Sonntag, 11. Oktober 2020

Velier & Cadenhead Diamond SVW - Tropical vs. Continental Aging

Liebe Rum Gemeinde,

nach der Demerara-Legende KFM in der letzten Woche möchte ich heute mit euch einen Quervergleich anstellen auf den ich mich schon lange gefreut habe! Nachdem ein glücklicher Zufall die Möglichkeit dazu eröffnet hat, teste ich zwei Demerara Rums aus der Diamond Destillerie gegeneinander, die sich in ihren Randdaten nahezu gleichen, nur dass einer in den Tropen und einer in Europa gereift wurde!


Was liegt heute an? 

Klar, über die Unterschiede zwischen tropischer und kontinentaler Reifung ist in den vergangenen Monaten und Jahren schon viel gesagt worden und den allermeisten sind diese inzwischen auch, mindestens im Groben, bekannt. Nicht zuletzt durfte das auch bereits die breite Öffentlichkeit bestaunen, nachdem Velier und E&A Scheer im letzten Jahr in Co-Produktion das Monymusk-Set auf den Markt gebracht haben. Allerdings, und da setze ich an, griff dieser Vergleich in meinen Augen in Teilen zu kurz, denn meines Erachtens profitiert Rum einfach in ganz grundverschiedener und unterschiedlicher Art und Weise von bestimmter Art der Reifung. So sahen nicht wenige sogar die kontinental gereiften Monymusks vorne und auch bei Hampden vertrete ich ja z.B. auch selbst bekannter Maßen die These, dass ihnen kontinentale Lagerung unterm Strich besser zu Gesicht stehen.


Doch wie sieht das ganze beim Demerara Rum aus? Ihr ahnt es, heute möchte ich insbesondere der tropischen Reifung eine Bühne bieten, und eine ungleich größere und imposantere, als sie sie durch die Monymusk erfahren hat! Denn es geht mit dem Demerara Rum an nicht weniger als an das Herz des Erfolgs von Velier! Die Pre-2000 Rums aus Guyana waren und sind bis heute -neben Caroni- das stärkste Plädoyer, das je für tropische Reifung gehalten wurde! Genauer gesagt geht es zum Auftakt dazu in die Diamond Distillery, ihres Zeichens die letzte verbliebene Destillerie in Guyana. Von hier möchte ich zwei Rums mit sehr ähnlichen Eckdaten miteinander vergleichen. Es geht dabei zum einen um den Velier Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1996 mit 64,6% vol. und zum anderen um den Cadenhead Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1987 mit 63% vol.. Ihr seht, die Rums gleichen sich in Destillerie, Mark (Stil), Alter und Alkoholgehalt nahezu gänzlich. Die Unterschiede bestehen lediglich im Jahrgang und in der Art der Reifung [Unterschiede in der Destillation, Coffey Still vs. Pot Still, die man den Labeln entnehmen könnte, beruhen allerdings auf einem Labelfehler von Cadenheads. Auch dieser Rum stammt aus der Coffey Still]. Möglich wurde dieser Vergleich, das soll nicht unerwähnt bleiben, da ein guter Freund an eine Flasche des Cadenhead gekommen ist, der wohl zu den seltensten Cadenhead Demeraras überhaupt zählen dürfte. Wir konnten uns zumindest beide nicht daran erinnern, ihn zuvor je irgendwo gesehen zu haben. Er tauchte, bis er ihn in einem Shop gefunden hat, nicht einmal in meiner sehr umfangreichen Liste von Cadenhead Rums auf. Und wie es der Zufall so wollte, hat eben dieser Rum vergleichbare Randdaten zu einem der Demeraras von Velier, der in den Tropen reifte. Tja, und wenn der Zufall schon an die Tür klopft, dann sollte man eben auch aufmachen und insofern lest ihr nun gleich diesen Quervergleich!


Zu den Abfüllungen selbst kann noch gesagt werden, dass es sich bei dem Velier um eine Abfüllung fünf tropisch gereifter Fässer Diamond 1996 SVW handelt, die in Full Proof und mit einem Alkoholgehalt von 64,6% vol. im Februar 2011 abgefüllt wurde. Die genaue Flaschenanzahl ist mir hier leider nicht bekannt, ebenso wenig wie der Angel's Share, den Velier erst bei späteren Bottlings immer angegeben hat. Der Cadenhead dagegen ist eine Single Cask Abfüllung eines kontinental gereiften Diamond SVW aus dem Jahr 1987, die 2003 in Fassstärke (63% vol.) auf die Flasche gebracht wurde. Auch hier ist weder eine genaue Flaschenanzahl noch der Angel's Share bekannt. 

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Velier Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1996: 

Optisch und im Glas wird ein Unterschied beider Rums schon einmal offenkundig. Der Velier kommt in einem schönen, ansprechenden Mahagoni daher und reiht sich damit nahtlos ein in all die tropisch gereiften Vertreter aus dem Hause Velier, seinen es Demerara oder auch Caroni Rums.
In der Nase setzt sich dieser Eindruck dann auch mehr oder weniger unvermindert fort, denn es ist vor allem diese Form der Alterung, dieses intensive, dunkle, tanninige, dabei aber auch süße, fruchtige und reife, das tropische Reifung grundsätzlich ausstrahlt und dabei immer auch an andere Demeraras oder auch Caronis erinnert. Und doch bin ich durchaus erstaunt an dieser Stelle, denn für 15 Jahre im Fass ist dieser Rum wirklich schon außerordentlich reif. Der Alkohol ist wenig präsent, die 64,6% vol. sind sehr gut ins Destillat eingebunden. Böses Stechen und ähnliches habe ich fast gar nicht. Ich habe dafür Klebstoffe und scharfe Lösungsmittel im Bouquet, karamellisierten Rohrzucker, dazu eine richtig schöne Süße und eine ganz ausgeprägte Fruchtigkeit, etwa von Banane, Mango und Papaya. Dazu immer wieder Melasse und holzige Noten mit Kokos, etwas Vanille und Anis. Das ganze ist dabei wahnsinnig komplex. Immer wieder geht die Nase zum Glas und immer wieder finde ich neue Komponenten, die ich zuvor so nicht wahrgenommen hatte oder nun verändert wahrnehme. Ich könnte da noch Stunden weiter erzählen. Ein Kunstwerk. Die Nase ist für mich auf den Punkt und durchaus eine der besten, die ich kenne.
Am Gaumen habe ich zu Beginn dann eine schöne natürliche Süße, aber auch ein leichtes Stechen und Brennen des Alkohols, der erst einmal gebändigte werden möchte. Dennoch ist das ganze super eingebunden und der Rum sehr schön adstringierend. Die Mundschleimhäute ziehen sich regelrecht zusammen, der Diamond wirkt dann kurz sehr trocken, bevor er letztlich ins cremige übergeht und mit einer sensationellen Mundfülle daherkommt. Wahnsinn! Der Blick ist nun frei auf einen tollen und reich gefüllten Obstkorb, der kombiniert wird mit Kokosflocken, einer schönen, kräftigen aber nie überlagernden Holznote, viel Holzlack, wie ich ihn auch bei Caroni häufiger finde, frisch geschnittenem Geäst,  einem medizinischen Touch, leichtem Tabak, schöner Würze und einer guten Portion Nelke. Sehr, sehr geil und ein mehr als stimmiges Gesamtbild! 
Im Abgang habe ich dann noch frisch geschnittenes Geäst, wieder ordentlich Nelke und dann einen deutlichen medizinschen Touch, der ins bittere geht. Sehr lang anhaltend. 

-96/100-

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Cadenhead Demerara Rum 15 YO Diamond SVW 1987:

Der Cadenhead kommt im Vergleich zum Velier wesentlich heller daher. Keine Frage, die kontinentale Reifung wird optisch sehr deutlich. Kam der Velier noch im Mahagoni-Gewand daher, ist es beim Cadenhead eher kräftig goldenes Stroh. Leichte Bräune deutet der Rum maximal an, aber auch nur, wenn man es denn sehen möchte.
Drängten sich die Unterschiede optisch bereits auf, so werden sie in der Nase mehr als nur offensichtlich. Wir sprechen hier über nicht weniger als über einen Unterschied wie den zwischen Tag und Nacht! Die 63% vol. sind präsenter als es die 64,6% vol. beim Velier waren, allerdings würde ich auch hier von einer guten Einbindung sprechen. Ansonsten geht es von nun aber aber in eine komplett andere Richtung. Ich habe beim Cadenhead deutlich weniger Intensität, der ganze Rum kommt weniger warm daher und, trotz des identischen Alters, auch deutlich jünger als der Velier. Parallelen zu anderen Rums sehe ich per se erst einmal nicht, am ehesten vielleicht zu den Providence Estate Rums aus Trinidad von Cadenhead. Das ganze wirkt, wohlwollend formuliert, subtil, oder, böse gesagt, flach. Ich habe auch hier leichte Lösungsmittel-Noten, aber nicht so schön stimmig, wie das beim Velier der Fall war. Ansonsten finde ich etwas frisch geschnittenes Geäst, schöne Vanille, grasige Noten, leichten Pfeffer, etwas Anis und peripher nach hinten heraus auch etwas Holz. Süße und Fruchtigkeit aber, also das womit der Velier eben trumpfen konnte, gehen dem Cadenhead z.B. vollkommen ab. Da wird der Unterschiede im Reifeverfahren sehr deutlich. 
Am Gaumen setzen sich die Unterschiede beider Rums nahtlos fort. Hier bietet der Cadenhead gefühlt sogar noch weniger als in der Nase, kann überhaupt nicht glänzen. Positiv fällt allenfalls die Einbindung des Alkoholgehalts auf, die gelungen ist, aber ansonsten offeriert der Cadenhead dem Genießer keinerlei Gründe sich den Rum ins Glas zu schenken. An Assoziationen habe ich etwas Vanille, eine sogar ziemlich präsente Note vom Holz, das ganze kommt trocken daher und aber eben auch sehr eindimensional. Mit einem großen Schluck hat man auch schon alles gesehen.
Im Abgang sieht es ähnlich aus. Trocken mit ein wenig Holz, dazu leichter Pfeffer und das ist es dann auch schon gewesen. Schade.

-79/100-

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Gesamt-Fazit: 

Ich habe den Vergleich weiter oben schon einmal heran gezogen, aber er passt auch zum abschließenden Fazit oder gar als Kurzfassung dieses Vergleichs wie die Faust auf's Auge: zwei Rums wie Tag und Nacht! 
Mir gefällt das bisweilen schon fast aggressive Verfechten von tropischer Lagerung als die einzig wahre Art und Weise einen Rum reifen zu lassen bekannter Maßen ganz und gar nicht und ich werde nicht müde zu betonen, dass es großartige Rumstile gibt, denen die kontinentale Reifung sogar besser zu Gesicht steht. Allerdings komme ich nicht umhin festzustellen, dass es eben tatsächlich auch die Rums gibt die von tropischer Sonne so sehr profitieren wie kaum andere Rums und, dass eben jene Rums dabei gleichzeitig in qualitative Sphären vorstoßen, die von kaum anderen Rums erreicht werden. Das sind die Heavy Rums aus Caroni, hier werden wir seit Jahren hinreichend mit Beispielen und Gegenüberstellungen (tropisch vs. kontinental) versorgt, die eindeutiger nicht ausfallen könnten, und das sind einige Column Still Rums aus Guyana! Ihr wisst um meine Begeisterung für Skeldon 1978 oder Albion 1986 und in dieser Liga spielt auch der heute verkostete Diamond 1996 SVW! Dass dieser dabei noch sehr viel günstiger zu haben ist als die beiden erstgenannten macht ihn dabei nur noch attraktiver! Dagegen muss ich festhalten, dass der sich dazu parallel im Glas befindliche Cadenhead nicht das geringste bisschen Land sieht. Er ist dabei nicht im klassischen Sinne schlecht, im Gegenteil, denn die Qualität stimmt grundsätzlich. Nein, er ist nur einfach nicht gut. Es ist dabei allerdings auch schwierig, überhaupt kontinental gereifte Column Still Demeraras zu finden, da es fast nur jene aus der Single Wooden Pot Still Versailles' oder der Double Wooden Pot Still Port Mourants in die europäischen Warehouses schaffen, aber alles was ich da bisher im Glas hatte, wusste nicht im geringsten zu überzeugen und hatte nicht annähernd die herausragende Qualität der Veliers! Zu schade also, dass DDL selbst keinerlei Interesse daran hat mehr aus diesen, seinen, Qualitäten herauszuholen und sich zwischen Blends für die Massen und unnötigen Rohrkrepierern mit bunten Labeln verliert! Denn auch und gerade dieser stiefmütterliche Umgang mit dem eigenen State of the Art führte und führt weiterhin dazu, dass die Preise für die alten Velier Bottlings immer weiter anziehen. Nicht zuletzt deshalb aber kann ich nur jedem der da wirklich mal Höhenluft schnuppern möchte empfehlen, sich eben den Diamond 1996 SVW mal genauer anzusehen. Meine Meinung: wenn heute noch einen der High End Velier Demeraras kaufen, dann den! Denn er ist mit seinen ca. 800,- Euro zwar auch schon unmoralisch teuer und wahnsinnig im Preis geklettert in den letzten Jahren, aber er ist auch der einzige der richtig, richtig guten Vertretern dieser Gattung, der aktuell noch unter der magischen Marke von 1k liegt, während alle anderen der ganz wenigen vergleichbar guten oder noch besseren Velier Demeraras (z.B. Skeldon 1978, Diamond 1988, Albion 1986, Uitvlugt 1988, La Bonne Intention 1998) schon sehr, sehr weit über dieser Marke liegen, sogar teils deutlich jenseits der zwei- und der dreitausender Marke! 

Und so geht mein Dank heute natürlich in die Heide und nach Berlin, von wo ich meine Samples bekommen habe, die diese Erfahrung möglich machten. Vielen lieben Dank! Denn ja, die ursprüngliche Verkostung ist schon einige Monate her und fand damals noch mit einem Diamond 1996 Sample statt, bevor ich auf meinen eigenen Rat gehört und mir auf Grund meiner Erfahrung mit dem Diamond 1996 eine ganze Flasche davon gegönnt habe. Es muss ja nicht immer ein Urlaub sein... 


In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo



Sonntag, 4. Oktober 2020

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore/Versailles 1991

Liebe Rum Gemeinde!

auf den heutigen Tag und den Rum, den ich euch vorstellen möchte habe ich mich schon lange gefreut, schon seit Februar diesen Jahres um genau zu sein, als ich ihn bei einer Fassverkostung erstmals im Glas hatte. Die Rede ist von KFM Demerara Rum aus dem legendären 1991er Batch!


Das Jahr 2020, ich glaube das kann man schon jetzt mehr als festhalten, ist für Fans von High End Rum ein historisches Jahr, das im Rückblick einmal als eines gelten wird, in welchem wahnsinnig viele legendäre Rum Batches zurückgekehrt sind auf die große Bühne, nachdem man sie bereits für immer verschwunden geglaubt hatte: das von RA zurückgebrachte Demerara Mark REV aus 1994 ist so ein Beispiel, aber natürlich auch das 1989er PM-Batch aus Uitvlugt oder das 1986er Rockley Batch der West Indies Rum Distillery (WIRD) von Barbados, beide herausgebracht von Silver Seal, sind hier bisher zu nennen.




In diese starke Serie reiht sich der heutige Rum ein, denn auch das KFM-Demerara Batch aus 1991 wähnten viele seit bereits fast 15 Jahren als ausgestorben! Damals brachte Cadenhead nochmal einen solchen Rum im Alter von 16 Jahren in die Flasche (und Samaroli etwa zur selben Zeit eine Version davon mit 45% vol.), nachdem sie zuvor auch schon einen 12 YO abgefüllt hatten, aber danach kam eben nichts mehr. So musste man annehmen, dass die Stocks einfach sehr gering und dementsprechend die Reserven schnell erschöpft waren, allerdings hat die Main Rum Company uns nun hier ebenso eines Besseren belehrt, wie schon bei den oben genannten Beispielen und Fässer dieses Batches. In diesem Fall ging ein Fass KFM an Old Man Spirits, die es unter dem Label Flensburg Rum Company nun auf die Flasche gebracht haben. Doch wie genau kam es dazu? Nun, so einfach wie das in der Theorie klingt, war es tatsächlich nicht. Seinen Anfang nimmt diese Geschichte im Februar 2020, als ich mit Falk Redlich gemeinsam bei mir zuhause ein paar Main Samples für Old Man Spirits probierte um mögliche neue Abfüllungen herauszufinden. Dabei stach mir ein Sample natürlich besonders ins Auge, das so eigentlich erstmal ganz unscheinbar wirkte. Denn wie bei Main üblich stand da natürlich nicht einfach KFM drauf, sondern der Rum besaß das Mark "MEK". Da allerdings angegeben war, dass er aus Enmore kommt und eben aus dem Jahr 1991 sein soll, lag der Fall ziemlich klar: MEK stand für Main Enmore KFM. Das anschließende Tasting bestätigte meine Vermutung in Sekundenbruchteilen! Um also bestimmte Rums bei Main finden zu können, muss man sich also einerseits mit deren internen Marks, als auch mit den Original Marks der Rums und mit den auf dem Markt befindlichen Rum Batches extrem gut auskennen. Auch deshalb ist Independent Bottling eben nicht so einfach, wie sich das viele oft vorstellen.

KFM-Fass #65


Aber was genau hat es mit dem Mark "KFM" auf sich? 

Rum Fans die schon lange dabei sind und die die Zeit noch mitgemacht haben als man alte Batches noch problemlos Jahre später kaufen konnte, haben nun freilich eine ungefähre Vorstellung davon was sie erwartet. Doch ich könnte mir vorstellen, dass großen Teilen da draußen die erst in den letzten Jahren dazu gekommen sind überhaupt nicht klar ist, was das Mark KFM eigentlich bedeutet. Nun, zunächst einmal steht KFM ganz simpel und wie bei den Rum Marks so häufig, für die Initialen eines Mannes, im konkreten Fall ist das Kenneth Francis McKenzie (1749 – 1831). Jener K.F. McKenzie war laut Marco Freyer, dessen Demerara Artikel die wesentlichen Informationen dieses Abschnitts entnommen sind, ein früher Besitzer der Lusignan Plantage und das Mark steht dementsprechend und ihm zu Ehren für den alten Rum Stil von Lusignan. Mitte des 20. Jahrhunderts verschmolz Lusignan mit Enmore, das zu diesem Zeitpunkt wiederum Teil der Bookers Gruppe war, und dessen kulturelles Erbe, sprich, der Rum mit dem Mark KFM, fand also bei Enmore seine Fortsetzung. Dies geschah mittels der Single Wooden Pot Still von Versailles, die nach der Schließung Versailles' ebenfalls nach Enmore kam und die anscheinend in der Lage war und ist, diesen Stil nachzuahmen. Ein ursprünglicher Brennapparat aus Lusignan jedenfalls kam dazu nicht mehr zum Einsatz. Seit alle Demerara Stile nur noch zentral bei DDL produziert werden, wird das Mark KFM dementsprechend heute in Diamond gebrannt, denn auch die Versailles Single Wooden Pot Still hat es bis dorthin geschafft. Geschmacklich allerdings gibt es krasse Unterschiede zwischen dem Batch aus 1991 und dem aus beispielsweise 2002. So wurde mindestens letzteres Batch z.B. auch nicht mehr gefärbt.

Blick ins noch gefüllte KFM-Fass - Was für ein geiler Duft! 

Fassreste aus dem entleerten KFM-Cask


Bier-Feature:

Wie schon der FRC 2007 Jamaica Rum aus Hampden wird auch der KFM 1991 mit zwei Bieren ausgeliefert! Man hat das, wie ich fand sehr erfolgreiche, Experiment mit der Südtondern Brauerei fortgesetzt und deren "Kiek An" Brown Ale für kurze Zeit im KFM-Fass reifen lassen. Allerdings, so sagte man mir, war diese Zeit kürzer als beim Vorgänger-Bier, was man geschmacklich leider auch deutlich merkt. In der Nase kommt KFM zwar sehr deutlich raus vor jedem Schluck, aber geschmacklich hat es der Rum da leider nahezu gar nicht hinein geschafft. Hier gefällt mir das Kiek An in seiner Urfassung vermutlich sogar einen Ticken besser. Nichts desto weniger gefällt mir der experimentelle Gedanke an sich, weswegen ich persönlich mich sehr freuen würde, wenn dieses Experiment nicht das letzte in diese Richtung gewesen ist. Denn das hat durchaus Potenzial, wie ich finde.



Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich sowohl eine Probe als auch eine Flasche des KFMs, sowie die beiden gezeigten Biere unentgeltlich zu Verkostungs- und Fotozwecken erhalten habe. Auf den Inhalt meiner Review hatte diese Geste allerdings selbstverständlich keinen Einfluss. 



Verkostung des Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore/Versailles 1991:

Preis: der Ausgabepreis wird, inklusive der beiden Biere, bei stolzen 289,90 Euro liegen. Das ist schon nicht wenig, gar keine Frage, allerdings sprechen wir hier eben auch über eine absolute Legende aus Guyana, die nächstes Jahr die Marke von 30 Jahren knackt. Der Vertrieb durch Kirsch erfolgt ab dem 8. Oktober 2020. 

Alter: von Juni 1991 bis Juli 2020 lag der Rum insgesamt 29 Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum reifte mutmaßlich während der gesamten Zeit über in kontinentalem Klima. 

Fassnummer: Fass #65 ergab noch insgesamt 131 Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: >50% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit 45,4% vol. daher, was aber trotz des eher ungewöhnlich geringen Werts der vollen Fassstärke entspricht. 

Destillationsverfahren: bei diesem Rum kam Versailles' Single Wooden Pot Still zum Einsatz. 

Mark: KFM (Kenneth Francis McKenzie), das alte Mark der Lusignan Plantage.

Farbe: tiefes, dunkles, rötlich schimmerndes Mahagoni. 

Viskosität: ein fetter, satter Film, der schon beinahe wie Sirup anmutet, legt sich über die gesamte Glaswand und hinterlässt recht eng, parallel und zügig verlaufende Schlieren.

Nase: ich habe bereits direkt nach dem Einschenken eine unglaublich schöne, volle und vor allem intensive Nase! Fast schon wie Parfum mutet dieser KFM an, der, obgleich sofort als solcher erkennbar, sich in seinem Charakter doch auch sehr grundlegend von anderen KFM des gleichen Jahrgangs unterscheidet. Der Alkohol, auch das fällt sofort auf, ist sehr, sehr gut eingebunden, was in diesem Fall auch wenig überraschend ist. Da sind gerade ältere KFM wie der 16 YO von Cadenhead, der noch mit über 60% vol. daher kam, natürlich sehr viel rauer und ungehobelter gewesen, während dieser hier von der FRC sehr reif, gediegen und gesetzt erscheint. Ja, klar, er hat nur 45,4% vol., und auf den ersten Blick mag das den einen oder anderen der es gerne mit den Fassstärken hält vielleicht sogar abschrecken, aber obwohl ich mich dazu ebenfalls zählen würde bleibt für mich und für meinen Geschmack hier gerade kein Wunsch offen! In diesem blumig-pafümiert anmutenden Bouquet finde ich viel Anis, Rosinen, Melasse, Leder oder auch gebrannte Mandeln. Wuuuhuuu, also selbst nach einer knappen Stunde im Glas bin ich immer wieder auf's neue geflasht von dieser Nase! Die ist wirklich unfassbar gut! Es zeigen sich Schwefelstoffe und mit der Zeit wird der Rum dann auch tatsächlich dreckiger und geht in eine KFM-typischere Richtung, allerdings bleibt er im Vergleich zu anderen KFM schon auch noch immer außergewöhnlich. 

Gaumen: am Gaumen machen sich zunächst einmal die 45,4% bemerkbar, nämlich dahingehend, dass der Rum keinerlei alkoholische Schärfe aufweist, aber auch dahingehend, dass der Rum schon auch leicht dünn ist, wenn auch keinesfalls zu dünn. Denn da der geringe Alkoholgehalt der natürlichen Fassstärke entspricht und nicht aus einer nachträglichen Dreingabe von Wasser resultiert, spreche ich nämlich nicht von Wässrigkeit, da besteht ein Unterschied. Man muss sich das eher vorstellen wie beim Velier Albion 1983, der mit 46,7% vol. eine ähnliche Stärke aufweist. Wer den schon mal im Glas hatte weiß: das kann sehr viel Spaß machen! Im Zweiten Schluck fällt dieser Effekt dann auch schon deutlich geringer aus. Nach einigen Sekunden im Mund bricht der Rum dann komplett auf und flutet den gesamten Mundraum mit geilstem KFM-Geschmack! Ein wirklich heftiger Körper, der Demerera ist total mundfüllend und kommt mit einer schöne Süße von Pflaume und Dörrobst um die Ecke. Dahinter dann ganz viel Anis, deutliche Melasse, viel Holz, auch wenn ich das als extrem gut eingebunden empfinde, etwas nussiges und für mich nicht spezifischer benennbare Gewürze. Peripher habe ich noch Jod und Latex. Vor allem aber findet man mit jedem Schluck immer auch noch neue Aspekte und Eindrücke! Man kann sich wahnsinnig lange mit dem KFM beschäftigen, ohne dass es einem irgendwie langweilig wird. Das ist einfach wahnsinnig voller, intensiver Geschmack mit einem schon fast ewig anmutenden Tiefgang. 

Abgang: reichlich Anis, Tannine und Eichenholz begleiten den Rum auf seinem Weg nach unten. Ich habe fruchtige Nachklänge, die dann trockener, aber nicht bitter werden. Ein sehr langer Abgang für einen Demerara Rum! Auch sehr viel später am Tag habe ich ihn noch präsent!

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Fazit: unfassbar gut! Es ist ja so, dass wenn Legenden wie der KFM plötzlich und nach all den Jahren wie aus dem Nebel wieder auftauchen, dass die Erwartungen immens hoch sind, da gerade diese Legenden-Bildung immer auch dazu neigt, zweifelsohne sehr gute Rums von einst sogar nochmal zu überhöhen. Dass es dann gerade erst in diesem Jahr etliche Bottlings geschafft haben dem zu entsprechen, wirkt sich darauf dann auch noch eher potenzierend aus. Diesen dann schon fast ungerechten (wenn auch nicht ungerechtfertigten) Erwartungen ist ein solches Bottling dann -ob es will oder nicht- ausgesetzt und das ist schon auch eine enorme Bürde. Der heute verkostete KFM hat sich dieser allerdings angenommen und davon vollkommen unbeeindruckt als schon viertes Vintage Batch in 2020 ein grandioses Comeback gefeiert! An diesem dann auch noch ein Stück beteiligt gewesen zu sein, macht es für mich ganz persönlich dann natürlich auch nochmal besonders speziell! Insofern bedanke ich mich gerne an dieser Stelle auch noch einmal bei Old Man Spirits dafür, dass man mich bei der Verkostung der Main Proben dazu geholt hat und mir das so die Möglichkeit gab, dieses besondere Batch wiederzuentdecken.
Das war nun alles sehr positiv gesprochen und für alle, die sich da vielleicht noch ein wenig mehr Ausgewogenheit im Fazit wünschen, denen sei verraten: ja, der Rum könnte für meinen Geschmack wohl tatsächlich noch ein paar Volumen-Prozente mehr aufweisen und dadurch ein ganz klein wenig körniger sein, dann wäre er wahrlich perfekt, aber er ist auch so schon meines Erachtens verdammt nah dran!

-94/100-


PS: Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore/Versailles 1991

Bis demnächst
Flo


Donnerstag, 1. Oktober 2020

Espresso Martini ❗

Liebe Rum Gemeinde,

den heutigen Drink habe ich vor einiger Zeit auf einem Rum-Treffen kennen- und auch direkt schätzen gelernt, als Stefan Marzoll diesen mit Hampden Estate 46% Jamaica Rum zubereitet und präsentiert hat. Da ich diesen nicht daheim habe, habe ich mir einfach mit dem LPS 2nd Release beholfen - von dem hatte ich nämlich noch was da :)



Espresso Martini, das klingt zunächst einmal nicht unbedingt nach einem Drink, der mir tendenziell zusagt. Irgendwie weckt der Name Assoziationen zu Gin oder Wodka, zu Wermut darüber hinaus sowieso, und den klassischen Martini trinke ich weder mit der einen, noch mit der anderen Spirituose wirklich gerne. Manche mögen ihn als einen der ultimativen Drinks sehen, nicht zuletzt spielt bei Fans dann ja auch noch der ganze James Bond Kult eine Rolle, aber mir ist das offen gestanden viel zu anstrengend und bin da eher für die zugänglicheren Drinks zu haben. Nun kommt allerdings noch erschwerend hinzu, dass ich auch kein Kaffeetrinker bin! Das berechtigt unter Sozialpädagogen nicht nur schon beinahe zum Tragen eines B-Ausweises, sondern führt uns im Falle des Espresso-Martinis dann auch schon unvermeidlich zu der Frage, was ich dann überhaupt mit diesem Drink anfangen kann oder will. Und ja, genau die Frage habe ich mir zugegebener Maßen anfangs dann auch tatsächlich gestellt als ich gefragt wurde, ob man mir auch einen dieser Drinks darreichen dürfe, aber da spielten dann zum Glück auch noch zwei weitere Faktoren mit rein, die dem Ganzen nun die entscheidende Wende geben. Zum einen hat der Espresso-Martini nichts mit Wodka oder Gin zu tun, sondern er wird mit Jamaica Rum gemacht. Mag ich! Und wenn ich auch kein Kaffeetrinker bin, so liegt das in Wahrheit viel mehr daran, dass ich kein Fan von Heißgetränken bin, als weniger daran, dass mir der Geschmack grundsätzlich nicht zusagen würde. Insofern klang diese Kombination plötzlich sogar sehr verlockend, wobei das Ergebnis meine Erwartungen dahingehend sogar noch deutlich übertraf. Aber lest selbst... :)


Das Rezept meiner Wahl:

  • 5,0 cl Rum Albrecht Jamaica Rum LPS 2nd Release - 53% vol.
  • 1,5 cl Vanille Sirup 
  • 1 doppelter Espresso
  • 1 Prise Meersalz

Im Shaker geschüttelt, in eine vorgefrostete Cocktailschale doppelt abseihen.


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Espresso Martini mit Rum Albrecht Long Pond Jamaica Rum LPS 2nd Release - 53% vol.:

Zunächst einmal ist der Drink optisch absolut faszinierend anzusehen im Glas! Nicht nur die extrem krasse Farbe, der Drink ist, wenn er nicht gerade zu Foto-Zwecken in der direkten Sonne steht, nahezu pechschwarz, das ist man von einem Cocktail ja eher nicht gewohnt, sondern auch die wunderbare Crema, die farblich denn ja auch den totalen Kontrast darstellt, machen den Espresso Martini wirklich zu einem Hingucker!

Der erste Schluck ist dann für mich noch immer leicht kurios, denn obwohl der Drink natürlich eiskalt ist, so hat das doch immer noch so etwas leicht unglaubliches, angesichts dessen, dass der Espresso, der ja den Hauptanteil im Cocktail stellt, bis gerade eben noch kochend heiß war. Und da sind wir dann auch in der Tat schon bei einer der wichtigsten Punkte in der Herstellungsweise des Drinks, denn ihr habt, falls euch der Drink nicht ohnehin schon geläufig ist, ganz richtig gelesen: der doppelte Espresso wird wie der Barista ihn schuf in den Shaker gegeben und nicht etwa erst kalt werden gelassen. Das begünstigt zum einen die gewünschte Crema-Bildung und verhindert gleichzeitig, dass der Espresso unerwünschte Bitternoten bekommt, die durch das kalt werden entstehen, nicht aber durch das Blitz-Frosten im Shaker! Geschmacklich ist der Espresso Martini dann nicht weniger als der absolute Wahnsinn! Die volle geschmackliche Dröhnung Espresso, kombiniert mit einem hocharomatischen Jamaica Rum, der vor allem in der Nase und zu Beginn eines Schlucks echt gut durchkommt und total zu diesem Espresso-Einschlag passt! Unfassbar geil! Tatsächlich würde ich den Drink auch in Zukunft eher mit einem sehr aromatischen Jamaicaner machen als mit einem eher leichten Rum wie dem Hampden Estate 46%, zumal dieser in der neuen Version jetzt ja auch nur noch aus OWH besteht. In einem ersten Versuch habe ich noch 1 cl Vanille Sirup mit in den Shaker gegeben, so hatte es Stefan Marzoll angegeben. Beim nächsten Mal nutzte ich allerdings auf eine Empfehlung von Stefan Kerner hin 1,5 cl und empfand das als noch leicht gelungener, insofern Danke für diesen Tipp! :)

Fazit: ja, geil! Also tatsächlich wohl eine der Neuentdeckungen im Cocktailbereich 2020 für mich! Alkohol am Vormittag ist für mich ja kein grundsätzliches Tabu, ich trinke häufiger mal an freien Tagen auch schon am Morgen oder Vormittag zu Verkostungs-Zwecken Rum pur, einfach weil der Gaumen da noch sehr unbelastet ist, aber ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, mir zu diesen Uhrzeiten bereits den Shaker aus dem Schrank zu holen! Ich glaube, einen Mai Tai, den ich z.B. verhältnismäßig oft mixe, habe ich noch nie vor 15 Uhr getrunken. Nun, der Espresso Martini ändert das ein Stück weit, denn er passt trotz seiner nicht zu unterschätzenden Potenz wirklich perfekt in die erste Hälfte des Tages - aber selbstverständlich nicht nur in diese! Denn auch zu später Stunde am Abend oder in der Nacht macht das Teil eine grandiose Figur, weshalb ich hier geneigt bin von "geht immer" zu sprechen. Ja, müsst ihr wirklich selbst mal ausprobieren, falls ihr das noch nicht getan habt, und macht das ruhig auch, wenn ihr eigentlich nicht so sehr die Kaffeetrinker seid. Es lohnt sich!

In diesem Sinne, bis demnächst!
Flo

Sonntag, 27. September 2020

Mai Tai mit Habitation Velier C<>H Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem der Sommer zum August hin doch noch ganz ordentlich wurde, machten einige Mai Tai Variationen natürlich noch um so mehr Spaß. Neben dem 1994er New Yarmouth von RA hat es mir allerdings auch noch ein weiterer Rum sehr in meinem Lieblingsdrink angetan: der Habitation Velier Jamaica Rum C<>H 10 YO Hampden 2010, der sich alleine schon rein auf Grund seiner Eckdaten für einen Mai Tai empfiehlt.



Der Habitation Velier C<>H 2010 ist bisher wohl zweifelsohne einer der Rums des Jahres 2020! Wenn ich zum Ende des Jahres wieder eine Top 10 mache, dann habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass dieser Rum darin auftauchen wird. Und das will, angesichts der brutalen Quantität und Qualität an neuen Releases in diesem Jahr wirklich schon was heißen. Ich sage nur REV 1994 und New Yarmouth aus 1994, die drei Velier Caroni Employees, die neuen Silver Seals, die Single Cask Bottlings aus St. Lucia oder auch ein paar Sachen, die noch kommen werden. 😉

Die Schattenseite des C<>H 2010 war aber natürlich unstrittig dessen Verfügbarkeit, bzw. dessen fehlende Verfügbarkeit. Kaum ein Bottling war schwerer erhältlich als eben dieser Hampden, auf den viele gewartet hatten.  Dass ich ausgerechnet mit diesem Rum einen Mai Tai mixen möchte und werde, werden daher vermutlich einmal mehr einige nicht verstehen können, aber ihr kennt mich und meine Einstellung dazu glaube ich inzwischen. Kein Drink ist besser als die schlechteste seiner Zutaten. Darum habe ich nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Mai Tai dem Rum zu einem Mehrwert verhelfen kann und aus diesem Grund gibt es aus meiner Sicht kein Argument das gegen ein Vermixen spricht! Es gibt ja nichts vergleichbares, was günstiger oder weniger selten wäre, dann sähe die Sache anders aus. Aber da Hampden nach seinem Restart quasi noch immer in den Kinderschuhen steckt, was tropisch gereiften Highest Ester Rum angeht, müssen wir uns da vermutlich noch ein paar Jahre begnügen, bis der Nachschub die Nachfrage decken kann.


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 5,5 cl Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 0,9 cl Meneau Orgeat
  • 0,6 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)






Mai Tai mit Habiatation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010:

Farblich stellt sich der Rum als wunderbar fruchtig und exotisch wirkender Drink dar, der an jenen Mai Tai erinnert, den ich mir vor einiger Zeit mit dem Hampden Great House gemixt habe. Er kommt dabei dunkler daher als die Mai Tais mit kontinental gelagerten Rums, aber auch noch um einiges heller, als beispielsweise der Mai Tai mit dem RA New Yarmouth 1994, der einen deutlich dunkleren Taint hatte.

Der erste Schluck verrät mir direkt, was ich mir da gerade gemixt habe: Mai Tai mit Hampden C<>H! Dieser Ester-Einschlag mit samt seiner gesamten Frucht-Explosion ist einfach unverkennbar und ist mir so auch von den 1990er Hampden beispielsweise bekannt. Geil! Erneut an einem halben cl Rum gespart zu haben stellt sich als goldrichtige Entscheidung heraus, denn der Habitation Velier Hampden C<>H ist auch mit 5,5 cl omnipräsent! Und das gleich in doppelter Hinsicht: einmal natürlich durch seinen hohen Estergehalt, aber eben auch durch den mit 68,5% vol. ungewöhnlich hohen Alkoholgehalt. Die anderen Zutaten haben gut zu tun mit diesem Monster von Hampden Rum, aber sie sind kampferprobt! Die Kombination aus Meneau Orgeat, Ferrnand Curacao und J.M. Zuckersirup ist ein starkes Dreigestirn, dass durchaus in der Lage ist neben dem C<>H zu bestehen, ihn in Szene zu setzen und ihm so als Drink einen Mehrwert zu verleihen, so dass es sich lohnt einen solch raren Rum im Mai Tai einzusetzen! Spannend finde ich dabei insbesondere, dass es der Drink vermag die kleinen Schwächen dieses Rums zu verstecken, die er in der puren Verkostung zuvor offenbart hatte, die Stärken aber exzellent zu betonen. So fehlt es dem Mai Tai weder an Komplexität, noch kommt da nach hinten heraus zu wenig. Im Gegenteil! Durch die doch schon sehr präsente Holznote, die der tropischen Reifung geschuldet/zu verdanken ist, kommt nochmal eine Facette dazu, die bei Mai Tais mit kontinental gereiften Jamaicanern weniger ausgeprägt ist. Und die stark aufspielende Säure wiederum passt zum Mai Tai wie angegossen. Ganz, ganz stark! Etwas Schmelzwasser rundet den Drink dann nach einer Zeit noch ein wenig ab, auch das passt durchaus gut und das ganze ist weit davon entfernt zu sehr zu verwässern.

Fazit: ich bewerte die Mai Tais schon eine ganze Weile nicht mehr mit Punkten, so wie ich das früher getan habe (von einem bis zehn Punkte), aber wenn ich das noch tun würde, so wäre dieser hier eine glatte 10, ohne jeden Zweifel! Der Habitation Velier C<>H bringt den Mai Tai mindestens auf Augenhöhe zu jenen mit z.B. Rum Albrecht LPS 2nd Release, The Rum Cask Hampden 1990 oder auch Duncan Taylor Hampden 1990, also die Creme de la Creme an Mai Tai Jamaicanern! Ich bin seit meinem ersten Mai Tai mit Berry's Hampden 1990 davon überzeugt, dass dieser Jahrgang von Hampden wie gemacht ist für den Mai Tai, allerdings kommt hier, beim Habitation Velier, noch mehr zusammen als bei früheren Mai Tais mit 1990er Hampden, nämlich die gereifte Komponente, der Anteil an Fass-Einflüssen. Die bringt der C<>H 2010 nochmal um einiges mehr mit als frühere, kontinental gereifte Rums, was sich im Mai Tai stark bemerkbar macht, ohne an Frische einzubüßen. Das macht den Rum zu etwas besonderem und zu einem meiner absoluten Favoriten in diesem meinem Lieblingsdrink!

Ein abschließender Dank geht an einen lieben Connaisseur aus Österreich, bei dem ich ein großes Sample dieses Rums erwerben konnte, das einen Einsatz im Mai Tai ermöglichte. Vielen lieben Dank dafür!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 13. September 2020

RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001

Liebe Rum Gemeinde,

der Rum um den es heute geht, ist vermutlich einer der meist diskutierten der letzten Tage und die ganze Geschichte darum herum für mich bereits jetzt eine der Storys des Jahres. Schließlich lag doch für einen winzigen Moment die ganz große Sensation in der Luft!



Doch von vorne: als Dominik im März 2020 ein Fass 19 YO Trinidad Distillers Limited (T.D.L.) Trinidad Rum 2001 für Rum Artesanal erwirbt ahnt er noch nicht, dass ausgerechnet dieses Fass einige Monate später zum Gesprächsthema der Rumnerd-Szene werden wird. Denn T.D.L., das gilt unter uns Freaks als das im besten Falle langweilige und im schlimmsten Fall gepanschte Trinidad. Ganz anders als Caroni, das nicht wenige als den Heiligen Gral des Rums sehen - dreckig, intensiv, aromatisch, geil! Unterschiedlicher könnten zwei Destillerien einer Insel also kaum wahrgenommen werden. Als Dominik also dieses Fass T.D.L. an Land zieht, ist das nicht primär für die Zielgruppe bestimmt, die sich sonst um die Hampdens, New Yarmouths und Enmores dieses Bottlers streitet, sondern eher für jene, die sonst bei Venezuela oder Nicaragua zuschlägt. Und genau das führte dazu, dass, obwohl Dominik von Beginn an um die Qualität des Fasses weiß, dieses zunächst komplett unter dem Radar läuft, auch bei mir, obwohl ich schon sehr frühzeitig ein Sample hatte. Dieser Rum war eigentlich für die weniger Hardcore Drinker gedacht, als Top Qualität zu ganz schmalem Preis die ob der geringeren Popularität T.D.L.s wegen auch längere Zeit am Markt verfügbar ist.




Doch "leider" hat Dominik die Rechnung ohne den Autor Steffen Mayer gemacht, der den Rum durch Zufall probierte und feststellte, dass es einige schon zu starke Parallelen zu Caroni gab, als dass der Rum es irgendwie hätte schaffen können, niemals auch nur in dessen Nähe rücken zu können. Und in der Tat, nachdem Steffen mich auf meinem Heimweg von der Arbeit anrief und vollkommen aufgeregt berichtete was er da wahrnimmt, goss auch ich mir den Rum direkt zuhause ein, den Steffen noch immer am Telefon, und probierte selbst. Und ja, auch ich habe unter diesen Eindrücken (Steffen war inzwischen kurz vor einem Herzinfarkt😅 und auf Facebook bildeten sich ungeahnte Eigendynamiken nach dessen Post) den Rum im ersten Moment eindeutig bei Caroni gesehen. Schon irgendwie speziell und vielleicht nicht ganz typisch, aber da waren all diese Parallelen und dazu ein sehr klares Bild von T.D.L. im Kopf, das mit dem Rum vor mir im Glas so überhaupt gar nichts zu tun hatte. Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass T.D.L. in der Lage war einen Rum auf diesem Niveau und mit solch einem Profil herzustellen! Und so war auch ich mir für den Moment sicher, dass Dominik hier ungeahnt einen Hidden Caroni gefunden hatte, denn es ist ja bekannt, dass auch T.D.L. alte Stocks von Caroni damals gekauft hat und eine derart lange Lagerung der eigenen Rums direkt vor Ort ist für sie auch eher untypisch.



17 Jahre tropische Reifung, dazu das Wissen, dass es grundsätzlich sein könnte, ein ganz neuer Jahrgang, der unfassbare Preis von 65,- Euro... Die Story war derart traumhaft, dass ich für meinen Teil vielleicht auch ein bisschen zu sehr daran glauben wollte, als dass mein Blick in diesem Moment noch zu 100% analytisch und objektiv gewesen wäre. Emotion und Begeisterung sind das was Rum für mich ausmacht und mir ist das auch oft wichtiger als totale Objektivität (die es eh nicht gibt), aber in diesem Fall war das ein klarer Fehler meinerseits! Dazu kam, dass ich meine 2 cl relativ schnell und eben während des besagten Telefonats trank, so dass der Rum im Glas wenig Zeit zum Atmen hatte. Doch genau die hätte er gebraucht, denn nach etwas Standzeit geht der ganze Spaß dann schon merklich von Caroni weg. Insofern habe auch ich mich da schlicht geirrt in der Frage ob es sich bei dem Rum um einen Caroni handelt. Doch fast wichtiger: habe ich mich auch in meiner Erst-Einschätzung geirrt, dass das ein verdammt guter Rum ist? Wir werden sehen!

Doch zunächst möchte ich mich noch kurz für das Sample und die zu Foto- und Verkostungszwecken kostenlos erhaltene Flasche bei Dominik und RA bedanken, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.

17 YO tropical aged TDL mit 56,5% vol.  vs. 17 YO tropical aged Caroni mit 55% vol. : deutliche Unterschiede!

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Verkostung des RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001:

Preis: mit einem Ausgabepreis von 64,90 Euro auf 0,5 Liter war der Rum -mit Blick auf dessen Eckdaten- angenehm und außergewöhnlich günstig.

Alter: insgesamt reifte der Rum von Februar 2001 bis Juli 2020 im Eichenfass und ist damit 19 Jahre alt.

Lagerung: der Rum reifte von Februar 2001 bis ins Jahr 2018 tropisch auf Trinidad, bevor er nach England kam, wo er nochmals zwei Jahre bis März 2020 in kontinentalem Klima lag. Seit März lag er dann im Warehouse von RA.

Fassnummern: #134 (interne Zählung bei RA) ergab 389 Flaschen a 0,5 Liter.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: mit einem Alkoholgehalt von 56,5% vol. kommt dieser Rum in High Proof daher. Die Fassstärke lag bei über 66% vol. 

Destillationsverfahren: Column Still

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles Mahagoni.

Viskosität: eng und parallel zueinander verlaufende Schlieren fließen recht zügig die Glaswand hinab.

Nase: ja, und da sind die Assoziationen zu Caroni dann auch direkt! Trotz dessen, dass ich den Rum nun schon ein paar mal im Glas hatte und darum weiß, dass das hier kein Caroni ist und ich nun ja auch keinen mehr erwarte, bin ich doch jedes Mal wieder überrascht, wie deutlich die Parallelen zu Beginn zum Teil sind. Die Nase ist auch direkt sehr zugänglich, den Alkoholgehalt von 56,5% vol. merkt man kaum. So kann das doch sehr intensive und tiefe Bouquet ungestört erkundet werden und das lohnt sich auch! Da sind durchaus Teer und verbranntes Gummi vorhanden, aber auch eine Fruchtigkeit von Beeren und Kirschen, die ihn z.B. von Caronis auch unterscheidet. Die für Caroni wiederum typischen Lösungsmittel fehlen größtenteils. Darüber hinaus: MINZE! - und zwar satt, als würde ich in einem Garten voller Minze stehen, an allen Blättern gleichzeitig reiben und tief einatmen! Dahinter finde ich auch noch etwas Anis und auch ordentlich Tannine vom Fass. Nach etwa einer Dreiviertel Stunde erlebt der Rum seinen ersten größeren Wandel durch. Die Assoziationen zu Caroni werden merklich kleiner, was bleibt sind so leichte Dünste giftiger Substanzen. Dafür wird die Minze aber immer krasser und ich fühle mich plötzlich sogar auch leicht an Gardel erinnert und weiß gar nicht so richtig, warum eigentlich. Vielleicht wegen der peripher immer wieder ganz subtil durchdringenden Cola-Note. Auf jeden Fall ist die Entwicklung im Glas wirklich phänomenal und die hier dargebotene Komplexität beeindruckend! Nach ca. zwei Stunden werden dann die Parallelen zu Caroni wieder deutlicher, so dass ich hier wirklich sehr starke Verwechslungsgefahr sehe. Einzig der EU Caroni 2000 daneben verrät, dass das hier nochmal was anderes ist. Hervorragender Rum!

Gaumen: ein sehr vollmundiger, warmer und geschmacksintensiver Rum! Die Smoothness aus der Nase setzt sich auch am Gaumen unvermittelt fort, der Alkohol ist also extrem gut eingebunden. Größere Schlücke hauen allerdings auch schon ganz schön rein, so dass insgesamt etwas Vorsicht geboten ist. Mir gefielen kleinere Schlücke hier definitiv besser! Wie schon in der Nase, so bestehen auch am Gaumen klare Assoziationen zu Caroni, allerdings eher gleich zu Beginn und diese fallen auch nicht so deutlich aus wie in der Nase. Für diesen kurzen Moment allerdings, wenn dieses Caroni-Feeling eben aufblitzt, könnte man ihn tatsächlich fast mit einem verwechseln. Doch das hält wirklich nur ganz kurz an, dann nämlich geht das auch schon ein ganzes Stück weit mehr von einem Caroni weg als in der Nase. Ich habe da vor allem einiges an Salzkaramell und Anis und nach kurzer Verweildauer im Mund vor allem wieder... den ganze Mund ist voller Minze! Unbeschreiblich, ich habe noch nie derart viel Minze in einem Rum gefunden wie bei diesem hier! Mojito Premix? Es ist, als würde man einem einen ganzen Minze-Busch auf einmal wie einen Knebel in den Mund stopfen! Dazu habe ich Waldbeeren, Tee und Tannine. Hier macht sich die tropische Reifung bemerkbar, denn da entstehen nun auch zu anderen Rums wie den Demeraras klare Parallelen. Keine, die zu Verwechselungen einladen, aber man erkennt übergreifende Verwandtschaften.

Abgang: Minze und Anis bilden mit den Tanninen zusammen den Abgesang dieser tropisch gereiften Überraschung aus Trinidad! Dann wird er immer bitterer! Der Rum hält lange an, auch nach Stunden bemerke ich ihn noch. Nichts für Tage, an denen danach noch wichtige Termine anstehen.

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Fazit: auch wenn es nach diesem Jahr schon fast droht sich abzunutzen, aber was für ein glückliches Händchen der Dominik bei seiner Fassauswahl hat kann ich kaum oft genug betonen! Sehr, sehr geil! Die Ähnlichkeiten und Parallelen zu unser aller Lieblings-Lost Distillery sind ganz eindeutig vorhanden, die klaren Unterschiede sind es aber ebenso, so dass letztlich ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen Caroni handelt. Nicht ausschießen kann ich hingegen, dass der Rum entweder einmal in ein frisch entleertes Caroni Fass umgefüllt wurde (diese Praxis wird in der Karibik stets so gehandhabt, um noch stärkeren Angel's Share als ohnehin schon zu vermeiden) oder dass zu irgendeinem Zeitpunkt eine gewisse Menge an Caroni mit ins Fass kam, was ich T.D.L. durchaus zutraue. Doch mag ich mich in Bezug auf Caroni auch zunächst geirrt haben, der Rum als solcher mit all seinen Eigenheiten ist absolute Spitze und steht Caroni, rein qualitativ, in nichts nach! Vor allem aber: hätte man mir vor wenigen Wochen gesagt, dass es auch in 2020 noch möglich ist 17 Jahre tropisch gereifte Heavy Rums zu kaufen, die für 65,- Euro / 0,5 Liter angeboten werden können, hätte ich das für vollkommen unmöglich gehalten! Immerhin bekommen wir seit Jahren schon zu hören, dass ob der enormen Verdunstungsrate in den Tropen gewisse Preise schlicht nicht mehr machbar seien. Nun, dieses Fass beweist uns ein Stück weit das Gegenteil und zeigt auf, dass gerade die Destillen selbst hier grundsätzlich in der Lage sind, fantastischen Stoff zu gutem Kurs zu bringen. Ausnehmen möchte ich hier ein Stück weit die preisliche Entwicklung der Caroni bei Velier, denn hier haben wir es mit endlichem Stoff zu tun, einer ursprünglichen Menge X, die eben durch Verdunstung immer kleiner wird. Oder, um es mit einer sehr (sehr, sehr, seeeehr!) vereinfachten und fiktiven Rechnung aufzuzeigen: Luca hat 100 Liter für 1.000,- Euro gekauft. Verdunsten 80% davon, müssen also die nur 20 verbliebenen Liter die 1.000,- Euro wieder reinholen. Logisch, dass die dann teurer werden, als wenn dafür noch die kompletten 100 Liter zur Verfügung ständen. Kontinuierlich nachproduzierende Destillerien sind da dementsprechend im Vorteil und können den Rum deutlich günstiger anbieten.

Hier sehe ich für die Zukunft also deutliches Potenzial und denke, dass man auch eine Destillerie wie T.D.L./Angostura grundsätzlich etwas mehr auf dem Schirm haben kann. Allerdings ist es wie so oft, dass dort wo Licht ist, immer auch ein Schatten fällt. Und im Falle von T.D.L. ist dieser Schatten leider beträchtlich. Noch vor einigen Jahren kam heraus, dass T.D.L. Bulk aus anderen Ländern kauft und sie dann unter eigenem Label als Trinidad Rums verkaufen, bzw. das in ihren Rums verblenden. Der grundsätzliche Stil und die Original Bottlings der Destillerie sind weit weg von dem, was ich abfeiern würde und stehen nicht für Qualität. Insofern sehe ich in diesem RA Bottling noch eher eine rühmliche Ausnahme, als dass ich T.D.L. nun grundsätzlich mit anderen Augen sehen würde. Gleichwohl möchte ich nicht unterschlagen, dass man ähnliches vermutlich auch bis zur Schließung und zur Entdeckung der alten Stocks noch über Caroni gesagt hätte, wenn es damals schon mehr Nerds im heutigen Sinne gegeben hätte. Denn auch das was Caroni zu aktiven Zeiten veröffentlicht hat ist nicht zu vergleichen mit dem, was wir heute damit verbinden. Insofern ist für mich also die Frage, was T.D.L. in der Theorie kann und da gibt das RA Bottling dann doch schon leicht Grund zur Hoffnung, denn da scheint eine ganze Menge möglich zu sein. Was offenbar fehlt, ist eine Motivation für T.D.L. umzudenken... Luca, subentra! :-)

-92/100-


Nutzer der Rum Tasting Notes App finden den Rum hier:

RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001


Bis demnächst,
Flo


Sonntag, 6. September 2020

Flensburg Rum Company Jamaica 12 YO Hampden 2007

Liebe Rum Gemeinde!

allgemein in diesem Jahr und speziell jetzt zur Zeit geht es auf dem Rum Markt zu wie im Taubenschlag und so möchte ich euch heute einen weiteren Rum vorstellen, der aktuell in den Fachhandel gefunden hat! Es geht um den Flensburg Rum Company (FRC) Jamaica Rum 12 YO Hampden 2007, hinter dem das Team um Thomas Altmann von Old Man Spirits steht!



Und bei Old Man Spirits dürfte es bei vielen von euch sogar klingeln, denn die Jungs und Mädels sind in der Szene schon eine ganze Weile unterwegs und füllen schon länger auch selbst ab. Allerdings, und da findet dann auch schon die Überleitung zur Flensburg Rum Company statt, waren das bisher eher die süßen Vertreter, die unter Nerds wie mir keinen Anklang finden können. Das wird wohl auch in Zukunft so sein, und um sich da innerlich und äußerlich klar abzugrenzen, hat man mit der FRC eben gleich eine komplett neue Marke unter dem gemeinsamen Dach geschaffen. Diesen Schritt begrüße ich persönlich sehr, denn er ist konsequent und folgerichtig. Dazu hat man sich mit Kirsch Import einen Vertrieb mit ins Boot geholt, der gerade im Rum Bereich als Partner des Branchen-Primus Velier in den letzten Jahren sehr viel positives Reden von sich machen konnte! Well done!

Das erste Meeting bei Old Man Spirits in Schuby (2019)

In Kontakt kam ich mit Thomas Altmann und Klaus Heuer das erste mal vor schon fast einem Jahr, als ich die Jungs in deren Firmensitz in Schuby besuchte. Damals erläuterten mir die beiden sehr anschaulich was sie sich für die Zukunft vorgenommen haben und wohin es mit der FRC noch gehen soll. Der Großteil dessen ist natürlich noch unter Verschluss, aber da wird noch einiges und auch großes kommen, da könnt ihr gespannt sein! Besonderes Augenmerk liegt bei mir persönlich natürlich auf der Single Cask Serie, dessen viertes Release dieser Hampden nun schon ist. Zuvor wurden auch schon ein 1992er Versailles, ein 2007er Monymusk und ein 2005er aus Barbados abgefüllt, deren Qualität durchgehend super war, jedoch nicht gänzlich meinem Geschmack entsprach!



Zum heute vorgestellten Hampden hingegen muss man eigentlich nicht mehr viel sagen! Das Mark C<>H spricht im Grunde schon seit den legendären 1990er Abfüllungen für sich, spätestens aber nach dem Habitation Velier Release in diesem Jahr. Was die grundsätzliche Verwirrung und die besonderen Umstände rund um den Hampden-Jahrgang 2007 betrifft, so habe ich im Review zum Kill Devil bereits so weit es mir möglich war Klarheit geschafft. Mit jenem Rum werde ich den FRC heute natürlich auch direkt vergleichen, auch um zu sehen, wie sich das Batch in den letztes zwei Jahren so entwickelt hat. Was direkt im Vorfeld schon auffällt ist, dass der FRC nochmal um einiges mehr an Bumms hat, ganze 66,8% vol. weist er auf, während sich einige der Kill Devil 2007 bereits schon der 60% vol.-Marke näherten. Das ist ungewöhnlich, aber kommt ab und zu vor. Ich denke da auch an das "Beast" damals von The Rum Cask, der ja sogar fast bei 70% vol. war.

Eher selten kommt hingegen vor, was nach der Abfüllung des Rums geschehen ist. Dass geleerte Fässer anschließend wiederverwendet werden ist das normalste der Welt, auch, dass sie zum Finishen dienen kommt immer wieder vor, allerdings bezieht sich das in der Regel eher auf Spirituosen. Anders bei diesem Fass! Denn der Abfüller hat sich mit der Südtondern Brauerei aus Niebüll zusammengetan und sie dafür gewinnen können, eines ihrer Biere im Hampden Fass zu veredeln. Zugegeben, auch das kommt nicht zum ersten Mal vor, aber es ist zumindest das erste Mal, dass mir das Ergebnis tatsächlich auch gefällt. Und was noch erstaunlicher ist: mir gefällt sogar der Grundstoff, das "Nr. Een Pale Ale" mit 4,9% vol.. Erstaunlich ist das deshalb, weil ich alles andere als ein Biertrinker bin. Mir schmecken die meisten Biere in aller Regel nicht, aber mit diesem hier werde ich tatsächlich warm. Noch besser aber gefällt mir die gefinishte Variante aus dem Hampden Fass, denn anders als z.B. beim Hampden Bier von Hubert Corman kommt der Hampden hier tatsächlich auch raus. Vier Wochen lang ließ man das Bier im frisch (und auch komplett!) entleerten Hampden Fass nachreifen und das merkt man auch! Zum einen, weil das Bier nun plötzlich einen deutlich erhöhten Alkoholgehalt von 8,1% vol. aufweist, aber vor allem deshalb, weil plötzlich Assoziationen zu Bananen-Weizen entstehen! Ich schmecke den Rum unterschwellig immer wieder deutlich raus, ohne, dass das Finsih das ganze Bier aber überlagert hätte. Das ganze bekommt eine subtile, leicht bananige-Jamaica Note, die sich vor jedem Schluck auch in der Nase schon andeutet. Das passt richtig gut und von mir gibt es dafür einen riesig großen Daumen nach oben! 👍 "Nochmal geiler geworden!" steht auf dem Etikett, und dem kann ich mich nur anschließen!

Doch nun zum heutigen Hauptdarsteller: schauen wir, was der Rum kann!

Bedanken möchte ich mich allerdings zuvor noch kurz für die zu Foto- und Verkostungszwecken erhaltene Flasche Rum, sowie die dazugehörigen Biere, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.


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Verkostung des Flensburg Rum Company Jamaica Rum 12 YO Hampden 2007:


Preis: die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 119,90€. Darin enthalten sind auch die zwei Flaschen Bier. Bei Kirsch Import ist der Rum aber bereits vergriffen, so dass nur noch das an Flaschen da ist, was nun bei Händlern noch auftaucht. 

Alter: von November 2007 bis Sommer 2020 lag der Rum insgesamt 12 volle Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum kam als New Make nach Schottland und lag dort sieben Jahre lang im Hogshead Cask. Anschließend wurde er nach Liverpool verfrachtet und lag dort noch weitere fünf Jahre lang, bevor er im Jahr 2020 von Old Man Spirits nach Deutschland importiert und dort abgefüllt wurde.

Fassnummern: unbekannt. Das Fass ergab allerdings noch 252 durchnummerierte Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt, ich vermute allerdings zwischen 10-15%. 

Alkoholstärke: der Rum hat eine Fassstärke von 66,8% vol. und wurde vor dem Abfüllen nicht verdünnt. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: C<>H (Continental <Diamond> Hampden)

Farbe: ein für 12 Jahre kontinentale Reifung typisches helles, blasses Stroh. 

Viskosität: enge, regelmäßige und parallele Schlieren fließen zügig an der Glaswand hinab und ins Glas zurück.

Nase: nachdem der Rum im Glas mit Sicherheit eine gute Stunde lang atmen durfte, empfangen mich in der Nase direkt zu Beginn schon die absoluten Highest Ester Töne! Hampden, I'm coming home! Absolut konzentriert, kommt einem dieser Rum zunächst noch wie eine Art Hampden Essenz vor, was er historisch gesehen ja auch war, bzw. noch immer ist. Doch während man es sich früher nicht vorstellen konnte, dass Menschen dafür zu begeistern wären diese Rums pur zu genießen, gibt es dazu heute eine echte Fan-Gemeinde und mit mir einen Fan der frühen Stunde! Im Vergleich zum Kill Devil fallen die zwei Jahre längere Reifezeit tatsächlich deutlich auf, und das absolut positiv! Der FRC kommt im Vergleich schon deutlich voller, ausgewogener, reifer und zugänglicher daher und ist für mich bis hier her auch der auf jeden Fall bessere Rum. Der Alkohol ist, trotz der fast 3% vol. mehr beim FRC merklich besser eingebunden und sticht kaum, was ich bei einem Alter von nur 12 kontinentalen Jahren und fast 67% vol. schon beachtlich finde. Ich finde außerdem natürlich auch jede Menge Lösungsmittel und Klebstoffe der Ester. Sie bestimmen die Marschrichtung, überlagern aber nicht das gesamte Bouquet. Dieses hält auch den für C<>H so typischen Schlagabtausch zwischen Süße und Fruchtigkeit auf der einen Seite und einem krassen Säure-Einschlag auf der anderen Seite bereit. So treffen hier gegrillte Ananas, überreife Bananen, Toffee und Marzipan auf Zitronen, Antipasti und Humus. Das ganze wird wunderbar von einer schönen Vanille und etwas Holz vom Fass umspielt, welche ganz klar dafür sorgen, dass dieser Rum schon sehr in die Richtung des alten Berry Bros. & Rudd Hampden 1990 geht, nur eben in Fassstärke. Ganz stark! Nach ca. eineinhalb Stunden im Glas ist der Unterschied zum Kill Devil auch noch größer geworden. Der hält hier definitiv nicht mit!

Gaumen: der volle Einschlag! Am Gaumen kommt der Rum zunächst einmal sehr kräftig (aber nicht scharf!) und adstringierend daher! Die für C<>H typische Säure lässt die Schleimhäute ordentlich  zusammenziehen. Der Alkohol ist exzellent eingebunden, schon selten gut, wenn ich auf die gerade einmal 12 jährige Reifung auf der einen, und den Alkoholgehalt von 66,8% auf der anderen Seite blicke. Das finde ich in der Form nicht alle Tage bei einem Rum mit diesen Eckdaten vor, weswegen ich es hier auch explizit betone. Der Rum ist richtiggehend weich, für einen Hampden. Das bedeutet natürlich, dass auch größere Schlücke möglich sind, allerdings wird es dann aber auch schon sehr krass und der Hampden beißt ein wenig. Jedoch ob größere oder kleinere Schlücke, ich habe Hampden Flavour so weit das Auge reicht! Schneller und immer mehr wird der gesamte Mundraum mit dieser unfassbar rummigen Ester Note geflutet. Total geil! Ich habe ein Potpourri an gegrillter Ananas, leicht grasigen Noten, Zitronen, Humus, aber auch Chorizzo und Antipasti! Zugegeben, die Standard-Palette an Hampden Assoziationen, aber die Intensität ist immer wieder beeindruckend! Das ganze wird mit zunehmender Verweildauer im Mund immer cremiger, bis er schließlich seinen Weg die Kehle hinab findet. Der Kill Devil im Vergleich hat auch einen sehr gut eingebundenen Alkohol, allerdings schmeckt er in seinem ganzen Charakter noch sehr viel jünger und eindimensionaler, so dass er all in all meines Erachtens kein Vergleich zum FRC darstellt. Letzterer schmeckt deutlich und merklich besser und reifer.

Abgang: ein langer, warmer, erdiger Abgang, typisch für Hampden! Trockener und sogar leicht bitter werdend. Im Hintergrund die Esterpower. Sehr geil! 

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Fazit: ein überraschend guter Rum, ein richtig geiler Hampden und definitiv eine klare Empfehlung meinerseits an alle, die auf Highest Ester Hampden abfahren! Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, einzig der gleichsam außergewöhnlichen wie ungewohnten Dichte an Highlights in der Spitze in diesem Jahr (und darunter eben viele lange gereifte Demeraras oder Caronis) ist es geschuldet, dass dieser Hampden am Ende des Jahres die Top 10 möglicherweise sogar verpassen könnte. Das ist schon krass, wenn ich überlege, dass ich mir jetzt gerade in jedem anderen, normalen Jahr mit gewöhnlicher Dichte an Bottlings sicher gewesen wäre, dass er es dort locker und spielend hinein geschafft hätte! Denn den Kill Devil, der mir damals ja auch schon sehr gut gefiel, lässt er z.B. klar hinter sich und mit dem Berry's 1990 schlägt er für meinen Geschmack sogar eine echte Legende! Vielfach wurde ich in den letzten Tagen auch gefragt, wie er sich im Vergleich zum C<>H von Habitation Velier schlagen würde, der ebenfalls zu den Highlights in diesem Jahr zählt. Hier habe ich mich mit einer Antwort stets schwer getan, weil ich sie nicht miteinander vergleichbar finde, zu stark wirken sich die Unterschiede zwischen kontinentaler und tropischer Reife bei vergleichbarer Reifedauer auf den Rum aus. Ich hatte die beiden in einer Verkostungs-Session ebenfalls parallel und fand sie beide auf ihre Weise super. Klar wurde mir darüber hinaus allerdings einmal mehr, dass mag ich auch andere Stile aus anderen Ländern inzwischen deutlich häufiger im Glas haben, so ist und bleibt Hampden für mich aber immer etwas besonderes und meine erste Rum-Liebe! Dieses "Coming Home"-Gefühl habe ich bei keiner anderen Destille so stark und bei dieser Abfüllung war dieses Gefühl definitiv und in besonderem Maße ausgeprägt! 'nough said! 

-92/100-


PS: Nutzer der Rum Tasting Notes App finden diese Abfüllung auch hier:

Flensburg Rum Company C<>H Jamaica Rum 12 YO Hampden 2007


Bis demnächst
Flo