Freitag, 26. Oktober 2012

Jamaica, Monymusk Distillery: A.D. Rattray 1986 vs. Bristol Classic Rum 1976

Liebe Rum Freunde,

heute bespreche und vergleiche ich zwei Rums der Destillerie Monymusk auf Jamaica: zum einen den Bristol Classic Rum 25 YO von 1976 und zum anderen den A.D. Rattray Cask Collection 25 YO von 1986. Beide Rums haben also das gleiche Alter, wurden aber in einem Abstand von zehn Jahren destilliert und von zwei verschiedenen Abfüllern abgefüllt. Beide Rums wurden auf 46% vol. herunter verdünnt.

Vorwiegend geht es mir heute um die Rattray-Abfüllung, da diese derzeit noch gut im Handel erhältlich, beim Importeur aber bereits vergriffen ist (Wer nach dem Lesen dieses Reviews also interessiert ist, sollte sich nicht zu lange Zeit lassen). Diese werde ich mit der bekannten Bristol-Abfüllung vergleichen, die heute jedoch äußerst schwer zu bekommen ist und im Grunde als absolut ausverkauft gilt. Die Abfüllungen von Bristol Spirits waren, neben einer Abfüllung von Berry Bros. & Rudd, bis zum Erscheinen vom Rattray die einzigen aus Monymusk in dem hohen Alter, die mir bekannt sind. Daher muss sich der Rattray natürlich auch ein Stück weit an dem messen lassen, was Bristol vorgelegt hat.

A.D. Rattray Monymusk 25 YO (1986 - 2011), 46% vol.
Zum Rattray: die Abfüllung wurde am 08.06.1986 auf Jamaica in der Monymusk Distillery destilliert und reifte anschließend 25 Jahre lang bis zum 28.09.2011 bei A.D. Rattray in Schottland. Dieser Abfüller ist, genau wie die meisten anderen Rum-Abfüller, vor allem auch im Whisky-Segment tätig und dort überaus erfolgreich. Seit kurzem füllt Rattray nun auch Rum ab und die heute besprochene Abfüllung ist der insgesamt erst vierte Streich. Seine drei Vorgänger waren eine Port Mourant Abfüllung aus Guyana, ein Caroni aus Trinidad und ein Pampero aus Venezuela. Inzwischen gibt es mit einem weiteren Caroni auch einen fünften Rum aus der Serie. Sehr vorbildlich bei Rattray finde ich die sehr genauen Angaben auf der Flasche. So weiß man z.B. auch, dass es von dieser Abfüllung, die ca. 65 Euro kostet, genau 295 Flaschen gibt. Sie ist also extrem limitiert.


-------------------------------------------------------------------------------------------------

Kommen wir nun zu den beiden Rums:


Preis: der Bristol hat umgerechnet 126 Euro auf 0,7 Liter gekostet (9 Euro/ 5 cl), verglichen mit heutigen Bristols in dem Alter wird die 0,7 Liter Flasche nicht viel weniger gekostet haben. Der Rattray ist deutlich günstiger, kostet "nur" rund 65 Euro für die 0,7 Liter Flasche, also gerade mal die Hälfte.

Alter: beide Rums sind 25 Jahre alt. Der Bristol ist von 1976 und der Rattray von 1986.

Alkoholstärke: sie beträgt bei beiden Jamaicanern 46% vol. Diese empfand ich auch bei beiden Rums als optimal, mehr oder weniger hätten es nicht sein müssen.

Destillationsverfahren: der Bristol ist laut Etikett ein Single Pot Still Rum. Rattray macht auf dem Etikett keine Angaben dazu, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass auch dieser Rum in einer Pot Still destilliert wurde, da er sich vom Bristol nicht unterscheidet wie Tag und Nacht und auch zu anderen Pot Still-Monymusks einige Ähnlichkeiten aufweist. Beim Rattray kann die Frage nach dem Destillationsverfahren also leider nicht hinreichend beantwortet werden.

Farbe: farblich unterscheiden sich die beiden Rums nicht, sie sind beide strohig, golden. Da weder Bristol noch Rattray ihre Rums färben oder filtrieren ist dies auch die jeweilige natürliche Farbe nach der Reifung.

Viskosität: ein dünner Film bildet sich beim Bristol an der Glaswand, sehr feine Schlieren laufen an ihr in etwas größerem Abstand herunter. Der Rattray wirkt dagegen etwas satter, der Film wirkt dicker, die Schlieren verkaufen noch etwas breiter. Hier merkt man beiden ihre lange Reifezeit bereits an.

Nase: in der Nase erinnert mich der Bristol zunächst sofort an einen Long Pond, er erscheint überaus nussig und hat dazu etwas vegetales. In den ersten Minuten im Glas hat er dezent im Hintergrund noch eine leicht alkoholische Note, die mich an Nagellackentferner denken lässt. Dieser Eindruck verfliegt allerdings nach etwa einer Viertelstunde. Dann gesellt sich eine ganz zart rauchige Note mit dazu und auch die für Jamaica so typische Banane meine ich ganz ganz entfernt zu erkennen. In diese Richtung geht die Nase aber ansonsten überhaupt nicht.
Anders der Rattray: dieser erscheint im Vergleich viel jugendlicher, fruchtiger und forscher und ist sofort als Jamaica Rum zu erkennen, erstaunlich für dieses Alter! Das heißt aber nicht, dass dieser Rum nichts mit dem Bristol gemein hat. Auch beim Rattray rieche ich Nuss und vor allem vegetales heraus, die mich hier konkret an den Berry's Own Selection Jamaica 1986 aus Long Pond denken lassen. Ich habe diesen dann auch einmal daneben gestellt und in der Tat sind die Nasen sehr ähnlich. Dazu habe ich etwas Anis in der Nase. Aber auch junge Monymusk Rums, z.B. die Abfüllungen von Ferrand (Plantation Jamaica 2000) oder Murray McDavid (Renegade Jamaica 2003 5 YO) erkenne ich hier ganz entfernt noch wieder. Etwas überrascht hat mich der doch sehr präsente Rauch. Hier vermute ich eine Lagerung in einem Ex-Single Malt Cask. Insgesamt können beide Rums überzeugen, der Bristol ist aber deutlich komplexer.

Gaumen: der Bristol kommt sehr komplex daher, hat hier wieder etwas nussiges und ist vor allem sehr, sehr trocken. Das Holz macht sich deutlich bemerkbar, ist aber keinesfalls zu dominant, ist schön eingebunden. Ich empfinde ihn als eher wenig ölig. Nach Hinten hin erkenne ich eine leichte Kokosnote, die sich mit Maraschino mischt. Letzteren erkannte ich auf Anhieb nicht, wusste aber, dass ich diesen Eindruck schon einmal geschmeckt habe. Ich schaute daher im Broom nach und erhoffte hier des Rätsels Lösung zu finden und in der Tat, es war der Maraschino. Ein für mich wirklich unangenehmer Geschmack, der für mich dann auch eine Bitterkeit mit in den Rum bringt. Wirklich klasse, ohne Zweifel, aber hier trifft der Rum meinen Geschmack nicht.
Der Rattray bestätigt am Gaumen seine Jugendlichkeit, für sein Alter hat der wirklich wenig Holz abbekommen. Er erscheint mir etwas öliger als der Bristol, aber auch nicht viel mehr. Das Nussaroma zieht sich heute durch die gesamte Verkostung, paart sich hier mit fruchtigen Aromen von Banane. Im Hintergrund grasige Noten, auch hier kann ich eine Erinnerung an Long Pond nicht leugnen. Insgesamt ist dieser Rum weniger trocken, aber auch weniger komplex als der Bristol Classic Rum.

Abgang: ein sehr langer und sehr trockener, knochentrockener Abgang beim Bristol. Lang ist auch der Abgang vom Rattray, allerdings weniger trocken als beim Bristol. Und wieder die Nuss... ;)

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Bristol Classic Rum Monymusk 25 YO
(1976 - 2002), 46% vol.
Fazit: zwei herausragende alte Jamaicaner! Der eine, der Bristol, reifer als der jugendlichere Rattray, bei dem das Holz wirklich nicht dominiert. Der hätte vermutlich auch 30 Jahre im Fass bleiben können. Beide Rums benötigen sehr viel Zeit im Glas, bis sie wirklich alle Facetten gezeigt haben, insbesondere für den Bristol gilt das. Eine Stunde ist hier das Minimum! Zu genießen sind die beiden natürlich pur, ich würde die Rums höchstens in einem Old Fashioned riskieren. Der Bristol ist der deutlich anspruchsvollere der beiden, jedoch trifft er meinen persönlichen Geschmack nicht punktgenau, weswegen mir der Rattray etwas besser gefiel. Aber ich muss gestehen: der letzte Funke, das gewisse Extra, der Kick, der fehlte mir wiederum bei dem. Eben das was der Bristol hat, wenn er den eigenen Geschmack voll trifft (wer mit Maraschino kein Problem hat, der wäre hier sicher mehr als begeistert!). Preislich ist der Rattray für sein Alter sehr günstig, 65 Euro für einen 25 jährigen Einzelfass-Jamaicaner habe ich glaube ich bisher nicht gesehen. Zum Vergleich: der Bristol kostete ca. 120-130 Euro, ein Cadenhead Green Label in dem Alter ca. 120, ein Berry Bros. & Rudd auch weit jenseits der 100... insofern ist der Preis hier schon sehr fair und für den Rum auch gerechtfertigt.
Wer die Bristol Monymusk Serie mochte und hier nun auf ähnliches hofft, der wird evtl. enttäuscht sein, dazu unterscheiden sich die beiden Rums zu sehr. Die beiden Rums können aber, trotz ihrer Unterschiede, auch ihre gemeinsame Abstammung nicht leugnen. Das sollte berücksichtigt werden.

Das war's für heute, in Kürze wird euch von Marco etwas aus Barbados erwarten.

Bis demnächst,
Flo

Keine Kommentare:

Kommentar posten