Sonntag, 25. August 2019

Hampden Estate - ein Überblick

Liebe Rum Gemeinde,

nach über zwei Jahren, in denen ich immer wieder, mal mehr und mal weniger intensiv, an diesem Artikel gearbeitet und mein Wissen, das ich mir über die letzten neun Jahre erworben habe, darin zusammengefasst habe, kann ich heute endlich vermelden: es ist vollbracht! Der Artikel steht, und darum möchte ich im Vorfeld nun auch gar nicht viel mehr sagen, außer euch viel Spaß damit zu wünschen und u.a. Stefan Marzoll vom Kirsch Whisky Team dafür zu danken, die tollen Fotos verwenden zu dürfen, die er im Rahmen eines Besuchs auf Jamaica dort gemacht hat!

Source: Stefan Marzoll


1. Standort:

Die Hampden Distillery ist eine sehr alte und geschichtsträchtige Rum Destillerie auf Jamaica. Sie gehört, neben Long PondAppleton oder Monymusk, zu den bekanntesten Destillerien Jamaicas. Hampden Estate, also die Destillerie, das Anwesen und die dazugehörige Zuckerrohrplantage, liegt im Nordwesten Jamaicas, im Parish (Landkreis) Trelawny, unweit des Long Pond Estate mit seiner gleichnamigen Destillerie. Tatsächlich sind die Rum- und Zuckerproduktion, neben dem Tourismus und dem Fischfang, auch der bedeutendste Wirtschaftsfaktor des nur dünn besiedelten Parishs. Die Hauptstadt Trelawnys ist das direkt an der Nordküste gelegene Falmouth.

Source: Bitters & Bottles


Während es heute mit Hampden und Long Pond nur noch zwei aktive Brennereien im Parish Trelawny gibt, so waren es im Jahr 1902 noch ganze 23(!) Stück. Die bekanntesten von ihnen, neben den noch existierenden Hampden und Long Pond, waren sicherlich Cambridge, Tilston und Vale Royal, deren Stile wir auch heute noch in der Rum Welt finden, da Long Pond deren Marks einst übernommen hat. Aber es gab noch viel mehr Destillerien!


1.1. Destillerien in Trelawny (1902):

Distillery
Closed in...
Bryan Castle

Brampton Bryan

Braco

Cambridge
1947, fusioniert mit Long Pond
Etingdon

Fontabelle

Freeman's Hall

Georgia
1939, bei einem Feuer zerstört
Green Park
1955
Gales Valley
fusioniert mit Hampden
Hampden
aktiv
Hyde

Kent

Lottery

Long Pond
aktiv
Lancaster

Manchester

Oxford

Orange Valley

Swanswick

Steelfield

Tilston

Vale Royal
1959, fusioniert mit Long Pond


2. Geschichte und allgemeine Informationen:

Die lange Geschichte Hampdens reicht bis ins Jahr 1753 oder vielleicht sogar noch etwas länger zurück, genau weiß man das nicht, als das Anwesen von der schottisch-stämmigen Familie Sterling begründet und die Zuckerproduktion nach dem Anbau von Zuckerrohr aufgenommen wurde. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden auch das "Great House", sowie die Destillerie selbst auf dem Anwesen errichtet. Für das Jahr 1767 ist durch das UCL London die Produktion von Rum erstmals nachgewiesen.
Hampden Great House; Source: Stefan Marzoll
Zu dieser Zeit, im 18. Jahrhundert, gab es auf Jamaica noch sehr viele Destillerien und Plantagen. Alleine im Parish Trelawny waren es zu dieser Zeit noch über 100 Zucker-Estates, die fast alle eigene, kleine Brennereien hatten. Sie produzierten Zucker und Rum für die britische Kolonialmacht, die letztere vor allem zur täglichen Versorgung ihrer Marinesoldaten benötigte und einsetzte. Die allermeisten dieser Destillerien verschwanden im Laufe der letzten 250 Jahre und gerieten leider vielfach in Vergessenheit (zu den vergessenen Destillerien kommt in der Zukunft noch mehr hier auf BAT!). Die Gründe dafür sind, wie so oft, vielfältig, aber als der wichtigste und entscheidendste muss die Stellung des Rohrzuckers auf dem Weltmarkt gesehen werden. Ende des 18. Jahrhunderts begann man in Europa nämlich mit dem Anbau von Zuckerrüben, was die Abhängigkeit vom Zucker in der Karibik mehr und mehr einschränkte. In Deutschland war man ab dem Jahr 1806 für insgesamt acht Jahre durch die von Napoleon I. verhängte Kontinentalsperre vom Rohrzucker abgeschnitten, was einerseits die Produktion von Rübenzucker bestärkte, andererseits aber auch zu Absatzschwierigkeiten von Zuckerrohr führte, welches sich folglich anstaute und die Preise drückte. Nach dem Ende Napoleons verdrängte das Zuckerrohr den Rübenzucker durch die günstigen Preise noch einmal für wenige Jahrzehnte. Doch das Ende der Sklaverei in den 1830er Jahren und die damit wieder steigenden Preise für Rohrzucker brachten letztlich auch dem Rübenzucker den Durchbruch. So wurde die Zuckerproduktion in der Karibik mit den Jahrzehnten und Jahrhunderten also weniger rentabel und mehr und mehr Produzenten von Rohrzucker schlossen ihre Pforten. Und wo kein Zucker mehr produziert wurde, fiel logischerweise auch keine Melasse mehr ab, weswegen das Ende eines Zucker-Estates letzten Endes auch tendenziell immer das Ende der dazugehörigen Destillerie bedeutete.

Alte "Einkaufsliste" für Bulk-Rum
von H. Albrecht & Co.
Hampden hingegen überdauerte die Jahrhunderte, nicht zuletzt deshalb, weil sie es verstanden haben sich an die jeweiligen Bedingungen und Bedürfnisse der Märkte anzupassen und sie auch auf Schwierigkeiten eine Antwort hatten. So profitierte man beispielsweise im 19. Jahrhundert von territorialen Verschiebungen zwischen den europäischen Ländern. Die Rum-Stadt Flensburg, heute einer der nördlichsten Orte Deutschlands, gehörte bis zum deutsch-dänischen Krieg 1864 noch zu Dänemark und bezog bis dahin auch seinen Rum aus den dänischen Überseekolonien. Nach der Annexion durch Preußen, kam der Rum dann aus Jamaica. Im Jahr 1885, Preußen, und damit auch Flensburg, war inzwischen Teil des 1871 proklamierten Deutschen Kaiserreichs, trat dann das sog. Reichsmonopolgesetz in Kraft, welches verfügte, auf ins Reich importierten Alkohol enorm hohe Importzölle zu erheben um die einheimischen Schnappsbrenner vor allzu großer Konkurrenz zu schützen. Diese hatten auf ein solches Gesetz gepocht, da ihnen der Erfolg der Flensburger Rumhäuser ein enormer Dorn im Auge war. Einige Destillerien auf Jamaica, so auch unter anderem die Hampden Distillery, reagierten darauf, indem sie den Estergehalt ihrer Rums derart hoch schraubten, dass dieser einer Art "Rum-Essenz" gleich kam. Von diesem High Ester Rum (im Folgenden werde ich auf diesen noch expliziter eingehen) mussten deutsche Rumhändler, z.B. eben in Flensburg, nur noch geringe Mengen in den heimisch hergestellten Neutralalkohol geben, um eine Spirituose mit Rumgeschmack zu erhalten. Dieser sogenannte Verschnitt war somit für die deutschen Rum-Häuser billig in der Herstellung und garantierte gleichzeitig Hampden weiteren Absatz auf dem für sie wichtigen Markt in Deutschland. Somit war der High Ester Rum, den wir Nerds heute oft so sehr lieben, eigentlich nur ein aus der Not heraus geborenes Produkt. High Ester Rum wurde allerdings nicht nur zur Herstellung des Rum Verschnitts eingesetzt, sondern kommt auch bis heute in der Kosmetikindustrie z.B. zum Einsatz.

Source: Stefan Marzoll
Hampden blieb während seiner ca. 250 jährigen Geschichte, bis zur vorläufigen Schließung im Jahr 2003, weitgehend ein Familienbetrieb. Die Gründerväter waren die Brüder Robert und James Stirling, zwei Söhne von James Stirling of Keir, die das Hampden Estate gründeten. Dies geschah laut der Chronik auf der Website von Hampden im Jahr 1753, allerdings wird in "Martha Brae's Two Histories - European Expansion And Caribbean Culture-Building In Jamaica" das Jahr 1757 angegeben. Genau kann das heute nicht mehr rekonstruiert werden. Robert emigrierte im Jahr 1742 von Schottland nach Jamaica und war dort als Kaufmann tätig. Im Jahr 1748 kaufte er Frontier Estate in St. Mary. James Stirling hingegen kam erst im Jahr 1753 nach Jamaica. Finanziert wurden Robert und James von ihrem älteren Bruder Sir Archibald Stirling. Schon im Jahr 1761 verkaufte James Stirling seine Anteile an Hampden an seinen Bruder Robert für eine Rente von 300£ und ging zurück nach Schottland. Nur drei Jahre später allerdings, im Jahr 1764, verstarb Robert, hoch verschuldet, weswegen sein Bruder James 1765 gezwungen war erneut nach Jamaica zurückzukehren, um sich, zusammen mit seinem Bruder Archibald, um die Nachlassverwaltung zu kümmern. Da James seine Zukunft allerdings weiter in Europa sah, hatte er mit den Weiterführung des operativen Geschäfts bei Hampdens nicht mehr viel zu tun. Das übernahmen Archibald, sowie zwischen 1771 und 1774 der Cousin der Stirling-Brüder, Patrick Stirling. James' Tod im Jahr 1773 machte Archibald dann zum alleinigen Besitzer Hampdens. Im Jahr 1780 wurde Hampden, nach Begleichung aller Schulden, auf einen Wert von 35.000£ und 300 Sklaven geschätzt. Letztere gehören leider auch zur Vergangenheit der Hampden Distillery und werden von der UCL London erstmals im Jahr 1809 in konkreten Zahlen erfasst, als nämlich 376 Sklaven für Hampden angegeben wurden. Diese Zahlen bleiben bis in die Mitte der 1820er Jahre vergleichbar. Ab 1825 befinden sich mit 262 Sklaven erstmals deutlich weniger Sklaven bei Hampden in Zwangsarbeit. Etwa so viele Sklaven bleiben es aber auch jährlich, bis die Sklaverei dann in den 1830er Jahren endgültig in Folge des Slavery Abolition Act abgeschafft wird. Letztmals sind für das Jahr 1832 Sklaven bei Hampden dokumentiert.
Sir Archibald Stirling starb im Jahr 1783 kinderlos und vererbte seinen Besitz an die drei Söhne seines Bruders William: John Stirling, Robert Stirling den Jüngeren und Archibald Stirling den Jüngeren. Archibald der Jüngere war es dann auch, in dessen Ägide die Abschaffung der Sklaverei in den 1830er Jahren fiel. William Stirling-Maxwell, ein Großneffe von Sir Archibald Stirling dem Älteren, verkaufte Hampden schließlich im Jahre 1852 an George McFarquhar Lawson. Dieser wiederum vererbte die Zuckerplantage an seinen Neffen Dermot Owen Kelly-Lawson, in dessen Zeit auch die Spezialisierung auf die High Ester Rums fiel und dessen Initialien der Hampden Rum mit dem höchsten Estergehalt bis heute trägt: der DOK. Dermot Owen Kelly-Lawson starb 1936 oder 1937, aber Hampden blieb bis ins Jahr 2002/2003 im Besitz der Familie McFarquhar/Kelly-Lawson.

Warehouse #1 ; Source: Stefan Marzoll
Zwischen den Jahren 2002/2003 und 2009 war es um Hampden dann still, mit Ausnahme eines Probedurchlaufs im Jahr 2007, bevor die Andrew und Outram Hussey Everglades Farm, und damit die Hampden Distillery, kauften und den Betrieb wieder aufnahmen. Die Nichte von Andrew Hussey, Christelle Harris, arbeitet heute als Director for Sales & Marketing bei Hampden. Seit 2010 lagert Hampden, erstmals in seiner bis dahin 258 Jahre andauernden Geschichte, auch selbst Rum ein und lässt ihn auf Jamaica reifen. Das hatte es zuvor nie gegeben und alle in Fässern gelagerten Hampden bis dahin wurden vollständig in kontinentalem Klima gereift. Das änderte sich von da an, und es wird seitdem auch tropisch gereifter Rum angeboten. Die erste Abfüllung unter eigenem Label war im Jahr 2011 der Rum Fire. Unterstützt wird Hampden seit 2016 außerdem auch von seinem italienischen Partner Velier und dessen Chef, Luca Gargano.

Source: Stefan Marzoll
Die lange und stolze Geschichte Hampdens darf dabei aber nicht darüber hinweg täuschen, dass den Namen Hampden Estate bis in die 2000er Jahre hinein kaum jemand je überhaupt gehört hat, vor allem was die Connaisseur-Szene betrifft. Und es war einmal mehr Deutschland, in dem ein Teil der Geschichte Hampdens einen Wendepunkt erfahren hat, bzw. ein solcher seinen Ausgang nahm. So waren es nämlich deutsche Connaisseure um Mike Meinke und Kristina Wolf, die eine Hampden Abfüllung von Cadenhead, einen 13 Jahre alten HLCF aus 1992, im Glas hatten und deren Wert und Besonderheit erkannten. So wurde dieses Bottling zunächst zu einer lokalen Berühmtheit, vor allem innerhalb der deutschen Cocktailszene, wodurch es im Jahr 2010 dann auch mich erreichte. Als ich Hampden das erste Mal im Glas hatte war ich einfach nur geflasht und gab meine Erfahrungen wiederum an andere Connaisseure weiter, ab 2012 dann auch auf diesem Blog. Da BAT seinerzeit, neben dem Lone Caner Blog von Lance, noch der einzige Blog weltweit war, der sich ernsthaft und in der Hauptsache mit solchen Rums beschäftigte, wurde die Einzigartigkeit von Hampden Rums nun auch in die Welt getragen. Schnell sprach sich das besondere Geschmacksprofil Hampdens innerhalb weniger Jahre vor allem in Europa herum, was dazu führen sollte, dass immer mehr unabhängige Abfüller, wie Samaroli, Silver Seal, The Rum Cask, Duncan Taylor oder Compagnie Des Indes und Hunter Laing Hampden Rums anboten. Sie legten, neben den Connaisseuren, einen Grundstein des heutigen Erfolges von Hampden Estate und holten diese aus dem Schatten der Anonymität, direkt hinein ins Scheinwerfer-Licht.


3. Destillation und Stil:

Hampdens High Ester Rum unterscheidet sich in einigen Produktionsschritten wesentlich von der Herstellung anderer Rums. Zwar ist das Grundprodukt auch hier die Melasse, also das sirupartig anmutende Abfallprodukt der Zuckerproduktion, aber danach lassen sich zum Teil erhebliche Unterschiede feststellen.
Der Melasse wird natürlich Wasser zugesetzt, wodurch die Maische entsteht, aber bereits hier findet sich ein wesentlicher Unterschied zu nahezu allen anderen Rums. Denn Hampden nutzt dazu nicht etwa das Wasser aus der öffentlichen Leitung, sprich, aus dem Wasserhahn, so wie das normalerweise gehandhabt wird, sondern verwendet seit jeher das Wasser aus einer ca. 4 km südlich der Destillerie gelegenen Quelle, also Quellwasser! Im Jahr 1760 wurde eigens dafür sogar ein Steindamm, der sog. Hampden-Damm, errichtet. Vor einigen Jahren gab es zwar auch bei Hampden einige Versuche mit normalem Wasser zu arbeiten, allerdings war man mit den Ergebnissen wohl nicht zufrieden, weswegen nach wie vor Quellwasser zum Einsatz kommt.

Maische bei der Fermentation; Source: Stefan Marzoll
Der so entstandenen Maische wird nun Hefe zugesetzt, um einen Gärprozess zu erzeugen: die Fermentation. Hier werden erneut entscheidende Weichen dafür gestellt, dass man später ein Destillat erhält, das so sehr anders ist als andere. Denn man setzt dabei nicht auf industrielle Hefen, sondern auf hauseigene, traditionelle wilde Hefekulturen. Bei Hampden lässt man die Maische also auf natürliche Weise gären, was, bedingt durch den erhöhten zeitlichen Aufwand dabei und die Notwendigkeit eines erheblichen Know-Hows auf diesem Gebiet, inzwischen selten geworden ist. Nur Long Pond, River Antoine und Clairin handhaben das nach Angaben von Hampden Estate ebenfalls noch so. Denn Zeit ist eben auch in der Rum-Branche nur allzu oft auch Geld und das Wissen um die Kunst eines solchen Fermentationsprozesses ist rar geworden. Denn nicht weniger als das ist es: Kunst! Und bei Hampden finden diese Faktoren glücklicherweise noch zusammen. Das aber ist noch lange nicht alles! Denn die Fermentation findet nicht einfach in irgendwelchen x-beliebigen Bottichen statt, sondern in uralten, hölzernen Vats, an deren Wänden oft jahrzehntealte Rückstände früherer Fermentationen zu finden sind. Auch dieser Umstand ist mit entscheidend bei der Aromagebung. Und last but not least wird der Maische selbst, zusätzlich zur Hefe, zu Beginn der Fermentation auch noch Dunder (Rückstände vorheriger Destillationen aus den Pot Stills) beigegeben. Auch dieser hat Einfluss auf die spätere Aromatik des Rums. Nun wird die Maische bis zu 15 Tage lang fermentiert, was bei den meisten anderen Rums in der Regel nicht länger als fünf Tage in Anspruch nimmt.

Muck Pit; Source: Stefan Marzoll
Doch nach dieser Zeit ist bei Hampden noch immer nicht Schluss! Denn nun wird der fermentierten Maische auch noch ein wenig Inhalt aus der sog. Muck Pit zugegeben, einer Grube, die dem ziemlich nahe kommt, was wir hier in Europa als Komposthaufen kennen. Die Muck Pit stammt aus den Gründungsjahren der Destillerie und wurde, soweit bekannt, noch nie geleert - dafür aber kontinuierlich gepflegt! Die bereits fermentierte Maische, samt Dreingabe aus der Muck Pit darf nun noch einmal bis zu zwei Wochen fermentieren. Somit kann die Fermentation insgesamt also bis zu einem Monat andauern, je nachdem welches Mark (s. dazu weiter unten!) produziert werden soll - zur Erinnerung: bei nahezu allen anderen Herstellern dauert sie nur bis zu fünf Tagen an!


3.1. Die Pot Stills:

Die fermentierte Maische, die zu diesem Zeitpunkt einen Alkoholgehalt von etwa 10% vol. hat, wandert nun in eine der vier aktiven Double Retort Pot Stills von Hampden und wird dort destilliert. Dies geschieht, indem die Maische auf 78,37 °C erhitzt wird, dem Siedepunkt von Alkohol. Auf diese Weise wird er vom Wasser getrennt. Da es in einer Pot Still allerdings unmöglich ist, eine einheitlich gleiche Temperatur in der gesamten Still zu erzielen, wandern (neben dem Alkohol) auch andere geschmackstragende Stoffe, wie Ester und andere Congeners, mit herüber ins Kondensat, die einen Siedepunkt knapp über oder unter dem Siedepunkt von Alkohol haben. Je nachdem wie viele dieser Stoff man im fertigen Destillat haben möchte, werden diese als Vor- und als Nachlauf bezeichneten Teile mehr oder weniger großzügig abgeschnitten. Der Mittellauf stellt dann dementsprechend das fertige Destillat dar.
Die Pot Stills können dabei, je nach Modell, zwischen 2000 Gallonen (7.560 Liter) und 5000 Gallonen (18.900 Liter) Flüssigkeit aufnehmen. Die Destillation dauert ca. sieben Stunden und am Ende steht ein klarer Rum mit ca. 82% vol. Normalerweise würde das Destillationsverfahren zweimal durchlaufen werden. Da es sich bei den Pot Stills von Hampden aber um Pot Stills mit Retorten, also Destillierkolben, handelt, reicht der einfache Durchlauf zur doppelten Destillation.

Hampden brennt mit insgesamt vier verschiedenen Double Retort Pot Stills. Diese sind:


3.1.1. John Dore Still:

Die John Dore Double Retort Pot Still ist die älteste aktive Pot Still, die bei Hampden in Betrieb ist. Sie wurde im Jahr 1960 dort installiert und hat ein Fassungsvermögen von 2.000 Gallonen. Auf Grund ihres Halses in Form eines Rüssels, wird sie auch "the elephant" genannt.

John Dore Still; Source: Hampden Estate Flyer



3.1.2. Vendome Still:

Die Vendome Still ist bereits deutlich neuer und steht "erst" seit 1994 bei Hampden. Sie hat ein Fassungsvermögen von 5.000 Gallonen  und steht auf einer überdachten Veranda. Dadurch kann man von dort aus die Zuckerrohrfelder Hampdens unmittelbar sehen. Das ist bei keiner anderen der Stills der Fall.

Vendome Still; Source: Stefan Marzoll

Vendome Still; Source: Stefan Marzoll



3.1.3. Forsyths Still: 

Die Forsyths Still kam dann erst im Jahr 2010 dazu, also nachdem Hampden durch die Familie Hussey den Betrieb wieder aufnahm. Sie hat, ebenso wie die Vendome Still, ein Fassungsvermögen von 5.000 Gallonen.

Source: Matt Pietrek/Cocktailwonk



3.1.4. TNT Still:

Die neueste Anlage bei Hampden ist die TNT Still aus Südafrika. Auch sie fasst 5.000 Gallonen. Die TNT Still nahm ihren Betrieb bei Hampden im Jahr 2016 auf.

TNT Still; Source: Hampden Estate Flyer



3.2. Marks / Estergehalt:

Hampden ist bekannt für seinen High Ester Rum. Die Ester-Range der Destillerie weist eine bemerkenswerte Spannweite auf und differenziert seine Stile ungleich präziser, als es die Klassifizierung der Jamaica Rums im Allgemeinen tut. Letztere ist den meisten regelmäßigen Lesern vermutlich bekannt, soll hier aber noch einmal kurz aufgezeigt werden:


Allgemeine Klassifizierung:

Jamaican Ester Mark: Ester (gr/hlpa)
Common Clean 80-150
Plummer 150-200
Wedderburn 200-300
Continental Flavoured 700-1600


Hampden hingegen kategorisiert seine Stile, wie eben erwähnt, sehr viel differenzierter und stellt darüber hinaus seit 2010 sogar auch Stile mit einem Estergehalt unterhalb der allgemeinen Klassifizierung her, sowie Stile im Bereich zwischen 300 und 700 gr/hlpa Ester, der in der allgemeinen Klassifizierung nicht besetzt ist. Die Destillerie-eigenen Marks von Hampden habe ich im Folgenden tabellarisch dargestellt. 


Hampden Marks:
Distillery Mark Notes Ester (gr/hlpa) Jamaican Ester Level
OWH Outram W. Hussey 40-80 Out of Range
LFCH Lawrence Francis Close Hussey 85-120 Common Clean
LROK Light Rum Owen Kelly 200-400 Wedderburn;
Out of Range
HLCF Hampden Light Continental Flavoured 500-700 Out of Range
<>H Hampden 900-1000 Continental Flavoured
HGML Hampden George MacFarquhar Lawson 1000-1100 Continental Flavoured
C<>H Continental Hampden 1300-1400 Continental Flavoured
HMM

1500-1600 Continental Flavoured
DOK Dermot Owen Kelly-Lawson 1500-1600 Continental Flavoured

Hampden nutzt seit der Wiedereröffnung insgesamt acht (neun) Destillerie-eigene Marks mit einer Esterrange von zwischen 40 und 1600 gr/hlpa Ester um seinen Rum zu definieren. Man produziert inzwischen also nicht mehr nur ausschließlich den so charakteristischen und immer beliebter werdenden High Ester Rum, sondern seit 2010 auch Rums im Low Ester Bereich (die Marks OWH und LFCH gab es zuvor nicht). Das Mark HMM wird von Hampden geführt, deckt sich aber in seiner Ester-Range komplett mit dem DOK. Inwieweit es wirklich genutzt wird, ist fraglich. Hampden stellt diese vielen verschiedenen Marks her, indem sie die Fermentationsprozesse unterschiedlich intensiv gestalten. Je länger die Fermentation andauert und je stärker man die Gärung vorantreibt, z.B. durch die Zugaben aus der Muck Pit, desto esterhaltiger wird der spätere Rum. Daher befinden sich bei Hampden auch gleich eine ganze Reihe an Vats zur Fermentation. 
Anders als bei Long Pond werden bei Hampden, soweit mir bekannt, ausschließlich Destillerieeigene Stile produziert. Das heißt, dass mir bei keinem der Marks bekannt wäre, dass es einen übernommenen, also ursprünglich von einer anderen, geschlossenen, Destillerie stammenden Stil darstellen würde. Ich werde das auch im Folgenden gleich aufzeigen, wenn sich alle Marks sicher auf Hampden oder aber auf bedeutende Persönlichkeiten in Zusammenhang mit Hampden beziehen und auf diese Weise wenig Raum für Spekulation für geschlossene Destillerien lassen werden.


OWH:

OWH (steht für Outram W. Hussey) ist kein klassischer Stil von Hampden, denn auf einer alten Tabelle von vor einigen Jahren, die Hampden auf seiner Website veröffentlicht, inzwischen aber wieder gelöscht hat, fehlte dieser Stil noch komplett. Daher ist dieser Stil auch der neueste der Destillerie. Oben stehende Tabelle ist die alte, die ich noch von der früheren Version der Hampden Website habe, ergänzt um die Informationen, die ich aus einer Info-Broschüre von Hampden gewinnen konnte. Spannend ist hier vor allem, dass der Stil OWH mit einem Estergehalt von 40 bis 80 gr/hlpa außerhalb der allgemeinen Klassifizierung des Estergehalts von Jamaica Rums liegt, nämlich noch unterhalb des Bereichs, der Common Clean Rums definiert. In Flaschen abgefüllt hat es diesen Stil meines Wissens nach noch niemals gegeben.


LFCH:

LFCH sind die Initialien von Lawrence Francis Close Hussey und auch dieses Mark entstand erst in der Zeit ab 2009. LFCH liegt mit einem Estergehalt von 85 bis 120 gr/hlpa nach der Klassifizierung für Jamaica Rums im Bereich Common Clean. Der Stil wurde bisher, so weit ich weiß, nur von Velier in seiner Serie "Habiation Velier" im Jahr 2018 releast und war damit vermutlich der erste seiner Art, der dem Connaisseur zugänglich gemacht wurde. Interessant ist hierbei, dass der besagte Rum gleichzeitig aber einen ausgewiesenen Estergehalt von 200 gr/hlpa hat, was ihn theoretisch zu einem LROK machen würde. Diese Diskrepanz hängt damit zusammen, dass sich der ursprüngliche Estergehalt während der Reifung im Fass erhöhen kann. Dies ist hier geschehen und entscheidend bei der Angabe des Estergehalts ist der Messwert nach der Destillation, also noch vor der Reifung. Wer zu diesem Thema noch mehr erfahren möchte, dem lege ich nahe, sich einmal dieses Artikels anzunehmen.


LROK:

Ganz allgemein wesentlich besser bekannt ist das Mark LROK (Light Rum Owen Kelly), welches vor allem Hampden-Einsteiger schon begleitet haben dürfte. LROK deckt sich zur Hälfte mit dem Wedderburn Stil Jamaicas, geht aber noch über diesen hinaus bis in einen Bereich, der für Jamaica Rum gemein hin nicht definiert ist. Dies bedeutet gleichzeitig auch, dass Hampden ganz offiziell keinen Plummer (150 bis 200 gr/hlpa) im Portfolio führt, da der Stil LFCH noch unter diesem rangiert, der Stil LROK hingegen schon darüber liegt.
LROK dürfte das Hampden-Mark mit dem bislang höchsten Output an Fässern, bzw. Abfüllungen bei unabhängigen Abfüllern sein. Stocks aus der Zeit vor der Schließung im Jahr 2003 gab es bei unabhängigen Abfüllern aus den Jahrgängen 2000 und 2002, wobei der überwältigend größte Anteil dabei auf den Jahrgang 2000 entfällt, aus dem wirklich viel unabhängig abgefüllt wurde. Erstmals erschien hier meines Wissens nach im Jahr 2008 ein Cadenhead in Fassstärke mit damals gerade einmal acht Jahren kontinentaler Reife. Anschließend sollten noch viele weitere folgen und das von fast allen Abfüllern. Bei der Main Rum Company, dem großen Broker aus Liverpool, von dem viele unabhängigen Abfüller ihre Fässer haben dürften, wird das Mark mit JMLR angegeben, welches für Jamaica Main LROK steht. Aus der Zeit nach der Wiedereröffnung 2009 gibt es, Stand August 2019, einen LROK von Habiatation Velier aus 2010 und einen ungelagerten LROK aus 2018.


HLCF:

Das Mark HLCF (steht für Hampden Light Continental Flavored) ist gleichermaßen ein sehr bekanntes Mark aus Hampden, welches ebenfalls schon häufig von unabhängigen Abfüllern auf die Flasche gebracht wurde. Es bezeichnet Hampden Rums mit einem Estergehalt zwischen 500 und 700 gr/hlpa. Damit liegt das Mark in einem Bereich, der von der allgemeinen Jamaica-Ester-Range nicht erfasst wird. Der erste jemals von einem unabhängigen Abfüller releaste Hampden ist, zumindest ist mir kein früheres Bottling bekannt, ein HLCF gewesen. Im Jahr 2002/2003 nämlich brachte Cadenhead eine 10 jährige Abfüllung des Jahrgangs 1992 mit diesem Mark. 2006 folgte eine 13 jährige Abfüllung in Fassstärke, welche auch gleichzeitig die erste ihrer Art war und auch die erste, die eine größere Zahl an Rum Connaisseuren grundlegend begeistert hat. Dieser Erfolg bildete letztlich die Grundlage für den Hype, der dann viele Jahre später um Hampden entstand und der bis heute nicht nur anhält, sondern noch stetig weiter wächst, nicht zuletzt auch durch das Engagement von Velier.
HLCF gab es in der Zeit vor der Schließung sicher aus den Jahrgängen 1992 und 1998, wobei 1992 dabei der deutlich ergiebigere Jahrgang war. Rums mit einer Lagerzeit von 13 bis 27 Jahren kontinentaler Reife wurden im Laufe der letzten Jahre abgefüllt. Auch hier wurde von der Main Rum Company teilweise ein anderes Mark verwendet, nämlich JMH, welches entweder für Jamaica Main Hampden oder Jamaica Main HLCF steht. Dieses Mark ist aber nicht klar zuzuordnen, da es auch auf Abfüllungen von anderen Hampden Marks auftaucht. Aus der Zeit nach der Schließung, also ab 2009, sind HLCF aus 2010 bekannt, allerdings können natürlich noch weitere Jahrgänge bei Hampden lagern.


<>H:

Mit dem Mark <>H oder vereinzelt auch <H> (Hampden; sprich: Diamond H) kennzeichnet Hampden seinen Rum, wenn er nach der Destillation einen Estergehalt von zwischen 900 und 1000 gr/hlpa aufweist. Damit zählt er nach der Jamaica-Klassifizierung zu den Continental Flavoured Rums. Aus der Zeit vor der Schließung von Hampden im Jahr 2003 gibt es keinen Rum, für den dieses Mark absolut hinreichend gesichert ist. Es gab aber wiederholt Hinweise, wonach sich dieses Mark auf dem Fass des Samaroli Hampden 1993 Full Proof befunden haben soll. Dies wurde öffentlich nie bestätigt, allerdings deckt es sich komplett mit meinem sensorischen Empfinden. Das gleiche gilt für die Jahrgänge 1998 und 2001, welche ebenfalls gänzlich oder teilweise dem Stil <>H zugeschrieben werden. Für beide Jahrgänge wurde gleichsam das Main-Mark JMH verwendet, welches hier dementsprechend neuerlich für Jamaica Main Hampden stehen könnte, aber auch für Jamaica Main <>H. Beiden Jahrgängen gemein ist, dass sie einen spürbar höheren Estergehalt haben als Rums, die sicher dem Mark HLCF zugeschrieben werden können. Aus der Zeit nach der Wiedereröffnung Hampdens ist ein <>H aus 2010 bekannt, den Velier im Rahmen der Khong-Serie abgefüllt hat, sowie ein ungelagerter <>H aus 2018.


HGML:

HGML steht für Hampden George MacFarquhar Lawson und war lange ein absolutes Mysterium, denn es war bis vor kurzer Zeit keine Abfüllung bekannt, welche dieses Mark trug oder auch nur getragen haben könnte. Daher galt der Stil eigentlich als einer, der niemals das Warehouse eines Brokers von innen gesehen hat. Inzwischen ist aber gesichert, dass der Jahrgang 1983 diesem Mark entspricht, aus welchem die bisher nach wie vor einzigen mir bekannten Hampden stammen, die länger als 30 Jahre im Fass lagen. Gleichzeitig ist 1983 auch der älteste mir bekannte Hampden Jahrgang, aus dem Einzelfässer existieren. Mit dem Mark HGML bezeichnet Hampden seine Rums, die nach der Destillation einen Estergehalt von 1000 bis 1100 gr/hlpa aufweisen. Damit zählt auch er zu den Continental Flavoured Rums von Hampden. Neben inzwischen fünf Bottlings aus 1983 ist mir kein weiterer Jahrgang bekannt, aus dem es aus der Zeit vor der Schließung HGML gegeben hat.
Aus der Zeit nach der Wiedereröffnung gibt es von Velier einen tropisch gereiften HGML aus dem Jahr 2010. Dieser Jahrgang ist laut Luca Gargano seither der einzige, in dem HGML gebrannt wurde.


C<>H:

Als C<>H (Continental Hampden; sprich: C Diamond H) bezeichnet Hampden seine Rums, die nach der Destillationen einen Estergehalt von 1300 bis 1400 gr/hlpa aufweisen. Sie zählen damit ebenfalls zum Continental Flavoured Rum (nach allgemeiner Jamaica Rum-Klassifizierung). Von 2007, als Berry Bros. & Rudd erstmals eine C<>H-Abfüllung (aus dem Jahr 1990) releasten, bis 2017, als mit Kintra aus den Niederlanden der erste unabhängige Abfüller einen DOK bottlete, war C<>H das nach dem Estergehalt höchste Mark Hampdens, welches von unabhängigen Abfüllern angeboten wurde, wobei erst im Jahr 2017 endgültig Klarheit darüber erlangt werden konnte, dass es sich bei dem 1990er Batch auch tatsächlich um Rum des Marks C<>H handelt. Auf dem Fass, welches The Rum Cask abgefüllt haben, befand sich das Mark JMC, welches von Main Rum verwendet wurde und für Jamaica Main C<>H steht. Aus der Zeit vor der Schließung Hampdens in 2003 ist das 1990er Batch das einzige mir bekannte C<>H-Batch. Leider schafften es aus diesem nur sehr wenige Fässer nach Europa, weswegen es auch nur einige wenige Abfüllungen davon gibt. Im Jahr 2007, also während Hampden eigentlich geschlossen war, hat es dort Probe-Durchläufe durch National Rums of Jamaica gegeben. Dabei entstand auch ein Batch, welches Europa erreichte und welches vermutlich ebenfalls das Mark C<>H trägt. Aus der Zeit nach der Wiedereröffnung Hampdens ist mir hingegen bisher leider noch kein Jahrgang mit diesem Mark bekannt, welches ich als mein insgesamt liebstes bezeichnen würde.


DOK:

Der Stil mit dem höchsten Estergehalt überhaupt bei Hampden wird mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson) bezeichnet. Er weist nach der Destillation einen Estergehalt von 1500 bis 1600 gr/hlpa auf und ist laut allgemeiner Jamaica-Klassifizierung ein Continental Flavoured Rum. Von der Main Rum Company wird auch das Mark JMK verwendet, welches für Jamaica Main DOK steht. DOK galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie, aber auch, wegen des enorm hohen Estergehalts, als möglicherweise ungenießbar. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann.
Aus der Zeit vor der Schließung Hampdens im Jahr 2003 ist mir kein einziges DOK-Bottling bekannt. Abgefüllt und auf den Markt gebracht wurde ein Hampden DOK meines Wissens nach erstmals im Herbst 2017 durch den niederländischen unabhängigen Abfüller Kintra. Die Angabe, dass es sich um einen DOK handelt befand sich allerdings nicht auf dem Label. Dies passierte erstmals im Frühjahr 2018, als deutsche Rumblogs (darunter auch BAT) in Zusammenarbeit mit dem Abfüller The Rum Cask unter dem Namen Letter of Marque einen solchen Rum der Öffentlichkeit zugänglich machten. Der Estergehalt dieser Rums ist zwar tatsächlich sehr hoch, aber ungenießbar sind die Rums dennoch ganz sicher nicht. Im Gegenteil.



4. Bekannte Jahrgänge:

Aus Hampden wurden Rums zahlreicher Jahrgänge unabhängig abgefüllt. Hier eine Übersicht über alle mir bisher bekannten Jahrgänge, aus denen es sicher Rums aus Hampden gibt oder gegeben hat:

Hampden Vintage
Hampden Mark
Jamaican Ester Level
1983
HGML
Continental Flavoured
1990
C<>H
Continental Flavoured
1992
HLCF
Out of Range
1993
<>H
Continental Flavoured
1998
HLCF;
<>H
Out of Range;
Continental Flavoured
1999
?
?
2000
LROK
Wedderburn
2002
LROK
Wedderburn
2007*
C<>H 
Continental Flavoured
2009
DOK
Continental Flavoured
2010
LROK;
HLCF;
<>H
HGML
Wedderburn; 
Out of Range; 
Continental Flavoured
Continental Flavoured
2011
LFCH
Common Clean
2012
?
Common Clean?
2018
LROK;
<>H
Wedderburn; 
Continental Flavoured


* angeblich kam es während der Zeit der Schließung von Hampden (2003 - 2009) zu einer Art Probe-Destillation in der Destillerie, weswegen u.a. von Hunter Laing/Kill Devil mehrere Abfüllungen aus 2007 existieren, die diesen Vorgängen entstammen sollen.



5. Rums aus Hampden, die ich u.a. schon im Glas hatte:

Ich hatte, seit ich im Jahr 2010 meine ersten Erfahrungen mit Hampden gemacht habe, schon viele Rums dieser wunderbaren Destillerie im Glas. Die, an die ich mich noch erinnere, habe ich euch im Folgenden einmal zusammengefasst, vielfach mit Links zu entsprechenden Reviews von mir:


- 1423 World Class Sprits S.B.S. Jamaica Rum Hampden 16 YO (2000 - 2016), 58,9% vol.
- Alambic Classique Hampden Estate 16 YO (1998 - 2014), 45% vol.
- Blackadder Jamaica 17 YO Hampden Estate 1990, 46% vol.
- Blackadder Jamaica Rum Hampden 16 YO (2000 - 2016), 56,1% vol.
- Bristol Spirits/Corman Collins Jamaica Hampden 16 YO (2001 - 2017), 60,4% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 10 YO (Hampden HLCF 1992), 46% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 10 YO (Hampden JMLR 2000), 46% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 12 YO (Hampden HLCF 1992), 46% vol.
- Caribbean Reserve Jamaica Hampden Estate 1992, 46% vol.
- Cave Guildive Jamaica Hampden 23 YO (1993 - 2016), 61% vol.
- Compagnie Des Indes Jamaica Hampden 24 YO (1992 - 2016), 59,8% vol.
- Duncan Taylor Jamaica Hampden Estate 13 YO (2000 - 2014), 52,7% vol.
- Genuine Single Cask Rum Jamaica Hampden Estate 17 YO (1992 - 2009), 43% vol.
- Habitation Velier Hampden 2010 Jamaica HLCF/LROK 6 YO (2010 - 2016), 60% vol.
- Habitation Velier Hampden 2010 Jamaica LROK 6 YO (2010 - 2016), 67% vol.
- Habitation Velier Hampden 2011 Jamaica LFCH 7 YO (2011 - 2018), 60,5% vol.
- Hampden Estate Gold Rum, 40% vol.
- Hampden Estate Rum Fire Velvet White Overproof Rum, 63% vol.
- Kill Devil Jamaica Hampden 16 YO (2001 - 2018), 60,7% vol.
- Kill Devil Jamaica Hampden 24 YO (1992 - 2016), 62%vol.
- Kintra Jamaica Hampden 8 YO (2009 - 2017), 56,5% vol.
- Mabaruma Jamaica Hampden 13 YO (2000 - 2013), 46% vol.
- Mezan Jamaica Hampden Estate 10 YO (2000 - 2010), 40% vol.
- Mezan Jamaica XO Hampden & Monymusk, 40% vol.
- Murray McDavid Jamaica Hampden 13 YO (1992 - 2006), Port Finish, 46% vol.
- Navy Island Jamaica Rum Hampden 10 YO (2007 - 2018), 51,2% vol.
- Rolf Kaspar Single Cask Jamaica Hampden 12 YO (2000 - 2013), 62% vol.
- RA Jamaica Rum Hampden 35 YO (1983 - 2019), 58,9% vol.
- RA Lime Keys Heavy Bodied Jamaica Hampden, Long Pond & Monymusk, 43% vol.
- Rum Club C<>H Jamaica Hampden 26 YO (1990 - 2017), 60,4% vol.
- Rum Nation Jamaica S.B.R.R. Hampden 24 YO (1992 - 2016), 61,6% vol.
- Rum Nation Supreme Lord VII Jamaica Rum 23 YO (1990 - 2013), 45% vol.
- Samaroli Jamaica Hampden 22 YO (1993 - 2015), 45% vol.
- Samaroli Jamaica Hampden 24 YO (1992 - 2016), 54% vol.
- Samaroli Jamaica Hampden 25 YO (1992 - 2017), 52% vol.
- Sansibar Jamaica Rum Hampden 17 YO (2000 - 2017), 47,4% vol.
- Silver Seal Jamaica Hampden 20 YO (1993 - 2013), 50% vol.
- Silver Seale Jamaica Hampden 22 YO (1993 - 2015), 50% vol.
- Smith & Cross Jamaica Rum, 57% vol.
- Stolen Overproof Jamaica Rum Hampden 6 YO, 61,5% vol.
- The Rum Cask Jamaica Hampden 16 YO (2000 - 2016), 52,5% vol.
- The Rum Cask Jamaica Hampden 17 YO (2000 - 2017), 55,2% vol.
- Transcontinental Rum Line Jamaica Hampden 6 YO (2012 - 2018), 57,3% vol.
- Transcontinental Rum Line Jamaica Hampden 16 YO (2000 - 2016), 54,9% vol.
- Vom Fass Jamaica Hampden Estate 19 YO (1992 - 2010), 40% vol.
- Vom Fass Jamaica Hampden Estate 19 YO (1992 - 2010), 45% vol.


Meine Top 5 Rums aus Hampden:



Pfau auf der Veranda; Source: Stefan Marzoll


John Dore & TNT Still: Hampden Estate Flyer

Sonntag, 18. August 2019

J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum

(an English part is below, just skip the German part)


Liebe Rum Gemeinde,

normalerweise lest ihr an dieser Stelle eine kurze Einleitung zum vorgestellten Rum. Doch was ist noch normal, wenn der Rum um den es geht, der J. Wray & Nephew 17 YO ist?! Genau, DER J. Wray & Nephew 17 YO, den Trader Vic seinerzeit für seinen Mai Tai verwendete... 



Was wurde nicht schon alles geschrieben über den J. Wray & Nephew 17 YO, auch bereits hier, auf diesem Blog - Mutmaßungen speisten über Jahrzehnte einen Mythos. Was war das für ein Rum? Wie schmeckte er, was für eine Charakteristik besaß er? Diese Fragen stellten sich, insbesondere im Zusammenhang mit dem Mai Tai, für dessen ursprüngliche Charakteristik die Beantwortung dieser Fragen sehr entscheidend war, viele Fans des Tiki Klassikers auf dem gesamten Erdball. Lange glaubte man, dass dieses Geheimnis für immer ein solches bleiben würde. Doch im neuen Jahrtausend und um das Jahr 2010 herum wurde es dann doch noch konkreter, nachdem man bei Appleton einige wenige vergessene Flaschen dieses Rums gefunden haben möchte. Camper English schrieb damals für die Print-Ausgabe des Mixology Magazins (später wurde er auch in vier Teilen online veröffentlicht) einen umfassenden Artikel zum Mai Tai, der letztlich auch Gedanken zum J. Wray & Nephew 17 YO enthielt, die wiederum auf diesen ominösen Flaschen von Appleton basierten. Die damaligen Hypothesen gingen von einem pechschwarzen Jamaica Rum mit sagenhaften 77,2% vol. aus, der einen hohen Estergehalt besaß. So schrieb Camper English:
"Der Wray & Nephew Rum wurde ausschließlich im Pot Still Verfahren hergestellt und hatte einen Alkoholgehalt von 77,2 %. [...] Wir können davon ausgehen, dass der im Pot Still Verfahren hergestellte Rum mehr Körper und Gaumenkitzel besitzt, dass sich in seinem Aroma eine Menge scharfer Ester bemerkbar macht, was jedoch durch die lange Fasslagerung ausgeglichen wird."

(1) Bildquelle: BBC UK

Auf den Eindrücken des Rums aus dieser Flasche basierten damals die Einschätzungen aller in diesem Artikel zu Wort kommenden Personen! Da wären Sean Muldoon, der Bar-Manager des Merchant Hotels in Belfast, der dort eine Flasche dieses Rums stehen hatte und zu einem Preis von 750,- Euro Mai Tais damit ausschenkte. Des Weiteren die Autoren Gary Regan und Martin Cate, Autor und Besitzer der Tiki-Bar Smuggler’s Cove in San Francisco. Sie alle gingen davon aus, dass es sich bei diesem Rum um das Original handelte und ihre Ideen zur möglichst authentischen Substitution des J. Wray & Nephew 17 YO orientierten sich daran.

*EDIT*:

Ian Burell wusste zu berichten, dass diese Flaschen aus einer Inventur im Jahr 1998 stammen, die Joy Spence vorgenommen hat, nachdem sie Masterblenderin bei J. Wray & Nephew wurde. Sie wurden damals eigens für Trader Vic auf dessen Wunsch hin und nur für ihn produziert. Ich gehe davon aus, dass dies aber erst zu einem späteren Zeitpunkt passierte, als der Mai Tai bereits ein Erfolg war und auch Trader Vic große Bekanntheit erlangte.


Auch in einem Bericht zum UK-Rumfest 2008 von Tatu Kaarlas war klar von einem Overproof Rum die Rede, der dort präsentiert wurde, und auch ein entsprechendes, eindeutiges Bild dazu ist zu sehen:

(2) Bildquelle: Refined Vices


In einem deutschen Cocktailforum berichtete wiederum ein Mitglied im Jahr 2007 aus einem Gespräch mit Angus Winchester ähnliches:
"Cocktailmexican und ich sprachen mit Angus Winchester, der einmal eine Flasche Wray and Nephew 17 Years Old Rum (der Original-Rum für den Mai Tai) besaß, seine Beschreibung des W&N kam arg in die Richtung Hampden Estate."

Innerhalb der Rum Szene stellte man sich den J. Wray & Nephew 17 YO daher jahrelang unstrittig als einen Rum vor, der wohl jenen Rums sehr nahe käme, die wir heute aus Hampden kennen, als ein richtiges Rum-Monster also!

(3) Bildquelle: Cincinnati Cocktails
Mit dieser Vorstellung stieg auch ich damals, im Jahr 2010, in die Thematik ein und nahm das erst einmal ganz unkritisch auf. Allerdings beschäftigte ich mich schnell ziemlich intensiv mit diesem, meinem Lieblingsdrink und im Laufe der Zeit begann ich diese These deutlich in Frage zu stellen. Warum? Es traten einfach zu viele Ungereimtheiten auf! So beschrieb Trader Vic einen goldfarbenen Rum, keinen der fast pechschwarz war. Auch konnte ich mir nicht vorstellen, dass das Bar-Publikum der 1940er Jahre positiv auf einen Mai Tai mit einem 77,2% vol. Rum reagiert hätte. Jeder, der mal versucht hat seine "untrainierten" Freunde mit einem Hampden-Cask Strength Mai Tai zu beglücken, wird mir da im Allgemeinen zustimmen. Und schließlich fand ich bei Jeff "Beachbum" Berry noch ein Bild (s. rechts, der ursprüngliche Link von damals existiert heute aber nicht mehr), welches eine Flasche des J. Wray & Nephew 15 YO zeigte, Vic's Ersatz-Rum im Mai Tai, nachdem die Vorräte an seinem 17 jährigen Bruder erschöpft waren. Auf dieser Flasche war zu sehen, dass der Rum einen Alkoholgehalt von unter 50% vol. hatte, da eine zweistellige Zahl bei der Angabe des amerikanischen Proofs zu erkennen war. Jeff Berry bestätigte mir via Mail damals dann auch einen Alkoholgehalt von 43% vol. für den J. Wray & Nephew 15 YO. Ein Rum mit nur 43% vol. soll also damals einen Rum mit 77,2% vol. in einem Drink 1:1 ersetzt haben? Das wäre ein nur beinahe halb so hoher Alkoholgehalt! Ich habe das alles schließlich nicht mehr geglaubt, meine Zweifel damals in diesem Essay zusammengefasst und ging beim J. Wray & Nephew 17 YO von da an von einem Rum mit einem vergleichbaren Alkoholgehalt (+/- 45% vol.) aus, was wiederum hieß: die Flaschen, die damals kursierten, u.a. die im Merchant Hotel in Belfast, hätten nicht das Original enthalten. Einzig: hinreichend beweisen konnte ich das leider nie - bis jetzt! 

Das Original: J. Wray & Nephew 17 YO
Denn im Zuge des weltweiten Siegeszugs des Rums während der letzten Jahre stellte sich heraus, dass damals doch nicht alle Flaschen restlos von Trader Vic im Mai Tai vermixt wurden. Es befinden sich auch heute noch einige von ihnen im Privatbesitz und einige wenige davon sogar geöffnet. Es gelang mir, eine solche Flasche zu lokalisieren und letzten Endes auch ein Foto, sowie ein Sample davon zu erhalten. Zu meinem Bedauern, denn gerne hätte ich die Namen hier ehrenvoll erwähnt, wurde ich gebeten, die Quelle nicht preis zu geben, auch um weitere Anfragen diesbezüglich zu vermeiden. Ich denke aber, das ist nur allzu verständlich. Nichts desto weniger dürfen sich beide beteiligten Personen meines riesigen Danks versichert sein und ich hoffe, dass ich mich dafür eines Tages mal revanchieren kann.
Zum Rum selbst können zwei Dinge also bereits estgestellt werden. Zum einen hat diese originale Flasche J. Wray & Nephew 17 YO natürlich ein anderes, zeitgenössisches Label und vor allen Dingen ist aber erwiesen, dass es sich dabei definitiv um eine Abfüllung mit 43% vol. und somit um alles andere als einen Overproof Rum handelt. Das heißt, dass die vor einigen Jahren bei Appleton gefundenen Flaschen zwar möglicherweise sehr alten J. Wray & Nephew Rum enthielten, vielleicht sogar einen der 17 Jahre gereift, aber unverdünnt war, aber auch, dass es sich dabei auf keinen Fall um den Rum gehandelt hat, zu dem Trader Vic 1944 in seiner Bar in Oakland gegriffen und den Drink kreiert haben möchte, den heute die ganze Welt kennt: den Mai Tai. Das ist nun, endlich, Fakt!

Parallel dazu fotografierte Stefan Marzoll vom Kirsch Whisky Team während seines Aufenthalts auf Jamaica im Juni 2019, als er u.a. auch Appleton besuchte, ebenfalls eine Flasche J. Wray & Nephew 17 YO, die sich optisch nahezu komplett mit jener Flasche deckt, aus der das heute verkostete Sample stammt:

(4) Bildquelle: Stefan Marzoll/facebook


Was wissen wir noch?

Nun, ich sprach mit Matt Pietrek über den J. Wray & Nephew 17 YO und er lenkte meinen Fokus noch einmal auf die Entstehungszeit. Denn der Wray & Nephew 17 YO den Vic im Jahr 1944 nutzte, muss ja bereits 1927 in die Fässer gekommen sein. Das bedeutet zum einen, dass der Rum damals auf jeden Fall ein Pure Pot Still Rum gewesen sein muss, denn im Jahr 1927 gab es noch keine Column Still auf Jamaica. Und zweitens heißt das aber auch, dass sich die Frage nach den damals verwendeten Fässern in besonderer Weise stellt. Denn während wir heute ganz selbstverständlich von Ex-Bourbon Fässern zur Lagerung ausgehen, war das damals keinesfalls ein Automatismus. Dafür gab es gleich zwei Gründe. Erstens war Jamaica damals noch britische Kolonie und stand dem Vereinigten Königreich somit sehr viel näher als den Vereinigten Staaten von Amerika. Und zweitens befanden wir uns 1927 noch mitten in der Zeit der Prohibition, was wiederum bedeutete, dass von frischen Ex-Bourbon Fässern nicht ausgegangen werden kann. Welche Fässer hingegen letztlich zum Einsatz kamen, wissen wir heute leider nicht mehr.

Nun aber will ich natürlich endlich wissen wie er denn schmeckt, der J. Wray & Nephew 17 YO. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gespannt ich darauf bin! Ich hatte nie zu träumen gewagt, diesen Rum wirklich einmal probieren zu können und nun wird das tatsächlich Realität. Ein echter Traum wird wahr! 



.
Verkostung des J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum:

Preis: unbezahlbar.

Alter: der Rum reifte seinerzeit 17 Jahre im Fass. Da es sich um eine Standardabfüllung gehandelt hat, gibt es weder einen angegebenen Jahrgang noch ist bekannt, wann genau der Rum abgefüllt wurde.

Lagerung: die Reifung fand komplett auf Jamaica in tropischem Klima statt.

Fassnummern: unbekannt

Angel's Share: unbekannt. Ich gehe aber davon aus, dass er sehr hoch gewesen ist. Noch heute verdunstet bei karibischer Reifung weit mehr als die Hälfte des Rums in 17 Jahren und die Bedingungen werden sich in den letzten Jahrzehnten eher verbessert als verschlechtert haben. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit 43% vol. daher - verdünnte Trinkstärke!

Destillationsverfahren: gebrannt wurde der Rum damals noch in Pot Stills. 

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles Mahagoni. 

Viskosität: fette, satte, weite und regelmäßige Schlieren laufen eher zügig an der Glaswand herab. 

Nase: Wow, der gefällt mir sehr! Der J. Wray & Nephew 17 YO gibt sich ganz anders als heutige Jamaicaner und vor allem auch ganz anders als heutige Appletons! Das ist nicht zu vergleichen! Zwar meine ich doch auch eine entfernte Verwandtschaft zu erkennen, aber die Unterschiede sind gewaltig! Der Rum hat einen wunderbar schweren Grundcharakter, kommt dabei aber dennoch auch irgendwie frisch, vital und fruchtig daher, ohne dabei aber brachial zu sein. Er hat eine Menge vom Holz abbekommen, die 17 Jahre in den Tropen schlagen auf jeden Fall durch, aber verholzt wiederum ist dabei gar nichts. Alkoholische Schärfe weist der Rum ebenfalls nicht auf, allerdings hätte ich auf einen Rum mit eher mehr als nur 43% vol. getippt, da er einfach sehr, sehr intensiv daher kommt. Nichts desto trotz fehlt mir aber etwas die Tiefe, da macht sich der geringe Alkoholgehalt dann eben doch bemerkbar. Da bin ich gleich auf den ersten Schluck gespannt! Das Bouquet gibt sich komplex und reichhaltig. Ich habe eine schöne, kräftige, fruchtige und natürliche Süße, ein ganzes Regal verschiedener Gewürze, von denen Nelke wohl am dominantesten ist, poliertes Holz, reichlich Tannine, Studentenfutter, Rosinen, Trauben, karamellisierten Zucker, überreife Früchte und, ganz peripher, auch gesalzene Cashewkerne. Zu Beginn empfand ich ihn, trotz der Unterschiede zu heutigen Rums, noch als sehr eindeutig Jamaica. Tatsächlich bin ich inzwischen aber unsicher, ob ich mich da in einem Blindtasting jetzt noch festlegen würde, je länger ich an ihm rieche, denn ich habe da auch ganz viel Assoziationen zu z. B. Melasse-basierten Guadeloupe Rhums, vor allem zu Gardel! Natürlich möchte man bei solch einer Rarität jede noch so winzig kleine Komponente des Tropfens aufnehmen und nach Möglichkeit auch verarbeiten, nur hier herrscht auch immer wieder noch akute Reizüberflutung. 

Gaumen: am Gaumen enttäuscht der Rum. Hier macht sich wohl ungleich mehr als in der Nase  bemerkbar, dass der Rum schon ein wenig stärker oxidiert ist. So lässt sich nur noch erahnen, was das mal für eine Granate gewesen sein dürfte, die die Nase noch ankündigte. Der Alkohol macht sich gar nicht bemerkbar, bzw. dahingehend, dass der Rum eben eindeutig dünner daher kommt als das bei einem Brett in Fassstärke der Fall ist. Logisch. Möglicherweise hat er auch schon ein bisschen von seinem ursprünglichen Alkoholgehalt eingebüßt. Ich würde ihn nicht verwässert nennen, aber der Körper wirkt insgesamt einfach wie in sich zusammengefallen. Das gleiche trifft im Grund dann auch für das Bouquet zu. Da sind schon noch die Hinweise darauf, wie der wohl mal geschmeckt haben wird, Parallelen zu heutigen Appleton oder auch Long Pond sind einige da, etwas Haselnuss finde ich noch, ein wenig Tannine vom Holz, aber eine echte Geschmacksbeschreibung macht wohl leider keinen Sinn mehr. Zu viel Ursprünglichkeit ging hier eindeutig verloren.

Abgang: im Abgang habe ich noch so ein wenig was nussiges, trockenes, leicht holziges, aber viel bleibt da nicht mehr. Nach hinten heraus etwas Bitterschokolade und frisch geschnittenes Geäst. Insgesamt an Long Pond erinnernd. Der Rum bleibt dann schon auch noch ne Weile am Gaumen, aber auch hier muss der Tropfen seinem Alter und der Oxidation Tribut zollen. 

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Fazit: mehr als nur ein Stück flüssige Geschichte! Wenn es einen Rum gibt, den man als Fan von Jamaica Rums und Mai Tais einmal im Glas gehabt haben möchte, dann ist es definitiv dieser hier! Etwas vergleichbares gibt es meines Wissens nach bei keiner anderen Rum-Kategorie. Es gibt weder den einen Caroni, den einen ganz bestimmten Agricole oder den einen historischen Demerara. Da gibt es immer überall mehrere und ganz sicher viele, die man mal probiert haben sollte, aber ein einziger Rum, der komplett für sich als Mythos lebt, von kaum jemandem wirklich probiert? Nein. Aber bei Jamaica gibt es das. Es gibt DEN einen Jamaicaner, und das ist dieser! Und ich bin überglücklich, in die Gelegenheit gekommen zu sein ihn zu probieren, denn das hat man schlicht und ergreifend nicht in der eigenen Hand. Es bedarf hier einer gehörigen Zuneigung der Göttin des Schicksals, der Fortuna, die mir zu meinem großen Glück wohlgesonnen war. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal den beiden Menschen danken, die mir das möglich gemacht haben. Tausend Dank!

Was den Rum selbst anbelangt, so kann man wohl definitiv festhalten dass man ihm sein hohes Alter deutlich anmerkt, wobei sich das jetzt nicht auf die reinen Jahre der Reifung im Fass bezieht. Gerade in der Nase, finde ich, wird das sehr deutlich, so riechen heutige Rums nicht mehr. Wenn heute ein Jamaica Rum so fruchtig ist, dann geht das eigentlich immer auch mit brachialer Esterpower einher und das ist hier gar nicht der Fall. Und am Gaumen zeigt sich final eben die Instabilität, die mit so alten Tropfen nach all den Jahren, und gerade wenn die Flasche auch schon etwas oxidiert ist, einhergeht. Eine wirkliche inhaltliche Bewertung vorzunehmen ist mir daher unmöglich, da meine Eindrücke am Gaumen keine Aussagekraft haben, im Hinblick auf das, was da tatsächlich mal in der Flasche steckte, als es noch schmeckte, wie es schmecken sollte. Das klingt zwar erst einmal sehr ernüchternd, ist es aber nur zum Teil. Denn die Nase hat noch ganz prima mitgespielt und meines Erachtens sehr wohl durchblicken lassen, in welche Richtung der Rum normalerweise geht, bzw. einmal gegangen ist, das heißt, ich habe nun eine sehr konkrete Vorstellung davon, über was für einen Rum wir jetzt sprechen. Einziges, aber doch entscheidendes, Problem: trotz meiner Hoffnung, der Rum würde bei mir klare Assoziationen zu etwas an Rum auslösen das ich kenne, muss ich doch einsehen, dass wir hier wirklich über einen verlorenen Rum-Stil sprechen, den es so einfach nicht mehr gibt. Da waren die Erinnerungen an z.B. Gardel, ja, aber nachdem ich da ein wenig herumexperimentiert habe, u.a. Appleton 12 mit Gardel, ein wenig TECA und etwas Hampden Estate 46% vol. zusammen schüttete war klar, dass das eben auch nur der Teil eines ganzen ist. Insbesondere diese Fruchtigkeit in einen Blend zu bringen, ohne dabei aber die Ester zu overpowern erscheint mir geradezu aussichtslos. Schade, denn ich hatte sehr gehofft, dass vielleicht eine Chance besteht zwar keinen authentischen J. Wray & Nephew 17 YO "nachzubauen", das ist unmöglich, aber möglicherweise eben doch zumindest etwas, was dem Rum von damals möglichst nahe kommt. Denn das ist ja durchaus auch für den Mai Tai nicht uninteressant. Apropos Mai Tai: die Annahme, dass der Rhum, den Vic nach Versiegen der J. Wray & Nephew 15 YO und 17 YO dem nun verwendeten Jamaicaner an die Seite stellte kein Rhum Agricole war, sondern ein Traditionell, bekommt hier und heute ganz neue Nahrung! Denn die Assoziationen zu Melasse Rhum aus Guadeloupe war durchaus da und wer weiß, vielleicht schaffte es Trader Vic mit den ihm damals zur Verfügung stehenden Rums ja tatsächlich, etwas dem J. Wray & Nephew 17 YO ähnliches zu kreieren. Das allerdings, werden wir wohl ganz sicher nie erfahren. Und so lebt ein Teil des Mythos eben doch auch noch als genau das weiter, selbst wenn heute viele Fragen beantwortet wurden.

-ohne Wertung-

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Mai Tai mit J. Wray & Nephew 17 YO:

Sooooo... und nun, liebe Rum Gemeinde, na klar, ich konnte es nicht lassen. Ja, nach den Eindrücken vom Gaumen ergibt das nur begrenzt Sinn, das ist mir klar, und natürlich entspricht das Ergebnis gleich nicht jenem von 1944, wie könnte es das auch, nichts kann das heute 1:1 auferstehen lassen, aber ich konnte die Gelegenheit einen Mai Tai mit J. Wray & Nephew 17 YO mixen zu können einfach nicht ungenutzt lassen.



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Das Rezept (frei nach Trader Vic, 1944):
  • 6,0 cl J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 3,1 cl Limettensaft (frisch gepresst!)

Im Glas weist er die, tatsächlich kann man heute mehr denn je sagen, typische Farbe auf, denn genau dieser Rum hat ja letztlich die optische Vorstellung davon wie ein Mai Tai aussieht begründet.

Geschmacklich, da machen wir uns mal nichts vor, ist das natürlich dünn. So habe ich dann auch nur einen sehr kleinen Mai Tai gemacht, um den Rum lieber einmal öfter pur im Glas gehabt haben und ein wenig schauen zu können, ob es eine Kombination aus heutigen Rums geben kann, die dem Eindruck des J. Wray & Nephew in der Nase irgendwie nahe kommen kann. Leider hat sich diese Hoffnung ja nicht erfüllen können. Wirklich sinnvoll war die Verwendung im Mai Tai also nicht, zugegeben, aber ich musste es zumindest mal gemacht haben, jetzt, wo die Chance da war, die vermutlich einmalig gewesen ist. Denn wer kann schon von sich sagen, zumindest einmal in seinem Leben einen Mai Tai mit J. Wray &Nephew 17 YO gemixt und getrunken zu haben? ;-) Immerhin: der J. Wray & Nephew schafft es durchaus ein wenig durchzukommen, erinnert hier sehr an Wedderburn Long Pond im Mai Tai und muss sich hinter diesen auch nicht verstecken, aber na klar nochmal, ein Mai Tai wie 1944 ist das sicher nicht.

Fazit: ich habe einen Mai Tai mit J. Wray & Nephew 17 YO im Glas gehabt. :-) Leider, so muss man sagen, war nach der Pur-Verkostung bereits klar, dass es um viel mehr nicht mehr ging, da der Rum am Gaumen bereits zu sehr unter der Oxidation gelitten hat. Nichts desto weniger war es mir ein großer Spaß, hier ein Stück flüssige Geschichte gelebt haben zu können und der Drink war, auch unter diesen wenig optimalen Bedingungen, noch lecker! Und bevor ich mich endgültig dem Ende meines kleinen Ausflugs in die Geschichte entgegen neige, möchte ich ein letztes Mal meinen Dank an die Adresse zweier Menschen richten, die mir das heute möglich gemacht haben. Vielen, vielen Dank!


Bis demnächst,
Flo


Bildquellen:

(1) http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/london/7054120.stm
(2) https://refinedvices.com/decadence-and-debauchery-in-foggy-london-town-part-i
(3) https://cincinnaticocktails.wordpress.com/2010/08/13/


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English Part:

Dear Rum Community,

usually you'd be reading a short introduction of todays rum at this point. So, but what is normal if we're talking about the J. Wray & Nephew 17 YO?! Exactly, THIS J. Wray & Nephew 17 YO Trader Vic used for his original Mai Tai... 



What hasn't been written about the J. Wray & Nephew 17 YO yet, even in this blog - speculations have been building its legacy over decades. What kind of rum was it? How did it taste, what was its character? These questions become even more relevant considering this rums role in setting the standard for the Mai Tai. This rums flavor profile was believed to remain a secret forever. But this seemed to have changed in recent years after a few forgotten bottles of this rum were found at the Appleton Estate around the year 2010. Camper English wrote a comprehensive Mai Tai article for the print version of the German magazine Mixology (which was split up into four parts and was later published online). He included his thoughts on the Wray & Nephew 17 YO based on these ominous bottles found at Appleton Estate. The rum was said to be a pitch-black Jamaica rum bottled at an insane abv of 77.2% and a high ester content. Camper English wrote:
"The Wray & Nephew rum was a single pot still production and had an alcohol content of 77.2% abv [...] We can assume that the rum produced in pot stills has more body and delight for the taste-buds, that a lot of pungent ester in its aroma become noticeable, but this is compensated by the long aging in casks."
(my translation from German to the best of my knowledge)


Source: BBC UK

The rums found at Appleton Estate were the only point of reference. Everyone who believed to know the original Wray & Nephew 17 YO considered the rums found at the Appleton Estate to be the real deal. Sean Muldoon, the bar manager of the Merchant Hotel in Belfast, had a bottle of this rum and offered to make Mai Tais for 750€ per serving. Author Gary Regan and Martin Cate, author and owner of the Tiki Bar Smuggler's Cove in San Francisco have access to a bottle of those rums as well. They all assumed that this rum was the original Wray & Nephew 17 YO and they based their ideas for how an authentic substitution should taste on the found bottles.

*EDIT*:

Ian Burell told me that these bottles came from a 1998 inventory made by Joy Spence after she became Master Blender at J. Wray & Nephew. They were produced especially for Trader Vic to his request and only for him, not for the market. I assume, this happened later, when the Mai Tai already was a success and Trader Vic became famous.


Also in a report of the UK Rum Fest 2008 by Tatu Kaarlas the rum presented there was without a doubt an overproof rum. Even a picture can proof this:

Source: Refined Vices


In 2007, a member of a german Cocktailforum reported something similar, based on a conversation he had with Angus Winchester:
"Cocktailmexican and I talked to Angus Winchester who once owned a bottle of Wray and Nephew's 17 Years Old Rum (the original rum for the Mai Tai), according to his description of the W & N it is similar to Hampden Estate."
(my translation from German to the best of my knowledge)


Therefore the Wray & Nephew 17 YO was believed to taste similar to what the rum scene knew from Hampden, a real monster of a rum!

Source: Cincinnati Cocktails
In 2010, around the time I joined the rum scene, I was confronted with this idea of the Wray & Nephew 17 YO and I accepted it without questioning it at first. This drink quickly turned out to become a passion of mine. However, the more time I invested into this topic, the more I began to ask a lot of critical questions. There were just too many inconsistencies! For example, Trader Vic described the Wray & Nephew 17 YO as golden-colored and not a pitch-black. I also struggle to imagine that the bar crowd of the 1940s favored a Mai Tai with a 77.2% abv rum. Anyone who has tried to please his "untrained" friends with a Hampden-made, Cask Strength Mai Tai will generally agree with that doubt. And finally, I found a picture of Jeff "Beachbum" Berry (on the right, the original link from back then does not exist anymore though), which shows a bottle of Wray & Nephew 15 YO, Vic's replacement rum for the Mai Tai, after his supplies for the 17-year-old rum ran dry. The label of this bottle revealed a two-digit Proof, limiting the rum to an alcohol content of under 50% abv.. After enquiring via E-Mail, Jeff Berry confirmed that the Wray & Nephew 15 YO is bottled at 86 Proof/43% abv. So a rum with 77.2% abv was supposed to be replaced by a rum with only 43% abv, cutting down the drinks alcohol content by almost 50% without changing the balance of the other ingredients? That seems unlikely!
After all, I didn't believe anything anymore, summed up my doubts in this essay and assumed that the original rum had a comparable alcohol content (+/- 45% abv.) from then on. Of course, this would mean that the bottles of Wray & Nephew 17 YO found at Appleton, even the one at the Merchant Hotel in Belfast, would not have been the original. Unfortunately, I was never able to prove that sufficiently - until now!

The original: J. Wray & Nephew 17 YO
In the course of the worldwide triumph of rum in the recent years, it turned out that not all bottles were completely mixed by Trader Vic in his famous Mai Tais. Even today some of them are still privately owned and a few of them are even open. I managed to locate such a bottle and finally got a photo as well as a sample of it. To my honest regrets, I would like to honorably mention the names here, but I was asked not to reveal my source to prevent further inquiries. I think that's very understandable though. Nevertheless, my huge thanks to both people involved. You can be sure: my gratitude couldn't be larger and I hope, I can return the favor one day.
Focusing on the rum itself, two things can be noted. First of all, this original bottle of Wray & Nephew 17 YO has a different, contemporary label and, most importantly, it's definitely a bottling of 43% abv., so it's anything but an overproof rum. This means that the bottles found at Appleton a few years ago may contain very old Wray & Nephew rum, perhaps even a rum matured for 17 years but without any dilution, but it was definitely not the mythical rum Trader Vic used to create his legendary drink in his bar in Oakland in 1944: the Mai Tai. Finally, this is fact!

Furthermore, during his travel to Jamaica in June 2019, Stefan Marzoll visited Appleton and took a picture of a bottle of Wray & Nephew 17 YO, which looks almost identical to the bottle my sample comes from:

Source: Stefan Marzoll/facebook


What else do we know?

Matt Pietrek and I talked about the Wray & Nephew and he set my focus on the date of distillation again. The Wray & Nephew 17 YO Trader Vic used in 1944 must have been filled in 1927, so I’m assuming two things: first, it is clear that the rum must have been a pure pot still rum, because there wasn't any column still in Jamaica in 1927. And secondly, there is the question about the barrels used at that time. Even though it is safe to assume that most rums age in ex-bourbon barrels nowadays, this wasn't the case in the old days. Jamaica was still a British colony at the time, so it was much closer to the United Kingdom than to the United States of America. In addition, 1927 was in the era of prohibition, therefore we can’t be sure that this rum was aged in fresh ex-bourbon barrels. So the exact type of barrel remains unknown.

But enough of the history-talk, I want to know how the Wray & Nephew 17 YO tastes. You can't imagine how excited I am. I have never dared to imagine being able to try this rum myself but it’s actually becoming reality. A dream comes true!



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Tasting of J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum:

Price: priceless.

Age: the rum matured 17 years in casks. Because it was a standard bottling, there is neither a specified vintage nor is it known exactly when the rum was bottled.

Maturation: fully matured in Jamaica in tropical weather. 

Numbers of casks: unknown.

Angel's Share: unknown. But I suspect that it was very large. Even today, more than half of the rum evaporates in 17 years of Caribbean maturation and the conditions will have rather improved in recent decades.

ABV: the rum got an abv of 43% - very diluted strength!

Distillation: it's a pure pot still rum.

Marque: unknown.

Colour: dark mahagony. 

Viscosity: fat, rich, wide and regular streaks run rather quickly down the glass. 

Nose: Wow, I really like! First of all, the J. Wray & Nephew 17 YO is completely different from today's Jamaican rum and especially from today's Appletons! It's not comparable! Although, I mean to recognize a distant relationship, but the differences are immense! The rum has a wonderfully heavy basic character, but it also comes somehow fresh, vital and fruity, but without being brutal. He got a lot of the wood, the 17 years in the tropics are definitely perceptible, but it is by no means too much. There isn't any alcoholic pungency, but however, in a blindtasting I would suspect that the rum has more than 43% abv, because it is very, very intensive. Nevertheless, I miss a little bit depth, because the low alcohol content becomes noticeable. I'm looking forward to the first sip! The bouquet is complex and rich. I have a beautiful, strong, fruity and natural sweetness, a whole shelf of various spices, of which clove is the most dominant, furthermore polished wood, plenty of tannins, trail mix, raisins, grapes, burned sugar, overripe fruits and, quite peripherally, also salted cashews. In spite of the differences to today's rums, I perceive a typical Jamaica rum, but of course in a very special way. Hard to explain. But I'm unsure if I would commit myself in a blind tasting, the longer I smell it, because I also have a lot of associations to molasses-based rhums of Guadeloupe, especially to Gardel. Of course, with such a rarity, you want to take up every component of the rum and, if possible, also process it, but here we have always acute overstimulation. 

Palate: the rum is much weaker on the palate than in the nose, now it's obvious that the rum is already oxidized a little stronger. So, unfortunately, I can only guess what a grenade it was, which was announced by the nose. The alcohol is not noticeable, or to the effect that the rum is just clearly thinner than a cask strength bomb. Logical. It may even have lost some of its original strength due to the oxidation. I would not call it too much watered down, but overall the body just looks like it collapsed. The same applies, more or less, to the bouquet. There are still hints of what rum it was, some parallels to today's Appleton or Long Pond rums are there, I still pick up some hazelnut, a little tannins from the wood,... but a real taste description makes unfortunately no sense anymore. Too much originality was clearly lost here.

Finish: in the finish I still have a little something nutty, dry, slightly woody, but there's not much left. At the back a bit bitter chocolate and freshly cut branches. Overall, I have associations to Long Pond. The rum stays on the palate for a while, but the rum has to pay tribute to its age and its oxidation.

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Conclusion: more than just a piece of liquid history! If there is a rum that you, as a fan of Jamaica Rums and Mai Tais, would like to have in your glass, then it's definitely this one! To my knowledge, there is nothing comparable in any other category of rum. There is neither the one Caroni, the one particular Agricole or the one historical Demerara. There are always many and certainly many that you should have tried, but a single rum that lives completely for itself as a myth, which almost no one ever tasted? No. But Jamaica has it. There is THE ONE Jamaica rum, and that's it! And I'm overjoyed to have the opportunity to try it, because that's simply not something you have in your own hands. It requires a proper affection of the goddess of fortune, the Fortuna, which was fortunate to me to my great happiness. Therefore, I would like to thank once again the two people who have made this possible for me. Thank you so much!

Belonging to the rum itself, I definitely can say that you notice its enormous age, although this doesn't refer to the pure years of aging in the barrel. Especially in the nose, I think that is very clear, today's rums don't smell in this way. If today a Jamaica rum is so fruity, then this is always accompanied by brutal ester power and this is not the case here. And finally, on the palate, the instability that accompanied by with so old liquor after all those years, and especially if the bottle is already a bit oxidized, is finally revealed. So it's impossible for me to return a real verdict, because my impressions on the palate have no significance, in view of what originally was in the bottle. This may sound sobering, but that's only partially true, because the nose still works and it shows very well in which direction the rum usually goes, or respectively is once gone. So I have now a very specific idea of ​​what rum we talk about. The only, but crucial, problem: despite my hope that the rum would trigger clear associations with something I know, I have to admit that we're really talking about a lost style of rum that never comes back. There were the memories of e.g. Gardel, yes, but after experimenting with i.a. Appleton 12, Gardel, a little TECA and some Hampden Estate 46% abv. it was clear that it was only part of all. In particular, to bring this fruitiness in a blend, but without overpowering the esters, seems to me almost hopeless. Too bad, because I was hoping that there might not be a chance to rebuild an authentic J. Wray & Nephew 17 YO, that's impossible, but maybe at least something that comes as close as possible to the rum of that time. Because that's also quite interesting for the Mai Tai as well. And now, if we're already talking about the Mai Tai: just by the way, the assumption that the French rhum which Trader Vic put aside the Jamaica rum he used after the supplies of J. Wray & Nephew 15 YO and 17 YO were empty wasn't an Rhum Agricole but a Rhum Traditional is supported now. Because the associations with molasses rhum from Guadeloupe were there and who knows, maybe Trader Vic was able to create something similar to J. Wray & Nephew 17 YO with the available rums at that time. That, however, we will probably never know. And so, a part of the myth goes on, even if many questions have been answered today.

-no rating-

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Mai Tai with J. Wray & Nephew 17 YO:

Sooooo ... and now, dear rum community, of course, I could not leave it. Yes, after the impressions of the palate, this makes not the most sense ever, I realize that, and of course, the result doesn't show a original of 1944, how could it, nothing can resurrect it 1:1 today, but I had the opportunity to mix a Mai Tai with J. Wray & Nephew 17 YO and so I just have to do it.



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The recipe (freely adapted from Trader Vic, 1944):
  • 6,0 cl J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Rock Candy Syrup
  • 3,1 cl Fresh Limejuice

In the glass it shows the, in fact today you can more than ever say, typical color, because exactly this rum has indeed ultimately establish the visual idea of what a Mai Tai looks like.

In terms of taste, we don't fool ourselves, of course it's thin. So I made only a small Mai Tai, just to be able to have the rum one more time pure in my glass and to see if there could be a combination of today's rums that can somehow come close to the impression of J. Wray & Nephew in the nose. Unfortunately, this hope couldn't be fulfilled. It wasn't really useful to use this rum in the Mai Tai,  admittedly, but I had to do it at least once, now, as the opportunity was there, which was probably unique. For who can say of himself that he has mixed and drank a Mai Tai with J. Wray & Nephew 17 YO at least once in his lifetime? After all: the J. Wray & Nephew manages to make itself felt in the drink, reminds very much of Wedderburn Long Pond in Mai Tais and doesn't have to hide behind these, but of course and for sure it isn't a Mai Tai as in 1944.

Conclusion: I had a Mai Tai with J. Wray & Nephew 17 YO in my glass. What else could I say?  :-) Unfortunately, it has to be mentioned and was already announced in the tasting, that's what it might have been about most, because the rum has already suffered too much from the oxidation on the palate. Nevertheless, it was great fun to have lived a piece of liquid history and the drink was, even under these less optimal conditions, even delicious! And before I finally come to the end of my little trip into history, I'd like to say one last time thanks to the address of the two people who made this possible for me today. Thanks alot!


See you soon,