Dienstag, 14. Mai 2013

Renegade Jamaican Rum 2000 Hampden Estate 8 YO

Liebe Rum Gemeinde,

...weiter geht es im Test!

Heute ist der Renegade Jamaican Rum 2000 from Hampden Estate 8 YO an der Reihe. Dieser stand mir im Herbst 2011 Dank Leo zur Verfügung, der eine offene Flasche sein Eigen nannte. Danke noch einmal dafür an dieser Stelle.

Dieser Rum ist meines Wissens nach in Deutschland nicht mehr verfügbar. Zu kaufen gab es ihn regulär für ca. 50 Euronen. Man dürfte also höchstens noch vor Ort in unbekannteren Fachgeschäften Glück haben, das so etwas dort noch rumsteht.
Der Rum gehört zur Renegade-Reihe, einem Kollektiv an verschiedenen Einzelfassabfüllungen aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Alters, die aber nicht in Fassstärke angeboten werden, sondern auf Trinkstärke herabgesetzt wurden. Dieser Rum hat 46% vol. wurde im Jahr 2000 destilliert und acht Jahre gelagert. Wie alle Renegades, so wurde auch dieser in Schottland bei Bruichladdich von Murray McDavid gelagert und durch eine Lagerung in alten Weinfässern abgerundet. Der Hampden Estate 2000 durfte in einem Château Climens Fass nachreifen. Die Abfüllung ist auf 1500 Flaschen limitiert gewesen. Für die Zusammenstellung der Fässer, mindestens vier werden es wohl gewesen sein, ist bei Renegade Jim McEwan verantwortlich.
Pur, das sei an dieser Stelle noch angemerkt, finde ich diesen Rum herausragend. Heute würde ich ihn auch nicht mehr in einen Mai Tai geben, doch dazu im Fazit mehr.

Mai Tai mit Renegade Jamaican Rum 2000 from Hampden Estate 8 years old:

Mai Tai mit Renegade Jamaica Rum 8 YO
Soviel zum Rum. Nun hatte ich den Mai Tai mit eben diesem im Glas und stellte bei der Betrachtung fest, dass dieser deutlich milchiger und heller war, als man dies von einem Mai Tai gewohnt ist. Auf dem Foto wirkt er sogar dunkler als er war. Der Rum als solcher ist sehr strohig und hell, die Farbe des Drinks war mit der des Orgeat vergleichbar.

Kommen wir zur Verkostung: beim ersten Schluck war ich damals wenig begeistert. Mein erster Gedanke war, dass der Rum deutlich zu wenig durchkommt, zu soft ist, wobei ich dringend anmerken muss, dass ich zum Zeitpunkt des Tastings noch von jedem Jamaicaner eine Faust ins Gesicht erwartet habe, und so manchen Rum so auch nicht wirklich wertgeschätzt habe, in dem was er war.
Die anderen Zutaten waren gut ballanciert, kamen als ganzes jedoch zu sehr gegen den Rum durch. Es war ein wenig "Der Rum gegen den Rest". Das, was wir bei Rums wie Smith & Cross beobachten konnten, nämlich dass die restlichen Zutaten den Rum in Szene setzen, fehlte hier zunächst. Nach ein paar wenigen Minuten jedoch begann der Drink sich etwas zu verändern. Er wurde harmonischer, der Rum kam auf einmal besser durch, bzw, fügte sich mit seinen Mitstreitern zusammen und der Drink wurde süffiger. In dieser Form unterschied sich der Drink zwar nach wie vor deutlich von anderen Mai Tais mit stärkeren Rums, wusste aber trotzdem zu gefallen. Entgegen meiner anfänglichen Befürchtung schadete es dem Drink nicht etwas zu stehen, der Drink verwässerte nicht. Am Ende kam der Geschmack einem Mai Tai mit stärkeren Rum doch noch näher, konnte aber natürlich diese Kraft nicht aufbauen.
In der Zubereitung unterschied sich dieser Mai Tai nicht von seinen damaligen Vorgängern. Ich habe ihn mit Giffard Sirupen, Marie Brizard Orange Curacao und eben jenem Rum im Shaker auf ganzen Eiswürfeln gemixt und auf ganze, frische Eiswürfel gestraint. Dadurch verwässerte der Drink deutlich langsamer. Das passte hier sehr gut.

Fazit: zu meinem Fazit kam ich nach gut einer Viertelstunde der Verkostung. Dieser Mai Tai ist was für alle, die heute mal keine Lust auf das "Ist er zu stark bist du zu schwach!" eines Smith & Cross oder eines Berry Bros. & Rudd Hampden 1990 haben und frei davon genießen wollen. Er ist eine feinere, softere Variante, die zwar nicht schlechter ist, aber die ich niemals bevorzugen würde, wenn mir nach einem klassischen Mai Tai mit Feuer ist.
Was ist noch erwähnenswert? Im Nachhall bleibt überraschend viel von einem üblichen Mai Tai, das typisch jamaikanische ist deutlich zu schmecken, gepaart mit den Spuren der übrigen Zutaten. Auch bleibt der Geschmack ziemlich lange im Mund. Toll!
Die Frage der Anschaffung fällt heute leider so gut wie weg. Wäre er noch erhältlich, würde ich aber vom Vermixen abraten und den puren Genuß empfehlen. Zwar würde mir der Drink heute sicher viel besser schmecken als damals, aber ich weiß eben zu sehr um die puren Vorzüge. Ein rarer, toller Rum! Ich denke, den werde ich auch irgendwann nochmal pur hier auf Barrel Aged Thoughts vorstellen.

Bis Morgen,
Flo

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