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Sonntag, 13. Dezember 2020

Barrel Aged Thoughts' 2020 Top 10 Rums - Part I

Liebe Rum Gemeinde,

das Jahr 2020 neigt sich nach all diesen Knaller-Abfüllungen nun tatsächlich dem Ende zu und darum denke ich, ist es nun an der Zeit ein kleines Fazit zu ziehen. Wie schon häufiger in der Vergangenheit, möchte ich euch abschließend zusammengefasst noch einmal meine Highlights des Jahres in Form einer Top 10 in zwei Teilen präsentieren. 



Prolog:

Ihr Lieben, was war das bitte für ein Jahr?! Ich weiß da, um ehrlich zu sein, gar nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, worauf ich mich in 2020 ganz besonders freue, dann hätte ich vermutlich geantwortet: auf die Messe in Köln, das Rum Fest in Berlin, die Whisky Live in Paris und auf den TRC 90 II als Knaller zum Jahresende! Ich habe zum damaligen Zeitpunkt weder geahnt, was RA das ganze Jahr über mit uns abziehen würden, was Silver Seal im Sommer 2020 fabrizieren, dass Velier es noch schaffen würde richtig gute 1998er Caronis zu bringen, dass unsere "ewige" Waschmaschine tatsächlich kaputt gehen würde können und schon gar nicht hatte ich auf dem Zettel, was ab spätestens März insgesamt weltweit abging. Ich habe letzteres, vielleicht ist euch das aufgefallen, auf Barrel Aged Thoughts nahezu gar nicht thematisiert, da ich der Meinung war und bin, dass wir von allen Seiten mit diesem Thema erschlagen wurden, ob wir wollten oder nicht, dass es an Covid 19 ohnehin kein Vorbeikommen gab, und so wollte ich mit BAT zumindest einen Platz schaffen, an dem für euch und natürlich auch für mich einfach alles weitestgehend so ist wie immer. Zumindest irgendwas wo man draufklicken kann, ohne, dass man sofort dran erinnert wird, dass gerade nichts so ist wie gewohnt. Rum-Blogging als Eskapismus, wenigstens für einen Dram der oft unschönen Realität da draußen entfliehen. Warum ich das jetzt plötzlich anspreche? Weil Covid 19 unser Jahr so unfassbar unterschiedlich geprägt hat, dass ich das nicht einfach übergehen möchte. Es war, rein auf Rum und die Vielzahl an geilen Abfüllungen bezogen, ein richtig geiles Jahr, was ich hier auch festhalten und würdigen möchte. Aber ich kann an dieser Stelle insgesamt nicht von einem Super-Jahr sprechen (auch wenn es das für mich persönlich und ganz subjektiv wohl wirklich war), wo gleichzeitig viele von euch da draußen möglicherweise aktuell ihrem Beruf und damit vielfach auch ihrer Berufung nicht nachgehen dürfen, die vielleicht um ihre Existenz bangen, möglicherweise sogar gesundheitlich betroffen oder gar Angehörige verloren haben und deshalb möchte ich das zumindest dahingehend einordnen und einmal festhalten: ja, natürlich ich bin mir der Tatsache bewusst, dass einige von euch gerade ihr beschissenstes Jahr ever hinter sich haben und sich derzeit noch nicht einmal wirklich auf ein besseres 2021 freuen können, weil auch dessen Verlauf noch vollkommen ungewiss ist. Das ist furchtbar und ich kann nur das beste für euch hoffen. Ich persönlich arbeite im sozialen Sektor. Plötzlich war ich "systemrelevant" (was für mich damals tatsächlich die Haupt-Motivation war, einen solchen Job dem Studium der Geschichte und der Archäologie nach zwei Semestern vorzuziehen). Die Belastungen bei uns auf der Arbeit waren ungleich größer als in jedem anderen Jahr, deshalb blicke auch ich nicht nicht gerade auf ein entspanntes Jahr zurück, aber ich musste, anders als viele andere, nicht eine Sekunde um meinen Job fürchten und konnte auch deshalb viele der Abfüllungen in diesem Jahr genießen. Und dafür wiederum bin ich sehr dankbar! Ebenfalls sehr dankbar bin ich über einige Entwicklungen im Rum Bereich im abgelaufenen Jahr. So hat sich der Kontakt zu Dominik und zu RA in diesem Jahr z.B. noch weiter verfestigt, was mir eine ungemeine Freude ist! 

Dominik, ich glaube, ich muss das an dieser Stelle nicht weiter ausführen, außer: vielen lieben Dank dir für das geile gemeinsame Jahr und den unfassbar guten Job den du und ihr macht! Es macht auf allen Ebenen so unglaublich viel Spaß und ich liebe unseren regen gemeinsamen Austausch! Der ist ein absoluter Hochgenuss, den ich nicht mehr missen wollen würde! Danke für alles!

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf natürlich auch der Jens von TRC! Die Schlagzahl ist geringer geworden, aber wenn wir miteinander schnacken ist das, als würden wir das jede Woche tun. Es sind nun schon siebeneinhalb Jahre, seit ich euch bei der Worthy Park Abfüllung unterstützen durfte, die dann die erste BAT-Abfüllung wurde. Und es tut mir natürlich Leid, dass immer sobald wir etwas mehr miteinander zu tun haben, ihr anschließend so viel Arbeit mit Pakete packen habt ;-) Ich würde ja Besserung geloben, aber... :-) 

Steffen... auch wir sitzen inzwischen nun schon seit bald zwei Jahren gemeinsam über deinem Buch, das ohne jede Frage mit Erscheinen die neue Benchmark in diesem Bereich darstellen wird! Die gesamte Rumwelt darf sich auf diesen, deinen, Meilenstein der Rum Literatur freuen und ich persönlich fiebere dem schon wahnsinnig entgegen! Wenn immer wieder Zwei-Stunden-Telefonate mit "Hast du mal 'ne Minute?" beginnen, dann läuft irgendwas richtig ;-) 

Ich bedanke mich natürlich auch bei dir, Klaus, für das erste gemeinsame Jahr, in dem ich euch nun bei den Flensburg Rum Company Bottlings ein wenig unterstützen durfte. Klasse, dass immer mehr unabhängige Abfüller genauer hinschauen und mit der Frage an die Sache herangehen: "Was ist denn nun eigentlich der wirklich geile Shice den die Nerds auch sehen wollen?". Die nicht einfach nur irgendwie mitmischen wollen, bloß, weil das jetzt irgendwie jeder macht, sondern die das auch richtig machen wollen und richtig machen! 


Picture by E.H.

Wahnsinnig toll finde ich, dass wir es im abgelaufenen Jahr geschafft haben, mit der German Rum Association eine reine Rum Gruppe im deutschsprachigen Raum auf Facebook zu etablieren! Das war bitternötig und ich danke allen, die maßgeblich dazu beigetragen haben diese aufzubauen! Das qualitative Niveau ist hoch und auch immer noch mal gestiegen und ich freue mich, dass auch die Gruppe immer weiter wächst und inzwischen schon fast 750 Mitglieder zählt. Ihr seid super!

Und last but not least... geht natürlich ein riesiges Dankeschön an alle raus, die ich auch in diesem Jahr und trotz widriger Bedingungen zu einigen Zeitpunkten live, echt, mit Ton, in Farbe und bunt treffen konnte in diesem Jahr und ein paar unbeschwerte Tage und Stunden verbringen durfte! Ihr wisst, dass ihr gemeint seid, wenn ihr gemeint seid! :-*


Was liegt heute an?

Meine zehn besten Rums des Jahres "kühren"... das klingt total simpel, war es in diesem Jahr tatsächlich aber mal so überhaupt nicht! Es gab schon Jahre, da habe ich kaum eine wirklich vorzeigbare Top 10 zusammenbekommen weil einfach kaum richtig gute Rums released wurden und in diesem Jahr war es genau das Gegenteil - ich hätte locker und bequem eine Top 20 schreiben können! Da ich eine Top 10 hingegen wesentlich griffiger finde, habe ich davon natürlich abgesehen. Allerdings fühlte ich mich dennoch so ein wenig gezwungen nicht streng nach Punkten zu gehen und einfach die zehn am höchsten bewerteten Abfüllungen zu nehmen. Denn eine solche Liste wäre dann nicht sehr repräsentativ. Wir hätten, angesichts der Release-Flut 2020, allein fünf Caroni von Velier mit je 94 Punkten drin. Wer möchte eine solche Top 10 lesen? Auch wollte ich einen Rum unbedingt drin haben, der mit 92 Punkten zwar nicht zu den zehn am höchsten bewerteten Neuerscheinungen bei mir zählt, der diese "geringe" Punktzahl aber auch nur rein auf Grund sehr populärer Vorfahren bekam, die heute aber kaum noch jemandem etwas nützen. Ohne dieses Erbe, hätte ich den Rum vermutlich sehr viel besser bewertet und ich bin sicher, er zählt auch für viele von euch zu den absoluten Highlights in diesem Jahr. Doch dazu mehr, wenn es soweit ist. Nun, würde ich sagen, starten wir einfach mal den Countdown!


Platz 10: 

Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010

Direkt auf Platz 10 empfängt uns ein Brett, dass es bei einigen von euch sicher auch noch ein paar Plätze höher geschafft hätte. Gleichsam muss man fairerweise aber auch anmerken, dass der Rum das Lager deutlich stärker gespalten hat, als das beim HGML z.B. der Fall war, der gefühlt wirklich durchweg gut ankam. Das war beim C<>H anders, der war einigen auch zu extrem. Vor allem aber war er extrem schnell vergriffen und sorgte damit durchaus auch für Unmut. Für mich war und ist er dagegen ganz kurz und bündig der beste tropisch gereifte Hampden, den wir bisher bestaunen konnten - besser als der HGML und auch besser als das <>H Single Cask für die Whisky Live 2019! Damit hat er sich 93 Punkte redlich verdient. Dass er es bei mir "nur" auf Rang 10 geschafft hat (in normalen Jahren hätte er sicher besser abgeschnitten) liegt einzig an der enormen Konkurrenz. Es ist erst wenige Jahre her, da hätte ich für einen Rum mit dieser Qualität noch alles gegeben! Auch das zeigt, wie krass die Entwicklung im Rum Bereich in den letzten Jahren voran geschritten ist, dass solche Hammer Releases inzwischen schon beinahe zu einer kleinen Gewohnheit werden. 

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Platz 9:

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore 1991

DER (!) Spalter 2020! Als sich im Februar abzeichnete, dass tatsächlich nach all den Jahren mal wieder ein neuer KFM kommen und dieser auch noch absolut mega werden würde, war ich richtiggehend elektrisiert! Eigentlich war der Stil früher gar nicht so sehr meins, weder der Demerara Style im allgemeinen noch der KFM Style im speziellen, aber wie die KFMs im Fass, so habe auch ich mich, bzw. mein Geschack sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und so gehören die Demeraras heute inzwischen zu meinen Favoriten. Und als ich den Rum dann also Vor-Verkosten konnte, während ich in die Fass-Auswahl eingebunden war, war ich vor allem von der Nase dieses Demerara Monsters wirklich komplett überwältigt! Vielleicht auch deshalb habe ich das enorme Spalt-Potenzial dieses Rums tatsächlich in keiner Weise kommen sehen. Klar, der Rum hat den Großteil derer die ihn probiert haben letztlich doch eher überzeugt (wenn gleich er mit seinen 45,4% vol. einigen wohl auch zu dünn war), aber von der mitunter doch sehr leidenschaftlichen Ablehnung einiger war ich definitiv überrascht. Doch wie dem auch sei, ich fand ihn herausragend und mit 94 Punkten hat es der KFM aus nur dem Grund nicht bis in die allerhöchste Ebene geschafft, da er für meinen Geschmack tatsächlich noch etwas mehr Power haben könnte. Aber wenn es ein Rum, trotz dessen, dass er nicht alles ausgeschöpft hat was ginge, auf 94 Punkte bringt, dann ist das wohl der letzte Beweis für Kritik auf sagenhaft hohem Niveau. 

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Platz 8:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 (Employee "Buju"):

Es war selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Top 10 von der ersten Caroni Abfüllung heimgesucht werden würde! Keine Destillerie hat mich in den letzten Jahren vermutlich mehr beschäftigt und stärker in meinen Bann gezogen als Caroni. Mag Hampden so etwas wie meine Rum Heimat sein, so war Caroni doch seit einiger Zeit zumindest so etwas wie eine Wahlheimat. Dass es mit dem "Buju" aber ausgerechnet ein 1998er am Ende des Jahres in diese Liste schaffen würde (und es mit dem "Yunkoo" sogar noch ein weiterer 1998er verdient gehabt hätte!), das hätte ich nie gedacht, bevor ich ihn probiert habe, zu wenig sagten mir diese bisher eigentlich zu. Der "Buju" stellte in dieser Hinsicht eine Zäsur dar, der dazu auch noch mit einem total geilen Layout punkten konnte. Dieses Spiel mit den hellblauen Farben, die ich sehr mit den Tropen assoziiere, fand ich so wunderbar passend für einen Rum, dass ich da wirklich angetan war. Ich weiß, eigentlich ist sowas zweitrangig, aber stören tut's mich eben auch nicht, wenn mir ein Rum über seinen Inhalt hinaus auch optisch noch gefällt ;-) Mit 94 Punkten verfehlt der "Buju" die Kategorie 95+ im Grunde nur, weil es eben Caroni-Styles und Demeraras gibt, die mir noch besser gefallen und ich diese Differenz noch irgendwie abbilden können muss! Aber die hier gebotene Qualität war und ist definitiv überragend!

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Platz 7:

The Rum Cask C<>H Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990 (BAT-Abfüllung):

Mein Platz Nr. 7 ist kaum eine Woche alt, hat es mit seiner wirklich extrem seltenen Qualität aber natürlich straight in meine Top 10 geschafft. Allerdings: fällt euch etwas auf? Ein 1990er Hampden mit überragender Qualität, der es bei mir "nur" auf Platz 7 schafft? Flo, was ist da los? In wohl keinem anderen Punkt zeigt sich die Veränderung meiner Präferenzen wohl stärker als in dieser Abfüllung. Früher wäre über diesen Rum vermutlich nichts mehr drüber gegangen, aber inzwischen ist Hampden eben nicht mehr meine Nr. 1. Und, Spoiler: es wird nicht nur kein weiterer Hampden, sondern auch nur noch ein einziger weiterer Jamaicaner in meine Top 10 schaffen - der Rest stammt aus anderen Ländern und/oder von anderen Inseln! Zeitenwende auf BAT. Was aber den TRC 90 II angeht, so zeichnet sich bereits ab, dass der auch bei vielen von euch da draußen sehr gut anzukommen scheint, was mich natürlich umso mehr freut! Mehr als einmal las ich in den letzten Tagen vom besten Hampden so far oder zumindest in der absoluten Spitzengruppe. Ich für mich ganz persönlich hatte bei diesem 1990er nicht mehr ganz dieses Feuer wie beim 26 YO damals, den ich bis heute als einen meiner Grail Rums bezeichnen würde, aber das liegt eben doch mehr an mir als am Rum. Mit ebenfalls 94 Punkten verfehlt auch er die Spitzenkategorie nur, weil er für meinen Geschmack noch ein wenig mehr Biss und etwas mehr Bumms haben können. Aber, wie beim KFM: wenn wir trotz 94 Punkten noch über Schwächen sprechen, dann ist klar, wo solche Rums ohne Schwächen bei mir landen würden... 

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Platz 6:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Nitz"):

Und zack, der nächste Caroni! Und wieder kommt er aus der dritten Employee Serie von Velier, die meines Erachtens die bisher beste der Reihe war. Jeder der Rums erreichte bei mir 94 Punkte, was für den 1996er zwar leicht unterdurchschnittlich war, beim 1998er und beim 2000er allerdings über Soll lag. Bei keiner anderen Employee Serie war das persönliche Gefallen bei mir auf so konstant hohem Niveau. Weder bei einer der vorherigen beiden, noch bei der vierten. Auf die "Nita" war ich dabei allerdings ganz besonders gespannt, da man 2000 in Fassstärke ja sonst nur in den wenigen Single Cask Releases zu Gesicht bekam, was sich nun bei den Employees erstmals änderte. Und was für ein 2000er das war! Der Jahrgang ist für mich ja ganz eindeutig die Wundertüte unter den Caroni Vintages und so war ich durchaus sehr erfreut als ich feststellen durfte, dass der Rum meinen Geschmack ziemlich präzise getroffen hat. Anders als einige anderen Rums in dieser Liste bisher spielt die "Nita" mit ihren 94 Punkten allerdings absolut am Limit aus meiner Sicht. Wirklich (in Punkten) besser kann ein 2000er mutmaßlich nicht werden und ich sehe da keinen die 95er Marke knacken. Neben der "Nita" hat die 94 allerdings noch ein weiterer 2000er geknackt und unter anderem diesen sehen wir dann beim nächsten Mal, wenn es in meine Top 5 hinein geht... 

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Bis dahin, bleibt gesund und habt einen schönen und besinnlichen 3. Advent!

Flo


To be continued...

Sonntag, 27. September 2020

Mai Tai mit Habitation Velier C<>H Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem der Sommer zum August hin doch noch ganz ordentlich wurde, machten einige Mai Tai Variationen natürlich noch um so mehr Spaß. Neben dem 1994er New Yarmouth von RA hat es mir allerdings auch noch ein weiterer Rum sehr in meinem Lieblingsdrink angetan: der Habitation Velier Jamaica Rum C<>H 10 YO Hampden 2010, der sich alleine schon rein auf Grund seiner Eckdaten für einen Mai Tai empfiehlt.



Der Habitation Velier C<>H 2010 ist bisher wohl zweifelsohne einer der Rums des Jahres 2020! Wenn ich zum Ende des Jahres wieder eine Top 10 mache, dann habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass dieser Rum darin auftauchen wird. Und das will, angesichts der brutalen Quantität und Qualität an neuen Releases in diesem Jahr wirklich schon was heißen. Ich sage nur REV 1994 und New Yarmouth aus 1994, die drei Velier Caroni Employees, die neuen Silver Seals, die Single Cask Bottlings aus St. Lucia oder auch ein paar Sachen, die noch kommen werden. 😉

Die Schattenseite des C<>H 2010 war aber natürlich unstrittig dessen Verfügbarkeit, bzw. dessen fehlende Verfügbarkeit. Kaum ein Bottling war schwerer erhältlich als eben dieser Hampden, auf den viele gewartet hatten.  Dass ich ausgerechnet mit diesem Rum einen Mai Tai mixen möchte und werde, werden daher vermutlich einmal mehr einige nicht verstehen können, aber ihr kennt mich und meine Einstellung dazu glaube ich inzwischen. Kein Drink ist besser als die schlechteste seiner Zutaten. Darum habe ich nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Mai Tai dem Rum zu einem Mehrwert verhelfen kann und aus diesem Grund gibt es aus meiner Sicht kein Argument das gegen ein Vermixen spricht! Es gibt ja nichts vergleichbares, was günstiger oder weniger selten wäre, dann sähe die Sache anders aus. Aber da Hampden nach seinem Restart quasi noch immer in den Kinderschuhen steckt, was tropisch gereiften Highest Ester Rum angeht, müssen wir uns da vermutlich noch ein paar Jahre begnügen, bis der Nachschub die Nachfrage decken kann.


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 5,5 cl Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 0,9 cl Meneau Orgeat
  • 0,6 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)






Mai Tai mit Habiatation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010:

Farblich stellt sich der Rum als wunderbar fruchtig und exotisch wirkender Drink dar, der an jenen Mai Tai erinnert, den ich mir vor einiger Zeit mit dem Hampden Great House gemixt habe. Er kommt dabei dunkler daher als die Mai Tais mit kontinental gelagerten Rums, aber auch noch um einiges heller, als beispielsweise der Mai Tai mit dem RA New Yarmouth 1994, der einen deutlich dunkleren Taint hatte.

Der erste Schluck verrät mir direkt, was ich mir da gerade gemixt habe: Mai Tai mit Hampden C<>H! Dieser Ester-Einschlag mit samt seiner gesamten Frucht-Explosion ist einfach unverkennbar und ist mir so auch von den 1990er Hampden beispielsweise bekannt. Geil! Erneut an einem halben cl Rum gespart zu haben stellt sich als goldrichtige Entscheidung heraus, denn der Habitation Velier Hampden C<>H ist auch mit 5,5 cl omnipräsent! Und das gleich in doppelter Hinsicht: einmal natürlich durch seinen hohen Estergehalt, aber eben auch durch den mit 68,5% vol. ungewöhnlich hohen Alkoholgehalt. Die anderen Zutaten haben gut zu tun mit diesem Monster von Hampden Rum, aber sie sind kampferprobt! Die Kombination aus Meneau Orgeat, Ferrnand Curacao und J.M. Zuckersirup ist ein starkes Dreigestirn, dass durchaus in der Lage ist neben dem C<>H zu bestehen, ihn in Szene zu setzen und ihm so als Drink einen Mehrwert zu verleihen, so dass es sich lohnt einen solch raren Rum im Mai Tai einzusetzen! Spannend finde ich dabei insbesondere, dass es der Drink vermag die kleinen Schwächen dieses Rums zu verstecken, die er in der puren Verkostung zuvor offenbart hatte, die Stärken aber exzellent zu betonen. So fehlt es dem Mai Tai weder an Komplexität, noch kommt da nach hinten heraus zu wenig. Im Gegenteil! Durch die doch schon sehr präsente Holznote, die der tropischen Reifung geschuldet/zu verdanken ist, kommt nochmal eine Facette dazu, die bei Mai Tais mit kontinental gereiften Jamaicanern weniger ausgeprägt ist. Und die stark aufspielende Säure wiederum passt zum Mai Tai wie angegossen. Ganz, ganz stark! Etwas Schmelzwasser rundet den Drink dann nach einer Zeit noch ein wenig ab, auch das passt durchaus gut und das ganze ist weit davon entfernt zu sehr zu verwässern.

Fazit: ich bewerte die Mai Tais schon eine ganze Weile nicht mehr mit Punkten, so wie ich das früher getan habe (von einem bis zehn Punkte), aber wenn ich das noch tun würde, so wäre dieser hier eine glatte 10, ohne jeden Zweifel! Der Habitation Velier C<>H bringt den Mai Tai mindestens auf Augenhöhe zu jenen mit z.B. Rum Albrecht LPS 2nd Release, The Rum Cask Hampden 1990 oder auch Duncan Taylor Hampden 1990, also die Creme de la Creme an Mai Tai Jamaicanern! Ich bin seit meinem ersten Mai Tai mit Berry's Hampden 1990 davon überzeugt, dass dieser Jahrgang von Hampden wie gemacht ist für den Mai Tai, allerdings kommt hier, beim Habitation Velier, noch mehr zusammen als bei früheren Mai Tais mit 1990er Hampden, nämlich die gereifte Komponente, der Anteil an Fass-Einflüssen. Die bringt der C<>H 2010 nochmal um einiges mehr mit als frühere, kontinental gereifte Rums, was sich im Mai Tai stark bemerkbar macht, ohne an Frische einzubüßen. Das macht den Rum zu etwas besonderem und zu einem meiner absoluten Favoriten in diesem meinem Lieblingsdrink!

Ein abschließender Dank geht an einen lieben Connaisseur aus Österreich, bei dem ich ein großes Sample dieses Rums erwerben konnte, das einen Einsatz im Mai Tai ermöglichte. Vielen lieben Dank dafür!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 19. Juli 2020

Habitation Velier C<>H Jamaica 10 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde!

Endlich! Lange angekündigt, hat Habitation Velier mit dem C<>H mein persönliches Lieblings-Mark von Hampden erstmals tropisch gereift auf die Flasche gebracht. Selten habe ich einem Release mit so viel Vorfreude entgegen gesehen. Ich bin gespannt! 


C<>H! Das ist meines Erachtens das Mark, welches den Ester-Wahnsinn perfekt auf die Spitze treibt, ohne dabei zu weit zu gehen. Denn das Mark DOK kommt meines Erachtens zu extrem daher, um wirklich noch genießbar zu sein. Man kann das trinken, klar, und ich bin wahnsinnig froh, dass es vor zwei Jahren endlich die Möglichkeit gab sowas mal probieren zu können und auch stolz darauf, da mit dem Letter of Marque so ein wenig Part of the Story gewesen zu sein, aber für mich ist DOK inzwischen auserzählt. Das war seinerzeit spannend, gewiss, aber mir persönlich macht DOK nicht mehr wirklich Spaß. Das merkte ich nochmal ganz deutlich, als ich diverse un-/kurz-gelagerte DOK parallel verkostet hatte.




Ganz anders sieht es da bei C<>H (steht für Continental Diamond Hampden) aus! Dieses Mark, welches Hampden verwendet um seine Rums mit einem Estergehalt von 1300 - 1400 gr/hlpa zu kennzeichnen, begleitete mich auf meiner Rum-Reise schon lange bevor ich von dessen Existenz überhaupt erfuhr. Denn wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass die genaue Zuordnung von Jahrgängen zu Marks erst seit wenigen Jahren möglich ist. Dass es sich bei dem Jahrgang 1990 um eben dieses Mark handelt, ist erst seit 2017 bekannt, als TRC einen solchen Rum auf den Markt brachten und das Kürzel JMC hier mehr verriet, als es einem auf den ersten Blick scheinen könnte. Und der Jahrgang 1990, um auf meine Reise zurück zu kommen, war Anno 2011 meine erste richtig große Rum-Liebe! Als ich den Berry's Hampden 1990 das erste Mal im Glas hatte, war das nicht weniger als eine Offenbarung! Trotz des geringen Alkoholgehalts von nur 46% vol. besaß dieser Rum eine Power, die seinesgleichen suchte, aber lange nicht fand. Erst Folge-Abfüllungen von Duncan Taylor und eben 2017 The Rum Cask sollte das gelingen. Insofern bin ich also bereits seit neun Jahren großer Fan des Marks C<>H. Es ist mein persönliches Lieblings-Mark, im wahrsten Sinne des Wortes meine Benchmark, und dementsprechend gespannt war ich darauf, wie ein solcher Rum wohl tropisch gereift schmecken würde. Hier haben mir die bisher veröffentlichten Marks wie HLCF, <>H oder HGML zwar durchaus gefallen, aber meinen 1990ern konnte davon bisher nichts gefährlich werden, insbesondere da mir nach hinten heraus einiges an Abgang fehlt. Das verrät die doch vergleichsweise kurzen Reifezeiten am Ende, Tropical Aging hin oder her. Allerdings sind es nichts desto weniger der <>H und der HGML, die es für den C<>H auf der Seite der tropisch gereiften Hampdens auch erst einmal zu schlagen gilt, weswegen ich sie im heutigen Tasting quer vergleiche, ebenso wie zwei der bisherigen Benchmarks auf Seiten des C<>H. So muss sich der Habitation Velier also einerseits gegen die niedrigeren Marks bei ansonsten vergleichbarem Alter beweisen, als auch gegen die kontinental gereiften Brüder gleichen Marks aus dem Jahrgang 1990!

Vintage 2010 Mark-Battle: <>H vs. HGML vs. C<>H

C<>H-Battle: BBR 17 YO 1990 vs. TRC 26 YO 1990 vs. HV 10 YO 2010


Als ganz besonderen Bonus bekam ich darüber hinaus die Möglichkeit, die Verkostung mit dem Original Sample von Luca Gargano selbst durchzuführen, welches mir ein guter Freund von einem Besuch dort mitgebracht hat. Vielen lieben Dank dafür an dich und natürlich an Luca!


Fasssample von Luca © E.H.

Trivia:

Zu einer guten Tradition bei den Velier Bottlings sind missverständliche Angaben auf deren Labeln geworden. So ist auf dem Frontlabel zu lesen, dass der Rum 2.615,2 gr/hlpa Congeners (also Begleitstoffe bei der Destillation, zu denen auch die Ester zählen) enthält, während man auf dem Backlabel  auf den Estergehalt von zwischen 1300 und 1400 gr/hlpa hinweist. Beide Angaben sind (richtige Messung vorausgesetzt) korrekt, doch verwirren sie vor allem Connaisseure, die nicht so tief im Thema stecken, was ich schade finde. Eine einheitliche, Bottling-übergreifende Angabe fänd ich deutlich transparenter. Aber das nur am Rande. Super finde ich hingegen, dass man sich dazu entschlossen hat, den Rum in Barrel Proof (68,5% vol.) statt nur in High Proof (62%) zu releasen!



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Verkostung des Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010:


Preis: mit 159,- Euro Ausgabepreis ist der C<>H der bisher teuerste Hampden der Habitation Velier Reihe. 

Alter: von 2010 bis 2020 lag der Rum insgesamt 10 Jahre im Fass. 

Lagerung: die Fässer wurden während der gesamten Dauer ihrer Reifung bei Hampden auf Jamaica in tropischem Klima gelagert. 

Fassnummern: unbekannt. Auch, wie viele Fässer und wie viele Flaschen es am Ende genau waren ist nicht sicher bekannt. Gerüchte sprechen von 600 Flaschen, was für Abfüllung zweier Fässer spräche.

Angel's Share: >64% gingen an sicher glückliche Engel. 

Alkoholstärke: mit starken 68,5% vol. wartet der Rum auf - anders als früheren Habitation Velier Abfüllungen, die "nur" in High Proof kamen, liefert uns Luca den C<>H in Barrel Proof!

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: C<>H (Continental <Diamond> Hampden)

Farbe: tiefes, kräftiges Gold. Von den jeweils neunjährigen <>H und HGML aus 2010 unterscheidet er sich optisch nicht, zu den kontinental gereiften C<>H dagegen deutlich. Diese sind wesentlich heller, insbesondere der Berry's. 

Viskosität: ein fetter Film wabert über das Glas, der Rum läuft in eher engen, parallel zueinander verlaufenden Schlieren ins Glas zurück. 

Nase: eskalierendes Programm heute! Nachdem die Rums ca. 1,5 bis 2 Stunden geatmet haben, kommt der C<>H 2010 sehr zugänglich und rund daher. Rund in dem Sinne, dass mir beim Bouquet zunächst einmal nichts auffällt, was mich stört oder, dass ich das Gefühl hätte, dass mir da irgendetwas fehlt. Der Alkohol ist natürlich präsent, aber das überrascht bei 68,5% vol. natürlich auch wenig. Vor allem aber hat der Rum Kraft! Eine wirklich berauschende Intensität voller saurer Ester, Nagellackentferner und flüssigem Klebstoff strömt mir entgegen und macht unmissverständlich deutlich, um welches Mark es sich handelt. Ich finde den für C<>H so typischen Korb voller tropischer Früchte, ich habe Säure von Zitronen und Limetten, gegrillte Ananas, Marzipan, Vanille, Humus, Antipasti, aber auch schon viel Holz. Seine 10 Jahre der tropischen Reifung verbirgt er nicht, allerdings habe ich dieses Gefühl beim HGML stärker gehabt. Hier, beim C<>H, kommt das schon sehr perfekt daher. Es bestätigt sich insgesamt, warum ich C<>H schon seit vielen Jahren als mein absolutes Lieblings-Mark bezeichne! Richtig tolle Ester, die hier meines Erachtens auch direkt besser und wesentlich intensiver kommen als beim <>H und beim HGML. Und, leider muss ich das zugeben, sie kommen auch fast auf Augenhöhe zum TRC 1990! Die Art und Weise ist dabei nicht vergleichbar, da merkt man sehr schön den Unterschied zwischen kontinentaler und tropischer Reifung, aber hier holen die tropischen Hampden merklich auf! Dennoch liegt der TRC für mich noch in Front. Der Berry's 1990 spielt leicht dahinter, da macht sich die Verdünnung und der geringere Reifegrad bemerkbar, kann das Niveau aber ansonsten problemlos mitgehen!  

Gaumen: am Gaumen machen sich zunächst einmal die sauren Ester-Verbindungen bemerkbar, die sich zu denen vom HGML oder zum <>H auch merklich unterscheiden. Sehr adstringierend, so dass sich die Schleimhäute erst einmal zusammenziehen. Richtig hart überrascht bin ich davon, wie gut der schon enorm hohe Alkoholgehalt eingebunden ist. Ich habe nahezu keine alkoholische Schärfe in der Mundhöhle, das ist schon extrem paradox! Nicht einmal der Rendsburger Caroni 1996 mit 69% vol. kommt so weich daher! Stattdessen macht es sich der Rum eigentlich direkt auf der Zunge bequem und verströmt einen fast unglaublichen Geschmack intensivsten High Ester Jamaica Rums. Der C<>H ist unfassbar mundfüllend! Das adstringierende geht dann ins cremige über und kommt sehr angenehm. Der Rum zeigt am Gaumen die gleiche Säuerlichkeit wie in der Nase, das gehört zu diesem Mark einfach dazu und gefällt mir sehr. Viele mögen das nicht, die werden mit dem C<>H dann also vielleicht auch ihre Probleme haben und eher leichtere Marks favorisieren. Mir aber gefällt genau das! Letztlich ist die Säure allerdings auch schon die größte Hürde, die hier genommen werden muss. Der Rum kommt ansonsten nämlich sehr, sehr ausgewogen daher und macht einfach Spaß! Kein zu krasser Einfluss des Holzes, kein zu präsenter Alkohol. Es mag verrückt anmuten, aber dieser Hampden ist für mich schon beinahe Easy Sippin! Einzig: an die enorme Komplexität des TRC 1990 kommt der HV nicht heran. Da ist der Abstand der beiden zueinander auch noch etwas größer als in der Nase, das ist beim TRC am Gaumen nochmal eine andere, stärkere Liga! 

Abgang: fruchtiger Abgang! Gegrillte Ananas weist dem Hampden den Weg hinab. Spätestens jetzt verrät sich der C<>H allerdings auch als tropisch gereifter Rum, denn wie alle auf Jamaica gelagerten Hampden fehlt ihm dieses ewig anhaltende und nachhallende, was die lange kontinental gereiften Hampden haben. Das ist schade, aber der eben doch noch vergleichsweise kurzen Reifedauer von nur zehn Jahren geschuldet. Zum Schluss kommen noch ein paar trockene Tannine, aber dann ist er nach wenigen Minuten dann auch schon verschwunden. 

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Fazit: der C<>H ist wirklich extrem gelungen und genau das, worauf die Fans dieses Marks (wie ich) viele Jahre gewartet haben, seit Velier damit begann tropisch gereifte Hampdens auf den Markt zu bringen! Der Rum hat Kraft, Intensität, Flavour,... ist einfach lecker! ... und so müssen wir wirklich bis zum Abgang vorspulen, wenn wir bei diesem Rum irgendwie über Schwächen diskutieren möchten. Ja, mir fehlte zwar auch am Gaumen etwas an Komplexität, ich erwähnte es, allerdings fällt das nur im direkten Vergleich auf und ist auch Kritik auf unglaublich hohem Niveau. Daher fällt das für mich nicht so stark ins Gewicht wie die mangelhafte Kondition nach hinten heraus. Das wiederum geht einher damit, dass sich beim C<>H bei mir, wie schon beim HGML, das Gefühl einstellt, dass der Rum in puncto Reife ziemlich nah dran am Zenit ist. Man holt durch die Reifung auf Jamaica vieles was die Hampdens in Europa erst nach 20-25 Jahren im Fass bekommen schon innerhalb von zehn Jahren aus ihnen heraus, weswegen ich überzeugt bin, dass sie so sehr viel länger nicht im Fass liegen sollten, bevor sie schwächer (weil runder, holziger,...) werden und ihre Ecken und Kanten und damit ihr Profil verlieren. Sie müssten aber wiederum länger liegen, um im Abgang aufzuholen zu den kontinentalen Vertretern, denn um diese Abgänge so hinzubekommen benötigt man Zeit, die auch tropische Reifung nicht im Eiltempo hervorzaubern kann. Und das ist wohl der entscheidende Punkt, der Knackpunkt, weswegen ich bei Hampden die kontinentale Reifung favorisiere und für die zum Rum passendere halte. Deshalb liegt der The Rum Cask C<>H 1990 für mich noch immer auf Platz 1 aller Hampdens! Er hatte nach 26 Jahren in Europa alles was tropisch auch in zehn Jahren machbar ist, hat aber einen viiiiel krasseren Abgang, den man so eben erst nach 20 Jahren und mehr im Fass erreichen kann, egal wo man das Fass lagert. Nichts desto weniger ist der Habitation Velier C<>H ein mehr als hervorragender Vertreter seiner Gattung, der zurecht gerade auf der ganzen Welt gejagt wird! Und es lohnt sich, er schmeckt wirklich hervorragend und ich bin sicher, dass niemand den Kauf bereuen wird! Der Preis, um letztlich auch darüber noch zu sprechen, ist schon hoch, keine Frage, gerade auch im Vergleich zum deutlich günstigeren HGML letztes Jahr, aber letzten Endes ist das Mark C<>H eben auch extrem rar und so ist der Preis nicht zuletzt auch ein Resultat aus dem Gesetz des freien Marktes von Angebot und Nachfrage. Wenn man sich das vor Augen hält, dann kommt das alles schon hin.

-90/100-


Bis demnächst
Flo


Sonntag, 3. Mai 2020

Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997

Liebe Rum Gemeinde,

nach sehr viel Hampden und Caroni in letzter Zeit wird es für mich höchste Zeit, einmal wieder auf Monymusk zu blicken! Jene Destillerie auf Jamaica, die noch immer verhältnismäßig unter dem Radar fliegt, die aber gerade im letzten Jahr einige wirklich beachtliche Ausrufezeichen setzen konnte und nun mit einer Abfüllung für Giuseppe Begnoni mit dem nächsten High End Rum am Start ist!



Monymusk hat ganz unzweifelhaft (wenn man einmal von den Scheer-Joint Bottlings absieht, die ich in ihrer Gesamtheit als seltenen Misserfolg Luca Garganos ansehen würde) mit den beiden Velier-EMB-Releases aus 2010 und 1995 im letzten Jahr einen gewaltigen Satz nach vorn hingelegt! Konnte man mit den Rums von dort bis dahin nur ein paar ganz wenige eingefleischte Fans wirklich abholen, so begeisterten und überraschten die tropisch gereiften Vertreter doch mehr oder weniger die gesamte Fachwelt.

Und das ist durchaus paradox! Denn während beispielsweise Hampden oder Long Pond Rums seit jeher in kontinental gereifter Form auf ganzer Linie überzeugten und schon seit mindestens zehn Jahren unter Connaisseuren die Anerkennung bekommen die sie verdienen, war das bei Monymusk anders. Es gab die alten Bristols aus den 1970s, die aber schon sehr subtil waren, und in den letzten Jahren auch kaum noch zu bekommen, aber ansonsten war da nicht viel. Doch mehr noch: ich sehe bei Hampden oder Long Pond die kontinentale Reife geschmacklich noch immer deutlich in Front gegenüber der tropischen Reifung, aller bisher veröffentlichter tropisch gereifter Bottlings in den letzten Jahren zum Trotz. Insofern überzeugte mich die tropische Reife bis dahin zwar ganz klar bei Guyana und bei Caroni, nicht aber bei Jamaica Rum! Die Monymusk EMB verkehrten diese Wahrnehmung erstmals und ich sehe hier die tropisch greiften Kandidaten ganz klar den kontinentalen überlegen. Daher freute ich mich auch direkt, als ich vor einigen Wochen erfuhr, dass noch ein weiterer alter Monymusk im Jahr 2019 abgefüllt wurde, auch wenn er erst jetzt in 2020 auch in den Onlineshops erschienen ist. Es handelt sich dabei um eine Sonderabfüllung für Giuseppe Begnoni, einen Partner Luca Garganos, der 2016 auch bereits das Glück hatte, eine eigene Caroni-Abfüllung zu bekommen. Der Begnoni Monymusk 1997, der mit EMB wieder das Mark der alten Bog Estate trägt, ist auf 442 Flaschen limitiert und besteht, wie der Khong 1995, aus nur zwei Fässern. Der Alkoholgehalt fällt mir stolzen 67,9% sehr ähnlich hoch aus und anders als beim Khong erfahren wir hier den genauen Estergehalt: 427,2 gr/hlpa! Das ist durchaus eine Ansage, vor allem im Vergleich zum Estergehalt des Habitation Velier EMB 2010 damals (275,5 gr/hlpa) und daran gemessen, wie hoch der Estergehalt beim Mark EMB laut National Rums of Jamaica eigentlich sein soll, nämlich maximal 250 gr/hlpa! Insofern haben wir hier schon richtig Ester-Power am Start heute und ich bin natürlich gespannt, inwieweit sich das im Rum selbst dann auch bemerkbar macht. 

Erwähnt habe ich sie eben beide schon aber, so wie ich den 1995er aus der Khong Serie schon gegen den EMB aus 2010 gestellt habe, so stelle ich natürlich auch heute den 1997er für Begnoni wieder neben diesen Rum, aber natürlich auch neben den Khong, so dass er sich gegen die beiden für mich bisher mit Abstand besten EMB gleichermaßen behaupten muss! Bühne frei!


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Verkostung des Velier Jamaica Rum EMB 22 YO Monymusk 1997:

Preis: ich habe den Rum in diversen Onlineshops für zwischen 305,- und 350,- Euro gesehen. Gegenüber der Khong Abfüllung letztes Jahr (Ausgabepreis waren ca. 200,- Euro) also eine deutliche Steigerung! Vielleicht ist der Rum auch deshalb aktuell noch gut zu beziehen.

Alter: von 1997 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 22 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten bei Monymusk auf Jamaica, der Rum reifte also komplett unter tropischer Sonne. 

Fassnummern: unbekannt. Es handelt sich allerdings laut Label um einen Blend aus zwei Fässern, die insgesamt auch nur 442 Flaschen ergaben.

Angel's Share: >82% des ursprünglichen Volumens gingen über die Jahre an die Engel.

Alkoholstärke: stolze 67,9% vol. bringt der Begnoni 1997 "auf die Waage" - Full Proof!

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: gold-braun, fast ins rötliche und an Rosskastanie erinnernd. 

Viskosität: parallele, regelmäßige und eher enge Schlieren laufen von der Glaswand zügig ins Glas zurück. 

Nase: zunächst sehr alkoholisch, was bei diesem hohen Alkoholgehalt und noch dazu im Ballonglas nicht anders zu erwarten war, lasse ich den Rum erst einmal über eine Stunde atmen. Diese tut ihm merklich gut, denn im Anschluss daran finde ich in der Nase ein Bouquet vor, was es definitiv wert ist, dass man sich eingehend mit ihm auseinander setzt. Mich begrüßen direkt zu Beginn schon starke Ester und andere Congeners, die allerdings trotz der geweckten Assoziationen zu Klebstoffen und Lösungsmitteln in eine ganz andere, eigene Richtung gehen als beispielsweise Jamaicaner aus Hampden oder Long Pond. Die Verwandtschaft zum 1995er ist offenkundig und auch den 2010er kann er kaum leugnen, wenn gleich das hier freilich ein anderer Reifegrad ist. Der Rum hat einiges an Tanninen abbekommen. Ich habe Röstaromen, karamellisierten Zucker, leicht verkohltes Holz und hinten heraus auch Gewürze, wie z.B. Anis. Es gesellen sich dann aber auch Trockenfrüchte, Mango und Papaya dazu, die hier zur sehr gereiften Komponente des Rums auch einen fruchtigen Part mit einbringen, was im Zusammenspiel sehr gut funktioniert. In der Nase mutet der Rum all in all tatsächlich wie ein Verbindungsstück zwischen dem sehr extremen 1995 und dem im Vergleich geradezu jugendlich anmutenden 2010er EMB, wobei die Tendenz, seinem Alter entsprechend, natürlich zum 1995er geht. 

Gaumen: zunächst einmal möchte der Alkohol gebändigt werden, was durchaus schon einer kleinen Anstrengung bedarf. Da steht er dem 1995er in nichts nach und die fast 68% vol. erbringen ihren Anwesenheits-Nachweis. Dementsprechend empfehle ich, sich dem Rum erstmal eher mit kleineren Schlücken zu nähern. Hat sich das anfängliche Brennen am Gaumen gelegt, und ja, der zwirbelt trotz der nicht geringen Reife schon ganz schön, gibt er eine feine Süße, sehr viele Tannine, Röstaromen, Anis, Bananenchips und -kompott frei, sowie wieder diesen medizinischen Touch, den ich auch schon beim 1995er gefunden hatte. Insgesamt zeigt er sich in seiner Gesamt-Anmutung dem großen Bruder schon sehr ähnlich, wenn gleich dieser nochmal ein ganzes Stück mehr Reife aufweist. Den 1997er empfinde ich hier schon als etwas ausgeglichener/ausgewogener/stimmiger, obwohl auch er wirklich arg gereift daher kommt. Gingen meine Assoziationen beim 1995er noch eher zu Long Pond, bin ich hier eher bei Worthy Park. Da sind schon einige Parallelen. Wenn Worthy Parks mit vergleichbarer Reife irgendwann ähnlich schmecken, dann sollte man sie lieber noch etwas in den Fässern lassen statt sie aktuell massenhaft auf den Markt zu werfen, denn in dieser Form kämen sie doch sehr viel spektakulärer als derzeit. Doch ich schweife ab.

Abgang: wieder habe ich die Assoziationen zu Worthy Park, allerdings auch zu alten Demerara Rums. Ich finde viel Anis, dazu verbranntes Gummi und einen medizinischen Bitter-Ton! Mittel- bis langanhaltend! 

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Fazit: obwohl mir der Rum fast genauso gut gefällt wie der 1995er, bin ich nicht mehr ganz so begeistert, wohl auch, weil ich nicht mehr in dieser Form überrascht bin wie ich es noch im Herbst letzten Jahres war. Aber wie jetzt? Sind diese alten Monymusk etwa nur ein One Trick Pony? Nein, soweit würde ich definitiv nicht gehen, immerhin sind sie meines Erachtens noch immer absolut perfekt für Momente, in denen es schon ein sehr gediegener Rum sein darf, in denen man sich aber gleichzeitig nicht unbedingt einen Rum wünscht, den man dann noch für die nächsten zwei Tage am Gaumen präsent hat, wie das bei Hampden oder Caroni schnell mal der Fall ist. Insofern sprechen wir hier ohne jeden Zweifel noch immer von Top Qualität auf höchstem Niveau! Allerdings sprechen wir inzwischen eben auch über Top Preise auf ebenfalls sehr gehobenem Niveau und da muss oder sollte man dann doch schon auch etwas genauer hinsehen, gerade mit Blick auf den EMB 2010, den man noch immer für ca. 100,- Euro bekommt und damit für gerade einmal ein Drittel (!) dessen, was man für den 1997 hinlegen muss (beim 1995er ist die Spanne nochmal größer, durch die Preise auf dem Secondary). Klar, der Habitation Velier rangiert schon nochmal ein ganzes Stück hinter den älteren Brüdern, zumindest aus meiner subjektiven Warte, aber eben auch nicht soo weit dahinter, als dass man nicht doch heimlich im Kopf zu rechnen beginnt. Und an der Stelle ist es dann eigentlich auch schon zu spät, denn wenn ich in dieser Preisrange einen Rum kaufen möchte, dann sollte ich tendenziell nicht überlegen müssen. Wer es dennoch tut, bzw. hier zuschlägt macht nichts desto weniger aus meiner Sicht allerdings keinen Fehler, sondern erhält einen fantastischen Rum, an dem er viel Freude haben wird, nur eben zu einem als leicht zu hoch empfundenen Kurs. Das wiederum wäre ja aber bei vielen von uns ganz sicher nicht das erste mal... oder? ;-)

Ein ganz besonderer Dank geht abschließend nach Wilhelmshaven für das Sample vom EMB 1997, den ich ansonsten nicht hätte verkosten können!

-92/100-

Ich wünsche euch nun noch einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 20. Oktober 2019

Velier Jamaica Rum EMB 24 YO Monymusk 1995

Liebe Rum Gemeinde,

erst im Juli diesen Jahres hatte ich euch den neuen Habitation Velier 9 YO EMB Monymusk aus 2010 vorgestellt, der alles was wir bisher zu Monymusk gesehen haben so ein wenig auf den Kopf gestellt hat. Nun hat Velier mit einem EMB aus 1995 direkt einen Nachfolger hinterher geschoben, bei dem alleine schon die Eckdaten für große Augen sorgen - und der gleichzeitig auch den Startschuss zu einer zweiten Khong-Serie markiert: der Velier Jamaica Rum 24 YO Monymusk 1995!



24 Jahre tropische Reife... nein, schon das allein sehen wir nicht sehr häufig, insbesondere seit es von Velier keine alten Demeraras mehr gibt. Auch die allermeisten Caronis reiften nicht so lange. Einen so lange tropisch gereiften Rum aus Jamaica kenne ich, abgesehen von wenigen Appleton Rums, glaube ich sogar überhaupt gar nicht. Insofern ist dieser neue Monymusk von Velier also schon so etwas wie eine kleine Sensation, die durchaus aufhorchen lässt. Veröffentlicht wird diese im Rahmen einer zweiten sechsteiligen Warren Khong Serie, also einer Serie an Veröffentlichung, dessen Label-Gestaltung in der Hand des Künstlers Warren Khong liegt, die zugleich aber auch eine Hommage an die Villa Paradisetto in Genua ist, in der Velier von 1988 an bis in dieses Jahr Quartier bezogen hat. Im nächsten Jahr steht dann, nach 32 Jahren in der Via G. Byron 14, ein Umzug an. Das Kunstwerk Khongs auf dem Frontlabel stellt dabei jeweils dessen Interpretation des Bildes vom Backlabel dar. Ebenfalls schon bekannt ist eine weitere Abfüllung der Serie, ein Savanna Traditionell aus dem Jahr 1999.




















Schon beim 9 Jahre alten EMB von Habitation Velier fiel mir auf, wie enorm reif Monymusk auch in jungen Jahren schon sein kann, wenn sie in den Tropen reifen. Und ehrlicherweise muss ich gestehen: nach der Verkostung des EMB 2010 hätte ich nicht gedacht, dass man die Reifung auf insgesamt 24 Jahre ausdehnen könnte. Ich empfand diesen schon sehr nah dran am Zenit, nach dem, wenn er überschritten wurde, sich Reife dann ja eher negativ auswirken würde, und war daher, als ich von diesem neuen Bottling hörte, sowohl euphorisch als auch skeptisch. Heute verkoste ich den Rum hier auf BAT und so werden wir gemeinsam feststellen, welches Gefühl sich da am Ende durchgesetzt hat. Eines aber scheint jetzt schon sehr klar zu sein: Velier hat in puncto Monymusk ganz offensichtlich noch einiges auf dem Plan, denn auch für 2020 kündigen sich schon neue Bottlings aus dieser Destillerie an. Das findet wiederum meine ausdrückliche Zustimmung, denn ich finde, gerade der EMB 2010 hat gezeigt, dass bei Monymusk noch viel mehr geht als wir bisher gesehen haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Rum aus 2010 und dieser heute aus 1995 das gleiche Mark tragen. So lässt sich doch einigermaßen aussagekräftig abschätzen, wie sehr sich der Stoff mit einem deutlichen Plus an mehr Reifejahren im Laufe der Zeit verändert. Folglich werde ich beide jetzt gleich auch nebeneinander verkosten. Das Mark EMB, hier hatte ich das ausführlicher erläutert, steht für die ehemalige Brennerei Bog Estate. Ein Dank geht heute an einen lieben Connaisseur, mit dem ich den Rum zusammen verkostet habe und von dem ich dankenswerter Weise auch das Sample samt Altglas und -papier für's Foto bekam. Vielen Dank! :-)


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Verkostung des Velier Jamaica Rum 20 YO Monymusk 1995:

Preis: der Rum war teilweise für unter 200,- Euro in einigen Shops zu finden, lag meist aber bei genau 200,- bis 240,- Euro. Das ist, bei aller Perversion der Preisexplosionen in den letzten Jahren, für einen 24 Jahre tropisch gereiften Rum im Jahr 2019 durchaus als Schnäppchen zu begreifen. 

Alter: von 1995 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 24 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten auf Jamaica, direkt bei Monymusk, der Rum reifte also komplett tropisch. 

Fassnummern: unbekannt. 

Angel's Share: unbekannt. Ich vermute aber, anhand anderer Abfüllungen, die unter vergleichbaren Bedingungen reiften, dass er nicht unter 80% gelegen hat.  

Alkoholstärke: 67% vol. - Full Proof.

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni, der Rum wechselt schon beinahe ins rötliche. 

Viskosität: der Rum bildet weite, gleichmäßige Tränen an der Glaswand, die die enorme Reife des Rums geradezu visualisieren. 

Nase: hui, das ist mal Reife! Dass wir es hier und heute mit einem richtig lange und auch tropisch gereiften Rum zu tun haben, ist vom Start weg unübersehbar! So intensiv, mit solch einer Tiefe und Komplexität in der Nase... das sieht man selten. Ein Monster von einem Rum steht da vor mir! Ich habe mir den Monymusk EMB von 2010 einfach mal zum direkten Vergleich daneben gestellt und da fällt es dann direkt noch einmal noch mehr auf. Wahnsinn! Denn wir erinnern uns, schon der 9 Jahre alte Rum hatte eine extrem präsente Fassreife, aber das hier geht noch einmal meilenweit darüber hinaus, ohne, und das möchte ich von Beginn an klarstellen, dass auch nur entfernt der Eindruck entsteht, dass der Rum verholzt sein könnte. Ganz im Gegenteil, die intensive Reife steht ihm hervorragend! Ebenfalls auffällig ist, wie gut der Alkoholgehalt von 67% vol. in der Nase eingebunden ist. Klebstoffe und Lösungsmittel sind sehr präsent, der Rum hat gut Ester. Riecht man eine längere Zeit am Glas und wechselt dann aber unmittelbar zum 2010er EMB, dann riecht der erstmal nach gar nichts mehr. Puh! Ansonsten finde ich Anis und Tabak noch sehr ausgeprägt vor und eine leichte Zitrusnote schwingt mit. In dieses herrliche Potpourri weben sich dann in ausgezeichneter Manier die starken Tannine ein, die dem Rum ihren Stempel aufdrücken, ohne ihn dabei aber zu dominieren. Eine ausgezeichnete Nase! In dieser Disziplin hat der deutlich jüngere Bruder leider keine Chance! 

Gaumen: der Rum brennt am Gaumen zunächst einmal schon ganz gut. Hier verleugnet er seine 67% vol. ganz und gar nicht. Das geht schon ganz schön ab! Nach einer Weile legt sich das aber und der Rum beginnt, all sein Können zu zeigen. Der Rum macht, während man ihn sich auf der Zunge hin und her legt, eine klare Transformation durch.  Zum Einstieg nehme ich eine sehr präsente Zitrusnote wahr, dann aber habe ich vor allem Anis, ganz viel davon, reichlich Tannine vom Holz und eine leicht medizinische Assoziation. Er wird mit der Zeit natürlich auch immer trockener. Der Rum ist dabei zwar nicht unbedingt der komplexeste, am Gaumen, allerdings macht er das durch atemberaubende Intensität einfach locker wett. Hier liegt seine große Stärke! Und nicht zuletzt muss man festhalten: der Rum ist richtig, richtig lecker! Was auffällt ist, dass Assoziationen zu den bisherigen, europäisch gereiften Monymusk hier überhaupt nicht aufkommen, wie schon beim 2010er EMB, bei dem das auch schon so war. Grundverschiedene Rums! Stilistisch ist das alles viel, viel näher an Long Pond. Untereinander ist die Verwandtschaft der EMBs zueinander aber klar erkennbar. Der Stil ist grundsätzlich der gleiche, nur ist der 1995er eben sehr, sehr, sehr viel reifer. Davon profitiert er enorm!

Abgang: deutliches Anis, Tannine, angenehme Bitterkeit, frisch geschnittenes Geäst, würzig-trocken. Der Rum verweilt mittellang bis lang am Gaumen.

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Fazit: ganz, ganz großer Rum zu einem, zumindest wenn man den Ausgabepreis heranzieht, unfassbar guten Preis! Richtig stark! Der Rum toppt seinen kleinen Bruder, den EMB 2010 von Habitation Velier, spielend. Das hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet, hatte den 2010er gar schon am Zenit gewähnt, allerdings gibt es da einfach kein Vertun. Ich gehe hier klar mit dem älteren Bruder. Wer ihn zu einem guten Preis noch bekommen kann, sollte zuschlagen. Klasse, dass es Velier schafft solche Schätze immer und immer wieder auszugraben.
Doch so hervorragend das alles klingt: für die allerhöchste Kategorie reicht es für mich persönlich nicht ganz, dafür fehlt mir etwas die Komplexität und gleichzeitig etwas weniger alkoholische Schärfe am Gaumen. Ich könnte stundenlang an ihm riechen und ihn auch trinken, wenn ich nicht nur ein kleines Sample hätte, und mich von dieser intensiven Leckerheit wirklich berauschen lassen, aber da müsste für die letzten % einfach noch etwas mehr kommen. Ich denke, gemessen am eigenen Potenzial, wäre hier noch mehr möglich. Aber was ist das? Richtig! Meckern auf unglaublich hohem Niveau! Daher nicht beirren lassen: für mich einer der Rums des Jahres und der neuerliche Beweis, was Monymusk alles kann! Und am Ende ist genau das dann wahrscheinlich auch schon so ein kleines Foreshadowing für das, was uns in 2020 erwartet, das ein wahres Monymusk-Jahr werden könnte. Beim 2010er EMB hatte ich gesagt, dass er das klare Potenzial dazu besitzt, Monymusk aus dem Schatten der anderen Brennereien zu ziehen. Der 1995er allerdings hat das Potenzial, Monymusk nicht nur neben die anderen, sondern es gar auf die große Bühne zu stellen. Ich bin neugieriger denn je, wie der 1984er Monymusk schmeckt, der nächstes Jahr kommt. Es sind aufregende Zeiten in der Rum-Szene!

-93/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 1. September 2019

Rum Collins mit Habitation Velier Savanna HERR White

Liebe Rum Gemeinde,

der letzte der vier White Rums aus der aktuellen White High Ester Kollektion von Habitation Velier findet heute endlich seinen Weg auf BAT und in den Rum Collins: der Savanna HERR mit 62,5% vol.! 

So wie sich der Sommer seinem Ende entgegen neigt, so setzt auch diese kleine Serie an ungelagerten Rums zum Schlussspurt an. Und so wie der Sommer, so gibt auch der heutige Rum noch einmal richtig Vollgas! Seit Mai habe ich euch in jedem der Sommer-Monate einen Habitation Velier White vorgestellt und für August war ich euch dementsprechend noch einen Rum schuldig. ;-)
Anders als der <>H for Whisky Live Paris 2018, den ich als bisher letzten der High Esters hier vorgestellt hatte, ist der Savanna HERR weit weniger limitiert und so auch noch immer verfügbar. Wer sich heute am Ende meines Reviews also angefixt fühlt, der muss nicht in die Röhre gucken - ein leider viel zu selten werdender Luxus! Genau wie die anderen Whites stammt das Sample zu diesem Rum aus einer Flaschenteilung vom Freddy, der mir zum Zwecke besserer Bilder auch das Altglas überlassen hat. Wie immer gilt dir mein besonderer und herzlicher Dank!




















Der Savanna HERR ist ein Monster! Anders lässt sich das kaum beschreiben, was da passiert, wenn verschimmelte Erdbeeren, Kaugummi und Flüssigklebstoff aufeinander treffen.  Man kann das auch pur trinken, aber empfehlen würde ich das persönlich nicht. Dazu muss ich allerdings auch einwerfen, dass ich ganz grundsätzlich kein Freund des Purgenusses ungelagerter Spirituosen bin. Da fehlt mir einfach was und es ist mir auch zu unentspannt. Daher gehe ich ohne größere Umwege zum Drink über. 


Das Rezept:
  • 5 cl Habitation Velier Savanna HERR White
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • Mit Sodawasser auffüllen. 


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Rum Collins mit Habitation Velier Savanna HERR White:

Farblich... was soll ich sagen? ;-) Es ist ein ungelagerter, farbloser Rum, gemischt mit etwas Limette und Zucker. Da gibt es farblich nahezu keine Differenzen oder gar Überraschungen zu den bisherigen Collinses.

Dafür geht der HERR geschmacklich dann vollkommen steil und na klar in eine vollkommen andere Richtung als die bisherigen High Ester Vertreter der Reihe! Eine wahnsinns Kaugummi-Note, kombiniert mit gärenden Erdbeeren, drückt dem Drink vollkommen humorlos seinen Stempel auf. Bubblegum Collins wäre hier die treffende Bezeichnung! Das ist geil, aber auch schon fast pervers! Mir fallen da, außer zu anderen Savanna Grand Aromes, auch keine Vergleiche in der Welt des R(h)ums ein, die da auch nur in die Nähe dieses Profils kämen. Vollkommen unique! Wer glaubt, Rums aus Hampden oder Caroni seien Spalter der sollte sich unbedingt mal den HERR anschauen. Diesen Stil wird man lieben oder hassen! Im Drink funktioniert der HERR auch einfach wunderbar. Der Rhum hat Kraft, ohne dabei zu alkoholisch zu sein, er ist omnipräsent, aber er lässt es zu, dass man ihn unterstützt. Und so ergänzen Limette und Süße das Profil des Rhums ganz ausgezeichnet und machen den Collins so zum perfekten Begleiter für diesen heißen Spätsommer-Nachmittag. 

Fazit: der Savanna HERR nimmt, für mich, von allen vier ungelagerten High Ester Habitation Velier mit Abstand die Spitzenposition ein! Vor allem bei den beiden Hampden kam immer wieder das Gefühl auf, dass mir das in gelagerter Form und als Mai Tai noch besser gefiele, aber hier ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: als ich den 10 YO Savanna HERR vor einigen Jahren mal im Mai Tai versuchte musste ich feststellen, dass er seine Stärken aus dem Pur-Genuss nicht ausreichend mit in den Drink nehmen konnte. Anders der HERR White. Er bringt seine Stärken meines Erachtens erst im Collins so richtig hervor, weswegen ich hier definitiv Lust hätte, an weiteren Drinks herumzutüfteln.
Müssen wir über den Preis reden? Jein! Wie für seine drei Brüder, so gilt auch hier: meines Erachtens sind die Rums, dafür, dass sie ungelagert sind, zu teuer. Allerdings muss beim HERR berücksichtigt werden, dass der New Make wohl aus 2006 stammt und ein einmaliges Experiment seitens Savanna war. Dementsprechend ist HERR sehr rar und vor diesem Hintergrund ist der höhere Preis vielleicht nachzuvollziehen. Savanna selbst bietet ebenfalls ungelagerten HERR zu leicht günstigeren Konditionen und etwas geringerem Alkoholgehalt an, aber da ist der Preisunterschied letztlich marginal. Sollte man Savanna HERR White, als High Ester Geek, in seinem Leben mindestens einmal probiert haben? Auf jeden Fall! 

Bis demnächst,
Flo