Sonntag, 17. Mai 2020

Moon Import Trinidad Rum Caroni 1967 & 1969

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich zweimal flüssige Geschichte für euch! Moon Import füllte bereits lange vor Velier zwei Caroni aus sehr alten Jahrgängen ab, die ich euch gern vorstellen möchte. 



Was liegt heute an? 

Zwei sehr seltene Schätze von Moon Import warten heute auf mich. Caroni aus den 1960er Jahren! Rums aus einer Zeit vor der goldenen Velier-Ära. Beide Caroni lagerten je 20 Jahre im Fass, der eine ist aus dem Jahrgang 1967, der andere aus 1969 und kamen mit 46% vol. auf die Flasche. Beide Vintages wurden dementsprechend auch schon in den 1980er Jahren abgefüllt und stehen allerdings nicht unbedingt in dem Ruf geschmacklich besonders beeindruckend zu sein, aber ich werd's ja gleich sehen.

Ein Dank geht einmal nach Wilhelmshaven, wo ich u. a. diese zwei Rums probieren konnte. Vielen lieben Dank! 


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Moon Import Trinidad Rum 20 YO Caroni 1967: 

Im Glas kommt der 1967er erst einmal sehr ansprechend golden braun daher und unterscheidet sich damit farblich kaum von den diversen Veliers späterer Jahrgänge.
In der Nase setzt dann aber blitzartig die Ernüchterung ein! Das hat mal so gar nichts, und zwar nicht im geringsten, mit dem zu tun, was wir im Allgemeinen unter Caroni verstehen. Die meisten Blended Caroni hatten dagegen im Vergleich krasse Noten von Teer und verbranntem Gummi. Ich tue mich schwer damit, das Bouquet zu beschreiben, weil da einfach fast nichts zu finden ist. Ganz leichter Rum, definitiv Light Trinidad Rum! Ganz schwache Ankläge von Vanille und etwas Einflüsse vom Fass sind da, aber der frisch destillierte Rum muss einem Vodka gleichgekommen sein. Mit etwas Standzeit kommt noch ein wenig mehr rüber, aber nicht viel.
Am Gaumen fällt zunächst auf, dass die Verdünnung den Rum nicht zu sehr verwässert hat. Der Alkohol ist nahezu gar nicht präsent, der Rum aber auch nicht. Ich fühle mich an den Caroni 1988 von Velier erinnert, allerdings nochmal schwächer als dieser. Das ist einfach kein Rum, den zu trinken es sich meines Erachtens lohnen würde, wenn nicht so extrem viel an Geschichte daran hängen würde. So aber kommt man als Fan von Caroni nicht wirklich darum herum. Im Abgang passiert dann folglich auch nicht mehr viel, der Rum ist quasi sofort weg. 

-68/100-


Moon Import Trinidad Rum 20 YO Caroni 1969:

Die Anmutung im Glas ist der des 1967ers sehr ähnlich. Dunkles, ins braune übergehendes Gold.
In der Nase setzen sich die Parallelen beider Rums dann zu meinem Bedauern fort. Ein Hauch von nichts schwebt durch den Raum. Mit viel Fantasie habe ich zarte Vanille, etwas leicht pfeffriges und dezent ein wenig Holz vom Fass. Das ist es dann aber auch leider schon gewesen. Wie der 1967er muss auch dieses ein Light Type oder maximal noch ein Blended Caroni gewesen sein, bzw. Aged Vodka. Meinen Geschmack trifft das leider so gar nicht. Auch hier profitiert die Nase aber von ein wenig Standzeit im Glas.
Geschmacklich gefällt mir der 1969 etwas besser als der 1967, er geht noch etwas mehr in Richtung Blended Caroni a la Blended 1988, aber wirklich gut finde ich auch diesen nicht. Verwässerung oder zu präsenter Alkohol sind auch beim 1969er  natürlich kein Thema, aber das reist es nicht raus. Vom geschichtlichen Wert abgesehen ist das kein Rum, den ich in meinem Glas bräuchte. Der Abgang ist unspektakulär und der Rum mit dem letzten Schluck auch direkt weg. 

-70/100-


Fazit: 

Die beiden Rums waren eine schöne und auch spannende Erfahrung und ich kann auf meiner imaginären Bucket-List der Rums die ich mal probieren möchte zwei weitere Haken machen, aber die Rums haben mich weder abgeholt noch gar geflasht. Wäre ich nicht vorgewarnt gewesen, hätte ich vermutlich von einer riesen Enttäuschung gesprochen. Denn rein geschmacklich ist das nichts was man braucht und selbst ein Antigua von Velier bringt da mehr rüber. Insgesamt steht die Erkenntnis, dass das stilistisch in die Richtung der Island Blends a la White Magic geht. Das ist also ganz weit weg von dem, was wir gemeinhin mit Caroni assoziieren. Dennoch: wer Caroni in all seinen Facetten erfassen möchte, der sollte beide Vintages zumindest mal im Glas gehabt haben.

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo

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