Sonntag, 12. März 2017

Habitation Velier Hampden 2010 HLCF Jamaica Rum

Werte Rum-Gemeinde,

heute gibt es hier auf Barrel Aged Thoughts das erste neue Review seit meiner Abstinenz. Statt Forgotten Thoughts nun endlich auch wieder Latest Thoughts. Herzlich Willkommen!

Fast genau zwei Jahre ist das letzte Review hier her. Zwei Jahre, in denen sich vieles verändert hat in der Rumwelt, aber auch einiges genau so geblieben ist, wie es war. Gut so. Veränderung als Konstante. 
Die Reise geht heute genau dort weiter, wo sie damals auch aufgehört hat: in Hampden auf Jamaica. Diese Destillerie, die wohl wie keine zweite in der Welt meinen Geschmack trifft, ist dafür bekannt Rums mit hohem Estergehalt zu liefern. Das trifft auch auf den heute verkosteten Rum zu: den Habitation Velier Hampden 2010 Jamaica Pure Single Rum HLCF in Fassstärke (68,5% vol.). 

Habitation Velier Hampden 2010 Jamaica Pure Single Rum HLCF 6 YO

Die Abfüllung stammt vom unabhängigen Abfüller Velier, der unter dem Label Habitation Velier eine neue Rum Serie kreiert hat. Abgefüllt wurden auch junge Rums aus Guyana, von Barbados oder von Marie Galante. Der Blick richtet sich heute aber gen Jamaica. 
Der Habitation Velier entstammt dem Jahrgang 2010 und gehört damit wohl zu den allerersten Rums, die nach der Wiedereröffnung von Hampden durch die Familie Hussey dort produziert wurden. Das Mark HLCF beschreibt einen Estergehalt des Rums zwischen 500 und 700 gr/laa, wobei auf dem Label sogar explizit 550 gr/laa angegeben sind. Darüber hinaus erfährt man auch, dass der Angel's Share bei über 40% lag und dem Rum kein Zucker zugesetzt wurde. Die Informations-Politik auf dem Label an dieser Stelle also sehr positiv. Man erfährt über den Rum fast alles. 





Verkostung des Habitation Velier Hampden 2010 HLCF Jamaica Rum:

Preis: 0,7 Liter HLCF Hampden werden für zwischen 75 bis 95 Euro ca. angeboten.

Alter: der Rum ist 6 Jahre alt. 2010 wurde er destilliert und lag dann bis 2016 im Fass.

Lagerung: die volle Reifezeit verbrachte der Rum in den Tropen.

Alkoholstärke: einen Alkoholgehalt von 68,5% vol. kann der Rum aufweisen. Fassstärke.

Destillationsverfahren: der Rum wurde bei Hampden in einer Double Retort Pot Still destilliert.

Mark: HLCF.

Farbe: sehr tiefes Gold.

Viskosität: enge, unregelmäßige, dünne Schlieren laufen langsam und träge am Glas herunter.

Nase: Puh! Beim ersten Riechen nach ca. 30 Minuten im Glas ist der Rum noch immer so voller Power, dass ich zunächst kurz zurückziehen muss. Alkoholische Schärfe ist klar da! Dahinter tummeln sich dann auch bereits die Ester mit ihren typischen beißenden Klebstoffnoten. Brachial! Das junge Alter des Rums tritt hier deutlich hervor. Erst als die Nase das weggesteckt und sich an den Rum gewöhnt hat, öffnet er auch seine Aromen, die hinter all der Power liegen. Da sind vergorene Bananen und Ananas, aber auch etwas Milchschokolade und Haselnuss. Ganz hinten liegen Humus und Zitronennoten. Insgesamt schon typisch Hampden, aber nach hinten heraus doch auch etwas kürzer, als ich es bei vielen anderen Hampden Rums vor ihm schon gesehen habe.

Gaumen: Holy Sh**! Feuerwasser! Der muss, selbst bei kleinen Schlücken, lange gezügelt werden! Dass Hampden kein "easy sipping" ist, das merke ich ja obligatorisch vermutlich in jedem Review dieser Rums an, aber auf diesen Kandidaten hier trifft das noch einmal im ganz besonderen zu. Auch für mich als Freak und Fan der Destillerie ist das ein epischer Fight auf der Zunge! Spätestens hier verrät der Rum sein Alter. Da ist noch nichts rundpoliert, an dem Rum sitzt noch fast jede Kante. Den muss man sich erstmal gefügig beißen. Ist der Rum dann gebändigt, so treten in einer schön cremigen Textur und leichter, natürlicher Süße Banenenkompott, gegrillte Ananas, Trockenfrüchte und hinten heraus Jamaica-Anis auf, letztere allerdings kommt erst mit Beginn des Abgangs wirklich durch.

Abgang: lang, mit etwas deutlicherem Jamaica-Anis, leicht erdig und trockener werdend.

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Fazit: Der Rum lässt mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite habe ich einen Rum vor mir, der für sein Alter schon wirklich sehr gut ist und der kontinental gelagerten Rums in ähnlichem Alter auch klar überlegen ist. In dieser Liga schlägt er seine vergleichbaren Konkurrenten. Auf der anderen Seite habe ich aber auch einen Rum vor mir, für den ca. 80 Euro aufgerufen werden. Und in dieser Liga, der Preisliga, rutscht er dann im Vergleich zu Mitbewerbern der letzten Zeit auf ein Niveau von gehobenem Durchschnitt ab. Da boten andere, wie z.B. TRC mit dem Hampden 1998 für vergleichbares Geld meiner Meinung nach mehr! Klar, da werden nun einige sagen das sei unfair, hier einen 6 YO mit einem 16 YO bzw. 17 YO zu vergleichen, aber da sage ich dann: für mich als Käufer sind zwei Kriterien entscheidend: der Preis und das was ich an Qualität dafür bekomme. Würde der Rum auch preislich mit anderen Rums seines Alters konkurrieren, so sähe mein Fazit deutlich besser aus. Durch seinen Preis aber konkurriert er auch mit deutlich älteren Rums und den Vergleich verliert er dann nun einmal. Heißt also: der Rum ist keineswegs schlecht, ganz im Gegenteil, er ist meiner Meinung nach nur etwas zu teuer. Nun wiederum werden einige sagen: ja, die Mitbewerber sind aber auch nicht tropisch gereift! Zunächst: Stimmt! Diesen Umstand hat der Habitation Velier momentan noch exklusiv. Gut, dass hier in diese Richtung gearbeitet wird. Aber ich muss an dieser Stelle dann ebenfalls bekennen: das ändert für mich im konkreten Fall nichts am reinen qualitativen Endergebnis. Meines Erachtens ist Tropical Aging zwar ein oft qualitätsfördernder Umstand, aber kein Allheilmittel, das jede fehlende Reife wettmachen kann. Wäre dem so und der Rum hätte mit seinen sechs Jahren die gleiche Qualität wie ein Rum der zehn Jahre älter ist, dann würde mich auch der Preis kalt lassen, so aber sehe ich das Preis-Leistungs-Verhältnis skeptisch.
Was von diesem Rum bleibt ist vor allem die Erkenntnis, dass aus Hampden seit der Wiedereröffnung wieder anständiger Rum kommt und dass hier in den nächsten Jahren sicherlich mit weiteren und dann länger gelagerten Rums zu rechnen sein wird, die dann qualitativ auch sehr weit oben mitspielen dürften. Da bin ich mir sehr sicher. Was die dann kosten werden, wenn für ein 6 YO die Nadel schon nahe an den dreistelligen Bereich schiebt, das steht dann wieder auf einem anderen Blatt. Der heutige Rums jedenfalls war mir persönlich noch etwas zu jung und zu ungestüm und damit eher geeignet für einen Mai Tai als zum puren Genuss. Und dafür eben etwas zu kostspielig. Dennoch: der Mai Tai mit dem Habitation Velier wird im Rahmen eines zweiten MAI Tai Monats Mai in ca. zwei Monaten hier auf Barrel Aged Thoughts vorgestellt werden.

Bis demnächst,
Flo

Kommentare:

  1. Hi, danke für den Artikel. Für mich einer der besten Rums, den ich in letzter Zeit degustiert habe. Noch besser ist die LROK HLCF Abfüllung meiner Meinung nach. Was aber genau bedeutet LROK und HLCF? Kannst Du da weiterhelfen? Besten Dank, Chris

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    1. Moin Chris,

      LROK bedeutet, dass der Rum einen Estergehalt von 200 bis 400 gr/laa hat. Beim HLCF sind es 500 bis 700 gr/laa.

      Beste Grüße
      Flo

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