Donnerstag, 19. Juli 2018

Mai Tai mit TRC Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

es ist Sommer in Deutschland (richtiger Sommer, nicht sowas wie 2017!) und heute mache ich mir einen Drink, mit dem ich mir sehr, sehr lange Zeit gelassen habe und den ich auch tatsächlich, vor Schreiben dieses Artikels, nie zuvor im Glas hatte: den Mai Tai mit "The Beast", dem 19 YO Hampden aus 1998 von The Rum Cask aus dem letzten Jahr (2017)! Dementsprechend freue ich mich auch bereits auf das, was gleich folgt! :-)

Das "Beast"-Release kam im letzten Sommer 2017 auf den Markt und war auch nach wenigen Tagen schon wieder ausverkauft, ich glaube fünf Tage waren es. Einen kleinen Vorrat davon habe ich mir natürlich gesichert, logisch, bei einer "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Abfüllung, aber ich habe den bisher am Ende dann doch immer pur im Glas gehabt, da der Rum für mich unter den Hampden Abfüllungen insgesamt wirklich sehr weit vorne mitspielt. Ein grandioses Bottling! Letztlich aber komme ich auch gegen meine Leidenschaft für den Mai Tai nicht an und so gibt es heute, wenn auch mit knapp einem Jahr Verzögerung, den Mai Tai mit dem 19 YO Hampden aus 1998, der mit einem humorlosen Alkoholgehalt von 69,1% vol. aufwartet! 
Was ich vor allem beim Mai Tai mit dem Caroni 23 YO von Velier in den Resonanzen gespürt habe, war ein doch recht weitläufiges generelles Unverständnis dafür, Rums die einen recht hohen Preis haben oder Rums die vor allem auch pur so wahnsinnig gut funktionieren in einem Drink zu verwenden. Daher möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen, dass ich das auch grundsätzlich nur mit Rums mache, bei denen ich mir einen gewissen Mehrwert im Drink erwarte. Das ist weder gedankenlos, noch verschwenderisch, noch dekadenter als es auch der Purgenuss schon ist, in meinen Augen. Am Ende geht es um Genuss. Um bewussten Genuss und um die Komposition von verschiedenen Komponenten zu einem Gesamtwerk, welches es wert ist erfahren zu werden. 


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):


  • 6,0 cl The Rum Cask 1998 Hampden 19 YO
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)








Mai Tai mit TRC "The Beast" 1998 Hampden 19 YO:

Der wunderschön goldene Rum hat den Mai Tai farblich mehr in einen Daiquiri verwandelt als in einen Mai Tai aus einem Cocktailbuch, wo er durch die Verwendung von dunklen (weil gefärbten) Rums meist mehr ins matschig-braune geht. Das ist hier, wie gewohnt, anders, denn nahezu alle Rums, die ich trinke sind ungefärbt und die allermeisten, die dann auch noch für einen Mai Tai in Frage kommen, sind in der Regel aus Jamaica, 15-25 Jahre in Europa gereift und golden farbig. Velier mit seinen tropisch gereiften Hampdens könnte das bald etwas durchbrechen, aber darum soll es heute ja nicht gehen. 

Geschmacklich ist das, was ich da gerade trinken darf, der absolute Hammer! Das "Beast" kommt mit mit kompromisslosen 69,1% vol. in den Drink, versteht es aber, diesen nicht hoffnungslos zu alkoholisieren, sondern einfach nur unfassbar viel Flavour mit hineinzubringen! Für mich geht das tatsächlich auch nahe an das Optimum aus Dominanz des Rums bei gleichzeitiger Integration aller übrigen Zutaten. Sehr, sehr lecker! Über allem schwebt immer diese rummige Hampden-Note, ergänzt um eben Sweet & Sour, bestehend aus Curacao, Orgeat, Zucker  und Limettensaft. Jede der Komponenten mit Eigengeschmack darf mal und erhält während eines Schluckes jedes Mal seinen ganz eigenen, individuellen Moment am Gaumen. Das ist schon ganz großes Cocktail-Tennis!

Fazit: hätte ich mal mehr Flaschen vom "Beast" besorgt! So spricht ein Fazit dann eigentlich auch mal in wenigen Worten für sich. ;-) Ja, als der Rum raus kam gab es ihn noch für knapp unter 80 Euro, allerdings währte dieses Glück wie gesagt nur kurz, denn schon nach fünf (!) Tagen war die Abfüllung bei The Rum Cask ausverkauft. Leider aber eben auch vollkommen zurecht. Ich trinke Hampden inzwischen oft nicht mehr so gerne pur wie vor einigen Jahren noch. Caroni hat das bei mir so ein wenig verdrängt. Das "Beast" hingegen konnte da häufiger punkten und diesen Trend bei mir punktuell auch immer mal wieder durchbrechen. Aber auch heute musste ich feststellen, wie gut mir Hampden allgemein in einem hervorragenden Mai Tai schmecken. Und auf diesen Rum trifft das auch noch einmal im Besonderen zu! Das ist ein Hampden der Spitzenklasse, pur als auch im Drink! Und wenn ich sehe, dass er inzwischen so für um die 150 Euro gehandelt wird, dann ist das zwar ein schmerzlicher Aufschlag, aber ich kann trotz dessen noch immer jedem raten da zuzuschlagen, wenn sich die Chance mal bietet. Er ist es wert! Einen besseren Hampden aus 1998 habe ich noch nicht gesehen bisher und ich finde ihn z.B. auch besser, als alles was da momentan noch an tropisch gelagertem Hampden auf den Markt kommt! Ob diese tropical aged Hampden dann Rums wie dem "Beast" eines Tages den Rang ablaufen werden wird sich zeigen, aber momentan passiert das aus meiner Sicht heraus noch nicht. 

Bis demnächst,
Flo


Sonntag, 15. Juli 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

Welcome to the 3rd Caroni Hangar Games!

Nach wie vor bewege ich mich derzeit so ein wenig zwischen zwei verschiedenen Serien. Zum einen bin ich natürlich in der Hangar-Serie unterwegs, zum anderen aber derzeit auch innerhalb des Jahrgangs 1992. Letzteres bedingt leider ein wenig ersteres, denn zwei von insgesamt nur vier Releases aus diesem Jahrgang stammen aus eben dieser Serie. Möchte man sich also mit dem Jahrgang 1992 ernsthaft auseinandersetzen, so kommt man um die Hangars nicht herum!

Frontlabel
Backlabel




















Letzte Woche habe ich mir den 20 YO High Proof mit 55% vol. aus dieser Serie angesehen, davor auch schon den 18 YO Full Proof (allerdings nicht aus der Hangar Serie), und heute ist also folgerichtig der 20 YO Full Proof dran. Den 18 YO High Proof hingegen lasse ich derzeit so ein wenig außen vor, schlicht, weil ich zeitnah kein Sample aufgetrieben bekommen habe und in letzter Konsequenz auch, weil ich denke, dass die hier vorgestellten Abfüllungen, mit dem heutigen Review werden es drei von vier sein, repräsentativ genug für den Jahrgang 1992 sind. Beide Full Proof und eine High Proof Version werdet ihr dann von mir vorgestellt bekommen haben.
Dass ich den 20 YO Full Proof hier überhaupt vorstellen kann, verdanke ich einem sehr netten und engagierten Rum Dude, mit dem ich regelmäßig sehr guten Kontakt pflege und den ich in Köln auch persönlich kennengelernt habe, denn er hat mir diesen seltenen Rum (nur 1621 Flaschen wurden abgefüllt) aus einer hervorragend sortierten Bar im Osten Europas als Sample mitgebracht: vielen, vielen Dank dafür! Und wer sich jetzt fragt, inwieweit das zusammen hängt, wo ich doch, den Bildern nach, eine ganze Flasche davon hier habe: zum Zeitpunkt des Bar-Besuchs war nicht absehbar, dass sich eine Gelegenheit zum Kauf einer ganzen Flasche ergeben würde. Das war ein absoluter Glücksfall!


Verkostung des Velier 20 YO Caroni 1992:

Preis: ursprünglich bei ca. 100 Euro oder eventuell sogar noch etwas weniger gelegen, muss man inzwischen mit 300 bis 400 Euro und mehr rechnen. 

Alter: 20 YO - von 1992 bis 2012 reifte der Rum in Fässern.

Lagerung: 100% tropische Lagerung. Zwischen 1992 und 2008 lagen die Fässer auf Trinidad und ab 2008 bis zur Abfüllung 2012 in Guyana in den Warehouses von DDL.

Fassnummern: keine Angaben dazu auf dem Label. Es waren insgesamt aber 6 Fässer, die nur 1621 Flaschen ergeben haben. 

Angel's Share: unbekannt. Anhand vergleichbarer Rums kann man aber von ca. 85% ausgehen. 

Alkoholstärke: 60,21% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles, edles Mahagoni.

Viskosität: unregelmäßiger, eher eng gefasster Schlierenfluss.

Nase: Wow! Gigantisch! Eine unglaublich tiefe, reiche und intensive Nase! Zunächst erschlägt mich das beinahe. In den ersten Minuten erscheint hier vieles zwar noch sehr konzentriert und verschlossen und auch ein leichtes Stechen in der Nase ist zu Anfang noch da, aber das alles weicht dann nach kurzer Zeit auch diesem unfassbaren Caroni-Schrottplatz-Bouquet. Hier fällt vor allen Dingen erst einmal eine wirklich schöne und intensive, dabei aber vollkommen natürliche Süße auf. Diese kenne ich von einigen Abfüllungen aus 1996 sehr gut und auch beim 20 YO High Proof habe ich diese gehabt. Beim 18 YO aus 2010 hingegen war diese nicht so präsent in der Nase. Neben Teer, Terpentin, verbranntem Fahrradschlauch, Holzlack und Petroleum habe ich dann auch fruchtige Töne von Mango und Papaya. Dahinter zaghaft Rauch. Die Fassreife und ihr Einfluss auf den Rum sind enorm! Tannine und eine klasse Holznote der Fässer runden das Gesamterlebnis in der Nase bemerkenswert ab. 

Gaumen: wie in der Nase habe ich auch hier erstmal den totalen Caroni-Einschlag. Ich finde eine enorme Adstringens zu Beginn vor, bei der sich wirklich alles am Gaumen zusammenzieht. Dann habe ich eine kurze aber sehr präsente, angenehme und natürliche Süße, vergleichbar zur Nase, der eine leichte alkoholische Schärfe folgt. Letztere ist jedoch weit weniger präsent als sie es beispielsweise beim 18 YO FP ist. Die 60,21% vol. sind sehr, sehr smooth zu trinken! Mhmm, stark, der ist mundfüllend und wahnsinnig körperreich! Man beißt richtig auf dem Rum herum! Das Aromenspektrum reicht vom ganz dominanten Holzlack, über Teer, verbranntes Gummi und einer Nussmischung, bis hin zu ebenfalls dominantem Anis. Dahinter super eingebundene Tannine. Tolle Kombination, flüssige Perfektion! Ich bin wirklich begeistert! Vor mir steht eine Spirituose, wie man sie sich besser eigentlich kaum ausdenken könnte und die zeigt, was ein im Fass in der Karibik gereiftes Destillat auf allerhöchstem Niveau kann! Meine Hochachtung!

Abgang: extrem trocken, Holz, frisch geschnittenes Geäst, Tannine. Hinten heraus etwas Menthol und dann der Holzlack. Sehr lang. Fantastisch!

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Caroni 1992 Crosstasting, v.l.n.r.: 18 YO FP, 20 YO HP, 20 YO FP
Fazit: unerwartet aber dafür umso erfreuter kann, darf und muss ich konstatieren, dass mich dieser Rum glaube ich noch einmal ein Stück mehr abholt, als es die anderen beiden 1992er bisher ohnehin schon getan haben! In der Nase war er eindach nochmal ein Stück komplexer und dabei weniger alkoholisch aggressiv als der 18 YO und wiederum intensiver als der 20 YO High Proof. Am Gaumen dann überzeugte er durch alkoholische Milde auf der einen Seite, bei der sich der Rum erneut klar vom 18 YO abheben konnte, gepaart aber mit einem deutlichen Zugewinn an Körper im Vergleich zur verdünnten Version. Im Finish nehmen sich dann alle drei Rums nicht viel. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es möglich ist 18 YO und 20 YO High Proof noch einmal so zu steigern, aber so ist es. Dieser Caroni ist meine klare Nummer 1 aus 1992! Und nach drei von vier Abfüllungen aus 1992 bleibt mir letztlich nur noch festzustellen, dass dies wohl von allen hier bisher präsentierten Jahrgängen mein liebster ist, mit hauchdünnem Vorsprung vor 1996! Exzellent, alle drei Rums!


Umso glücklicher schätze ich mich, dass es mir vor wenigen Tagen gelungen ist, noch eine Flasche dieses 20 YO Full Proof zu erstehen und dies auch für einen Preis, der zwar eigentlich auch schon unglaublich hoch, für Caroni-Verhältnisse im Jahr 2018 und die enorme Qualität die er mitbringt allerdings noch absolut vertretbar ist, angesichts des Wahnsinns, der uns bei Caroni und seinen Preisen ja generell schon seit längerer Zeit immer wieder heimsucht. Man bekommt eine Flasche mit etwas Glück momentan noch für deutlich weniger als das Geld, das der 18 YO 1992 kostet. Dieser liegt mit weit über 500 Euro leider schon weit jenseits dessen, was ich bereit wäre auszugeben. Wer allerdings einen der beiden 20 YO für um die 300 Euro sieht, der sollte nicht lange zögern. Ich hätte bis vor wenigen Monaten nie gedacht, dass ich das mal sage, aber das sind sie wert! ... und sie werden leider auch nicht mehr günstiger. Und, ich denke, das ist inzwischen deutlich hervorgetreten, die 1992er haben für mich nochmal eine kleine exponierte Stellung unter all den hervorragenden Rums bei Caroni. Daher empfehle ich auch jedem, der vielleicht auch nicht bereit ist, so viel Geld für eine Flasche Rum in die Hand zu nehmen (Herzlichen Glückwunsch, bei euch laufen noch alle Hirnwindungen korrekt zusammen!), einen Caroni aus 1992 doch zumindest einmal zu probieren, beispielsweise via Sample oder eben in einer wirklich gut sortierten Bar.

In diesem Sinne, bis demnächst,
Flo

Sonntag, 1. Juli 2018

Velier HP Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

1992 Reloaded! Dieser Jahrgang hat es mir vor zwei Wochen im Review wirklich angetan und heute kommt nun der Vertreter dieses Batches auf Barrel Aged Thoughts, den ich von allen als erstes im Glas hatte, vor ca. einem Jahr nämlich schon erstmals: der 20 jährige High Proof aus der Hangar-Serie!

Damit kommt hier jetzt schon der insgesamt zweite Rum aus der sogenannten Hangar-Serie zur Verkostung. Den Anfang machte in diesem Fall der 18 YO Full Proof aus 1994, der, genau wie der heutige Rum, im Jahr 2012 abgefüllt wurde. Den 18 YO High Proof aus 1994 stelle ich euch natürlich noch vor, sobald ich ihn probieren konnte. Das war mir bislang allerdings noch nicht vergönnt und daher mache ich jetzt erst einmal weiter mit 1992. Mein neuer Lieblings-Jahrgang? Mal schauen! 





Verkostung des Velier 20 YO Caroni 1992:

Preis: der ursprüngliche Preis des Rums lag bei ca. 70-80 Euro. Heute kostet er ca. 250-300 Euro. 

Alter: der Rum ist 20 Jahre alt und wurde 1992 destilliert. 2012 füllte Velier ihn ab.

Lagerung: die Reifung erfolgte von 1992 bis 2008 auf Trinidad und von 2008 bis 2012 bei DDL in Guyana - 100% tropisch gereift also.

Fassnummern: unbekannt. Es waren allerdings 14 Fässer an der Zahl, die dann noch 3977 Flaschen Rum ergeben haben. 

Angel's Share: keine Angabe dazu auf dem Label, aber er liegt bei anderen 20 Jahre tropisch gereiften Caroni bei ca. 85%.

Alkoholstärke: 55% vol. - High Proof

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. 

Viskosität: satte, fette Schlieren laufen unregelmäßig die Glaswand herunter.

Nase: Mhhmm... schön! Die Nase steht der des 18 YO von vor zwei Wochen zunächst einmal in nichts nach! Wieder ein äußerst typischer Vertreter der Destillerie. Im Unterschied zum 18er Full Proof macht dieser hier allerdings sehr viel schneller auf. Kaum Stechen, kaum alkoholische Schärfe. So ist am Ende dann relativ schnell alles angerichtet, für ein wirklich ausgezeichnetes Bouquet. Er ist nicht ganz so dreckig wie der zwei Jahre jüngere 18er Full Proof, kommt aber natürlich trotzdem noch mit ausreichender Menge Teer, Terpentin, verbranntem Fahrradschlauch, Holzlack und Petroleum daher. Dazu gesellen sich dunkle, kandierte Trockenfrüchte, etwas Marzipan und Bitterschokolade. Nach hinten weg zum Ausgang und auch erst nach über einer Stunde habe ich dann auch Menthol. An dem könnte ich stundenlang schnüffeln, genau mein Ding! Insgesamt schon etwas edler und gesetzter als der 18er von vorletzter Woche. Der Rum hat, trotz der Verdünnung, augenscheinlich auch nichts an Tiefe und Komplexität eingebüßt! Klasse!

Gaumen: Okay, hier werden die Unterschiede zu einer Full Proof Abfüllung noch deutlicher, allerdings nicht unbedingt im negativen Sinne. Der Rum brennt tatsächlich überhaupt nicht auf der Zunge, weswegen sich alle Eindrücke sofort voll und ganz auf den Geschmack und das Aromenspektrum konzentrieren. Das gefällt mir wirklich gut, so darf High Proof gerne sein. Darüber hinaus sogar cremig. Klasse! Ich meine, allerdings ohne den Full Proof zu kennen und daher na klar ohne Gewähr, hier wurde die Trinkstärke genau getroffen! Fantastisch! Denn das war, wenn überhaupt, einer der wenigen Kritikpunkte die ich an den 18er hatte, dass er mir vielleicht einen Ticken zu unentspannt war. Das ist hier ganz anders und das mag ich sehr! Dafür ist der Rum allerdings auch nicht ganz so mundfüllend, was wiederum schade ist. Dennoch kommt natürlich ungemein viel Caroni-Flavour in der Mundhöhle und am Gaumen an und hält schon ein kleines Feuerwerk bereit. Es fängt mit einem süßlichen Schub zu Beginn an und setzt sich dann fort über die Eindrücke von Holzlack, Teer, verbranntem Gummi, Anis und Cashewkernen. Dahinter super eingebundene Tannine. Der Fasseinfluss ist enorm, aber nie drüber. Nicht einmal annähernd. Perfekt gereifter Rum!

Abgang: trocken und dreckig. Es bleibt Caroni-Geschmack mit trockenem Holz und Anis am Gaumen. Lang. Grandios!
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Fazit: das zweite Mal Caroni 1992 und auch das zweite Mal ein Volltreffer! Wahnsinn! Trotz einiger Unterschiede, wie z.B. die zwei Jahre längere Reifezeit oder die Verdünnung auf 55% vol. bleibt das Niveau hoch und offenbart eine scheinbar enorm hohe Qualitätsdichte innerhalb dieses Jahrgangs, ähnlich wie bei 1996. Auf den 20 YO Full Proof der Hangar-Serie bin ich nun natürlich noch umso mehr gespannt!
Preislich haut der Caroni, wie inzwischen alle Vertreter dieser Destillerie, natürlich immens rein. Das drei- bis vierfache des ursprünglichen Preises muss man inzwischen für diese Abfüllung hinlegen, allerdings bin ich durchaus der Meinung, dass der Preis, aus der heutigen Perspektive, okay ist. Da gibt es meines Erachtens deutlich schwächere Abfüllungen, die für vergleichbare oder auch höhere Summen gehandelt werden und da liegt dieses Bottling doch noch eher am unteren Ende der Fahnenstange. Wer also unbedingt noch gerne eine Flasche 1992 hätte, der könnte hier durchaus Ausschau halten! Das werde ich persönlich auch noch tun, denn seit ich diesen Rum letztes Jahr zum ersten Mal im Glas hatte, bin ich ein totaler Fan von ihm und hatte ihn schon deutlich häufiger im Glas als so manch anderen Rum. Ich neige daher auch dazu, 1992 vielleicht sogar etwas vor 1996 zu sehen, aber bevor ich mir da ein abschließendes Urteil erlaube, möchte ich erst noch den Full Proof probieren.

In diesem Sinne, habt eine schöne erste Juli-Woche und genießt die Sonne!

Bis demnächst,
Flo