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Sonntag, 23. Februar 2020

New FAQ - or: interviewing myself🎤

Liebe Rum Gemeinde,

bereits seit ein oder zwei Jahren habe ich einige FAQs hier online gestellt, und mich dabei am Format vom Thomas (RUMBOOM) orientiert, welches mir damals wie heute sehr, sehr gut gefällt! Aber natürlich kommen im Laufe der Zeit auch immer mal wieder Fragen dazu, die mich meist via Mail oder Facebook erreichen und weshalb ich meine FAQs zuletzt etwas überarbeitet habe. Gleichzeitig gebe ich euch damit auch kleine Einblicke über das, was euch in Zukunft hier auf BAT noch erwarten wird. Viel Spaß beim Lesen!

Picture by E.H.


Flo, wer bist du?

Ich bin Flo und wohne direkt an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste im schönen Eckernförde. Dort unterstütze, begleite und verselbstständige ich beeinträchtigte Menschen in einer Wohngruppe. Rum und Spirituosen sind für mich daher zu 100% Hobby und Passion und damit frei von finanziellen Interessen oder gar Verpflichtungen aller Art. 



Seit wann und warum interessierst du dich für Rum?

Zum Rum gekommen bin ich mit Anfang 20 über die Cocktailszene. Das war so im Laufe des Jahres 2010 und dann sehr intensiv ab 2011. Beim Mixen der Drinks fiel mir immer wieder auf, dass es mir die Cocktails mit Rum, etwa mit Appleton Estate Jamaica Rum z.B., mit Abstand am meisten angetan haben. Ohne es da schon zu wissen, zeigte sich hier also eigentlich schon, auf welche Insel es letztendlich hinauslaufen würde. ;) Und so probierte ich dann auch meine ersten Rums pur. 



Was war deine erste große "Rum-Liebe"?

Das war, auch wenn ich das heute selbst kaum glauben kann und mag, noch kein Jamaicaner, sondern der Diplomatico (damals hieß er noch so, heute Botucal) Reserva Exclusiva. Bei dem merkte ich zum ersten Mal, dass es auch Alkohol gibt, der einem pur wirklich schmeckt. 



Auf Barrel Aged Thoughts geht es aber viel eher um brachiale Jamaicaner als um gesüßte Rums. Wie kamst du von dort auf die unbehandelten Rums der Unabhängigen Abfüller? 

Das kam mit der Zeit. Ich lernte damals Leo kennen, der früher auch hier geschrieben hat und der schon einen Schritt weiter war als ich. Er brachte mir diese Rums nahe. Der Rest kam dann von alleine. Probiert, probiert und immer mehr und immer weiter probiert. Wir erschlossen uns diese riesige und zu der Zeit noch fast unbekannte Welt gemeinsam und autodidaktisch, denn auf vorhandenes Wissen konnten wir damals kaum zurückgreifen. Das war eine tolle Zeit! Jamaica, und hier vor allem die Destillerien Hampden und Long Pond, kristallisierte sich ab da sehr klar als meine Lieblingsinsel heraus. Aber auch einige Rums aus Barbados oder Guyana gefallen mir sehr. 



Wie bist du auf die Idee gekommen zu bloggen?

Express Yourself! Im Sommer 2011 ging ich mit Mai Tai Roa Ae! zum ersten Mal online. Das war noch ein Cocktailblog, auf dem der Mai Tai Cocktail, bis heute mein uneingeschränkter Lieblingsdrink, im Mittelpunkt stand. 



Wie wurde aus Mai Tai Roa Ae!  dann Barrel Aged Thoughts

Im Herbst 2012 löste ich diesen Blog auf und an seiner statt kam Barrel Aged Thoughts. Dafür holte ich mir Marco und Leo ins Boot. Zu dritt steckten wir die Themen Demerara Rum, Barbados Rum, Jamaica Rum, Rhum Agricole und American Whisky ab! Es gab damals keinen einzigen Rum Blog weltweit (!) der uns wirklich komplett gefiel. Viele Blogger schrieben für die Spirituosen-Industrie und es störte uns, dass wenn man nach Rum Abfüllungen gesucht hat, man kaum etwas gefunden hat. Kaum echte Geschmacksbeschreibungen, kaum echte Erfahrungsberichte. Und zu seltenen Abfüllungen schon gar nicht. Wir wollten das ändern und den Menschen und Connaisseuren da draußen den richtig guten Stoff Nahe bringen. 



Du führst den Blog heute alleine. Was ist passiert?

Leider hielt unser Dreiergespann nicht lange durch, da Leo kaum Zeit hatte zu Schreiben und bei mir das Interesse zwischen 2013 und 2015 aus persönlichen Gründen deutlich nachließ und erst 2016 wieder zurück kam. Dadurch stand ich Marco im Wege, der deshalb verständlicher Weise erfolgreich eigene Wege ging. Heute habe ich meine Leidenschaft für Rum wieder neu entdeckt, weswegen es hier auch weiter geht. 



Warum erscheinen deine Reviews nicht auch in englischer Sprache?

Ich bin der englischen Sprache zwar mächtig, aber Sprache an sich ist in meinen Augen mehr als nur Mittel zum Zweck sich mitzuteilen. Sie ist auch ein tolles Spielzeug. Es macht mir Spaß Reviews zu schreiben und ein Minimum an Eloquenz ist dabei mein Anspruch an mich selbst. Und diesem kann ich aus meiner Sicht nur in meiner Muttersprache gerecht werden. 



Welcher Grundgedanke leitet dich beim Schreiben deiner Reviews?

Ich schreibe meine Reviews seit jeher genau so, wie ich sie selbst gern bekäme. Die Frage "Was brauche ich, um den Rum mittels des Reviews gut einschätzen zu können?" leitet mich dabei. Und hier lege ich den Fokus tatsächlich weniger auf subjektiv wahrgenommene Assoziationen (diese sind einfach bei jedem anders und von Popel bis explodierende Airbags schmecken einige ja quasi alles mögliche heraus) als viel mehr auf den Körper und Charakter eines Rums und auf Vergleiche zu ähnlichem und bekannten. Das ist zwar auch niemals völlig objektiv, geht aber sehr viel mehr in diese Richtung.



Von dir liest man quasi niemals einen Verriss zu einem Rum. Bist du zu unkritisch? 

Ich empfinde mich sogar außerordentlich kritisch und habe einen enorm hohen Anspruch an den Rum! Die Tatsache, dass man von mir nahezu ausschließlich positives zu den Rums liest rührt daher, dass ich ganz grundsätzlich vorstellen möchte, was mir gefällt und wovon ich der Meinung bin, dass es eine Erwähnung verdient hat. Darauf lenke ich meinen Fokus und diese Rums kommen dann natürlich auch fast durchgehend gut weg bei mir. Was mir nicht gefällt, und das ist im Rum Bereich leider noch immer das Gros der Masse, bekommt von mir keine Bühne. Diese Haltung resultiert möglicherweise noch aus meiner Anfangszeit, als mich der Trinklaune-Blog, der mir damals gefiel, sehr beeinflusst hat. Die haben das ähnlich gehandhabt.



Es erscheinen von dir nahezu ausschließlich Reviews zu Rums aus Jamaica und Caroni. Warum so eintönig?

Ich verkoste und schreibe über das was mir schmeckt und wozu ich mir eine wirklich fundierte Meinung bilden kann. Mir ist wichtig, zu wissen wovon man spricht! Ich ärgere mich immer wieder über Reviews anderer Blogger, wenn aus diesen klar hervorgeht, dass der Autor meines Erachtens über nicht ausreichend Kenntnisse in diesem Bereich verfügte und daher für meine Begriffe, bzw. meinen Anspruch, der zugegebener Maßen sehr hoch ist, nicht hinreichend fähig war, sich eine wirklich fundierte Meinung zu einem Rum zu bilden. Insbesondere bei Connaisseuren, die eigentlich im Whiskybereich zuhause sind (aber glauben sich auch mit Rum auszukennen), fällt mir das immer wieder und sehr häufig negativ auf. Da möchte ich mir manchmal regelrecht in die Faust beißen, um nicht laut loszuschreien. Derartiges möchte ich für mich unbedingt vermeiden und daher liegt mein Fokus eben vor allem auf Jamaica und Caroni, da ich in diesem Bereich bisher das mit Abstand meiste probiert und ich ein Gefühl für diese Rums entwickelt habe, so dass ich mir zutrauen darf, sie hinreichend beurteilen zu können. Naja, und nicht zuletzt schmecken mir diese Rums auch am besten. ;-)



Werden wir von dir also auch in Zukunft kaum Rums aus anderen Ländern und Destillerien vorgestellt bekommen?

Doch, denn auch hinter den Kulissen bin ich ja nicht untätig und es gibt immer wieder auch andere Rums, die mich zu begeistern wissen. Als Beispiel seien hier die Rums aus Rockley/WIRD (Barbados), St. Lucia Distillers (St. Lucia), Gardel (Guadeloupe) oder die alten Demeraras von Cadenhead oder Velier genannt. Aus diesen Bereichen kenne ich auch schon sehr, sehr viel, möchte aber teilweise meinen Horizont noch stärker erweitern, noch einige Benchmarks unbedingt probieren, bevor ich mich wirklich fundiert dazu äußern kann und möchte. Dann hat das alles auch Hand und Fuß. Einiges aus diesen Bereichen ist aber schon weit fortgeschritten und wartet quasi nur noch auf die Veröffentlichung. Da wird 2020 ganz sicher noch das eine oder andere kommen!


Kommen wir nochmal zu Caroni zurück: du hast nahezu ausschließlich -abgesehen von wenigen Ausnahmen- Rums von Velier vorgestellt. Warum diese Fixierung auf nur einen einzigen Abfüller? 

Das ist kurz und einfach erklärt: weil die Qualität der Caronis von Velier unerreicht ist und am Ende für mich einzig und allein das zählt: Qualität! Man bekommt, trotz der enormen Kurse, nach wie vor bei Velier das meiste für sein Geld! Das Preis-Leistungs-Verhältnis harmoniert stärker als bei jedem anderen Abfüller, da diese mit ihren Kursen versuchen am Caroni-Kuchen möglichst zu partizipieren und preislich mit Velier Schritt zu halten, aber das passt eben von der Qualität her überhaupt nicht. Es gibt nur wenige, vereinzelte Abfüllungen, z.B. von Bristol und von Thomas Krüger, die an die Velier heran reichen und die haben hier dementsprechend auch Erwähnung gefunden. Aber die aller, aller meisten Caroni der anderen unabhängigen Abfüller sehe ich in ihrer Qualität weit abgeschlagen dahinter. Dafür gibt es einige Gründe, die ich in meinem Artikel zu Caroni dargelegt habe.



Apropos Caroni-Artikel: dürfen wir noch weitere solcher Artikel zu anderen Destillerien erwarten und wenn ja, zu welchen?

Ja, ich habe noch einige weitere Artikel in Planung, bzw. zum Teil auch schon in Arbeit. Konkret seien hier der Rockley-Style von Barbados und die Lost Distillery Gardel auf Guadeloupe genannt. Aber auch zu Monymusk möchte ich in einiger Zeit noch etwas schreiben, was aber länger dauern wird als bei den beiden zuerst genannten.



Wirst du in Zukunft auch mal ein paar Standard-Rums für Einsteiger besprechen und empfehlen?

Direkt geplant ist so etwas bislang nicht. BAT richtet sich klar an den fortgeschrittenen Genuss. Das war die Nische die 2012 weltweit noch unbesetzt war, während sich andere Blogs bereits umfassend mit Standard-Rums befassten. Das ist auch heute im Wesentlichen noch so. Zwar sprechen inzwischen auch andere Blogger über High End Rum, klar, aber innerhalb dieses Bereichs ist ja auch BAT gewachsen und für Einstieger-Produkte gibt es, denke ich, damals wie heute, ausreichend andere Plattformen. Darüber hinaus muss ich ehrlich zugeben, dass es mir wohl auch schwer fiele, mich darauf wirklich noch mit ganzer Leidenschaft einzulassen, da mir die wirklich allermeisten Rums in diesem Segment schon seit vielen Jahren zu langweilig erscheinen. Einzig: ein Vergleich der Appleton 12 YO durch die vergangenen Jahrzehnte ist in Planung. Aber auch da wird der Fokus nicht auf dem Thema Einstieg liegen, sondern auf dem historischen Wandel. 



Verfolgst du mit Barrel Aged Thoughts  irgendwelche kommerziellen Interessen?

Nein, der Blog war immer und ist bis heute ein reines privates Hobby. Als Rezensent bewahre ich mir damit meine Unabhängigkeit. Diese ist mein kostbarstes Gut. Würde ich sie verlieren, wäre dieser Blog nichts mehr wert. Bis auf sehr wenige Ausnahmen finanziere ich auch sämtliche Samples und Flaschen aus eigener Tasche. Gibt es Ausnahmen, dann kennzeichne ich diese. Einfluss auf meine Bewertung haben diese Ausnahmen hingegen niemals. 



Was hat es mit dem "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Sticker auf einigen Abfüllungen von The Rum Cask auf sich?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen, weswegen ich das hier noch genauer ausgeführt habe.



Bist du über dein Wirken für BAT und TRC hinaus auch noch anderweitig in der Szene aktiv?

Ja, es schätzt beispielsweise auch der unabhängige Abfüller Rum Artesanal meine Meinung und holt sie sich gelegentlich ein. Das macht mir z.B. sehr viel Spaß, da das stets ein sehr reger gegenseitiger Informationsaustausch ist, bei dem ich auch immer wieder noch weiter dazu lernen kann und darf.  Des Weiteren habe ich vor kurzem damit begonnen, auch einen anderen unabhängigen Abfüller bei der möglichen Fassauswahl zu unterstützen und werde als Autor auf noch einer weiteren Plattform aktiv werden. Mehr wird dazu sicher in Kürze zu erfahren sein. Darüber hinaus unterstütze ich mit viel Freude ein Buch-Projekt, zu dem ich an dieser Stelle aber ebenfalls noch nicht mehr sagen möchte. Was mir aber wichtig ist auch bei diesen Engagements festzuhalten ist, dass das alles auf unentgeltlicher Basis stattfindet. Ich war, bin und bleibe in meinem gesamten Wirken unabhängig und frei von kommerziellen Interessen! 



Soooo... Ich hoffe, ich konnte damit viele eurer Fragen, die mich über die vergangenen Monate via Mail oder Facebook erreicht haben, beantworten. Falls ihr weitere Fragen habt... nur zu! Nun aber wünsche ich euch erst einmal einen schönen Sonntag!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 26. Februar 2017

Forgotten Thoughts: LPS Long Pond 1993 - 3rd Release

Liebe Rum Gemeinde,

in den letzten Jahren bin ich immer wieder auf einen Rum angesprochen worden, der so ein wenig im Schatten seines zweitjüngsten Bruders stand: den Rum Albrecht LPS Long Pond Special Single Rum 1993 18 YO 3rd Release. 
Im Schatten stehend deshalb, weil das Anfang 2012 erschienene und schon nur wenige Wochen später ausverkaufte 2nd Release in Puncto Preis-/Leistungsverhältnis mit ca. 35 Euro für einen 17 YO High Proof Spitzenjamaicaner  wohl bis heute unerreicht ist. Er wurde darüber hinaus vor allem in der Cocktailszene gekauft und dürfte daher heute nahezu versiegt sein. Dadurch konnten ihn nur wenige Rum Connaisseure pur genießen, was dem kleinen Mythos um diese Abfüllung aber nur zuträglich war. 
Im Schatten dieser Story veröffentlichte der Importeur Rum Albrecht aber im Juni des selben Jahres noch das 3rd Release. Dieses erfreute sich in der Rumwelt ebenfalls großer Beliebtheit, konnte an den Ausverkauf des 2nd Release aber nicht anknüpfen: der Rum war viele Jahre lang verfügbar. 
Ich schrieb damals auch ein Review zum 3rd Release, hatte es auf BAT allerdings nicht veröffentlicht. Warum? Frei heraus: weil ich den Rum dem 2nd Release unterlegen sah. Warum ich ihn nun, so viele Jahre danach, doch noch veröffentliche? Weil, warum auch immer, das Interesse an diesem Rum immer noch groß ist und ich, wie eingangs erwähnt, seit Juni 2012 immer wieder auf diesen Rum angesprochen werde. Das war vor meiner Abstinenz so, das war auch während dessen noch so und das war sogar jetzt danach noch so, zuletzt vor einigen Tagen. Immer wieder die eine Frage: "Flo, du lobtest damals das 2nd Release so sehr, wie ist eig. deine Meinung zum 3rd Release? Den gibts ja noch zu kaufen [inzwischen nicht mehr!] und da wollte ich mal fragen...". Außerdem wären damit alle drei bisher veröffentlichten Releases hier besprochen worden und das Set damit komplett. ;) Ihr habt mich also endlich soweit. ;) Hier das Review, geschrieben im Juni oder Juli 2012. Eine Verkostung, sowohl pur, gegen seinen Vorgänger, als auch im Mai Tai:

"Wie das 2nd und auch schon das 1st Release wurde der Rum 1993 in einer Pot Still der Brennerei Long Pond auf Jamaica gebrannt. Dieses ist insofern ungewöhnlich, als dass von Long Pond überwiegend Rums aus einer ihrer anderen Pot Still erscheinen und selten auch mal aus einer Column Still. Dieser Rum stellt eine von nur drei mir bekannten Ausnahmen dar. Mit seinen Vorgängern hat er ebenfalls gemein, dass er die volle Reifezeit über, bei diesem sind es 18 Jahre, auf Jamaica im Fass gelegen hat. Die Reifung war also deutlich intensiver als bei einem ähnlich lange gelagerten Rum aus Schottland. Der Importeuer ist auch hier wieder Rum Albrecht, der den Rum lediglich sehr leicht verdünnt und ansonsten authentisch abgefüllt hat, d.h. er wurde weder filtriert noch wurden dem Rum Farbstoffe zugegeben. Der Alkoholgehalt beträgt, die Parallelen setzen sich fort, 53% vol., auch das war bei beiden Vorgängern schon so. Und letztlich: die Flasche, sowie der unsägliche Wachsverschluss sind ebenfalls gleich geblieben. Allerdings hat man sich inzwischen dazu entschlossen, auf der Rückseite einen kleinen, gelben Aufkleber anzubringen, auf dem "18 Years old 3rd Release" steht; Verwechselungen sollen so vorgebeugt werden, was auch dringend nötig ist, denn farblich ist die neue Abfüllung nicht von der ersten (!) zu unterscheiden, sie ist sehr hell, strohig golden. Und das überrascht zunächst einmal, denn die erste Abfüllung war gerade einmal 11 Jahre alt. Die 17 jährige Abfüllung hingegen, die ja nicht mal 12 Monate jünger ist als die aktuelle 18 jährige, ist sehr dunkel. Hier sieht man ganz wunderbar, wie einflussreich das Fass bei einem Rum ist.
Der Preis des Rums liegt, wie schon das 2nd Release, bei ca. 40 €, für 38,95 € bekommt man ihn bei Casa Vino. Er sollte noch eine ganze Zeit lang erhältlich sein, vor allem, weil der Bedarf durch den Boom des 2nd Release momentan noch gedeckt sein dürfte.

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LPS Long Pond Single Rum 1993 2nd & 3rd Release - ein Vergleich:





Farbe: beim 2nd Release sehr dunkel, dunkler Bernstein. Das 3rd Release ist deutlich heller, strohiger und ist hier vom 1st Release nicht zu unterscheiden.

Nase: viel, viel Jamaica beim 17 YO. Vanille und Trockenfrüchte, dunkle Schokolade und ein ordentlicher Holzeinfluss. Eine Pot Still Bombe, schon hier. Sehr intensiv! Der 18 YO ist ein wenig "zurückhaltender" (verglichen mit anderen Rumstilen wäre diese Aussage glatt gelogen ;) ). Die Verwandtschaft ist nicht zu übersehen, auch hier ist viel Trockenfrucht Vanille präsent, allerdings verbirgt sie sich etwas hinter einer ziemlichen holzigen Note zu Beginn, die beim 17 YO so nicht da ist. Dort kommt einem vor allem die Frucht ungebremst entgegen, das ist hier nicht so. Ein etwas beißender Geruch von Nagellackentferner ist noch da, aber beim 17 YO verflog diese, nachdem die Flasche einige Zeit geöffnet war. 

Gaumen: wirklich Mundfüllend! Beide! Der 17 YO gewohnt wie eine Bombe, wie ein Hurricane. Fruchtige Noten in Form von Banane und Aprikose und Vanille schießen ungebremst in jede Ecke des Mundraums und füllen diesen Restlos aus. Holz kommt ebenfalls dazu, ist deutlich vorhanden, aber (mir) noch nicht zu präsent. Beim 18 YO ergibt sich ein wirklich sehr ähnliches Bild, wenngleich mir der Rum etwas milder erscheint, er ist nicht ganz so intensiv. Die Holznote kommt hier nicht so sehr zum Tragen, wie ich es in der Nase erwartet hatte, kommt hinten heraus aber doch durch und stört dann sogar leicht. Insgesamt ist der 18 YO im Mund nicht so brachial wie der 17 YO.

Abgang: bei beiden lang und länger. Der Gesamteindruck der Rums bleibt lange Zeit über sehr präsent im Mundraum und erfreut einen auf diese Weise auch noch wenn das Glas schon längst leer ist. Beim 18 YO kommt im Abgang aber leider eine doch präsente Bitterkeit mit, die mich leicht stört. Diese dürfte vom Holz stammen, so dass der Einfluss hier dann doch offen zu Tage tritt, auch wenn die Farbe darauf keinen Hinweis gab.

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Fazit Purverkostung:

Insgesamt sind sich die beiden Rums schon sehr ähnlich. In der Nase ist der 18 YO nicht so voll wie der 17 YO, im Abgang hat der 18 YO imho mehr Bitterkeit. Der 17 YO gefällt mir daher leicht besser. Er ist der konsequentere der beiden, geht die volle Distanz, ist einfach etwas genialer. Nichts desto Trotz ist der 18 YO nicht misslungen und kann durchaus gekauft werden, zumal zu dem Preis. Nicht-Jamaica-Nerds dürfte dieser sogar etwas leichter zugänglich sein, er ist einfacher zu trinken. Mal sehen, was dies für den Mai Tai bedeutet. Hier könnte es ihm zum Nachteil gereichen, etwas milder zu sein.

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Mai Tai mit LPS Long Pond Single Rum 1993 18 YO:

Ein sehr heller Mai Tai, der Farbe des Rums entsprechend, so wie man einen Mai Tai mit hellem Rum erwartet. Auch der Mai Tai mit LPS 2nd Release daneben ist deutlich dunkler.

Auch geschmacklich besteht zwischen beiden Mai Tais ein großer Unterschied. Hier zeigt sich tatsächlich sofort, worüber ich oben schon spekuliert habe: der 18 YO LPS ist deutlich schwächer! Ich mixte beide Mai Tais mit 5 cl Rum, da ich wusste, dass das dem 2nd Release auch schon vollends reicht um durchzukommen. Und so sah ich sofort, dass der 3rd Release sich das nicht erlauben kann. Da fehlte was. Nachdem ich 1 cl Rum draufgegeben habe, kam der Rum dann durch, lieferte aber ein nicht annähernd so schönes Ergebnis wie der 17 YO. Der Klassenunterschied ist deutlich größer, als in der Purverkostung! Es fehlt an Vanille, es fehlt an Power, es fehlt an Ausdruck. Der Rum hängt regelrecht wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Da waren einige andere Mai Tais deutlich besser.


Fazit Mai Tai:

Ich bin enttäuscht! Ich hatte nach der Purverkostung zwar erwartet, dass der Rum niemals an den 17 YO herankommen wird, denn das war einfach nur ein Über-Rum für den Mai Tai, aber ein derartiges Abrutschen hatte ich nicht erwartet. Schade! Denn das wertet den Rum schon um einiges ab. Für den Mai Tai braucht man den Rum nicht zu kaufen. Ein pures Vergnügen bleibt natürlich, aber es ist ja doch immer schöner, wenn ein Rum auch noch anderweitig einsetzbar ist. Mehr als 7 Punkte sind hier aber leider nicht drin."


Nachbetrachtung:

Über die letzten Jahre habe ich auf Nachfrage in der Regel kurz diese meine Einschätzung zum 3rd Release gegeben, wobei die Tendenz immer eher dahin ging, den Rum lieber nicht zu kaufen. Zu sehr fiel er neben seinem Bruder aus meiner Sicht ab. Der Rum wurde dann aber meist trotzdem gekauft und fast immer war die Resonanz im Anschluss daran positiver, als ich es erwartet hatte. Das traf für die Connaisseure die den 2nd Release nicht kennen noch einmal im Besonderen zu.
Und ich muss heute, mit einigem Abstand sagen: zurecht! Auch dieser Rum war, für sich selbst gesehen, zu diesem Preis eine klare Empfehlung. Hätte es das 2nd Release nicht gegeben, so hätte ich diesen Rum wohl auch damals schon sehr viel besser beurteilt und wahrgenommen. Inzwischen ist dieser Rum ja auch ausverkauft und hätte es damals schon den Hype um Tropical Aging gegeben, dann wäre der Rum wohl auch viel schneller weg gewesen. Was damals nüchtern als Info um die Lagerung des Rums gesehen wurde, ist gilt heute bei einigen per se als Gütesiegel. Ich sehe das etwas nüchterner, aber dazu an anderer Stelle evtl. einmal mehr,
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass wir einen Rum in dieser Qualität wohl nie wieder zu einem Preis wie dem damaligen bekommen werden. 18 YO Long Pond in High Proof und tropisch gelagert: das ginge heute leider nur noch dreistellig. Was ich weiß ist, dass der Rum, wie alle Releases dieser Serie, auch gerne an einige regionale Händler abgegeben wurden. Mit viel Glück, ist dieser Rum also evtl. noch offline zu finden. Einfach mal die Augen offen halten. :)
Ich sagte ja, mit diesem Artikel auch das Set der drei LPS-Abfüllungen zu vervollständigen. Daher möchte ich euch auch ein abschließendes Ranking der drei nicht vorenthalten, wobei die Unterschiede der beiden letzteren Releases zum 1st Release am größten sind, wie auch der qualitative Abstand der beiden zum ersten Rum:


  1. 2nd Release
  2. 3rd Release
  3. 1st Release

Und wo ich es gerade von offenen Augen hatte: das gilt natürlich auch für Barrel Aged Thoughts im Allgemeinen. In Kürze kommen hier endlich wieder aktuelle Abfüllungen zur Verkostung, die noch problemlos zu beziehen sind. Abfüllungen, nicht nur aus Jamaica, die mich zum Teil sehr überzeugt haben und zeigen, dass Rum 2017 unglaublich viel Spaß macht. Auch ein Rum, auf den ich viele Jahre warten musste wird dabei sein. Ich freue mich drauf! 

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 9. Februar 2017

Forgotten Thoughts: Barbados, Blackrock Distillery: Cadenhead's BBR 11 YO vs. Cadenhead's BRS 16 YO

Werte Rum-Gemeinde,

lange war es ruhig hier auf Barrel Aged Thoughts, aber nun wacht der Blog aus seinem langen Winterschlaf wieder auf. Ja, ich habe mich rar gemacht in der Rum-Welt. Der Spaß an der Freunde war lange verschwunden, und so widmete ich mich anderen schönen und wichtigen Dingen des Lebens. Diese wiederum machten es möglich, mir den Spaß auch an diesem schönen Hobby wiederzufinden, und so geht es hier also weiter. 
Leider schied Marco schon vor längerer Zeit aus diesem tollen Blog aus und zog es vor, den Weg alleine weiterzugehen. Das Ergebnis ist mit Barrel Aged Mind ein neuer erstklassiger Blog in der Rum Welt. Alles Gute auch an dieser Stelle noch einmal!
Mit Marco verschwanden hier auch die Reviews des Landes Barbados, weswegen ich heute mit einem Bajan Review beginne, welches ich schon vor langer Zeit verfasst habe. Da Marco damals für Barbados und Guyana und ich für Jamaica zuständig war, wurde es allerdings nie veröffentlicht. Deshalb: Forgotten Thoughts
Nachdem bei mir bisher ausschließlich Rums aus Jamaica dran waren, gibt es also heute erstmals zwei Rums aus Barbados pur zu verkosten, die aus der Blackrock Distillery auf Barbados stammen!

Cadenhead BRS Rockley 16 YO und Cadenhead BBR Blackrock 11 YO

Mit der Blackrock Distillery verhält es sich ähnlich, wie mit der Long Pond Estate oder der Monymusk Distillery auf Jamaica, sie füllt nämlich keinen Rum unter eigenem Label ab, sondern verkauft den Großteil des Rums an unabhängige Abfüller, was auch bei unseren beiden heutigen Rums geschehen ist.
Die südwestlich auf Barbados gelegene West Indies Rum Distillery, oder auch Blackrock Distillery (nach dem Ort Blackrock) hat nach der Schließung von Rockley Distillery deren Still oder zumindest einen ihrer Destillationsapparate übernommen, die Rockley Still. Wie man heute weiß, ist diese aber nicht für die Rums aus 1986 und 2000 verantwortlich, da sie lange Zeit vorher schon außer Betrieb gestellt war. Das heißt, unsere heutigen Rums stammen aus einer Pot Still aus WIRD/Blackrock (Mark: BBR/BRS).
Rums im so genannten "Rockley Style" (die Bezeichnung beruht höchstwahrscheinlich von John Barrett her, hat aber mit Rockley, wie gesagt, nichts zu tun) unterscheiden sich grundlegend von allen anderen Rums, die ansonsten auf Barbados hergestellt werden. Während die Rums von Foursquare (R.L. Seales) bspw. eher einen Rum mit leichtem bis mittleren Körper ergeben, erhält man bei "Rockley" einen Rum mit mittlerem bis fast schwerem Körper, so dass das ganze auch schon mal eher Richtung Jamaica gehen kann, als dorthin, wo die meisten wohl am ehesten einen Barbadier vermuten würden. "Rockley" Rum hat nichts mit den anderen Rums aus Blackrock gemein, oder gar mit Doorly's XO, Cockspur oder Plantation X.O. zu tun! Wer nun aber an eine Jamaica-Kopie denkt, oder gar an Jamaicaner für Arme, der irrt wiederum. Die Rums von dort haben ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, den nicht nur Marco, sondern auch ich sehr schätze und den ich nun anhand zweier großartiger Rums hier auch näher betrachten möchte.

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Die beiden Rums im Vergleich:

Preis: für den Cadenhead's BBR musste man ca. 50 Euro einkalkulieren. Für einen Rum diesen Alters in Fassstärke sehr fair. Der BRS kostete ca. 70 Euro. Beide sind aber nirgends mehr zu bekommen, bzw. wenn, dann mal mit Glück in einem Fachgeschäft ohne Onlineshop vor Ort.

Alter: der BBR reifte von Juni 2000 bis März 2012 und reifte damit 11 volle Jahre im Fass. Beim BRS waren es 16 Jahre, von 1986 bis zum Juni 2003.

Alkoholstärke: beide Rums wurden in Fassstärke abgefüllt. Der BBR hat einen Alkoholgehalt von 59,1% vol., der BRS ist mit 67,7% vol. etwas stärker.

Destillationsverfahren: beide Rums wurden im Pot Still Verfahren destilliert, das gibt Cadenhead jeweils auf der Flasche an.

Farbe: hier zeigen die beiden Rums im Glas keinen Unterschied. Beide haben eine klare, goldene, strohige, helle Farbe. In der gefüllten Flasche ist der BRS allerdings ein ganz klein wenig dunkler.

Viskosität: der BBR zeigt sich im Glas ölig und satt, er beißt sich regelrecht am Glasrand fest. Enge Schlieren laufen am Glasrand herunter. Der BRS wirkt hier etwas filigraner, die Glaswand ist dünner benetzt und die Schlieren verlaufen weiter als beim BBR.

Nase: beim BBR nehme ich zunächst eine leicht rauchige Note wahr und auch die Anwesenheit alkoholischer Schärfe fällt im ersten Moment auf. Dahinter dann deutliche Bourbon Vanille, weitere Gewürze, die mich an Weihnachten denken lassen. Nach einiger Zeit zeigt sich dann auch eine angenehme leichte Süße, die sich mit Toffee und Karamell paart.
Der BRS mutet im ersten Moment etwas süßer, aber auch reifer an. Alkoholische Schärfe ist auch hier vorhanden, hält sich insgesamt aber auch bei diesem Rum zurück. Die Bourbon Vanille des BBR finde ich auch hier, allerdings kommt bei diesem Rum auch noch eine deutliche Honignote dazu, die mit der Bourbon Vanille einher geht. Hinzu gesellen sich einige Ester, die mich kurz an Jamaica denken lassen. Und: beim BRS zeigt sich noch etwas mehr Holz als beim BBR.

Gaumen: zu Beginn beim BBR eine schöne Süße, die mich erneut an Weihnachten denken lässt, allerdings ist es dieses Mal Weihnachtsgebäck. Der Eindruck aus der Nase, bezüglich der alkoholischen Schärfe, setzt sich hier nicht ganz fort, sie ist vorhanden, hält sich aber wirklich in Grenzen. Der Rum lässt mich an Creme Brulee denken, dahinter etwas deutlich grasiges. Ein wenig Holz kommt nun durch, wobei dieses bei diesem Rum definitiv nicht die Hauptrolle spielt. Es drängt sich nicht auf, aber der Rum ist deshalb keinesfalls allzu jugendlich, frisch oder zu wenig gereift. Ein hervorragendes Fass! Ganz am Ende meine ich einen Hauch Anis wahrzunehmen. Der Rum ist schön mundfüllend und zeigt sich am Gaumen ebenso ölig, wie er sich schon im Glas zeigte.
Der BRS wirkt sofort etwas älter als der BBR, hat mehr Holz abbekommen. Es zeigt sich aber ebenso sehr, dass beide aus einer gemeinsamen Destillerie stammen, das können sie nicht leugnen. Das Weihnachtsgebäck zeigt sich hier ebenfalls und auch bei diesem Rum ist eine gewisse Süße da, aber auch hier spielt sie nicht zu sehr hinein; dezent und dadurch perfekt. Die alkoholische Schärfe kommt hier minimal mehr zum Tragen als beim BBR. Der Rum ist für einen barbadischen Rum wirklich esterreich, sogar deutlich mehr Ester, als der BBR, ein Umstand, der ihn während des Genusses gedanklich immer wieder nach Jamaica rückt. Gefallen haben mir seine ölige Konsistenz im Mund, genauso wie der BBR ist der BRS wirklich mundfüllend.

Abgang: Dezentes, frisch geschlagenes Holz + Gras beim BBR, nochmals die Bourbon Vanille aus der Nase. Im Hintergrund habe ich Röst-Noten. Der Eindruck insgesamt ist hier ein angenehm trockener. Einzig: er könnte etwas länger sein, sich mehr am Gaumen festbeißen.
Der Abgang des BRS ist noch etwas trockener als der des 11 YO BBR, aber gemeinsam haben sie wieder die Bourbon Vanille, die sich als Signatur der Blackrock Distillery erweist, beide Rums kommen nicht ohne aus. Ein längerer Abgang als beim BBR!

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Cadenhead BBR 11 YO (2000 - 2012), 59,1% vol. 
Fazit: zwei Hochkaräter, zwei Legenden, aus Barbados! Die Insel hat, wie eingangs erwähnt, in Bezug auf Rum, zwei Gesichter: einmal der Rum des leichten bis mittleren Stils, vor allem aus der Destillerie Foursquare, Rum, der eine breitere Masse begeistern kann, wie man es z.B. beim Plantation Barbados XO sieht. Zum anderen aber auch der Rum eines mittleren bis schweren Stils aus kupfernen Pot Stills, darunter unsere heutigen Rums, die stilistisch deutlich eher an Jamaica heranreichen, als an jenes andere Gesicht des Rums von Barbados. Ich persönlich finde den schwereren Stil deutlich spannender. Zwei Vertreter dieses Stils habe ich heute verkostet und dabei viel Vergnügen gehabt. Im Kern waren sich die Beiden nicht unähnlich. Dass ich zwei Rums einer Destillerie im Glas hatte, war deutlich zu merken, auch wenn sie durchaus auch Unterschiede aufwiesen.
Einen klaren Favoriten konnte ich objektiv nicht ausmachen. Der BBR war im Vergleich spannender, vielschichtiger, komplexer als der BRS 16 YO. Dieser ging klar eher in die Richtung Jamaica, was sicher an seinem sehr hohen Estergehalt liegt. Das gefiel mir, auf Grund meiner Vorliebe für Jamaica sehr gut, war mir im Vergleich höchstens eine Spur zu wenig eigen. Ich möchte hier daher keinen der beiden Rums abwerten, das sind zwei hervorragende Rums, an denen ich viel Spaß hatte, immer noch habe und auch weiterhin haben werde.
Beim BRS steckt natürlich seine Exklusivität besonders im Kopf und das bekommt man auch beim Trinken nicht ausgeblendet. Möchte ich auch garnicht, das ist für mich ein Teil des Genusses. Der BBR dagegen hatte es da natürlich etwas schwerer, umso höher ist es aber auch anzusiedeln, dass er sich ohne diesen Teil Geschichte gleichermaßen durchsetzen konnte. 50 Euro kostete der BBR 11 YO mit 59,1% vol. und ich finde, das Geld war er wert. Beide gibt es leider nicht mehr zu kaufen, was wirklich schade ist. 

Bis demnächst, 
Flo

Sonntag, 29. März 2015

The Rum Cask Jamaica Rum 16 YO Hampden 1998


Liebe Rum-Gemeinde,

nachdem ich euch letzte Woche den ersten zweier neu erscheinenden Jamaica Rums bei The Rum Cask vorgestellt habe, einen 9 jährigen Worthy Park aus 2005 in Fassstärke, folgt heute der zweite. Dass es sich bei diesem um einen Hampden Rum handeln würde hatte ich ja bereits durchblicken lassen, ansonsten hielt ich mich mit Informationen allerdings bedeckt. Bis jetzt ;)

Wie ihr der Überschrift bereits entnehmen konntet, handelt es sich bei der Neuerscheinung um einen Hampden Rum in nicht mehr ganz jungem Alter und in Fassstärke. Letztere ist bei Hampden in meinen Augen das Sahnehäubchen, welches Rums speziell dieser Destillerie immer noch eine Sphäre höher trägt. 
Das Batch aus dem Jahr 1998 ist ein bisher nahezu unbekanntes. Einzig Alambic Classic führt ebenfalls einen Rum dieses Batches, allerdings nur mit 45% vol., was bei Hampden leider immer eine spürbar angezogene Handbremse bedeutet. 
Das Auftauchen dieses neuen Jahrgangs von Hampden ist insofern ungewöhnlich, als dass aus dem zwei Jahre jüngeren Jahrgang 2000 seit inzwischen sieben Jahren schon unzählige Fässer am Markt aufgetaucht sind. Aus 1998 ist hingegen bisher nichts erschienen, zumindest von keinem der ca. 30 bekannten Jamaica Rum abfüllenden unabhängigen Abfüller. Die beiden Abfüllungen von Alambic und nun von The Rum Cask sind mit 16 Jahren also die jüngsten bekannten Rums dieses Batches, während es aus anderen Jahrgängen auch bereits sehr junge Rums mit unter 10 Jahren Reife gegeben hat. Weshalb das so ist, wieso die Fässer nicht früher in die Flaschen gelangten kann ich nicht sagen. Nun aber ist dieses Batch auf 200 Flaschen verteilt verfügbar und ich werde es mir einmal näher ansehen.

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Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO (1998 - 2015), 64,3% vol.:

Preis: 0,5 Liter des 16 jährigen Hampden werden im The Rum Cask Shop 49,90 Euro kosten.

Alter: der Rum wurde 1998 destilliert und Anfang 2015 abgefüllt. Damit ist er volle 16 Jahre alt.

Alkoholstärke: 64,3% vol. misst der Rum. Das bedeutet die volle Fassstärke.

Destillationsverfahren: it's Hampden. It's Pot Still ;)

Farbe: ein satter Goldton, heller Bernstein.

Viskosität: weite, unregelmäßige, dünne, allerdings fetter werdende, Schlieren, der Rum beißt sich am Glas fest, stark ölige Viskosität.

Nase: Woah! This! Is! Hampden! Nicht mal mit stark verschnupfter Nase bestünden hier ernsthafte Zweifel was sich im Glas vor mir befindet, ein Ester-Monster vor dem Herrn. Er hat nicht ganz so viele davon wie das 1990er Batch, aber an das legendäre 1992er Batch schließt er nahtlos an. Das dürfte definitiv ein Continental Flavoured Rum sein, also ein Rum des Marks HLCF.
Die Nase ist wahnsinnig voll, ich habe dazu noch viel gegrillte Ananas, natürlich Banane, eine leichte Zitrusnote und etwas, was irgendwie erdig anmutet. Dazu kommt eine schöne Note vom Holz, die sehr harmonisch eingebunden ist. Hammer!

Gaumen: wie immer bei Hampden stellt sich erstmal dieses Zaubertrank-Feeling ein. Der Rum ist sehr mundfüllend und reichhaltig, ölig-cremig, zu Beginn leicht brennend, dann milder werdend. Heavy Bodied. Eine erdige Komponente ist da, aber auch der aus Hampden bekannte Obstkorb, in dem sich vor allem Bananen und Ananas befinden. Der Einfluss vom Holz ist da, aber nicht dominant, sondern schön eingebunden. Tolle Ballance! Würzig. Voller Power.

Abgang: gewohnt lang, esterig und intensiv. Neverending Story.

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Fazit: In ya Face! Dieser Rum und diese Destillerie ist einmal mehr der blanke Wahnsinn! Hampden in Bestform zu einem Best-Preis. Auf 0,7 Liter umgerechnet wäre man hier ganz leicht unter 70 Euro. Das sind Preise, von denen man sich eigentlich schon vor ein paar Jahren verabschiedet hatte. Was kann man also falsch machen? Nichts, mit Ausnahme eines zu lange anhaltenden Zögerns beim Bestellen eventuell. Denn die Rum Gemeinde hat sich stark vergrößert. 200 Flaschen zu einem so guten Preis sind eine echte Limitierung und ich wage die Prognose, dass dieser Rum, dieser Kracher, nicht so arg lang am Markt verfügbar sein wird. Klare Kaufempfehlung. Recommended by Barrel Aged Thoughts.
Und wieder gilt auch hier: wir sind ein unabhängiger und unbestechlicher Blog, der die Herausstellung maximaler Qualität zum Ziel hat. Daher war uns die Wahrung unserer Unabhängigkeit bei diesem Projekt ein großes Anliegen und wir freuen uns sagen zu können, dass wir den Rum nicht deshalb empfehlen, weil unser Name mit auf dem Etikett steht, sondern, dass unser Name auf dem Label steht, weil wir den Rum abgefüllt sehen wollten und ihn empfehlen. Und wir danken dem Team von The Rum Cask an dieser Stelle für das in uns gesetzte Vertrauen!

So. Ist das jetzt das Ende? Natürlich nicht! Denn wer mich kennt, der weiß natürlich, dass ich nicht widerstehen konnte und den Rum natürlich auch in meinem Lieblingsdrink, dem Mai Tai, ausprobieren musste ;)


Mai Tai mit The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO:

Mai Tai mit The Rum Cask Hampden 16 YO (1998 - 2015)
Farblich steht ein Mai Tai vor mir, wie ich ihn schon unzählige Male im Glas hatte. Milchig, leicht grünlich von der Limette, leicht gelb vom Rum, dem Curacao (Pierre Ferrand Orange Curacao) und vom Orgeat (Meneau) und vor allem aber sehr hell.
Geschmacklich erlebe ich dagegen außergewöhnliches. Nicht, weil ich noch nie so einen guten Mai Tai gehabt hätte, das kann man wirklich nicht sagen, dafür hatte ich einfach schon alle bekannten Jamaica-Referenzen in diesem Drink um da ein Alleinstellungsmerkmal zu erlangen, aber weil er sich eben auch nicht schlechter macht, als einige außergewöhnlich gute Rums vor ihm, die man allerdings schon lange nicht mehr kaufen kann. Das macht ihn vermutlich zum derzeit besten, verfügbaren Kandidaten für diesen Drink. Und für welchen Preis nochmal? Bingo!
Der Rum drückt dem Mai Tai seinen Stempel auf, so wie man das von einem guten Hampden erwartet. Gleichzeitig kommen die anderen Zutaten aber immer noch durch und setzen ihn so in Szene. Ich spiele häufig mit diesem Bild, ich weiß, aber es beschreibt für mich einfach am besten, was in diesem Drink geschieht mit diesem Rum und diesen erstklassigen Begleitern.
Trotz der Fassstärke sind auch größere Schlücke möglich, ohne, dass einen der Alkohol dabei völlig erschlägt. Der Drink verwässert wenig, was aber auch kein Problem darstellt, da er das Schmelzwasser bei gutem Mischungsverhältnis nicht so sehr nötig hat. Dadurch bleibt der tolle Geschmack lange erhalten und verlangt keinen allzu kurzen Genuss.

Fazit: auch wer einen Rum für den Mai Tai sucht und auf den puren Genuss eher zweitrangig guckt, der sollte sich den TRC Hampden 16 YO einmal genauer ansehen. Günstiger bekommt man derzeit definitiv keinen vergleichbaren oder besseren Rum für diesen Drink und auch wer bereit ist mehr Geld in die Hand zu nehmen wird lange suchen müssen um einen besseren Kandidaten zu finden. Dann wird es aber schon mindestens dreistellig und das ganze dürfte auf eine Sammlerflasche längst vergangener Tage hinauslaufen. Ob dieser Rum dann besser ist? Vielleicht etwas exklusiver, aber besser? Ich habe starke Zweifel. Denn der vor mir stehende Mai Tai ist einfach unfassbar auf den Punkt und erhält damit die vollen 10 Punkte von mir. Die haben vor ihm nur der LPS Long Pond 2nd Release, der Duncan Taylor Hampden 1990 und der Cadenhead's IRW 18 YO erhalten. Keiner dieser Rums ist noch verfügbar. Daher auch hier: uneingeschränkte Kaufempfehlung!

Mit besten Grüße und einen schönen Sonntag,
Flo

Sonntag, 22. März 2015

The Rum Cask Jamaica Rum 9 YO Worthy Park 2005


Liebe Rum-Gemeinde,

wie bereits am 1. März in einem kleinen Teaser angekündigt, stehen zwei neue Jamaica Rums des unabhängigen Abfüllers "The Rum Cask" in den Startlöchern. Dass es sich dabei um einen Rum aus Hampden und einen aus Worthy Park handeln würde hatte ich schon verraten, mehr allerdings noch nicht; Zeit also, den ersten Vorhang zu öffnen! Zunächst wird es heute um den neuen Worthy Park gehen, der Hampden folgt dann nächstes Wochenende. 

Da das 2005er Worthy Park Batch noch weitestgehend unbekannt ist, war ich im Vorfeld sehr gespannt auf den Rum. Inwieweit würde er sich vom 2009er Batch unterscheiden, was macht die längere Reifezeit aus und wo liegen generelle Unterschiede zu anderen Jamaicanern? 
Gleichzeitig war das 2005er Batch aber auch das allererste, welches seit der Wiedereröffnung der Destillerie 2005 existierte. Dieses ist also gewissermaßen der Ur-Rum der neuen Destillerie. Leider ist nicht bekannt, ob er in Jamaica oder kontinental reifen durfte.
Der Rum wurde, wie schon einige vor ihm, in einer Zusammenarbeit zwischen The Rum Cask und Barrel Aged Thougths ausgewählt. The Rum Cask ist es dann glücklicherweise auch tatsächlich gelungen einen Teil dieses Batches zu bekommen und den Rum schließlich auf 200 Flaschen á 0,5 Liter abzufüllen. Das Ergebnis gibt es nun hier. 



Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 9 YO (2005 - 2015), 57,5% vol.:


Preis: 39,90 Euro wird eine Flasche á 0,5 Liter im The Rum Cask Shop kosten. 

Alter: der Rum lagerte zwischen 2005 und Anfang 2015 im Fass und ist somit 9 volle Jahre alt.

Alkoholstärke: Die ausgewiesene Stärke des Rums beträgt 57,5% vol., was der Fassstärke entspricht.

Destillationsverfahren: der Rum wurde in einer Pot Still der Destillerie Worthy Park gebrannt. 

Farbe: sehr intensives, leuchtendes Gold

Viskosität: sehr fetter Rum, seine Schlieren kleben förmlich an der Glaswand fest.

Nase: schöne volle Nase, keinerlei alkoholische Schärfe. Sofort an den 4 Jahre alten Bruder des 2009er Batches erinnernd, allerdings wesentlich reifer. Dass der Rum mehr als doppelt so alt ist fällt sofort auf, die zusätzlichen 5 Jahre machen sich extrem bemerkbar. Bedenkt man allerdings, dass der Rum erst 9 Jahre alt ist und u.U. sogar kontinental gereift wurde, dann ist diese Reife schon sehr bemerkenswert. Das hatte ich im Vorfeld nicht erwartet und hier weist der Rum wiederum Parallelen zu seinem Bruder auf, denn auch dieser überraschte ja schon mit einer für 4 Jahre sehr außergewöhnlichen Reife.
Mir kommen Bananenchips und Bananenkompott entgegen, gepaart mit Anis und leicht grasigen, vegetalen Komponenten. Eine schöne Note vom Holz und eine natürliche Süße runden das Gesamtbild der Nase ab.

Gaumen: leichtes Brennen zu Beginn, frisch abgetrenntes Holz, etwas likörartige Süße und sehr mundfüllend und ölig-cremig. Danach kommt die volle Dröhnung Anis, die sich mit dem Holz toll ergänzt. Die Fruchtigkeit aus der Nase ist verschwunden und weicht den vegetalen und würzigen Eindrücken.

Abgang: lang und trocken, frisches Holz und Anis verbleiben.

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Fazit: ein nicht ganz gewöhnlicher Jamaica Rum. Für sein Alter ist er unfassbar reif, zugänglich, rund. Ich habe nicht das Gefühl, ein nur halb reifes Destillat vor mir zu haben. Vom 4 YO, der letztes Jahr bei The Rum Cask unter dem Recommended by Barrel Aged Thougths Logo erschien, ist er meilenweit entfernt. Das hier ist kein Mixing Rum mehr. Er erinnerte in Teilen, vor allem im Abgang, sogar an Port Mourant aus Guyana und gefiel mir einfach ausgesprochen gut. Von mir gibt es an dieser Stelle daher also eine klare Empfehlung, insbesondere auch im Hinblick auf den Preis. Dieser ist ein Kracher und alles andere als selbstverständlich im High Quality Bereich der unabhängigen Abfüller. Ich bin schwer begeistert!
Ein letztes Wort, welches ich so aus dem ersten Recommended by Barrel Aged Thougths Artikel übernehme: wir sind ein unabhängiger und unbestechlicher Blog, der die Herausstellung maximaler Qualität zum Ziel hat. Daher war uns die Wahrung unserer Unabhängigkeit bei diesem Projekt ein großes Anliegen und wir freuen uns sagen zu können, dass wir den Rum nicht deshalb empfehlen, weil unser Name mit auf dem Etikett steht, sondern, dass unser Name auf dem Label steht, weil wir den Rum abgefüllt sehen wollten und ihn empfehlen. Und wir danken dem Team von The Rum Cask an dieser Stelle für das in uns gesetzte Vertrauen!

Bis nächsten Sonntag,
Flo

Sonntag, 1. März 2015

Jamaican Invasion by The Rum Cask: Coming soon and Recommended by BAT

Schon als Sample genial: zwei äußerst hochklassige Fullproof-Jamaicaner aus Hampden und Worthy Park aus bisher unbekannten Batches.

Sonntag, 1. Juni 2014

Gordon & MacPhail Jamaica Rum Long Pond 1941

Liebe Rum-Gemeinde,

nach fast drei Monaten Pause melde ich mich heute zum drittletzten Mal zurück. Jawohl, ihr habt richtig gelesen. Meine Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts geht zu Ende. Ich werde mich aus der Welt des Rums, zumindest öffentlich, zurückziehen, da ich den Spaß am Schreiben in den letzten Wochen mehr und mehr verloren habe und aus meiner Sicht auch alles zum Thema gesagt worden ist, was zu sagen war. Mein Themenspektrum war ja bekanntermaßen von Beginn an sehr limitiert und nachdem die Linie Mai Tai bereits vor zwei Jahren nahezu auserzählt war, ist auch zu den Rums aus Jamaica in meinen Augen alles gesagt.



Alle Rums dieser Insel, die es aus meiner Sicht verdient haben hier auch vorgestellt zu werden, finden sich bereits auf Barrel Aged Thoughts. Naja, fast alle ;). Zwar haben mich mit dem Albion 1983 von Velier z.B. auch Rums rechts und links des Wegesrandes hin und wieder zu begeistern gewusst, jedoch sehe ich für mich keinen Sinn diese Rums hier zu besprechen, da Marco dazu deutlich mehr zu erzählen weiß und auf diesem Gebiet ungleich mehr Fachkompetenz auf sich vereinigen kann als ich. Hinter den Kulissen, administrativ, werde ich Barrel Aged Thoughts erhalten bleiben und Marco an dieser Stelle weiter unterstützen, der hier, das möchte ich einmal klar so sagen, eine super Arbeit leistet und, spätestens mit dem Demerara Rum-Artikel, den Blog zu dem gemacht hat, was er heute ist: der wohl informativste und qualitativ hochwertigste Rumblog den ich kenne! Danke Marco!

Ich sagte, fast alle Rums aus Jamaica, die es wert waren hier gezeigt zu werden, wären hier vorgestellt worden. In der Tat, denn zwei Vertreter der Insel fehlen noch, die hier den krönenden Abschluss bilden sollen. Zum einen wird das der heute besprochene und 1999 abgefüllte Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum aus dem Jahr 1941 sein, zum anderen der The Whisky Agency Jamaica Rum 35 YO aus 1977 in Fassstärke, welcher vor zwei Jahren ca. auf den Markt kam.
Ich sagte aber auch, es wäre heute der drittletzte Post. Als letzten Post werde ich einen kleinen Ausblick auf eine mögliche Zukunft liefern und den ersten Rum komplett deutscher Produktion hier vorstellen, welcher seit einiger Zeit im Handel erhältlich ist und welchen ich sehr spannend fand. Die Entwicklung dieses Unternehmens werde ich sicher verfolgen. Doch zunächst heute zu dem Rum, der schon den zweiten Weltkrieg erlebt hat, dem Gordon & MacPhail.

Der Gordon & MacPhail ist wohl der Rum, von dem ich inzwischen am längsten gewartet und gehofft habe, ihn mal probieren zu können. Sagenhaft alt und dementsprechend auch sagenhaft teuer ist dieser Rum, welcher auf mich von Beginn meines Interesses für Rum an eine große Faszination auf mich ausübte. Wie schmeckt ein Rum, der so alt ist? Ist er verholzt und das viele Geld nicht mal im Ansatz wert? Schmeckt der Rum vllt. ganz anders als heutige Rums aus Long Pond und/oder generell?

Als der G&M gebrannt wurde, am 5. März oder am 3. Mai 1941, herrschte in Europa Krieg. Gleichzeitig handelt es sich heute um einen der letzten Rums überhaupt, welcher nachweislich noch vor der ersten Zündung einer Atombombe auf der Erde hergestellt wurde und damit noch aus gänzlich unbelastetem Zuckerrohr besteht. Ob ich der Überzeugung bin, dass man das schmecken wird? Mitnichten ;) Aber ich finde, es ist schon etwas sehr besonderes, sich über derlei Randnotizen einmal wirklich vor Augen zu führen und zu begreifen, wie verdammt alt dieser Tropfen ist, was er schon alles erlebt und was und wen er auch schon überlebt hat.
1946, ein Jahr nach Kriegsende und fünf Jahre nach seiner Destillation, wurde der Rum dann nach Großbritannien verschifft, wo er wohl bei einem nicht weiter bekannten Bulkhändler einlagerte. 1967 erwarb dann Gordon & MacPhail das Fass und lagerte es in seinen Lagerhäusern in Elgin, Schottland. Dort reifte der Rum dann bis ins Jahr 1999, in dem er schließlich abgefüllt wurde; mit einem offiziellen Alter von 58 Jahren und einem Alkoholgehalt von 50% vol.!

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Verkostung des Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum 1941:

Preis: der Rum kostete ursprünglich umgerechnet ca. 450-500 Euro. Inzwischen liegt der Preis 100 bis 200 Euro über diesem Betrag. 


Alter: der Rum wurde 1941 destilliert, 1946 nach Großbritannien verschifft und 1999 abgefüllt. Der Tropfen ist also stolze 58 Jahre alt, fünf Jahre davon reifte er unter tropischer Sonne.

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt beträgt 50% vol. Ob das die natürliche Fassstärke ist oder ob der Rum seitens Gordon & MacPhail noch einmal verdünnt wurde ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist aber eine geringfügige Verdünnung. 

Destillationsverfahren: wir dürften es hier mit einem Rum aus einer traditionellen Pot Still zu tun haben.

Farbe: leuchtender, heller, tiefer Bernstein, dunkles Stroh. Für 58 Jahre ist der Rum erstaunlich hell. 

Viskosität: weite Schlieren verlaufen am Glasrand und hinterlassen große Perlen am Glasrand, was auf einen schweren, körperreichen Rum schließen lassen lässt. 

Nase: eine sehr, sehr kräftige Nase! Sofort als Long Pond zu erkennen, sehr fruchtig und sehr tief. Wow! Ein echtes Rum-Monster, welches da im Glas wütet. Gegrillte Ananas, Banane, Cashewkerne, grasige Noten und leichte Zitrusaromen nehme ich wahr.

Gaumen: wunderbar weich legt sich der Rum ohne jedes Brennen auf die Zunge und erfüllt den gesamten Mundraum mit herrlichem Pot Still-Jamaica Aroma. Auch größere Schlücke lässt der Rum zu. Gleichzeitig ist der Long Pond sehr schön fett, cremig und ölig, was mir sehr gefällt! 
Der Rum ist wirklich heavy bodied und kommt daher, wie man auch heute noch einen Long Pond erwarten würde. 

Abgang: sehr langanhaltend und trocken, getoastetes Fass und das typische Long Pond Aroma kommen durch. 

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Fazit: als wäre auf Jamaica die Zeit stehen geblieben. Viele Vorstellung hatte ich von einem so alten Rum aus längst vergangenen Tagen und kaum welche davon trafen wirklich zu. War der Rum dreckig, insofern, als dass sich veraltete Technik in der Destillation geschmacklich feststellbar gewesen wäre? Nein, der 1941er war nicht dreckiger als es Rums aus weit späteren Jahrzehnten von Jamaica auch sind. Hier schmeckte man wohl vielmehr, wie traditionell die Rumherstellung dort noch heute ist. Ich fand diese Zeitreise auf jeden Fall ungemein spannend, wenn auch sehr kostenintensiv ;)
Kosten sind das nächste Stichwort. Der Preis für die Flasche liegt irgendwo jenseits von gut und böse und ist aus meiner Sicht nicht zu vertreten. Ja, der Rum schmeckt wirklich sehr gut, er ist das wohl sogar das beste, was ich aus Long Pond je im Glas hatte, und das Alter rechtfertigt einen solch hohen Preis auch irgendwo. Aber der Rum schmeckt einfach nicht viel besser, als heute verfügbares im Rahmen zwischen 100 und 150 Euro. Im Vergleich dazu ist der Aufpreis zu heftig. Nichts desto Trotz bin ich sehr glücklich, dass ich im Rahmen einer privaten Flaschenteilung über einen Connaisseur aus Hamburg an diesen Rum gekommen bin und bereue die Investition keine Sekunde. Ein geiler Rum und ein schönes, lebendiges Stück Zeitgeschichte, an dem ich noch viel Freude haben werde!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 9. März 2014

Panama in Ashes mit The Rum Cask Panama Rum 8 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch kurz die Neuinterpretation eines Drinks vorstellen, den es erst seit ein paar Jahren gibt, sich seit dem aber großer Beliebtheit unter Cocktailliebhabern erfreut, dem Vienna in Ashes von Philip Bischoff.

Das Rezept des Drinks lautet folgendermaßen:

Vienna in Ashes 

  • 5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
  • 2 cl Grand Marnier Cordon Rouge
  • 1,5 cl Laphroaig 10 Years Old Single Malt Whisky
  • Orangenzeste


Nun steht hier seit geraumer Zeit mein Fläschchen The Rum Cask Panama Rum 8 YO (2004 - 2012) mit 54,5% vol. und überdeutlichem Islay Malt Finish herum. Leo hatte den Rum vor ca. einem dreiviertel Jahr auch hier vorgestellt und war sehr angetan. Meins war der Rum pur allerdings nicht so, zu wenig bin ich von Islay begeistert, welches diesen Rum so sehr geprägt hat. So blieb nur die Variante übrig, den Rum in einem Drink zu testen. Ich durchstöberte also die Datenbanken nach Drinks, welche einen Islay Malt verlangen und stieß so auf den Vienna in Ashes.
In Ermangelung an Grand Marnier Cordon Rouge ersetzte ich nicht nur den Laphroaig durch den Rum, sondern auch diesen durch Pierre Ferrand Orange Curacao, der, wie der Grand Marnier, auch auf Cognac Basis hergestellt wird. Das Rezept war nun dieses:


Schwarz wie die Nacht: der Panama in Ashes.
Panama in Ashes

  • 5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
  • 2 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
  • 1,5 cl The Rum Cask Panama Rum 8 YO Cask Strength
  • Orangenzeste

Zugegeben, der Name irritiert, wurde doch der Wiener (bzw. Salzburger) Anteil garnicht substituiert, aber ich wollte den Drink nicht unter gleichem Namen vorstellen, das hätte ich noch unpassender gefunden.
Der Drink kommt zunächst, wenn man nur noch den Purgenuss von Rum gewöhnt ist, ziemlich süß daher, was sich mit zunehmender Verwässerung aber relativiert. Die Ballance der drei Zutaten stimmt, spielen sie doch wunderbar zusammen und ergänzen einander. Die Kombination aus dunkler Schokolade, Orange und Rauch überzeugt mich, ist aber nichts für jeden Tag!

Nächsten Sonntag erwartet euch wieder ein Review von Marco. Wir wünschen eine schöne und erfolgreiche Woche.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 2. Februar 2014

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO

Liebe Rum Gemeinde,

nach längerer Abstinenz, die ich sehr bedauere, geht's hier heute endlich mit der 13 jährigen The Rum Cask Abfüllung aus Long Pond, Jamaica weiter, welche im November letzten Jahres auf den Markt kam. Nachdem ich pur bereits begeistert war und den Rum auch im Mai Tai empfehlen konnte, machte ich mich als nächstes an einen klassischen Rum Sour. Den Drink mixte ich schon vor einiger Zeit, einzig zur Vervollständigung des Artikels bin ich lange nicht gekommen. Heute hat das zum Glück ein Ende und ich kann ihn euch hier endlich vorstellen.

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO
Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO:

Sehr hell in der Farbe kommt der Sour daher, durch das Fehlen von Orgeat und Curacao fällt der Drink farblich auch noch heller aus als ein Mai Tai. 

Geschmacklich weiß der Rum Sour sofort zu überzeugen. Mit der Kraft und der Power, die Long Pond Pot Still Jamaicaner naturgemäß mitbringen, schlägt er im Mundraum ein wie eine Bombe. Nicht zu vergleichen natürlich mit diversen Abfüllungen aus Hampden, aber dieser hier hat auch schon sehr viel Ester und die zahlen sich aus. Trotz der Fassstärke ist der Drink sofort angenehm zu trinken, ohne dass sich der Alkohol in irgendeiner Weise störend bemerkbar machen würde. Ein Top Rum macht eben einen Top Rum Sour! Der Sour ist für mich ein reduzierter Mai Tai auf das Wesentliche. Nur Rum, Sweet & Sour. Hier wird nichts verfälscht oder kaschiert. Ein sehr, sehr guter Rum im Vordergrund, ein dezenter Background und daneben nichts. Ich habe ihn im Verhältnis 6/3/1,5 gemixt, 6/2/1 würde allerdings auch noch gut funktionieren, er wäre dann nur etwas stärker, aber noch nicht zu stark. Dieser Sour macht Lust auf den Sommer und er entführt einen zu dieser Jahreszeit für wenige Minuten in wärmere Gefilde. Schön! 

Fazit: der Rum ist pur sehr gut, er macht im Mai Tai eine spitzen Figur und er gefällt mir im Rum Sour sogar noch etwas besser, da er nicht ganz die Power von Hampden hat und im Sour daher noch besser herauskommt als im Mai Tai. Der Preis (44,90€/0,5l) ist nach wie vor mehr als akezeptabel für das Gebotene und die uneingeschränkte Empfehlung bleibt klar bestehen. Recommended by Barrel Aged Thoughts! Für mich, zusammen mit dem Isla del Ron Jamaica 30 YO, der Rum des Jahres 2013!

Einen Schönen Sonntag noch,
Flo

Sonntag, 22. Dezember 2013

"Mai tai roa ae!" - Mythos und Moderne II

Liebe Rum Gemeinde,

sowohl auf meinem alten Blog Mai tai roa ae!, als auch hier auf Barrel Aged Thoughts habe ich mich bereits intensiv mit der Geschichte und der Gegenwart des Mai Tais auseinander gesetzt. Nach einem Artikel, den ich auch hier bereits veröffentlicht habe, der einen groben Überblick über die Geschichte des Mai Tai gegeben und dann vor allem dessen status quo in der Gegenwart beleuchtet hat, folgt heute ein tieferer Einblick in die Geschichte, der vor allem den verwendeten Rum des Ur-Mai Tais beleuchtet, den Wray & Nephew 17 YO, und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Charakteristik des Drinks. Wer auch meinen Vorgänger-Blog schon verfolgte, der weiß, dass ich diesen Artikel in einer früheren Fassung schon einmal veröffentlicht habe. Heute folgt eine überarbeitete, neue Fassung des Artikels. 

Dieser möchte damit beginnen, tiefer in den Bereich des Mythos eindringen. Ich möchte versuchen, den Drink, welchen Trader Vic 1944 erschuf, näher zu ergründen. Was möchte man da noch ergründen, wird vielleicht ein mancher fragen, und das nicht unbedingt zu Unrecht. Die Fakten scheinen klar: wir wissen haargenau welche Zutaten verwendet wurden und in welchen Mengenverhältnissen (vom Limettensaft mal abgesehen, aber den wird auch Trader Vic abgestimmt haben) sie im Drink landeten. Wir wissen auch, wie der Mai Tai zubereitet wurde. Was man aber nicht weiß ist, wie süß oder sauer der damalige Limettensaft war. Wir wissen nicht, wie der Orange Curacao von De Kuyper um 1944 schmeckte. Wir wissen ebenfalls nicht, wieviel Eis Trader Vic verwendete, wie dessen Verwässerungsgrad war und wie lange geshakt wurde. Und wir wissen vor allem nicht, wie der Wray & Nephew 17 YO schmeckte. All das lässt sich aber heute auch nicht mehr sagen. Warum also nachbohren, was soll das bringen?
Um es vorweg klar zu sagen: weil ich am Mai Tai von 1944, so wie man ihn sich heute in Fachkreisen meist vorstellt, erhebliche Zweifel hege. So glaube ich, wie gesagt, zwar nicht, dass man alle Komponenten heute noch 1:1 nachvollziehen kann, aber ich glaube, dass man eine elementare Annahme des Drinks überdenken muss!

Diese Annahme hängt mit dem Rum und dessen Alkoholgehalt zusammen und somit, mit der Charakteristik des Drinks. Verwendet wurde der 17 jährige Rum von Wray & Nephew, endgültig verschwunden in den 50er Jahren. Was wissen wir sicher über den Wray & Nephew? Im Grunde nicht viel, sicher zu sein scheint neben der Lagerzeit von wenigstens 17 Jahren nur, dass es ein Overproof Rum war, mit mehr als 70% vol.. Daher auch die enorme Potenz des Mai Tais. Aber sind diese Informationen verlässlich? Die Grundlage für diese Annahme sind die Flaschen, die bei Appleton vor einigen Jahren aufgetaucht sind und von denen u.a. eine im Merchant Hotel in Belfast landete und dort im Mai Tai verkauft wurde. Diese Flasche hatte ca. 75% vol., andere Quellen sprechen auch "nur" von 60% vol. In jedem Falle geht es dabei aber zweifelsfrei um einen Overproof Rum.
Die Geschichte dieser Flasche ist jedoch unklar: einige Quellen berichten von einem Fass (u.a. Jeff Berry), das gefunden wurde, andere eben von einigen Flaschen (Angus Winchester). Neben diesem Widerspruch, weisen aber auch beide Varianten Ungereimtheiten auf.

1. Wenn ein Fass gefunden wurde, dann war der enthaltene Rum kein Blend mit mindestens 17 Jahren Reife mehr, sondern mit mindestens über 70 Jahren, und ein Alkoholgehalt von 70% vol. oder mehr wäre mehr als unwahrscheinlich. Zudem war der Wray & Nephew 17 Jahre auch sicher keine Single Cask Abfüllung, sondern viel eher ein handelsüblicher Blend, sonst wäre die Menge an Flaschen nicht denkbar. Das heißt, entweder wäre der enthaltene Rum dann nur ein Teil des damaligen Blends gewesen und, vom nun enormen Alter mal abgesehen, entspräche nicht der eigentlichen Abfüllung oder der Fassinhalt entsprach einem bereits vermählten Blend. Aber wieso sollte man diesen dann vergessen? Und auch dieser wäre dann noch über 70 Jahre alt...

2. Und wenn es Flaschen gewesen sind, die gefunden wurden, wieso war ihr Inhalt pechschwarz? Trader Vic beschrieb den 17 jährigen Wray & Nephew ausdrücklich als goldfarbenen Rum und eine Farbenblindheit seinerseits ist nicht überliefert! Auch der zwei Jahre jüngere 15 jährige Blend aus dieser Zeit war deutlich golden in seiner Farbe (doch dazu später mehr!).

3. Das einzige, was denkbar wäre ist, dass der Flascheninhalt zwar der besagte 17 jährige Blend ist, dieser jedoch nicht verdünnt wurde und daher dunkel ist. Dann wäre der originale Rum, mit dem Trader Vic mixte, jedoch auch kein Overproof Rum mehr, aber auch dazu später mehr.

Bis hier hin tun sich also definitiv einige Fragen auf, die ich keineswegs ohne Weiteres eindeutig zu beantworten sehe. Einzig klar scheint mir dadurch, dass es sich bei den Flaschen, u.a. im Merchant Hotel, garnicht um den originalen Wray & Nephew 17 Jahre handeln kann, auch wenn man das bis hier hin nicht hinreichend beweisen kann, da Appleton/Wray & Nephew beispielsweise die Beschreibung von Trader Vic einfach anfechten könnten. An einer Aufklärung dürfte Wray & Nephew/Appleton aber kein Interesse haben, obwohl diese hier definitiv Hilfe leisten könnten.

Links: eine alte Flasche Wray & Nephew 15 Years Old; die
Proof-Angabe befindet sich rechts unten und ist zweistellig
Allerdings gibt es nun noch einen neuen Ansatz, zumindest habe ich in diese Richtung noch nichts anderes gelesen. Ausgang dieses neuen Ansatzes ist ein Bild auf dem Blog von Jeff "Beachbum" Berry (links). Auf diesem Bild ist u.a. eine Flasche vom Wray & Nephew 15 Jahre abgebildet, dem Rum, der Trader Vic im Mai Tai diente, als der ältere Bruder aufgebraucht war. Inwieweit sich die beiden Rums im Detail unterscheiden ist kaum zu sagen, mit Sicherheit kann man jedoch davon ausgehen, dass sie zumindest nicht grundlegend verschieden sind. Das dürfte insbesondere auf den Grundcharakter des Rums, die Farbe und den Alkoholgehalt zutreffen. Was die Farbe betrifft, so ist dieser Rum zumindest schon mal eine ganze Ecke näher dran an dem goldenen Rum, den Vic beschrieb. Das alles ist natürlich nicht neu. Wirklich außerordentlich spannend ist jedoch dessen Alkoholgehalt, den ich nun auf der Flasche entdeckte! Genau zu lesen ist die Angabe auf der Flasche nicht, man erkennt jedoch unter der Spalte in der "Product of Jamaica" geschrieben steht, rechts neben dem Wort "Content" und einer weiteren Angabe das Wort "Proof". Unmittelbar davor ist zweifelsfrei eine zweistellige Zahl zu erkennen (mit viel Fantasie mit einer 8 als erster Ziffer), was bedeutet, dass der Rum allerhöchstens 99 Proof, 49,5% vol. beinhaltet. Um das aber ganz genau sagen zu können, habe ich Kontakt mit Jeff Berry aufgenommen, der mir dazu gerne Auskunft gab. Er bestätigte mir für den Wray & Nephew 15 Jahre einen Alkoholgehalt von 86 Proof (43% vol.). Den Geschmack des 15 jährigen Rums beschreibt er als fantastisch, die Charakteristik eines dunklen Rums stünde hier sehr in einem Kontrast zu der bernsteinen Farbe des Destillats. Eine Flasche Wray & Nephew 17 Jahre aus den 1940er Jahren hat er aber, nach eigener Angabe, selbst noch nie gesehen und er könne zu einem genauen Alkoholgehalt des 17 YO deshalb nichts definitives sagen.
Damit wäre die weit verbreitete Annahme, der 17 Jahre alte Rum sei ein Overproof gewesen, bereits alles andere als selbstverständlich. Natürlich, man kann nicht zweifelsfrei ausschließen, dass der 17 jährige, im Gegensatz zum 15 jährigen, ein Overproof war, allerdings ist dies unter den gegebenen Umständen nicht sehr wahrscheinlich. Denn die einzige Quelle dafür, der einzige Hinweis darauf, dass er ein Overproof war, sind die bei Appleton aufgetauchten Flaschen/Fässer! Eine, wie ich finde, inzwischen mehr als zweifelhafte Quelle. Aber ohne diese Quelle würde man überhaupt nicht von einem Overproof ausgehen. Wir stehen nun also quasi bei Null. Und von Null an gesehen, spricht viel mehr für einen Rum um 40 bis 45% vol. als für einen mit ca. 70% vol., denn:

1. Die im Anschluss an das Versiegen des 15ers von Trader Vic proklamierte Jamaica-Martinique Kombination erscheint in diesem Licht nachvollziehbarer. Sie könnte dem Original durchaus näher kommen als bisher gedacht, auch wenn ihr sehr wahrscheinlich das gewisse Extra fehlt, dass die Wray & Nephew Rums gehabt haben werden. 

2. Für eine ca. 40-45%-Variante spricht zudem der damalige Partner des Wray & Nephew 15, der Black Heart Jamaica Rum. Dieser weißt einen Alkoholgehalt von 90 Proof, 45% vol. auf. Somit wurden hier zweifelsfrei zwei Rums verwendet, die nicht Overproof waren. Wäre der Originalrum jedoch ein Overproof Rum gewesen, hätte Trader Vic hier sicherlich auch in diese Richtung versucht, eine Annäherung zu schaffen, da die Beschaffenheit eines Drink mit 6 cl Overproof Rum eine völlig andere ist, als bei 6 cl von einem Rum mit ca. 45% vol. Und auch erst nach Versiegen des Wray & Nephew 15 YO ist das übrige Mai Tai Rezept angeglichen worden, d.h. dass weniger Orgeat verwendet wurde. Das alles spricht für eine ähnliche Beschaffenheit von Wray & Nephew 17 YO und 15 YO!

3. Der Drink war sehr erfolgreich! Entscheidend sind hier zweierlei Dinge: zum einen musste der Rum einen moderaten Preis haben, damit ihn eine Bar auch so massenhaft in einem Drink verwenden konnte. Selbst wenn das Trader Vic's damals gehobene Preise hatte, so wird ein Mai Tai, auf heutige Verhältnisse umgerechnet, nicht mehr als 15-20 Euro gekostet haben, was schon sehr viel wäre. Bei diesem Preis kann die Flasche Rum umgerechnet höchstens 30 bis 40 Euro gekostet haben. Für einen 17 jährigen Blend mit 43% vol. durchaus denkbar, aber für einen so alten Rum in Fassstärke? Sehr schwer vorstellbar! 

4. fand der Drink schnell viele Liebhaber! Wer mal versucht hat, einen Mai Tai mit 6 cl Overproof Rum jemandem zu vermitteln, der nicht so häufig gute Cocktails genießt, der wird bestätigen können, dass das nicht immer leicht ist. Bei einem Mai Tai mit 6 cl 45%igem Rum sieht das allerdings schon anders aus, vor allem mit Blick auf's damalige Rezept:

2 oz = 6 cl Jamaika Rum, mutmaßlich mit 40-45%
0,5 oz = 1,5 cl Orange Curacao
0,5 oz = 1,5 cl Orgeat
0,25 oz = 0,75 cl Zuckersirup
1 Limette = 5-6 cl Limettensaft

Auf Cracked Ice geshaked und so ins Glas gegeben.



Dieses Mischungsverhältnis würde einen anderen, ungleich milderen, Mai Tai ergeben, mit einer deutlich geringeren Betonung auf dem Rum und wesentlich höherem Anteil an Süße und Säure. Um aber genau sagen zu können, über was ich hier spreche, habe ich den Drink natürlich kurzerhand bestmöglich nachgemixt. Als Rum wählte ich eine Kombination aus 3:3 Appleton Estate und Clement VSOP, das dürfte dem ganzen laut Trader Vic und Jeff Berry ja am nächsten kommen. Die Restlichen Zutaten habe ich in diesen Proportionen verwendet, auch an Cracked Ice habe ich mich gehalten. Ich habe nicht stur eine Limette verwendet, sondern das Verhältnis angepasst, der Anteil an Limettensaft ist jedoch deutlich höher als in meinem üblichen Mischungsverhältnis, er liegt bei ca. 4 cl. Der Drink ist erwartungsgemäß ein anderer, nur schwer zu vergleichen mit einem Mai Tai, in dem weniger Orgeat und Limettensaft oder gar ein Fassstärke Rum verwendet wurde. Ein Drink, bei dem ich mir vorstellen kann, dass er ein großes Publikum begeistert. Der Rum kommt noch durch, nimmt im Drink aber lange nicht die Rolle ein, die ihm in heutigen Mai Tais zugestanden wird. Er wechselt sich mit seinen Begleitern in der Wahrnehmung der Aromen während des Trinkens ständig ab, geht zeitweise fast unter, seine Begleiter übernehmen definitiv eine zweite Hauptrolle. Das Cracked Ice macht sich zunächst nicht bemerkbar, aber nach 10 Minuten weiß man, warum man den Drink je nach Rum besser auf ganzes Eis schüttelt und dann auch auf frisches Eis straint.
Dieser Drink in der Form ist nicht schlecht, aber eben sehr viel anders. Mir persönlich ist er zu leicht, zu Fancy. Das ist ein anderer Mai Tai, als der, den wir ihn uns heute meist vorstellen.

Soweit so gut. Schön. Was ändert das an einem heutigen Mai Tai? Bringt das irgendwen weiter? Schmeckt ein Mai Tai mit einem tollen Overproof Rum und/oder mit reduzierten Partnern nun deshalb schlechter? Nein! Natürlich nicht. Im Gegenteil: niemand hat behauptet, dass er nicht sogar besser schmecken kann. Aber wie das eben so ist, wenn einen ein Thema wirklich interessiert, dann ist man wissbegierig. Ich persönlich finde Geschichte spannend, nicht nur in dieser Frage, und aus diesem Grund interessiert es mich, von welchem Ur-Cocktail wir eigentlich ausgehen. Mir ging es darum, eine gängige Annahme nahezu zu korrigieren, da ich sie auf Grund von zahlreichen sehr schlüssigen Indizien für falsch halte. Und man sieht hier sehr schön, dass vieles oft im Nachhinein verklärt wird. Oft geht man ja geradezu von einem perfekten Trader Vic's Mai Tai aus, einem Mai Tai, der genau den Geschmack heutiger Kenner entspricht, mit einem perfekten Fassstärke-Rum und wunderbaren Zutaten, bevor der Drink durch seinen Ruhm dann vielerorts zu einem Saftschubserl wurde. Man verweist dabei ebenfalls auf Trader Vic's Barteder Guide, in dem dieser ausdrücklich erwähnt, dass der Rum zu schade sei, um ihn durch Säfte zu erschlagen. Hieraus, in Zusammenhang mit der Flasche von Appleton entstand dann das Bild, dass es sich hier also um einen Overproof Rum handeln musste. Jedoch muss man beachten, dass Cocktails mit viel Saftanteil auch damals schon nicht unüblich waren. In Anbetracht der Indizien würde ich hier also eher sagen, dass Trader Vic von einem Vermixen des Wray & Nephew 17 YO mit 20 cl Ananassaft absehen wollte, als dass es darum ging, dass der Rum den kompletten Drink dominiert.

Ich denke, der Artikel hat zumindest etwas mehr Licht ins Dunkle gebracht, auch wenn der allerletzte, hinreichende Beweis für einen 40 bis 45%igen Wray & Nephew 17 Jahre leider noch fehlt und vllt. auch nie erbracht werden wird, da u.U. keine Flaschen der damaligen Chargen mehr existieren. Aber von den reinen Indizien her, würde ich davon deutlich eher ausgehen, als von einem über 70%igen Rum, für den es letztlich eigentlich gar keinen Anhaltspunkt gibt. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf den ursprünglichen Mai Tai, wie ich in meinem Test festgestellt habe. Dadurch liegt ein Mai Tai mit Appleton/Clement vermutlich doch eher am Original, als einer mit einem Fassstärke Jamaicaner. Aber egal, ob wir irgendwann den Alkoholgehalt des Wray & Nephew 17 kennen oder nicht: es möge jeder seinen Mai Tai so trinken, wie er ihn am liebsten genießt!

Bis dahin, einen schönen 4. Advent und frohe Weihnachten,
Flo

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Bildquellen:

Mai Tai mit Wray & Nephew 15:
http://www.beachbumberry.com/wp-content/uploads/2009/12/maitai-copy.jpg

Flasche Wray & Nephew 17:
http://www.uniquestuff.net/images/wrap_nephew_rum.jpg