Samstag, 30. Dezember 2017

Meine Top 10 Rums 2017

Liebe Rum Gemeinde,

der Jahreswechsel steht schon wieder vor der Tür und da das Jahr 2017 aus meiner Sicht als Rum Connaisseur ein sehr ergiebiges war, möchte ich für euch einmal meine Favoriten aus diesem Jahr zusammenfassen, also Rums, die 2017 abgefüllt wurden oder erschienen sind, oder 2017 erst populär wurden.
Für mich ganz persönlich war 2017 vor allen Dingen das Jahr meiner Rückkehr in die Rumwelt und das Jahr, in dem ich, im Vergleich zur Zeit davor, ganz vieles ausprobiert habe und deutlich offener war für Neues. So konnten mich 2017 z.B. sogar einige wenige Rums der französischen Überseedepartements begeistern, die ich früher gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Zu nennen sind hier die Rums der Bellevue Destillerie, aber auch ein fassstarker J. Bally aus 1998 konnte mich überzeugen. Ein Rum französischen Anstrichs hat am Ende sogar nur ganz knapp meine Top Liste verpasst, nämlich der Savanna HERR!
Eine Destillerie die ich ebenfalls erst seit diesem Jahr auf dem Schirm habe ist die, leider geschlossene, frühere Destillerie Caroni auf Trinidad. Die Jungs haben verdammt leckeren Rum gebrannt, deren Preise heute leider immer öfter dazu führen, dass man eben nicht mehr alles von dort auch probieren kann. Schade. Aber es haben von hier einige Rums aus diesem Jahr in meine Top Liste geschafft. 
Ansonsten stand 2017 auch im Zeichen des 70. Geburtstags von Velier, der von zahlreichen Abfüllungen begleitet wurde, und auch der schottische Abfüller William Cadenhead hatte Geburtstag: hier darf man bereits auf 175 Jahre Geschichte zurückblicken - meine Hochachtung! Beide Abfüller werden auch mit jeweils einer ihrer Jubiläumsabfüllungen in meiner Top Liste zu finden sein, in der sich darüber hinaus vor allem die üblichen Verdächtigen aus Caroni und natürlich Jamaica wiederfinden, von denen einer hingegen bis zu diesem Jahr so überhaupt nicht üblich war und ein anderer wiederum ist in diesem Jahr erschienen, auf den ich zuvor Jahre lang gewartet hatte. Und dann war da auch noch ein Monymusk, der meine Sicht erweitert hat... Ihr sehr: es war ein turbulentes, rumreiches Jahr für mich! ... und bereits das fünfte von Barrel Aged Thoughts! 

Meine Top 10 Rums in 2017


Meine TOP 10:


1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Meine absolute Nummer 1 in diesem Jahr und der Rum, auf den ich wohl am längsten warten musste und auch gewartet habe, nämlich sechs Jahre. Ich konnte ihn im letzten Januar vorab probieren und war sofort begeistert. Im März kamen dann Abfüllung und Release, sowie der Ausverkauf in nur drei Tagen. Diese Abfüllung war zugleich der Startschuss eines überaus erfolgreichen Jahres der Zusammenarbeit mit The Rum Cask insgesamt. Für mich ist dieser Rum noch immer ohne Frage der beste, den ich aus Hampden je probieren durfte! Outstanding!


2. Velier Caroni Full Proof 20 YO (1996 - 2016) - 62,4% vol. (Kirsch Whisky)

2016 schon abgefüllt, wurde dieser Rum im Frühjahr 2017 veröffentlicht, war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und ging dann preislich durch die Decke. Inwieweit diese Preise noch ein Verhältnis haben sei einmal dahingestellt, aber letztlich war dieser Rum einfach verdammt gut und er taucht deshalb auch zurecht auf meinem Platz 2 auf. Viel besser kann ein Caroni vermutlich nicht schmecken, auch wenn das natürlich immer Geschmacksache ist. Ich kenne einige, die ihn gerade mal durchschnittlich fanden, aber dem kann ich mich nicht anschließen. Ein Review wird hier auch sicher noch folgen!


3. Cadenhead Trinidad Rum 18 YO Caroni 1998 (175th Anniversary) - 65,8% vol.

Noch so ein Kandidat, der nur schwer zu fassen war! Leider zieht sich das inzwischen durch fast alles was gut ist. Verfügbarkeiten waren auch insgesamt ein zentrales Thema in 2017. Dieser Cadenhead wurde im Sommer als 175th Anniversary Bottling abgefüllt und war meines Erachtens ein echter Knaller. Ich bin sehr, sehr froh von dieser Abfüllung etwas abbekommen zu haben und ich plane auch in nächster Zeit ein Review dieses Tropfens hier auf BAT zu bringen. Aus 1998 ist das die beste Caroni Abfüllung, die ich bisher probiert hab und darunter waren auch schon drei von Velier! 


4. Velier Caroni 100% Trinidad Rum 21 YO (1996 - 2017) - 57,18% vol.

Der 4. Platz und schon der dritte Caroni in dieser Liste! Wow! Ja, 2017 war für mich auch ein Caroni-Jahr, was aber auch daran liegt, dass ich aus Jamaica bereits fast alles im Glas hatte, was man so im Glas gehabt haben sollte. Caroni hatte 2017 den Reiz des Neuen für mich! Dieser 21 YO konnte mich dabei sehr begeistern, bietet er doch ein sehr rundes und entspanntes Gesamtpaket. Das galt auch für seine Verfügbarkeit. Er war dieses Jahr einer der wenigen Caronis, bei dem es keinen Mangel an Verfügbarkeit gegeben hat. Letztlich kann das aber fast nur daran liegen, dass es hier ein paar Tausend Flaschen gibt, nicht an fehlender Qualität. Auch über das Jahr hinaus einer meiner Lieblings Rums! 


5. Cave Guildive Jamaica Rum 23 YO Hampden 1993 - 61% vol.

Das Mysterium in dieser Liste! Da es den Rum nur in der Schweiz gegeben hat und man aus Deutschland nicht einfach in der Schweiz bestellen kann und der Rum zudem eine Single Cask Abfüllung ist, haben es hier nur wenige Flaschen nach Deutschland geschafft. Schon 2016 abgefüllt, stolperte man aber erst in diesem Jahr über die in der Schweiz doch eher versteckte Abfüllung. Ich hatte das große Glück sie probieren zu können (Danke an den edlen Spender für das Sample!) und war durchaus begeistert. Er kommt zwar für mich nicht an den Jahrgang 1990 heran, aber er kommt diesem in meiner Gunst am nächsten. Der Preis war mit ~250 Euro echt heftig, aber letztlich auch fast marktüblich. Inzwischen gibt es ihn längst nicht mehr. 


6. Compagnie des Indes Jamaica Rum 12 YO New Yarmouth 2005 - 65,2 vol.

DIE dicke Überraschung in 2017 kam von Compagnie des Indes, indem sie einen Rum aus New Yarmouth abgefüllt haben! Zwar war mir New Yarmouth grundsätzlich bekannt, aber einen Rum rein von dort hatte ich zuvor noch nie im Glas. Hier in Deutschland gab es leider nur eine 55% vol.-Version dieser Abfüllung zu kaufen. In Dänemark allerdings gab es das Teil auch in Fassstärke und auch hier hatte ich das Glück an ein Sample zu kommen. Auch hier gilt mein Dank dem Spender! Der Rum kostete in Dänemark ca. 130 Euro und dafür ist er imho ein PLV-Knaller! Trost: die 55% vol. Variante ist meines Erachtens nicht viel schwächer, auch hier wird sehr viel zu fairem Kurs geboten, aber die Fassstärke-Variante toppt das eben noch einmal etwas! Kein Rum der nicht aus Hampden stammt kam Hampden jemals so nahe. Ich habe immer behauptet, man würde Hampden erkennen wenn man ihn im Glas hat, aber dieser Rum ist der erste, der mich vielleicht täuschen könnte. In diesem Ranking zwar "nur" die Nr. 6, aber dass da noch eine andere Destillerie auf Jamaica solch krassen Rum brennt und von dort nun vielleicht auch häufiger mal was kommt, das ist für mich im Grunde fast die Nr. 1 der Rum-Nachrichten des Jahres!


7. The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998 - 69,1% vol.

The Beast! Nachdem der 1990er Hampden ja so schnell vergriffen war, konnte The Rum Cask mit dem 1998er im Sommer nochmal einen nachlegen. Und auch wenn ein HLCF natürlich kein C<>H ist, so war das "Biest" nicht nur trotz, sondern auch wegen seiner enormen Stärke eine schöne Ergänzung zum bisherigen Portfolio des Abfüllers. Fast 70% vol. sind das heftigste, was ich bei einem solch lange gereiften Hampden je im Glas hatte. Dennoch war der Rum angenehm weich und gut zu trinken. Ein toller Hampden, wenn es mal nicht das ganz schwere Ester-Geschütz (1990, 1993) sein soll! Leider war auch diese Abfüllung innerhalb weniger Tage vergriffen. 


8. Velier Jamaica Rum 7 YO  <H> (2010 - 2017) - 62% vol.

Schon die dritte Velier-Abfüllung in den Top 10 und dieses Mal ein Jubiläums-Bottling aus der Warren Khong Serie! Ja, dieser italienische Erfolgsabfüller hat sich zu seinem 70. Geburtstag in 2017 nicht lumpen lassen und die Rumwelt mit einer ganzen Welle an schönen Abfüllungen daran teilhaben lassen - zumindest den schnellsten Teil der Rumwelt. Um die Flaschen keines anderen Abfüllers muss man so sehr herumschleichen wie um die Veliers um jeweils die Release-Fenster zu erwischen und damit die Möglichkeit zu haben, einige dieser Rums zu bekommen. Beim <H> ist es mir gelungen und es hat sich gelohnt. Und dies war auch die erste Flasche seit langem, die ich geöffnet habe ohne vorher ein Sample bekommen und probiert zu haben. Es zeigt sich immer mehr, dass tropische Reifung Hampden in einigen Jahren in neue Sphären katapultieren könnte. Ich ziehe länger gelagerte Hampden mit deutlich stärkerem Fasseinfluss vor und noch werde ich da eher bei alten Stocks mit kontinentaler Reife fündig, aber die Zukunft ist eindeutig gesichert und in ca. 10 Jahren spätestens werden tropisch gereifte Hampden die alten Stocks in Sachen Fasseinfluss vermutlich abgelöst und überholt haben!


9. Velier Caroni 100° Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1994 - 2017) - 57,18% vol.

Und noch einmal Velier! Diese Abfüllung gefiel mir zwar nicht ganz so gut wie einiges anderes von Caroni früherer Jahre, aber rein auf 2017 gesehen gehört er für mich dennoch in die Top Listen, zumal er mir inzwischen sogar noch etwas besser schmeckt als zum Zeitpunkt meines Reviews. Einzig der Preis war hier einfach zu hoch angesetzt, zumindest ist das mein Empfinden. Und trotz dessen, dass mir der Rum gut gefällt verstehe ich ohne Ausnahme jeden, der den Rum deshalb nicht gekauft hat. Im Gedächtnis bleiben nicht zuletzt die schnellen, anfänglichen Käufe in der Hoffnung auf satte Renditen in Kombination damit, dass der Kurs in der Folge noch unter den Ausgabepreis fiel. Profitiert haben davon die Genießer!


10. The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003 - 60,7% vol.

Monymusk steht oft im Schatten anderer, populärerer jamaicanischer Destillerien wie u.a. Long Pond und Hampden, sowie in letzter Zeit auch Worthy Park. Und auch wenn ich persönlich zumindest die beiden erstgenannten Destillerien auch deutlich vor Monymusk sehe, so empfinde ich die Rums von dort doch auch immer wieder als willkommene Abwechselung, was sich am Ende auch hier in meiner Top Liste zeigt! Diese spezielle Abfüllung konnte gar meinen Horizont erweitern, im Hinblick nämlich auf das Verhalten von Monymusk Rum bei zunehmender Reife im Fass. Spannend und lecker zugleich! Und letztlich, so finde ich, runden solche kleinen Überraschungen ein Rum-Jahr doch erst so richtig ab. 



Epilog:

Das waren sie also, meine Favoriten in 2017. Selbstverständlich gibt eine solche Liste immer nur einen kleinen Teil dessen wieder, was wirklich alles an tollen Spirits im Glas gelandet ist und natürlich ist sie vor allem auch rein subjektiv. Ganz klassisch erhitzen solche Top Listen oft die Gemüter von anderen Connaisseuren, die ihren Liebling in der Liste vermissen. Wie kann er diesen oder jenen Rum nur ignorieren? Hierbei sollte beachtet werden, dass mein Geschmack schon sehr festgelegt und auch, im Vergleich zu einigen anderen Connaisseuren, sehr eng gefasst ist. Demerara Rum ist im Allgemeinen nur selten mein Ding und auch das allermeiste aus dem Bereich Agricole sagt mir überhaupt nicht zu.
Es gab aber natürlich im vergangenen Jahr doch auch noch einige andere Rums, wie den Savanna HERR, den Rum Nation Hampden 1992, den The Rum Cask 20 YO Uitvlugt 1997, den Habitation Velier 2006 WPM 11 YO, den Habitation Velier Last Ward 2007, den Premium Rum Hampden 16 YO von Andreas Schwarz oder den Velier Triptych, die es zwar nicht in die Top Liste geschafft haben, die mir durchaus gut gefielen und die ich deshalb an dieser Stelle noch einmal würdigen möchte, indem ich sie nicht unerwähnt lasse. Wiederum andere Rums habe ich im vergangenen Jahr leider nicht geschafft zu probieren. Hier sei der Velier St. Lucia 2010 exemplarisch zu nennen, der sehr gut sein soll. Vielleicht werde ich das ja im nächsten Jahr noch erfahren. Die Dichte an Qualität war in 2017 meines Erachtens überaus beachtlich und längst kann man nicht mehr jede Abfüllung, die einem gut schmeckt auch automatisch kaufen und so manchen tollen Rum musste ich leider auch vorbeiziehen lassen.

Für 2018 hoffe ich natürlich wieder auf tolle neue Abfüllungen und bin mir sicher, dass wir auch weiterhin viele davon bekommen werden. Die Abfüller und auch einige der Destillerien haben längst auf das steigende Interesse an Rum reagiert und wie man an New Yarmouth gesehen hat, ist auch noch längst nicht alles an Potenzial da draußen ausgeschöpft. Gerade New Yarmouth, aber auch St. Lucia Distillers, der South Pacific Distillery auf Fiji oder mit Abstrichen auch Sancti Spiritus auf Cuba traue ich zu den nächsten Schritt zu machen und eine noch wichtigere Rolle innerhalb der Szene einzunehmen. Momentan noch stehen diese deutlich im Schatten der "Großen" aus Jamaica, Guyana, Trinidad oder Barbados. Allerdings sehe ich hier momentan einzig bei Hampden und Foursquare eine gesicherte Zukunft und sollten sich daneben in den nächsten Jahren Lücken auftun, so stehen oben genannte Destillerien sicherlich bereit. Rum lebt! Und Leben ist Veränderung!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

Flo

Donnerstag, 26. Oktober 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003

Werte Rum Gemeinde,

nach längerer Pause melde ich mich heute mit einer spontanen Abfüllung bei euch zurück. 

Denn ich habe hier einen neuen Rum für euch, mit dem weder The Rum Cask als Abfüller selbst, noch dementsprechend ich schon gerechnet haben: einen 14 YO Monymusk Jamaica Rum in Fassstärke aus 2003. Schon gerechnet? Jawohl, dass etwas in der Pipeline liegt war bekannt, allerdings traf das Fass überraschend schon früher in Pirmasens ein, zusammen mit einer weiteren neuen Abfüllung aus Panama. Eigentlich war die Abfüllung vom Monymusk erst für nächstes Jahr geplant, aber jetzt ist er nun mal da ;) Heißt auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass wir uns bereits jetzt über den Rum freuen können und so stelle ich ihn euch also heute vor. 

Monymusk aus 2003 ist jetzt per se erst einmal keine große Sensation. Seit Murray McDavid/Renegade Rum Company im Jahr 2009 einen 5 Jahre alten Rum dieses Batches herausgebracht haben, haben auch andere unabhängige Abfüller immer mal wieder einen solchen Rum im Portfolio gehabt, wie z.B. Duncan Taylor, Moon Import oder Berry Bros. & Rudd.
Allerdings ist hier zu beachten, dass, sollte ich nichts übersehen haben, die Rums entweder immer leicht verdünnt waren, oder aber einen deutlich geringeren Alkoholgehalt aufwiesen. Die Rums von Duncan Taylor oder auch die Abfüllung von Berry Bros. & Rudd wiesen alle einen Alkoholgehalt von 50-55% vol. auf, während der hier heute vorgestellte The Rum Cask stolze 60,7% vol. zu bieten hat. In dieser enormen Stärke waren mir bisher nur sehr junge 1997er Monymusk und ein ähnlich alter 1998er Monymusk bekannt. Von daher hebt sich der The Rum Cask, es ist übrigens deren erster aus Monymusk, an dieser Stelle schon einmal deutlich von seinen Brüdern ab. Idealer Weise ist er dazu dann aber auch qualitativ im Glas im Stande, wovon ich mich im Folgenden noch überzeugen werde. Erfreulich ist außerdem, dass The Rum Cask erneut das Mark des Fasses mit auf das Label gebracht haben, wenn gleich dieses in diesem Fall keine echten Aufschlüsse über den Rum bringt. So steht das Mark JMM wohl schicht für Jamaica Main Monymusk. Nichts desto trotz empfinde ich die Angabe als wohltuend und förderlich auf dem Weg zu immer mehr Transparenz. Apropos Transparenz: die Single Cask Abfüllung ist genau 247 Flaschen stark. 



Verkostung des The Rum Cask 14 YO Monymusk 2003:

Preis: ca. 55 Euro werden 0,5 Liter Monymusk ab dem 27.10.17  im TRC-Shop kosten.

Alter: der Rum reifte von 2003 bis 2017 insgesamt 14 Jahre im Fass.

Lagerung: vermutlich größtenteils kontinentale Lagerung in einem Fass mit ca. 200 Litern Volumen.

Fassnummer: #20

Angel's Share: ca. 38%

Alkoholstärke: 60,7% vol. misst der Rum noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: zum Einsatz kam eine Pot Still von Monymusk.

Mark: JMM

Farbe: blasses, strohiges Gold. 

Viskosität: kleine, feine Perlen bilden sich gleichmäßig an der Glaswand und verlaufen langsam und träge daran herunter. Öliger Film.


Nase: Oh, Überraschung! Diese typische 2003er Nase, die in bisher allen Rums dieses Batches sehr dominant auftrat und wahlweise entweder wohlwollend als Buttersäure oder abschätzig als Erbrochenes umschrieben wird, kommt hier sehr viel dezenter daher. Sie war dafür verantwortlich, dass ich jeden 2003er Monymusk bisher vermutlich blind erkannt hätte. Das ist hier in dieser Form nicht mehr möglich. Die Nase erinnert mich viel eher an die alten Monymusk aus den Siebziger Jahren, wie sie bis vor 15 Jahren noch von Bristol abgefüllt wurden. Gegrillte Ananas und einen Hauch Nuss, sage ich nur. Im Background habe ich auch noch etwas Toffee, sowie peripher vor allem frisch geschnittene Äste. Das ganze unter einem spürbaren, schönen Fasseinfluss. Blind hätte ich 77er Monymusk oder Long Pond Light getippt, wobei die alten Monymusk noch etwas dezenter waren als dieser hier. 
Trotz dessen ist die Buttersäure-Note in geringem Maße noch vorhanden, so dass ausgeschlossen werden kann, dass bei den Angaben beim Broker etwas durcheinander kam. 2003, das wird überdeutlich, hat eine Entwicklung durchgemacht. Der Rum kommt mit zunehmender Verweildauer im Glas auch noch etwas kräftiger heraus, so ca. 30-45 Minuten sollte man ihm schon geben. Auffällig unauffällig: der Alkohol. Trotz über 60% vol. habe ich von Anfang an keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase. Stechende Einflüsse waren gar so abwesend, dass ich mir bei der Erstverkostung des Rums keinerlei Angaben dazu notiert hatte. Das steht, bei einem Rum mit 60,7% vol., glaube ich für sich.

Gaumen: Mhhm, der ist richtig gut! Trotz etwas kräftigerer Schlücke, die der Rum ohne Weiteres erlaubt, ist der Alkohol nicht übermäßig präsent und super entspannt eingebunden. Der Monymusk präsentiert sich überaus vollmundig, cremig und komplex. Oh ja! Breites Grinsen an dieser Stelle. Eine ganz leichte natürliche Süße gleich zum Start, dahinter dann aber vor allem trocken. Ein reifer, erwachsener Rum! Hier zeigt sich die Entwicklung des Rums neuerlich. Ich habe einen 12 YO Monymusk von Duncan Taylor daneben, der noch wesentlich griffiger ist und in dem dieses bisher so typische 2003er Profil noch wesentlich stärker zu finden ist, während man es hier beim The Rum Cask 14 YO schon nur noch erahnen kann. Wahnsinn! Zu Beginn noch leicht vorhanden, geht der Rum dann aber komplett Weg von der Buttersäure und wartet dann mit spürbaren Anteilen dessen, was man bisher nur aus den über 20 Jahre alten Monymusk kennt auf. Ein Rum mitten in der Transformation! Sau Lecker! 

Abgang: trocken, ganz entfernt an Sancti Spiritus erinnnernd, geschnittenes Geäst, Anis. Mittellang.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Wow! Dieser Monymusk war tatsächlich vor allem eines: aufschlussreich. Nicht, dass er mir nicht auch wirklich sehr gut geschmeckt hätte, er ist hervorragend, aber das interessanteste an dieser Abfüllung sind die Erkenntnisse, die sie in Bezug auf Rum aus Monymusk gebracht hat. Bisher glaubte ich daran, dass 1977 und 2003 zwei grundsätzlich verschiedene Stile seien, so wie auch bei anderen Destillerien zum Teil beträchtliche Unterschiede zwischen den Jahrgängen bestehen, denn die alten Rums aus 1977 und die neuen aus 2003 hatten kaum etwas gemeinsam. Diese Abfüllung aber zeigt, dass der Stil, den ich bisher für typisch 2003 hielt, in Wahrheit nur typisch für jungen Rum aus Monymusk ist. Dementsprechend hat also vermutlich auch der 1977er Monymusk in jüngeren Jahren so ähnlich geschmeckt, wie man das jetzt aus 2003 kannte. Diese Abfüllung zeigt den Weg dieses Stils von Jung zu Alt auf und ist daher als eine Art "Missing Link" von Monymusk zu sehen. Ich würde gar so weit gehen und sagen, dass es unmöglich ist Monymusk wirklich zu verstehen, ohne diesen Rum zu kennen. Das macht ihn so wichtig und einzigartig!
Darüber hinaus lässt mich der Rum mit Erstaunen zurück, denn ich kannte bisher keine Rum-Destillerie, deren Stil sich mit der Zeit so sehr verändert. Nimmt man einen jungen Port Mourant aus Guyana, so findet man dort immer auch den Rum wieder, den man von 30 YO Port Mourants kennt. Nimmt man jungen Hampden und vergleicht ihn mit lange gereiften Hampden, so zeigt sich das gleiche. Und so weiter. Aber in alten Monymusk finde ich neuen Monymusk kaum noch wieder. Parallelen findet man fast nur, wenn man weiß wonach man suchen muss.

Und zu guter Letzt: wer sich jetzt, beim Anblick des nebenstehenden Bildes der Flasche, gefragt haben sollte warum der Gelbbrustara der letzten zwei BAT-Abfüllungen dieses Mal nicht auf dem Label zu finden ist, obwohl er ja jetzt immer die "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen repräsentieren sollte, dem sei versichert, dass das nicht etwa schon wieder hinfällig ist. Das ist der Spontanität geschuldet, mit der das Fass eintraf. Labeldruck und Tasting überschnitten sich leider komplett. Da mich der Rum allerdings gleich in doppelter Hinsicht überzeugte wollte ich ihm meine Empfehlung nicht verweigern. Denn noch einmal: es braucht imho diesen Rum um Monymusk voll umfänglich zu verstehen. Daher ist die heutige Empfehlung zwar vielleicht nicht unbedingt die beste die ich je ausgesprochen habe (da wird es auch ganz, ganz schwer am 26er Weltklasse-Hampden aus 1990 vorbeizukommen), sie ist aber aus oben genannten Gründen ganz sicher eine der bedeutendsten und wichtigsten bisher!

Und nun bleibt mir nur, auch euch viel Spaß mit dem Monymusk zu wünschen!


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 20. August 2017

Velier Caroni 2017 Meeting: 21 YO und 23 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch zwei Rums aus der geschlossenen Destillerie Caroni von Trinidad vorstellen, die auf den ersten Blick vieles gemeinsam haben: beide erschienen in diesem Jahr beim italienischen unabhängigen Abfüller Velier, beide kommen mit 57,18% vol. daher, die exakt 100° Imperial Proof entsprechen, beide gibt es noch zu kaufen aber beide kosten auch enorm viel Geld. Die entscheidenden Unterschiede? Der eine, der 21 jährige Caroni, ist aus dem Jahr 1996 und aus dem sog. Trinidad Stock und der andere, der 23 YO, stammt aus dem Jahr 1994 und aus dem sog. Guyana Stock. Somit haben wir es heute mit zwei Rums zu tun, die aus grundverschiedenen Batches stammen. Aber nicht nur das: sie gehören auch zwei verschiedenen Serien innerhalb der Caroni-Linie Veliers an. Doch der Reihe nach:


Velier Caroni 100% Trinidad Rum 21YO ('96/'17) - 57,18% vol.

Dieser Rum erschien erst vor wenigen Wochen in den internationalen Shops und wurde von vielen sehnsüchtig erwartet, denn er ist der vierte Rum der extrem beliebten "100% Trinidad Rum Extra Strong"-Serie mit dem historischen Label der zwei Seemänner im Hafen. Bisher waren da schon ein 12 YO mit 50% vol. aus dem Jahr 2000, ein 15 YO mit 52% vol. aus dem Jahr 1998 und ein 17 YO mit 55% vol. ebenfalls aus 1998 erschienen. Nun also ein 21 YO mit 57,18% vol. aus 1996. Das klingt für Menschen mit Caroni-Erfahrung schon mal nicht so verkehrt. Was diese Serie bisher ausgemacht hat waren neben natürlich der Qualität vor allem das Aufzeigen der Entwicklung von Caroni im Fass und der sehr faire Preis. Der User "casaBARcardi" hat das im Rum Club Forum einmal, wie ich finde, sehr treffend auf den Punkt gebracht: der 12er ist noch sehr puristisch und dreckig, während der 15er dreckig und reif ist und der 17er schließlich reif und ausgewogen daherkommt. Die Ausgabepreise lagen bei ca. 45, 60 und 90 Euro für den 12er, 15er bzw. 17er und für das Geld bekam man da wirklich sehr viel Rum geboten.
Was den Preis betraf, so wurden viele Connaisseure leider schnell desillusioniert, denn der Rum ist mit ca. 200-240 Euro nicht günstig. Ich hatte den 17er Caroni zu deutlich humanerem Kurs hier auf BAT schon im April vorgestellt und war sehr angetan. Bleibt für den 21er also die Hoffnung, dass der Rum inhaltlich überzeugt und die Linie der bisherigen Serie sinnvoll fortsetzt. Aber selbst dann wird es schwer, mich bei diesen Preisen wirklich zu überzeugen.

Verkostung:

Gewohnt dunkel kommt der Rum im Glas satt und ölig daher. Mich erwartet von Beginn an eine absolut jahrgangstypische 1996er Caroni Nase, der kommt sofort sehr gut und lässt schon mal einen grundsoliden und tatsächlich auch zu diesem Preis empfehlenswerten Caroni erwarten.
Die Eindrücke am Gaumen bestätigen diesen Verdacht. Der Rum hat zwar ein eher gefälligeres Profil, echte Ecken und Kanten muss man lange suchen ohne echte Garantie, dass man wirklich fündig wird, aber mir gefällt er dennoch außerordentlich gut. Denn er ist einfach lecker und letztlich führt der Rum unweigerlich zu der Frage: auf was kann und möchte ich mich einlassen? Ich mag Caroni richtig dreckig, aber ich brauche bei Caroni auch nicht immer einen Rum, an dem ich mich bis zur Erschöpfung abarbeiten muss und möchte. Caroni darf bei mir gerne anstregend sein, aber ich sehe dabei keine Notwendigkeit. Der 21 YO Caroni ist ein Rum, der zu unglaublich vielen Gelegenheiten eine gute Figur macht. Ich kann ihn mir an Tagen einschenken, an denen mir ein Triptych zu langweilig wäre, aber auch an Tagen, an denen mir ein 1992er Caroni oder ein 1990er Hampden zu extrem wären. Ich kann ihn einem Neuling genauso vorsetzen wie einem Nerd. Den Neuling verschreckt er  nicht und für den Nerd steckt immer noch genug drin, um nicht einfach nur abzuwinken.

Fazit: 

In die 100% Trinidad Extra Strong Reihe fügt er sich meines Erachtens nahtlos ein und ist eine logische Fortsetzung zu den bisherigen vieren. Ausgewogen und angekommen wären wohl die zwei Attribute, die mir hier in den Kopf kämen. Ich finde ihn, tatsächlich auch zu diesem Preis, empfehlenswert, schlicht und ergreifend, da günstigere und dabei gleichwertige Alternativen ausbleiben. Und die Caroni-Bestände werden nun einmal leider nicht mehr...




Velier Caroni Heavy Trinidad Rum 23YO ('94/'17) - 57,18% vol.

Schon im Frühsommer 2017 erschienen und dann auch sehr schnell ausverkauft, ist dieser Rum, das 36th Release der allgemeinen Caroni-Serie und die 5. Abfüllung aus 1994, noch immer gut verfügbar. Wie das zusammengeht?
In erster Linie ist das damit zu erklären, dass der vermeintliche Ausverkauf in Wirklichkeit gar keiner war. Man rechnete vielerorts schlicht nur nicht damit, dass er so breit gestreut, sprich, in so vielen Shops ankommen würde wie es jetzt passiert ist. Dazu kommt auch ein erheblicher Anteil an Privatanbietern bei Ebay, denen der Rum entweder nicht geschmeckt hat, oder die in ihm letztlich doch keinen gesuchten Rum sehen und das Spekulationsobjekt nun wieder abstoßen wollen. Auch mit hineinspielen könnte die Tatsache, dass viele potenzielle Käufer auch lieber noch den Full Proof dieses Rums abwarten, der mit 61% vol. daherkommen und ebenfalls noch dieses Jahr erscheinen wird. Und nicht zuletzt hatte sich der Preis für diesen Caroni noch erheblich mehr gesalzen als der für den 21er aus 1996, denn für den 1994er wurden und werden ca. 290 Euro und mehr aufgerufen. Inwieweit diese Preise gerechtfertigt sind, auch im Hinblick auf erheblichen Angel's Share und weitere Bestanddezimierungen, möchte ich an dieser Stelle unkommentiert lassen. Alles was ich objektiv dazu sagen kann und möchte ist, dass das schon sehr üppig ist und der Rum mich geschmacklich umhauen müsste, um hier im Gesamtpaket zu einer Empfehlung zu gelangen.

Verkostung:

Im Glas ebenso dunkel wie der obige Rum, kommt auch dieser sehr satt und ölig daher. In der Nase ist der Rum dann aber schon sehr viel dunkler und tiefer. Er ist nicht sofort in dieser Weise typisch Caroni wie es mir beim 21er in den Kopf schoss, aber auch bei ihm merkt man natürlich, woher er stammt. Das hohe Alter merkt man dem Rum durchaus an, denn es begrüßen mich in der Nase direkt die Tannine. Der Rum hat sehr viel vom Fass mitbekommen. Zu viel?
Ich lasse den Rum deutlich länger gewähren als den 21er, der sich sehr viel schneller geöffnet hat, in der Hoffnung, dass da noch mehr kommt. Auf der anderen Seite ist dieses dunkle Profil auch überaus faszinierend. Dieser Caroni ist ganz klar weniger gefällig als der eben besprochene, er ist der individuellere, der speziellere Rum.  Mir persönlich ist er einen Ticken zu bitter, zu dunkel, zu deep. Dem Eindruck, dass dieser Rum zu lange im Fass gelegen hat, kann ich mich zu keinem Zeitpunkt der Verkostung entziehen. Der wäre, da lege ich mich fest, vor 2-3 Jahren noch sehr viel besser gekommen. Was mich aufhorchen und hoffen lässt: hier wird ja noch ein Full Proof kommen. Und bei diesem hoffe ich darauf, dass die Tannine und Bitterstoffe nicht ganz so extrem hervortreten. Die Zugabe von Wasser löst diese Stoffe und möglicherweise wurde das dem heute verkosteten Rum zum Verhängnis. Wenn der Full Proof weniger geöffnet daher kommt als dieser hier, dann könnte der sehr meines sein. Was heißt das für den heutigen Rum?

Fazit: 

Der 23 YO fällt bei mir nicht im klassischen Sinne durch, aber ich kann ihn auch, gerade zum aufgerufenen Preis, nicht wirklich empfehlen. Er hat seine Liebhaber, das weiß ich, aber ich persönlich brauche von diesem Rum keine ganze Flasche. Wer hingegen genau auf diesen Stil abfährt, für den sind die fast 300 Euro zwar immer noch eine Stange Geld, aber bei der preislichen Entwicklung von Caroni sollte man dennoch darüber nachdenken hier zuzuschlagen. Günstiger werden sie nicht und gerade aus 1994 dürfte wohl kaum noch etwas gleichwertiges oder gar besseres kommen. Woher auch?  Aber nochmal: ich hoffe auf den Full Proof!



Gesamt-Fazit:

Wie ihr sicher bereits festgestellt habt, war das heute kein direkter, unmittelbarer Vergleich zweier Rums und dementsprechend auch kein klassisches Duell. Dafür eignen sich die beiden Rums schlicht und einfach nicht, da sie in jeder Hinsicht, trotz auf den ersten Blick sehr ähnlicher und vergleichbarer Eckdaten, grundverschieden sind. Der eine ein eher gefälliger Rum mit hoher Auflage (man munkelt von 7-10.000 Flaschen) und der andere ein Nischenrum mit vermutlich deutlich geringerer Auflage. Und auch wenn es daher natürlich auch keinen Sieger im eigentlichen Sinne geben kann, so gab es doch einen Rum, der mir besser gefiel als der andere und das ist der 21 YO aus dem Jahr 1996 aus den weiter oben genannten geschmacklichen und finanziellen Gründen. Ein Rum mit dem man wenig falsch und vieles richtig machen kann. Oft liebe ich es anders herum, aber heute bin auch ich einmal Mainstream.
In erster Linie aber, und das war mir heute deutlich wichtiger, ging es darum beide hier nebeneinander kurz vorzustellen solange sie noch verfügbar sind um dem einen oder anderen Leser bei einer möglichen Kaufentscheidung eventuell behilflich sein zu können. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Bis demnächst und noch einen schönen Sonntag,
Flo

Donnerstag, 10. August 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

schon mit der Veröffentlichung des 26 jährigen 1990er Hampdens im März deutete sich intern bereits an, dass es in diesem Jahr noch zwei weitere High Ester Rums ins Portfolio von The Rum Cask schaffen könnten und im Mai erreichten mich dann tatsächlich auch zwei Fasssamples: eines davon war der 17 YO 2000er Hampden, der schon im Juni bei TRC erschienen und inzwischen bereits wieder ausverkauft ist und das andere war der heute vorgestellte Rum. Vor einigen Wochen ist daraus dann glücklicherweise auch Gewissheit geworden: beide Fässer dieser grandiosen und außergewöhnlichen Destillerie konnte gesichert werden! Morgen ist es dann auch endlich so weit und der zweite Rum kann über das Shopsystem des Abfüllers bestellt werden. Doch wovon reden wir jetzt eigentlich? Die Rede ist von einem 19 Jahre alten Hampden aus dem von mir hoch geschätzten 1998er Batch in Fassstärke!

Fassstärke... Es kommt zum Glück nicht mehr oft vor, dass ich mich mit dieser noch gesondert auseinandersetze, so sehr ist sie in den letzten Jahren zum Standard, nicht nur bei Whisky, sondern auch bei unabhängigen Rum Abfüllungen, geworden. Gut so! Ab und zu allerdings komme ich dann aber doch nicht drum herum diese nochmal gesondert hervorzuheben. Im März, beim 90er Hampden, war das so, da es sich um die m.W.n. erste Abfüllung dieses Jahrgangs in Fassstärke handelte und darauf viele Connaisseure sehnsüchtig gewartet haben. Okay. Warum aber hier und heute, werden sich einige von euch nun schulterzuckend fragen, bei einem 1998er Hampden? Da gab es doch schon einiges in Fassstärke! Ja, soweit richtig, aber der heutige Rum sticht da tatsächlich noch einmal heraus, denn er kratzt an der magischen 70% vol. Marke und kommt mit unglaublichen 69,1% vol. daher, die ihm den Spitznamen "The Beast" eingebracht haben, der auch auf dem Label vermerkt ist. Tatsächlich ist dies der stärkste Hampden in lange gereiftem Zustand den ich kenne und soweit ich weiß wurde bisher niemals ein höherprozentiger Hampden auf den Markt gebracht und wenn, dann nur in un- oder kurzgelagerter Qualität. 

Für etwas Verwirrung sorgte nach meinem Teaser am Sonntag der Papagei auf dem Label, der auch schon beim 1990er Hampden verwendet wurde. Ja, der war ursprünglich speziell für den 1990er Hampden gedacht, allerdings haben TRC und ich uns dazu entschieden, diesen nun grundsätzlich bei den "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen zu verwenden, um diese optisch noch etwas deutlicher herauszustellen.

Für größere Verwirrung hingegen sorgt dieses Mal das Mark des Fasses. Es lautete ursprünglich "JMD", wobei das "D" später mit einem "H" überschrieben wurde. Daher: "JMH". Vom Mark JMH weiß ich allerdings, dass es in der Vergangenheit schon für das Ester-Mark <>H verwendet wurde. Das 1998er Batch hatte ich hingegen bisher eher dem Ester-Mark HLCF zugeordnet. Auch hier würde JMH natürlich passen, ebenso wie es auch bei einem HGML passen würde. Um Klarheit zu erlangen, werden wir hier um ein paar Crosstastings nicht umhin kommen. Ich bin gespannt!



Verkostung des TRC Rum 19 YO Hampden 1998 "The Beast":

Preis: der neue Hampden wird bei 79,90 Euro pro 0,5 Liter Flasche liegen.

Alter: 19 Jahre lang reifte der Rum von 1998 bis 2017 im Fass.

Lagerung: der Rum lag, wenigstens zu großen Teilen, in Großbritannien.

Fassnummer: #26

Angel's Share: ca. 25%

Alkoholstärke: der Rum kommt mit starken 69,1% vol. Fassstärke daher. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: JMD → JMD → JMH

Farbe: schönes Gold

Viskosität:  weite und dünne, dabei aber ungleichmäßige Schieren, die sich am Glas festbeißen und eine angenehm ölige Viskosität erwarten lassen.

Nase: zu Beginn, direkt nach dem Einschenken ist der Hampden weniger intensiv als der 16 jährige Bruder. Der 19er macht da noch nicht so ganz auf und zeigt sich unglaublich stark. Die Hampden-typischen Aromen wie gegrillte Ananas und Banane sind natürlich da, aber hier wird noch viel vom Alkohol überlagert. Nach ca. 15 Minuten ist der 16er noch immer etwas fruchtiger als das Pendant mit 19 Jahren, der schon wesentlich gereifter daher kommt und gemächlicher wirkt. Die alkoholische Schärfe in der Nase nimmt ab und man merkt deutlich, dass sich der Rum charakteristisch schon ganz klar in die Richtung 20-25 YO am verabschieden ist, während der 16 YO seine Teeniezeit noch konsequent auslebt. Hier ist eine deutlich wahrzunehmende Entwicklung innerhalb des Batches zu beobachten, die mir sehr gut gefällt. Schon nach kurzer Zeit deutet hier vieles auf einen qualitativ sehr hochwertigen Rum hin.
Nach ca. 30 - 45 Minuten habe ich eine volle, runde Nase, die der des 16ers inzwischen sehr klar überlegen ist. Zu Ananas und Banane gesellen sich auch Zirone und Humus, sowie Vanille vom Fass. Jetzt zeigt sich der Unterschied deutlich. Während der 16er im Glas im Vergleich zu stagnieren scheint, kommt der 19er immer mehr. Eine volle, runde, ausgewogene Nase eines kompletten Rums, der richtig Spaß macht!
Nach ca. einer Stunde hat der 19 YO dann seinen Zenit erreicht und richtig aufgedreht. Eine unglaublich schön eingebundene Holznote rundet das Gesamtergebnis ab. Ich finde hier alles, was ich mir von einem gemäßigteren High Ester Hampden wünsche. 

Gaumen: den ersten Schluck nehme ich nach ca. 15 Minuten, als der Rum in der Nase schon einiges an Bissigkeit eingebüßt hat. Er britzelt natürlich trotzdem noch kurz, kommt aber alles in allem schon sehr angenehm daher, insbesondere wenn man seinen enormen Alkoholgehalt bedenkt. Halleluja, dafür dass der ja wirklich fast 70% vol. hat lässt er sich echt sehr, sehr smooth trinken, wobei ich mich hier von Anfang an kleinere Schlücke gehalten habe. Bei größeren Schlücken merkt man den Alkoholgehalt aber deutlich und weiß dann, was einem da gerade die Zunge versengt. Wie alle Rums aus Hampden, so ist auch dieser komplett mundfüllend und kommt mit sehr viel Körper daher.
Geschmacklich hält der Rum, nach zig Reviews zu Hampden klingt das leider immer etwas wie ein Sprung in der Platte, nicht viel neues bereit. Das klingt zwar negativ, ist es aber keinesfalls. Ich möchte damit lediglich sagen, dass der Rum schmeckt, wie Kenner dieser Vertreter einen solchen eben erwarten würden: fruchtig, reif, leicht erdig, teilweise leicht fleischig. Die Süße nimmt einen deutlich kleineren Teil ein als bei jüngeren Hampden, dafür allerdings ist auch die Säure nicht so präsent. Die Ballance ist, wie schon in der Nase, die offenkundige Stärke dieses Rums! 

Abgang: wie immer eine Frage von Stunden, nicht von Minuten. In seiner Königsdisziplin liefert auch dieser Hampden zuverlässig ab.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Zwar überzeugte mich der Rum schon im Mai beim ersten kurzen Tasting, jedoch habe ich ihn erst im vergangenen Monat, während der ausführlicheren Verkostung, auch so richtig schätzen gelernt. Natürlich war ich durch den 1990er im März die letzten Monate sehr Hampden-verwöhnt, aber man darf diese beiden Stile einfach nicht miteinander vergleichen. Das wäre unfair und es funktioniert schlicht nicht.
Dennoch habe ich, wie eingangs angekündigt, ein Crosstasting mit einem <>H gemacht, nämlich mit dem zwei Jahre älteren Samaroli 1993 Full Proof, um das Mark JMH hier etwas weiter zu spezifizieren. Ergebnis war: der heute verkostete Rum rangiert in seinem Estergehalt doch sehr deutlich und eindeutig unter diesem, weswegen HGML natürlich auch rausfällt und ich nach wie vor klar zu HLCF tendiere. Das war schon vor zweieinhalb Jahren meine Vermutung, als der 16er aufkam, und das dachte ich seither auch bei jeder weiteren Verkostung eines Rums aus diesem Batch. Heißt also: die "JM-..." Marks, die keine ursprüngliche Hampden Marks sind, sondern nur anstatt solcher auf den Fässern stehen, sind nicht fest definiert und fallen damit als eindeutige Deklaration leider raus. Sie können zwar wertvolle Hinweise, aber letztlich keine hinreichenden Aufschlüsse über das tatsächliche Hampden-Mark geben.
Letztlich ist das alles aber natürlich in erster Linie Nerdtum, denn den Genuss der Abfüllung schmälert das ja keinesfalls und das ist am Ende des Tages immer das wichtigste. In dieser Disziplin kann der Rum voll und ganz überzeugen, was letztlich auch zur Empfehlung führte. Aus dem 1998er Batch ist dieser Rum bisher meines Erachtens der beste, da er so sehr auf den Punkt kommt, wie bisher keine der Abfüllungen vor ihm. Er ist sehr viel reifer als z.B. der 16 oder der 17 YO, sehr viel charakterstärker als z.B. der 18 YO von Rum Nation, aber eben auch noch nicht ganz so gesetzt wie die Abfüllungen aus 1992 mit ca. 25 Jahren Reife, die einen sehr ähnlichen Estergehalt haben. Da stellt dieser Rum ein schönes Bindeglied zu einem, wieder einmal, außerordentlich fairen Preis dar. Ja, der Vorgänger aus 2015 war klar günstiger, aber der war eben nicht nur auf dem Etikett drei Jahre jünger (16 vs. 19 YO), sondern das ist nun auch über zwei Jahre her (März 2015), zwei Jahre in denen sich der Markt einmal komplett auf Links gedreht hat. Vergleicht man den aufgerufenen Preis mit dem der aktuellen Mitbewerber, so sollte sehr klar sein, was genau ich meine. Insofern bin ich froh, dass The Rum Cask hier immer wieder noch ein paar Schätze entdecken und diese auch zu einem fairen Kurs anbieten können!

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Rum, genießt ihn, und habt noch einen schönen Sommer!

Bis demnächst
Flo

Sonntag, 30. Juli 2017

Mount Gay XO Cask Strength vs. Habitation Velier "Last Ward" 2007

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch gerne zwei Rums aus Barbados vorstellen und gegeneinander antreten lassen: den Mount Gay XO in Cask Strength aus 2016 und den neuen Habitation Velier "Last Ward", Jahrgang 2007, der Mount Gilboa, einer ehemaligen Linie von Mount Gay, entstammt. 

Mount Gay ist die vielleicht älteste noch existierenden Destillerie der Karibik. 1703 gegründet, brennt sie bis heute Rum, sowohl in Pot- als auch Column Stills. Dabei füllt Mount Gay, anders als viele andere der unter Rum Nerds beliebten Destillerien, seinen Rum sogar weitestgehend selbst ab, ungelagert als auch fassgereift. Die Standardqualitäten "Eclipse" und der "XO" dürften dabei wohl die bekanntesten Abfüllungen sein, bekommt man sie doch auch in gut sortierten Supermärkten.

Letzterer erfuhr im vergangenen Jahr 2016 eine limitierte Ergänzung: zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Barbados' vom 30. November 1966 brachte Mount Gay den auf 3.000 Flaschen limitierten Mount Gay XO in Cask Strength mit 63% vol. in einer schicken Holzbox auf den Markt. Kostenpunkt: ca. 200 Euro. Der normale XO ist für seine 30-40 Euro meines Erachtens ein netter, ehrlicher Standard, der mir zu Beginn meiner Rum-Laufbahn auch viel Freude bereitet hat, der dann aber ab einem gewissen Level natürlich zu schwach auf der Brust und letztlich auch nicht spannend genug war, um dauerhaft einen Platz in meiner Rum Bar zu erhalten. Dementsprechend vielversprechend klang diese Sonderabfüllung in Fassstärke und ich bin sehr gespannt, wie sie sich schlagen wird. Qualitativ ist der normale XO in jedem Fall deutlich steigerungsfähig, aber es muss andererseits auch eine richtige Steigerung stattfinden, wenn man gedenkt, den preislichen Anstieg auch nur annähernd erklären zu wollen.

Den Fassstärke XO werde ich antreten lassen gegen den neuesten Streich der Habitation Velier Serie, den 10 YO "Last Ward" aus dem Jahrgang 2007 mit 59% vol.. Luca Gargano brachte nun ja schon einige Rums aus diversen Destillerien in dieser neu geschaffenen Serie auf den Markt und seit einigen Tagen bereichert nun auch ein Mount Gilboa die Reihe, der als eine Art "Zweitmarke" in Mount Gay mitproduziert wurde. Der Name "Last Ward" geht zurück auf die Familie Ward, die bei Mount Gay bis zur Übernahme durch Remy Cointreau im Jahr 1989 am Ruder war. Im Jahre 2007 begann Frank Ward dann den Mount Gilboa in McMillan Pot Stills zu produzieren und aus diesem Batch stammt auch der heute verkostete Rum. 2014 verkaufte Ward "Mount Gilboa" und Luca Gargano konnte sich für diese Abfüllung insg. 19 Fässer sichern. Preislich liegt der Rum bei gerade einmal der Hälfte des XO in Cask Strength. Was diese Zahlen letztlich bedeuten werden wir aber nur im Glas erfahren.



Verkostung Mount Gay XO Cask Strength:

Dunkel und altgolden kommt der XO farblich daher. Die Nase empfinde ich dann in den ersten Minuten erst einmal als eher flach und leider auch sehr scharf. Es entsteht immer wieder das Gefühl, als hätte man da so eine Art von Luftlöchern im Glas, dass wenn man eine Nase nimmt, dass da immer wieder Lücken sind und plötzlich das Gefühl da ist, als hätte man ein leeres Glas vor sich. Ansonsten aber habe ich ein dunkles, schweres und reifes Destillat im Glas. Nach einer halben Stunde wird die Nase dann voller, wenn gleich ich diese unterschwellige Erinnerung an Neutralalkohol, die immer wieder mit durchkommt, als nach wie vor störend empfinde. Erst nach ca. 45 Minuten im Glas wird der Rum ausgeglichener. Der Rum verliert seine Schärfe, er wird etwas süßer, wirkt nicht mehr ganz so schwer. Nun gefällt er mir gut, wenn gleich ich mir ein wenig mehr Vielschichtigkeit noch wünschen würde.
Am Gaumen dann klares Mount Gay Feeling, Marzipan, Bittermandeln, Eichenholz, allerdings zeigt sich der XO zu Beginn wieder von seiner scharfen Seite, der Rum muss im Mund richtig gezügelt werden. Dafür, dass ich den tendenziell eher in die Ecke stelle, den gemütlich auf der Terrasse zu sippen finde ich ihn dann schon fast zu unbequem, auf der anderen Seite ist er aber auch viel zu rund um in irgendeiner Weise spannend zu sein. Für mich persönlich ergibt sich daraus also folgendes Problem: der XO kann sich kaum für eine der beiden Seiten voll entscheiden. Das ändert sich erst nach ca. 1,5 bis 2 Stunden, es kommt jetzt auch noch so etwas das Karamell heraus, was auch einige Jamaicaner haben, wenn sie meines Erachtens nicht gelungen sind, nur dass sie bei einem Mount Gay eben auch dazu gehören. Der Rum verliert nun erst seine Schärfe und er macht dann auch auf der Terrasse richtig Laune. Aber das soll dann auch tatsächlich geplant sein. Zum spontanen Genuss braucht dieser Rum zu lange.

Verkostung Habitation Velier Last Ward 2007:

Ebenfalls sehr dunkel im Glas, vergleichbar mit dem XO, kommt der Last Ward daher. Gleich zu Beginn schon erwartet mich hier eine volle, rummige Nase, ganz ohne Luftlöcher. ;) Es sind kleine Ähnlichkeiten zu Mount Gay erkennbar, vor allem aber ganz klare Unterschiede. Die Nase ist wesentlich voller, süßer, fruchtiger und insgesamt wesentlich komplexer, gefällt mir spontan sehr viel besser. Ich meine Anklänge von St. Lucia zu erkennen, aber auch Anleihen von Jamaica sind da. Was da jetzt genau typisch oder untypisch ist kann ich relativ schwer in Worte fassen, ich hätte ihn anhand der Nase einfach anders zugeordnet.
Am Gaumen brennt auch der Habitation Velier erstmal, paradoxer Weise bekommt man aber auch das Gefühl, der Rum sei geringfügig verdünnt worden. Gegenüber dem XO wirkt es, als sei da minimal Wasser zugegeben worden, allerdings nicht in einer Weise, dass man irgendwie gesondert drüber sprechen müsste. Der Rum ist klar fruchtiger als der XO, er ist auch schwer, aber da ist eben noch mehr, viel volleres Aroma, süßlich, fruchtig, würzig und hinten heraus dann mit den Mount Gay Brennerei typischen Anleihen. Grandios! Anders als der XO ist der Rum sofort sehr überzeugend, muss nicht lange stehen, wenn gleich auch er dadurch noch dazugewinnt. Wow!


Fazit: 

Ich hatte zwei Rums, die mich auf unterschiedliche Weise überzeugt haben. Der eine, der XO, ist der einfacher gestrickte der beiden, der Mount Gay Lehrbuch-Rum. Leider braucht er wirklich sehr lange, bis er wirklich da ist, was ihm durch seine Stärken als einfacher und spontaner Begleiter nebenher aber dann im Wege steht. Ich stehe tatsächlich aber gar nicht so sehr auf diese absolut typischen Mount Gays, weswegen mir das untypische, fruchtige des Last Ward am Ende dann doch stärker zugesagt hat.
Deutlich wurde auch, was der Unterschied zwischen einem reinen Pot Still Destillat (der Last Ward) und einem Mix aus Pot und Column Still (XO) ausmacht. Diese Luftlöcher, wie ich sie genannt habe, gehen in meinen Augen auf den Anteil an Column Still Rum zurück und dünnen den Rum meines Erachtens unnötig aus, während das reine Pot Still Destillat hier Vollgas gibt und den XO schon auch ziemlich in den Schatten stellt. Das Thema Pot Still vs. Column Still beschäftigt mich nun schon seit sechs Jahren und ich muss sagen, dass alte Demeraras nach wie vor die einzigen Rums sind, bei denen mich eine Column Still teilweise wirklich überzeugen konnte. Ansonsten sehe ich Destillate aus Column Stills immer klar hinter Pot Still Rums.
Erkenntnis des Tages ist ganz klar, dass Luca Gargano hier tatsächlich einen kleinen Schatz gefunden hat. Mich hat seit Rockley 1986 kein Barbados Rum mehr so sehr überzeugen können. Müssen wir über Preise reden? Eigentlich nicht. Der XO ist ein guter Rum, aber die 200 Euro sind übertrieben. Klar, ist ja alles teuerer geworden und ich finde es, angesichts dessen, dass aus Mount Gay selten mal was gutes kommt, auch nachvollziehbar, dass die Preise gezahlt werden, aber ich hatte mir da mehr versprochen. Anders der Last Ward: den kann man für sein Geld wirklich mitnehmen und wenig falsch machen. Klare Empfehlung!

Ein kleiner Dank geht heute an Casa aus dem Rum Club und an Marius von Single Cask Rum für die Samples der beiden Kandidaten!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. Juli 2017

Foursquare RUMble - Triptych/ Criterion/ C.d.I.

Liebe Rum Gemeinde,

die Zeit ist ein kostbares Gut, umgeben vom Hauch der Unendlichkeit und doch so individuell begrenzt und limitiert, dass sie an manchen Tagen wahrlich beinahe einer Währung gleicht. Momentan finde ich für Barrel Aged Thoughts leider oft nicht so viel von eben jener Zeit wie der Blog und ihr es verdient hättet und auch wie ich es mir wünsche. Um euch aber nicht vollkommen im Regen stehen zu lassen habe ich mich dazu entschlossen, hier nun hin und wieder auch Kurz-Reviews zu bringen, die dann allerdings eher den Charakter einer Kolumne haben werden und deren Notes sich mehr auf den Stil eines Rums und auf meine Bewertung des Rums konzentrieren als auf breit angelegte Geschmacksbeschreibungen. Das ganze bewegt sich also eher in die Richtung "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht" zu. Ich weiß, dieses Konzept hat auch Fans, hoffe aber doch, dass ich bald wieder die Zeit für die vollen 100% finde. 

Foursquare war für mich immer eine Destillerie, die ich so richtig nicht auf meinem Radar hatte. Ich probierte über die Jahre mal hier und mal dort einen, von Bristol als auch Originalabfüllungen u.a., und war aber jedes Mal alles andere als angetan oder gar begeistert. Nein, schlecht waren die bis auf Ausnahmen nicht, aber in meinen Augen eben auch nicht gut. Langweilig, trifft es da wohl am besten - das Schicksal auch vieler Rums im spanischen Stil bei mir. Das ging bis letztes Jahr, so mein Eindruck, jedoch auch den meisten anderen Connaisseuren so. Dann kam der 2006er Foursquare von Velier und alle rasteten aus. Eine Destillerie, deren Rums das Mittelmaß bis dahin meines Erachtens nach gerade zu definieren hätten können, rückte mit nur einem einzigen Rum aus dem Schatten in das Licht und spielte fortan mit den "großen" mit. Dies hängt, ich denke, da dürften mir fast alle zustimmen, untrennbar mit Richard Seale zusammen, der seit geraumer Zeit unermüdlich unterwegs ist und die Lehre vom reinen Rum predigt, oft und gerne auch in den sog. "sozialen Netzwerken". Ebenso oft tut er das mit einer Rhetorik, die sehr radikal ist und die kaum einen Raum lässt für Grautöne. Das zeigt Wirkung und so wurde wurde Foursquare für viele Gleichgesinnte zu einem der Angelpunkte des Rums. Ich selbst zähle mich bereits seit 2011 zu den Gegnern von Zucker und anderen Zusatzstoffen im Rum, seit einer Zeit also schon, als man deren Existenz zwar ahnte und schlicht und ergreifend auch schmeckte, für die damals allerdings noch gar keine Beweise vorgelegen hatten. Ich teile ich die Ansichten Seales zu diesem Thema daher im Grundsatz.

Foto by Micha. Danke! :)
Für meine erste Kurztasting-Runde habe ich also drei Rums der barbadischen Destillerie Foursquare gewählt, von denen vor allem einer in den vergangenen Tagen und Wochen ordentlich von sich reden machte: den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke, den Velier "Triptych" aus 2004, 2005 und 2007 und die Originalabfüllung "Criterion", die 10 Jahre alt ist und 2017 abgefüllt wurde. Deutlich im Fokus der Aufmerksamkeit: der Triptych.
Schon Monate vor seinem Erscheinen hat diese Abfüllung viele Connaisseure rund um den Erdball elektrisiert. Während man vom schon 2015 abgefüllten Compagnie des Indes oder vom erst kürzlich erschienenen Criterion sehr viel weniger gehört hat und auch nicht so richtig das Gefühl hatte, dass sich für die beiden, im Vergleich zum Triptych, wirklich viele Menschen interessiert haben, sondierten viele schon zum Jahreswechsel, wo und wie sie an eine Flasche Triptych kommen könnten, wo ja der Vorgänger die Shops dieser Welt kaum von Innen heraus gesehen hat - zumindest nicht zum Ausgabepreis. Warum ist das so? Dass ein Compagnie des Indes, bekannt für doch oft sehr schwankende Qualität der Rums, nicht unbedingt die Blicke auf sich zieht: bon! Aber gerade im Hinblick darauf, dass auch der Triptych im Grunde genommen ein von Foursquare selbst zusammengestellter Blend ist, der von Velier lediglich abgefüllt und vertrieben wurde, verwundert zumindest das vergleichbar geringe Interesse am Criterion. Aber Velier ist eben Velier und letztlich wiederholte sich also im Prinzip nur das gleiche, was auch schon beim 2006er Velier los war. Inwieweit es sich da jetzt also um einen wirklichen Anstieg des Interesses um Foursquare handelt, oder ob es dabei in Wahrheit nicht viel eher um die Popularität von Velier geht, das ist zumindest umstritten. Für mich war das alles jedenfalls Grund genug um einmal hinter diesen Hype zu blicken und schaute mir die erwähnten drei Rums mal aus der Nähe an.


Velier "Triptych" 2004/2005/2007 - 56% vol.:

Micha again...
Ich testete zunächst den Triptych und besorgte mir direkt nachdem er raus kam ein Sampel (Danke Johannes!)! Hier war ich zunächst enttäuscht. Die Nase empfand ich als ganz und gar unspektakulär und sie erinnerte mich an die Non-Rockley WIRD-Abfüllungen. Eher ein Spanier, denn ein Brite. Am Gaumen dann überraschte mich der Triptych jedoch, denn nach der eher schwächeren Nase hatte ich keine großen Steigerungen mehr erwartet. Doch hier wusste der Triptych zu überraschen und begeisterte mich mit einer gelungenen Komposition, die doch schon sehr viel anders und auch besser ist, als die sonst am Markt so erhältlichen Foursquares. Hervorragend eingebundener Alkohol! Um den wirklich gut zu finden muss man zwar vermutlich ein kleiner Fan der Destillerie sein, aber dieser hier darf sich doch zumindest mal guter Durchschnitt nennen. Ein Rum, den ich fantastisch fänd zu einem Grillabend mit Freunden und zum nebenher trinken, ohne sich groß Gedanken um sein Glas zu machen. Zu diesem Zwecke würde ich ihn mir wohl kaufen und dafür auch gerne bis zu 50 Euro hinlegen. Zu diesem Preis hätte ich zugeschlagen. Die aufgerufenen 129 Euro sind mir der Rum jedoch in keiner Weise wert, da ich Rums dieser Preislage nicht mehr zum peripheren Genuss kaufe.


Criterion 10 YO - 56% vol.:

Nochmal Micha... :)
Als nächstes, ein Dank geht an Marius von Single Cask Rum für das Sample, probierte ich den Criterion. Hier waren meine Erwartungen, Dank des Triptych, schon etwas höher als sie es normalerweise an einen Foursquare gewesen wären und dementsprechend ging ich sogar mit leichter Vorfreude an das ganze ran. Diese schlug schlagartig in blankes Entsetzen um, als der Rum dann im Glas war.
Wo der Triptych noch rund und als Komposition harmonisch war, war der Criterion einfach nur schwach, dünn, unrund, alkoholisch und ohne jede Stimmigkeit. Wie ein Triptych, bei dem man alles einfach nur schlechter gemacht hat. "Warum?" - diese Frage schießt mir spontan durch den Kopf. Warum füllt Richard Seale unter eigenem Namen, fast zeitgleich zum Triptych, einen Rum ab, der gegen diesen so gnadenlos abstinkt? Man muss und man möchte nicht unbedingt alles verstehen, aber ich finde das schon sehr unglücklich und ich denke, das wird die Euphorie vor dem nächsten Velier Foursquare wohl kaum bremsen. Bei den Eigenabfüllungen aber bin ich nun skeptischer denn je, insbesondere, da ich auch schon den Zinfandel z.B. nicht gut fand.


Compagnie des Indes 16 YO 1998/2015 - 60% vol.:

Zu guter Letzt ließ ich mir noch den Compagnie des Indes Barbados Rum 16 YO Foursquare 1998 in Fassstärke (60% vol.) empfehlen, der exklusiv für Dänemark abgefüllt wurde. Auch für dieses Sample muss ich mich bei Johannes bedanken!
Ich hatte zuvor schon gutes zu diesem Tropfen gehört und daher durfte er bei mir dann gegen den Sieger aus Triptych und Criterion ran, also gegen den Triptych. Und was soll ich sagen? Auch dieser hat gegen den Triptych leider keine Schnitte gesehen. Er ging in eine ganz andere Richtung und ich empfand den Rum, und das passiert mir selten, als regelrecht eklig. Eine genauere Beschreibung entfällt daher, der Rum ging dort wieder raus wo er hinein ging und ich spülte mit Triptych hinterher. Gruselig!


Fazit:

Mit dem Triptych hat ein Rum diesen Dreier-Vergleich klar für sich entschieden! Da gab es nichts dran zu rütteln. Ich kann daher nach dem probieren verstehen, warum der Triptych sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhält als der Criterion. Dass das allerdings durch die Bank auch schon Monate vorher so war, bevor irgendwer diese Rums wirklich probieren konnte, das kann ich nur bedingt verstehen. Okay, mit dem 2006er, den ich leider nicht kenne, hatte Velier wohl gut vorgelegt, da er dem Hören nach wirklich gut war, aber eine Schwalbe macht in meinen Augen noch keinen Sommer, auch bei Velier nicht. Ich bin daher nach wie vor der Meinung, dass hier auch ein Stück weit eine Glorifizierung des Abfüllers vorliegt, die genauso gut auch ins Auge gehen hätte können. Denn da ich mich glücklich schätzen kann auch ältere Abfüllungen von Velier aus vergangenen Tagen zu kennen, kann ich sagen: auch die hatten, bei aller unbestreitbarer Qualität, die sie gebracht haben, genug Ausfälle im Repertoire, wie eben jeder andere Abfüller auch.

Micha ein weiteres Mal. :)
Was ich deutlich festhalten möchte: mag der Triptych auch im internen Foursquare Vergleich klar die Nase vorn gehabt haben, aber zu diesen Preisen und bei diesen Ergebnissen, und das schließt auch den Triptych mit ein, ist die Destillerie bei mir persönlich nicht konkurrenzfähig. Da bieten viele andere in meinen Augen einfach mehr. Guter, gehobener Durchschnitt, den der Triptych bietet, scheint hier momentan das Maximum zu sein und das ist mir zu diesen Preisen deutlich zu wenig. Da habe ich zwar gelegentlich Lust drauf, aber dann eben auch zu anderen Preisen. Solange Foursquare mit Velier kooperieren, dessen kann man sich sicher sein, sind sie relativ unabhängig von allem inhaltlich gebotenen, die Rums werden sich immer verkaufen und in Teilen der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Gänzlich unabhängig von Velier müsste da meines Erachtens aber mehr kommen, wenn man plant, in einem Atemzug mit Hampden , Long Pond, DDL, WIRD, Mount Gay, St. Lucia Distillers oder Caroni genannt zu werden. Denn momentan sehe ich sie doch eher noch in einer Reihe mit Travellers, Westerhall, Barbancourt, Don Jose oder Angostura; handwerklich ordentliche Rums (wobei das bei einigen der genannten definitiv nur auf die unabhängig abgefüllten Rums zutrifft!), aber eben ohne das besondere, das reizende, das alleinstehende.

Ein vorletztes Wort gilt dem, was auf das Review des Triptychs meines Blog-Kollegen Marius hin geschehen ist, vor allen Dingen auf F***book. Dieser hatte sich das Recht herausgenommen, den Rum ähnlich durchschnittlich zu bewerten wie ich und erntete daraufhin einen Shitstorm, der an Verhältnislosigkeit kaum zu übertreffen war. Vordergründig hängte sich das ganze an einer Detailfrage auf, aber ich halte es dann doch für sehr abwegig, dass einem solch ein Zorn entgegen schlägt, nur weil es heißt, dass ein Rum "höchstwahrscheinlich" gefärbt sei, noch dazu, nachdem Marius, einer fehlerhaften Quelle aufgesessen, das ganze schnell und souverän korrigierte. Nein, da haben meines Erachtens eher einige wenige, aber dafür umso lautere, nicht ertragen, dass ihr Lieblingsabfüller einmal keine Top Note absahnte. Daraus wiederum wurde dann in Windeseile eine negative Bewertung und im nächsten Moment ein Hass auf den Abfüller. Ja Leute, geht's denn noch? Besonderes Kopfschütteln löste bei mir die Tatsache aus, dass Richard Seale selbst ganz vorne mit dabei war. Ob er das nötig hatte, und wenn ja, warum, werden wir wohl nicht erfahren. Mir ist nur wichtig einmal klar zu machen: auch Reviews, die sich einmal nicht vor Begeisterung überschlagen gehören dazu und sind wichtig. Ich gucke auch, dass ich vornehmlich über Rums schreibe, die mir gefallen, aber gerade wenn ich hochgelobtes für völlig überbewertet oder überpreist halte, dann sage ich das auch gern.

Und das letzte Wort schließlich richtet sich an den Micha, der mir die Fotos vom Triptych und vom Criterion gemacht hat. Vielen herzlichen Dank dafür, auch und gerne noch einmal an dieser Stelle!

Bis demnächst, habt eine schöne Zeit,
Flo

Sonntag, 11. Juni 2017

Thoughts - Ausverkäufe und Auswüchse

Liebe Rum Gemeinde,

im März ging noch ein kollektiver Aufschrei durch die Szene, als ein Rum, seinerzeit war es der The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990, innerhalb von nur drei Tagen ausverkauft war.
Dass das aber nur die vergleichsweise harmlose Spitze eines momentan stetig wachsenden Eisbergs ist, war zwar innerhalb der engeren Rumszene ein offenes Geheimnis, spielte sich insgesamt aber eher konspirativ ab. Neu ist, dass diese Vorgänge die Oberfläche erreichen und derzeit auch für jedermann immer mehr offenbar werden. Denn der Newsletter eines bekannten deutschen Onlineshops zeigte Anfang der Woche, ungewohnt offen, eindrucksvoll und beispielhaft, wie weit die Praktiken vieler Connaisseure und/oder Anleger inzwischen geschritten sind, wenn ein Rum in einem Shop schon ausverkauft ist, noch bevor er das Shopsystem von Innen gesehen hat. *1 

Im Newsletter des Shops heißt es wörtlich:
"Eigentlich sollte das "Highlight" dieses Rum-Angebotes ein 30 Jahre alter Jamaica-Rum aus der Long Pond-Distillery sein...allerdings hat kurz vor Erscheinen dieses Angebotes ein Kunde alle verfügbaren Flaschen davon gekauft (Schöne Grüsse an Herrn H. aus HH)."

Ich möchte das an dieser Stelle nicht werten, das würde auch niemanden weiterbringen, wohl aber möchte ich den Informationswert dieses Vorgangs festhalten. Denn dieser offenbart eben, wie realitätsfern es im Jahr 2017 sein kann, stark limitierte Rums noch bequem auf herkömmliche Weise kaufen zu wollen. Und wie das Beispiel aus dem Newsletter zeigt, passiert das inzwischen auch bei Rums, die eine eher großzügige Limitierung haben (hier waren es 800 Flaschen) und noch dazu sündhaft teuer (~230 Euro für 0,5 Liter) sein können. Das sind alles keine Garantien mehr dafür, dass der Vorrat, auch der eines solchen Rums, einige Zeit vorhält.
Die daraus resultierenden Konsequenzen sind, dass andere Connaisseure nachziehen müssen, ihre Methoden anpassen müssen, wenn, ja wenn sie auch weiterhin an derlei Abfüllungen partizipieren wollen. Denn nur damit wir uns in dieser Frage richtig verstehen: mir gefällt das nicht! Ich überlege immer mehr und noch genauer, wie ich selbst mich innerhalb dieses Systems definiere und wie und wo ich mich positionieren möchte.
Ich bin darüber hinaus nämlich auch nicht der Typ, da kommen wir dann zu einem weiteren der jüngsten Auswüchse der Szene, der große Lust dazu verspürt sich in irgendwelche kilometerlangen Vorbestelllisten für die Rums eines renommierten italienischen unabhängigen Abfüllers mit schwarzen Flaschen einzutragen in der Hoffnung, auf Platz 1374 noch eine Chance auf eine Flasche zu haben, da auch sie die Shops nie erreichen oder wenn, dann nur kurz (und über die nicht mehr nachzuvollziehenden Preise für diese Abfüllungen haben wir da dann ja noch gar nicht gesprochen). Ich kaufe gerne Rum, gerne guten Rum und ich kaufe auch teuren Rum. Und ja, wir reden da von Luxuskonsum. Aber was ist das denn für ein Luxus-Kauferlebnis, bei dem mir als Käufer keinerlei Respekt mehr gezollt wird, bei dem ich als Käufer auch jeden Respekt vor mir selbst verliere und meine Würde an den F5 Button abtrete? Das ist mir in Gänze zuwider und ich kann all jenen, die es da ähnlich halten wie ich nur mit auf den Weg geben: lasst euch nicht irre machen und glaubt bitte bloß nicht, dass ihr in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis steckt! Es gibt auch eine sehr lohnenswerte Rumwelt jenseits von Genua. Vielleicht nicht immer in schwarzen Flaschen, aber es gibt sie. Man muss sich nur frei davon machen können, dem Prestige zu erliegen, die Rums haben zu wollen, für die alle Welt momentan bereit zu sein scheint, so viel Kohle zu zahlen. Der Kopf kann und soll manchmal bei einigen schönen und besonderen Abfüllungen auch mittrinken. Ohne wäre es langweilig! Aber ab und zu darf man den auch gefahrlos dazu benutzen, rational zu hinterfragen, Verhältnisse abzuwägen, sich selbst in Bezug zu seiner Umwelt zu setzen und über den Tellerrand zu blicken. Gier frisst Hirn, heißt es oft. Und das stimmt auch... oft. In diesem Sinne: bleibt kritisch, genießt wo ihr könnt und lasst es auch bleiben, wo ihr es nicht mehr könnt. Dann läuft der Rest von ganz alleine.

Habt einen schönen Restsonntag, eine zufriedene und erfolgreiche Woche und demnächst ist dann hier auch wieder ein schöner Rum am Start.

Bis dahin,
Flo

*1 Wie mir glaubhaft dargelegt wurde, schaffte es der im zitierten Newsletter betreffende Rum doch bis ins Shopsystem (wenn auch nur sehr, sehr kurz) des betreffenden Shops. Demnach ist die Darstellung im Newsletter in diesem konkreten Detail nicht zutreffend. Unberührt davon bleibt jedoch natürlich die Hauptaussage des Textes, dass es für den gewünschten Rum bereits zu spät sein kann, wenn man nach Erhalt des Newsletters den Shop aufsucht. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

MAI Tai 2.0 - Fazit

Liebe Rum- und Mai Tai Kumpanen,

der Monat Mai geht heute zu Ende und ich werde den letzten Tag heute dazu nutzen ein kleines Fazit zu ziehen. 

26 Mai Tais sind in den letzten 30 Tagen hier von mir vorgestellt worden. 5 davon wurden bereits vor vielen Jahren gemixt, die übrigen 21 Mai Tais aber sind von mir im Zeitraum Februar bis Mai 2017 zubereitet worden, so dass die geschilderten Eindrücke relativ frisch sind. Ich hatte 18 Mai Tais, deren Zutaten derzeit noch käuflich erworben werden können und 8, bei denen leider auch schon Zutaten ausverkauft sind. Das betrifft dann jeweils immer die Rums. Eine gute Quote, wie ich finde. Bedenkt man, dass auch die beiden Hampden von The Rum Cask, 1990 und 2000, ursprünglich von mir als verfügbare getestete Rums vorgesehen waren, so zeigt das sehr schön, die von mir klar angepeilte Aktualität dieses Monats. Ich wollte wenig Drinks für's Museum mixen! 


Ein Dank an die Gastblogger!

Eine besondere Freude war es mir, dass ich mit Marius von Single Cask Rum und Thomas von RUMBOOM zwei Gastblogger dafür gewinnen konnte, mich bei meinem Vorhaben durch zwei eigene gemixte Mai Tais zu unterstützen. Dafür auch auf diesem Wege noch einmal vielen Dank! Ich finde es großartig, dass durch solche "Gastspiele" ab und zu mal etwas frischer Wind auf BAT weht und es einfach mal was anderes zu lesen gibt als immer nur von mir ;)  


Experimente...

Mit dem Pineapple Mai Tai und dem Mai Tai Fizz hatte ich zwei spannende Experimente dabei, die den Mai Tai einmal etwas anders interpretiert haben und aus den sonst festgelegten Strukturen ein wenig ausbrachen. Die Kombination mit Ananas trat mit dem Anspruch an, zwischen der anspruchsvollen, ans Original von Trader Vic angelehnten Version des Drinks und der in weiten Teilen der Welt oft üblichen (Ananas-)saftgetränkten Version des Mai Tais ein wenig zu "vermitteln". Das ist, so meine ich, doch ganz gut gelungen, auch wenn das ganze durchaus noch ausbaufähig ist. 
Der Mai Tai Fizz war dagegen geschmacklich wenig anders, in der Darbietung dafür umso mehr. Verlängert als Long Drink bekommt der Mai Tai ein wenig Durstlöscher-Charakter, der ihm, bedingt durch seine Potenz, sonst eher weniger nachgesagt wird. Natürlich ist der Longdrink noch immer extrem stark, aber sein Alkoholgehalt (ich hatte ihn mit dem 68,5%igen Habitation Velier Jamaica HLCF 6 YO) verringert sich von ~40% vol. (wir reden noch immer von einem Drink, nicht von einer Pur-Spirituose!) auf ~25% vol. und das macht schon etwas aus. 
Etwas weiter gefasst, dürfen aber auch die Mai Tais mit Savanna HERR, den Demeraras und Caroni zu den Experimenten gezählt werden, da auch sie keine klassischen Mai Tais gemacht haben. 


Enttäuschungen

Echte Enttäuschungen sind, wie 2013, auch dieses Mal nicht wirklich dabei. Allerdings war die Anzahl der Mai Tais, die ich in dieser Form einfach nicht nochmal mixen würde doch etwas höher, schlicht, weil ich mich 2013 aus einem Pool unglaublich hochwertiger Mai Tais bedienen konnte, die ich auf dem Blog-Vorgänger "Mai tai roa ae!" bereits veröffentlicht hatte. 
Das war dieses Mal etwas anders, da, wie gesagt, die allermeisten Reviews neu geschrieben wurden. Auch die Rums waren, da sie verfügbar sein sollten, oft neu und so konnte ich weniger auf Erfahrungswerte zurückgreifen und probierte einfach vieles. Wenn man denn von Enttäuschungen reden möchte, so würde ich hier am ehesten die Mai Tais mit Long Pond nennen. Pur manchmal fast an Hampden grenzend, bekommen sie im Drink dann doch sehr deutlich ihre Grenzen aufgezeigt. Ein weiteres geplantes Review mit einem Long Pond habe ich dann schließlich gar nicht mehr durchgeführt und stattdessen ein weiteres mit Hampden gebracht. 
Worthy Park macht für mich ebenfalls keine so gute Figur im Mai Tai, aber von der geschmacklichen Definition dieses Cocktails weggehend taugte der Drink sehr wohl. Ja, und wenn man denn dann noch möchte, dann darf hier auch der Savanna HERR Mai Tai noch erwähnt werden. Der war zwar nicht schlecht, aber auf Grund dessen, dass ich den Pur einfach mega fand und der Junge Ester ohne Ende hat, hatte ich da einfach ein wenig mehr erwartet, als ich bekommen habe. Aber das ist dann irgendwo auch Jammern auf hohem Niveau!


Kracher!

Genauso, wie ich nur wenige echte Enttäuschungen zu verzeichnen hatte, hatte ich aber auch nur wenige echte Knaller! An vorderster Front zu nennen ist dabei natürlich der The Rum Cask Hampden 1990 Mai Tai. Ein Rum mit der Explosionskraft einer Bombe! Genauso angetan hat es mir darüber hinaus aber auch das Hampden Sextuple, welches erst gestern hier zu bestaunen war. Das war schon etwas ganz besonderes und diese beiden Mai Tais waren eine Klasse für sich! Achso, und die Purverkostung des Savanna HERR soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ein Rum, der ganz für sich alleine steht. Etwas dahinter und vielleicht nicht ganz so im Rampdenlicht stehend wie die beiden oben genannten haben sich aber definitiv ebenso die Mai Tais mit dem 17 jährigen 98er Hampden von The Rum Cask, mit dem Duncan Taylor Monymusk 2003, mit dem Blend aus Rum Fire und Habitation Velier Hampden HLCF und das Mai Tai-Hausrezept von Casa eine Erwähnung verdient. Der TRC 17 gefiel mir dann auch nochmal besser als die anderen beiden und klar, zwischen denen und den weiter oben genannten ist schon nochmal eine deutliche Kluft, aber hier muss auch insbesondere das Preisleistungsverhältnis beachtet werden. 


Die PLV-Knaller!

Was mich dann direkt hier her führt und da müssen einfach die beiden eben schon erwähnten Mai Tais nochmals aufgeführt werden: der mit dem Rum Fire/Habitation Velier HLCF Blend und der Casa Mai Tai! Die sind nämlich nicht nur richtig, richtig gut, sondern kosten auch eine ganze Ecke weniger als so mancher guter Rum, der einen schönen Mai Tai macht. Wer gerne mal Gäste im Haus hat, die einen schönen Mai Tai zu schätzen wissen, der sollte über eine der beiden Versionen nachdenken, wenn er es denn nicht schon längst getan hat. Dicke Empfehlung!


Ein Dank an die Sampledealer!

Ein besonderer Dank kommt an dieser Stelle auch den inzwischen sehr zahlreichen Sampledealern der Szene zu, aktiv auch im Forum Der Rum Club! Marius, Thomas, Sani28, Rum_Aficionado, Casa, Knorke, Rumlounge, Trelawny, RUMZ, Mowgli und SpiritSafe, (... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, das täte mir sehr Leid!) vielen Dank dafür! Ohne euch hätte ich einige der diesen Monat gemixten Drinks nicht zaubern können!


... und Danke an euch alle!

Last but not least bedanke ich mich natürlich auch bei euch allen Lesern, dass ihr mich diesen Monat auf dieser feucht-fröhlichen Reise begleitet und Interesse gezeigt habt! Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und denke, dass es euch genauso erging. Denn das ist ja schließlich die Hauptsache. 



Ich gönne mir nun erstmal einen Schluck Caroni, pack' mich in die Eistonne und wünsche euch noch eine schöne Woche! ;)

Bis demnächst
Flo