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Donnerstag, 29. August 2024

The Sins - Avarice- Long Pond Jamaica Rum 1983

Liebe Rum Gemeinde,

dieses sind die ersten Zeilen auf BAT seit fast zwei Jahren und nachdem meine letzte Review dementsprechend lange zurück liegt und ich -Stand heute- auch für die nächsten Monate, bzw. Jahre, nicht damit rechne, dass sich die Frequenz meiner Verkostungen wieder erhöht, muss ich im Vorfeld direkt festhalten, dass die heutige Review des The Sins -Avarice- Long Pond 1983 leider als Ausnahme zu meiner Inaktivität verstanden werden muss und nicht als Rückkehr zu regelmäßigen Beiträgen von mir. Ich weiß, dass ich eine Wiederaufnahme meiner schreiberischen Aktivität in der Vergangenheit durchaus angedeutet und mir auch vorgenommen hatte, aber die Realität wird auch weiterhin eine andere sein. Dies nur gleich zu Beginn, da sich die Frage ansonsten sicherlich schnell gestellt hätte. 



Wenn ich jetzt aber diese Ausnahme mache und aus völliger Inaktivität über einen Rum schreiben möchte, dann muss dieser Rum ja aber schon etwas sehr besonderes sein, oder? Normalerweise hätte ich es jetzt erstmal mit Franz Beckenbauer gehalten und gesagt: "Schaun mer mal!", aber einen Spannungsbogen künstlich aufzubauen ergibt hier glaube ich keinen Sinn. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern und viele in der Community da draußen haben den Rum auch schon mal u.a. im Rahmen von Festivals im Glas gehabt und auch der Plattform Rum X kann es entnommen werden, dass der Rum um den es heute geht keiner von der Stange ist und auch bisher durch die Bank überzeugt hat. Nun möchte ich mir gerne selbst ein Bild machen und lasse euch daran teilhaben. Allerdings: auch wenn ich selbstverständlich meinen guten Geschmack nicht verloren habe und auch weiterhin im privaten Rahmen Rum trinke, so ist mir aber die Routine an der Tastatur durchaus verloren gegangen. Für eine Review benötigte ich vor einigen Jahren mit Sicherheit etwa 10 Stunden im Schnitt, schließlich hing oft ja auch einiges an Recherche dran, die zu vielen Beiträgen im Vorfeld betrieben werden wollte. Würde ich heute eine Review in diesem Umfang schreiben, wäre ich vermutlich für Wochen eingebunden. Diese Zeit habe ich nicht mehr und so wird der heutige Beitrag um einiges kompakter werden als es Reviews in früheren Tagen waren. Und dementsprechend wird es hier ohne große Vorinformationen mehr oder weniger direkt ins Tasting gehen. Nur so viel: der Rum wurde von Distilia abgefüllt und für die Auswahl des Fasses aus dem Distilia Fasslager und die Gestaltung des Labels war der Rob verantwortlich. Den wiederum muss ich hier aber glaube ich ohnehin niemandem mehr vorstellen, oder? Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand meinen Blog kennt, aber noch nie etwas von Rob gehört hat. Und falls doch, dürft ihr gerne mal nach Whisky Digest, Grape of the Art oder dem Armagnac Festival in Stuttgart googlen ;-) 

Wer mehr über die Destillerie Long Pond erfahren möchte, der kann gerne in meinem Beitrag von 2018 ein wenig stöbern, auch wenn dieser an der einen oder anderen Stelle möglicherweise schon nicht mehr aktuell ist.

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung dieses Rums, sowie zu Fotozwecken, gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 


Verkostung des The Sins -Avarice- Long Pond Jamaica Rum 1983:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den 1983er Long Pond wird bei 850€ liegen und Release ist am 29. August 2024.  

Alter: von 1983 bis Februar 2024 durfte der Rum 40 Jahre im Fass reifen. 

Lagerung: keine Angabe. Vermutlich reifte er aber über weite Teile, wenn nicht sogar die gesamte Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: #1134 - es handelt sich folglich um ein Single Cask. Dieses ergab noch 203 Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt.  

Alkoholstärke: der Rum kommt mit entspannten 51,6% vol. daher. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Pot Still von Long Pond.

Mark: keine Angaben.

Farbe: leuchtend goldenes Stroh! Eine wunderschöne Farbe und typisch für ein kontinental gereiftes Destillat. 

Viskosität: enge, aber wenig parallel fließende Schlieren ziehen sich an der Glaswand herunter. 

Nase:
 Stunning! Eine wirklich fantastische Nase begrüßt mich hier nach fast zwei Jahren auf dem Blog zurück. Jamaica, ich bin zuhause - aber sowas von! Für einen Long Pond kommt die Nase ungewöhnlich intensiv und beinahe schon extrem daher. Um nicht zu sagen: ich bin gedanklich erst einmal bei Hampden! Da steckt einiges an Estern drin, die den Rum mit Lösungsmitteln und Klebstoff bereichern, die dabei aber nicht nur die Herzen von Freunden von High Ester Rums höher schlagen lassen, sondern auch jene derer, denen der Schlag in die Fresse von Hampden deutlich zu plump ist. Denn dieser Rum ist einfach richtig gut! Man findet hier, nachdem der Rum einige Zeit im Glas atmen durfte, vieles, was man von einem guten, alten Old School Long Pond erwartet, denn neben seiner Kraft, bringt er auch die für alte Long Pond so typischen feinen und filigranen Noten mit. Wer alte Rum Nations, den Silver Seal 1986, den Isla del Ron 1982 oder vergleichbare Kandidaten im Glas hatte, der wird beim Sins -Avarice nicht umhin kommen in Nostalgie zu verfallen, denn Assoziationen in diese Richtungen muss man ebenso wenig lange suchen wie die Ester. Allerdings kommen diese hier ausgeprägter daher als bei anderen 80s Long Ponds. Gemeinsam haben sie hingegen wieder, dass man keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase hat, die 51,6% kommen richtig smooth. Selbst wenn ich meine Nase ins Glas halte und tief einatme brennt da nichts! Allerdings ergibt ein peripheres Nosing natürlich deutlich mehr Sinn und den olfaktorischen Blick frei auf die vielen Noten und Assoziation die in diesem Rum stecken. Da sind neben den erwähnten Lösungsmitteln und Klebstoffen auch ein vegetaler Einschlag, der mich an Stroh und frisch geschnittenes Geäst denken lässt. Dazu gesellen sich gegrillte Ananas, Zitrusfrüchte, Apfel, Banane, Vanille und dunkle Erde. Eine sanfte Note vom Eichenholz des Fasses ist ebenfalls dabei, allerdings beeindruckt es mich sehr, wie wenig ausgeprägt diese nach 40 Jahren der Reife ist. Klar, kontinentale Reife ist ein komplett anderer Schnack als tropische Reife, aber auch nach vier Jahrzehnten in Europa sind Rums nicht selten auch schon mal verholzt. Davon ist der Long Pond sehr weit entfernt!

Gaumen: der Eindruck den ich in der Nase hatte setzt sich am Gaumen nahtlos fort! Geil! Unfassbar gut! Ein richtig schön schwerer, komplexer, öliger und mundfüllender Jamaicaner, der mich auch hier erst einmal wieder an Hampden erinnert, allerdings auch an die tropisch gereiften High Ester Long Ponds, nur eben durch die kontinentale Reife in eine vollkommen andere Richtung entwickelt! Auch das Profil vom Gordon & MacPhail Long Pond 1941 kommt mir in den Sinn. Ein sehr, sehr dichter Rum, total konzentriert und richtig schön ölig. Wo die Nase für ihre 40 Jahre noch fast jugendlich daher kam, verleugnet der Gaumen sein Alter sehr viel weniger. Hier kommt das Eichenholz richtig schön durch und geht mit Anklängen von Gewürzen, insbesondere Nelke und Anis stechen für mich heraus, frischer Erde und der Süße und Säure von tropischen Früchten ein sehr schönes Aromenspiel ein, bei dem keine eine andere Komponente erschlägt. Allerdings komme ich immer wieder nicht an dem Gedanken vorbei, dass das hier doch ein 1983er Hampden HGML ist, der durch die 40 Jahre im Fass zu bisher wenig gekannter Milde geführt hat. Allerdings hatte ich auch schon ewig keinen solchen Rum mehr im Glas, weswegen ich mir in der zweiten Tasting Session einen RA 1983er Hampden daneben gestellt habe und hier verflog mein anfänglicher Hampden-Gedanke doch recht schnell. Die Ester beim Avarice sind krass, aber bei den Hampden aus gleichem Jahr ist das doch alles nochmal ne andere Nummer. Im direkten Vergleich ist der Rum als Long Pond zweifelsfrei zu erkennen. 

Abgang: nach hinten heraus kommt die Eichenholznote vollends zum tragen, was man bei einem 40 Jahre alten Rum aber auch erwarten darf und möchte. Sie nimmt darüber hinaus noch einiges an Gewürzen mit, Anis ist da wieder dabei, aber auch immer noch diese leckere Süße von Früchten. Dazu ist der Abgang ewig lang. Ganz großes Kino! 

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Fazit:
 nach all der Zeit, die ich zwar nicht abstinent verbracht habe, in der ich aber sehr wohl deutlich weniger Rum getrunken habe als noch bis ins Jahr 2021, war es für mich deutlich schwieriger diesen grandiosen Rum zu besprechen als es das noch vor einigen Jahren war. Aber es hat sich mehr als gelohnt! Was für ein Brett! Benchmark Stoff? Mit Sicherheit! Mir fällt aus Long Pond so spontan wenig ein, was da mitgehen kann. Der Gordon & MacPhail 1941 natürlich und die ganz alten Vertreter aus den 1970s und 1980s, die auch alle nochmal ein Stück mehr Schmeichler waren, aber sie waren auch fast alle verdünnt und somit ging da für mich auch immer sehr viel Genuss flöten. Das ist hier anders! Der Rum kommt in seiner Fassstärke und ist aber durch die entspannten 51,6% vol. dennoch kein Alkohol-Hammer. Ich würde beim Avarice Long Pond 1983 sogar von einem wirklich perfekten Jamaicaner sprechen, der das beste aus allen Bereichen in sich vereint. Er ist richtig schön esterig, aber er ist auch filigran, gediegen und gesetzt. Am Ende müssen wir -na klar- noch über den Preis sprechen. 850,- Euro sind eine heftige Stange Geld, insbesondere in der aktuellen Zeit, in der der große Rush erst einmal ausgesetzt scheint und nicht mehr jeder Preis für jeden Rum blind bezahlt wird. Und dennoch glaube ich, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesem Rum am Ende stimmt und der Rum auch fair bepreist ist. Denn mit diesen Kern-Daten hat er natürlich auch einen USP, denn wo bekommt man sonst einen 40 (!) Jahre alten Long Pond in dieser Qualität? Und was kostet nochmal ein G&M 1941, der am Ende inzwischen auch "nur" noch 18 Jahre älter ist? ;-) Nuff said. 
-95/100-


Donnerstag, 1. Oktober 2020

Espresso Martini ❗

Liebe Rum Gemeinde,

den heutigen Drink habe ich vor einiger Zeit auf einem Rum-Treffen kennen- und auch direkt schätzen gelernt, als Stefan Marzoll diesen mit Hampden Estate 46% Jamaica Rum zubereitet und präsentiert hat. Da ich diesen nicht daheim habe, habe ich mir einfach mit dem LPS 2nd Release beholfen - von dem hatte ich nämlich noch was da :)



Espresso Martini, das klingt zunächst einmal nicht unbedingt nach einem Drink, der mir tendenziell zusagt. Irgendwie weckt der Name Assoziationen zu Gin oder Wodka, zu Wermut darüber hinaus sowieso, und den klassischen Martini trinke ich weder mit der einen, noch mit der anderen Spirituose wirklich gerne. Manche mögen ihn als einen der ultimativen Drinks sehen, nicht zuletzt spielt bei Fans dann ja auch noch der ganze James Bond Kult eine Rolle, aber mir ist das offen gestanden viel zu anstrengend und bin da eher für die zugänglicheren Drinks zu haben. Nun kommt allerdings noch erschwerend hinzu, dass ich auch kein Kaffeetrinker bin! Das berechtigt unter Sozialpädagogen nicht nur schon beinahe zum Tragen eines B-Ausweises, sondern führt uns im Falle des Espresso-Martinis dann auch schon unvermeidlich zu der Frage, was ich dann überhaupt mit diesem Drink anfangen kann oder will. Und ja, genau die Frage habe ich mir zugegebener Maßen anfangs dann auch tatsächlich gestellt als ich gefragt wurde, ob man mir auch einen dieser Drinks darreichen dürfe, aber da spielten dann zum Glück auch noch zwei weitere Faktoren mit rein, die dem Ganzen nun die entscheidende Wende geben. Zum einen hat der Espresso-Martini nichts mit Wodka oder Gin zu tun, sondern er wird mit Jamaica Rum gemacht. Mag ich! Und wenn ich auch kein Kaffeetrinker bin, so liegt das in Wahrheit viel mehr daran, dass ich kein Fan von Heißgetränken bin, als weniger daran, dass mir der Geschmack grundsätzlich nicht zusagen würde. Insofern klang diese Kombination plötzlich sogar sehr verlockend, wobei das Ergebnis meine Erwartungen dahingehend sogar noch deutlich übertraf. Aber lest selbst... :)


Das Rezept meiner Wahl:

  • 5,0 cl Rum Albrecht Jamaica Rum LPS 2nd Release - 53% vol.
  • 1,5 cl Vanille Sirup 
  • 1 doppelter Espresso
  • 1 Prise Meersalz

Im Shaker geschüttelt, in eine vorgefrostete Cocktailschale doppelt abseihen.


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Espresso Martini mit Rum Albrecht Long Pond Jamaica Rum LPS 2nd Release - 53% vol.:

Zunächst einmal ist der Drink optisch absolut faszinierend anzusehen im Glas! Nicht nur die extrem krasse Farbe, der Drink ist, wenn er nicht gerade zu Foto-Zwecken in der direkten Sonne steht, nahezu pechschwarz, das ist man von einem Cocktail ja eher nicht gewohnt, sondern auch die wunderbare Crema, die farblich denn ja auch den totalen Kontrast darstellt, machen den Espresso Martini wirklich zu einem Hingucker!

Der erste Schluck ist dann für mich noch immer leicht kurios, denn obwohl der Drink natürlich eiskalt ist, so hat das doch immer noch so etwas leicht unglaubliches, angesichts dessen, dass der Espresso, der ja den Hauptanteil im Cocktail stellt, bis gerade eben noch kochend heiß war. Und da sind wir dann auch in der Tat schon bei einer der wichtigsten Punkte in der Herstellungsweise des Drinks, denn ihr habt, falls euch der Drink nicht ohnehin schon geläufig ist, ganz richtig gelesen: der doppelte Espresso wird wie der Barista ihn schuf in den Shaker gegeben und nicht etwa erst kalt werden gelassen. Das begünstigt zum einen die gewünschte Crema-Bildung und verhindert gleichzeitig, dass der Espresso unerwünschte Bitternoten bekommt, die durch das kalt werden entstehen, nicht aber durch das Blitz-Frosten im Shaker! Geschmacklich ist der Espresso Martini dann nicht weniger als der absolute Wahnsinn! Die volle geschmackliche Dröhnung Espresso, kombiniert mit einem hocharomatischen Jamaica Rum, der vor allem in der Nase und zu Beginn eines Schlucks echt gut durchkommt und total zu diesem Espresso-Einschlag passt! Unfassbar geil! Tatsächlich würde ich den Drink auch in Zukunft eher mit einem sehr aromatischen Jamaicaner machen als mit einem eher leichten Rum wie dem Hampden Estate 46%, zumal dieser in der neuen Version jetzt ja auch nur noch aus OWH besteht. In einem ersten Versuch habe ich noch 1 cl Vanille Sirup mit in den Shaker gegeben, so hatte es Stefan Marzoll angegeben. Beim nächsten Mal nutzte ich allerdings auf eine Empfehlung von Stefan Kerner hin 1,5 cl und empfand das als noch leicht gelungener, insofern Danke für diesen Tipp! :)

Fazit: ja, geil! Also tatsächlich wohl eine der Neuentdeckungen im Cocktailbereich 2020 für mich! Alkohol am Vormittag ist für mich ja kein grundsätzliches Tabu, ich trinke häufiger mal an freien Tagen auch schon am Morgen oder Vormittag zu Verkostungs-Zwecken Rum pur, einfach weil der Gaumen da noch sehr unbelastet ist, aber ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, mir zu diesen Uhrzeiten bereits den Shaker aus dem Schrank zu holen! Ich glaube, einen Mai Tai, den ich z.B. verhältnismäßig oft mixe, habe ich noch nie vor 15 Uhr getrunken. Nun, der Espresso Martini ändert das ein Stück weit, denn er passt trotz seiner nicht zu unterschätzenden Potenz wirklich perfekt in die erste Hälfte des Tages - aber selbstverständlich nicht nur in diese! Denn auch zu später Stunde am Abend oder in der Nacht macht das Teil eine grandiose Figur, weshalb ich hier geneigt bin von "geht immer" zu sprechen. Ja, müsst ihr wirklich selbst mal ausprobieren, falls ihr das noch nicht getan habt, und macht das ruhig auch, wenn ihr eigentlich nicht so sehr die Kaffeetrinker seid. Es lohnt sich!

In diesem Sinne, bis demnächst!
Flo

Sonntag, 29. Dezember 2019

My Top 10 Rums 2010 - 2019

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch in den letzten Tagen bereits mit auf eine Reise durch das vergangene Jahrzehnt genommen und, so denke ich, klar gemacht habe, wie elementar sich die gesamte Rum Szene in den letzten zehn Jahren verändert hat, möchte ich das ganze heute mit meiner ganz persönlichen Top 10 der vergangenen Dekade krönen: den zehn für mich besten oder manchmal auch einfach nur prägendsten Rums der 2010er Jahre! 



Wenn wir also über die Highlights des gesamten Jahrzehntes sprechen, dann muss eines dabei zunächst klar sein: die erste Hälfte des Jahrzehntes war, in der Breite, deutlich ärmer an Highlights als die zweite, auch wenn sich das in meinen Top 10 und damit in der Spitze so nicht widerspiegeln wird. Erschien in den Jahren bis 2013 ca. eine Top-Abfüllung, so erhielt diese von der damals noch kleinen Szene noch um einiges mehr Aufmerksamkeit als in den Jahren danach, als hochklassige Abfüllungen immer normaler bis irgendwann gar fast alltäglicher wurden. Dementsprechend anders wurden einige Bottlings seinerzeit dafür aber auch wahrgenommen und eingeordnet, bzw. legten den Grundstein für spätere Entwicklungen. Ich werde das im einzelnen aber entsprechend erläutern. 



10. Rum Albrecht LPS Jamaica Rum 17 YO Long Pond 1993 - 53% vol.

Gleich der erste Rum in unserem Ranking ist genau solch ein spezieller Fall. Würde beispielsweise ein tropisch gereifter LPS 17 YO heute erscheinen, so wäre das Echo sicher noch immer entsprechend und ein Interesse sicher vorhanden, aber ein solches Bottling wäre heute nicht mehr bahnbrechend und der Rum sicher nicht zwingend ein Kandidat für eine Bestenliste der Dekade. 2012, bei Erscheinen war das noch vollkommen anders. High Ester Jamaica Rum mit über 50% vol.?! Da konnte man schon mal ausrasten! Denn das war selten, extrem selten! Dazu kam der Rum  mit einem Preis von ca. 40,- (!!) Euro um die Ecke! Schon damals war den meisten, die da schon aktiv waren klar: ein so guter Rum mit einem solch gigantischen Preis-Leistungs-Verhältnis (Value for Money) wird vermutlich nie wieder kommen und sie sollten in diesem Punkt auch Recht behalten. Dieses Bottling war in jeder Hinsicht einmalig und kam in einer Zeit, in der noch fast niemandem klar war, wie richtungsweisend genau dieser Rum später noch einmal sein würde. Denn er ist einer der ganz, ganz wenigen Rums, der tropisch gereift wurde UND direkt vom Bottler in der Karibik erworben wurde. Ich habe das nicht gecheckt, aber ich glaube, das können ansonsten nur Velier und -mit Abstrichen- Bristol Spirits von sich behaupten. Zukunftsmusik im Jahr 2012 in wirklich extrem guter Qualität - keine Frage, dass dieser Rum in die Top 10 musste! 

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9. Duncan Taylor Jamaica Rum 22 YO Hampden 1990 - 52,9% vol.

Und direkt der zweite Rum aus der ersten Hälfte des Jahrzehnts. Er kam ca. ein Jahr nach dem LPS auf den Markt und war einer der allerersten Hampden mit höherem Ester-Mark als LROK, der mit mehr als 50% vol. erschien. Zwar bedeuteten auch die ca. 53% vol. noch eine Reduzierung des Alkoholgehalts um fast 10% vol., aber der Qualitätsgewinn war dennoch ganz offensichtlich. Dazu konnte der Jahrgang 1990 mit diesem Bottling seinen Ausnahmestatus endgültig zementieren, den er mit dem Berry Bros. 1990 bereits mehr als angedeutet hatte. Mit einem Preis von ca. 110,- Euro war der Rum zudem kein Schnäppchen mehr, zumindest für damalige Verhältnisse. Mit dem Übertreten der damals magischen 100,- Euro Grenze setzte der Abfüller durchaus auch in dieser Hinsicht ein Ausrufezeichen. Für mich ganz persönlich stellte der Duncan Taylor Hampden 1990 damals aber vor allem aus einem anderen Grund eine echte Zäsur dar: endlich ein unabhängiger Abfüller neben Cadenhead, der Hampden nicht bis auf 46% vol. herunter verdünnte! Das gab es bis dahin nicht! Der Hampden war zudem Teil einer heute legendären ersten Serie an Abfüllungen, aus der es auch noch eine weitere Abfüllung in diese Liste geschafft und eine diese nur knapp verfehlt hat. Schade, dass in dieser enormen Qualität danach nie wieder etwas hinterher kam bei Duncan Taylor. Der Hampden Jahrgang 1990 allerdings sollte seinen absoluten Höhepunkt erst noch erleben. Doch dazu später in dieser Liste... 

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8. Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 - 65% vol.

Und direkt wieder die erste Hälfte der Dekade, auch wenn dieser Rum für mich gefühlt schon beinahe eher zur zweiten Hälfte zählt, denn mit seinem Ausgabepreis von über 200,- Euro wies er bereits ein typisches Merkmal späterer Jahre auf, indem man nicht nur die 100,- Euro Grenze nahm, sondern auch direkt die 200,- Euro. Für mich damals ein unverschämt hoher Preis, den ich nicht zu zahlen bereit war. Kontrovers dürfte für viele aber auch die Platzierung des Samarolis in diesem Ranking sein, denn den würden sicher die meisten höher erwarten, bzw. selbst auch höher platzieren. Warum? Nun, weil er glaube ich für alle die es nicht unbedingt mit dem Jahrgang 1990 halten schlicht der beste Hampden aller Zeiten ist. Für mich ist es aber immerhin noch der zweitbeste Hampden. Mit schwarzer Flasche und wirklich schickem Label, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, machte das Bottling zudem auch äußerlich richtig was her. Eine Sonderstellung nimmt der Rum aber auch deshalb ein, weil es eines der ganz wenigen Abfüllungen von Samaroli ist, die wirklich und unzweifelhaft zu den absolut besten aller Zeiten zählen. Ansonsten kam von dort leider auch sehr viel Durchschnitt. Mir fällt kein einziger weiterer Samaroli ein, der es bei mir auch nur in die Top 50 der letzten Jahre schaffen würde - das ist bezeichnend! 

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7. Velier Heavy Trinidad Rum 23 YO Caroni 1996 "The Last" - 61,9% vol.

Der einzige Rum aus diesem Jahr, der es in die Bestenliste der Dekade geschafft hat, ist ein Caroni! Zudem ist es der erste in dieser Liste, der nicht aus Jamaica stammt, meiner Lieblingsinsel. Ja, das ist für viele möglicherweise etwas eintönig, aber keine Angst, es folgen auch noch weitere Ausflüge zu anderen Ländern. Der "Last Caroni" aus diesem Jahr war für mich ohne jeden Zweifel der beste Rum des Jahres 2019 und damit zugleich nochmal eine echte Überraschung, denn weder hatte ich damit gerechnet, dass nochmal ein solch guter Caroni auf den Markt kommen würde, noch hatte ich zu hoffen gewagt, dass das in derart großer Auflage nochmal passieren würde. Wahr wurde es dennoch und so war die Freude natürlich umso größer! Doch wo Licht ist, ist immer auch Schatten und so schwang mit diesem Rum natürlich auch die Gewissheit mit, dass hier gleichzeitig auch eine Ära bald zu Ende gehen wird. Caroni in größerer Auflage sind seitens Velier nicht mehr zu erwarten und die wenigen Flaschen die noch kommen, werden schwer zu bekommen sein. Die Preise werden darüber hinaus weiterhin steigen, so dass für viele selbst die 390,- Euro Ausgabepreis für den "Last" schon wie eine Aufforderung zum Kauf klangen. Perverse Verhältnisse, gerade mit Blick auf die Preisentwicklung über die gesamten letzten zehn Jahre gesehen, aber Caroni wird nun einmal nicht wieder kommen und die Nachfrage ist riesig. 

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6. Isla Del Ron Jamaica Rum 30 YO Long Pond 1982 - 56,2% vol.

Der Isla Del Ron Long Pond 1982 ist ein Rum, der mich heute mehr denn je fasziniert, denn er symbolisiert wie kaum eine andere Abfüllung den Übergang von der Rumwelt wie sie früher war, vor dem großen Boom, hin zu dem, wie wir sie heute kennen. Es handelt sich dabei nämlich einerseits um eines der allerletzten Bottlings eines alten Long Ponds aus den 1980ern und gleichzeitig aber auch um eine der ersten Abfüllungen der neuen unabhängigen Abfüller, die sich ab 2012 ca. herauskristallisierten, vielfach aus der damals bereits bestehenden Szene aus unabhängigen Whisky-Abfüllern. Das war auch hier der Fall, denn hinter Isla Del Ron steht der deutsche IB Malts of Scotland mit Sitz in Paderborn, zu dessen Premieren-Abfüllungen dieser 1982er Long Pond damals gehörte. Ähnlich wie Duncan Taylor startete auch Malts of Scotland mit riesigen Ausrufezeichen und ließ dann aber leider ziemlich nach. Neben dem Long Pond zählten auch ein 1988er Enmore, ein 2000er Mount Gay und ein 1998er Sancti Spiritus zum Portfolio. Die späteren Abfüllungen erreichten dieses Niveau meines Erachtens aber nicht mehr, und wenn, dann nur sehr vereinzelt. Schade. Nichts desto weniger gehört der 1982er meines Erachtens in jede Bestenliste, wenn wir über das vergangene Jahrzehnt sprechen. Für mich ein Ausnahme-Rum, den ich mir sehr wünschen würde, nochmal im Regal stehen zu haben. Die 130,- Euro Ausgabepreis waren damals eine echte Ansage. Aus heutiger Sicht war der Preis hingegen ein kompletter Witz!

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5. Duncan Taylor Barbados Rum 25 YO WIRD/Rockley 1986 - 52,7% vol.

Der nächste Ausflug, der nicht nach Jamaica geht und der einzige Barbadier, der es in meine Liste geschafft hat. Warum nur der eine, werden nun viele fragen. Ja, aus Barbados kommen viele tolle Rums, aber die allermeisten der anderen Rockley aus 1986 wurden bereits in den beiden vorherigen Jahrzehnten, also in den 1990er und 2000er Jahren abgefüllt, weswegen sie hier nicht auftauchen, und die wenigen Mount Gay, die mir wirklich gefielen, konnten in der Qualität nicht an jene Rums heranreichen, die sich hier heute noch so tümmeln. Daher ist Barbados leider ein wenig unterrepräsentiert, ja, aber ich hoffe noch immer darauf, dass seitens WIRD/Ferrand der Rockley-Style noch einmal ein Revival erfährt und es damit in einigen Jahren wieder mehr Barbadier in die Bestenlisten schaffen. Momentan sieht das leider eher mau aus. Mit dem 25 Jahre alten Duncan Taylor WIRD erschien dafür allerdings ein absolutes Highlight im Jahr 2012 und damit im relevanten Zeitraum. Er gehörte zur bereits angesprochenen ersten Welle an Duncan Taylor Releases und dieses war in dieser Hinsicht das beste von ihnen, sogar noch vor dem Hampden. Rockley gehört zu den für mich besten Stilen überhaupt beim Rum und es ist schade, dass er so in Vergessenheit geriet in den letzten Jahren. Alle, die erst später zum Rum kamen haben da echt was verpasst: simply the best Barbados rum ever! Der Ausgabepreis von ca. 90,- Euro treibt einem heute die Tränen in die Augen...  

PS: es handelt sich bei diesem Rum um den einzigen, der bisher kein Review auf BAT erfahren hat. Das liegt daran, dass das Review bei Erscheinen des Rums von Marco kam und bei mir die Reviews der Rockleys erst für das Jahr 2020 geplant sind. Aber auch dieser Rum wird hier noch besprochen werden! 



4. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992 "Hangar" - 60,21% vol.

Trinidad und Caroni die Zweite! Schon 2012 erschienen, kam dieser Rum allerdings erst sehr viel später wirklich zu Ehren, nämlich im Zuge des allgemeinen und gesamten Aufstieg Veliers und damit Caronis zu einer der beliebtesten Destillerien überhaupt. Dann allerdings hat der "Hangar" so richtig reingehauen! Die Rums zählen zum so genannten Guyana Stock, also jenen Rums, die ab 2008 in Guyana bei DDL lagerten. Und 1992 gehört gleichzeitig zu den besten, aber eben auch seltensten Jahrgängen von Caroni. Gerade einmal vier verschiedene Abfüllungen hat Velier herausgebracht und auch von anderen IB gibt es meines Wissens nach keinen anderen reinen 1992er Caroni. Kein Wunder, dass diese Rums extrem gesucht sind. Der damalige Ausgabepreis von vermutlich nicht einmal 100,- Euro ist heute kaum noch zu glauben, angesichts der Tatsache, dass er Sammlern als auch Genießern in den nächsten Jahren ziemlich sicher bald mehr als das zehnfache dessen wert sein wird. Verrückt, aber diese Abfüllung ist nun mal wirklich "leider geil"!

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3. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1996 "Kirsch SC" - 62,4% vol.

Und noch einmal, ein letztes Mal, Trinidad und Caroni! Dreimal im Ranking vertreten und dreimal hochverdient! Wir nähern uns nun auch insgesamt der absoluten Spitze, bzw. wir haben sie hiermit bereits erreicht, denn alle Rums in meinen Top 3, mit diesem angefangen, kommen bei mir auf sagenhafte 98 von 100 Punkten! Wahnsinn! Im Jahr 2015 begann Velier damit, diversen Shops und/oder Händlern in Europa und der Welt Single Cask Abfüllungen zuzuteilen. Im Jahr 2016 wurde diese Ehre auch dem Deutschen Partner "Kirsch Whisky" zuteil und diese bekamen dann auch direkt das meines Erachtens absolute Highlight in der neueren Geschichte von Caroni. Eine Abfüllung, ein Fass, bei dem wirklich alles stimmte! Mit 220,- Euro ca. war der Ausgabepreis zwar auch für damalige Verhältnisse nicht von schlechten Eltern, allerdings musste man nur wenige Tage nach dem Ausverkauf auf ebay und anderen Plattformen schon ein vielfaches dessen bezahlen. Dieses Bottling markierte, zumindest hier in Deutschland, in dieser Hinsicht auch einen Wendepunkt, denn zumindest gefühlt war das DIE Abfüllung, ab der es dann preislich richtig eskalierte. Danach gab es kaum noch Schnäppchen und die Zeit in der man Velier Caroni gemütlich shoppen konnte gehörte endgültig der Vergangenheit an. 

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2. Velier Old Demerara Rum 25 YO Albion 1986 - 60,6% vol.

Platz 2 geht an die letzte Jamaica-Ausnahme und in ein Land, das in dieser Liste bisher noch gar nicht auftauchte: Guyana! Dargereicht wird dieser Demerara Rum, wie könnte es anders sein, vom italienischen Abfüller Velier, der mit insgesamt vier Abfüllungen auch der meist vertretene in dieser Top-Liste ist. Klar, zumindest einer der alten Demeraras von Velier musste hier mit rein und es ist der Albion 1986! Albion, das ist kein Geheimnis, gehört zu den Stilen, die mir trotz dessen, dass mich Guyana Rum im Allgemeinen nicht so sehr begeistert, doch sehr geflasht hat und die ich ziemlich schnell nennen möchte und muss, wenn es um meine Lieblingsrums geht. Der 1986er ist von den Albion die ich kenne (alle, bis auf 1989) der für mich mit Abstand beste und er fiel glücklicherweise in dieses Jahrzehnt, so dass ich ihn hier auch listen darf. Finde ich ihn besser als den Kirsch, weil ich ihn auf 2 statt 3 habe? Nein, nicht wirklich, aber für das Ranking hatte der Albion vielleicht dann doch den Demerara Bonus, denn der Faszination dieser Demerara Reihe, die auch die Grundlage für den Mythos Velier sind, kann man sich nur extrem schwer entziehen, auch wenn ich persönlich viele dieser Rums bei weitem nicht so hoch ranke wie viele andere. Aber dieser Albion gilt zurecht als einer der besten Rums aller Zeiten, nicht nur dieses Jahrzehnts. Ein absolutes Meisterwerk! Über Preise zu reden macht hier leider so wenig Sinn wie bei keinem anderen Rum in diesem Ranking, außer vielleicht dem Duncan Taylor Rockley, den ebenso nachvollziehbar kaum jemand überhaupt mal zum Verkauf anbietet... 

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1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Platz 1, und ja, das ist extrem subjektiv, geht natürlich an den 1990er Hampden von The Rum Cask, der für mich den endgültigen Wiedereinstieg in die Rum Szene markierte, nachdem ich mir 2015/16 eine kleine Auszeit genommen hatte. Nein, auch diesen Rum würde ich rein qualitativ nicht über den Albion oder den Kirsch stellen wollen, aber was der Demerara Bonus beim Albion gegenüber dem Kirsch war, ist hier die Tatsache, dass Hampden meine erste Liebe ist und ich an dieser Abfüllung auch noch meinen Anteil hatte und damit emotional extrem an das Teil gebunden bin. Ausgangslage für dieses Bottling war anno 2013 eine Art Wunschliste, die ich den Jungs von The Rum Cask zukommen ließ, auf dem der Jahrgang 1990 von Hampden mit Priorität 1 ganz oben auf der Liste stand. Über drei Jahre später meldete sich Jens dann bei mir mit der Nachricht, dass man einen eben solchen Rum nun gefunden und gekauft habe. Schon nach dem ersten Probieren des Fass-Samples war ich ganz aus dem Häuschen, denn das war nicht mehr und nicht weniger als der für mich beste Hampden, der je das Licht der Welt erblickt hat! 26 Jahre Reife, so lange wie damals kein anderer Hampden vor ihm, dazu in Fassstärke, was es aus 1990 zuvor auch noch nicht gegeben hatte... ein geniales Fass ohne jede Fehlnote und ohne, dass irgendwas gefehlt hätte... für mich der König aus Hampden und (gemeinsam mit dem Kirsch und dem Albion!) der Rum des Jahrzehnts! 

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Epilog: 

Das waren sie also, meine Highlights des vergangenen Jahrzehnts! Zehn großartige Rums, alle würdig, dass man sie bei sich im Schrank stehen hat (auch wenn das auch mir bei weitem nicht bei allen gelingen konnte). Und natürlich gibt es einige Rums, die in Punkten sicher auch noch besser abgeschnitten hätten als einige aus der Liste, aber wer möchte denn noch drei weitere Caroni oder Hampden in der Liste sehen? Es ging mir schon auch darum, das Jahrzehnt ein wenig abzubilden und noch einmal aufzuzeigen, was uns alles bewegt und so richtig begeistert hat. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass eine Top 10 da ja aber auch nur begrenzt Platz bietet. Als ich Ideen gesammelt habe, waren da noch eine Menge anderer Namen, die es ebenfalls verdient haben, hier noch einmal Erwähnung zu finden. Da wären z.B. die großartigen Bottlings von A.D. Rattray, allen voran der Monymusk 1986 (den ich eher für einen Long Pond halte) und der Pampero 1992 aus dem Islay Fass, den ich für die beste Pampero Abfüllung aller Zeiten halte! Aber auch der Mount Gay 2000 und der Versailles 1985 aus der ersten Duncan Taylor Serie waren echte Highlights. Der Versailles verfehlte meine Top 10 nur denkbar knapp! Und wo wir es schon von Mount Gay haben... gerade im vergangenen Jahr kamen da mit dem Kintra 18 YO und dem The Rum Cask 19 YO die meines Erachtens besten Mount Gay überhaupt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollen die zum Teil wirklich großartigen Bottlings von Savanna, allen voran natürlich der 10 YO HERR aus 2006, der zum 60. Jubiläum von LMDW im Jahr 2016 erschien. Und nicht zuletzt gefällt mir auch die Habitation Velier Serie wahnsinnig gut, aus der z.B. der Jamaica Hampden HGML 9 YO ebenfalls nicht sehr weit weg von dieser Top 10 gewesen ist. Und, wenn ich schon dabei bin und ich meine Highlights des Jahrzehnts nennen darf, dann möchte ich natürlich auch noch einmal unseren Letter of Marque DOK in Erinnerung bringen. Nein, der war rein geschmacklich sicher kein Kandidat für die Top 10, auch wenn ich ihn sehr gut finde, aber es war ein echtes Highlight, einen solch extremen Stil mit zu entdecken und dabei geholfen zu haben, ihn der Welt zugänglich zu machen. Es war mir und uns allen eine Ehre!

Auffällig finde ich, dass wenn man eine solche Liste mit den besten Rums aus den 2000er Jahren, also des vorherigen Jahrzehnts, erstellen würde, dass man dann sehr viel Cadenhead und Bristol in dieser Liste finden würde, die im abgelaufenen Jahrzehnt aber nur noch eine Nebenrolle gespielt haben. Stattdessen wurde die Zeit dominiert von Velier und vielen kleineren neuen unabhängigen Abfüllern, die es vor zehn Jahren im Rum Business noch gar nicht gegeben hat, wie Duncan Taylor, A.D. Rattray, Isla Del Ron oder The Rum Cask. Auch ist es ein großer Erfolg, dass alle Top 10 Rums ganz selbstverständlich mit über 50% vol. daher kommen. Im vorherigen Jahrzehnt wäre es kaum möglich gewesen, Rums mit 46% vol. zu übergehen, aber in den 2010er Jahren gab es sie nahezu gar nicht mehr. Wirklich außerordentlich froh bin ich darüber, dass Rum Albrecht, bzw. Heinz Eggert, die den LPS im Ranking hatten, inzwischen als RA (Rum Artesanal) seit ca. zwei Jahren wieder sehr aktiv sind und gerade eine Menge darin investieren auch in zehn Jahren wieder mindestens einen Rum in dieser Liste platzieren zu können. 
Aber auch bei den Destillerien gab es diesen Wandel. Wir haben in den 2010er Jahren wirklich auch noch einige Perlen vergangener Tage bekommen, die es so und in dieser Form danach nicht noch einmal gab und wohl auch nie wieder geben wird. Die goldene Ära lange gereifter Long Ponds aus den 1970er und 1980er Jahren ging zu Ende, die letzten alten Demerara von Velier erschienen und Rockley erlebte seinen vorläufigen Schluss- und Höhepunkt. Da gingen definitiv goldene Zeitalter des Rums vorüber. Klar ist aber auch: die zweite Hälfte der 2010er Jahre erlebten in der Breite eine Explosion an Qualität, die in den Jahren davor so nicht vorstellbar waren und die ich persönlich auch nicht für möglich gehalten hätte. Natürlich, einige alte Stile wurden schmerzlich vermisst, ich habe sie gerade noch einmal benannt, dafür aber betraten Destillerien die Bühne, die zuvor nicht oder nur kaum bekannt waren. Rums aus Fiji begannen die Connaisseure zu begeistern, die ersten Abfüllungen von Worthy Park erschienen, Savanna wurde groß und plötzlich kamen sogar Lebenszeichen aus New Yarmouth! DDL begann damit, seine Rums auch ungesüßt und außerhalb der El Dorado Serie selbst abzufüllen, wenn auch noch nicht annähernd so erfolgreich wie Velier das gelungen war. Aber es geht voran! Die Rumwelt lebt, ist im Wandel und wir können heute nur begrenzt vorhersagen, was wir wohl in zehn Jahren in solchen Listen finden werden. Die ersten fast 20 Jahre tropisch gereiften Hampden werden wir dann gesehen haben, aber ob sie an die alten Hampden heranreichen oder diese vielleicht auch übertreffen werden? Wer weiß. Auch einen 25 YO Wothy Park wird es geben... das könnte extrem geil werden! Projekte in Grenada werden Früchte tragen... Savanna wird eine der begehrtesten Destillerien überhaupt werden... Caroni werden weiterhin erscheinen... nur zu welchen Preisen, und in welcher Qualität? Es wird noch mehr tropisch gereifte Long Pond und Monymusk geben... und, und, und... 

Ich freu' mich drauf und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020! 

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 24. November 2019

RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem wir uns schon vorletzte Woche auf Jamaica so wohl gefühlt haben, habe ich beschlossen, noch ein wenig länger zu bleiben und euch einen Rum vorzustellen, den ich euch schon seit Wochen unbedingt näher bringen möchte: den RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000!



Im Sinne der Transparenz möchte ich gerne darauf hinweisen, dass mir, anders als auf meinem Blog üblich, dieser Rum von der Heinz Eggert Spirituosen Manufaktur (HEB-RA) kostenlos für eine Review zur Verfügung gestellt wurde. Es wurde sich seitens des Abfüllers meine ehrliche Meinung gewünscht, aber Verpflichtungen gleich welcher Art sind daraus nicht entstanden. Weder erwartet man eine positive Bewertung, noch bin ich in irgendeiner Weise verpflichtet den Rum überhaupt vorzustellen. Das passiert gänzlich auf freiwilliger Basis. Da ich mich mit HEB-RA allerdings im regelmäßigen Austausch befinde und eine große gegenseitige Wertschätzung besteht, weiß man dort zugegebener Maßen wohl so ein wenig um meinen Geschmack. ;-) Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass mich Rums aus diesem Hause begeistern. Im Grunde genommen, hat das alles ja sogar bereits im Jahr 2012 durch den LPS Long Pond 2nd Release 1993 seinen Anfang genommen. Aber ich komme ab...

















Genug also der Förmlichkeiten und des Schwelgens in Erinnerungen, kommen wir lieber zum heutigen Rum! Denn der ist es wahrlich wert, sich einmal genauer mit ihm auseinander zu setzen, denn wir haben es dabei mit nicht weniger als einer Vermählung der zwei unter Rum-Nerds wohl beliebtesten Destillerien Jamaicas zu tun, Hampden und Long Pond.

Dabei beim Release-Start des Trelawny Double Cask auf dem GRF:
Dominik (RA), Marius (SCR) & ich 
Das verwendete Hampden-Fass stammt aus dem Jahr 1998 und war aber keines aus jenem Batch, welches auch bei anderen Unabhängigen Abfüllern bereits erschien. Während die Hampden 1998 üblicherweise nämlich Rums mit dem Hampden-Mark HLCF sind, ist dieser hier ein C<>H, also ein Rum mit wesentlich höherem Estergehalt (Bei Fragen zu Hampden, den Marks, Estern, etc.: klicke hier!). Das macht ihn zu einer krassen und leider wohl auch einzigartigen Ausnahme. Denn die ca. 50 Liter, die der Hampden-Anteil des Double Casks ausmacht waren die letzten aus den 1998er Beständen bei RA.
Das zweite zum Einsatz gekommene Fass ist ein Long Pond aus dem Jahr 2000. Dabei handelte es sich um ein Fass des Batches, aus welchem auch die anderen Long Pond 2000 am Markt stammen. Das Mark wird von Main, also vom Broker, nur mit JMLW angegeben, was sehr sicher für Jamaica Main Long Pond Wedderburn steht. Geschmacklich passt diese Definition auf alle Fälle und da sich Main nicht selten auch an den tatsächlichen Marks orientiert und es mit IRW und VRW zwei Wedderburn Marks gibt, die eben jenes W enthalten, ist davon auszugehen, dass 1 + 1 auch hier = 2 ergibt.
Beide Fässer lagen jeweils für sich bis 2018 in ihrem ursprünglichen Fass, ehe man sie seitens RA in einem separaten Hogshead-Fass miteinander vermählt und noch ein weiteres Jahr hat reifen lassen. Im August 2019 füllte man den Rum dann schließlich mit einem Alkoholgehalt von 51,9% vol. zu 225 Flaschen a 0,5 Liter ab und stellte ihn auf dem 9th German Rum Festival offiziell vor. Dort gewann der Rum in seiner Kategorie gar die Goldmedaille. Ich muss zwar ehrlich gestehen, dass ich solchen Awards keine allzu große Bedeutung beimesse, aber nichts desto weniger habe ich mich vor allem für Dominik und das gesamte RA-Team natürlich sehr gefreut, denn verdient war's allemal! 



Verkostung des RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000:

Preis: zu Ausgabe lag der Rum bei ca. 45,- Euro. Das war, im Jahr 2019, für einen Rum mit solchen Eckdaten nicht weniger als ein absolutes Schnäppchen! Inzwischen muss man auf dem Secondary Market eher schon über 60,- Euro dafür ausgeben.

Alter: der Hampden-Bestandteil reifte von 1998 bis 2018 und der Long Pond-Anteil von 2000 bis 2018 im Eichenfass. In einem gemeinsamen Fass reiften sie miteinander vermählt dann nochmals ein Jahr weiter bis zur Abfüllung 2019.

Lagerung: beide Fässer lagen die gesamte Zeit der Lagerung über in kontinentalem Klima.

Fassnummer: #1 ; die Abfüllung ist 225 Flaschen stark. 

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: der Double Cask weist einen Alkoholgehalt von 51,9% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: beide Rums wurden in einer Pot Still destilliert.

Mark: C<>H (Hampden) und JMLW (Long Pond) gibt RA in einer Info-Schrift an. Letzteres steht wohl für Jamaica Main Long Pond Wedderburn. Somit ist das Destillerie-eigene Mark vermutlich IRW oder VRW. 

Farbe: in der Flasche noch kräftig kurkuma-golden, kommt der Rum im Glas dann in einem blassen Goldton daher, der für ca. 20 Jahre kontinental gereifte Rums als durchaus üblich zu bezeichnen ist. 

Viskosität: der Rum bildet eher unregelmäßige und weite Schlieren an der Glaswand und fließt recht träge an ihr zurück.

Nase: ja, kein Zweifel, in welche Richtung das heute geht - Jamaica Time! Mich empfängt eine sehr volle und reichhaltige Ester-Nase, die eindeutig auf die Hampden Distillery hinweist. Vom Long Pond Anteil bemerke ich zunächst einmal gar nichts, was aber angesichts der ungleichen Estergehalte beider Rums auch nicht sonderlich verwunderlich ist. C<>H ist ein sehr dominantes Mark mit hohem Wiedererkennungswert. Und doch kann ich nicht leugnen, dass das hier schon auch etwas eigenes ist, denn auf einen reinen C<>H würde ich sicher ebenso wenig tippen, einfach, da es dem Rum dafür etwas an Tiefe und Intensität fehlt, die dieses Mark auszeichnen. Da nimmt ihm der Long Pond also schon einiges, ohne darüber aber wirklich aktiv aufzufallen oder in Erscheinung zu treten. Der Alkoholgehalt ist mit 51,9% vol. sehr entspannt, daher ist etwaige Schärfe hier auch kein Thema. Im Bouquet finde ich Ester in Form von Flüssigklebstoffen, sowie gegrillte Ananas,  Bananen, die Säure von Zitrusfrüchten und auch etwas Eiche. Alles in allem ist das zwar nicht sonderlich spektakulär, aber ich habe alles im Glas versammelt, was für mich einen guten und soliden Jamaicaner aus Trelawny ausmacht. Da meine Sympathien hier zu Hampden tendieren hätte mich da natürlich der C<>H pur und unvermählt auch interessiert.

Gaumen: am Gaumen ist die Verwirrung dann zunächst einmal groß. War in der Nase noch ganz klar der Hampden alles dominierend, so habe ich jetzt das Gefühl, dass es der Long Pond ist, der sich in den Vordergrund versucht zu spielen, so sehr wie das bei einem derart starken Gegenpart wie dem Hampden eben möglich erscheint. Der Rum brennt kurz, aber nicht unangenehm auf der Zunge, der Alkohol ist super eingebunden, der Rum total smooth, das macht Laune. Für meinen persönlichen Geschmack könnte der Double Cask zwar noch ein wenig potenter daher kommen, aber der leicht dünne Eindruck währt nur kurz. Er geht dann ins vollmundige und cremige über, was mir wieder sehr gefällt. An Assoziationen habe ich Bananen, gegrillte Ananas, etwas erdiges, Bourbon Vanille und Eiche. Der Rum kann sich insgesamt nicht so richtig entscheiden, ob er letztlich doch eher ein Hampden war oder nicht doch ein Long Pond. 

Abgang: gewohnt lang, wenn auch nicht so ewig, wie man es z.B. von reinen Hampden Rums kennt. Im Vergleich zu anderen Stilen zeigt sich hier aber immer noch ein gewaltiger Vorsprung.

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Fazit: das beste aus beiden Welten funktioniert, aber auch nur bedingt! Insgesamt merkt man doch, dass hier zwar zwei Rums miteinander vermählt wurden und diese auch zueinander gefunden haben, aber man merkt auch, dass es nicht ein Rum ist. Sie sind nicht miteinander verschmolzen. Ich bleibe da so ein wenig bei meinem Eindruck, den ich schon in der Nase gewonnen hatte, dass mich der C<>H solo wohl sehr interessiert hätte und auch noch mehr interessiert hätte als dieser Blend. Versteht mich nicht falsch, der Rum ist gut, ohne Diskussion, er bringt alles mit was ich an kräftigen Jamaicanern einfach liebe, aber er ist meines Erachtens nicht ganz rund und daher eben auch "nur" gut. Pur würde er vermutlich selten bis gar nicht in meinem Glas landen, einfach weil die Konkurrenz in meinem Sampleschrank so unglaublich groß ist und ich vermutlich immer irgendwo einen Rum finden würde, der mich in diesem Augenblick mehr reizen würde. ABER, und da kommt jetzt ein riesen großes Aber: der Rum bringt nichts desto weniger eine unfassbare grundsätzliche Qualität mit und das zu einem wirklich unschlagbaren Preis in diesen Zeiten! Wir sprechen hier über ~20 Jahre in Europa gereiften Rum aus Hampden und Long Pond für unter 100,- Euro auf den Liter gesehen! Soll heißen: das Preis-Leistungsverhältnis ist hier nicht einfach nur top, sondern es fliegt geradezu aus den Angeln! Das ist im Grunde vollkommen unrealistisch! So, und dann kommt noch dazu, dass ich das ganze ja auch noch als Jamaica-Nerd beurteile, der aus diesen beiden Destillerien wohl schon nahezu alles gesehen hat, was man sehen musste, das muss man mit bedenken. Soll heißen: auf wen das nicht zutrifft, und das werden da draußen doch eher die meisten sein, der kann und wird hier pur sehr wohl auch seinen Spaß haben! Und wisst ihr was ich mit dem Rum mache? Ich mixe mir damit ein paar richtig geile Drinks zum schmalen Kurs! Denn das ist endlich mal wieder ein richtig guter Jamaicaner für einen Preis, der einen bedenkenlos zum Shaker greifen lassen kann! Wann hatten wir denn das zuletzt? Ich erinnere mich gerade nicht. Unterm Strich kann man also einzig konstatieren, dass es so ziemlich niemanden gibt, der mit diesem Rum zu diesem Preis auch nur irgendetwas falsch machen kann! Auch das weiß ich nicht, wann ich das zuletzt hatte... Bleibt mir nur mich bei dir, Dominik, nochmal dafür zu bedanken und begierig zu warten, bis die nächsten Releases am Start sind.

-85/100-

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 5. September 2019

German Rum Festival 2019 - Prolog

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war dieses Jahr auch am Start und kann so viel vorweg nehmen: es war ein absolut berauschendes und geiles Rum Festival, das auch abseits des offiziellen Rahmens ein echtes Fest war!



Freitag, der 30. August 2019:

Doch bevor das eigentliche Rum Fest am Samstag startete, gab es am Freitag noch das Warm Up - und was für eines! Für mich begann der Tag damit, dass ich von mir daheim erst einmal nach Flensburg fuhr, um dort, an der dänischen Grenze, zwei Rum Geeks abzuholen und diese mit nach Berlin zu nehmen. Nach insgesamt acht Stunden Autobahn erreichten wir gegen Abend dann voller Euphorie und Vorfreude endlich Berlin. Erster Sammelpunkt war für viele von uns das Peter Pane Restaurant, wo es Spitzen-Burger zur Stärkung gab - ganz offensichtlich war ich nicht der einzige, der über den Tag nicht viel gegessen hatte.😁 Von dort aus ging es dann weiter zum ersten echten Programmpunkt des Abends. 
Dominik Marwede von Rum Artesanal hatte eigens einen Berliner Ausflugsdampfer gechartert und einige Rum Geeks zu einer abendlichen Fahrt auf der Spree mit der "Golda" eingeladen. In (rum-)familiärer Atmosphäre, denn die meisten von uns, neben mir z.B. auch Marius von SCR, Maik von RUMBOOM, Caroni-Buch-Autor Steffen (aka Stefano Caroni), Christian Nagel von Our Rum & Spirits oder auch die Jungs von der Rum Tasting Notes App kannten sich untereinander, schipperten wir ca. drei Stunden durch Berlin und durften dabei einige neue Abfüllungen schon einmal vorab probieren. Zu Verkosten gab es u.a. den neue Double Cask Trelawny Jamaica Rum und den Core Range Caribbean Island Blend. Ersterer ist die Vermählung eines Hampden C<>H 1998 und eines Long Pond 2000 Fasses und zweiterer ein, in meinen Augen, wunderbar unkomplizierter Standard-Blend für Einsteiger oder unkomplizierte Abende, bei denen der Rum nicht im Mittelpunkt stehen muss. Das Highlight für viele war dabei aber wohl der 14 Jahre alte neue Savanna Traditionel "Unshared Cask", der als Single Cask und in Fassstärke exklusiv für Rum Artesanal abgefüllt wurde! Ihr Lieben, ich hatte zum Zeitpunkt des Probierens schon einige Rums auf der Zunge, und nicht zuletzt gab es auch noch leckeres Finger Food dazu, aber der erste Eindruck war wirklich hervorragend! Großes Kompliment - allerdings nicht nur für die Fass-Auswahl, sondern vor allem auch für die Organisation der Bootstour insgesamt! Es war ein tolles Event, das ganz viel Spaß gemacht, viele von uns vorab schon mal zusammen gebracht und uns alle perfekt für die kommenden Tage eingestimmt hat! Vielen, vielen Dank dir, aber auch deinem tollen und sympathischen Team, lieber Dominik! 

Savanna Rhum & Finger Food - passt! :-) 


Nach der Bootstour war der Abend aber natürlich noch nicht gelaufen. 😉 Und so beschlossen wir alle gemeinsam, weiterzuziehen in die Bar Lebensstern, wo die Jungs von Kirsch Whisky ebenfalls das German Rum Festival einläuteten und auch weitere nationale und internationale Größen der Szenen, wie die Jungs von RUMCASK, Joshua und Gregers von 1423, Lance von The Lone Caner, John Gibbons oder Johnny Drejer nach und nach dazu stießen. Es war großartig, euch alle auch mal persönlich zu treffen und eine ganz besondere Freude war es mir dabei, vielen von euch auch ein Sample vom J. Wray & Nephew 17 YO zum Sniffen geben zu können, die letzten Tropfen, die ich noch habe. Da der Rum schon so stark oxidiert ist, dass er geschmacklich nichts mehr hergibt, fand ich es sinnvoller, auf diese Weise möglichst vielen von euch noch eine Idee dieses Rums geben zu können, statt das Sample einfach zu trinken. Doch natürlich wurde dann auch noch was getrunken! 😊 So kamen unter anderem das Caroni Single Cask für Kirsch Whisky, einige Cadenheads in Fasstärke, ein Berry Bros. Versailles 1985, zwei Rums von Gardel und ein Velier Diamond 1996 ins Glas. Legendäre Rums und, ja, das kann man doch so sagen, ein legendärer Abend! Wer jetzt noch nicht in Stimmung für das Rum Festival war, der war gar nicht in Berlin. 😉 








To be continued...

Mittwoch, 1. Mai 2019

Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E

Liebe Rum Gemeinde,

auch wenn es momentan im Game of Thrones Fieber (ja, auch ich bin infiziert😁) kaum einer auf dem Zettel hat, aber nicht der Winter, sondern der Sommer naht! Und Sommerzeit ist ja immer auch Longdrink-Zeit und daher kommt hier der Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E!

Das Long Pond Mark STC❤E, die Kennung des alten Cambridge Estate, haben wir erstmals im Herbst letzten Jahres kennengelernt, als Velier eine 13 Jahre tropisch gereifte Version dieses Rums abgefüllt hat, die mir sehr gut gefallen hat. Es sagt aus, dass wir einen Rum mit einem Estergehalt von 550 bis 700 gr/hlpa vor uns haben. Nähere Infos zu Cambridge Estate findet ihr bei Interesse im verlinkten Review. Nun hat Velier nachgelegt und im Rahmen der Habitation Velier Serie auch noch eine ungereifte Variante dieses Marks an den Start geschickt. Die Unterschiede sind natürlich eklatant und man erkennt sofort ganz wunderbar, wie viel Fasseinfluss am Ende tatsächlich in einer so intensiv gereiften Spirituose stecken. Zurecht verweist der Abfüller auf dem Backlabel darauf, dass es sich einmal mehr um eine Weltpremiere handelt, wenn gleich die Wirkung dieses Hinweises aus meiner Sicht inzwischen schon etwas leicht inflationäres hat.
Die weiteren Infos zur Abfüllung sind schnell abgehandelt. Der Rum ist, wie gesagt, ungelagert, weist einen Estergehalt von 674 gr/hlpa und einen Alkoholgehalt von 62,5% vol. auf, was aber nicht der Fassstärke entspricht und stammt zu 100% aus einer Double Retort Pot Still von Long Pond. Ob es die Original Brennanlage aus Cambridge ist, ist mir leider nicht bekannt, aber mit ihr ist auf jeden Fall dieser Stil möglich zu produzieren. 




















Gänzlich ungereift allerdings fehlen einem Rum in meinen Augen leider immer die Vorzüge. Da fehlt für mich eben etwas. Einige mögen das, das weiß ich, aber ich persönlich mag eine Spirituose lieber lange gereift, weswegen sich hier für mich ein Drink natürlich aufdrängt. Da ich Collinses im Sommer sehr, sehr gerne trinke und einen solchen meist auch einem klassischen Daiquiri vorziehe, war dies heute mein Drink der Wahl und wird es auch die nächsten Wochen immer mal wieder sein, denn ich habe die gesamte neue White High Ester Serie von Habitation Velier probieren können, inklusive des <>H für Whisky Live Paris 2018. Ich freue mich darauf!

Ester-Parade


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Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E:

Fast farblos und an Bitter Lemon erinnernd, kommt der Rum Collins im Glas daher, das einzige an Farbgebung kommt hier von der Limette und das ist bekanntlich nicht viel. 
Geschmacklich ist der Drink dann ungefähr das, was ich mir auch von ihm erwartet habe. Das heißt, er schmeckt äußerst frisch, sehr fruchtig und passt perfekt in die ersten wirklich warmen Tage des Jahres hinein. Dementsprechend sitze ich beim Schreiben dieser Zeilen auch gerade auf meinem Balkon in der Sonne, genieße meinen Drink und bringe euch den Drink näher. Der Long Pond kommt natürlich kräftig durch und geht mit der Süße/Säure Ballace eine schöne Kombination ein. Der Rum hat schon ordentlich Ester, das merkt man. Auch ungelagert und im Drink stünde blind fest, dass ich hier etwas aus Jamaica im Glas habe. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie weit das ungelagerte Destillat noch vom 13 Jahre tropisch gereiften Cambridge mit gleichem Mark entfernt ist. Mein Drink der Wahl mit diesem wäre wohl eher ein Mai Tai und ich würde ihn tendenziell auch nicht mit Soda auffizzen. Apropos: das Sodawasser verleiht dem ganzen dann noch ein wenig Pepp und verlängert den Daiquiri dahingehend, dass er noch ein wenig einfacher zu trinken ist. Und tatsächlich mag ich persönlich das ziemlich gern. Einen klassischen Daiquiri mache ich mir deutlich seltener als einen Collins. Mit ein wenig Schmelzwasser gewinnt der Drink tendenziell noch, was ihn zu einem angenehmen Begleiter an warmen Tagen natürlich besonders prädestiniert. 

Fazit: den Drink würde ich grundsätzlich wieder mixen, da er einfach sehr, sehr lecker ist, aber dafür eine ganze Flasche des Rums zu diesen Kursen kaufen? Das wird bei mir echt schwierig! Ich bin ja durchaus dafür zu gewinnen, dass tropisch gereifte Rums ein wenig mehr kosten als europäisch gereifte Rums, schlicht, da der Angels Share wesentlich höher ausfällt, aber 45,- bis 50,- (!!) Euro für einen ungelagerten Rum? Ernsthaft?! Hier stimmt für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis leider überhaupt nicht, weswegen sich diese Empfehlung hier eher an Rum Liebhaber richtet, die ein Sample zuhause stehen haben (und vielleicht nicht wissen, was sie damit anstellen sollen) oder einen Goldesel oder beides. Nichts desto weniger hoffe ich, dass wir in der Zukunft weitere ungelagerte Rums auf dem Markt sehen werden, weil ich es spannend finde zu sehen, welchen Ausgang ein Destillat einmal hatte, bevor es lange gereift in mein Glas gelangte!

Abschließend wünsche ich euch allen noch einen schönen 1. Mai und bedanke mich natürlich auch nochmal beim Freddy für's Teilen der Flaschen und dafür, dass ich das Altglas für die Fotos bekommen konnte! Vielen Dank dafür!

Bis demnächst,
Flo