Donnerstag, 10. August 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

schon mit der Veröffentlichung des 26 jährigen 1990er Hampdens im März deutete sich intern bereits an, dass es in diesem Jahr noch zwei weitere High Ester Rums ins Portfolio von The Rum Cask schaffen könnten und im Mai erreichten mich dann tatsächlich auch zwei Fasssamples: eines davon war der 17 YO 2000er Hampden, der schon im Juni bei TRC erschienen und inzwischen bereits wieder ausverkauft ist und das andere war der heute vorgestellte Rum. Vor einigen Wochen ist daraus dann glücklicherweise auch Gewissheit geworden: beide Fässer dieser grandiosen und außergewöhnlichen Destillerie konnte gesichert werden! Morgen ist es dann auch endlich so weit und der zweite Rum kann über das Shopsystem des Abfüllers bestellt werden. Doch wovon reden wir jetzt eigentlich? Die Rede ist von einem 19 Jahre alten Hampden aus dem von mir hoch geschätzten 1998er Batch in Fassstärke!

Fassstärke... Es kommt zum Glück nicht mehr oft vor, dass ich mich mit dieser noch gesondert auseinandersetze, so sehr ist sie in den letzten Jahren zum Standard, nicht nur bei Whisky, sondern auch bei unabhängigen Rum Abfüllungen, geworden. Gut so! Ab und zu allerdings komme ich dann aber doch nicht drum herum diese nochmal gesondert hervorzuheben. Im März, beim 90er Hampden, war das so, da es sich um die m.W.n. erste Abfüllung dieses Jahrgangs in Fassstärke handelte und darauf viele Connaisseure sehnsüchtig gewartet haben. Okay. Warum aber hier und heute, werden sich einige von euch nun schulterzuckend fragen, bei einem 1998er Hampden? Da gab es doch schon einiges in Fassstärke! Ja, soweit richtig, aber der heutige Rum sticht da tatsächlich noch einmal heraus, denn er kratzt an der magischen 70% vol. Marke und kommt mit unglaublichen 69,1% vol. daher, die ihm den Spitznamen "The Beast" eingebracht haben, der auch auf dem Label vermerkt ist. Tatsächlich ist dies der stärkste Hampden in lange gereiftem Zustand den ich kenne und soweit ich weiß wurde bisher niemals ein höherprozentiger Hampden auf den Markt gebracht und wenn, dann nur in un- oder kurzgelagerter Qualität. 

Für etwas Verwirrung sorgte nach meinem Teaser am Sonntag der Papagei auf dem Label, der auch schon beim 1990er Hampden verwendet wurde. Ja, der war ursprünglich speziell für den 1990er Hampden gedacht, allerdings haben TRC und ich uns dazu entschieden, diesen nun grundsätzlich bei den "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen zu verwenden, um diese optisch noch etwas deutlicher herauszustellen.

Für größere Verwirrung hingegen sorgt dieses Mal das Mark des Fasses. Es lautete ursprünglich "JMD", wobei das "D" später mit einem "H" überschrieben wurde. Daher: "JMH". Vom Mark JMH weiß ich allerdings, dass es in der Vergangenheit schon für das Ester-Mark <>H verwendet wurde. Das 1998er Batch hatte ich hingegen bisher eher dem Ester-Mark HLCF zugeordnet. Auch hier würde JMH natürlich passen, ebenso wie es auch bei einem HGML passen würde. Um Klarheit zu erlangen, werden wir hier um ein paar Crosstastings nicht umhin kommen. Ich bin gespannt!



Verkostung des TRC Rum 19 YO Hampden 1998 "The Beast":

Preis: der neue Hampden wird bei 79,90 Euro pro 0,5 Liter Flasche liegen.

Alter: 19 Jahre lang reifte der Rum von 1998 bis 2017 im Fass.

Lagerung: der Rum lag, wenigstens zu großen Teilen, in Großbritannien.

Fassnummer: #26

Angel's Share: ca. 25%

Alkoholstärke: der Rum kommt mit starken 69,1% vol. Fassstärke daher. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: JMD → JMD → JMH

Farbe: schönes Gold

Viskosität:  weite und dünne, dabei aber ungleichmäßige Schieren, die sich am Glas festbeißen und eine angenehm ölige Viskosität erwarten lassen.

Nase: zu Beginn, direkt nach dem Einschenken ist der Hampden weniger intensiv als der 16 jährige Bruder. Der 19er macht da noch nicht so ganz auf und zeigt sich unglaublich stark. Die Hampden-typischen Aromen wie gegrillte Ananas und Banane sind natürlich da, aber hier wird noch viel vom Alkohol überlagert. Nach ca. 15 Minuten ist der 16er noch immer etwas fruchtiger als das Pendant mit 19 Jahren, der schon wesentlich gereifter daher kommt und gemächlicher wirkt. Die alkoholische Schärfe in der Nase nimmt ab und man merkt deutlich, dass sich der Rum charakteristisch schon ganz klar in die Richtung 20-25 YO am verabschieden ist, während der 16 YO seine Teeniezeit noch konsequent auslebt. Hier ist eine deutlich wahrzunehmende Entwicklung innerhalb des Batches zu beobachten, die mir sehr gut gefällt. Schon nach kurzer Zeit deutet hier vieles auf einen qualitativ sehr hochwertigen Rum hin.
Nach ca. 30 - 45 Minuten habe ich eine volle, runde Nase, die der des 16ers inzwischen sehr klar überlegen ist. Zu Ananas und Banane gesellen sich auch Zirone und Humus, sowie Vanille vom Fass. Jetzt zeigt sich der Unterschied deutlich. Während der 16er im Glas im Vergleich zu stagnieren scheint, kommt der 19er immer mehr. Eine volle, runde, ausgewogene Nase eines kompletten Rums, der richtig Spaß macht!
Nach ca. einer Stunde hat der 19 YO dann seinen Zenit erreicht und richtig aufgedreht. Eine unglaublich schön eingebundene Holznote rundet das Gesamtergebnis ab. Ich finde hier alles, was ich mir von einem gemäßigteren High Ester Hampden wünsche. 

Gaumen: den ersten Schluck nehme ich nach ca. 15 Minuten, als der Rum in der Nase schon einiges an Bissigkeit eingebüßt hat. Er britzelt natürlich trotzdem noch kurz, kommt aber alles in allem schon sehr angenehm daher, insbesondere wenn man seinen enormen Alkoholgehalt bedenkt. Halleluja, dafür dass der ja wirklich fast 70% vol. hat lässt er sich echt sehr, sehr smooth trinken, wobei ich mich hier von Anfang an kleinere Schlücke gehalten habe. Bei größeren Schlücken merkt man den Alkoholgehalt aber deutlich und weiß dann, was einem da gerade die Zunge versengt. Wie alle Rums aus Hampden, so ist auch dieser komplett mundfüllend und kommt mit sehr viel Körper daher.
Geschmacklich hält der Rum, nach zig Reviews zu Hampden klingt das leider immer etwas wie ein Sprung in der Platte, nicht viel neues bereit. Das klingt zwar negativ, ist es aber keinesfalls. Ich möchte damit lediglich sagen, dass der Rum schmeckt, wie Kenner dieser Vertreter einen solchen eben erwarten würden: fruchtig, reif, leicht erdig, teilweise leicht fleischig. Die Süße nimmt einen deutlich kleineren Teil ein als bei jüngeren Hampden, dafür allerdings ist auch die Säure nicht so präsent. Die Ballance ist, wie schon in der Nase, die offenkundige Stärke dieses Rums! 

Abgang: wie immer eine Frage von Stunden, nicht von Minuten. In seiner Königsdisziplin liefert auch dieser Hampden zuverlässig ab.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Zwar überzeugte mich der Rum schon im Mai beim ersten kurzen Tasting, jedoch habe ich ihn erst im vergangenen Monat, während der ausführlicheren Verkostung, auch so richtig schätzen gelernt. Natürlich war ich durch den 1990er im März die letzten Monate sehr Hampden-verwöhnt, aber man darf diese beiden Stile einfach nicht miteinander vergleichen. Das wäre unfair und es funktioniert schlicht nicht.
Dennoch habe ich, wie eingangs angekündigt, ein Crosstasting mit einem <>H gemacht, nämlich mit dem zwei Jahre älteren Samaroli 1993 Full Proof, um das Mark JMH hier etwas weiter zu spezifizieren. Ergebnis war: der heute verkostete Rum rangiert in seinem Estergehalt doch sehr deutlich und eindeutig unter diesem, weswegen HGML natürlich auch rausfällt und ich nach wie vor klar zu HLCF tendiere. Das war schon vor zweieinhalb Jahren meine Vermutung, als der 16er aufkam, und das dachte ich seither auch bei jeder weiteren Verkostung eines Rums aus diesem Batch. Heißt also: die "JM-..." Marks, die keine ursprüngliche Hampden Marks sind, sondern nur anstatt solcher auf den Fässern stehen, sind nicht fest definiert und fallen damit als eindeutige Deklaration leider raus. Sie können zwar wertvolle Hinweise, aber letztlich keine hinreichenden Aufschlüsse über das tatsächliche Hampden-Mark geben.
Letztlich ist das alles aber natürlich in erster Linie Nerdtum, denn den Genuss der Abfüllung schmälert das ja keinesfalls und das ist am Ende des Tages immer das wichtigste. In dieser Disziplin kann der Rum voll und ganz überzeugen, was letztlich auch zur Empfehlung führte. Aus dem 1998er Batch ist dieser Rum bisher meines Erachtens der beste, da er so sehr auf den Punkt kommt, wie bisher keine der Abfüllungen vor ihm. Er ist sehr viel reifer als z.B. der 16 oder der 17 YO, sehr viel charakterstärker als z.B. der 18 YO von Rum Nation, aber eben auch noch nicht ganz so gesetzt wie die Abfüllungen aus 1992 mit ca. 25 Jahren Reife, die einen sehr ähnlichen Estergehalt haben. Da stellt dieser Rum ein schönes Bindeglied zu einem, wieder einmal, außerordentlich fairen Preis dar. Ja, der Vorgänger aus 2015 war klar günstiger, aber der war eben nicht nur auf dem Etikett drei Jahre jünger (16 vs. 19 YO), sondern das ist nun auch über zwei Jahre her (März 2015), zwei Jahre in denen sich der Markt einmal komplett auf Links gedreht hat. Vergleicht man den aufgerufenen Preis mit dem der aktuellen Mitbewerber, so sollte sehr klar sein, was genau ich meine. Insofern bin ich froh, dass The Rum Cask hier immer wieder noch ein paar Schätze entdecken und diese auch zu einem fairen Kurs anbieten können!

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Rum, genießt ihn, und habt noch einen schönen Sommer!

Bis demnächst
Flo

Sonntag, 30. Juli 2017

Mount Gay XO Cask Strength vs. Habitation Velier "Last Ward" 2007

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch gerne zwei Rums aus Barbados vorstellen und gegeneinander antreten lassen: den Mount Gay XO in Cask Strength aus 2016 und den neuen Habitation Velier "Last Ward", Jahrgang 2007, der Mount Gilboa, einer ehemaligen Linie von Mount Gay, entstammt. 

Mount Gay ist die vielleicht älteste noch existierenden Destillerie der Karibik. 1703 gegründet, brennt sie bis heute Rum, sowohl in Pot- als auch Column Stills. Dabei füllt Mount Gay, anders als viele andere der unter Rum Nerds beliebten Destillerien, seinen Rum sogar weitestgehend selbst ab, ungelagert als auch fassgereift. Die Standardqualitäten "Eclipse" und der "XO" dürften dabei wohl die bekanntesten Abfüllungen sein, bekommt man sie doch auch in gut sortierten Supermärkten.

Letzterer erfuhr im vergangenen Jahr 2016 eine limitierte Ergänzung: zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Barbados' vom 30. November 1966 brachte Mount Gay den auf 3.000 Flaschen limitierten Mount Gay XO in Cask Strength mit 63% vol. in einer schicken Holzbox auf den Markt. Kostenpunkt: ca. 200 Euro. Der normale XO ist für seine 30-40 Euro meines Erachtens ein netter, ehrlicher Standard, der mir zu Beginn meiner Rum-Laufbahn auch viel Freude bereitet hat, der dann aber ab einem gewissen Level natürlich zu schwach auf der Brust und letztlich auch nicht spannend genug war, um dauerhaft einen Platz in meiner Rum Bar zu erhalten. Dementsprechend vielversprechend klang diese Sonderabfüllung in Fassstärke und ich bin sehr gespannt, wie sie sich schlagen wird. Qualitativ ist der normale XO in jedem Fall deutlich steigerungsfähig, aber es muss andererseits auch eine richtige Steigerung stattfinden, wenn man gedenkt, den preislichen Anstieg auch nur annähernd erklären zu wollen.

Den Fassstärke XO werde ich antreten lassen gegen den neuesten Streich der Habitation Velier Serie, den 10 YO "Last Ward" aus dem Jahrgang 2007 mit 59% vol.. Luca Gargano brachte nun ja schon einige Rums aus diversen Destillerien in dieser neu geschaffenen Serie auf den Markt und seit einigen Tagen bereichert nun auch ein Mount Gilboa die Reihe, der als eine Art "Zweitmarke" in Mount Gay mitproduziert wurde. Der Name "Last Ward" geht zurück auf die Familie Ward, die bei Mount Gay bis zur Übernahme durch Remy Cointreau im Jahr 1989 am Ruder war. Im Jahre 2007 begann Frank Ward dann den Mount Gilboa in McMillan Pot Stills zu produzieren und aus diesem Batch stammt auch der heute verkostete Rum. 2014 verkaufte Ward "Mount Gilboa" und Luca Gargano konnte sich für diese Abfüllung insg. 19 Fässer sichern. Preislich liegt der Rum bei gerade einmal der Hälfte des XO in Cask Strength. Was diese Zahlen letztlich bedeuten werden wir aber nur im Glas erfahren.



Verkostung Mount Gay XO Cask Strength:

Dunkel und altgolden kommt der XO farblich daher. Die Nase empfinde ich dann in den ersten Minuten erst einmal als eher flach und leider auch sehr scharf. Es entsteht immer wieder das Gefühl, als hätte man da so eine Art von Luftlöchern im Glas, dass wenn man eine Nase nimmt, dass da immer wieder Lücken sind und plötzlich das Gefühl da ist, als hätte man ein leeres Glas vor sich. Ansonsten aber habe ich ein dunkles, schweres und reifes Destillat im Glas. Nach einer halben Stunde wird die Nase dann voller, wenn gleich ich diese unterschwellige Erinnerung an Neutralalkohol, die immer wieder mit durchkommt, als nach wie vor störend empfinde. Erst nach ca. 45 Minuten im Glas wird der Rum ausgeglichener. Der Rum verliert seine Schärfe, er wird etwas süßer, wirkt nicht mehr ganz so schwer. Nun gefällt er mir gut, wenn gleich ich mir ein wenig mehr Vielschichtigkeit noch wünschen würde.
Am Gaumen dann klares Mount Gay Feeling, Marzipan, Bittermandeln, Eichenholz, allerdings zeigt sich der XO zu Beginn wieder von seiner scharfen Seite, der Rum muss im Mund richtig gezügelt werden. Dafür, dass ich den tendenziell eher in die Ecke stelle, den gemütlich auf der Terrasse zu sippen finde ich ihn dann schon fast zu unbequem, auf der anderen Seite ist er aber auch viel zu rund um in irgendeiner Weise spannend zu sein. Für mich persönlich ergibt sich daraus also folgendes Problem: der XO kann sich kaum für eine der beiden Seiten voll entscheiden. Das ändert sich erst nach ca. 1,5 bis 2 Stunden, es kommt jetzt auch noch so etwas das Karamell heraus, was auch einige Jamaicaner haben, wenn sie meines Erachtens nicht gelungen sind, nur dass sie bei einem Mount Gay eben auch dazu gehören. Der Rum verliert nun erst seine Schärfe und er macht dann auch auf der Terrasse richtig Laune. Aber das soll dann auch tatsächlich geplant sein. Zum spontanen Genuss braucht dieser Rum zu lange.

Verkostung Habitation Velier Last Ward 2007:

Ebenfalls sehr dunkel im Glas, vergleichbar mit dem XO, kommt der Last Ward daher. Gleich zu Beginn schon erwartet mich hier eine volle, rummige Nase, ganz ohne Luftlöcher. ;) Es sind kleine Ähnlichkeiten zu Mount Gay erkennbar, vor allem aber ganz klare Unterschiede. Die Nase ist wesentlich voller, süßer, fruchtiger und insgesamt wesentlich komplexer, gefällt mir spontan sehr viel besser. Ich meine Anklänge von St. Lucia zu erkennen, aber auch Anleihen von Jamaica sind da. Was da jetzt genau typisch oder untypisch ist kann ich relativ schwer in Worte fassen, ich hätte ihn anhand der Nase einfach anders zugeordnet.
Am Gaumen brennt auch der Habitation Velier erstmal, paradoxer Weise bekommt man aber auch das Gefühl, der Rum sei geringfügig verdünnt worden. Gegenüber dem XO wirkt es, als sei da minimal Wasser zugegeben worden, allerdings nicht in einer Weise, dass man irgendwie gesondert drüber sprechen müsste. Der Rum ist klar fruchtiger als der XO, er ist auch schwer, aber da ist eben noch mehr, viel volleres Aroma, süßlich, fruchtig, würzig und hinten heraus dann mit den Mount Gay Brennerei typischen Anleihen. Grandios! Anders als der XO ist der Rum sofort sehr überzeugend, muss nicht lange stehen, wenn gleich auch er dadurch noch dazugewinnt. Wow!


Fazit: 

Ich hatte zwei Rums, die mich auf unterschiedliche Weise überzeugt haben. Der eine, der XO, ist der einfacher gestrickte der beiden, der Mount Gay Lehrbuch-Rum. Leider braucht er wirklich sehr lange, bis er wirklich da ist, was ihm durch seine Stärken als einfacher und spontaner Begleiter nebenher aber dann im Wege steht. Ich stehe tatsächlich aber gar nicht so sehr auf diese absolut typischen Mount Gays, weswegen mir das untypische, fruchtige des Last Ward am Ende dann doch stärker zugesagt hat.
Deutlich wurde auch, was der Unterschied zwischen einem reinen Pot Still Destillat (der Last Ward) und einem Mix aus Pot und Column Still (XO) ausmacht. Diese Luftlöcher, wie ich sie genannt habe, gehen in meinen Augen auf den Anteil an Column Still Rum zurück und dünnen den Rum meines Erachtens unnötig aus, während das reine Pot Still Destillat hier Vollgas gibt und den XO schon auch ziemlich in den Schatten stellt. Das Thema Pot Still vs. Column Still beschäftigt mich nun schon seit sechs Jahren und ich muss sagen, dass alte Demeraras nach wie vor die einzigen Rums sind, bei denen mich eine Column Still teilweise wirklich überzeugen konnte. Ansonsten sehe ich Destillate aus Column Stills immer klar hinter Pot Still Rums.
Erkenntnis des Tages ist ganz klar, dass Luca Gargano hier tatsächlich einen kleinen Schatz gefunden hat. Mich hat seit Rockley 1986 kein Barbados Rum mehr so sehr überzeugen können. Müssen wir über Preise reden? Eigentlich nicht. Der XO ist ein guter Rum, aber die 200 Euro sind übertrieben. Klar, ist ja alles teuerer geworden und ich finde es, angesichts dessen, dass aus Mount Gay selten mal was gutes kommt, auch nachvollziehbar, dass die Preise gezahlt werden, aber ich hatte mir da mehr versprochen. Anders der Last Ward: den kann man für sein Geld wirklich mitnehmen und wenig falsch machen. Klare Empfehlung!

Ein kleiner Dank geht heute an Casa aus dem Rum Club und an Marius von Single Cask Rum für die Samples der beiden Kandidaten!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. Juli 2017

Foursquare RUMble - Triptych/ Criterion/ C.d.I.

Liebe Rum Gemeinde,

die Zeit ist ein kostbares Gut, umgeben vom Hauch der Unendlichkeit und doch so individuell begrenzt und limitiert, dass sie an manchen Tagen wahrlich beinahe einer Währung gleicht. Momentan finde ich für Barrel Aged Thoughts leider oft nicht so viel von eben jener Zeit wie der Blog und ihr es verdient hättet und auch wie ich es mir wünsche. Um euch aber nicht vollkommen im Regen stehen zu lassen habe ich mich dazu entschlossen, hier nun hin und wieder auch Kurz-Reviews zu bringen, die dann allerdings eher den Charakter einer Kolumne haben werden und deren Notes sich mehr auf den Stil eines Rums und auf meine Bewertung des Rums konzentrieren als auf breit angelegte Geschmacksbeschreibungen. Das ganze bewegt sich also eher in die Richtung "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht" zu. Ich weiß, dieses Konzept hat auch Fans, hoffe aber doch, dass ich bald wieder die Zeit für die vollen 100% finde. 

Foursquare war für mich immer eine Destillerie, die ich so richtig nicht auf meinem Radar hatte. Ich probierte über die Jahre mal hier und mal dort einen, von Bristol als auch Originalabfüllungen u.a., und war aber jedes Mal alles andere als angetan oder gar begeistert. Nein, schlecht waren die bis auf Ausnahmen nicht, aber in meinen Augen eben auch nicht gut. Langweilig, trifft es da wohl am besten - das Schicksal auch vieler Rums im spanischen Stil bei mir. Das ging bis letztes Jahr, so mein Eindruck, jedoch auch den meisten anderen Connaisseuren so. Dann kam der 2006er Foursquare von Velier und alle rasteten aus. Eine Destillerie, deren Rums das Mittelmaß bis dahin meines Erachtens nach gerade zu definieren hätten können, rückte mit nur einem einzigen Rum aus dem Schatten in das Licht und spielte fortan mit den "großen" mit. Dies hängt, ich denke, da dürften mir fast alle zustimmen, untrennbar mit Richard Seale zusammen, der seit geraumer Zeit unermüdlich unterwegs ist und die Lehre vom reinen Rum predigt, oft und gerne auch in den sog. "sozialen Netzwerken". Ebenso oft tut er das mit einer Rhetorik, die sehr radikal ist und die kaum einen Raum lässt für Grautöne. Das zeigt Wirkung und so wurde wurde Foursquare für viele Gleichgesinnte zu einem der Angelpunkte des Rums. Ich selbst zähle mich bereits seit 2011 zu den Gegnern von Zucker und anderen Zusatzstoffen im Rum, seit einer Zeit also schon, als man deren Existenz zwar ahnte und schlicht und ergreifend auch schmeckte, für die damals allerdings noch gar keine Beweise vorgelegen hatten. Ich teile ich die Ansichten Seales zu diesem Thema daher im Grundsatz.

Foto by Micha. Danke! :)
Für meine erste Kurztasting-Runde habe ich also drei Rums der barbadischen Destillerie Foursquare gewählt, von denen vor allem einer in den vergangenen Tagen und Wochen ordentlich von sich reden machte: den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke, den Velier "Triptych" aus 2004, 2005 und 2007 und die Originalabfüllung "Criterion", die 10 Jahre alt ist und 2017 abgefüllt wurde. Deutlich im Fokus der Aufmerksamkeit: der Triptych.
Schon Monate vor seinem Erscheinen hat diese Abfüllung viele Connaisseure rund um den Erdball elektrisiert. Während man vom schon 2015 abgefüllten Compagnie des Indes oder vom erst kürzlich erschienenen Criterion sehr viel weniger gehört hat und auch nicht so richtig das Gefühl hatte, dass sich für die beiden, im Vergleich zum Triptych, wirklich viele Menschen interessiert haben, sondierten viele schon zum Jahreswechsel, wo und wie sie an eine Flasche Triptych kommen könnten, wo ja der Vorgänger die Shops dieser Welt kaum von Innen heraus gesehen hat - zumindest nicht zum Ausgabepreis. Warum ist das so? Dass ein Compagnie des Indes, bekannt für doch oft sehr schwankende Qualität der Rums, nicht unbedingt die Blicke auf sich zieht: bon! Aber gerade im Hinblick darauf, dass auch der Triptych im Grunde genommen ein von Foursquare selbst zusammengestellter Blend ist, der von Velier lediglich abgefüllt und vertrieben wurde, verwundert zumindest das vergleichbar geringe Interesse am Criterion. Aber Velier ist eben Velier und letztlich wiederholte sich also im Prinzip nur das gleiche, was auch schon beim 2006er Velier los war. Inwieweit es sich da jetzt also um einen wirklichen Anstieg des Interesses um Foursquare handelt, oder ob es dabei in Wahrheit nicht viel eher um die Popularität von Velier geht, das ist zumindest umstritten. Für mich war das alles jedenfalls Grund genug um einmal hinter diesen Hype zu blicken und schaute mir die erwähnten drei Rums mal aus der Nähe an.


Velier "Triptych" 2004/2005/2007 - 56% vol.:

Micha again...
Ich testete zunächst den Triptych und besorgte mir direkt nachdem er raus kam ein Sampel (Danke Johannes!)! Hier war ich zunächst enttäuscht. Die Nase empfand ich als ganz und gar unspektakulär und sie erinnerte mich an die Non-Rockley WIRD-Abfüllungen. Eher ein Spanier, denn ein Brite. Am Gaumen dann überraschte mich der Triptych jedoch, denn nach der eher schwächeren Nase hatte ich keine großen Steigerungen mehr erwartet. Doch hier wusste der Triptych zu überraschen und begeisterte mich mit einer gelungenen Komposition, die doch schon sehr viel anders und auch besser ist, als die sonst am Markt so erhältlichen Foursquares. Hervorragend eingebundener Alkohol! Um den wirklich gut zu finden muss man zwar vermutlich ein kleiner Fan der Destillerie sein, aber dieser hier darf sich doch zumindest mal guter Durchschnitt nennen. Ein Rum, den ich fantastisch fänd zu einem Grillabend mit Freunden und zum nebenher trinken, ohne sich groß Gedanken um sein Glas zu machen. Zu diesem Zwecke würde ich ihn mir wohl kaufen und dafür auch gerne bis zu 50 Euro hinlegen. Zu diesem Preis hätte ich zugeschlagen. Die aufgerufenen 129 Euro sind mir der Rum jedoch in keiner Weise wert, da ich Rums dieser Preislage nicht mehr zum peripheren Genuss kaufe.


Criterion 10 YO - 56% vol.:

Nochmal Micha... :)
Als nächstes, ein Dank geht an Marius von Single Cask Rum für das Sample, probierte ich den Criterion. Hier waren meine Erwartungen, Dank des Triptych, schon etwas höher als sie es normalerweise an einen Foursquare gewesen wären und dementsprechend ging ich sogar mit leichter Vorfreude an das ganze ran. Diese schlug schlagartig in blankes Entsetzen um, als der Rum dann im Glas war.
Wo der Triptych noch rund und als Komposition harmonisch war, war der Criterion einfach nur schwach, dünn, unrund, alkoholisch und ohne jede Stimmigkeit. Wie ein Triptych, bei dem man alles einfach nur schlechter gemacht hat. "Warum?" - diese Frage schießt mir spontan durch den Kopf. Warum füllt Richard Seale unter eigenem Namen, fast zeitgleich zum Triptych, einen Rum ab, der gegen diesen so gnadenlos abstinkt? Man muss und man möchte nicht unbedingt alles verstehen, aber ich finde das schon sehr unglücklich und ich denke, das wird die Euphorie vor dem nächsten Velier Foursquare wohl kaum bremsen. Bei den Eigenabfüllungen aber bin ich nun skeptischer denn je, insbesondere, da ich auch schon den Zinfandel z.B. nicht gut fand.


Compagnie des Indes 16 YO 1998/2015 - 60% vol.:

Zu guter Letzt ließ ich mir noch den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke (60% vol.) empfehlen, der exklusiv für Dänemark abgefüllt wurde. Auch für dieses Sample muss ich mich bei Johannes bedanken!
Ich hatte zuvor schon gutes zu diesem Tropfen gehört und daher durfte er bei mir dann gegen den Sieger aus Triptych und Criterion ran, also gegen den Triptych. Und was soll ich sagen? Auch dieser hat gegen den Triptych leider keine Schnitte gesehen. Er ging in eine ganz andere Richtung und ich empfand den Rum, und das passiert mir selten, als regelrecht eklig. Eine genauere Beschreibung entfällt daher, der Rum ging dort wieder raus wo er hinein ging und ich spülte mit Triptych hinterher. Gruselig!


Fazit:

Mit dem Triptych hat ein Rum diesen Dreier-Vergleich klar für sich entschieden! Da gab es nichts dran zu rütteln. Ich kann daher nach dem probieren verstehen, warum der Triptych sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhält als der Criterion. Dass das allerdings durch die Bank auch schon Monate vorher so war, bevor irgendwer diese Rums wirklich probieren konnte, das kann ich nur bedingt verstehen. Okay, mit dem 2006er, den ich leider nicht kenne, hatte Velier wohl gut vorgelegt, da er dem Hören nach wirklich gut war, aber eine Schwalbe macht in meinen Augen noch keinen Sommer, auch bei Velier nicht. Ich bin daher nach wie vor der Meinung, dass hier auch ein Stück weit eine Glorifizierung des Abfüllers vorliegt, die genauso gut auch ins Auge gehen hätte können. Denn da ich mich glücklich schätzen kann auch ältere Abfüllungen von Velier aus vergangenen Tagen zu kennen, kann ich sagen: auch die hatten, bei aller unbestreitbarer Qualität, die sie gebracht haben, genug Ausfälle im Repertoire, wie eben jeder andere Abfüller auch.

Micha ein weiteres Mal. :)
Was ich deutlich festhalten möchte: mag der Triptych auch im internen Foursquare Vergleich klar die Nase vorn gehabt haben, aber zu diesen Preisen und bei diesen Ergebnissen, und das schließt auch den Triptych mit ein, ist die Destillerie bei mir persönlich nicht konkurrenzfähig. Da bieten viele andere in meinen Augen einfach mehr. Guter, gehobener Durchschnitt, den der Triptych bietet, scheint hier momentan das Maximum zu sein und das ist mir zu diesen Preisen deutlich zu wenig. Da habe ich zwar gelegentlich Lust drauf, aber dann eben auch zu anderen Preisen. Solange Foursquare mit Velier kooperieren, dessen kann man sich sicher sein, sind sie relativ unabhängig von allem inhaltlich gebotenen, die Rums werden sich immer verkaufen und in Teilen der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Gänzlich unabhängig von Velier müsste da meines Erachtens aber mehr kommen, wenn man plant, in einem Atemzug mit Hampden , Long Pond, DDL, WIRD, Mount Gay, St. Lucia Distillers oder Caroni genannt zu werden. Denn momentan sehe ich sie doch eher noch in einer Reihe mit Travellers, Westerhall, Barbancourt, Don Jose oder Angostura; handwerklich ordentliche Rums (wobei das bei einigen der genannten definitiv nur auf die unabhängig abgefüllten Rums zutrifft!), aber eben ohne das besondere, das reizende, das alleinstehende.

Ein vorletztes Wort gilt dem, was auf das Review des Triptychs meines Blog-Kollegen Marius hin geschehen ist, vor allen Dingen auf F***book. Dieser hatte sich das Recht herausgenommen, den Rum ähnlich durchschnittlich zu bewerten wie ich und erntete daraufhin einen Shitstorm, der an Verhältnislosigkeit kaum zu übertreffen war. Vordergründig hängte sich das ganze an einer Detailfrage auf, aber ich halte es dann doch für sehr abwegig, dass einem solch ein Zorn entgegen schlägt, nur weil es heißt, dass ein Rum "höchstwahrscheinlich" gefärbt sei, noch dazu, nachdem Marius, einer fehlerhaften Quelle aufgesessen, das ganze schnell und souverän korrigierte. Nein, da haben meines Erachtens eher einige wenige, aber dafür umso lautere, nicht ertragen, dass ihr Lieblingsabfüller einmal keine Top Note absahnte. Daraus wiederum wurde dann in Windeseile eine negative Bewertung und im nächsten Moment ein Hass auf den Abfüller. Ja Leute, geht's denn noch? Besonderes Kopfschütteln löste bei mir die Tatsache aus, dass Richard Seale selbst ganz vorne mit dabei war. Ob er das nötig hatte, und wenn ja, warum, werden wir wohl nicht erfahren. Mir ist nur wichtig einmal klar zu machen: auch Reviews, die sich einmal nicht vor Begeisterung überschlagen gehören dazu und sind wichtig. Ich gucke auch, dass ich vornehmlich über Rums schreibe, die mir gefallen, aber gerade wenn ich hochgelobtes für völlig überbewertet oder überpreist halte, dann sage ich das auch gern.

Und das letzte Wort schließlich richtet sich an den Micha, der mir die Fotos vom Triptych und vom Criterion gemacht hat. Vielen herzlichen Dank dafür, auch und gerne noch einmal an dieser Stelle!

Bis demnächst, habt eine schöne Zeit,
Flo

Sonntag, 11. Juni 2017

Thoughts - Ausverkäufe und Auswüchse

Liebe Rum Gemeinde,

im März ging noch ein kollektiver Aufschrei durch die Szene, als ein Rum, seinerzeit war es der The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990, innerhalb von nur drei Tagen ausverkauft war.
Dass das aber nur die vergleichsweise harmlose Spitze eines momentan stetig wachsenden Eisbergs ist, war zwar innerhalb der engeren Rumszene ein offenes Geheimnis, spielte sich insgesamt aber eher konspirativ ab. Neu ist, dass diese Vorgänge die Oberfläche erreichen und derzeit auch für jedermann immer mehr offenbar werden. Denn der Newsletter eines bekannten deutschen Onlineshops zeigte Anfang der Woche, ungewohnt offen, eindrucksvoll und beispielhaft, wie weit die Praktiken vieler Connaisseure und/oder Anleger inzwischen geschritten sind, wenn ein Rum in einem Shop schon ausverkauft ist, noch bevor er das Shopsystem von Innen gesehen hat. *1 

Im Newsletter des Shops heißt es wörtlich:
"Eigentlich sollte das "Highlight" dieses Rum-Angebotes ein 30 Jahre alter Jamaica-Rum aus der Long Pond-Distillery sein...allerdings hat kurz vor Erscheinen dieses Angebotes ein Kunde alle verfügbaren Flaschen davon gekauft (Schöne Grüsse an Herrn H. aus HH)."

Ich möchte das an dieser Stelle nicht werten, das würde auch niemanden weiterbringen, wohl aber möchte ich den Informationswert dieses Vorgangs festhalten. Denn dieser offenbart eben, wie realitätsfern es im Jahr 2017 sein kann, stark limitierte Rums noch bequem auf herkömmliche Weise kaufen zu wollen. Und wie das Beispiel aus dem Newsletter zeigt, passiert das inzwischen auch bei Rums, die eine eher großzügige Limitierung haben (hier waren es 800 Flaschen) und noch dazu sündhaft teuer (~230 Euro für 0,5 Liter) sein können. Das sind alles keine Garantien mehr dafür, dass der Vorrat, auch der eines solchen Rums, einige Zeit vorhält.
Die daraus resultierenden Konsequenzen sind, dass andere Connaisseure nachziehen müssen, ihre Methoden anpassen müssen, wenn, ja wenn sie auch weiterhin an derlei Abfüllungen partizipieren wollen. Denn nur damit wir uns in dieser Frage richtig verstehen: mir gefällt das nicht! Ich überlege immer mehr und noch genauer, wie ich selbst mich innerhalb dieses Systems definiere und wie und wo ich mich positionieren möchte.
Ich bin darüber hinaus nämlich auch nicht der Typ, da kommen wir dann zu einem weiteren der jüngsten Auswüchse der Szene, der große Lust dazu verspürt sich in irgendwelche kilometerlangen Vorbestelllisten für die Rums eines renommierten italienischen unabhängigen Abfüllers mit schwarzen Flaschen einzutragen in der Hoffnung, auf Platz 1374 noch eine Chance auf eine Flasche zu haben, da auch sie die Shops nie erreichen oder wenn, dann nur kurz (und über die nicht mehr nachzuvollziehenden Preise für diese Abfüllungen haben wir da dann ja noch gar nicht gesprochen). Ich kaufe gerne Rum, gerne guten Rum und ich kaufe auch teuren Rum. Und ja, wir reden da von Luxuskonsum. Aber was ist das denn für ein Luxus-Kauferlebnis, bei dem mir als Käufer keinerlei Respekt mehr gezollt wird, bei dem ich als Käufer auch jeden Respekt vor mir selbst verliere und meine Würde an den F5 Button abtrete? Das ist mir in Gänze zuwider und ich kann all jenen, die es da ähnlich halten wie ich nur mit auf den Weg geben: lasst euch nicht irre machen und glaubt bitte bloß nicht, dass ihr in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis steckt! Es gibt auch eine sehr lohnenswerte Rumwelt jenseits von Genua. Vielleicht nicht immer in schwarzen Flaschen, aber es gibt sie. Man muss sich nur frei davon machen können, dem Prestige zu erliegen, die Rums haben zu wollen, für die alle Welt momentan bereit zu sein scheint, so viel Kohle zu zahlen. Der Kopf kann und soll manchmal bei einigen schönen und besonderen Abfüllungen auch mittrinken. Ohne wäre es langweilig! Aber ab und zu darf man den auch gefahrlos dazu benutzen, rational zu hinterfragen, Verhältnisse abzuwägen, sich selbst in Bezug zu seiner Umwelt zu setzen und über den Tellerrand zu blicken. Gier frisst Hirn, heißt es oft. Und das stimmt auch... oft. In diesem Sinne: bleibt kritisch, genießt wo ihr könnt und lasst es auch bleiben, wo ihr es nicht mehr könnt. Dann läuft der Rest von ganz alleine.

Habt einen schönen Restsonntag, eine zufriedene und erfolgreiche Woche und demnächst ist dann hier auch wieder ein schöner Rum am Start.

Bis dahin,
Flo

*1 Wie mir glaubhaft dargelegt wurde, schaffte es der im zitierten Newsletter betreffende Rum doch bis ins Shopsystem (wenn auch nur sehr, sehr kurz) des betreffenden Shops. Demnach ist die Darstellung im Newsletter in diesem konkreten Detail nicht zutreffend. Unberührt davon bleibt jedoch natürlich die Hauptaussage des Textes, dass es für den gewünschten Rum bereits zu spät sein kann, wenn man nach Erhalt des Newsletters den Shop aufsucht. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

MAI Tai 2.0 - Fazit

Liebe Rum- und Mai Tai Kumpanen,

der Monat Mai geht heute zu Ende und ich werde den letzten Tag heute dazu nutzen ein kleines Fazit zu ziehen. 

26 Mai Tais sind in den letzten 30 Tagen hier von mir vorgestellt worden. 5 davon wurden bereits vor vielen Jahren gemixt, die übrigen 21 Mai Tais aber sind von mir im Zeitraum Februar bis Mai 2017 zubereitet worden, so dass die geschilderten Eindrücke relativ frisch sind. Ich hatte 18 Mai Tais, deren Zutaten derzeit noch käuflich erworben werden können und 8, bei denen leider auch schon Zutaten ausverkauft sind. Das betrifft dann jeweils immer die Rums. Eine gute Quote, wie ich finde. Bedenkt man, dass auch die beiden Hampden von The Rum Cask, 1990 und 2000, ursprünglich von mir als verfügbare getestete Rums vorgesehen waren, so zeigt das sehr schön, die von mir klar angepeilte Aktualität dieses Monats. Ich wollte wenig Drinks für's Museum mixen! 


Ein Dank an die Gastblogger!

Eine besondere Freude war es mir, dass ich mit Marius von Single Cask Rum und Thomas von RUMBOOM zwei Gastblogger dafür gewinnen konnte, mich bei meinem Vorhaben durch zwei eigene gemixte Mai Tais zu unterstützen. Dafür auch auf diesem Wege noch einmal vielen Dank! Ich finde es großartig, dass durch solche "Gastspiele" ab und zu mal etwas frischer Wind auf BAT weht und es einfach mal was anderes zu lesen gibt als immer nur von mir ;)  


Experimente...

Mit dem Pineapple Mai Tai und dem Mai Tai Fizz hatte ich zwei spannende Experimente dabei, die den Mai Tai einmal etwas anders interpretiert haben und aus den sonst festgelegten Strukturen ein wenig ausbrachen. Die Kombination mit Ananas trat mit dem Anspruch an, zwischen der anspruchsvollen, ans Original von Trader Vic angelehnten Version des Drinks und der in weiten Teilen der Welt oft üblichen (Ananas-)saftgetränkten Version des Mai Tais ein wenig zu "vermitteln". Das ist, so meine ich, doch ganz gut gelungen, auch wenn das ganze durchaus noch ausbaufähig ist. 
Der Mai Tai Fizz war dagegen geschmacklich wenig anders, in der Darbietung dafür umso mehr. Verlängert als Long Drink bekommt der Mai Tai ein wenig Durstlöscher-Charakter, der ihm, bedingt durch seine Potenz, sonst eher weniger nachgesagt wird. Natürlich ist der Longdrink noch immer extrem stark, aber sein Alkoholgehalt (ich hatte ihn mit dem 68,5%igen Habitation Velier Jamaica HLCF 6 YO) verringert sich von ~40% vol. (wir reden noch immer von einem Drink, nicht von einer Pur-Spirituose!) auf ~25% vol. und das macht schon etwas aus. 
Etwas weiter gefasst, dürfen aber auch die Mai Tais mit Savanna HERR, den Demeraras und Caroni zu den Experimenten gezählt werden, da auch sie keine klassischen Mai Tais gemacht haben. 


Enttäuschungen

Echte Enttäuschungen sind, wie 2013, auch dieses Mal nicht wirklich dabei. Allerdings war die Anzahl der Mai Tais, die ich in dieser Form einfach nicht nochmal mixen würde doch etwas höher, schlicht, weil ich mich 2013 aus einem Pool unglaublich hochwertiger Mai Tais bedienen konnte, die ich auf dem Blog-Vorgänger "Mai tai roa ae!" bereits veröffentlicht hatte. 
Das war dieses Mal etwas anders, da, wie gesagt, die allermeisten Reviews neu geschrieben wurden. Auch die Rums waren, da sie verfügbar sein sollten, oft neu und so konnte ich weniger auf Erfahrungswerte zurückgreifen und probierte einfach vieles. Wenn man denn von Enttäuschungen reden möchte, so würde ich hier am ehesten die Mai Tais mit Long Pond nennen. Pur manchmal fast an Hampden grenzend, bekommen sie im Drink dann doch sehr deutlich ihre Grenzen aufgezeigt. Ein weiteres geplantes Review mit einem Long Pond habe ich dann schließlich gar nicht mehr durchgeführt und stattdessen ein weiteres mit Hampden gebracht. 
Worthy Park macht für mich ebenfalls keine so gute Figur im Mai Tai, aber von der geschmacklichen Definition dieses Cocktails weggehend taugte der Drink sehr wohl. Ja, und wenn man denn dann noch möchte, dann darf hier auch der Savanna HERR Mai Tai noch erwähnt werden. Der war zwar nicht schlecht, aber auf Grund dessen, dass ich den Pur einfach mega fand und der Junge Ester ohne Ende hat, hatte ich da einfach ein wenig mehr erwartet, als ich bekommen habe. Aber das ist dann irgendwo auch Jammern auf hohem Niveau!


Kracher!

Genauso, wie ich nur wenige echte Enttäuschungen zu verzeichnen hatte, hatte ich aber auch nur wenige echte Knaller! An vorderster Front zu nennen ist dabei natürlich der The Rum Cask Hampden 1990 Mai Tai. Ein Rum mit der Explosionskraft einer Bombe! Genauso angetan hat es mir darüber hinaus aber auch das Hampden Sextuple, welches erst gestern hier zu bestaunen war. Das war schon etwas ganz besonderes und diese beiden Mai Tais waren eine Klasse für sich! Achso, und die Purverkostung des Savanna HERR soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ein Rum, der ganz für sich alleine steht. Etwas dahinter und vielleicht nicht ganz so im Rampdenlicht stehend wie die beiden oben genannten haben sich aber definitiv ebenso die Mai Tais mit dem 17 jährigen 98er Hampden von The Rum Cask, mit dem Duncan Taylor Monymusk 2003, mit dem Blend aus Rum Fire und Habitation Velier Hampden HLCF und das Mai Tai-Hausrezept von Casa eine Erwähnung verdient. Der TRC 17 gefiel mir dann auch nochmal besser als die anderen beiden und klar, zwischen denen und den weiter oben genannten ist schon nochmal eine deutliche Kluft, aber hier muss auch insbesondere das Preisleistungsverhältnis beachtet werden. 


Die PLV-Knaller!

Was mich dann direkt hier her führt und da müssen einfach die beiden eben schon erwähnten Mai Tais nochmals aufgeführt werden: der mit dem Rum Fire/Habitation Velier HLCF Blend und der Casa Mai Tai! Die sind nämlich nicht nur richtig, richtig gut, sondern kosten auch eine ganze Ecke weniger als so mancher guter Rum, der einen schönen Mai Tai macht. Wer gerne mal Gäste im Haus hat, die einen schönen Mai Tai zu schätzen wissen, der sollte über eine der beiden Versionen nachdenken, wenn er es denn nicht schon längst getan hat. Dicke Empfehlung!


Ein Dank an die Sampledealer!

Ein besonderer Dank kommt an dieser Stelle auch den inzwischen sehr zahlreichen Sampledealern der Szene zu, aktiv auch im Forum Der Rum Club! Marius, Thomas, Sani28, Rum_Aficionado, Casa, Knorke, Rumlounge, Trelawny, RUMZ, Mowgli und SpiritSafe, (... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, das täte mir sehr Leid!) vielen Dank dafür! Ohne euch hätte ich einige der diesen Monat gemixten Drinks nicht zaubern können!


... und Danke an euch alle!

Last but not least bedanke ich mich natürlich auch bei euch allen Lesern, dass ihr mich diesen Monat auf dieser feucht-fröhlichen Reise begleitet und Interesse gezeigt habt! Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und denke, dass es euch genauso erging. Denn das ist ja schließlich die Hauptsache. 



Ich gönne mir nun erstmal einen Schluck Caroni, pack' mich in die Eistonne und wünsche euch noch eine schöne Woche! ;)

Bis demnächst
Flo

Dienstag, 30. Mai 2017

Hampden Sextuple

Liebe Rum- und Mai Tai Fans,

auf geht's zum letzten Mai Tai in diesem Monat. Und dafür habe ich mir etwas ganz besonderes für euch ausgedacht: einen Mai Tai mit einem Hampden Sextuple! Was das bedeutet? Nicht weniger als genau das, was der Name schon andeutet: ich habe von den sechs gängigsten Hampden-Jahrgängen (1990, 1992, 1993, 1998, 2000 und 2010) die jeweils meines Erachtens beste Abfüllung des Jahrgangs ausgewählt und je 1 cl davon in den Mai Tai gegeben.


Welche Rums wurden ausgewählt?

1990: The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Ein Rum, zu dem ich hier auf dem Blog wohl bereits alles gesagt habe, was es zu sagen gibt. Diese Abfüllung ist einfach Weltklasse und der meines Erachtens beste Rum aus Hampden bisher! Ihn habe ich auch schon ohne weitere Partner im Mai Tai gehabt, der ebenso Weltklasse war. Die Abfüllung ist schon jetzt eine Legende! Das Mark dieses Rums ist JMC. Es dürfte sich daher um den Stil C<>H handeln, der dann einen Estergehalt von 1300 bis 1400 gr/laa bedeuten würde.


1992: Rum Nation Jamaica Rum 24 YO Hampden 1992 - 61,6% vol.

Dieser Kandidat genießt so ein wenig ein Schattendasein in der Welt der großen Rums aus Hampden - zu Unrecht, wie ich finde! Ich habe den Rum hier auf dem Blog zwar noch nicht vorgestellt (wird aber noch passieren!), hatte ihn aber schon im Glas. Und auch wenn man auch sonst nicht so wirklich viel hört und liest zu ihm, aber er ist der meines Erachtens beste Hampden aus 1992 - vor dem 13 YO Cadenhead oder dem 24 YO Comagnie des Indes, beide in Fassstärke! Das Mark dieses Rums ist HLCF und bedeutet somit einen Estergehalt von 500 bis 700 gr/laa. 

1993: Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 Full Proof - 65,6% vol.

Noch eine Legende! Auch dieser Rum erhebt den Anspruch, als der bisher beste Hampden überhaupt zu gelten. Es gibt einige, die ihm diesen Status sogar zugestehen, aber ich sehe ihn leicht hinter dem TRC 1990. Nichts desto trotz ist dieser Rum natürlich einer der besten, die Hampden je hervorgebracht hat und auch der zweifellos beste aus 1993. Das Mark dieses Batches ist JMH, was wohl bedeutet, dass der Rum ein <>H ist, mit 900 bis 1000 gr/laa Ester. Geschmacklich käme das auf jeden Fall hin. Auch dieser Rum wird hier auf Barrel Aged Thoughts noch besprochen werden!

1998: The Rum Cask Jamaica Rum 16 YO Hampden 1998 - 64,3% vol. 

Dieser Rum stand leider -und auch zu Unrecht- immer etwas hinter den Giganten aus 1990, 1992 und 1993 zurück und galt in der Rum Szene vor allem als Preisleistungsknaller. Das Batch aus 1998 wurde erst vergleichsweise spät entdeckt, als 2015 die ersten Abfüllungen auftauchten. The Rum Cask entdeckten das Batch damals mit und ich war, als ich erste Proben bekam, sofort vollauf begeistert. Das 1998er Batch steht für mich übrigens sogar leicht über dem aus 1992! Der Estergehalt, auch wenn das bisher leider auch nirgends angegeben wurde, dürfte bei diesem Batch, wie 1992, im Bereich HLCF liegen. 


2000: Premium Rum Jamaica Rum 16 YO Hampden 2000 - 59,5% vol.

Hampden 2000 gilt so ein wenig als die Light Version der Destillerie und unter vielen Rum Freaks als eher uninteressant. Was mich und meinen ganz eigenen und persönlichen Geschmack betrifft, so stimme ich da weitestgehend mit ein, aber ich bin ebenso der Meinung, dass dieses Batch eine Daseinsberechtigung hat, alleine schon durch die vielen Fans, die es hat. Man muss sich nur einmal ansehen, wie schnell oft auch die 2000er am Markt vergriffen sind. Das Mark dieses Batches ist LROK, was bedeutet, dass die Rums einen Estergehalt von 200 bis 400 gr/laa aufweisen. Diese Abfüllung von Andreas Schwarz ist eine der wenigen aus 2000, die ich sogar leicht überdurchschnittlich fand. 


2010: Habitation Velier Jamaica Rum 6 YO Hampden 2010 HLCF - 68,5% vol.

Hampden 2.0! Das erste Batch seit der Wiedereröffnung von Hampden! Aus diesem Batch tauchten erst drei Abfüllungen auf, ein LROK, ein Blend aus HLCF & LROK und der heute verwendete und schon mehrfach besprochene HLCF, von denen mir letzterer am besten gefällt. Er hat auch den höchsten Estergehalt, nämlich 550 gr/laa (HLCF). Insgesamt werde ich zwar mit den 2010er Hampden noch nicht ganz warm, sehe sie noch nicht auf dem Niveau der alten Hampdens, aber das liegt wohl vielfach auch noch am jungen Alter. Was da noch geht, werden wir also in den nächsten Jahren beobachten können! 



Das Rezept lautet demnach...

Hampden Sextuple:

  • 1,0 cl The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990
  • 1,0 cl Rum Nation Jamaica Rum 24 YO Hampden 1992
  • 1,0 cl Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 Full Proof
  • 1,0 cl The Rum Cask Jamaica Rum 16 YO Hampden 1998
  • 1,0 cl Premium Rum Jamaica Rum 16 YO Hampden 2000
  • 1,0 cl Habitation Velier Jamaica Rum 6 YO Hampden 2010 HLCF
  • 3,0 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Monin Zuckersirup

Wir werden sehen, wie sich diese außergewöhnliche Zusammensetzung macht. 




Verkostung des Mai Tais mit Hampden Sextuple:

Sehr helle Farbe, die meisten Rums sind aber natürlich auch sehr hell. Nur der Premium Rum und der Habitation Velier sind etwas dunkler als die anderen. 

Wow! Ein Mai Tai wie ein Gedicht! Hier kommt tatsächlich das beste aus Hampden zusammen und arrangiert einen einzigartigen, besonderen Drink. Ein vorgezogener runder Geburtstag! Von allen Rums kommt der 1990er natürlich am meisten durch, aber er geht mit seinen Partnern eine schöne Liaison ein, so dass der Mai Tai lange nicht so krass ist, wie das bei einem reinen 1990er Mai Tai der Fall ist. Immer wieder kommen ganz neue Dimensionen dieses Blends durch, man hat so unendlich viel zu entdecken. Nach dem 1990 ist es tatsächlich schwer, die anderen Teile des Blends punktgenau auszumachen, aber sie leisten genauso ihren Teil zum gelingen wie jeder andere Part des Drinks. 
Ein "Lob" geht hier auch an den "low"- und non-alkoholischen Part des Drinks: Orgeat, Curacao, Zucker und Limette machen einen grandiosen Job und unterstützen die Cuvee wo es nur geht. Ich bin einfach nur geflasht! Notiz am Rande: die Rums haben im Schnitt übrigens einen Alkoholgehalt von 63,55% vol., der ganze Drink einen von 36,78% vol. Das ist schon ziemlich potent!

Fazit: ein Mai Tai der Superlative! Nicht, dass er nun unbedingt noch sehr viel besser schmecken würde als andere Mai Tais der Spitzenklasse, aber er ordnet sich eben genau dort ein und das Wissen darum was man da gerade im Glas hat macht natürlich schon noch einmal viel aus. Der Kopf trinkt mit und das soll er manchmal auch. In jedem Fall ist dieser Drink der absolut würdige Abschluss dieses feucht fröhlichen Monats und etwas, was ich schon seit langer Zeit mal vor hatte auszuprobieren. Das ist nun geschehen und ich kann es euch auch nur empfehlen. Am besten natürlich zu einem besonderen Anlass, denn dazu sind einige der verwendeten Rums sonst einfach zu kostbar. Achso, und wenn ihr andere Favoriten bei den jeweiligen Jahrgängen habt, dann tauscht ihr diese im Blend natürlich gegen die von mir verwendeten ein. Es soll ja euch schmecken, und nicht meinem Geschmack möglichst nahe kommen. 

Morgen wird es hier dann noch einen kleinen Ausklang geben, in dem ich ein Fazit ziehen und noch einmal auf den Monat als ganzes zurückblicken werde. 

Bis dahin,
Flo


Montag, 29. Mai 2017

Mai Tai mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum- und Mai Tai Liebhaber,

nachdem mich das Monster Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 gestern bereits kräftig durchgeschüttelt hat, kommt heute der zweite, in diesem Monat Mai natürlich unvermeidliche, Teil: der Test im Mai Tai! 

Der Savanna HERR egalisierte doch so einiges, was ich bisher glaubte über Rum und Rhum zu wissen. High Ester Rum, krasser als auf Jamaica, auf einer kleiner französischen Insel vor Afrika? Aber ja doch! Der Geschmack von Kaugummi und verschimmelter Erdbeere in einem hochklassigen Rum? Auch das! 
Aber funktioniert all das auch genauso gut im Mai Tai? Bei Jamaicanern aus Hampden gilt ja mehr oder weniger die Faustregel: je mehr Ester der Rum hat, desto besser funktioniert er im Mai Tai. LROK: funktioniert gut. HLCF: funktioniert fantastisch! 1990, welches Mark dieses Batch auch immer trägt: funktioniert herausragend! Nach dieser Rechnung müsste der HERR also den besten Mai Tai machen, den ich bisher hatte. Aber ein Drink ist bekanntlich mehr als reine Mathematik...

Eine Kurzfassung mit den Randdaten zur Abfüllung:

Abfüller:                Rhums Savanna 
Land/Region:       La Réunion
Destillerie:            Savanna Distillery
Alter:                        10 YO (2006 - 2016)
Alkoholgehalt:   63,8% vol.



Verkostung des Mai Tais mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006:

Milchig, gelblich, an irgendwelche Fitness-Shakes zweifelhaften Inhalts erinnernd steht dieser Mai Tai vor mir und wartet darauf getrunken zu werden.

Der erste Schluck überrascht dann aber: klar, da ist unverkennbar der HERR drin, aber der Drink zähmt ihn doch ganz ordentlich! Und zwar viel mehr, als ich das erwartet hätte. Vom HERR bleibt weniger dieses krasse, weniger Kaugummi, als man es im Vorfeld vermuten würde. Dafür kommt vor allem diese Note durch, die ich gestern im Review nicht bestimmen konnte und die ich im Verdacht habe, die Savanna Grand Arôme-typische Note zu sein. Diese Note ist es auch, die den Nachgeschmack im Mund dominiert. Ansonsten macht sich der Alkohol im Drink tatsächlich beinahe noch etwas stärker bemerkbar als er das in der puren Verkostung getan hat.
Was bisher kaum durchschien: auch dieser Drink ist imho kein wirklicher Mai Tai. Von einem solchen führt der HERR den Drink meines Erachtens dann doch etwas zu weit weg. Die übrigen Zutaten kommen zwar durch, werden vom HERR aber schon ziemlich an den Rand gedrängt. Wirklich entfalten können sie sich nicht.

Fazit: hätte ja klappen können! ;) Der Drink ist zwar gut, aber nicht nur kein Mai Tai, sondern auch nicht wirklich so herausragend, dass ich in ihm einen echten Mehrwert sehen würde. Da war mir der Rum pur um einiges lieber! Es kommt weder das wirklich extreme schön im Drink heraus, noch passt sich der Rum wirklich an. Übrig bleibt vor allem die mutmaßliche Savanna Grand Arôme Note.
Allerdings bereue ich das Experiment auch nicht, da man etwas ja ausprobieren muss, um herauszufinden, dass da nicht viel zu holen ist. Wenn Ester im Mai Tai, dann lieber aus Hampden. Die können im Drink um einiges mehr als dieser High Ester Rum aus La Réunion.

Morgen kommt hier dann der letzte Mai Tai für diesen Monat. Es wird noch einmal nach Hampden gehen.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 28. Mai 2017

Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum Gemeinde,

nach dem 18 YO Guadeloupe von The Rum Cask findet heute ein weiterer Rum aus den französischen Überseegebieten den Weg auf Barrel Aged Thoughts: der Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 von der Insel La Réunion im Indischen Ozean. HERR? Das steht für High Ester Rum Reunion! 

Bild: Sani28 by Rum Club
Die Insel La Réunion liegt auf der Südhalbkugel im Indischen Ozean ca. 700 km östlich von Madagaskar und ca. 200 km südwestlich von Mauritius. Damit liegt die Insel von den anderen typischen R(h)um Herkunftsorten und -ländern in der Karibik so weit weg wie kaum eine andere.
La Réunion ist, wie auch Martinique und Guadeloupe, französisches Übersee-Departement und der Rhum von dort ist also auch aus der EU. Der Hauptort der Insel ist das im Norden gelegene Saint-Denis. La Réunion ist mit 2512 km² Fläche ca. so groß wie das Saarland, hat mit 835.000 Einwohnern allerdings deutlich weniger als dieses (995.000 ca.). Dennoch ist die Insel wiederum deutlich größer als Martinique und Guadeloupe. Somit wird deutlich, über welch kleine Regionen wir hier teilweise sprechen, die in der Rumproduktion aber ganz groß sind. In ihrer Geschichte änderte sich der Name der Insel mehrfach. Bis 1794 hieße die Insel Île Bourbon, dann, in Napoleonischer Zeit, Île Bonaparte, danach bis 1848 nochmals Île Bourbon und schließlich La Réunion. Klimatisch ist La Réunion als tropisch und sommerfeucht zu bezeichnen, was sich auf die Lagerung der Rums auswirkt. Weltrekorde stellt die kleine Insel in seinen Niederschlägen auf. Während der durchschnittliche Jahresniederschlag auf La Réunion 1632 mm pro m² beträgt (nirgends ist die Rate höher!), fallen in Deutschland gerade einmal 700 mm pro Jahr und m² vom Himmel.
Bild: Sani28
Die Destillerie Savanna liegt, wie der Hauptort Saint-Denis, im Norden der Insel in Saint-André. Sie wurde lt. ihres Eintrags bei Wikipedia in den Jahren 1948 bis 1950 in St. Paul von Émile Hugot konzipiert und zog im Jahr 1992 nach Saint-André um. Produziert werden unter anderem Rhums aus Melasse, sowie Zuckerrohrsaft in verschiedenen Reifegraden und Stilen. Laut dieses lesenswerten Artikels beginnt die Geschichte Savannas allerdings schon um 1870. Wer einmal das Vergnügen haben sollte die Insel zu Besuchen, der kann sich auch die Destillerie ansehen. Führungen werden angeboten.
Die heute besprochene Abfüllung, der Savanna HERR Grand Arôme, wurde am 11. Mai 2006 in der Destillerie Savanna destilliert und lagerte danach 10 Jahre dort auf La Réunion im Cognacfass #502, bis er im Mai 2016 als Originalabfüllung in Fassstärke abgefüllt wurde, rechtzeitig zum 60. Geburtstag von La Maison du Whisky, einem französischen Spirituosen-Fachgeschäft. Sein Alkoholgehalt beträgt 63,8% vol.. Dieser Grand Arôme Rhum wurde aus Melasse destilliert, nicht aus frischem Zuckerrohrsaft, wie die "einfachen" Savanna, sowie die Créol. Verkauft wird der Rhum exklusiv bei LMDW in 50 cl Flaschen. Sein Preis dort beträgt 118 Euro. Es wurden insgesamt 686 Flaschen abgefüllt. Somit müsste Savanna 343 Liter aus nur einem einzigen Fass geholt haben. Bedenkt man dann noch den Angel's Share bei tropischer Lagerung, so ist das mit herkömmlichen Fässern eigentlich kaum zu bewerkstelligen, aber das sind hier zumindest die offiziellen Angaben.

Nun muss ich gleich vor Beginn des Tastings allerdings zunächst einmal gestehen: ich hatte in meinem Leben bisher noch nie einen Rum aus der Savanna Destillerie im Glas und auch nur wenige Male überhaupt Rhum aus La Réunion, hier sämtlichst von Reviere du Mat. Ich kann über den heute verkosteten Rhum daher weder wirklich sagen ob er typisch für La Réunion ist, noch kann ich ihn in irgendeiner Weise in die Ahnenreihe von Savanna einordnen. Das muss ganz klar beim Lesen des Reviews beachtet werden und gerade Fans von Rhum Agricole könnten daher häufig mit dem Kopf schütteln. Warum ich den Rhum dann, trotz offensichtlicher Ahnungslosigkeit, hier bespreche? Ich verkoste den Tropfen nicht als Fan von Savanna oder Rhum Agricole, sondern interessiere mich für den Rhum als Liebhaber von stark esterhaltigen Jamaica Rums und eben auch nur deshalb, weil der HERR nun einmal sehr esterreich ist. Inwieweit diese Rums dann wiederum überhaupt miteinander verglichen werden können wird sich natürlich noch herausstellen, aber letzten Endes werdet ihr als Leser einzig wissen, wie ich den Rum in mein persönliches bisheriges Portfolio einordne, nicht, wie der Rhum sich im Vergleich zu seinen eigentlichen Brüdern, nämlich den anderen Rhums von Savanna, darstellt. Ab diesem Moment kann also zumindest niemand mehr behaupten, er hätte nicht gewusst, worauf der sich beim Lesen dieses Artikels eingelassen hat ;)



Verkostung Savanna HERR 10 YO La Réunion Grand Arôme 2006:


Preis: für 118 Euro kann man 0,5 Liter dieses Rums bei LMDW kaufen. 

Alter: der Rhum ist 10 Jahre alt und reifte zwischen 2006 und 2016.

Lagerung: gelagert wurde der Rhum in einem Ex-Cognacfass auf La Réunion.

Fassnummer: #502.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: 63,8% vol.

Destillationsverfahren: unbekannt, vermutlich Pot Still Verfahren.

Mark: HERR.

Farbe: satt goldener Bernstein. 

Viskosität: der Rhum bildet satte, fette und eher enge Schlieren, die recht zügig die Glaswand herunterlaufen. 

Nase: Wuuuuuhuuuhuuhuuuu... DAS (!) sind mal echt fette Ester! Wahnsinn! So etwas habe ich, auch wenn ich mir nie vorstellen konnte, dass das möglich ist, selbst auf Jamaica noch nie gesehen! Wie auch bei Hampden üblich war schon beim Einschenken richtig Alarm und jetzt, nach einer Stunde im abgedeckten Glas, brennt der Rum ein echtes Feuerwerk ab! Diese Nase ist zunächst einmal vollkommen unzugänglich. Ein Konglomerat aus krassen Estern, fiesen Klebstoffnoten, Arzneimitteln, vergorener Erdbeere und alkoholischen Dämpfen scheint deutlich sagen zu wollen: Unbefugten ist der Zutritt bei Androhung des Todes nicht gestattet! Anders als bei Hampden ist der Säuregehalt hier nicht so hoch. Das fällt direkt auf. Mannomann! Das ist so ziemlich das heftigste Bouquet, das ich je in einem Glas vorgefunden habe! Ein Rhum, der Urinstinkte aktiviert. Und dieser sagt gerade: "Weglaufen, nicht trinken, is' giftig!".

Nach ca. 1,5 Stunden bricht der Rhum langsam auf und man kann seine Nase auch mal ein wenig näher ans Glas führen. Jetzt steht Kaugummi im Vordergrund in der Geschmacksrichtung "Vergorene Erdbeere". Dazu kommen weiter Uhu-Klebstoff, Hustensaft und die Einflüsse des Ex-Cognac Fasses. Das ist so eine typische Note die man kennt, wenn man schon viele Plantation Rums im Glas gehabt hat. Doch während sie bei Plantation sehr ausgeprägt und durch die Zugabe von Zucker oft sehr überzeichnet ist, findet man sie hier sehr viel dezenter bzw. natürlicher und sehr schön eingebunden wieder. Sie verleiht dem Rum eine schöne Süße, die herrlich zum Kaugummi passt. Ganz hinten habe ich dann Noten, die an Jamaica erinnern. 

Gaumen: auch hier erstmal: voll in die Fre**e rein!! Das erste was ich wahrnehme ist eine sehr auffällige Süße gleich zu Beginn, die habe ich schon im Mund, da habe ich das Glas kaum angesetzt. Danach brennt der Alkohol kurz, aber nicht wirklich lange oder allzu unangenehm. Der Rhum ist für seinen Alkoholgehalt erstaunlich dünn in seiner Konsistenz, dabei aber zu 110% mundfüllend! Es kommt einem aus der Nase und aus den Ohren wieder raus. Die Zunge wird komplett überrannt. Für einen Moment denke ich, dass ich mich mal besser auf meine Urinstinkte verlassen hätte, die sich bereits in der Nase gemeldet haben, aber dafür ist es nun schon zu spät. 
Jetzt kommt die Hubba Hubba Kaugumminote noch viel, viel krasser durch als in der Nase schon. Der HERR ist ein Rhum, der ewig lange am Gaumen verbleiben möchte. Hier rennt er einen wahren Marathon ab. Es kommen immer wieder neue Facetten durch, der Rhum endet nicht. Zwischendrin habe ich hinten heraus immer mal wieder Eisbonbons. Ihr wisst schon, diese mit dem Eisbären drauf. Wer diesen HERRn zu früh herunterschluckt, der verpasst einiges! Denn wenn sich das erste Feuerwerk nach einigen Minuten gelegt hat, kommen erstmals auch herbere Noten durch. Das ist das Startsignal für die Einflüsse des Cognacfasses und der zehnjährigen Reifung. Der Rhum hat am Gaumen inzwischen eine cremige Konsistenz angenommen und verliert mehr und mehr an Kaugummi. Jetzt kommt eine Note durch, die ich nicht wirklich einordnen kann. Bei einem Jamaicaner ist das häufig die Brennerei-typische Note, weswegen das hier natürlich auch gut der typische Charakter von Grande Arome Savanna sein könnte, aber überprüfen kann ich das an dieser Stelle leider nicht. 

Abgang: Im Abgang kommen die Kaugummi-Noten nochmal wieder und vermischen sich mit Fasseinflüssen und Holznoten von frisch abgeschnittenen Ästen. Ewig lange verweilt der HERR noch im Mund und meldet sich immer mal wieder mit frisch abgeschnittenen Ästen zurück. Auch noch nach Stunden ist er präsent.

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Fazit: außergewöhnlich! In jeder Hinsicht außergewöhnlich! Das trifft es wohl am ehesten, wenn man die Eindrücke wertend aber maximal objektiv zusammenfassen möchte, die da in den letzten Stunden auf mich eingeprasselt sind. Wahnsinn! Dieser Rhum lässt sich mit nichts vergleichen, was ich bis dato je im Glas hatte. Ein Rhum, der sicherlich spaltet! Der Kundenkreis, der auf solche extremen Aromen abfährt dürfte sehr eingeschränkt sein und selbst die Esterbomben aus Jamaica sind dagegen fast massentauglich. Tja... Vergleiche. Man ist ja irgendwie immer geneigt, bewusst oder unbewusst, solche zu suchen, da unser Gehirn nun einmal in Vergleichen arbeitet, aber da ist einfach nichts. Daher ist es auch nur logisch, dass ich vielfach von Menschen gehört habe, dass sie mit diesem Rhum, bevor sie ihn genial fanden, überfordert waren. Selbst der 26 jährige The Rum Cask Hampden 1990 hat nicht diese Dichte an Estern, ist nicht wirklich ein Vergleich. Vielleicht könnte man den DOK von Hampden heranziehen, wenn gleich hier bisher noch keinerlei verkäufliche Abfüllungen existieren. Bei meinen Recherchen zu dieser Abfüllung hatte ich da aber einige vergleichende Zeilen gelesen.
Ja, da hat mich die Savanna Destillerie ganz schön überrascht. Rhum Agricole ist ja, gleich ob aus Melasse oder Zuckerrohrsaft, eigentlich so gar nicht meins, aber dieser hier hat mich total geflasht! Erkenntnis für mich: High Ester Rum? Das geht nicht nur auf britisch geprägten Inseln, bzw. in Regionen oder Ländern wie Jamaica, Fiji und Barbados, sondern auch in einem französischen Übersee-Departement. Das kommt zwar, wie schon mehrfach erwähnt, überraschend für mich, ist aber ebenso erfreulich!
Ein paar Worte in Richtung des Preises: der ist zwar mit seinen 236 Euro/Liter happig, für einen zehn jährigen Rum insbesondere, aber ob der Besonderheit der Abfüllung gerade so noch zu vertreten. Ich fand den Rhum wirklich extrem, aber sensationell gut!

Ein riesengroßes Dankeschön geht heute an Sani28 aus dem Rum Club! Er ließ mir sowohl ein Sample, als auch Bilder der Flasche dieses tollen und außergewöhnlichen Rums zukommen. Vielen Dank dafür!

Bis morgen,
Flo