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Sonntag, 30. Oktober 2022

The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden DOK 2009

Liebe Rum Gemeinde,

fast drei Monate sind seit meiner letzten Review vergangen und wiederum ca. zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit es das letzte Mal eine "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllung von The Rum Cask gab. Mit dem Release am Freitag und diesem Posting heute geht beides mehr oder weniger zeitgleich an den Start, was nicht zuletzt auch mit einem ganz persönlichen Jubiläum auf diesem Blog zu tun hatte...  



Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 26. Oktober 2012 war es, da ging das allererste Review auf Barrel Aged Thoughts online! Ein Monymusk-Crosstasting zwischen dem Bristol 1976 und dem A.D. Rattray 1986 war das damals. Zehn Jahre, das sind, je nach Blickwinkel und Relation, ein Wimpernschlag in der Geschichte oder auch eine halbe Ewigkeit. Zumindest in Bezug auf die internationale Rum Community kann man bei zehn Jahren aber glaube ich schon von einem ganz ordentlichen Zeitumfang sprechen, bedenkt man nur, wie wenige derer die heute dabei sind es auch damals schon waren und in welchem Maße sich die Rum Landschaft seither verändert hat. In der Rum Welt liegen zwischen 2012 und 2022 meines Erachtens nicht weniger als Welten, was ich hier und vor allen Dingen hier auch einmal in zwei gesonderten Beiträgen zum Thema "A Decade of Rum: 2010 - 2019" dargestellt habe! Die Etablierung der Fassstärke, die Schaffung eines Bewusstseins für die Unterschiede zwischen kontinentaler und tropischer Reifung und eine teils komplette Umkehr des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage sind dafür die wohl augenscheinlichsten Beispiele. Diese zehn Jahre waren nicht zuletzt aber auch für mich persönlich wahnsinnig ereignisreiche Jahre. Als ich mit BAT startete, startete ich parallel auch in meine Ausbildung. Meine Tochter war damals gerade zwei Jahre alt, heute steckt sie schon in der Pubertät. Ich verlor das Hobby teils aus den Augen und fand aber auch jedes Mal dort hin zurück. 

Eine Destillerie und ein Mark welches mich in den vergangenen zehn Jahren stets begleitet hat, davon fünf Jahre als bis dahin noch vollkommen unbekanntes Mysterium, ist Hampden DOK. Vor zehn Jahren war es noch vollkommen utopisch, dass dieser Rum Style einmal in dieser Weise gefragt sein würde, wie es heute der Fall ist. Mehr noch, er wurde noch nicht einmal zum Verkauf für Endkunden an irgendeiner Stelle angeboten! DOK war ausschließlich Rum für die Industrie! Auch erinnere ich mich noch gut an das verächtliche Unverständnis von Richard Seale im Jahr 2018, als mit dem Letter of Marque das meines Wissens nach allererste DOK Release in Fassstärke und auch das allererste unter Verweis auf dieses Mark an den Start ging. Er konnte sich mit Blick auf die historische Rolle von High Ester Rums als reines Flavouring Material für Blends nicht vorstellen, dass es tatsächlich Menschen geben könnte, die das pur trinken wollen, eben weil es zu diesem Zweck nie hergestellt wurde. Für ihn war das, als käme jemand auf die Idee, den Cola Sirup bei McDonalds pur zu trinken. Aber eben dieses Bottling, der Letter of Marque, für das sich damals die Blogs Single Cask Rum, RUMBOOM und eben Barrel Aged Thoughts unter dem Dach von The Rum Cask verantwortlich zeigten, ist dann im Grunde auch schon das Stichwort, denn der Rum um den es heute geht stellt den Rest des Fasses von damals dar, der noch viereinhalb Jahre weiter im Lager von TRC und in eben jenem Fass reifen durfte. Diesen Rum füllten die Jungs aus Pirmasens nun ab und nach einer intensiven Verkostung vorab war klar, dass ich diesem Rum gerne meine Empfehlung gebe, erkennbar am goldenen Sticker, der erstmals 2013 zur Anwendung kam und am Gelbbrustara, der seit 2017 diese ausgewählten Bottlings ziert. Was hat es mit den Abfüllungen mit dem Sticker und dem Ara auf sich? Kurz gesagt war diese Kooperation eine simple Win-Win-Situation. The Rum Cask waren damals vor neun Jahren noch neu im Rum Business unterwegs und profitierten von unserem Know How (damals waren wir bei BAT noch zu dritt). Wir verkosteten Fassproben parallel zu den Jungs und teilten mit ihnen unsere Einschätzungen. Und wir wiederum konnten auf diesem Wege Einfluss darauf nehmen, was ein Independent Bottler abfüllt und waren nicht mehr ausschließlich darauf angewiesen, dass die IBs ein glückliches Händchen hatten. Damals lief da nämlich bei den meisten noch ganz viel nach dem Zufallsprinzip und auch unser Geschmack entsprach damals noch einer absoluten Nische, die leider selten bis gar nicht bedient wurde. Wer genaueres dazu erfahren möchte: hier habe ich die Geschichte der Recommended Bottlings detailliert dargelegt.


Für diejenigen, die vielleicht noch neu in der Materie sind, hier an dieser Stelle nochmal kurz ein paar Infos zum Mark DOK, entnommen aus meinem Artikel "Hampden Estate - ein Überblick":

"Der Stil mit dem höchsten Estergehalt überhaupt bei Hampden wird mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson) bezeichnet. Er weist nach der Destillation einen Estergehalt von 1500 bis 1600 gr/hlpa auf und ist laut allgemeiner Jamaica-Klassifizierung ein Continental Flavoured Rum. Von der Main Rum Company wird auch das Mark JMK verwendet, welches für Jamaica Main DOK steht. DOK galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie, aber auch, wegen des enorm hohen Estergehalts, als möglicherweise ungenießbar. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann.
Aus der Zeit vor der Schließung Hampdens im Jahr 2003 ist mir kein einziges DOK-Bottling bekannt. Abgefüllt und auf den Markt gebracht wurde ein Hampden DOK meines Wissens nach erstmals im Herbst 2017 durch den niederländischen unabhängigen Abfüller Kintra. Die Angabe, dass es sich um einen DOK handelt befand sich allerdings nicht auf dem Label. Dies passierte erstmals im Frühjahr 2018, als deutsche Rumblogs (darunter auch BAT) in Zusammenarbeit mit dem Abfüller The Rum Cask unter dem Namen Letter of Marque einen solchen Rum der Öffentlichkeit zugänglich machten. Der Estergehalt dieser Rums ist zwar tatsächlich sehr hoch, aber ungenießbar sind die Rums dennoch ganz sicher nicht. Im Gegenteil."

Anders als im April 2018, als der Letter of Marque heraus kam, ist ein Hampden DOK heute natürlich keine absolute Sensation mehr. Viele weitere Bottlings in diese Richtung folgten und unterstrichen, dass DOK unter Freunden des gepflegten Ester-Bombardements durchaus gefragt und gesucht ist. Unverändert blieb hingegen, dass die Erfahrung eines Hampden DOK weiterhin eine wirklich extreme ist! Spannend ist nun also zu beobachten, inwieweit sich das mit zunehmendem Reifegrad ändert, wenn die ganz krassen Spitzen unter dem Einfluss des Fasses so ein wenig Rundungen entwickeln. Der TRC Hampden DOK 2009 kommt mit nun 13 Jahren (das Release war ursprünglich für das Frühjahr geplant und die Label schon gedruckt, daher wird der Rum auf dem Label als 12 YO geführt) schon deutlich reifer daher als er es mit damals acht Jahren tat und ich denke es ist Zeit, zur Verkostung zu schreiten!


Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass ich ein Sample und eine Flasche zur Verkostung dieses Rums, sowie zu Fotozwecken, gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden 2009:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den 2009er Hampden lag bei 119,90€ und Release war am 28. Oktober 2022.  

Alter: von Juni 2009 bis Oktober 2022 durfte der Rum insgesamt 13 Jahre im Fass reifen. Da der DOK ursprünglich schon für das Frühjahr 2022 geplant und die Etiketten gedruckt waren, wird das Alter auf der Flasche aber noch mit 12 Jahren angegeben. 

Lagerung: unbekannt. Vermutlich reifte er aber über die gesamte Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: #18 - es handelt sich folglich um den Rest des Fasses vom Letter of Marque DOK. Dieser entsprangen nun noch einmal ca. 120 Flaschen a 0,5 Liter + einiges an Samples.

Angel's Share: unbekannt.  

Alkoholstärke: der Rum kommt, wie bei TRC üblich, in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 64,5 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Double Retort Pot Still. 

Mark: DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson)

Farbe: blass goldenes Stroh.

Viskosität: enge, dünne, parallele Schlieren fließen an der Glaswand herab und verweisen auf einen eher jungen Rum. 

Nase:
 die Erinnerungen und Parallelen zum Letter of Marque sind natürlich unübersehbar! Insbesondere im Crosstasting der beiden nebeneinander wird das deutlich, allerdings bringt der TRC natürlich schon einiges mehr an Reife und Holz mit, was ich als äußerst positiv empfinde. Er ist so gesehen runder, aber selbstverständlich noch immer so ungestüm, wie man es von einem Hampden DOK erwartet. Der Alkoholgehalt ist merklich hoch, aber nicht unangenehm störend. Nach ca. 20 Minuten kommt der Rum dann gar und gar smooth daher und von alkoholischer Schärfe bleibt gar nichts mehr übrig. Assoziationen zu flüssigem Klebstoff, Lösungsmitteln, Marzipan, gegrillter Ananas, gebackener Banane, nasser Erde, Zitrone, Antipasti und geräuchertem Schinken, wie ich sie beim LOM hatte finde ich auch im TRC wieder, aber eben in deutlich fortgeschrittenem Stadium. Ich meine, man darf man nicht vergessen, dass der Rum zwar schon viereinhalb Jahre älter, aber nun mal auch erst dreizehn Jahre alt ist.

Gaumen: ... und da scheppert's auch direkt! Wumms! Wie ein Schnellzug gegen ein Fahrrad schlägt der Rum am Gaumen ein und verursacht ein absolutes Ester-Inferno! Denn auch hier kann man im Grunde alles an Eindrücken wiedergeben, was auch beim LOM schon Phase war, nur, dass das ganze nun eben deutlich harmonischer daherkommt, wenn man sich zu diesem Wort bei so etwas wie einem DOK denn durchringen kann. Der Rum ist dementsprechend unfassbar mundfüllend und wahnsinnig adstringierend. Es zieht einem regelrecht die Schleimhäute zusammen. Der Säure-Anteil ist Mark-bedingt hoch. Natürlich merkt man dem Rum auch die Fassstärke an, aber ich empfinde diese hier als passend und würde sie dementsprechend auch nicht missen wollen. Der Alkohol ist super eingebunden und britzelt nur zu Beginn etwas auf der Zunge (wobei man mit größeren Schlucken durchaus vorsichtig sein sollte). Danach kommt dann auch dementsprechend einfach nur noch Flavour! Ein Bombardement an Estern, gegrillter Ananas, reichlich Obst, Toffee, Antipasti und etwas erdig-muffigem finde ich am Gaumen ebenso wie deftige Chorizo. Die Komplexität die mir beim LOM noch etwas gefehlt hat finde ich hier schon sehr viel eher, auch wenn dieser Rum natürlich auch noch keine zwanzig Jahre oder älter ist. Beim LOM empfand ich den Reifegrad damals als schon beinahe ausreichend, allerdings bleibt insbesondere im Quervergleich kein Zweifel darüber, dass der TRC um einiges ausgewogener auftritt und ihm das mehr als gut zu Gesicht steht. Ein Brett! 

Abgang: Hampden typisch verweilt der Rum nun schon sehr viel deutlicher am Gaumen und begleitet mich bis zum nächsten Morgen. Gegrillte Ananas kommt immer wieder, dazu Toffee und Antipasti. Hier zeigt sich der Reife-Zugewinn beim TRC deutlich! 

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Fazit:
 ich muss ja gestehen, dass das Thema DOK für mich eigentlich schon sehr durch war. Man bekam dazu in den letzten Jahren einiges geboten und das mystische, das diesen Stil lange umgab, ging so ein wenig verloren. Jeder, der da im Thema steckt kennt inzwischen Hampden DOK. Und dennoch hatte der LOM Stoff von damals mit noch einmal viereinhalb Jahren Reife on top auf Grund der persönlichen Verbindung seinen Reiz für mich, war dieses Fass doch etwas sehr besonderes für mich. Daher traf es sich auch vorzüglich, dass dieses Release und das zehnjährige Jubiläum von BAT so zusammenfielen, schließlich war nicht nur dieser DOK ein wichtiger Wegbegleiter während all der Jahre, sondern auch die Zusammenarbeit mit Jens und TRC währt insgesamt nun schon neun dieser zehn Jahre. Daher repräsentierte diese Abfüllung in gewisser Weise alles, wofür der Blog aus meiner Sicht immer stand: Nerd-Stoff, Neugierde, der unermüdliche Antrieb euch da draußen für eben jenen Stoff zu begeistern und zu gewinnen und über diesen Weg meinen Teil dazu beizutragen, dass solche Bottlings (anders als zum Start von BAT, als wir sehr auf dem Trockenen saßen) überhaupt möglich sind.
Mit der steigenden Nachfrage stieg im Laufe der Jahre aber auch nicht nur das Angebot, sondern es stiegen auch kontinuierlich die Preise. Und das Preisleistungs-Verhältnis bei diesem DOK fällt mir offen gestanden auch schwer zu beurteilen. Ich weiß ja noch, zu welchem Kurs der LOM damals kam. Und da das Fass folglich bereits 2018 gekauft war, kamen seit dem im Grunde nur Lagerkosten und geringfügig Schwund an Liquid dazu, die einen Preis von über 100% mehr im Vergleich zu damals sicher nicht notwendig gemacht haben. Das schmeckt nicht jedem und ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass ich derlei Kritik nicht nachvollziehen könnte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich jeden Händler verstehen kann, der keine Lust mehr hat dabei zuzusehen, wie Bottlings innerhalb von Minuten ausverkauft werden und wenig später auf Rum Auctioneer  etc. zu deutlich höheren Kursen weggehen. Die Kunst liegt meines Erachtens dementsprechend darin, einerseits diejenigen, die ihre Flaschen wirklich noch aufmachen und den Stoff lieben nicht zu verprellen und andererseits den Flippern die Taschen nicht vollkommen widerstandslos zum eigenen Nachteil voll zu machen. Ob da ein Gleichgewicht gelungen ist, muss jeder mit sich ausmachen und darauf basierend eine Kaufentscheidung fällen, aber ich finde, wie erläutert, für beide Seiten Argumente und glaube, dass es der Markt auch ein Stück weit richtet. Beispiele für Bottlings, die wie Blei in den Regalen liegen findet man schließlich zuhauf und der heute verkostete Rum gehört mit einer Verweildauer von ein paar Minuten im Shop am Freitag definitiv nicht dazu. 

-ohne Score-Wertung-


Der TRC - DOK im Mai Tai:

Und ja, wenn schon denn schon! Der Mai Tai war für mich und auch auf diesem Blog hier schon immer eine Herzensangelegenheit und so komme ich gar nicht daran vorbei, schon gar nicht zum zehn jährigen, auch diesen High Ester Rum in meinem Lieblingsdrink auszuprobieren. Ich gebe zu, mein persönlicher Geschmack hat sich da in den letzten Jahren etwas verschoben, dahingehend, dass mir gemäßigtere Jamaica Rums im Mai Tai etwas besser gefallen, aber der Versuchung eines Hampden DOK mit dreizehn Jahren Reifezeit in diesem Tiki Klassiker kann ich natürlich nicht widerstehen. 



Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 6,0 cl The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden DOK 2009
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,8 cl Limettensaft (frisch gepresst!)


Die Anmutung im Glas ist gewohnt und vertraut, der Drink ist sehr hell und ein wenig ins milchige gehend, wie immer, wenn ich den Mai Tai mit eher jungen, kontinental gereiften Hampden zubereite. 

Geschmacklich dann, wie schon in der Pur-Verkostung, die absolute Explosion! Sehr, sehr geil! Ein absolut intensiver, dabei aber smoother, fruchtiger Mai Tai, eine absolute Aromenbombe! Während ich den Mai Tai mit dem Letter of Marque noch eher in einer Kombination gemixt habe, sprich diesem einen noch etwas reiferen Rum an die Seite gestellt habe um mehr Tiefgang und Komplexität in den Drink zu bringen hat das der TRC defintiv nicht nötig. Zwar merkt man auch hier, dass der Rum im Drink keine zwanzig Jahre alt ist, aber dieses etwas farblose (im wahrsten Sinne) hat er nicht mehr. Wer mal einen Mai Tai mit ungereiftem Rum probiert hat, der weiß was ich meine. Bei denen sieht man das natürlich am deutlichsten. Der hohe Alkoholgehalt des Mai Tai bereitet keinerlei Probleme, er lässt sich sehr entspannt trinken. Natürlich profitiert er auch nochmal etwas von der Verwässerung, was für mich aber ein eher positiver Aspekt ist, heißt dies doch vor allem, dass man sich mit dem Genuss auch länger Zeit lassen kann, ohne Sorge haben zu müssen, dass der Drink durch zu viel Schmelzwasser in seiner Qualität merklich einbüßt. Alle Zutaten harmonieren miteinander und machen, was sie im Mai Tai zu machen haben: der Rum steht im Vordergrund, die anderen Zutaten setzen ihn in Szene, ohne von ihm erschlagen zu werden. Wunderbar! 

Fazit: 

Kann man machen! Klar, den Diskurs darüber ob Rums mit einem solchen Preisschild in einen Drink gehören führe ich, seit ich Rums mit diesen Preisschildern in eben jenen Drinks vermixe. Aber ich stehe da absolut zu meiner Haltung, dass ein Drink wie der Mai Tai einen Mehrwert für einen Rum wie den DOK darstellt, weswegen es für mich keinen Grund gibt es nicht zu tun. Noch dazu kommen leider immer weniger Rums auf den Markt, deren Preisschild mir merklich besser gefällt und die aber eine vergleichbare Qualität wie die hier dargebotene zu bieten haben. Da haben sich die Zeiten einfach geändert, ein Nerd Stoff wie dieser fliegt eben nicht mehr unter dem Radar und man kann eben nicht alles haben. Gäbe es diesen Markt in der Form nicht, käme auch der Stoff nicht in den Handel. Insofern bin ich da mit allem fein! Wird wieder gemixt! 


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 6. Dezember 2020

The Rum Cask Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990

Liebe Rum Gemeinde,

eigentlich sollte das hier eine Nikolaus-Überraschung für euch werden und der Rum erst heute, zeitgleich mit diesem Review in den Verkauf gehen, aber durch einen Fehler im System erreichte die Frohe Kunde die Rum Welt bereits am gestrigen Samstag: TRC bringen noch einmal einen Hampden Jamaica Rum des Über-Jahrgangs 1990!



Mir gehen allmählich die Superlative für das Jahr 2020 aus! Das übliche Kontingent an Rum-Krachern ist eigentlich längst erschöpft und ich kann mich an kein einziges Jahr in der Vergangenheit erinnern, in dem wir eine derartige Ballung an Top Rums erlebt haben. Eigentlich dachte ich, dass Old Man Spirits mit ihrem 1999er Monymusk hier den Schlusspunkt gesetzt hätten und normalerweise klingt im Dezember das Jahr dann ja auch allmählich aus und die Top-Listen für das abgelaufene Jahr werden herausgeholt. Aber der ebenfalls deutsche Abfüller The Rum Cask mit Sitz in Pirmasens hat(te) etwas dagegen und sich für den Schlusspunkt nochmal einen der goldenen Jahrgänge kontinental gereiften Rums aufgehoben: Hampden 1990! Wow! 

Sie haben es also wirklich gemacht. Nach Anfang 2017 bringen The Rum Cask nun zum bereits zweiten Mal schon einen Jamaica Rum aus Hampden des legendären 1990er Jahrgangs auf den Markt, der für mich seit jeher der stärkste ist den die Brennerei je hervorgebracht hat. Dementsprechend war und ist das für mich beste Hampden Bottling überhaupt eben auch jener The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 mit 61,9% vol., der nun schon vor fast vier Jahren als damals fünfte BAT-Abfüllung in die Flasche kam. Wohl kein anderer Rum-Jahrgang hat mich insgesamt während meiner Rum-Laufbahn wohl so sehr geprägt wie Hampden 1990! Meine Beziehung zu diesem Vintage und dem dazugehörigen Mark, C<>H, ist also eine sehr besondere und, ja, auch eine die nicht immer von Objektivität geprägt ist. So sollte man beispielsweise meine 98/100 Punkte für den Rum nicht allzu ernst nehmen. Ich meine, versteht das nicht falsch, ich sehe den Rum dort tatsächlich, aber das ist eben eine wirklich persönliche, subjektive und von außen in dieser extremen Form eigentlich nicht nachvollziehbare Bewertung. Der Rum war damals der, nach dem ich mich jahrelang gesehnt und aber bis dahin nicht bekommen habe. Als er dann kam, war das genau das, was ich haben wollte. Geliefert wie bestellt. 

Nun, nach wiederum fast vier Jahren 1990-Vakuum seit dem letzten TRC Release, sind die Vorzeichen natürlich andere. Es gibt da, anders als 2017, diese übergroße Benchmark, die genommen werden will. Die Perfektion war bereits am Start. Auf der anderen Seite ist die Sehnsucht nach einem neuen 90er selbstverständlich groß, denn meine Reserven sind beinahe erschöpft und ich könnte mir vorstellen, die der meisten anderen auch. Einige haben vielleicht noch etwas von dieser Rum Club Abfüllung, allerdings war diese für mich niemals eine Option zur Substitution des TRC, weil ich sie als wesentlich schwächer, unbalancierter und das Fass als solches suboptimal wahrgenommen habe. Alles in allem wie ein TRC auf Wish bestellt. Klar, ganz allgemein betrachtet war das sicher kein schlechter Rum, aber 1990 im Speziellen gesehen konnte er da eben in keiner Weise mithalten. 

Mit dem Erfolg der ersten wächst aber na klar auch die Erwartungshaltung an die zweite Version des The Rum Cask 1990 und mit ihr schließt sich auch so wenig der Kreis, denn sie ist nun schon die insgesamt zehnte BAT-Abfüllung von TRC und sie kommt zu einer Zeit, in der die allererste BAT-Abfüllung, ein vier jähriger Worthy Park damals, siebeneinhalb Jahre Bestehen feiern kann. Das ist schon enorm, auch und gerade wenn man sich vor Augen hält, dass nur die wenigsten in der Rum Szene selbst schon so lange überhaupt dabei sind. Damals, vor dem großen Boom, war das ganz viel Pionier-Arbeit und der 26 YO Hampden 1990 war 2017 wie die Krönung dieser Entwicklung. Und ganz ehrlich, als ich hörte, dass nun die zweite Version im Anflug ist, da wusste ich, anfangs und angesichts meiner schon beinahe Verehrung für die erste Version, gar nicht ob ich eigentlich und überhaupt wollte, dass diese ihr gefährlich wird. Am Ende aber siegt natürlich der Gedanke an qualitatives Streben, und so sehe ich mir den guten Tropfen nun einfach mal an - natürlich im Quervergleich zum ersten Release!

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung dieses Rums, sowie eine ganze Flasche des Rums zu Fotozwecken gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den 1990er Hampden hätte bei 289,90€ liegen und Release am 6. Dezember 2020 um 11:00 Uhr sein sollen. Durch einen Systemfehler, ist der Rum allerdings bereits am Samstag, den 5. Dezember im Shop aufgetaucht und wohl direkt ausverkauft worden. 

Alter: von November 1990 bis November 2020 durfte der Rum insgesamt genau 30 Jahre im Fass reifen. 

Lagerung: Continental Aging - der Rum lagerte während der gesamten Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: unbekannt. Dass Fass ergab aber insgesamt noch ca. 260 Flaschen a 0,5 Liter + einiges an Samples.

Angel's Share: etwa 35% des Fassinhaltes gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 55,6 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Double Retort Pot Still. Vermutlich handelte es sich dabei um die John Dore Still, die seit 1960 bei Hampden aktiv ist. Alle anderen heute noch verhandenen Stills sind aus mindestens 1994 oder sogar noch jünger. Nicht ausschließen kann ich allerdings, dass 1990 noch weitere Stills aktiv waren, von denen heute nichts mehr bekannt ist. Aus einer solchen kann der Rum theoretisch natürlich auch kommen. 

Mark: C<>H (Continental Diamond Hampden)

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh, ich erkenne keine relevanten Unterschiede zum Vorgänger.

Viskosität: der Rum bildet einen öligen Film an der Glaswand und läuft letztlich in weiten, regelmäßigen und parallelen Schlieren träge am Glas hinab. 

Nase:
 Treffer! Mich empfängt ab Sekunde 1 eine überaus kräftige und für C<>H stiltypische Hampden Nase, die sich erstmal nicht groß von jener des legendären Vorgängers unterscheidet. Der Alkohol wirkt bei beiden Rums zunächst noch eher ungestüm, weswegen sie natürlich von mir auch noch etwas Zeit im Glas bekommen. Nach einiger Zeit kann man zwischen beiden dann aber auch deutlichere Unterschiede wahrnehmen. So kommt der 30 YO schon deutlich gesetzter daher als sein 26 jähriges Pendant und hat nicht mehr ganz diese schier unfassbare Power, Brachialität und Durchschlagskraft, die für mich bis heute in dieser Qualität auch noch immer unerreicht ist. Wo beim 26er die Ester der alleinige Chef im Ring sind, ist beim 30er auch Platz für komplexere Parts und auch schon klar mehr Fassaromen, wie sie jüngeren Hampden oft fehlen und wie sie auch der 26er in dieser Form nicht hatte. So finde ich, neben natürlich all dem Klebstoff, den Lösungsmitteln, der gegrillten Ananas und dem markanten 1990er Obstsalat, die auch der 30er natürlich hat, wir sprechen ja immer noch über einen C<>H, doch schon einiges mehr an Vanille und auch Eichenholz z. B., was mir aber gut gefällt und den Hampden auch definitiv zugänglicher macht als sein Vorgänger es war. Dazu ist die mediterrane Schiene noch präsenter, ich finde doch einiges an Antipasti in diesem Tropfen. Nach hinten heraus hat der Rum etwas vegetales. Die Ester-Dominanz findet in dieser extremen Form also nicht mehr statt. Dazu machen auch die 55,6% vol. den Rum natürlich sehr smooth, der Rum weist kaum alkoholische Schärfe auf. Das ist beim 26er zwar auch positiv hervorzuheben gewesen, fand mit 61,9% vol. aber noch auf einem anderen, höheren, Level statt. Hier ist das entspannter! Auch dadurch fehlt es ihm zwar etwas an Intensität, die er aber wie oben schon beschrieben durch Tiefe und Komplexität wett macht, die klar ausgeprägter sind. Man findet und entdeckt immer noch wieder neues in ihm und das wiederum macht wahnsinnig Spaß, trotz und weil es eben nicht so anstrengend ist, sich mit ihm auseinander zu setzen. 

Gaumen: frisch am Gaumen drischt der Rum zunächst einmal mit allem was einen 1990er Hampden so ausmacht auf diesen ein! BÄÄÄM!! Im direkten Vergleich nicht ganz so krass wie beim 26 YO, aber das merkt man tatsächlich auch nur dann. Probiert man ihn einzeln, ist das brachial wie eh und je! Der Alkohol mischt sich beinahe gar nicht ein, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Er ist so wenig präsent, dass er einen nicht überfordert, aber ausreichend am Start, um dass der Rum nicht verwässert wirkt, was vielen 1990er Hampden früher zum Verhängnis wurde. Das hier ist nahe am Optimum. Der Rum ist das, was man im Duden vermutlich unter "mundfüllend" finden würde. Innerhalb kürzester Zeit breitet sich der Hampden im gesamten Mundraum aus und belegt alles mit dieser einzigartigen, rummigen Note, die sich gerade hierzulande durch diverse Backaromen, Rumkugeln, Rum-Traube-Nuss-Schokolade etc. ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat, weil sie fast überall in geringer (aber spürbarer!) Menge enthalten ist. Der Rum ist nicht ganz so mächtig und heavy-bodied wie der 26 YO damals, das war einfach ein Ausnahme-Tropfen, aber er kommt dem schon sehr nahe. Habe ich den Rum 2017 schon als brachial-elegant beschrieben, so tendiert dieser hier nochmal deutlicher in Richtung elegant. Dennoch ist der Rum zu Beginn deutlich adstringierend, wird dann aber cremiger und öliger und profitiert von seiner Fassstärke. An Assoziationen habe ich über allem die gegrillte Ananas, dazu frisch geschnittenes Geäst, deftige Chorizo (eine der wenigen Ausnahmen, wo mir Umami Noten im Rum zusagen!), mediterrane Antipasti, Humus und saure Zitrusnoten, wobei insbesondere der Säure-Faktor bei dieser Abfüllung eine merklich geringere Rolle spielt als bei früheren 1990er Hampdens. Schade für die einen, Freude für die anderen. Die Tendenz geht hier eher ins fruchtige und erdige. Peripher kommt immer mal wieder Hubba Bubba Kaugummi durch. Tannine sind auch da, spielen aber kaum mit rein. Am Gaumen machen sich die 30 Jahre im Fass nicht durch Holz ansich bemerkbar.  

Abgang: leicht muffiger Abgang, mit kurzen Bitter-Anflügen, Gewürzen und auch merklich Holz. Insgesamt kommt er nicht ganz so extrem, wie man das von Hampden 1990 zum Teil immer gewohnt war, aber es ist noch immer ein schöner, intensiver, langer, beinahe unendlich anmutender Abgang. 

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Fazit:
 bereits zum zehnten Mal heißt es heute bereits: Recommended by Barrel Aged Thoughts - und selten war es so spannend! Denn es fällt mir ausgesprochen schwer zu mutmaßen, ob diese 30 jährige Abfüllung bei euch da draußen besser oder schlechter ankommen wird als die 26 Jahre alte Version. Ich gehe ganz stark davon aus, dass sich das Lager da vielleicht sogar teilen wird in jene, die das absolut brachiale aus der ersten Abfüllung über alle Maßen schätzen und das hier vermissen und dementsprechend Version I vorziehen werden und jene die total darauf stehen, dass man hier alles bekommt was 1990 ausmacht, der Rum aber vergleichsweise zugänglich und merklich entspannter daher kommt. Ich würde mich da zu beiden Fraktionen zählen. Mehrfach saß ich beim Crosstasting vor den Gläsern, fand das entspannte beim 30er richtig gut, probierte dann wieder den 26er und dachte: aber voll in die Fresse ist halt auch geil! Dann allerdings probierte ich wieder den 30er und fand das entspannte wieder genau richtig. Und immer so weiter. Ich glaube dementsprechend, dass beide Varianten sich gegenseitig ergänzen und keine die andere komplett verdrängen könnte. Müsste ich mich allerdings für nur einen entscheiden, wäre ich aber beim 26er, so ehrlich muss ich sein (im Zweifel für den Bumms😉). Ich schrieb damals in meinem Fazit: "Ein Rum, der nicht eingeordnet, sondern meines Erachtens übergeordnet wird.". Und das würde ich auch heute noch unterschreiben. Klar, der hatte damals auch den Bonus, dass er als erster 1990er in Fassstärke kam, aber er hat eben auch den Zenit des Jahrgangs meines Erachtens einfach am präzisesten getroffen. Die Benchmark ist und bleibt für mich daher gesetzt. Zu meinem Glück muss ich mich nicht entscheiden und so freue ich mich über den 30 YO als schöne Ergänzung im Hampden Portfolio! 

-92/100-


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 8. Dezember 2019

The Rum Cask Jamaica Rum 18 YO Hampden 2001

Liebe Rum Gemeinde,

ja, es ist mal wieder so weit, von The Rum Cask steht ein neuer Hampden in den Startlöchern! Und mit dem <>H aus dem Jahrgang 2001 widmet man sich dieses Mal sogar einem Jahr, welches bereits großes Potenzial angedeutet hat, bisher noch nicht so häufig abgefüllt wurde. Ich bin gespannt!



Die Geschichte der heutigen Abfüllung beginnt, zumindest für mich, im Sommer 2017, als einige andere Nerds, wie z.B. die Jungs von RUMBOOM oder Marius von Single Cask Rum, und letztlich auch meine Wenigkeit die Idee hatten, bei der Main Rum Company auf der Insel nach Fass-Samples zu fragen. Uns interessierte natürlich das Mark DOK von Hampden, aber auch ein <>H Fass aus 2001 war dabei, das uns überzeugen konnte. In Zusammenarbeit mit The Rum Cask gelang es den Jungs aus Pirmasens dann, die Fässer nach Deutschland zu holen. Daraus ist die überaus erfolgreiche Letter of Marque DOK Abfüllung resultiert, die seinerzeit in nur 23 Minuten ausverkauft war und auf dieser Geschichte basiert letztlich auch das heutige Bottling. Daher möchte ich den Moment noch einmal nutzen, und meinen Dank sowohl an Maik, Eric, Thomas, Marius und Sascha richten, die gleichsam beteiligt waren, und natürlich an Jens und das Team von The Rum Cask, die das letztlich möglich machten und uns, der Fassauswahl und damit unseren Eindrücken, vertrauten. Vielen Dank! Aus Gründen der Transparenz möchte ich erwähnen, dass ich den Rum natürlich kostenfrei zur Verkostung erhalten habe, allerdings sollte sich, angesichts der Geschichte der Abfüllung, von selbst verstehen, dass das auf meine Eindrücke keinen Einfluss gehabt hat, schließlich geht die Abfüllung ja auch auf u.a. mein Engagement mit zurück. 

Sprechen müssen wir beim Jahrgang 2001 kurz über das Mark. Dieses wird von der Main Rum Company mit JMH angegeben (was aber natürlich nur ein firmeninterner Code für den Rum ist, kein tatsächliches Mark), ebenso wie beim Batch aus 1998, aber bereits frühere Verkostungen zeigten, dass das keinesfalls bedeutet, dass es sich dabei um das selbe Hampden Mark handelt. Da einige Hampden Marks mit dem Buchstaben H beginnen, sagt das Kürzel JMH also leider dementsprechend wenig aus. Da bleibt einem dann nichts anderes übrig als selbst immer und immer wieder zu verkosten, ebenso oft gegen zu verkosten und dann aus einem gewissen persönlichen Erfahrungsschatz das Mark selbst zu bestimmen. So kann der Jahrgang 1998 inzwischen dem Mark HLCF zugeordnet werden, während der Jahrgang 2001 dem Mark <>H zugeordnet wird. Wer nun vor einem großen Fragezeichen steht oder einfach nur neugierig geworden ist und über die Marks oder Hampden generell noch mehr erfahren möchte, dem lege ich meinen kleinen Überblick zur Destillerie nahe, der letztlich auch die Marks u.a. behandelt. 

Ansonsten ist der Hampden Jahrgang 2001 bisher noch ein relativ neuer Jahrgang, der noch nicht so häufig abgefüllt wurde. Ich kenne Abfüllungen von Kill Devil, von Corman Collins/Bristol und von SecretCask, die in ihrer Qualität noch sehr unterschiedlich daher kamen, aber alle einen Alkoholgehalt um 61% vol. ca. aufwiesen. Da stellt auch der neue von The Rum Cask keine Ausnahme dar, der mit 61,2% vol. in die insgesamt 310 Flaschen gekommen ist. Gelagert wurde das 190 Liter Fass vermutlich komplett in Europa. Die nicht ganz 20% Angels Share sprechen auf jeden Fall dafür. Ich werde, auch das liegt nahe, den neuen Rum heute mit zwei der bisherigen Bottlings vergleichen, als auch mit einem Sample des Rums aus dem Sommer 2017, als wir die Samples von der Main Rum Company geordert hatten. So sehe ich also auch gleichzeitig eine direkte Entwicklung bei ein und dem selben Fass - was ich überaus spannend finde!



Verkostung des TRC Jamaica Rum 18 YO Hampden 2001:

Preis: der TRC Hampden 2001 wird ab dem 8. Dezember 2019 um 11:00 Uhr im Shop bei The Rum Cask zu beziehen sein und 99,90 Euro kosten. 

Alter:  der Rum reifte genau 18 Jahre lang, von November 2001 bis November 2019, im Fass.

Lagerung: mit großer Wahrscheinlichkeit lag der der Rum, zumindest die meiste Zeit über, in Großbritannien.

Fassnummer: #2 ergab insgesamt 310 Flaschen a 0,5 Liter. 

Angel's Share: nicht ganz 20% gingen dem 190 Liter Fass verloren. Das ist, verglichen mit tropischen Verlusten, sehr wenig und spricht eindeutig für eine komplette Lagerung in Europa. 

Alkoholstärke: der Rum weist einen Alkoholgehalt von 61,2% vol. auf - Cask Strength! 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: JMH ➜ <>H

Farbe: strohig, golden. 

Viskosität:  der Rum bildet eng, aber unregelmäßig verlaufende Schlieren am Glasrand und läuft recht zügig am Glas herunter.

Nase: eine unverkennbare und intensive Hampden Nase mit sehr starken und markanten Estern, dabei aber trotz alledem sehr smooth und weich kommt mir nach kurzer Zeit des Atmens im Glas entgegen. Alkoholische Schärfe ist nicht vorhanden. Ein hervorragender erster Eindruck! Ich lasse den Rum insgesamt ca. 1,5 Std. atmen, was ihn weiter öffnet und noch besser werden lässt.  Im Bouquet finde ich im Grunde genommen alle für High Ester Hampden typischen Assoziationen: intensive Klebstoffe, gegrillte Ananas, Bananen, Zitrusfrüchte, Marzipan, Humus und Bourbon Vanille, aber auch ganz leichte und zarte Raucharomen, sowie Orangenmarmelade und natürlich Tannine vom Fass. Gerade das Broker-Sample daneben zeigt im Vergleich tatsächlich sehr gut, inwieweit sich der Rum über die letzten 2,5 Jahre zum Positiven entwickelt hat. Die Ecken und Kanten sind noch ein wenig abgeschliffen worden, ohne den Rum damit zu rund zu machen. Der Hampden ist intensiver geworden, dabei aber auch entspannter und etwas komplexer. Die zusätzlichen Jahre machen da schon einiges aus und sorgen dafür, dass hier für meine Begriffe wirklich wenige Wünsche, wenn überhaupt, offen bleiben. Fehlnoten z.B. finde ich keine, aber ich vermisse auch nichts. Klar, es gibt noch krassere Marks als <>H, aber für viele Hampden-Lovers hat sich insbesondere dieses Mark ja quasi zum Konsens-Mark entwickelt. Nicht so krass wie z.B. das auch sehr viel säure-haltigere Mark C<>H, aber auch viel fruchtiger und wesentlich weniger zurückhaltend als beispielsweise HLCF. Und der heute verkostete <>H bestätigt diese Sichtweise bis hierher auf jeden Fall! Sehr fruchtig, viel Power, starke Ester, und aber nicht so säure-lastig wie 1990.  

Gaumen: Boom! Hampden-Vollgas! In Sekundenschnelle breitet sich eine geradezu monströse Hampden-Jamaica-Rum-Note im gesamten Mundraum aus und vereinnahmt ihn regelrecht. Was für eine Demonstration - "mundfüllend" wäre als Beschreibung dabei noch untertrieben! Der Hampden ist stark und voller Power, adstringierend, dabei aber nahezu überhaupt nicht alkoholisch. Viel mehr ist er total smooth und entspannt! Er ist von schwerem Körper, wahnsinnig intensiv, voller Flavour und kommt auch am Gaumen mit allen typischen Merkmalen daher, die einen Hampden letztlich unverkennbar machen: die volle Breitseite an vergorenen, fruchtigen Estern, die an gegrillte Ananas, Bananen und Zitrusfrüchte erinnern, dazu mit eher erdigen und würzigen Noten wie Humus und Vanille, dazu auch herzhaftes wie Chorizo und Antipasti. Der Einfluss durch das Fass erscheint nahezu perfekt. Der Rum wurde deutlich geformt, insbesondere im Vergleich zum Broker Sample sieht man das sehr gut. Er ist merklich reifer als eben jenes Sample nach damals noch 15,5 Jahren Reife, aber noch immer weit davon entfernt langweilig oder rundgelutscht zu sein. Wie schon in der Nase, so fällt auch am Gaumen auf, dass wirklich nichts da ist, was irgendwie stören, oder im Umkehrschluss irgendwas fehlen würde. Der Hampden performt dabei am Gaumen meines Erachtens auch nochmal ein ganzes Stück mehr als in der Nase, die ja auch schon sehr gut war. Aber zur vollen Entfaltung kommt er erst hier und natürlich, wenn es dann final in den Abgang geht. 

Abgang: der Abgang nimmt Stunden in Anspruch, ist am nächsten Tag noch wahrzunehmen, überdauert sowohl Mundhygiene als auch Mahlzeiten. Der Abgang ist seit jeher Hampdens Paradedisziplin und diese Abfüllung zeigt mehr als eindrucksvoll, warum das so ist. Und ich fühle mich einmal mehr darin bestätigt wenn ich sage: in diesem Punkt können die tropisch gereiften Hampden den ca. 20 Jahre kontinental gelagerten Hampden (noch?) nicht das Wasser reichen!

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Ein paar Dinge scheinen gewiss: die Sonne geht auf, die Sonne geht unter und nach spätestens ein bis zwei Jahren kommt von The Rum Cask wieder eine geile Hampden-Abfüllung auf den Markt! Ja, kaum eine Brennerei hat so sehr Tradition auf hohem Niveau bei TRC wie Hampden. Insgesamt ist dieses, wenn ich richtig gezählt habe, schon das achte Hampden-Bottling dieses kleinen UA in den letzten sieben Jahren und bereits das vierte, welches meine ausdrückliche Empfehlung erhält. Na klar, an das 1990er Batch kommt der Rum bei mir nicht heran, der thront einsam an der Spitze, aber dahinter dürfte er sich dann auch schon einreihen. Denn mir gefällt der Jahrgang 2001 deutlich besser als der Jahrgang 1998, was eben am höheren Estergehalt (<>H im Vergleich zu HLCF) liegt.

Die vier Hampden 2001 warten darauf ins Glas zu kommen & verkostet zu werden.


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Nun kamen ja aus dem Jahrgang 2001 schon ein paar andere Hampden heraus und ich hatte auch ein Sample aus dem Juni 2017 vom heutigen Rum. So habe ich dementsprechend die vier mir zur Verfügung stehenden Rums miteinander verglichen und kann sagen, dass der heute verkostete TRC im direkten Vergleich in Bezug auf die Nase ziemlich deutlich gewinnt. Das Broker-Sample und den Kill Devil sehe ich ziemlich gleich auf ein Stück dahinter, der Corman Collins Bristol fällt als einziger dagegen mit dieser gar nicht zu Hampden passenden Menthol-Note total ab. Der gefällt mir überhaupt nicht! Am Gaumen kommt der Kill Devil 16 YO dem TRC schon sehr nahe, ein wirklich guter Rum, aber auch hier sehe ich den 18 jährigen vorn. So fällt in der Summe aber auch noch einmal auf, dass der Rum durch die zusätzliche Reife wirklich gewonnen hat, auch wenn das Broker-Sample schon wirklich gut war. Preislich, auch das muss erwähnt werden, sind die Zeiten, in denen wir Abfüllungen wie diese für knapp über 50- Euro bekommen haben leider vorbei. Die Broker wissen seit einigen Jahren, dass Hampden eine beliebte und begehrte Brennerei ist und so kommen eben die Preissprünge zustande. In Zeiten, in denen viele Connaisseure allerdings bereit sind noch weit mehr für einen fast ungelagerten DOK auszugeben, sind die knapp unter hundert Euro für einen 18 Jahre gereiften Rum dann allerdings schon fast wieder ein Schnäppchen. Wie so oft, kommt es also auch hier nur einmal mehr auf die Perspektive an. Ich persönlich finde, dass der TRC Hampden 2001 den aufgerufenen Preis auf jeden Fall wert ist und kann nur jedem Freund der Destillerie den Kauf einer Flasche ans Herz legen! Damit macht man nichts falsch!

-91/100-

Mir bleibt nun dementsprechend nur noch, euch viel Spaß mit dem Rum und einen schönen zweiten Advent zu wünschen! Den Jungs, Jens und dem Team von The Rum Cask danke ich nochmals für ihr Engagement um den Erwerb des Fasses, für die Abfüllung und die Möglichkeit kostenlos probiert haben zu können. Vielen, lieben Dank!

Bis demnächst
Flo

Sonntag, 9. Juni 2019

TRC Jamaica Rum 11YO WP 2007 - Ex-Laphroaig Cask

Liebe Rum Gemeinde,

es ist endlich einmal wieder soweit! Die erste "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Abfüllung von The Rum Cask seit eineinhalb Jahren steht vor der Tür und es geht gewisser Maßen ein Stück back to the roots - zurück zu den Wurzeln.



Wir erinnern uns: vor ziemlich genau sechs Jahren, im Sommer 2013, erschien mit dem 4 YO Worthy Park aus 2009 die erste solche Abfüllung mit dem goldenen Sticker und auch die jetzt insgesamt achte "Recommended"-Abfüllung wird wieder aus Worthy Park stammen - nicht offiziell, der Name darf das Label nicht zieren, aber das Kürzel WP führt in Zusammenhang mit Jamaica Rum wohl eher weniger zu irgendwelchen Unklarheiten. 😉

Damals, in 2013, war eine Abfüllung aus Worthy Park noch etwas sehr besonderes und spezielles. Es war seinerzeit der allererste Rum von dort den ich im Glas hatte und meines Wissens nach auch der erste unabhängig abgefüllte Worthy Park überhaupt. Es gab schon ein paar OBs, soweit ich mich erinnere, aber die wurden in Europa noch nicht vertrieben, zumindest nicht in einem größeren Stil, so dass sie den Connaisseuren zu dieser Zeit dementsprechend noch nicht bekannt waren. Kurz: die Abfüllung von TRC damals entsprang noch echtem Pioniergeist! Heute hat sich die Situation stark gewandelt. Rums aus Worthy Park diverser Jahrgänge zählen inzwischen  zum Portfolio zahlreicher unabhängiger Abfüller und auch die Destillerie selbst investiert viel in den Aufbau des eigenen Namens und seines Labels. Dies führte letztlich dann auch dazu, dass man damit begann, juristisch gegen die Verwendung des Namens Worthy Park auf den Labeln unabhängig abgefüllter Rums vorzugehen. Kein schöner Zug, wie ich finde, da die unabhängigen Abfüller sich in den letzten Jahren sehr um die Popularität Worthy Parks verdient gemacht haben. Ich plädiere im Zweifel immer für maximale Transparenz und finde, dass die Nennung des Erzeugers eines Produkts auch zu jenen Angaben zählt, auf die der Verbraucher am Ende auch ein Recht hat sie zu erfahren (und nicht nur, wenn er sich auskennt und Kürzel deuten kann). Nichts desto weniger kann ich den Schritt, rein aus Sicht von Worthy Park, natürlich ein Stück weit nachvollziehen und es ist ja auch deutlich zu erkennen, dass die Jungs dort noch einiges vorzuhaben scheinen und regelmäßig neue Releases am Start haben. Ich bin an dieser Stelle allerdings auch insbesondere gespannt, wie man die Destillerie langfristig spannend und im Gespräch halten möchte, denn ich sehe zwar die fast durchweg hohe Qualität bei Worthy Park, aber ich empfinde die Rums auch oft als ein wenig langweilig. Zu sagen, dass wenn man einen kennt, man irgendwie auch schon fast alle kennt wäre überspitzt, ist aber oft nicht weit weg vom ersten Gedanken. Höre ich inzwischen von einem neuen Worthy Park Release, dann stellt sich bei mir erstmal nicht direkt und unmittelbar ein Probieren-Wollen-Gefühl ein.

Dabei kann die traditionsreiche und in 2005 wieder in Betrieb genommene Destillerie durchaus einiges bieten! Eine Besonderheit bei Worthy Park ist nämlich, dass es da auch einige tropisch gereifte Rums zu den Bulkhändlern nach Großbritannien geschafft haben. Dies kommt bei den allermeisten anderen Destillerien eher nicht vor. Die unabhängig abgefüllten Rums aus Hampden beispielsweise sind alle kontinental gereift. Was dabei leider oft noch fehlt sind exakte Angaben aller Beteiligter zum Thema Reifung. So war zum Beispiel klar, dass der 4 YO aus 2009 oder der 9 YO aus 2005 lange Zeit tropisch gelegen haben müssen, rein auf der Grundlage ihres Geschmacksprofils, aber gesicherte Angaben hat es leider keine gegeben. Beim Bottling um das es heute geht war das erfreulicherweise anders und so wissen wir, dass der Rum, laut Broker, bis 2017 tropisch reifte und dann nach Europa kam. In Europa angekommen, wurde er dann in ein Ex-Laphroaig Single Malt Whisky Fass umgefüllt, welches The Rum Cask eigens dafür nach Schottland geschickt hatten. Anschließend wanderte das Fass wieder nach Deutschland zurück und reifte dort noch zwei Jahre, bis Anfang 2019, bis der Rum schließlich abgefüllt wurde. Was leider verloren ging, sind Angaben zum Fassungsvermögen des ursprünglichen Fasses und dementsprechend auch, wie hoch genau der Angel's Share war. Das einzige was gewiss ist, ist, dass während der zwei Jahre in Deutschland nochmal 10% des Fasses verdunsteten, was für kontinentale Verhältnisse doch enorm ist. Da 335 Flaschen (167,5 Liter) abgefüllt wurden ist zumindest klar, dass, die 10% Verlust drauf gerechnet, das ursprüngliche Fass ca. 186 Liter Rum enthielt. Wie groß dessen Fassungsvermögen war und wie häufig auf Jamaica während der ersten ca. 9 Jahre Umfüllungen verschiedener Fässer stattgefunden haben ist damit aber natürlich nicht zu rekonstruieren.

Vor der Abfüllung des Rums schickte mir Jens von TRC dann eine Fassprobe vom Rum zu und fragte mich zu meiner Einschätzung des Ganzen. Aus den oben genannten Gründen war ich aber zunächst erst einmal skeptisch. Ja, okay, ein neuer Worthy Park... okay, mit Finish, ja, mal schauen! Ich denke, viele von euch Lesern werden sich darin gerade wiedererkennen und sich ebenfalls fragen, was man jetzt vom x-ten Worthy Park halten soll und warum genau einen das jetzt interessieren sollte. Was, zumindest bei mir, dann aber folgte... lest selbst! 




Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum 11 YO Worthy Park 2007 - Ex-Laphroaig Cask:


Preis: der Worthy Park ist seit heute Nachmittag im Shop von The Rum Cask für 53,90 Euro für eine 0,5 Liter Flasche zu beziehen. 

Alter: von 2007 bis 2019 reifte der Rum insgesamt 11 Jahre im Fass. 

Lagerung: die Reifung erfolgte 9 Jahre, bis 2017, in tropischem Klima und im Ex-Bourbon Fass, sowie 2 Jahre im Ex-Laphroaig Single Malt Scotch Whiskyfass in Deutschland. 

Fassnummer: unbekannt. Abgefüllt wurden 335 Flaschen a 0,5 Liter. 

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: der Rum kommt mit einem Alkoholgehalt von 57,9% vol. daher. Das entspricht der Fassstärke. 

Destillationsverfahren: Pot Still.

Mark: WP? - am ehesten tippe ich hier geschmacklich auf WPL oder WPM.

Farbe: sattes, kräftiges Gold. 

Viskosität: ein fetter Film beißt sich an der Glaswand fest. Es bilden sich kleine Tropfen und der Rum fließt in engen, unregelmäßigen Schlieren wieder an der Glaswand herab. 

Nase: nachdem der Rum doch einige Zeit im Blender's Glass atmen durfte, nehme ich nach wie vor eine doch recht präsente alkoholische Schärfe wahr. Dieses Phänomen beobachte ich häufig bei diesem Glastypen und es dauert häufig sehr viel länger als bei Standardgläsern, bis sich die Schärfe verflüchtigt. Hinter dem Alkohol finde ich dann allerdings auch sehr schnell ein tiefes und reichhaltiges Angebot. Da sind z.B. die für Worthy Park typischen Eindrücke von Bananen in allen erdenklichen Formen, seien es Bananenchips oder Bananenkompott, sowie Menthol, Anis und weitere Gewürze. Daneben habe ich dann auch noch vegetale Eindrücke von frischem Gras, sowie tatsächlich Teer. Habe ich vorher einen Caroni im Glas gehabt und nicht gespült? Nein, so extrem ist es nicht. Aber hier beginnt sich dann natürlich das Islay Finish zu zeigen, welches deutlich über dem Rum liegt und in Form von Rauch, Salz und Torf und in kleinen Schüben immer mal wieder durchschlägt. Diese Nachreifung in einem Ex-Laphroaig Fass fällt allerdings weit weniger extrem aus, als ich es bisher gewohnt war, wenn ich Rums mit einem solchen Finish im Glas hatte. Hier kommt das sehr ausgewogen daher. Es passt zum Profil von Worthy Park und gefällt mir außerordentlich gut!

Gaumen: der Rum kommt am Gaumen zunächst einmal ausgesprochen weich daher. Alkoholische Schärfe fällt mir nahezu keine auf, nur ein wenig britzelt der Rum auf der Zunge, was ich allerdings ausschließlich positiv empfinde. Mit der Zeit wird er dann cremiger. Das Profil von Worthy Park, wieder habe ich vor allem ganz viel Banane, geht mit dem Finish eine spannende Verbindung ein. Zunächst kommt dieses gar nicht so sehr heraus, Worthy Park-Banane, vegetale Aromen und etwas parfümiertes haben die Oberhand. Dann setzt aber das Finish ein, das hier jetzt auch präsenter ist als in der Nase, was mir gut gefällt. Immer wieder schlagen Rauch, Salz und Torf vom Laphroaig durch, als wäre das Jamaica Rumfass bei der Überfahrt aus der Karibik nach Europa vor der Westküste Schottlands in einen Sturm geraten, ohne dabei aber Schiffbruch zu erleiden. Denn, und das ist meines Erachtens eine gute Nachricht, der Rum ist noch immer klar und deutlich ein Worthy Park. Das Finish ist ein Twist, es überlagert den Rum nicht. Dieser wird nun trockener und adstringierend. Zum Abgang hin schlägt das Finish dann nochmal so richtig schön ein. Es ist ein wenig, als würde man den Worthy Park aus einem Aschenbecher trinken. Klingt widerlich, ist aber geil!

Abgang: im Abgang kommt das Finish dann noch einmal so richtig schön heraus, ohne aber insgesamt zu aufdringlich zu sein. Das passt super! 

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Fazit: Jamaica Rum feat. Islay Whisky! Was eine Kombination! Das macht richtig Spaß! Ich kann frei heraus gestehen, dass mich der Rum ohne das Finish vermutlich weder wirklich interessiert noch unbedingt abgeholt hätte, obwohl es auch dann mit Sicherheit noch ein qualitativ sehr guter Rum gewesen wäre. Aber: Worthy Park gibt es, wie oben beschrieben, am Markt seit einiger Zeit schon wie Sand am Meer und sie sind fast alle gleich - hoch in der Qualität, ja, allerdings ohne das Besondere; sie sind zumeist einfach langweilig. Möchte man hier aus der unübersichtlichen Masse, fast hätte ich Schwemme gesagt, herausstechen braucht es also schon das spezielle Element um (zumindest meine) Aufmerksamkeit zu generieren und das ist hier in ganz großartiger Art und Weise gelungen! Für mich ist diese Abfüllung daher auch ein klares Signal dahin, wie man Worthy Park in Zukunft interessant halten kann. Gesondert hervorheben möchte ich darüber hinaus das handwerkliche Geschick und auch den Mut der Jungs, denn einen Rum in einem Islayfass nachreifen zu lassen ist für mich der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge! Ich hatte schon ein paar solcher Rums im Glas und sie waren allesamt klar vom Fass überlagert. Einige waren trotzdem gut, aber das Fass hatte dem jeweiligen Rum jedes Mal den ganz eigenen Charakter über weite Strecken abgenommen. Das ist hier ausgeblieben, ohne, dass der gewünschte Effekt der Nachreifung deshalb aber verpufft wäre und und das gehört meines Erachtens einmal deutlich so herausgestellt! Große Klasse! Dazu kommt dann noch der sehr faire Preis, der das abrundet, denn auch bei Worthy Park sind die Preise zuletzt vielfach gestiegen. Wenn man mal was anderes im Glas haben möchte, man auf Jamaica Rum so ein wenig steht und gegen ein Islay Finish nichts einzuwenden hat, dann ist das hier definitiv der Rum der Wahl! Meines Erachtens zeigen The Rum Cask hier par excellence, wie man das gewöhnliche zu etwas besonderem machen kann, und das finde ich super! Das Finish hebt ihn für mich in die oberen Sphären, daher:

-88/100-



Bis demnächst!
Flo

Donnerstag, 19. Juli 2018

Mai Tai mit TRC Jamaica Rum 19 YO Hampden 1998

Liebe Rum Gemeinde,

es ist Sommer in Deutschland (richtiger Sommer, nicht sowas wie 2017!) und heute mache ich mir einen Drink, mit dem ich mir sehr, sehr lange Zeit gelassen habe und den ich auch tatsächlich, vor Schreiben dieses Artikels, nie zuvor im Glas hatte: den Mai Tai mit "The Beast", dem 19 YO Hampden aus 1998 von The Rum Cask aus dem letzten Jahr (2017)! Dementsprechend freue ich mich auch bereits auf das, was gleich folgt! :-)

Das "Beast"-Release kam im letzten Sommer 2017 auf den Markt und war auch nach wenigen Tagen schon wieder ausverkauft, ich glaube fünf Tage waren es. Einen kleinen Vorrat davon habe ich mir natürlich gesichert, logisch, bei einer "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Abfüllung, aber ich habe den bisher am Ende dann doch immer pur im Glas gehabt, da der Rum für mich unter den Hampden Abfüllungen insgesamt wirklich sehr weit vorne mitspielt. Ein grandioses Bottling! Letztlich aber komme ich auch gegen meine Leidenschaft für den Mai Tai nicht an und so gibt es heute, wenn auch mit knapp einem Jahr Verzögerung, den Mai Tai mit dem 19 YO Hampden aus 1998, der mit einem humorlosen Alkoholgehalt von 69,1% vol. aufwartet! 
Was ich vor allem beim Mai Tai mit dem Caroni 23 YO von Velier in den Resonanzen gespürt habe, war ein doch recht weitläufiges generelles Unverständnis dafür, Rums die einen recht hohen Preis haben oder Rums die vor allem auch pur so wahnsinnig gut funktionieren in einem Drink zu verwenden. Daher möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen, dass ich das auch grundsätzlich nur mit Rums mache, bei denen ich mir einen gewissen Mehrwert im Drink erwarte. Das ist weder gedankenlos, noch verschwenderisch, noch dekadenter als es auch der Purgenuss schon ist, in meinen Augen. Am Ende geht es um Genuss. Um bewussten Genuss und um die Komposition von verschiedenen Komponenten zu einem Gesamtwerk, welches es wert ist erfahren zu werden. 


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):


  • 6,0 cl The Rum Cask 1998 Hampden 19 YO
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)








Mai Tai mit TRC "The Beast" 1998 Hampden 19 YO:

Der wunderschön goldene Rum hat den Mai Tai farblich mehr in einen Daiquiri verwandelt als in einen Mai Tai aus einem Cocktailbuch, wo er durch die Verwendung von dunklen (weil gefärbten) Rums meist mehr ins matschig-braune geht. Das ist hier, wie gewohnt, anders, denn nahezu alle Rums, die ich trinke sind ungefärbt und die allermeisten, die dann auch noch für einen Mai Tai in Frage kommen, sind in der Regel aus Jamaica, 15-25 Jahre in Europa gereift und golden farbig. Velier mit seinen tropisch gereiften Hampdens könnte das bald etwas durchbrechen, aber darum soll es heute ja nicht gehen. 

Geschmacklich ist das, was ich da gerade trinken darf, der absolute Hammer! Das "Beast" kommt mit mit kompromisslosen 69,1% vol. in den Drink, versteht es aber, diesen nicht hoffnungslos zu alkoholisieren, sondern einfach nur unfassbar viel Flavour mit hineinzubringen! Für mich geht das tatsächlich auch nahe an das Optimum aus Dominanz des Rums bei gleichzeitiger Integration aller übrigen Zutaten. Sehr, sehr lecker! Über allem schwebt immer diese rummige Hampden-Note, ergänzt um eben Sweet & Sour, bestehend aus Curacao, Orgeat, Zucker  und Limettensaft. Jede der Komponenten mit Eigengeschmack darf mal und erhält während eines Schluckes jedes Mal seinen ganz eigenen, individuellen Moment am Gaumen. Das ist schon ganz großes Cocktail-Tennis!

Fazit: hätte ich mal mehr Flaschen vom "Beast" besorgt! So spricht ein Fazit dann eigentlich auch mal in wenigen Worten für sich. ;-) Ja, als der Rum raus kam gab es ihn noch für knapp unter 80 Euro, allerdings währte dieses Glück wie gesagt nur kurz, denn schon nach fünf (!) Tagen war die Abfüllung bei The Rum Cask ausverkauft. Leider aber eben auch vollkommen zurecht. Ich trinke Hampden inzwischen oft nicht mehr so gerne pur wie vor einigen Jahren noch. Caroni hat das bei mir so ein wenig verdrängt. Das "Beast" hingegen konnte da häufiger punkten und diesen Trend bei mir punktuell auch immer mal wieder durchbrechen. Aber auch heute musste ich feststellen, wie gut mir Hampden allgemein in einem hervorragenden Mai Tai schmecken. Und auf diesen Rum trifft das auch noch einmal im Besonderen zu! Das ist ein Hampden der Spitzenklasse, pur als auch im Drink! Und wenn ich sehe, dass er inzwischen so für um die 150 Euro gehandelt wird, dann ist das zwar ein schmerzlicher Aufschlag, aber ich kann trotz dessen noch immer jedem raten da zuzuschlagen, wenn sich die Chance mal bietet. Er ist es wert! Einen besseren Hampden aus 1998 habe ich noch nicht gesehen bisher und ich finde ihn z.B. auch besser, als alles was da momentan noch an tropisch gelagertem Hampden auf den Markt kommt! Ob diese tropical aged Hampden dann Rums wie dem "Beast" eines Tages den Rang ablaufen werden wird sich zeigen, aber momentan passiert das aus meiner Sicht heraus noch nicht. 

Bis demnächst,
Flo


Donnerstag, 26. Oktober 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 14 YO Monymusk 2003

Werte Rum Gemeinde,

nach längerer Pause melde ich mich heute mit einer spontanen Abfüllung bei euch zurück. 

Denn ich habe hier einen neuen Rum für euch, mit dem weder The Rum Cask als Abfüller selbst, noch dementsprechend ich schon gerechnet haben: einen 14 YO Monymusk Jamaica Rum in Fassstärke aus 2003. Schon gerechnet? Jawohl, dass etwas in der Pipeline liegt war bekannt, allerdings traf das Fass überraschend schon früher in Pirmasens ein, zusammen mit einer weiteren neuen Abfüllung aus Panama. Eigentlich war die Abfüllung vom Monymusk erst für nächstes Jahr geplant, aber jetzt ist er nun mal da ;) Heißt auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass wir uns bereits jetzt über den Rum freuen können und so stelle ich ihn euch also heute vor. 

Monymusk aus 2003 ist jetzt per se erst einmal keine große Sensation. Seit Murray McDavid/Renegade Rum Company im Jahr 2009 einen 5 Jahre alten Rum dieses Batches herausgebracht haben, haben auch andere unabhängige Abfüller immer mal wieder einen solchen Rum im Portfolio gehabt, wie z.B. Duncan Taylor, Moon Import oder Berry Bros. & Rudd.
Allerdings ist hier zu beachten, dass, sollte ich nichts übersehen haben, die Rums entweder immer leicht verdünnt waren, oder aber einen deutlich geringeren Alkoholgehalt aufwiesen. Die Rums von Duncan Taylor oder auch die Abfüllung von Berry Bros. & Rudd wiesen alle einen Alkoholgehalt von 50-55% vol. auf, während der hier heute vorgestellte The Rum Cask stolze 60,7% vol. zu bieten hat. In dieser enormen Stärke waren mir bisher nur sehr junge 1997er Monymusk und ein ähnlich alter 1998er Monymusk bekannt. Von daher hebt sich der The Rum Cask, es ist übrigens deren erster aus Monymusk, an dieser Stelle schon einmal deutlich von seinen Brüdern ab. Idealer Weise ist er dazu dann aber auch qualitativ im Glas im Stande, wovon ich mich im Folgenden noch überzeugen werde. Erfreulich ist außerdem, dass The Rum Cask erneut das Mark des Fasses mit auf das Label gebracht haben, wenn gleich dieses in diesem Fall keine echten Aufschlüsse über den Rum bringt. So steht das Mark JMM wohl schicht für Jamaica Main Monymusk. Nichts desto trotz empfinde ich die Angabe als wohltuend und förderlich auf dem Weg zu immer mehr Transparenz. Apropos Transparenz: die Single Cask Abfüllung ist genau 247 Flaschen stark. 



Verkostung des The Rum Cask 14 YO Monymusk 2003:

Preis: ca. 55 Euro werden 0,5 Liter Monymusk ab dem 27.10.17  im TRC-Shop kosten.

Alter: der Rum reifte von 2003 bis 2017 insgesamt 14 Jahre im Fass.

Lagerung: vermutlich größtenteils kontinentale Lagerung in einem Fass mit ca. 200 Litern Volumen.

Fassnummer: #20

Angel's Share: ca. 38%

Alkoholstärke: 60,7% vol. misst der Rum noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: zum Einsatz kam eine Pot Still von Monymusk.

Mark: JMM

Farbe: blasses, strohiges Gold. 

Viskosität: kleine, feine Perlen bilden sich gleichmäßig an der Glaswand und verlaufen langsam und träge daran herunter. Öliger Film.


Nase: Oh, Überraschung! Diese typische 2003er Nase, die in bisher allen Rums dieses Batches sehr dominant auftrat und wahlweise entweder wohlwollend als Buttersäure oder abschätzig als Erbrochenes umschrieben wird, kommt hier sehr viel dezenter daher. Sie war dafür verantwortlich, dass ich jeden 2003er Monymusk bisher vermutlich blind erkannt hätte. Das ist hier in dieser Form nicht mehr möglich. Die Nase erinnert mich viel eher an die alten Monymusk aus den Siebziger Jahren, wie sie bis vor 15 Jahren noch von Bristol abgefüllt wurden. Gegrillte Ananas und einen Hauch Nuss, sage ich nur. Im Background habe ich auch noch etwas Toffee, sowie peripher vor allem frisch geschnittene Äste. Das ganze unter einem spürbaren, schönen Fasseinfluss. Blind hätte ich 77er Monymusk oder Long Pond Light getippt, wobei die alten Monymusk noch etwas dezenter waren als dieser hier. 
Trotz dessen ist die Buttersäure-Note in geringem Maße noch vorhanden, so dass ausgeschlossen werden kann, dass bei den Angaben beim Broker etwas durcheinander kam. 2003, das wird überdeutlich, hat eine Entwicklung durchgemacht. Der Rum kommt mit zunehmender Verweildauer im Glas auch noch etwas kräftiger heraus, so ca. 30-45 Minuten sollte man ihm schon geben. Auffällig unauffällig: der Alkohol. Trotz über 60% vol. habe ich von Anfang an keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase. Stechende Einflüsse waren gar so abwesend, dass ich mir bei der Erstverkostung des Rums keinerlei Angaben dazu notiert hatte. Das steht, bei einem Rum mit 60,7% vol., glaube ich für sich.

Gaumen: Mhhm, der ist richtig gut! Trotz etwas kräftigerer Schlücke, die der Rum ohne Weiteres erlaubt, ist der Alkohol nicht übermäßig präsent und super entspannt eingebunden. Der Monymusk präsentiert sich überaus vollmundig, cremig und komplex. Oh ja! Breites Grinsen an dieser Stelle. Eine ganz leichte natürliche Süße gleich zum Start, dahinter dann aber vor allem trocken. Ein reifer, erwachsener Rum! Hier zeigt sich die Entwicklung des Rums neuerlich. Ich habe einen 12 YO Monymusk von Duncan Taylor daneben, der noch wesentlich griffiger ist und in dem dieses bisher so typische 2003er Profil noch wesentlich stärker zu finden ist, während man es hier beim The Rum Cask 14 YO schon nur noch erahnen kann. Wahnsinn! Zu Beginn noch leicht vorhanden, geht der Rum dann aber komplett Weg von der Buttersäure und wartet dann mit spürbaren Anteilen dessen, was man bisher nur aus den über 20 Jahre alten Monymusk kennt auf. Ein Rum mitten in der Transformation! Sau Lecker! 

Abgang: trocken, ganz entfernt an Sancti Spiritus erinnnernd, geschnittenes Geäst, Anis. Mittellang.

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Wow! Dieser Monymusk war tatsächlich vor allem eines: aufschlussreich. Nicht, dass er mir nicht auch wirklich sehr gut geschmeckt hätte, er ist hervorragend, aber das interessanteste an dieser Abfüllung sind die Erkenntnisse, die sie in Bezug auf Rum aus Monymusk gebracht hat. Bisher glaubte ich daran, dass 1977 und 2003 zwei grundsätzlich verschiedene Stile seien, so wie auch bei anderen Destillerien zum Teil beträchtliche Unterschiede zwischen den Jahrgängen bestehen, denn die alten Rums aus 1977 und die neuen aus 2003 hatten kaum etwas gemeinsam. Diese Abfüllung aber zeigt, dass der Stil, den ich bisher für typisch 2003 hielt, in Wahrheit nur typisch für jungen Rum aus Monymusk ist. Dementsprechend hat also vermutlich auch der 1977er Monymusk in jüngeren Jahren so ähnlich geschmeckt, wie man das jetzt aus 2003 kannte. Diese Abfüllung zeigt den Weg dieses Stils von Jung zu Alt auf und ist daher als eine Art "Missing Link" von Monymusk zu sehen. Ich würde gar so weit gehen und sagen, dass es unmöglich ist Monymusk wirklich zu verstehen, ohne diesen Rum zu kennen. Das macht ihn so wichtig und einzigartig!
Darüber hinaus lässt mich der Rum mit Erstaunen zurück, denn ich kannte bisher keine Rum-Destillerie, deren Stil sich mit der Zeit so sehr verändert. Nimmt man einen jungen Port Mourant aus Guyana, so findet man dort immer auch den Rum wieder, den man von 30 YO Port Mourants kennt. Nimmt man jungen Hampden und vergleicht ihn mit lange gereiften Hampden, so zeigt sich das gleiche. Und so weiter. Aber in alten Monymusk finde ich neuen Monymusk kaum noch wieder. Parallelen findet man fast nur, wenn man weiß wonach man suchen muss.

Und zu guter Letzt: wer sich jetzt, beim Anblick des nebenstehenden Bildes der Flasche, gefragt haben sollte warum der Gelbbrustara der letzten zwei BAT-Abfüllungen dieses Mal nicht auf dem Label zu finden ist, obwohl er ja jetzt immer die "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllungen repräsentieren sollte, dem sei versichert, dass das nicht etwa schon wieder hinfällig ist. Das ist der Spontanität geschuldet, mit der das Fass eintraf. Labeldruck und Tasting überschnitten sich leider komplett. Da mich der Rum allerdings gleich in doppelter Hinsicht überzeugte wollte ich ihm meine Empfehlung nicht verweigern. Denn noch einmal: es braucht imho diesen Rum um Monymusk voll umfänglich zu verstehen. Daher ist die heutige Empfehlung zwar vielleicht nicht unbedingt die beste die ich je ausgesprochen habe (da wird es auch ganz, ganz schwer am 26er Weltklasse-Hampden aus 1990 vorbeizukommen), sie ist aber aus oben genannten Gründen ganz sicher eine der bedeutendsten und wichtigsten bisher!

Und nun bleibt mir nur, auch euch viel Spaß mit dem Monymusk zu wünschen!


Bis demnächst
Flo