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Sonntag, 2. Dezember 2018

More extinct Long Ponds

Liebe Rum Gemeinde,

ja, es geht tatsächlich immer noch weiter mit den alten Notes. Gerade zu Long Pond habe ich damals unheimlich viel probiert, das meiste aber nur im Mai Tai vorgestellt. Und so kommen heute dementsprechend noch weitere fünf Long Pond Rums von damals pur verkostet. Einziges Problem bei einigen der Flaschen war nur, dass ich seinerzeit nicht immer Fotos gemacht habe. Dadurch muss ich zum Teil auf Bilder von Rum Regalen von damals zurückgreifen, auf neuere Bilder oder, wie letzte Woche, auch auf Bilder anderer. Einen herzlichen Dank noch einmal an Sascha! So allerdings erklärt es sich, dass an dieser Stelle nicht jedes Label in der gleichen Weise hoch aufgelöst abgebildet werden kann. Dies bitte ich zu entschuldigen! Und damit auch schon direkt zu den Rums! 




Die verkosteten Jamaicaner:

- TWA & The Nectar Jamaica Rum 35 YO Long Pond 1977 - 52,9% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Berry's Own Selection Jamaica Rum 18 YO Long Pond 1986 - 46% vol.
- Plantation Jamaica 8 YO (wax sealed) - 45% vol.

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TWA & The Nectar Jamaica Rum 35 YO Long Pond 1977 - 52,9% vol.

Nase: mich begrüßt eine schöne, sehr kräftige und eindeutige Long Pond-Nase. Die lange Reife merkt man ihm positiv an, wenn gleich ich schon fast meine, dass er sich, gemessen an seinem Alter, erstaunlich jung gehalten hat. Ich habe eine schöne Liaison aus Nuss und fruchtiger Frische, kombiniert mit verschiedenen Einflüssen vom Fass.

Gaumen: der Long Pond erscheint sehr vollmundig und körperreich am Gaumen und hat grundsätzlich alles, was ein lange gereifter Long Pond aus 1977 haben sollte, allerdings ist er nicht unbedingt der komplexeste alte Long Pond.  Ich habe Ananas, Bananen, Nuss, vegetale Töne, ich habe Anis und ich habe auch Geäst. Der erhöhte Alkoholgehalt tut ihm gut.

Abgang: lang und wie man es von einem alten Long Pond mit um die 55% vol. erwarten darf! Hervorragend!


Fazit: ein wirklich sehr guter Rum aus Long Pond, der zu den besten, allerdings nicht zu den allerbesten Rums der Destillerie gezählt werden darf. Was mir höchstens ein wenig fehlt ist Komplexität, dahingehend, dass ich nach wiederholten Verkostungen wenig neues gefunden habe. Der ursprüngliche Ausgabepreis lag bei ca. 160,- Euro und das ist er auch aus heutiger Sicht absolut wert. Der Preis auf dem Secondary Market liegt heute freilich ungleich höher. Ich denke, dass man mit 300,- bis 400,- Euro ca. rechnen müsste, wollte man ihn heute kaufen. Ob er das wert ist? Das sind Bereiche, in denen das irgendwann jeder mit sich selbst ausmachen muss, allerdings hat der Rum definitiv die Qualität, um dass ich hier auch zu einem Ja tendieren könnte.



Cadenhead Green Label Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: mich begrüßt eine sehr grasige, vegetale, eher zurückhaltende Nase. Ein Hauch von Nuss im Hintergrund. Die Verwandtschaft zum IRW in Fassstärke ist offenkundig, aber die Verdünnung nimmt ihm leider einiges an Power.

Gaumen: auch hier kann er weder seine Verwandtschaft zum IRW, noch seine Verdünnung leugnen. Letztere hält sich allerdings in einem akzeptablen Rahmen, so dass dieser Rum im Grunde eine entspanntere Version vom IRW ist, bei der das Fass noch nicht ganz so, der Brennereicharakter dafür etwas stärker durchkommt.

Abgang: leichte Nuss-Note, trocken und eher langer Nachklang.


Fazit: ein Rum, dessen Ausgabepreis vorbildlich in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis war! Ca. 40,- Euro hat der Rum damals gekostet und dafür konnte man hier nichts falsch machen. Heute würde ich wohl auch bis zu 100,- Euro für ihn legen. Leider, und das ist bei der Cadenhead Green Label Serie das große Manko, sind die verschiedenen Abfüllungen ab dem Jahr 2000 ca. nicht mehr ungeöffnet im Jahrgang bestimmbar. Bis  ins Jahr 2000 ca. war das Abfülldatum auf die Flasche gedruckt (ganz klein, am Flaschenboden), so dass man das Jahr der Destillation auf +/- ein Jahr errechnen konnte, aber das ist eben seit fast zwei Jahrzehnten schon nicht mehr möglich. Eine Flasche Cadenhead Green Label Jamaica 15 YO könnte dementsprechend auch ein CRV aus 1987 sein, den ich wiederum gar nicht empfehlen kann. Dadurch hatte ich damals zweimal den Green Label 15. Einmal den IRW und einmal den CRV. Leider wusste ich das aber erst nach dem öffnen, weshalb ich nie wieder den Versuch unternommen habe, eine Abfüllung zu erwerben.



Bristol Classic Rum Jamaica 16 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: deutliche Long Pond-Nase, mit grasigen und nussigen Anklängen, allerdings tritt das Oloroso-Finish durchaus wahrnehmbar heraus und macht den Rum dadurch zu etwas sehr eigenem. Gefällt mir!

Gaumen: auch hier funktioniert das Finish aus meiner Sicht gut. Es tritt deutlich zu Tage, zerstört aber die Grundcharakteristik des Rums in meinen Augen nicht. Der Rum ist am Gaumen immer noch klar Long Pond und hat eine für 46% vol. wirklich erstaunliche Viskosität. Das fällt mir bei Finishes aber häufiger auf.

Abgang: lang und typisch Long Pond. Anis, grasige Anklänge, trocken. Das Finish ist erneut wahrzunehmen.


Fazit: ein gelungener Rum, den Bristol damals ab 2002 am Start hatte. Leider war er schon um 2011 herum fast nirgends mehr online zu finden und ich sehe ihn bis heute sogar noch seltener als die 13 YO Abfüllung aus dem 85er Long Pond Batch, obwohl diese nochmal vier Jahre eher, also im Jahr 1998, abgefüllt wurde. Ich würde für diesen heute durchaus noch 100,- bis 150,- Euro ausgeben und den Rum auch öffnen, allerdings dürfte es zu diesen Konditionen schwierig werden, das Vorhaben auch zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen.



Berry's Own Selection Jamaica Rum 18 YO Long Pond 1986 - 46% vol.

Nase: ein sehr ähnlicher Eindruck, wie beim 16 jährigen Bruder von letzter Woche. Auch hier habe ich ein wahnsinnig volles, geöffnetes Aroma mit sehr viel Nuss, vegetalem, grasigem, gegrillter Ananas. Deutliche Fassreife. Der Alkohol ist ebenfalls gut eingebunden. Der Gesamteindruck fällt hier aber noch etwas intensiver und reifer aus.

Gaumen: Klasse! Der Rum ist noch etwas weicher und auch ihm schadet die Verdünnung nahezu überhaupt nicht. Mit Nuss, Banane, gegrillter Ananas, grasigen Noten und Gewürzeinschlägen wie die von Vanille oder Anis hat er alles was ein Long Pond aus 1986 haben muss. Der Fasseinfluss ist deutlich.

Abgang: Viel Anis, grasige und nussige Anflüge. Trocken, lang, hervorragend! 


Fazit: wie schon sein jüngerer Bruder, so überzeugt auch diese noch zwei Jahre ältere Version von Berry Bros. & Rudd komplett. Er ist allerdings noch ein wenig reifer, noch eine ganze Ecke besser dadurch, wie ich finde. Ich weiß nicht, was man für diese Abfüllung inzwischen zahlen müsste, aber gemessen an der aktuellen Marktlage (auch wenn ich das nicht erfreulich finde) muss man mit 150,- bis 200,- Euro sicher rechnen. Ob ich eine Flasche heute aufmachen würde? Wenn ich sie noch aus der Zeit von damals im Keller stehen hätte, mit Sicherheit! Würde ich sie heute noch kaufen? An einem guten Tag sicherlich und dann würde ich ihn wohl auch aufmachen! Super Stoff! Auf der Cologne Spirits hatte ich ihn nach langer Zeit mal wieder im Glas und war damals wie heute begeistert!



Plantation Jamaica 8 YO (wax sealed) - 45% vol.

Nase: stark und kräftig und zudem sehr Long Pond stiltypisch! Ich bin durchaus erstaunt, denn für einen Planatation hat er wirklich kaum äußere Einflüsse, etwa durch eine Cognac-Nachreifung oder Dosage. Allerdings stelle ich mir die Frage, ob der nicht vielleicht sogar tropisch gereift ist, denn für 8 Jahre kommt er mir schon sehr reif vor.

Gaumen: der Gaumen bestätigt den Eindruck aus der Nase. Der Rum ist angenehm cremig für die 45% vol. die er hat und er kommt überaus kraftvoll und intensiv daher. Ich habe sogar kurzzeitig Erinnerungen an Hampden. Der weiß zu überraschen! Ganz anderer Rum als spätere Plantation, z.B. aus 2000. Lecker!

Abgang: lang und fruchtig, dann trocken werdend.


Fazit: ich erinnere mich heute noch sehr genau daran, wie große Augen ich gemacht habe, als ich die Flasche damals geöffnet und den Rum verkostet habe. Das war noch gänzlich anderer Stoff als das, was danach aus Jamaica so zur Abfüllung kam. Über den Jahrgang könnte ich nur rätseln, aber wenn ich raten müsste, dann würde ich auf 1986 oder 1993 spätestens tippen. Im Vergleich zu einigen Tropfen heute sicher nicht der Über-Rum schlechthin, aber für damalige Verhältnisse und für einen Plantation war das schon sehr anständig und durchaus bemerkenswert. Heute würde ich die Flasche, wenn ich sie günstig bekäme, wohl auch immer noch öffnen, aber größere Summen würde ich, trotz meiner Begeisterung, nicht dafür ausgeben, denn wie gesagt, diese Begeisterung muss man da auch im Verhältnis und im Kontext ihrer Zeit sehen. 

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Gesamt-Fazit:

heute hatte ich wirklich ausschließlich Gewinner am Start! Jeder der Rums ist es, oft auch zu Sammler-Kursen, wert geöffnet zu werden (wenn auch mit der oben erläuterten Einschränkung beim Green Label 15 YO)! Müsste ich dennoch einen einzelnen Gewinner nennen, so wäre es wohl unzweifelhaft der TWA for The Nectar aus 1977, aber da ist dann die Konkurrenz-Situation auch nicht ganz fair. Keiner der anderen Rums wurde vergleichbar lange gelagert oder in Fassstärke abgefüllt, das ist bei ihm also natürlich ein großes Plus! Dahinter würde ich dann den Berry Bros. & Rudd sehen, gefolgt vom Bristol, vom Cadenhead und vom Plantation.
Die Frage, inwieweit sich die Situation am Markt um Long Pond früher im Vergleich zu heute gewandelt hat habe ich letzte Woche bereits beantwortet: ganz eindeutig kamen Freunde von Long Pond vor einigen Jahren noch zu sehr viel humaneren Preisen an zum Teil sehr viel schönere Abfüllungen der Destillerie heran. Heute gibt es nahezu nur noch den Jahrgang 2000, der zwar auch hohe Qualität hat, allerdings mit den alten Jahrgängen nicht wirklich zu vergleichen ist. Dazu kommen nun noch die Rums von Velier und Plantation, die aber mehrheitlich auch in eine andere Richtung gehen. Insofern kann man bei den alten Long Ponds, zumindest kurz- und mittelfristig, leider schon von einem verloren Stil sprechen. Und ich rate nochmals jedem der da noch so gar nichts kennt, zumindest mal irgendwann eine Chance wahrzunehmen und zu probieren. Es lohnt sich!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 27. Mai 2018

Velier 2000 Single Cask Caroni 15 YO for The Nectar

Liebe Rum Gemeinde,

für den heutigen Rum werde ich mir etwas mehr Zeit nehmen, denn die benötigt der Rum der sich heute bei mir im Glas befindet, auf Grund seines Alkoholgehalts, ganz eindeutig zum atmen. Die Rede ist vom Velier Heavy Trinidad Rum 15 YO Single Cask Caroni 2000 for The Nectar mit wuchtigen 70,4% vol.!

The Nectar? Da war doch schon mal was! Richtig! Vor fünf Jahren habe ich hier auf Barrel Aged Thoughts den 28 jährigen Plantation Jamaica Long Pond Single Cask 1983 vorgestellt, der ebenfalls exklusiv für The Nectar, einen Spirituosenhändler in Belgien, abgefüllt wurde. The Nectar wurde im Jahr 2006 gegründet und sah seinen Schwerpunkt zunächst vor allem im Whiskybereich. Allerdings gesellten sich mit der Zeit auch Armagnac, Calvados, Branntwein, Grappa und eben Rum dazu. Neben der Plantation Abfüllung fiel The Nectar unter anderem auch durch eine Kooperation mit dem deutschen unabhängigen Abfüller The Whisky Agency auf. Im Jahr 2015 schließlich war es ihnen möglich, ein Single Cask Caroni 2000 für Velier auszuwählen. Um diese Abfüllung wird es hier heute gehen.

Der The Nectar Caroni 2000 ist Teil einer ganzen 2000er Single Cask Serie von Velier. Denn nicht nur das Unternehmen aus Belgien durfte ein Fass auswählen, sondern auch Juul's Vin & Spiritus in Dänemark, die Paul Ullrich AG in der Schweiz und natürich LMDW in Frankreich wurde diese Ehre zu Teil. Die beiden anderen Abfüllungen waren ein Joint Bottling zwischen LMDW und Velier, sowie eine Abfüllungen von Velier selbst. Durch eine Abfüllung für EATALY wurde diese Serie im Jahr 2017 sogar noch erweitert. Allen Abfüllungen gemein ist ein extrem hoher Alkoholgehalt von ca. 70% vol., sowie eine extrem kleine Auflage. Mehr als 250 Flaschen gibt es von keinem der sechs Rums aus 2015. Das macht sie aber natürlich auch für Sammler äußerst attraktiv.
Im Jahr 2016 kam dann eine zweite solche Serie auf den Markt, dann jedoch mit Caronis aus 1996. Hier gab es allerdings nur vier verschiedene Fässer, die abgefüllt wurden: für Kirsch Whisky in Deutschland (hier mein Review zum Kirsch Caroni Single Cask), für Stefano Cremaschi, für Guiseppe Begnoni und für Old Whisky in Italien.





Verkostung des Velier 15 YO Caroni 2000 for The Nectar:

Preis: der ursprüngliche Ausgabepreis lag bei +/- 100 Euro. Inzwischen läuft die Abfüllung auf ein vielfaches zu. Irre!

Alter: von 2000 bis 2015 reifte der Rum im Fass, ist volle 15 Jahre alt.

Lagerung: der Rum reifte während der gesamten Lagerzeit im tropischen Klima Trinidads.

Fassnummer: #4655 ➜ 180 Flaschen.

Angel's Share: >71% gingen an die Engel.

Alkoholstärke: unfassbare 70,4% vol. misst der Rum nach 15 Jahren tropischer Reifung noch an Fassstärke. 

Destillationsverfahren: unklar. Siehe frühere Reviews.

Mark: HTR

Farbe: Bernstein.

Viskosität: der Rum fließt schnell, weit und unregelmäßig zurück an der Glaswand herunter.


Nase: Boah, wahnsinnig konzentrierte Nase zu Beginn! Immer wieder muss ich zurückweichen, wenn ich mit meiner Nase dem Glas zu nahe komme, auch nach einer halben Stunde noch. Danach allerdings wird der Rum langsam aber sicher zugänglich. Zunächst mal ist festzuhalten, dass wir es klar mit einem stiltypischen Heavy Type Rum zu tun haben. Der Kandidat braucht aber, ja, ich muss das nochmal erwähnen, ganz, ganz viel Zeit... und erstmals seit vielen, vielen Jahren kommt mir gar der Gedanke, ob der Rum vor mir nicht auch ein wenig Wasser benötigen könnte. Ganz lange ist hier erstmal peripheres Nosing angesagt! Es kommt dann aber der Moment, da kommt die Nase erstmals durch diese alkoholische Wucht und endlich kann man den Rum vollkommen wahrnehmen. Nun finden sich mehr und mehr der typischen Caroni-Attribute wieder, wobei ich Leder am dominantesten habe. Dahinter, daneben, darum herum allerdings finde ich die mannigfaltigsten Eindrücke wieder, die von weihnachtlicher Gewürzmischung, über Karamell und Trockenfrüchte bis hin zu natürlich auch Teer und verbranntem Gummi reichen. Geduld ist gefragt bei diesem Rum, denn wenn man diese mitbringt, dann belohnt der Rum einen mit einer unglaublich vielschichtigen und komplexen Nase. Nach ca. 1,5 Stunden wird der Rum dann zunehmend typischer und dreckiger und schließt an das an, was man sich im Allgemeinen unter einem Caroni vorstellt. 

Gaumen: der erste Schluck überrascht. Der Rum schlägt nicht so brachial am Gaumen ein wie ich es bei über 70% vol. irgendwo erwartet hatte, allerdings gehe ich einen solchen Rum auch eher in kleinen Schlücken an. Ganz zu Beginn ist da ein kurzer alkoholischer Stich, gefolgt von einem Bitterton der mich verwirrt, dann allerdings habe ich einen überaus ausdrucksstarken und spannenden Caroni am Gaumen. Unverwechselbar! Ohne Umwege wird es dann auch sehr schnell sehr dreckig, allerdings ohne diese schon recht fortgeschrittene Reife, die die meisten anderen Caronis von Velier aufweisen, da der Rum mit 15 Jahren vergleichbar kurz gelagert wurde. Nur der 12 jährige 2000er Velier Caroni ist jünger. Und ich muss sagen: das steht diesem Tropfen ausgesprochen gut! So sehr Caroni ganz grundsätzlich und vollkommen unstrittig von einer ca. 20 jährigen Reifung profitiert, so sehr fasziniert mich hier aber auch das noch etwas ungehobeltere, puristische und dreckigere Profil dieser Destillerie, deren Charakter hier schon deutlich mehr herauskommt als bei den länger gereiften Abfüllungen. Ganz hinten und zum Schluss hin, habe ich dann auch noch die für 2000er Caronis so typische Menthol-Note, von der vor allem der 2000 Millennium Unmengen hat. Insgesamt ist der Rum am Gaumen nicht ganz so vielschichtig wie in der Nase, aber die unglaubliche Intensität an dieser Stelle macht das ganz locker wett!

Abgang: Teer! Ganz viel Teer... langanhaltender Teer. Und Teer. Hab ich Teer vergessen?

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Fazit: Schade, von diesem Rum hätte ich wirklich sehr gerne eine ganze Flasche! Fantastischer Rum, ganz, ganz groß! Ich liebe ihn! Ich glaube, von allen bisher probierten Caroni schafft es dieser hier sicher in meine aktuelle Top 5. Sicherlich, solche Top-Listen sind immer eine Momentaufnahme, aber nach inzwischen doch ca. 40 Caronis ist das ja zumindest mal ein Ausrufezeichen! Aber na klar möchte ich meinen Horizont auch weiterhin noch ausdehnen und noch mehr Caronis probieren. Und wer weiß, wo der Nectar dann am Ende tatsächlich landet. Aber egal wo das sein wird, er wird einer meiner Favoriten bleiben. Und ja, das liegt ganz klar auch an seiner Ursprünglichkeit und daran, dass er viel vom Brennereicharakter mitbringt. Beim oben schon erwähnten 12er Caroni ist das ebenfalls zu beobachten, allerdings bringt dieser als ganzes natürlich nicht die gleiche Qualität mit, die ich bei der heutigen Abfüllung vorfinde, nicht einmal annähernd. Man muss dabei aber selbstverständlich berücksichtigen, dass das eine, der 12er, eine ca. 30.000 Flaschen starke Auflage mit 50% vol. war, während der heute probierte Rum eine Single Cask Abfüllung mit 70,4% vol. ist. Ich denke, das sagt alles. Mir fehlen aus der 2000er Range noch einige Rums, die ich noch nicht probiert habe, aber von allen sechs Velier Caroni aus 2000 die ich bisher hatte, war dies der beste!

Und damit wünsche ich euch allen einen schönen Sonntag und eine erfolgreiche nächste Woche!

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 6. Januar 2013

Plantation Single Cask Jamaica Rum 1983 (Belgium)

Hallo Rum und Mai Tai Freunde,

im letzten Jahr geisterte immer wieder ein Rum durch das Ministry of Rum Forum und zunehmend auch durch die sozialen Netzwerke: der Plantation Single Cask Jamaica Rum 1983, Bottled for the Nectar (Belgium).
Plantation Jamaica Rum 1983 (Flasche 17/150)
Dass der französische Hersteller und unabhängige Abfüller Ferrand in den letzten Jahren immer wieder, neben seinen ständigen Jahrgangsabfüllungen, auch Single Cask Abfüllungen auf den Markt brachte, ist bekannt. Eigentlich auch nicht ganz neu ist, dass der Abfüller verstärkt Single Cask Abfüllungen regional veröffentlicht. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass dies bisher kaum bis garnicht bekannt war, da diese Abfüllungen aus anderen Ländern einen eben so gut wie nicht erreichen. Daduch wird darüber auch nicht allzu viel geschrieben. Bekannt sind mir Abfüllungen, die exklusiv jeweils nur in Belgien, Großbritannien, Dänemark oder der Schweiz zu beziehen sind. Einer der Rums, die nur in Belgien veröffentlicht wurden, und zugleich der, der für das meiste Aufsehen sorgte, ist eine jamaicanische Abfüllung aus dem Jahr 1983. Der Grund dafür liegt denkbar nahe. Zum einen gehören Jamaica Rums grundsätzlich zu den begehrtesten, zum anderen aber, und das ist hier viel, viel entscheidender, gibt es von dieser Abfüllung gerade einmal verschwindend wenige 150 Flaschen. Weltweit. Verkauft wird er nur in Belgien, "Bottled for the Nectar (Anm.: Nectar ist ein örtlicher Abfüller)". Da Plantation Rums sich auch in der Sammlerszene großer Beliebtheit erfreuen, kann sich nun sicher jeder vorstellen, weswegen dieser Rum zur Zeit viel diskutiert wird. Noch dazu lautet der Tenor bisher, dass die Abfüllung auch inhaltlich zu überzeugen weiß. Dessen aber, werde ich mich heute besser selbst versichern.
1 Fass, 150 Flaschen, verkauft in weltweit nur einem Land: Belgien.
Aus außer-belgischer Sicht gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: es gibt einen Shop dort, der nach Deutschland und in die Welt versendet und der die Plantation Rums führt. Die schlechte: der Jamaica 1983 Single Cask ist dort inzwischen leider ausverkauft. Einen Shop gibt es in Belgien, der den Rum noch führt, jedoch versendet dieser leider nicht. Eine Reise in unser Nachbarland scheint die einzige, noch verbleibende Möglichkeit zu diesem Rum zu kommen.
Doch nun zum Rum selbst: 1983 wurde er, auch wenn diese Information dem Label des Rums leider nicht entnommen werden kann, in der Destillerie Long Pond im Pot Still Verfahren destilliert, im Norden Jamaicas. 28 lange Jahre reifte der Rum dann in Eichenholz, wurde von Cognac Ferrand erworben und dort in Frankreich dann noch einmal einem ca. 6 monatigen Cognacfass-Finish unterzogen. Am 9. September 2011 schließlich, wurde der Rum auf 42% vol. verdünnt, in 150 Flaschen gefüllt und nach Belgien exportiert, wo er seit November 2011 dann erhältlich war, bzw. tw. noch ist.
Was kostet der Rum? Bei crombewines.com habe ich für die Flasche 75 Euro gezahlt, der Versand nach Deutschland kostet, egal ob für eine oder für z.B. drei Flaschen 13 Euro. Beides finde ich ausgesprochen fair! Für einen Rum in diesem Alter bezahlt man bei den meißten anderen bekannten unabhängigen Abfüllern fast das doppelte. Und nicht selten wirkt sich auch eine derartige Limitierung auf den Preis aus, was hier ebenfalls nicht der Fall ist. Und der Shop versendet wirklich schnell und zuverlässig. Trotz Lieferung aus dem Ausland brauchte das Paket gerade mal ein paar Tage und alles war sicher verpackt. Ich kann den Shop daher nur weiterempfehlen.
Nun aber zum Rum selbst. Endlich ;)

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Verkostungsnotizen:

Zur Verkostung des Rums erschien es mir sinnvoll diesem zum Vergleich zwei bekannte Rums gegenüber zu stellen: zum einen seinen jüngeren Bruder, den Plantation Single Cask Jamaica Rum 1986 und zum anderen den Silver Seal Long Pond 21 YO aus dem gleichen Jahr. Ich testete die Rums in dieser Reihenfolge und plazierte den neuen 1983er Plantation dazwischen. Nach einer ersten, kurzen Verkostung des 1983 hielt ich diese Reihenfolge für am effektivsten.

Plantation Jamaica 1986, Plantation Jamaica 1983 & Silver Seal Long Pond 21 YO

Farbe: tiefes, dunkles Gold, nicht zu unterscheiden vom Plantation 1986 aber wesentlich dunkler als der strohige Silver Seal.

Viskosität: angenehme Öligkeit, satte, weite Schlierenbildung an der Glaswand.
Nase: süßliche, nussige, leicht vegetale Nase, dem 1986er Plantation sofort ähnlich. Allerdings ist der 1983er weniger süß, hat weniger Orange, was mir gut gefällt. Hingegen ist er noch immer süßer als der Silver Seal. Diesbezüglich stellt der Rum eine Art Brücke zwischen den beiden dar. Charakteristisch gehen aber alle drei in eine ähnliche Richtung.

Gaumen: hier zeigt sich der 1983 ebenfalls weniger süß als der 1986, allerdings auch weniger nussig. Der Rum ist weich, hat eine dezente, angenehme alkoholische Schärfe, wo hingegen beim 1986er kaum alkoholische Töne auftreten. Der 1983er ist etwas komplexer, vielschichtiger und spannender, weg von der reinen Nuss. Schokolade und etwas Vanille gesellen sich jetzt dazu. Jedoch kommt er in puncto Komplexität dem Silver Seal zwar näher als der 1986er, aber erreichen kann er ihn nicht. Der Silver Seal ist trockener als der 1983er, das Holz kommt bei diesem noch etwas mehr heraus. Für 28 Jahre auf Jamaica hingegen, finde ich das Holz dezent. Der Rum ist mitnichten verholzt, die Holztöne empinde ich nicht als unangenehm. Ein sehr reifer Rum!

Abgang: dunkel, süßlich-herb, leicht nussig und auch etwas holzig. Sehr angenehm. Nicht übermäßig lang, aber auch keinesfalls kurz.

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Fazit: auch der Plantation Single Cask Jamaica 1983 ist ein guter Rum, wenn nicht ein sehr guter. Die Tastingreihenfolge hat sich als genau richtig erwiesen, da der Rum quasi zwischen den beiden vorher bekannten Rums steht. Er ist weniger süß als der Plantation 1986 aber süßer als der Silver Seal, dabei aber auch schärfer, reifer und komplexer als der 1986 und weniger scharf, reif und komplex als der Silver Seal. Das gefiel mir gut. Die Destillerie Long Pond kommt, genau wie bei den beiden anderen Rums, klar heraus, so dass ich diese oben auch mit Gewissheit angeben konnte, ohne dass diese Information auf dem Label steht. Überrascht hat mich, dass der Rum trotz 28 Jahren in der Karibik auf Jamaica (der Rum lagerte vor dem Ausbau im Cognac-Fass nicht in Frankreich!) keinesfalls zu viel Holz bekommen hat. Das unterstreicht einmal mehr mein Empfinden, dass Long Pond Rums unglaublich lange Zeit reifen können, ohne dessen zu viel zu bekommen. Schon bei ca. 20 jährigen Rums von dort hatte ich oft das Gefühl, dass diese gerade erst anfangen reif zu werden.
Um aber auch eines zu sagen: natürlich schwingt die Exklusivität mit. Ich bemühte mich daher so gut es ging diesen Faktor bei der Verkostung irgendwie auszublenden und denke auch, dass mir das gelungen ist. Ich ärgere mich selbst oft beim Lesen von Reviews, wenn ich das Gefühl habe, dass der Preis einer Flasche oder seine Limitierung wichtiger zu sein scheinen, als der Tropfen selbst, bzw. dass das einen Rum bei einigen automatisch erstklassig macht. Auch deshalb gab ich bisher nicht viel auf die Lobeshymnen auf diesen Rum. Natürlich macht ein exklusiver Rahmen den Rum noch interessanter, dieser kam auch hier nicht zu kurz, aber es ist mir wichtig, den Flascheninhalt davon zu trennen, mir immer auch die Frage zu stellen: wie würde ich urteilen, wenn man mir den Rum anonym aus einem Tastingfläschchen gereicht hätte. Denn nur dann hat ein Review in meinen Augen auch einen wirklichen Wert.
Von diesem Gesichtspunkt aus kann ich sagen, dass ich den Preis für fair und den Rum für sehr gelungen halte. Er grenzt sich ausreichend vom 1986er Plantation ab, so dass es durchaus Spaß macht, als Jamaica Fan beide sein Eigen nennen zu können. Ein absolutes Muss ist der Rum aber nicht. Es besteht, außer eben, wenn es Jamaica einem wirklich angetan hat, kein Grund zur Trauer darüber, dass man nicht mehr an den Rum herankommen kann. Der noch gut erhältliche 1986er kann ähnlich viel. Einigen Mitgliedern des Cocktails & Dreams Forums konnte ich den Rum glücklicherweise durch eine Flaschenteilung im letzten Jahr zugänglich machen und dieses Trinkvergnügen ermöglichen. Denn beim reinen Genießen, abseits eines neutralen Reviews, da schwingt dann die Freude über die Exklusivität doch wieder mit und das soll und darf sie auch ;)

PS: Ende 2012 erschien, wieder in Belgien, ein 2. Release des 1983 Jamaica Rums (350 Flaschen). Dieses ist derzeit noch erhältlich. Inwieweit sich beide Rums ähneln, kann ich aber natürlich nicht sagen.

In diesem Sinne,
Flo