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Sonntag, 14. Februar 2021

Gardel Distillery: The Lost (but still unsung) Rhum

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich mich nach längerer Zeit einmal wieder meiner heimlichen Liebe der letzten Jahre widmen, die meines Erachtens noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Gardel! Doch bevor ich euch in den nächsten Wochen noch einige der besten Rums dieser verschwundenen und bisher wenig beachteten Destillerie vorstelle, u.a. kommen diese von Cadenhead, Silver Seal und Moon Import, habe ich heute zunächst noch etwas Theorie für euch!

Source: lantenne.com

Rund um den Globus bekommen Connaisseure inzwischen leuchtende Augen, wenn von Old Demerara Rum, Hampden, Long Pond oder Caroni die Rede ist. Längst sind Abfüllungen aus diesen (teils auch bereits seit langem geschlossenen) Destillerien keine Geheimtipps unter Nerds mehr, sondern extrem gesucht und daher auch preislich leider durch die Decke gegangen. Bei Caroni ist dafür, neben der Tatsache, dass Luca Gargano sich in besonderer Weise dafür eingesetzt hat der Welt zu zeigen, welch großartiger Stoff dort produziert wurde, in nicht unerheblichem Maße dessen Status als Lost Distillery verantwortlich, nachdem die Brennerei anfangs des Jahrtausendes geschlossen wurde und somit kein Rum mehr nachproduziert werden kann. So weit, so nachvollziehbar. Doch heute möchte ich euch mit Gardel auf Guadeloupe eine weitaus weniger bekannte Destillerie vorstellen, die durchaus beweist, dass eine Schließung allein noch lange nicht automatisch auch mit Jahrzehnte darüber hinaus reichendem Ruhm einher gehen muss. Einer Destillerie, die beweist, welch eine Sonderstellung Caroni in diesem Punkt in der Rum Welt also tatsächlich innehat, eine Sonderstellung, die eben ganz eng mit dem Namen Luca Gargano verknüpft ist, der wie kein zweiter das Talent besitzt, Menschen für Rum zu begeistern. Gardel beweist viel mehr, dass eine Schließung im Rum Bereich im Normalfall dann doch eher dazu führt, dass eine Destillerie und ihr Rum ganz unromantisch und ohne großen Ruhm einfach mit der Zeit vergessen werden und von den Landkarten dieser Welt verschwinden. Unzählige Destillerien hat dieses Schicksal bereits ereilt. 

Ich entdeckte Gardel für mich dann auch, wie zum Beweis, eher durch großen Zufall und ein schon im Jahr 2002 abgefülltes The Secret Treasures Bottling im vergangenen Frühjahr 2019. Nun könnte man meinen, dass da möglicherweise ein Stil einfach nur an mir vorbeigegangen ist, nicht an der Allgemeinheit, aber ich erlebe seither und wann immer ich Menschen von Gardel vorschwärme, dann doch immer wieder die gleichen fragenden Gesichter. Kaum jemand mit dem ich bisher sprach hatte schon einmal von Gardel gehört. Nur wenige konnten mit dem Namen zumindest etwas anfangen, hatten ihn immerhin schon einmal irgendwo gehört. Noch weniger hatten schon mal einen Gardel im Glas. Allerdings waren sämtliche meiner Rum Freunde, denen ich dann einmal einen Gardel eingeschenkt habe, im Anschluss restlos geflasht! Trotzdem ist Gardel alles andere als populär oder gar Trend und das wiederum heißt auch, dass zu Gardel ungleich weniger Informationen zu finden sind, als zu den meisten anderen und wesentlich gefragteren Destillerien. Auch bei den Zugriffszahlen meiner Reviews zu Gardel Rums war das deutlich zu merken, dass sie deutlich unter denen von bekannteren Rums lagen. Das Interesse an Gardel war bisher also, sagen wir mal, um es positiv zu formulieren, ausbaufähig. Dennoch wage ich den Versuch, euch Gardel heute einmal etwas näher zu bringen und den Schleier, der die ehemalige Brennerei umgibt, zumindest ein wenig zu lüften. Denn um eines direkt vorweg zu nehmen: im Gegensatz zu vielem anderen eher unbekannterem was uns die Rum Welt da draußen noch bietet, was zwar sicher nicht schlecht, für mich aber weit weg ist vom absoluten High End Niveau, gehört Gardel, zumindest in seiner Spitze, für ohne Zweifel zu den fünf besten und interessantesten Destillerien die ich insgesamt kenne! Sie steht für mich zweifelsohne in einer Reihe mit Caroni, Hampden oder den alten Demerara Rums (zugegeben, als ganzes gesehen)! 


1. Standort:

Gardel war eine Destillerie in der gleichnamigen Siedlung Gardel, die zur Gemeinde Le Moule gehört, gelegen im Osten der zu Guadeloupe gehörenden Insel Grand Terre und nur unweit der letzten noch Rum produzierenden Destillerie auf der Insel, nämlich Damoiseau. Guadeloupe ist seit dem 19. März 1946 französisches Übersee-Departement und somit heute Teil der EU. Gardel als solches existiert, anders als z.B. Caroni, allerdings nach wie vor und ist einer der größten Produzent von Zuckerrohr der gesamten Karibik. Die Zucker-Fabrik ist also, im Gegensatz zur Destillerie, noch aktiv, lediglich die Brennapparate wurden vor vielen Jahren demontiert. 

Source: researchgate.net


Auf einer Karte Guadeloupes, auf der sämtliche noch aktiven Destillerien des französischen Übersee-Departements verzeichnet sind, fehlt Gardel folgerichtig bereits. Die Nähe zu Damoiseau ist hingegen gut zu erkennen:

Source: rumporter.com



2. Geschichte und allgmeine Informationen:

Viel ist es leider tatsächlich nicht, was wir wissen. As gesichert gilt aber, dass Gardel im Jahr 1870 vom sog. "Zuckerbaron", dem Générale Sucrière, gegründet wurde und seither und noch bis heute Zucker produziert. Von 1870 bis 1992, insgesamt also 122 Jahre lang, wurde dort auch Rum gebrannt, allerdings wurde laut Bristol Spirits in jenem Jahr deren Column Still demontiert und damit das Kapitel Rum bei Gardel für immer geschlossen. Ob es zu einem früheren Zeitpunkt überhaupt noch andere Stills dort gegeben hat ist vollkommen unklar, aber laut Bristol endet die Geschichte des Rums von Gardel auf jeden Fall ultimativ in 1992. Die tschechische Seite "Peter's Rum Labels" zitiert Bristol Spirits dazu wie folgt aus der Zeit um 2003:

"Sadly, although the Gardel estate still produces sugar, its column or patent still, made it's last drop of rhum in 1992 - and this is it [ie. Classic Rum of Bristol Spirits Limited]. In that year, after 122 years of continuous production, the still was demolished."

Leider funktioniert der Link, der auf der Seite als Quelle angegeben wird inzwischen nicht mehr, allerdings halte ich das Zitat für vertrauenswürdig, da an dieser Stelle seit vielen, vielen Jahren mit viel Akribie Informationen gesammelt werden und ich mich auch daran erinnere, dass die Seite vor ca. 10 Jahren noch aufrufbar war, als ich mich in meiner Anfangszeit viel durch dieses schon damals sehr umfangreiche Archiv klickte. Nicht zuletzt auf Grund dieser Information aber dürfte 1992 wohl der letzte Jahrgang der Destillerie gewesen sein. Vereinzelt gibt es zwar unabhängige Abfüllungen aus 1998 die laut Label aus Gardel stammen, allerdings müssen es sich dabei, folgt man der obigen Auffassung, definitiv um Labelfehler halten und diese Rums jeweils von Damoiseau/ Bellevue kommen. Das liegt auch insofern nahe, als dass 1998 für Damoiseau/ Bellevue ein unglaublich starker Jahrgang mit hohem Output war. Dennoch sind geschmackliche Ähnlichkeiten und Parallelen von Gardel und Damoiseau teilweise nicht von der Hand zu weisen (man probiere z.B. die 1991er Originalabfüllung von Damoiseau), weswegen ich vereinzelte Hinweise, dass man bei Damoiseau teilweise noch heute mit Melasse der Zuckerproduktion bei Gardel arbeitet, als sehr stichhaltig empfinde. 

Gegründet wurde die Zuckerfabrik und Brennerei Gardel, wie eingangs erwähnt, im Jahr 1870 in Grande-Terre's Moule vom „Générale Sucrière“, dem „Zuckerbaron“. Es ist heute eine der größten Zuckerraffinerien der Welt und die einzige aktive auf Guadeloupe. Gardel besitzt eine 934 Hektar große Zuckerrohrplantage und arbeitet mit mehr als 2.500 Zuckerrohrbauern auf Guadeloupe zusammen. Mit seinen fünf modernen dampfbetriebenen Mühlen verarbeitet Gardel das gesamte Zuckerrohr der Hauptinsel (jährlich: 600.000 Tonnen), um verschiedene Sorten Zucker (60.000 Tonnen), Melasse (25.000 Tonnen), Biomasse / Bagasse (180.000 Tonnen), Ethanol und einst auch R(h)um zu produzieren. Aus welchen Gründen auch immer, das kann ich leider nicht nachvollziehen, wurde die Column Still Gardels 1992 demontiert. Seitdem gilt Gardel als Lost Distillery. 


3. Destillation und Stil:

Gardel produzierte seine Rums, zumindest jene die noch bekannt sind, im Column Still Verfahren und auf der Basis von Melasse. Auf diversen Labeln wird zwar von Rhum Agricole gesprochen, also von Rhum auf der Basis von frisch gepresstem Zuckerrohrsaft, doch die Sensorik spricht da eine doch sehr eindeutige Sprache zugunsten von Melasse. Zu den Brennapparaten selbst, der Fermentation oder gar verschiedenen Marks lässt sich im Netz zu meinem Bedauern überhaupt nichts herausfinden und ich kam auch mit diversen Anfragen im französischsprachigen Raum leider nicht weiter. Nirgends sind die Informationen zu Gardel spärlicher als in diesem Punkt. 


Einige Flaschen Gardel aus einer 2020er FT



4. Bekannte Jahrgänge:

Im Gegensatz zu Hampden, Long Pond oder Caroni gibt es aus der Gardel Distillery nur äußerst wenig bekannte Jahrgänge, von denen sogar einer noch unbestätigt ist, nämlich das Vintage 1973, und einer, der Jahrgang 1998, ein fälschlich als Gardel gelabelter Jahrgang von Bellevue/Damoisseau ist. Im Jahr 2021 erschien nochmal ein gänzlich neuer Jahrgang, als Spirit of Rum mit Dirk Becker einen Gardel aus 1983 in die Flasche brachten. Dieser reifte unglaubliche 38 Jahre im Fass, davon 17 unter der tropischen Sonne Guadeloupes. Diese Info ist überaus spannend, denn vieles spricht dafür, dass unter diesem Gesichtspunkt sämtlich Rums von Gardel im Jahr 2000 nach Europa kamen. Das ergäbe auch Sinn, da kein Gardel Bottling für die Zeit vor 2000 bekannt ist.

Gardel Vintage

Bottlings

Style

Still Type

Comments

1973

Compagnie Des Indes „KAIMAN“ - 46% vol. (Part)

?

Pot- & Column Still

Not confirmed by the bottler

1977

Silver Seal 32 YO Gardel – 50,8% vol.

Rhum Agricole

?

but certainly molasses based

1982

Cadenhead Cask Strength 18 YO Gardel – 57,2% vol.

Rhum Agricole

Column Still

but certainly molasses based

Cadenhead Cask Strength 20 YO Gardel – 57,8% vol.

Rhum Agricole

Column Still

but certainly molasses based

Moon Import 18 YO Gardel – 46% vol.

Rhum Agricole

Pot Still

but certainly molasses based & Column Still

1983

Spirit of Rum 38 YO Gardel – 46,6% vol.

?

Column Still

certainly molasses based

1989

The Secret Treasures 13 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

The Secret Treasures 14 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

1992

Bristol Classic Rum 10 YO Gardel – 46% vol.

?

Column Still

certainly molasses based

Douglas Laing „Caribbean Reserve“ 9 YO Gardel – 46% vol.

?

?

certainly molasses based

Moon Import 11 YO Gardel – 46% vol.

Rhum Agricole

Pot Still

but certainly molasses based & Column Still

The Secret Treasures 11 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

1998

Alchemist 10 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based

Port Royal 10 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based

Renegade 11 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based


4.1. Sämtliche, mir bekannten Abfüllungen die definitiv aus Gardel stammen:

- Bristol Spirits Guadeloupe Rum 10 YO Gardel 1992 - 46% vol. (Ex-French Cask)
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Caribbean Reserve Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 13 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 11 YO Gardel 1992 - 42% vol.


5. Rums aus Gardel, die ich bereits im Glas hatte:

- Bristol Spirits Guadeloupe Rum 10 YO Gardel 1992 - 46% vol. (Ex-French Cask)
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Caribbean Reserve Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 13 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 11 YO Gardel 1992 - 42% vol.


Meine aktuellen Top 5 Rums aus Gardel: 

- Cadenhead Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.




Quellenverweise:

- https://www.erudit.org/en/journals/bshg/2015-n171-bshg02057/1032943ar/


Sonntag, 10. Mai 2020

Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch in den letzten Wochen sehr viel aktuellen Stoff präsentiert hab, zuletzt den Velier 22 YO EMB Monymusk 1997, begeben wir uns heute mal wieder auf eine gepflegte kleine Zeitreise. Weder die Destillerie, noch den damaligen unabhängigen Abfüller des heute besprochenen Bottlings gibt es inzwischen (in dieser Form) noch. Die Rede ist vom The Secret Treasures Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989!



Nun werden einige natürlich zurecht erstmal einwerfen wollen, dass es diesen Abfüller ja sehr wohl noch gebe, schließlich kämen da ja auch dann und wann noch mal vereinzelt Releases heraus. Das stimmt allerdings nur auf den ersten Blick. Ja, das Label The Secret Treasures of the Caribbean hat die Jahre überdauert und existiert noch, allerdings nicht mehr im Besitz seines Schöpfers, der Fassbind AG aus der Schweiz, sondern als Teil von Haromex. Die Fassbind-Releases stoppten, zumindest im Rum-Bereich, schon 2003.




Aus diesem Jahr stammt auch die heute verkostete Abfüllung der noch viel länger nicht mehr produzierenden Brennerei von Gardel auf Grand Terre (Guadeloupe). Hier gingen, nach allem was ich bisher gesichert weiß, bereits 1992 die Lichter aus, indem man die Brennblase demontierte und man konzentrierte sich fortan gänzlich auf die Produktion von Zucker - leider! Denn wenn die bisher auf BAT verkosteten Gardel Rhums eines schon ganz klar gezeigt haben, dann dass von dort wirklich ganz herausragende Rums stammen! Insbesondere das Cadenhead Release des Jahrgangs 1982 ist hier zu nennen. Es gab aber auch noch eine andere Gardel Abfüllung aus 1989 von The Secret Treasures, die ich hier auf dem Blog ebenfalls letztes Jahr schon einmal besprochen hatte und diese bietet sich der Abfüllung um die es heute geht natürlich natürlich in idealer Weise als Vergleich an, weswegen ich sie dem 14 YO im Tasting natürlich gegenüber stelle. Im Gegensatz zum 2002er Bottling wurde jenes aus 2003 als Single Cask Abfüllung deklariert, was allerdings nicht den Tatsachen entspricht! Denn Fassbind selbst gab auf dem Label die Fassnummern #56, #58 und #116 an, was den Rum zu einer Small Batch Abfüllung macht, die insgesamt mit der stolzen Auflage  von 1529 Flaschen daher kam. Gleich geblieben ist allerdings leider der enorm geringe Alkoholgehalt von nur 42% vol., die wohl damals sehr viel mehr dem Zeitgeist entsprochen haben als das heute der Fall ist, wo Abfüllungen in Fassstärke eher dem Standard entsprechen. Doch nichts desto trotz hatte mich der 13 YO im letzten Jahr sehr positiv überrascht und ich bin gespannt, wie sich das beim ein Jahr länger gereiften Bruder darstellen wird.

Ein besonders herzlicher Dank geht zuvor allerdings noch nach Berlin, für die Unterstützung dabei diese Abfüllung aufzutreiben! :-) 



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Verkostung des The Secret Treasures Old Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989:

Preis: der Ausgabepreis wird bei ca. 30,- bis 40,- Euro gelegen haben - wenn überhaupt! Das war im Jahr 2003 und damit zu Zeiten, zu denen die wohl wirklich allerwenigsten von uns schon irgendwie mit hochklassigem Rum in Berührung gekommen waren. Heute werden für eine Flasche teilweise über 200,- Euro aufgerufen.

Alter: von 1989 bis 2003 reifte der Rum insgesamt 14 Jahre im Fass. 

Lagerung: unbekannt. Die Farbe, aber auch der Reifegrad des Rums sprechen aber für mindestens eine teilweise Reifung in den Tropen. 

Fassnummern: zum Einsatz kamen die drei Fässer #56, #58 und #116. Sie ergaben insgesamt 1529 Flaschen. 

Angel's Share: unbekannt und stark vom Ort der Reifung abhängig.

Alkoholstärke: der Rum kommt mit sehr, seeeeehr moderaten 42% vol. daher, also noch weniger als der früher oft üblichen Trinkstärke von 46% vol. 

Destillationsverfahren: keine Angaben. Es kann allerdings von einer Patent Still ausgegangen werden. Sie wird auf dem Label von Bristol Spirits erwähnt. 

Mark: mir sind zu Gardel bisher keinerlei Marks bekannt. Cadenhead nennt auf seinen Bottlings RHUM AGRICOLE als Mark, aber das ist letztlich weder ein Mark, noch entspricht das nach allen bisherigen Erkenntnissen den Fakten bei Gardel, denn ich gehe von einem Rhum auf Melassebasis auf, also einem Rhum Traditionell. 

Farbe: dunkles gold, ins bräunliche gehend. Minimal heller als sein ein Jahr Bruder, der 13 YO aus gleichem Batch. 

Viskosität: der Rum bildet einen sehr öligen Film an der Glaswand und läuft in fetten, engen Schlieren am Glas hinab. 

Nase: anders als bei vielen Brettern in Fassstärke ist die Nase bei diesem Rum mehr oder weniger direkt frei zugänglich und sie macht, wiederum anders als die meisten Rums mit höheren Stärken, auch sofort komplett auf. Darin besteht eine der ganz, ganz wenigen Vorteile, vielleicht ist es sogar der einzige, bei so starker Verdünnung. In irgendeiner Weise stechend fällt der Alkoholgehalt erwartungsgemäß gar nicht auf. Das Bouquet von Gardel zu beschreiben, fällt mir nach wie vor schwer. Ich nähere mich dem aber langsam an und würde diesen Grund-Ton, den bisher alle Gardel hatten, in die Richtung von Cola und frischem Zuckerrohr gehend beschreiben, eingehüllt in eine muffige-blumige-pafümierte Wolke und versehen mit Nelken, Aprikosen und karamellisiertem Zucker. Was jetzt natürlich erst einmal widerlich klingt, sollte in Wahrheit aber niemanden abschrecken, denn wenn wir uns all die großen Rum Destillerien anschauen, wie Caroni oder wie Hampden, und sehen, wie diese in ihrem Charakter und ihrer Aromatik beschrieben werden, dann fällt auf, dass das für Außenstehenden selten einladend klingt. Vieles, was zunächst einmal besser klingt hingegen, stellt sich in erschreckender Regelmäßigkeit dagegen ein ums andere mal als langweilig hinaus. Und langweilig, da kann jeder sicher sein, sind die Rhums von Gardel ganz sicher nicht. Der 13 YO, den ich im letzten Jahr hier besprochen hatte, geht -wenig verwunderlich- in eine sehr ähnliche Richtung, hat allerdings noch etwas mehr karamellisierten Zucker im Bouquet und wirkt etwas gesetzter, während dieser 14 YO eher etwas frischer anmutet. 

Gaumen: am Gaumen setzt dann, wie es zu vermuten stand, erst einmal der Wasser-Schock ein. Nein, wie schon beim 13 YO schadet es dem Gardel weit weniger als es manch anderem Rum zugesetzt hätte, aber natürlich wird sofort offenkundig, dass man dem Rum damit keinen wirklichen Gefallen getan hat. Dennoch: trotz aller nerdig-puristischen Vorlieben ist dieser Rum, auch mit nur 42% vol., drinkable - und wie! Geschmacklich ist das, wie bisher eigentlich fast jeder Gardel den ich bislang im Glas hatte, ein absoluter Kracher! Komplett outstanding und mit nichts was ich kenne zu vergleichen, außer entfernt vielleicht alten Jamaica Rums aus den 1940er Jahren. Wieder fällt eine Kombination aus Cola, Zuckerrohrsaft und blumig-muffig-parfümiertem auf, die dazu noch mit ordentlich grünem Apfel und Tanninen aufwarten. Meine Vermutung von tropischer Reife, wenigstens zum Teil, geht auch hier wieder auf, auch wenn es mehr als schwierig wäre, dazu noch gesicherte Hinweise zu erhalten. Im Vergleich zum 13 YO fallen am Gaumen kaum Unterschiede auf, die  beiden Rums sind sich schon sehr, sehr ähnlich.

Abgang: zum Ende hin kommen nochmal ordentlich die Tannine raus, und vom Rum verbleiben mittellang in einer bitter-süßen Weise vor allem die Tannine, sowie natürlich die Gardel-Grundnote. 

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Fazit: mit jedem weiterem Gardel den ich ins Glas bekomme wächst mein Bedauern darüber, dass diese absolut herausragende Brennerei ein viel zu rasches Ende gefunden hat und dass sie, anders als z. B. Caroni, nicht einmal einer größeren Gruppe an Connaisseuren in guter Erinnerung bleibt und ein gefeiertes Andenken hinterließ, da kaum jemand von Gardel überhaupt je gehört hat, geschweige denn deren Rums probiert hat. Diesen anonymen Tod hat Gardel in keiner Weise verdient, denn wie eben bereits angedeutet, gehören diese Rums für mich ohne jeden Zweifel in eine Reihe mit den ganz großen Destillaten dieser Welt: Caroni, alte Demeraras, alte Long Ponds, Hampden, Rockley, Gardel!
Der heute verkostete Secret Treasures aus 1989 gehört nicht zu den allerbesten Rums der Destillerie, auch wenn dieser Jahrgang enormes Potenzial hatte, schlicht, da er zu sehr verdünnt wurde um wirklich ganz oben anzugreifen. Aber trotz alledem kratzt auch dieser TST Gardel, wie schon der Bruder, an der 90 Punkte Marke. Das ist, für einen Rum mit nur 42% vol., dessen Fassstärke noch dazu deutlich höher liegt, eine absolute Sensation und demonstriert so deutlich wie vielleicht nichts anderes sonst die enorme und außergewöhnliche Qualität von Gardel!

-89/100-

Ich wünsche euch nun noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 15. Dezember 2019

Compagnie Des Indes "KAIMAN" Rum 1973/1993

Liebe Rum Gemeinde,

nach der ganzen Aufregung um den neuen 18 YO Hampden 2001 von The Rum Cask aus der letzten Woche, der binnen unglaublicher 13 (!) Minuten bereits restlos vergriffen war, widme ich mich heute einem Tropfen, der zwar mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit verdient hat wie der Hampden, der aber dennoch unter dem Radar laufen dürfte, eben weil er nicht unmittelbar aus einer der ganz großen und angesagten Brennereien stammt: es geht um den brandneuen "KAIMAN" Rum von Compagnie Des Indes!


Der KAIMAN wurde von Compagnie Des Indes ganz frisch zum 5. Jubiläum des noch jungen Abfüllers rund um den umtriebigen Florent Beuchet herausgebracht und stellt einen Blend aus Guadeloupe Rum, Jamaica Rum und Demerara Rum dar. Das alleine klingt eigentlich schon spannend genug, aber endgültig aufsehenerregend und ganz und gar außergewöhnlich wird es, wenn wir uns das Alter der Destillate ansehen. Der Guadeloupe Rhum nämlich, der mit einem Anteil von 72,2% das Herzstück des Blend ausmacht, ist ein Rhum aus dem Jahr 1973! Dagegen fast jung wirkt ein Blend aus Jamaica und Demerara Blend aus dem Jahr 1993, mit aber immerhin auch noch stolzen 26 Jahren Reife. Dieser Teil macht 27,8% des Blends aus.




















Das große Rätselraten setzt ein, wenn es dann darum geht, was für Rhums im einzelnen tatsächlich enthalten sind. Hier bleibt an vielen Stellen nur die Spekulation und die Hoffnung, dass der Rum selbst letztlich Auskunft geben können wird. Über den Guadeloupe Rhum erfahren wir, dass es sich dabei um einen Rhum Traditionel handelt, also einen auf Melasse basierten Rhum. Da denkt man, bei unabhängigen Abfüllern, natürlich zu allererst an Damoisseau und an Gardel. Nähere Angaben dazu gibt es aber nicht. Das Fass Guadeloupe Rhum reifte auf jeden Fall als solches von 1973 bis 2009 im Fass. Ob in der Karibik oder in Europa bleibt ebenfalls unklar. Die Rums aus Jamaica und Guyana, jeweils Jahrgang 1993, wurden schon im Jahr 1995 zu einem gemeinsamen Blend vermählt. Genaue Angaben erhalten wir hier immerhin zum Demerara Rum. Enthalten sind darin Rums aus der Savalle Still von Diamond, aus der Coffey Still von Enmore und aus der Double Wooden Pot Still von Port Mourant. Über den Jamaicaner weiß man nur, dass es sich um ein Wedderburn-Destillat handelt. Dabei denke ich natürlich als erstes an Long Pond und an die Marks VRW und IRW, aber das ist pure Spekulation. Auch dieses Fass Rum reifte im Fass bis ins Jahr 2009. Dann wurden beide Anteile, Guadeloupe und Jamaica/Guyana, in einem 1000 Liter Fass zu einem Rum geblendet. Dieser Blend, der jetzt den KAIMAN darstellt, reifte als solcher nochmal 10 Jahre bis ins Jahr 2019, als er schließlich abgefüllt wurde. Ich denke, man kann hier also mit Fug und Recht von einem flüssigen Stück Geschichte sprechen. Die Eckdaten jedenfalls waren so spannened, dass ich mir den Rum unbedingt genauer ansehen musste. Präsentiert wird das Jubiläumsstück darüber hinaus in einer sehr schmucken Holzkiste, so dass man bis hier hin definitiv konstatieren kann, dass sich CDI hier alle Mühe gemacht zu haben scheint. Was der KAIMAN dann am Ende wirklich kann, das sehen wir uns im Folgenden an! Mein Dank geht heute noch an den Oli, der den Rum geteilt und mir ein Sample, sowie das Altglas und die Holzbox hat zukommen lassen, so dass ich euch das ganze ein wenig in Szene setzen konnte - vielen lieben Dank! 


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Verkostung des Compagnie Des Indes "KAIMAN" Rum 1973/1993:

Preis: der offizielle Ausgabepreis beträgt 370,- Euro. 

Alter: der Guadeloupe Rhum reifte von 1973 bis 2009, bevor er in ein 1000 Liter Eichenfass überführt wurde. Zwei Fässer 1993er Jamaica Rum wurden 1995 miteinander in einem Fass vermählt. Dieser Blend reifte ebenfalls bis 2009 im Fass, bevor es mit dem Guadeloupe Rhum zusammen in das 1000 Liter Fass kam. Dieser neue Blend reifte dann nochmals 10 Jahre lang bis 2019. Somit sind die Rums 46, buw. 26 Jahre alt.

Lagerung: keine Angaben.

Fassnummer: keine Angaben. Bekannt ist aber, dass der Blend 500 Flaschen stark ist.   

Angel's Share: keine Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum kommt verdünnt, mit 46% vol., daher. 

Destillationsverfahren: keine Angaben. Es ist aber bekannt, dass am Demerara Anteil die Savalle Still von Diamond, sowie die Coffey Still von Enmore und Double Wooden Pot Still Port Mourants von Uitvlugt beteiligt waren. Damit sind auf jeden Fall Pot- als auch Column Still Rums enthalten.

Mark: wenig konkrete Angaben. Der Guadeloupe Rhum ist ein Traditionell, was Gardel oder Damoisseau nahe legt. Der Jamaica Anteil ist ein Wedderburn Rum, was auf VRW oder IRW von Long Pond hinweisen könnte. Aus Guyana sind die Savalle Still von Diamond beteiligt, sowie Rums der EHP und der PM Still. 

Farbe: Mahagoni

Viskosität: der Rum bildet oben an der Glaswand gleichmäßige, relativ eng und parallel verlaufende Schlieren, die zügig an der Glaswand herunterlaufen.

Nase: in der Nase habe ich nach ca. zwei Stunden eine für mich vollkommen ungewohnte Welt im Glas und ein Gefühl, welches ich in der Form nicht mehr häufig im Rum Bereich habe: ich habe erstmal so gar keine Assoziation zu dem, was ich da gerade im Glas habe. Nichts springt mich wirklich an, auch der Jamaica oder der Guyana Anteil des Blends nicht. Der überwiegende Guadeloupe Anteil scheint auch den Ton anzugeben, wobei sich meine Hoffnung, dass es sich dabei um Rum aus Gardel handeln könnte erstmal nicht direkt bestätigt. Andererseits sind die Gardel die ich kenne deutlich jünger als der hier verwendete 46 Jahre alte Guadeloupe Rhum. Insofern kann ich das also auch nicht ausschließen. Und tatsächlich, wenn ich meine Nase lange ins Glas halte, dann ist Gardel tatsächlich die Destillerie, auf die ich am ehesten tippen würde. Aber nochmal, das hier ist etwas ganz anderes als die 13 bis 20 jährigen Gardel, die mich teilweise so geflasht haben. Darüber hinaus meine ich peripher immer wieder auch den Demerara Anteil durchblitzen zu sehen. Die Nase ist alles in allem sehr gediegen und der Rum ganz offensichtlich richtig alt. Ich habe viele Gewürze, aber auch so ein wenig die Süße von Trauben, sowie karamellisiertem Zucker. Was mir teilweise ein wenig fehlt, ist Intensität - das hier ist ein Rum für sensible Sinne! Alkoholische Schärfe ist vollkommen abwesend, was bei nur 46% vol. aber auch kein großes Wunder ist. Überraschend finde ich dagegen, dass der Rum auf keinen Fall verholzt wirkt. Klar, da ist Fasseinfluss und der Rum wirkt auch definitiv alt und reif, aber eben nicht großartig holzig oder gar verholzt.

Gaumen: bange Sekunden bis zum ersten Schluck und dann die große Erleichterung - der Rum ist durch die Verdünnung auf 46% vol. nicht kritisch verwässert worden! Glück gehabt, davor habe ich wirklich jedes Mal Angst bei einem Rum unter 50% vol., aber das ist hier vollkommen unbegründet. Präsent ist dagegen eine schöne natürliche Süße zu Beginn und, ja, am Gaumen auch definitiv Tannine vom Fass! Hier besteht kein Zweifel, dass ein wirklich alter Rum im Glas befindet. Zwar ist auch der Eindruck am Gaumen keinesfalls einer, der in die Richtung von verholzt geht, aber das ist schon wirklich sehr reif. Gardel finde ich hier nicht direkt wieder, wobei das wirklich auch am enormen Alter des Destillats liegen kann. Dafür scheint aber der Demerara hier zum Zug zu kommen. Das hier könnte auf jeden Fall auch als reifer, alter Demerara Rum durchgehen. Wirklich guter Rum! Lecker! Besonders! Würze, Kaffeebohnen, trocken, ins bittere gehend, 

Abgang: das Finish gehört dann auch den trocken, würzig, bitteren Eindrücken, am Ende erinnert das ein wenig an die 95% Bitterschokolade von Lindt. Knochentrocken, aber auf die gute Art. Der Rum verweilt ein wenig am Gaumen und ist dann nach ca. 30 Minuten vollkommen verflogen.

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Fazit: ein Rum, der Zeit braucht, der Zeit fordert und der sich diese -nach den langen Jahren der Reife- auch redlich verdient hat! Ich habe einige Stunden mit ihm verbracht und es alles andere als bereut! Der Rum ist wunderbar anders als so viele die wir sonst so vorgesetzt bekommen und man spürt in jedem Augenblick, dass man da gerade einen wirklich alten Tropfen im Glas hat. Insbesondere am Gaumen ist das nicht zu übersehen. Das wird nicht jedem gefallen, ganz sicher nicht, weswegen ich zu einem Sample raten und nicht zu einem Blindkauf tendieren würde, aber gerade wer alte Demerara Rums mag, der könnte hier wirklich auf seine Kosten kommen. Ich habe Compagnie Des Indes mal als den Felix Magath unter den unabhängigen Abfüllern bezeichnet. Jener Magath war im Fußball bekannt dafür, regelmäßig bis zu 50 Spieler zu holen, von denen dann vielleicht zwei oder drei letztlich einschlugen, betrieb also einen unglaublich hohen Aufwand in der Breite, statt selektiv zu schauen. An dieser Sichtweise halte ich, wenn man sich einmal den Output von CDI ansieht, auch weiterhin fest, nur dieser Rum zählt wohl zu den zweien oder dreien, für die es sich dann eben auch mal gelohnt hat. Monsieur Beuchet, à votre Kaiman-Rhum, je dis "bravo"! Was die Blend-Bestandteile betrifft, so komme ich über die bis hierher getätigten Spekulationen letztlich nicht hinaus. Ich halte Gardel für nicht unwahrscheinlich, aber nach derart langer Reife könnte das sicher auch ein Damoisseau sein oder möglicherweise gar etwas ganz anderes, was ich vielleicht gar nicht kenne, da ich ganz sicher kein Spezialist auf dem Gebiet der Guadeloupe Rhums bin. Was ich sagen kann ist, dass mir der Blend sehr gefällt, dass er funktioniert, und dass ich ganz persönlich ihn grundsätzlich auch kaufen würde. Ob ich das auch für das Geld tun würde? Fraglich! 370,- Euro sind eine Menge Holz! Wenn man aber wieder auf das Alter des Rums blickt, und der 46 Jahre alte Guadeloupe Rhum macht hier mit fast dreiviertel des Blends ja den Löwenanteil aus, dann wirkt das für heutige Verhältnisse auch wiederum nicht gerade übertrieben. Allzu häufig werden sich da sicher keine Gelegenheiten mehr ergeben, einen solch alten Rum, der dazu auch noch im Glas zu überzeugen weiß, zu bezahlbaren Kursen zu bekommen. Insofern...

-91/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 13. Oktober 2019

Cadenhead's Guadeloupe Rhum 20 YO Gardel 1982

Liebe Rum Gemeinde,

auch wenn viele von euch diese Woche sicherlich mit einem der neuen Velier Caronis gerechnet haben, so möchte ich meinen Blick heute doch aber lieber nochmal zurückwerfen in die Vergangenheit, genauer gesagt sogar ziemlich weit zurück in die Vergangenheit, denn mit dem Cadenhead's Guadeloupe Rhum 20 YO Gardel 1982 habe ich eine echte Rum-Legende entdeckt, die ich euch keinesfalls länger vorenthalten möchte!



Meine ganz persönliche Geschichte mit dieser Abfüllung aus der lange schon ruhenden Brennerei Gardel von Guadeloupe beginnt schon im März 2018, zur Cologne Spirits, als ich die Möglichkeit hatte die Abfüllung mit Marius von SCR zusammen bei Rene van Hoven am Raritätenstand zu probieren. Wir waren beide ziemlich begeistert von dem guten Tropfen (klick für Marius' Review), auch wenn ich gestehen muss, dass ich ihn danach doch erst einmal für ziemlich genau ein Jahr aus den Augen verloren hatte. Genau ein Jahr später, zur nächsten Cologne Spirits, entdeckte ich die Flasche dann erneut bei Rene am Stand und gönnte mir erneut ein Glas.

Nun schaffte es Gardel endgültig auf meinen Zettel, woraus dann wiederum die Reviews zum Secret Treasures 1989 und zum Bristol 1992 von Gardel im Sommer diesen Jahres resultierten. Mir war klar, dass sie nicht an den Cadenhead heranreichten, zu sehr gereicht an der Stelle eine Verdünnung zum Nachteil, aber die Möglichkeit einer erneuten Verkostung des Cadenhead hatte ich eben erst einmal nicht. Das änderte sich schlagartig, als Rene sich entschloss Teile seiner Sammlung zu verkaufen und ich mir ohne zu zögern den Gardel bei ihm sicherte. Meine Freude war riesig und überglücklich holte ich die Flasche beim Rum Fest in Berlin dann schließlich bei ihm am Stand ab. Doch das ist noch nicht alles, denn, das möchte ich vorab verraten: es ist mir inzwischen ebenfalls gelungen, zwei weitere Gardel Abfüllungen von The Secret Treasures aufzutreiben, eine 14 Jahre alte Abfüllung aus 1989 und einen 11 Jahre alten Rum aus 1992! Beide probierte ich ebenfalls in Berlin im Lebensstern und beide werden hier selbstverständlich ebenfalls noch beizeiten vorgestellt. Doch jetzt soll es erst einmal ausschließlich um den Cadenhead gehen.



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Verkostung des Cadenhead's Guadeloupe Rhum 20 YO Gardel 1982:

Preis: den Ausgabepreis damals vermute ich anhand der Eckdaten zwischen 50,- und 100,- Euro. Rhum aus den französischen Departements hatte schon früher seinen Preis als andere Rhums. 

Alter: der Rum ist 20 Jahre alt, lag von 1982 bis Januar 2003 im Fass.

Lagerung: unklar. Da nicht selten auch gereifte Fässer von den französischen Antillen nach Europa gelangten, ist eine tropische Lagerung möglich, mindestens teilweise. Die Farbe des Rhums spricht klar dafür und ich unterstelle da auch einfach mal, dass nicht gefärbt wurde. Andere Gardel sind ja ebenso dunkel.

Fassnummer: unbekannt.

Angel's Share: keine Angabe

Alkoholstärke: 57,8% vol. - Fassstärke!

Destillationsverfahren: der Rhum wurde via Column Still gebrannt.

Mark: unbekannt.

Farbe: sehr dunkel, im Glas leuchtendes Mahagoni.

Viskosität: der Rum bildet satte, enge, regelmäßige Schlieren am Glas und läuft träge und langsam an der Glaswand herab. Man möchte fast meinen, er haftet am Glas.

Nase: Ohh jahh! :-) Volltreffer! Das Profil, was wir vor allem beim The Secret Treasures 1989 gefunden haben, erkenne ich hier auch direkt wieder und bin, anders kann man es kaum beschrieben, geflasht! Ich bin von Gardel aller spätestens seit eben jenem The Secret Treasures ja wirklich begeistert, aber der hier toppt das direkt noch einmal! Wunderbar warm, kräftig, schwer, tief, dabei aber überhaupt nicht alkoholisch empfängt mich der Rum in der Nase. Ein solch komplexes Aromen-Feuerwerk findet man nicht alle Tage vor und schon jetzt bin ich gespannt, ob es mir auch nur annähernd gelingen wird, in Worten wiederzugeben was mich hier im Glas gerade übermannt! Wie schon beim 1989er ist mein Gefühl schon deutlich, dass das hier in die französische Richtung geht, auch wenn der Rhum sicherlich nicht die klassischen Komponenten eines Agricoles aufweist. Er ist weder so trocken und erdig, noch so "muffig" wie ich den klassischen Agricole empfinde. Stattdessen hat der Gardel etwas unglaublich pafümiertes, was ich so noch bei keiner anderen Destille wahrgenommen habe. Darüber hinaus fällt die fortgeschrittene Reife definitiv auf. Der Rum hat einen tollen, intensiven, aber nicht zu starken Fasseinfluss erhalten, der diesen Rhum schon zu etwas ganz besonderem macht. Ansonsten geht das alles sehr in eine trocken, würzige, aber auch fruchtige Ecke mit überreifen Bananen und Aprikosen, aber auch Eukalyptus und karamellisiertem Zucker. Ein Mega Rum!

Gaumen: der Rum muss kurz gezügelt werden, kommt dann aber sehr mild und wenig scharf daher. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden! Der erste Eindruck ist dann erst einmal ganz simpel, nämlich dass dieser Rum unglaublich lecker ist! Die pafümierte Komponente zeigt sich auch am Gaumen stark ausgeprägt und scheint einfach die Signature-Note von Gardel zu sein. Ganz, ganz eigen! Dahinter wird es dann mannigfach. Ich muss gestehen, dass ich hier nur sehr unzureichend wiedergeben und beschrieben kann was ich wahrnehme, zu ungeübt sind meine Sinne auf diesem, für mich ungewohnten, Gebiet! Es gesellen sich auf jeden Fall Tannine vom Holz, etwas nussiges, pflanzliche Assoziationen, sowie eine großzügige Ladung Anis dazu, auch etwas muffiges nehme ich wahr, kann das aber nicht zuordnen. Das ganze kommt auf jeden Fall in einer trocken, würzigen, aber durchaus auch leicht süßen Charakteristik daher und mutet auf mich wahnsinnig komplett an. Es fehlt dem Rum an nichts und es gibt gleichzeitig auch nichts, was mich irgendwie stören würde. Am Gaumen möchte ich, anders als in der Nase, dann doch beinahe wieder an ein Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft glauben, aber mir wurde mehrfach berichtet, dass es sich bei den Rhums aus Gardel um Rhums aus Melasse handelt. An anderer Stelle ist das in dieser Form meines Erachtens wiederum auch ebenso wahrzunehmen. Ein Hybrid läge also nahe. Zum Schluss wird der Rum dann immer cremiger und, das hatte ich selten, schon beinahe zu cremig, so dass sich ein Gefühl einstellen kann, als würde der Rum auf der Zunge zerfallen. Da muss man für sich den Absprung schaffen und den Rum rechtzeitig in den Abgang entlassen. Dann aber, ist das hier wirklich perfekter Genuss!

Abgang: im Finish finden sich dann noch einmal, vereinfacht gesagt, alle wesentlichen Merkmale, die den Rum bis hier hin ausgezeichnet haben, an vorderster Front natürlich die pafümierte Signature-Note. Dazu halten die Eindrücke ungewöhnlich lange an. Klasse!

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Fazit: ihr Lieben, auch wenn ich meine Assoziationen zum Rum heute ungewohnt wenig benennen konnte und der Fokus daher auf der reinen Charakterisierung lag, so dürfen keine Missverständnisse darüber aufkommen, dass dieses für mich ohne Wenn und Aber einer der allerbesten Rums ist, die ich je im Glas hatte! Schon beim Secret Treasures 1989 habe ich mich zu der Einschätzung hinreißen lassen, dass dieser Stil in unverdünnter Form das Potenzial für ganz, ganz großes hat und ich fühle mich darin heute mehr als bestätigt! Überrascht hat mich vor allem, dass das Fass trotz der erheblich längeren Lagerung im Vergleich zum Secret Treasures keine Überhand genommen und den Rum nicht verholzt hat, sondern zur Perfektion geschliffen. An diesem Rum gibt es nichts(!), was man hätte besser machen können! Extra-Klasse! Überragend! Der Stil Gardels wird dementsprechend in Intensität, Komplexität und Einzigartigkeit meines Erachtens nur von tropisch gereiften Caroni, Demerara und St. Lucia Rums, sowie von Rockley, Long Pond und Hampden Rums erreicht. Outstanding unique Stuff! Das Bedauern darüber, dass wir solche Rums durch die Demontage der Brennapparate bei Gardel in den 1990er Jahren nie wieder sehen werden, kann ich ebenso wenig gänzlich in Worte fassen, wie meine geschmacklichen Wahrnehmungen und Assoziationen zum Rum.

-96/100-

Bis demnächst,
Flo