Sonntag, 29. September 2019

Velier FP Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 - Kevon "Slippery" Moreno

Liebe Rum Gemeinde,

seit bereits einiger Zeit ist die zweite Serie der Velier Caroni Employees auf dem Markt und dementsprechend möchte ich euch meine Eindrücke dazu nicht vorenthalten. Beginnen werde ich, wie schon bei der ersten Serie, beim 1998er. Dieser ist dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Kevon "Slippery" Moreno gewidmet, dessen Portrait das Frontlabel ziert.



Im letzten Jahr hatte ich darüber noch nur spekuliert, inzwischen ist die Spekulation allerdings der Gewissheit gewichen: die Employee-Serie ist die letzte größere Velier Caroni-Serie überhaupt! Die regulären Releases erfahren mit dem "Tasting Gang" (38th Release) und dem "Last Caroni" (39th Release) gerade ihren Abschluss und werden danach auserzählt sein. Noch einmal 46 Fässer sind in diese beiden letzten großen Bottling geflossen, was den Stock nun auf deutlich unter 100 Fässer hat schrumpfen lassen. Denn in die Employee Serie, die aktuell zweite bereits mitgerechnet, sind bisher auch schon 20 Fässer gegangen, zehn waren es je Serie. Bedenkt man, dass, wenn ich richtig informiert bin, noch fünf Serien folgen werden und auch diese wohl jeweils ca. 10 Fässer ausmachen werden, komme ich auf am Ende insgesamt ca. 70 Fässer Employees und 46 Fässer 38th und 39th Release. Dazu kamen das Single Cask für Japan und ein verlorenes Fass 1994 auf dem Transport  aus der Karibik nach Europa. In einem Interview mit meinem Kollegen "Roger Caroni" berichtete Luca Gargano im letzten Jahr, dass Velier nur noch 142 Fässer Caroni Rum verfügte, bevor diese nach Europa in die Stahltanks kamen. Es bleiben somit nur noch ca.25 Fässer übrig, die vermutlich als Single Casks abgefüllt werden. Im Anschluss daran wiederum wird 100% tropisch gereifter Caroni dann ganz offiziell durch sein!




















Wie die erste Employee-Serie, so besteht auch die zweite aus Rums der beiden Jahrgänge 1996 und 1998, wobei ich heute mit dem 1998er beginnen werde. Dieses Bottling ist dem ehemaligen Caroni-Employee Kevon "Slippery" Moreno gewidmet, der, das erfahren wir auf dem Backlabel, insgesamt zehn Jahre bei Caroni gearbeitet hat. Leider erfahren wir ansonsten nichts weiter über ihn oder seinen Aufgabenbereich bei Caroni. Ob sein Portrait, auf einem Bürostuhl sitzend, auf einen Schreibtisch-Job hinweisen soll? Man weiß es nicht, aber ich wäre neugierig, es zu erfahren.
Was man im Gegensatz dazu aber weiß ist, dass diese Abfüllung aus 1.400 Flaschen besteht, für die insgesamt sechs Fässer 21 Jahre alter HTR 1998 des Trinidad Stocks miteinander vermählt wurden. Damit ist diese Abfüllung diejenige der Employees mit der bisher höchsten Auflage überhaupt. Der Alkoholgehalt liegt, wie schon bei seinem direkten Vorgänger, bei 69,5% vol. und der Angel's Share beträgt >85%. Das Sample  inklusive Leergut des Bottlings habe ich, genau wie im letzten Jahr, vom Kenneth aus Dänemark via Flaschenteilung erhalten. Mange Tak! :-) Dementsprechend werde ich jetzt zur Verkostung übergehen und dem Kevon zum Vergleich auch den Dennis "X" Gopaul aus dem letzten Jahr daneben stellen. Viel Spaß!




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Verkostung des Velier FP HTR 21 YO Caroni 1998 - Kevon "Slippery" Moreno:

Preis: zu Release lag bei die Flasche bei 380,- Euro. Und obwohl sie etwas länger verfügbar war, als das bei Velier Caroni Releases normalerweise der Fall ist, ist auch diese Abfüllung inzwischen nur noch in wenigen eher weniger bekannten Online- oder in Offline Shops zu bekommen, oder aber, zu leicht höheren Kursen, auf dem Secondary Market. 

Alter: von 1998 bis 2019 reifte der Rum 21 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Fässer des Rums reiften von 1998 bis 2019 komplett auf Trinidad.

Fassnummern: unbekannt. Insgesamt wurden aber sechs Fässer zu 1.400 Flaschen abgefüllt.

Angel's Share: >85%

Alkoholstärke: der Rum weist noch einen Alkoholgehalt von 69,5% vol. auf - Full Proof!

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles Bernstein, Mahagoni. 

Viskosität: der Rum bildet an der Glaswand dünne, regelmäßige und eng aneinander verlaufende Schlieren, die träge und fett am Glas herab laufen.

Nase: huh, im ersten Augenblick kommt der Kevon deutlich alkoholischer und stechender daher als der Dennis. Beide werden allerdings Zeit zum Atmen brauchen, das zeigte sich beim Dennis ja vor knapp einem Jahr schon, zumal wenn im Blender's Glass verkostet wird. Nach ca. einer Stunde im Glas werden beide Rums dann allmählich zugänglicher. Im Vergleich macht sich das eine Jahr länger in den Fässern beim 21 jährigen Kevon allerdings erstmal wenig bemerkbar. Allerdings bleibt es dabei, dass die alkoholische Schärfe beim 21er deutlich präsenter ist. Die 69,5% vol. glaube ich ihm sofort! Erst nach 1,5 Stunden ca. hat sich das alles so weit im Glas beruhigt, dass ich meine Nase auch tiefer hineinhalten und die Rums wirklich und in vollem Umfang erfassen kann. Der Jahrgang 1998 ist klar zu erkennen. Das ist hier schon sehr dieses extrem dreckige, aber wenig süße und dafür sehr fleischige Caroni, das ich von anderen Rums dieses Jahrgangs kenne. Das fleischige ist dabei etwas stärker ausgeprägt als beim Dennis, während man eine schöne Süße nur ganz peripher und nach hinten heraus riecht. Sehr subtil. Dann findet man auch schwarze Johannisbeere und Holzlack. Ansonsten dominieren natürlich auch schöne Tannine vom Fass, die hier sehr zur Geltung kommen, aber immer ballanciert erscheinen. Der Rum, das ist wichtig, nein, sogar entscheidend, braucht unfassbar lange Zeit um zur Entfaltung zu kommen! Ich kann daher nur an euch alle appellieren, ihm diese einzuräumen. 

Gaumen: im ersten Schluck, inzwischen steht das Glas hier sicherlich schon zwei bis zweieinhalb Stunden, erscheint mir der Kevon direkt lecker, komplex und reichhaltig. Und vor allem: wie auch der Dennis punktet der Kevon mit einer tollen natürlichen Süße, die hier wirklich auch sehr ausgeprägt ist und lange anhält. Das ist insofern für mich immer wieder überraschend, da in der Nase so ungleich weniger davon rüber kommt. Kurios. Die alkoholische Schärfe dagegen hält sich für einen Rum mit diesem Alkoholgehalt wirklich in Grenzen, ist aber natürlich präsent, wenn auch nicht unangenehm. Bedenkt man, wie sperrig sich die Nase sehr lange gibt, ist auch das durchaus nicht zwingend erwartbar. Mit der Zeit wird der Rum am Gaumen immer cremiger und auch leckerer. Wo der Dennis sehr ins Würzige abdriftet, bleibt bei Kevon auch noch Süße erhalten, so dass das bis zum Ende sehr komplett und komplex bleibt. Schöne Caroni Noten kommen heraus, die Tannine und das Fass sind hervorragend eingewebt. Leckerer Rum! 

Abgang: Anis, nun bricht es so richtig heraus, und andere Gewürze, sowie frisch geschnittenes Geäst geleiten den Rum nach unten. Langanhaltend. Nun ist keinerlei Süße mehr da und der Rum geht ins trockene und bittere. Klasse!

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Fazit: der 21 YO Kevon Moreno ist nicht nur besser als sein Ruf, im Allgemeinen kam er ja nicht besonders gut weg, wenn man sich mal umgehört hat, sondern er ist auch grundsätzlich ein richtig guter Rum! Für mich ist er mindestens so gut wie der Dennis "X" Gopaul, wenn nicht sogar einen kleinen Ticken besser! Die haben auf jeden Fall beide viel für sich. Das Bashing, das dieser Rum teilweise erfahren hat, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und tut dem Kevon in hohem Maße Unrecht! Ich gebe ja zu, als ich ihn in Berlin zum Rumfest erstmals probiert habe, war ich auch eher weniger begeistert, aber die Eindrücke auf so einer Messe sind ja auch nur bedingt brauchbar und wenn dieser Rum eines braucht, dann Zeit - ein kostbares gut, welches auf solchen Events leider nicht in diesem Maße für einzelne Spirituosen zur Verfügung steht. Daher noch einmal: gebt diesem Rum bitte Zeit! Er belohnt euch dafür!
Unabhängig von Zeit und Geschmack steht aber natürlich auch noch der Preis. Und da mag ich mich wiederholen, aber insbesondere für einen Caroni aus 1998 bin ich leider nicht bereit, diese Summen auf den Tisch zu legen. Nicht, weil sie schlecht sind, die auch heute wieder vergebenen Punkte sprechen für sich, aber weil ich jeden Euro nur einmal ausgeben kann und das noch bessere immer der Feind des guten und auch des sehr guten ist. Heißt im Klartext: bevor ich mir einen HTR aus 1998 für 380,- Euro kaufe, würde ich mir immer eher einen HTR aus z.B. 1996 für vergleichbares Geld kaufen. Sorry, Kevon! :-(  Nichts desto trotz habe ich diesen Rum wahnsinnig gern probiert und freue mich, noch einen Rest im Samplefläschchen für später irgendwann zu haben.

-93/100-

Nächste Woche geht es dann an dieser Stelle mit dem Employee aus 1996 weiter, der David "Sarge" Charran gewidmet ist.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 22. September 2019

Le Gurk

Liebe Rum Gemeinde,

nein, nix mit Rum heute! Ich widme mich stattdessen einem Fläschchen wunderbarsten Apfelsafts, den mir ein ganz lieber Mensch vor einiger Zeit gegeben hat, und erinnere mich dabei an den Neo-Klassiker "Le Gurk" von Axel Klubescheidt. Ich habe lange auf eine Gelegenheit gewartet die Flasche zu öffnen und etwas tolles daraus zu machen und auf den Le Gurk hatte ich mal wieder richtig Bock. Für alle, die den Drink noch nicht kennen, aber auch für jene, die ihn, wie ich, vielleicht länger nicht mehr im Glas hatten, gibt's den jetzt hier auf BAT!



Den Le Gurk, andere Cocktailians werden sich ebenfalls erinnern, nahm ich erstmals 2011 durch ein Youtube Video seines Schöpfers Axel Klubescheidt wahr. Damals stand ich selbst noch ganz am Anfang mit meinem Können und meinem Wissen rund um die Bar. Zu jener Zeit waren klassische Drinks wieder sehr angesagt. Gin war nicht selten die Basisspirituose Nummer 1 und sollte in den nächsten Jahren noch eine wahre Flut an Neuerscheinungen erleben. Der Hollunderblütenlikör St. Germain, damals noch relativ neu auf dem Markt, war der letzte Schrei und die Bezeichnung "Bartender's Ketchup in diesem Zusammenhang aller Orten zu hören. Der Cuisine-Style erlebte parallel dazu seinen Durchbruch, nicht zuletzt auch durch den Gin Basil Smash des Hamburger Bar-Universal-Genies Jörg Meyer. In diese Zeit passte der "Le Gurk" wie die Faust auf's Auge, kombinierte er doch all jene Elemente, die ein Drink damals brauchte um richtig steil zu gehen. Ich habe die Rezeptur für mich leicht angepasst, so dass diese wie folgt aussieht:


Le Gurk (Axel Klubescheidt):

  • ca. 1/8 Salatgurke (muddlen im Shaker)
  • 2 cl Zitronensaft (frisch gepresst)
  • 2 cl St. Germain Elderflower Liqueur
  • 0,8 cl Zuckersirup
  • 4 cl Apfelsaft (hand made)
  • 4 cl Tanqueray Gin 

Auf Eis schütteln und in ein Longdrink Glas doppelt abseihen. 


Wir sehen hier also sowohl die klassische Rezeptur eines Sours, als auch die Verwendung von Gin, Äpfeln und Gurken, sowie als Kirsche auf der Torte auch noch den Einsatz von Hollunderblüte. Er war darüber hinaus auch noch total simpel und doch etwas komplett neues. Und damit war die Cocktail-Bingo-Karte am Anfang des Jahrzehnts dann auch schon voll. ;-)







Im Glas zeigt sich der Drink, ähnlich wie der eben bereits erwähnte Gin Basil Smash, wunderbar natürlich grün, wenn auch deutlich dezenter als das bei seinem noch bekannteren Verwandten der Fall ist. 

Geschmacklich ist das allerdings mindestens auf vergleichbarem Niveau, wie ich finde. Frisch, fruchtig, leicht herb, süffig und mit einer exzellent funktionierenden Basisspirituose ausgestattet ist der Drink perfekt ausballanciert und der ideale Begleiter von März bis Oktober. Ich bin kein bedingungsloser Ginthusiast, die Palette an Drinks wo mich der Wacholderbrand persönlich so richtig abholt ist stark limitiert, aber hier und in Kombination mit St. Germain, Zitrone, Apfel und Gurke funktioniert das für mich famos! Wer dem ganzen dann noch die Krone aufsetzen möchte, der wählt statt Tanqueray (habe ich als einzigen Gin immer im Haus, alles andere wechselt) noch Hendrick's Gin, der prädestiniert ist für Drinks mit Gurke und bei der Erfindung des Le Gurk meines Wissens nach auch zum Einsatz kam.


Fazit:

Für mich seit damals einer der besten und zugleich einfachsten Drinks mit Gin überhaupt, der es einem wirklich extrem schwer bis fast unmöglich macht ihn nicht zu mögen. Im Grunde geht das eigentlich nur in Zusammenhang mit einer ausgeprägten Aversion gegen Gurke. Für alle anderen ist der Drink meines Erachtens eine sichere Bank! Wer ihn noch nicht kennt: unbedingt ausprobieren! Und wer ihn kennt, der hat jetzt wahrscheinlich ohnehin schon zum Shaker gegriffen! ;-)

Mein größter Dank geht abschließend nochmals an den lieben Menschen, von dem ich den wunderbaren Apfelsaft aus eigener Herstellung habe. Er schmeckt überragend gut, hat den Drink auf ein nochmals höheres Level gehoben als wenn ich naturtrüben Apfelsaft aus dem Supermarkt nehmen würde, und ich bin mir ganz sicher, auch du wärst überaus begeistert vom Le Gurk und sehr glücklich zu sehen, was man aus deinem mit viel Liebe gemachten Apfelsaft so zaubern kann. Ich denk' mit jedem Schluck und auch sonst viel an dich.

In diesem Sinne, bis demnächst!
Flo


PS: nächstes Mal gibt's natürlich wieder Rum! Versprochen! :-) 

Sonntag, 15. September 2019

Bristol Classic Trinidad Rum 20 YO Caroni 1995

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich mich einem doch eher seltenen Vergnügen hier auf BAT widmen, nämlich einem Caroni, der nicht aus dem Hause Velier stammt. Das kam hier bisher wahrlich nicht oft vor. Er wurde von Bristol Spirits Ltd. abgefüllt und ist einer von nur ganz wenigen, wenn nicht gar der einzige Caroni aus dem Jahrgang 1995! Grund genug also, mir den Rum einmal genauer anzusehen!



Der Bristol Classic Trinidad Rum 20 YO Caroni 1995 ist ein Caroni, den ich mir tatsächlich schon seit längerem mal zu Gemüte führen wollte, denn es ist in den letzten Jahren durchaus so etwas wie ein kleiner Kult um ihn entstanden. Aus einigen Eintragungen in Foren um das Jahr 2015 herum ist noch zu erfahren, dass der Rum damals, bevor der große Hype einsetzte, durchaus noch gemischte Gefühle erzeugte. Einige haben ihn blind wohl gar nicht als Caroni erkannt, andere fanden ihn herausragend gut. Und na klar: es ist das einzige wirklich bekannte Bottling dieses Jahrgangs. Der Rum war dementsprechend schnell vergriffen und parallel dazu stiegen die Preise für diese Abfüllung in Höhen, die für Non-Velier Caronis doch eher ungewöhnlich sind. Das alles zusammen genommen sorgte dafür, dass er einem großen Teil der Connaisseure die später dazu kamen oft gar nicht bekannt ist, zumindest nicht inhaltlich. Das ging auch mir lange so, bis ich schließlich von einem sehr netten Caroni Geek ein Sample zur Verkostung erhielt, so dass ich heute dieses Review machen kann. Ein herzliches Dankeschön geht daher straight gen Oberstaufen! ;-)



Verkostung des Bristol Classic Trinidad Rum 20 YO Caroni 1995:

Preis: der ursprüngliche Ausgabepreis lag wohl bei ca. 90,- Euro. Heute allerdings kostet der Rum ca. 400,- bis 500,- Euro und mitunter sogar mehr. 

Alter: der Rum lag von 1995 bis 2015 im Fass und ist damit stolze 20 Jahre alt.

Lagerung: wie Velier, so hat auch Bristol Spirits Ltd. vor einigen Jahren Teile des Trinidad Stocks von Caroni erworben. Diese lagen also bis 2008 ca. auf Trinidad. Für die heutige Abfüllung bedeutet das eine Teilreifung in den Tropen, bzw., dass das Fass 13 Jahre auf Trinidad und 7 Jahre in England reifte.

Fassnummer: unbekannt. Es handelt sich dabei aber um ein Single Cask.

Angel's Share: keine Angaben.

Alkoholstärke: 63,1% vol. - Cask Strength!

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: Mahagoni. Rein farblich ist die lange tropische Reife durchaus sichtbar.  

Viskosität: der Rum bildet eng aber unregelmäßig verlaufende Schlieren an der Glaswand. Diese fließen recht zügig wieder zurück.

Nase: sehr ausgewogen und ballanciert erscheint der Bristol in der Nase zunächst. Alkoholische Schärfe ist zwar leicht da, aber dezent und für seine Stärke angemessen. Als Caroni ist er zwar klar zu erkennen, er hat viele Elemente der typischen Caroni-Nase, aber er kommt dabei irgendwie auch fleischig daher und mit einem Einschlag, den ich so eher von den Caroni aus Januar 1998 kenne. Das Mark HTR wird hier meines Erachtens schon sehr weit gedehnt. Oder mit anderen Worten: wäre er als Blended deklariert, würde ich das wohl nicht unbedingt bezweifeln. Nichts desto trotz hält der 1995 auch Teer, verbrannten Fahrradschlauch und Motoröl bereit. Die sonst ebenfalls typischen Lösungsmittel glänzen allerdings durch Abwesenheit. Mit zunehmendem Verweilen im Glas wird die fleischige Note stärker und die typischen Caroni Assoziationen werden weniger. Dazu gesellen sich noch frisch geschnittenes Geäst und etwas Zitrus. 

Gaumen: am Gaumen fällt mir zunächst einmal der äußerst gut eingebundene Alkoholgehalt auf. Der Rum ist wirklich mild und liegt angenehm und ohne jedes Stechen auf der Zunge. Alle Achtung, sowas sehe ich nicht alle Tage! Der erste Akt gehört dann eindeutig den Heavy Noten. Ich habe Teer und Fahrradschlauch, sowie eine feine natürliche Süße, dazu etwas flüssiges Karamell. Dann aber werden Assoziationen immer stärker, die ich eher mit spanischen Rums verbinde oder mit einer bestimmten barbadischen Destillerie. Da ist trockenes Holz, gemischt mit frischem Geäst, leicht bitter, mit einer Note, die ich leider nicht benennen kann. Erneut wundere ich mich, wenn ich auf dem Label des Rums das Mark HTR lese. Für mich ist das wirklich eher ein Blended. 

Abgang: das Holz-Gesmisch bildet dann im Grunde auch das Finish. Der Rum wird bitterer und trockener und hält eine ganze Weile an.

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Fazit: der Bristol Classic Trinidad Rum 20 YO Caroni 1995 lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite finde ich ihn irgendwie spannend, denn es ist der mehr oder weniger einzige Caroni aus 1995, was ungewöhnlich ist, und diese spanischen Einschläge nach hinten heraus kenne ich noch dazu so auch von keinem anderen Heavy Type Caroni. So richtig abgeholt hat mich der Rum auf der anderen Seite aber eben auch wiederum nicht. Ich mag Caroni glaube ich lieber noch konsequenter. Mir war das hier alles eine Spur zu rund, zu wenig in die Fresse, oder auch, ja, zu spanisch. Eigentlich ist er perfekt für einen Einsteiger. Fassstärke, aber nicht zu scharf, Heavy, aber nicht zu dreckig. Sicher also kein schlechter Rum und auf Grund der Einzigartigkeit in so vielerlei Hinsicht sollte den meines Erachtens auch jeder Caroni Liebhaber mal im Glas gehabt haben, aber eine ganze Flasche bräuchte ich nicht, erst recht nicht zu den inzwischen aufgerufenen Kursen. Diese machen ihn für Einsteiger unmöglich und der Rum ist so viel Geld, zumindest in meinen Augen, nicht wert - außer, man ist selbst Jahrgang 1995 und Caroni Liebhaber: dann führt natürlich kein Weg an ihm vorbei. ;-)

-84/100-

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 8. September 2019

Velier 1996 Single Cask Caroni 22 YO for Bar Lamp & Shinanoya

Liebe Rum Gemeinde,

gestern hatte ich sie in meinem Bericht vom German Rum Festival schon angekündigt und heute möchte ich euch dann auch meine Eindrücke dieses Rums hier in aller Ausführlichkeit schildern: die 1996er Velier Single Cask Caroni Abfüllung für Bar Lamp & Shinanoya in Japan! Mein Dank vorab geht dabei natürlich schon einmal an Dirk Becker, dafür, dass er das möglich gemacht hat! Und ja, ich weiß, nur ein Rum! 😉



Single Casks sind in Veliers Caroni-Linie inzwischen nichts ungewöhnliches mehr. Insgesamt zehn Abfüllungen des Jahrgangs 2000 und vier Abfüllungen aus 1996 waren bisher allein für diverse Shops oder Partner dieser Welt erschienen. Diese waren:

  • Velier (Italy)
  • La Maison Du Whisky (France)
  • Velier & LMDW Joint (Italy & France)
  • Juul's Vin & Spiritus (Denmark)
  • Paul Ullrich AG (Switzerland)
  • The Nectar (Belgium)
  • EATALY (Italy)
  • The Whisky Exchange (GB)
  • Lion's Whisky (Italy)
  • Whisky Antique (Italy)
  • Kirsch Whisky (Germany) 
  • Giuseppe Begnoni (Italy)
  • Old Whisky (Italy)
  • Stefano Cremaschi (Italy)
  • Bar Lamp & Shinanoya (Japan)

In diese Linie reiht sich also auch das neue Bottling for 15th Anniversary of Bar Lamp & Shinanoya in Japan ein, das vor wenigen Tagen im Land der aufgehenden Sonne erschienen ist und nach nur wenigen Minuten ausverkauft war. Zwar fand die Abfüllung bereits im letzten Jahr, also in 2018, statt, aber erschienen ist er jetzt erst ganz frisch. Es handelt sich dabei um das Fass #3812 aus dem Trinidad Stock Veliers, das heißt, der Rum reifte die gesamten 22 Jahre auf Trinidad. Wie die meisten Caroni von Velier, ist es ein Heavy Type Rum. Die Auflage ist, bedingt dadurch, dass es ein Single Cask ist, mit gerade einmal 210 Flaschen natürlich äußerst gering. Der Angel's Share ist mit >81% angegeben, was bei einem Fass der Menge von ca. vier Fässern entspricht. Das heißt, dass um dieses eine Fass Rum im Jahr 2018 herauszubekommen, im Jahr 1996 ca. fünf Fässer befüllt werden mussten. Das ist, nicht zuletzt wirtschaftlich gesehen, schon enorm! Der Alkoholgehalt beträgt bei diesem Bottling stolze 68,1% vol.





Die Single Casks von Velier, da erzähle ich vermutlich kaum einem Leser etwas neues, sind immer sehr rar und quasi mit Erscheinen sofort vergriffen. Mit Release in Japan kam nun noch einmal eine Komponente erschwerend hinzu, denn es brauchte Connections. Heißt im Klartext: vermutlich war es, trotz aller widrigen Umstände die ohnehin schon immer herrschen, noch nie schwieriger an eines der Single Casks heranzukommen wie bei dieser Abfüllung, mit Ausnahme vielleicht des Whisky Exchange Casks, das verlost wurde. Warum ich euch den Tropfen dennoch präsentieren kann? Das habe ich Dirk Becker zu verdanken, der eine dieser begehrten Flaschen auf dem German Rum Festival in Berlin bereits dabei hatte und auch geöffnet hat. Ich bekam einen Dram von ihm abgefüllt und konnte ihn dementsprechend zuhause in Ruhe verkosten und nun bekommt ihr von mir meine Eindrücke dazu. Nicht allerdings, ohne dir, Dirk, dafür noch einmal zu danken! Ganz, ganz coole Nummer! 

mit Dirk Becker (Picture by S.K.)


Verkostung des Velier 1996 Caroni 22 YO for Bar Lamp/ Shinanoya:

Preis: die Abfüllung war für umgerechnet 340,- Euro in Japan zu erstehen und innerhalb wenigenr Minuten ausverkauft. 

Alter: 22 Jahre, von 1996 bis 2018 nämlich, verbrachte der Rum im Fass.

Lagerung: 100% tropical aged. Der Rum reifte von 1996 bis 2018 komplett in Trinidad.

Fassnummer: es handelt sich um eine 210 Flaschen starke Single Cask Abfüllung mit der Nummer #3812  

Angel's Share: >81% gingen an glückliche Engel

Alkoholstärke: 68,1% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: unklar. Vermutlich Column Still.

Mark: HTR (Heavy Trinidad Rum).

Farbe: Mahagoni, dunkelbraun. 

Viskosität: relativ eng und regelmäßig, satt und träge verlaufen die Schlieren an der Glaswand.

Nase: äußerst voll, reichhaltig und sehr Caroni-typisch gibt sich die Nase vom Shinanoya Caroni bereits nach relativ kurzer Zeit im Glas. Oh ja, das ist richtig gut! Ab dem ersten Moment ist klar, dass in diesem Fass so ziemlich alles steckte, was wir so sehr an Caroni lieben, mit Ausnahme vielleicht dieser feinen, natürlichen Süße, die ich so nur von den Guyana Stock Caronis kenne. Nahezu ohne alkoholische Schärfe (trotz der fast 70% vol.!), dafür aber mit ganz viel Milde biegt der Caroni um die Ecke, ohne dabei aber in irgendeiner Weise langweilig zu sein oder seine Ecken und Kanten verloren zu haben. Das ist einfach nur richtig gut gereift! Dementsprechend finde ich hier, neben den obligatorischen Assoziationen zu Teer, verbranntem Gummi, reifen tropischen Früchten, Lampen-Öl oder Linoleum, auch viele Tannine vom Eichenfass, die von über zwei Dekaden in den Tropen zu berichten wissen. Ich fühle mich immer wieder an den Trespassers-Caroni 1996 erinnert, empfinde die Shinanoya Single Cask Abfüllung dabei allerdings als um einiges stimmiger. Großes Kino!

Gaumen: am Gaumen kommt der Rum zunächst einmal sehr kraftvoll daher! Die fast 70% vol. Alkoholgehalt machen sich hier etwas stärker bemerkbar als noch in der Nase und schlagen schon gut ein. Der braucht einen Moment, wobei Kraft hier bitte nicht mit unerwünschter alkoholischer Schärfe zu verwechseln ist. Danach kommt dann sehr viel typisches 1996er Caroni Flair rüber. Der Rum ist sehr, sehr adstringierend, immer wieder zieht es mir den Mundraum zusammen. Ich habe Teer, Holzlack, Linoleum, etwas Rauch und viele Tannine, altes und frisch geschnittenes Holz kommt stark durch, eine gewisse Bitterkeit ist vorhanden, aber nie im unangenehmen Sinne.  Nach hinten heraus habe ich dann Anis und Menthol, allerdings weniger stark als z.B. bei John D Eversley. Zum Ende hin wird der Rum dann cremiger. Die eingeschlagene Richtung ist schon ganz klar der Trespassers-Caroni, aber hier ist das alles eine Stufe hochklassiger. 

Abgang: reich an Tanninen, trocken, dann kommt eine Note, die ich leider nicht zuordnen, bzw. benennen kann. Lang anhaltendes Finish.

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Fazit: ein wirklich tolles Single Cask, das es auch tatsächlich wert war, als solches abgefüllt zu werden! Ich bin bekannter Maßen ein großer Fan des Caroni Jahrgangs 1996 und dieser hier ist da definitiv einer der besten Vertreter. Nicht ganz heran kommt er für mich an die Guyana Stock Abfüllungen von Caroni, diese, und insbesondere das Kirsch Bottling, sind für mich nochmal eine andere Liga, aber wir sprechen bei diesem Rum nichts desto weniger von den letzten 5% in der Spitze! Dicker Wermutstropfen: die allermeisten von uns, inklusive mir, müssen sich keine Gedanken über einen Kauf machen, denn er ist auf dem 1. Markt ohnehin schon vergriffen und auf dem 2. Markt, so bin ich mir sehr sicher, wird diese Abfüllung mein Budget und sicher auch das vieler anderer, ganz gewiss sprengen.

Umso glücklicher und dankbarer, ja, ich kann es kaum oft genug herausstellen, bin ich Dirk Becker dafür, dass er eine Flasche aufgemacht und auf dem Rum Festival zur Verkostung angeboten hat. Denn andernfalls würdet ihr diese Zeilen nun nicht lesen. Für dich war es "nur eine Flasche Rum", wie du sagtest, aber für mich und für mit Sicherheit auch alle anderen, die ebenfalls probieren konnten, war das alles andere als selbstverständlich. Du hast dir da aber eine gewisse Selbstverständlichkeit in dem Ganzen bewahrt, ungeachtet aller Preise, die da inzwischen aufgerufen werden, und das hat mich, ich hatte es gestern schon gesagt, wirklich beeindruckt, denn das können nicht mehr viele! Vielen, lieben Dank, dir!

-95/100-



Bis demnächst,
Flo

Samstag, 7. September 2019

German Rum Festival - Tag 2

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte vorgestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet, sowie gestern über den ersten Messe-Tag. Heute gibt es daher auch noch meine Impressionen vom Sonntag, dem zweiten und leider auch schon letzten Messe-Tag. 



Sonntag, der 1. September 2019:

Endlich Sonntag! Insgeheim hatte ich mich auf den zweiten Messe-Tag fast am meisten gefreut, denn heute Vormittag, im Vorfeld des Rum Festivals, fand unser privates Tasting im Kreise der Rum Wankers statt. Der Beginn war für 11.00 Uhr angesetzt und, wie sich herausstellte, keine Minute zu früh. Als wir so alle zusammen saßen, blickte ich zunächst doch auch noch in das eine oder andere müde Gesicht. Vor allem der Typ im Spiegel sah übel aus. 😂🙈

Unser Line Up komplett aufzuführen wäre glaube ich kaum noch möglich, aber ich lasse einfach mal die Bilder sprechen, bzw. erzähle ein bisschen was dazu:



Am meisten hatte ich mich natürlich darauf gefreut, die letzten Tropfen J. Wray & Nephew 17 YO durch die Runde zu reichen, die ich noch habe. Marius von SCR nahm einen winzigen Schluck und bestätigte, warum ich den ansonsten nur zum Sniffen reiche: der Geschmack gibt einfach nichts mehr her. An ihm zu riechen ist da wesentlich spannender und ergiebiger. Daher durfte er nach dem kurzen Ausflug ins Glas dann auch sofort wieder in die Flasche zurück, damit ich ihn beim nächsten Mal wieder mitbringen kann, wenn auch Leute dabei sind, die ihn noch nicht gerochen haben.



Der Vorfreude in nichts nach stand auch dieses Tasting von insgesamt sieben Fassproben der Caroni Ceremony im April, welches uns drei Rum Lovers aus Frankreich ermöglichten, indem sie ihre Samples mit verschiedenen Leuten von uns geteilt haben. Wir wiederum haben dann mit unserer Gruppe geteilt. Merci beaucoup à L., M. et N.! :-) Meine Favoriten waren die beiden Heavy Type 1996er aus dem Guyana Stock.



Die Caroni-Trilogie wollte ich tatsächlich auch schon lange mal probieren und hatte am Wochenende dann die Gelegenheit dazu! Vielen Dank!



Auch einige alte Bristols fanden auf den Tisch. Spannend fand ich den Jamaica 16 YO. Es ist Ewigkeiten her, dass ich den im Glas hatte. Nun, nach vielen Jahren, und nachdem auch zu Long Pond viele Marks bekannt sind, würde ich ihn blind vermutlich dem Mark TECA zuordnen.



Kirsch Caroni - Schnappschuss am Rande ;-)



Der reich gedeckte Gabentisch.



Ein Sample New Make aus der Vulcan Still (eine Art Hybrid aus Pot- und Column Still) von W.I.R.D. - der hat, laut einhelliger Meinung in der Runde, ganz viel Potenzial! Vielen Dank an den edlen Spender! :-)



Diese Miniatur eines Barbancourts aus den 1950er Jahren fand ich bei einem örtlichen Händler. Ein richtig guter Rum, wie ich finde, sehr viel besser als die heutigen Bottlings aus diesem Hause. Hier findet ihr mein Review dazu: click



St. Lucia, mon amour! Dass ich auf die wenigen Bottlings die es da gibt total stehe ist, glaube ich, bekannt. Der Jahrgang 1999 ragt für mich dabei heraus und der Blackadder ist daher auch, zusammen mit dem Cadenhead 9 YO, für mich so ziemlich das beste, was es von dort je zu probieren gab.



Ganz etwas außergewöhnliches! Ein auf Zuckerrohrsaft basierender Rum aus Israel mit 53% vol.. Nimrod Rosenblatt aus der israelischen Rum Gruppe stellt diesen selbst her und verwendet dafür Zuckerrohr, das er in seinem eigenen Garten anbaut. Ihn zu beschreiben fällt mir schwer, zumal wir einfach so vieles im Glas hatten an diesem Vormittag, aber er gefiel mir gut und das Label versprach nicht zu viel! Well done!



Ein alter Demerara Versailles 1988 von Moon Import. Der Rum war nicht so meines, aber ich wollte zumindest eine Abfüllung aus meinem Baujahr mit in den Rückblick aufnehmen. ;-)



Endlich kam ich dazu, ihn mal zu probieren: den Bristol Caroni 1995. Hat er mich geflasht? Nicht wirklich. Aber spannend ist er! Auf der einen Seite klar Heavy Type, aber auf der anderen Seite hat er, nach hinten raus, auch extrem spanische Züge. Das ist nicht schlecht, aber die aufgerufenen Summen für ihn verstehe ich nicht.



Ein Caroni Bottling aus aktiven Tagen der Destillerie. Aber um es ganz geradeaus zu sagen: ich bevorzuge sehr deutlich die späteren Abfüllungen. Immerhin: angenehmer zu trinken als der ungelagerte Stallion Puncheon von gestern. 😄



Ein alter Rhum aus Martinique aus den 1920er Jahren. Definitiv eine Empfehlung, sowas mal zu probieren wenn man kann!



Eine alte Flasche Captain Morgan Black Label nebst 1920er Martinique. Der Captain ist aber aus den 1980er Jahren und damit um viele Jahrzehnte jünger.


Nach diesem doch sehr gediegenen Tasting machten wir uns dann erneut auf zum Messegelände, wo ich es an diesem Tage dann aber etwas ruhiger angehen ließ und nicht mehr viel probierte. Zwei Ausnahmen machte ich dabei aber doch noch. Zum einen probierte ich im Dunstkreis des Kirsch Whisky Standes noch den neuen Hampden Great House Rum, allerdings in einer höherprozentigen Version. Das ist zwar vom Stil her Hampden Light (OWH), aber ey, das hat mir richtig gut gefallen! Ein Klasse unkomplizierter Hampden, den ich mir in der Form auf jeden Fall kaufen würde! Super Klasse! Leider habe ich es komplett versäumt, davon ein Bild zu machen. 🙈

Picture by S.K.
Und das Highlight des Messe-Tages, zumindest für mich war es das wohl auf jeden Fall, kam dann am Sonntag-Nachmittag noch von Organisator Dirk Becker selbst, als dieser nämlich eine Flasche des nagelneuen Velier Single Cask Caroni 1996 for Bar Lamp & Shinanoya in Japan öffnete und ausschenkte. Zwei Tage zuvor noch in Japan, und zur Messe dann bereits in Berlin. Ich habe selten, wenn überhaupt, je so schnell eine Menschentraube um eine Flasche Rum sich bilden sehen. Unglaublich. "Nur eine Flasche Rum", wie Dirk selbst mehrfach betonte, aber für so viele von uns, die Caroni hoffnungslos verfallen sind, eben doch mehr als das. Nichts desto weniger: die Einstellung dazu imponierte mir. Ich hab da noch lange drüber nachgedacht. Wenn man sich das noch komplett bewahren kann, in Zeiten dieses vollkommenen Preis-Wahnsinns, dann kann ich davor nur meinen Hut ziehen! Da ich an diesem Tage nicht mehr aufnahmefähig war, bekam ich meinen kleinen Schluck mit nach Hause, wo ich in Ruhe probieren konnte. Das habe ich getan und das Review dazu kommt dann morgen hier online! 😊👍 Vielen, vielen Dank, Dirk!

Glücklich gemachte Caroni-Lovers 😊😉:

Picture by S.K.
Picture by S.K.




















Das war es dann auch schon von mir zum German Rum Festival 2019 in Berlin! Ein geiles Fest war es, es war mir ein großes Vergnügen mal wieder Gast in Berlin gewesen sein zu dürfen und komme auch gern erneut wieder! Ein großes Dankeschön vor allem auch an meinen (und am heutigen Sonntag auch unserem) Gastgeber dieser Tage, bei dem ich unterkommen durfte. Vielen, vielen Dank! Ich würde mich freuen, mich dafür eines Tages hier bei uns im Norden revanchieren zu können. 😊

Bis morgen, zum Shinanoya Caroni Review!

Flo

Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo