Donnerstag, 16. Mai 2013

LPS Long Pond Single Rum 1993 2nd Release 17 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute teste ich den LPS Long Pond Single Rum 1993 2nd Release - 17 YO im Mai Tai. Der Rum erfuhr im Februar 2012 seine Markteinführung und wurde, genau wie sein Vorgänger, der langsam aber sicher vom Markt verschwand, 1993 auf Jamaica in Long Pond im Pot Still Verfahren destilliert, lagerte aber, im Gegensatz zum 1st Release von 2005, siebzehn Jahre in Eichenholzfässern, und nicht elf. Der Rum wurde 2011 bei Rum Albrecht in 342 Flaschen abgefüllt. Der Abfüller hat das Fass direkt aus Jamaica erstanden, wo der LPS (Long Pond Special) die gesamten Jahre über reifte. Er ist farblich deutlich dunkler als sein kleiner Bruder, weist ein tiefes, bernsteinfarbenes Braun auf. Sein Vorgänger war viel heller und goldfarben. Gleichgeblieben ist, neben der schlichten, aber eleganten Flasche mit rotem Wachsverschluss und rot-goldenem Etikett, auch sein Alkoholgehalt von 53% vol., es ist also ein nur minimal verdünnter Fassstärkerum. Die Fassstärke lag bei 60,4% vol. Der Preis war für eine Einzelfassabfüllung diesen Alters in (fast) Fassstärke erstaunlich fair! Schon der elfjährige Vorgänger hatte einen fantastischen Preis von +/- 25 Euro, dieser Rum kostete um die 40 Euronen. Für diesen Preis sucht man Fassstärke-Rums von Cadenhead, Bristol Spirits, Velier oder Duncan Taylor leider vergeblich.
Die Zusatzjahre merkt man dem Rum deutlich an, im positiven Sinne. Schon der alte, elfjährigen LPS konnte sich sehen lassen, aber im Vergleich zum 2nd Release LPS war dieser doch deutlich schärfer, unbalancierter und vllt. etwas zu ruppig. Dieser hier gibt ein deutlich schöneres, weicheres und harmonischeres Bild ab. Die Kraft ist natürlich immer noch da, aber das ist ja gewollt. Er hat viel von seiner, wie ich fand etwas unangenehmen, Alkoholnote verloren und präsentiert sich nun als vollständig gereiftes Produkt. Viel Vanille und Trockenfrüchte machen sich schon in der Nase und auch später am Gaumen bemerkbar, Bananennoten sind da, Ester sind reichlich vorhanden und es macht einfach Spaß ihn pur zu trinken, das ist Jamaica, wie ich es mir wünsche! Geil! Die zarte Rauchnote, die er hinten raus in der Nase aufweist, ist das gewisse Extra. Große Klasse! Ohne zu übertreiben ist das einer der besten Jamaica-Sipper der letzten Jahre, zumindest in der Klasse der Planierraupen-High Ester-Jamaicaner! Auch Berry's Own Selection Hampden 1990 oder Cadenhead's Green Label Jamaica 14 YO müssen sich hier geschlagen geben, letzterer sogar deutlich. Hier sieht man dann auch schon: vom Typ her würde ich den Rum glasklar eher bei Hampden einordnen, als bei Long Pond, einzig sein Abgang verrät ihn als Nicht-Hampden Rum. Dieser ist zwar immer noch sehr lang, aber eben nicht so ewig lang bis zum nächsten Morgen, wie man das bei Hampden schon mal erleben kann. Das ist ein absolut untypischer Rum für Long Pond, das eher für seine genialen Wedderburner bekannt ist, ich würde ihn in einem Blind-Tasting vllt. sogar Hampden zuordnen.
Ich wüsste keinen Rum, mit dem man den LPS tatsächlich vergleichen könnte, es findet sich einfach nichts ähnliches in meinem Regal, das inzw. immerhin schon so einige Jamaicaner beherbergt. Der LPS 2nd Release hat da also eine ziemliche Alleinstellung, unglaublich! Dieser Rum ist natürlich prädestiniert für einen Mai Tai und daher wollen wir nun noch sehen, wie er sich im dort schlägt:

Mai Tai mit Long Pond Single Rum 1993 2nd Release - 17 YO:

LPS Long Pond 1993 17 YO- Mai Tai
Eine gold-gelbliche Färbung weist dieser Mai Tai auf, der Rum ist etwas dunkler als andere, geht vom strohigen Ton schon sehr weg, Orgeat von Meneau, Orange Curacao und Demerara Zuckersirup tun ihr übriges. Farblich kann sich der Drink schon mal sehen lassen und sich von anderen etwas abheben.

Geschmacklich dann der volle Einschlag! So blitzartig wie bei noch keinem weiteren Mai Tai vor ihm, mit Ausnahme vllt. vom Berry's Hampden, schießt es mir durch den Kopf: "Mai tai roa ae!" - Out of this world! Das ist Perfektion! Ein Rum, der im Drink klar der Herr der Lage ist, der dominiert, der die klare Nummer 1 ist. Aber auch ein Rum, der ein perfektes Team um sich hat, dass eingespielt und unter vollem Einsatz für diesen Rum arbeitet und ihn gekonnt in Szene setzt. Dieser Mai Tai ist ein Dreamteam, das nichts schlagen kann, was bisher auf diesem Blog gelandet ist!
Dank der 53% vol. muss bei dem Drink nicht mal so ganz penibel auf die Kühlung geachtet werden, ein wenig Verwässerung tut dem Drink nicht so viel, wie das bei einem 46% vol. Rum Mai Tai der Fall ist. Gleichzeitig sind 53% vol. aber auch nicht so viel, als dass er etwas Schmelzwasser unbedingt bräuchte, das ist hier einfach die optimale Stärke, einfach nur geil! Der Mai Tai hat alles, was ich mir von einem Mai Tai erwarte: er hat Frucht, er hat gelagerte Noten, er hat etwas Vanille, er hat Ester, er hat Jamaica-Total, der Rum dominiert, unterdrückt aber nicht und die restlichen Zutaten unterstützen den Rum ohne daneben unterzugehen oder zweite Geige zu spielen. Perfektion sieht ziemlich genau so aus, wie auf dem Bild oben rechts.

LPS - Long Pond Special
Fazit: Schade! Zu einem Kauf würde ich gerne raten, aber leider war der Rum letztes Jahr innerhalb von 3 Monaten ausverkauft. Die ca. 40 bis 50 Euro, die der Rum gekostet hat, taten ihr übriges dazu bei, das war DER PLV Wahnsinn! Pur eine Granate, im Drink Mai tai roa ae. Konnte man mehr wollen? Der Berry's Hampden 1990 Mai Tai war ähnlich gut, aber auf eine andere Weise. Jedoch kostet der nun mal 80 Euro, das doppelte. Ich bin froh, beide Rums in meinem Bestand zu wissen, aber ich kann nur jedem, der vllt. doch mal an eine Flasche kommen kann dazu raten, hier zum Long Pond zu greifen. Ich wagte vor einem Jahr die Prognose, dass es den 2nd Release nicht mal im Ansatz so lange geben wird, wie die erste Abfüllung und behielt leider Recht. Nichts anderes konnte eigentlich passieren, wenn der beste Jamaicaner und der günstigste Jamaicaner in dieser Kategorie am Markt identisch sind. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung sagte ich: Schnappt euch, was ihr bekommen könnt!
Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: für diesen Rum wurde der Mai Tai erfunden!

Bis Morgen,
Flo

PS: so ganz ohne Kritik wäre es ja langweilig. Daher möchte ich hier unbedingt noch meinen Unmut über diese schreckliche Wachsversiegelung kund tun. Die gehört verboten... ;)

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