Sonntag, 8. November 2020

Velier Caroni 4th Employee Series

Liebe Rum Gemeinde,

bereits vor einigen Wochen schmiss Velier mit der insgesamt nun schon vierten Employee Serie (und der zweiten in diesem Jahr) noch einmal neue Caronis auf den Markt. Wie auch die dritte Serie im Sommer, so kommt auch diese wieder mit drei Bottlings daher. Heute werde ich mir diese im Gesamten einmal ansehen!




Was liegt heute an? 

Das Kontingent an tropisch gereiften Caronis die der breiten Öffentlichkeit noch zugänglich sein werden, neigt sich stark dem Ende entgegen. Das ist kein Geheimnis, wobei sich diese Aussage im Grunde auf das Ende der Employees bezieht, nach deren Auslaufen die danach folgenden (Single Cask-) Releases nur noch Mikro-Auflagen haben werden. Allerdings muss man nach den Beobachtungen im Zuge der dritten Serie im Sommer und erst recht nach jenen der aktuellen Herbst-Serie doch auch irgendwo konstatieren, dass man selbst die Verfügbarkeiten der 2020er Serien eigentlich auch schon nicht mehr mit der breiten Öffentlichkeit in Zusammenhang bringen kann - zumindest nicht, ohne dass dabei auch eine gehörige Portion Hohn mitschwingt. Denn wenn man ehrlich ist, war es quasi kaum möglich hier noch zum Ausgabepreis zu shoppen, es sei denn man hat Beziehungen zum Händler oder schlicht übergroßes Glück. Bei der vierten Serie ging das schließlich soweit, dass die Flaschen bei LMDW und Spirits Academy insgesamt vielleicht eine Minute online waren? Verrückt! Zum Glück hat der Chris Tophe bei Facebook die Rums in einer Mega-Flaschenteilung der breiten Community in Europa zugänglich gemacht und auch meine Proben stammen aus dieser Teilung! Darüber hinaus war er auch so freundlich mir ein paar Bilder der Flaschen zu machen, so dass ich sie in meiner Review heute zeigen kann. Sämtliche hier heute gezeigten Bilder sind also von ihm. Vielen lieben Dank dafür, lieber Chris Tophe, Merci beaucoup! 

Huge Caroni 4th Employee Series Split by Chris Tophe


Eine Besonderheit der vierten Serie ist es aber auch sicher, dass erstmals kein 1996er Caroni abgefüllt wurde. Stattdessen gibt es zwei 1998er und einen 2000er. Letzterer Jahrgang feierte in der vorangegangenen dritten Employee Serie in Form von Nita "Nitz" Hogan seine Premiere und mit dem Basdeo "Dicky" Ramsarran ist nun eben wieder einer dabei. Fast noch auffälliger finde ich allerdings, mit was für einer unglaublichen Schlagzahl Velier die Releases seit diesem Jahr auf den Markt spült. Sahen wir in 2018 und 2019 noch je eine Employee Serie a zwei Bottlings, so waren es in 2020 nun zwei Serien a drei Bottlings, also die dreifache Menge der vergangenen beiden Jahre. Hier kann ich mich daher insgesamt des Eindrucks nicht entziehen, dass man seitens Velier ein großes Interesse daran hat diese Serie nun möglichst rasch abzuschließen, was aber natürlich dann auch ein wenig lieblos anmutet und so gar nicht zu dem Maß an Leidenschaft passt, was man ansonsten ja geneigt ist Velier stets zu unterstellen. Das finde ich ein wenig schade und ich denke, eine Serie pro Jahr (ob nun mit zwei oder drei Bottlings sei dahin gestellt) hätte den meisten Connaisseuren besser gefallen. Nun allerdings sind die Rums da und wir schauen sie uns dementsprechend nun natürlich auch an!


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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Dayanand "Yunkoo" Balloon: 

Unser erster Caroni entstammt dem Jahrgang 1998, wurde bis ins Frühjahr 2019 auf Trinidad im Fass gelagert und ist somit 21 Jahre alt. Gewidmet ist dieser dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Dayanand "Yunkoo" Balloon, der für 10 Jahre dort gearbeitet hat. Für die Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt 1.180 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch stolze 68,3% vol.! Trivia: noch passender hätte ich es natürlich gefunden, wenn man sich dieses Label für ein 1996er Employee Bottling aufgespart oder dieses dafür verwendet hätte und auf diese Weise einen Bogen zum Kirsch und zum Shinanoya/Bar Lamp Single Cask geschlagen hätte, so wie man es bei unserer heutigen dritten Abfüllung gemacht hat.

Nachdem ich den Rum bestimmt eine gute halbe bis dreiviertel Stunde habe Atmen lassen, führe ich mir den Yunkoo das erste Mal zu Gemüte. Und ich muss sagen, im allerersten Eindruck, dass der für einen 1998er Caroni eine doch überraschend ausgeglichene und balancierte Nase hat, ähnlich dem Buju im Sommer, den ich als einen wirklich selten guten Vertreter dieses Jahrgangs empfinde. Und tatsächlich, der Quervergleich mit dem Buju bestätigt meinen Eindruck! Ich habe dreckige Komponenten von intensiven Lösungsmitteln genauso wie fruchtige Anklänge von Mango oder Papaya, sowie Gewürze wie Anis. Dabei kommt der Caroni-typische Brennerei-Chartakter ebenso durch, wie auch schon ein sehr stolzer Einfluss durch das Fass in Form von Tanninen. Insgesamt macht der Rum einen wirklich sehr kompletten Eindruck und ich habe weder Eindrücke die mich stören, noch vermisse ich etwas. Der Alkohol ist darüber hinaus sehr gut eingebunden, da gibt es wirklich nichts zu meckern!
Am Gaumen gefällt mir der Yunkoo ebenso gut wie in der Nase! Wow, der ist richtig lecker! Eine tolle und präsente natürliche Süße, dazu kaum Brennen durch den Alkohol, Caroni-typische Töne, die mich fast an Jahrgänge wie 1996 denken lassen und ein bockstarker Abgang! Keine Frage, der Rum weiß zu gefallen! Der Yunkoo hat jede Menge Holzlack und kommt für einen 1998er wahnsinnig fruchtig um die Ecke! Das ganze verschmilzt mit den Tanninen zu einem stimmigen und kompletten Gesamteindruck, der den Rum aus meiner Sicht fast auf die Ebene vom Buju hebt. Letzterer hat noch ein wenig mehr Süße, was mir gut gefällt. Aber beides sind verdammt gute 1998er! 
Im Abgang weist der Rum leicht medizinische Töne auf und wird trockener und bitterer. Er verbleibt allerdings lange am Gaumen. Klasse! 

-94/100-

Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 - Dayanand "Yunkoo" Balloon

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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Balas "Brigade" Bhaggan:

Der nächste im Bunde kommt ebenfalls aus dem Jahr 1998 und reifte, genau wie der Yunkoo, bis Frühjahr 2019 für ganze 21 Jahre auf Trinidad. Er ist dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Balas "Brigade" Bhaggan gewidmet, der 14 Jahre lang Mitarbeiter von Caroni war. Auch für diese Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt aber ein bisschen weniger, nämlich "nur" 1.158 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag aber wohl auch bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums gleicht beinahe dem des Yunkoo, er liegt bei 68,4% vol.! Ob sich die Rums auch sensorisch so sehr gleichen?

Den Brigade, auch dieser durfte lange Atmen, empfinde ich in der Nase als etwas weniger ausgeglichen als den Yunkoo und er gefällt mir im ersten Eindruck auch nicht ganz so gut. Hauptverantwortlich dafür dürfte sein, dass ich im Bouquet eine doch sehr präsente Note von Umami finde, die einige der 1998er Caroni aufweisen und die mir einfach nicht gefällt, vor allem nicht, wenn sie so über dem gesamten Rum liegt. Dadurch wird nämlich der Caroni-Brennerei-Charakter verdrängt und diesen muss man doch schon sehr suchen. Das hatten die unmittelbar vergleichbaren Buju und Yunkoo jeweils nicht. Davon ab finde ich natürlich auch einiges an Lösungsmitteln und dreckigen Anklängen, aber die Umami Note liegt da schon sehr stark über allem, weswegen das leider nicht so rauskommt. Der Alkohol ist top eingebunden, aber meine Freude über den Rum verstärkt das logischerweise dennoch nicht gerade. 
Wie beim Yunkoo, so bestätigt sich auch beim Brigade am Gaumen was sich in der Nase ankündigte: der Rum gefällt mir nicht! Die Umami Note schafft es auch bis hin zum Gaumen und der Gesamteindruck liegt für mich weit jenseits dessen, was ich von Velier gewohnt bin. Die Tendenz lautet für mich eher Dennis oder Kevon, wobei diese beiden jeweils eine klar höhere Qualität aufweisen meines Erachtens. Dieser Rum hebt sich für mich nicht wesentlich von diversen 1998-Vertretern anderer Abfüller ab. Der Rum ist dreckig, aber nicht auf die angenehme Weise. Fruchtigkeit oder Holzlack suche ich fast vergebens, eine natürliche Süße ist nur in geringem Ausmaß da. Dazu bilde ich mir ein, dass auch die Tannine hier schon ganz schön am Werkeln waren. Nein, ich kann mir nicht helfen, aber dieser Employee ist für mich ein Totalausfall für die Serie und gemessen an deren hohem Standard. 
Im Abgang bleibt es dann unspektakulär. Hier fühle ich mich leicht an Dennis erinnert, aber zu retten ist da nichts mehr, auch wenn hier soweit keinerlei Ausfälle mehr dazu kommen. 

-79/100-

Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 - Balas "Brigade" Bhaggan

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Velier HTR 19 YO Caroni 2000 - Basdeo "Dicky" Ramsarran:

Aller guten Dinge sind drei und so durchbricht unser dritter Rum das bisherige Muster und entstammt nicht dem Jahrgang 1998, sondern dem Vintage 2000. Da aber auch er, bzw. die für ihn verwendeten Rums, im Frühjahr 2019 von Holzfässern in Glasballons wechselten, reifte der Rum für insgesamt 19 Jahre in tropischem Klima auf Trinidad im Fass. Der 2000er der Serie ist Basdeo "Dicky" Ramsarran gewidmet, der natürlich auch ehemaliger Mitarbeiter von Caroni ist, bzw. dies sogar für einen sehr langen Zeitraum war, nämlich stolze 20 Jahre! In der Abfüllung gingen sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 2000 auf, die insgesamt 1.251 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Somit ist dieser Rum der auflagenstärkste dieser vierten Serie. Der Angel's Share lag bei >79% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch 64,3% vol.. Als besonderen Fan-Service empfinde ich es bei der Labelgestaltung dieses Rums natürlich, dass es eine Hommage an gleich zwei Single Cask Releases des gleichen Jahrgangs darstellt, nämlich an jene für Ullrich und Lion's Whisky. 

Der Dicky ist dann zunächst doch irgendwie erstmal wieder der typische 2000er. Das Profil kommt durch und Erinnerungen an die Nita schwingen direkt mit. Und in der Tat, ich habe sie ja daneben zu stehen, kommt das schon ganz gut hin und die Rums bewegen sich auf Augenhöhe! Nach allem, was ich neulich an 2000er Cask Samples im Glas hatte, ist das durchaus eine Überraschung. Die Betonung liegt hier doch sehr auf dem Brennerei-Charakter Caronis, allerdings steht der Rum gleichzeitig auch auf der fruchtigen und leicht süßen Ebene, aber genau das gefällt mir so sehr an diesem Wundertüten-Jahrgang, der diese Anleihen an die Ursprünge für meinen Geschmack meist doch etwas besser hinbekommt als der Jahrgang 1998. Richtig klasse finde ich, dass die Nase hier mit einer Art Zitrus-Side Kick daher kommt, der mich an Grapefruits erinnert. Das kannte ich von 2000 bisher so noch nicht und sorgt hier für ein stimmiges Alleinstellungsmerkmal. Der Alkohol macht sich in der Nase fast gar nicht bemerkbar, was den sehr ausgeglichenen und super balancierten Eindruck dieses Tropfens unterstreicht.
Am Gaumen setzt sich dieses Bild dann im Grunde unvermittelt fort, wie schon bei den anderen beiden Abfüllungen vor ihm. Der Rum ist lecker und bringt alles mit, was ich mir von guten 2000er Jahrgangs-Caronis erhoffe: ein starker, leicht dreckiger Brennereicharakter, eine gute aber nicht zu heftige Portion Menthol, eine schöne, natürliche Süße und geiler Holzlack! Dazu kommen hier, bedingt durch nun auch schon immerhin 19 Jahre im Fass, herrliche Tannine, die sich klasse in das Gesamtbild einfügen. Ein richtig guter, komplexer, balancierter Rum! Mhm, ja, den mag ich schon sehr! Dazu ist der Alkohol zwar nicht perfekt, aber insgesamt schon super eingebunden, was mir tendenziell schon auch immer sehr wichtig ist. Im Vergleich zur schon sehr genialen Nita muss sich der Dicky auf keinen Fall verstecken! Ich sehe beide, auch nach Vergleichen am Gaumen, definitiv auf Augenhöhe! 
Im Abgang verweilt der Rum sehr lange am Gaumen und kommt zeigt sich noch einmal von seiner dreckigen Seite! Starker Abgang! 

-94/100-

Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 - Basdeo "Dicky" Ramsarran

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Gesamt-Fazit: 

Zweimal Volltreffer und einmal Totalausfall! Ja, der Jahrgang 1996 war und ist der große Abwesende dieser vierten Employee Serie, das stand bereits im Vorfeld fest und kann man nicht verleugnen, aber das hat diese nicht daran gehindert trotzdem auch noch einmal mit je einem hervorragenden 1998er und 2000er aufzuwarten, wie wir das auch schon in der dritten Serie im Sommer gesehen haben! Und na klar, 1998 als auch 2000 sind keine 1996er, insofern muss ich da mit großer Begeisterung schon auch immer sehr vorsichtig sein und das ganze etwas ins Verhältnis setzen, aber ich hätte dennoch nicht gedacht, dass diese Vintages da am Ende nochmal so viele Körner zusammengekratzt bekommen und dazu im Stande sind eine so starke Performance hinzulegen! Gerade nachdem ich aus diesen beiden Jahrgängen auch ein bisschen was von dem Stoff von der Ceremony 2019 hatte, also die Fasssamples, bin ich da schon einigermaßen erstaunt, dass da teilweise solche Qualitäten noch möglich sind. Auf der anderen Seite stehen natürlich aber auch Rums wie der Brigade, die da schon wesentlich eher ins Bild dieser Verkostungen passen und tendenziell dem entsprechen, was ich da probieren konnte. Ein Rum, wie er meines Erachtens auch von Main hätte kommen und von jedem anderen x-beliebigen Abfüller hätte gebottlet werden können. Und auch wenn das jetzt despektierlich den anderen UA gegenüber klingt, so unterstreicht das doch in erster Linie den besonderen Status, den die von Velier abgefüllten, tropisch gereiften Caronis ansonsten genießen und den ihnen sicher auch niemand absprechen wollen würde. Und andererseits zeigt das aber natürlich auch, wie schmal selbst bei Velier inzwischen der Grat geworden ist auch mal daneben zu liegen. Hingegen finde ich es aber wiederum auch spannend und irgendwo konsequent zu sagen, dass man zwar zwei 1998er Caroni in einer Serie bringt, sich diese aber so deutlich voneinander unterscheiden, dass nicht der leiseste Verdacht von Willkür aufkommt. Und da ich auch schon von Leuten gehört habe, die den Brigade z.B. auch mochten, hat Velier dann am Ende des Tages vermutlich einmal mehr einfach alles richtig gemacht.

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo



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