Sonntag, 17. Mai 2020

Moon Import Trinidad Rum Caroni 1967 & 1969

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich zweimal flüssige Geschichte für euch! Moon Import füllte bereits lange vor Velier zwei Caroni aus sehr alten Jahrgängen ab, die ich euch gern vorstellen möchte. 



Was liegt heute an? 

Zwei sehr seltene Schätze von Moon Import warten heute auf mich. Caroni aus den 1960er Jahren! Rums aus einer Zeit vor der goldenen Velier-Ära. Beide Caroni lagerten je 20 Jahre im Fass, der eine ist aus dem Jahrgang 1967, der andere aus 1969 und kamen mit 46% vol. auf die Flasche. Beide Vintages wurden dementsprechend auch schon in den 1980er Jahren abgefüllt und stehen allerdings nicht unbedingt in dem Ruf geschmacklich besonders beeindruckend zu sein, aber ich werd's ja gleich sehen.

Ein Dank geht einmal nach Wilhelmshaven, wo ich u. a. diese zwei Rums probieren konnte. Vielen lieben Dank! 


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Moon Import Trinidad Rum 20 YO Caroni 1967: 

Im Glas kommt der 1967er erst einmal sehr ansprechend golden braun daher und unterscheidet sich damit farblich kaum von den diversen Veliers späterer Jahrgänge.
In der Nase setzt dann aber blitzartig die Ernüchterung ein! Das hat mal so gar nichts, und zwar nicht im geringsten, mit dem zu tun, was wir im Allgemeinen unter Caroni verstehen. Die meisten Blended Caroni hatten dagegen im Vergleich krasse Noten von Teer und verbranntem Gummi. Ich tue mich schwer damit, das Bouquet zu beschreiben, weil da einfach fast nichts zu finden ist. Ganz leichter Rum, definitiv Light Trinidad Rum! Ganz schwache Ankläge von Vanille und etwas Einflüsse vom Fass sind da, aber der frisch destillierte Rum muss einem Vodka gleichgekommen sein. Mit etwas Standzeit kommt noch ein wenig mehr rüber, aber nicht viel.
Am Gaumen fällt zunächst auf, dass die Verdünnung den Rum nicht zu sehr verwässert hat. Der Alkohol ist nahezu gar nicht präsent, der Rum aber auch nicht. Ich fühle mich an den Caroni 1988 von Velier erinnert, allerdings nochmal schwächer als dieser. Das ist einfach kein Rum, den zu trinken es sich meines Erachtens lohnen würde, wenn nicht so extrem viel an Geschichte daran hängen würde. So aber kommt man als Fan von Caroni nicht wirklich darum herum. Im Abgang passiert dann folglich auch nicht mehr viel, der Rum ist quasi sofort weg. 

-68/100-


Moon Import Trinidad Rum 20 YO Caroni 1969:

Die Anmutung im Glas ist der des 1967ers sehr ähnlich. Dunkles, ins braune übergehendes Gold.
In der Nase setzen sich die Parallelen beider Rums dann zu meinem Bedauern fort. Ein Hauch von nichts schwebt durch den Raum. Mit viel Fantasie habe ich zarte Vanille, etwas leicht pfeffriges und dezent ein wenig Holz vom Fass. Das ist es dann aber auch leider schon gewesen. Wie der 1967er muss auch dieses ein Light Type oder maximal noch ein Blended Caroni gewesen sein, bzw. Aged Vodka. Meinen Geschmack trifft das leider so gar nicht. Auch hier profitiert die Nase aber von ein wenig Standzeit im Glas.
Geschmacklich gefällt mir der 1969 etwas besser als der 1967, er geht noch etwas mehr in Richtung Blended Caroni a la Blended 1988, aber wirklich gut finde ich auch diesen nicht. Verwässerung oder zu präsenter Alkohol sind auch beim 1969er  natürlich kein Thema, aber das reist es nicht raus. Vom geschichtlichen Wert abgesehen ist das kein Rum, den ich in meinem Glas bräuchte. Der Abgang ist unspektakulär und der Rum mit dem letzten Schluck auch direkt weg. 

-70/100-


Fazit: 

Die beiden Rums waren eine schöne und auch spannende Erfahrung und ich kann auf meiner imaginären Bucket-List der Rums die ich mal probieren möchte zwei weitere Haken machen, aber die Rums haben mich weder abgeholt noch gar geflasht. Wäre ich nicht vorgewarnt gewesen, hätte ich vermutlich von einer riesen Enttäuschung gesprochen. Denn rein geschmacklich ist das nichts was man braucht und selbst ein Antigua von Velier bringt da mehr rüber. Insgesamt steht die Erkenntnis, dass das stilistisch in die Richtung der Island Blends a la White Magic geht. Das ist also ganz weit weg von dem, was wir gemeinhin mit Caroni assoziieren. Dennoch: wer Caroni in all seinen Facetten erfassen möchte, der sollte beide Vintages zumindest mal im Glas gehabt haben.

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo

Sonntag, 10. Mai 2020

Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch in den letzten Wochen sehr viel aktuellen Stoff präsentiert hab, zuletzt den Velier 22 YO EMB Monymusk 1997, begeben wir uns heute mal wieder auf eine gepflegte kleine Zeitreise. Weder die Destillerie, noch den damaligen unabhängigen Abfüller des heute besprochenen Bottlings gibt es inzwischen (in dieser Form) noch. Die Rede ist vom The Secret Treasures Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989!



Nun werden einige natürlich zurecht erstmal einwerfen wollen, dass es diesen Abfüller ja sehr wohl noch gebe, schließlich kämen da ja auch dann und wann noch mal vereinzelt Releases heraus. Das stimmt allerdings nur auf den ersten Blick. Ja, das Label The Secret Treasures of the Caribbean hat die Jahre überdauert und existiert noch, allerdings nicht mehr im Besitz seines Schöpfers, der Fassbind AG aus der Schweiz, sondern als Teil von Haromex. Die Fassbind-Releases stoppten, zumindest im Rum-Bereich, schon 2003.




Aus diesem Jahr stammt auch die heute verkostete Abfüllung der noch viel länger nicht mehr produzierenden Brennerei von Gardel auf Grand Terre (Guadeloupe). Hier gingen, nach allem was ich bisher gesichert weiß, bereits 1992 die Lichter aus, indem man die Brennblase demontierte und man konzentrierte sich fortan gänzlich auf die Produktion von Zucker - leider! Denn wenn die bisher auf BAT verkosteten Gardel Rhums eines schon ganz klar gezeigt haben, dann dass von dort wirklich ganz herausragende Rums stammen! Insbesondere das Cadenhead Release des Jahrgangs 1982 ist hier zu nennen. Es gab aber auch noch eine andere Gardel Abfüllung aus 1989 von The Secret Treasures, die ich hier auf dem Blog ebenfalls letztes Jahr schon einmal besprochen hatte und diese bietet sich der Abfüllung um die es heute geht natürlich natürlich in idealer Weise als Vergleich an, weswegen ich sie dem 14 YO im Tasting natürlich gegenüber stelle. Im Gegensatz zum 2002er Bottling wurde jenes aus 2003 als Single Cask Abfüllung deklariert, was allerdings nicht den Tatsachen entspricht! Denn Fassbind selbst gab auf dem Label die Fassnummern #56, #58 und #116 an, was den Rum zu einer Small Batch Abfüllung macht, die insgesamt mit der stolzen Auflage  von 1529 Flaschen daher kam. Gleich geblieben ist allerdings leider der enorm geringe Alkoholgehalt von nur 42% vol., die wohl damals sehr viel mehr dem Zeitgeist entsprochen haben als das heute der Fall ist, wo Abfüllungen in Fassstärke eher dem Standard entsprechen. Doch nichts desto trotz hatte mich der 13 YO im letzten Jahr sehr positiv überrascht und ich bin gespannt, wie sich das beim ein Jahr länger gereiften Bruder darstellen wird.

Ein besonders herzlicher Dank geht zuvor allerdings noch nach Berlin, für die Unterstützung dabei diese Abfüllung aufzutreiben! :-) 



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Verkostung des The Secret Treasures Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989:

Preis: der Ausgabepreis wird bei ca. 30,- bis 40,- Euro gelegen haben - wenn überhaupt! Das war im Jahr 2003 und damit zu Zeiten, zu denen die wohl wirklich allerwenigsten von uns schon irgendwie mit hochklassigem Rum in Berührung gekommen waren. Heute werden für eine Flasche teilweise über 200,- Euro aufgerufen.

Alter: von 1989 bis 2003 reifte der Rum insgesamt 14 Jahre im Fass. 

Lagerung: unbekannt. Die Farbe, aber auch der Reifegrad des Rums sprechen aber für mindestens eine teilweise Reifung in den Tropen. 

Fassnummern: zum Einsatz kamen die drei Fässer #56, #58 und #116. Sie ergaben insgesamt 1529 Flaschen. 

Angel's Share: unbekannt und stark vom Ort der Reifung abhängig.

Alkoholstärke: der Rum kommt mit sehr, seeeeehr moderaten 42% vol. daher, also noch weniger als der früher oft üblichen Trinkstärke von 46% vol. 

Destillationsverfahren: keine Angaben. Es kann allerdings von einer Patent Still ausgegangen werden. Sie wird auf dem Label von Bristol Spirits erwähnt. 

Mark: mir sind zu Gardel bisher keinerlei Marks bekannt. Cadenhead nennt auf seinen Bottlings RHUM AGRICOLE als Mark, aber das ist letztlich weder ein Mark, noch entspricht das nach allen bisherigen Erkenntnissen den Fakten bei Gardel, denn ich gehe von einem Rhum auf Melassebasis auf, also einem Rhum Traditionell. 

Farbe: dunkles gold, ins bräunliche gehend. Minimal heller als sein ein Jahr Bruder, der 13 YO aus gleichem Batch. 

Viskosität: der Rum bildet einen sehr öligen Film an der Glaswand und läuft in fetten, engen Schlieren am Glas hinab. 

Nase: anders als bei vielen Brettern in Fassstärke ist die Nase bei diesem Rum mehr oder weniger direkt frei zugänglich und sie macht, wiederum anders als die meisten Rums mit höheren Stärken, auch sofort komplett auf. Darin besteht eine der ganz, ganz wenigen Vorteile, vielleicht ist es sogar der einzige, bei so starker Verdünnung. In irgendeiner Weise stechend fällt der Alkoholgehalt erwartungsgemäß gar nicht auf. Das Bouquet von Gardel zu beschreiben, fällt mir nach wie vor schwer. Ich nähere mich dem aber langsam an und würde diesen Grund-Ton, den bisher alle Gardel hatten, in die Richtung von Cola und frischem Zuckerrohr gehend beschreiben, eingehüllt in eine muffige-blumige-pafümierte Wolke und versehen mit Nelken, Aprikosen und karamellisiertem Zucker. Was jetzt natürlich erst einmal widerlich klingt, sollte in Wahrheit aber niemanden abschrecken, denn wenn wir uns all die großen Rum Destillerien anschauen, wie Caroni oder wie Hampden, und sehen, wie diese in ihrem Charakter und ihrer Aromatik beschrieben werden, dann fällt auf, dass das für Außenstehenden selten einladend klingt. Vieles, was zunächst einmal besser klingt hingegen, stellt sich in erschreckender Regelmäßigkeit dagegen ein ums andere mal als langweilig hinaus. Und langweilig, da kann jeder sicher sein, sind die Rhums von Gardel ganz sicher nicht. Der 13 YO, den ich im letzten Jahr hier besprochen hatte, geht -wenig verwunderlich- in eine sehr ähnliche Richtung, hat allerdings noch etwas mehr karamellisierten Zucker im Bouquet und wirkt etwas gesetzter, während dieser 14 YO eher etwas frischer anmutet. 

Gaumen: am Gaumen setzt dann, wie es zu vermuten stand, erst einmal der Wasser-Schock ein. Nein, wie schon beim 13 YO schadet es dem Gardel weit weniger als es manch anderem Rum zugesetzt hätte, aber natürlich wird sofort offenkundig, dass man dem Rum damit keinen wirklichen Gefallen getan hat. Dennoch: trotz aller nerdig-puristischen Vorlieben ist dieser Rum, auch mit nur 42% vol., drinkable - und wie! Geschmacklich ist das, wie bisher eigentlich fast jeder Gardel den ich bislang im Glas hatte, ein absoluter Kracher! Komplett outstanding und mit nichts was ich kenne zu vergleichen, außer entfernt vielleicht alten Jamaica Rums aus den 1940er Jahren. Wieder fällt eine Kombination aus Cola, Zuckerrohrsaft und blumig-muffig-parfümiertem auf, die dazu noch mit ordentlich grünem Apfel und Tanninen aufwarten. Meine Vermutung von tropischer Reife, wenigstens zum Teil, geht auch hier wieder auf, auch wenn es mehr als schwierig wäre, dazu noch gesicherte Hinweise zu erhalten. Im Vergleich zum 13 YO fallen am Gaumen kaum Unterschiede auf, die  beiden Rums sind sich schon sehr, sehr ähnlich.

Abgang: zum Ende hin kommen nochmal ordentlich die Tannine raus, und vom Rum verbleiben mittellang in einer bitter-süßen Weise vor allem die Tannine, sowie natürlich die Gardel-Grundnote. 

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Fazit: mit jedem weiterem Gardel den ich ins Glas bekomme wächst mein Bedauern darüber, dass diese absolut herausragende Brennerei ein viel zu rasches Ende gefunden hat und dass sie, anders als z. B. Caroni, nicht einmal einer größeren Gruppe an Connaisseuren in guter Erinnerung bleibt und ein gefeiertes Andenken hinterließ, da kaum jemand von Gardel überhaupt je gehört hat, geschweige denn deren Rums probiert hat. Diesen anonymen Tod hat Gardel in keiner Weise verdient, denn wie eben bereits angedeutet, gehören diese Rums für mich ohne jeden Zweifel in eine Reihe mit den ganz großen Destillaten dieser Welt: Caroni, alte Demeraras, alte Long Ponds, Hampden, Rockley, Gardel!
Der heute verkostete Secret Treasures aus 1989 gehört nicht zu den allerbesten Rums der Destillerie, auch wenn dieser Jahrgang enormes Potenzial hatte, schlicht, da er zu sehr verdünnt wurde um wirklich ganz oben anzugreifen. Aber trotz alledem kratzt auch dieser TST Gardel, wie schon der Bruder, an der 90 Punkte Marke. Das ist, für einen Rum mit nur 42% vol., dessen Fassstärke noch dazu deutlich höher liegt, eine absolute Sensation und demonstriert so deutlich wie vielleicht nichts anderes sonst die enorme und außergewöhnliche Qualität von Gardel!

-89/100-

Ich wünsche euch nun noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 3. Mai 2020

Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997

Liebe Rum Gemeinde,

nach sehr viel Hampden und Caroni in letzter Zeit wird es für mich höchste Zeit, einmal wieder auf Monymusk zu blicken! Jene Destillerie auf Jamaica, die noch immer verhältnismäßig unter dem Radar fliegt, die aber gerade im letzten Jahr einige wirklich beachtliche Ausrufezeichen setzen konnte und nun mit einer Abfüllung für Giuseppe Begnoni mit dem nächsten High End Rum am Start ist!



Monymusk hat ganz unzweifelhaft (wenn man einmal von den Scheer-Joint Bottlings absieht, die ich in ihrer Gesamtheit als seltenen Misserfolg Luca Garganos ansehen würde) mit den beiden Velier-EMB-Releases aus 2010 und 1995 im letzten Jahr einen gewaltigen Satz nach vorn hingelegt! Konnte man mit den Rums von dort bis dahin nur ein paar ganz wenige eingefleischte Fans wirklich abholen, so begeisterten und überraschten die tropisch gereiften Vertreter doch mehr oder weniger die gesamte Fachwelt.

Und das ist durchaus paradox! Denn während beispielsweise Hampden oder Long Pond Rums seit jeher in kontinental gereifter Form auf ganzer Linie überzeugten und schon seit mindestens zehn Jahren unter Connaisseuren die Anerkennung bekommen die sie verdienen, war das bei Monymusk anders. Es gab die alten Bristols aus den 1970s, die aber schon sehr subtil waren, und in den letzten Jahren auch kaum noch zu bekommen, aber ansonsten war da nicht viel. Doch mehr noch: ich sehe bei Hampden oder Long Pond die kontinentale Reife geschmacklich noch immer deutlich in Front gegenüber der tropischen Reifung, aller bisher veröffentlichter tropisch gereifter Bottlings in den letzten Jahren zum Trotz. Insofern überzeugte mich die tropische Reife bis dahin zwar ganz klar bei Guyana und bei Caroni, nicht aber bei Jamaica Rum! Die Monymusk EMB verkehrten diese Wahrnehmung erstmals und ich sehe hier die tropisch greiften Kandidaten ganz klar den kontinentalen überlegen. Daher freute ich mich auch direkt, als ich vor einigen Wochen erfuhr, dass noch ein weiterer alter Monymusk im Jahr 2019 abgefüllt wurde, auch wenn er erst jetzt in 2020 auch in den Onlineshops erschienen ist. Es handelt sich dabei um eine Sonderabfüllung für Giuseppe Begnoni, einen Partner Luca Garganos, der 2016 auch bereits das Glück hatte, eine eigene Caroni-Abfüllung zu bekommen. Der Begnoni Monymusk 1997, der mit EMB wieder das Mark der alten Bog Estate trägt, ist auf 442 Flaschen limitiert und besteht, wie der Khong 1995, aus nur zwei Fässern. Der Alkoholgehalt fällt mir stolzen 67,9% sehr ähnlich hoch aus und anders als beim Khong erfahren wir hier den genauen Estergehalt: 427,2 gr/hlpa! Das ist durchaus eine Ansage, vor allem im Vergleich zum Estergehalt des Habitation Velier EMB 2010 damals (275,5 gr/hlpa) und daran gemessen, wie hoch der Estergehalt beim Mark EMB laut National Rums of Jamaica eigentlich sein soll, nämlich maximal 250 gr/hlpa! Insofern haben wir hier schon richtig Ester-Power am Start heute und ich bin natürlich gespannt, inwieweit sich das im Rum selbst dann auch bemerkbar macht. 

Erwähnt habe ich sie eben beide schon aber, so wie ich den 1995er aus der Khong Serie schon gegen den EMB aus 2010 gestellt habe, so stelle ich natürlich auch heute den 1997er für Begnoni wieder neben diesen Rum, aber natürlich auch neben den Khong, so dass er sich gegen die beiden für mich bisher mit Abstand besten EMB gleichermaßen behaupten muss! Bühne frei!


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Verkostung des Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997:

Preis: ich habe den Rum in diversen Onlineshops für zwischen 305,- und 350,- Euro gesehen. Gegenüber der Khong Abfüllung letztes Jahr (Ausgabepreis waren ca. 200,- Euro) also eine deutliche Steigerung! Vielleicht ist der Rum auch deshalb aktuell noch gut zu beziehen.

Alter: von 1997 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 22 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten bei Monymusk auf Jamaica, der Rum reifte also komplett unter tropischer Sonne. 

Fassnummern: unbekannt. Es handelt sich allerdings laut Label um einen Blend aus zwei Fässern, die insgesamt auch nur 442 Flaschen ergaben.

Angel's Share: >82% des ursprünglichen Volumens gingen über die Jahre an die Engel.

Alkoholstärke: stolze 67,9% vol. bringt der Begnoni 1997 "auf die Waage" - Full Proof!

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: gold-braun, fast ins rötliche und an Rosskastanie erinnernd. 

Viskosität: parallele, regelmäßige und eher enge Schlieren laufen von der Glaswand zügig ins Glas zurück. 

Nase: zunächst sehr alkoholisch, was bei diesem hohen Alkoholgehalt und noch dazu im Ballonglas nicht anders zu erwarten war, lasse ich den Rum erst einmal über eine Stunde atmen. Diese tut ihm merklich gut, denn im Anschluss daran finde ich in der Nase ein Bouquet vor, was es definitiv wert ist, dass man sich eingehend mit ihm auseinander setzt. Mich begrüßen direkt zu Beginn schon starke Ester und andere Congeners, die allerdings trotz der geweckten Assoziationen zu Klebstoffen und Lösungsmitteln in eine ganz andere, eigene Richtung gehen als beispielsweise Jamaicaner aus Hampden oder Long Pond. Die Verwandtschaft zum 1995er ist offenkundig und auch den 2010er kann er kaum leugnen, wenn gleich das hier freilich ein anderer Reifegrad ist. Der Rum hat einiges an Tanninen abbekommen. Ich habe Röstaromen, karamellisierten Zucker, leicht verkohltes Holz und hinten heraus auch Gewürze, wie z.B. Anis. Es gesellen sich dann aber auch Trockenfrüchte, Mango und Papaya dazu, die hier zur sehr gereiften Komponente des Rums auch einen fruchtigen Part mit einbringen, was im Zusammenspiel sehr gut funktioniert. In der Nase mutet der Rum all in all tatsächlich wie ein Verbindungsstück zwischen dem sehr extremen 1995 und dem im Vergleich geradezu jugendlich anmutenden 2010er EMB, wobei die Tendenz, seinem Alter entsprechend, natürlich zum 1995er geht. 

Gaumen: zunächst einmal möchte der Alkohol gebändigt werden, was durchaus schon einer kleinen Anstrengung bedarf. Da steht er dem 1995er in nichts nach und die fast 68% vol. erbringen ihren Anwesenheits-Nachweis. Dementsprechend empfehle ich, sich dem Rum erstmal eher mit kleineren Schlücken zu nähern. Hat sich das anfängliche Brennen am Gaumen gelegt, und ja, der zwirbelt trotz der nicht geringen Reife schon ganz schön, gibt er eine feine Süße, sehr viele Tannine, Röstaromen, Anis, Bananenchips und -kompott frei, sowie wieder diesen medizinischen Touch, den ich auch schon beim 1995er gefunden hatte. Insgesamt zeigt er sich in seiner Gesamt-Anmutung dem großen Bruder schon sehr ähnlich, wenn gleich dieser nochmal ein ganzes Stück mehr Reife aufweist. Den 1997er empfinde ich hier schon als etwas ausgeglichener/ausgewogener/stimmiger, obwohl auch er wirklich arg gereift daher kommt. Gingen meine Assoziationen beim 1995er noch eher zu Long Pond, bin ich hier eher bei Worthy Park. Da sind schon einige Parallelen. Wenn Worthy Parks mit vergleichbarer Reife irgendwann ähnlich schmecken, dann sollte man sie lieber noch etwas in den Fässern lassen statt sie aktuell massenhaft auf den Markt zu werfen, denn in dieser Form kämen sie doch sehr viel spektakulärer als derzeit. Doch ich schweife ab.

Abgang: wieder habe ich die Assoziationen zu Worthy Park, allerdings auch zu alten Demerara Rums. Ich finde viel Anis, dazu verbranntes Gummi und einen medizinischen Bitter-Ton! Mittel- bis langanhaltend! 

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Fazit: obwohl mir der Rum fast genauso gut gefällt wie der 1995er, bin ich nicht mehr ganz so begeistert, wohl auch, weil ich nicht mehr in dieser Form überrascht bin wie ich es noch im Herbst letzten Jahres war. Aber wie jetzt? Sind diese alten Monymusk etwa nur ein One Trick Pony? Nein, soweit würde ich definitiv nicht gehen, immerhin sind sie meines Erachtens noch immer absolut perfekt für Momente, in denen es schon ein sehr gediegener Rum sein darf, in denen man sich aber gleichzeitig nicht unbedingt einen Rum wünscht, den man dann noch für die nächsten zwei Tage am Gaumen präsent hat, wie das bei Hampden oder Caroni schnell mal der Fall ist. Insofern sprechen wir hier ohne jeden Zweifel noch immer von Top Qualität auf höchstem Niveau! Allerdings sprechen wir inzwischen eben auch über Top Preise auf ebenfalls sehr gehobenem Niveau und da muss oder sollte man dann doch schon auch etwas genauer hinsehen, gerade mit Blick auf den EMB 2010, den man noch immer für ca. 100,- Euro bekommt und damit für gerade einmal ein Drittel (!) dessen, was man für den 1997 hinlegen muss (beim 1995er ist die Spanne nochmal größer, durch die Preise auf dem Secondary). Klar, der Habitation Velier rangiert schon nochmal ein ganzes Stück hinter den älteren Brüdern, zumindest aus meiner subjektiven Warte, aber eben auch nicht soo weit dahinter, als dass man nicht doch heimlich im Kopf zu rechnen beginnt. Und an der Stelle ist es dann eigentlich auch schon zu spät, denn wenn ich in dieser Preisrange einen Rum kaufen möchte, dann sollte ich tendenziell nicht überlegen müssen. Wer es dennoch tut, bzw. hier zuschlägt macht nichts desto weniger aus meiner Sicht allerdings keinen Fehler, sondern erhält einen fantastischen Rum, an dem er viel Freude haben wird, nur eben zu einem als leicht zu hoch empfundenen Kurs. Das wiederum wäre ja aber bei vielen von uns ganz sicher nicht das erste mal... oder? ;-)

Ein ganz besonderer Dank geht abschließend nach Wilhelmshaven für das Sample vom EMB 1997, den ich ansonsten nicht hätte verkosten können!

-93/100-

Ich wünsche euch nun noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo