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Sonntag, 22. November 2020

Flensburg Rum Company Jamaica Rum 21 YO Monymusk 1999

Liebe Rum Gemeinde,

das in jeder Hinsicht unfassbare Jahr 2020 neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen, aber die unabhängigen Rum-Abfüller liefern einfach weiter! Und so bringen uns Old Man Spirits zum Jahresabschluss und mit ihrer siebten regulären Abfüllung unter dem Label "Flensburg Rum Company" nochmal einen 21 Jahre alten Monymusk aus dem Jahr 1999! 



Kontinental gereifter Monymusk, ein Estergehalt von 164 gr/hlpa... Die reinen Randdaten allein, so könnte ich mir gut vorstellen, wirken auf den einen oder anderen schon etwas fortgeschritteneren Connaisseur zunächst einmal eher abschreckend, zumindest auf den ersten Blick. Und in der Tat, unter diesen Vorzeichen und bei näherer Betrachtung gab es in der Vergangenheit tatsächlich nicht so sonderlich viele Rums aus Monymusk, die die Rum Gemeinde wirklich verzückt hätten. Klar, es gibt ein paar ganz, ganz wenige eingefleischte Fans der Destillerie und es gab auch vor ca. 20 Jahren mal die alten Rums von Bristol Spirits (die heute aber kaum noch einer kennt, weil sie sehr selten geworden sind), aber der große Wurf war eher selten dabei. Selbst die meines Erachtens sehr gute Supreme Lord VIII Abfüllung von Rum Nation läuft bei den meisten unter dem Radar und ist auch nach vier Jahren auf dem Markt noch immer problemlos erhältlich. 

Was also hat dieser Monymusk, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit widme? Nun, ähnlich wie beim FRC 29 YO KFM 1991 beginnt diese Geschichte im Februar 2020, also vor ziemlich genau einem dreiviertel Jahr. Als Falk damals, die Main Samples im Gepäck, bei mir zum Tasten war und wir die Rums alle durchprobierten um zu schauen, welche davon sich zur Abfüllung eigneten, flog der Monymusk bei mir noch unter dem Radar - aus allen eben genannten Gründen. Der einzige Grund aus dem ich damals überhaupt nur vorgeschlagen hatte dieses Sample bei Main zur Ansicht mit zu bestellen war das reine Alter des Rums von damals 20,5 Jahren. In diesem Alter gab es in der jüngeren Vergangenheit nämlich nicht viel von Monymusk auf dem Markt, fast alle Rums waren mindestens aus 2003 oder jünger. Und wenn es eine Brennerei gibt, bei denen die lange kontinental gereiften Vertreter den eher jungen Rums meines Erachtens grundsätzlich und meilenweit überlegen sind, dann ist es eben jene. Also schlug ich vor, dass wir uns auch diesen Tropfen mal genauer ansehen sollten, wenn gleich mein Hauptaugenmerk doch sehr klar und eindeutig dem KFM galt. Nun, als die Samples dann da waren und Falk bei mir einkehrte, hatte er natürlich auch den Monymusk dabei. Anders als erwartet gefiel er mir auf Anhieb auch richtig gut und mich faszinierte vor allem, wie komplett der einfach daher kam. Weich und rund aber nicht weichgespült, nicht anstrengend aber doch komplex und gar nicht anspruchslos. Richtig leckerer Stoff einfach, mit Erinnerungen an die alten Bristols aus den 1970er Jahren, aber durch den höheren Alkoholgehalt deutlich besser meines Erachtens! Und tatsächlich war der Jahrgang 1999 von Monymusk jetzt noch eher selten vertreten, so dass der Rum schon so etwas wie ein kleiner Geheimtipp sein dürfte. Kurz: ich gab den Jungs deutlich zu verstehen, dass ich mich persönlich wahnsinnig freuen würde, wenn nicht nur der KFM, sondern auch dieses Fass mit auf dem Einkaufszettel landen würde und das tat er dann letztlich auch. So, und vielmehr möchte ich da vor der Verkostung nun daher auch gar nicht mehr verraten sondern einfach loslegen! 

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung sowie eine Flasche dieses Rums gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des Flensburg Rum Company Jamaica Rum 21 YO Monymusk 1999:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den Monymusk wird bei 144,90€ liegen und der Rum voraussichtlich gegen Ende der 48. Kalenderwoche zu beziehen sein. 

Alter: von September 1999 bis Oktober 2020 lag der Rum insgesamt 21 Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum lagerte während der gesamten Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: Fass #3 ergab 257 durchnummerierte Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt, ich vermute aber einen Anteil von ca.  15-25%.

Alkoholstärke: der Rum kommt in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 56,2% vol. auf. 

Destillationsverfahren: Pot Still.

Mark: unbekannt, ich vermute geschmacklich allerdings, dass es sich um das Mark EMB handelt.

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh

Viskosität: der Rum bildet fette, eher weite und parallel verlaufende Schlieren an der Glaswand und fließt zügig hinab, zurück ins Glas. 

Nase:
 aah, eine einerseits kräftige, dabei aber dennoch auch filigrane und auf jeden Fall aber ausdrucksstarke Nase, die schon ziemlich deutlich nach Jamaica geht, zumindest wenn man diese Art von Jamaica Rum auch kennt; denn der Rum ist definitiv keine Ester-Bombe und es kommt auch kein Rum-Topf Feeling auf. Dafür habe ich aber sehr klare Erinnerungen an den Appleton 1999 von neulich, mit dem Unterschied jedoch, dass mir dieser Style hier wesentlich besser gefällt, und auch an alte Long Ponds aus den 1980s! Alkoholische Schärfe ist fast gar nicht vorhanden und der Rum macht für sein Alter auch sehr schnell auf, wie ich finde, so dass sein Bouquet nicht lange gesucht werden muss. Dort habe ich dann etwas sehr nussiges, wie ich es eben ganz charakteristisch von den alten Long Ponds in diesem Alter noch kenne, dazu viele vegetale, grasige Einflüsse, eine Spur Bourbon Vanille, zarte Rauchnoten, ganz hinten und eher dezent auch gegrillte Ananas und Anis. Dazu kommt eine schöne Note vom Holz, welches der Rum definitiv nicht leugnen kann, und das gefällt mir besonders gut, denn gerade daran scheitern einige der kontinental gereiften Vertreter in diesem Alter auch gerne mal und dann finde ich es doch schade, wenn 20 YO+ Rums den Eindruck vermitteln, sie könnten auch erst halb so alt sein. Diesem Verdacht sieht sich der FRC Monymusk 1999 ganz ausdrücklich nicht ausgesetzt!

Gaumen: Lecker! Bereits mit dem ersten Schluck fällt direkt auf, dass die 56,2% vol. hier genau passen! Der Rum hat einen tollen, voluminösen Körper und kommt dabei richtig weich und smooth daher - optimum strength! Der Alkohol ist perfekt eingebunden! Der Rum liegt schön ölig auf der Zunge, ist angenehm mundfüllend und wird im Verlauf dann immer cremiger. Ich habe starke, präsente Aromen von Nuss am Gaumen, dazu vegetale Noten, viel, viiiiel Anis und auch leichte gegrillte Ananas und dazu Birne, sowie ganz dezent Orange. Dazu gesellen sich Vanille und in geradezu perfekter Dosierung die Tannine und Einflüsse vom Holz! Erneut kommen Erinnerungen an frühere Bristol Monymusk aus den 1970s, Long Ponds aus 1986 und Veliers/Appletons 1999er Abfüllung auf (aber wiederum positiv). Das ist einfach ein richtig leckerer, intensiver Rum voller Tiefe und Komplexität! Eine feine Süße, die zu Beginn noch da ist, schlägt mit zunehmender Verweildauer am Gaumen in Trockenheit um und signalisiert, dass es Zeit für ihn ist zu gehen. 

Abgang: kein ewig langes Finish, aber er bleibt eine Weile. Ich habe noch Anis, frisch geschnittenes Geäst, leichte Macadamia, das ganze trockener und leicht (angenehm) bitter werdend. Sehr schön!

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Fazit:
 ich hatte es ja oben schon mehr oder weniger angeteasert, aber das ist für mich tatsächlich ein nahezu kompletter Rum, der mich noch dazu sehr an eines der schönsten Kapitel meiner Rum-Zeit überhaupt erinnert, nämlich an die alten Stile Jamaicas aus den 1970s und 1980s! Damals, um das Jahr 2011, waren diese für mich das absolute non plus ultra, meine uneingeschränkten Favoriten. Nun, die Zeiten haben sich ein wenig gewandelt und mit ihnen mein Geschmack und so sehe ich heute durchaus doch so einige Styles über diesen Rums, aber dennoch rangieren sie bei mir natürlich noch immer sehr weit oben. Und genau dort, also sehr weit oben, würde ich auch diesen Rum ansiedeln. Nicht in der absoluten Spitze und den letzten 5%, das wäre doch zu hoch gegriffen, aber eben knapp darunter. Und angesichts diesen Tropfens muss ich sogar sagen, dass es in mir einmal mehr die große Frage aufwirft, wie gut all die alten Rums von Bristol u.a. hätten sein können, wenn sie nicht so extrem verdünnt worden wären. Man weiß es nicht und wir werden es nie erfahren, aber ich könnte mir vorstellen, dass es arg in die Richtung meines heutigen Rums im Glas gegangen wäre. Und viel mehr Lob geht dann auch schon kaum noch. Im Hinblick auf den Preis würde ich sagen, dass dieser für einen 21 Jahre alten Jamaica Rum und vor allem die hier gebotene Qualität mehr als angemessen, für viele Connaisseure aber vielleicht auch schon hart an der Grenze dessen ist, was sie für diesen Typ Rum bereit sind auszugeben. Denn auch wenn ich diesen Monymusk schon sehr viel besser finde als alles was sonst an kontinental gereiften Monymusk so rumläuft, so bleibt es eben ein Monymusk und diese haben es am Markt traditionell schwerer als Hampden oder Long Pond. Wer aber z.B. mit den Bristols oder den alten Long Ponds damals durchaus etwas anfangen konnte, der wird die deutlich gesteigerte Intensität durch den höheren Alkoholgehalt lieben, kann hier nicht viel falsch machen und auch eigentlich bedenkenlos zuschlagen - allerdings auch nur dann. Denn wer eigentlich eher auf die Dampfwalzen abfährt und trotz gegenteiliger Darstellung in meiner Review noch immer die Rest-Hoffnung hegt bei diesem Rum eine solche zu bekommen, der sollte auf jeden Fall erstmal zu einem Sample greifen. 

-91/100-


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 3. Mai 2020

Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997

Liebe Rum Gemeinde,

nach sehr viel Hampden und Caroni in letzter Zeit wird es für mich höchste Zeit, einmal wieder auf Monymusk zu blicken! Jene Destillerie auf Jamaica, die noch immer verhältnismäßig unter dem Radar fliegt, die aber gerade im letzten Jahr einige wirklich beachtliche Ausrufezeichen setzen konnte und nun mit einer Abfüllung für Giuseppe Begnoni mit dem nächsten High End Rum am Start ist!



Monymusk hat ganz unzweifelhaft (wenn man einmal von den Scheer-Joint Bottlings absieht, die ich in ihrer Gesamtheit als seltenen Misserfolg Luca Garganos ansehen würde) mit den beiden Velier-EMB-Releases aus 2010 und 1995 im letzten Jahr einen gewaltigen Satz nach vorn hingelegt! Konnte man mit den Rums von dort bis dahin nur ein paar ganz wenige eingefleischte Fans wirklich abholen, so begeisterten und überraschten die tropisch gereiften Vertreter doch mehr oder weniger die gesamte Fachwelt.

Und das ist durchaus paradox! Denn während beispielsweise Hampden oder Long Pond Rums seit jeher in kontinental gereifter Form auf ganzer Linie überzeugten und schon seit mindestens zehn Jahren unter Connaisseuren die Anerkennung bekommen die sie verdienen, war das bei Monymusk anders. Es gab die alten Bristols aus den 1970s, die aber schon sehr subtil waren, und in den letzten Jahren auch kaum noch zu bekommen, aber ansonsten war da nicht viel. Doch mehr noch: ich sehe bei Hampden oder Long Pond die kontinentale Reife geschmacklich noch immer deutlich in Front gegenüber der tropischen Reifung, aller bisher veröffentlichter tropisch gereifter Bottlings in den letzten Jahren zum Trotz. Insofern überzeugte mich die tropische Reife bis dahin zwar ganz klar bei Guyana und bei Caroni, nicht aber bei Jamaica Rum! Die Monymusk EMB verkehrten diese Wahrnehmung erstmals und ich sehe hier die tropisch greiften Kandidaten ganz klar den kontinentalen überlegen. Daher freute ich mich auch direkt, als ich vor einigen Wochen erfuhr, dass noch ein weiterer alter Monymusk im Jahr 2019 abgefüllt wurde, auch wenn er erst jetzt in 2020 auch in den Onlineshops erschienen ist. Es handelt sich dabei um eine Sonderabfüllung für Giuseppe Begnoni, einen Partner Luca Garganos, der 2016 auch bereits das Glück hatte, eine eigene Caroni-Abfüllung zu bekommen. Der Begnoni Monymusk 1997, der mit EMB wieder das Mark der alten Bog Estate trägt, ist auf 442 Flaschen limitiert und besteht, wie der Khong 1995, aus nur zwei Fässern. Der Alkoholgehalt fällt mir stolzen 67,9% sehr ähnlich hoch aus und anders als beim Khong erfahren wir hier den genauen Estergehalt: 427,2 gr/hlpa! Das ist durchaus eine Ansage, vor allem im Vergleich zum Estergehalt des Habitation Velier EMB 2010 damals (275,5 gr/hlpa) und daran gemessen, wie hoch der Estergehalt beim Mark EMB laut National Rums of Jamaica eigentlich sein soll, nämlich maximal 250 gr/hlpa! Insofern haben wir hier schon richtig Ester-Power am Start heute und ich bin natürlich gespannt, inwieweit sich das im Rum selbst dann auch bemerkbar macht. 

Erwähnt habe ich sie eben beide schon aber, so wie ich den 1995er aus der Khong Serie schon gegen den EMB aus 2010 gestellt habe, so stelle ich natürlich auch heute den 1997er für Begnoni wieder neben diesen Rum, aber natürlich auch neben den Khong, so dass er sich gegen die beiden für mich bisher mit Abstand besten EMB gleichermaßen behaupten muss! Bühne frei!


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Verkostung des Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997:

Preis: ich habe den Rum in diversen Onlineshops für zwischen 305,- und 350,- Euro gesehen. Gegenüber der Khong Abfüllung letztes Jahr (Ausgabepreis waren ca. 200,- Euro) also eine deutliche Steigerung! Vielleicht ist der Rum auch deshalb aktuell noch gut zu beziehen.

Alter: von 1997 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 22 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten bei Monymusk auf Jamaica, der Rum reifte also komplett unter tropischer Sonne. 

Fassnummern: unbekannt. Es handelt sich allerdings laut Label um einen Blend aus zwei Fässern, die insgesamt auch nur 442 Flaschen ergaben.

Angel's Share: >82% des ursprünglichen Volumens gingen über die Jahre an die Engel.

Alkoholstärke: stolze 67,9% vol. bringt der Begnoni 1997 "auf die Waage" - Full Proof!

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: gold-braun, fast ins rötliche und an Rosskastanie erinnernd. 

Viskosität: parallele, regelmäßige und eher enge Schlieren laufen von der Glaswand zügig ins Glas zurück. 

Nase: zunächst sehr alkoholisch, was bei diesem hohen Alkoholgehalt und noch dazu im Ballonglas nicht anders zu erwarten war, lasse ich den Rum erst einmal über eine Stunde atmen. Diese tut ihm merklich gut, denn im Anschluss daran finde ich in der Nase ein Bouquet vor, was es definitiv wert ist, dass man sich eingehend mit ihm auseinander setzt. Mich begrüßen direkt zu Beginn schon starke Ester und andere Congeners, die allerdings trotz der geweckten Assoziationen zu Klebstoffen und Lösungsmitteln in eine ganz andere, eigene Richtung gehen als beispielsweise Jamaicaner aus Hampden oder Long Pond. Die Verwandtschaft zum 1995er ist offenkundig und auch den 2010er kann er kaum leugnen, wenn gleich das hier freilich ein anderer Reifegrad ist. Der Rum hat einiges an Tanninen abbekommen. Ich habe Röstaromen, karamellisierten Zucker, leicht verkohltes Holz und hinten heraus auch Gewürze, wie z.B. Anis. Es gesellen sich dann aber auch Trockenfrüchte, Mango und Papaya dazu, die hier zur sehr gereiften Komponente des Rums auch einen fruchtigen Part mit einbringen, was im Zusammenspiel sehr gut funktioniert. In der Nase mutet der Rum all in all tatsächlich wie ein Verbindungsstück zwischen dem sehr extremen 1995 und dem im Vergleich geradezu jugendlich anmutenden 2010er EMB, wobei die Tendenz, seinem Alter entsprechend, natürlich zum 1995er geht. 

Gaumen: zunächst einmal möchte der Alkohol gebändigt werden, was durchaus schon einer kleinen Anstrengung bedarf. Da steht er dem 1995er in nichts nach und die fast 68% vol. erbringen ihren Anwesenheits-Nachweis. Dementsprechend empfehle ich, sich dem Rum erstmal eher mit kleineren Schlücken zu nähern. Hat sich das anfängliche Brennen am Gaumen gelegt, und ja, der zwirbelt trotz der nicht geringen Reife schon ganz schön, gibt er eine feine Süße, sehr viele Tannine, Röstaromen, Anis, Bananenchips und -kompott frei, sowie wieder diesen medizinischen Touch, den ich auch schon beim 1995er gefunden hatte. Insgesamt zeigt er sich in seiner Gesamt-Anmutung dem großen Bruder schon sehr ähnlich, wenn gleich dieser nochmal ein ganzes Stück mehr Reife aufweist. Den 1997er empfinde ich hier schon als etwas ausgeglichener/ausgewogener/stimmiger, obwohl auch er wirklich arg gereift daher kommt. Gingen meine Assoziationen beim 1995er noch eher zu Long Pond, bin ich hier eher bei Worthy Park. Da sind schon einige Parallelen. Wenn Worthy Parks mit vergleichbarer Reife irgendwann ähnlich schmecken, dann sollte man sie lieber noch etwas in den Fässern lassen statt sie aktuell massenhaft auf den Markt zu werfen, denn in dieser Form kämen sie doch sehr viel spektakulärer als derzeit. Doch ich schweife ab.

Abgang: wieder habe ich die Assoziationen zu Worthy Park, allerdings auch zu alten Demerara Rums. Ich finde viel Anis, dazu verbranntes Gummi und einen medizinischen Bitter-Ton! Mittel- bis langanhaltend! 

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Fazit: obwohl mir der Rum fast genauso gut gefällt wie der 1995er, bin ich nicht mehr ganz so begeistert, wohl auch, weil ich nicht mehr in dieser Form überrascht bin wie ich es noch im Herbst letzten Jahres war. Aber wie jetzt? Sind diese alten Monymusk etwa nur ein One Trick Pony? Nein, soweit würde ich definitiv nicht gehen, immerhin sind sie meines Erachtens noch immer absolut perfekt für Momente, in denen es schon ein sehr gediegener Rum sein darf, in denen man sich aber gleichzeitig nicht unbedingt einen Rum wünscht, den man dann noch für die nächsten zwei Tage am Gaumen präsent hat, wie das bei Hampden oder Caroni schnell mal der Fall ist. Insofern sprechen wir hier ohne jeden Zweifel noch immer von Top Qualität auf höchstem Niveau! Allerdings sprechen wir inzwischen eben auch über Top Preise auf ebenfalls sehr gehobenem Niveau und da muss oder sollte man dann doch schon auch etwas genauer hinsehen, gerade mit Blick auf den EMB 2010, den man noch immer für ca. 100,- Euro bekommt und damit für gerade einmal ein Drittel (!) dessen, was man für den 1997 hinlegen muss (beim 1995er ist die Spanne nochmal größer, durch die Preise auf dem Secondary). Klar, der Habitation Velier rangiert schon nochmal ein ganzes Stück hinter den älteren Brüdern, zumindest aus meiner subjektiven Warte, aber eben auch nicht soo weit dahinter, als dass man nicht doch heimlich im Kopf zu rechnen beginnt. Und an der Stelle ist es dann eigentlich auch schon zu spät, denn wenn ich in dieser Preisrange einen Rum kaufen möchte, dann sollte ich tendenziell nicht überlegen müssen. Wer es dennoch tut, bzw. hier zuschlägt macht nichts desto weniger aus meiner Sicht allerdings keinen Fehler, sondern erhält einen fantastischen Rum, an dem er viel Freude haben wird, nur eben zu einem als leicht zu hoch empfundenen Kurs. Das wiederum wäre ja aber bei vielen von uns ganz sicher nicht das erste mal... oder? ;-)

Ein ganz besonderer Dank geht abschließend nach Wilhelmshaven für das Sample vom EMB 1997, den ich ansonsten nicht hätte verkosten können!

-92/100-

Ich wünsche euch nun noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 20. Oktober 2019

Velier Jamaica Rum EMB 24 YO Monymusk 1995

Liebe Rum Gemeinde,

erst im Juli diesen Jahres hatte ich euch den neuen Habitation Velier 9 YO EMB Monymusk aus 2010 vorgestellt, der alles was wir bisher zu Monymusk gesehen haben so ein wenig auf den Kopf gestellt hat. Nun hat Velier mit einem EMB aus 1995 direkt einen Nachfolger hinterher geschoben, bei dem alleine schon die Eckdaten für große Augen sorgen - und der gleichzeitig auch den Startschuss zu einer zweiten Khong-Serie markiert: der Velier Jamaica Rum 24 YO Monymusk 1995!



24 Jahre tropische Reife... nein, schon das allein sehen wir nicht sehr häufig, insbesondere seit es von Velier keine alten Demeraras mehr gibt. Auch die allermeisten Caronis reiften nicht so lange. Einen so lange tropisch gereiften Rum aus Jamaica kenne ich, abgesehen von wenigen Appleton Rums, glaube ich sogar überhaupt gar nicht. Insofern ist dieser neue Monymusk von Velier also schon so etwas wie eine kleine Sensation, die durchaus aufhorchen lässt. Veröffentlicht wird diese im Rahmen einer zweiten sechsteiligen Warren Khong Serie, also einer Serie an Veröffentlichung, dessen Label-Gestaltung in der Hand des Künstlers Warren Khong liegt, die zugleich aber auch eine Hommage an die Villa Paradisetto in Genua ist, in der Velier von 1988 an bis in dieses Jahr Quartier bezogen hat. Im nächsten Jahr steht dann, nach 32 Jahren in der Via G. Byron 14, ein Umzug an. Das Kunstwerk Khongs auf dem Frontlabel stellt dabei jeweils dessen Interpretation des Bildes vom Backlabel dar. Ebenfalls schon bekannt ist eine weitere Abfüllung der Serie, ein Savanna Traditionell aus dem Jahr 1999.




















Schon beim 9 Jahre alten EMB von Habitation Velier fiel mir auf, wie enorm reif Monymusk auch in jungen Jahren schon sein kann, wenn sie in den Tropen reifen. Und ehrlicherweise muss ich gestehen: nach der Verkostung des EMB 2010 hätte ich nicht gedacht, dass man die Reifung auf insgesamt 24 Jahre ausdehnen könnte. Ich empfand diesen schon sehr nah dran am Zenit, nach dem, wenn er überschritten wurde, sich Reife dann ja eher negativ auswirken würde, und war daher, als ich von diesem neuen Bottling hörte, sowohl euphorisch als auch skeptisch. Heute verkoste ich den Rum hier auf BAT und so werden wir gemeinsam feststellen, welches Gefühl sich da am Ende durchgesetzt hat. Eines aber scheint jetzt schon sehr klar zu sein: Velier hat in puncto Monymusk ganz offensichtlich noch einiges auf dem Plan, denn auch für 2020 kündigen sich schon neue Bottlings aus dieser Destillerie an. Das findet wiederum meine ausdrückliche Zustimmung, denn ich finde, gerade der EMB 2010 hat gezeigt, dass bei Monymusk noch viel mehr geht als wir bisher gesehen haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Rum aus 2010 und dieser heute aus 1995 das gleiche Mark tragen. So lässt sich doch einigermaßen aussagekräftig abschätzen, wie sehr sich der Stoff mit einem deutlichen Plus an mehr Reifejahren im Laufe der Zeit verändert. Folglich werde ich beide jetzt gleich auch nebeneinander verkosten. Das Mark EMB, hier hatte ich das ausführlicher erläutert, steht für die ehemalige Brennerei Bog Estate. Ein Dank geht heute an einen lieben Connaisseur, mit dem ich den Rum zusammen verkostet habe und von dem ich dankenswerter Weise auch das Sample samt Altglas und -papier für's Foto bekam. Vielen Dank! :-)


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Verkostung des Velier Jamaica Rum 20 YO Monymusk 1995:

Preis: der Rum war teilweise für unter 200,- Euro in einigen Shops zu finden, lag meist aber bei genau 200,- bis 240,- Euro. Das ist, bei aller Perversion der Preisexplosionen in den letzten Jahren, für einen 24 Jahre tropisch gereiften Rum im Jahr 2019 durchaus als Schnäppchen zu begreifen. 

Alter: von 1995 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 24 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten auf Jamaica, direkt bei Monymusk, der Rum reifte also komplett tropisch. 

Fassnummern: unbekannt. 

Angel's Share: unbekannt. Ich vermute aber, anhand anderer Abfüllungen, die unter vergleichbaren Bedingungen reiften, dass er nicht unter 80% gelegen hat.  

Alkoholstärke: 67% vol. - Full Proof.

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni, der Rum wechselt schon beinahe ins rötliche. 

Viskosität: der Rum bildet weite, gleichmäßige Tränen an der Glaswand, die die enorme Reife des Rums geradezu visualisieren. 

Nase: hui, das ist mal Reife! Dass wir es hier und heute mit einem richtig lange und auch tropisch gereiften Rum zu tun haben, ist vom Start weg unübersehbar! So intensiv, mit solch einer Tiefe und Komplexität in der Nase... das sieht man selten. Ein Monster von einem Rum steht da vor mir! Ich habe mir den Monymusk EMB von 2010 einfach mal zum direkten Vergleich daneben gestellt und da fällt es dann direkt noch einmal noch mehr auf. Wahnsinn! Denn wir erinnern uns, schon der 9 Jahre alte Rum hatte eine extrem präsente Fassreife, aber das hier geht noch einmal meilenweit darüber hinaus, ohne, und das möchte ich von Beginn an klarstellen, dass auch nur entfernt der Eindruck entsteht, dass der Rum verholzt sein könnte. Ganz im Gegenteil, die intensive Reife steht ihm hervorragend! Ebenfalls auffällig ist, wie gut der Alkoholgehalt von 67% vol. in der Nase eingebunden ist. Klebstoffe und Lösungsmittel sind sehr präsent, der Rum hat gut Ester. Riecht man eine längere Zeit am Glas und wechselt dann aber unmittelbar zum 2010er EMB, dann riecht der erstmal nach gar nichts mehr. Puh! Ansonsten finde ich Anis und Tabak noch sehr ausgeprägt vor und eine leichte Zitrusnote schwingt mit. In dieses herrliche Potpourri weben sich dann in ausgezeichneter Manier die starken Tannine ein, die dem Rum ihren Stempel aufdrücken, ohne ihn dabei aber zu dominieren. Eine ausgezeichnete Nase! In dieser Disziplin hat der deutlich jüngere Bruder leider keine Chance! 

Gaumen: der Rum brennt am Gaumen zunächst einmal schon ganz gut. Hier verleugnet er seine 67% vol. ganz und gar nicht. Das geht schon ganz schön ab! Nach einer Weile legt sich das aber und der Rum beginnt, all sein Können zu zeigen. Der Rum macht, während man ihn sich auf der Zunge hin und her legt, eine klare Transformation durch.  Zum Einstieg nehme ich eine sehr präsente Zitrusnote wahr, dann aber habe ich vor allem Anis, ganz viel davon, reichlich Tannine vom Holz und eine leicht medizinische Assoziation. Er wird mit der Zeit natürlich auch immer trockener. Der Rum ist dabei zwar nicht unbedingt der komplexeste, am Gaumen, allerdings macht er das durch atemberaubende Intensität einfach locker wett. Hier liegt seine große Stärke! Und nicht zuletzt muss man festhalten: der Rum ist richtig, richtig lecker! Was auffällt ist, dass Assoziationen zu den bisherigen, europäisch gereiften Monymusk hier überhaupt nicht aufkommen, wie schon beim 2010er EMB, bei dem das auch schon so war. Grundverschiedene Rums! Stilistisch ist das alles viel, viel näher an Long Pond. Untereinander ist die Verwandtschaft der EMBs zueinander aber klar erkennbar. Der Stil ist grundsätzlich der gleiche, nur ist der 1995er eben sehr, sehr, sehr viel reifer. Davon profitiert er enorm!

Abgang: deutliches Anis, Tannine, angenehme Bitterkeit, frisch geschnittenes Geäst, würzig-trocken. Der Rum verweilt mittellang bis lang am Gaumen.

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Fazit: ganz, ganz großer Rum zu einem, zumindest wenn man den Ausgabepreis heranzieht, unfassbar guten Preis! Richtig stark! Der Rum toppt seinen kleinen Bruder, den EMB 2010 von Habitation Velier, spielend. Das hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet, hatte den 2010er gar schon am Zenit gewähnt, allerdings gibt es da einfach kein Vertun. Ich gehe hier klar mit dem älteren Bruder. Wer ihn zu einem guten Preis noch bekommen kann, sollte zuschlagen. Klasse, dass es Velier schafft solche Schätze immer und immer wieder auszugraben.
Doch so hervorragend das alles klingt: für die allerhöchste Kategorie reicht es für mich persönlich nicht ganz, dafür fehlt mir etwas die Komplexität und gleichzeitig etwas weniger alkoholische Schärfe am Gaumen. Ich könnte stundenlang an ihm riechen und ihn auch trinken, wenn ich nicht nur ein kleines Sample hätte, und mich von dieser intensiven Leckerheit wirklich berauschen lassen, aber da müsste für die letzten % einfach noch etwas mehr kommen. Ich denke, gemessen am eigenen Potenzial, wäre hier noch mehr möglich. Aber was ist das? Richtig! Meckern auf unglaublich hohem Niveau! Daher nicht beirren lassen: für mich einer der Rums des Jahres und der neuerliche Beweis, was Monymusk alles kann! Und am Ende ist genau das dann wahrscheinlich auch schon so ein kleines Foreshadowing für das, was uns in 2020 erwartet, das ein wahres Monymusk-Jahr werden könnte. Beim 2010er EMB hatte ich gesagt, dass er das klare Potenzial dazu besitzt, Monymusk aus dem Schatten der anderen Brennereien zu ziehen. Der 1995er allerdings hat das Potenzial, Monymusk nicht nur neben die anderen, sondern es gar auf die große Bühne zu stellen. Ich bin neugieriger denn je, wie der 1984er Monymusk schmeckt, der nächstes Jahr kommt. Es sind aufregende Zeiten in der Rum-Szene!

-93/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 7. Juli 2019

Habitation Velier EMB Jamaica 9 YO Monymusk 2010

Liebe Rum Gemeinde,

Monymusk als das "schwarze Schaf" der Jamaica Rums zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben und ganz sicher auch weder fair noch gerechtfertigt. Und doch habe ich, seitdem ich 2011 angefangen habe mich mit Jamaica Rums intensiver auseinanderzusetzen, das Gefühl, dass diese Destillerie unter Connaisseuren sehr deutlich im Schatten von Hampden, Long Pond, Worthy Park oder auch Appleton steht. Heute stelle ich einen Rum vor, der das eindeutige Potenzial dazu hat, solche Sichtweisen langfristig und nachhaltig geradezu umzustoßen!



Der Habitation Velier EMB 2010 ist einer von drei Jamaica Rums, welcher im Rahmen der Habitation Velier Reihe im Frühjahr 2019 von Velier releast wurde. Neben dem Monymusk kamen auch noch ein Hampden HGML aus 2010 und ein Long Pond TECA aus 2005. Wie bisher gewohnt ging der Monymusk dabei, mindestens gefühlt, ein wenig unter neben dem TECA und vor allem dem HGML. Nun mache ich heute schon seit der ersten Zeile keinen wirklichen Hehl daraus, dass für mich bei diesem Rum irgendwas anders ist als bei anderen Monymusk und das möchte ich im Folgenden auch gern erläutern.

Fangen wir zunächst dort an, wo der heutige Rum, zumindest meines Wissens nach, derzeit noch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hat: er ist tropisch gereift. Das ist für einen Monymusk ein Novum! Alles an Rum was uns von dort all die Jahre über unabhängige Abfüller erreichte, wurde in Europa gereift - seien es die ganz alten Monymusk aus 1976 und 1977 oder auch spätere Batches aus den Jahren 1991, 1997, 1998, oder auch aus 2003 oder 2007, um da den Bogen zu neueren Vintages zu spannen. Nun bin ich, bei aller Sympathie für tropische Reife, auch im Jahr 2019 noch kein Dogmatiker und sehe kontinental gereifte Rums nicht minder als solche, die in den Tropen lagen. Es sind eben zwei vollkommen verschiedene Wege, die zu unterschiedlichen (meines Erachtens jeweils sehr guten) Ergebnissen führen. Nun möchte ich der gleich folgenden Verkostung natürlich nicht allzu sehr vorgreifen, aber ich denke im Fall von Monymusk durchaus, dass wir hier heute ein vielleicht doch auch besseres Ergebnis sehen, nicht nur ein anderes, als bei jenen Rums, die Monymusk bei kontinentaler Reife abliefert. Aber dazu gleich mehr.

Der zweite äußerst wichtige Punkt, und ich glaube, dass auch das eine Premiere ist, ist das Mark. Ich habe Rums aller bisherigen Monymusk Batches im Glas gehabt, aber keines davon ähnelte dem, was ich gleich probieren werde. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass der Unterschied nicht ausschließlich in der Art der Reife liegt. Das Mark des heutigen Monymusk lautet EMB, was, laut Unterlagen von National Rums of Jamaica, bei Monymusk für Rums mit einem Estergehalt von 240 - 250 gr/hlpa verwendet wird. Velier gibt auf dem Backlabel ein Spektrum von 125 - 280 gr/hlpa an, was den offiziellen Angaben deutlich widerspricht. Eine eindeutige Aussage dazu was da nun genau stimmt kann ich da schwerlich mit Sicherheit treffen, aber für sehr viel wahrscheinlicher halte ich es natürlich, dass die offiziellen Zahlen stimmen werden. Wie dem aber auch immer sei, eines ist klar: der Rum hat einen deutlich höheren Estergehalt als die bisherigen Monymusk, die Europa in all den Jahrzehnten erreichten und das bedeutet natürlich, dass hier neue Facetten der Destillerie zum Vorschein kommen.


Über Bog Estate:

In den Unterlagen von NRJ erfahren wir aber auch noch ein weiteres spannendes und wichtiges Detail. Das Mark EMB bezeichnet nämlich nicht einfach nur eine Ester-Range, sondern es steht darüber hinaus auch noch für Bog Estate, eine im Jahr 1948 geschlossene Destillerie auf Jamaica, die früher in Clarendon, im Süden der Insel, stand. Eine weitere Lost Distillery also, die hier wieder ans Licht kommt! Nach einem Brand vor einigen Jahren scheinen vom ehemaligen Anwesen leider nur noch Ruinen übrig zu sein, aber hier erhält man dennoch ein paar Eindrücke. Was die Geschichte von Bog Estate angeht bin ich, um ehrlich zu sein, noch ein wenig irritiert. Anders als bei anderen historischen Brennereien auf Jamaica sind die Angaben die ich gefunden habe, unter anderem zu ehemaligen Vorbesitzern und zur Gründung der Destillerie, extrem widersprüchlich, weswegen ich hier mit Infos leider noch geizen muss. Festzustehen scheint nur, dass der Stil von damals bewahrt wurde, ähnlich wie wir es bei Vale RoyalCambridge oder Tilston schon im Fall von Long Pond gesehen haben, und heute eben bei Monymusk gebrannt wird. Es handelt sich dabei, laut NRJ, um einen Medium Pot Still Rum, der im Wedderburn Style daher kommt. Und wie sich dieser Stil letztendlich im Glas macht, das sehen wir jetzt!


Verkostung des HabitationVelier Jamaica Rum 9 YO Monymusk 2010:

Preis: die Preise für eine Flasche unterschieden sich zum Teil. Meist wurden zwischen 90,- und 110,- Euro aufgerufen.  

Alter: von 2010 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 9 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten bei Monymusk, wurden also komplett tropisch gereift. 

Fassnummern: unbekannt, ebenso wie die genaue Anzahl an Fässern oder Flaschen.  

Angel's Share: >64% sind in 9 Jahren Reifung verdunstet. 

Alkoholstärke: 62% vol. - High Proof.

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: tiefes, kräftiges gold-braun, ins Mahagoni gehend. 

Viskosität: es bilden sich nur vereinzelt Tropfen am Glasrand, eine Schlierenbildung findet unregelmäßig und in eher weiten Abständen statt. Nicht sehr fotogen. ;-) 

Nase: eine schöne, deutliche und kräftige Ester-Nase empfängt mich schon nach kurzer Zeit des Atmens im Glencairn Glas. Wow, das gefällt mir richtig gut! Voll und reichhaltig kommt das alles daher, man möchte mit der Nase immer wieder zum Glas. Alkoholische Schärfe ist nahezu gar nicht präsent. Was rieche erinnert mich dann auch erstmal so gar nicht an Monymusk, wie ich es kenne. Ob das an der tropischen Reife liegt oder daran, dass hier möglicherweise ein Mark gebottlet wurde, was es bei anderen UA bisher noch nicht gegeben hat? Ich vermute beides, denn so kenne ich die Destillerie bisher einfach nicht. Gefällt mir sehr, sehr gut! Im Bouquet finde ich die typischen Lösungsmittel und Lacke der Ester, dazu Anklänge von Tabak, Anis, Leder und Holz. Überhaupt steht der Rum sehr auf der trockenen und gereiften Seite. Für 9 Jahre, und selbst für tropische Verhältnisse, ist das hier ein dickes Ausrufezeichen! Eine natürliche Süße schwingt nur ganz dezent mit und fruchtige Komponenten finde ich nahezu gar nicht und wenn, dann sehr undefiniert. Mich erinnert das ganze mehr an einen gereiften Long Pond als an Monymusk! Sehr geil!

Gaumen: der Rum legt sich in der Mundhöhle sofort weich und cremig auf die Zunge. Dann brennt er kurz etwas, aber nicht wild, und ist dann einfach lecker! ... aber auch schon ganz schön bitter! Das wäre wohl meine erste Kurzbeschreibung. Ich bin schon angetan, ihr merkt das sicher bereits. Monymusk kommt am Gaumen jetzt etwas mehr durch, leichte Buttersäure ist wahrzunehmen, aber auch hier ist das ganz weit weg von den Monymusk, die wir bisher so gesehen haben. Das ist alles viel näher an Long Pond dran. Hier fühle ich mich wiederum leicht an den TECA erinnert, allerdings in erheblich moderaterer Form. Wenn ich hier von einer Erinnerung spreche, dann ziele ich da keinesfalls auf eine direkte Vergleichbarkeit. Holz spielt auch am Gaumen eine große Rolle, der Rum hat klare Bitterkeit an Bord, und man merkt ihm seine enorme Reife deutlich an. Niemals würde ich blind wohl auf einen neun Jahre alten Rum tippen. Auch die Farbe demonstriert ja etwas ganz anderes. Wahnsinn! Einzig: der Rum ist wirklich sehr trocken, sehr auf der würzig-bitteren Seite, ganz viel Anis ist auch dabei, so dass für tropische Früchte fast keinerlei Raum bleibt. Da fehlt ihm so ein wenig die letzte Dimension, die ihn für mich dann nahe in die Richtung von Perfektion rücken würde. 

Abgang: viel Holz, dadurch bitter, aber noch nicht unangenehm, und Anis-Anklänge fahren mit. Das macht Spaß. Der Nachklang hält mittellang an. 

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Fazit: Velier vermag uns auch im Jahr 2019 weiter zu entertainen und zu überraschen und bringt mit Rums wie diesem etwas bisher so nicht da gewesenes. Vielen Dank dafür! Ich für mich ganz persönlich sehe hier großes Potenzial, die Popularität Monymusks deutlich zu erhöhen, denn der Rum ist für mich ein echtes Brett und das zu einem, für heutige Verhältnisse, durchaus auch sehr fairen Preis. Denn zum einen sind gute Rums unter und um 100,- Euro herum leider selten geworden, zum anderen aber wirkt der Rum über weite Strecken deutlich älter. Und: er steht einem Long Pond z.B. wirklich in kaum etwas mehr nach, meiner Meinung nach! Ein Bottling, das deshalb tatsächlich wie Wasser auf die Mühlen aller Verfechter von Tropical Aging wirkt, das kann man nicht anders sagen. Und ich kann selbst auch nur hoffen, dass in Zukunft noch weitere solcher Rums uns Connaisseure erreichen, denn es zeigt sich hier deutlich, dass Monymusk sehr viel mehr kann, als das was wir bislang zu sehen bekamen. Allen, die Monymusk auf Grundlage genau dieser bisherigen Erfahrungen vielleicht schon abgehakt haben empfehle ich darum mit Nachdruck, bei dieser Abfüllung doch nochmal genauer hinzuschauen. Es lohnt sich wirklich, der kann ganz viel! Ich kaufe inzwischen wirklich selten von einer Abfüllung noch ganze Flaschen, setze fast ausschließlich auf Samples, aber von diesem habe ich mir ein Groß-Sample gegönnt!

-90/100-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 14. April 2019

Rum Nation Jamaica Rum 25 YO Monymusk 1991

Liebe Rum Gemeinde,

nach, für meine Verhältnisse, ganz viel Demerara Rum, geht's heute mal wieder zurück zu den Wurzeln und ich möchte euch einen lange gereiften Jamaica Rum aus Monymusk und in Fassstärke vorstellen! Dargereicht wird er von Rum Nation, die diesen Rum als den letzten ihrer Supreme Lord Serie ausgewählt haben.



Die Supreme Lords von Rum Nation galten vielen einst als eine der begehrtesten Serien, die es im Bereich Jamaica Rum überhaupt gibt.  Mit 1974, 1977, 1982, 1985 und 1986 vereinte sie alle alten Long Pond Jahrgänge in einer gemeinsamen Reihe - dazu kam dann noch ein 1990er Hampden, ebenfalls ein Ausnahme-Jahrgang. Schon im Jahr 1999 kam mit dem Supreme Lord I der erste Rum der Reihe auf den Markt und in Abständen von jeweils zwei bis drei Jahren folgten dann die weiteren. Auffällig waren die für damalige Verhältnisse wirklich hohen Preise. Für jede Flasche musste man auch schon vor dem großen Boom um Rum mindestens 120,- Euro und mehr hinlegen. Was heute leider sehr viel vertrauter erscheint, war preislich damals schon das oberste Fach im Regal (die tropisch gereiften Velier z.B. waren günstiger). Das große Manko der Supreme Lords: alle Rums wurden mit 43 oder 45% vol. abgefüllt, also stark verdünnt. Bis auf den aller ersten, den Lord I, hatte ich jede der Abfüllungen im Glas und musste immer wieder feststellen, dass einige von ihnen zwar ein hervorragendes Profil hatten, sie aber einfach zu stark verwässsert wurden. Diesen "Fehler" hat man beim Supreme Lord VIII glücklicher Weise nicht begangen, weswegen der Monymusk 1991 in voller Fassstärke von 55,7% vol. daher kommt!

Doch noch etwas ist neu beim Rum Nation Supreme Lord VIII, nämlich die Box. Hatte man bei den sieben Vorgängern noch auf charakteristische, opulente Holzboxen gesetzt (die wirklich etwas hermachten im Regal, Äußerlichkeiten hin oder her!), so kommt der Monymusk in einer vergleichsweise schlichteren, aber ebenfalls sehr groß ausfallenden Umverpackung daher. Preislich lag der Rum in der Ausgabe bei ca. 230,- Euro in Deutschland, in Italien war er etwas günstiger, womit er aber so oder so der teuerste der acht Rums der Reihe war. Dies lag, neben der Tatsache, dass er in Fassstärke daher kommt, möglicherweise auch daran, dass der Rum ganze elf (!) seiner fünfundzwanzig Jahre der Lagerung in Ex-Oloroso Sherry Fässern nachreifen durfte, die ja bekanntlich teuer sind. Dieses Finish sorgt gleichzeitig aber auch für eine gewisse Einzigartigkeit, denn ich kenne glaube ich keinen anderen lange gereiften Jamaica Rum, der ein so dermaßen langes Finish in Ex-Sherryfässern genießen durfte. Wie sich das geschmacklich ausgewirkt hat und ob der Rum seinen ihm eigenen Charakter darunter noch bewahren konnte, das erfahren wir im Folgenden...


Verkostung des Rum Nation Jamaica Rum 25 YO Monymusk 1991:

Preis: der Ausgabepreis in Deutschand im Jahr 2016 betrug ca. 230,- Euro, in Italien war er allerdings deutlich günstiger zu bekommen. Inzwischen liegt der Kurs bei 250,- Euro ca.

Alter: von 1991 bis 2016 reifte der Rum im Fass, davon die ersten 14 Jahre im Ex-Bourbon- und die weiteren 11 Jahre im Ex-Oloroso-Sherrycask.

Lagerung: der Rum reifte mutmaßlich die meiste Zeit, wenn nicht gar die gesamten 25 Jahre, in Europa.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 750 Flaschen abgefüllt. 

Angel's Share: keine Angabe. 

Alkoholstärke: der Supreme Lord VIII Monymusk kommt in Fassstärke daher, und bringt noch 55,7% vol. "auf die Waage". Das macht ihn unter den acht Supreme Lords einzigartig, denn die anderen wurden samt und sonders mit 45, bzw. mit 43% vol. abgefüllt. 

Destillationsverfahren: ich mutmaße eine Pot Still hinter diesem Rum.

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles, leuchtendes Mahagoni. 

Viskosität: es bilden sich enge, kleine Perlen an der Glaswand, die dann zu engen Schlieren gleichmäßig und zügig am Glas herunterlaufen.

Nase: Wow, das ist mal eine volle Nase! Wahnsinn! Auch nach über 45 Minuten des Atmens im Glas gibt sich der Rum noch sehr konzentriert und der Alkohol ist weiterhin merklich präsent. Daher ist zunächst einmal ganz lange ausschließlich peripheres Nosing angesagt. Das allerdings lohnt sich auch schon enorm! Ich empfinde das Bouquet als unglaublich warm und die Reife des Destillats zeigt sich unzweifelhaft deutlich. Ich nehme Noten von Klebstoff und Nagellackentferner wahr, gepaart mit etwas Marzipan, Trockenfrüchten, Tabak, Gewürzen, Tee, und vor allem das Finish in Ex-Oloroso Casks, welches den Brennereicharakter des Monymusk zwar nicht überlagert, diesem aber schon sehr seinen Stempel aufdrückt. Bedenkt man allerdings, wie wirklich extrem lange die Nachreifung in Ex-Oloroso-Sherryfässern stattfand, stolze 11 Jahre waren es, so hält sich das aber auch eigentlich schon fast wieder im Rahmen, wie ich finde.  Dahinter kommt dann noch ein leicht fahler Beiton, den ich nicht einordnen kann. Dass es sich um einen alten, lange gereiften Jamaicaner handelt, ist deutlich wahrnehmbar, wenn man noch einige der Abfüllungen aus den 1970er und 1980er Jahren kennt, aber das Finish hat da wie gesagt schon etwas sehr eigenes draus gemacht. Herrlich! Ein Rum, an dem man sich kaum satt riechen kann, der wirklich sehr reichhaltig daher kommt und einfach Spaß macht! Etwas für vor dem Kamin im Winter oder den Balkon an einem Sommerabend!

Gaumen: am Gaumen fällt mir zunächst auf, dass der Rum einen weniger schweren Körper hat, als ich es anhand der Nase vermutet hätte. Dann aber kommt er nach und nach und wird auch sehr mundfüllend und letztlich cremig. Lecker! Ich habe zu Beginn eine angenehme und natürliche Süße. Der doch recht hohe Alkoholgehalt, immerhin kommt der Monymusk mit 55,7% vol. in Fassstärke daher, macht sich kaum bemerkbar, kurz zwiebelt er an der Zunge, aber ich empfinde den Rum direkt als angenehm trinkbar. An Assoziationen habe ich Nasses Gras, Stroh, Haselnuss, Melasse, Banane und im Hintergrund auch Anis. Das sind schon die typischen Merkmale alter Jamaicaner aus Long Pond oder eben auch Monymusk. Dazu kommen Einflüsse von Trockenfrüchten, die wohl dem Sherryfass entstammen. Dieses spielt hier aber eine sehr viel geringere Rolle als noch in der Nase. Außerdem habe ich Zimt, frisch geschnittene Äste, Tabak und Eichenholz. Ein überaus reichhaltiger, komplexer Rum, der niemals langweilig zu werden, der bei jedem Schluck immer noch weitere Facetten zu bieten zu haben scheint. Zu keiner Zeit habe ich das Gefühl, dass der Monymusk seine Geschichte schon auserzählt hat. Das gefällt mir!

Abgang: unmittelbar nach dem letzten Schluck verweilen Anis und Tannine am Gaumen. Insgesamt ist der Abgang aber wohl der einzige Teil des Rums, der nicht auf ganz hohem Niveau spielt, denn der Rum ist überraschend schnell bereits nach einigen Minuten nahezu verflogen.

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Fazit: ein hervorragender Rum, der lange Zeit etwas unter meinem Radar lief - zu unrecht! Zwar kenne ich ihn grundsätzlich schon länger, allerdings habe ich mich erst jetzt kürzlich das erste Mal auch intensiver mit ihm auseinander gesetzt und festgestellt, dass er deutlich besser ist, als er mir bei der ersten, kurzen Momentaufnahme erschien. Zum Vergleich mit anderen Monymusk eignet er sich in meinen Augen dagegen nicht. Klar, der Charakter ist noch da, aber das Finish macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes unvergleichlich - ein Rum, der für sich allein steht, der mit jedem Schluck immer wieder noch neues bietet und der auf diese Weise mit hoher Komplexität und starkem Anspruch daher kommt. Ich bin da wirklich begeistert und möchte euch den guten Tropfen sehr ans Herz legen! Frühere Supreme Lords mögen vielleicht das noch etwas größere Potenzial gehabt haben, wenn ich da an so manchen hervorragenden Long Pond Jahrgang oder auch den Hampden 1990 denke, aber die Fassstärke macht diesen hier gegenüber den anderen sieben in (zu sehr) reduzierter Trinkstärke zum in meinen Augen insgesamt besten Rum der Reihe!
Spannende Randnotiz ist aus heutiger Sicht der Preis. Ich weiß noch, dass mir der im Jahr 2016, und einigen anderen auch, sehr hoch erschien, wohl sogar zu hoch, unabhängig vom gebotenen. Heute, drei Jahre später, erscheinen knapp unter 250,- Euro für einen 25 Jahre alten Jamaicaner in Fassstärke hingegen durchaus üblich. Wirklich günstiger tauchen solche Rums nämlich leider nicht mehr auf und in dieser Qualität bedauerlicher Weise auch nicht unbedingt. Insofern war der Rum an der Stelle seiner Zeit wohl ein wenig voraus und läutete das Ende der lange gereiften Monymusk und Long Ponds ein.

-91/100-

PS: gestern habe ich, nachdem ich meinen Text noch einmal durchgelesen habe, selbst bei diesem Rum auch zugeschlagen, und mir eine ganze Flasche gesichert. Falls es da also noch einer Motivation zum Kauf bedurfte... ;-)


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 11. November 2018

A bunch of rare medium Jamaica Rums

Liebe Rum Gemeinde,

ich habe während der letzten Woche das Archiv von Barrel Aged Thoughts aufgeräumt und ausgemistet. Dabei bin ich unerwartet auch auf einige alte, unveröffentlichte Verkostungsnotizen aus 2012 zu einigen medium bodied Jamaica Rums getroffen. Sie sind nicht über die Maßen umfangreich, allerdings sind einige der damals verkosteten Rums heute sehr rar und oft nahezu unbekannt. Nicht selten jedoch schlummern solche Rums noch in den Kellern einiger Connaisseure und an genau die richtet sich das hier, denn wer möglicherweise schon immer mal wissen wollte, ob es sich lohnt eine dieser Flaschen zu öffnen, der findet hier und heute möglicherweise eine Entscheidungshilfe. 

Bildquelle: Wikipedia



Die verkosteten Jamaicaner:

- Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO (alte Version) - 43% vol.
- Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.
- Bristol Classic Rum Jamaica 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.
- Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.
- Plantation SC Jamaica 25 YO Long Pond 1986 - 42% vol.
- Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

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Appleton Estate Jamaica Rum 21 YO - 43% vol.

Nase: Appleton-typisch, sehr reif, melassig, schwer und dunkel. Eine lange Reifezeit deutet sich direkt an.

Gaumen: sehr viel Gewürze und Trockenfrüchte, der Eindruck der Nase setzt sich fort, zweifellos wurde dieser Rum lange Zeit gelagert, das kann er nicht verbergen. Seine jamaicanische Herkunft leugnet der Appleton 21 nicht, trotz dessen, dass ihm jegliche Brachialgewalt abhanden gekommen ist. Er weiß zu gefallen, auch im Old Fashioned wäre er sicher eine gute Wahl.

Abgang: etwas bitter, leichte Mandelnote, trocken, wirklich langanhaltend.


Fazit: der Appleton 21 ist ein solider Rum, den ich allerdings damals wie heute als überpreist empfinde. Ja, 21 Jahre tropische Jahre haben ihren Preis, aber Verdünnung und Beliebigkeit des Rums sorgen einfach dafür, dass mir hier die Bereitschaft dafür fehlt ihn zu zahlen. Zumal sich für das Geld auch andere Optionen auftun. Eher würde noch ein bisschen was drauflegen und einen Vale Royal oder einen Cambridge, oder gar für weniger Geld einen 6 jährigen Velier Antigua 2012 z.B. kaufen. Was bleibt zu hoffen? Natürlich, dass von Appleton in naher Zukunft endlich einmal Small Batch Abfüllungen in Fassstärke kommen. Das fänd ich unglaublich reizvoll! 



Alambic SC Jamaica Rum 15 YO Long Pond 1992 - 45% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de

Nase: sehr Jamaica-untypisch, dabei aber vor allem ungewöhnlich karamellig. Trotz 45% vol. hat er eine leichte alkoholische Schärfe. Im Bouquet hat er etwas Ester in Form von Banane und... Karamell! Letzteres liegt wirklich über allem.

Gaumen: der Rum kommt hier leider etwas flacher als die Nase. Die Verdünnung merkt man dem Long Pond an, trotz dessen weist er alkoholische Schärfe auf. Das Karamell setzt sich fort. Würze und Süße gesellen sich dazu, auch alkoholische Noten und Anklänge von Früchten finden sich im Geschmack wieder. Nach einer Weile im Glas kommen auch ein paar Holztöne vom Fass durch.

Abgang: kurz und eher trocken, dabei etwas Eiche und Karamell. Nach einer Minute ist der Rum gänzlich verschwunden.


Fazit: Karamell-Bombe! Das ist Long Pond auf eine Weise, wie ich sie so gar nicht mag und brauche. Der Jahrgang 1992 ist leider sehr speziell und geht ganz weit von allem weg, was man von einem Long Pond traditionell erwartet. Schade! Auch der 18 YO, den ich ebenfalls mal im Glas hatte, ist nicht wirklich anders, genauso wie ein 1992er Bottling von MacY. Wer da noch was im Regal hat: lasst sie lieber zu!



Bristol Spirits Rum 20 YO Monymusk 1977 - 46% vol.

Bildquelle: cocktaildreams.de
Nase: zu Beginn unglaublich verhalten, da kommt erstmal wenig durch im Bouquet. Auch alkoholische Schärfe ist kaum vorhanden. Ich habe etwas Holz, dunkle Früchte und Kakao. Dazu leichte Spuren von Nüssen und Heu. Monymusk ist zunächst dezent zu erahnen, wenn man den Stil kennt, kommt aber mit zunehmender Zeit im Glas klarer heraus.

Gaumen: hier kommt der Bristol angenehm weich, er ist kaum alkoholisch. Die Verdünnung ist zu merken, schadet dem Rum aber nicht übermäßig. Der Monymusk ist ölig, vielleicht leicht bitter mit dunkler Schokolade, gepaart mit überreifer Banane und Holz. Eine Geschmacksexplosion bleibt aus, was aber für Monymusk aus 1976/1977 nicht untypisch ist.

Abgang: leider eher kurz, trocken und unspektakulär verabschiedet sich der Rum vom Gaumen. 


Fazit: ein handwerklich rundherum ausgezeichneter Rum, der eher mit leisen als mit lauten Tönen zu überzeugen weiß. Damals lag die Flasche bei etwas über 100,- Euro, soweit ich mich erinnere. Das war ein guter, wenn auch seinerzeit ein durchaus hoher Preis. Heute sieht das freilich anders aus. Wer noch eine Flasche, möglicherweise auch vom 21 YO, vom 23 YO oder vom 25 YO, bei sich zuhause stehen hat und Jamaica nicht immer mit der Brechstange braucht, der kann ihn durchaus auch mal aufmachen. Viel falsch machen kann man dann nicht. 



Cadenhead's Green Label Jamaica Rum 25 YO Long Pond 1974 - 46% vol.

Nase: trotz der nur 46% vol. habe ich eine eher alkoholische Nase. Jamaica lässt sich erahnen, insgesamt wird aber zunächst viel vom Alkohol verdeckt. Dahinter finden sich Spuren von Toffee und Schokolade, die nach einiger Zeit im Glas deutlicher durchkommen. Dazu viel Holz! 

Gaumen: überaus bitter und holzig! Der lag meines Erachtens definitiv zulange im Fass. Trotz der Verdünnung ist der Rum noch schwarz wie die Nacht. Entweder der Rum hatalso einen Teil seiner Reife noch in der Karibik erfahren und nicht im kühlen Schottland, oder aber das Fass war, wie auch alte Demerara damals, entsprechend präpariert. 

Abgang: bitter und holzig. Der Rum ist länger präsent als ich ihn schmecken möchte.


Fazit: der ist meiner Meinung nach mal so gar nichts! Viel zu verholzt und eindimensional macht es einfach keinen  Spaß den im Glas zu haben. Auch andere 1974er Jamaicaner aus Long Pond die ich im Glas hatte zeigten ein ähnliches Bild. Long Pond hat wesentlich schönere Vintage-Jahrgänge, wie 1977, 1982 oder 1986. Diese sind ihr Geld dann auch wert. Die 74er hingegen würde ich verschlossen lassen. 



Plantation Old Reserve Jamaica 1986 Single Cask - 42% vol.

Nase: sehr volle Nase! Ich habe Esternoten, Banane, Mandel und eine erhebliche Süße, die mir nicht natürlich erscheint. Dazu eine für die Plantations sehr charakteristische Eigennote.

Gaumen: Schokolade, danach Mandel und Toffee, Banane, Ester. Sehr warm und rund. Dazu eine erhebliche Süße. Ich vermute eine Zugabe von Zucker. Long Pond ist zu erkennen. Einzig: er könnte noch eine Spur vollmundiger sein! Leider ist der Rum sehr verdünnt worden. 

Abgang: langanhaltend, schokoladig und einfach lecker!


Fazit: unglaublich aber wahr, aber auch der Plantation 1986 konnte mich damals tatsächlich überzeugen und er reicht fast an seinen 1983er Bruder heran. Klar, er ist gesüßt und auch viel zu sehr verdünnt worden, aber als Easy Sipper nebenbei ist der durchaus zu gebrauchen. Der lag damals bei ca. 70,- Euro pro Flasche, dürfte heute aber deutlich darüber liegen. Und ganz ehrlich? Mehr als die damaligen 70,- Euro ist der Rum meines Erachtens nicht wert. Lasst den zu und versucht ihn bei Plantation Sammlern gegen einen ehrlichen Rum einzutauschen. 



Coruba Jamaica Rum 25 YO - 40% vol.

Nase: ich habe eine eher leichte Nase, etwas Vanille, etwas Holz. Viel zu erkennen ist da aber nicht. Sehr flach. 

Gaumen: wieder Vanille, erneut sehr flach und eher wässrig statt ölig, Holz kommt deutlich, aber nicht unangenehm durch, wie auch beim Appleton 21 verheimlicht auch dieser Rum sein hohes Alter nicht. Insgesamt fehlt mir hier aber Vielschichtigkeit, Komplexität und Jamaica-Flavour.

Abgang: unspektakulär, mittellang, bleibt nicht im Gedächtnis.


Fazit: ein Rum, den man meines Erachtens nicht braucht. Von Coruba überzeugten mich aber überhaupt nur die N.P.U.-Abfüllungen. Das sind solide Jamaicaner mit ordentlich Estern, aber die länger gelagerten Varianten sind für meinen Geschmack alle austauschbar und überpreist. Lasst da lieber die Finger davon! 

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Gesamt-Fazit: 

Der klare Sieger dieser Runde ist der Monymusk aus 1977 von Bristol. Er ist auch der einzige, den ich guten Gewissens und uneingeschränkt empfehlen kann. Der Plantation 1986 ist als Easy Sipper solide, aber nicht mehr wert als sein damaliger Ausgabepreis. Den Appleton 21 kann man dagegen trinken, ist aber für meinen Geschmack zu teuer. 
Auf der Seite der Verlierer finden sich dagegen ganz klar die drei anderen Rums wieder: der Coruba 25 YO, der Alambic Classique 15 YO und der Cadenhead's Green Label 25 YO, die nicht nur ihr Geld meiner Ansicht nach überhaupt nicht wert waren und sind, sondern eben auch mit klaren Fehlnoten und Mängeln daher kommen! Habt ihr eine dieser Flaschen noch irgendwo herumstehen, dann lasst sie besser zu. 

Ich hoffe, diese Kurz-Reviews konnten einen kleinen Überblick über die eher selten anzutreffenden, zumeist sehr lange gereiften, eher etwas softeren Jamaica Rums geben und helfen vielleicht dem einen oder anderen dabei sich zu entscheiden, ob er einen dieser Rum kaufen oder aufmachen möchte oder es vielleicht besser lässt. 


Bis demnächst,
Flo