und sie hat sich heute und mit diesem Tasting noch einmal verfestigt. Dennoch oder gerade deshalb hatte ich bei dem Tasting heute ganz viel Spaß und wünsche euch noch eine schöne Woche!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. Juli 2017

Foursquare RUMble - Triptych/ Criterion/ C.d.I.

Liebe Rum Gemeinde,

die Zeit ist ein kostbares Gut, umgeben vom Hauch der Unendlichkeit und doch so individuell begrenzt und limitiert, dass sie an manchen Tagen wahrlich beinahe einer Währung gleicht. Momentan finde ich für Barrel Aged Thoughts leider oft nicht so viel von eben jener Zeit wie der Blog und ihr es verdient hättet und auch wie ich es mir wünsche. Um euch aber nicht vollkommen im Regen stehen zu lassen habe ich mich dazu entschlossen, hier nun hin und wieder auch Kurz-Reviews zu bringen, die dann allerdings eher den Charakter einer Kolumne haben werden und deren Notes sich mehr auf den Stil eines Rums und auf meine Bewertung des Rums konzentrieren als auf breit angelegte Geschmacksbeschreibungen. Das ganze bewegt sich also eher in die Richtung "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht" zu. Ich weiß, dieses Konzept hat auch Fans, hoffe aber doch, dass ich bald wieder die Zeit für die vollen 100% finde. 

Foursquare war für mich immer eine Destillerie, die ich so richtig nicht auf meinem Radar hatte. Ich probierte über die Jahre mal hier und mal dort einen, von Bristol als auch Originalabfüllungen u.a., und war aber jedes Mal alles andere als angetan oder gar begeistert. Nein, schlecht waren die bis auf Ausnahmen nicht, aber in meinen Augen eben auch nicht gut. Langweilig, trifft es da wohl am besten - das Schicksal auch vieler Rums im spanischen Stil bei mir. Das ging bis letztes Jahr, so mein Eindruck, jedoch auch den meisten anderen Connaisseuren so. Dann kam der 2006er Foursquare von Velier und alle rasteten aus. Eine Destillerie, deren Rums das Mittelmaß bis dahin meines Erachtens nach gerade zu definieren hätten können, rückte mit nur einem einzigen Rum aus dem Schatten in das Licht und spielte fortan mit den "großen" mit. Dies hängt, ich denke, da dürften mir fast alle zustimmen, untrennbar mit Richard Seale zusammen, der seit geraumer Zeit unermüdlich unterwegs ist und die Lehre vom reinen Rum predigt, oft und gerne auch in den sog. "sozialen Netzwerken". Ebenso oft tut er das mit einer Rhetorik, die sehr radikal ist und die kaum einen Raum lässt für Grautöne. Das zeigt Wirkung und so wurde wurde Foursquare für viele Gleichgesinnte zu einem der Angelpunkte des Rums. Ich selbst zähle mich bereits seit 2011 zu den Gegnern von Zucker und anderen Zusatzstoffen im Rum, seit einer Zeit also schon, als man deren Existenz zwar ahnte und schlicht und ergreifend auch schmeckte, für die damals allerdings noch gar keine Beweise vorgelegen hatten. Ich teile ich die Ansichten Seales zu diesem Thema daher im Grundsatz.

Foto by Micha. Danke! :)
Für meine erste Kurztasting-Runde habe ich also drei Rums der barbadischen Destillerie Foursquare gewählt, von denen vor allem einer in den vergangenen Tagen und Wochen ordentlich von sich reden machte: den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke, den Velier "Triptych" aus 2004, 2005 und 2007 und die Originalabfüllung "Criterion", die 10 Jahre alt ist und 2017 abgefüllt wurde. Deutlich im Fokus der Aufmerksamkeit: der Triptych.
Schon Monate vor seinem Erscheinen hat diese Abfüllung viele Connaisseure rund um den Erdball elektrisiert. Während man vom schon 2015 abgefüllten Compagnie des Indes oder vom erst kürzlich erschienenen Criterion sehr viel weniger gehört hat und auch nicht so richtig das Gefühl hatte, dass sich für die beiden, im Vergleich zum Triptych, wirklich viele Menschen interessiert haben, sondierten viele schon zum Jahreswechsel, wo und wie sie an eine Flasche Triptych kommen könnten, wo ja der Vorgänger die Shops dieser Welt kaum von Innen heraus gesehen hat - zumindest nicht zum Ausgabepreis. Warum ist das so? Dass ein Compagnie des Indes, bekannt für doch oft sehr schwankende Qualität der Rums, nicht unbedingt die Blicke auf sich zieht: bon! Aber gerade im Hinblick darauf, dass auch der Triptych im Grunde genommen ein von Foursquare selbst zusammengestellter Blend ist, der von Velier lediglich abgefüllt und vertrieben wurde, verwundert zumindest das vergleichbar geringe Interesse am Criterion. Aber Velier ist eben Velier und letztlich wiederholte sich also im Prinzip nur das gleiche, was auch schon beim 2006er Velier los war. Inwieweit es sich da jetzt also um einen wirklichen Anstieg des Interesses um Foursquare handelt, oder ob es dabei in Wahrheit nicht viel eher um die Popularität von Velier geht, das ist zumindest umstritten. Für mich war das alles jedenfalls Grund genug um einmal hinter diesen Hype zu blicken und schaute mir die erwähnten drei Rums mal aus der Nähe an.


Velier "Triptych" 2004/2005/2007 - 56% vol.:

Micha again...
Ich testete zunächst den Triptych und besorgte mir direkt nachdem er raus kam ein Sampel (Danke Johannes!)! Hier war ich zunächst enttäuscht. Die Nase empfand ich als ganz und gar unspektakulär und sie erinnerte mich an die Non-Rockley WIRD-Abfüllungen. Eher ein Spanier, denn ein Brite. Am Gaumen dann überraschte mich der Triptych jedoch, denn nach der eher schwächeren Nase hatte ich keine großen Steigerungen mehr erwartet. Doch hier wusste der Triptych zu überraschen und begeisterte mich mit einer gelungenen Komposition, die doch schon sehr viel anders und auch besser ist, als die sonst am Markt so erhältlichen Foursquares. Hervorragend eingebundener Alkohol! Um den wirklich gut zu finden muss man zwar vermutlich ein kleiner Fan der Destillerie sein, aber dieser hier darf sich doch zumindest mal guter Durchschnitt nennen. Ein Rum, den ich fantastisch fänd zu einem Grillabend mit Freunden und zum nebenher trinken, ohne sich groß Gedanken um sein Glas zu machen. Zu diesem Zwecke würde ich ihn mir wohl kaufen und dafür auch gerne bis zu 50 Euro hinlegen. Zu diesem Preis hätte ich zugeschlagen. Die aufgerufenen 129 Euro sind mir der Rum jedoch in keiner Weise wert, da ich Rums dieser Preislage nicht mehr zum peripheren Genuss kaufe.


Criterion 10 YO - 56% vol.:

Nochmal Micha... :)
Als nächstes, ein Dank geht an Marius von Single Cask Rum für das Sample, probierte ich den Criterion. Hier waren meine Erwartungen, Dank des Triptych, schon etwas höher als sie es normalerweise an einen Foursquare gewesen wären und dementsprechend ging ich sogar mit leichter Vorfreude an das ganze ran. Diese schlug schlagartig in blankes Entsetzen um, als der Rum dann im Glas war.
Wo der Triptych noch rund und als Komposition harmonisch war, war der Criterion einfach nur schwach, dünn, unrund, alkoholisch und ohne jede Stimmigkeit. Wie ein Triptych, bei dem man alles einfach nur schlechter gemacht hat. "Warum?" - diese Frage schießt mir spontan durch den Kopf. Warum füllt Richard Seale unter eigenem Namen, fast zeitgleich zum Triptych, einen Rum ab, der gegen diesen so gnadenlos abstinkt? Man muss und man möchte nicht unbedingt alles verstehen, aber ich finde das schon sehr unglücklich und ich denke, das wird die Euphorie vor dem nächsten Velier Foursquare wohl kaum bremsen. Bei den Eigenabfüllungen aber bin ich nun skeptischer denn je, insbesondere, da ich auch schon den Zinfandel z.B. nicht gut fand.


Compagnie des Indes 16 YO 1998/2015 - 60% vol.:

Zu guter Letzt ließ ich mir noch den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke (60% vol.) empfehlen, der exklusiv für Dänemark abgefüllt wurde. Auch für dieses Sample muss ich mich bei Johannes bedanken!
Ich hatte zuvor schon gutes zu diesem Tropfen gehört und daher durfte er bei mir dann gegen den Sieger aus Triptych und Criterion ran, also gegen den Triptych. Und was soll ich sagen? Auch dieser hat gegen den Triptych leider keine Schnitte gesehen. Er ging in eine ganz andere Richtung und ich empfand den Rum, und das passiert mir selten, als regelrecht eklig. Eine genauere Beschreibung entfällt daher, der Rum ging dort wieder raus wo er hinein ging und ich spülte mit Triptych hinterher. Gruselig!


Fazit:

Mit dem Triptych hat ein Rum diesen Dreier-Vergleich klar für sich entschieden! Da gab es nichts dran zu rütteln. Ich kann daher nach dem probieren verstehen, warum der Triptych sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhält als der Criterion. Dass das allerdings durch die Bank auch schon Monate vorher so war, bevor irgendwer diese Rums wirklich probieren konnte, das kann ich nur bedingt verstehen. Okay, mit dem 2006er, den ich leider nicht kenne, hatte Velier wohl gut vorgelegt, da er dem Hören nach wirklich gut war, aber eine Schwalbe macht in meinen Augen noch keinen Sommer, auch bei Velier nicht. Ich bin daher nach wie vor der Meinung, dass hier auch ein Stück weit eine Glorifizierung des Abfüllers vorliegt, die genauso gut auch ins Auge gehen hätte können. Denn da ich mich glücklich schätzen kann auch ältere Abfüllungen von Velier aus vergangenen Tagen zu kennen, kann ich sagen: auch die hatten, bei aller unbestreitbarer Qualität, die sie gebracht haben, genug Ausfälle im Repertoire, wie eben jeder andere Abfüller auch.

Micha ein weiteres Mal. :)
Was ich deutlich festhalten möchte: mag der Triptych auch im internen Foursquare Vergleich klar die Nase vorn gehabt haben, aber zu diesen Preisen und bei diesen Ergebnissen, und das schließt auch den Triptych mit ein, ist die Destillerie bei mir persönlich nicht konkurrenzfähig. Da bieten viele andere in meinen Augen einfach mehr. Guter, gehobener Durchschnitt, den der Triptych bietet, scheint hier momentan das Maximum zu sein und das ist mir zu diesen Preisen deutlich zu wenig. Da habe ich zwar gelegentlich Lust drauf, aber dann eben auch zu anderen Preisen. Solange Foursquare mit Velier kooperieren, dessen kann man sich sicher sein, sind sie relativ unabhängig von allem inhaltlich gebotenen, die Rums werden sich immer verkaufen und in Teilen der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Gänzlich unabhängig von Velier müsste da meines Erachtens aber mehr kommen, wenn man plant, in einem Atemzug mit Hampden , Long Pond, DDL, WIRD, Mount Gay, St. Lucia Distillers oder Caroni genannt zu werden. Denn momentan sehe ich sie doch eher noch in einer Reihe mit Travellers, Westerhall, Barbancourt, Don Jose oder Angostura; handwerklich ordentliche Rums (wobei das bei einigen der genannten definitiv nur auf die unabhängig abgefüllten Rums zutrifft!), aber eben ohne das besondere, das reizende, das alleinstehende.

Ein vorletztes Wort gilt dem, was auf das Review des Triptychs meines Blog-Kollegen Marius hin geschehen ist, vor allen Dingen auf F***book. Dieser hatte sich das Recht herausgenommen, den Rum ähnlich durchschnittlich zu bewerten wie ich und erntete daraufhin einen Shitstorm, der an Verhältnislosigkeit kaum zu übertreffen war. Vordergründig hängte sich das ganze an einer Detailfrage auf, aber ich halte es dann doch für sehr abwegig, dass einem solch ein Zorn entgegen schlägt, nur weil es heißt, dass ein Rum "höchstwahrscheinlich" gefärbt sei, noch dazu, nachdem Marius, einer fehlerhaften Quelle aufgesessen, das ganze schnell und souverän korrigierte. Nein, da haben meines Erachtens eher einige wenige, aber dafür umso lautere, nicht ertragen, dass ihr Lieblingsabfüller einmal keine Top Note absahnte. Daraus wiederum wurde dann in Windeseile eine negative Bewertung und im nächsten Moment ein Hass auf den Abfüller. Ja Leute, geht's denn noch? Besonderes Kopfschütteln löste bei mir die Tatsache aus, dass Richard Seale selbst ganz vorne mit dabei war. Ob er das nötig hatte, und wenn ja, warum, werden wir wohl nicht erfahren. Mir ist nur wichtig einmal klar zu machen: auch Reviews, die sich einmal nicht vor Begeisterung überschlagen gehören dazu und sind wichtig. Ich gucke auch, dass ich vornehmlich über Rums schreibe, die mir gefallen, aber gerade wenn ich hochgelobtes für völlig überbewertet oder überpreist halte, dann sage ich das auch gern.

Und das letzte Wort schließlich richtet sich an den Micha, der mir die Fotos vom Triptych und vom Criterion gemacht hat. Vielen herzlichen Dank dafür, auch und gerne noch einmal an dieser Stelle!

Bis demnächst, habt eine schöne Zeit,
Flo