Sonntag, 29. Juli 2018

Appleton 151 Proof Jamaica Rum - 75,5% vol.

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich, passend zu den Temperaturen draußen, eine Abfüllung aus Jamaica für euch, wie man sie sicher auch auf Jamaica kennen und getrunken haben dürfte: den Appleton 151 Proof Jamaica Rum mit 75,5% vol.!

Getrunken haben dürfte? Ganz recht, denn die Abfüllung zählt schon seit vielen Jahren nicht mehr zum Sortiment von Appleton/Wray & Nephew. Daher handelt es sich hierbei dementsprechend auch einmal mehr um eine kleine Rarität. Den Appleton 151 gab es in drei Ausführtungen: als White, als Gold und als Dark. Der Rum, um den es heute geht, ist der 151 Gold!
Wie alt die Flasche genau ist weiß ich nicht, allerdings sind weder ein deutscher Importeur, noch ein Anfang der 1990er Jahren eingeführter "Grüner Punkt" auf dem Label zu finden. Nach einigen Recherchen im Netz zu vergleichbaren Flaschen bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Abfüllung wohl am ehesten aus den 1980er Jahren stammt. Auf dem Label ist angegeben, dass der Rum auf Jamaica nicht nur abgefüllt, sondern auch gereift wurde. Wie lange genau die Reifezeit betrug oder wie genau die Zusammensetzung des Rums ist, wie alt ältester oder jüngster Bestandteil sind, darüber ist leider nichts vermerkt. Gemessen an den späteren und mit geringerem Alkoholgehalt abgefüllten Appleton Gold kann aber von höchstens 5 Jahren ausgegangen werden. 

Was macht für mich den Charme dieser Rarität aus? Zum einen natürlich eben genau das, dass es ein Rum ist, den es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt, und der gleichzeitig von einer der renommiertesten Destillerien der Karibik stammt. Zum anderen, und das wiegt für mich noch mehr, aber auch, dass es ein Rum ist, der in dieser Form sicher auch von den einheimischen Jamaicanern vielfach getrunken worden ist. Die Flasche verrät mir also indirekt auch etwas über die Trinkkultur auf Jamaica selbst. Denn auch wenn ein guter Jamaica Rum für uns Freaks aus Europa zumeist von unabhängigen Abfüllern kommt, so darf nicht vergessen werden, dass diese Rums Jamaica selbst nie erreichen. Long Pond oder Hampden mit 20-30 Jahren Fassreife? Kennt man dort nicht! Aber die Standardrange von Wray & Nephew, die wird dort natürlich getrunken und gerade an Tagen wie diesen, an denen es auch hier in Deutschland oft tropisch anmutet, an denen es unglaublich warm ist und an denen die Luftfeuchtigkeit gerade Abends teils rasant steigt, kann man glaube ich zumindest in Ansätzen die Verhältnisse dort dahingehend nachempfinden.






Verkostung des Appleton 151 Proof Jamaica Rum:

Preis: als der Rum noch zum Standardsortiment von Appleton/Wray & Nephew zählte kostete er wohl höchstens um die 20 Euro. 

Alter: unbekannt.

Lagerung: der Rum lagerte komplett auf Jamaica.

Fassnummern: unbekannt. 

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: 151 Proof, also 75,5% vol.

Destillationsverfahren: der Rum wurde in Copper Stills grbrannt. 

Mark: unbekannt.

Farbe: der Name ist Programm - Gold! 

Viskosität: es bilden sich vereinzelte, große Tropfen an der Glaswand, die dann sehr zügig wieder herunterlaufen. Der fetteste Rum wird das heute also nicht werden.

Nase: Puh, what the... !! Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl und die Sorge, dass dies der letzte Rum gewesen sein könnte, an dem ich zu riechen vermochte habe, bevor all meine Rezeptoren abgestorben sind. Ich nehme Alkohol, Alkohol und Alkohol wahr! Danach durfte der Rum dann erst einmal gut zwei Stunden im Glas atmen. Zwischendurch probierte ich immer mal wieder durch zu kommen, aber vergebens. Nach zwei Stunden dann kann ich zumindest mal mit dem peripheren Nosing beginnen. Jetzt nehme ich auch Lösungsmittel, frisch geschnittene Äste, Vanille und Tabak, sowie einen Anflug von Zitrus wahr, aber noch immer liegt der Alkohol sehr präsent über allem. Der Rum weckt sanfte Erinnerungen an Monymusk, sonderlich viel Körper hat er also nicht. Zwar weist ihn das Backlabel als Medium Bodied Rum aus, aber nach meinem Eindruck ist das schon beinahe Light Type.

Gaumen: ich gebe zu, dass ich mich nach der Nase kaum traue, den Rum überhaupt zu probieren. Wer diesen Blog schon eine Weile verfolgt hat der weiß, dass ich bei Fassstärken und Full Proof Rum überhaupt nicht zimperlich bin, aber nach der überaus extrem alkoholischen Nase hatte ich hier wirklich schon fast Angst, mindestens aber große Bedenken.
Diese lösen sich nach dem ersten Schluck zwar nicht in Luft aus, aber so heftig wie erwartet ist der Rum nicht. Klar, er bruzzelt noch immer heftigst an der Zunge und schmeichelt zu keiner Zeit, aber er ist definitiv auch pur trinkbar! Dass sich bei diesem Kandidaten eher kleine Schlücke empfehlen versteht sich dann aber, glaube ich, von allein. Eine für Jamaica durchaus typische Süße erwartet mich gleich zu Beginn und auch einer Erinnerung an gegrillte Ananas und Buttersäure kann ich mich nicht erwehren. Monymusk als Assoziation tut sich erneut auf. Um ehrlich zu sein habe ich aber auch Vergleiche zu einem Vale Royal, wie ihn Bristol 2010 abgefüllt hat, also durchaus zu einem Rum mit schwach mittlerem Körper, denn der Appleton hat auch etwas florales. Dazu etwas Vanille. Was man ihm zu jeder Zeit anmerkt, ist sein doch sehr geringes Alter. Der Fasseinfluss hält sich in sehr engen Grenzen und ist gerade stark genug, um dass der Rum eindeutig nicht mehr als ungelagert durchgehen könnte. 

Abgang: was bleibt, ist eine Kombination aus Blumen und Vanille. Das ist aber insgesamt kein Nachhall, wie man ihn gerne am Gaumen behält. Er verweilt dort letztlich auch länger, als ich es bräuchte.

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Fazit: die Geschichte um den Rum ist am Ende etwas größer als der Rum selbst! ;-) Um es frei heraus zu sagen: dass diese Abfüllung vor vielen Jahren eingestellt wurde, war für die Rumwelt ganz sicher kein Verlust, schon gar nicht hier in Mitteleuropa, wo man vom Angebot an vielen hochklassigen Rums, auch und gerade aus Jamaica, doch sehr verwöhnt ist.
Und dennoch lieferte mir der Rum einige Erkenntnisse, die ich doch nicht missen möchte. Zum einen finde ich den Appleton 151 Proof spannend hinsichtlich der Ursprünglichkeit der gesamten Appleton-Range, bis hin zum 21 YO, also im Hinblick auf das Rum-Rohmaterial der Destillerie, von dem man durch diese Abfüllung eine doch recht genaue Vorstellung bekommen kann. Denn dadurch, dass es von Appleton nahezu keine Single Cask Abfüllungen gibt, empfinde ich es schwierig, den genauen Stil der Rums zu definieren, denn jede Abfüllung von Appleton ist letztlich ein Blend aus vielen verschiedenen Rums mit einer sehr weit gefassten Altersspanne und deren Fassreife macht sich in einer Dominanz von Holzaromen stets deutlich bemerkbar. Dazu kommt noch, dass sie, auch wenn das gewollt ist, über die Jahre gesehen ja immer sehr ähnlich schmecken. Der 151er hingegen versteckte seinen Charakter nicht, was mir zwar einerseits gut gefiel, andererseits aber auch offenbarte, weshalb Appleton Rums nicht unbedingt zu den großen Anwärtern zählen, wenn man hier in Europa nach den Favoriten aus Jamaica fragt. Denn das Material bringt meines Erachtens zu wenig eigenen Charakter mit und bietet damit auch wenig Potenzial für großes. Die nahezu einzigen Ecken und Kanten des Rums resultieren aus dem enorm hohen Alkoholgehalt. Wenn ich mir den Appleton 151 Proof für ein paar Jahre im Fass vorstelle, dann kommt da tatsächlich ein Rum heraus, der vom Fass geprägt ist, wie z.B. der Appleton 12 YO, der aber kaum Brennereicharakter erkennen lässt und das finde ich dann doch immer eher schade.



Und zu guter Letzt: auf dem Backlabel wird der Rum für einen Mai Tai empfohlen. Ich kann mir das zwar noch nicht so richtig vorstellen, aber ich werde das die Tage natürlich mal ausprobieren und euch am Ergebnis teilhaben! Und für einen positiven Abschluss: ich fand es angenehm überraschend, auf einer Massenabfüllung der 1980er oder 1990er Jahre, einer Zeit, die als die Blüte von Drinks wie dem "Swimming Pool" oder des "Sex on the Beach" gilt, ein klassisches Mai Tai Rezept nach Trader Vic auf dem Label gefunden zu haben. Das verdient Respekt!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 22. Juli 2018

Velier "No Smoking" 16 YO Caroni 1998

Liebe Rum Gemeinde,

nach einigen so hervorragenden Caroni aus 1992 in den letzten Wochen, möchte ich heute noch einmal ein paar Jahrgänge zurück springen, und euch einen Rum aus 1998 vorstellen: den Velier High Proof Heavy Trinidad Rum 16 YO Caroni 1998 mit 55% vol., den so genannten "No Smoking". Der Name leitet sich vom Label des Rums ab, das ein Bild eines Warnhinweises der ehemaligen Destillerie ziert. 



1998 ist ein Caroni Jahrgang, den ich bisher so ein wenig ausgelassen habe. Ich habe euch den  17 YO Extra Strong von Velier und den meines Erachtens überragenden Cadenhead HTR 18 YO vorgestellt, der letztes Jahr abgefüllt wurde und den ich für den besten Caroni aus diesem Jahrgang halte, aber ansonsten blieb die Landkarte weiß - bis heute! Denn natürlich hat Velier auch ein paar reguläre Releases aus diesem Jahrgang herausgebracht, nämlich das 32nd und das 33rd Release, jeweils im Jahr 2014. Das wiederum bedeutet, dass die 1998er vergleichbar früh von Velier auf die Flasche gebracht wurden, denn normalerweise ließen sie die Caroni eher 18-20 Jahre oder noch länger reifen, bevor sie dann abgefüllt wurden. Ob dem "No Smoking" da ein paar Jahre der Reife fehlen oder ob sich die 16 Jahre am Ende als goldrichtig erwiesen, das werden wir während des Tastings gleich erfahren. 

Was gibt es zum "No Smoking" ansonsten noch zu berichten? Erstaunlich finde ich vor allem, dass es glaube ich keine andere High Proof Abfüllung von Velier gibt, der unter den regulären 37 Releases eine vergleichbare Beliebtheit zuteil wird. Das ist, wenn man die Szene beobachtet, meines Erachtens schon auffällig. Auch der derzeitige Marktpreis ist, für sein junges Alter, schon sehr hoch - ca. 350,- Euro werden aufgerufen! Ob er das auch wert ist? Wir werden sehen!
Reifen durfte der "No Smoking" von 1998 bis 2008 auf Trinidad und anschließend nochmal sechs Jahre bei DDL in Guyana bis 2014, bevor der Rum dann, verdünnt auf 55% vol., abgefüllt wurde. Leider ist nicht klar, wieviele Fässer für die Abfüllung verwendet wurden. Bekannt ist nur die Flaschenanzahl von 3850 Flaschen. Der Angels Share lag bei stolzen >77%! 

Ein Dank geht heute nach Ostwestfalen, wo ein sehr netter Rum Buddy wohnt, mit dem ich schon vor über einem Jahr mal Samples getauscht habe und weswegen ich euch den "No Smoking" heute auch vorstellen kann! Vielen Dank! 


Verkostung des Velier 16 YO Caroni 1998 "No Smoking":

Preis: der Ausgabepreis lag auch bei diesem Velier Caroni einst unter 100,- Euro. Inzwischen liegt er bei ca. 350,- Euro. 

Alter: 16 YO - von 1998 bis 2014 reifte der Rum in Fässern.

Lagerung: 100% tropische Lagerung. Zwischen 1998 und 2008 lagen die Fässer auf Trinidad und ab 2008 bis zur Abfüllung 2014 in Guyana in den Warehouses von DDL.

Fassnummern: unbekannt, selbst die genaue Anzahl der Fässer. Die Abfüllung ergab allerdings 3850 Flaschen. 

Angel's Share: >77%

Alkoholstärke: 55% vol. - High Proof!

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles, edles Mahagoni.

Viskosität: fette, eng verlaufende Schlieren, die eilig die Glaswand wieder herunterlaufen.

Nase: die Nase überrascht mich zunächst mit vollkommener Abwesenheit von alkoholischer Schärfe. Die spielt bei High Proof Caroni zwar selten mit hinein, aber so spürbar abwesend wie bei diesem Rum empfinde ich sie selten. Dadurch ist die Nase bereits nach wenigen Augenblicken direkt offen und zugänglich. Daher fällt mir direkt zu Beginn natürlich auf, dass das Potpourri des Caroni destillerietypisch daherkommt. Am Anfang steht da für mich eine süßliche Note im Vordergrund, ich fühle mich an grünen Apfel und an schweres Karamell erinnert, kombiniert mit Bourbon Vanille. Dahinter rollen dann die dreckigen Eindrücke aus Teer und Fahrradschlauch an. Im Hintergrund und zum Ende hin habe ich dann eine dezente Rauchnote. Was, gerade im Vergleich zu den Kalibern die ich zuletzt so im Glas hatte, wie z.B. dem 20 YO Caroni aus 1992, auffällt ist, dass mir hier eine gewisse Völle in der Nase fehlt. Alles kommt etwas dezenter daher. Nichts desto trotz ist der heutige Rum aber unverkennbar Heavy Type. 

Gaumen: am Gaumen nehme ich die Verdünnung deutlich und positiv wahr. Der Alkohol spielt kaum scharf herein, und gleichzeitig hat es die Abfüllung aber auch keinesfalls verwässert. Die 55% vol. sind hier also tatsächlich das, was ich wohl "Trinkstärke at its best" nennen würde. Der Rum ist überaus cremig, dadurch auch vollmundig und er wartet mit einem, wie ich finde, überaus ausgeglichenen Profil auf. Tolle Ballance! Der "No Smoking" trinkt sich sehr entspannt. Das Bouquet wartet, wie schon in der Nase, auch hier wieder mit einer feinen, natürlichen Süße zu Beginn auf. Dieses Mal ist es die Orangenmarmelade. Nach dieser kurzen Episode schlagen die dunklen Seiten von Caroni, namentlich Teer, Fahrradschlauch und Petroleum, zu und machen klar, was hier im Glas gespielt wird. Dazu gesellen sich nach Hinten heraus noch Gewürze, wie Anis und Nelke. Tannine und eine schöne Holznote vom Fass bilden den Abschluss. 

Abgang: Teer, Fahrradschlauch, Anis, Orangenmarmelade und Holz bilden hier eine schöne Liaison. Lang! Klasse!

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Fazit: einer der wenigen großartigen Vertreter des Batches aus 1998! Nein, ich bin kein Freund des Caroni-Jahrgangs 1998, das kann man wirklich nicht behaupten. Mir ist ein großer Teil davon deutlich zu eindimensional und ich sehe sie zu weit weg von dem, was die wenigen hochklassigen 1998er und natürlich vor allem auch andere Jahrgänge, wie 1992, 1994 oder 1996 zu bieten haben. Wenn ich also von rühmlichen Ausnahmen aus 1998 spreche, dann habe ich da konkret tatsächlich nur ca. vier bis fünf Abfüllungen im Kopf, die mir sehr gut gefallen. Das ist, angesichts der quantitativen Fülle dieses Jahrgangs, erschreckend wenig. Bei 1998 kommt dann noch erschwerend hinzu, dass es mindestens zwei verschiedene Produktionen gibt. Die meisten 1998er Caroni stammen aus Januar 1998, während nur wenige, nämlich die besseren, aus Dezember 1998 stammen. Dazwischen liegt also nahezu ein ganzes Jahr. Aus welchem Monat aus 1998 die Velier Abfüllungen stammen, ob sie zum Dezember-Batch zählen (geschmacklich liegt das nahe!) oder ob sie nochmal aus einer ganz anderen, einer dritten, Produktion stammen, weiß ich allerdings leider nicht.



Wie dem aber auch sei, die "No Smoking" Abfüllungen ist eine der wenigen 1998, die auch mit allgemein stärkeren Jahrgängen mithalten kann und sich keinesfalls verstecken muss, ganz im Gegenteil! Das vergleichbar junge Alter von 16 Jahren passt hier perfekt. Von der Gesamtperformance würde ich bei diesem Rum blind auch sicher auf einen älteren Rum tippen. Ob der heutige Kurs von oft 350 Euro gerechtfertigt ist, das steht noch einmal auf einem anderen Papier, ich würde das persönlich für diesen Rum nicht ausgeben, aber das 33rd Release zählt definitiv wegen seiner inhaltlichen Werte zu einem der gesuchteren auf dem Markt.

Und damit wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 19. Juli 2018

Mai Tai mit TRC Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

es ist Sommer in Deutschland (richtiger Sommer, nicht sowas wie 2017!) und heute mache ich mir einen Drink, mit dem ich mir sehr, sehr lange Zeit gelassen habe und den ich auch tatsächlich, vor Schreiben dieses Artikels, nie zuvor im Glas hatte: den Mai Tai mit "The Beast", dem 19 YO Hampden aus 1998 von The Rum Cask aus dem letzten Jahr (2017)! Dementsprechend freue ich mich auch bereits auf das, was gleich folgt! :-)

Das "Beast"-Release kam im letzten Sommer 2017 auf den Markt und war auch nach wenigen Tagen schon wieder ausverkauft, ich glaube fünf Tage waren es. Einen kleinen Vorrat davon habe ich mir natürlich gesichert, logisch, bei einer "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Abfüllung, aber ich habe den bisher am Ende dann doch immer pur im Glas gehabt, da der Rum für mich unter den Hampden Abfüllungen insgesamt wirklich sehr weit vorne mitspielt. Ein grandioses Bottling! Letztlich aber komme ich auch gegen meine Leidenschaft für den Mai Tai nicht an und so gibt es heute, wenn auch mit knapp einem Jahr Verzögerung, den Mai Tai mit dem 19 YO Hampden aus 1998, der mit einem humorlosen Alkoholgehalt von 69,1% vol. aufwartet! 
Was ich vor allem beim Mai Tai mit dem Caroni 23 YO von Velier in den Resonanzen gespürt habe, war ein doch recht weitläufiges generelles Unverständnis dafür, Rums die einen recht hohen Preis haben oder Rums die vor allem auch pur so wahnsinnig gut funktionieren in einem Drink zu verwenden. Daher möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen, dass ich das auch grundsätzlich nur mit Rums mache, bei denen ich mir einen gewissen Mehrwert im Drink erwarte. Das ist weder gedankenlos, noch verschwenderisch, noch dekadenter als es auch der Purgenuss schon ist, in meinen Augen. Am Ende geht es um Genuss. Um bewussten Genuss und um die Komposition von verschiedenen Komponenten zu einem Gesamtwerk, welches es wert ist erfahren zu werden. 


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):


  • 6,0 cl The Rum Cask 1998 Hampden 19 YO
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)








Mai Tai mit TRC "The Beast" 1998 Hampden 19 YO:

Der wunderschön goldene Rum hat den Mai Tai farblich mehr in einen Daiquiri verwandelt als in einen Mai Tai aus einem Cocktailbuch, wo er durch die Verwendung von dunklen (weil gefärbten) Rums meist mehr ins matschig-braune geht. Das ist hier, wie gewohnt, anders, denn nahezu alle Rums, die ich trinke sind ungefärbt und die allermeisten, die dann auch noch für einen Mai Tai in Frage kommen, sind in der Regel aus Jamaica, 15-25 Jahre in Europa gereift und golden farbig. Velier mit seinen tropisch gereiften Hampdens könnte das bald etwas durchbrechen, aber darum soll es heute ja nicht gehen. 

Geschmacklich ist das, was ich da gerade trinken darf, der absolute Hammer! Das "Beast" kommt mit mit kompromisslosen 69,1% vol. in den Drink, versteht es aber, diesen nicht hoffnungslos zu alkoholisieren, sondern einfach nur unfassbar viel Flavour mit hineinzubringen! Für mich geht das tatsächlich auch nahe an das Optimum aus Dominanz des Rums bei gleichzeitiger Integration aller übrigen Zutaten. Sehr, sehr lecker! Über allem schwebt immer diese rummige Hampden-Note, ergänzt um eben Sweet & Sour, bestehend aus Curacao, Orgeat, Zucker  und Limettensaft. Jede der Komponenten mit Eigengeschmack darf mal und erhält während eines Schluckes jedes Mal seinen ganz eigenen, individuellen Moment am Gaumen. Das ist schon ganz großes Cocktail-Tennis!

Fazit: hätte ich mal mehr Flaschen vom "Beast" besorgt! So spricht ein Fazit dann eigentlich auch mal in wenigen Worten für sich. ;-) Ja, als der Rum raus kam gab es ihn noch für knapp unter 80 Euro, allerdings währte dieses Glück wie gesagt nur kurz, denn schon nach fünf (!) Tagen war die Abfüllung bei The Rum Cask ausverkauft. Leider aber eben auch vollkommen zurecht. Ich trinke Hampden inzwischen oft nicht mehr so gerne pur wie vor einigen Jahren noch. Caroni hat das bei mir so ein wenig verdrängt. Das "Beast" hingegen konnte da häufiger punkten und diesen Trend bei mir punktuell auch immer mal wieder durchbrechen. Aber auch heute musste ich feststellen, wie gut mir Hampden allgemein in einem hervorragenden Mai Tai schmecken. Und auf diesen Rum trifft das auch noch einmal im Besonderen zu! Das ist ein Hampden der Spitzenklasse, pur als auch im Drink! Und wenn ich sehe, dass er inzwischen so für um die 150 Euro gehandelt wird, dann ist das zwar ein schmerzlicher Aufschlag, aber ich kann trotz dessen noch immer jedem raten da zuzuschlagen, wenn sich die Chance mal bietet. Er ist es wert! Einen besseren Hampden aus 1998 habe ich noch nicht gesehen bisher und ich finde ihn z.B. auch besser, als alles was da momentan noch an tropisch gelagertem Hampden auf den Markt kommt! Ob diese tropical aged Hampden dann Rums wie dem "Beast" eines Tages den Rang ablaufen werden wird sich zeigen, aber momentan passiert das aus meiner Sicht heraus noch nicht. 

Bis demnächst,
Flo


Sonntag, 15. Juli 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

Welcome to the 3rd Caroni Hangar Games!

Nach wie vor bewege ich mich derzeit so ein wenig zwischen zwei verschiedenen Serien. Zum einen bin ich natürlich in der Hangar-Serie unterwegs, zum anderen aber derzeit auch innerhalb des Jahrgangs 1992. Letzteres bedingt leider ein wenig ersteres, denn zwei von insgesamt nur vier Releases aus diesem Jahrgang stammen aus eben dieser Serie. Möchte man sich also mit dem Jahrgang 1992 ernsthaft auseinandersetzen, so kommt man um die Hangars nicht herum!

Frontlabel
Backlabel




















Letzte Woche habe ich mir den 20 YO High Proof mit 55% vol. aus dieser Serie angesehen, davor auch schon den 18 YO Full Proof (allerdings nicht aus der Hangar Serie), und heute ist also folgerichtig der 20 YO Full Proof dran. Den 18 YO High Proof hingegen lasse ich derzeit so ein wenig außen vor, schlicht, weil ich zeitnah kein Sample aufgetrieben bekommen habe und in letzter Konsequenz auch, weil ich denke, dass die hier vorgestellten Abfüllungen, mit dem heutigen Review werden es drei von vier sein, repräsentativ genug für den Jahrgang 1992 sind. Beide Full Proof und eine High Proof Version werdet ihr dann von mir vorgestellt bekommen haben.
Dass ich den 20 YO Full Proof hier überhaupt vorstellen kann, verdanke ich einem sehr netten und engagierten Rum Dude, mit dem ich regelmäßig sehr guten Kontakt pflege und den ich in Köln auch persönlich kennengelernt habe, denn er hat mir diesen seltenen Rum (nur 1621 Flaschen wurden abgefüllt) aus einer hervorragend sortierten Bar im Osten Europas als Sample mitgebracht: vielen, vielen Dank dafür! Und wer sich jetzt fragt, inwieweit das zusammen hängt, wo ich doch, den Bildern nach, eine ganze Flasche davon hier habe: zum Zeitpunkt des Bar-Besuchs war nicht absehbar, dass sich eine Gelegenheit zum Kauf einer ganzen Flasche ergeben würde. Das war ein absoluter Glücksfall!


Verkostung des Velier 20 YO Caroni 1992:

Preis: ursprünglich bei ca. 100 Euro oder eventuell sogar noch etwas weniger gelegen, muss man inzwischen mit 300 bis 400 Euro und mehr rechnen. 

Alter: 20 YO - von 1992 bis 2012 reifte der Rum in Fässern.

Lagerung: 100% tropische Lagerung. Zwischen 1992 und 2008 lagen die Fässer auf Trinidad und ab 2008 bis zur Abfüllung 2012 in Guyana in den Warehouses von DDL.

Fassnummern: keine Angaben dazu auf dem Label. Es waren insgesamt aber 6 Fässer, die nur 1621 Flaschen ergeben haben. 

Angel's Share: unbekannt. Anhand vergleichbarer Rums kann man aber von ca. 85% ausgehen. 

Alkoholstärke: 60,21% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles, edles Mahagoni.

Viskosität: unregelmäßiger, eher eng gefasster Schlierenfluss.

Nase: Wow! Gigantisch! Eine unglaublich tiefe, reiche und intensive Nase! Zunächst erschlägt mich das beinahe. In den ersten Minuten erscheint hier vieles zwar noch sehr konzentriert und verschlossen und auch ein leichtes Stechen in der Nase ist zu Anfang noch da, aber das alles weicht dann nach kurzer Zeit auch diesem unfassbaren Caroni-Schrottplatz-Bouquet. Hier fällt vor allen Dingen erst einmal eine wirklich schöne und intensive, dabei aber vollkommen natürliche Süße auf. Diese kenne ich von einigen Abfüllungen aus 1996 sehr gut und auch beim 20 YO High Proof habe ich diese gehabt. Beim 18 YO aus 2010 hingegen war diese nicht so präsent in der Nase. Neben Teer, Terpentin, verbranntem Fahrradschlauch, Holzlack und Petroleum habe ich dann auch fruchtige Töne von Mango und Papaya. Dahinter zaghaft Rauch. Die Fassreife und ihr Einfluss auf den Rum sind enorm! Tannine und eine klasse Holznote der Fässer runden das Gesamterlebnis in der Nase bemerkenswert ab. 

Gaumen: wie in der Nase habe ich auch hier erstmal den totalen Caroni-Einschlag. Ich finde eine enorme Adstringens zu Beginn vor, bei der sich wirklich alles am Gaumen zusammenzieht. Dann habe ich eine kurze aber sehr präsente, angenehme und natürliche Süße, vergleichbar zur Nase, der eine leichte alkoholische Schärfe folgt. Letztere ist jedoch weit weniger präsent als sie es beispielsweise beim 18 YO FP ist. Die 60,21% vol. sind sehr, sehr smooth zu trinken! Mhmm, stark, der ist mundfüllend und wahnsinnig körperreich! Man beißt richtig auf dem Rum herum! Das Aromenspektrum reicht vom ganz dominanten Holzlack, über Teer, verbranntes Gummi und einer Nussmischung, bis hin zu ebenfalls dominantem Anis. Dahinter super eingebundene Tannine. Tolle Kombination, flüssige Perfektion! Ich bin wirklich begeistert! Vor mir steht eine Spirituose, wie man sie sich besser eigentlich kaum ausdenken könnte und die zeigt, was ein im Fass in der Karibik gereiftes Destillat auf allerhöchstem Niveau kann! Meine Hochachtung!

Abgang: extrem trocken, Holz, frisch geschnittenes Geäst, Tannine. Hinten heraus etwas Menthol und dann der Holzlack. Sehr lang. Fantastisch!

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Caroni 1992 Crosstasting, v.l.n.r.: 18 YO FP, 20 YO HP, 20 YO FP
Fazit: unerwartet aber dafür umso erfreuter kann, darf und muss ich konstatieren, dass mich dieser Rum glaube ich noch einmal ein Stück mehr abholt, als es die anderen beiden 1992er bisher ohnehin schon getan haben! In der Nase war er eindach nochmal ein Stück komplexer und dabei weniger alkoholisch aggressiv als der 18 YO und wiederum intensiver als der 20 YO High Proof. Am Gaumen dann überzeugte er durch alkoholische Milde auf der einen Seite, bei der sich der Rum erneut klar vom 18 YO abheben konnte, gepaart aber mit einem deutlichen Zugewinn an Körper im Vergleich zur verdünnten Version. Im Finish nehmen sich dann alle drei Rums nicht viel. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es möglich ist 18 YO und 20 YO High Proof noch einmal so zu steigern, aber so ist es. Dieser Caroni ist meine klare Nummer 1 aus 1992! Und nach drei von vier Abfüllungen aus 1992 bleibt mir letztlich nur noch festzustellen, dass dies wohl von allen hier bisher präsentierten Jahrgängen mein liebster ist, mit hauchdünnem Vorsprung vor 1996! Exzellent, alle drei Rums!


Umso glücklicher schätze ich mich, dass es mir vor wenigen Tagen gelungen ist, noch eine Flasche dieses 20 YO Full Proof zu erstehen und dies auch für einen Preis, der zwar eigentlich auch schon unglaublich hoch, für Caroni-Verhältnisse im Jahr 2018 und die enorme Qualität die er mitbringt allerdings noch absolut vertretbar ist, angesichts des Wahnsinns, der uns bei Caroni und seinen Preisen ja generell schon seit längerer Zeit immer wieder heimsucht. Man bekommt eine Flasche mit etwas Glück momentan noch für deutlich weniger als das Geld, das der 18 YO 1992 kostet. Dieser liegt mit weit über 500 Euro leider schon weit jenseits dessen, was ich bereit wäre auszugeben. Wer allerdings einen der beiden 20 YO für um die 300 Euro sieht, der sollte nicht lange zögern. Ich hätte bis vor wenigen Monaten nie gedacht, dass ich das mal sage, aber das sind sie wert! ... und sie werden leider auch nicht mehr günstiger. Und, ich denke, das ist inzwischen deutlich hervorgetreten, die 1992er haben für mich nochmal eine kleine exponierte Stellung unter all den hervorragenden Rums bei Caroni. Daher empfehle ich auch jedem, der vielleicht auch nicht bereit ist, so viel Geld für eine Flasche Rum in die Hand zu nehmen (Herzlichen Glückwunsch, bei euch laufen noch alle Hirnwindungen korrekt zusammen!), einen Caroni aus 1992 doch zumindest einmal zu probieren, beispielsweise via Sample oder eben in einer wirklich gut sortierten Bar.

In diesem Sinne, bis demnächst,
Flo

Sonntag, 1. Juli 2018

Velier HP Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

1992 Reloaded! Dieser Jahrgang hat es mir vor zwei Wochen im Review wirklich angetan und heute kommt nun der Vertreter dieses Batches auf Barrel Aged Thoughts, den ich von allen als erstes im Glas hatte, vor ca. einem Jahr nämlich schon erstmals: der 20 jährige High Proof aus der Hangar-Serie!

Damit kommt hier jetzt schon der insgesamt zweite Rum aus der sogenannten Hangar-Serie zur Verkostung. Den Anfang machte in diesem Fall der 18 YO Full Proof aus 1994, der, genau wie der heutige Rum, im Jahr 2012 abgefüllt wurde. Den 18 YO High Proof aus 1994 stelle ich euch natürlich noch vor, sobald ich ihn probieren konnte. Das war mir bislang allerdings noch nicht vergönnt und daher mache ich jetzt erst einmal weiter mit 1992. Mein neuer Lieblings-Jahrgang? Mal schauen! 





Verkostung des Velier 20 YO Caroni 1992:

Preis: der ursprüngliche Preis des Rums lag bei ca. 70-80 Euro. Heute kostet er ca. 250-300 Euro. 

Alter: der Rum ist 20 Jahre alt und wurde 1992 destilliert. 2012 füllte Velier ihn ab.

Lagerung: die Reifung erfolgte von 1992 bis 2008 auf Trinidad und von 2008 bis 2012 bei DDL in Guyana - 100% tropisch gereift also.

Fassnummern: unbekannt. Es waren allerdings 14 Fässer an der Zahl, die dann noch 3977 Flaschen Rum ergeben haben. 

Angel's Share: keine Angabe dazu auf dem Label, aber er liegt bei anderen 20 Jahre tropisch gereiften Caroni bei ca. 85%.

Alkoholstärke: 55% vol. - High Proof

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. 

Viskosität: satte, fette Schlieren laufen unregelmäßig die Glaswand herunter.

Nase: Mhhmm... schön! Die Nase steht der des 18 YO von vor zwei Wochen zunächst einmal in nichts nach! Wieder ein äußerst typischer Vertreter der Destillerie. Im Unterschied zum 18er Full Proof macht dieser hier allerdings sehr viel schneller auf. Kaum Stechen, kaum alkoholische Schärfe. So ist am Ende dann relativ schnell alles angerichtet, für ein wirklich ausgezeichnetes Bouquet. Er ist nicht ganz so dreckig wie der zwei Jahre jüngere 18er Full Proof, kommt aber natürlich trotzdem noch mit ausreichender Menge Teer, Terpentin, verbranntem Fahrradschlauch, Holzlack und Petroleum daher. Dazu gesellen sich dunkle, kandierte Trockenfrüchte, etwas Marzipan und Bitterschokolade. Nach hinten weg zum Ausgang und auch erst nach über einer Stunde habe ich dann auch Menthol. An dem könnte ich stundenlang schnüffeln, genau mein Ding! Insgesamt schon etwas edler und gesetzter als der 18er von vorletzter Woche. Der Rum hat, trotz der Verdünnung, augenscheinlich auch nichts an Tiefe und Komplexität eingebüßt! Klasse!

Gaumen: Okay, hier werden die Unterschiede zu einer Full Proof Abfüllung noch deutlicher, allerdings nicht unbedingt im negativen Sinne. Der Rum brennt tatsächlich überhaupt nicht auf der Zunge, weswegen sich alle Eindrücke sofort voll und ganz auf den Geschmack und das Aromenspektrum konzentrieren. Das gefällt mir wirklich gut, so darf High Proof gerne sein. Darüber hinaus sogar cremig. Klasse! Ich meine, allerdings ohne den Full Proof zu kennen und daher na klar ohne Gewähr, hier wurde die Trinkstärke genau getroffen! Fantastisch! Denn das war, wenn überhaupt, einer der wenigen Kritikpunkte die ich an den 18er hatte, dass er mir vielleicht einen Ticken zu unentspannt war. Das ist hier ganz anders und das mag ich sehr! Dafür ist der Rum allerdings auch nicht ganz so mundfüllend, was wiederum schade ist. Dennoch kommt natürlich ungemein viel Caroni-Flavour in der Mundhöhle und am Gaumen an und hält schon ein kleines Feuerwerk bereit. Es fängt mit einem süßlichen Schub zu Beginn an und setzt sich dann fort über die Eindrücke von Holzlack, Teer, verbranntem Gummi, Anis und Cashewkernen. Dahinter super eingebundene Tannine. Der Fasseinfluss ist enorm, aber nie drüber. Nicht einmal annähernd. Perfekt gereifter Rum!

Abgang: trocken und dreckig. Es bleibt Caroni-Geschmack mit trockenem Holz und Anis am Gaumen. Lang. Grandios!
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Fazit: das zweite Mal Caroni 1992 und auch das zweite Mal ein Volltreffer! Wahnsinn! Trotz einiger Unterschiede, wie z.B. die zwei Jahre längere Reifezeit oder die Verdünnung auf 55% vol. bleibt das Niveau hoch und offenbart eine scheinbar enorm hohe Qualitätsdichte innerhalb dieses Jahrgangs, ähnlich wie bei 1996. Auf den 20 YO Full Proof der Hangar-Serie bin ich nun natürlich noch umso mehr gespannt!
Preislich haut der Caroni, wie inzwischen alle Vertreter dieser Destillerie, natürlich immens rein. Das drei- bis vierfache des ursprünglichen Preises muss man inzwischen für diese Abfüllung hinlegen, allerdings bin ich durchaus der Meinung, dass der Preis, aus der heutigen Perspektive, okay ist. Da gibt es meines Erachtens deutlich schwächere Abfüllungen, die für vergleichbare oder auch höhere Summen gehandelt werden und da liegt dieses Bottling doch noch eher am unteren Ende der Fahnenstange. Wer also unbedingt noch gerne eine Flasche 1992 hätte, der könnte hier durchaus Ausschau halten! Das werde ich persönlich auch noch tun, denn seit ich diesen Rum letztes Jahr zum ersten Mal im Glas hatte, bin ich ein totaler Fan von ihm und hatte ihn schon deutlich häufiger im Glas als so manch anderen Rum. Ich neige daher auch dazu, 1992 vielleicht sogar etwas vor 1996 zu sehen, aber bevor ich mir da ein abschließendes Urteil erlaube, möchte ich erst noch den Full Proof probieren.

In diesem Sinne, habt eine schöne erste Juli-Woche und genießt die Sonne!

Bis demnächst,
Flo