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Sonntag, 13. Dezember 2020

Barrel Aged Thoughts' 2020 Top 10 Rums - Part I

Liebe Rum Gemeinde,

das Jahr 2020 neigt sich nach all diesen Knaller-Abfüllungen nun tatsächlich dem Ende zu und darum denke ich, ist es nun an der Zeit ein kleines Fazit zu ziehen. Wie schon häufiger in der Vergangenheit, möchte ich euch abschließend zusammengefasst noch einmal meine Highlights des Jahres in Form einer Top 10 in zwei Teilen präsentieren. 



Prolog:

Ihr Lieben, was war das bitte für ein Jahr?! Ich weiß da, um ehrlich zu sein, gar nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, worauf ich mich in 2020 ganz besonders freue, dann hätte ich vermutlich geantwortet: auf die Messe in Köln, das Rum Fest in Berlin, die Whisky Live in Paris und auf den TRC 90 II als Knaller zum Jahresende! Ich habe zum damaligen Zeitpunkt weder geahnt, was RA das ganze Jahr über mit uns abziehen würden, was Silver Seal im Sommer 2020 fabrizieren, dass Velier es noch schaffen würde richtig gute 1998er Caronis zu bringen, dass unsere "ewige" Waschmaschine tatsächlich kaputt gehen würde können und schon gar nicht hatte ich auf dem Zettel, was ab spätestens März insgesamt weltweit abging. Ich habe letzteres, vielleicht ist euch das aufgefallen, auf Barrel Aged Thoughts nahezu gar nicht thematisiert, da ich der Meinung war und bin, dass wir von allen Seiten mit diesem Thema erschlagen wurden, ob wir wollten oder nicht, dass es an Covid 19 ohnehin kein Vorbeikommen gab, und so wollte ich mit BAT zumindest einen Platz schaffen, an dem für euch und natürlich auch für mich einfach alles weitestgehend so ist wie immer. Zumindest irgendwas wo man draufklicken kann, ohne, dass man sofort dran erinnert wird, dass gerade nichts so ist wie gewohnt. Rum-Blogging als Eskapismus, wenigstens für einen Dram der oft unschönen Realität da draußen entfliehen. Warum ich das jetzt plötzlich anspreche? Weil Covid 19 unser Jahr so unfassbar unterschiedlich geprägt hat, dass ich das nicht einfach übergehen möchte. Es war, rein auf Rum und die Vielzahl an geilen Abfüllungen bezogen, ein richtig geiles Jahr, was ich hier auch festhalten und würdigen möchte. Aber ich kann an dieser Stelle insgesamt nicht von einem Super-Jahr sprechen (auch wenn es das für mich persönlich und ganz subjektiv wohl wirklich war), wo gleichzeitig viele von euch da draußen möglicherweise aktuell ihrem Beruf und damit vielfach auch ihrer Berufung nicht nachgehen dürfen, die vielleicht um ihre Existenz bangen, möglicherweise sogar gesundheitlich betroffen oder gar Angehörige verloren haben und deshalb möchte ich das zumindest dahingehend einordnen und einmal festhalten: ja, natürlich ich bin mir der Tatsache bewusst, dass einige von euch gerade ihr beschissenstes Jahr ever hinter sich haben und sich derzeit noch nicht einmal wirklich auf ein besseres 2021 freuen können, weil auch dessen Verlauf noch vollkommen ungewiss ist. Das ist furchtbar und ich kann nur das beste für euch hoffen. Ich persönlich arbeite im sozialen Sektor. Plötzlich war ich "systemrelevant" (was für mich damals tatsächlich die Haupt-Motivation war, einen solchen Job dem Studium der Geschichte und der Archäologie nach zwei Semestern vorzuziehen). Die Belastungen bei uns auf der Arbeit waren ungleich größer als in jedem anderen Jahr, deshalb blicke auch ich nicht nicht gerade auf ein entspanntes Jahr zurück, aber ich musste, anders als viele andere, nicht eine Sekunde um meinen Job fürchten und konnte auch deshalb viele der Abfüllungen in diesem Jahr genießen. Und dafür wiederum bin ich sehr dankbar! Ebenfalls sehr dankbar bin ich über einige Entwicklungen im Rum Bereich im abgelaufenen Jahr. So hat sich der Kontakt zu Dominik und zu RA in diesem Jahr z.B. noch weiter verfestigt, was mir eine ungemeine Freude ist! 

Dominik, ich glaube, ich muss das an dieser Stelle nicht weiter ausführen, außer: vielen lieben Dank dir für das geile gemeinsame Jahr und den unfassbar guten Job den du und ihr macht! Es macht auf allen Ebenen so unglaublich viel Spaß und ich liebe unseren regen gemeinsamen Austausch! Der ist ein absoluter Hochgenuss, den ich nicht mehr missen wollen würde! Danke für alles!

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf natürlich auch der Jens von TRC! Die Schlagzahl ist geringer geworden, aber wenn wir miteinander schnacken ist das, als würden wir das jede Woche tun. Es sind nun schon siebeneinhalb Jahre, seit ich euch bei der Worthy Park Abfüllung unterstützen durfte, die dann die erste BAT-Abfüllung wurde. Und es tut mir natürlich Leid, dass immer sobald wir etwas mehr miteinander zu tun haben, ihr anschließend so viel Arbeit mit Pakete packen habt ;-) Ich würde ja Besserung geloben, aber... :-) 

Steffen... auch wir sitzen inzwischen nun schon seit bald zwei Jahren gemeinsam über deinem Buch, das ohne jede Frage mit Erscheinen die neue Benchmark in diesem Bereich darstellen wird! Die gesamte Rumwelt darf sich auf diesen, deinen, Meilenstein der Rum Literatur freuen und ich persönlich fiebere dem schon wahnsinnig entgegen! Wenn immer wieder Zwei-Stunden-Telefonate mit "Hast du mal 'ne Minute?" beginnen, dann läuft irgendwas richtig ;-) 

Ich bedanke mich natürlich auch bei dir, Klaus, für das erste gemeinsame Jahr, in dem ich euch nun bei den Flensburg Rum Company Bottlings ein wenig unterstützen durfte. Klasse, dass immer mehr unabhängige Abfüller genauer hinschauen und mit der Frage an die Sache herangehen: "Was ist denn nun eigentlich der wirklich geile Shice den die Nerds auch sehen wollen?". Die nicht einfach nur irgendwie mitmischen wollen, bloß, weil das jetzt irgendwie jeder macht, sondern die das auch richtig machen wollen und richtig machen! 


Picture by E.H.

Wahnsinnig toll finde ich, dass wir es im abgelaufenen Jahr geschafft haben, mit der German Rum Association eine reine Rum Gruppe im deutschsprachigen Raum auf Facebook zu etablieren! Das war bitternötig und ich danke allen, die maßgeblich dazu beigetragen haben diese aufzubauen! Das qualitative Niveau ist hoch und auch immer noch mal gestiegen und ich freue mich, dass auch die Gruppe immer weiter wächst und inzwischen schon fast 750 Mitglieder zählt. Ihr seid super!

Und last but not least... geht natürlich ein riesiges Dankeschön an alle raus, die ich auch in diesem Jahr und trotz widriger Bedingungen zu einigen Zeitpunkten live, echt, mit Ton, in Farbe und bunt treffen konnte in diesem Jahr und ein paar unbeschwerte Tage und Stunden verbringen durfte! Ihr wisst, dass ihr gemeint seid, wenn ihr gemeint seid! :-*


Was liegt heute an?

Meine zehn besten Rums des Jahres "kühren"... das klingt total simpel, war es in diesem Jahr tatsächlich aber mal so überhaupt nicht! Es gab schon Jahre, da habe ich kaum eine wirklich vorzeigbare Top 10 zusammenbekommen weil einfach kaum richtig gute Rums released wurden und in diesem Jahr war es genau das Gegenteil - ich hätte locker und bequem eine Top 20 schreiben können! Da ich eine Top 10 hingegen wesentlich griffiger finde, habe ich davon natürlich abgesehen. Allerdings fühlte ich mich dennoch so ein wenig gezwungen nicht streng nach Punkten zu gehen und einfach die zehn am höchsten bewerteten Abfüllungen zu nehmen. Denn eine solche Liste wäre dann nicht sehr repräsentativ. Wir hätten, angesichts der Release-Flut 2020, allein fünf Caroni von Velier mit je 94 Punkten drin. Wer möchte eine solche Top 10 lesen? Auch wollte ich einen Rum unbedingt drin haben, der mit 92 Punkten zwar nicht zu den zehn am höchsten bewerteten Neuerscheinungen bei mir zählt, der diese "geringe" Punktzahl aber auch nur rein auf Grund sehr populärer Vorfahren bekam, die heute aber kaum noch jemandem etwas nützen. Ohne dieses Erbe, hätte ich den Rum vermutlich sehr viel besser bewertet und ich bin sicher, er zählt auch für viele von euch zu den absoluten Highlights in diesem Jahr. Doch dazu mehr, wenn es soweit ist. Nun, würde ich sagen, starten wir einfach mal den Countdown!


Platz 10: 

Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010

Direkt auf Platz 10 empfängt uns ein Brett, dass es bei einigen von euch sicher auch noch ein paar Plätze höher geschafft hätte. Gleichsam muss man fairerweise aber auch anmerken, dass der Rum das Lager deutlich stärker gespalten hat, als das beim HGML z.B. der Fall war, der gefühlt wirklich durchweg gut ankam. Das war beim C<>H anders, der war einigen auch zu extrem. Vor allem aber war er extrem schnell vergriffen und sorgte damit durchaus auch für Unmut. Für mich war und ist er dagegen ganz kurz und bündig der beste tropisch gereifte Hampden, den wir bisher bestaunen konnten - besser als der HGML und auch besser als das <>H Single Cask für die Whisky Live 2019! Damit hat er sich 93 Punkte redlich verdient. Dass er es bei mir "nur" auf Rang 10 geschafft hat (in normalen Jahren hätte er sicher besser abgeschnitten) liegt einzig an der enormen Konkurrenz. Es ist erst wenige Jahre her, da hätte ich für einen Rum mit dieser Qualität noch alles gegeben! Auch das zeigt, wie krass die Entwicklung im Rum Bereich in den letzten Jahren voran geschritten ist, dass solche Hammer Releases inzwischen schon beinahe zu einer kleinen Gewohnheit werden. 

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Platz 9:

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore 1991

DER (!) Spalter 2020! Als sich im Februar abzeichnete, dass tatsächlich nach all den Jahren mal wieder ein neuer KFM kommen und dieser auch noch absolut mega werden würde, war ich richtiggehend elektrisiert! Eigentlich war der Stil früher gar nicht so sehr meins, weder der Demerara Style im allgemeinen noch der KFM Style im speziellen, aber wie die KFMs im Fass, so habe auch ich mich, bzw. mein Geschack sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und so gehören die Demeraras heute inzwischen zu meinen Favoriten. Und als ich den Rum dann also Vor-Verkosten konnte, während ich in die Fass-Auswahl eingebunden war, war ich vor allem von der Nase dieses Demerara Monsters wirklich komplett überwältigt! Vielleicht auch deshalb habe ich das enorme Spalt-Potenzial dieses Rums tatsächlich in keiner Weise kommen sehen. Klar, der Rum hat den Großteil derer die ihn probiert haben letztlich doch eher überzeugt (wenn gleich er mit seinen 45,4% vol. einigen wohl auch zu dünn war), aber von der mitunter doch sehr leidenschaftlichen Ablehnung einiger war ich definitiv überrascht. Doch wie dem auch sei, ich fand ihn herausragend und mit 94 Punkten hat es der KFM aus nur dem Grund nicht bis in die allerhöchste Ebene geschafft, da er für meinen Geschmack tatsächlich noch etwas mehr Power haben könnte. Aber wenn es ein Rum, trotz dessen, dass er nicht alles ausgeschöpft hat was ginge, auf 94 Punkte bringt, dann ist das wohl der letzte Beweis für Kritik auf sagenhaft hohem Niveau. 

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Platz 8:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 (Employee "Buju"):

Es war selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Top 10 von der ersten Caroni Abfüllung heimgesucht werden würde! Keine Destillerie hat mich in den letzten Jahren vermutlich mehr beschäftigt und stärker in meinen Bann gezogen als Caroni. Mag Hampden so etwas wie meine Rum Heimat sein, so war Caroni doch seit einiger Zeit zumindest so etwas wie eine Wahlheimat. Dass es mit dem "Buju" aber ausgerechnet ein 1998er am Ende des Jahres in diese Liste schaffen würde (und es mit dem "Yunkoo" sogar noch ein weiterer 1998er verdient gehabt hätte!), das hätte ich nie gedacht, bevor ich ihn probiert habe, zu wenig sagten mir diese bisher eigentlich zu. Der "Buju" stellte in dieser Hinsicht eine Zäsur dar, der dazu auch noch mit einem total geilen Layout punkten konnte. Dieses Spiel mit den hellblauen Farben, die ich sehr mit den Tropen assoziiere, fand ich so wunderbar passend für einen Rum, dass ich da wirklich angetan war. Ich weiß, eigentlich ist sowas zweitrangig, aber stören tut's mich eben auch nicht, wenn mir ein Rum über seinen Inhalt hinaus auch optisch noch gefällt ;-) Mit 94 Punkten verfehlt der "Buju" die Kategorie 95+ im Grunde nur, weil es eben Caroni-Styles und Demeraras gibt, die mir noch besser gefallen und ich diese Differenz noch irgendwie abbilden können muss! Aber die hier gebotene Qualität war und ist definitiv überragend!

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Platz 7:

The Rum Cask C<>H Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990 (BAT-Abfüllung):

Mein Platz Nr. 7 ist kaum eine Woche alt, hat es mit seiner wirklich extrem seltenen Qualität aber natürlich straight in meine Top 10 geschafft. Allerdings: fällt euch etwas auf? Ein 1990er Hampden mit überragender Qualität, der es bei mir "nur" auf Platz 7 schafft? Flo, was ist da los? In wohl keinem anderen Punkt zeigt sich die Veränderung meiner Präferenzen wohl stärker als in dieser Abfüllung. Früher wäre über diesen Rum vermutlich nichts mehr drüber gegangen, aber inzwischen ist Hampden eben nicht mehr meine Nr. 1. Und, Spoiler: es wird nicht nur kein weiterer Hampden, sondern auch nur noch ein einziger weiterer Jamaicaner in meine Top 10 schaffen - der Rest stammt aus anderen Ländern und/oder von anderen Inseln! Zeitenwende auf BAT. Was aber den TRC 90 II angeht, so zeichnet sich bereits ab, dass der auch bei vielen von euch da draußen sehr gut anzukommen scheint, was mich natürlich umso mehr freut! Mehr als einmal las ich in den letzten Tagen vom besten Hampden so far oder zumindest in der absoluten Spitzengruppe. Ich für mich ganz persönlich hatte bei diesem 1990er nicht mehr ganz dieses Feuer wie beim 26 YO damals, den ich bis heute als einen meiner Grail Rums bezeichnen würde, aber das liegt eben doch mehr an mir als am Rum. Mit ebenfalls 94 Punkten verfehlt auch er die Spitzenkategorie nur, weil er für meinen Geschmack noch ein wenig mehr Biss und etwas mehr Bumms haben können. Aber, wie beim KFM: wenn wir trotz 94 Punkten noch über Schwächen sprechen, dann ist klar, wo solche Rums ohne Schwächen bei mir landen würden... 

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Platz 6:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Nitz"):

Und zack, der nächste Caroni! Und wieder kommt er aus der dritten Employee Serie von Velier, die meines Erachtens die bisher beste der Reihe war. Jeder der Rums erreichte bei mir 94 Punkte, was für den 1996er zwar leicht unterdurchschnittlich war, beim 1998er und beim 2000er allerdings über Soll lag. Bei keiner anderen Employee Serie war das persönliche Gefallen bei mir auf so konstant hohem Niveau. Weder bei einer der vorherigen beiden, noch bei der vierten. Auf die "Nita" war ich dabei allerdings ganz besonders gespannt, da man 2000 in Fassstärke ja sonst nur in den wenigen Single Cask Releases zu Gesicht bekam, was sich nun bei den Employees erstmals änderte. Und was für ein 2000er das war! Der Jahrgang ist für mich ja ganz eindeutig die Wundertüte unter den Caroni Vintages und so war ich durchaus sehr erfreut als ich feststellen durfte, dass der Rum meinen Geschmack ziemlich präzise getroffen hat. Anders als einige anderen Rums in dieser Liste bisher spielt die "Nita" mit ihren 94 Punkten allerdings absolut am Limit aus meiner Sicht. Wirklich (in Punkten) besser kann ein 2000er mutmaßlich nicht werden und ich sehe da keinen die 95er Marke knacken. Neben der "Nita" hat die 94 allerdings noch ein weiterer 2000er geknackt und unter anderem diesen sehen wir dann beim nächsten Mal, wenn es in meine Top 5 hinein geht... 

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Bis dahin, bleibt gesund und habt einen schönen und besinnlichen 3. Advent!

Flo


To be continued...

Sonntag, 29. November 2020

Velier Caroni Ceremony 2019 - Vintage 1998

Liebe Rum Gemeinde,

zum ersten Advent und zum Ausklang dieses Monats möchte ich euch noch einmal mitnehmen zur Caroni Ceremony 2019. Leider konnte ich, wie die meisten von euch, damals nicht dabei sein und so bleibt mir nur, dank der Hilfe der wenigen Glücklichen denen es besser erging, mir im Nachgang zumindest einen kleinen Überblick darüber zu verschaffen, was es dort seinerzeit zu verkosten gab. Den Anfang machte Ende Oktober der Jahrgang 2000 nun nun geht es hier, knapp einen Monat später, mit drei Vertretern aus 1998 weiter!




Dazu möchte ich eingangs natürlich auch heute erst einmal wieder den lieben Menschen danken, die es mir überhaupt erst möglich gemacht haben dieses spannende und exklusive Tasting durchzuführen! Das ist einfach ganz, ganz großes Kino und mir bedeutet das sehr viel! Vielen lieben Dank dafür! 

Ansonsten habe ich das meiste zum Rahmen der Ceremony am 12. April 2019 und auch zum status quo der verbliebenen Caroni Casks (die inzwischen Glas Ballons gewichen sind und nicht mehr weiter reifen), sowie zu den weiteren Plänen Veliers und Luca Garganos bereits im ersten Teil meiner Ceremony Tastings hier behandelt. Die Stichworte waren hier die Employee Serie, The Last & Tasting Gang, Single Cask Bottlings und der VSGB (Velier Small Great Bottles) Club mit seinen 10 cl Abfüllungen. Wer das gerne nochmal etwas detaillierter haben möchte, der möge gerne hierauf zurückgreifen. Was ich noch verraten kann ist, dass nach meinem heutigen Tasting der 1998er Caronis auch noch Sessions zu den 1996er Trinidad Stock, den 1996er Guyana Stock und den 1994er Guyana Stock Caroni Casks folgen werden. Wann ich dazu komme, muss ich aber schauen. Solange aber die unabhängigen Abfüller weiter so großartige Releases in der Schlagzahl wie in diesem Jahr veröffentlichen könnte sich das aber hinziehen... Glaubt einem ja kein Mensch, was sich da gerade diese Woche schon wieder angekündigt hat... 🙈 Doch bleiben wir für den Moment im hier und jetzt und widmen uns den drei 1998er Fassproben!



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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3909)

Nase: schöne volle, reichhaltige und intensive Caroni-Nase! Anders als bei vielen der 2000er Casks vom letzten Mal schreit einem Caroni hier schon fast ins Gesicht. Das Bouquet ist sehr ausbalanciert, hier überlagert nichts und hier fehlt auch nichts. Da ist Dreck, da ist Fruchtigkeit, da sind Tannine und dazu kommt noch eine ungewohnte aber sehr gut zum Potpourri passende Note aus Zitrusfrüchten und etwas medizinischem. Der Alkohol ist dazu sehr gut eingebunden und sticht nach etwas Atmen im Glas auch kein bisschen mehr. Für einen 1998er beeindruckt mich die Nase wirklich sehr und ich fühle mich da an den Buju oder auch den Yunkoo Employee erinnert.

Gaumen: am Gaumen erscheint mir der Rum zunächst etwas banal und weit weniger Caroni-typisch als es die Nase noch vermuten ließ. Der Alkohol ist schon sehr präsent und der Einschlag von Menthol, Medizin, Jod und Tanninen ist sehr krass! Da fehlt mir leider so ein wenig die Süße und die Fruchtigkeit, die gehen dem #3909 zu meinem Bedauern komplett ab. Sehr schade! Dieses könnte gefühlt auch einfach einer dieser 1997er oder 1998er Caronis der vielen anderen UA sein. 

Abgang: dreckiger Abgang mit viel Jod, aber wenig begeisternd. Das ganze schlägt schnell um auf eine sehr trocken werdende Seite. Auch hier gefällt mir das Fass #3909 leider nicht so. 


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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3911)

Nase: die Nase vom #3911 geht in eine ähnliche Richtung und gefällt mir ebenfalls, da besteht kein Qualitätsverlust im Vergleich zum #3909. Im Gegenteil, sie gefällt mir sogar eher noch besser. Die Balance und Einbindung des Alkohols stimmen hier, der Rum erscheint komplex, die Intensität ist ausgeprägt. Der Side-Kick aus Zitrusfrucht und Medizin fehlt hier, bzw. ist nicht vorhanden, wodurch der Caroni noch etwas typischer daher kommt als die #3909. Auch der gefällt mir sehr gut! Bis hier her sogar mein Favorit! 

Gaumen: ein ordentlicher erster Eindruck, der mir schon sehr viel mehr zusagt als es der #3909 am Gaumen vermochte. Caroni 1998 kommt hier sehr gut raus, allerdings hatten z.B. der Buju und der Yunkoo noch immer mehr Süße und Fruchtigkeit, als es auch dieses Fass hier aufweist. Der Rum ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Mir fällt hier das Beispiel mit dem ungeschmückten Weihnachtsbaum wieder ein (s. Caroni #4053) und fühle mich darüber hinaus einmal mehr darin bestätigt, dass 1998 einfach nicht mein Batch ist bei Caroni. Schade, insbesondere nach der tollen Nase!

Abgang: typischer 1998-Abgang mit ordentlich Dreck und einigem an Tanninen. Dann trockener und angenehm bitter werdend. Das Finish weiß zu gefallen! 


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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3912)

Nase: dem #3912 merkt man am ehesten an, dass es sich bei ihm um einen 1998er Caroni handelt denn erinnert mich sehr an den Dennis "X" Gopaul Employee. Diese Nase braucht lange Zeit zum Atmen, ist dann aber sehr stark! Der Alkohol ist gut eingebunden, die Intensität hoch, einzig bei der Balance hat der Rum leicht Schlagseite, denn er tendiert schon sehr klar ins dreckige, weit stärker als die beiden anderen vor ihm. Das ist nicht ganz so meins, aber qualitativ ist spielt auch der #3912 auf ganz hohem Niveau! Der krasse Anis-Einschlag der mit der Zeit kommt, gefällt mir!

Gaumen: am Gaumen erinnert mich der Rum ebenfalls sehr an den Dennis "X" Gopaul. Von allen dreien hat er wohl die ausgeprägteste Süße (auch dieser Kontrast von Nase zu Gaumen war ja beim Dennis schon zu beobachten) und die am meisten ausgeprägte Balance am Gaumen. Der Alkohol ist zwar nicht ganz optimal eingebunden, aber der Rum in der Tendenz lecker und von den heutigen dreien wohl überraschend der beste am Gaumen. Doch selbst hier wieder: 1998 ist einfach nicht meine Präferenz No. 1! 

Abgang: trocken und bitter werdender Abgang, etwas Spekulatius bilde ich mir ein (?!), darüber hinaus aber unspektakulär. Der schwächste Part des Rums. 


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Gesamtfazit:

Mein Fazit fällt heute erstaunlich ähnlich aus wie beim letzten Mal, als ich die 2000er Fassproben der Ceremony im Glas hatte. Und das heißt zunächst einmal: keines der Fässer hätte ich am Ende des Tages für ein Single Cask ausgewählt! Das Fass #3912 ist sicher kein schlechtes, gerade wenn man auf diesen Stil steht, und kommt der Qualität für ein Single Cask ganz sicher am nächsten, aber kaufen würde ich ihn nicht. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass ich aus 1998 mit drei verkosteten Fässern eindeutig die wenigsten Fässer aller Jahrgänge probieren konnte, was sicher auch daran liegt, dass die Jungs von denen ich die Samples habe alles andere als große Fans von 1998 sind und da dementsprechend wenig mitgenommen haben. Ich kann es ihnen nachfühlen und das ist dann gleichsam auch der große Unterschied zu den verkosteten 2000er Fassproben: meine Erwartungen waren heute deutlich geringer, einfach, weil ich kein 1998er Fan bin. Die große Parallele wiederum zu den Fassproben des Jahrgangs 2000 ist aber vor allem, dass es mich fasziniert wie wenig mich die einzelnen Fässer für sich gesehen überzeugen, welch gute Blends es Luca aber schafft daraus zu kreieren! Immer wieder gelingt es ihm an der Stelle, Schwächen im Blend untergehen zu lassen und die jeweiligen Stärken herauszustellen. Das kann man gar nicht oft genug positiv bemerken! Gerade im Hinblick auf Buju oder Yunkoo bin ich da wirklich beeindruckt (über den Brigade mag ich an der Stelle gerade lieber den Mantel des Schweigens legen😉), bei denen ist der Blend eindeutig besser als es die Summe seiner Einzelteile gewesen sein dürfte. Das ringt mir den allergrößten Respekt ab! Andererseits wirft das aber natürlich auch die Frage auf, inwieweit 1998 nicht generell eher zum blenden taugt denn als Single Cask, auch ob der Tatsache, dass aus 1998 meines Wissens nach bisher noch nie ein einzelnes Fass von Velier abgefüllt wurde. Eventuell hat das ja gute Gründe... 

Ich wünsche euch nun noch einen schönen ersten Advent und eine besinnliche Vorweihnachtszeit! 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 8. November 2020

Velier Caroni 4th Employee Series

Liebe Rum Gemeinde,

bereits vor einigen Wochen schmiss Velier mit der insgesamt nun schon vierten Employee Serie (und der zweiten in diesem Jahr) noch einmal neue Caronis auf den Markt. Wie auch die dritte Serie im Sommer, so kommt auch diese wieder mit drei Bottlings daher. Heute werde ich mir diese im Gesamten einmal ansehen!




Was liegt heute an? 

Das Kontingent an tropisch gereiften Caronis die der breiten Öffentlichkeit noch zugänglich sein werden, neigt sich stark dem Ende entgegen. Das ist kein Geheimnis, wobei sich diese Aussage im Grunde auf das Ende der Employees bezieht, nach deren Auslaufen die danach folgenden (Single Cask-) Releases nur noch Mikro-Auflagen haben werden. Allerdings muss man nach den Beobachtungen im Zuge der dritten Serie im Sommer und erst recht nach jenen der aktuellen Herbst-Serie doch auch irgendwo konstatieren, dass man selbst die Verfügbarkeiten der 2020er Serien eigentlich auch schon nicht mehr mit der breiten Öffentlichkeit in Zusammenhang bringen kann - zumindest nicht, ohne dass dabei auch eine gehörige Portion Hohn mitschwingt. Denn wenn man ehrlich ist, war es quasi kaum möglich hier noch zum Ausgabepreis zu shoppen, es sei denn man hat Beziehungen zum Händler oder schlicht übergroßes Glück. Bei der vierten Serie ging das schließlich soweit, dass die Flaschen bei LMDW und Spirits Academy insgesamt vielleicht eine Minute online waren? Verrückt! Zum Glück hat der Chris Tophe bei Facebook die Rums in einer Mega-Flaschenteilung der breiten Community in Europa zugänglich gemacht und auch meine Proben stammen aus dieser Teilung! Darüber hinaus war er auch so freundlich mir ein paar Bilder der Flaschen zu machen, so dass ich sie in meiner Review heute zeigen kann. Sämtliche hier heute gezeigten Bilder sind also von ihm. Vielen lieben Dank dafür, lieber Chris Tophe, Merci beaucoup! 

Huge Caroni 4th Employee Series Split by Chris Tophe


Eine Besonderheit der vierten Serie ist es aber auch sicher, dass erstmals kein 1996er Caroni abgefüllt wurde. Stattdessen gibt es zwei 1998er und einen 2000er. Letzterer Jahrgang feierte in der vorangegangenen dritten Employee Serie in Form von Nita "Nitz" Hogan seine Premiere und mit dem Basdeo "Dicky" Ramsarran ist nun eben wieder einer dabei. Fast noch auffälliger finde ich allerdings, mit was für einer unglaublichen Schlagzahl Velier die Releases seit diesem Jahr auf den Markt spült. Sahen wir in 2018 und 2019 noch je eine Employee Serie a zwei Bottlings, so waren es in 2020 nun zwei Serien a drei Bottlings, also die dreifache Menge der vergangenen beiden Jahre. Hier kann ich mich daher insgesamt des Eindrucks nicht entziehen, dass man seitens Velier ein großes Interesse daran hat diese Serie nun möglichst rasch abzuschließen, was aber natürlich dann auch ein wenig lieblos anmutet und so gar nicht zu dem Maß an Leidenschaft passt, was man ansonsten ja geneigt ist Velier stets zu unterstellen. Das finde ich ein wenig schade und ich denke, eine Serie pro Jahr (ob nun mit zwei oder drei Bottlings sei dahin gestellt) hätte den meisten Connaisseuren besser gefallen. Nun allerdings sind die Rums da und wir schauen sie uns dementsprechend nun natürlich auch an!


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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Dayanand "Yunkoo" Balloon: 

Unser erster Caroni entstammt dem Jahrgang 1998, wurde bis ins Frühjahr 2019 auf Trinidad im Fass gelagert und ist somit 21 Jahre alt. Gewidmet ist dieser dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Dayanand "Yunkoo" Balloon, der für 10 Jahre dort gearbeitet hat. Für die Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt 1.180 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch stolze 68,3% vol.! Trivia: noch passender hätte ich es natürlich gefunden, wenn man sich dieses Label für ein 1996er Employee Bottling aufgespart oder dieses dafür verwendet hätte und auf diese Weise einen Bogen zum Kirsch und zum Shinanoya/Bar Lamp Single Cask geschlagen hätte, so wie man es bei unserer heutigen dritten Abfüllung gemacht hat.

Nachdem ich den Rum bestimmt eine gute halbe bis dreiviertel Stunde habe Atmen lassen, führe ich mir den Yunkoo das erste Mal zu Gemüte. Und ich muss sagen, im allerersten Eindruck, dass der für einen 1998er Caroni eine doch überraschend ausgeglichene und balancierte Nase hat, ähnlich dem Buju im Sommer, den ich als einen wirklich selten guten Vertreter dieses Jahrgangs empfinde. Und tatsächlich, der Quervergleich mit dem Buju bestätigt meinen Eindruck! Ich habe dreckige Komponenten von intensiven Lösungsmitteln genauso wie fruchtige Anklänge von Mango oder Papaya, sowie Gewürze wie Anis. Dabei kommt der Caroni-typische Brennerei-Chartakter ebenso durch, wie auch schon ein sehr stolzer Einfluss durch das Fass in Form von Tanninen. Insgesamt macht der Rum einen wirklich sehr kompletten Eindruck und ich habe weder Eindrücke die mich stören, noch vermisse ich etwas. Der Alkohol ist darüber hinaus sehr gut eingebunden, da gibt es wirklich nichts zu meckern!
Am Gaumen gefällt mir der Yunkoo ebenso gut wie in der Nase! Wow, der ist richtig lecker! Eine tolle und präsente natürliche Süße, dazu kaum Brennen durch den Alkohol, Caroni-typische Töne, die mich fast an Jahrgänge wie 1996 denken lassen und ein bockstarker Abgang! Keine Frage, der Rum weiß zu gefallen! Der Yunkoo hat jede Menge Holzlack und kommt für einen 1998er wahnsinnig fruchtig um die Ecke! Das ganze verschmilzt mit den Tanninen zu einem stimmigen und kompletten Gesamteindruck, der den Rum aus meiner Sicht fast auf die Ebene vom Buju hebt. Letzterer hat noch ein wenig mehr Süße, was mir gut gefällt. Aber beides sind verdammt gute 1998er! 
Im Abgang weist der Rum leicht medizinische Töne auf und wird trockener und bitterer. Er verbleibt allerdings lange am Gaumen. Klasse! 

-94/100-

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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Balas "Brigade" Bhaggan:

Der nächste im Bunde kommt ebenfalls aus dem Jahr 1998 und reifte, genau wie der Yunkoo, bis Frühjahr 2019 für ganze 21 Jahre auf Trinidad. Er ist dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Balas "Brigade" Bhaggan gewidmet, der 14 Jahre lang Mitarbeiter von Caroni war. Auch für diese Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt aber ein bisschen weniger, nämlich "nur" 1.158 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag aber wohl auch bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums gleicht beinahe dem des Yunkoo, er liegt bei 68,4% vol.! Ob sich die Rums auch sensorisch so sehr gleichen?

Den Brigade, auch dieser durfte lange Atmen, empfinde ich in der Nase als etwas weniger ausgeglichen als den Yunkoo und er gefällt mir im ersten Eindruck auch nicht ganz so gut. Hauptverantwortlich dafür dürfte sein, dass ich im Bouquet eine doch sehr präsente Note von Umami finde, die einige der 1998er Caroni aufweisen und die mir einfach nicht gefällt, vor allem nicht, wenn sie so über dem gesamten Rum liegt. Dadurch wird nämlich der Caroni-Brennerei-Charakter verdrängt und diesen muss man doch schon sehr suchen. Das hatten die unmittelbar vergleichbaren Buju und Yunkoo jeweils nicht. Davon ab finde ich natürlich auch einiges an Lösungsmitteln und dreckigen Anklängen, aber die Umami Note liegt da schon sehr stark über allem, weswegen das leider nicht so rauskommt. Der Alkohol ist top eingebunden, aber meine Freude über den Rum verstärkt das logischerweise dennoch nicht gerade. 
Wie beim Yunkoo, so bestätigt sich auch beim Brigade am Gaumen was sich in der Nase ankündigte: der Rum gefällt mir nicht! Die Umami Note schafft es auch bis hin zum Gaumen und der Gesamteindruck liegt für mich weit jenseits dessen, was ich von Velier gewohnt bin. Die Tendenz lautet für mich eher Dennis oder Kevon, wobei diese beiden jeweils eine klar höhere Qualität aufweisen meines Erachtens. Dieser Rum hebt sich für mich nicht wesentlich von diversen 1998-Vertretern anderer Abfüller ab. Der Rum ist dreckig, aber nicht auf die angenehme Weise. Fruchtigkeit oder Holzlack suche ich fast vergebens, eine natürliche Süße ist nur in geringem Ausmaß da. Dazu bilde ich mir ein, dass auch die Tannine hier schon ganz schön am Werkeln waren. Nein, ich kann mir nicht helfen, aber dieser Employee ist für mich ein Totalausfall für die Serie und gemessen an deren hohem Standard. 
Im Abgang bleibt es dann unspektakulär. Hier fühle ich mich leicht an Dennis erinnert, aber zu retten ist da nichts mehr, auch wenn hier soweit keinerlei Ausfälle mehr dazu kommen. 

-79/100-

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Velier HTR 19 YO Caroni 2000 - Basdeo "Dicky" Ramsarran:

Aller guten Dinge sind drei und so durchbricht unser dritter Rum das bisherige Muster und entstammt nicht dem Jahrgang 1998, sondern dem Vintage 2000. Da aber auch er, bzw. die für ihn verwendeten Rums, im Frühjahr 2019 von Holzfässern in Glasballons wechselten, reifte der Rum für insgesamt 19 Jahre in tropischem Klima auf Trinidad im Fass. Der 2000er der Serie ist Basdeo "Dicky" Ramsarran gewidmet, der natürlich auch ehemaliger Mitarbeiter von Caroni ist, bzw. dies sogar für einen sehr langen Zeitraum war, nämlich stolze 20 Jahre! In der Abfüllung gingen sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 2000 auf, die insgesamt 1.251 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Somit ist dieser Rum der auflagenstärkste dieser vierten Serie. Der Angel's Share lag bei >79% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch 64,3% vol.. Als besonderen Fan-Service empfinde ich es bei der Labelgestaltung dieses Rums natürlich, dass es eine Hommage an gleich zwei Single Cask Releases des gleichen Jahrgangs darstellt, nämlich an jene für Ullrich und Lion's Whisky. 

Der Dicky ist dann zunächst doch irgendwie erstmal wieder der typische 2000er. Das Profil kommt durch und Erinnerungen an die Nita schwingen direkt mit. Und in der Tat, ich habe sie ja daneben zu stehen, kommt das schon ganz gut hin und die Rums bewegen sich auf Augenhöhe! Nach allem, was ich neulich an 2000er Cask Samples im Glas hatte, ist das durchaus eine Überraschung. Die Betonung liegt hier doch sehr auf dem Brennerei-Charakter Caronis, allerdings steht der Rum gleichzeitig auch auf der fruchtigen und leicht süßen Ebene, aber genau das gefällt mir so sehr an diesem Wundertüten-Jahrgang, der diese Anleihen an die Ursprünge für meinen Geschmack meist doch etwas besser hinbekommt als der Jahrgang 1998. Richtig klasse finde ich, dass die Nase hier mit einer Art Zitrus-Side Kick daher kommt, der mich an Grapefruits erinnert. Das kannte ich von 2000 bisher so noch nicht und sorgt hier für ein stimmiges Alleinstellungsmerkmal. Der Alkohol macht sich in der Nase fast gar nicht bemerkbar, was den sehr ausgeglichenen und super balancierten Eindruck dieses Tropfens unterstreicht.
Am Gaumen setzt sich dieses Bild dann im Grunde unvermittelt fort, wie schon bei den anderen beiden Abfüllungen vor ihm. Der Rum ist lecker und bringt alles mit, was ich mir von guten 2000er Jahrgangs-Caronis erhoffe: ein starker, leicht dreckiger Brennereicharakter, eine gute aber nicht zu heftige Portion Menthol, eine schöne, natürliche Süße und geiler Holzlack! Dazu kommen hier, bedingt durch nun auch schon immerhin 19 Jahre im Fass, herrliche Tannine, die sich klasse in das Gesamtbild einfügen. Ein richtig guter, komplexer, balancierter Rum! Mhm, ja, den mag ich schon sehr! Dazu ist der Alkohol zwar nicht perfekt, aber insgesamt schon super eingebunden, was mir tendenziell schon auch immer sehr wichtig ist. Im Vergleich zur schon sehr genialen Nita muss sich der Dicky auf keinen Fall verstecken! Ich sehe beide, auch nach Vergleichen am Gaumen, definitiv auf Augenhöhe! 
Im Abgang verweilt der Rum sehr lange am Gaumen und kommt zeigt sich noch einmal von seiner dreckigen Seite! Starker Abgang! 

-94/100-

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Gesamt-Fazit: 

Zweimal Volltreffer und einmal Totalausfall! Ja, der Jahrgang 1996 war und ist der große Abwesende dieser vierten Employee Serie, das stand bereits im Vorfeld fest und kann man nicht verleugnen, aber das hat diese nicht daran gehindert trotzdem auch noch einmal mit je einem hervorragenden 1998er und 2000er aufzuwarten, wie wir das auch schon in der dritten Serie im Sommer gesehen haben! Und na klar, 1998 als auch 2000 sind keine 1996er, insofern muss ich da mit großer Begeisterung schon auch immer sehr vorsichtig sein und das ganze etwas ins Verhältnis setzen, aber ich hätte dennoch nicht gedacht, dass diese Vintages da am Ende nochmal so viele Körner zusammengekratzt bekommen und dazu im Stande sind eine so starke Performance hinzulegen! Gerade nachdem ich aus diesen beiden Jahrgängen auch ein bisschen was von dem Stoff von der Ceremony 2019 hatte, also die Fasssamples, bin ich da schon einigermaßen erstaunt, dass da teilweise solche Qualitäten noch möglich sind. Auf der anderen Seite stehen natürlich aber auch Rums wie der Brigade, die da schon wesentlich eher ins Bild dieser Verkostungen passen und tendenziell dem entsprechen, was ich da probieren konnte. Ein Rum, wie er meines Erachtens auch von Main hätte kommen und von jedem anderen x-beliebigen Abfüller hätte gebottlet werden können. Und auch wenn das jetzt despektierlich den anderen UA gegenüber klingt, so unterstreicht das doch in erster Linie den besonderen Status, den die von Velier abgefüllten, tropisch gereiften Caronis ansonsten genießen und den ihnen sicher auch niemand absprechen wollen würde. Und andererseits zeigt das aber natürlich auch, wie schmal selbst bei Velier inzwischen der Grat geworden ist auch mal daneben zu liegen. Hingegen finde ich es aber wiederum auch spannend und irgendwo konsequent zu sagen, dass man zwar zwei 1998er Caroni in einer Serie bringt, sich diese aber so deutlich voneinander unterscheiden, dass nicht der leiseste Verdacht von Willkür aufkommt. Und da ich auch schon von Leuten gehört habe, die den Brigade z.B. auch mochten, hat Velier dann am Ende des Tages vermutlich einmal mehr einfach alles richtig gemacht.

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo



Sonntag, 25. Oktober 2020

Velier Caroni Ceremony 2019 - Vintage 2000

Liebe Rum Gemeinde,

viel war im letzten Jahr zu hören und zu lesen von der Caroni Ceremony, als Luca Gargano am 12. April 2019 einige seiner Freunde und deren Freunde nach Cognac eingeladen hat um seinen Rest-Stock an Caroni Fässern zu probieren. Dank einiger Teilnehmer dieses Events habe ich nun mit ein wenig Verzögerung die Möglichkeit, ebenfalls einiges dieses Stocks zu probieren und miteinander zu vergleichen, da sie mir zu diesem Zweck Proben der Rums überlassen haben. Vielen lieben Dank dafür! So here we go! 




Über Jahre hinweg war viel gerätselt worden darüber, wie groß der verbleibende Stock an tropisch gereiften Caroni Fässern von Luca noch ist und was genau mit deren Inhalt passieren soll. Im Rahmen der Caroni Ceremony am 12. April 2019 und auch im Zuge der ersten Employee Releases wurde in dieser Frage dann aber auch eine ganze Menge Licht ins Dunkel gebracht:

Eine 14 Teilige Employee Serie also sollte es werden, in der dann das allermeiste der letzten Stocks an Trinidad Stock der Jahrgänge 1996, 1998 und 2000 aufgehen soll. Darüber hinaus kamen mit dem "Last Caroni" und dem "Tasting Gang" Ende 2019 dann auch nochmal zwei Releases mit großer Auflage, in denen ebenfalls nochmal eine ganze Menge Fässer aufgingen, nämlich jene des HTR Guyana Stocks und des Blended Guyana Stocks, jeweils aus 1996. Der Rest, so hieß es lange, werde in noch einmal 23 Single Casks fließen, bevor dann endgültig finito sei. Die Releases wie gesagt kamen, und auch die Employee-Serie ist in der geplanten Form soweit absehbar, dass sie im nächsten Jahr (2021) ihr Ende erfahren und die letzten vier Bottlings der Serie sehen wird. Bleiben folglich noch die Single Casks, wobei da in meinen Augen unklar ist, wie genau das dann laufen wird. Denn mit Lucas aktueller Idee, dem VSGB (Velier Small Great Bottles), nach der er je 10 cl eines jeden Releases seperat an die Caroni-Fangemeinde verteilen wird, blieben für eine reguläre Abfüllung dann nicht mehr viele Flaschen übrig. Denn ein Fass enthielt zuletzt im Schnitt ca. 175 Liter Rum (ca. 250 Flaschen a 0,7 Liter), von denen die 1000 Flaschen a 10 cl dann schon 100 Liter ausmachen würden. So blieben noch ca. 75 Liter für die großen 0,7er Flaschen, was noch ca. 100 Flaschen entspräche. Bei der bestehenden enormen Nachfrage nach diesen Flaschen, wäre das quasi nichts. Und das wiederum hieße in meinen Augen nicht weniger, als dass wir ab 2021 und dem Ende der Employees quasi keine Caroni Releases mehr im regulären Handel werden kaufen können, denn jeder weiß, wie eng es schon bei den Employees dieses Jahr (mit zum Teil über 1000 Flaschen a 0,7) war. Oder im Vergleich noch drastischer: die ebenfalls schon nur seeehr schwer erhältlichen 20 cl Sets der Employees hatten mit je 519 Sets eine Auflage, die immer noch ca. dem fünffachen dieser 100 Flaschen entspricht! Jeder kann sich selbst ausrechnen, was da bei nur noch so wenigen Flaschen überhaupt in den freien Verkauf wandert (Spoiler: nichts!). Daher noch einmal: meines Erachtens haben wir in den vergangenen Wochen, ohne, dass das den meisten so bewusst gewesen sein dürfte, mit dem VSGB Club (so sehr ich ihn begrüße und die Idee mag) nicht weniger als das heimliche, stille und leise Ende der Caroni-Großflaschen erlebt - unter großem Applaus! 

Und auch wenn meine Eindrücke der Rums nun natürlich keine Auswirkungen mehr auf das haben wird was mit den Fässern passiert (bzw. teilweise inzwischen ja auch schon passiert ist), so möchte ich euch diese dennoch gerne präsentieren. Anfangen werde ich dabei heute mit dem Jahrgang 2000!





Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), 69,58% vol. (#4014)

Nase: Sehr komprimiert zunächst, das Bouquet hat es lange schwer bei dem hohen Alkoholgehalt durchzukommen. Dahinter aber eine für 2000 unglaublich gute Nase, wahnsinnig intensiv, reichhaltig und ausgewogen! Hier überwiegt weder der Dreck, der vielen 2000ern zu eigen ist, noch verliert er seinen jahrgangstypischen Charakter so ganz vollkommen. Der Alkohol ist dazu trotz seiner 69,58% vol. sehr gut integriert, sobald der Rum sich erstmal gesetzt hat. 

Gaumen: am Gaumen sehr holzig, viele Tannine, richtig gehend bitter! Das ist insofern erstaunlich, als dass er das in der Nase so noch gar nicht durchblicken ließ für meine Begriffe. Die Süße ist sehr gering ausgeprägt und schafft es kaum zwischen der Schicht aus trockener, bitterer Tannine durchzublicken. Die kurzen Momente in denen das gelingt stimmen einen aber wehmütig, denn leider schmeckt man doch sehr deutlich heraus, dass der Rum bis vor vielleicht zwei Jahren wohl noch ein richtig guter war, aber danach muss er irgendwann einfach seinen Zenit überschritten haben. Sehr schade, den hätte man früher aus dem Fass holen sollen. Der gut eingebundene Alkohol kann ihn nicht retten. 

Abgang: der Abgang ist dann erstaunlicherweise wieder recht gelungen mit der vollen 2000er Dröhnung, zumindest auf den ersten Metern, aber danach wird es dann erwartungsgemäß knochentrocken und ganz bitter - im wahrsten Sinne des Wortes! 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4016)

Nase: Eine ebenfalls gute Nase und dem direkten Vorgänger auch grundsätzlich ähnlich, aber er steht hinter dem #4014er schon sehr eindeutig zurück. Die Tendenz ist die gleiche, aber die Intensität ist deutlich geringer, was ich schade finde. Dazu drückt der Alkohol ein ganzes Stück stärker, auch nach längerer Standzeit noch. 

Gaumen: gut eingebundener Alkohl und ein sehr medizinischer und von Menthol geprägter Gaumen, der im Gegensatz zum Vorgänger keineswegs verholzt daher kommt! Hier habe ich die volle Ladung dreckiger Caroni Assoziationen, gepaart mit feiner natürlicher Süße  und natürlich auch einem schönen Einfluss durchs Fass, der hier aber noch gemäßigt daher kommt! Er trifft zwar meinen persönlichen Geschmack nicht ganz, aber objektiv kann man gegen dieses Fass am Gaumen kein schlechtes Wort verlieren. Andererseits fehlt ihm auf jeden Fall aber das Außergewöhnliche, weshalb ich ihn wohl ebenfalls nicht als Single Cask ausgewählt hätte.

Abgang: Anis und frisch geschnittenes Geäst begleiten den Rum auf seinem Weg nach unten, auch das Finish weiß hier durchaus zu gefallen! Erst danach wird das ganze dann trocken bis leicht bitter. Sehr schön! 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4026)

Nase: Wieder etwas besser in der Nase als der #4016, vor allem auch wieder weniger alkoholisch, allerdings reicht auch er nicht an den #4014 heran. Das Caroni-typische geht ihm so ein wenig ab, da muss man schon sehr genau hinsehen. Die Intensität ist aber hoch und der Rum ausgewogen, dazu ein leichter medizinischer Anklang, der sehr gut integriert ist. 

Gaumen: am Gaumen zunächst leicht scharf, wenig Süße, nahezu keine Fruchtigkeit, auch hier nicht unbedingt ganz Caroni typisch, aber mit sehr viel Menthol doch irgendwo klar Vintage 2000. Keine Fehlnoten im eigentlichen Sinne, aber auch wenig, was ihn auszeichnet und ihn begehrenswert macht. Für ein Single Cask Bottling ist er also meines Erachtens ebenfalls ungeeignet. Nach hinten hin trockener und tanniniger, aber nicht zu viel. Ausgewogenheit ist da, aber keine Komplexität. Der Rum verändert sich quasi nicht. 

Abgang: trocken-bitter, auf der tanninigen Seite. Schnell weg. Leicht dreckiger Touch hinten raus. 





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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4050)

Nase: die #4050 ist in der Nase deutlich dreckiger als die drei ersten. Hier kommt der 2000er Charakter von allen Proben bisher am deutlichsten durch. Das hat durchaus seinen Reiz, allerdings gefallen mir die moderaten Vertreter tendenziell besser. Der Alkohol ist toll integriert, dazu stimmen auch Intensität und Komplexität. Gemeinsam mit der #4014 die bisher beste Nase. 

Gaumen: am Gaumen zunächst mit einer feinen natürlichen Süße, allerdings wabert dahinter eine Note, die ich beinahe als Fehlnote bezeichnen würde und so von Caroni auch nicht kenne. Der Alkohol ist ziemlich präsent und der Rum strengt durchaus an. Im Mittelteil werden Caroni und auch der Jahrgang 2000 dann typischer mit viel Menthol und der Rum insgesamt besser, allerdings nicht in einer Weise, bei der ich mich dafür wirklich begeistern könnte. Anis kommt dann noch sehr präsent, aber das war es dann auch schon fast. Nach hinten hin wird das ganze dann recht trocken, bitter und unspektakulär. 

Abgang: ... und so geht der Rum dann auch ab - trocken, bitter und unspektakulär, mit leichtem Anis und ordentlich Tanninen. 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4053)

Nase: Dieses Fass gefällt mir in der Nase so gar nicht! Zwar ist Caroni erkennbar, aber das ganze hat einen total krassen medizinischen Touch, der mir nicht gefällt und der mit sehr viel Dreck einher geht. Das klingt für Fans wie mich zwar eigentlich ganz geil, aber wie gesagt, meinen Geschmack trifft das hier in diesem Falle nicht. Der Alkohol ist gut integriert, nur nutzt mir das eben nichts, weil ich am Bouquet keine Freude finden kann. 

Gaumen: der Eindruck aus der Nase setzt sich am Gaumen fort, der Rum ist meines Erachtens einfach nicht gut. Der Alkohol strengt an, der Rum präsentiert sich wenig komplex und eindimesional. Mir fehlt es hier an Süße, aber auch an dreckigen Tönen. Das alles schwirrt im Hintergrund und ganz peripher zwar irgendwo mit, kommt aber nicht richtig heraus. Da fehlt es an Intensität. Der Rum wirkt letztlich wie eine Caroni Basis, die aber nicht mit Leben gefüllt wurde, wie ein ungeschmückter Weihnachtsbaum. Schade! 

Abgang: im Abgang zunächst etwas Anis, dann holzig, trocken und bitter. Fast noch der beste Teil dieses Fasses. 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4059)

Nase: Die #4059 ist dann wieder besser, sogar sehr viel besser! Er reicht an Intensität und Komplexität locker an die #4014 heran, erreicht aber nicht ganz dessen Ausgewogenheit, denn dieses Fass hier ist sehr viel dreckiger und daher eher 2000-typisch. Der Alkohol ist semi-gut integriert, da merkt man schon ein leichtes britzeln, aber das Bouquet macht Spaß. Vielleicht sogar mein Favorit der sechs Rums in der Nase. 

Gaumen: auch am Gaumen zählt die #4059 zu den besten der heutigen Rums! Der Alkohol ist tatsächlich etwas ungestüm, aber dahinter habe ich eine schöne natürliche Süße, Caroni-typische Attribute und eine tolle Intensität! Der Rum gehört zwar ebenfalls nicht zu den komplexesten, aber er ist lecker. Tannine sind natürlich auch vorhanden, aber sie sind gut integriert. Der Pick zu einem Single Cask verhindert vermutlich der starke Part des Alkohols, aber ansonsten ist dieses Fass bis hier hin wohl mein Favorit der heutigen sechs Rums. 

Abgang: viel Caroni Flavour, danach trockener und bitter werdend. Nicht sehr beeindruckend. 


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Gesamtfazit: 

Aus den Proben die ich heute im Glas hatte, hätte ich keines als Single Cask abgefüllt, auch wenn #4014 das Potenzial sicher einmal hatte und das #4059 nahe dran ist. Insgesamt, muss ich aber sagen, bin ich von den 2000er Fassproben schon ziemlich ernüchtert, bzw. ich habe da einfach mehr und besseres erwartet, gerade auch nach einigen wirklich beeindruckenden Single Cask Bottlings in der Vergangenheit! Klar, die sechs Proben sagen insgesamt noch nichts über den gesamten Stock an 2000ern aus und wie man an der Nita "Nitz" Hogan Abfüllung gesehen hat, müssen ja auch einige bessere Fässer dabei gewesen sein, aber diese kleine Auswahl hat doch schon einiges an Aufschluss darüber gegeben, dass da eben auch einiges an grobem Durchschnitt unter den Fässern dabei war und man die gewohnte Qualität der Bottlings auf keinen Fall auf alle Fässer übertragen kann. Da schlummert nicht in jedem der Götterstoff, bzw. in so manchem Fass hat sich dieser vielleicht auch schon für immer verabschiedet, wie man gerade am ersten verkosteten Fass, dem #4014, gesehen hat! Allerdings, und da gebührt Luca und Velier wirklich mein größter Respekt, zeigt das auch, dass es ihnen immer wieder gelingt, auch solche Fässer in die Bottlings einzuarbeiten, ohne, dass diese sich wirklich negativ darin bemerkbar machen. Hier wird also allem Anschein nach mit sehr viel Sinn und Verstand geblendet, so dass sich die Fässer ergänzen und, siehe Nita "Nitz" Hogan, am Ende dann sogar Single Casks in den Schatten stellen können! Meine Hochachtung! 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 13. September 2020

RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001

Liebe Rum Gemeinde,

der Rum um den es heute geht, ist vermutlich einer der meist diskutierten der letzten Tage und die ganze Geschichte darum herum für mich bereits jetzt eine der Storys des Jahres. Schließlich lag doch für einen winzigen Moment die ganz große Sensation in der Luft!



Doch von vorne: als Dominik im März 2020 ein Fass 19 YO Trinidad Distillers Limited (T.D.L.) Trinidad Rum 2001 für Rum Artesanal erwirbt ahnt er noch nicht, dass ausgerechnet dieses Fass einige Monate später zum Gesprächsthema der Rumnerd-Szene werden wird. Denn T.D.L., das gilt unter uns Freaks als das im besten Falle langweilige und im schlimmsten Fall gepanschte Trinidad. Ganz anders als Caroni, das nicht wenige als den Heiligen Gral des Rums sehen - dreckig, intensiv, aromatisch, geil! Unterschiedlicher könnten zwei Destillerien einer Insel also kaum wahrgenommen werden. Als Dominik also dieses Fass T.D.L. an Land zieht, ist das nicht primär für die Zielgruppe bestimmt, die sich sonst um die Hampdens, New Yarmouths und Enmores dieses Bottlers streitet, sondern eher für jene, die sonst bei Venezuela oder Nicaragua zuschlägt. Und genau das führte dazu, dass, obwohl Dominik von Beginn an um die Qualität des Fasses weiß, dieses zunächst komplett unter dem Radar läuft, auch bei mir, obwohl ich schon sehr frühzeitig ein Sample hatte. Dieser Rum war eigentlich für die weniger Hardcore Drinker gedacht, als Top Qualität zu ganz schmalem Preis die ob der geringeren Popularität T.D.L.s wegen auch längere Zeit am Markt verfügbar ist.




Doch "leider" hat Dominik die Rechnung ohne den Autor Steffen Mayer gemacht, der den Rum durch Zufall probierte und feststellte, dass es einige schon zu starke Parallelen zu Caroni gab, als dass der Rum es irgendwie hätte schaffen können, niemals auch nur in dessen Nähe rücken zu können. Und in der Tat, nachdem Steffen mich auf meinem Heimweg von der Arbeit anrief und vollkommen aufgeregt berichtete was er da wahrnimmt, goss auch ich mir den Rum direkt zuhause ein, den Steffen noch immer am Telefon, und probierte selbst. Und ja, auch ich habe unter diesen Eindrücken (Steffen war inzwischen kurz vor einem Herzinfarkt😅 und auf Facebook bildeten sich ungeahnte Eigendynamiken nach dessen Post) den Rum im ersten Moment eindeutig bei Caroni gesehen. Schon irgendwie speziell und vielleicht nicht ganz typisch, aber da waren all diese Parallelen und dazu ein sehr klares Bild von T.D.L. im Kopf, das mit dem Rum vor mir im Glas so überhaupt gar nichts zu tun hatte. Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass T.D.L. in der Lage war einen Rum auf diesem Niveau und mit solch einem Profil herzustellen! Und so war auch ich mir für den Moment sicher, dass Dominik hier ungeahnt einen Hidden Caroni gefunden hatte, denn es ist ja bekannt, dass auch T.D.L. alte Stocks von Caroni damals gekauft hat und eine derart lange Lagerung der eigenen Rums direkt vor Ort ist für sie auch eher untypisch.



17 Jahre tropische Reifung, dazu das Wissen, dass es grundsätzlich sein könnte, ein ganz neuer Jahrgang, der unfassbare Preis von 65,- Euro... Die Story war derart traumhaft, dass ich für meinen Teil vielleicht auch ein bisschen zu sehr daran glauben wollte, als dass mein Blick in diesem Moment noch zu 100% analytisch und objektiv gewesen wäre. Emotion und Begeisterung sind das was Rum für mich ausmacht und mir ist das auch oft wichtiger als totale Objektivität (die es eh nicht gibt), aber in diesem Fall war das ein klarer Fehler meinerseits! Dazu kam, dass ich meine 2 cl relativ schnell und eben während des besagten Telefonats trank, so dass der Rum im Glas wenig Zeit zum Atmen hatte. Doch genau die hätte er gebraucht, denn nach etwas Standzeit geht der ganze Spaß dann schon merklich von Caroni weg. Insofern habe auch ich mich da schlicht geirrt in der Frage ob es sich bei dem Rum um einen Caroni handelt. Doch fast wichtiger: habe ich mich auch in meiner Erst-Einschätzung geirrt, dass das ein verdammt guter Rum ist? Wir werden sehen!

Doch zunächst möchte ich mich noch kurz für das Sample und die zu Foto- und Verkostungszwecken kostenlos erhaltene Flasche bei Dominik und RA bedanken, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.

17 YO tropical aged TDL mit 56,5% vol.  vs. 17 YO tropical aged Caroni mit 55% vol. : deutliche Unterschiede!

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Verkostung des RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001:

Preis: mit einem Ausgabepreis von 64,90 Euro auf 0,5 Liter war der Rum -mit Blick auf dessen Eckdaten- angenehm und außergewöhnlich günstig.

Alter: insgesamt reifte der Rum von Februar 2001 bis Juli 2020 im Eichenfass und ist damit 19 Jahre alt.

Lagerung: der Rum reifte von Februar 2001 bis ins Jahr 2018 tropisch auf Trinidad, bevor er nach England kam, wo er nochmals zwei Jahre bis März 2020 in kontinentalem Klima lag. Seit März lag er dann im Warehouse von RA.

Fassnummern: #134 (interne Zählung bei RA) ergab 389 Flaschen a 0,5 Liter.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: mit einem Alkoholgehalt von 56,5% vol. kommt dieser Rum in High Proof daher. Die Fassstärke lag bei über 66% vol. 

Destillationsverfahren: Column Still

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles Mahagoni.

Viskosität: eng und parallel zueinander verlaufende Schlieren fließen recht zügig die Glaswand hinab.

Nase: ja, und da sind die Assoziationen zu Caroni dann auch direkt! Trotz dessen, dass ich den Rum nun schon ein paar mal im Glas hatte und darum weiß, dass das hier kein Caroni ist und ich nun ja auch keinen mehr erwarte, bin ich doch jedes Mal wieder überrascht, wie deutlich die Parallelen zu Beginn zum Teil sind. Die Nase ist auch direkt sehr zugänglich, den Alkoholgehalt von 56,5% vol. merkt man kaum. So kann das doch sehr intensive und tiefe Bouquet ungestört erkundet werden und das lohnt sich auch! Da sind durchaus Teer und verbranntes Gummi vorhanden, aber auch eine Fruchtigkeit von Beeren und Kirschen, die ihn z.B. von Caronis auch unterscheidet. Die für Caroni wiederum typischen Lösungsmittel fehlen größtenteils. Darüber hinaus: MINZE! - und zwar satt, als würde ich in einem Garten voller Minze stehen, an allen Blättern gleichzeitig reiben und tief einatmen! Dahinter finde ich auch noch etwas Anis und auch ordentlich Tannine vom Fass. Nach etwa einer Dreiviertel Stunde erlebt der Rum seinen ersten größeren Wandel durch. Die Assoziationen zu Caroni werden merklich kleiner, was bleibt sind so leichte Dünste giftiger Substanzen. Dafür wird die Minze aber immer krasser und ich fühle mich plötzlich sogar auch leicht an Gardel erinnert und weiß gar nicht so richtig, warum eigentlich. Vielleicht wegen der peripher immer wieder ganz subtil durchdringenden Cola-Note. Auf jeden Fall ist die Entwicklung im Glas wirklich phänomenal und die hier dargebotene Komplexität beeindruckend! Nach ca. zwei Stunden werden dann die Parallelen zu Caroni wieder deutlicher, so dass ich hier wirklich sehr starke Verwechslungsgefahr sehe. Einzig der EU Caroni 2000 daneben verrät, dass das hier nochmal was anderes ist. Hervorragender Rum!

Gaumen: ein sehr vollmundiger, warmer und geschmacksintensiver Rum! Die Smoothness aus der Nase setzt sich auch am Gaumen unvermittelt fort, der Alkohol ist also extrem gut eingebunden. Größere Schlücke hauen allerdings auch schon ganz schön rein, so dass insgesamt etwas Vorsicht geboten ist. Mir gefielen kleinere Schlücke hier definitiv besser! Wie schon in der Nase, so bestehen auch am Gaumen klare Assoziationen zu Caroni, allerdings eher gleich zu Beginn und diese fallen auch nicht so deutlich aus wie in der Nase. Für diesen kurzen Moment allerdings, wenn dieses Caroni-Feeling eben aufblitzt, könnte man ihn tatsächlich fast mit einem verwechseln. Doch das hält wirklich nur ganz kurz an, dann nämlich geht das auch schon ein ganzes Stück weit mehr von einem Caroni weg als in der Nase. Ich habe da vor allem einiges an Salzkaramell und Anis und nach kurzer Verweildauer im Mund vor allem wieder... den ganze Mund ist voller Minze! Unbeschreiblich, ich habe noch nie derart viel Minze in einem Rum gefunden wie bei diesem hier! Mojito Premix? Es ist, als würde man einem einen ganzen Minze-Busch auf einmal wie einen Knebel in den Mund stopfen! Dazu habe ich Waldbeeren, Tee und Tannine. Hier macht sich die tropische Reifung bemerkbar, denn da entstehen nun auch zu anderen Rums wie den Demeraras klare Parallelen. Keine, die zu Verwechselungen einladen, aber man erkennt übergreifende Verwandtschaften.

Abgang: Minze und Anis bilden mit den Tanninen zusammen den Abgesang dieser tropisch gereiften Überraschung aus Trinidad! Dann wird er immer bitterer! Der Rum hält lange an, auch nach Stunden bemerke ich ihn noch. Nichts für Tage, an denen danach noch wichtige Termine anstehen.

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Fazit: auch wenn es nach diesem Jahr schon fast droht sich abzunutzen, aber was für ein glückliches Händchen der Dominik bei seiner Fassauswahl hat kann ich kaum oft genug betonen! Sehr, sehr geil! Die Ähnlichkeiten und Parallelen zu unser aller Lieblings-Lost Distillery sind ganz eindeutig vorhanden, die klaren Unterschiede sind es aber ebenso, so dass letztlich ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen Caroni handelt. Nicht ausschießen kann ich hingegen, dass der Rum entweder einmal in ein frisch entleertes Caroni Fass umgefüllt wurde (diese Praxis wird in der Karibik stets so gehandhabt, um noch stärkeren Angel's Share als ohnehin schon zu vermeiden) oder dass zu irgendeinem Zeitpunkt eine gewisse Menge an Caroni mit ins Fass kam, was ich T.D.L. durchaus zutraue. Doch mag ich mich in Bezug auf Caroni auch zunächst geirrt haben, der Rum als solcher mit all seinen Eigenheiten ist absolute Spitze und steht Caroni, rein qualitativ, in nichts nach! Vor allem aber: hätte man mir vor wenigen Wochen gesagt, dass es auch in 2020 noch möglich ist 17 Jahre tropisch gereifte Heavy Rums zu kaufen, die für 65,- Euro / 0,5 Liter angeboten werden können, hätte ich das für vollkommen unmöglich gehalten! Immerhin bekommen wir seit Jahren schon zu hören, dass ob der enormen Verdunstungsrate in den Tropen gewisse Preise schlicht nicht mehr machbar seien. Nun, dieses Fass beweist uns ein Stück weit das Gegenteil und zeigt auf, dass gerade die Destillen selbst hier grundsätzlich in der Lage sind, fantastischen Stoff zu gutem Kurs zu bringen. Ausnehmen möchte ich hier ein Stück weit die preisliche Entwicklung der Caroni bei Velier, denn hier haben wir es mit endlichem Stoff zu tun, einer ursprünglichen Menge X, die eben durch Verdunstung immer kleiner wird. Oder, um es mit einer sehr (sehr, sehr, seeeehr!) vereinfachten und fiktiven Rechnung aufzuzeigen: Luca hat 100 Liter für 1.000,- Euro gekauft. Verdunsten 80% davon, müssen also die nur 20 verbliebenen Liter die 1.000,- Euro wieder reinholen. Logisch, dass die dann teurer werden, als wenn dafür noch die kompletten 100 Liter zur Verfügung ständen. Kontinuierlich nachproduzierende Destillerien sind da dementsprechend im Vorteil und können den Rum deutlich günstiger anbieten.

Hier sehe ich für die Zukunft also deutliches Potenzial und denke, dass man auch eine Destillerie wie T.D.L./Angostura grundsätzlich etwas mehr auf dem Schirm haben kann. Allerdings ist es wie so oft, dass dort wo Licht ist, immer auch ein Schatten fällt. Und im Falle von T.D.L. ist dieser Schatten leider beträchtlich. Noch vor einigen Jahren kam heraus, dass T.D.L. Bulk aus anderen Ländern kauft und sie dann unter eigenem Label als Trinidad Rums verkaufen, bzw. das in ihren Rums verblenden. Der grundsätzliche Stil und die Original Bottlings der Destillerie sind weit weg von dem, was ich abfeiern würde und stehen nicht für Qualität. Insofern sehe ich in diesem RA Bottling noch eher eine rühmliche Ausnahme, als dass ich T.D.L. nun grundsätzlich mit anderen Augen sehen würde. Gleichwohl möchte ich nicht unterschlagen, dass man ähnliches vermutlich auch bis zur Schließung und zur Entdeckung der alten Stocks noch über Caroni gesagt hätte, wenn es damals schon mehr Nerds im heutigen Sinne gegeben hätte. Denn auch das was Caroni zu aktiven Zeiten veröffentlicht hat ist nicht zu vergleichen mit dem, was wir heute damit verbinden. Insofern ist für mich also die Frage, was T.D.L. in der Theorie kann und da gibt das RA Bottling dann doch schon leicht Grund zur Hoffnung, denn da scheint eine ganze Menge möglich zu sein. Was offenbar fehlt, ist eine Motivation für T.D.L. umzudenken... Luca, subentra! :-)

-92/100-


Bis demnächst,
Flo