Sonntag, 17. Juni 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 18 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

trotz WM-Fieber bin ich heute wieder mit einem Caroni am Start, denn da bringt mich momentan einfach kaum etwas davon ab, mich da immer weiter durchzuprobieren und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Erstmals gibt es auf Barrel Aged Thoughts daher heute einen Caroni aus 1992.

Ihr merkt also glaube ich schon, es geht in den Jahrgängen nun peu a peu nach hinten, das heißt, ich erschließe mir nun auch langsam die älteren Jahrgänge - bis hinein in die 1970er und 1980er Jahre, denn von dort hatte ich ja noch gar nichts im Glas! Ganz soweit allerdings bin ich heute noch nicht, denn ich lege erst einmal noch einen Zwischenstopp in 1992 ein, was, das werden wir im Folgenden noch sehen, auch unbedingt notwendig ist. Und schon jetzt sei verraten: 1992 wird mich auch noch mindestens zwei weitere Male hier auf BAT beschäftigen, vielleicht sogar noch ein viertes Mal! Dann wiederum hätte ich sie nämlich auch alle beisammen.  

1992 ist ein Caroni Jahrgang, der, im Vergleich zu anderen großen Jahrgängen, weder besonders viele verschiedene Abfüllungen (es sind derer eben nur vier), noch eine vergleichbar hohe Auflage an abgefüllten Flaschen  (18.308 Stück) hervorgebracht hat, was sie schon fast automatisch seltener und gesucht macht. Da Luca Gargano unlängst klargestellt hat, dass seine ältesten Caroni-Stocks aus 1994 stammen, steht auch fest, dass aus diesem Jahrgang nichts mehr kommen wird. Somit war hier bereits im Jahr 2012, als mit der Hangar-Serie die letzten beiden 1992er erschienen, "Schicht im Schacht". Auch von anderen unabhängigen Abfüllern sind mir nahezu keine Bottlings aus diesem Jahr bekannt. Nur Bristol hat in seine Trinity-Abfüllung ein bisschen was davon mit hineingegeben. Aber sonst?

Glücklicherweise gelang es mir, von drei der vier 1992er Vertretern noch Samples zu bekommen und mein Dank geht dementsprechend heute auch an den Rum Club Nutzer Rumlounge, der es mir ermöglicht hat, diesen gesuchten Tropfen zu verkosten. Vielen Dank! 




Verkostung des Velier 18 YO Caroni 1992:

Preis: ursprünglich lag der Rum bei weit unter 100 Euro. Heute hingegen liegt er bei mehr als 500 Euro. 

Alter: 18 Jahre. Er wurde im Jahr 1992 destilliert und reifte dann bis 2010 im Fass.

Lagerung: die Fässer wurden bis 2008 auf Trinidad und von da an bis 2010 bei DDL in Guyana gelagert.

Fassnummern: die Fassnummern der insgesamt 14 abgefüllten Fässer sind leider unbekannt. Die Flaschenanzahl betrug laut Label 6253 Flaschen. Laut neueren Informationen waren es hingegen wohl nur 3457 Flaschen. 

Angel's Share: unbekannt. Bei vergleichbar lange und ähnlich gelagerten Abfüllungen betrug er aber zwischen 70 und 80%. 

Alkoholstärke: 61,2% vol. - Full Proof! 

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. 

Viskosität: der Rum läuft eng, aber eher ungleichmäßig die Glaswand zurück hinunter ins Glas. Er wirkt schon hier sehr fett und ölig.

Nase: Uuuhh, junkyard! Typischer Caroni als hier gerade im Glas geht es kaum! Die Nase ist zunächst wahnsinnig konzentriert und möchte auch noch nicht so richtig aufmachen. Ich habe leichtes Stechen, wesegen ich meine Nase zu Beginn, trotz des schon jetzt betörenden Geruchs, noch nicht allzu weit ins Glas stecken möchte. Nach ca. 30-45 Minuten hat sich das komplett verändert und der Rum gewährt einem alle gewünschten Einblicke in sein Bouquet. Nun offenbart der Rum seine ganze Tiefe! Und da ist jetzt vor allem noch mehr Dreck, noch mehr Caroni, richtig schmutzig und verdammt kompromisslos! Petroleum, Teer, Lösungsmittel, Motoröl, kurz, alles was nicht in Kinderhände gehört, findet sich in diesem Rum an. Ein Rum, der schon in der Nase unbeschreibliche Lust darauf macht, ihn gleich zu trinken! Nach hinten heraus hat er noch etwas leicht herbales, kräuteriges. Der Stil erinnert mich von allen mir bekannten Stilen am ehesten an den Jahrgang 1996. Der Caroni ist nicht unbedingt der komplexeste den ich kenne, aber er ist bisher, in der Nase, einer der besten die ich bislang hatte. 

Gaumen: ein Monster! Am Gaumen brennt der Rum zunächst etwas auf der Zunge, wie ich finde. Ich finde ihn kaum weniger scharf als z.B. den 2000er Single Cask for The Nectar, trotz knapp 10% vol. weniger. Den Alkohol bemerkt man hier also deutlich. Aber schon jetzt laufen aber all die typischen Caroni-Aromen ein und fluten intensiv den Mundraum. Der Rum ist richtig mundfüllend und verdammt dreckig. Und, nachdem sich der Alkohol verzogen hat, auch cremig. Ich habe die üblichen Anteile an Teer, verbranntem Gummi und Phenolen, aber auch eine richtig tollen Fasseinfluss mit viel frisch geschnittenem Holz und schön eingebundenen Tanninen. Damit geht der Rum dann auch eher ins trockene über. Schönes Aromenspektrum! Blind hätte ich wohl auf einen älteren Rum als auf einen 18 jährigen getippt, aber daran sieht man eben einmal mehr sehr schön, was tropische Reife kann!

Abgang: trocken und dreckig. Es verbleibt sehr viel sehr dreckiger Caroni-Geschmack am Gaumen und der unterhält einen auch noch lange nach dem letzten Schluck. Ganz hinten heraus: Anis. Klasse, der bleibt wirklich für Stunden im Mund.

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: großer Rum! Erstaunlich ist bei diesen Qualitäten, die in diesem Fall ja z.B. schon 2010 abgefüllt wurden, vor allem, dass sie so lange in den Regalen stehen konnten, ohne, dass das Potenzial dieser Rums weitgehend erkannt wurde. Aus heutiger Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Ich für meinen Teil kann es auf meine damalige Fixierung auf Jamaica Rums schieben, aber was ging in den Menschen damals vor, die das alles schon probierten? Traf Caroni damals einfach noch nicht den Zeitgeist? Brauchte es, trotz aller Qualität, den Hype? Anscheinend.
Die heutige 1992er Abfüllung ist einer der besten Rums aus Caroni überhaupt für mich! Und er ist es deshalb, da hier für mich ganz, ganz viel von dem drin steckt, was Caroni für mich ausmacht und genau diese Komponenten hier in Verbindung mit einer exzellenten tropischen Reifung super aufgehen und eine kaum erreichte Gesamtstimmigkeit bei Caroni erreichen. Dreck, Power und edle Reife treffen in diesem Bottling einfach genial aufeinander und ergänzen sich gegenseitig. In meiner persönlichen Top 5 wird es langsam aber sicher eng, gleichwohl, Stand heute, würde er dort sicher auftauchen - zusammen mit dem Kirsch Single Cask aus 1996, dem 23 jährigen 1994er mit 59% vol., dem 2000er Nectar Single Cask und dem Cadenhead HTR aus 1998. Diese fünf Abfüllungen, stellvertretend für ihre jeweiligen Jahrgänge, stehen für mich derzeit für so ziemlich beste, was man aus Caroni probieren kann! Und trotz der enormen Qualität des heute verkosteten Rums steht sein Platz in den Top 5 auf der Kippe, denn ich werde in Kürze auch noch zwei 20 YO Vertreter aus 1992 verkosten! Unter Umständen, machen sie der 18 YO Abfüllungen ihren Platz ja noch streitig! ;-)

Und abschließend wünsche ich allen Fußballfans unter den Lesern, von wo auch immer ihr herkommt oder mit welchem Team ihr auch mitfiebert, noch eine schöne und hoffentlich erfolgreiche Weltmeisterschaft, die auch ich begeistert verfolge! Und falls ihr es mit der italienischen oder der niederländischen Mannschaft haltet: ich hoffe, wir sehen uns in 2 Jahren zur Euro wieder. Ohne euch fehlt etwas, ohne euch ist ein Turnier nur halb so schön!

Bis demnächst,
Flo

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen