Sonntag, 26. Mai 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol.

Liebe Rum Gemeinde,

heute bin ich einmal auf Abwegen unterwegs... denn ich führe mir einen Navy Rum zu Gemüte! Eigentlich ist das gar nicht so meins... eigentlich...



Normalerweise interessiert mich bei einem Rum in letzter Konsequenz nur genau das: der Rum! Zwar habe ich rein gar nichts gegen ein schönes Label in einer dazu passenden Flasche und auch, als es letztes Jahr daran ging den Hampden DOK abzufüllen spielte das Package natürlich eine Rolle, zugegeben, aber am Ende zählt der Rum. Diesem würde ich im Zweifel ein unansehnliches Label immer verzeihen, solange er mich im Glas überzeugt. Anders herum funktioniert das "leider" nicht. Eigentlich. Heute allerdings habe ich es mit einem Tropfen zu tun, den ich tatsächlich in erster Linie wegen seines Äußeren gekauft habe und in der Hoffnung, dass der Inhalt dem Ganzen am Ende gerecht werden kann. Es geht um den Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"!

Ja, ich gebe es zu! Der Decanter hat mich schwach gemacht und der Preis stimmte ebenfalls und da konnte ich dann nicht mehr anders. Im Gegensatz zu Flaschen aller Art, haben mich die Pusser's Decanter, da gibt es ja mehrere, schon immer irgendwie fasziniert. So vollkommen aus der Zeit gefallen, sind das einfach echte Eyecatcher. Bestellt habe ich, aus Angst vor Bruch, nie einen, aber in einem Ladengeschäft und zu sehr günstigem Kurs musste ich dann zuschlagen. Und nur deshalb gibt es den Pusser's nun hier auf dem Blog zu bestaunen?! Ernsthaft, Flo?! Jein. Natürlich würde ich hier nicht über den Rum sprechen wollen, wenn er nicht schon etwas mehr wäre als reine Deko in meinem Wohnzimmer, das ist ja klar. Aber, und ja, auch das gebe ich zu: ob ich über den Pusser's auch dann sprechen würde, ob er mir überhaupt irgendwann aufgefallen wäre, wenn er in einer ganz normalen 0815 Flasche daher käme, möchte ich in Zweifel stellen. In erster Linie ging es für mich daher um die Frage, ob es sich auch lohnen würde, sich das Teil nicht nur hinzustellen sondern auch aufzumachen und ich könnte mir vorstellen, dass diese Frage auch andere umtreibt, die sowas vielleicht zuhause stehen haben und unsicher sind oder mit dem Gedanken spielen so einen Decanter zu erwerben. Hier möchte ich am Ende der Review natürlich Antworten liefern.


Was kann man über den Rum an sich sagen?

Viel ist leider nicht bekannt. Abgefüllt wurde der Navy Rum von Pusser's Rum Limited, das auf den British Virgin Islands beheimatet ist. Ob der Rum dort auch abgefüllt wurde, weiß ich nicht. Der Decanter fasst einen Liter Rum, welcher aus Trinidad & Tobago stammen soll. Hier wiederum kommt dann eigentlich nur noch Angostura in Frage, da der Rum nicht so alt ist, als dass nennenswerte Caroni Anteile noch dringend zu vermuten sind. Mit einem Alkoholgehalt von 42% vol. biegt der Tropfen nicht gerade potent um die Ecke und befindet sich eigentlich auch schon außerhalb meines Beuteschemas. Der Decanter selbst kommt äußerst stilvoll daher, wenn man denn auf diese Art Kitsch steht (so wie ich😁). Man sieht darauf eine Regatta und es befinden sich darüber hinaus auch diverse Verweise zu historischen Regatten, wie dem America's Cup, der sich bis ins Jahr 1851 zurückdatieren lässt. Am Ende des Halses vom Decanter befindet sich eine Wachsversiegelung. Ist der Rum einmal geöffnet, tritt an ihrer statt ein separat beigelegter und zum Decanter passender Korken. Soweit also dazu. Nun wollen wir sehen, was der Pusser's im Glas kann!



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: der Decanter war ursprünglich für ca. 80,- bis 100,- Euro zu haben. Inzwischen gibt es ihn allerdings nicht mehr und die Preise sind gestiegen. Ein genauer Marktwert ist aber meines Erachtens schwierig zu beziffern. 

Alter: es befindet sich nirgends eine Altersangabe. Auf der gleichnamigen Glasflasche erfährt man ein Alter von 15 Jahren, aber ob das über die Jahre immer der gleiche Rum war oder sich nur der Name durchzog, ist fraglich.

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: auch hier können keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit sehr moderaten 42% vol. daher, wurde also wohl ordentlich verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: eine wirklich schwere und kräftige, ja, im Hinblick auf den geringen Alkoholgehalt des Rums auch durchaus unerwartet kräftige Nase begrüßt und überrascht mich gleichermaßen. British-Style! Ich habe eine Fülle an Anis, wie ich sie eigentlich nur von einer Destillerie so kenne: Port Mourant! Tatsächlich wird eine Double Wooden Pot Still ja auch auf einigen Abfüllungen von Pusser's direkt benannt, was diese Vermutung also noch einmal bestärkt, dass im Blend auch Rums von Port Mourant enthalten sind. Einen reinen Trinidad Rum, so wie es auf dem Decanter geschrieben steht, schließe ich jedenfalls sicher aus. Gleichzeitig weist der Rum aber auch eine deutliche und schöne Fruchtigkeit auf, die mir gut gefällt und was, kombiniert mit Noten von u.a. Tabakblättern und Eichenholz, ein wirklich angenehmes und auch unangestrengtes Bouquet ergibt. Ein Rum, der Spaß macht! Es gibt jetzt sicher einige, die das noch viel weiter aufschlüsseln könnten oder wollten, aber mir geht es da gerade echt mehr darum, diesen entspannten Charakter dieses Rums in den Vordergrund zu stellen: das ist nichts zum tot-analysieren, das ist nur smooth. 

Gaumen: hier offenbart sich natürlich der geringe Alkoholgehalt gleich einmal als erstes und ja natürlich, man spürt die enorme Verdünnung unvermeidlich. Das ist auch sehr schade, denn bei allem was danach kommt wird deutlich, dass das mit 50% vol. oder mehr ein sehr viel besserer Rum wäre! Es brennt nichts und man kann problemlos zu größeren Schlücken übergehen. Mehr noch: der Rum gewinnt ganz eindeutig mit größeren Schlücken! Allerdings: ist das tatsächlich ein reiner Rum? Ich bin mir nicht zu 100% sicher und werde mich hier daher hüten irgendwas als Tatsachenbehauptung rauszuhauen, aber für meinen Geschmack könnte der einen ganz leichten Süß-Stich haben. Nicht unbedingt viel und ich hatte ewig nichts mehr mit Bonus-Zutaten im Glas, aber es könnte möglich sein, meiner Meinung nach. Sollte es so sein, verurteile ich das grundsätzlich, zumal so ohne jede Angabe dazu, allerdings ändert es rein geschmacklich nicht unbedingt etwas daran, dass man den guten Tropfen wirklich sehr gut und entspannt trinken kann. Guyana und Port Mourant werden neuerlich deutlich, bzw. eindeutig. Fruchtig-trocken, mit einem gesunden Körper und gerade noch an der Grenze des Machbaren, was die Verdünnung betrifft, macht das großen Spaß. Der Rum kann am Gaumen zwar nicht mit der Nase konkurrieren, meines Erachtens, schon wegen des geringen Alkoholgehalts, aber das ist wirklich ein Teil für die Terrasse und nicht um ihn kaputt zu rezensieren. 

Abgang: Tabak und Eichenholz begleiten den Rum auf seinem Weg hinab. Wirklich lange verweilt er nicht am Gaumen. 

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Fazit: kein Rum, den ich in einer gewöhnlichen Flasche gekauft hätte. Das muss ich ganz klar und eindeutig noch einmal so voranstellen! Das bedeutet nicht, dass ich den Kauf bereue, ganz im Gegenteil sogar, aber es gibt manchmal eben so Sachen, die wollen nicht so recht in irgendwelche Schubladen passen, die sind eben anders - und so ist das heute mit diesem Decanter! Den finde ich einfach geil und und für den Rum selbst sehe ich auf der Terrasse oder dem Balkon zum Grillen oder entspannen auch ein Anwendungsgebiet, und so kann ein Gesamtpaket dann auch einfach mal wider aller Prinzipien passen! Und viel mehr gibt es dazu dann auch eigentlich gar nicht zu erzählen. Wem es da geht wie mir und wer ebenfalls auf diese Optik steht und einem guten, entspannten Rum im britischen Stil ohne viel Anspruch nicht abgeneigt ist, der kann das Teil meines Erachtens guten Gewissens kaufen und bereut es dann auch nicht. Man darf eben nur keinen Über-Rum erwarten, aber ich glaube, das ist deutlich geworden.
Gespannt bin ich nun darauf, wie sich der Rum im Vergleich zu anderen Nelson's Blood verhält, ob das alles die gleichen sind oder ob es da trotz des gemeinsamen Namens Unterschiede gibt. Da möchte ich mich nach dieser Erfahrung durchaus mal durchprobieren, vor allem im Hinblick darauf, dass die Herkunftsangabe mit Trinidad & Tobago willkürlich gewählt zu sein scheint. Möglich, dass da auch Trinidad drin ist, aber definitiv nicht ausschließlich. Was da also unter Umständen noch alles drin ist bleibt im Dunkeln. Nur, noch einmal: die Frage ist bei diesem Rum tatsächlich auch eher zweitrangig. Daher möchte ich auch keine direkte Wertung vornehmen. Im Decanter gibt's für den Pusser's die 100 Punkte, im Glas wären es auf jeden Fall weniger ;-)

-ohne Wertung-

Ein herzliches Dankeschön für das Sample zur Abfüllung möchte ich noch einmal in den Süden der Republik senden!


Bis dahin!
Flo

Sonntag, 19. Mai 2019

Habitation Velier HGML Jamaica Rum 9 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

der Zirkus ist wieder in der Stadt! Nach HLCF, LROK, <>H und LFCH hat Velier, bzw. Habitation Velier, mit dem HGML ein weiteres Hampden Mark abgefüllt!



Und mit dem HGML hat Velier dann auch gleich mal so richtig tief in die Trickkiste gegriffen, denn dieses Mark war eines der ganz wenigen, welches wir so bisher eigentlich überhaupt noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Ja, inzwischen wissen wir, dass der Jahrgang 1983 das Mark HGML trägt, aber diesen kannte bis vor kurzem -mangels Abfüllungen- ja auch noch fast niemand. Und darüber hinaus sind diese Abfüllungen auch schon über 30 kontinentale Reifejahre alt und somit meines Erachtens über den Zenit. Insofern durfte man hier also schon besonders auf den Habitation Velier gespannt sein, keine Frage, zumal das Mark angeblich auch seit 2010 schon nicht mehr hergestellt wurde!
Verwirrung gab es zunächst über die genauen Umstände, die Auflage des Releases betreffend. Anfangs war mal von einer ultra raren Single Cask Abfüllung die Rede, später hieß es dann, das Bottling sei ca. 800 Flaschen stark. Wirklich handfeste Infos gab es dazu aber nie. Inzwischen scheint aber klar, dass es da doch ein paar mehr Flaschen geben muss, denn der Rum erfährt derzeit ja doch eine eher breite Streuung in den Shops, auch in Deutschland, was bei den ganz raren Releases bisher immer ausblieb.
















Was wissen wir über das Mark?

HGML steht für Hampden George MacFarquhar Lawson, wurde also nach einem der früheren Eigner der Destillerie in der Mitte des 19. Jahrhunderts benannt, so, wie wir das beim DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson) auch schon gesehen haben, der ebenfalls nach einer bedeutenden Persönlichkeit der Destillerie benannt ist. Hampden verwendet dieses Mark nach eigener Angabe für Rums mit einem Estergehalt von 1000 bis 1100 gr/hlpa. Um da nochmal einen kurzen Überblick zu erhalten, zeige ich euch hier eine Tabelle, die ich auf der Basis der Angaben der früheren Version der Website von Hampden (leider nicht mehr online) zusammengestellt und um die Infos ergänzt habe, die der Cocktail Wonk auf seiner Seite liefert.


Hampden Marks:

Distillery Mark
Ester (gr/hlpa)
Jamaican Ester Level
OWH
40-80
Out of Range
LFCH
85-120
Common Clean
LROK
200-400
Wedderburn/
Out of Range
HLCF
500-700
Out of Range
<>H
900-1000
Continental Flavoured
HGML
1000-1100
Continental Flavoured
C<>H
1300-1400
Continental Flavoured
DOK
1500-1600
Continental Flavoured

Hampden nutzt seit der Wiedereröffnung also insgesamt acht destillerie-eigene Marks mit einer Esterrange von zwischen 40 und 1600 gr/hlpa Ester um seinen Rum zu definieren. Man produziert also nicht ausschließlich den so charakteristischen und immer beliebter werdenden High Ester Rum, sondern auch Rums im Low Ester Bereich (die Marks OWH und LFCH).
Was jetzt natürlich auffällig ist, ist, dass die Angaben zum Estergehalt des Marks HGML von Hampden von denen erheblich abweichen, die Velier auf seinen Labeln anführt. Velier nämlich spricht beim HGML von einer Esterrange von 600 bis 770 gr/hlpa. Diese Diskrepanz kommt zustande, da die Angaben von Hampden wohl eine Angabe zum Gehalt an Congeners insgesamt darstellen, während die Angabe von Velier sich rein auf die Ester unter den Congeners bezieht. Das heißt, dass nur ca. 60-70% aller Congeners bei Hampden auf Ester entfallen, während die restlichen ca. 30-40% durch weitere enthaltene Congeners ausgemacht werden. Der HGML ist allerdings der erste Rum, bei dem Velier das so gründlich differenziert. Bei den bisherigen Abfüllungen hatte man die Angaben von Hampden übernommen. So sind die neuesten Angaben von Velier zwar die exaktesten bisher, aber sie sind eben auch verwirrend, da eine echte Vergleichbarkeit derzeit noch erschwert wird. So erscheint auf den Labeln nun der Eindruck, der HGML habe einen geringeren Estergehalt als der <>H. Tatsächlich stimmt das aber nicht, da auch hier die Angabe von 900-1000 gr/hlps natürlich entsprechend nach unten korrigiert werden müsste.



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Verkostung des HabitationVelier Jamaica Rum 9 YO Hampden 2010:


Preis: der Ausgabepreis in Italien lag bei ca. 100,- Euro. In Frankreich und in Deutschland war er mit 125,- Euro etwas teurer. 

Alter: von 2010 bis 2019 lag der Rum insgesamt 9 Jahre im Fass. 

Lagerung: die Fässer wurden während der gesamten Dauer ihrer Reifung bei Hampden auf Jamaica in tropischem Klima gelagert. 

Fassnummern: unbekannt. Auch, wieviele Fässer und wieviele Flaschen es am Ende genau waren ist nicht sicher bekannt. Gerüchte sprechen von 800 Flaschen, was für eine Habitation Velier Abfüllung sehr wenig wäre. 

Angel's Share: >64% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kam mit 62% vol. und der Angabe High Proof in die Flasche. Eine leichte Verdünnung ist also erfolgt. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: HGML (Hampden George MacFarquhar Lawson)

Farbe: tiefes, kräftiges Gold. 

Viskosität: der Rum bildet kleine Tröpfchen an der Glaswand und fließt dann unregelmäßig und in eher engen Schlieren an der Glaswand herab. 

Nase: eine klare, kräftige und eindeutige Hampden-Nase begrüßt mich wie einen alten Freund - ich bin zuhause! Ja, Hampden war nun einmal meine erste große Rum-Liebe und das spüre ich bei jeder neuen Abfüllung wieder und wieder. Es begrüßen mich zunächst Ester-, Nagellackentferner- und Klebstoffnoten und etwas alkoholische Schärfe in der Nase. Letztere verfliegt über die Zeit, was der Nase mehr und mehr Tiefe verleiht, aber erstere bleiben auch nach längerer Zeit im Glas weiter bestehen. Dahinter verbirgt sich ein wahres Potpourri an tropischen Früchten und eine prägnante Marzipan-Note. Diese wird ergänzt um dunkle Erde und Zitrus-Anklänge. Dazu gesellen sich auch schon ordentlich Vanille und Tannine vom Fass, von dem er schon gut was abbekommen hat. Aber mal im Ernst und im Vertrauen: ist das nicht irgendwie immer das gleiche? Auf gewisse Weise ja, die Assoziationen bei Hampden decken sich bei mir tatsächlich sehr. Wer da mal ein paar Reviews übereinander legt, der wird um ein Schmunzeln nicht herum kommen. In erster Linie liegt das daran, dass der Stil von Hampden grundsätzlich sehr konstant ist und die Ausprägungen der Extremität vor allem durch die verschieden starken Ester- oder auch die Alkoholgehälter, sowie natürlich die Reifung, schwankt. Ein wesentlicher Stilwechsel geht damit aber nahezu gar nicht einher. Im Falle des heutigen Rums ist klar zu merken, dass der Estergehalt sehr hoch liegt. Er liegt in diesem Punkt mindestens gleichauf mit dem <>H und deutlich über dem HLCF

Gaumen: am Gaumen fällt mir zunächst einmal eine wirklich eigenartige Konsistenz des Rums auf, mehlig ist das, was mir da als erstes in den Sinn kommt. Dahinter rauscht dann eine wirklich bemerkenswerte Bitternote heran, die ich so nicht erwartet habe bei einem neunjährigen, ganz egal wo der gereift ist. Die alkoholische Schärfe hält sich sehr in Grenzen, das kenne ich vom HLCF und vom <>H noch anders, wobei der HLCF mit 68,5% vol. auch einen noch deutlich höheren Alkoholgehalt hat. Beim zweiten Schluck fehlt diese mehlige Komponente dann. Dies konnte ich bei insgesamt drei Tasting Sessions jeweils jedes Mal beobachten, das ist sehr ungewöhnlich und hab ich in der Form glaube ich bisher noch nie gehabt. Die Bitternote bleibt, wirkt aber auch besser eingebunden jetzt. Nun ist es ein Hampden, wie man Hampden gern hat - mit all den typischen Komponenten aus der Wiedervorlage (😄) und der vollen Portion Ester. Mit der Zeit wird der Rum dann immer cremiger am Gaumen. Das gefällt mir. Ich wage gar die Prognose, dass der schon sehr nah am Zenit für tropisch gereifte Hampden streift, denn der Rum beginnt schon sehr deutlich an Ecken und Kanten zu verlieren, gerade im Vergleich zum 6 jährigen HLCF und zum 7 jährigen <>H, und ist reich an Fasseinflüssen. 

Abgang: schon deutliche Tannine und etwas Ester begleiten den Rum auf seinem Weg "nach unten". Der Abgang geht dann aber doch auch wieder kürzer, wesentlich kürzer, als ich das bei lange kontinental gereiften Hampden gewohnt bin. Diese konnten da mehr. Leider zieht sich dieser Punkt durch alle tropisch gereiften Hampden, die bisher erschienen sind. 

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Fazit: der HGML ist der bisher reifeste und auch rundeste der bislang erschienenen Hampden Releases und aus meiner Sicht auch derjenige, der dem Zenit am nächsten kommt. Sieht man vom ersten Schluck ab, so ist er in meinen Augen letztlich auch der beste der bisherigen Hampden von Velier. Vom Estergehalt her rangiert er wohl etwas über dem Niveau des <>H, das heißt, auch geschmacklich kam die Bestätigung, dass wir es tatsächlich mit Esterangaben nach unterschiedlichen Maßstäben zu tun haben. Die Frage für mich ist nach Verkostung der Abfüllung allerdings vor allem auch: wo geht das in Zukunft hin? Denn eines ist für mich ganz klar: bei über 10 Jahren Reife in den Tropen dürften die Hampden dann drüber sein. Für einige Connaisseure, die Hampden gern besonders kantig mögen, dürfte auch der HGML schon gefährlich weit vom Beuteschema abweichen. Viel mehr geht da in meinen Augen nicht. Und doch fehlt mir da auf der anderen Seite auch das, was die lange kontinental gereiften Hampden gerne mitbringen, nämlich die nach hinten heraus unglaublich langanhaltende Intensität. Die lässt sich nämlich scheinbar nicht über die beschleunigte tropische Reifung herbeiführen, weswegen allein schon deshalb im Falle von Hampden beide Arten der Reifung immer ihre Berechtigung haben dürften. Der HGML ist schon sehr lecker. Auf einen tropisch gereiften C<>H in dem Alter wäre ich extrem gespannt. Aber ich glaube, dass tropisch gereifte Hampden nicht in dieser Weise per se als besser angesehen werden können in der Zukunft, wie diese Aussage bei Caroni beispielsweise in meinen Augen schon sehr klar zutrifft. Ich bin und bleibe aber vor allem gespannt, was da noch kommt!

-94/100-


Ein Dank geht in dieser Woche noch nach Rostock für's Sample! Vielen lieben Dank ihr beiden! :-)

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo

Donnerstag, 16. Mai 2019

The Secret Treasures Trinidad Rum 6 YO Caroni 1996

Liebe Rum Gemeinde,

Caroni lässt mich einfach nicht los und heute verkoste ich die jüngste Abfüllung, die ich von dort jemals im Glas hatte: nur ganze sechs Jahre lag der Rum im Fass und der Rum kam sogar noch vor der endgültigen Schließung von Caroni (1975) auf den Markt!



Caroni-Releases aus aktiven Zeiten der Destillerie, ob Originalabfüllungen oder unabhängige Abfüllungen, sind heute, 16 Jahre nachdem die Firma für immer ihre Tore schloss, natürlich extrem selten anzutreffen und es gab meines Wissens nach auch nicht allzu viele davon, vor allem nicht von unabhängigen Abfüllern. Neben den The Secret Treasures Abfüllungen aus 1996 und 1991, die jeweils 2002 bzw. im Jahr 2000 abgefüllt wurden, fallen mir da spontan einzig die Moon Import Caroni aus den 1960er Jahren und ein Cadenhead Bottling aus 1991 ein - das ist übersichtlich! 

Viel ist es dann am Ende auch nicht, was wir über die heutige Abfüllung wirklich wissen. Die Firma hinter dem Label The Secret Treasures war damals die S. Fassbind S.A. aus der Schweiz. In den Jahren 2000, 2002 und 2003 veröffentlichte man Rumabfüllungen aus diversen Ländern unter diesem Namen. Im Jahr 2005 scheint das Label allerdings an Haromex übergegangen zu sein, die bisher allerdings auch nur sehr spärlich mit neuen Releases kommen. Zu nennen sind hier vor allem drei Abfüllungen aus St. Lucia. In Bezug auf den heute vorgestellten Rum sind die spannendsten Fragen sicherlich, wie so junger Caroni überhaupt schmeckt, denn wir kennen im Grunde ja sonst nur die sehr lange und vielfach auch tropisch gereiften Vertreter, welcher Art der Rum ist, also ob es ein Heavy-, ein Light- oder ein Blended Caroni ist und wo er gereift wurde. Das Label gibt an der Stelle leider keinerlei Auskunft, aber nach ein paar Caroni, die ich bisher schon so im Glas hatte, kann ich da geschmacklich hoffentlich ein paar Aussagen treffen. Die wirklich sehr helle Farbe deutet natürlich auf einen kontinental gereiften Caroni hin, denn bereits Rums mit einer solch kurzen Reifezeit haben, wenn sie in den Tropen lagen, einen deutlich kräftigeren Farbton. Das ist freilich kein hinreichender Beweis, aber durchaus ein deutlicher Hinweis. Zumal der Rum ja auch noch nicht aus den damaligen Trinidad Auktionen stammen kann, denn im Jahr 2002 war Caroni (1975) ja noch existent. Die Auktionen, aus denen beispielsweise die Bestände von Velier und Bristol Spirits stammen, fanden nach der Schließung der Firma statt. Bliebe noch ein Direktimport durch Fassbind damals, worauf das Backlabel sogar verweist, allerdings kann hier natürlich gleichermaßen der Import aus Großbritannien gemeint sein. Daher liegt genaueres hier leider im Unklaren. 



Verkostung des The Secret Treasures Trinidad Rum 6 YO Caroni 1996:

Preis: der Ausgabepreis dieses Rums lag bei ca. 15,- bis 20,- Euro. Ein exorbitant höher liegender Sammlerkurs in heutiger Zeit ist mir für diese Abfüllung zwar nicht bekannt, allerdings dürfte er dennoch deutlich darüber liegen. 

Alter: der Rum reifte von 1996 bis 2002 im Fass. 

Lagerung: unbekannt. Die Abfüllung stammt noch aus einer Zeit, in der Caroni (1975) noch existierte. Somit stammt der Rum sicher nicht aus den Trinidad Auktionen tropisch gereifter Fässer von Mitte der 2000er Jahre. Ob TST damals Fässer direkt aus Trinidad importierte, oder der Rum aus komplett in Großbritannien gereiften Fässern stammt, kann nicht sicher geklärt werden. Die Farbe allerdings deutet klar auf eine kontinentale Lagerung hin. 

Fassnummern: unbekannt. Es ist weder bekannt, wieviele Fässer in diesem Bottling aufgingen, noch wieviele Flaschen es gibt. 

Angel's Share: unbekannt. Wenn der Rum allerdings tatsächlich kontinental reifte, so dürfte nach gerade einmal sechs Jahren kaum etwas an Rum verloren gegangen sein. Anders sähe das bei tropischer Reifung aus, wo vermutlich um die 40% des Rums schon an die Engel verloren gewesen wäre. 

Alkoholstärke: der Rum kommt stark verdünnt und mit gerade einmal 42% vol. daher. 

Destillationsverfahren: unklar

Mark: unklar, vermutlich Blended.

Farbe: blasses Stroh. 

Viskosität: der Rum bildet enge, regelmäßige und schnell herablaufende Schlieren an der Glaswand. 

Nase: nach ca. zwei Stunden des Atmens des Rums im abgedeckten Glas habe ich zwar direkt Anklänge von Caroni, doch das ganz große Feuerwerk bleibt schon mal definitiv aus. Mein erster Eindruck ist, dass ich es hier mit einem Blended Caroni zu tun habe, also einem Mix aus Heavy und Light Type Rums. Ja, da sind diese typischen Assoziationen zu verbranntem Gummi und Lösungsmitteln, aber die übliche Aggressivität fehlt an der Stelle. Das liegt gewiss natürlich auch am sehr niedrigen Alkoholgehalt, der dem Rum sicher sehr vieles von seiner Kraft geraubt hat. Hier sticht nichts oder ähnliches, das kommt schon alles sehr, sehr glatt gebügelt daher. Und natürlich fehlt auch die Fassreife zu einem überwältigenden Teil, aber es würde mich trotz all dem doch arg wundern, wenn das hier das Rohmaterial für einen reinen Heavy Caroni wäre. Etwas ursprünglicher Brennereicharakter trifft auf zu starke Verdünnung - ich denke, so kann man die Nase ganz gut zusammenfassen.

Gaumen: Puh, hier muss ich aufpassen, dass ich zumindest einigermaßen fair bleibe. Mein erster Eindruck, so Leid mir das tut, ist aber, dass ich es mit aromatisiertem Wasser zu tun habe. Boah, ist der Rum wässrig dünn! Nicht, dass ich bei 42% vol. etwas wirklich anderes erwartet hätte, aber da fehlt doch wirklich schon einiges und dieser Rum gelangt nicht einmal in die Nähe jener weniger Caroni, die auch eine Verdünnung auf z.B. 46% vol. qualitativ überlebt haben (z.B. Bristol Caroni 1974!). Alkoholische Schärfe findet dementsprechend natürlich auch nicht statt, aber immerhin gibt es noch ein paar aromatische Eindrücke des Rums zu bewundern, die diese einzige Überflutung irgendwie überlebt haben. Mein Eindruck ist erneut, dass man Caroni zwar erkennen kann, aber ob ich das blind getippt hätte? Ihr seht mich im Zweifel! Der Geschmack selbst ist ja nicht mal schlecht, wenn man sich durch diese Menge an Wasser erst einmal durchgekämpft hat, dann sehe ich da einen zumindest soliden Rum, nur kann das hier einfach nichts retten. 

Abgang: etwas frisches Geäst bleibt, aber wirklich nachhaltig ist das nicht. Der Rum ist fix verschwunden und ich vermisse ihn nicht. 

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Fazit: das war leider gar nichts! Mit 50% vol. oder mehr wäre das hier vermutlich zumindest ein solides Bottling geworden, selbst wenn ihm auch dann noch viel Fass gefehlt hätte, aber 42% vol... Naja, das waren im Jahr 2002 eben noch andere Zeiten, könnte man argumentieren, aber dass das einfach nicht mehr schmeckt, das hätte einem meines Erachtens eigentlich zu jeder Zeit bereits auffallen können. Was die Reifung betrifft, so würde ich ziemlich sicher auf einen kontinental gelagerten Rum tippen. Tropisch gereift hätte der Rum, auch trotz der starken Verdünnung, anders geschmeckt, intensiver, da bin ich sicher! Nichts desto trotz empfand ich die Erfahrung eines so jungen Caroni als durchaus spannend, wenn gleich das bei einem echten Heavy Caroni, den ich hier heute sicherlich nicht vor mir hatte, mit höherem Alkoholgehalt sicher noch um einiges aufregender gewesen wäre. Aber derartigen Stoff dürfte es vermutlich nicht mehr geben, so dass ein solcher Tropfen wohl für immer ein Wunschtraum bleiben wird.

-71/100-



Bis dahin!
Flo

Sonntag, 5. Mai 2019

Velier Blended Trinidad Rum 17 YO Caroni 1993

Liebe Rum Gemeinde,

nach zwei doch sehr unterschiedlichen Blended Caroni der Jahrgänge 1988 bzw. 1991, kommt mit 1993 heute ein weiteres Jahr dazu, aus dem Velier einen solchen Rum abgefüllt hat. 



Genau wie 1988 und 1991 ist der Jahrgang 1993 kein klassischer Caroni Jahrgang. Von Velier gibt es nur genau dieses eine Bottling (dieses findet man allerdings noch sehr viel häufiger als die 1991er) und auch von anderen Unabhängigen Abfüllern kam hier über all die Jahre nicht gerade viel. Im Grunde stehen da nur ein paar Abfüllungen von Compagnie Des Indes, Origin R und von Bristol Spirits zu Buche, sowie jetzt ganz frisch neu auf dem Markt eine Abfüllung von 1423 Spirits. Das war es dann aber auch schon. Was ich vorab verraten kann: die 1993er Abfüllungen von Compagnie Des Indes, von Origin R und von Bristol, die ich im Glas hatte, waren aus unterschiedlichen Gründen so gar nicht mein Fall, weswegen es auch keiner von ihnen bis hier her auf den Blog geschafft hat. Ob Velier es mit seiner Abfüllung einmal mehr besser kann, auch wenn der Alkoholgehalt mit 44,4% vol. für einen Caroni ungewöhnlich niedrig ausfällt, werden wir gleich sehen. Mein Sample erhielt ich dankenswerter Weise von Marius (SCR). Vielen Dank!



Verkostung des Velier 17 YO Blended Caroni 1993:

Preis: der Ausgabepreis im Jahr 2010 lag vermutlich bei ca. 50,- bis 60,- Euro. Heute kostet eine Flasche ca. 500,- Euro. 

Alter: von 1993 bis 2010 reifte der Rum 17 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1993 bis 2010 auf Trinidad statt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 1850 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: ohne Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum hat eine Stärke von 44,4% vol.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: Blended Trinidad Rum

Farbe: leuchtendes Mahagoni. 

Viskosität: regelmäßige, zäh fließende und eher weitere Schlieren bilden sich beim Rücklauf des Rums an der Glaswand.

Nase: wuuhh, was ist das denn?! Ich bin hier, und das kommt nicht allzu häufig vor bei Caroni, richtig gehend irritiert! Heftiger Grundcharakter, und ja, irgendwie auch Caroni-like, aber irgendwie auch so überhaupt nicht. Ganz, ganz eigen! Entfernt erinnert das an ein Islay-Finish. Es werden auch Erinnerungen an die Bristol Abfüllung für 1423 Spirits, ebenfalls aus 1993, wach, da erkenne ich klare Parallelen. Die Nase ist auch bei diesem Blended Caroni weniger voll als ich es von den Heavys gewohnt bin, aber hier ist durchaus was los. Im Bouquet finde ich, neben typischen Caroni-Assoziationen von Teer, verbranntem Fahrradschlauch (hier schon eher verrußt) und Petroleum vor allem Tannine und Rückstände vom Fass. Nach hinten heraus geht eine spannende Süße, die hier ein Stück Komplexität mit in das ganze Potpourri bringt. In der Nase hat er von den drei hier vorgestellten Blended Caroni klar die meisten Berührungspunkte mit Caroni wie wir es kennen. 

Gaumen: erstaunlicherweise hat auch dieser Caroni einen überraschend viskosen Körper für seine unter 45% vol. Es brennt dann auch so gar nichts auf der Zunge, man kann den Rum problemlos und unangestrengt trinken. Am Gaumen zieht sich dann dieser extrem ungewöhnliche Eindruck aus der Nase fort. Wieder denke ich an ein Islay-Finish. Ich vermute nicht, dass es eines gegeben hat, das wäre der erste Caroni von Velier von dem ich das wüsste, und wenn es eines wäre, dann würde es erfahrungsgemäß auch noch deutlich krasser ausfallen, aber wie eine schwächere Version eines Islay Finishs kann man es sich ungefähr vorstellen. Von Caroni wiederum finde ich nur wenig am Gaumen wieder. Es geht hier jetzt eher in die Richtung eines Spaniers. Ich habe trockenes Holz und etwas muffiges. Dazu etwas Leder vielleicht. Insgesamt leider eher ein Leichtgewicht.

Abgang: hier erinnert der Rum dann wiederum an einen Spanier. Frisch geschnittenes Holz habe ich noch. Sehr Caroni-unlike. Ganz hinten heraus kommt eine unheimlich medizinische Note.

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Fazit: nicht schön, aber selten! Das ist kein Caroni, den ich als in irgendeiner Weise stiltypisch bezeichnen würde - in der Nase noch, ja, aber danach eigentlich nicht mehr. Zu den Abfüllungen von Compagnie Des Indes und Origin R, auch sie waren nicht Caroni-typisch und erinnerten in Teilen eher an Orangenlikör, bestehen mal so überhaupt keine Verwandtschaften, zum Bristol 1993 (abgefüllt für 1423) dagegen sehr wohl. Der Bristol war da allerdings noch krasser, wesentlich holzlastiger und sehr unballanciert. Auf der einen Seite sehr scharf und alkoholisch und auf der anderen Seite aber mit vollkommen fragilem Körper - kein Caroni, dem ich eine hohe Qualität bescheinigen könnte. Beim Velier fällt mir ein echtes Fazit und eine Wertung dagegen sehr schwer. Der ist nicht schlecht, die Qualität kann ich ihm unmöglich absprechen, aber ich kann auch nicht behaupten, dass ich ihn mochte. Er entspricht einfach so gar nicht meinem Geschmack. Eine faire Wertung erscheint mir daher unmöglich heute. Folglich:

-ohne Punkte-Wertung-




Insgesamt, wenn ich auf die drei Blended Caroni zurückschaue, fällt mein Fazit leider eher ernüchternd aus. Der 1988 war eine riesige Enttäuschung. Ja, der 1991 war dagegen wirklich nicht verkehrt, allerdings auch nicht das, was ich möchte, wenn mir nach einem Caroni ist. Von den dreien war er aber mit Sicherheit der beste. Mit dem heutigen Kandidaten aus 1993 konnte ich wiederum nicht wirklich etwas anfangen. Auch das soll es geben. Wer da draußen noch einen Blended Caroni meint zu kennen, der ganz sicher sehr viel besser sei als die drei, die ich hier nun vorgestellt habe in den letzten drei Wochen, der lässt mich das bitte gerne wissen! Das würde mich interessieren. Bis dahin aber, bin ich mit dem Thema Blended Caroni vermutlich erstmal durch. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, werde ich mir natürlich auch noch ein paar Light Types ansehen, aber grundsätzlich bleibe ich wohl eher bei den Heavys.

Bis demnächst,
Flo

Mittwoch, 1. Mai 2019

Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E

Liebe Rum Gemeinde,

auch wenn es momentan im Game of Thrones Fieber (ja, auch ich bin infiziert😁) kaum einer auf dem Zettel hat, aber nicht der Winter, sondern der Sommer naht! Und Sommerzeit ist ja immer auch Longdrink-Zeit und daher kommt hier der Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E!

Das Long Pond Mark STC❤E, die Kennung des alten Cambridge Estate, haben wir erstmals im Herbst letzten Jahres kennengelernt, als Velier eine 13 Jahre tropisch gereifte Version dieses Rums abgefüllt hat, die mir sehr gut gefallen hat. Es sagt aus, dass wir einen Rum mit einem Estergehalt von 550 bis 700 gr/hlpa vor uns haben. Nähere Infos zu Cambridge Estate findet ihr bei Interesse im verlinkten Review. Nun hat Velier nachgelegt und im Rahmen der Habitation Velier Serie auch noch eine ungereifte Variante dieses Marks an den Start geschickt. Die Unterschiede sind natürlich eklatant und man erkennt sofort ganz wunderbar, wie viel Fasseinfluss am Ende tatsächlich in einer so intensiv gereiften Spirituose stecken. Zurecht verweist der Abfüller auf dem Backlabel darauf, dass es sich einmal mehr um eine Weltpremiere handelt, wenn gleich die Wirkung dieses Hinweises aus meiner Sicht inzwischen schon etwas leicht inflationäres hat.
Die weiteren Infos zur Abfüllung sind schnell abgehandelt. Der Rum ist, wie gesagt, ungelagert, weist einen Estergehalt von 674 gr/hlpa und einen Alkoholgehalt von 62,5% vol. auf, was aber nicht der Fassstärke entspricht und stammt zu 100% aus einer Double Retort Pot Still von Long Pond. Ob es die Original Brennanlage aus Cambridge ist, ist mir leider nicht bekannt, aber mit ihr ist auf jeden Fall dieser Stil möglich zu produzieren. 




















Gänzlich ungereift allerdings fehlen einem Rum in meinen Augen leider immer die Vorzüge. Da fehlt für mich eben etwas. Einige mögen das, das weiß ich, aber ich persönlich mag eine Spirituose lieber lange gereift, weswegen sich hier für mich ein Drink natürlich aufdrängt. Da ich Collinses im Sommer sehr, sehr gerne trinke und einen solchen meist auch einem klassischen Daiquiri vorziehe, war dies heute mein Drink der Wahl und wird es auch die nächsten Wochen immer mal wieder sein, denn ich habe die gesamte neue White High Ester Serie von Habitation Velier probieren können, inklusive des <>H für Whisky Live Paris 2018. Ich freue mich darauf!

Ester-Parade


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Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E:

Fast farblos und an Bitter Lemon erinnernd, kommt der Rum Collins im Glas daher, das einzige an Farbgebung kommt hier von der Limette und das ist bekanntlich nicht viel. 
Geschmacklich ist der Drink dann ungefähr das, was ich mir auch von ihm erwartet habe. Das heißt, er schmeckt äußerst frisch, sehr fruchtig und passt perfekt in die ersten wirklich warmen Tage des Jahres hinein. Dementsprechend sitze ich beim Schreiben dieser Zeilen auch gerade auf meinem Balkon in der Sonne, genieße meinen Drink und bringe euch den Drink näher. Der Long Pond kommt natürlich kräftig durch und geht mit der Süße/Säure Ballace eine schöne Kombination ein. Der Rum hat schon ordentlich Ester, das merkt man. Auch ungelagert und im Drink stünde blind fest, dass ich hier etwas aus Jamaica im Glas habe. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie weit das ungelagerte Destillat noch vom 13 Jahre tropisch gereiften Cambridge mit gleichem Mark entfernt ist. Mein Drink der Wahl mit diesem wäre wohl eher ein Mai Tai und ich würde ihn tendenziell auch nicht mit Soda auffizzen. Apropos: das Sodawasser verleiht dem ganzen dann noch ein wenig Pepp und verlängert den Daiquiri dahingehend, dass er noch ein wenig einfacher zu trinken ist. Und tatsächlich mag ich persönlich das ziemlich gern. Einen klassischen Daiquiri mache ich mir deutlich seltener als einen Collins. Mit ein wenig Schmelzwasser gewinnt der Drink tendenziell noch, was ihn zu einem angenehmen Begleiter an warmen Tagen natürlich besonders prädestiniert. 

Fazit: den Drink würde ich grundsätzlich wieder mixen, da er einfach sehr, sehr lecker ist, aber dafür eine ganze Flasche des Rums zu diesen Kursen kaufen? Das wird bei mir echt schwierig! Ich bin ja durchaus dafür zu gewinnen, dass tropisch gereifte Rums ein wenig mehr kosten als europäisch gereifte Rums, schlicht, da der Angels Share wesentlich höher ausfällt, aber 45,- bis 50,- (!!) Euro für einen ungelagerten Rum? Ernsthaft?! Hier stimmt für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis leider überhaupt nicht, weswegen sich diese Empfehlung hier eher an Rum Liebhaber richtet, die ein Sample zuhause stehen haben (und vielleicht nicht wissen, was sie damit anstellen sollen) oder einen Goldesel oder beides. Nichts desto weniger hoffe ich, dass wir in der Zukunft weitere ungelagerte Rums auf dem Markt sehen werden, weil ich es spannend finde zu sehen, welchen Ausgang ein Destillat einmal hatte, bevor es lange gereift in mein Glas gelangte!

Abschließend wünsche ich euch allen noch einen schönen 1. Mai und bedanke mich natürlich auch nochmal beim Freddy für's Teilen der Flaschen und dafür, dass ich das Altglas für die Fotos bekommen konnte! Vielen Dank dafür!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 28. April 2019

Velier HP Blended Trinidad Rum 19 YO Caroni 1991

Liebe Rum Gemeinde,

nach der Enttäuschung mit dem Caroni 1988 von letzter Woche, der den Auftakt zu einer Verkostung von Blended Caroni aus drei verschiedenen Jahrgängen markierte, geht es heute mit einem 1991er Blended Caroni weiter und ich hoffe natürlich auf Besserung! 



1991 ist, wie 1988, ein Jahrgang, aus dem es bisher meines Wissens nach ausschließlich Blended Caronis gegeben hat. Von Velier, für mich bei Caroni die uneingeschränkte Referenz, gab es da genau zwei Releases im Jahr 2010, nämlich eine Full Proof und eine High Proof Abfüllung. Erstere kommt mit 61,7% vol. daher und ist leider nahezu überhaupt nicht anzutreffen und der High Proof weist gewohnte 55% vol. auf. Beide Flaschen haben im Prinzip das gleiche Label, einmal in Farbe und einmal in Schwarz-Weiß, auf dem leicht bekleidete Damen beim Karneval in Trinidad zu sehen sind. Und schwere Verfügbarkeit ist dann auch direkt schon das Thema, denn beide Abfüllungen sind leider sehr, sehr rar, auch die High Proof Version sieht man nicht unbedingt oft. Vor einiger Zeit wurde in Frankreich glücklicherweise dennoch ein Sample angeboten, welches mein Kollege Marius von Single Cask Rum und ich uns geteilt haben, so dass ich heute dann auch drüber sprechen kann. Tatsächlich war ich auf diesen Caroni schon sehr lange neugierig, da aus 1991 ja auch gelegentlich einige andere Caroni von diversen unabhängigen Abfüllern angeboten wurden, von denen allerdings keiner wirklich nachhaltig im Gedächtnis verweilen wollte. Kurz: da war der große Wurf bisher nicht dabei. Die Frage, ob Velier, bzw. die Sonne Trinidads, hier mehr rausholen konnten, drängte sich also gerade zu auf. Ich bin gespannt! ...ebenso wie auf den Vergleich zum 1988er Blended von letzter Woche, der mich inhaltlich nicht zu überzeugen vermochte.



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Verkostung des Velier 19 YO HP Caroni 1991:

Preis: der Ausgabepreis wird 2010 bei ca. 60,- bis 80,- Euro gelegen haben. Heute kostet eine Flasche ca. 500,- Euro. 

Alter: von 1991 bis 2010 reifte der Rum 19 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1991 bis 2010 auf Trinidad statt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 2050 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: ohne Angaben. 

Alkoholstärke: High Proof - der Rum hat eine Trinkstärke von 55% vol.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: Blended Trinidad Rum

Farbe: leuchtendes Mahagoni. 

Viskosität: der Rum fließt in eher dünnen und eng verlaufenden, regelmäßigen Schlieren am Glas herunter.

Nase: mhmm, die Nase ist direkt sehr viel voller als die des 1988er Blended aus der vorherigen Verkostung. Auch Caroni als Destillerie ist bei diesem Rum hier etwas präsenter. Hier würde ich blind sicher sehr viel eher richtig tippen als noch letzte Woche. Trotzdem geht auch dieser hier schon weit weg von dem, was wir von den Heavy Caronis her kennen. Der Alkohol sticht bei 55% vol. nahezu überhaupt nicht, kommt hier sehr smooth. Spanische Anklänge und Angostura finde ich auch hier in der Nase, aber deutlich spannender. Da ist schon auch etwas von Schrottplatz. Eine Welle Teer und verbranntes Gummi kommt da bei jedem Nosing. Ein wenig erinnert mich das an die Caronis aus 1998. Ich habe viel Trockenfrüchte und ganz dezent im Hintergrund nehme ich da auch eine leichte Süße wahr und Maracujas. Ich kann mich hier nicht so richtig entscheiden, ob mir die Nase wirklich gefällt. Das ist alles nicht schlecht, aber irgendwas fehlt mir da auch. 

Gaumen: oh, hier kommt Caroni schon deutlich präsenter heraus! So langsam nähere ich mich anscheinend an. Der erste echte Caroni-Moment, im Rahmen meiner Tastings der Blended Velier Caroni! Der Rum bringt mit 55% vol. natürlich die richtige Kraft mit, um hier bestehen zu können, ist sehr viskos und wird am Gaumen schön cremig. Bis hier hin ist das schon mal mehr, als mir der Rum in der Nase bieten konnte. Eine schöne, kräftige aber natürliche Süße leitet den ganzen Spaß am Gaumen ein, die dann schon auch diese typischen Elemente von Holzlack und Gefahrstoffen mit sich bringt, die man bei einem Caroni erwartet. Dazu kommen dann trockenes Holz und ein deutlicher Einfluss vom Fass, die das ganze abrunden. Schön!

Abgang: frisch geschnittene Äste und trockenes Holz, kombiniert mit  der Bitterkeit von den Tanninen bleiben am Gaumen und verweilen dort ca. 10 Minuten.

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Fazit: der Rum ist eine sehr deutliche Steigerung zum Vertreter aus 1988, das muss klar gesagt und hier zunächst einmal auch so festgehalten werden. Auch in Punkten wird das am Ende offenbar. Man erkennt den Caroni als das was er ist und hat durchaus eine schöne Zeit mit ihm. Das ist entspanntes Easy Sippin' auf hohem Niveau. Und doch muss man, wenn man dann dazu übergeht den Rum ins Caroni-Universum insgesamt einzuordnen, konstatieren, dass auch ihm noch einiges fehlt, um mit den ganz großen Vertretern der Destillerie mithalten zu können. Oder anders gesagt: auch er ist eben kein Heavy Caroni und das merkt man. Mir persönlich, der Verdacht drängt sich auf, gefällt Caroni da einfach in voller Konsequenz am besten und so könnte mich der 1991er wohl niemals dazu verleiten, eine größere Summe Geld dafür auszugeben, die heute dafür aufgerufen wird. Zum Ausgabepreis allerdings hätte ich mir vom Full Proof, da er vermutlich ja ein ähnliches Profil hat, mit Sicherheit eine Flasche gegönnt.

-87/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 21. April 2019

Velier Blended Trinidad Rum 15 YO Caroni 1988

Frohe Ostern, liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch einen Caroni vorstellen, der mir vor allem wegen seines Jahrgangs am Herzen liegt, nämlich den Blended Caroni von Velier aus meinem Geburtsjahr 1988! 



Damit wiederum genießt der Velier Caroni 1988 bei mir eine absolut exponierte Stellung, denn so weit es mir bekannt ist, gibt es keinen einzigen anderen abgefüllten Caroni aus diesem Jahrgang. Leider, da war ich von Anfang an realistisch, sprechen die Rahmendaten (Blended/43% vol.) nicht gerade dafür, dass ich hier und heute eine absolute Knaller-Abfüllung vor mir habe. Mit dieser Erwartung bin ich auch zuvor niemals an diesen Rum herangegangen, weswegen ich vom Kauf einer Flasche zu Kursen von über 500,- Euro auch stets abgesehen habe. Warum ich den Rum nun aber vorstellen kann und weswegen ihr oben im Titelbild auch die Flasche dieses Rums erkennen könnt? Da muss ich etwas weiter ausholen!

Ein Sample des 1988er Caroni konnte ich bereits Mitte 2018 bekommen, als mein Danish Buddy Kenneth mir einfach eine Probe davon mitbrachte, als er mich besuchen kam. Er war kein ausgewiesener Fan dieses Bottlings, weshalb ihm die Trennung vermutlich auch nicht schwer fiel. Da ich mit der Verkostung des Rums warten wollte, bis sich noch ein paar mehr Blended Caroni von Velier in meiner Sample Bibliothek befinden, stand das Sample zunächst einmal ein paar Monate im Schrank. In der Zwischenzeit kamen dann auch noch Proben vom 1991er High Proof und vom 1993er Blended Caroni dazu, weswegen ich diese nun parallel verkostet habe und hier auf BAT auch nacheinander vorstellen werde.





















Was aber hat es mit der Flasche auf sich? Da hatte ich schlicht und ergreifend ganz viel Glück. Als wir im März zur Cologne Spirits am Ende des Samstags alle gemeinsam noch im Al Salam waren, fiel mein Augenmerk dort schon beim Hineingehen sofort auf eine alte Flasche Caroni im Spirituosenregal. Nach dem Essen, wir saßen mit unserer großen Gruppe ganz gemütlich im Obergeschoss, ging ich also noch einmal herunter an die Bar und sah mir das genauer an. Da stand also ein 1988er Caroni, einfach so. Es ist ja nicht so, dass man derartige Abfüllungen sonst noch antrifft. Ich ließ mir die Flasche also in die Hand geben und bemerkte, dass sie im Grunde leer war. Genau 2 cl waren noch drin. Diese bestellte ich mir, wohl wissend, dass der Rum vermutlich längst gekippt war durch die enorme Oxidation über die vielen Jahre, aber da man mir zusagte, die dann leere Flasche mitnehmen zu können, war mir das egal. Es war ein wirklich sehr, sehr schöner Abend im Al Salam, rund herum gelungen und ein toller Abschluss zweier wunderbarer Tage in Köln mit wieder super netten und lieben Menschen! Es hat mich sehr gefreut! Der Rum war tatsächlich schon nicht mehr gut, aber ich hatte ja daheim das Sample. Und an dieses werde ich mich nun setzen und den Rum ohne jede Erwartung probieren. 



Verkostung des Velier 15 YO Caroni 1988:

Preis: der Ausgabepreis im Jahr 2008 wird bei ca. 40,- bis 50,- Euro gelegen haben. Heute muss man für eine Flasche schon ca. 600,- bis 800,- Euro zahlen.

Alter: von 1988 bis 2003 reifte der Rum 15 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: der Rum reifte von 1988 bis 2003 auf Trinidad und lagerte von 2003 bis 2008 im Stahltank. Im Jahr 2008 schließlich wurde er abgefüllt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 20 Fässer abgefüllt, die 5200 Flaschen ergaben. 

Angel's Share: ohne Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit dem für Velier Caroni äußerst ungewöhnlichen Alkoholgehalt von 43% vol. daher.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: Blended Trinidad Rum

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh. Für einen tropisch gereiften Caroni ist er ungewöhnlich hell. 

Viskosität: eher dünne Schlieren laufen ölig, aber unregelmäßig an der Glaswand herab.

Nase: in der Nase kommt der Caroni zunächst sehr zurückhaltend. Alkoholische Schärfe nehme ich nahezu gar keine wahr, was mich bei 43% vol. allerdings nicht sonderlich überrascht. Auch Caroni als Grundcharakter des Rums kommt zu Beginn erstmal nicht eindeutig heraus. Klar, da sind schon Komponenten, aber die sind nur ganz schwach da und werden auch eher beim peripheren Nosing erfasst. Sehr viel eher würde ich den Rum wohl bei Angostura einordnen, wenn ich denn überhaupt auf einen Rum aus Trinidad tippen würde. Und auch nach ca. 45 Minuten passiert da einfach nicht viel im Glas. Da ist ein bisschen Nagellackentferner, deutliche Haselnuss und Nugat, ein wenig salziges Karamell, ein Hauch Vanille... aber sonst? Caroni kann man möglicherweise erahnen, muss es aber wenn, dann mühsam suchen. Alles in allem wirkt der Rum letztlich eher wie ein Spanier. 

Gaumen: im ersten Moment empfinde ich den Rum vor allem erstmal erstaunlich stabil für die nur 43% vol., die er hat. Er ist sehr viskos, wird auch schnell cremig am Gaumen und brennt mal überhaupt nicht, kein bisschen. Jede alkoholische Schärfe ist vollkommen abwesend. An Assoziationen am Gaumen habe ich dann wirklich nicht viel und das was da ist, empfinde ich als mehr oder weniger undefinierbar. Belanglos. Wie ein Spanier, bei dem man den Zucker und andere Zusatzstoffe vergessen hat. Der Rum ist meines Erachtens sehr schwach. Caroni könnte ich blind nicht mehr tippen oder gar herausschmecken. 

Abgang: ganz schwach, da ist selbst mancher Spanier stärker... wie ein solcher präsentiert er sich hier auch abermals.

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Caroni 1988 im Al Salam
Fazit: ein Rum, den es für mein Verständnis mal überhaupt nicht gebraucht hätte, und den ich, ohne die Rahmenstory, dass es sich um meinen Geburtsjahrgang handelt und er Teil des tollen Abends im Al Salam in Köln war, oder die Tatsache, dass ich verschiedene Blended Caroni miteinander vergleichen möchte, hier auch nicht vorgestellt hätte.
Daher ist das an dieser Stelle auch alles schnell erzählt, bzw., ich glaube, das Review selbst hat da für sich gesprochen. Ich bin ja grundsätzlich schon kein Fan davon, Unsummen in alte Caroni Bottlings zu investieren, so lange es noch solch tolle Abfüllungen wie den 23 YO aus 1994 oder den 21 YO aus 1996 zu günstigeren Konditionen zu kaufen gibt, aber wenn, dann wäre die heute besprochene Abfüllung sicher die letzte, die ich zu den aufgerufenen Preisen holen würde. 600,- bis 800,- Euro?! Come on! Das ist leider nicht die Qualität, die man gemeinhin mit Velier und Caroni in Verbindung bringt! Das ist der Rum einfach nicht wert und ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass dieses hier der mit Sicherheit schwächste Velier Caroni ist, den ich bisher im Glas hatte, wohl sogar mit Abstand! All das, was ich an Caroni sonst so schätze, sucht man in diesem Tropfen nahezu vergebens. Mein Erstkontakt mit Blended Caroni von Velier war daher leider keine Offenbarung, aber ich verspreche Besserung mit dem 1991er, den ich dann demnächst hier vorstellen werde. ;-)

-75/100-

Abschließend bleibt mir nur, euch noch ein schönes Osterfest im Kreise eurer Lieben zu wünschen! Fröhliche Eiersuche allerseits! :-) 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 14. April 2019

Rum Nation Jamaica Rum 25 YO Monymusk 1991

Liebe Rum Gemeinde,

nach, für meine Verhältnisse, ganz viel Demerara Rum, geht's heute mal wieder zurück zu den Wurzeln und ich möchte euch einen lange gereiften Jamaica Rum aus Monymusk und in Fassstärke vorstellen! Dargereicht wird er von Rum Nation, die diesen Rum als den letzten ihrer Supreme Lord Serie ausgewählt haben.



Die Supreme Lords von Rum Nation galten vielen einst als eine der begehrtesten Serien, die es im Bereich Jamaica Rum überhaupt gibt.  Mit 1974, 1977, 1982, 1985 und 1986 vereinte sie alle alten Long Pond Jahrgänge in einer gemeinsamen Reihe - dazu kam dann noch ein 1990er Hampden, ebenfalls ein Ausnahme-Jahrgang. Schon im Jahr 1999 kam mit dem Supreme Lord I der erste Rum der Reihe auf den Markt und in Abständen von jeweils zwei bis drei Jahren folgten dann die weiteren. Auffällig waren die für damalige Verhältnisse wirklich hohen Preise. Für jede Flasche musste man auch schon vor dem großen Boom um Rum mindestens 120,- Euro und mehr hinlegen. Was heute leider sehr viel vertrauter erscheint, war preislich damals schon das oberste Fach im Regal (die tropisch gereiften Velier z.B. waren günstiger). Das große Manko der Supreme Lords: alle Rums wurden mit 43 oder 45% vol. abgefüllt, also stark verdünnt. Bis auf den aller ersten, den Lord I, hatte ich jede der Abfüllungen im Glas und musste immer wieder feststellen, dass einige von ihnen zwar ein hervorragendes Profil hatten, sie aber einfach zu stark verwässsert wurden. Diesen "Fehler" hat man beim Supreme Lord VIII glücklicher Weise nicht begangen, weswegen der Monymusk 1991 in voller Fassstärke von 55,7% vol. daher kommt!

Doch noch etwas ist neu beim Rum Nation Supreme Lord VIII, nämlich die Box. Hatte man bei den sieben Vorgängern noch auf charakteristische, opulente Holzboxen gesetzt (die wirklich etwas hermachten im Regal, Äußerlichkeiten hin oder her!), so kommt der Monymusk in einer vergleichsweise schlichteren, aber ebenfalls sehr groß ausfallenden Umverpackung daher. Preislich lag der Rum in der Ausgabe bei ca. 230,- Euro in Deutschland, in Italien war er etwas günstiger, womit er aber so oder so der teuerste der acht Rums der Reihe war. Dies lag, neben der Tatsache, dass er in Fassstärke daher kommt, möglicherweise auch daran, dass der Rum ganze elf (!) seiner fünfundzwanzig Jahre der Lagerung in Ex-Oloroso Sherry Fässern nachreifen durfte, die ja bekanntlich teuer sind. Dieses Finish sorgt gleichzeitig aber auch für eine gewisse Einzigartigkeit, denn ich kenne glaube ich keinen anderen lange gereiften Jamaica Rum, der ein so dermaßen langes Finish in Ex-Sherryfässern genießen durfte. Wie sich das geschmacklich ausgewirkt hat und ob der Rum seinen ihm eigenen Charakter darunter noch bewahren konnte, das erfahren wir im Folgenden...


Verkostung des Rum Nation Jamaica Rum 25 YO Monymusk 1991:

Preis: der Ausgabepreis in Deutschand im Jahr 2016 betrug ca. 230,- Euro, in Italien war er allerdings deutlich günstiger zu bekommen. Inzwischen liegt der Kurs bei 250,- Euro ca.

Alter: von 1991 bis 2016 reifte der Rum im Fass, davon die ersten 14 Jahre im Ex-Bourbon- und die weiteren 11 Jahre im Ex-Oloroso-Sherrycask.

Lagerung: der Rum reifte mutmaßlich die meiste Zeit, wenn nicht gar die gesamten 25 Jahre, in Europa.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 750 Flaschen abgefüllt. 

Angel's Share: keine Angabe. 

Alkoholstärke: der Supreme Lord VIII Monymusk kommt in Fassstärke daher, und bringt noch 55,7% vol. "auf die Waage". Das macht ihn unter den acht Supreme Lords einzigartig, denn die anderen wurden samt und sonders mit 45, bzw. mit 43% vol. abgefüllt. 

Destillationsverfahren: ich mutmaße eine Pot Still hinter diesem Rum.

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles, leuchtendes Mahagoni. 

Viskosität: es bilden sich enge, kleine Perlen an der Glaswand, die dann zu engen Schlieren gleichmäßig und zügig am Glas herunterlaufen.

Nase: Wow, das ist mal eine volle Nase! Wahnsinn! Auch nach über 45 Minuten des Atmens im Glas gibt sich der Rum noch sehr konzentriert und der Alkohol ist weiterhin merklich präsent. Daher ist zunächst einmal ganz lange ausschließlich peripheres Nosing angesagt. Das allerdings lohnt sich auch schon enorm! Ich empfinde das Bouquet als unglaublich warm und die Reife des Destillats zeigt sich unzweifelhaft deutlich. Ich nehme Noten von Klebstoff und Nagellackentferner wahr, gepaart mit etwas Marzipan, Trockenfrüchten, Tabak, Gewürzen, Tee, und vor allem das Finish in Ex-Oloroso Casks, welches den Brennereicharakter des Monymusk zwar nicht überlagert, diesem aber schon sehr seinen Stempel aufdrückt. Bedenkt man allerdings, wie wirklich extrem lange die Nachreifung in Ex-Oloroso-Sherryfässern stattfand, stolze 11 Jahre waren es, so hält sich das aber auch eigentlich schon fast wieder im Rahmen, wie ich finde.  Dahinter kommt dann noch ein leicht fahler Beiton, den ich nicht einordnen kann. Dass es sich um einen alten, lange gereiften Jamaicaner handelt, ist deutlich wahrnehmbar, wenn man noch einige der Abfüllungen aus den 1970er und 1980er Jahren kennt, aber das Finish hat da wie gesagt schon etwas sehr eigenes draus gemacht. Herrlich! Ein Rum, an dem man sich kaum satt riechen kann, der wirklich sehr reichhaltig daher kommt und einfach Spaß macht! Etwas für vor dem Kamin im Winter oder den Balkon an einem Sommerabend!

Gaumen: am Gaumen fällt mir zunächst auf, dass der Rum einen weniger schweren Körper hat, als ich es anhand der Nase vermutet hätte. Dann aber kommt er nach und nach und wird auch sehr mundfüllend und letztlich cremig. Lecker! Ich habe zu Beginn eine angenehme und natürliche Süße. Der doch recht hohe Alkoholgehalt, immerhin kommt der Monymusk mit 55,7% vol. in Fassstärke daher, macht sich kaum bemerkbar, kurz zwiebelt er an der Zunge, aber ich empfinde den Rum direkt als angenehm trinkbar. An Assoziationen habe ich Nasses Gras, Stroh, Haselnuss, Melasse, Banane und im Hintergrund auch Anis. Das sind schon die typischen Merkmale alter Jamaicaner aus Long Pond oder eben auch Monymusk. Dazu kommen Einflüsse von Trockenfrüchten, die wohl dem Sherryfass entstammen. Dieses spielt hier aber eine sehr viel geringere Rolle als noch in der Nase. Außerdem habe ich Zimt, frisch geschnittene Äste, Tabak und Eichenholz. Ein überaus reichhaltiger, komplexer Rum, der niemals langweilig zu werden, der bei jedem Schluck immer noch weitere Facetten zu bieten zu haben scheint. Zu keiner Zeit habe ich das Gefühl, dass der Monymusk seine Geschichte schon auserzählt hat. Das gefällt mir!

Abgang: unmittelbar nach dem letzten Schluck verweilen Anis und Tannine am Gaumen. Insgesamt ist der Abgang aber wohl der einzige Teil des Rums, der nicht auf ganz hohem Niveau spielt, denn der Rum ist überraschend schnell bereits nach einigen Minuten nahezu verflogen.

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Fazit: ein hervorragender Rum, der lange Zeit etwas unter meinem Radar lief - zu unrecht! Zwar kenne ich ihn grundsätzlich schon länger, allerdings habe ich mich erst jetzt kürzlich das erste Mal auch intensiver mit ihm auseinander gesetzt und festgestellt, dass er deutlich besser ist, als er mir bei der ersten, kurzen Momentaufnahme erschien. Zum Vergleich mit anderen Monymusk eignet er sich in meinen Augen dagegen nicht. Klar, der Charakter ist noch da, aber das Finish macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes unvergleichlich - ein Rum, der für sich allein steht, der mit jedem Schluck immer wieder noch neues bietet und der auf diese Weise mit hoher Komplexität und starkem Anspruch daher kommt. Ich bin da wirklich begeistert und möchte euch den guten Tropfen sehr ans Herz legen! Frühere Supreme Lords mögen vielleicht das noch etwas größere Potenzial gehabt haben, wenn ich da an so manchen hervorragenden Long Pond Jahrgang oder auch den Hampden 1990 denke, aber die Fassstärke macht diesen hier gegenüber den anderen sieben in (zu sehr) reduzierter Trinkstärke zum in meinen Augen insgesamt besten Rum der Reihe!
Spannende Randnotiz ist aus heutiger Sicht der Preis. Ich weiß noch, dass mir der im Jahr 2016, und einigen anderen auch, sehr hoch erschien, wohl sogar zu hoch, unabhängig vom gebotenen. Heute, drei Jahre später, erscheinen knapp unter 250,- Euro für einen 25 Jahre alten Jamaicaner in Fassstärke hingegen durchaus üblich. Wirklich günstiger tauchen solche Rums nämlich leider nicht mehr auf und in dieser Qualität bedauerlicher Weise auch nicht unbedingt. Insofern war der Rum an der Stelle seiner Zeit wohl ein wenig voraus und läutete das Ende der lange gereiften Monymusk und Long Ponds ein.

-92/100-

PS: gestern habe ich, nachdem ich meinen Text noch einmal durchgelesen habe, selbst bei diesem Rum auch zugeschlagen, und mir eine ganze Flasche gesichert. Falls es da also noch einer Motivation zum Kauf bedurfte... ;-)


Bis demnächst,
Flo