Long Pond Distillery

Die Long Pond (zu dt.: langer/ weiter Teich) Destillerie ist eine sehr alte und traditionsreiche Rum Destillerie auf Jamaica. Sie gehört, neben Hampden, Appleton oder Monymusk, zu den bekanntesten Destillerien Jamaicas. 


Standort:

Long Pond, die Destillerie, ihr Estate (Anwesen) und die dazugehörige Zuckerrohrplantage, liegt im Nordwesten Jamaicas, im Parish (Landkreis) Trelawny, unweit des Hampden Estate mit seiner gleichnamigen Destillerie. Tatsächlich sind die Rum- und Zuckerproduktion, neben dem Tourismus und dem Fischfang, auch der bedeutendste Wirtschaftsfaktor des dünnbesiedelten Parish. Die Hauptstadt des Trelawnys ist Falmouth. 


Geschichte und allgemeine Informationen:

Die Geschichte Long Ponds reicht zurück bis ins Jahr 1753, als das Anwesen gegründet und die Zuckerproduktion nach dem Anbau von Zuckerrohr aufgenommen wurde. Zu dieser Zeit, im 18. Jahrhundert, gab es auf Jamaica noch sehr viele Destillerien und Plantagen. Die allermeisten davon verschwanden im Laufe der letzten 250 Jahre und gerieten vielfach in Vergessenheit, aber Long Pond schaffte es zu bestehen, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Gegenwärtig firmiert die Destillerie Long Pond unter dem Dach von National Rums of Jamaica (NRJ), das Long Pond Estate hingegen wurde 2009 von den Hussey Brüdern gekauft, die auch Hampden nach seiner Schließung 2002 im gleichen Jahr gekauft und neu eröffnet hatten. Rum wurde in Long Pond in den letzten Jahren leider nicht mehr produziert, aber Ende 2017 wurde bekannt, dass die Produktion auch hier wieder aufgenommen wurde. Mit Gewissheit kann gesagt werden, dass Long Pond in der Vergangenheit sowohl im Pot Still-, als auch im Column Still Verfahren Rum destilliert und entsprechende Brennblasen besessen hat. 
Long Pond produzierte seinen Rum traditionell für den Bulkhandel und für die Industrie, vor allem die Lebensmittel- und die Kosmetikindustrie. In der Vergangenheit sind u.a. große Mengen in Rummarken wie Captain Morgan und vergleichbarem gelandet. Unter eigenem Label hat man den Rum, anders als z.B. Wray & Nephew, meines Wissens nach niemals abgefüllt. Somit gibt es dementsprechend auch keine Originalabfüllungen (OA) aus Long Pond. Bei den unabhängigen Abfüllern (UA) findet man deren Rum dafür aber häufiger mal, wenn gleich diese Rums nur einen Bruchteil der gesamten Produktion ausmachen. Für den anspruchsvollen Connaisseur ist aber genau dieser Bruchteil jener, auf den es bei Long Pond ankommt. Nahezu alle großen und populären UA haben oder hatten Long Pond im Portfolio und insbesondere die Jahrgänge 1977, 1982, 1986 und 2000 waren häufiger zu finden. 


Bekannte Jahrgänge:

Hier eine Übersicht über alle mir bisher bekannten Jahrgänge, aus denen es sicher Rums aus Long Pond gibt oder gegeben hat:

  • 1941 
  • 1974
  • 1977
  • 1982
  • 1983
  • 1985
  • 1986
  • 1987
  • 1992
  • 1993
  • 1996
  • 2000
  • 2002
  • 2003
  • 2004

Stil / Estergehalt:

Stilistisch ist Rum aus Long Pond traditionell jamaicanisch im High Ester Bereich anzusiedeln, wobei die Ester-Range der Destillerie eine wahnsinnige Spannweite hat und sich ungleich differenzierter darstellt, als es die Klassifizierung der Jamaica Rums im Allgemeinen ist. Letztere ist den meisten Lesern vermutlich bekannt, soll hier aber noch einmal kurz aufgezeigt werden:


Allgemeine Klassifizierung:




Long Pond hingegen kategorisiert seine Stile, wie eben erwähnt, sehr viel differenzierter und stellt darüber hinaus sogar auch Stile mit einem Estergehalt unterhalb der allgemeinen Klassifizierung her. Die Destillerie-eigenen Marks von Long Pond sind: 


Long Pond Marks:




Mit insgesamt zwölf verschiedenen Marks bietet Long Pond die bislang breiteste und differenzierteste mir bekannte Ester Range aller jamaicanischer Destillerien. Long Pond produziert sowohl Rums mit sehr niedrigem Estergehalt, als auch Rums mit einem Estergehalt, genauso hoch wie der DOK von Hampden. Die internen Marks von Hampden sind vielen Connaisseuren inzwischen ein Begriff, zumindest die geläufigsten wie LROK oder HLCF, jene von Long Pond allerdings findet man weit seltener. 
Auffällig ist, dass es mit CRV, CQV und LRM nicht nur drei Marks gibt, die noch unter dem niedrigsten allgemeinen Jamaica Stil rangieren, sondern auch, dass  scheinbar kein Rum mit einem Estergehalt zwischen 700 und 1200 Estern (gr/laa) produziert wird und dabei eine enorme Spanne ausgelassen wird. Die Marks ITP/LSO und HJC/LIB decken sich in etwa mit dem allgemeinen Common Clean Stil, das Mark IRW/VRW hingegen deckt sich fast exakt mit dem definierten Estergehalt für einen Plummer. Der obere Bereich dieses Marks, sowie der untere Bereich des Marks HHHS/OCLP fallen in die Wedderburn-Kategorie. Die Marks LPS und STC^E liegen wieder außerhalb der allgemeinen Klassifizierung. TECA, TECB und TECC liegen im Bereich des Continental Flavoured Rum und scheinen nie für den Purgenuss produziert worden zu sein, worauf ich aber im Folgenden noch eingehen werde.  

Bisher waren nur einige wenige dieser Long Pond-internen Marks schon mal vereinzelt auf Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern zu sehen, weswegen sie im Allgemeinen nicht wirklich geläufig sein dürften. Das Mark CRV findet man beispielsweise auf alten Cadenhead Cask Strength Abfüllungen aus 1974 und 1987. Ich hatte sie jeweils bereits im Glas und kann bestätigen, dass sie an nichts erinnern, was man sich gemein hin unter einem Rum aus Long Pond vorstellt. Ester nahm ich bei beiden Jahrgängen nicht wahr. In eine ähnliche Richtung ging auch das Batch aus 1992, wenn gleich auf diesem leider niemals ein Mark angegeben war. Stilistisch ähnelten sich die Jahrgänge jeweils. 

Das Mark IRW kann man wiederum von einigen Cadenhead Abfüllungen früherer aus 1986 kennen. Ich hatte bei diesem Mark immer einen Estergehalt im Wedderburn Rahmen vermutet, tatsächlich könnte es laut Klassifizierung aber ein Plummer sein. Das Mark liegt zwischen beiden Stilen. Anders als bei den CRV-Rums sind die IRW auch klar als Long Pond zu erkennen und die Ester deutlich wahrnehmbar. Nun wurde der IRW von Cadenhead laut Label mit einer Column Still hergestellt. Für andere Long Pond Rums aus 1986 muss hingegen eine Pot Still angenommen werden. Diese haben meines Erachtens einen noch leicht höheren Estergehalt und mich würde das Mark HHHS/OCLP daher bei diesen Rums nicht verwundern. Leider gab es hier niemals Gewissheit. 

Das letzte mir bekannte Mark der Tabelle ist schließlich LPS. Dieses fand ich auf verschiedenen Abfüllungen aus 1993, die Rum Albrecht vor vielen Jahren abgefüllt hat. Hier war klar zu erkennen, dass es langsam in den absoluten High Ester Bereich geht. Einen Rum mit mehr Estern habe ich aus Long Pond bislang tatsächlich auch nicht im Glas gehabt, weswegen ich vermute, dass die höheren Kategorien bei Long Pond daher eher für die Industrie bestimmt gewesen zu sein scheinen. Vom Estergehalt her ist das Mark LPS vergleichbar mit dem Mark HLCF aus Hampden, allerdings gingen von Hampden auch Rums mit noch mehr Estern an Bulkhändler. Warum das bei Long Pond nicht der Fall war, darüber kann mit Gewissheit nichts gesagt werden. 


Rums aus Long Pond, die ich u.a. schon im Glas hatte:

- Alambic Classique Long Pond Imperial 15 YO (1992 - 2007), 45% vol.
- Alambic Classique Long Pond Imperial 18 YO (1992 - 2010), 45% vol.
- Berry's Own Selection Jamaican Rum 27 YO (1977 - 2004), 46% vol.
- Berry's Own Selection Jamaican Rum Long Pond 18 YO (1986 - 2004), 46% vol.
- Exceptional Casks 1982 Jamaican Rum 33 YO (1982 - 2015) - 57% vol. 
- Bristol Classic Jamaica Long Pond 16 YO (1986 - 2002), 46% vol.
- Bristol Classic Jamaica Vale Royal Wedderburn 8 YO (2002 - 2010), 43% vol. 
- Bristol Classic Jamaica Vale Royal Wedderburn 9 YO (2002 - 2011), 43% vol. 
- Cadenhead's CRV Long Pond 13 YO (1987 - 2001), 70,4% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 10 YO (Long Pond CRV 1987), 46% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 12 YO (Long Pond CRV 1987), 46% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 13 YO (Long Pond CRV 1987), 46% vol.
- Cadenhead Green Label Jamaica 25 YO (Long Pond CRV 1974), 46% vol.
- Compagnie des Indes Jamaica Rum Long Pond 12 YO (2003 - 2015), 44% vol.
- Duncan Taylor Jamaica Rum Long Pond Estate 13 YO (2000 - 2014), 54,6% vol.
- Mac Y's Jamaica Rum Vintage Split Single Cask 14 YO (1992 - 2006), 63% vol.
- Plantation Jamaica Single Cask 1986 Long Pond (1986 - 2011), 42% vol.
- Plantation Jamaica 8 YO (wax sealed), 45% vol.
- Rum Albrecht LPS Long Pond 18 YO (1993 - 2012), 53% vol.
- Rum Nation Jamaica Rum 15 YO (1986 - 2002), 45% vol.
- Rum Nation Jamaica Rum 15 YO (1986 - 2002), 45% vol. (Jade Robusto Blend)
- Rum Nation Jamaica Rum 30 YO (1977/1986 - 2017), 48,7% vol.
- Rum Nation Supreme Lord III Jamaica Rum 23 YO (1982 - 2005), 45% vol.
- Rum Nation Supreme Lord IV Jamaica Rum 21 YO (1986 - 2007), 45% vol.
- Rum Nation Supreme Lord V Jamaica Rum 25 YO (1985 - 2010), 43% vol.
- Rum Nation Supreme Lord VI Jamaica Rum 26 YO (1986 - 2012), 45% vol.
- Silver Seal Long Pond 21 YO (1986 - 2007), 50% vol. Version II
- The Rum Cask Jamaica Rum Long Pond 15 YO (2000 - 2016), 62% vol.
- The Whisky Agency & The Nectar Jamaica Rum 35 YO (1977 - 2012), 52,9% vol.


Meine Top 5 Rums aus Long Pond:

- The Whisky Agency & The Nectar Jamaica Rum 35 YO (1977 - 2012), 52,9% vol.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi,

was mir immer auffällt: Du schreibst beim Ester-Gehalt immer von gr/laa. Das ergibt aber nicht wirklich Sinn. Ein Liter Alkohol (rd. 800 gr) kann keine 1.600 gr Ester enhalten.
Also entweder sind es 'mg/laa' oder 'gr/hlaa' (habe da schon beides gelesen)

Flo hat gesagt…

Ich sehe was du meinst. Da ich aber kein Chemiker bin und an dieser Stelle komplett auf Fremdwissen vertrauen muss, halte ich mich derzeit an die Einheiten, die z.B. auf den Flaschen von Velier zu finden sind, die es eigentlich wissen müssten, wenn sie es drauf drucken.

Gibt es zu dem Thema gute Quellen?

Anonym hat gesagt…

gr meint nicht gramm sondern grains. Also zB 550gr/laa (Hampden HLCF) bedeutet laut Onlineberechnung 36 gramm Ester pro 789 gramm (1 liter) Alkohol. Klingt wenig, ist aber sehr viel...

Anonym hat gesagt…

Ich muss das wohl zurücknehmen. Hab mich etwas genauer informiert. GRAMM pro hektoliter reiner Alkohol (gr/hlaa oder gr/hlpa) ist realistisch. Der Aufdruck auf den Habitation Velier Hampdens und Port Mourants (gr/laa) ist falsch, der auf den Habitation Velier Forsyths (gr/hlpa) ist richtig.
Ein 600gr/hlpa hat dann immer noch drei mal so viele Ester wie Bourbon (der ja merkbar an der "Klebernote" zum Teil auch recht viele hat) und 12mal so viele wie Bier im Durchschnitt (pro Alkohol).

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