Sonntag, 22. November 2020

Flensburg Rum Company Jamaica Rum 21 YO Monymusk 1999

Liebe Rum Gemeinde,

das in jeder Hinsicht unfassbare Jahr 2020 neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen, aber die unabhängigen Rum-Abfüller liefern einfach weiter! Und so bringen uns Old Man Spirits zum Jahresabschluss und mit ihrer siebten regulären Abfüllung unter dem Label "Flensburg Rum Company" nochmal einen 21 Jahre alten Monymusk aus dem Jahr 1999! 



Kontinental gereifter Monymusk, ein Estergehalt von 164 gr/hlpa... Die reinen Randdaten allein, so könnte ich mir gut vorstellen, wirken auf den einen oder anderen schon etwas fortgeschritteneren Connaisseur zunächst einmal eher abschreckend, zumindest auf den ersten Blick. Und in der Tat, unter diesen Vorzeichen und bei näherer Betrachtung gab es in der Vergangenheit tatsächlich nicht so sonderlich viele Rums aus Monymusk, die die Rum Gemeinde wirklich verzückt hätten. Klar, es gibt ein paar ganz, ganz wenige eingefleischte Fans der Destillerie und es gab auch vor ca. 20 Jahren mal die alten Rums von Bristol Spirits (die heute aber kaum noch einer kennt, weil sie sehr selten geworden sind), aber der große Wurf war eher selten dabei. Selbst die meines Erachtens sehr gute Supreme Lord VIII Abfüllung von Rum Nation läuft bei den meisten unter dem Radar und ist auch nach vier Jahren auf dem Markt noch immer problemlos erhältlich. 

Was also hat dieser Monymusk, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit widme? Nun, ähnlich wie beim FRC 29 YO KFM 1991 beginnt diese Geschichte im Februar 2020, also vor ziemlich genau einem dreiviertel Jahr. Als Falk damals, die Main Samples im Gepäck, bei mir zum Tasten war und wir die Rums alle durchprobierten um zu schauen, welche davon sich zur Abfüllung eigneten, flog der Monymusk bei mir noch unter dem Radar - aus allen eben genannten Gründen. Der einzige Grund aus dem ich damals überhaupt nur vorgeschlagen hatte dieses Sample bei Main zur Ansicht mit zu bestellen war das reine Alter des Rums von damals 20,5 Jahren. In diesem Alter gab es in der jüngeren Vergangenheit nämlich nicht viel von Monymusk auf dem Markt, fast alle Rums waren mindestens aus 2003 oder jünger. Und wenn es eine Brennerei gibt, bei denen die lange kontinental gereiften Vertreter den eher jungen Rums meines Erachtens grundsätzlich und meilenweit überlegen sind, dann ist es eben jene. Also schlug ich vor, dass wir uns auch diesen Tropfen mal genauer ansehen sollten, wenn gleich mein Hauptaugenmerk doch sehr klar und eindeutig dem KFM galt. Nun, als die Samples dann da waren und Falk bei mir einkehrte, hatte er natürlich auch den Monymusk dabei. Anders als erwartet gefiel er mir auf Anhieb auch richtig gut und mich faszinierte vor allem, wie komplett der einfach daher kam. Weich und rund aber nicht weichgespült, nicht anstrengend aber doch komplex und gar nicht anspruchslos. Richtig leckerer Stoff einfach, mit Erinnerungen an die alten Bristols aus den 1970er Jahren, aber durch den höheren Alkoholgehalt deutlich besser meines Erachtens! Und tatsächlich war der Jahrgang 1999 von Monymusk jetzt noch eher selten vertreten, so dass der Rum schon so etwas wie ein kleiner Geheimtipp sein dürfte. Kurz: ich gab den Jungs deutlich zu verstehen, dass ich mich persönlich wahnsinnig freuen würde, wenn nicht nur der KFM, sondern auch dieses Fass mit auf dem Einkaufszettel landen würde und das tat er dann letztlich auch. So, und vielmehr möchte ich da vor der Verkostung nun daher auch gar nicht mehr verraten sondern einfach loslegen! 

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung sowie eine Flasche dieses Rums gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des Flensburg Rum Company Jamaica Rum 21 YO Monymusk 1999:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den Monymusk wird bei 144,90€ liegen und der Rum voraussichtlich gegen Ende der 48. Kalenderwoche zu beziehen sein. 

Alter: von September 1999 bis Oktober 2020 lag der Rum insgesamt 21 Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum lagerte während der gesamten Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: Fass #3 ergab 257 durchnummerierte Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt, ich vermute aber einen Anteil von ca.  15-25%.

Alkoholstärke: der Rum kommt in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 56,2% vol. auf. 

Destillationsverfahren: Pot Still.

Mark: unbekannt, ich vermute geschmacklich allerdings, dass es sich um das Mark EMB handelt.

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh

Viskosität: der Rum bildet fette, eher weite und parallel verlaufende Schlieren an der Glaswand und fließt zügig hinab, zurück ins Glas. 

Nase:
 aah, eine einerseits kräftige, dabei aber dennoch auch filigrane und auf jeden Fall aber ausdrucksstarke Nase, die schon ziemlich deutlich nach Jamaica geht, zumindest wenn man diese Art von Jamaica Rum auch kennt; denn der Rum ist definitiv keine Ester-Bombe und es kommt auch kein Rum-Topf Feeling auf. Dafür habe ich aber sehr klare Erinnerungen an den Appleton 1999 von neulich, mit dem Unterschied jedoch, dass mir dieser Style hier wesentlich besser gefällt, und auch an alte Long Ponds aus den 1980s! Alkoholische Schärfe ist fast gar nicht vorhanden und der Rum macht für sein Alter auch sehr schnell auf, wie ich finde, so dass sein Bouquet nicht lange gesucht werden muss. Dort habe ich dann etwas sehr nussiges, wie ich es eben ganz charakteristisch von den alten Long Ponds in diesem Alter noch kenne, dazu viele vegetale, grasige Einflüsse, eine Spur Bourbon Vanille, zarte Rauchnoten, ganz hinten und eher dezent auch gegrillte Ananas und Anis. Dazu kommt eine schöne Note vom Holz, welches der Rum definitiv nicht leugnen kann, und das gefällt mir besonders gut, denn gerade daran scheitern einige der kontinental gereiften Vertreter in diesem Alter auch gerne mal und dann finde ich es doch schade, wenn 20 YO+ Rums den Eindruck vermitteln, sie könnten auch erst halb so alt sein. Diesem Verdacht sieht sich der FRC Monymusk 1999 ganz ausdrücklich nicht ausgesetzt!

Gaumen: Lecker! Bereits mit dem ersten Schluck fällt direkt auf, dass die 56,2% vol. hier genau passen! Der Rum hat einen tollen, voluminösen Körper und kommt dabei richtig weich und smooth daher - optimum strength! Der Alkohol ist perfekt eingebunden! Der Rum liegt schön ölig auf der Zunge, ist angenehm mundfüllend und wird im Verlauf dann immer cremiger. Ich habe starke, präsente Aromen von Nuss am Gaumen, dazu vegetale Noten, viel, viiiiel Anis und auch leichte gegrillte Ananas und dazu Birne, sowie ganz dezent Orange. Dazu gesellen sich Vanille und in geradezu perfekter Dosierung die Tannine und Einflüsse vom Holz! Erneut kommen Erinnerungen an frühere Bristol Monymusk aus den 1970s, Long Ponds aus 1986 und Veliers/Appletons 1999er Abfüllung auf (aber wiederum positiv). Das ist einfach ein richtig leckerer, intensiver Rum voller Tiefe und Komplexität! Eine feine Süße, die zu Beginn noch da ist, schlägt mit zunehmender Verweildauer am Gaumen in Trockenheit um und signalisiert, dass es Zeit für ihn ist zu gehen. 

Abgang: kein ewig langes Finish, aber er bleibt eine Weile. Ich habe noch Anis, frisch geschnittenes Geäst, leichte Macadamia, das ganze trockener und leicht (angenehm) bitter werdend. Sehr schön!

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit:
 ich hatte es ja oben schon mehr oder weniger angeteasert, aber das ist für mich tatsächlich ein nahezu kompletter Rum, der mich noch dazu sehr an eines der schönsten Kapitel meiner Rum-Zeit überhaupt erinnert, nämlich an die alten Stile Jamaicas aus den 1970s und 1980s! Damals, um das Jahr 2011, waren diese für mich das absolute non plus ultra, meine uneingeschränkten Favoriten. Nun, die Zeiten haben sich ein wenig gewandelt und mit ihnen mein Geschmack und so sehe ich heute durchaus doch so einige Styles über diesen Rums, aber dennoch rangieren sie bei mir natürlich noch immer sehr weit oben. Und genau dort, also sehr weit oben, würde ich auch diesen Rum ansiedeln. Nicht in der absoluten Spitze und den letzten 5%, das wäre doch zu hoch gegriffen, aber eben knapp darunter. Und angesichts diesen Tropfens muss ich sogar sagen, dass es in mir einmal mehr die große Frage aufwirft, wie gut all die alten Rums von Bristol u.a. hätten sein können, wenn sie nicht so extrem verdünnt worden wären. Man weiß es nicht und wir werden es nie erfahren, aber ich könnte mir vorstellen, dass es arg in die Richtung meines heutigen Rums im Glas gegangen wäre. Und viel mehr Lob geht dann auch schon kaum noch. Im Hinblick auf den Preis würde ich sagen, dass dieser für einen 21 Jahre alten Jamaica Rum und vor allem die hier gebotene Qualität mehr als angemessen, für viele Connaisseure aber vielleicht auch schon hart an der Grenze dessen ist, was sie für diesen Typ Rum bereit sind auszugeben. Denn auch wenn ich diesen Monymusk schon sehr viel besser finde als alles was sonst an kontinental gereiften Monymusk so rumläuft, so bleibt es eben ein Monymusk und diese haben es am Markt traditionell schwerer als Hampden oder Long Pond. Wer aber z.B. mit den Bristols oder den alten Long Ponds damals durchaus etwas anfangen konnte, der wird die deutlich gesteigerte Intensität durch den höheren Alkoholgehalt lieben, kann hier nicht viel falsch machen und auch eigentlich bedenkenlos zuschlagen - allerdings auch nur dann. Denn wer eigentlich eher auf die Dampfwalzen abfährt und trotz gegenteiliger Darstellung in meiner Review noch immer die Rest-Hoffnung hegt bei diesem Rum eine solche zu bekommen, der sollte auf jeden Fall erstmal zu einem Sample greifen. 

-91/100-


PS: Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Flensburg Rum Company Jamaica Rum 21 YO Monymusk 1999


Bis demnächst
Flo

Keine Kommentare:

Kommentar posten