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Sonntag, 21. Oktober 2018

Velier 12 YO VRW Vale Royal 2006

Liebe Rum Gemeinde,

und weiter geht es heute direkt mit der zweiten der vier neuen Jamaica Rum-Abfüllungen von Velier, welche alle von National Rums of Jamaica Ltd. stammen und in der Long Pond Distillery gebrannt wurden: verkostet wird der 12 YO Vale Royal VRW 2006!



Wer meine Review zum Cambridge 2005 neulich gelesen hat, der wird sich erinnern, dass plötzlich eine Reihe neuer Begriffe in unsere kleine Rum-Welt getreten sind, die ich mich wiederum bemüht habe, so gut es mir möglich war zu enträtseln. Für all jene, die die Review nicht gelesen haben und auch um hinter all die Begriffe, die heute wieder neu dazu kommen, wie National Rums of Jamaica Ltd., Vale Royal oder VRW, zu verstehen, werde ich die Verkostung, wie schon in meiner Review zum Cambridge, mit einem kurzen, komprimierten Ausflug nach Guyana zum Demerara Rum beginnen, um anhand dessen das Geflecht rund um National Rums of Jamaica Ltd. aufzuschlüsseln und dazu der Einfachheit halber, auch wenn das sonst nicht meine Art ist, die Absätze zu diesem Thema aus der Cambridge Review nahezu 1:1 übernehmen. Wer die Ausführungen der letzten Woche noch gut in Erinnerung weiß, der kann ab der Überschrift "Vale Royal", direkt im Anschluss an die Tabellen mit den Marks, einsteigen. Ab da geht es mit komplett neuen Infos los.


Zum Einstieg:

Im Grunde genommen muss man sich das ganze Konstrukt nämlich ähnlich vorstellen wie beim Demerara Rum, dessen Geschichte ebenfalls verworren, inzwischen allerdings weit fortgeschrittener dokumentiert ist und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, in erster Linie durch eine umfassende Arbeit von Marco Freyer. Zusammengefasst: beim Demerara Rum haben wir mit Demerara Distillers Ltd. (DDL) eine übergeordnete Firma und mit Diamond eine Destillerie, die dieser Firma gehört. Diese Destillerie stellt den Rum von Diamond her, allerdings auch viele andere Rum Stile von Brennereien aus Guyana, die ihre Tore längst geschlossen haben, teilweise schon seit Jahrzehnten. Dazu zählen z.B. Enmore, Port Mourant, Uitvlugt, Versailles, Albion, Skeldon oder La Bonne Intention. Dies tut Diamond, indem es, teilweise mit den alten und erhaltenen Destillierapparaten der geschlossenen Destillerien, deren Stile (genauer bezeichnet durch ein so genanntes Mark) weiter produziert. So gibt es auch heute noch beispielsweise Port Mourant Rum (Mark: PM), obwohl die Destillerie Port Mourant schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert. Aber die Double Wooden Pot Still aus Port Mourant, die ist noch immer erhalten und produziert in der Destillerie Diamond weiter u.a. das Mark PM. Die Destillierapparate vieler anderer ehemaliger Destillerien sind heute längst verschrottet, aber teilweise ist es möglich, auch deren alte Stile durch die noch existierenden Apparate anderer Destillerien quasi nachzuahmen. Dies gilt z.B. für Albion. Da war man bei jeder neuerlichen Schließung einer Brennerei und damit verbundener Umzüge in andere Brennereien leider sehr pragmatisch. 
Was bedeutet das nun für unseren heutigen Rum oder die vier neuen Rums von Velier im Allgemeinen? Nun, wir haben mit National Rums of Jamaica Ltd. (NRJ) erneut eine übergeordnete Holding, die nicht selbst Rum herstellt, sondern, unter deren Dach verschiedene Destillerien Rum herstellen. NRJ hat sich im Jahr 2006 gegründet und bildet einen Zusammenschluss der drei Destillerien Clarendon (Monymusk), Long Pond und Innswood, von denen Innswood aber schon seit 1996 nicht mehr aktiv ist und Long Pond zwischenzeitlich nicht mehr aktiv war, seit 2017 aber wieder ist. NRJ gehört zu je einem Drittel dem Staat Jamaica in Form der National Sugar Company, der West Indies Rum Distillery auf Barbados (gehört inzwischen wiederum Ferrand in Frankreich) und DDL in Guyana. 
Innswood und Clarendon sind jeweils vergleichbar junge Destillerien, die erst um die Mitte des 20. Jahrhundert herum ihren Betrieb aufnahmen. Die Geschichte Innswoods war eine recht kurze, denn man produzierte nur von 1959 bis 1992 Rum. Danach wurden hier nur noch die Räumlichkeiten genutzt, z.B. für die Lagerung und das Blending der Rums[1]. Die Geschichte Clarendons beginnt entweder im Jahr 1938 oder 1949. Hier wird bis heute Rum produziert, u.a. auch der Rum, den wir als Monymusk kennen und der auf das Monymusk Estate zurückgeht, dessen Historie wiederum schon über 200 Jahre zurückreicht. Clarendon gehört allerdings nur zu 73% zu NRJ. Die restlichen 27% gehören Diageo, dem weltgrößten Spirituosen-Konglomerat, was wiederum dazu führt, dass ca. 90% des gesamten Outputs von Clarendon an Diageo gehen[2]. Die dritte der Destillerien im Bunde ist die im Parish Trelawny gelegene Long Pond Distillery, und nun wird es spannend. Nicht nur, weil die Geschichte Long Ponds wesentlich länger und geschichtsträchtiger ist und bereits im Jahr 1753 beginnt, als die Familie Reid die Destillerie und ihr Anwesen begründeten[3], sondern vor allem deshalb, weil Long Pond quasi das jamaikanische Äquivalent zur Diamond Destillerie in Guyana ist. Wie Diamond in Guyana, so hat auch Long Pond auf Jamaica im Laufe der Jahrzehnte (und vielleicht sogar Jahrhunderte) immer wieder verschiedene Destillerien oder aber zumindest ihre Destillierapparate oder auch nur deren Stile übernommen und stellt deshalb heute sehr viele verschiedene Rums her, die auch bei Long Ponds durch die so genannten Marks unterschieden werden. Zwar kennt Jamaica Rum bereits im Grundsatz eine Einteilung seiner Rums in vier verschiedene Stile, die sich am Estergehalt der Rums richten, allerdings unterscheidet da auch jede Destillerie auch noch einmal für sich selbst. Die vier allgemeinen Jamaica Stile sind:

Jamaican Ester Mark:Ester (gr/hlpa)
Common Clean80-150
Plummer150-200
Wedderburn200-300
Continental Flavoured700-1600



Long Pond unterscheidet seine Stile nicht nur in vier verschiedene Stile, sondern in insgesamt zwölf! Diese wiederum können dann, meist, einem der vier übergeordneten Jamaica Stiele zugeordnet werden, wobei Long Pond auch Marks führt, die einen Estergehalt aufweisen sollen, welcher keinem der vier Stile zuzurechnen ist. Das trifft unter anderem auf CRV und CQV zu, aber auch auf LPS und auf das Mark um das es letzte Woche ganz besonders ging: STC🖤E! Der Rum über den wir heute sprechen trägt das Mark VRW, welches für Vale Royal Wedderburn steht, obwohl der für das Mark definierte Estergehalt (150 - 250 gr/hlpa) durchaus auch einem Plummer entsprechen könnte.

Long Pond MarkEster Level (gr/hlpa)
CRV0-20
CQV20-50
LRM50-90
ITP/LSO90-120
HJC/LIB120-150
IRW/VRW150-250
HHHS/OCLP250-400
LPS400-550
STC🖤E550-700
TECA1200-1300
TECB1300-1400
TECC1500-1600


Vale Royal:

Letzte Woche haben wir mit Cambridge bereits eine dieser verlorenen Destillerien kennengelernt. Heute werde ich euch hier noch eine weitere solche ehemalige Brennerei vorstellen, nämlich die Vale Royal Distillery, gelegen, wie Long Pond und Cambridge, im Parish Trelawny. Die Geschichte der Destillerie ist zum Teil sehr widersprüchlich. Sie wurde, laut Dr. Raul A. Mosley, im Jahr 1776 von Charles Graves gegründet und hieß zu Beginn noch Walky Walky[4]. Laut eben dieser Quelle erfolgte die Umbenennung in Vale Royal im Jahr 1828, sowie ein Verkauf an Thomas Pepper Thompson nach der Abschaffung der Sklaverei auf Jamaica, das heißt nach dem Slavery Abolition Act im Jahr 1834[5]. Laut den Daten des University College London, die die Geschichte der britischen Sklaverei umfassend dokumentiert haben, erwarb Thompson Vale Royal aber bereits spätestens im Jahr 1787[6]. Was allerdings noch viel widersprüchlicher ist: laut UCL starb Thomas Pepper Thompson schon bereits zwischen 1820 und 1823[7] und kann daher unmöglich über zehn Jahre nach seinem Tod die Destillerie erst erworben haben. Nach seinem Tod wurde Vale Royal laut UCL von Anwälten in einer Nachlassverwaltung geführt, u.a. von seinem Enkel Thomas James Thompson, bevor es im Jahr 1847 testamentarisch an einen Mann namens John Simpson of Fair Lawn Kent fiel[8]. Dieser wiederum war auch Eigentümer der Estates Bounty Hall, Chester, Lancaster, Maria Bueno und Tilston (oder Tillstone)[9]. Letzteres Estate, Tilston, wird nächste Woche noch eine Rolle spielen. Im Anschluss verliert sich die Spur leider etwas, da das UCL die Daten nur für die Zeit der Sklaverei destailliert aufführt und gesammelt hat. Erst für das Jahr 1878 lässt sich die Fährte wieder aufnehmen. In diesem Jahr führt Jamaican Family Search auch Vale Royal als aktives Sugar Estate und nennt hier einen Mann namens Henry Sewell als Besitzer. Diesem gehörten zu jener Zeit auch Arcadia und Lottery[10]. Die gleiche Quelle bestätigt diese Besitzverhältnisse auch noch für die folgenden Jahre, bis in das Jahr 1910[11]. Für die Zeit der darauf folgenen 49 Jahre, zwischen 1910 und 1959, hingegen finde ich leider keine wirklichen Belege mehr.

Vale Royal Estate um 1910 zu Zeiten von Henry Sewell.
Sourcehttp://myjamaicanfamily.blogspot.com/2007/10/month-in-country.html?m=1

Im Jahr 1959 schloss Vale Royal seine Tore für immer (s. Backlabel) und folgte damit einer Entwicklung, die die Plantagen und Destillerien Jamaicas ab Mitte des 19. Jahrhunderts, mit Abschaffung der Sklaverei und dem damit einhergehenden Einbruch der Zuckerproduktion, grundsätzlich und ganzheitlich erfasste. Waren es um 1830, also vier Jahre vor dem Slavery Abolition Act, noch ca. 600 Zuckerplantagen auf Jamaica, mit dazugehörigen Destillerien, so existierten nur 30 Jahre später, um 1860 also, schon nur noch 148 von ihnen. Im Jahr 1948 waren es kaum noch 25 Destillerien, während heute, im Jahr 2018, nur noch fünf von ihnen existieren[12]: Appleton, Clarendon, Hampden, Long Pond und Worthy Park. Dies zeigt auch, welche enorme Arbeitsleistung die fast 300.000 Sklaven auf Jamaica in all den Jahren bis zum Emanzipation Act zu verrichten hatten, ohne die die Kapazitäten der Produktion auf Jamaica ab 1838 etwa nicht einmal mehr im Ansatz zu halten waren. Alleine in Vale Royal waren es bis 1832 jährlich zwischen 332 und 257 versklavte Menschen[13]. Dieses Thema ist für sich gesehen allerdings so umfassend und auch geschichtlich bedeutend, dass ich plane, mich damit in einem gesonderten Beitrag noch einmal genauer auseinanderzusetzen. Deshalb nun zunächst zurück in die Mitte des 20. Jahrhunderts, nach Vale Royal, das im Jahr 1959 also an Long Pond verkauft wurde. Dort, in Long Pond, bewahrt man das Erbe der Destillerie bis heute und produziert noch immer auch Rum im alten Stile von Vale Royal. Ob das auch noch direkt und unmittelbar mit originalen Destillierapparaten der einstigen Brennerei passiert, oder nur noch indirekt, indem der Stil mit anderen Brennanlagen Long Ponds reproduziert wird, habe ich leider noch nicht in Erfahrung bringen können. Der Stil Vale Royals wird mit dem Mark VRW angegeben, welches für Vale Royal Wedderburn steht. Mit dem Mark definiert Long Pond Rums mit einem Estergehalt von 150-250 gr/hlpa, was streng genommen auch bedeuten könnte, dass die Rums nicht nur dem Stil Wedderburn, sondern auch dem des Plummer zugeordnet werden könnten. Velier geht für die heute besprochene Abfüllung aber von einem Wedderburn aus, auch wenn der genaue Estergehalt nicht exakt angegeben ist.



Im großen Gegensatz zu Cambridge letzte Woche, welches selbst den meisten Liebhabern von Jamaica Rum bis dahin vollkommen unbekannt gewesen sein dürfte, war Vale Royal der Rum-Welt schon bereits vor dem Auftauchen der neuen Velier-Bottlings durchaus nicht unbekannt, da immer mal wieder, wenn auch sehr selten, Rums dieses Stils bei unabhängigen Abfüllern auftauchten. Zuletzt war das bei Bristol Spirits Ltd. der Fall, die ein Batch aus 2002 im Portfolio hatten, welches sie 2010 und 2011 zur Abfüllung brachten. Mutmaßlich hat auch Compagnie Des Indes einen Vale Royal abgefüllt, den ich hier auch besprochen hatte, allerdings ist das nicht offiziell bestätigt. Insgesamt also kann man die Vale Royal Bottlings wirklich an einer Hand abzählen, weswegen ich sie hier einmal kurz aufliste, soweit mir bekannt:

  • Averys Finest Jamaica Rum 9 YO Vale Royal ~1970 - 43,4% vol.
  • Bristol Classic Jamaica Rum 8 YO Vale Royal 2002 - 43% vol.
  • Bristol Classic Jamaica Rum 9 YO Vale Royal 2002 - 43% vol.
  • Bristol Classic Jamaica Rum 25 YO Vale Royal 1969 - 42% vol.


Sowie mutmaßlich:

  • Compagnie des Indes Jamaica Rum 12 YO Long Pond 2003 - 44% vol.

Den 25 Jahre alten Bristol Vale Royal aus 1969 und den Averys konnte ich leider nie probieren, aber die beiden jungen Bristol aus 2002, sowie den Compagnie Des Indes aus 2003, habe ich jeweils im Glas gehabt und war wegen deren geringen Alkoholgehälter, aber vor allem auch wegen des jeweils sehr jungen Alters, nicht unbedingt restlos überzeugt. Allen dreien gemeinsam war allerdings auch, dass ich sie im Grundsatz spannend fand und ich da durchaus großes Potenzial gesehen habe, bei fortgeschrittener Reife und einem höheren Alkoholgehalt eine echte Bereicherung für die Rum Welt darzustellen. Ich hatte immer gehofft, dass in die Richtung mal etwas auf den Markt kommt, und mit dem Velier VRW wurde diese Bitte nun glücklicherweise erfüllt: 12 Jahre tropische Reifung und 62,5% vol. versprechen eine deutliche Steigerung und ich bin schon sehr gespannt, inwieweit sich diese im Grundsatz schon vollkommen unterschiedlichen Voraussetzung im heute verkosteten Destillat hoffentlich positiv bemerkbar machen.



Verkostung des Velier 12 YO Vale Royal 2006:

Preis: ca. 130,- Euro werden für eine Flasche zu Release-Start aufgerufen. 

Alter: 12 Jahre lang, von 2006 bis 2018 nämlich, reifte der Rum im Fass.

Lagerung: der Rum reifte komplett in den Tropen auf Jamaica.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 11 Fässer verwendet und 3412 Flaschen abgefüllt.

Angel's Share: >60%

Alkoholstärke: High Proof - der Rum hat eine Trinkstärke von 62,5% vol.

Destillationsverfahren: Double Retort John Dore Pot Still

Mark: VRW (Vale Royal Wedderburn)

Farbe: Kupfer, ins Mahagoni gehend. 

Viskosität: der Rum bildet weite Bögen, aus denen sich satte, fette, unregelmäßig und eilig fließende Schlieren herausbilden.

Nase: sehr verhaltene Nase in den ersten Minuten. Etwas Alkohol ist präsent, aber ansonsten riecht der Rum unerwartet neutral und wenig tief oder gar komplex. Nach etwa einer halben Stunde im abgedeckten Glas hat sich das zwar nicht grundsätzlich geändert, aber ich finde doch schon deutlich mehr vor. Klar, der Rum hat einen deutlich geringeren Estergehalt als der Cambridge, und das merkt man auch. Es steckt sehr viel weniger Wucht und Power hinter dem Vale Royal, das läuft alles sehr viel subtiler ab. Long Pond erkenne ich entfernt und in einzelnen Anklängen, weswegen ich vermute, dass doch einige als Long Pond gelabelte Rums aus der Vergangenheit in Wirklichkeit Vale Royals gewesen sein könnten, aber jene, auf denen auch tatsächlich Vale Royal drauf stand, wie z.B. die Bristol 2002, finde ich hier eher nicht. Insgesamt ist der Rum einfach sehr Jamaica-untypisch. Ob ich ihn blind dahin verorten würde, möchte ich deutlich in Zweifel ziehen. Der Rum hat im Bouquet etwas sehr vegetales, pflanzliches, gepaart mit etwas Cashewkernen, Nüssen, Leder, süß-säuerlicher Traube, ganz dezenter Ananas und einer schönen Note vom Fass. Nach hinten heraus tut sich dann noch ein Gewürzschrank auf und verströmt ein Potpourri an Anis, Pfeffer und noch einigem anderen an Gewürzen. Der Rum braucht lange bis er aufmacht, aber nach ca. einer Stunde gefällt mir die Nase durchaus sehr gut.

Gaumen: am Gaumen überkommt mich direkt ein vertrautes Gefühl, denn ich habe sehr klar Jamaica und auch sehr eindeutig Long Pond. Wirklich erstaunlich, nach dieser Nase! Der Alkohol ist unauffällig eingebunden, so dass ich auch größere Schlücke nehmen kann und direkt Platz und Raum ist für die volle Dröhung an Geschmack. Und was da kommt, das gefällt mir außerordentlich gut! Zwar ist das auch alles andere als brachial, aber es ist für mich eben lecker! Bei Hampden brauche ich die Brechstange, aber bei Long Pond stehe ich sehr drauf, wenn sie smoother daherkommen, weswegen der Vale Royal gerade durchaus bei mir landen kann. Der Rum ist zu Beginn angenehm adstringent und geht dann ins cremige über. Ich nehme Eindrücke von Nüssen, Macadamia, Stroh, gegrillter Ananas und viel Anis wahr, dazu eine präsente und gelungene Note vom Fass. Da sind Eichenholz, weitere Gewürze, Tannine und nach hinten heraus ist da auch noch etwas blumiges, florales, fast pafümiertes. Der Rum wird nun zunehmend trockener und verabschiedet sich damit in den Abgang. Klasse!

Abgang: Pfeffer und Anis, dazu Macadamia und viel Holz. So macht sich der Rum auf den Weg nach unten und hallt angenehm und lange nach.

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Fazit: nach anfänglichen Schwächen und Startschwierigkeiten in der Nase, geht der Rum dann nach ca. einer Stunde und spätestens aber am Gaumen so richtig steil! Insbesondere auch die super Einbindung des Alkohols fiel positiv auf. Der nächste Volltreffer also, wenngleich ich mir sicher bin, dass es der Vale Royal sehr viel schwerer haben wird ein breites Publikum zu begeistern als der Cambridge, schon alleine, weil er einfach sehr viel Zeit braucht. Dass der in Paris auf der Messe, wo oft einfach nur Rum an Rum im Minutentakt probiert wird, angeblich oft nicht so gut ankam wundert mich daher überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Der Vale Royal ist nichts für zwischendurch. Wer sich da zuhause also nochmal die Zeit nimmt und alle vier einmal ganz in Ruhe probiert, der wird vielleicht zu einem anderen Urteil gelangen. Ich persönlich fühle mich bei dieser Abfüllung erstaunlicherweise etwas an die Long Ponds aus 1985 erinnert, die ich schon damals sehr abgefeiert habe, nicht aber unbedingt an die 2002er von Bristol, die ja als Vale Royals deklariert waren! Aus meiner Sicht sind das nochmal zwei sehr unterschiedliche Stile. Die Bristols aus 2002, ich hatte es oben erwähnt, gefielen mir damals eher weniger, auch, weil sie mit nur 43% vol. aus meiner Sicht einen viel zu geringen Alkoholgehalt hatten. Der Vale Royal von Velier schmeckt mir dagegen sehr gut und daher gilt auch hier und heute für mich, wie beim Cambridge: gerne mehr davon! Toll, dass Velier uns diese seltenen Stile in dieser großartigen Qualität zugänglich macht!


Das Preis-Leistungs-Verhältnis, das finde ich noch besonders erwähnenswert, passt beim Vale Royal so gut, wie bei vielleicht keinem der anderen drei der Serie. Er war mit zum Teil unter 130,- Euro der günstigste der vier, was ich hier als sehr stimmig ansehe. Das ist der Rum meines Erachtens definitiv wert und dafür kann und möchte ich den Rum uneingeschränkt empfehlen!

-90/100-


Danken möchte ich an dieser Stelle auch dieses Mal noch dem Freddy, der den Rum geteilt und mir auf diese Weise zugänglich gemacht hat! Vielen lieben Dank!

Nächste Woche geht es dann mit einem der beiden nominellen Long Ponds weiter, wobei auch bei denen möglicherweise noch eine andere "Lost Distillery" Jamaicas im Raum steht. Es bleibt also spannend!


Bis demnächst,
Flo


Sources:
[12] LA MAISON DU WHISKY: The Whisky Chronicles. Creation 2019. Clichy 2018, P. 68
[13] https://www.ucl.ac.uk/lbs/estate/view/1523



Freitag, 5. Mai 2017

Mai Tai mit Compagnie des Indes 12 YO Long Pond 2003

Liebe Rum- und Mai Tai Connaisseure,

nachdem gestern eine Bristol Abfüllung mit einem Rum des "alten Long Ponds" im Mai Tai dran kam, heute teste ich mit dem Compagnie des Indes Jamaica Rum 12 YO aus 2003 heute einen Rum aus dem Long Pond des 21. Jahrhunderts im Mai Tai. Der Bristol zeigte sich zwar als nicht sonderlich einschlägig im Drink, dafür aber sehr unkompliziert und damit kompatibel für einen unbeschwerten Genuss. Problem: den Rum gibt es schon lange nicht mehr, und wenn man noch eine Flasche hat, bietet sich der pure Genuss einfach eher an. Wir suchen heute also quasi ein Substitut. Ein Rum mit grob ähnlichen Eigenschaften, dafür aber noch verfügbar und damit leichter zu vermixen. 
Es ist das erste Mal, dass ich mich hier auf Barrel Aged Thoughts mit einem Rum dieses Abfüllers und auch mit einem Long Pond aus 2003 beschäftige. Das hatte ich hier beides noch nicht. Da ich den Rum zuvor auch pur nicht kannte, probierte ich ihn vor dem Mai Tai Tasting dann natürlich auch erst einmal - pur. Dabei bot es sich natürlich gerade zu an, den Rum ebenfalls direkt mit dem gestrigen Bristol zu vergleichen. 

Kurz-Tasting CdI Long Pond 12 YO Jamaica Rum 2003:

Nase:

CdI: in der Nase zeigt sich der Compagnie des Indes etwas dünn, mit leichten Estern, viel Vanille, Banane und Ananas. Das ganze findet aber sehr subtil statt, die Nase ist zwar prinzipiell schon typisch, aber bei weitem nicht so schwer, wie man das bei anderen Jamaicanern und auch Long Pond Rums sonst kennt. Eine ganz klare Verwandtschaft erkenne ich zum Bristol Classic Rum Vale Royal Wedderburn 9 YO Jamaica Rum 2002! Lägen die Daten der Destillation der Rums nicht über ein Jahr auseinander, so würde ich schwören, dass es das selbe Batch sei! Dieser Rum stammt eindeutig aus der alten Vale Royal Pot Still von Long Pond! 
Bristol: der Bristol dagegen hat wesentlich mehr und schwerere nussige, grasige und vegetale Noten mit leichtem Anis in der Nase. Ester springen einen dafür gar nicht an. Im Hintergrund taucht dann die in der Pfanne kandierte Ananas auf, die ich an dem Rum sehr schätze. Toll!


Gaumen:

CdI: die 44% vol. machen sich hier leider sofort bemerkbar, der Rum ist einfach dünn. Der Alkohol ist dementsprechend aber natürlich auch angenehm zurückhaltend. Ansonsten bleibt vom Rum leider nicht viel. Etwas Vanille vielleicht und Stück Ananas, von dem schon jemand das meiste abgebissen hat. Ich kann so gut wie keine Aromen wirklich greifen, auch weil der Rum sofort weg ist. Mal sehen, ob der Überhaupt einen Abgang hat. 
Bristol: man glaubt kaum, dass zwischen den beiden Rums nur 2% vol. Differenz liegen sollen! Der Bristol zeigt sich am Gaumen wesentlich öliger und cremiger. Er taucht den gesamten Mundraum in eine schöne Long Pond Note und gibt bereitwillig seine nussigen, grasigen, anisartigen Noten frei. Frisch geschnittene Äste gesellen sich dazu. Fruchtigkeit ist kaum vorhanden. 


Abgang:

CdI: ja, er hat einen Abgang, einen leicht pfeffrigen, wüzigen, aber da bleibt nicht viel. Und auch nicht lange. 
Bristol: trocken. Nicht übermäßig lange, aber natürlich wesentlich ausdauernder als der CdI. Nuss und frisch geschlagene Äste kommen wieder. 




Fazit: sonderlich umgehauen hat mich der Compagnie des Indes nicht. Mich würde mal interessieren, wie der in Fassstärke schmecken würde. Denn den Vale Royal Stil gab es in dieser Form noch nicht in Fassstärke zu bestaunen, soweit ich weiß. In der Nase hat der Rum tolle Ansätze, aber er schafft es leider so überhaupt nicht, das ganze bis an den Gaumen zu bringen. Für den puren Genuss fehlt dem Rum daher in meinen Augen viel zu viel, um dass ich gelegentlich in Versuchung kommen könnte, mir den mal einzugießen. Das Vermixen im Mai Tai fällt mir daher nicht schwer, obgleich ich Sorge habe, dass der hier mehr reißen kann. Aber das werden wir ja gleich sehen. Was ich bereits jetzt weiß: auch hier werde ich den Rum auf 7 cl hochdosieren müssen.
Der Bristol dagegen ist eine ganz andere Hausnummer. Pur liegen sie Welten auseinander. Ein klarer Sieg des alten gegen das neue Long Pond, wobei der Vergleich etwas hinkt, da Long Pond hier eben eine andere Still eingesetzt hat. 

Hier abschließend eine Kurzfassung mit den Randdaten zur heutigen Abfüllung:

Abfüller:                Compagnie des Indes
Land/Region:       Jamaica
Destillerie:            Long Pond Estate
Alter:                        12 YO (2003 - 2016)
Alkoholgehalt:   44,0% vol.




Verkostung des Mai Tais mit Compagnie des Indes 12 YO Long Pond Jamaica Rum 2003:

Vor mir steht ein sehr heller Mai Tai, was natürlich auch daran liegt, dass der CdI sehr blass und fast farblos ist. Er ist der bisher hellste Mai Tai diesen Monat.

Leider zu blass: Mai Tai mit Compagnie des Indes Long Pond 12 YO
Im Glas finde ich den Drink dann ähnlich blass wie seine Farbe und die Eindrücke des Rums in seiner Purverkostung. Der CdI kommt zwar tatsächlich durch, allerdings muss man ihn schon mit der Lupe suchen. Die anderen Zutaten sind viel zu stark für ihn und demonstrieren, warum sie für einen Mai Tai die besten ihrer Art sind, wenn eben mit einem ausreichend starken Rum der entsprechende Gegenspieler dazu im Glas vorhanden ist. Der Rum ist diesen Zutaten nicht gewachsen, selbst hochdosiert nicht.

Fazit: früher hätte man jetzt wohl ganz chauvinistisch von einem "Frauen Mai Tai" gesprochen. Da ich aber durchaus Frauen kenne, die ihre Mai Tais sehr viel intensiver mögen als einige Herren ihn trinken, würde ich ihn lieber einen "Mai Tai für Menschen, die eigentlich keinen Mai Tai mögen" nennen. Als der erste Mai Tai im Feld hätte er eine bessere Kühlung benötigt, denn er verwässert schnell. Ich mag den Mai Tai inzwischen ja etwas süffig, weswegen ich von all zu großen und stabilen Eiswürfeln weggegangen bin, aber er hat ganz klar zu wenig Volumenprozente für diesen Drink. Das macht den Mai Tai für mich leider vollkommen belanglos, man braucht ihn einfach nicht. Die Grundnote des Rums stimmt, aber er ist einfach zu schwach. Mit dem gleichen Rum in Fassstärke wäre dabei vielleicht mehr herum gekommen. So aber: der falsche Rum für den richtigen Drink!

Danken möchte ich, trotz des eher mauen Ergebnisses, heute dem Marius von Single Cask Rum, der mich für dieses Tasting mit Ausreichend Rum vom CdI versorgt hat. Und, wie schon gestern, danke ich natürlich auch heute noch einmal "Trelawny" vom Rum Club, von dem das Bristol Sample stammt. 

Morgen wird es dann wieder etwas aus Hampden geben!

Bis dahin
Flo