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Sonntag, 15. Dezember 2019

Compagnie Des Indes "KAIMAN" Rum 1973/1993

Liebe Rum Gemeinde,

nach der ganzen Aufregung um den neuen 18 YO Hampden 2001 von The Rum Cask aus der letzten Woche, der binnen unglaublicher 13 (!) Minuten bereits restlos vergriffen war, widme ich mich heute einem Tropfen, der zwar mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit verdient hat wie der Hampden, der aber dennoch unter dem Radar laufen dürfte, eben weil er nicht unmittelbar aus einer der ganz großen und angesagten Brennereien stammt: es geht um den brandneuen "KAIMAN" Rum von Compagnie Des Indes!


Der KAIMAN wurde von Compagnie Des Indes ganz frisch zum 5. Jubiläum des noch jungen Abfüllers rund um den umtriebigen Florent Beuchet herausgebracht und stellt einen Blend aus Guadeloupe Rum, Jamaica Rum und Demerara Rum dar. Das alleine klingt eigentlich schon spannend genug, aber endgültig aufsehenerregend und ganz und gar außergewöhnlich wird es, wenn wir uns das Alter der Destillate ansehen. Der Guadeloupe Rhum nämlich, der mit einem Anteil von 72,2% das Herzstück des Blend ausmacht, ist ein Rhum aus dem Jahr 1973! Dagegen fast jung wirkt ein Blend aus Jamaica und Demerara Blend aus dem Jahr 1993, mit aber immerhin auch noch stolzen 26 Jahren Reife. Dieser Teil macht 27,8% des Blends aus.




















Das große Rätselraten setzt ein, wenn es dann darum geht, was für Rhums im einzelnen tatsächlich enthalten sind. Hier bleibt an vielen Stellen nur die Spekulation und die Hoffnung, dass der Rum selbst letztlich Auskunft geben können wird. Über den Guadeloupe Rhum erfahren wir, dass es sich dabei um einen Rhum Traditionel handelt, also einen auf Melasse basierten Rhum. Da denkt man, bei unabhängigen Abfüllern, natürlich zu allererst an Damoisseau und an Gardel. Nähere Angaben dazu gibt es aber nicht. Das Fass Guadeloupe Rhum reifte auf jeden Fall als solches von 1973 bis 2009 im Fass. Ob in der Karibik oder in Europa bleibt ebenfalls unklar. Die Rums aus Jamaica und Guyana, jeweils Jahrgang 1993, wurden schon im Jahr 1995 zu einem gemeinsamen Blend vermählt. Genaue Angaben erhalten wir hier immerhin zum Demerara Rum. Enthalten sind darin Rums aus der Savalle Still von Diamond, aus der Coffey Still von Enmore und aus der Double Wooden Pot Still von Port Mourant. Über den Jamaicaner weiß man nur, dass es sich um ein Wedderburn-Destillat handelt. Dabei denke ich natürlich als erstes an Long Pond und an die Marks VRW und IRW, aber das ist pure Spekulation. Auch dieses Fass Rum reifte im Fass bis ins Jahr 2009. Dann wurden beide Anteile, Guadeloupe und Jamaica/Guyana, in einem 1000 Liter Fass zu einem Rum geblendet. Dieser Blend, der jetzt den KAIMAN darstellt, reifte als solcher nochmal 10 Jahre bis ins Jahr 2019, als er schließlich abgefüllt wurde. Ich denke, man kann hier also mit Fug und Recht von einem flüssigen Stück Geschichte sprechen. Die Eckdaten jedenfalls waren so spannened, dass ich mir den Rum unbedingt genauer ansehen musste. Präsentiert wird das Jubiläumsstück darüber hinaus in einer sehr schmucken Holzkiste, so dass man bis hier hin definitiv konstatieren kann, dass sich CDI hier alle Mühe gemacht zu haben scheint. Was der KAIMAN dann am Ende wirklich kann, das sehen wir uns im Folgenden an! Mein Dank geht heute noch an den Oli, der den Rum geteilt und mir ein Sample, sowie das Altglas und die Holzbox hat zukommen lassen, so dass ich euch das ganze ein wenig in Szene setzen konnte - vielen lieben Dank! 


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Verkostung des Compagnie Des Indes "KAIMAN" Rum 1973/1993:

Preis: der offizielle Ausgabepreis beträgt 370,- Euro. 

Alter: der Guadeloupe Rhum reifte von 1973 bis 2009, bevor er in ein 1000 Liter Eichenfass überführt wurde. Zwei Fässer 1993er Jamaica Rum wurden 1995 miteinander in einem Fass vermählt. Dieser Blend reifte ebenfalls bis 2009 im Fass, bevor es mit dem Guadeloupe Rhum zusammen in das 1000 Liter Fass kam. Dieser neue Blend reifte dann nochmals 10 Jahre lang bis 2019. Somit sind die Rums 46, buw. 26 Jahre alt.

Lagerung: keine Angaben.

Fassnummer: keine Angaben. Bekannt ist aber, dass der Blend 500 Flaschen stark ist.   

Angel's Share: keine Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum kommt verdünnt, mit 46% vol., daher. 

Destillationsverfahren: keine Angaben. Es ist aber bekannt, dass am Demerara Anteil die Savalle Still von Diamond, sowie die Coffey Still von Enmore und Double Wooden Pot Still Port Mourants von Uitvlugt beteiligt waren. Damit sind auf jeden Fall Pot- als auch Column Still Rums enthalten.

Mark: wenig konkrete Angaben. Der Guadeloupe Rhum ist ein Traditionell, was Gardel oder Damoisseau nahe legt. Der Jamaica Anteil ist ein Wedderburn Rum, was auf VRW oder IRW von Long Pond hinweisen könnte. Aus Guyana sind die Savalle Still von Diamond beteiligt, sowie Rums der EHP und der PM Still. 

Farbe: Mahagoni

Viskosität: der Rum bildet oben an der Glaswand gleichmäßige, relativ eng und parallel verlaufende Schlieren, die zügig an der Glaswand herunterlaufen.

Nase: in der Nase habe ich nach ca. zwei Stunden eine für mich vollkommen ungewohnte Welt im Glas und ein Gefühl, welches ich in der Form nicht mehr häufig im Rum Bereich habe: ich habe erstmal so gar keine Assoziation zu dem, was ich da gerade im Glas habe. Nichts springt mich wirklich an, auch der Jamaica oder der Guyana Anteil des Blends nicht. Der überwiegende Guadeloupe Anteil scheint auch den Ton anzugeben, wobei sich meine Hoffnung, dass es sich dabei um Rum aus Gardel handeln könnte erstmal nicht direkt bestätigt. Andererseits sind die Gardel die ich kenne deutlich jünger als der hier verwendete 46 Jahre alte Guadeloupe Rhum. Insofern kann ich das also auch nicht ausschließen. Und tatsächlich, wenn ich meine Nase lange ins Glas halte, dann ist Gardel tatsächlich die Destillerie, auf die ich am ehesten tippen würde. Aber nochmal, das hier ist etwas ganz anderes als die 13 bis 20 jährigen Gardel, die mich teilweise so geflasht haben. Darüber hinaus meine ich peripher immer wieder auch den Demerara Anteil durchblitzen zu sehen. Die Nase ist alles in allem sehr gediegen und der Rum ganz offensichtlich richtig alt. Ich habe viele Gewürze, aber auch so ein wenig die Süße von Trauben, sowie karamellisiertem Zucker. Was mir teilweise ein wenig fehlt, ist Intensität - das hier ist ein Rum für sensible Sinne! Alkoholische Schärfe ist vollkommen abwesend, was bei nur 46% vol. aber auch kein großes Wunder ist. Überraschend finde ich dagegen, dass der Rum auf keinen Fall verholzt wirkt. Klar, da ist Fasseinfluss und der Rum wirkt auch definitiv alt und reif, aber eben nicht großartig holzig oder gar verholzt.

Gaumen: bange Sekunden bis zum ersten Schluck und dann die große Erleichterung - der Rum ist durch die Verdünnung auf 46% vol. nicht kritisch verwässert worden! Glück gehabt, davor habe ich wirklich jedes Mal Angst bei einem Rum unter 50% vol., aber das ist hier vollkommen unbegründet. Präsent ist dagegen eine schöne natürliche Süße zu Beginn und, ja, am Gaumen auch definitiv Tannine vom Fass! Hier besteht kein Zweifel, dass ein wirklich alter Rum im Glas befindet. Zwar ist auch der Eindruck am Gaumen keinesfalls einer, der in die Richtung von verholzt geht, aber das ist schon wirklich sehr reif. Gardel finde ich hier nicht direkt wieder, wobei das wirklich auch am enormen Alter des Destillats liegen kann. Dafür scheint aber der Demerara hier zum Zug zu kommen. Das hier könnte auf jeden Fall auch als reifer, alter Demerara Rum durchgehen. Wirklich guter Rum! Lecker! Besonders! Würze, Kaffeebohnen, trocken, ins bittere gehend, 

Abgang: das Finish gehört dann auch den trocken, würzig, bitteren Eindrücken, am Ende erinnert das ein wenig an die 95% Bitterschokolade von Lindt. Knochentrocken, aber auf die gute Art. Der Rum verweilt ein wenig am Gaumen und ist dann nach ca. 30 Minuten vollkommen verflogen.

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Fazit: ein Rum, der Zeit braucht, der Zeit fordert und der sich diese -nach den langen Jahren der Reife- auch redlich verdient hat! Ich habe einige Stunden mit ihm verbracht und es alles andere als bereut! Der Rum ist wunderbar anders als so viele die wir sonst so vorgesetzt bekommen und man spürt in jedem Augenblick, dass man da gerade einen wirklich alten Tropfen im Glas hat. Insbesondere am Gaumen ist das nicht zu übersehen. Das wird nicht jedem gefallen, ganz sicher nicht, weswegen ich zu einem Sample raten und nicht zu einem Blindkauf tendieren würde, aber gerade wer alte Demerara Rums mag, der könnte hier wirklich auf seine Kosten kommen. Ich habe Compagnie Des Indes mal als den Felix Magath unter den unabhängigen Abfüllern bezeichnet. Jener Magath war im Fußball bekannt dafür, regelmäßig bis zu 50 Spieler zu holen, von denen dann vielleicht zwei oder drei letztlich einschlugen, betrieb also einen unglaublich hohen Aufwand in der Breite, statt selektiv zu schauen. An dieser Sichtweise halte ich, wenn man sich einmal den Output von CDI ansieht, auch weiterhin fest, nur dieser Rum zählt wohl zu den zweien oder dreien, für die es sich dann eben auch mal gelohnt hat. Monsieur Beuchet, à votre Kaiman-Rhum, je dis "bravo"! Was die Blend-Bestandteile betrifft, so komme ich über die bis hierher getätigten Spekulationen letztlich nicht hinaus. Ich halte Gardel für nicht unwahrscheinlich, aber nach derart langer Reife könnte das sicher auch ein Damoisseau sein oder möglicherweise gar etwas ganz anderes, was ich vielleicht gar nicht kenne, da ich ganz sicher kein Spezialist auf dem Gebiet der Guadeloupe Rhums bin. Was ich sagen kann ist, dass mir der Blend sehr gefällt, dass er funktioniert, und dass ich ganz persönlich ihn grundsätzlich auch kaufen würde. Ob ich das auch für das Geld tun würde? Fraglich! 370,- Euro sind eine Menge Holz! Wenn man aber wieder auf das Alter des Rums blickt, und der 46 Jahre alte Guadeloupe Rhum macht hier mit fast dreiviertel des Blends ja den Löwenanteil aus, dann wirkt das für heutige Verhältnisse auch wiederum nicht gerade übertrieben. Allzu häufig werden sich da sicher keine Gelegenheiten mehr ergeben, einen solch alten Rum, der dazu auch noch im Glas zu überzeugen weiß, zu bezahlbaren Kursen zu bekommen. Insofern...

-91/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 23. Juni 2019

The Hampden DOKtrine: 6 x Highest Ester Rum!

Liebe Rum Gemeinde,

lange Zeit galt das Mark DOK von Hampden als so etwas wie eine Art unbekannter heiliger Gral. Niemand hatte ihn je gesehen, aber jeder, der sich mit Hampden intensiver auseinander gesetzt hatte, wollte ihn einmal kosten. Etwas beinahe schon mystisches umgab dieses Mark: während die einen an das ultimative Geschmackserlebnis glaubten, waren sich andere schon beinahe sicher, dass ein Rum mit derart hohem Estergehalt nahezu ungenießbar sein müsste. Seit 1,5 Jahren ca. ist der Mythos schließlich Wirklichkeit geworden und wir alle konnten Hampden DOK probieren. Zeit also, 5 der für mich spannendsten DOKs, sowie eine zweifelhafte Neuerscheinung einmal nebeneinander zu verkosten!

Zur Erinnerung: mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson, ein ehemaliger Besitzer Hampdens) bezeichnet Hampden seinen Rum mit dem höchsten legal auf Jamaica möglichen Estergehalt. Die Grenze liegt hier von Gesetzeswegen bei 1600 gr/hlpa nach der Destillation und das Mark DOK bezeichnet dementsprechend Rums mit einem Estergehalt von 1500 - 1600 gr/hlpa. Laut der Klassifizierung der Jamaica Rums im Allgemeinen macht ihn das zu einem Continental Flavoured Rum. Bereits eingangs sprach ich die Kontroverse um DOK an: das Mark galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann. Die Frage der Genießbarkeit stand dabei aber immer wieder im Raum. Und da würde ich jetzt, mit sechs gefüllten Gläsern vor mir, einfach sagen: schauen wir mal! 


Die heute verkosteten DOKs:

  • Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.
  • Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.
  • 1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.
  • Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.





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Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.%

Zum Letter Of Marque DOK muss und möchte ich gar nicht mehr viel sagen. Der Rum ist schließlich auch mit mein Baby gewesen und daher wäre alles, was ich hier über ihn sagen könnte noch weniger objektiv als es die Meinung eines einzelnen ohnehin schon immer ist. Kurz die Facts: 8 Jahre kontinentale Reife weist er auf, er kommt in Cask Strength und hatte einen Ausgabepreis von ca. 50,- Euro für 0,5 Liter. Es war seinerzeit die meines Wissens nach erste Abfüllung, bei dem sich das Mark DOK auch auf dem Label eines Rums befand.


Nase: ich habe eine tiefe, ausgewogene, Hampden-typische starke Ester-Nase mit viel Klebstoff, Nagellackentferner, Marzipan und Ananas, aber auch gebackene Banane, Zitrusnoten und etwas Humus sind dabei und ein für seine 8 Jahre auch schon guter Einschlag vom Fass.

Gaumen: brutal schlägt der LOM am Gaumen ein. Bäm! Alkoholische Schärfe, Adstringens, Ester-Flut... der DOK geht die volle Distanz! Wahnsinniger Körper! Ich habe an Eindrücken Ananas, Toffee, altes Holz, Antipasti und eine für mich noch immer ungewöhnliche Reife, für einen nur 8 Jahre kontinental gelagerten Rum.

Abgang: esterige Eindrücke und Ananas begleiten den Rum, auf dem Weg nach unten, später gesellen sich auch Holznoten dazu.

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Fazit: ein starker Vertreter seiner Zunft, wenn auch kein ganz überragender. Der Reiz des Bottlings damals lag für mich seinerzeit im Unbekannten. Hampden kann durchaus noch mehr!

-85/100-




Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.

Der Compagnie Des Indes DOK ist in dieser Runde, unter jenen Rums die offiziell releast wurden, so ein wenig der unterschätzte. Er führte das Mark DOK nicht auf dem Label, ist aber aus dem gleichen Batch wie der Letter Of Marque oder auch der heute nicht mit verkostete Kintra Hampden 2009 und mit einem Jahr Reife mehr. Mit seinen 60% vol. kommt er allerdings nicht ganz in Fassstärke daher. Der Ausgabepreis lag bei ca. 100,- Euro für 0,7 Liter.


Nase: die Eindrücke vom Letter Of Marque spiegeln sich hier in auffälliger Weise wieder, auch er hat die volle Dröhnung Ester mit all dem Klebstoff, scharfen Lösungsmitteln, Ananas, Bananen, Zitrusnoten und dunkler Erde. Das Fass hat sich hier noch positiver bemerkbar gemacht als beim LOM, denn der Rum kommt in der Nase deutlich runder daher, mutet noch etwas angenehmer an. Insgesamt sind sich beide Rums aber schon sehr, sehr ähnlich.

Gaumen: der Compagnie Des Indes kommt am Gaumen weicher und etwas gnädiger daher, die Verdünnung scheint sich hier positiv bemerkbar zu machen. Adstringens und die volle Ester-Power prägen aber auch hier das Bild am Gaumen. Die Assoziierungen decken sich hingegen nahezu vollständig mit denen beim LOM. Mit zunehmender Verweildauer bemerke ich die Verdünnung, da der Rum am Gaumen nicht ganz so cremig wird wie der LOM.

Abgang: eine riesige Schoko-Toffee-Note habe ich zu Beginn! Danach sind es dann Eindrücke vom Holz und von Antipasti.

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Fazit: die Verdünnung hat den Rum in der Nase und in seiner gesamten Zugänglichkeit meines Erachtens gepusht. Nach hinten heraus fehlte dann ganz leicht die Kraft. Unterm Strich sehe ich ihn aber leicht über dem LOM.

-86/100-




Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.

Den ungelagerten DOK mit 75% vol. erhielt ich aus ungenannter (aber nicht unbekannter) Quelle. Er wurde leicht verdünnt, hat nicht mehr ganz distillation-strength. Das Sample entstammt keiner releasten Abfüllung.


Nase: hui, hier wird das Tempo dann schon merklich angezogen. Hampden-DNA! Aber das ganze kommt leider auch sehr scharf und stechend daher. Dass das kein Rum in gewöhnlicher Trinkstärke mehr ist fällt sofort auf. Auch er bietet die geballte und vielfach umschriebene Ester-Palette mit allem was dazu gehört, allerdings fehlen natürlich die gelagerten Komponenten vom Fass. So ist dann hinter der Ananas auch schon beinahe Schluss.

Gaumen: der Einschlag erfolgt nicht ganz so brutal wie erwartet, aber er erfolgt. Der Alkohol fordert die Zunge und den Gaumen schon sehr heraus. Hat sich der Sturm gelegt, empfinde ich den Rum allerdings als angenehm, lecker und typisch. Ich habe esterige Eindrücke, viel Ananas und Banane, Traube und dazu Klebstoff, sowie etwas, was mich an Savanna HERR erinnert.

Abgang: es bleiben die Erinnerungen an den HERR und etwas Traube.

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Fazit: das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich, zumal pur und ob der Extremität, häufiger trinken würde. Ich danke dem Spender dennoch, dass ich die Möglichkeit hatte, den Rum zu probieren.

-78/100-




Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.

Mein Sample des ungelagerten DOKs in distillation-strength mit 85,6% vol. erhielt ich von einem mir bekannten und lieben Connaisseur aus Dänemark. Auch dieses Sample entstammt in dieser Form keiner bisher releasten Abfüllung.


Nase: ja, okay, so langsam geht es dem Gipfel des Machbaren entgegen. Der Rum kommt sehr angenehm daher, nicht so stechend wie der DOK mit 75% vol., dafür aber noch voller und intensiver im Aroma. Großes Kino! Viel Lösungsmittel und etwas Ananas und Banane habe ich. Aber dieser Rum ist schon ein Ausrufezeichen!

Gaumen: kleine Schlücke sind angesagt, na klar. Und hier wird es nun schon wirklich krass. In mir melden sich Alarm-Rezeptoren, die dafür zuständig sind, uns vor giftigem und ungenießbarem zu schützen. Auf der Zunge bilde ich mir ein, dass sich der Rum gerade versucht durchzuätzen. Die Speichelbildung funktioniert nur noch eingeschränkt, man bekommt den Rum kaum milde "gebissen". Dennoch macht das auf eine perverse Art und Weise irgendwie Spaß. Ist der Alkohol dann weitgehend abgeklungen, was ewig dauert, ist der Rum richtig lecker und aromatisch. Ich habe Ester-Total, Banane, etwas Sahnetoffee und mediterrane Assoziationen. Ein bemerkenswerter Tropfen!

Abgang: Antipasti und etwas Humus begleiten den Hampden nach unten. 

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Fazit: Freak-Stoff! Ob sowas wirklich Platz am Markt hätte? Einmalig mit Sicherheit, aber ich glaube, die Möglichkeiten der Anwendung sind hier sehr begrenzt. Und so lecker der Rum irgendwie auch ist, aber nicht mal im Drink kann ich mir vorstellen, dass das richtig gut geht, da er vermutlich zu dominant wäre. Die Grund-Qualität liegt hier eindeutig höher als bei der Probe mit dem 75% Stoff, aber der Alkohol ist omnipräsent.

-82/100-




1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.

Der 1423 S.B.S. DOK ist eingeschlagen wie zuvor nur der Letter Of Marque, nachdem bekannt wurde, dass es sich hierbei um einen New Make DOK aus 2018 mit lediglich dreimonatiger Reifung in einem PX-Cask handelt. Mit einem Alkoholgehalt von 59,7% vol. ist er, wenn man so will, das "Leichtgewicht" in unserer heutigen Runde. Der Ausgabepreis lag bei ca. 80,- Euro für 0,7 Liter, was für einen nahezu ungelagerten Rum schon eine Ansage war. Und zumindest in meinem Fall war der Preis auch der Grund, warum ich keine Flasche gekauft habe. Mir war er deutlich zu teuer, auch wenn unser nächster und letzter Rum gleich zeigen wird, dass es auch immer noch abgehobener gehen kann.


Nase: es geht mit den Volumenprozenten wieder deutlich nach unten, dafür kommt ein wenig Fass dazu und das nimmt man deutlich wahr! Es wird zwar klar, dass auch dieser DOK noch sehr jung ist, aber das PX-Fass hat hier in nur drei Monaten schon gewirkt. Typisch Hampden, aber mit einem leichten PX-Einschlag kombiniert diese Abfüllung so ein wenig das beste aus beiden Welten, aged als auch unaged. Gefällt mir sehr gut!

Gaumen: nach der Tortur mit den 75, bzw. 85%igen Hampden gleicht dieser DOK hier einem Gaumenschmeichler. Und tatsächlich tut er das nicht nur rein wegen des geringeren Alkoholgehalts, sondern weil die Qualität hier auch richtig gut mitspielt! Ich sehe Ähnlichkeiten zum 85%igen DOK, aber das ganze kommt hier, mit ca. 25% vol. weniger, natürlich ungleich smoother daher. Am Gaumen macht sich das PX-Fass zunächst wenig bemerkbar und so steht vor mir ein doch eher noch klassischer Hampden in sehr bedacht berührter Form. Dann plötzlich, der Rum verweilt schon eine ganze Weile im Mundraum, kommt der Sherry doch noch. Das passt wirklich gut! Allerdings zeigt sich am Gaumen auch, dass der Rum eben wirklich noch nicht alt ist, kann sich, anders als in der Nase, gegen die beiden acht jährigen nicht mehr behaupten.

Abgang: Sherry und Hampden-typische Elemente weisen dem Tropfen den Weg hinab. 

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Fazit: hier hat man ganz offensichtlich mit sehr wenig schon sehr viel erreicht. Von den (in diesem Fall fast) ungelagerten DOKs bisher das mit Abstand beste und rundeste Paket! Well done!

-83/100-




Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.

Der Rom De Luxe DOK ist für mich, auf den Punkt gebracht, wohl schon jetzt der ambitionierteste Anwärter auf die Frechheit des Jahres! Bei einem Ausgabepreis von ca. 200,- Euro (!!) und Randdaten zur Abfüllung, deren Inhalt als auch Layout dem Konsumenten auf den ersten Blick eine Fassreife von 10 Jahren suggerieren, macht sich dieser Rum bei mir hochgradig unbeliebt. Die Angaben auf dem Label sind in höchstem Maße irreführend! Mit der "10" wird eine konventionelle Fassreife suggeriert und man gibt sich alle Mühe zu verschleiern, dass es sich hier lediglich um einen ungelagerten Rum mit dreimonatiger Stippvisite in einem Ex-Madeira Cask handelt, für den man aber, Achtung, nochmal, 200,- (!!) Euro haben möchte! Und ich halte es darüber hinaus an der Stelle schon auch für gewagt, bei der Lagerung im Ex-Madeira Fass von einem Finish, also einer Nachreifung, zu sprechen, wo es zuvor aber niemals überhaupt auch nur irgendeine Reifung in anderer Form gegeben hat! Die zehn Jahre im Stahltank sind vollkommen irrelevant, nehmen stilistisch auf dem Label aber den Rahmen einer Fassreife an. Für mich ist diese Abfüllung daher ein Täuschungsversuch und ein Schlag ins Gesicht vieler anderer ehrlich und transparent arbeitenden unabhängigen Abfüller! Entschuldigt, Jungs, aber überteuerte Produkte mit Pseudo-Age-Statements? Genau dafür werden Marken wie Zacapa & Co. seit Jahren stark aus der Rum Szene heraus kritisiert. Zurecht. Musste man wirklich ausgerechnet dort nun anschließen?


Nase: im Vergleich zum 1423 S.B.S. kommt dieser hier wieder schärfer und stechender daher. Das Finish macht sich auch hier bemerkbar, allerdings muss man da durch den dichten Alkohol auch erstmal hinkommen. Das Madeira Cask hat diesem Hampden irgendwas mitgegeben, was mich irritiert und mir auch, gerade im Vergleich zum vorherigen Glas, nicht so gut gefällt. Die geringe Reife des Rums kommt hier ebenfalls viel stärker heraus als beim 1423 DOK.

Gaumen: und zum Abschluss also nochmal voll in die Fresse! Klar, der Alkohol macht sich auch hier bemerkbar, ist aber deutlich besser eingebunden als bei der ungelagerten Version mit 85,6% vol.. Die Reifung im Madeira Cask hat dem Rum sicher schon etwas von seiner Schärfe genommen. Das ist damit zwar weniger brutal als beim 85% unaged DOK, aber dieser gefiel mir geschmacklich besser. Das Finish bringt eine Art Trauben-Einschlag mit rein, was mir weniger gefällt.

Abgang: im Mund bleibt ein ganz unangenehmer Ton zurück, der vermutlich vom Madeira-"Finish" stammt, ergänzt um die typischen Eindrücke von ungelagertem High Ester Rum. 

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Fazit: Viel Lärm um doch eher wenig! Mir gefielen alle Rums heute, bis auf den 75%igen unaged DOK, besser als dieser hier.

-78/100-

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Gesamt-Fazit:

"DOK is not for drinking!" ? - Jain! Diese inzwischen schon fast legendäre Aussage, die in erster Linie aber angeblich nur feststellen wollte, dass diese Art Rum weder kreiert wurde, um pur getrunken zu werden, noch dass sie in der Karibik, bzw. auf Jamaica, von den Einheimischen pur genossen wird, schlug hohe Wellen. Aus Sicht eines mitteleuropäischen Rum Snobs allerdings, bieten auch diese Monster extreme Reize und insbesondere durch Fassreife, entstehen hier meines Erachtens durchaus sehr gut genießbare Tropfen. Und doch: dieses Cross-Tasting war in höchstem Maße anstrengend und schon sehr für die Wissenschaft! Ich kann den Compagnie Des Indes, der für mich beste DOK im Feld, pur genießen und auch den knapp dahinter rangierenden Letter Of Marque, also jene beiden, die auch schon acht, bzw. neun, Jahre im Fass gelegen haben und ja, vielleicht auch noch den 1423 S.B.S.. Aber alles dahinter ist mir dann einfach zu extrem. Das kann man trinken, klar, und ich finde das auch in höchstem Maße spannend und für den Moment dann reizvoll, aber ich sehe mich damit nicht in einem Ledersessel sitzend und einfach nur genießend. Da fallen mir viele andere Rums eher ein.

Der Sieger im Cross-Tasting, ich hatte es gerade ja schon fallen gelassen, ist für mich der Compagnie Des Indes. Die Unterschiede zu unserem Letter Of Marque sind marginal, aber sie sind da und so führen die beiden das Feld für mich an. Dahinter sehe ich den 1423 S.B.S., der für mich sogar die beste Nase im Gesamtfeld und damit gar wortwörtlich die Nase vorn hatte. Er hatte erst am Gaumen dann gegenüber den beiden länger gereiften Rums das Nachsehen. Auf Platz 4 sehe ich den 85,6%igen ungelagerten DOK in distillation-strength, der zwar extrem eskalierte, für mich dann aber am Ende schon auch ein Stück zu weit von Genuss im eigentlichen Sinne geht. Den letzten Platz teilen sich der Rom De Luxe und der 75%ige unaged DOK. Beim Rom De Luxe störte mich einfach die Eigennote und der 75%ige ist für meinen Geschmack etwas zu unballanciert. Ein letztes Wort gerne noch zum Rom De Luxe: zunächst wollte ich diesen Rum eigentlich komplett boykottieren, habe mich aber letztlich dagegen entschieden, um meiner Verärgerung über ihn, siehe oben, hier auf BAT eine Plattform geben zu können, denn das war mir ein Bedürfnis!

Die Empfehlung freilich spricht sich heute eigentlich von selbst aus: der Compagnie Des Indes! Er ist der einzige aus der Runde, der mir gefallen hat, der mir sogar auch am besten gefallen hat und auch noch zu einem einigermaßen humanen Kurs erhältlich ist. Zwar empfand ich auch dessen Preis schon sehr hoch, da ich durch Letter Of Marque weiß, was Main für die Fässer haben wollte, aber das ist zumindest noch guten Gewissens vertretbar. Der Letter Of Marque wäre, zum Ausgabepreis, mein Preis-Leistungs-Sieger gewesen, aber das galt ja nur für nicht einmal 30 Minuten. Insofern ist es dann der wohl unterschätzte CDI, bei dem ich mich frage, warum es ihn noch auf dem Markt gibt, wo für den LOM teilweise vollkommen irre Summen auf dem Secondary Market aufgerufen als auch bezahlt werden.

Bedanken möchte ich mich abschließend bei den Jungs, die immer wieder unermüdlich Flaschenteilungen auf die Beine stellen, sowie bei den edlen Spendern, die sich jetzt hoffentlich angesprochen fühlen, der beiden unaged DOKs. Vielen Dank an alle, die dieses Tasting möglich gemacht haben!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 30. September 2018

Compagnie Des Indes 33 YO Hampden 1983

Liebe Rum Gemeinde,

heute ist mal wieder Legenden-Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts, denn zur Verkostung kommt der bisher älteste mir bekannte Rum, sowohl nach Alter als auch nach Jahrgang, einer meiner absoluten Lieblingsdestillerien: der Compagnie Des Indes Jamaica Rum 33 YO Hampden Estate 1983!

Viele Leser werden sich nun wahrscheinlich zunächst vor allem einmal fragen, was da eigentlich genau an ihnen vorbeigegangen ist, denn ich bin mir sicher, dass es doch einige von euch da draußen geben wird, die noch niemals etwas von dieser besonderen Abfüllung auch nur gehört oder gesehen, geschweige denn, sie verkostet haben. Ich selbst hörte erstmals Ende 2016 davon, dass es einen solchen Rum geben soll, bzw., dass dazu ein oder mehrere Fässer existieren sollen, bekam aber auch erst im Laufe dieses Jahres die endgültige Gewissheit, dass er wirklich existiert und auch abgefüllt wurde, nämlich von Compagnie Des Indes. Und schließlich, im Rahmen einer Flaschenteilung in Frankreich, bekam ich als einer der ganz wenigen Menschen in Europa gar die Möglichkeit ihn einmal probieren zu können. Denn die Flasche, die ein Connaisseur dort teilte, war eine von insgesamt nur 12 (!) Flaschen, die in ganz Europa verkauft wurden. Die Flasche gab es ansonsten nahezu ausschließlich in Nordostasien zu kaufen. Laut Website von CDI wurde die Abfüllung exklusiv in Japan verkauft, einem Interview mit Florent Beuchet von CDI nach aber war der Rum für Hong Kong. Und wie dem auch sei, in Europa war da außerhalb der besagten Teilung kaum ein drankommen. Insofern ist dann eben auch zu erklären, warum viele von dieser Abfüllung gar keine Notiz genommen haben werden.
Picture by Ludo Caroni. Merci beaucoup! 
Ihr merkt es also schon, ohne Superlative werden wir heute einmal mehr nicht so richtig auskommen. Denn 1983 ist der neue bisher älteste mir bekannte Jahrgang von Hampden - bisher war das stets der Jahrgang 1990. Nun aber gibt es noch einen ganze sieben Jahre älteren Jahrgang, der seinen Weg einst in die Warehouses von Bulkhändlern gefunden hat. Und damit verbunden erleben wir auch erstmals einen Hampden, der länger als die bisherigen 26 Jahre, die die alte Höchstmarke darstellten, im Fass reifen durfte, nämlich 32 Jahre und 10 Monate. Welches Mark der Rum hat und wie hoch dementsprechend der Estergehalt ca. sein muss ist derzeit noch vollkommen unklar. Hier wird uns die Verkostung gleich hoffentlich etwas mehr verraten können. Glücklicherweise kommt der gute Tropfen auch, wie es sich für Hampden gehört, in Fassstärke daher, nämlich mit 54,1% vol.! Abgefüllt wurden nur 265 Flaschen weltweit und, wie nun schon mehrfach gesagt, nahezu ausschließlich für den nordostasiatischen Markt. Für einen Hampden-Freak wie mich war da natürlich klar, dass ich unbedingt probieren musste und genau das werde ich jetzt auch tun! Merci Ludo, pour la petite bouteille et la photo.! :-)



Verkostung des Compagnie Des Indes 33 YO Hampden 1983:

Preis: der Ausgabepreis lag umgerechnet bei ca. 850,- Euro in Südostasien, wo er, je nach Quelle, entweder in Japan oder in Hong Kong, exklusiv verkauft wurde. 

Alter: der Rum ist nach offiziellen Angaben 33 Jahre alt und reifte von Dezember 1983 bis Oktober 2016 im Fass. Sollten diese Angaben stimmen, so müsste die Altersangabe allerdings auf 32 Jahre korrigiert werden.

Lagerung: die Reifung fand von Dezember 1983 bis Oktober 2016 vermutlich in Europa statt.

Fassnummer: unbekannt. Die Abfüllung war 265 Flaschen stark. 

Angel's Share: unbekannt. Der 1990er hatte nach 26 Jahren im Fass einen Share von 29%. Für den 1983er könnte demnach ein Wert von 35 bis 40% angenommen werden, sollten die Lagerbedingungen vergleichbar gewesen sein. 

Alkoholstärke: Cask Strength - der Rum kam mit 54,1% vol. in die Flasche.

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: unbekannt. Mutmaßlich <>H (siehe Fazit).

Farbe: strohig, Gold. Ich neige beinahe dazu, von kontinentalem Gold zu sprechen, denn man sieht den farblichen Unterschied zu tropischer Reife einfach sehr gut. Selbst der 6 YO HLCF von Habitation Velier ist noch etwas dunkler. 

Viskosität: der Rum bildet kleine Tröpfchen an der Glaswand und fließt dann unregelmäßig zurück. Besonders ölig wirkt er nicht.

Nase: kräftige aber nicht brachiale Esternase und sehr eindeutig Hampden! Sehr schön! Die lange Reife merkt man dem Rum an. Ich hatte ihn neben einigen Rums mit 19, 21, 24 und 26 Jahren Reife und da fällt schon auf, dass der Compagnie Des Indes sehr gesetzt daher kommt. Alkoholische Schärfe ist überhaupt nicht vorhanden. War der 1990er TRC schon deutlich eleganter als andere Hampden, so trifft dies auf den 1983er noch einmal im Besonderen zu. Im Bouquet habe ich deutlich präsente Ester, die Assoziationen zu Nagellackentferner und Uhu wecken. Er ist weniger fruchtig als jüngere Hampden, weswegen Banane oder Ananas hier kürzer kommen als üblich. Darüber hinaus habe ich Humus, Zitrone, Marzipan, Vanille, Bacon und etwas Rauch. Dazu immer wieder auch gelagerte Töne von Eichenholz. Das Gesamtpaket ist hier sehr, sehr stimmig und gediegen und man geht einfach immer wieder mit der Nase zum Glas! Was man allerdings vergeblich sucht, sind Ecken und Kanten. Dieser Hampden ist überaus rund!

Gaumen: die Textur des Rums wirkt auf den ersten Schluck leicht instabil, zumindest bei kleineren Schlücken. Deutliche Adstringens. Was mir etwas fehlt, ist eine gewisse Vollmundigkeit. Alkoholische Schärfe ist nicht vorhanden. Im Gegenteil, er wirkt im ersten Moment sogar leicht verdünnt (was er aber nicht ist). Der Rum hat merklich Reifejahre hinter sich. Selbst der ebenfalls schon sehr gesetzte TRC 1990 hat noch deutlich mehr Wucht und auch Kanten als dieser aus 1983. Mein erster Gedanke ist also tatsächlich, dass mir da was fehlt. Auf der anderen Seite ist das einfach eine wirklich lang gereifte Spirituose, die daraus auch einiges an Eleganz gewinnt. Der Rum ist nicht totgereift, in dem Sinne, als dass er nur nach Holz schmecken würde, das ist mitnichten so, aber es fehlt eben nahezu alles, was ich als jugendliche Frische oder als Ungestüm bezeichnen würde. Ansonsten habe ich natürlich die typischen Aromen von Hampden, die jedoch schon unter einem enormen Fasseinschlag stehen. Letzterer ist sehr präsent. Am Ende heraus zeigt er auch Anis-Töne. Das ist Hampden im hohen Alter!

Abgang: esterig, trocken. Holz. Anis. Und sehr lang.

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Fazit: haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht, was den positiven Effekt der Reifung von Hampden Rums in kontinentalem Klima betrifft? Ich neige beinahe dazu das nicht nur zu bestätigen, sondern gehe sogar noch etwas weiter und behaupte, dass dieser Punkt sogar schon leicht überschritten wurde! Denn auch wenn der Compagnie Des Indes noch immer ein großartiges Beispiel für hervorragenden High Ester Rum ist, so wird doch deutlich, dass der Reife-Effekt inzwischen in die falsche Richtung geht und der Zenit überschritten ist. Nicht hoch dramatisch überschritten, aber überschritten. Hampden Rums werden nach meiner Meinung ab ca. 15 Jahren richtig gut, erreichen zwischen ca. 20 und ca. 25 Jahren Reife ihren Zenit und bauen danach ab, vor allem an Ecken und Kanten. Diese gehören aber für viele Liebhaber von Hampden zwingend mit dazu und dementsprechend werden Hampden Rums für diese Gruppe an Connaisseuren uninteressanter, je weniger sie davon in der Folge fortschreitender Reife noch aufweisen können. Schon beim 26 YO Hampden 1990 von The Rum Cask kenne ich einige, denen bei diesem schon etwas die Ecken und Kanten fehlen (auch wenn ich persönlich diesen exakt auf dem Zenit sehe) und das zeigt sich hier noch einmal deutlich gesteigert. Dessen ungeachtet war es am Ende aber natürlich dennoch ein ungetrübtes Vergnügen und Erlebnis, einen solch alten Hampden einmal im Glas gehabt zu haben. Über das Preis-Leistungs-Verhältnis oder ähnliches muss ich heute zum Glück ja auch nicht sprechen.

CDI 1983 next to TRC 1990 (C<>H) and Samaroli 1993 (<>H)

Eine zentrale Frage ist nun aber natürlich noch die nach dem Fass-Mark des Hampden 1983. Mein erster Gedanke im Glas war, dass es auf jeden Fall eines der höheren Marks sein muss, aber selbstverständlich habe ich mir, um das konkretisieren zu können, einige Vergleichsrums daneben gestellt. So habe ich den Compagnie Des Indes 1983 mit dem 26 YO TRC (C<>H), mit dem 21 YO Samaroli Full Proof (mutmaßlich <>H), dem 24 YO Rum Nation 1992 (HLCF) und dem 19 YO TRC "Beast" (mutmaßlich HLCF) verglichen. Eindeutig sagen kann ich, dass der Estergehalt des 1983er CDI unter dem des C<>H liegt und auch, dass er sehr deutlich über dem der HLCF liegt. Er hat darüber hinaus aber auch etwas weniger Ester als der Samaroli, allerdings bestehen hier mit Abstand die größten Ähnlichkeiten, so dass sich die geringfügigen Unterschiede durchaus auch aus der 12 Jahre längeren Reifung und dem Spektrum des Estergehalts innerhalb des Marks ergeben könnten. Daher vermute ich das Mark <>H und tendiere dazu, den Samaroli entweder ganz am oberen Ende der <>H Range einzustufen, oder gar bei HGML einzuordnen. Denn soweit ich weiß, ist das Mark <>H für den Samaroli bisher zwar angenommen, aber nie bestätigt worden. Das Fass trug damals wohl das Mark JMH, was aber für viele der Marks sprechen kann, von denen letztlich <>H und HGML geschmacklich noch in Frage kommen. Aber darauf werde ich in einem seperaten Review zum Samaroli Hampden 1993 Full Proof in Kürze auch noch genauer eingehen!

-89/100-




Abschließend möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Ludo für die Teilung auf Facebook bedanken, ohne die es mir nicht möglich gewesen wäre, dieses Stück Zeitgeschichte hier mit euch zu verkosten! Merci beaucoup encore!

Bis demnächst,
Flo

Samstag, 30. Dezember 2017

Meine Top 10 Rums 2017

Liebe Rum Gemeinde,

der Jahreswechsel steht schon wieder vor der Tür und da das Jahr 2017 aus meiner Sicht als Rum Connaisseur ein sehr ergiebiges war, möchte ich für euch einmal meine Favoriten aus diesem Jahr zusammenfassen, also Rums, die 2017 abgefüllt wurden oder erschienen sind, oder 2017 erst populär wurden.
Für mich ganz persönlich war 2017 vor allen Dingen das Jahr meiner Rückkehr in die Rumwelt und das Jahr, in dem ich, im Vergleich zur Zeit davor, ganz vieles ausprobiert habe und deutlich offener war für Neues. So konnten mich 2017 z.B. sogar einige wenige Rums der französischen Überseedepartements begeistern, die ich früher gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Zu nennen sind hier die Rums der Bellevue Destillerie, aber auch ein fassstarker J. Bally aus 1998 konnte mich überzeugen. Ein Rum französischen Anstrichs hat am Ende sogar nur ganz knapp meine Top Liste verpasst, nämlich der Savanna HERR!
Eine Destillerie die ich ebenfalls erst seit diesem Jahr auf dem Schirm habe ist die, leider geschlossene, frühere Destillerie Caroni auf Trinidad. Die Jungs haben verdammt leckeren Rum gebrannt, deren Preise heute leider immer öfter dazu führen, dass man eben nicht mehr alles von dort auch probieren kann. Schade. Aber es haben von hier einige Rums aus diesem Jahr in meine Top Liste geschafft. 
Ansonsten stand 2017 auch im Zeichen des 70. Geburtstags von Velier, der von zahlreichen Abfüllungen begleitet wurde, und auch der schottische Abfüller William Cadenhead hatte Geburtstag: hier darf man bereits auf 175 Jahre Geschichte zurückblicken - meine Hochachtung! Beide Abfüller werden auch mit jeweils einer ihrer Jubiläumsabfüllungen in meiner Top Liste zu finden sein, in der sich darüber hinaus vor allem die üblichen Verdächtigen aus Caroni und natürlich Jamaica wiederfinden, von denen einer hingegen bis zu diesem Jahr so überhaupt nicht üblich war und ein anderer wiederum ist in diesem Jahr erschienen, auf den ich zuvor Jahre lang gewartet hatte. Und dann war da auch noch ein Monymusk, der meine Sicht erweitert hat... Ihr sehr: es war ein turbulentes, rumreiches Jahr für mich! ... und bereits das fünfte von Barrel Aged Thoughts! 

Meine Top 10 Rums in 2017


Meine TOP 10:


1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Meine absolute Nummer 1 in diesem Jahr und der Rum, auf den ich wohl am längsten warten musste und auch gewartet habe, nämlich sechs Jahre. Ich konnte ihn im letzten Januar vorab probieren und war sofort begeistert. Im März kamen dann Abfüllung und Release, sowie der Ausverkauf in nur drei Tagen. Diese Abfüllung war zugleich der Startschuss eines überaus erfolgreichen Jahres der Zusammenarbeit mit The Rum Cask insgesamt. Für mich ist dieser Rum noch immer ohne Frage der beste, den ich aus Hampden je probieren durfte! Outstanding!


2. Velier Caroni Full Proof 20 YO (1996 - 2016) - 62,4% vol. (Kirsch Whisky)

2016 schon abgefüllt, wurde dieser Rum im Frühjahr 2017 veröffentlicht, war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und ging dann preislich durch die Decke. Inwieweit diese Preise noch ein Verhältnis haben sei einmal dahingestellt, aber letztlich war dieser Rum einfach verdammt gut und er taucht deshalb auch zurecht auf meinem Platz 2 auf. Viel besser kann ein Caroni vermutlich nicht schmecken, auch wenn das natürlich immer Geschmacksache ist. Ich kenne einige, die ihn gerade mal durchschnittlich fanden, aber dem kann ich mich nicht anschließen. Ein Review wird hier auch sicher noch folgen!


3. Cadenhead Trinidad Rum 18 YO Caroni 1998 (175th Anniversary) - 65,8% vol.

Noch so ein Kandidat, der nur schwer zu fassen war! Leider zieht sich das inzwischen durch fast alles was gut ist. Verfügbarkeiten waren auch insgesamt ein zentrales Thema in 2017. Dieser Cadenhead wurde im Sommer als 175th Anniversary Bottling abgefüllt und war meines Erachtens ein echter Knaller. Ich bin sehr, sehr froh von dieser Abfüllung etwas abbekommen zu haben und ich plane auch in nächster Zeit ein Review dieses Tropfens hier auf BAT zu bringen. Aus 1998 ist das die beste Caroni Abfüllung, die ich bisher probiert hab und darunter waren auch schon drei von Velier! 


4. Velier Caroni 100% Trinidad Rum 21 YO (1996 - 2017) - 57,18% vol.

Der 4. Platz und schon der dritte Caroni in dieser Liste! Wow! Ja, 2017 war für mich auch ein Caroni-Jahr, was aber auch daran liegt, dass ich aus Jamaica bereits fast alles im Glas hatte, was man so im Glas gehabt haben sollte. Caroni hatte 2017 den Reiz des Neuen für mich! Dieser 21 YO konnte mich dabei sehr begeistern, bietet er doch ein sehr rundes und entspanntes Gesamtpaket. Das galt auch für seine Verfügbarkeit. Er war dieses Jahr einer der wenigen Caronis, bei dem es keinen Mangel an Verfügbarkeit gegeben hat. Letztlich kann das aber fast nur daran liegen, dass es hier ein paar Tausend Flaschen gibt, nicht an fehlender Qualität. Auch über das Jahr hinaus einer meiner Lieblings Rums! 


5. Cave Guildive Jamaica Rum 23 YO Hampden 1993 - 61% vol.

Das Mysterium in dieser Liste! Da es den Rum nur in der Schweiz gegeben hat und man aus Deutschland nicht einfach in der Schweiz bestellen kann und der Rum zudem eine Single Cask Abfüllung ist, haben es hier nur wenige Flaschen nach Deutschland geschafft. Schon 2016 abgefüllt, stolperte man aber erst in diesem Jahr über die in der Schweiz doch eher versteckte Abfüllung. Ich hatte das große Glück sie probieren zu können (Danke an den edlen Spender für das Sample!) und war durchaus begeistert. Er kommt zwar für mich nicht an den Jahrgang 1990 heran, aber er kommt diesem in meiner Gunst am nächsten. Der Preis war mit ~250 Euro echt heftig, aber letztlich auch fast marktüblich. Inzwischen gibt es ihn längst nicht mehr. 


6. Compagnie des Indes Jamaica Rum 12 YO New Yarmouth 2005 - 65,2 vol.

DIE dicke Überraschung in 2017 kam von Compagnie des Indes, indem sie einen Rum aus New Yarmouth abgefüllt haben! Zwar war mir New Yarmouth grundsätzlich bekannt, aber einen Rum rein von dort hatte ich zuvor noch nie im Glas. Hier in Deutschland gab es leider nur eine 55% vol.-Version dieser Abfüllung zu kaufen. In Dänemark allerdings gab es das Teil auch in Fassstärke und auch hier hatte ich das Glück an ein Sample zu kommen. Auch hier gilt mein Dank dem Spender! Der Rum kostete in Dänemark ca. 130 Euro und dafür ist er imho ein PLV-Knaller! Trost: die 55% vol. Variante ist meines Erachtens nicht viel schwächer, auch hier wird sehr viel zu fairem Kurs geboten, aber die Fassstärke-Variante toppt das eben noch einmal etwas! Kein Rum der nicht aus Hampden stammt kam Hampden jemals so nahe. Ich habe immer behauptet, man würde Hampden erkennen wenn man ihn im Glas hat, aber dieser Rum ist der erste, der mich vielleicht täuschen könnte. In diesem Ranking zwar "nur" die Nr. 6, aber dass da noch eine andere Destillerie auf Jamaica solch krassen Rum brennt und von dort nun vielleicht auch häufiger mal was kommt, das ist für mich im Grunde fast die Nr. 1 der Rum-Nachrichten des Jahres!


7. The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998 - 69,1% vol.

The Beast! Nachdem der 1990er Hampden ja so schnell vergriffen war, konnte The Rum Cask mit dem 1998er im Sommer nochmal einen nachlegen. Und auch wenn ein HLCF natürlich kein C<>H ist, so war das "Biest" nicht nur trotz, sondern auch wegen seiner enormen Stärke eine schöne Ergänzung zum bisherigen Portfolio des Abfüllers. Fast 70% vol. sind das heftigste, was ich bei einem solch lange gereiften Hampden je im Glas hatte. Dennoch war der Rum angenehm weich und gut zu trinken. Ein toller Hampden, wenn es mal nicht das ganz schwere Ester-Geschütz (1990, 1993) sein soll! Leider war auch diese Abfüllung innerhalb weniger Tage vergriffen. 


8. Velier Jamaica Rum 7 YO  <H> (2010 - 2017) - 62% vol.

Schon die dritte Velier-Abfüllung in den Top 10 und dieses Mal ein Jubiläums-Bottling aus der Warren Khong Serie! Ja, dieser italienische Erfolgsabfüller hat sich zu seinem 70. Geburtstag in 2017 nicht lumpen lassen und die Rumwelt mit einer ganzen Welle an schönen Abfüllungen daran teilhaben lassen - zumindest den schnellsten Teil der Rumwelt. Um die Flaschen keines anderen Abfüllers muss man so sehr herumschleichen wie um die Veliers um jeweils die Release-Fenster zu erwischen und damit die Möglichkeit zu haben, einige dieser Rums zu bekommen. Beim <H> ist es mir gelungen und es hat sich gelohnt. Und dies war auch die erste Flasche seit langem, die ich geöffnet habe ohne vorher ein Sample bekommen und probiert zu haben. Es zeigt sich immer mehr, dass tropische Reifung Hampden in einigen Jahren in neue Sphären katapultieren könnte. Ich ziehe länger gelagerte Hampden mit deutlich stärkerem Fasseinfluss vor und noch werde ich da eher bei alten Stocks mit kontinentaler Reife fündig, aber die Zukunft ist eindeutig gesichert und in ca. 10 Jahren spätestens werden tropisch gereifte Hampden die alten Stocks in Sachen Fasseinfluss vermutlich abgelöst und überholt haben!


9. Velier Caroni 100° Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1994 - 2017) - 57,18% vol.

Und noch einmal Velier! Diese Abfüllung gefiel mir zwar nicht ganz so gut wie einiges anderes von Caroni früherer Jahre, aber rein auf 2017 gesehen gehört er für mich dennoch in die Top Listen, zumal er mir inzwischen sogar noch etwas besser schmeckt als zum Zeitpunkt meines Reviews. Einzig der Preis war hier einfach zu hoch angesetzt, zumindest ist das mein Empfinden. Und trotz dessen, dass mir der Rum gut gefällt verstehe ich ohne Ausnahme jeden, der den Rum deshalb nicht gekauft hat. Im Gedächtnis bleiben nicht zuletzt die schnellen, anfänglichen Käufe in der Hoffnung auf satte Renditen in Kombination damit, dass der Kurs in der Folge noch unter den Ausgabepreis fiel. Profitiert haben davon die Genießer!


10. The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003 - 60,7% vol.

Monymusk steht oft im Schatten anderer, populärerer jamaicanischer Destillerien wie u.a. Long Pond und Hampden, sowie in letzter Zeit auch Worthy Park. Und auch wenn ich persönlich zumindest die beiden erstgenannten Destillerien auch deutlich vor Monymusk sehe, so empfinde ich die Rums von dort doch auch immer wieder als willkommene Abwechselung, was sich am Ende auch hier in meiner Top Liste zeigt! Diese spezielle Abfüllung konnte gar meinen Horizont erweitern, im Hinblick nämlich auf das Verhalten von Monymusk Rum bei zunehmender Reife im Fass. Spannend und lecker zugleich! Und letztlich, so finde ich, runden solche kleinen Überraschungen ein Rum-Jahr doch erst so richtig ab. 



Epilog:

Das waren sie also, meine Favoriten in 2017. Selbstverständlich gibt eine solche Liste immer nur einen kleinen Teil dessen wieder, was wirklich alles an tollen Spirits im Glas gelandet ist und natürlich ist sie vor allem auch rein subjektiv. Ganz klassisch erhitzen solche Top Listen oft die Gemüter von anderen Connaisseuren, die ihren Liebling in der Liste vermissen. Wie kann er diesen oder jenen Rum nur ignorieren? Hierbei sollte beachtet werden, dass mein Geschmack schon sehr festgelegt und auch, im Vergleich zu einigen anderen Connaisseuren, sehr eng gefasst ist. Demerara Rum ist im Allgemeinen nur selten mein Ding und auch das allermeiste aus dem Bereich Agricole sagt mir überhaupt nicht zu.
Es gab aber natürlich im vergangenen Jahr doch auch noch einige andere Rums, wie den Savanna HERR, den Rum Nation Hampden 1992, den The Rum Cask 20 YO Uitvlugt 1997, den Habitation Velier 2006 WPM 11 YO, den Habitation Velier Last Ward 2007, den Premium Rum Hampden 16 YO von Andreas Schwarz oder den Velier Triptych, die es zwar nicht in die Top Liste geschafft haben, die mir durchaus gut gefielen und die ich deshalb an dieser Stelle noch einmal würdigen möchte, indem ich sie nicht unerwähnt lasse. Wiederum andere Rums habe ich im vergangenen Jahr leider nicht geschafft zu probieren. Hier sei der Velier St. Lucia 2010 exemplarisch zu nennen, der sehr gut sein soll. Vielleicht werde ich das ja im nächsten Jahr noch erfahren. Die Dichte an Qualität war in 2017 meines Erachtens überaus beachtlich und längst kann man nicht mehr jede Abfüllung, die einem gut schmeckt auch automatisch kaufen und so manchen tollen Rum musste ich leider auch vorbeiziehen lassen.

Für 2018 hoffe ich natürlich wieder auf tolle neue Abfüllungen und bin mir sicher, dass wir auch weiterhin viele davon bekommen werden. Die Abfüller und auch einige der Destillerien haben längst auf das steigende Interesse an Rum reagiert und wie man an New Yarmouth gesehen hat, ist auch noch längst nicht alles an Potenzial da draußen ausgeschöpft. Gerade New Yarmouth, aber auch St. Lucia Distillers, der South Pacific Distillery auf Fiji oder mit Abstrichen auch Sancti Spiritus auf Cuba traue ich zu den nächsten Schritt zu machen und eine noch wichtigere Rolle innerhalb der Szene einzunehmen. Momentan noch stehen diese deutlich im Schatten der "Großen" aus Jamaica, Guyana, Trinidad oder Barbados. Allerdings sehe ich hier momentan einzig bei Hampden und Foursquare eine gesicherte Zukunft und sollten sich daneben in den nächsten Jahren Lücken auftun, so stehen oben genannte Destillerien sicherlich bereit. Rum lebt! Und Leben ist Veränderung!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

Flo

Sonntag, 2. Juli 2017

Foursquare RUMble - Triptych/ Criterion/ C.d.I.

Liebe Rum Gemeinde,

die Zeit ist ein kostbares Gut, umgeben vom Hauch der Unendlichkeit und doch so individuell begrenzt und limitiert, dass sie an manchen Tagen wahrlich beinahe einer Währung gleicht. Momentan finde ich für Barrel Aged Thoughts leider oft nicht so viel von eben jener Zeit wie der Blog und ihr es verdient hättet und auch wie ich es mir wünsche. Um euch aber nicht vollkommen im Regen stehen zu lassen habe ich mich dazu entschlossen, hier nun hin und wieder auch Kurz-Reviews zu bringen, die dann allerdings eher den Charakter einer Kolumne haben werden und deren Notes sich mehr auf den Stil eines Rums und auf meine Bewertung des Rums konzentrieren als auf breit angelegte Geschmacksbeschreibungen. Das ganze bewegt sich also eher in die Richtung "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht" zu. Ich weiß, dieses Konzept hat auch Fans, hoffe aber doch, dass ich bald wieder die Zeit für die vollen 100% finde. 

Foursquare war für mich immer eine Destillerie, die ich so richtig nicht auf meinem Radar hatte. Ich probierte über die Jahre mal hier und mal dort einen, von Bristol als auch Originalabfüllungen u.a., und war aber jedes Mal alles andere als angetan oder gar begeistert. Nein, schlecht waren die bis auf Ausnahmen nicht, aber in meinen Augen eben auch nicht gut. Langweilig, trifft es da wohl am besten - das Schicksal auch vieler Rums im spanischen Stil bei mir. Das ging bis letztes Jahr, so mein Eindruck, jedoch auch den meisten anderen Connaisseuren so. Dann kam der 2006er Foursquare von Velier und alle rasteten aus. Eine Destillerie, deren Rums das Mittelmaß bis dahin meines Erachtens nach gerade zu definieren hätten können, rückte mit nur einem einzigen Rum aus dem Schatten in das Licht und spielte fortan mit den "großen" mit. Dies hängt, ich denke, da dürften mir fast alle zustimmen, untrennbar mit Richard Seale zusammen, der seit geraumer Zeit unermüdlich unterwegs ist und die Lehre vom reinen Rum predigt, oft und gerne auch in den sog. "sozialen Netzwerken". Ebenso oft tut er das mit einer Rhetorik, die sehr radikal ist und die kaum einen Raum lässt für Grautöne. Das zeigt Wirkung und so wurde wurde Foursquare für viele Gleichgesinnte zu einem der Angelpunkte des Rums. Ich selbst zähle mich bereits seit 2011 zu den Gegnern von Zucker und anderen Zusatzstoffen im Rum, seit einer Zeit also schon, als man deren Existenz zwar ahnte und schlicht und ergreifend auch schmeckte, für die damals allerdings noch gar keine Beweise vorgelegen hatten. Ich teile ich die Ansichten Seales zu diesem Thema daher im Grundsatz.

Foto by Micha. Danke! :)
Für meine erste Kurztasting-Runde habe ich also drei Rums der barbadischen Destillerie Foursquare gewählt, von denen vor allem einer in den vergangenen Tagen und Wochen ordentlich von sich reden machte: den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke, den Velier "Triptych" aus 2004, 2005 und 2007 und die Originalabfüllung "Criterion", die 10 Jahre alt ist und 2017 abgefüllt wurde. Deutlich im Fokus der Aufmerksamkeit: der Triptych.
Schon Monate vor seinem Erscheinen hat diese Abfüllung viele Connaisseure rund um den Erdball elektrisiert. Während man vom schon 2015 abgefüllten Compagnie des Indes oder vom erst kürzlich erschienenen Criterion sehr viel weniger gehört hat und auch nicht so richtig das Gefühl hatte, dass sich für die beiden, im Vergleich zum Triptych, wirklich viele Menschen interessiert haben, sondierten viele schon zum Jahreswechsel, wo und wie sie an eine Flasche Triptych kommen könnten, wo ja der Vorgänger die Shops dieser Welt kaum von Innen heraus gesehen hat - zumindest nicht zum Ausgabepreis. Warum ist das so? Dass ein Compagnie des Indes, bekannt für doch oft sehr schwankende Qualität der Rums, nicht unbedingt die Blicke auf sich zieht: bon! Aber gerade im Hinblick darauf, dass auch der Triptych im Grunde genommen ein von Foursquare selbst zusammengestellter Blend ist, der von Velier lediglich abgefüllt und vertrieben wurde, verwundert zumindest das vergleichbar geringe Interesse am Criterion. Aber Velier ist eben Velier und letztlich wiederholte sich also im Prinzip nur das gleiche, was auch schon beim 2006er Velier los war. Inwieweit es sich da jetzt also um einen wirklichen Anstieg des Interesses um Foursquare handelt, oder ob es dabei in Wahrheit nicht viel eher um die Popularität von Velier geht, das ist zumindest umstritten. Für mich war das alles jedenfalls Grund genug um einmal hinter diesen Hype zu blicken und schaute mir die erwähnten drei Rums mal aus der Nähe an.


Velier "Triptych" 2004/2005/2007 - 56% vol.:

Micha again...
Ich testete zunächst den Triptych und besorgte mir direkt nachdem er raus kam ein Sampel (Danke Johannes!)! Hier war ich zunächst enttäuscht. Die Nase empfand ich als ganz und gar unspektakulär und sie erinnerte mich an die Non-Rockley WIRD-Abfüllungen. Eher ein Spanier, denn ein Brite. Am Gaumen dann überraschte mich der Triptych jedoch, denn nach der eher schwächeren Nase hatte ich keine großen Steigerungen mehr erwartet. Doch hier wusste der Triptych zu überraschen und begeisterte mich mit einer gelungenen Komposition, die doch schon sehr viel anders und auch besser ist, als die sonst am Markt so erhältlichen Foursquares. Hervorragend eingebundener Alkohol! Um den wirklich gut zu finden muss man zwar vermutlich ein kleiner Fan der Destillerie sein, aber dieser hier darf sich doch zumindest mal guter Durchschnitt nennen. Ein Rum, den ich fantastisch fänd zu einem Grillabend mit Freunden und zum nebenher trinken, ohne sich groß Gedanken um sein Glas zu machen. Zu diesem Zwecke würde ich ihn mir wohl kaufen und dafür auch gerne bis zu 50 Euro hinlegen. Zu diesem Preis hätte ich zugeschlagen. Die aufgerufenen 129 Euro sind mir der Rum jedoch in keiner Weise wert, da ich Rums dieser Preislage nicht mehr zum peripheren Genuss kaufe.


Criterion 10 YO - 56% vol.:

Nochmal Micha... :)
Als nächstes, ein Dank geht an Marius von Single Cask Rum für das Sample, probierte ich den Criterion. Hier waren meine Erwartungen, Dank des Triptych, schon etwas höher als sie es normalerweise an einen Foursquare gewesen wären und dementsprechend ging ich sogar mit leichter Vorfreude an das ganze ran. Diese schlug schlagartig in blankes Entsetzen um, als der Rum dann im Glas war.
Wo der Triptych noch rund und als Komposition harmonisch war, war der Criterion einfach nur schwach, dünn, unrund, alkoholisch und ohne jede Stimmigkeit. Wie ein Triptych, bei dem man alles einfach nur schlechter gemacht hat. "Warum?" - diese Frage schießt mir spontan durch den Kopf. Warum füllt Richard Seale unter eigenem Namen, fast zeitgleich zum Triptych, einen Rum ab, der gegen diesen so gnadenlos abstinkt? Man muss und man möchte nicht unbedingt alles verstehen, aber ich finde das schon sehr unglücklich und ich denke, das wird die Euphorie vor dem nächsten Velier Foursquare wohl kaum bremsen. Bei den Eigenabfüllungen aber bin ich nun skeptischer denn je, insbesondere, da ich auch schon den Zinfandel z.B. nicht gut fand.


Compagnie des Indes 16 YO 1998/2015 - 60% vol.:

Zu guter Letzt ließ ich mir noch den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke (60% vol.) empfehlen, der exklusiv für Dänemark abgefüllt wurde. Auch für dieses Sample muss ich mich bei Johannes bedanken!
Ich hatte zuvor schon gutes zu diesem Tropfen gehört und daher durfte er bei mir dann gegen den Sieger aus Triptych und Criterion ran, also gegen den Triptych. Und was soll ich sagen? Auch dieser hat gegen den Triptych leider keine Schnitte gesehen. Er ging in eine ganz andere Richtung und ich empfand den Rum, und das passiert mir selten, als regelrecht eklig. Eine genauere Beschreibung entfällt daher, der Rum ging dort wieder raus wo er hinein ging und ich spülte mit Triptych hinterher. Gruselig!


Fazit:

Mit dem Triptych hat ein Rum diesen Dreier-Vergleich klar für sich entschieden! Da gab es nichts dran zu rütteln. Ich kann daher nach dem probieren verstehen, warum der Triptych sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhält als der Criterion. Dass das allerdings durch die Bank auch schon Monate vorher so war, bevor irgendwer diese Rums wirklich probieren konnte, das kann ich nur bedingt verstehen. Okay, mit dem 2006er, den ich leider nicht kenne, hatte Velier wohl gut vorgelegt, da er dem Hören nach wirklich gut war, aber eine Schwalbe macht in meinen Augen noch keinen Sommer, auch bei Velier nicht. Ich bin daher nach wie vor der Meinung, dass hier auch ein Stück weit eine Glorifizierung des Abfüllers vorliegt, die genauso gut auch ins Auge gehen hätte können. Denn da ich mich glücklich schätzen kann auch ältere Abfüllungen von Velier aus vergangenen Tagen zu kennen, kann ich sagen: auch die hatten, bei aller unbestreitbarer Qualität, die sie gebracht haben, genug Ausfälle im Repertoire, wie eben jeder andere Abfüller auch.

Micha ein weiteres Mal. :)
Was ich deutlich festhalten möchte: mag der Triptych auch im internen Foursquare Vergleich klar die Nase vorn gehabt haben, aber zu diesen Preisen und bei diesen Ergebnissen, und das schließt auch den Triptych mit ein, ist die Destillerie bei mir persönlich nicht konkurrenzfähig. Da bieten viele andere in meinen Augen einfach mehr. Guter, gehobener Durchschnitt, den der Triptych bietet, scheint hier momentan das Maximum zu sein und das ist mir zu diesen Preisen deutlich zu wenig. Da habe ich zwar gelegentlich Lust drauf, aber dann eben auch zu anderen Preisen. Solange Foursquare mit Velier kooperieren, dessen kann man sich sicher sein, sind sie relativ unabhängig von allem inhaltlich gebotenen, die Rums werden sich immer verkaufen und in Teilen der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Gänzlich unabhängig von Velier müsste da meines Erachtens aber mehr kommen, wenn man plant, in einem Atemzug mit Hampden , Long Pond, DDL, WIRD, Mount Gay, St. Lucia Distillers oder Caroni genannt zu werden. Denn momentan sehe ich sie doch eher noch in einer Reihe mit Travellers, Westerhall, Barbancourt, Don Jose oder Angostura; handwerklich ordentliche Rums (wobei das bei einigen der genannten definitiv nur auf die unabhängig abgefüllten Rums zutrifft!), aber eben ohne das besondere, das reizende, das alleinstehende.

Ein vorletztes Wort gilt dem, was auf das Review des Triptychs meines Blog-Kollegen Marius hin geschehen ist, vor allen Dingen auf F***book. Dieser hatte sich das Recht herausgenommen, den Rum ähnlich durchschnittlich zu bewerten wie ich und erntete daraufhin einen Shitstorm, der an Verhältnislosigkeit kaum zu übertreffen war. Vordergründig hängte sich das ganze an einer Detailfrage auf, aber ich halte es dann doch für sehr abwegig, dass einem solch ein Zorn entgegen schlägt, nur weil es heißt, dass ein Rum "höchstwahrscheinlich" gefärbt sei, noch dazu, nachdem Marius, einer fehlerhaften Quelle aufgesessen, das ganze schnell und souverän korrigierte. Nein, da haben meines Erachtens eher einige wenige, aber dafür umso lautere, nicht ertragen, dass ihr Lieblingsabfüller einmal keine Top Note absahnte. Daraus wiederum wurde dann in Windeseile eine negative Bewertung und im nächsten Moment ein Hass auf den Abfüller. Ja Leute, geht's denn noch? Besonderes Kopfschütteln löste bei mir die Tatsache aus, dass Richard Seale selbst ganz vorne mit dabei war. Ob er das nötig hatte, und wenn ja, warum, werden wir wohl nicht erfahren. Mir ist nur wichtig einmal klar zu machen: auch Reviews, die sich einmal nicht vor Begeisterung überschlagen gehören dazu und sind wichtig. Ich gucke auch, dass ich vornehmlich über Rums schreibe, die mir gefallen, aber gerade wenn ich hochgelobtes für völlig überbewertet oder überpreist halte, dann sage ich das auch gern.

Und das letzte Wort schließlich richtet sich an den Micha, der mir die Fotos vom Triptych und vom Criterion gemacht hat. Vielen herzlichen Dank dafür, auch und gerne noch einmal an dieser Stelle!

Bis demnächst, habt eine schöne Zeit,
Flo