Sonntag, 25. November 2012

Jamaica, Hampden Estate: Cadenhead's JMLR 2000

Liebe Rum-Gemeinde,

nachdem ich bereits jeweils zwei Rums aus Long Pond und aus Monymusk vorgestellt habe, ist heute die Hampden Estate dran! 
Die Destillerie Hampden liegt im Norden Jamaicas, in der Provinz Trelawny und ist bekannt für ihre High Ester Rums. Dieser entsteht durch eine extrem lange Fermentation der Melasse, die bis zu zwei Wochen dauert, durch die Beigabe von Skimming und Dunder, sowie durch die Destillation in einer der drei kupfernen Pot Stills, welche Hampden besitzt. Diese Art der Rumherstellung ist deutlich aufwändiger als bei anderen Typen von Rum und wird heute so gut wie nicht mehr praktiziert.
Hampdens Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1743, als Hampden durch die schottisch-stämmige Familie Stirling gegründet wurde. Der letzte Eigentümer, vor der Verstaatlichung im Jahr 2003, war die Familie Farquharson. Nach einer Schließung, nur kurze Zeit später, wurde Hampden im Jahr 2009 durch Everglades Farms Ltd., welche der Familie Hussey gehört, erworben. Diese begann die Destillerie, die zu einem beträchtlichen Teil zerstört und heruntergewirtschaftet war, zu restaurieren und nahm auch die Rumproduktion wieder auf.

Auf dem Rum-Markt finden sich aber nach wie vor immer mal wieder Rums, die noch aus der Zeit vor der Schließung kurz nach der Jahrtausendwende stammen. Zwei dieser Rums möchte ich heute vorstellen: zum einen den Cadenhead's Cask Strength Jamaica Rum JMLR 8 YO (2000 - 2008) mit 63,2% vol. und zum anderen den Cadenhead's Cask Strength Jamaica Rum JMLR 12 YO (2000 - 2012) mit 62,1% vol.
Beide Rums, das wird bereits deutlich, stammen aus einem Batch, welches im Jahr 2000 in Hampden, Jamaica destilliert und von der schottischen Firma Cadenhead erworben wurde. Man veröffentlichte zunächst im November 2008 den ersten der beiden heutigen Rums und vor einem Monat, im Oktober 2012, den zweiten. Ich werde daher beide Rums miteinander vergleichen und bin gespannt darauf, inwieweit sich der 12 YO im Vergleich zum 8 YO weiterentwickelt hat.


Der Abfüller:
Cadenhead Jamaica JMLR Hampden 2000
Der unabhängige Abfüller William Cadenhead, gegründet 1842, hat seinen Ursprung in der Whiskybranche und setzt dort auch nach wie vor seinen Schwerpunkt. Neben Whisky bringt Cadenhead aber auch immer wieder Rum, Cognac oder Gin auf den Markt. Cadenhead lagert seine Whiskys, Cognacs und Rums im kühlen Schottland in eigenen Lagerhäusern, wodurch man beim Rum dessen Reifungsprozess, im Vergleich zur karibischen Lagerung, zwar deutlich verlangsamt, aber auch intensiviert. Der Schwerpunkt im Rum-Bereich liegt klar auf Demerara Rum, von dem Cadenhead behauptet, die größten Vorräte außerhalb Guyanas zu besitzen. Cadenhead trennt seine Rum-Abfüllungen in die Dated Distillation und in die Green Label Serie. Erstere wird ausschließlich in Fassstärke abgefüllt, mit Angabe von Herkunftsland, Destillerie, Mark, Destillationsverfahren, sowie Destillations- und Abfülljahr. Die Green Label Serie wird hingegen auf 46% vol. Trinkstärke verdünnt angeboten, ohne weitere Angaben zur Herkunft, mit Ausnahme des Herkunftslandes, was ich etwas schade finde, da man dabei quasi die Katze im Sack kauft.

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Verkostung der beiden Rums:


Preis: der JMLR 8 YO ist inzwischen beim Importeur ausverkauft, kostete ca. 50 Euro. Diverse Händler listen ihn aber noch. Der JMLR 12 YO kostet bei Cadenhead 57 Euro und ist bisher nur dort gelistet. 

Alter: beide Rums wurden im Jahr 2000 destilliert. Der JMLR 8 YO wurde im November 2008 abgefüllt, der ältere Bruder im Oktober 2012 mit 12 Jahren.

Alkoholstärke: beide Rums wurden in Fassstärke abgefüllt. Der JMLR 8 YO mit 63,2% vol., der 12 YO mit 62,1% vol.

Destillationsverfahren: beide Rums wurden im Pot Still Verfahren destilliert. 

Farbe: beide Rums sind strohig, goldfarben, wobei der 12 YO etwas dunkler und intensiver erscheint als der 8 YO, aber der Unterschied ist nicht sehr groß.

Viskosität: der JMLR 8 YO schmiegt sich eng an die Glaswand und bildet gut ausgebildete, enge Schlieren. Der 12 YO ist in seinem Erscheinungsbild beinahe identisch, die Schlieren sind nur minimal breiter.

Nase: eine vanillig, erdige Note mit Toffee und etwas Banane und Ananas im Hintergrund dominieren den JMLR 8 YO. Insgesamt bekommt man hier schon den Eindruck, dass der Rum noch sehr jung ist. Die Nase ist nicht so intensiv wie bei anderen Rums aus Hampden, so dass die alkoholische Schärfe hier noch gut wahrnehmbar ist. Dass wir es hier aber mit einem Rum aus Hampden zu tun haben, ist unbestreitbar. Er verleugnet seine Herkunft nicht! Nach einiger Zeit kommt die Frucht, die ja so charakteristisch für diese Rums ist, auch noch deutlicher heraus. Einzig auffällig ist ein eher geringerer Estergehalt, den ich hier vermute. Während Hampden Rums nicht selten auch Continental Flavoured sind, dürfte dieser hier eher ein Wedderburn sein.
Beim JMLR 12 YO fallen die vier Jahre längere Reife sofort auf. Während der 8 YO noch sehr frisch war, kommt hier die Lagerung im Eichenholzfass sehr schön heraus. So sehr, dass die Noten von tropischer Frucht schon sehr an den Rand gedrängt wird, zumindest für Hampden-Verhältnisse. Vanille nehme ich hier, wie schon beim 8 YO, sehr intensiv wahr. Toffee hingegen ist beim 12 YO fast verschwunden. Die tiefe Holznote gefällt mir hier sehr gut, so intensiv habe ich diese bei Hampden bisher sehr selten wahr genommen. 

Gaumen: mein Verdacht eines Wedderburn-Destillats bestätigt sich hier, der Rum erinnert nun sogar an Rums aus Long Pond. Wer einen Continental Flavoured Rum erwartet, der wird nun enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen anderen Stil bereit ist einzulassen, der erlebt hier keinen schlechten Rum. Die kurze Reifedauer wird dem JMLR 8 YO allerdings etwas zum Verhängnis, denn der Rum ist noch sehr rau und kratzig. Hier hilft eine geringe Verdünnung sehr, bei der auch die Fruchtigkeit in Form von gegrilltem Obst noch etwas aus dem Rum herausgekitzelt wird. Ansonsten zeigen sich hier eine leichte Bitternote, sowie nun auch etwas Holz. 
Auch der JMLR 12 YO bestätigt die Annahme eines Wedderburn Rums, sogar noch deutlicher als beim 8 YO. Hier habe ich am Gaumen gar eine kräftige Anis-Note, die mich völlig überrascht, hatte ich diese bisher doch für Charakteristika von Rums aus Port Mourant und Long Pond gehalten. Aber hier haben wir diese Note ebenfalls sehr deutlich, gepaart mit Noten von frischem Gras, Erde und abgeschlagenem Holz plus eine Spur Toffee und Röstaromen. In meinen Augen ein ganz und gar untypischer Gaumen für einen Hampden, ich vermisse die Frucht hier fast komplett. Der Rum ist überraschend trocken. 

Abgang: die leichte Bitternote am Ende bleibt hier präsent, allerdings kommt noch einmal etwas Toffee zurück. Klar, wir haben es hier mit einem Hampden Rum zu tun, dementsprechend lang ist auch der Abgang, aber den solchen habe ich bei Hampden schon deutlich länger und intensiver erlebt! Für einen Hampden Rum ist der Abgang daher schon eher kurz. 
Beim 12 YO bleibt vor allem die Anis-Note in Kombination mit dem frischen Holz, Lakritze und einer leichten Bitterkeit. Trocken. Sehr lang, deutlich länger als beim 8 YO! Gut!

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Fazit: Hampden mal anders! Bisher kannte ich aus Hampden nur Continental Flavoured Rums mit einem fulminant hohen Estergehalt. Dieser ist bei diesen beiden Rums, dadurch, dass ich hier zwei Wedderburn-Destillate vermute, etwas geringer, die Rums daher auch nicht ganz so mundfüllend. Allerdings möchte ich das nicht negativ verstanden wissen, die beiden Rums machen viel Spaß!
Beim 8 YO ergibt sich noch etwas das Problem der jugendlichen Kratzigkeit, zumindest unverdünnt. Dahinter allerdings wartet ein guter, aber nicht seht guter Rum. Der Preis geht für das Gebotene in Ordnung. 
Der 12 YO stellt dann endgültig alles auf den Kopf, was ich aus Hampden bisher kannte. Der JMLR 12 YO ist der bisher am wenigsten fruchtige Hampden, den ich bisher probiert habe. Kein Vergleich zu z.B. dem Berry's Own Selection Hampden 1990. Ein sehr leckerer Rum, der in meinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal hat, der aber trotz allem noch unverkennbar ein Hampden Rum ist. Für mich macht letzterer im direkten Vergleich auch definitiv das Rennen zwischen den beiden, denn auch unverdünnt lässt er sich angenehm trinken. Ein Rum, der mir wirklich sehr, sehr gut gefällt. Schön, dass Cadenhead nach langer Zeit endlich mal wieder einen Jamaicaner in Fassstärke herausgebracht hat. Bleibt zu hoffen, dass da in Zukunft noch mehr kommt, es lohnt sich. Danke!


Der Cadenhead Jamaica Hampden JMLR 12 YO im Mai Tai:

Ein Jamaica Rum aus Hampden? Na klar, der wird natürlich auch im Mai Tai getestet ;) ich bin gespannt darauf, wie er sich macht.

Ich mixte ihn nach folgender Rezeptur:

  • 6 cl Cadenhead's Cask Strength Jamaica Rum JMLR Hampden Estate 12 YO
  • 1,4 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
  • 0,80 cl Meneau Orgeat
  • 0,30 cl Zuckersirup
  • 3,5 cl Limettensaft


Mai Tai mit Cadenhead's Jamaica JMLR Hampden 2000
Farblich ist der Mai Tai etwas heller als man diesen Drink normalerweise erwartet, was am strohigen Rum und am verwendeten weißen Zuckersirup liegt. Geschmacklich drückt der Rum dem Drink seinen Stempel auf, ohne den ganzen Drink zu beherrschen, so wie ich es von einem kräftigen Jamaicaner erwarte. Toll! Ein herrlicher Rum im Vordergrund, umrahmt und wunderbar in Szene gesetzt von den derzeit besten, mir bekannten Zutaten für diesen Drink. Diese gleichen auch die etwas geringere Fruchtigkeit des Rums aus. Dem Drink schadet etwas Schmelzwasser nicht, ist aber von Beginn an perfekt trinkbar. So stelle ich mir einen schönen Mai Tai vor. Im Mund verbleibt ein leckerer, rummig-fruchtiger Nachgeschmack, der zu jeder Zeit an karibische Vorzüge zu Erinnern vermag.

Konnte mich der Rum schon pur überzeugen, so tut er dies auch im Mai Tai. Klare Kaufempfehlung!

Bis demnächst,
Flo

Freitag, 16. November 2012

Guyana, Port Mourant Still: Bristol Classic Rum 1988 & 1999

Sehr geehrte Leser,

Heute veröffentliche ich mein erstes Review überhaupt. Den Anfang machen zum einen der aktuelle Port Morant 1999, der in der letzten Zeit schon auf einigen Blogs erwähnt wurde, und zum anderen die alte Abfüllung, der Port Morant 1988. Beide stammen aus dem Hause Bristol Spirits, kommen aus Guyana und werden somit als Demerara Rums bezeichnet.
  
Demerara war zum einen einen holländische Kolonie in Guyana und zum anderen ist dies der Name eines Flusses welcher durch Guyana und deren Hauptstadt Georgetown fließt. Demerara ist in Bezug auf Rum immer eine Herkunftsbezeichnung und bedeutet, dass dieser Rum in Guyana destilliert wurde. In Guyana gibt es nur noch eine einzige Brennerei, die Demerara Distillers Limited, kurz DDL, welche allerdings viele Brennblasen von früher existierenden Brennereien aufgekauft haben. 
DDL ist bekannt für seine eigenen Abfüllungen: Die El Dorado Rums, welche, bis auf die in den USA erhältlichen Single Cask Abfüllungen, Blends von Rums aus den verschiedenen Brennblasen sind, welche in ihrem Besitzt sind. Eine davon ist die Brennblase der ehemaligen Port Mourant Distillery (gegründet im Jahre 1732), eine Double Wooden Pot Still, in der beide Rums destilliert wurden.
Die Deklaration vieler Demerara Rums, welche von unabhängigen Abfüllern angeboten werden, ist nicht ganz korrekt, denn Port Morant ist eigentlich eine Stadt in Jamaica. Es müsste Port Mourant heißen. Der einzige Abfüller der hier exakt ist, ist Velier.


Allgemeines zu den Rums:

Bristol Classic Rum Port Morant 1988
Der Port Morant 1988 reifte 12 Jahre in Großbritannien bevor er im Jahr 2000 abgefüllt wurde. Dieser Rum erfuhr kein weiteres Finish, wurde direkt vom Fass abgefüllt und auf 46% Trinkstärke verdünnt. Er wurde, anders als die aktuellen Bristols, in einer komplett schwarzen Flasche abgefüllt und bekam noch den Zusatz "Classic Rum" und auch Jahr des Abfüllens wurde auf dem Etikett vermerkt. Da er schon vor über einem Jahrzehnt abgefüllt wurde, ist dieser Rum praktisch nicht mehr verfügbar. Aktuell gibt es allerdings noch einen 30 Jahre alten Port Morant von Bristol aus dem Jahre 1980, welcher in Fassstärke abgefüllt wurde und ebenfalls kein Finish bekam, sowie einen 17 jährigen Port Morant aus 1990 mit einem Port-Finish. Darüber hinaus bieten aber auch noch andere unabhängige Abfüller, wie Velier, Port Morant Rums in ähnlichem Alter an.

Bristol Classic Rum Port Morant 1999 - Port Finish
Im Vergleich dazu reifte der aktuell sehr gut verfügbare Port Morant 1999 nach seiner Reifung in Eichenfässern noch weitere 2 Jahre in alten Portweinfässern bis zu seiner Abfüllung im Jahr 2010. Dieser kommt ebenfalls mit 46% Trinkstärke daher und kann aktuell für 43-50€ erstanden werden. Die Flaschenform wurde bei den aktuellen Bristols beibehalten, jedoch sind die Flaschen nun durchsichtig. Beide Rums sind daher vergleichbar lange gelagert, der eine mit, der andere ohne Finish. Im Folgenden wird Port Mourant mit PM abgekürzt. Ein paar Infos zum Abfüller Bristol Spirits Ltd. gab es bereits hier zu lesen.

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Verkostung der beiden Rums:

Preis: Der PM 1988 ist praktisch nicht mehr erhältlich und dürfte damals für etwa 35-45 Euro erhältlich gewesen sein. Den PM 1999 bekommt man derzeit problemlos für 43 - 50 Euro.

Alter: Der PM 1988 wurde 1988 destilliert und 12 jährig im Jahr 2000 abgefüllt. Der PM 1999 wurde 1999 destilliert und, nach 2 jährigem Finish in ehemaligen Portweinfässern, mit 11 Jahren Reife 2010 abgefüllt. Somit differiert die Gesamtreifezeit beider Rums um lediglich ein Jahr.

Alkoholstärke: beide Rums wurden auf 46% vol. Trinkstärke herunterverdünnt.

Destillationsverfahren: beide Rums wurden in der Double Wooden Pot Still von Port Mourant im Pot Still Verfahren destilliert.

Farbe: Während sich der 1988er PM sehr hell und strohgolden im Glas präsentiert hatte das Finish des 1999er PMs augenscheinlichen Einfluß. Dieser erscheint deutlich dunkler, beinahe bronzefarben, mit leicht rötlichen Reflexen.

Viskosität: Der PM 99 bildet zwar dicke, aber keine sehr weiten Bögen. Diese fallen beim PM 88 breiter aus und der Rum fließt etwas langsamer an der Glaswand herunter.

Nase: Der PM 88 startet in der Nase mit einem sehr eigenen und für diese Still zum Teil typischen Geruch. Für mich ist dieser am ehesten mit altem durchfeuchteten Holz gepaart mit Trockenfrüchten zu umschreiben, allerdings nicht im negativen Sinne. Diese erste Wahrnehmung habe ich bei vielen Rums aus dieser Still, jedoch habe ich diese noch nie so stark wahrgenommen wie bei dieser Abfüllung und sie ist vergleichbar, wenn auch wesentlich schwächer, im Pusser's Nelson's Blood zu finden, welcher ebenfalls in der Double Wooden Port Mourant Pot Still destilliert wird. Gefolgt wird dieser erste Eindruck von Anis und Kräutern, welche die typischste Note bei Rums, im Speziellen denen von unabhängigen Abfüllern, aus dieser Anlage ist. Nach einigen Minuten gesellt sich ein Hauch von Vanille hinzu.

Gänzlich anders präsentiert sich der PM 99 im ersten Moment. Hier kommt das zweijährige Finish wieder zum tragen. Hier dominiert zunächst die Traube/weinige Note des Portweins, dahinter kommen dann zu gleichen Teilen die typische Anisnote sowie Trockenfrüchte (ich meine insbesondere Feigen zu riechen) und das durchfeuchtete alte Holz, welches allerdings hier nicht die erste Geige spielt und deutlich dezenter ausfällt. Abschließend gesellt sich eine Note von Zartbitterschokolade hinzu, die das Geruchsbild abrundet.

Gaumen: Der PM 88 füllt sofort den gesamten Mundraum aus und der Rum legt sich mit seiner Öligkeit an die Zunge. Es setzt sich das fort was sich in der Nase angekündigt hat. Anis, weitere herbale Noten, Trockenfrüchte und dieses ganz spezielle Aroma welches direkt in die Nase stieg. Allerdings dominieren nun die Aromen in dieser anderen Reihenfolge und das durchfeuchtete Holz bildet zusammen mit einer zarten Bitterkeit, nach einer Weile an Bitterschokolade erinnernd, den Abschluß welches sich an den Gaumen setzt. Es ist anzumerken, dass in keinster Weise von einem verholzten Rum zu sprechen ist, sondern dieses Aroma vielmehr auf die hölzerne Potstill zurückzuführen sein mag, denn als auf die Fassreife.

Der PM 99 startet wie im Geruch mit einer weinigen Note, welche allerdings sofort um Trockenfrucht und Anis ergänzt wird. Zudem ist für mich fruchtige, reife Aprikose wahrzunehmen, welches in der Nase überhaupt nicht in der Fall war und auch beim PM 88 ausbleibt. Exakt dieses Erlebnis hatte ich allerdings auch bei einer Abfüllung von Velier, dem Port Mourant 1991, welcher in Fassstärke abgefüllt wurde. Zudem ist beim PM 99 die Bitterschokolade schon deutlich früher wahrnehmbar und deutlich ausgeprägter. Mein erster Gedanke bei diesem Rum, abgesehen vom Purgenuß, war: Continental Sour, allerdings mit diesem Rum statt mit Rye. Dieses wird es noch zu testen gelten.

Beide Rums sind auf der trockenen Seite einzuordnen, wobei der PM 99 durch das Portwein Finish eine etwas mehr Grundsüße mitbekommen hat.

Abgang: Beim PM 88 setzt sich zur feuchten Holz und Anis-Kräuternote eine zarte Bitternote und ausgeprägte Trockenheit am Gaumen und dem Mundinnenraum fest welche einige Minuten überdauert. Das Anis verschwindet hingegen nach und nach.

Der PM 99 präsentiert sich im Nachhall dagegen anders. Hier ist das feuchte Holz zwar nun ein wenig mehr zu spüren, allerdings wird alles von einer sehr wuchtigen, dominierenden (Zart)Bitterschokolade getragen. Auch hier stellt sich eine sehr starke Trockenheit ein und man könnte schon bereits nach eine Minute schwören man hätte gerade ein Stück Zartbitterschokolade mit 70-80% Kakaoanteil gegessen.

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Fazit: Der Bristol von 1988 stellt sich für mich als ein rundum gelungener Vorzeigerum, welcher alle für die Port Mourant Still charakteristischen Merkmale vereint, dar. Die Reifezeit war in jedem Fall ausreichend, um nicht zu sagen auf den Punkt, und ich persönlich bevorzuge bei Demerara Rums in aller Regel nicht allzu alte Rums.
Der Bristol Port Morant 1999 kommt in meinen Augen etwas gefälliger her, da die Aromen möglicherweise einfacher für den allgemeinen Geschmack zugänglich sind und das noch zuvor markante Aroma des 88ers hinter dem Portweinfinish und dessen Schokoladenaroma eingebunden wird. Ein Rum bei dem das Finish wirklich funktioniert und dessen Preis-Leistungs-Verhältnis mir als phänomenal erscheint, sofern er für unter 50€ bezogen werden kann. Zwar kann man nicht von einem typischen Vertreter für Rums aus der Port Mourant Still sprechen, aber wer auf Schokolade mit sehr hohem Kakaogehalt sowie Portwein/Wein und eher trockene Rums steht ist hier goldrichtig. Für mich könnte dieser Rum zu einem All-Time-Classic avancieren.
Abschließend würde ich, da ich gerade auch das Geschmacksbild des 1988er Bristols insbesondere mag, diesen keinesfalls in der Qualität hinter dem PM 99 ansiedeln. Hier entscheidet die jeweilige Situation, welcher Rum in welchem Moment den Vorzug erhält. Ich möchte für beide Rums eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Der 1999 war schon auf dem Rumfest sehr begehrt und könnte damit schnellen Absatz finden, und wer den 1988 noch findet sollte in meinen Augen zuschlagen, wenn sich der Preis in einem für angemessen gehaltenen Rahmen befindet.

Leo

Freitag, 9. November 2012

Jamaica, Long Pond Estate: Bristol Classic Rum 1985 vs. Silver Seal 1986

Werte Rum-Gemeinde,

heute kommt meine zweite pure Verkostung. Wieder heißt die Insel Jamaica, wieder gibt es feinen, gereiften Rum, aber heute geht es nach Long Pond, gelegen in der Provinz Trelawny im Nordwesten Jamaicas. Ich habe mich für zwei Vertreter aus einer von Long Pond's Pot Stills, entschieden: den Bristol Classic Rum 13 YO (1985 - 1998) mit 46% vol. und den Seal Long Pond 21 YO (1986 - 2007) mit 50% vol. Ein Vergleich bietet sich geradezu an! Neben den geographischen Gemeinsamkeiten sind beide Rums fast zur selben Zeit, 1985 und 1986 destilliert worden. Beide sind verdünnt abgefüllt worden, einer etwas höher, der andere etwas niedriger verdünnt und beide sind, soviel sei vorweggenommen, wirklich klasse und sich in ihrem Profil auch ähnlich! Einzig im Alter unterscheiden sie sich doch etwas.


Bristol Classic Rum Long Pond 13 YO
Abfüllungen aus Long Pond in diesem Alter und aus dieser Still sind schwer zu finden. Aktuell auf dem Markt ist der Bristol nicht mehr erhältlich, und auch den Silver Seal muss man schon lange suchen. Derzeit gibt es ihn noch bei Cognac Paradise in Deutschland und bei Old Whisky in Italien. In der Vergangenheit gab es noch andere Abfüllungen aus dieser Still in lange gereiftem Zustand, z.B. von Berry Bros. & Rudd. und aktuell gibt es sogar eine von Plantation Rum, nämlich den Single Cask 1986. Neben dieser Pot Still betreibt Long Pond auch noch mindestens die Vale Royal Still, eine Double Retort Pot Still aus der ehemaligen, gleichnamigen Destillerie, eine weitere Pot Still, aus der unter anderem die LPS Rums aus 1993 stammen dürften, sowie eine Column Still, aus der vor allem der unabhängige Abfüller Cadenhead immer wieder verschiedene Rums angeboten hat. Ich kann allerdings nicht gänzlich ausschließen, dass auch der heute verkostete Rum aus der Vale Royal Still stammt. Die zwei einzigen, sicher aus dieser Still stammenden Rums am Markt haben gewisse Ähnlichkeiten, sind aber noch sehr viel jünger, als diese 13 jährige Abfüllung. In einiger Zeit wird man dazu eventuell genaueres sagen können. Diese drei oder vier Stills unterscheiden sich deutlich voneinander. Zwei weisen eher Ähnlichkeiten mit Rums aus der Hampden Estate auf, die beiden anderen (die Column und eine der Pot Stills) sind sich einander etwas ähnlicher.
Die Destillerie Long Pond, das schien nun vllt. schon leicht durch, füllt nicht unter eigenem Namen ab, sondern verkauft seinen gesamten Rum an Firmen wie Captain Morgan, die diesen dann in ihren Blends verarbeiten und an unabhängige Abfüller, die den Rum unter ihrem Logo meist als Single Cask Abfüllungen verkaufen. Ein Beispiel dafür sind auch unsere beiden Rums heute, die jeweils an den italienischen Abfüller Silver Seal, bzw. an Bristol Spirits aus England verkauft wurden und von ihnen gelagert und später abgefüllt wurden.
Long Pond ist eine von nur wenigen jamaicanischen Destillerien, die auch heute noch Rum produzieren. Neben ihr sind m.W. nur noch Wray & Nephew (Appleton, Coruba), wieder Hampden (war kurzzeitig geschlossen), Monymusk, wieder Worthy Park (produziert ebenfalls erst seit 2005 wieder Rum) und New Yarmouth aktiv.


Kurz zu den beiden Abfüllern:

Silver Seal Long Pond 21 YO
Bristol Spirits Ltd. wurde im Jahr 1993 durch John Barrett gegründet und hat seinen Sitz in England. Bristol Spirits kauft sowohl länger gelagerte Qualitäten aus der Karibik, als auch jungen, ungelagerten Rum, der dann in den eigenen Kellern in England gereift wird.
Bristol verdünnt all seine Rums in der Regel auf 40, 43 oder 46% vol., bringt sehr selten aber auch Rums in Fassstärke auf den Markt. In seiner Rumauswahl ist Bristol sehr vielseitig. Es existieren Abfüllungen aus sehr vielen karibischen Inseln und Regionen, wobei der Schwerpunkt sicherlich auf Guyana, Jamaica und Trinidad liegt. In Deutschland sind die aktuellen Bristol Classic Rums sehr gut erhältlich. Bristol wechselte in der Vergangenheit des Öfteren das Etikett, weswegen die heute verkostete Abfüllung noch mit einem alten Label ausgestattet ist.

Silver Seal W.C. ist, soweit ich die Infos aus dem www richtig zusammengesetzt habe, ein italienischer Abfüller, der sowohl im Whisky- als auch im Rumgeschäft tätig ist. Allerdings lagert Silver Seal, wie so viele Abfüller, seine Tropfen in Schottland, weswegen auf der Flasche des Rums auch Glasgow als Ort des Abfüllens genannt wird. Als einer der wenigen hat Silver Seal den Mut, Rum auch mal mit mehr Volumenprozenten als den üblichen 46% vol. abzufüllen. Häufig sind es 50% vol., so auch bei unserem heutigen Rum, 55% vol. oder gar Fassstärken, mit denen der Rum in die Flaschen kommt. Respekt dafür! Bei seinen Rumabfüllungen konzentriert sich Silver Seal hauptsächlich auf Guyana, Jamaica, Barbados, Guadeloupe und Trinidad. Leider sind die Rums dieses Abfüllers in Deutschland nur schwer erhältlich und wenn, dann häufig nur zu sehr hohen oder gar zu hohen Preisen.

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Nun zu den beiden Rums:

Preis: der Bristol ist meines Wissens nach nicht mehr erhältlich. Zuvor kostete er zwischen 30 und 40 Euro. Den Silver Seal bekommt man bei Old Whisky für ca. 70 Euro, allerdings kommt da noch ein deutlicher Versandzuschlag drauf. Eine Sammelbestellung empfiehlt sich hier, dann geht es.

Alter: der Bristol wurde 1985 destilliert, der Silver Seal ein Jahr später, 1986. Der Bristol reifte bis ins Jahr 1998 13 Jahre lang und ist, rein vom Alter her gesehen, noch verhältnismäßig jung. Der Silver Seal reifte 21 Jahre lang und wurde 2007 abgefüllt.

Alkoholstärke: der Bristol kommt mit 46% vol. daher, der Silver Seal hat leicht stärkere 50% vol.

Destillationsverfahren: beide Rums wurden in einer Pot Still von Long Pond destilliert. Zwar macht der Silver Seal auf seiner Flasche keine Angabe dazu, jedoch sind die Verwandtschaften zu Rums, welche diese Angaben machen sehr deutlich, nicht zuletzt zum heutigen Tasting-Partner von Bristol, weswegen man hier davon ausgehen kann, dass es sich um die selbe Still handelt.

Farbe: der Bristol präsentiert sich im Glas strohig golden, wie ein heller Bernstein. Der Silver Seal ist etwas dunkler, leuchtend golden.

Viskosität: enge, schlanke Schlieren beim Bristol. Beim Silver Seal sieht es sehr ähnlich aus, allerdings sind dessen Schlieren etwas satter und weiter. Die Glaswand ist dicht benetzt.

Nase: Beim Bristol rieche ich zunächst sehr intensive Nuss und eine Spur Mandel, ein wirklich voller Geruch, der die Nase gänzlich erfüllt. Ich erwarte anfangs sogar mehr als die 46% vol. Der Rum hat leicht grasige Noten und offenbart bald kandierte Ananas und Banane. Die Frucht und das vegetale bilden hier einen schönen Kontrast. Nach einiger Zeit wird der Rum trockener in der Nase.

Der Silver Seal riecht ähnlich wie der Bristol, die Verwandtschaft ist sofort offensichtlich! Fand ich beim Bristol noch, dass ich blind auch auf einen Rum mit mehr Volumenprozenten tippen hätte können, so fallen  hier die 4% vol. mehr doch schon sehr deutlich auf. Der Rum macht in der Nase einen reiferen Eindruck, dieser Rum lag definitiv länger im Fass. Die Nase wird erfüllt von einem geballten Aromenpaket, welches Nuss, Vanille, etwas leicht grasiges und auch etwas süße Frucht enthält, aber klar trockener als sein Gegenüber ist. Die Nase nimmt nach einigen Minuten auch noch an Intensität zu, das gefällt mir wirklich gut.

Gaumen: Lecker! Wieder habe ich die sehr intensive Nuss beim Bristol, am Gaumen stehen nasses Gras, Trockenfrucht und Anis im Vordergrund, die zusammen eine schönen Eindruck hinterlassen. Der Rum ist zudem etwas cremig, ölig und schön mundfüllend, hervorragend! Reife und jugendliche Frische, sowie Fruchtigkeit und Trockenheit sind toll ausballanciert, der Rum scheint mir auf den Punkt gelungen.

Der Silver Seal kommt wuchtiger daher, die 50% vol. machen sich klar bemerkbar. Dadurch wirkt der ganze Rum sofort etwas präsenter, etwas intensiver, Die Nuss, die den Bristol dominiert hat, ist hier auch, jedoch wesentlich weniger präsent, zu Gunsten anderer Eindrücke. Dieser Rum ist deutlich facettenreicher und komplexer als der Bristol und mit einer viel deutlicheren Anis-Note zum Ende hin. Erinnerungen an einen Demerara oder einen Agricole kommen auf, da steckt wirklich sehr viel drin. Der Rum ist zudem trockener als der Bristol.

Abgang: hier kommt der Bristol zunächst cremig, dann aber relativ trocken daher. Die Anis-Note, die ich am Gaumen schon zum Ende hin hatte, setzt sich hier fort und prägt den Abgang mit und erinnert etwas an einen Rum aus der Port Mourant Still in Guyana. Wieder habe ich frisch geschlagenes Holz, großartiger Abgang, der lange anhält.

Der Abgang beim Silver Seal ist deutlich trockener und gepaart mit schönem Holz. Nach einigen Minuten ist der Rum noch voll da, erst nach ca. einer Stunde ist der Rum weg. Klasse!

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Fazit: zwei hervorragende, außergewöhnliche Rums! Unter die Freude über den großartigen Bristol Classic Rum Long Pond 13 YO mischt sich auch der Wermutstropfen, dass dieser Rum absolut ausverkauft ist. Ich bin daher wirklich glücklich, dass ich diesen Rum verkosten durfte und vor einiger Zeit eine Flasche ergattern konnte. Dieser Rum ist jung, wild, intensiv und doch auch sehr reif! Große Klasse! Ich empfand den Rum beim zweiten Tasting zwar nicht mehr alles überragend wie beim ersten Mal, aber das lag sicher auch daran, dass ich beim zweiten mal dann schon erwartet hatte, umgehauen zu werden. Nichts desto trotz für mich einer der drei besten Rums, die ich je aus Long Pond probiert habe.
In genau diese Kategorie ordnet sich auch der Silver Seal Long Pond 21 YO ein. Ein sehr erwachsener, reifer Rum, der unglaublich viel vom Fass mitbekommen hat, ohne von diesem erschlagen worden zu sein. Das ist selten und daher wirklich Extra Klasse! Ich kann bei diesem Rum im Grunde keine Schwäche erkennen und daher gehört auch dieser Rum zu meinen Top 3 aus Long Pond und auch zu meinen Favoriten insgesamt.
Unter'm Strich wissen beide Rums voll auf zu überzeugen. Einen Sieger dieses Vergleichs kann und möchte ich nicht bestimmen, denn einen Verlierer gibt es heute definitiv nicht. Sie sind sich sehr ähnlich in ihrem Charakter und unterscheiden sich doch soweit voneinander, dass ich um nichts einen der beiden in meinem Regal missen möchte.

Das war nun mein zweites Review und hoffe, es hat gefallen.

Bis demnächst,
Flo

Freitag, 26. Oktober 2012

Jamaica, Monymusk Distillery: A.D. Rattray 1986 vs. Bristol Classic Rum 1976

Liebe Rum Freunde,

heute bespreche und vergleiche ich zwei Rums der Destillerie Monymusk auf Jamaica: zum einen den Bristol Classic Rum 25 YO von 1976 und zum anderen den A.D. Rattray Cask Collection 25 YO von 1986. Beide Rums haben also das gleiche Alter, wurden aber in einem Abstand von zehn Jahren destilliert und von zwei verschiedenen Abfüllern abgefüllt. Beide Rums wurden auf 46% vol. herunter verdünnt.

Vorwiegend geht es mir heute um die Rattray-Abfüllung, da diese derzeit noch gut im Handel erhältlich, beim Importeur aber bereits vergriffen ist (Wer nach dem Lesen dieses Reviews also interessiert ist, sollte sich nicht zu lange Zeit lassen). Diese werde ich mit der bekannten Bristol-Abfüllung vergleichen, die heute jedoch äußerst schwer zu bekommen ist und im Grunde als absolut ausverkauft gilt. Die Abfüllungen von Bristol Spirits waren, neben einer Abfüllung von Berry Bros. & Rudd, bis zum Erscheinen vom Rattray die einzigen aus Monymusk in dem hohen Alter, die mir bekannt sind. Daher muss sich der Rattray natürlich auch ein Stück weit an dem messen lassen, was Bristol vorgelegt hat.

A.D. Rattray Monymusk 25 YO (1986 - 2011), 46% vol.
Zum Rattray: die Abfüllung wurde am 08.06.1986 auf Jamaica in der Monymusk Distillery destilliert und reifte anschließend 25 Jahre lang bis zum 28.09.2011 bei A.D. Rattray in Schottland. Dieser Abfüller ist, genau wie die meisten anderen Rum-Abfüller, vor allem auch im Whisky-Segment tätig und dort überaus erfolgreich. Seit kurzem füllt Rattray nun auch Rum ab und die heute besprochene Abfüllung ist der insgesamt erst vierte Streich. Seine drei Vorgänger waren eine Port Mourant Abfüllung aus Guyana, ein Caroni aus Trinidad und ein Pampero aus Venezuela. Inzwischen gibt es mit einem weiteren Caroni auch einen fünften Rum aus der Serie. Sehr vorbildlich bei Rattray finde ich die sehr genauen Angaben auf der Flasche. So weiß man z.B. auch, dass es von dieser Abfüllung, die ca. 65 Euro kostet, genau 295 Flaschen gibt. Sie ist also extrem limitiert.


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Kommen wir nun zu den beiden Rums:


Preis: der Bristol hat umgerechnet 126 Euro auf 0,7 Liter gekostet (9 Euro/ 5 cl), verglichen mit heutigen Bristols in dem Alter wird die 0,7 Liter Flasche nicht viel weniger gekostet haben. Der Rattray ist deutlich günstiger, kostet "nur" rund 65 Euro für die 0,7 Liter Flasche, also gerade mal die Hälfte.

Alter: beide Rums sind 25 Jahre alt. Der Bristol ist von 1976 und der Rattray von 1986.

Alkoholstärke: sie beträgt bei beiden Jamaicanern 46% vol. Diese empfand ich auch bei beiden Rums als optimal, mehr oder weniger hätten es nicht sein müssen.

Destillationsverfahren: der Bristol ist laut Etikett ein Single Pot Still Rum. Rattray macht auf dem Etikett keine Angaben dazu, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass auch dieser Rum in einer Pot Still destilliert wurde, da er sich vom Bristol nicht unterscheidet wie Tag und Nacht und auch zu anderen Pot Still-Monymusks einige Ähnlichkeiten aufweist. Beim Rattray kann die Frage nach dem Destillationsverfahren also leider nicht hinreichend beantwortet werden.

Farbe: farblich unterscheiden sich die beiden Rums nicht, sie sind beide strohig, golden. Da weder Bristol noch Rattray ihre Rums färben oder filtrieren ist dies auch die jeweilige natürliche Farbe nach der Reifung.

Viskosität: ein dünner Film bildet sich beim Bristol an der Glaswand, sehr feine Schlieren laufen an ihr in etwas größerem Abstand herunter. Der Rattray wirkt dagegen etwas satter, der Film wirkt dicker, die Schlieren verkaufen noch etwas breiter. Hier merkt man beiden ihre lange Reifezeit bereits an.

Nase: in der Nase erinnert mich der Bristol zunächst sofort an einen Long Pond, er erscheint überaus nussig und hat dazu etwas vegetales. In den ersten Minuten im Glas hat er dezent im Hintergrund noch eine leicht alkoholische Note, die mich an Nagellackentferner denken lässt. Dieser Eindruck verfliegt allerdings nach etwa einer Viertelstunde. Dann gesellt sich eine ganz zart rauchige Note mit dazu und auch die für Jamaica so typische Banane meine ich ganz ganz entfernt zu erkennen. In diese Richtung geht die Nase aber ansonsten überhaupt nicht.
Anders der Rattray: dieser erscheint im Vergleich viel jugendlicher, fruchtiger und forscher und ist sofort als Jamaica Rum zu erkennen, erstaunlich für dieses Alter! Das heißt aber nicht, dass dieser Rum nichts mit dem Bristol gemein hat. Auch beim Rattray rieche ich Nuss und vor allem vegetales heraus, die mich hier konkret an den Berry's Own Selection Jamaica 1986 aus Long Pond denken lassen. Ich habe diesen dann auch einmal daneben gestellt und in der Tat sind die Nasen sehr ähnlich. Dazu habe ich etwas Anis in der Nase. Aber auch junge Monymusk Rums, z.B. die Abfüllungen von Ferrand (Plantation Jamaica 2000) oder Murray McDavid (Renegade Jamaica 2003 5 YO) erkenne ich hier ganz entfernt noch wieder. Etwas überrascht hat mich der doch sehr präsente Rauch. Hier vermute ich eine Lagerung in einem Ex-Single Malt Cask. Insgesamt können beide Rums überzeugen, der Bristol ist aber deutlich komplexer.

Gaumen: der Bristol kommt sehr komplex daher, hat hier wieder etwas nussiges und ist vor allem sehr, sehr trocken. Das Holz macht sich deutlich bemerkbar, ist aber keinesfalls zu dominant, ist schön eingebunden. Ich empfinde ihn als eher wenig ölig. Nach Hinten hin erkenne ich eine leichte Kokosnote, die sich mit Maraschino mischt. Letzteren erkannte ich auf Anhieb nicht, wusste aber, dass ich diesen Eindruck schon einmal geschmeckt habe. Ich schaute daher im Broom nach und erhoffte hier des Rätsels Lösung zu finden und in der Tat, es war der Maraschino. Ein für mich wirklich unangenehmer Geschmack, der für mich dann auch eine Bitterkeit mit in den Rum bringt. Wirklich klasse, ohne Zweifel, aber hier trifft der Rum meinen Geschmack nicht.
Der Rattray bestätigt am Gaumen seine Jugendlichkeit, für sein Alter hat der wirklich wenig Holz abbekommen. Er erscheint mir etwas öliger als der Bristol, aber auch nicht viel mehr. Das Nussaroma zieht sich heute durch die gesamte Verkostung, paart sich hier mit fruchtigen Aromen von Banane. Im Hintergrund grasige Noten, auch hier kann ich eine Erinnerung an Long Pond nicht leugnen. Insgesamt ist dieser Rum weniger trocken, aber auch weniger komplex als der Bristol Classic Rum.

Abgang: ein sehr langer und sehr trockener, knochentrockener Abgang beim Bristol. Lang ist auch der Abgang vom Rattray, allerdings weniger trocken als beim Bristol. Und wieder die Nuss... ;)

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Bristol Classic Rum Monymusk 25 YO
(1976 - 2002), 46% vol.
Fazit: zwei herausragende alte Jamaicaner! Der eine, der Bristol, reifer als der jugendlichere Rattray, bei dem das Holz wirklich nicht dominiert. Der hätte vermutlich auch 30 Jahre im Fass bleiben können. Beide Rums benötigen sehr viel Zeit im Glas, bis sie wirklich alle Facetten gezeigt haben, insbesondere für den Bristol gilt das. Eine Stunde ist hier das Minimum! Zu genießen sind die beiden natürlich pur, ich würde die Rums höchstens in einem Old Fashioned riskieren. Der Bristol ist der deutlich anspruchsvollere der beiden, jedoch trifft er meinen persönlichen Geschmack nicht punktgenau, weswegen mir der Rattray etwas besser gefiel. Aber ich muss gestehen: der letzte Funke, das gewisse Extra, der Kick, der fehlte mir wiederum bei dem. Eben das was der Bristol hat, wenn er den eigenen Geschmack voll trifft (wer mit Maraschino kein Problem hat, der wäre hier sicher mehr als begeistert!). Preislich ist der Rattray für sein Alter sehr günstig, 65 Euro für einen 25 jährigen Einzelfass-Jamaicaner habe ich glaube ich bisher nicht gesehen. Zum Vergleich: der Bristol kostete ca. 120-130 Euro, ein Cadenhead Green Label in dem Alter ca. 120, ein Berry Bros. & Rudd auch weit jenseits der 100... insofern ist der Preis hier schon sehr fair und für den Rum auch gerechtfertigt.
Wer die Bristol Monymusk Serie mochte und hier nun auf ähnliches hofft, der wird evtl. enttäuscht sein, dazu unterscheiden sich die beiden Rums zu sehr. Die beiden Rums können aber, trotz ihrer Unterschiede, auch ihre gemeinsame Abstammung nicht leugnen. Das sollte berücksichtigt werden.

Das war's für heute, in Kürze wird euch von Marco etwas aus Barbados erwarten.

Bis demnächst,
Flo

Montag, 22. Oktober 2012

Herzlich Willkommen...

... auf Barrel Aged Thoughts!
Ich freue mich, dass es nun endlich hier losgeht! Einige haben mein Schaffen vielleicht schon während des letzten Jahres auf "Mai tai roa ae!" verfolgt, viele neue, interessierte Leser kommen jetzt hoffentlich noch dazu. "Barrel Aged Thoughts" heißt unser neues Projekt. Gelagerte Destillate, insbesondere natürlich Rum, werden das Thema sein. Zu meinem großen Glück blogge ich aber zukünftig nicht mehr alleine, so dass ich die Ehre habe heute mitteilen zu können, dass mich Leo alias Lesist und Marco alias Nekkandor aus dem Cocktails & Dreams Forum zukünftig hier begleiten werden. Vielen Dank dafür schon jetzt an dieser Stelle!

Ich möchte mich zunächst einmal kurz vorstellen: ich bin Flo, 24 Jahre jung, und komme aus dem Großraum Norddeutschland. Zum Rum kam ich über den Umweg der Drinks. Ich begann im Frühjahr 2010 damit mir privat Cocktails zu mixen und stieß wenig später auch auf das Cocktails & Dreams Forum, in dem ich meinen Horizont maßgeblich erweitern konnte.


Schnell stellte ich fest, dass es mir Drinks mit Rum am meisten angetan hatten und so dauerte es nicht lang, bis ich auch meine ersten Pur-Erfahrungen mit Rum machte. Nachdem ich zunächst noch gefälligere Rums favorisierte, lernte ich nach einiger Zeit auch die Rums aus den Destillerien Jamaicas kennen und hatte hier meine Rum-Liebe gefunden! Dementsprechend wird bei mir vor allem mit Beiträgen zu den Rums aus Jamaica zu rechnen sein, insbesondere zu etwas weniger bekannten oder auch seltenen Abfüllungen. Daneben bin ich allerdings auch ein großer Fan des Mai Tai Cocktails und seiner Geschichte, was ich hier ebenfalls immer mal wieder thematisieren werde.

Ich freue mich drauf!

Zu meinen Lieblingsrums gehören derzeit u.a.:

- A.D. Rattray Jamaica Rum from Monymusk 25 YO (1986 - 2011), 46% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica from Monymusk 23 YO (1977 - 2000), 46% vol.
- Cadenhead Cask Strength Jamaica HLCF from Hampden 13 YO (1992 - 2006), 66,2% vol
- Rum Albrecht LPS Single Rum Long Pond 17 YO (1993 - 2011), 53% vol.
- Silver Seal Jamaica Rum Long Pond 21 YO (1986 - 2007), 50% vol.

Bis dahin,
Flo

Freitag, 12. Oktober 2012

Countdown

Werte Rumfreude,

falls ihr bereits jetzt auf diese Seite gestoßen seid: nur noch wenige Tage, dann geht es hier los auf Barrel Aged Thoughts! Endlich! Wir freuen uns schon wahnsinnig drauf und nehmen nur noch letzte Schliffe vor.

Bis demnächst,
Flo