Sonntag, 26. März 2017

Thoughts...

Liebe Rum-Gemeinde,

ja, was war da denn los?! 

  • Am Freitag Abend, zum Auftakt der Messe in Nürnberg, haben The Rum Cask ihren Jamaica Rum Hampden 1990 26 YO im Shop platziert. 
  • Am frühen Sonntag Morgen, vor also genau einer Woche, habe ich mein Review zu eben diesem Rum veröffentlicht.
  • Am Dienstag Mittag (!) erreichte mich die Nachricht, die 270 Flaschen seien nun restlos ausverkauft.



Wir reden hier also von einem Ausverkauf in unter vier Tagen eines Rums, der nicht von Velier stammt, von dem es 270 Flaschen gegeben hat und von dem jede einzelne 170 Euro (!) gekostet hat. Das sprengt alles bisher da gewesene!

Zum Vergleich: die beiden 16 und 17 YO Hampden von TRC aus dem 1998er Batch (die beiden stammen zusammen auch aus nur einem Fass) waren eineinhalb Jahre (!) verfügbar, bei einem Flaschenpreis von 50 Euro. Und die waren auch schon sehr, sehr gut und gehörten zu den besten Hampden Rums die ich kenne. Selten gutes PLV! Dennoch war er lange verfügbar. 
Ja, klar, Hampden 1990 in Fassstärke hat eine Alleinstellung. Aber 3,5 Tage? Mich hat das, ehrlich gesagt, ziemlich erschrocken und fassungslos gemacht. Und dann nachdenklich...

Ja, ich habe den Rum hier auf BAT über alle Maße gut bewertet. Mir blieb da, angesichts der enormen Qualität, auch nichts anderes übrig. Aber wenn das dazu führt, dass eine Abfüllung anschließend sofort weg ist, noch bevor ihn ein Großteil meiner Leserschaft überhaupt probieren konnte, dann ist das sehr schade und auch nicht das, was ich als den Sinn meines Schaffens bezeichnen würde.

Was also war da los? Ich weiß, dass einige Leute 20 Flaschen und mehr versucht haben zu bestellen. Der Abfüller hat sich dagegen wo sie konnten gewehrt und diese Bestellungen abgelehnt, damit mehr Menschen in den Genuss des Rums kommen konnten, aber alleine der Versuch zeigt ja, dass Investoren auch mehr und mehr den Rum Markt heimzusuchen scheinen. Keine schöne Entwicklung. Denn sie führt dazu, dass es bei allen interessanteren Abfüllungen in Zukunft unmöglich sein wird, sie zunächst zu probieren um sich dann anschließend für oder gegen den Kauf einer Abfüllung zu entscheiden. Man muss also sofort kaufen. Die Erfahrungen der letzten Woche werden einige beim nächsten Mal dazu verleiten, noch schneller zuzuschlagen. Was daraus dann wiederum in Bezug auf die Verfügbarkeit künftiger Bottlings resultiert, muss ich glaube ich nicht erläutern.
Wie schon gesagt: keine schöne Entwicklung, die ich da auf uns zukommen sehe. Kaum ein Connaisseur möchte das (und die kleine Einschränkung resultiert auch rein aus der Intention, nicht für alle sprechen zu wollen und zu können). Sie schädigt einen für mich elementaren Teil des Genusses, denn das gemütliche Probieren und Abwägen und vielleicht nochmal gegen Probieren gehörte für mich immer dazu. Wenn uns der Markt nun aber zu reinen Hamsterkäufern formt, verkommen wir Connaisseure zwangsläufig irgendwann alle zu An- und Verkäufern, denn einige der Abfüllungen, die man (vor-)eilig gekauft hat (kaufen musste?), werden einem unter Umständen letztlich doch nicht zusagen. Also weg damit. Teurer, natürlich, als im Einkauf. Ist ja ausverkauft die Abfüllung. Und es machen ja alle so. Der Gewinn, den man gemacht hat, investiert man dafür an anderer Stelle, wo man vielleicht leer ausgegangen ist, man geschmacklich aber eher dabei gewesen wäre. Heißt: es wird eine Preisschraube immer weiter hochgedreht, bei der am Ende nur noch diejenigen mitkommen, die finanziell über den Dingen stehen. Das wäre überaus schade, da Rum meines Erachtens dieser elitäre Touch überhaupt nicht steht. Den darf er gerne weiterhin Whisky oder Cognac überlassen.

Ja, ich bin da sehr idealistisch und offenbar nur wenig realistisch. Die Freiheit nehme ich mir aber gerade. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass wenn jeder nicht mehr kaufen würde als das was er selbst zum Trinken und Genießen braucht, auch heute noch jede Abfüllung auf dem Markt um einiges länger vorhalten würde. Nicht mehr ansatzweise so lange wie noch vor einigen Jahren, aber doch so lang, dass ein großer Teil der Connaisseure nicht leer ausgeht. Meine Meinung dazu wird Investoren freilich nicht abschrecken, aber ich habe diese Woche mehrfach darüber nachgedacht, dass meine Meinung zu den Rums ihnen hilft. Ich unterstütze mit jedem guten Review für einen Rum auch die Leute, die damit nur Kasse machen wollen. Und ich habe durchaus auch darüber nachgedacht, ob ich das möchte, oder ich mich diesem Missbrauch nicht lieber entziehen möchte.
Es kam für mich letztlich aber nicht in Frage, von diesen Leuten mein Wirken hier abhängig zu machen. Hingegen werde ich Artikel in Zukunft vielleicht subtiler schreiben. Und ich werde Artikel eventuell auch zeitlich versetzter schreiben. Aber ich werde schreiben! 

Bis demnächst also wieder,
Flo


PS: inzwischen sind auch sämtliche Samples des Rums ausverkauft! Obwohl diese, auf die 0,5 Liter Flasche gerechnet, preislich noch einmal deutlich höher lagen. 

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