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Sonntag, 2. Dezember 2018

More extinct Long Ponds

Liebe Rum Gemeinde,

ja, es geht tatsächlich immer noch weiter mit den alten Notes. Gerade zu Long Pond habe ich damals unheimlich viel probiert, das meiste aber nur im Mai Tai vorgestellt. Und so kommen heute dementsprechend noch weitere fünf Long Pond Rums von damals pur verkostet. Einziges Problem bei einigen der Flaschen war nur, dass ich seinerzeit nicht immer Fotos gemacht habe. Dadurch muss ich zum Teil auf Bilder von Rum Regalen von damals zurückgreifen, auf neuere Bilder oder, wie letzte Woche, auch auf Bilder anderer. Einen herzlichen Dank noch einmal an Sascha! So allerdings erklärt es sich, dass an dieser Stelle nicht jedes Label in der gleichen Weise hoch aufgelöst abgebildet werden kann. Dies bitte ich zu entschuldigen! Und damit auch schon direkt zu den Rums! 




Die verkosteten Jamaicaner:

- TWA & The Nectar Jamaica Rum 35 YO Long Pond 1977 - 52,9% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Berry's Own Selection Jamaica Rum 18 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Plantation Jamaica 8 YO (wax sealed) - 45% vol.

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TWA & The Nectar Jamaica Rum 35 YO Long Pond 1977 - 52,9% vol.

Nase: mich begrüßt eine schöne, sehr kräftige und eindeutige Long Pond-Nase. Die lange Reife merkt man ihm positiv an, wenn gleich ich schon fast meine, dass er sich, gemessen an seinem Alter, erstaunlich jung gehalten hat. Ich habe eine schöne Liaison aus Nuss und fruchtiger Frische, kombiniert mit verschiedenen Einflüssen vom Fass.

Gaumen: der Long Pond erscheint sehr vollmundig und körperreich am Gaumen und hat grundsätzlich alles, was ein lange gereifter Long Pond aus 1977 haben sollte, allerdings ist er nicht unbedingt der komplexeste alte Long Pond.  Ich habe Ananas, Bananen, Nuss, vegetale Töne, ich habe Anis und ich habe auch Geäst. Der erhöhte Alkoholgehalt tut ihm gut.

Abgang: lang und wie man es von einem alten Long Pond mit um die 55% vol. erwarten darf! Hervorragend!


Fazit: ein wirklich sehr guter Rum aus Long Pond, der zu den besten, allerdings nicht zu den allerbesten Rums der Destillerie gezählt werden darf. Was mir höchstens ein wenig fehlt ist Komplexität, dahingehend, dass ich nach wiederholten Verkostungen wenig neues gefunden habe. Der ursprüngliche Ausgabepreis lag bei ca. 160,- Euro und das ist er auch aus heutiger Sicht absolut wert. Der Preis auf dem Secondary Market liegt heute freilich ungleich höher. Ich denke, dass man mit 300,- bis 400,- Euro ca. rechnen müsste, wollte man ihn heute kaufen. Ob er das wert ist? Das sind Bereiche, in denen das irgendwann jeder mit sich selbst ausmachen muss, allerdings hat der Rum definitiv die Qualität, um dass ich hier auch zu einem Ja tendieren könnte.



Cadenhead Green Label Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: mich begrüßt eine sehr grasige, vegetale, eher zurückhaltende Nase. Ein Hauch von Nuss im Hintergrund. Die Verwandtschaft zum IRW in Fassstärke ist offenkundig, aber die Verdünnung nimmt ihm leider einiges an Power.

Gaumen: auch hier kann er weder seine Verwandtschaft zum IRW, noch seine Verdünnung leugnen. Letztere hält sich allerdings in einem akzeptablen Rahmen, so dass dieser Rum im Grunde eine entspanntere Version vom IRW ist, bei der das Fass noch nicht ganz so, der Brennereicharakter dafür etwas stärker durchkommt.

Abgang: leichte Nuss-Note, trocken und eher langer Nachklang.


Fazit: ein Rum, dessen Ausgabepreis vorbildlich in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis war! Ca. 40,- Euro hat der Rum damals gekostet und dafür konnte man hier nichts falsch machen. Heute würde ich wohl auch bis zu 100,- Euro für ihn legen. Leider, und das ist bei der Cadenhead Green Label Serie das große Manko, sind die verschiedenen Abfüllungen ab dem Jahr 2000 ca. nicht mehr ungeöffnet im Jahrgang bestimmbar. Bis  ins Jahr 2000 ca. war das Abfülldatum auf die Flasche gedruckt (ganz klein, am Flaschenboden), so dass man das Jahr der Destillation auf +/- ein Jahr errechnen konnte, aber das ist eben seit fast zwei Jahrzehnten schon nicht mehr möglich. Eine Flasche Cadenhead Green Label Jamaica 15 YO könnte dementsprechend auch ein CRV aus 1987 sein, den ich wiederum gar nicht empfehlen kann. Dadurch hatte ich damals zweimal den Green Label 15. Einmal den IRW und einmal den CRV. Leider wusste ich das aber erst nach dem öffnen, weshalb ich nie wieder den Versuch unternommen habe, eine Abfüllung zu erwerben.



Bristol Classic Rum Jamaica 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: deutliche Long Pond-Nase, mit grasigen und nussigen Anklängen, allerdings tritt das Oloroso-Finish durchaus wahrnehmbar heraus und macht den Rum dadurch zu etwas sehr eigenem. Gefällt mir!

Gaumen: auch hier funktioniert das Finish aus meiner Sicht gut. Es tritt deutlich zu Tage, zerstört aber die Grundcharakteristik des Rums in meinen Augen nicht. Der Rum ist am Gaumen immer noch klar Long Pond und hat eine für 46% vol. wirklich erstaunliche Viskosität. Das fällt mir bei Finishes aber häufiger auf.

Abgang: lang und typisch Long Pond. Anis, grasige Anklänge, trocken. Das Finish ist erneut wahrzunehmen.


Fazit: ein gelungener Rum, den Bristol damals ab 2002 am Start hatte. Leider war er schon um 2011 herum fast nirgends mehr online zu finden und ich sehe ihn bis heute sogar noch seltener als die 13 YO Abfüllung aus dem 85er Long Pond Batch, obwohl diese nochmal vier Jahre eher, also im Jahr 1998, abgefüllt wurde. Ich würde für diesen heute durchaus noch 100,- bis 150,- Euro ausgeben und den Rum auch öffnen, allerdings dürfte es zu diesen Konditionen schwierig werden, das Vorhaben auch zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen.



Berry's Own Selection Jamaica Rum 18 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: ein sehr ähnlicher Eindruck, wie beim 16 jährigen Bruder von letzter Woche. Auch hier habe ich ein wahnsinnig volles, geöffnetes Aroma mit sehr viel Nuss, vegetalem, grasigem, gegrillter Ananas. Deutliche Fassreife. Der Alkohol ist ebenfalls gut eingebunden. Der Gesamteindruck fällt hier aber noch etwas intensiver und reifer aus.

Gaumen: Klasse! Der Rum ist noch etwas weicher und auch ihm schadet die Verdünnung nahezu überhaupt nicht. Mit Nuss, Banane, gegrillter Ananas, grasigen Noten und Gewürzeinschlägen wie die von Vanille oder Anis hat er alles was ein Long Pond aus 1986 haben muss. Der Fasseinfluss ist deutlich.

Abgang: Viel Anis, grasige und nussige Anflüge. Trocken, lang, hervorragend! 


Fazit: wie schon sein jüngerer Bruder, so überzeugt auch diese noch zwei Jahre ältere Version von Berry Bros. & Rudd komplett. Er ist allerdings noch ein wenig reifer, noch eine ganze Ecke besser dadurch, wie ich finde. Ich weiß nicht, was man für diese Abfüllung inzwischen zahlen müsste, aber gemessen an der aktuellen Marktlage (auch wenn ich das nicht erfreulich finde) muss man mit 150,- bis 200,- Euro sicher rechnen. Ob ich eine Flasche heute aufmachen würde? Wenn ich sie noch aus der Zeit von damals im Keller stehen hätte, mit Sicherheit! Würde ich sie heute noch kaufen? An einem guten Tag sicherlich und dann würde ich ihn wohl auch aufmachen! Super Stoff! Auf der Cologne Spirits hatte ich ihn nach langer Zeit mal wieder im Glas und war damals wie heute begeistert!



Plantation Jamaica 8 YO (wax sealed) - 45% vol.

Nase: stark und kräftig und zudem sehr Long Pond stiltypisch! Ich bin durchaus erstaunt, denn für einen Planatation hat er wirklich kaum äußere Einflüsse, etwa durch eine Cognac-Nachreifung oder Dosage. Allerdings stelle ich mir die Frage, ob der nicht vielleicht sogar tropisch gereift ist, denn für 8 Jahre kommt er mir schon sehr reif vor.

Gaumen: der Gaumen bestätigt den Eindruck aus der Nase. Der Rum ist angenehm cremig für die 45% vol. die er hat und er kommt überaus kraftvoll und intensiv daher. Ich habe sogar kurzzeitig Erinnerungen an Hampden. Der weiß zu überraschen! Ganz anderer Rum als spätere Plantation, z.B. aus 2000. Lecker!

Abgang: lang und fruchtig, dann trocken werdend.


Fazit: ich erinnere mich heute noch sehr genau daran, wie große Augen ich gemacht habe, als ich die Flasche damals geöffnet und den Rum verkostet habe. Das war noch gänzlich anderer Stoff als das, was danach aus Jamaica so zur Abfüllung kam. Über den Jahrgang könnte ich nur rätseln, aber wenn ich raten müsste, dann würde ich auf 1986 oder 1993 spätestens tippen. Im Vergleich zu einigen Tropfen heute sicher nicht der Über-Rum schlechthin, aber für damalige Verhältnisse und für einen Plantation war das schon sehr anständig und durchaus bemerkenswert. Heute würde ich die Flasche, wenn ich sie günstig bekäme, wohl auch immer noch öffnen, aber größere Summen würde ich, trotz meiner Begeisterung, nicht dafür ausgeben, denn wie gesagt, diese Begeisterung muss man da auch im Verhältnis und im Kontext ihrer Zeit sehen. 

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Gesamt-Fazit:

heute hatte ich wirklich ausschließlich Gewinner am Start! Jeder der Rums ist es, oft auch zu Sammler-Kursen, wert geöffnet zu werden (wenn auch mit der oben erläuterten Einschränkung beim Green Label 15 YO)! Müsste ich dennoch einen einzelnen Gewinner nennen, so wäre es wohl unzweifelhaft der TWA for The Nectar aus 1977, aber da ist dann die Konkurrenz-Situation auch nicht ganz fair. Keiner der anderen Rums wurde vergleichbar lange gelagert oder in Fassstärke abgefüllt, das ist bei ihm also natürlich ein großes Plus! Dahinter würde ich dann den Berry Bros. & Rudd sehen, gefolgt vom Bristol, vom Cadenhead und vom Plantation.
Die Frage, inwieweit sich die Situation am Markt um Long Pond früher im Vergleich zu heute gewandelt hat habe ich letzte Woche bereits beantwortet: ganz eindeutig kamen Freunde von Long Pond vor einigen Jahren noch zu sehr viel humaneren Preisen an zum Teil sehr viel schönere Abfüllungen der Destillerie heran. Heute gibt es nahezu nur noch den Jahrgang 2000, der zwar auch hohe Qualität hat, allerdings mit den alten Jahrgängen nicht wirklich zu vergleichen ist. Dazu kommen nun noch die Rums von Velier und Plantation, die aber mehrheitlich auch in eine andere Richtung gehen. Insofern kann man bei den alten Long Ponds, zumindest kurz- und mittelfristig, leider schon von einem verloren Stil sprechen. Und ich rate nochmals jedem der da noch so gar nichts kennt, zumindest mal irgendwann eine Chance wahrzunehmen und zu probieren. Es lohnt sich!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 25. November 2018

Some extinct Long Ponds

Liebe Rum Gemeinde,

das Aufräumen meines Archivs geht weiter! In meinen Verkostungs-Notizbüchern haben sich jede Menge Notes angefunden und nach einigen lange gereiften, dunklen Jamaicanern und diversen Hampden Abfüllungen geht es heute mit Long Pond weiter. Und wenn ich über Long Pond rede, dann gerade ich nahezu jedes Mal und zwangsläufig ins Schwärmen. Und wenn ich von Long Pond spreche, dann denke ich fast jedes Mal ganz unausweichlich an die ganzen alten, grandiosen Bottlings der unabhängigen Abfüller aus der Zeit, bevor der große Rum-Boom einsetzte. Das sind Rums, die bei Leuten wie mir, die schon damals dabei waren, unvergessen sind und bei Leuten, die erst in den letzten Jahren dazu gekommen sind, oft nahezu unbekannt sind. Long Pond aus 1986, 1982, 1977 u.a. ist inzwischen zu fast so etwas wie einem Mythos geworden. Und diesen Mythos möchte ich heute etwas stärker beleuchten und schaue mir mit euch gemeinsam einmal an, was eigentlich dahinter steckt. War da wirklich jeder Schuss ein Treffer?
Meine Notes stammen auch heute wieder aus 2011/2012 ca., als die Rums alle noch mehr oder weniger gut verfügbar waren und die dementsprechend noch vollkommen frei vom Mythos entstanden. Und gerade das finde ich, aus heutiger Sicht, besonders spannend. Im Fazit werde ich mich dann deutlich dazu äußern, wie ich den Rums im Jahr 2018 aus der Sicht eines Connaisseurs gegenüber stehe. Viel Spaß dabei!




Die verkosteten Jamaicaner:

- Berry's Own Selection Jamaican Rum 27 YO Long Pond 1977 - 46% vol.
- Bristol Director's Choice Jamaica Rum 22 YO Four Distilleries 1982 - 43% vol.
- Rum Nation Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 45% vol.
- Berry's Own Selection Jamaica Rum 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Cadenhead's Cask Strength IRW 18 YO Long Pond 1986 - 68,3% vol.

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Berry's Own Selection Jamaican Rum 27 YO Long Pond 1977 - 46% vol.

Source: S.J.; Cocktails Old Fashioned
Nase: sehr voll und reichhaltig und vor allem unglaublich warm! In einer Weise, die ich nicht erklären kann, hat der Rum für mich etwas weihnachtliches. Gefällt außerordentlich gut!

Gaumen: der Gaumen erdet diesen Rum wieder so ein wenig und ordnet ihn als stiltypischen 1977er Long Pond ein, was bedeutet, dass es sich um einen hervorragenden Long Pond handelt. Voller Geschmack, sehr nussig, sehr fruchtig und mit exzellenter Einbindung des Fasses. Sehr genial! Auch die Verdünnung macht sich nicht allzu negativ bemerkbar, ist aber zu spüren.

Abgang: ein langer, warmer Abgang. Der Rum bleibt noch lange präsent und hinterlässt Noten von Eichenholz, frisch geschnittenen Ästen und Anis.


Fazit: ein Rum, bei dem man sich glücklich schätzen kann, wenn man ihn noch haben sollte. Ursprünglich kostete er um die 100,- Euro. Heute mutet das fantastisch an, im wahrsten Sinne des Wortes, aber so waren die Zeiten damals. Leider habe ich es seinerzeit versäumt noch eine Flasche zu kaufen, heute bereue ich das ein wenig. Wer unbedingt noch eine haben möchte, der muss inzwischen bereits über 350,- Euro auf den Tisch legen. Mir persönlich ist das ein bisschen zu viel, da es sich um eine verdünnte Abfüllung handelt, aber die 1977er Long Ponds werden auf der anderen Seite auch sicher nicht mehr.



Bristol Director's Choice Jamaica Rum 22 YO Four Distilleries 1982 - 43% vol.

Nase: sehr dunkel, zumal für 22 Jahre Reife. Viel Holz. Dahinter dann aber die für Jamaica Rum so typischen nussigen und fruchtigen Assoziationen, sowie Anis und ein vegetaler Einschlag. Long Pond ist heraus zu riechen, aber man merkt, dass da auch noch Rums anderer Destillerien drin stecken. Alles in allem aber eine typische Jamaica-Wedderburn Nase.

Gaumen: hier bestätigt sich der Eindruck aus der Nase. Der Rum hat viel von dem, was man auch von Long Pond kennt, aber das alles kommt hier wirklich schon sehr dunkel und mit deutlichem Holzeinschlag daher, wenn gleich ich nicht behaupten möchte, dass es bereits zu viel sei. Darüber hinaus macht sich die geringe Trinkstärke von 43% vol. leider bemerkbar. Der Rum ist zwar nicht im klassischen Sinne verwässert, aber deutlich weniger Wasser wäre sicher besser gewesen. Das klingt etwas ernüchtert, aber ich möchte dennoch alles in allem von einem leckeren Rum sprechen.

Abgang: der Rum verweilt eine Weile am Gaumen, allerdings nicht übermäßig lang. Dazu Holz und Anis.


Fazit: ein Spalter! Ich fand den Rum damals, für das was er gekostet hat, durchaus gut. Ca. 100,- Euro hatte ich im Jahr 2012 bezahlt und dafür wurde ich nicht enttäuscht. Dass es sich um eine Director's Choice Abfüllung gehandelt hat, also eine Abfüllung, die augenscheinlich unmittelbar von den Direktoren von Bristol Spirits Ltd., John Barrett, Dorothy Anne Cameron und Helen Susan Kent, ausgewählt wurde, und zudem Rums enthielt, die aus Destillerien kamen, die  man damals noch überhaupt nicht kannte (Innswood; New Yarmouth), übten natürlich noch einen zusätzlichen Reiz aus. Aus heutiger Sicht muss ich aber sagen, dass das zwar sehr viel Romantik ist, die auch mich nicht kalt gelassen hat, er für mehr Geld dann doch zu viele Punkte hat, an denen ich Kritik üben würde. Zu aller Vorderst ist das natürlich die erhebliche Verdünnung auf nur 43% vol.. Ich denke, dass ich heute evtl. noch bis zu 150,- Euro für den Rum ausgeben würde (wegen der Romantik), dann jedoch wäre Schluss. Denn ganz ehrlich? Es gibt Rums von damals, die mir heute sehr viel mehr fehlen als dieser.



Rum Nation Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 45% vol.

Nase: für einen 1986er Long Pond erst einmal ungewöhnlich. Der Jahrgang ist zwar zu erkennen, aber dieser Rum scheint irgendwie noch "Bei-Noten" zu haben, die ich von dort sonst nicht kenne. Auch die Farbe ist wesentlich dunkler, als sie für einen auf 45% vol. verdünnten 1986er Long Pond erwartet werden kann. Auch etwas süßer als normal erscheint mir der Rum, wenn auch nicht auf Plantation-Niveau.

Gaumen: hier bestätigt sich das Bild im Grundsatz, allerdings tritt der Jahrgang hier doch noch etwas deutlicher heraus und ist nun klar zu identifizieren. Die Verdünnung leider ist deutlich zu spüren. Vielleicht sogar etwas zu deutlich. Dadurch wird das Trinkvergnügen doch leicht eingeschränkt.

Abgang: ein mittellanger Abgang, der den Rum nochmal aufleben lässt. Hier habe ich dann nochmals das Gefühl, dass der Rum etwas "Dosage" hatte.


Fazit: das war leider nicht mein Favorit aus 1986. Zwar ist der Rum nicht schlecht, aber er bleibt eben auch nicht bemerkenswert positiv in Erinnerung. Unter dem Strich heißt das für mich, dass ich die Flasche versiegelt lassen würde, wenn bei mir noch eine herum stünde. In Anbetracht der vielen Optionen, die das Jahr 1986 bietet, wäre das auch kein Rum, den ich heute noch kaufen würde. Da wird man für ähnliches Geld bei anderen Abfüllungen eher fündig. Allerdings muss ich gestehen, dass die Flasche für Rum Nation Sammler sicherlich reizvoll ist, denn ich könnte spontan nicht sagen, wann ich die Abfüllung zuletzt irgendwo angeboten gesehen hätte.



Berry's Own Selection Jamaica Rum 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: volles Aroma! Der Rum macht, wohl durch die Verdünnung, etwas mehr auf als der Cadenhead IRW. Ich habe ganz viel Nuss, viel vegetales, grasiges, gegrillte Ananas und auch hier etwas Rauch. Der Alkohol sticht durch die Verdünnung fast gar nicht.

Gaumen: Mhhmm! :-) Angenehm weich kommt der Rum daher. Die Verdünnung schadet dem Rum kaum. Ich habe reichlich Nuss, grasige Noten, gegrillte Ananas, Banane, angenehmen Fasseinfluss, Vanille und nach hinten heraus ordentlich Anis. Geniale Abfüllung!

Abgang: Anis bleibt, dazu grasige und nussige Komponenten. Trocken, frisch geschnittenes Geäst. Langer Nachhall, klasse! 


Fazit: Long Pond 1986 war wirklich ein herausragender Jahrgang! Ich hatte bisher noch kaum einen Rum aus diesem Batch den ich richtig schlecht fand. Es gab einige, die waren meines Erachtens etwas zu sehr herunterverdünnt, aber dafür kann ja der Rum nichts. Bei allen Abfüllungen mit 46% vol. oder mehr war das aber nicht mehr gegeben und die waren alle durch die Bank weg spitze! Die besten unter ihnen waren meines Erachtens die helle Version vom Silver Seal 21 YO aus 1986 mit 50% vol. und der Cadenhead IRW 18 YO (s. unten). Diese Rums würde ich immer wieder auch noch aufmachen!



Cadenhead's Cask Strength IRW 18 YO Long Pond 1986 - 68,3% vol.

Nase: sehr volle Nase! Nuss, Stroh, Fruchtigkeit, gegrillte Ananas, Melasse und leichte Ester empfangen mich - und eine eher geringe alkoholische Schärfe, bedenkt man den enormen Alkoholgehalt von fast 70(!)% vol.. Der IRW erscheint mir leicht würzig und er hat auch eine sehr dezente Rauchigkeit am Ende.

Gaumen: nach kurzer alkoholischer Schärfe, die aber, trotz des enormen Alkoholgehalts, nicht unangenehm ist, habe ich im Vordergrund überreife Bananen, gegrillte Ananas, Gras, Nuss, Anis, einen floralen, vegetalen Touch und anschließend dezente Holznoten und Würze. Lecker!

Abgang: langer Nachhall! Eher trocken, viel Jamaica, etwas nussig, eine leichte Bitternote. Toll!


Fazit: neben dem HLCF sicherlich der Rum, den ich zu meiner Anfangszeit am meisten geliebt habe! Aber im Gegensatz zum HLCF hat es hier in der Zeit danach nicht noch Nachfolger en masse gegeben, weswegen mir der IRW schon sehr fehlt! Durch eine Flaschenteilung bin ich zumindest nochmal an 10 cl davon gekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Wer den noch zu Hause im Keller stehen hat, dem kann ich nur nahelegen den IRW auch aufzumachen. Er ist es wert, ein ganz toller Rum! Ein Wedderburn-Long Pond par excellence!

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Gesamt-Fazit:

Die eindeutigen Gewinner für mich waren ganz klar der Berry Bros. 27 YO aus 1977 und der IRW von Cadenhead in Fassstärke! Das sind zwei absolute Klasse-Bottlings. Allerdings liegt auch der Rest im Feld fast durchgängig auf hohem bis sehr hohem Niveau, mit Ausnahme vielleicht des Rum Nation.
Früher war also mehr Long Pond? Ja, leider eindeutig ja! Wir alle neigen ja stets und ständig dazu, die Vergangenheit positiv zu verklären, aber bei den alten Long Ponds kann man das, im Gegensatz zu der Situation bei Hampden, aus meiner Sicht definitiv so annehmen. Die alten Jahrgänge sind aus meiner Sicht größtenteils unerreicht und ich mag mir gar nicht ausmalen, wie genial viele von denen wohl in Fassstärke gekommen wären. Leider setzte das Umdenken bei den unabhängigen Abfüllern, weg von den 46% vol. und hin zur Fassstärke, erst ein, als es für die alten Long Pond schon beinahe zu spät war. Glücklicherweise hat die Verdünnung diesen Rums nicht in diesem Maße geschadet, wie das bei Hampden der Fall war und so würde ich auch heute noch viele Long Ponds, auch in Trinkstärke, mit Vergnügen öffnen. Dieses Bild wird sich beim nächsten Mal dann auch noch verfestigen, wenn der zweite Schwung der längst ausgestorbenen Long Ponds hier vorgestellt wird.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 11. November 2018

A bunch of rare medium Jamaica Rums

Liebe Rum Gemeinde,

ich habe während der letzten Woche das Archiv von Barrel Aged Thoughts aufgeräumt und ausgemistet. Dabei bin ich unerwartet auch auf einige alte, unveröffentlichte Verkostungsnotizen aus 2012 zu einigen medium bodied Jamaica Rums getroffen. Sie sind nicht über die Maßen umfangreich, allerdings sind einige der damals verkosteten Rums heute sehr rar und oft nahezu unbekannt. Nicht selten jedoch schlummern solche Rums noch in den Kellern einiger Connaisseure und an genau die richtet sich das hier, denn wer möglicherweise schon immer mal wissen wollte, ob es sich lohnt eine dieser Flaschen zu öffnen, der findet hier und heute möglicherweise eine Entscheidungshilfe. 

Bildquelle: Wikipedia



Die verkosteten Jamaicaner:

- Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO (alte Version) - 43% vol.
- Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.
- Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.
- Plantation SC Jamaica 25 YO Long Pond 1986 - 42% vol.
- Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

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Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO - 43% vol.

Nase: Appleton-typisch, sehr reif, melassig, schwer und dunkel. Eine lange Reifezeit deutet sich direkt an.

Gaumen: sehr viel Gewürze und Trockenfrüchte, der Eindruck der Nase setzt sich fort, zweifellos wurde dieser Rum lange Zeit gelagert, das kann er nicht verbergen. Seine jamaicanische Herkunft leugnet der Appleton 21 nicht, trotz dessen, dass ihm jegliche Brachialgewalt abhanden gekommen ist. Er weiß zu gefallen, auch im Old Fashioned wäre er sicher eine gute Wahl.

Abgang: etwas bitter, leichte Mandelnote, trocken, wirklich langanhaltend.


Fazit: der Appleton 21 ist ein solider Rum, den ich allerdings damals wie heute als überpreist empfinde. Ja, 21 Jahre tropische Jahre haben ihren Preis, aber Verdünnung und Beliebigkeit des Rums sorgen einfach dafür, dass mir hier die Bereitschaft dafür fehlt ihn zu zahlen. Zumal sich für das Geld auch andere Optionen auftun. Eher würde noch ein bisschen was drauflegen und einen Vale Royal oder einen Cambridge, oder gar für weniger Geld einen 6 jährigen Velier Antigua 2012 z.B. kaufen. Was bleibt zu hoffen? Natürlich, dass von Appleton in naher Zukunft endlich einmal Small Batch Abfüllungen in Fassstärke kommen. Das fänd ich unglaublich reizvoll! 



Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de

Nase: sehr Jamaica-untypisch, dabei aber vor allem ungewöhnlich karamellig. Trotz 45% vol. hat er eine leichte alkoholische Schärfe. Im Bouquet hat er etwas Ester in Form von Banane und... Karamell! Letzteres liegt wirklich über allem.

Gaumen: der Rum kommt hier leider etwas flacher als die Nase. Die Verdünnung merkt man dem Long Pond an, trotz dessen weist er alkoholische Schärfe auf. Das Karamell setzt sich fort. Würze und Süße gesellen sich dazu, auch alkoholische Noten und Anklänge von Früchten finden sich im Geschmack wieder. Nach einer Weile im Glas kommen auch ein paar Holztöne vom Fass durch.

Abgang: kurz und eher trocken, dabei etwas Eiche und Karamell. Nach einer Minute ist der Rum gänzlich verschwunden.


Fazit: Karamell-Bombe! Das ist Long Pond auf eine Weise, wie ich sie so gar nicht mag und brauche. Der Jahrgang 1992 ist leider sehr speziell und geht ganz weit von allem weg, was man von einem Long Pond traditionell erwartet. Schade! Auch der 18 YO, den ich ebenfalls mal im Glas hatte, ist nicht wirklich anders, genauso wie ein 1992er Bottling von MacY. Wer da noch was im Regal hat: lasst sie lieber zu!



Bristol Spirits Rum 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de
Nase: zu Beginn unglaublich verhalten, da kommt erstmal wenig durch im Bouquet. Auch alkoholische Schärfe ist kaum vorhanden. Ich habe etwas Holz, dunkle Früchte und Kakao. Dazu leichte Spuren von Nüssen und Heu. Monymusk ist zunächst dezent zu erahnen, wenn man den Stil kennt, kommt aber mit zunehmender Zeit im Glas klarer heraus.

Gaumen: hier kommt der Bristol angenehm weich, er ist kaum alkoholisch. Die Verdünnung ist zu merken, schadet dem Rum aber nicht übermäßig. Der Monymusk ist ölig, vielleicht leicht bitter mit dunkler Schokolade, gepaart mit überreifer Banane und Holz. Eine Geschmacksexplosion bleibt aus, was aber für Monymusk aus 1976/1977 nicht untypisch ist.

Abgang: leider eher kurz, trocken und unspektakulär verabschiedet sich der Rum vom Gaumen. 


Fazit: ein handwerklich rundherum ausgezeichneter Rum, der eher mit leisen als mit lauten Tönen zu überzeugen weiß. Damals lag die Flasche bei etwas über 100,- Euro, soweit ich mich erinnere. Das war ein guter, wenn auch seinerzeit ein durchaus hoher Preis. Heute sieht das freilich anders aus. Wer noch eine Flasche, möglicherweise auch vom 21 YO, vom 23 YO oder vom 25 YO, bei sich zuhause stehen hat und Jamaica nicht immer mit der Brechstange braucht, der kann ihn durchaus auch mal aufmachen. Viel falsch machen kann man dann nicht. 



Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.

Nase: trotz der nur 46% vol. habe ich eine eher alkoholische Nase. Jamaica lässt sich erahnen, insgesamt wird aber zunächst viel vom Alkohol verdeckt. Dahinter finden sich Spuren von Toffee und Schokolade, die nach einiger Zeit im Glas deutlicher durchkommen. Dazu viel Holz! 

Gaumen: überaus bitter und holzig! Der lag meines Erachtens definitiv zulange im Fass. Trotz der Verdünnung ist der Rum noch schwarz wie die Nacht. Entweder der Rum hatalso einen Teil seiner Reife noch in der Karibik erfahren und nicht im kühlen Schottland, oder aber das Fass war, wie auch alte Demerara damals, entsprechend präpariert. 

Abgang: bitter und holzig. Der Rum ist länger präsent als ich ihn schmecken möchte.


Fazit: der ist meiner Meinung nach mal so gar nichts! Viel zu verholzt und eindimensional macht es einfach keinen  Spaß den im Glas zu haben. Auch andere 1974er Jamaicaner aus Long Pond die ich im Glas hatte zeigten ein ähnliches Bild. Long Pond hat wesentlich schönere Vintage-Jahrgänge, wie 1977, 1982 oder 1986. Diese sind ihr Geld dann auch wert. Die 74er hingegen würde ich verschlossen lassen. 



Plantation Old Reserve Jamaica 1986 Single Cask - 42% vol.

Nase: sehr volle Nase! Ich habe Esternoten, Banane, Mandel und eine erhebliche Süße, die mir nicht natürlich erscheint. Dazu eine für die Plantations sehr charakteristische Eigennote.

Gaumen: Schokolade, danach Mandel und Toffee, Banane, Ester. Sehr warm und rund. Dazu eine erhebliche Süße. Ich vermute eine Zugabe von Zucker. Long Pond ist zu erkennen. Einzig: er könnte noch eine Spur vollmundiger sein! Leider ist der Rum sehr verdünnt worden. 

Abgang: langanhaltend, schokoladig und einfach lecker!


Fazit: unglaublich aber wahr, aber auch der Plantation 1986 konnte mich damals tatsächlich überzeugen und er reicht fast an seinen 1983er Bruder heran. Klar, er ist gesüßt und auch viel zu sehr verdünnt worden, aber als Easy Sipper nebenbei ist der durchaus zu gebrauchen. Der lag damals bei ca. 70,- Euro pro Flasche, dürfte heute aber deutlich darüber liegen. Und ganz ehrlich? Mehr als die damaligen 70,- Euro ist der Rum meines Erachtens nicht wert. Lasst den zu und versucht ihn bei Plantation Sammlern gegen einen ehrlichen Rum einzutauschen. 



Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

Nase: ich habe eine eher leichte Nase, etwas Vanille, etwas Holz. Viel zu erkennen ist da aber nicht. Sehr flach. 

Gaumen: wieder Vanille, erneut sehr flach und eher wässrig statt ölig, Holz kommt deutlich, aber nicht unangenehm durch, wie auch beim Appleton 21 verheimlicht auch dieser Rum sein hohes Alter nicht. Insgesamt fehlt mir hier aber Vielschichtigkeit, Komplexität und Jamaica-Flavour.

Abgang: unspektakulär, mittellang, bleibt nicht im Gedächtnis.


Fazit: ein Rum, den man meines Erachtens nicht braucht. Von Coruba überzeugten mich aber überhaupt nur die N.P.U.-Abfüllungen. Das sind solide Jamaicaner mit ordentlich Estern, aber die länger gelagerten Varianten sind für meinen Geschmack alle austauschbar und überpreist. Lasst da lieber die Finger davon! 

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Gesamt-Fazit: 

Der klare Sieger dieser Runde ist der Monymusk aus 1977 von Bristol. Er ist auch der einzige, den ich guten Gewissens und uneingeschränkt empfehlen kann. Der Plantation 1986 ist als Easy Sipper solide, aber nicht mehr wert als sein damaliger Ausgabepreis. Den Appleton 21 kann man dagegen trinken, ist aber für meinen Geschmack zu teuer. 
Auf der Seite der Verlierer finden sich dagegen ganz klar die drei anderen Rums wieder: der Coruba 25 YO, der Alambic Classique 15 YO und der Cadenhead's Green Label 25 YO, die nicht nur ihr Geld meiner Ansicht nach überhaupt nicht wert waren und sind, sondern eben auch mit klaren Fehlnoten und Mängeln daher kommen! Habt ihr eine dieser Flaschen noch irgendwo herumstehen, dann lasst sie besser zu. 

Ich hoffe, diese Kurz-Reviews konnten einen kleinen Überblick über die eher selten anzutreffenden, zumeist sehr lange gereiften, eher etwas softeren Jamaica Rums geben und helfen vielleicht dem einen oder anderen dabei sich zu entscheiden, ob er einen dieser Rum kaufen oder aufmachen möchte oder es vielleicht besser lässt. 


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 6. Januar 2013

Plantation Single Cask Jamaica Rum 1983 (Belgium)

Hallo Rum und Mai Tai Freunde,

im letzten Jahr geisterte immer wieder ein Rum durch das Ministry of Rum Forum und zunehmend auch durch die sozialen Netzwerke: der Plantation Single Cask Jamaica Rum 1983, Bottled for the Nectar (Belgium).
Plantation Jamaica Rum 1983 (Flasche 17/150)
Dass der französische Hersteller und unabhängige Abfüller Ferrand in den letzten Jahren immer wieder, neben seinen ständigen Jahrgangsabfüllungen, auch Single Cask Abfüllungen auf den Markt brachte, ist bekannt. Eigentlich auch nicht ganz neu ist, dass der Abfüller verstärkt Single Cask Abfüllungen regional veröffentlicht. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass dies bisher kaum bis garnicht bekannt war, da diese Abfüllungen aus anderen Ländern einen eben so gut wie nicht erreichen. Daduch wird darüber auch nicht allzu viel geschrieben. Bekannt sind mir Abfüllungen, die exklusiv jeweils nur in Belgien, Großbritannien, Dänemark oder der Schweiz zu beziehen sind. Einer der Rums, die nur in Belgien veröffentlicht wurden, und zugleich der, der für das meiste Aufsehen sorgte, ist eine jamaicanische Abfüllung aus dem Jahr 1983. Der Grund dafür liegt denkbar nahe. Zum einen gehören Jamaica Rums grundsätzlich zu den begehrtesten, zum anderen aber, und das ist hier viel, viel entscheidender, gibt es von dieser Abfüllung gerade einmal verschwindend wenige 150 Flaschen. Weltweit. Verkauft wird er nur in Belgien, "Bottled for the Nectar (Anm.: Nectar ist ein örtlicher Abfüller)". Da Plantation Rums sich auch in der Sammlerszene großer Beliebtheit erfreuen, kann sich nun sicher jeder vorstellen, weswegen dieser Rum zur Zeit viel diskutiert wird. Noch dazu lautet der Tenor bisher, dass die Abfüllung auch inhaltlich zu überzeugen weiß. Dessen aber, werde ich mich heute besser selbst versichern.
1 Fass, 150 Flaschen, verkauft in weltweit nur einem Land: Belgien.
Aus außer-belgischer Sicht gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: es gibt einen Shop dort, der nach Deutschland und in die Welt versendet und der die Plantation Rums führt. Die schlechte: der Jamaica 1983 Single Cask ist dort inzwischen leider ausverkauft. Einen Shop gibt es in Belgien, der den Rum noch führt, jedoch versendet dieser leider nicht. Eine Reise in unser Nachbarland scheint die einzige, noch verbleibende Möglichkeit zu diesem Rum zu kommen.
Doch nun zum Rum selbst: 1983 wurde er, auch wenn diese Information dem Label des Rums leider nicht entnommen werden kann, in der Destillerie Long Pond im Pot Still Verfahren destilliert, im Norden Jamaicas. 28 lange Jahre reifte der Rum dann in Eichenholz, wurde von Cognac Ferrand erworben und dort in Frankreich dann noch einmal einem ca. 6 monatigen Cognacfass-Finish unterzogen. Am 9. September 2011 schließlich, wurde der Rum auf 42% vol. verdünnt, in 150 Flaschen gefüllt und nach Belgien exportiert, wo er seit November 2011 dann erhältlich war, bzw. tw. noch ist.
Was kostet der Rum? Bei crombewines.com habe ich für die Flasche 75 Euro gezahlt, der Versand nach Deutschland kostet, egal ob für eine oder für z.B. drei Flaschen 13 Euro. Beides finde ich ausgesprochen fair! Für einen Rum in diesem Alter bezahlt man bei den meißten anderen bekannten unabhängigen Abfüllern fast das doppelte. Und nicht selten wirkt sich auch eine derartige Limitierung auf den Preis aus, was hier ebenfalls nicht der Fall ist. Und der Shop versendet wirklich schnell und zuverlässig. Trotz Lieferung aus dem Ausland brauchte das Paket gerade mal ein paar Tage und alles war sicher verpackt. Ich kann den Shop daher nur weiterempfehlen.
Nun aber zum Rum selbst. Endlich ;)

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Verkostungsnotizen:

Zur Verkostung des Rums erschien es mir sinnvoll diesem zum Vergleich zwei bekannte Rums gegenüber zu stellen: zum einen seinen jüngeren Bruder, den Plantation Single Cask Jamaica Rum 1986 und zum anderen den Silver Seal Long Pond 21 YO aus dem gleichen Jahr. Ich testete die Rums in dieser Reihenfolge und plazierte den neuen 1983er Plantation dazwischen. Nach einer ersten, kurzen Verkostung des 1983 hielt ich diese Reihenfolge für am effektivsten.

Plantation Jamaica 1986, Plantation Jamaica 1983 & Silver Seal Long Pond 21 YO

Farbe: tiefes, dunkles Gold, nicht zu unterscheiden vom Plantation 1986 aber wesentlich dunkler als der strohige Silver Seal.

Viskosität: angenehme Öligkeit, satte, weite Schlierenbildung an der Glaswand.
Nase: süßliche, nussige, leicht vegetale Nase, dem 1986er Plantation sofort ähnlich. Allerdings ist der 1983er weniger süß, hat weniger Orange, was mir gut gefällt. Hingegen ist er noch immer süßer als der Silver Seal. Diesbezüglich stellt der Rum eine Art Brücke zwischen den beiden dar. Charakteristisch gehen aber alle drei in eine ähnliche Richtung.

Gaumen: hier zeigt sich der 1983 ebenfalls weniger süß als der 1986, allerdings auch weniger nussig. Der Rum ist weich, hat eine dezente, angenehme alkoholische Schärfe, wo hingegen beim 1986er kaum alkoholische Töne auftreten. Der 1983er ist etwas komplexer, vielschichtiger und spannender, weg von der reinen Nuss. Schokolade und etwas Vanille gesellen sich jetzt dazu. Jedoch kommt er in puncto Komplexität dem Silver Seal zwar näher als der 1986er, aber erreichen kann er ihn nicht. Der Silver Seal ist trockener als der 1983er, das Holz kommt bei diesem noch etwas mehr heraus. Für 28 Jahre auf Jamaica hingegen, finde ich das Holz dezent. Der Rum ist mitnichten verholzt, die Holztöne empinde ich nicht als unangenehm. Ein sehr reifer Rum!

Abgang: dunkel, süßlich-herb, leicht nussig und auch etwas holzig. Sehr angenehm. Nicht übermäßig lang, aber auch keinesfalls kurz.

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Fazit: auch der Plantation Single Cask Jamaica 1983 ist ein guter Rum, wenn nicht ein sehr guter. Die Tastingreihenfolge hat sich als genau richtig erwiesen, da der Rum quasi zwischen den beiden vorher bekannten Rums steht. Er ist weniger süß als der Plantation 1986 aber süßer als der Silver Seal, dabei aber auch schärfer, reifer und komplexer als der 1986 und weniger scharf, reif und komplex als der Silver Seal. Das gefiel mir gut. Die Destillerie Long Pond kommt, genau wie bei den beiden anderen Rums, klar heraus, so dass ich diese oben auch mit Gewissheit angeben konnte, ohne dass diese Information auf dem Label steht. Überrascht hat mich, dass der Rum trotz 28 Jahren in der Karibik auf Jamaica (der Rum lagerte vor dem Ausbau im Cognac-Fass nicht in Frankreich!) keinesfalls zu viel Holz bekommen hat. Das unterstreicht einmal mehr mein Empfinden, dass Long Pond Rums unglaublich lange Zeit reifen können, ohne dessen zu viel zu bekommen. Schon bei ca. 20 jährigen Rums von dort hatte ich oft das Gefühl, dass diese gerade erst anfangen reif zu werden.
Um aber auch eines zu sagen: natürlich schwingt die Exklusivität mit. Ich bemühte mich daher so gut es ging diesen Faktor bei der Verkostung irgendwie auszublenden und denke auch, dass mir das gelungen ist. Ich ärgere mich selbst oft beim Lesen von Reviews, wenn ich das Gefühl habe, dass der Preis einer Flasche oder seine Limitierung wichtiger zu sein scheinen, als der Tropfen selbst, bzw. dass das einen Rum bei einigen automatisch erstklassig macht. Auch deshalb gab ich bisher nicht viel auf die Lobeshymnen auf diesen Rum. Natürlich macht ein exklusiver Rahmen den Rum noch interessanter, dieser kam auch hier nicht zu kurz, aber es ist mir wichtig, den Flascheninhalt davon zu trennen, mir immer auch die Frage zu stellen: wie würde ich urteilen, wenn man mir den Rum anonym aus einem Tastingfläschchen gereicht hätte. Denn nur dann hat ein Review in meinen Augen auch einen wirklichen Wert.
Von diesem Gesichtspunkt aus kann ich sagen, dass ich den Preis für fair und den Rum für sehr gelungen halte. Er grenzt sich ausreichend vom 1986er Plantation ab, so dass es durchaus Spaß macht, als Jamaica Fan beide sein Eigen nennen zu können. Ein absolutes Muss ist der Rum aber nicht. Es besteht, außer eben, wenn es Jamaica einem wirklich angetan hat, kein Grund zur Trauer darüber, dass man nicht mehr an den Rum herankommen kann. Der noch gut erhältliche 1986er kann ähnlich viel. Einigen Mitgliedern des Cocktails & Dreams Forums konnte ich den Rum glücklicherweise durch eine Flaschenteilung im letzten Jahr zugänglich machen und dieses Trinkvergnügen ermöglichen. Denn beim reinen Genießen, abseits eines neutralen Reviews, da schwingt dann die Freude über die Exklusivität doch wieder mit und das soll und darf sie auch ;)

PS: Ende 2012 erschien, wieder in Belgien, ein 2. Release des 1983 Jamaica Rums (350 Flaschen). Dieses ist derzeit noch erhältlich. Inwieweit sich beide Rums ähneln, kann ich aber natürlich nicht sagen.

In diesem Sinne,
Flo