Sonntag, 19. August 2018

Demerara & CoffeeTonic

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch einen Drink vorstellen, der meines Erachtens perfekt zu einem richtig heißen und drückenden Sommer passt, wie wir ihn in diesem Jahr erleben dürfen: den Demerara & Coffee Tonic!

Ja, klingt auf jeden Fall erstmal ungewöhnlich und das ist der Drink auch! Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich -meine Frau wird bereits mit den Augen rollen, wenn sie das hier liest- die Angewohnheit pflege, beim Einkaufen immer auch einen Blick in die Getränkeabteilung meines örtlichen und gut sortierten Supermarktes zu werfen und zu schauen, was dieser eventuell neu im Sortiment führt. Dabei fiel mir schon vor einigen Monaten ein neues Coffee Tonic Water von Thomas Henry ins Auge. Und ja, das war natürlich ein böses Foul an mir, denn je ungewöhnlicher und merkwürdiger etwas klingt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich nicht widerstehen kann und die Flasche erst einmal einpacke um dann später zu schauen, was ich damit vielleicht einmal anfangen kann (hier steht übrigens auch noch eine Limonade auf Algenbasis, die auf einen Verwendungszweck wartet) - so geschehen auch beim Coffee Tonic. Dann passierte erst einmal eine ganze Weile gar nichts, bis mein ehemaliger Blogpartner Leo (seine Artikel findet ihr noch immer hier auf diesem Blog!) plötzlich postete, dass er sich einen Longdrink zubereitet habe, welcher aus Demerara Rum und eben diesem Coffee Tonic bestehee und dass ihn das Ergebnis durchaus überzeuge. Mir fiel natürlich blitzartig mein eigenes Fläschchen im Kühlschrank wieder ein und so machte ich mich daran, auf der Grundlage von Leos Idee einen Drink zu bauen. Auch ich verwendete eben jenen Demerara Rum, einen Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003 mit 56,7% vol., da ich ihn mir ebenfalls gut dazu vorstellen konnte. Um noch ein wenig mehr Komplexität in den Drink zu bekommen, beschloss ich, der Rezeptur auch noch etwas Orgeat und Limettensaft beizugeben, da mir das im Allgemeinen immer noch ein wenig mehr zusagt, als reine Basis + Filler Drinks. Das Ergebnis? Lest selbst! :-)


Das Rezept*:

  • 5,50 cl Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003
  • 1,50 cl Limettensaft
  • 0,75 cl Meneau Orgeat
  • 12,0 cl Thomas Henry Coffee Tonic

Gebaut im Longdrink-Glas. 









Im Glas wirkt der Drink zunächst einmal wie ein Eistee, oder aber, wenn man einen klassischen Drink als Vergleich heranziehen möchte, wie z.B. ein Mint Julep. Hellbraun, vielleicht sogar noch ins Orange gehend und wunderbar leuchtend.

Geschmacklich ist der Demerara & Coffee Tonic dann hingegen zunächst schwer zu beschreiben. Ich finde ihn, für die doch vergleichsweise eher simple Zusammenstellung der Rezeptur, erstaunlich vielschichtig und komplex. Die Hinzunahme von Orgeat und Limettensaft zahlt sich meines Erachtens spürbar aus! Der Rum als Basis passt hier charakterlich überaus gut, da hat Leo eine hervorragende Wahl getroffen. Er kommt durch, prägt den Drink in seinem Basis-Charakter, drängt sich dabei aber nicht auf und harmoniert wunderbar mit den Kaffeearomen des Tonic. Letztere sind im Drink sehr präsent, versprühen dabei aber trotzdem immer noch etwas eher subtiles. Die Gesamtkonzeption ist daher einfach stimmig und der Drink passt perfekt an warmen Tagen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon. 

Fazit: das ist Sommer! Vielen Dank, Leo, für die super Anregung zu diesem unkonventionellen aber dafür umso herrlicheren Drink, ohne die das Fläschchen vielleicht noch sehr viel länger in meinem Kühlschrank gelegen hätte. Nun muss ich nur noch etwas finden, was zur Alge passt ;-)
Vom Coffee Tonic werde ich mir nun noch ein paar Fläschchen besorgen und das ganze auch mal noch mit anderen Rums probieren. Monymusk z.B. könnte ebenfalls gut passen, aber das wird sich zeigen. Zunächst einmal empfehle ich euch allen, es in einer solchen oder einer ähnlichen Konstellation zu probieren, zumindest wenn ihr Kaffeearomen nicht im Grundsatz schon abgeneigt seid. Dann könnte der Drink nämlich auch euch begeistern! 

In diesem Sinne: Cheers, und ein schönes Wochenende!

*die Balance aus Süße und Säure ist selbstverständlich individuell anzupassen und meine Maßeinheiten sind daher in erster Linie als grober Richtwert zu verstehen


Sonntag, 12. August 2018

Hampden Estate - Pure Single Jamaican Rum

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich mal ein bisschen was aktuelles für euch! Das kommt ja in Zeiten der schnellen Ausverkäufe und der spärlich verfügbaren Single Cask oder Small Batch Abfüllungen nicht mehr allzu häufig vor und tatsächlich machen die beiden heutigen Rums davor daher auch nur deshalb Halt, weil sie genau das, Single Cask oder Small Batch Rums, wohl nicht sind, wenn man den Verantwortlichen Glauben schenken darf. 



Was liegt heute an? 

Gemeint sind die beiden neuen Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum mit 46% vol. bzw. 60% vol.! Ganz klassisch werd ich heute einfach beide Rums gegeneinander verkosten und miteinander vergleichen. Doch zunächst ein bisschen zu den Rums selbst und dazu, was ich da heute eigentlich im Glas habe. Und hier gilt es zunächst einmal ganz deutlich festzuhalten, dass es sich bei beiden Abfüllungen um Originalabfüllungen handelt, nicht um unabhängige Abfüllungen!
Originalabfüllungen aus Hampden? Bis zur Wiedereröffnung durch die Husseybrüder im Jahr 2009 war das in Hampden undenkbar. Man verkaufte seinen Rum als Bulkware an unabhängige Abfüller oder man produzierte Auftragsware für die Industrie. Aber Rums unter eigenem Label? Nein! Wie gesagt, das änderte sich schlagartig, als die Husseybrüder Hampden wiedereröffneten. Zwar hat man die traditionellen Geschäftszweige nach wie vor nicht vergessen, aber schon 2011 kam die Hampden Estate mit seinem "Rum Fire" steil aus der Sonne und man erweiterte diesen später um den Hampden Gold. Danach wurde es dann erst einmal wieder ruhig um Hampden, solange, bis die Nachricht kam, dass Luca Gargano von Velier große Stocks an Hampden New Make aufgekauft hat und somit klar war, dass man bei Velier das enorme Potenzial der Destillerie erkannte. Nicht zuletzt zeigte sich das darin, dass Velier mit dem HLCF, dem LROK, einem Blend der beiden, einem LFCH und einem <H> bereits selbst fünf Hampden Bottlings selbst releast hat. Wie weit genau das Engagement Veliers bei Hampden reicht weiß ich nicht, allerdings ist Luca Gargano durchaus bekannt dafür, seinen Partnern seine Idee vom Rum näher zu bringen und auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie hoch der Stoff, gerade hier in Europa, teilweise auch verehrt wird. Und nicht zuletzt sind die beiden heute verkosteten Abfüllung natürlich deutlich auf den Einfluss Veliers auf die Destillerie zurückzuführen, nicht nur, weil Velier und La Maison du Whisky die offiziellen Importeure des Rums sind. Angeblich sind beide Abfüllungen so ausgelegt, dass sie lange verfügbar sein können, das heißt, Eile ist wohl nicht geboten. Kein Single Cask, kein Small Batch. So zumindest wurde es immer wieder verlautbart. Das ist, so finde ich, eine positive Entwicklung.

Doch nun direkt zu den Rums...




Hampden Estate Pure Single Jamaica Rum 7 YO - 46% vol.:

Laut Angaben auf dem Backlabel sind die jüngsten Bestandteile der Abfüllung 7 Jahre alt. Meines Wissens nach handelt es sich hierbei um einen Rums der Stile OWH (40-80 gr/hL AA Ester), LROK (200 - 400 gr/hL AA Ester) und DOK (1500 - 1600 gr/hL AA Ester) der Jahrgänge 2010 und 2011. Die Rums lagerten alle zu 100% in tropischem Klima, direkt auf Jamaica. Ein Angels Share ist nicht direkt bekannt, dürfte aber bei um die 45% Verlust liegen. Der Alkoholgehalt beträgt 46% vol., die Abfüllung ist also ordentlich verdünnt worden. Der Preis für eine Flasche beträgt gegenwärtig ca. 55-65,- Euro, je nachdem zu welchem Kurs man an den Rum gelangt und in welchem Land. Die Importeure sind, wie oben bereits erwähnt, LMDW und Velier. Da die Abfüllung zunächst einmal nicht vom Ausverkauf bedroht scheint, ist ein nennenswerter Preisanstieg in näherer Zukunft auch eher nicht zu erwarten. Das Sample stammt aus einer Flaschenteilung eines netten Mitglieds des "Rum Clubs". Vielen Dank daher natürlich für's Teilen!

Im Glas erscheint der Rum in einem blassen Gold. Die Verdünnung verhindert hier wohl, dass man dem Rum seine tropische Lagerung auch ansieht.
In der Nase überrascht mich der Hampden dann kolossal! Hampden?! Really?! Ich gebe frei heraus zu, dass wenn man mir den in einem Blindtasting gegeben hätte, ich ihn eher nach Long Pond gepackt hätte! Die typischen vegetalen, blumigen, zum Teil nussigen und schwächer esterhaltigen Noten dieser weiteren Destillerie aus Trelawny finde ich hier sehr präsent, während dieser eine, typische Hampden Ton nur ganz versteckt zu finden ist und durchaus auch untergehen kann. Für mich ein ganz und gar untypischer Hampden, der aber beweist, dass auch sie durchaus den eleganten Weg Jamaicas gehen können.
Am Gaumen fällt zunächst einmal die enorme Verdünnung des Rums deutlich auf. Das hatte ich natürlich erwartet, aber dennoch setzt an dieser Stelle bei einem Fan von Fassstärke wie mir erstmal etwas Ernüchterung ein. Davon unabhängig ist der Rum aber äußerst lecker! Klar, das ist Hampden von einer ganz anderen und weit weniger brachialen Seite, ich würde ihn auch als Medium Bodied bezeichnen, aber man erkennt die Destillerie am Gaumen schon etwas besser als noch in der Nase. Nichts desto trotz aber bleibt das für mich bisher noch der Long Pond unter den Hampdens! Zu Beginn finde ich einen Schub an natürlicher Süße, gefolgt von Walnuss und Cashewkernen, sowie einigem an Geäst. Diese gehen dann in Würzigkeit und Tannine und Eichenholz über, die dann auch schon den Abgang einläuten. Überraschender Weise, und das ist wohl das untypischste für einen Hampden, fehlt mir hier nahezu gänzlich die fruchtige Komponente, was mit der Abwesenheit eines höheren Estergehalts einhergeht. Der Rum hat von der Nase an einen vegetalen Grundcharakter.
Im Abgang finde ich dann Anis und auch einiges an Eichenholz vom Fass. Gefällt mir sehr gut! 


Hampden Estate Pure Single Jamaica Rum 7 YO Overproof - 60% vol.:

Im Prinzip gilt für den Overproof, was auch für die 46% vol. Version galt. Auch hier sind die jüngsten Bestandteile der Abfüllung 7 Jahre alt und es handelt sich hierbei meines Wissens nach um Rums der Stile OWH (40-80 gr/hL AA Ester), LROK (200 - 400 gr/hL AA Ester) und DOK (1500 - 1600 gr/hL AA Ester) der Jahrgänge 2010 und 2011. Die Rums lagerten alle zu 100% in tropischem Klima, direkt auf Jamaica. Ein Angels Share ist nicht direkt bekannt, dürfte aber bei um die 45% Verlust liegen. Der Alkoholgehalt beträgt dieses Mal aber 60% vol., logisch, es ist ja auch die Overproof-Version. Für diese Flasche beträgt der Preis momentan ca. 70-80,- Euro, wiederum je nachdem zu welchem Kurs man an den Rum gelangt und in welchem Land. Die Importeure sind auch LMDW und Velier. Die Overproof Abfüllung ist als solche tendenziell immer eher von einem Ausverkauf bedroht als eine Trinkstärke-Abfüllung, aber ich vermute aus bekannten Gründen auch bei ihm in naher Zukunft keine nennenswerten Preisanstiege. Auch dieses Sample bekam ich vom Rum Club Buddy. Nochmals herzlichen Dank dafür! 

Im Gegensatz zur 46% vol.-Variante sieht man dem Overproof an seinem satten Gold an, dass er in den Tropen reifen durfte.
Die Nase ist beim Overproof wesentlich verschlossener als bei der 46% vol.-Version! Der Alkohol zeigt sich präsent. Ich habe ansonsten Klebstoffnoten, leichtes Toffee und verbranntes Karamell. Die Ester erscheinen auch hier nur schwach. Es fehlt aber das grasige, blumige. Die Nase ist für einen Hampden etwas typischer, erinnert sie doch an eben LROK, von dem ja auch Teile im Blend enthalten sind.
Am Gaumen hat der Rum dann für einen 60%igen Overproof aus Hampden einen erstaunlich leichten Körper. Alkoholische Schärfe ist durchaus präsent, für mich aber nicht in störendem Maße. Dem Alkoholgehalt des Rums angemessen britzelt er eben leicht auf der Zunge. Was sich allerdings hier weniger einstellt als bei der 46% vol.-Version, ist dieses Gefühl, dass der Rum einfach süffig und lecker ist. Nicht, dass er das Gegenteil dessen wäre, so ist das nicht, aber er scheint überhaupt nicht vom höheren Alkoholgehalt zu profitieren, und das empfinde ich bei Hampden als in höchstem Maße ungewöhnlich. Die Süße zu Beginn gibt es hier auch, allerdings fällt sie wesentlich zurückhaltender aus als bei seinem kleinen Bruder. Dafür habe ich dessen vegetalen Grundton hier wiedergefunden, der sich in der Nase zuvor noch etwas versteckt hatte. Ich habe dann Assoziationen zu Nuss, Toffee, Anis und Humus. Auch beim Overproof fehlt der sonst so typische Obstkorb aus Hampden, ebenso wie ein höherer Estergehalt.
Im Abgang bleibt dann tatsächlich nicht viel vom Rum. Es ist noch etwas Geäst da, etwas trockenes Eichenholz, aber das ist es dann auch gewesen. 



Fazit: 

Ich bin absolut zwiegespalten! Auf der einen Seite habe ich eine feste Vorstellung davon, was ich von einem Hampden Rum erwarte. Diese Erwartungen wurden heute nicht erfüllt! Und auf der anderen Seite sehe ich hier ein sehr, sehr großes Potenzial in etwas, was ich von Hampden bisher nicht erwartet habe, von dem ich mich aber freue, es dennoch entdeckt zu haben!

Was heißt das? Hampden kann High Ester Rums wie kaum eine zweite Destillerie! Ich liebe diese Rums und mir gefällt, dass ich bei Hampden im Grunde genommen immer genau weiß, was ich bekomme. Bisher allerdings kamen aus Hampden auch nahezu immer nur Abfüllungen mit einem höheren Estergehalt, während der Estergehalt dieser beiden Rums sehr gering ausfällt. Zwar ist sogar DOK im Blend enthalten, aber angesichts der Verkostung muss hier von einem sehr, sehr geringen Anteil daran ausgegangen werden. Unter dem Strich gefiel mir die 46% vol. Abfüllung geschmacklich besser. Die Overproof-Abfüllung konnte vom 14% vol. stärkeren Alkoholgehalt nicht in dem Maße profitieren, wie ich es mir erhofft hätte. Einzig die reine Textur empfand ich hier als angenehmer.
Was die heutige Verkostung aber auch gezeigt hat: im Low Ester Bereich liegt durchaus Potenzial! Ich hatte es bisher nicht auf dem Schirm, dass Hampden tatsächlich dazu in der Lage ist, Long Pond auf diesem Gebiet Konkurrenz zu machen, aber das können sie! Und auch wenn mich das heutige Ergebnis nicht zu 100% überzeugt hat, so hat es doch locker dazu gereicht, die Erkenntnis zu hinterlassen, dass da echtes Potenzial für Rums liegt, die etwas abseits dieser enormen Brecher stehen, die man sonst aus Hampden kennt. Und gerade diese wiederum mag ich dann, wenn sie noch ein paar Jahre älter sind. Daher bleibt Hampden natürlich auch weiterhin  eine der spannendsten Destillerien über die nächsten Jahre gesehen und ich bin sehr gespannt, was da noch kommen wird!






Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 5. August 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 16 YO Caroni 1998

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch vor zwei Wochen bereits den Velier Caroni "No Smoking" aus 1998 vorgestellt habe, ist heute auch sein Pendant, der Full Proof, dran! Das Prinzip ist hier das gleiche wie immer bei Veliers High und Full Proof Bottlings, das heißt auch dieser Rum ist 16 Jahre alt, stammt aus dem Jahr 1998 und wurde 2014 abgefüllt. Sein Alkoholgehalt beträgt stolze 64,5% vol.!



Das heutige Review wird für mich dabei mehr oder weniger den Abschluss des Caroni-Jahrgangs 1998 darstellen. Ich schließe zwar nicht aus, dass nochmal Reviews aus diesem Jahrgang folgen, schon alleine, weil noch neue Abfüllungen auf den Markt kommen könnten, die ich hier dann möglicherweise vorstellen wollen würde, aber geplant ist da, stand heute, nichts mehr. Daher werde ich im Fazit zum heutigen Rum diesen auch noch einmal den anderen 1998er Caronis gegenüberstellen und eine abschließende Rangfolge für mich erstellen. 

Doch zunächst widme ich mich dem Velier FP 16 YO Caroni 1998. Dieser ist, nach meiner Wahrnehmung, in gewissem Maße das Gegenstück zum "No Smoking". Während letzterer, das erläuterte ich in dessen Review, unter all den High Proof der Velier Caroni einen kleinen Sonderstatus an Beliebtheit zu genießen scheint, so habe ich oft den Eindruck, dass der Full Proof unter all den anderen Full Proof eher ein Schattendasein führt. Das drückt sich auch in den gegenwärtigen Marktpreisen aus, wo der "No Smoking", also der High Proof, doch eher konstant über dem Full Proof liegt. Mir fällt spontan kein anderes Bottling der Velier Caroni ein, bei dem das ebenfalls so ist. 
Ansonsten ähneln sich die Hard-Facts sehr: auch der Full Proof reifte von 1998 bis 2008 auf Trinidad und anschließend noch einmal weitere sechs Jahre bei DDL in Guyana. 2014 folgte die Abfüllung mit einem Alkoholgehalt von 64,5% vol.. Die Anzahl der verwendeten Fässer ist unklar. Die Auflage des Bottlings liegt aber bei 2750 Flaschen. Der Angels Share lag identisch zum "No Smoking" bei stolzen >77%! 

Ich bedanke mich zudem heute einmal mehr beim "Rum Club" User Rumlounge, von dem ich schon vor geraumer Zeit ein Sample des heute vorgestellten Caroni erhielt. Vielen Dank!


Verkostung des Velier FP 16 YO Caroni 1998:

Preis: Bei Release im Jahr 2014 kostete der Rum vermutlich etwa um die 100,- Euro. Vier Jahre später liegt sein Marktpreis bei etwas über dem doppelten dessen. 

Alter: 16 YO - von 1998 bis 2014 reifte der Rum in Fässern.

Lagerung: 100% tropische Lagerung. Zwischen 1998 und 2008 lagen die Fässer auf Trinidad und ab 2008 bis zur Abfüllung 2014 in Guyana in den Warehouses von DDL.

Fassnummern: unbekannt. Bekannt ist lediglich, dass am Ende noch 2750 Flaschen abgefüllt wurden.

Angel's Share: >77%

Alkoholstärke: 64,5% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles, edles Mahagoni.

Viskosität: gleichmäßige, eher eng verlaufende Schlieren, fließen recht zügig die Glaswand hinab.

Nase: wo mich beim "No Smoking" noch eine selten milde alkoholische Schärfe empfing, gibt's heute dafür erstmal richtig auf die Fresse! Eine deutlich wahrzunehmende, stechende alkoholische Schärfe nötigt dazu, sich zunächst auf das periphere Nosing zu beschränken, statt dass man den Zinken direkt ins Glas halten kann. Hier allerdings kommt dann doch schon auch etwas Caroni rüber, so dass mich der Rum durchaus sehr anspricht.
Nach ca. einer Stunde atmen im Glas hat sich der Sturm gelegt und es kann endlich richtig losgehen. Nun fällt mir im Bouquet zunächst einmal eine recht fleischig-medizinische Note auf. Darüber hinaus fühle ich mich an Salzkaramell erinnert und überhaupt hat der Grundton irgendwie etwas salziges. Quasi Caroni von der Waterkant. Den typischen Caroni-Schrottplatz muss man dagegen schon sehr suchen und ich möchte beinahe hinzufügen, vergeblich suchen. Er ist nur beim peripheren Nosing des Rums nach hinten heraus zu erahnen. Damit ist dieser Caroni bis hier hin zwar noch nicht pauschal als untypisch zu bezeichnen, aber direkt klassisch ist er eben auch nicht.

Gaumen: hier wiederum erwartet mich deutlich mehr Caroni, als es sich in der Nase angedeutet hatte das nehme ich direkt wahr. Der Rum ist für eine Fassstärke ungewohnt wenig ölig, hat auch gut alkoholische Schärfe, zeigt aber bei weitem nicht diesen alkoholischen Einschlag, mit dem er in der Nase zunächst noch aufgewartet hat. Etwas am Gaumen verweilend ist der Caroni dann durchaus auch cremig und vollmundig und erinnert ansonsten aber kaum an den "No Smoking". Es fehlt die süße Orangenmarmelade und er steht schon sehr auf der bitteren, holzigen Seite. Reichliche Tannine lassen grüßen und bringen modriges Holz, Nelke und Anis mit sich. Er lässt sich nicht ganz so relaxt trinken wie sein "schwächerer" Bruder, bietet aber auch kaum einen Ausgleich, wie z.B. ein Mehr an Flavour, dafür an. Schade.

Abgang: Nelke, Anis. Bitter, trocken. Sehr trocken. Aber bleibend.

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Fazit: nein, das ist kein abgrundtief schlechter Rum, auch wenn ich meine Enttäuschung natürlich kaum verbergen kann. Denn ja, der Velier FP Heavy Trinidad Rum 16 YO Caroni 1998 hat mich durchaus enttäuscht, das wiederum kann man auf jeden Fall so sagen! Nicht nur, weil ich ihn aus einem früheren Tasting besser in Erinnerung hatte, sondern auch, weil er für einen Velier Caroni, meines Erachtens, ganz eindeutig unterdurchschnittlich ist, sogar, und da komme ich dann gleich zum nächsten und letzten Punkt, im Vergleich zu anderen aus dem Jahrgang 1998!


Gesamtfazit Caroni 1998:

Crosstasting Caroni 1998: Velier 16 YO FP, Velier "No Smoking", Cadenhead HTR, Velier 15 YO, Velier 17 YO (v.l.n.r.)






   
Dazu habe ich mir, wie oben angekündigt, zum Abschluss der 1998er Reihe, auch die drei anderen Abfüllungen aus 1998 von Velier, den "No Smoking", den 15 YO Extra Strong und den 17 YO Extra Strong, sowie den Cadenhead HTR 18 YO noch einmal eingeschenkt und sie alle fünf direkt miteinander verglichen. Das Ergebnis ist dabei so teilweise überraschend wie durchaus auch ernüchternd.
 Best of 1998: Cadenhead HTR 18 YO
Tatsächlich läuft der Cadenhead HTR 18 YO ihnen allen, ohne Ausnahme, davon! Ich kenne keinen besseren 1998er Caroni, und das mit weitem Abstand. Outstanding! Für mich ist diese Abfüllung nach wie vor der Coup des Jahres 2017 von Cadenhead gewesen. Wenn euch so eine Flasche nochmal irgendwo auf's Radar kommt, dann schlagt zu! Es lohnt sich. Auf Platz 2 dann auch schon die angekündigte Überraschung, nämlich der 17 YO Extra Strong. Er überzeugt durch eine perfekte Harmonie aus Flavour und entspanntem Trinken, ohne dabei wirklich an Anspruch einzubüßen. Ein Rum, der meines Erachtens noch immer unterschätzt wird und der auch seinen gegenwärtigen Marktpreis (ca. 150,- Euro) durchaus noch rechtfertigen kann! Erst danach folgen die beiden Small Batch Abfüllungen von Velier, das 32nd und das 33rd Release, wobei mir der "No Smoking" deutlich besser gefällt als sein Pendant, der Full Proof. Letzterer verkehrt für mich die positiven Eigenschaften des 17 YO Extra Strong ins negative. Heißt: Anstrengung, ohne den Zugewinn von Anspruch oder Geschmack, statt entspannter Genuss, ohne großen Verlust von Flavour. Dahinter schließlich, und deutlich abgeschlagen an fünfter Stelle, der 15 YO Extra Strong. Das wiederum hatte ich in dieser Form erwartet, das war mir nach früheren Tastings klar, dass er hier kaum würde mithalten können. Als einziger der fünf hatte er auch kein separates Review auf diesem Blog. Für mich ist das die schwächste Abfüllung der Extra Strong Serie, die ihren Preis zu Release-Zeitpunkt ohne jeden Zweifel wert gewesen ist, allerdings auch wirklich ausschließlich den damaligen Preis. Die heutigen Preise rechtfertigt er meines Erachtens nicht, zumal er oft nur geringfügig unter dem 17 YO liegt. Versteht mich nicht falsch, das ist kein schlechter Rum, im Gegenteil, aber da war heute vielleicht auch einfach die Konkurrenz etwas zu stark. Vielleicht probiere ich ihn aber mal in einem Rum Sour aus. Das habe ich mal irgendwo, in Kombination mit einer positiven Rückmeldung, gesehen und das kann ich mir auch durchaus gut vorstellen. Das Profil dafür besitzt er!

Mein Ranking


Und nun wünsche ich euch allen noch einen schönen, sonnigen und entspannten Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 2. August 2018

Mai Tai mit Appleton Gold 151 Proof

Liebe Rum Gemeinde,

der Sommer hat Deutschland und ganz Europa weiter fest im Griff und Abkühlung schaffen nur das Meer direkt vor der Haustür oder kalte Drinks! Ja, ich weiß, das stimmt wissenschaftlich gesehen leider gar nicht, da die Temperaturdifferenz zwischen Körper und Kaltgetränk zu groß ist und der Körper auf den erfolgten Temperatursturz mit der Produktion von Wärme reagiert und damit für das genaue Gegenteil einer tatsächlichen Abkühlung sorgt. Kühlend sind daher bei diesen Temperaturen eher lauwarme Getränke. Da ein lauwarmer Mai Tai allerdings weder schmeckt noch auch nur entfernt danach klingt als würde das schmecken und unser Gehirn auf schöne Assoziationen steht (kalte Getränke, Strand, Meer ➜ herrlich!), gibt es für viele von uns eben doch kaum etwas schöneres als einen kalten Drink. :-P




Kurz zum heutigen Mai Tai: ich erwarte keinen Über-Cocktail, aber auf dem Backlabel des Appleton wurde der Mai Tai ausdrücklich empfohlen, sogar nach Trader Vics Originalrezept (und das in den 80's!) und Appleton/Wray & Nephew haben zum Mai Tai nun einmal ein traditionell sehr enges Verhältnis, weswegen ich es dem Rum nicht verwehren werde, sich darin zu beweisen!

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an einen sehr kundigen Leser meiner Zeilen, der mir als Reaktion auf meinen Post vom Sonntag zum Appleton 151 Proof einen Flyer von Wray & Nephew aus den 1980er Jahren gezeigt hat, aus dem hervorgeht, das meine Flasche aus eben dieser Zeit stammt und der meine Vermutung auf diese Weise bestätigt hat. Vielen Dank dafür!

Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 6,0 cl Appleton Gold 151 Proof
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)


Mai Tai mit Appleton Gold 151 Proof:

Der heute verwendete Rum ist kein typischer, wie ich ihn sonst häufig verwende, die Farbe hingegen ist, logisch, goldener Rum, absolut klassisch unklassisch: hell!

Was kann der Appleton 151 Gold nun aber geschmacklich im Mai Tai? Unerwartete Antwort: einiges! Auf jeden Fall bringt er den Drink deutlich stärker voran, als ich ihm das nach der Purverkostung am Sonntag zugetraut hätte. Klar, das ist kein Hampden, aber ich finde den Rum im Mai Tai wieder und er schmeckt vor allem nicht so alkoholisch dominant, wie ich es erwartet hätte. Da waren einige andere Mai Tai mit Cask Strength Rums schon, gefühlt, deutlich potenter! Die 75,5% vol. wissen sich gut zu integrieren. Und es kommt tatsächlich immer wieder partiär die Wray & Nephew Note durch, die der der Buttersäure von Monymusk zwar ähnelt, sich aber doch auch am Ende entscheidend davon abhebt. Die übrigen Zutaten bemühen sich den Rum in die erste Reihe zu lassen, aber man merkt ihnen schon deutlich an, dass sie sonst stärkere "Frontmen" gewöhnt sind. Daher würde ich hier zwar schon von einem guten Mai Tai sprechen, grundsätzlich aber, im Gesamtvergleich, von keinem sehr guten. Diese Rolle kann er nur situationsbedingt einnehmen, wie zum Beispiel jetzt gerade, wo mir absolut nicht nach einer Urgewalt wäre, wie sie die Hampden Distillery z.B. oft ins Rennen schickt.

Fazit: klar, das ist im Vergleich zu vielem anderen was ich sonst im Mai Tai probiere schon sehr light, aber gerade jetzt bei diesen Temperaturen kann ich das echt gut haben und es muss ja auch nicht immer das ganz große Erdbeben sein. Ganz eindeutig habe ich für mich ein Anwendungsgebiet für diesen Rum gefunden, in dem ich meinen Anteil der Flasche einsetzen werde. Der Rest geht an einige liebe befreundete Connaisseure, denen ich ebenfalls die Möglichkeit geben wollte, diese kleine Rarität zu verkosten und die mit diesem Posting ebenfalls einen echt heißen Tipp bekommen haben sollten, was sie mit ihrem Sample anstellen könnten. ;-)

Bis dahin und bis demnächst,
Flo