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Sonntag, 22. April 2018

Mai Tai mit Hampden "DOK" 2009

Liebe Rum Gemeinde,

das Wochenende bot Sonne satt und so konnte ich nicht anders, als unseren neuen Hampden DOK im Mai Tai auszuprobieren!



Mai Tai mit Letter of Marque 8 YO Hampden "DOK" 2009:

Ein milchig, leicht grünlich von der Limette her schimmernder Mai Tai steht vor mir. Der DOK ist sehr hell und bringt daher nahezu keine Farbe in den Drink. 

Geschmacklich holt er das dann nach! Ein bunter Drink! Der DOK bringt seine Power, seine Jugendlichkeit, aber auch seine Fasseinflüsse mit in den Mai Tai und passt hier wie angegossen. Trotz seiner enormen Stärke von 66,4% vol. dominiert der Rum zwar den Drink, unterdrückt dabei aber die anderen Zutaten nicht. Und er ist auch nicht zu heftig, um ihn nur mit schon etwas Schmelzwassser  genießen zu können. Eine ungemein runde und stimmige, fruchtig-herbe Komposition! Sehr geil!

Fazit: der DOK ist, wenig überraschend, wie dafür gemacht um ihn in einem hochwertigen Mai Tai zu vermixen! Wer bisher noch nach einer passenden Anregung für einen Mai Tai in diesem Sommer gesucht hat, der könnte hier fündig werden und voll auf seine Kosten kommen. Ich werde in den nächsten Tagen allerdings auch noch versuchen, den DOK im Mai Tai mit einem noch etwas länger gelagerten Jamaicaner zu kombinieren. Mal sehen, was da noch geht! :-)

Gemixt habe ich den Mai Tai wie folgt:
  • 6,0 cl DOK
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)

Bis demnächst,
Flo

Freitag, 20. April 2018

Letter of Marque Jamaica Rum "DOK" Hampden 2009

Liebe Rum Gemeinde,

die Gerüchteküche in den letzten Tagen lief ja auf Hochtouren und so möchte ich euch jetzt, hier und heute auch gar nicht mehr noch länger auf die Folter spannen: ja, wir haben einen Hampden mit dem Mark DOK abgefüllt. Dieses verwendet Hampden für Rum mit einem Estergehalt von zwischen 1500-1600 gr/hlpa. Das entspricht dem Maximum dessen, was die jamaikanische Gesetzgebung an Esterkonzentration in einem Rum erlaubt.

Frontlabel 


Wir? Das sind in diesem Fall die Jungs von RUMBOOM, Single Cask Rum und Barrel Aged Thoughts in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Jungs von The Rum Cask aus Pirmasens.

Doch ganz der Reihe nach. Und: wie um alles in der Welt kommt ihr an einen Hampden DOK?! 

Fasssample DOK
Das ganze begann schon vor fast einem Jahr, als Thomas, Marius und ich zusammen die Schnappsidee ;-) hatten, einfach mal beim Broker E. & A. Scheer in den Niederlanden nachzufragen, was die so haben um sich evtl. Fassproben zu besorgen. Vielleicht wäre ja etwas spannendes dabei. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir aber noch eher weniger daran, am Ende tatsächlich auch einen der Rums zu besorgen und abzufüllen und wir hatten auch nichts konkretes im Auge. Das änderte sich erst, als kurz darauf tatsächlich Angebote von der zu Scheer gehörenden Main Rum Company ins Haus flatterten. Da waren zwar ein, zwei Rums dabei die uns interessierten, aber nichts, was uns wirklich vom Hocker gehauen hätte. Also stellten wir bei Main Rum ein Gesuch mit interessanten Rums, die uns vorschwebten. Der DOK war hier ursprünglich aber noch gar nicht dabei. Ich setzte ihn, eher aus einem Reflex heraus, erst kurz vor Abschicken der Mail noch mit auf die Liste. Ein DOK hat mich als Hampden-Fan schließlich schon immer interessiert! 
Ironie des Schicksals war dann, dass Main von unserer Liste nur zwei Rums auf Lager hatte und einer davon war eben jener DOK. Also bestellten wir kurzerhand Fassproben um uns ein Bild zu machen.  Jetzt reifte auch so langsam die Idee heran, dass man ja tatsächlich, sollte uns der Rum gefallen, eine Blogabfüllung machen könnte. Das Ergebnis nach Verkostung der Proben war eindeutig: we absolutely need this Sh*t! Wir wollten dieses Fass als eine Blogabfüllung abfüllen! 
Nun begann der schwierige Teil der Operation. Wir konnten das Fass nicht einfach kaufen, da man dazu eine Warehouse-Lizenz und einen Gewerbeschein benötigt. Und mindestens die Warehouse-Lizenz wäre schwierig geworden. An dieser Stelle kamen dann The Rum Cask ins Spiel, zu denen ich bereits seit Jahren guten Kontakt pflege und die, als wir sie mit unserer Idee konfrontierten, auch sofort begeistert waren. So waren TRC bereit, unser Fass zu kaufen, zu importieren und abzufüllen, ließen uns aber bei der Gestaltung des Labels alle Freiheiten, so dass der Rum dann am Ende eben doch vor allem eine Blogabfüllung ist! Lieber Jens, liebes TRC-Team: auch an dieser Stelle kann ich mich nur noch einmal bei euch für alles bedanken! Für eure Mühe, euer Engagement, euren immer wieder auch geteilten Enthusiasmus und vor allem auch für eure Geduld mit uns! Ihr seid Spitze!

Sidelabel
Liebe Leser, was an dieser Stelle vielleicht nicht ganz deutlich wurde: all das hat unfassbar viel Zeit in Anspruch genommen! Es vergingen Monate, bis das Fass gekauft war, bis es dann verschickt war, bis es hier ankam, bis das finale Label stand, etc.pp.! Auf diese Weise bekamen wir also auch unglaublich wertvolle Einblicke in die Welt eines Unabhängigen Abfüllers und darüber, wie viel Arbeit hinter all dem steckt und wie viel Geduld es teilweise braucht! Nicht zuletzt wurde aber auch unser Horizont dahingehend erweitert, welche Kosten im Verlauf dieses gesamten Prozesses entstehen und, das hat mich persönlich sehr traurig gestimmt, wie wenig davon letzten Endes tatsächlich auch nur bei der Destillerie selbst ankommen kann. Das ist leider wirklich nicht viel und es muss jedem Genießer sonnenklar sein, dass wenn die Destillerien das Geld auch bekämen, was sie für ihren guten Rum meines Erachtens verdienen würden, unser Rum kaum mehr bezahlbar wäre! Nein, auch ich spucke meinen Rum deshalb jetzt nicht wieder aus, aber sich dessen Bewusst zu sein, halte ich für wichtig und richtig.
Doch nun zum Rum selbst und auch noch einmal für alle, die sich bis hier her vielleicht gefragt haben, was genau ein DOK eigentlich genau ist: DOK ist, wie eingangs erwähnt, das Mark, das Hampden für seinen Rum verwendet wenn er einen Estergehalt von zwischen 1500-1600 gr/hlpa aufweist. Und das wiederum entspricht tatsächlich dem Maximalen dessen, was die jamaikanischen Gesetze erlauben. Der Name des Marks geht auf Dermot Owen Kelly-Lawson zurück, einem Destillateur von Hampden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Initialien bilden das Mark. Unser DOK hat 8 Jahre Reife im Hogshead-Fass hinter sich und wurde im Juni 2009 destilliert, also unmittelbar nach Wiedereröffnung der Destillerie durch die Hussey Brothers. Anschließend reifte er, laut Main Rum Company, die gesamte weitere Zeit über in deren Warehouses in Großbritannien. Während dieser Zeit der Reifung im Fass #18 verlor unser DOK >12% seiner selbst an die Engel im Himmel, so dass am Ende noch 300 Flaschen mit einem Alkoholgehalt von 66,4% vol. auf die Flasche gezogen werden konnten. Damit ist unser DOK wohl einer der ersten seiner Art überhaupt, den man fassgereift und in voller Fassstärke auf dem Markt kaufen kann! Und ich denke, darauf haben nicht nur wir uns schon lange gefreut, liebe Connaisseure da draußen, sondern auch große Teile von euch und so freuen wir uns ungemein, dass wir ihn euch jetzt offerieren können: es war und es ist uns eine große Ehre!

Rudeltiere. 




Verkostung des Letter of Marque Hampden DOK 2009:


Preis: eine Flasche 0,5 Liter wird im Shop bei The Rum Cask ab Montag, den 23.04.18 für 52,90 Euro zu beziehen sein. 

Alter: der Rum reifte von Juni 2009 an bis März 2018 im Fass. Somit ist er 8 Jahre alt.

Lagerung: laut Angaben der Main Rum Company lag der Rum die gesamte Zeit der Reife über in Europa. Das verwendete Fass war ein Hogshead-Fass mit ca. 250 Litern Inhalt, also ein schon recht großes Fass.

Fassnummer: #18  

Angel's Share: >12% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit stolzen 66,4% vol. daher. Fassstärke!

Destillationsverfahren: eine Double Retort Pot Still brannte den Rum in Hampden. 

Mark: DOK

Farbe: sehr blasses Stroh

Viskosität: dünne, enge, gleichmäßige Schlieren laufen an der Glaswand herab.

DOK im Glas
Nase: Uhhhh!! Eine Ester-Granate! Zunächst etwas stechend, steht der Rum aber schon nach einigen Minuten sehr auf der smoothen Seite. Alkoholische Schärfe ist, trotz des vergleichbar jungen Alters und des doch sehr hohen Alkoholgehalts, nahezu nicht vorhanden. Die Nase ist überaus voll und reichhaltig und das Bouquet aus flüssigem Klebstoff und Marzipan, die sich mit gegrillter Ananas, gebackener Banane, nasser Erde und Zitrone verbinden, macht Spaß! Ganz hinten habe ich auch noch geräucherten Schinken. Geil! Der Brennerei-Charakter kommt natürlich voll zum Zuge. Das hier ist Hampden DNA! Nichts desto trotz hat der Rum auch schon nach 8 Jahren gut was vom Fass mitbekommen, was angesichts des verwendeten Hogshead-Fasses schon ein Stück weit überrascht. Darüber hinaus ist, anders als bei einigen anderen Hampden, wie z.B. beim Jahrgang 1990, die Säure weniger präsent und sehr viel eleganter in den Rum eingebunden. Das heißt allerdings nicht, dass der DOK in irgendeiner Weise an Power einbüßt! Im Gegenteil, die Ester fliegen einem nur so um die Ohren!

Gaumen: Tuuut tuuut.... Zack! Und schon vom Zug erfasst! Ja, zunächst einmal gibt es die geballte Esterpower mitten ins Gesicht! DOK? DOK! Vollkommen Irre! Cremig, vollmundig, wirklich zu 110% mundfüllend und mit einem schweren, jamaicanischen Körper kommt der Rum um die Ecke und zieht dann den gesamten Mundraum zusammen. Unfassbare Adstringens! Alkoholische Schärfe ist zu Beginn kurz aber deutlich präsent, weicht dann aber der großen Hampden-Show. Tatsächlich erlebe ich den Rum in der Folge dann auch absolut stiltypisch. Ester fluten den gesamten Mundraum, sie kommen daher mit gegrillter Ananas, Toffee, Leder, weiteren exotischen Früchten und etwas erdig-muffigem. Dazu hat der Rum, auch das kennt man von Hampden bereits, deutlich mediterrane Anklänge! Darüber, dass hier gerade ein noch eher junger Rum im Glas eskaliert, der noch keine 10 Jahre oder mehr im Fass gelegen hat, besteht zu keinem Zeitpunkt irgendein Zweifel, aber ich könnte wiederum nicht behaupten, dass mir hier etwas an Reife fehlen würde. Überhaupt nicht. Natürlich ist dann bei älteren Hampden noch mehr Komplexität vorhanden ist und weitere Einflüsse des Fasses kommen dazu, aber dieser junge DOK ist dennoch durchweg stimmig!

Abgang: ja, es ist ein Hampden-Abgang, aber hier ist man von reiferen Vertretern der Destillerie noch etwas mehr gewohnt. Seine Jugendlichkeit zeigt sich hier sehr deutlich. Nach hinten heraus kommen dann auch noch ein paar Holznoten vom Fass dazu. Es bleiben vor allem die jung anmutenden Eindrücke des Rums, sowie der mediterrane Touch haften, der mir dafür aber gut gefällt!

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DOK in the sun!
Fazit: Für all jene, die nach dem "DOK" in der Überschrift direkt runtergescrollt haben um im Fazit zu erfahren, ob es sich lohnt: verrate ich nicht! ;-) Okay, na gut! :-) Ja, der Rum ist richtig geil! Er ist, im Vergleich zu vielen länger gereiften Hampden, z.B. aus 1990, 1993 oder 1998, nicht unbedingt ein Über-Hampden, der sie alle miteinander in den Schatten stellt. Das sollte niemand erwarten, denn das kann er mit 8 Jahren Reife gar nicht leisten. Aber der Rum ist rundherum stimmig und macht Spaß, genau so wie er ist. Es ist schon ein sehr besonderes Erlebnis, einen Hampden DOK im Glas zu haben und schon alleine dafür lohnt es sich ihn zu trinken! Ich möchte da auch gar nicht viele weitere Worte verlieren, denn ich wünsche euch allen, dass ihr euch ein eigenes Bild vom Rum macht. Was ich mir die nächsten Tage nicht verkneifen können werde ist, mir damit mal einen richtig ordentlichen Mai Tai zu machen! Ich ahne, dass er da sehr, sehr gut funktionieren wird, und Maik von RUMBOOM hat das sogar schon ausprobiert und war wohl schwer angetan. Damit, liebe Leute, steht vor euch vermutlich als auch noch einer DER Rums für diesen Sommer!

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ihr in nächster Zeit zwingend auch die Blogs der anderen Jungs im Auge behalten solltet, um noch weitere Stimmen zu bekommen! Und nicht zuletzt, könnte auch die nächste Letters of Marque Abfüllung eines Tages in den Startlöchern stehen! Um da am Ball zu bleiben und nichts zu verpassen, empfehle ich der Letters of Marque Seite auf Facebook zu folgen ;-)

www.facebook.com/LetterOfMarqueSelections/

Und das allerletzte Wort für heute geht natürlich an die fünf anderen Jungs des Teams: ihr wart grandios und es war mir eine große Freude, Teil dessen gewesen zu sein, was wir da gemeinsam auf die Beine gestellt haben! Und ich freue mich schon wie ein kleines Kind, wenn wir dann beizeiten in gemeinsamer Runde endlich auch die Flasche #1 killen dürfen! :-)

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 25. März 2018

Cologne Spirits - 16. & 17. März 2018

Liebe Rum Gemeinde,

frisch zurück aus Köln von der Cologne Spirits, möchte ich euch hier gerne an meinen Eindrücken der Messe teilhaben lassen und ein wenig berichten. 


Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Cologne Spirits gleich in zweierlei Hinsicht eine Premiere war. Zum einen war es das erste Mal überhaupt, dass diese Messe stattfand, zum anderen war es aber auch meine persönlich erste Rum Messe. 
Da ich im Hinblick auf größere Veranstaltungen etwas scheu bin, habe mich bei derlei bislang immer ein wenig geziert, aber in diesem Jahr letztlich nicht lange bitten lassen. Das wiederum lag sowohl am Rahmenprogramm der Messe, welches mich alles in allem im Vorwege sehr viel mehr überzeugen hat können als beispielsweise jenes in Berlin zum Rumfest, als auch daran, dass der Besuch mit Marius Lohschelder von Single Cask Rum, den Jungs von RUMBOOM und noch einigen anderen lieben Menschen aus dem erweiterten Dunstkreis des "Rum Club" zusammen im Vorfeld lange geplant und vorbereitet wurde. So war der Besuch der Cologne Spirits zugleich also auch noch ein Treffen von Deutschlands Blogger- und Nerdszene. Leider mussten einige von uns, die sehr gerne dabei gewesen wären, aus teils wirklich sehr unglücklichen Umständen absagen. Euch vorab eine Warnung: dieser Bericht wird kein Bedauern darüber lindern! ;-)

Rum Nerds beim Caroni Light Style Tasting
Für die Zeit der Messe bot mir Marius zu meiner großen Freude einen Schlafplatz bei sich an, so dass wir auch noch abseits des Rahmenprogrammes etwas Zeit finden sollten, das eine oder andere zu probieren. Da ich aus dem hohen Norden doch eine etwas weitere Anfahrt nach Köln hatte, trudelte ich nach 7,5 stündiger Fahrt bereits schon am Donnerstagabend vor der Messe in Köln ein. Zunächst fühlte ich mich so platt, dass ich glaubte, der Abend wäre für mich dann auch schon vorbei. Doch nach kurzem Cool Down nach der langen Fahrt kam dann doch die Euphorie auf die bevorstehenden Tage durch und wir testeten noch einiges Rums, vorwiegend aus Caroni (dazu in einem späteren Artikel mehr!). Der Abend wurde dann doch etwas länger, so dass wir am Ende doch erst um 3.00 Uhr morgens die Segel gestrichen haben. :-)


1. Messetag:

Am nächsten Tag ging es dann ganz entspannt los mit einem leckeren Frühstück (Marius hatte eine tolle Mango-Ananas-Marmelade da!) und einem kurzen Einkauf. Im Anschluss trafen wir dann die ersten zwei Rum-Heads, mit denen zusammen wir uns auf den Weg in Richtung Innenstadt machten. Vor der Messe musste unbedingt noch eine ordentliche Grundlage her. Wir entschieden uns für eine leckere Pizzeria mit charmantem italienischen Ambiente und trafen hier dann auch Eric und Thomas von RUMBOOM, sowie einen weiteren Begleiter unserer Truppe, so dass wir für den Tag nun vollständig und gestärkt waren. Die Messe konnte nun kommen!

Blick über die Messe vom Eingang aus gesehen
Wir waren kurz nach Öffnung der Tore um etwas nach 16.00 Uhr am Messegelände. Vor Ort am Eingang bekamen wir dann auch direkt unsere Nosinggläser und unsere Jetons für die Verkostungen, als auch unsere Cologne-Spirits-Armbänder, um das Gelände auch verlassen zu können, bzw. um am nächsten Tag einfach wiederkommen zu können. Dann ging es los! Zunächst verschafften wir uns einen groben Überblick über das Gelände. Die Messefläche war angenehm übersichtlich und man fand alles wichtige, wie Garderobe, Tastingroom oder Garderobe sehr schnell, so dass man sich sofort wohl fühlte und sich auch weder verlaufen noch untereinander verlieren konnte. Draußen im Innenhof konnte man sich darüber hinaus jederzeit mit Softdrinks, hochwertigem Fastfood oder leckeren Waffeln stärken.

Raritätenstand von Rene van Hoven

Als erstes blieben wir dann für längere Zeit an einem Stand hängen, der während der gesamten zwei Tage auf der Messe für unsere Gruppe wohl einen der Fixpunkte darstellte, wenn nicht gar den Fixpunkt: am Raritätenstand von Rum-Sammler Rene van Hoven! Was für eine Auswahl an nur einem einzigen Stand! Wow! Von antiken Obskuritäten, über historische unabhängige- und Originalabfüllungen bis hin zu wirklich legendären und gesuchten Bottlings war alles dabei. Bereits jetzt war klar: trotz dessen, dass Rene die Flaschen im großen und ganzen absolut fair bepreist hatte (oder vielleicht auch genau deswegen), würden das sehr kostspielige zwei Messetage werden! ;-) Keinem aus unserer Gruppe fielen nicht sofort mindestens fünf bis zehn Flaschen ins Auge, die er nicht gerne mal probieren würde. Reizüberflutung, wie man sie gern hat! Für's erste wurden es dann ein 1986er Long Pond von Berry Bros. & Rudd., ein Wray & Nephew 12 YO aus den 1960s und ein Port Mourant Demerara Rum von Murray McDavid für uns, die uns jeweils alle positiv überraschten.
Über die Rums kam man dann auch mit Rene schnell ins Gespräch, der als Typ absolut super war und Spaß machte und so auch selbst mit dafür sorgte, dass wir uns gern und länger bei ihm aufhielten und auch mehrfach wieder zu ihm zurück kommen sollten. Denn einige interessante Rums waren noch nicht mit Preisschildern versehen. Das wollte Rene nachholen bis wir wiederkamen.







Berry Bros. & Rudd. Long Pond Jamaica Rum 1986

Für einige aus unserer Runde war es das erste Mal, dass sie einen Long Pond aus 1986 im Glas hatten. Und umso größer war hier teilweise auch der Aha-Effekt. Denn 1986 ist schon ein wirklich hervorragender Jahrgang für Long Pond gewesen.


Murray McDavid Port Mourant Guyana Rum 13 YO 

Wray & Nephew Jamaica Rum 12 YO aus den 1960s

Bei diesem Rum konnte ich, bei 6 Euro/Dram wiederum nicht widerstehen! Es zeigte sich, dass die Rums von Wray & Nephew zwar auch früher schon keine Kracher gewesen sind, aber heutigen Blends von Appleton ist dieser Rum doch meilenweit überlegen!


Rum-Rarität aus dem 19. Jahrhundert. 
Diese Rum-Rarität, die schon zwei Jahrhundertwenden überlebt hat, hätten wir gerne verkostet. 90 Euro für 2 cl haben das jedoch verhindert. Da sind selbst einem Nerd irgendwann Grenzen gesetzt.


Nachdem wir uns bestimmt eine bis zwei Stunden bei Rene aufgehalten haben, begannen wir auch die anderen Stände genauer zu erkunden. Positive wie auch negative Überraschungen wechselten sich hier ab.
Stand von Kirsch Whisky mit den Rums von Velier und TCRL
Während man an den Ständen von Bonpland oder Ekte die wirklich interessanten Abfüllungen nur angucken und in der Flasche bewundern durfte, konnte man bei Perola (waren mit Compagnie des Indes Rums vertreten), Cadenhead, Kirsch Whisky (waren mit Velier und TCRL vertreten), 1423 Rums/Worthy Park (teilten sich einen Stand) oder am Stand von Plantation und Clement alles was da war auch probieren. Hier bestanden die Unterschiede lediglich darin, zu welchen Konditionen dies möglich war. Während man bei Plantation/Clement z.B. für einmalig 3 Euro alles am Stand probieren konnte, so konnte man bei 1423 Rums/Worthy Park oder bei Cadenhead auch mit den im Ticket inkludierten Jetons bezahlen. Bei Kirsch Whisky oder am Raritätenstand von Rene war Probieren nur im Austausch gegen Bares möglich. Hier zeigten sich das erste Mal kleine Anzeichen dafür, dass die Messe eben zum ersten Mal stattfindet. Die Aussteller berichteten, dass sie für die Jetons keinen Gegenwert erhielten und diese für sie daher nicht rentabel seien. Hier besteht für nächstes Jahr also möglicherweise der Bedarf, am System der Jetons zu arbeiten. Für den Besucher war das Problem aber letztlich keines, womit man nicht zurecht hätte kommen können. Das hatte man einfach schnell "raus".
Veliers am Stand von Kirsch Whisky
Für unsere nerdige Gruppe waren im Weiteren die Stände von Cadenhead, Kirsch Whisky und 1423 Rums/Worthy Park die nächsten Anlaufstellen. Insbesondere der Stand von Kirsch beschäftigte uns am Freitag sehr. So nutzten wir allesamt die Chance und probierten den neuen Velier Caroni 2000 und den Rhum Rhum zum 70. Geburtstag von Velier, die uns beide faszinierten. Während mir persönlich der Rhum Rhum zwar nicht gefiel, so war ich aber dennoch ob der Besonderheiten dieses Tropfens sehr beeindruckt. Highlight hier war für mich aber ganz klar der EU-Caroni. Eine Hammer-Abfüllung! Ich hatte mit Marius am Abend zuvor auch die US-Abfüllung im Glas und musste feststellen, dass uns diese nicht so sehr überzeugt hat wie der für die EU.
Ausdrücklich erwähnen und hervorheben möchte ich noch, dass für Kirsch Whisky zwei wirklich coole Typen am Start waren, die mit viel Leidenschaft bei der Sache waren und die auch selbst Fans ihrer eigenen Produkte waren. So begleiteten überaus kurzweiliger Smalltalk mit kleinen Einblicken in interne Abläufe die Verkostungen der Rums. Danke, Jungs, das hat echt Spaß gemacht!

Der neue Velier Caroni 2000 in der EU-Version

Für mich war dieser Caroni einer der besten Rums der Messe! Besser als die US-Version dieser Abfüllung und meines Erachtens auch der 12 YO Abfüllung, der EATALY-Abfüllung und der Millennium-Magnum-Abfüllung überlegen.


Rhum Rhum 2007 zum 70. Geburtstag von Velier in 2017

Der Rhum Rhum war so gar nicht mein Fall, aber in jedem Fall war er sehr, sehr außergewöhnlich. Für mich hatte der was von abgestandenem Lagerfeuer.

Cadenhead Green Label Guyana 16 YO


Zwischendurch trafen wir auch noch Marcus Stock, den Veranstalter der Cologne Spirits, der sich Zeit für uns nahm und uns ein wenig berichtete. Zudem hatte er auch noch etwas wirklich besonderes für uns, nämlich einen kleinen aber grandiosen Schluck eines 60 Jahre alten Sherry, der mir wirklich hervorragend schmeckte. Das war die Essenz von Studentenfutter! Einfach nur sehr, sehr geil und ein Wahnsinnstropfen!

Der 60 Jahre alte Sherry! Mein heimliches Highlight!

Um 19.45 Uhr besuchten wir dann noch ganz spontan die Masterclass mit Nikos Arvanitis zum Thema Rum Klassifizierung inkl. Blindtasting. Hier ging es im Wesentlichen um die von Luca Gargano propagierte Klassifizierung von Rum (Pure Single Rum, Single Blended Rum, etc. pp), die Nikos mit sehr viel Passion darlegte. Die Blindverkostung diente letztlich vor allem der Unterstützung des Vorgetragenen und war somit perfekt in den Vortrag mit eingebunden und unterstrich das gesagte. Und trotz dessen, dass Nikos uns Nerds natürlich nicht wirklich etwas erzählt hat, was wir nicht schon gewusst hätten, so fühlten wir uns aber doch sehr gut von ihm unterhalten und genossen den Vortrag. Auch hier war die Leidenschaft einfach in jeder Sekunde zu spüren und Nikos ist einfach ein Original! Ein perfekter Ausklang eines fabelhaften ersten Messetags!


Nikos beim Vortrag

Nikos in Action! 

Blindtasting





Wir nach dem 1. Messetag



Danach machten wir uns auch direkt auf zu Marius, um in privater Runde unter Nerds bei leckeren Snacks noch den einen oder anderen Tropfen zu verkosten. Hier Highlights zu nenn n wäre allerdings wirklich schwer, da unglaublich viele sehr leckere Tropfen auf den Tisch kamen. Diverse Caroni, Hampden und Long Pond, sowie viele Blindverkostungen machten den Abend zu einem unvergesslichen Nerd-Treffen, von dem ich mir wünsche, dass wir es so bald wie möglich einmal wiederholen können. Ihr seid eine spitzenmäßige Runde, mit der es einfach unglaublich viel Spaß macht sich zu treffen, zusammen zu sitzen und geilen Rum zu trinken!


Leckere Rums bei leckeren Snacks


Velier Caroni 1994 Tasting








Für mich war der Vergleich dieser drei Caroni ein ganz enges Rennen. Der 18 YO war der ausgewogenste der drei, die beiden 23 YO sind spezieller, liegen mir aber inzwischen noch etwas mehr. Der Full Proof hatte dann am Ende leicht die Nase vorn, aber da liegen wirklich nur Nuancen dazwischen!


2. Messetag:


Am zweiten Tag ging die Messe schon um 12.00 Uhr los. Personell rotierte unsere Runde leicht. Zwei Leute waren heute leider nicht mehr dabei, dafür bereicherten zwei andere unsere tolle Truppe, bei denen ich mich jeweils ebenfalls sehr gefreut habe, sie endlich einmal zu treffen.

Wie schon gestern, so ging es auch heute wieder bei Rene van Hoven und seinem Raritätenstand los. Jedoch machte sich klar bemerkbar, dass man jetzt schon etwas mehr auf der Messe angekommen war und alles ein wenig lockerer ging. Und so erspähten wir dann auch tatsächlich, dass der Albion 1986 von Velier, der gestern noch kein Preisschild um den Hals hängen hatte auch heute noch ohne ein solches auskommen musste. Und während sich gestern noch keiner von uns getraut hatte zu fragen, wieviel wohl ein Dram dieses seltenen, überaus teuren und exklusiven Tropfens kostete, so war das heute quasi die erste Frage überhaupt ;-)
Niemand von uns rechnete damit, dass er am Ende tatsächlich bezahlbar sei, aber zu unserer großen Überraschung wollte Rene schlanke 12 Euro (!) für 2 cl dieses Rums haben. Nach kurzen, ungläubigen Blicken schlugen wir da natürlich allesamt zu. Rene machte die Flasche vor unser aller Augen auf (sie war zuvor noch komplett verschlossen!) und so tranken wir einfach mal so eine der seltensten und gesuchtesten Velier-Abfüllungen auf der Messe. Das wiederum machte schnell die Runde, und so trafen wir auch kurze Zeit später die Jungs von Kirsch bei Rene an, die natürlich auch vom Albion probieren wollten. Klar, dass wir es uns unsererseits nicht nehmen ließen, diesen besonderen Augenblick mehrfach festzuhalten, denn wir kamen über den Tag verteilt immer mal wieder:

Wir mit dem Albion 1986



Velier Albion 1986 25 YO Full Proof


Cadenhead 1991er PROVIDENCE Caroni 12 YO 

Der Rum ist schon sehr weit weg von den üblichen Heavy Type Kandidaten, aber im Gegensatz zu einigen anderen Light Types kam hier doch schon noch richtig was rüber!



Cadenhead 1982er Gardel 20 YO 

Der Gardel! Auch so ein heimliches Highlight! Obwohl Rum aus französischen Gefilden ja mehrheitlich nicht meins ist, so hatte dieser unfassbar schwere, konzentrierte und gesetzte Rum doch richtig was für sich. Schön, den mal gehabt zu haben!


Murray McDavid 1992er Hampden 13 YO

Leider verdünnt! Hampden und verdünnen... nicht mein Lieblingsthema! ;-) In Fassstärke wäre der glaube ich in meinen Hampden Top 10!


Wir später am Tag nochmal mit dem Albion 1986















Und auch wenn der Tag damit schon eigentlich nicht mehr besser werden konnte, so hielt er doch noch einiges für uns bereit. Denn noch am Stand von Rene van Hoven trafen wir zufällig einen Mann von Savanna, der uns Proben von zukünftigen Rums zeigte (da kommt Großes auf uns zu!) und uns vieles über Savanna zu erzählen wusste. Auch hier traf Leidenschaft auf Leidenschaft und so konnten wertvolle Kontakte geknüpft werden.

Zwei super Samples von Savanna











Im Folgenden probierten wir vor allem viel bei Cadenhead und bei 1423 Rums/ Worthy Park. Bei Cadenhead gab es die gesamte aktuelle Range zu probieren. Am besten gefielen mir hier der 1990er Enmore/Versailles (MEV) und der 1999er Sancti Spiritus aus Cuba.

Bei 1423 Rums wusste ein 1998er Port Mourant zu gefallen (selbst mir, als nicht gerade erklärtem Fan von Port Mourant gefiel der wirklich gut!), vor allem aber der überaus ergiebige Austausch mit Joshua von 1423 Rums und mit Alexander Kong von Worthy Park wird in Erinnerung bleiben! Marius und die Jungs von RUMBOOM hatten zu 1423 Rums durch ein Tasting ihrer Range im letzten Jahr bereits Kontakt zu diesem dänischen UA und dieser wurde auf der Messe nochmals intensiviert. So war es uns am Ende sogar möglich, noch nicht veröffentlichte Rums aus Worthy Park vorab zu probieren.

Samples aus Worthy Park






1423 Rums S.B.S. Port Mourant 1998

Wir mit Joshua (1423 Rums)



Zum Ende des Tages hin zog es uns dann noch einmal mehr zurück zu Rene van Hoven und seinen Raritätenstand. Denn es wartete unverhofft noch ein weiteres Highlight auf uns. Es wurde nämlich, zusammen mit Veranstalter Marcus Stock, auch noch ein Navy Rum aus dem Jahr 1954 vor Ort geöffnet und verkostet! Gelebte Rum-Geschichte! Und das beste war: der uralte Tropfen schmeckte tatsächlich auch noch! Das ist bei solch alten Raritäten mit Tendenz zur Obskurität nicht unbedingt selbstverständlich, und umso größer war hier die Freude! Der gute hatte irgendwie etwas von geräuchertem Schinken! Sehr strange, aber definitiv lecker! Besonders schön fand ich, dass dieser besondere Moment auch noch einmal sehr die Leidenschaft aller Beteiligter offen gezeigt hat, von Rene, von Marcus und natürlich auch von uns. Das ist das Hobby wie es sein soll!


Video vom Öffnen der Flasche



Navy Rum von 1954

Cheers! 



Wir mit Rene und Marcus ... und dem Navy 1954! 


Und auch diesen Tag ließen wir in privater Runde noch würdig ausklingen, indem wir in der Kölner Innenstadt noch gut Essen gingen und im "Ona Mor" noch auf einen Absacker vorbeischauten. Hier trafen wir auch erneut noch einmal kurz auf Alexander Kong, der sich ebenfalls hier eingefunden hatte.

Cheers! :-)


Am Sonntagmorgen machte ich mich nach einem ereignisreichen, supergeilen Wochenende dann glücklich, wenn auch ein wenig müde, auf den Weg zurück nach Hause!

Ich hoffe, durch diesen Artikel konnte ich bei allen die da waren die Erinnerung noch einmal aufleben lassen und alle, die daheimgeblieben waren motivieren, das nächste Mal mit dabei zu sein! Es lohnt sich! Die Messe war aus meiner Sicht super organisiert, die Aussteller waren mehrheitlich top und boten uns Besuchern vieles! Vielen Dank an Marcus und sein Team, ihr habt einen super tollen Job gemacht! Hut ab!

Bis demnächst hier auf BAT,
Flo

Dienstag, 23. Mai 2017

Thomas' Thoughts: Mai Tai mit Our Rum & Spirits Demerara Rum 12 YO Diamond 2003

Liebe Rum- und Mai Tai Freaks,

letzte Woche hat Marius von Single Cask Rum für euch einen Mai Tai mit Mabaruma Hampden Rum 13 YO 2000 gemixt und auch heute werde ich nochmals externe Unterstützung durch einen Gast erhalten. 
Und zwar wird euer Mai Tai heute von Thomas Bossnack gemixt werden, dem ich dafür schon vorab vielmals danken möchte! Ich habe ihn vor einigen Wochen mit Marius zusammen gefragt, ob er nicht Bock dazu hätte und er hat sich glücklicherweise ebenfalls gern dazu bereiterklärt hier mitzuwirken. Thomas beschäftigt sich schon seit acht Jahren mit Cocktails und ist vor ca. drei Jahren dann auch zum Purgenuss gekommen. Er ist bekannt für seinen extrem geschulten Geruchs- und Geschmacksinn und dafür, in Blindtastings regelmäßig Volltreffer zu landen, was ihm den anerkennenden Spitznamen "Professor" eingebracht hat. 
Seit Anfang des Jahres teilt Thomas seine Eindrücke nicht nur im Forum "Rum Club", sondern auch auf seinem eigenen Blog RUMBOOM.

Und nun wünsche ich dir, lieber Thomas, und allen Lesern viel Spaß beim Lesen der folgenden Zeilen und natürlich im Anschluss beim Nachmixen!




Hallo liebe BAT Leser,

wie vor ein paar Tagen der Gastbeitrag von Marius, habe ich heute die Ehre euch einen Mai Tai auf BAT vorzustellen.

Der heutige Rum für den Mai Tai fällt in die Kategorie "eher ungewöhnlich" in Bezug auf diesen Cocktail. Es geht um den Our Rum & Spirits Guyana Diamond von Christian Nagel. Jetzt könnte man sich fragen "wer kommt denn bitte auf die Idee einen Diamond für einen Mai Tai zu verwenden?". Experimentierfreudige Cocktailliebhaber, die Alternativen für Rums suchen, welche pur nicht ganz zusagen, aber in einem Drink vielleicht eine gute Figur machen könnten. So ein Kandidat ist bei mir der OR&S Diamond.

Bevor es mit der Verkostung losgeht, noch einmal kurz die Key Facts zum Rum:

Abfüller:                Our Rum & Spirits
Land/Region:       Guyana
Destillerie:            Diamond Distillery
Alter:                        12 YO (2003 - 2016)
Alkoholgehalt:   62,8% vol.


Neben dem OR&S Diamond (6cl) verwende ich für diesen Mai Tai Triple Sec von Pierre Ferrand (1,5cl), Orgeat von Giffard (0,75cl), selbst hergestellten Zuckersirup (0,75cl) und frisch gepressten Limettensaft (3cl)



Verkostung des Mai Tais mit Our Rum & Spirits Demerara Rum 12 YO Diamond 2003: 

Da unser Grundstoff von OR&S bereits eine sehr dunkle leicht rötliche Farbe hat, ist es nicht verwunderlich, dass unser Mai Tai nicht die gewohnte Farbe trägt: orange braun und trüb.

Wow! Ist das Blutorangensaft oder ein Mai Tai?! Die Charakteristika des Rums sind ganz klar in diesem Drink wiederzuerkennen. Ganz viel Blutorange, Leder und Holz dominieren den Drink. Die Säure der Limette ist auch prägnant aber passend. Nur leicht wahrnehmbar ist das Orgeat, welches in einem normalen Mai Tai durchaus präsent(er) ist. Von mir aus könnte das Orgeat weggelassen werden und durch normalen Zuckersirup ersetzt werden, da das Orgeat für mich nicht ganz passt. Nichtsdestotrotz ein guter Drink! Auch nach längerer Standzeit und fortschreitender Verwässerung ist dieser Drink noch gut genießbar und behält verhältnismäßig viel Geschmack.

Fazit: dieser Drink hat fast nichts mehr mit einem üblichen Mai Tai zu tun. Ist er deshalb ein schlechter Mai Tai? Jaein! Ja, weil er für mich einfach kein Mai Tai ist. Nein, weil er trotzdem ein guter Drink ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Rum eine noch bessere Figur in einem Daiquiri oder vielleicht sogar in einem Rum Sour machen würde. Leider habe ich nicht mehr genug vom OR&S Diamond übrig, um das zu testen. Aber vielleicht ist ja jemand experimentierfreudiges unter den Lesern dabei? Über Feedback würde ich mich freuen.

Ciao!
Thomas

Sonntag, 23. April 2017

Rum News - Blog-Landschaft im Wachstum

Liebe Rum-Gemeinde,

im März habe ich unter der Überschrift "Thoughts..." kein Review gebracht, sondern einige meiner Gedanken zu einem aktuellen Thema der Rum Szene dargelegt. Im konkreten Fall war das der Ausverkauf des The Rum Cask Hampden 1990 innerhalb von nur drei Tagen. Ähnliches, also mich zu aktuellen Themen aus der Rum Welt in einem eigenen Artikel zu äußern, werde ich nun wohl auch in Zukunft immer mal wieder machen, dann nämlich, wenn mir danach ist, mich dahingehend hier mitzuteilen. ;) Heute geht es um ein paar Neuigkeiten aus der Rum Welt.

Während der Anlass der "Thoughts" also ein eher weniger freudiger war, so ist mir das Verfassen der heutigen Zeilen ein echtes Vergnügen! Denn heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, und zunächst auf die Rum-Blogger-Szene in Deutschland eingehen. Diese hat sich nämlich in der letzten Zeit nicht nur merklich vergrößert, sondern sie hat dabei auch enorm an Qualität dazu gewonnen, was ja letztlich entscheidend ist. Keine Blogger für die Industrie, sondern "Überzeugungstäter". Wunderbar! 
Ich möchte hier in erster Linie drei neue Blogs nennen, bei denen ich mich sehr freue, dass sie die Szene bereichern. Diese sind:




Ruminfo:

Ruminfo ist der Blog von Christian Düster und richtet sich im Moment noch in erster Linie an Rum-Einsteiger. Allerdings tut er das in einer Weise, die mir sehr imponiert und gut gefällt. Er stellt sehr übersichtlich dar, welche Rums eher zu empfehlen sind als andere und warum. Ich habe für Einsteiger selten einen schöneren Leitfaden gefunden. Es werden zwar auch Rums vorgestellt, die heute in "Nerd-Kreisen" in eher zweifelhaftem Ruf stehen, allerdings passiert dies nicht unreflektiert, sondern sehr kritisch und ohne jede Beschönigung. Ein El Dorado 12 beispielsweise ist gezuckert und das sagt er auch klar und deutlich. Allerdings: ein El Dorado 12 ist eben auch sehr gefällig und bietet Einsteigern die Möglichkeit den Stil von Demerara kennenzulernen, ohne sofort verschreckt zu werden. Aber deshalb einen gezuckerten Rum empfehlen? Dein Ernst, Flo? Jein! ;) Denn man darf nicht vergessen: die Szene wird nicht deshalb größer, weil die dazukommenden alle als erstes einen Fassstärke Diamond probieren, sondern weil sie durch Rums wie die von El Dorado herangeführt werden. Wem dann das Profil zusagt, der landet im Jahr 2017 inzwischen fast von ganz alleine irgendwann bei Single Casks in Fassstärke. Und tatsächlich ist mein Problem auch gar nicht, dass es diese Produkte gibt, sondern dass sie nicht als das was sie sind deklariert sind: Spirituosen auf Rum Basis. Und genau diese Auffassung vertritt eben auch Ruminfo. Das Thema Zusatzstoffe wird auf der Seite intensiv behandelt und bietet auch dem Fortgeschrittenen einen hervorragenden Überblick über die Materie.

Alles in allem daher ein Blog-Projekt, dessen Name dem Vorhaben auch wirklich gerecht wird. Der Anfang ist gemacht und hat mich vollkommen überzeugt. Und ich freue mich bereits auf die ersten Reviews von Single Cask- und Fassstärke-Rums! 


Single Cask Rum:

Hier ist der Name Programm! Auf Single Cask Rum stellt der von mir sehr geschätzte Rum-Kollege Marius Lohschelder genau das vor: Einzelfassabfüllungen, gerne auch in Fassstärke, von unabhängigen Abfüllern. Auf spezielle Länder oder Destillerien ist er nicht festgelegt, was ich sehr positiv finde, da es noch immer sehr unterrepräsentierte Stile in der Rum Welt gibt. Dazu zähle ich u.a. auch die Destillerie Sancti Spiritus auf Kuba, aus der Marius bereits zwei Rums vorgestellt hat. Aber auch Rums aus St. Lucia z.B. werden sicher Platz auf SCR finden.
Anders als die anderen beiden heute empfohlenen Blogs schreibt Marius seine Reviews aber nicht auf Deutsch, sondern er verfasst sie in englischer Sprache und erreicht dadurch natürlich auch international eine große interessierte Leserschaft. 
Die vorgestellten Rums sprechen doch schon ein eher fortgeschrittenes Publikum an und haben damit prinzipiell die gleiche Zielgruppe wie auch mein eigener Blog. Das führte dazu, dass man sich inzwischen natürlich auch schon etwas kennt, sich schätzt, untereinander austauscht und in Zukunft auch gemeinsame, kleinere und größere blogübergreifende Projekte nicht unwahrscheinlich, um nicht zu sagen zu erwarten, sind. Großartig! Seid gespannt, wir haben da schon ein paar Sachen in der Pipeline! :) Darauf und auf noch viele weitere fundierte und schön in Szene gesetzte Reviews freue ich mich wirklich sehr! Ein unglaublich wertvoller Zugewinn für die gesamte Rum Szene! 


RUMBOOM:

Und als dritten der Runde möchte ich euch den Blog RUMBOOM vorstellen, der von Thomas Bossnack betrieben wird. Dessen extrem gut ausgeprägte olfaktorische und gustatorische Sinne sind innerhalb der Rum Szene längst bekannt und genau diese besondere und außergewöhnliche Qualität bringt er auch in sein Blog Projekt mit ein. Auf RUMBOOM werden euch nämlich vor allem auch Crosstastings, das heißt das unmittelbare Testen und Vergleichen mehrerer Rums direkt nebeneinander, sowie Blindtastings, also die Königsdisziplin der Verkostung, erwarten. Hier hat er eine echte Lücke im Portfolio der Rum Blogs entdeckt und wird diese, da bin ich mir sicher, in beeindruckender Weise schließen. Eine unschätzbar wertvolle Bereicherung, wie ich finde, zumal sich auch Thomas nicht zwingend auf wenige bestimmte Länder oder Inseln festlegt.
Die Zielgruppe ist mit der von Single Cask Rum vergleichbar und ebenso wie Marius, so schätze ich auch Thomas sehr und stehe auch mit ihm in regelmäßigem Kontakt und Austausch. Und ebenso sind auch hier gemeinsame Projekte geplant, auf die ich mich sehr freue!

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass ich euer aller drei Wege mit Freude weiter mitverfolgen werde (und teilweise ja auch mit beschreiten darf) und ich euch natürlich ganz viel Fleiß, Kreativität, tolle Ideen und Durchhaltevermögen wünsche und natürlich viele Leser, denen es ebenso geht wie mir!


Zu guter Letzt...

Ich habe euch heute drei, wie ich finde, unglaublich spannende und hochwertige Rum Blogs vorgestellt, die alle in 2017 gestartet sind und, um da einen kleinen Bogen zu spannen, die letztlich alle mehr oder weniger dem Ende 2016 gestarteten Rum Forum "Der Rum Club" entstammen. 
Dieses habe ich zwar auch schon seit einiger Zeit hier auf dem Blog in der rechten Spalte prominent verlinkt, aber ich möchte diese Zeilen heute gerne dazu nutzen, auch auf eben dieses Forum nochmals aufmerksam zu machen. Der Rum Club ist das in meinen Augen erste deutsche Rum Forum, dass sich tatsächlich ganz der Passion verschrieben hat, dessen Administration tolle Arbeit leistet und dessen Mitglieder einen sehr freundlichen, kollegialen und respektvollen Umgang miteinander pflegen. Es macht wahnsinnig Spaß sich dort unter Gleichgesinnten zu bewegen und sich gegenseitig auszutauschen. Und ich bedanke mich sehr, bei allen, die das möglich gemacht haben und möglich machen! 

Das war es dann heute auch schon wieder von mir. Nächsten Sonntag gibt es wohl nochmal einen Rum, bevor wir dann auch schon in den MAI Tai starten (siehe Vorankündigung, rechte Spalte ganz oben). 

Ich werde mir jetzt einen kleinen Dram Velier Albion 1983 einschenken und wünsche euch allen noch ein schönes Rest-Wochenende.

Bis nächste Woche,
Flo