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Sonntag, 11. Oktober 2020

Velier & Cadenhead Diamond SVW - Tropical vs. Continental Aging

Liebe Rum Gemeinde,

nach der Demerara-Legende KFM in der letzten Woche möchte ich heute mit euch einen Quervergleich anstellen auf den ich mich schon lange gefreut habe! Nachdem ein glücklicher Zufall die Möglichkeit dazu eröffnet hat, teste ich zwei Demerara Rums aus der Diamond Destillerie gegeneinander, die sich in ihren Randdaten nahezu gleichen, nur dass einer in den Tropen und einer in Europa gereift wurde!


Was liegt heute an? 

Klar, über die Unterschiede zwischen tropischer und kontinentaler Reifung ist in den vergangenen Monaten und Jahren schon viel gesagt worden und den allermeisten sind diese inzwischen auch, mindestens im Groben, bekannt. Nicht zuletzt durfte das auch bereits die breite Öffentlichkeit bestaunen, nachdem Velier und E&A Scheer im letzten Jahr in Co-Produktion das Monymusk-Set auf den Markt gebracht haben. Allerdings, und da setze ich an, griff dieser Vergleich in meinen Augen in Teilen zu kurz, denn meines Erachtens profitiert Rum einfach in ganz grundverschiedener und unterschiedlicher Art und Weise von bestimmter Art der Reifung. So sahen nicht wenige sogar die kontinental gereiften Monymusks vorne und auch bei Hampden vertrete ich ja z.B. auch selbst bekannter Maßen die These, dass ihnen kontinentale Lagerung unterm Strich besser zu Gesicht stehen.


Doch wie sieht das ganze beim Demerara Rum aus? Ihr ahnt es, heute möchte ich insbesondere der tropischen Reifung eine Bühne bieten, und eine ungleich größere und imposantere, als sie sie durch die Monymusk erfahren hat! Denn es geht mit dem Demerara Rum an nicht weniger als an das Herz des Erfolgs von Velier! Die Pre-2000 Rums aus Guyana waren und sind bis heute -neben Caroni- das stärkste Plädoyer, das je für tropische Reifung gehalten wurde! Genauer gesagt geht es zum Auftakt dazu in die Diamond Distillery, ihres Zeichens die letzte verbliebene Destillerie in Guyana. Von hier möchte ich zwei Rums mit sehr ähnlichen Eckdaten miteinander vergleichen. Es geht dabei zum einen um den Velier Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1996 mit 64,6% vol. und zum anderen um den Cadenhead Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1987 mit 63% vol.. Ihr seht, die Rums gleichen sich in Destillerie, Mark (Stil), Alter und Alkoholgehalt nahezu gänzlich. Die Unterschiede bestehen lediglich im Jahrgang und in der Art der Reifung [Unterschiede in der Destillation, Coffey Still vs. Pot Still, die man den Labeln entnehmen könnte, beruhen allerdings auf einem Labelfehler von Cadenheads. Auch dieser Rum stammt aus der Coffey Still]. Möglich wurde dieser Vergleich, das soll nicht unerwähnt bleiben, da ein guter Freund an eine Flasche des Cadenhead gekommen ist, der wohl zu den seltensten Cadenhead Demeraras überhaupt zählen dürfte. Wir konnten uns zumindest beide nicht daran erinnern, ihn zuvor je irgendwo gesehen zu haben. Er tauchte, bis er ihn in einem Shop gefunden hat, nicht einmal in meiner sehr umfangreichen Liste von Cadenhead Rums auf. Und wie es der Zufall so wollte, hat eben dieser Rum vergleichbare Randdaten zu einem der Demeraras von Velier, der in den Tropen reifte. Tja, und wenn der Zufall schon an die Tür klopft, dann sollte man eben auch aufmachen und insofern lest ihr nun gleich diesen Quervergleich!


Zu den Abfüllungen selbst kann noch gesagt werden, dass es sich bei dem Velier um eine Abfüllung fünf tropisch gereifter Fässer Diamond 1996 SVW handelt, die in Full Proof und mit einem Alkoholgehalt von 64,6% vol. im Februar 2011 abgefüllt wurde. Die genaue Flaschenanzahl ist mir hier leider nicht bekannt, ebenso wenig wie der Angel's Share, den Velier erst bei späteren Bottlings immer angegeben hat. Der Cadenhead dagegen ist eine Single Cask Abfüllung eines kontinental gereiften Diamond SVW aus dem Jahr 1987, die 2003 in Fassstärke (63% vol.) auf die Flasche gebracht wurde. Auch hier ist weder eine genaue Flaschenanzahl noch der Angel's Share bekannt. 

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Velier Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1996: 

Optisch und im Glas wird ein Unterschied beider Rums schon einmal offenkundig. Der Velier kommt in einem schönen, ansprechenden Mahagoni daher und reiht sich damit nahtlos ein in all die tropisch gereiften Vertreter aus dem Hause Velier, seinen es Demerara oder auch Caroni Rums.
In der Nase setzt sich dieser Eindruck dann auch mehr oder weniger unvermindert fort, denn es ist vor allem diese Form der Alterung, dieses intensive, dunkle, tanninige, dabei aber auch süße, fruchtige und reife, das tropische Reifung grundsätzlich ausstrahlt und dabei immer auch an andere Demeraras oder auch Caronis erinnert. Und doch bin ich durchaus erstaunt an dieser Stelle, denn für 15 Jahre im Fass ist dieser Rum wirklich schon außerordentlich reif. Der Alkohol ist wenig präsent, die 64,6% vol. sind sehr gut ins Destillat eingebunden. Böses Stechen und ähnliches habe ich fast gar nicht. Ich habe dafür Klebstoffe und scharfe Lösungsmittel im Bouquet, karamellisierten Rohrzucker, dazu eine richtig schöne Süße und eine ganz ausgeprägte Fruchtigkeit, etwa von Banane, Mango und Papaya. Dazu immer wieder Melasse und holzige Noten mit Kokos, etwas Vanille und Anis. Das ganze ist dabei wahnsinnig komplex. Immer wieder geht die Nase zum Glas und immer wieder finde ich neue Komponenten, die ich zuvor so nicht wahrgenommen hatte oder nun verändert wahrnehme. Ich könnte da noch Stunden weiter erzählen. Ein Kunstwerk. Die Nase ist für mich auf den Punkt und durchaus eine der besten, die ich kenne.
Am Gaumen habe ich zu Beginn dann eine schöne natürliche Süße, aber auch ein leichtes Stechen und Brennen des Alkohols, der erst einmal gebändigte werden möchte. Dennoch ist das ganze super eingebunden und der Rum sehr schön adstringierend. Die Mundschleimhäute ziehen sich regelrecht zusammen, der Diamond wirkt dann kurz sehr trocken, bevor er letztlich ins cremige übergeht und mit einer sensationellen Mundfülle daherkommt. Wahnsinn! Der Blick ist nun frei auf einen tollen und reich gefüllten Obstkorb, der kombiniert wird mit Kokosflocken, einer schönen, kräftigen aber nie überlagernden Holznote, viel Holzlack, wie ich ihn auch bei Caroni häufiger finde, frisch geschnittenem Geäst,  einem medizinischen Touch, leichtem Tabak, schöner Würze und einer guten Portion Nelke. Sehr, sehr geil und ein mehr als stimmiges Gesamtbild! 
Im Abgang habe ich dann noch frisch geschnittenes Geäst, wieder ordentlich Nelke und dann einen deutlichen medizinschen Touch, der ins bittere geht. Sehr lang anhaltend. 

-96/100-

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Cadenhead Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1987:

Der Cadenhead kommt im Vergleich zum Velier wesentlich heller daher. Keine Frage, die kontinentale Reifung wird optisch sehr deutlich. Kam der Velier noch im Mahagoni-Gewand daher, ist es beim Cadenhead eher kräftig goldenes Stroh. Leichte Bräune deutet der Rum maximal an, aber auch nur, wenn man es denn sehen möchte.
Drängten sich die Unterschiede optisch bereits auf, so werden sie in der Nase mehr als nur offensichtlich. Wir sprechen hier über nicht weniger als über einen Unterschied wie den zwischen Tag und Nacht! Die 63% vol. sind präsenter als es die 64,6% vol. beim Velier waren, allerdings würde ich auch hier von einer guten Einbindung sprechen. Ansonsten geht es von nun aber aber in eine komplett andere Richtung. Ich habe beim Cadenhead deutlich weniger Intensität, der ganze Rum kommt weniger warm daher und, trotz des identischen Alters, auch deutlich jünger als der Velier. Parallelen zu anderen Rums sehe ich per se erst einmal nicht, am ehesten vielleicht zu den Providence Estate Rums aus Trinidad von Cadenhead. Das ganze wirkt, wohlwollend formuliert, subtil, oder, böse gesagt, flach. Ich habe auch hier leichte Lösungsmittel-Noten, aber nicht so schön stimmig, wie das beim Velier der Fall war. Ansonsten finde ich etwas frisch geschnittenes Geäst, schöne Vanille, grasige Noten, leichten Pfeffer, etwas Anis und peripher nach hinten heraus auch etwas Holz. Süße und Fruchtigkeit aber, also das womit der Velier eben trumpfen konnte, gehen dem Cadenhead z.B. vollkommen ab. Da wird der Unterschiede im Reifeverfahren sehr deutlich. 
Am Gaumen setzen sich die Unterschiede beider Rums nahtlos fort. Hier bietet der Cadenhead gefühlt sogar noch weniger als in der Nase, kann überhaupt nicht glänzen. Positiv fällt allenfalls die Einbindung des Alkoholgehalts auf, die gelungen ist, aber ansonsten offeriert der Cadenhead dem Genießer keinerlei Gründe sich den Rum ins Glas zu schenken. An Assoziationen habe ich etwas Vanille, eine sogar ziemlich präsente Note vom Holz, das ganze kommt trocken daher und aber eben auch sehr eindimensional. Mit einem großen Schluck hat man auch schon alles gesehen.
Im Abgang sieht es ähnlich aus. Trocken mit ein wenig Holz, dazu leichter Pfeffer und das ist es dann auch schon gewesen. Schade.

-79/100-

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Gesamt-Fazit: 

Ich habe den Vergleich weiter oben schon einmal heran gezogen, aber er passt auch zum abschließenden Fazit oder gar als Kurzfassung dieses Vergleichs wie die Faust auf's Auge: zwei Rums wie Tag und Nacht! 
Mir gefällt das bisweilen schon fast aggressive Verfechten von tropischer Lagerung als die einzig wahre Art und Weise einen Rum reifen zu lassen bekannter Maßen ganz und gar nicht und ich werde nicht müde zu betonen, dass es großartige Rumstile gibt, denen die kontinentale Reifung sogar besser zu Gesicht steht. Allerdings komme ich nicht umhin festzustellen, dass es eben tatsächlich auch die Rums gibt die von tropischer Sonne so sehr profitieren wie kaum andere Rums und, dass eben jene Rums dabei gleichzeitig in qualitative Sphären vorstoßen, die von kaum anderen Rums erreicht werden. Das sind die Heavy Rums aus Caroni, hier werden wir seit Jahren hinreichend mit Beispielen und Gegenüberstellungen (tropisch vs. kontinental) versorgt, die eindeutiger nicht ausfallen könnten, und das sind einige Column Still Rums aus Guyana! Ihr wisst um meine Begeisterung für Skeldon 1978 oder Albion 1986 und in dieser Liga spielt auch der heute verkostete Diamond 1996 SVW! Dass dieser dabei noch sehr viel günstiger zu haben ist als die beiden erstgenannten macht ihn dabei nur noch attraktiver! Dagegen muss ich festhalten, dass der sich dazu parallel im Glas befindliche Cadenhead nicht das geringste bisschen Land sieht. Er ist dabei nicht im klassischen Sinne schlecht, im Gegenteil, denn die Qualität stimmt grundsätzlich. Nein, er ist nur einfach nicht gut. Es ist dabei allerdings auch schwierig, überhaupt kontinental gereifte Column Still Demeraras zu finden, da es fast nur jene aus der Single Wooden Pot Still Versailles' oder der Double Wooden Pot Still Port Mourants in die europäischen Warehouses schaffen, aber alles was ich da bisher im Glas hatte, wusste nicht im geringsten zu überzeugen und hatte nicht annähernd die herausragende Qualität der Veliers! Zu schade also, dass DDL selbst keinerlei Interesse daran hat mehr aus diesen, seinen, Qualitäten herauszuholen und sich zwischen Blends für die Massen und unnötigen Rohrkrepierern mit bunten Labeln verliert! Denn auch und gerade dieser stiefmütterliche Umgang mit dem eigenen State of the Art führte und führt weiterhin dazu, dass die Preise für die alten Velier Bottlings immer weiter anziehen. Nicht zuletzt deshalb aber kann ich nur jedem der da wirklich mal Höhenluft schnuppern möchte empfehlen, sich eben den Diamond 1996 SVW mal genauer anzusehen. Meine Meinung: wenn heute noch einen der High End Velier Demeraras kaufen, dann den! Denn er ist mit seinen ca. 800,- Euro zwar auch schon unmoralisch teuer und wahnsinnig im Preis geklettert in den letzten Jahren, aber er ist auch der einzige der richtig, richtig guten Vertretern dieser Gattung, der aktuell noch unter der magischen Marke von 1k liegt, während alle anderen der ganz wenigen vergleichbar guten oder noch besseren Velier Demeraras (z.B. Skeldon 1978, Diamond 1988, Albion 1986, Uitvlugt 1988, La Bonne Intention 1998) schon sehr, sehr weit über dieser Marke liegen, sogar teils deutlich jenseits der zwei- und der dreitausender Marke! 

Und so geht mein Dank heute natürlich in die Heide und nach Berlin, von wo ich meine Samples bekommen habe, die diese Erfahrung möglich machten. Vielen lieben Dank! Denn ja, die ursprüngliche Verkostung ist schon einige Monate her und fand damals noch mit einem Diamond 1996 Sample statt, bevor ich auf meinen eigenen Rat gehört und mir auf Grund meiner Erfahrung mit dem Diamond 1996 eine ganze Flasche davon gegönnt habe. Es muss ja nicht immer ein Urlaub sein... 


In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo



Sonntag, 19. August 2018

Demerara & CoffeeTonic

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch einen Drink vorstellen, der meines Erachtens perfekt zu einem richtig heißen und drückenden Sommer passt, wie wir ihn in diesem Jahr erleben dürfen: den Demerara & Coffee Tonic!

Ja, klingt auf jeden Fall erstmal ungewöhnlich und das ist der Drink auch! Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich -meine Frau wird bereits mit den Augen rollen, wenn sie das hier liest- die Angewohnheit pflege, beim Einkaufen immer auch einen Blick in die Getränkeabteilung meines örtlichen und gut sortierten Supermarktes zu werfen und zu schauen, was dieser eventuell neu im Sortiment führt. Dabei fiel mir schon vor einigen Monaten ein neues Coffee Tonic Water von Thomas Henry ins Auge. Und ja, das war natürlich ein böses Foul an mir, denn je ungewöhnlicher und merkwürdiger etwas klingt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich nicht widerstehen kann und die Flasche erst einmal einpacke um dann später zu schauen, was ich damit vielleicht einmal anfangen kann (hier steht übrigens auch noch eine Limonade auf Algenbasis, die auf einen Verwendungszweck wartet) - so geschehen auch beim Coffee Tonic. Dann passierte erst einmal eine ganze Weile gar nichts, bis mein ehemaliger Blogpartner Leo (seine Artikel findet ihr noch immer hier auf diesem Blog!) plötzlich postete, dass er sich einen Longdrink zubereitet habe, welcher aus Demerara Rum und eben diesem Coffee Tonic bestehee und dass ihn das Ergebnis durchaus überzeuge. Mir fiel natürlich blitzartig mein eigenes Fläschchen im Kühlschrank wieder ein und so machte ich mich daran, auf der Grundlage von Leos Idee einen Drink zu bauen. Auch ich verwendete eben jenen Demerara Rum, einen Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003 mit 56,7% vol., da ich ihn mir ebenfalls gut dazu vorstellen konnte. Um noch ein wenig mehr Komplexität in den Drink zu bekommen, beschloss ich, der Rezeptur auch noch etwas Orgeat und Limettensaft beizugeben, da mir das im Allgemeinen immer noch ein wenig mehr zusagt, als reine Basis + Filler Drinks. Das Ergebnis? Lest selbst! :-)


Das Rezept*:

  • 5,50 cl Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003
  • 1,50 cl Limettensaft
  • 0,75 cl Meneau Orgeat
  • 12,0 cl Thomas Henry Coffee Tonic

Gebaut im Longdrink-Glas. 









Im Glas wirkt der Drink zunächst einmal wie ein Eistee, oder aber, wenn man einen klassischen Drink als Vergleich heranziehen möchte, wie z.B. ein Mint Julep. Hellbraun, vielleicht sogar noch ins Orange gehend und wunderbar leuchtend.

Geschmacklich ist der Demerara & Coffee Tonic dann hingegen zunächst schwer zu beschreiben. Ich finde ihn, für die doch vergleichsweise eher simple Zusammenstellung der Rezeptur, erstaunlich vielschichtig und komplex. Die Hinzunahme von Orgeat und Limettensaft zahlt sich meines Erachtens spürbar aus! Der Rum als Basis passt hier charakterlich überaus gut, da hat Leo eine hervorragende Wahl getroffen. Er kommt durch, prägt den Drink in seinem Basis-Charakter, drängt sich dabei aber nicht auf und harmoniert wunderbar mit den Kaffeearomen des Tonic. Letztere sind im Drink sehr präsent, versprühen dabei aber trotzdem immer noch etwas eher subtiles. Die Gesamtkonzeption ist daher einfach stimmig und der Drink passt perfekt an warmen Tagen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon. 

Fazit: das ist Sommer! Vielen Dank, Leo, für die super Anregung zu diesem unkonventionellen aber dafür umso herrlicheren Drink, ohne die das Fläschchen vielleicht noch sehr viel länger in meinem Kühlschrank gelegen hätte. Nun muss ich nur noch etwas finden, was zur Alge passt ;-)
Vom Coffee Tonic werde ich mir nun noch ein paar Fläschchen besorgen und das ganze auch mal noch mit anderen Rums probieren. Monymusk z.B. könnte ebenfalls gut passen, aber das wird sich zeigen. Zunächst einmal empfehle ich euch allen, es in einer solchen oder einer ähnlichen Konstellation zu probieren, zumindest wenn ihr Kaffeearomen nicht im Grundsatz schon abgeneigt seid. Dann könnte der Drink nämlich auch euch begeistern! 

In diesem Sinne: Cheers, und ein schönes Wochenende!

*die Balance aus Süße und Säure ist selbstverständlich individuell anzupassen und meine Maßeinheiten sind daher in erster Linie als grober Richtwert zu verstehen


Dienstag, 23. Mai 2017

Thomas' Thoughts: Mai Tai mit Our Rum & Spirits Demerara Rum 12 YO Diamond 2003

Liebe Rum- und Mai Tai Freaks,

letzte Woche hat Marius von Single Cask Rum für euch einen Mai Tai mit Mabaruma Hampden Rum 13 YO 2000 gemixt und auch heute werde ich nochmals externe Unterstützung durch einen Gast erhalten. 
Und zwar wird euer Mai Tai heute von Thomas Bossnack gemixt werden, dem ich dafür schon vorab vielmals danken möchte! Ich habe ihn vor einigen Wochen mit Marius zusammen gefragt, ob er nicht Bock dazu hätte und er hat sich glücklicherweise ebenfalls gern dazu bereiterklärt hier mitzuwirken. Thomas beschäftigt sich schon seit acht Jahren mit Cocktails und ist vor ca. drei Jahren dann auch zum Purgenuss gekommen. Er ist bekannt für seinen extrem geschulten Geruchs- und Geschmacksinn und dafür, in Blindtastings regelmäßig Volltreffer zu landen, was ihm den anerkennenden Spitznamen "Professor" eingebracht hat. 
Seit Anfang des Jahres teilt Thomas seine Eindrücke nicht nur im Forum "Rum Club", sondern auch auf seinem eigenen Blog RUMBOOM.

Und nun wünsche ich dir, lieber Thomas, und allen Lesern viel Spaß beim Lesen der folgenden Zeilen und natürlich im Anschluss beim Nachmixen!




Hallo liebe BAT Leser,

wie vor ein paar Tagen der Gastbeitrag von Marius, habe ich heute die Ehre euch einen Mai Tai auf BAT vorzustellen.

Der heutige Rum für den Mai Tai fällt in die Kategorie "eher ungewöhnlich" in Bezug auf diesen Cocktail. Es geht um den Our Rum & Spirits Guyana Diamond von Christian Nagel. Jetzt könnte man sich fragen "wer kommt denn bitte auf die Idee einen Diamond für einen Mai Tai zu verwenden?". Experimentierfreudige Cocktailliebhaber, die Alternativen für Rums suchen, welche pur nicht ganz zusagen, aber in einem Drink vielleicht eine gute Figur machen könnten. So ein Kandidat ist bei mir der OR&S Diamond.

Bevor es mit der Verkostung losgeht, noch einmal kurz die Key Facts zum Rum:

Abfüller:                Our Rum & Spirits
Land/Region:       Guyana
Destillerie:            Diamond Distillery
Alter:                        12 YO (2003 - 2016)
Alkoholgehalt:   62,8% vol.


Neben dem OR&S Diamond (6cl) verwende ich für diesen Mai Tai Triple Sec von Pierre Ferrand (1,5cl), Orgeat von Giffard (0,75cl), selbst hergestellten Zuckersirup (0,75cl) und frisch gepressten Limettensaft (3cl)



Verkostung des Mai Tais mit Our Rum & Spirits Demerara Rum 12 YO Diamond 2003: 

Da unser Grundstoff von OR&S bereits eine sehr dunkle leicht rötliche Farbe hat, ist es nicht verwunderlich, dass unser Mai Tai nicht die gewohnte Farbe trägt: orange braun und trüb.

Wow! Ist das Blutorangensaft oder ein Mai Tai?! Die Charakteristika des Rums sind ganz klar in diesem Drink wiederzuerkennen. Ganz viel Blutorange, Leder und Holz dominieren den Drink. Die Säure der Limette ist auch prägnant aber passend. Nur leicht wahrnehmbar ist das Orgeat, welches in einem normalen Mai Tai durchaus präsent(er) ist. Von mir aus könnte das Orgeat weggelassen werden und durch normalen Zuckersirup ersetzt werden, da das Orgeat für mich nicht ganz passt. Nichtsdestotrotz ein guter Drink! Auch nach längerer Standzeit und fortschreitender Verwässerung ist dieser Drink noch gut genießbar und behält verhältnismäßig viel Geschmack.

Fazit: dieser Drink hat fast nichts mehr mit einem üblichen Mai Tai zu tun. Ist er deshalb ein schlechter Mai Tai? Jaein! Ja, weil er für mich einfach kein Mai Tai ist. Nein, weil er trotzdem ein guter Drink ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Rum eine noch bessere Figur in einem Daiquiri oder vielleicht sogar in einem Rum Sour machen würde. Leider habe ich nicht mehr genug vom OR&S Diamond übrig, um das zu testen. Aber vielleicht ist ja jemand experimentierfreudiges unter den Lesern dabei? Über Feedback würde ich mich freuen.

Ciao!
Thomas