Sonntag, 25. Oktober 2020

Velier Caroni Ceremony 2019 - Vintage 2000

Liebe Rum Gemeinde,

viel war im letzten Jahr zu hören und zu lesen von der Caroni Ceremony, als Luca Gargano am 12. April 2019 einige seiner Freunde und deren Freunde nach Cognac eingeladen hat um seinen Rest-Stock an Caroni Fässern zu probieren. Dank einiger Teilnehmer dieses Events habe ich nun mit ein wenig Verzögerung die Möglichkeit, ebenfalls einiges dieses Stocks zu probieren und miteinander zu vergleichen, da sie mir zu diesem Zweck Proben der Rums überlassen haben. Vielen lieben Dank dafür! So here we go! 




Über Jahre hinweg war viel gerätselt worden darüber, wie groß der verbleibende Stock an tropisch gereiften Caroni Fässern von Luca noch ist und was genau mit deren Inhalt passieren soll. Im Rahmen der Caroni Ceremony am 12. April 2019 und auch im Zuge der ersten Employee Releases wurde in dieser Frage dann aber auch eine ganze Menge Licht ins Dunkel gebracht:

Eine 14 Teilige Employee Serie also sollte es werden, in der dann das allermeiste der letzten Stocks an Trinidad Stock der Jahrgänge 1996, 1998 und 2000 aufgehen soll. Darüber hinaus kamen mit dem "Last Caroni" und dem "Tasting Gang" Ende 2019 dann auch nochmal zwei Releases mit großer Auflage, in denen ebenfalls nochmal eine ganze Menge Fässer aufgingen, nämlich jene des HTR Guyana Stocks und des Blended Guyana Stocks, jeweils aus 1996. Der Rest, so hieß es lange, werde in noch einmal 23 Single Casks fließen, bevor dann endgültig finito sei. Die Releases wie gesagt kamen, und auch die Employee-Serie ist in der geplanten Form soweit absehbar, dass sie im nächsten Jahr (2021) ihr Ende erfahren und die letzten vier Bottlings der Serie sehen wird. Bleiben folglich noch die Single Casks, wobei da in meinen Augen unklar ist, wie genau das dann laufen wird. Denn mit Lucas aktueller Idee, dem VSGB (Velier Small Great Bottles), nach der er je 10 cl eines jeden Releases seperat an die Caroni-Fangemeinde verteilen wird, blieben für eine reguläre Abfüllung dann nicht mehr viele Flaschen übrig. Denn ein Fass enthielt zuletzt im Schnitt ca. 175 Liter Rum (ca. 250 Flaschen a 0,7 Liter), von denen die 1000 Flaschen a 10 cl dann schon 100 Liter ausmachen würden. So blieben noch ca. 75 Liter für die großen 0,7er Flaschen, was noch ca. 100 Flaschen entspräche. Bei der bestehenden enormen Nachfrage nach diesen Flaschen, wäre das quasi nichts. Und das wiederum hieße in meinen Augen nicht weniger, als dass wir ab 2021 und dem Ende der Employees quasi keine Caroni Releases mehr im regulären Handel werden kaufen können, denn jeder weiß, wie eng es schon bei den Employees dieses Jahr (mit zum Teil über 1000 Flaschen a 0,7) war. Oder im Vergleich noch drastischer: die ebenfalls schon nur seeehr schwer erhältlichen 20 cl Sets der Employees hatten mit je 519 Sets eine Auflage, die immer noch ca. dem fünffachen dieser 100 Flaschen entspricht! Jeder kann sich selbst ausrechnen, was da bei nur noch so wenigen Flaschen überhaupt in den freien Verkauf wandert (Spoiler: nichts!). Daher noch einmal: meines Erachtens haben wir in den vergangenen Wochen, ohne, dass das den meisten so bewusst gewesen sein dürfte, mit dem VSGB Club (so sehr ich ihn begrüße und die Idee mag) nicht weniger als das heimliche, stille und leise Ende der Caroni-Großflaschen erlebt - unter großem Applaus! 

Und auch wenn meine Eindrücke der Rums nun natürlich keine Auswirkungen mehr auf das haben wird was mit den Fässern passiert (bzw. teilweise inzwischen ja auch schon passiert ist), so möchte ich euch diese dennoch gerne präsentieren. Anfangen werde ich dabei heute mit dem Jahrgang 2000!





Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), 69,58% vol. (#4014)

Nase: Sehr komprimiert zunächst, das Bouquet hat es lange schwer bei dem hohen Alkoholgehalt durchzukommen. Dahinter aber eine für 2000 unglaublich gute Nase, wahnsinnig intensiv, reichhaltig und ausgewogen! Hier überwiegt weder der Dreck, der vielen 2000ern zu eigen ist, noch verliert er seinen jahrgangstypischen Charakter so ganz vollkommen. Der Alkohol ist dazu trotz seiner 69,58% vol. sehr gut integriert, sobald der Rum sich erstmal gesetzt hat. 

Gaumen: am Gaumen sehr holzig, viele Tannine, richtig gehend bitter! Das ist insofern erstaunlich, als dass er das in der Nase so noch gar nicht durchblicken ließ für meine Begriffe. Die Süße ist sehr gering ausgeprägt und schafft es kaum zwischen der Schicht aus trockener, bitterer Tannine durchzublicken. Die kurzen Momente in denen das gelingt stimmen einen aber wehmütig, denn leider schmeckt man doch sehr deutlich heraus, dass der Rum bis vor vielleicht zwei Jahren wohl noch ein richtig guter war, aber danach muss er irgendwann einfach seinen Zenit überschritten haben. Sehr schade, den hätte man früher aus dem Fass holen sollen. Der gut eingebundene Alkohol kann ihn nicht retten. 

Abgang: der Abgang ist dann erstaunlicherweise wieder recht gelungen mit der vollen 2000er Dröhnung, zumindest auf den ersten Metern, aber danach wird es dann erwartungsgemäß knochentrocken und ganz bitter - im wahrsten Sinne des Wortes! 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4016)

Nase: Eine ebenfalls gute Nase und dem direkten Vorgänger auch grundsätzlich ähnlich, aber er steht hinter dem #4014er schon sehr eindeutig zurück. Die Tendenz ist die gleiche, aber die Intensität ist deutlich geringer, was ich schade finde. Dazu drückt der Alkohol ein ganzes Stück stärker, auch nach längerer Standzeit noch. 

Gaumen: gut eingebundener Alkohl und ein sehr medizinischer und von Menthol geprägter Gaumen, der im Gegensatz zum Vorgänger keineswegs verholzt daher kommt! Hier habe ich die volle Ladung dreckiger Caroni Assoziationen, gepaart mit feiner natürlicher Süße  und natürlich auch einem schönen Einfluss durchs Fass, der hier aber noch gemäßigt daher kommt! Er trifft zwar meinen persönlichen Geschmack nicht ganz, aber objektiv kann man gegen dieses Fass am Gaumen kein schlechtes Wort verlieren. Andererseits fehlt ihm auf jeden Fall aber das Außergewöhnliche, weshalb ich ihn wohl ebenfalls nicht als Single Cask ausgewählt hätte.

Abgang: Anis und frisch geschnittenes Geäst begleiten den Rum auf seinem Weg nach unten, auch das Finish weiß hier durchaus zu gefallen! Erst danach wird das ganze dann trocken bis leicht bitter. Sehr schön! 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4026)

Nase: Wieder etwas besser in der Nase als der #4016, vor allem auch wieder weniger alkoholisch, allerdings reicht auch er nicht an den #4014 heran. Das Caroni-typische geht ihm so ein wenig ab, da muss man schon sehr genau hinsehen. Die Intensität ist aber hoch und der Rum ausgewogen, dazu ein leichter medizinischer Anklang, der sehr gut integriert ist. 

Gaumen: am Gaumen zunächst leicht scharf, wenig Süße, nahezu keine Fruchtigkeit, auch hier nicht unbedingt ganz Caroni typisch, aber mit sehr viel Menthol doch irgendwo klar Vintage 2000. Keine Fehlnoten im eigentlichen Sinne, aber auch wenig, was ihn auszeichnet und ihn begehrenswert macht. Für ein Single Cask Bottling ist er also meines Erachtens ebenfalls ungeeignet. Nach hinten hin trockener und tanniniger, aber nicht zu viel. Ausgewogenheit ist da, aber keine Komplexität. Der Rum verändert sich quasi nicht. 

Abgang: trocken-bitter, auf der tanninigen Seite. Schnell weg. Leicht dreckiger Touch hinten raus. 





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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4050)

Nase: die #4050 ist in der Nase deutlich dreckiger als die drei ersten. Hier kommt der 2000er Charakter von allen Proben bisher am deutlichsten durch. Das hat durchaus seinen Reiz, allerdings gefallen mir die moderaten Vertreter tendenziell besser. Der Alkohol ist toll integriert, dazu stimmen auch Intensität und Komplexität. Gemeinsam mit der #4014 die bisher beste Nase. 

Gaumen: am Gaumen zunächst mit einer feinen natürlichen Süße, allerdings wabert dahinter eine Note, die ich beinahe als Fehlnote bezeichnen würde und so von Caroni auch nicht kenne. Der Alkohol ist ziemlich präsent und der Rum strengt durchaus an. Im Mittelteil werden Caroni und auch der Jahrgang 2000 dann typischer mit viel Menthol und der Rum insgesamt besser, allerdings nicht in einer Weise, bei der ich mich dafür wirklich begeistern könnte. Anis kommt dann noch sehr präsent, aber das war es dann auch schon fast. Nach hinten hin wird das ganze dann recht trocken, bitter und unspektakulär. 

Abgang: ... und so geht der Rum dann auch ab - trocken, bitter und unspektakulär, mit leichtem Anis und ordentlich Tanninen. 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4053)

Nase: Dieses Fass gefällt mir in der Nase so gar nicht! Zwar ist Caroni erkennbar, aber das ganze hat einen total krassen medizinischen Touch, der mir nicht gefällt und der mit sehr viel Dreck einher geht. Das klingt für Fans wie mich zwar eigentlich ganz geil, aber wie gesagt, meinen Geschmack trifft das hier in diesem Falle nicht. Der Alkohol ist gut integriert, nur nutzt mir das eben nichts, weil ich am Bouquet keine Freude finden kann. 

Gaumen: der Eindruck aus der Nase setzt sich am Gaumen fort, der Rum ist meines Erachtens einfach nicht gut. Der Alkohol strengt an, der Rum präsentiert sich wenig komplex und eindimesional. Mir fehlt es hier an Süße, aber auch an dreckigen Tönen. Das alles schwirrt im Hintergrund und ganz peripher zwar irgendwo mit, kommt aber nicht richtig heraus. Da fehlt es an Intensität. Der Rum wirkt letztlich wie eine Caroni Basis, die aber nicht mit Leben gefüllt wurde, wie ein ungeschmückter Weihnachtsbaum. Schade! 

Abgang: im Abgang zunächst etwas Anis, dann holzig, trocken und bitter. Fast noch der beste Teil dieses Fasses. 


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Caroni 2000 HTR 19 YO (2000 - 2019), ??% vol. (#4059)

Nase: Die #4059 ist dann wieder besser, sogar sehr viel besser! Er reicht an Intensität und Komplexität locker an die #4014 heran, erreicht aber nicht ganz dessen Ausgewogenheit, denn dieses Fass hier ist sehr viel dreckiger und daher eher 2000-typisch. Der Alkohol ist semi-gut integriert, da merkt man schon ein leichtes britzeln, aber das Bouquet macht Spaß. Vielleicht sogar mein Favorit der sechs Rums in der Nase. 

Gaumen: auch am Gaumen zählt die #4059 zu den besten der heutigen Rums! Der Alkohol ist tatsächlich etwas ungestüm, aber dahinter habe ich eine schöne natürliche Süße, Caroni-typische Attribute und eine tolle Intensität! Der Rum gehört zwar ebenfalls nicht zu den komplexesten, aber er ist lecker. Tannine sind natürlich auch vorhanden, aber sie sind gut integriert. Der Pick zu einem Single Cask verhindert vermutlich der starke Part des Alkohols, aber ansonsten ist dieses Fass bis hier hin wohl mein Favorit der heutigen sechs Rums. 

Abgang: viel Caroni Flavour, danach trockener und bitter werdend. Nicht sehr beeindruckend. 


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Gesamtfazit: 

Aus den Proben die ich heute im Glas hatte, hätte ich keines als Single Cask abgefüllt, auch wenn #4014 das Potenzial sicher einmal hatte und das #4059 nahe dran ist. Insgesamt, muss ich aber sagen, bin ich von den 2000er Fassproben schon ziemlich ernüchtert, bzw. ich habe da einfach mehr und besseres erwartet, gerade auch nach einigen wirklich beeindruckenden Single Cask Bottlings in der Vergangenheit! Klar, die sechs Proben sagen insgesamt noch nichts über den gesamten Stock an 2000ern aus und wie man an der Nita "Nitz" Hogan Abfüllung gesehen hat, müssen ja auch einige bessere Fässer dabei gewesen sein, aber diese kleine Auswahl hat doch schon einiges an Aufschluss darüber gegeben, dass da eben auch einiges an grobem Durchschnitt unter den Fässern dabei war und man die gewohnte Qualität der Bottlings auf keinen Fall auf alle Fässer übertragen kann. Da schlummert nicht in jedem der Götterstoff, bzw. in so manchem Fass hat sich dieser vielleicht auch schon für immer verabschiedet, wie man gerade am ersten verkosteten Fass, dem #4014, gesehen hat! Allerdings, und da gebührt Luca und Velier wirklich mein größter Respekt, zeigt das auch, dass es ihnen immer wieder gelingt, auch solche Fässer in die Bottlings einzuarbeiten, ohne, dass diese sich wirklich negativ darin bemerkbar machen. Hier wird also allem Anschein nach mit sehr viel Sinn und Verstand geblendet, so dass sich die Fässer ergänzen und, siehe Nita "Nitz" Hogan, am Ende dann sogar Single Casks in den Schatten stellen können! Meine Hochachtung! 

Bis demnächst,
Flo

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