Sonntag, 23. Februar 2020

New FAQ - or: interviewing myselfđŸŽ€

Liebe Rum Gemeinde,

bereits seit ein oder zwei Jahren habe ich einige FAQs hier online gestellt, und mich dabei am Format vom Thomas (RUMBOOM) orientiert, welches mir damals wie heute sehr, sehr gut gefĂ€llt! Aber natĂŒrlich kommen im Laufe der Zeit auch immer mal wieder Fragen dazu, die mich meist via Mail oder Facebook erreichen und weshalb ich meine FAQs zuletzt etwas ĂŒberarbeitet habe. Gleichzeitig gebe ich euch damit auch kleine Einblicke ĂŒber das, was euch in Zukunft hier auf BAT noch erwarten wird. Viel Spaß beim Lesen!

Picture by E.H.


Flo, wer bist du?

Ich bin Flo und wohne direkt an der Schleswig-Holsteinischen OstseekĂŒste im schönen Eckernförde. Dort unterstĂŒtze, begleite und verselbststĂ€ndige ich beeintrĂ€chtigte Menschen in einer Wohngruppe. Rum und Spirituosen sind fĂŒr mich daher zu 100% Hobby und Passion und damit frei von finanziellen Interessen oder gar Verpflichtungen aller Art. 



Seit wann und warum interessierst du dich fĂŒr Rum?

Zum Rum gekommen bin ich mit Anfang 20 ĂŒber die Cocktailszene. Das war so im Laufe des Jahres 2010 und dann sehr intensiv ab 2011. Beim Mixen der Drinks fiel mir immer wieder auf, dass es mir die Cocktails mit Rum, etwa mit Appleton Estate Jamaica Rum z.B., mit Abstand am meisten angetan haben. Ohne es da schon zu wissen, zeigte sich hier also eigentlich schon, auf welche Insel es letztendlich hinauslaufen wĂŒrde. ;) Und so probierte ich dann auch meine ersten Rums pur. 



Was war deine erste große "Rum-Liebe"?

Das war, auch wenn ich das heute selbst kaum glauben kann und mag, noch kein Jamaicaner, sondern der Diplomatico (damals hieß er noch so, heute Botucal) Reserva Exclusiva. Bei dem merkte ich zum ersten Mal, dass es auch Alkohol gibt, der einem pur wirklich schmeckt. 



Auf Barrel Aged Thoughts geht es aber viel eher um brachiale Jamaicaner als um gesĂŒĂŸte Rums. Wie kamst du von dort auf die unbehandelten Rums der UnabhĂ€ngigen AbfĂŒller? 

Das kam mit der Zeit. Ich lernte damals Leo kennen, der frĂŒher auch hier geschrieben hat und der schon einen Schritt weiter war als ich. Er brachte mir diese Rums nahe. Der Rest kam dann von alleine. Probiert, probiert und immer mehr und immer weiter probiert. Wir erschlossen uns diese riesige und zu der Zeit noch fast unbekannte Welt gemeinsam und autodidaktisch, denn auf vorhandenes Wissen konnten wir damals kaum zurĂŒckgreifen. Das war eine tolle Zeit! Jamaica, und hier vor allem die Destillerien Hampden und Long Pond, kristallisierte sich ab da sehr klar als meine Lieblingsinsel heraus. Aber auch einige Rums aus Barbados oder Guyana gefallen mir sehr. 



Wie bist du auf die Idee gekommen zu bloggen?

Express Yourself! Im Sommer 2011 ging ich mit Mai Tai Roa Ae! zum ersten Mal online. Das war noch ein Cocktailblog, auf dem der Mai Tai Cocktail, bis heute mein uneingeschrĂ€nkter Lieblingsdrink, im Mittelpunkt stand. 



Wie wurde aus Mai Tai Roa Ae!  dann Barrel Aged Thoughts

Im Herbst 2012 löste ich diesen Blog auf und an seiner statt kam Barrel Aged Thoughts. DafĂŒr holte ich mir Marco und Leo ins Boot. Zu dritt steckten wir die Themen Demerara Rum, Barbados Rum, Jamaica Rum, Rhum Agricole und American Whisky ab! Es gab damals keinen einzigen Rum Blog weltweit (!) der uns wirklich komplett gefiel. Viele Blogger schrieben fĂŒr die Spirituosen-Industrie und es störte uns, dass wenn man nach Rum AbfĂŒllungen gesucht hat, man kaum etwas gefunden hat. Kaum echte Geschmacksbeschreibungen, kaum echte Erfahrungsberichte. Und zu seltenen AbfĂŒllungen schon gar nicht. Wir wollten das Ă€ndern und den Menschen und Connaisseuren da draußen den richtig guten Stoff Nahe bringen. 



Du fĂŒhrst den Blog heute alleine. Was ist passiert?

Leider hielt unser Dreiergespann nicht lange durch, da Leo kaum Zeit hatte zu Schreiben und bei mir das Interesse zwischen 2013 und 2015 aus persönlichen GrĂŒnden deutlich nachließ und erst 2016 wieder zurĂŒck kam. Dadurch stand ich Marco im Wege, der deshalb verstĂ€ndlicher Weise erfolgreich eigene Wege ging. Heute habe ich meine Leidenschaft fĂŒr Rum wieder neu entdeckt, weswegen es hier auch weiter geht. 



Warum erscheinen deine Reviews nicht auch in englischer Sprache?

Ich bin der englischen Sprache zwar mĂ€chtig, aber Sprache an sich ist in meinen Augen mehr als nur Mittel zum Zweck sich mitzuteilen. Sie ist auch ein tolles Spielzeug. Es macht mir Spaß Reviews zu schreiben und ein Minimum an Eloquenz ist dabei mein Anspruch an mich selbst. Und diesem kann ich aus meiner Sicht nur in meiner Muttersprache gerecht werden. 



Welcher Grundgedanke leitet dich beim Schreiben deiner Reviews?

Ich schreibe meine Reviews seit jeher genau so, wie ich sie selbst gern bekĂ€me. Die Frage "Was brauche ich, um den Rum mittels des Reviews gut einschĂ€tzen zu können?" leitet mich dabei. Und hier lege ich den Fokus tatsĂ€chlich weniger auf subjektiv wahrgenommene Assoziationen (diese sind einfach bei jedem anders und von Popel bis explodierende Airbags schmecken einige ja quasi alles mögliche heraus) als viel mehr auf den Körper und Charakter eines Rums und auf Vergleiche zu Ă€hnlichem und bekannten. Das ist zwar auch niemals völlig objektiv, geht aber sehr viel mehr in diese Richtung.



Von dir liest man quasi niemals einen Verriss zu einem Rum. Bist du zu unkritisch? 

Ich empfinde mich sogar außerordentlich kritisch und habe einen enorm hohen Anspruch an den Rum! Die Tatsache, dass man von mir nahezu ausschließlich positives zu den Rums liest rĂŒhrt daher, dass ich ganz grundsĂ€tzlich vorstellen möchte, was mir gefĂ€llt und wovon ich der Meinung bin, dass es eine ErwĂ€hnung verdient hat. Darauf lenke ich meinen Fokus und diese Rums kommen dann natĂŒrlich auch fast durchgehend gut weg bei mir. Was mir nicht gefĂ€llt, und das ist im Rum Bereich leider noch immer das Gros der Masse, bekommt von mir keine BĂŒhne. Diese Haltung resultiert möglicherweise noch aus meiner Anfangszeit, als mich der Trinklaune-Blog, der mir damals gefiel, sehr beeinflusst hat. Die haben das Ă€hnlich gehandhabt.



Es erscheinen von dir nahezu ausschließlich Reviews zu Rums aus Jamaica und Caroni. Warum so eintönig?

Ich verkoste und schreibe ĂŒber das was mir schmeckt und wozu ich mir eine wirklich fundierte Meinung bilden kann. Mir ist wichtig, zu wissen wovon man spricht! Ich Ă€rgere mich immer wieder ĂŒber Reviews anderer Blogger, wenn aus diesen klar hervorgeht, dass der Autor meines Erachtens ĂŒber nicht ausreichend Kenntnisse in diesem Bereich verfĂŒgte und daher fĂŒr meine Begriffe, bzw. meinen Anspruch, der zugegebener Maßen sehr hoch ist, nicht hinreichend fĂ€hig war, sich eine wirklich fundierte Meinung zu einem Rum zu bilden. Insbesondere bei Connaisseuren, die eigentlich im Whiskybereich zuhause sind (aber glauben sich auch mit Rum auszukennen), fĂ€llt mir das immer wieder und sehr hĂ€ufig negativ auf. Da möchte ich mir manchmal regelrecht in die Faust beißen, um nicht laut loszuschreien. Derartiges möchte ich fĂŒr mich unbedingt vermeiden und daher liegt mein Fokus eben vor allem auf Jamaica und Caroni, da ich in diesem Bereich bisher das mit Abstand meiste probiert und ich ein GefĂŒhl fĂŒr diese Rums entwickelt habe, so dass ich mir zutrauen darf, sie hinreichend beurteilen zu können. Naja, und nicht zuletzt schmecken mir diese Rums auch am besten. ;-)



Werden wir von dir also auch in Zukunft kaum Rums aus anderen LĂ€ndern und Destillerien vorgestellt bekommen?

Doch, denn auch hinter den Kulissen bin ich ja nicht untĂ€tig und es gibt immer wieder auch andere Rums, die mich zu begeistern wissen. Als Beispiel seien hier die Rums aus Rockley/WIRD (Barbados), St. Lucia Distillers (St. Lucia), Gardel (Guadeloupe) oder die alten Demeraras von Cadenhead oder Velier genannt. Aus diesen Bereichen kenne ich auch schon sehr, sehr viel, möchte aber teilweise meinen Horizont noch stĂ€rker erweitern, noch einige Benchmarks unbedingt probieren, bevor ich mich wirklich fundiert dazu Ă€ußern kann und möchte. Dann hat das alles auch Hand und Fuß. Einiges aus diesen Bereichen ist aber schon weit fortgeschritten und wartet quasi nur noch auf die Veröffentlichung. Da wird 2020 ganz sicher noch das eine oder andere kommen!


Kommen wir nochmal zu Caroni zurĂŒck: du hast nahezu ausschließlich -abgesehen von wenigen Ausnahmen- Rums von Velier vorgestellt. Warum diese Fixierung auf nur einen einzigen AbfĂŒller? 

Das ist kurz und einfach erklĂ€rt: weil die QualitĂ€t der Caronis von Velier unerreicht ist und am Ende fĂŒr mich einzig und allein das zĂ€hlt: QualitĂ€t! Man bekommt, trotz der enormen Kurse, nach wie vor bei Velier das meiste fĂŒr sein Geld! Das Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis harmoniert stĂ€rker als bei jedem anderen AbfĂŒller, da diese mit ihren Kursen versuchen am Caroni-Kuchen möglichst zu partizipieren und preislich mit Velier Schritt zu halten, aber das passt eben von der QualitĂ€t her ĂŒberhaupt nicht. Es gibt nur wenige, vereinzelte AbfĂŒllungen, z.B. von Bristol und von Thomas KrĂŒger, die an die Velier heran reichen und die haben hier dementsprechend auch ErwĂ€hnung gefunden. Aber die aller, aller meisten Caroni der anderen unabhĂ€ngigen AbfĂŒller sehe ich in ihrer QualitĂ€t weit abgeschlagen dahinter. DafĂŒr gibt es einige GrĂŒnde, die ich in meinem Artikel zu Caroni dargelegt habe.



Apropos Caroni-Artikel: dĂŒrfen wir noch weitere solcher Artikel zu anderen Destillerien erwarten und wenn ja, zu welchen?

Ja, ich habe noch einige weitere Artikel in Planung, bzw. zum Teil auch schon in Arbeit. Konkret seien hier der Rockley-Style von Barbados und die Lost Distillery Gardel auf Guadeloupe genannt. Aber auch zu Monymusk möchte ich in einiger Zeit noch etwas schreiben, was aber lÀnger dauern wird als bei den beiden zuerst genannten.



Wirst du in Zukunft auch mal ein paar Standard-Rums fĂŒr Einsteiger besprechen und empfehlen?

Direkt geplant ist so etwas bislang nicht. BAT richtet sich klar an den fortgeschrittenen Genuss. Das war die Nische die 2012 weltweit noch unbesetzt war, wĂ€hrend sich andere Blogs bereits umfassend mit Standard-Rums befassten. Das ist auch heute im Wesentlichen noch so. Zwar sprechen inzwischen auch andere Blogger ĂŒber High End Rum, klar, aber innerhalb dieses Bereichs ist ja auch BAT gewachsen und fĂŒr Einstieger-Produkte gibt es, denke ich, damals wie heute, ausreichend andere Plattformen. DarĂŒber hinaus muss ich ehrlich zugeben, dass es mir wohl auch schwer fiele, mich darauf wirklich noch mit ganzer Leidenschaft einzulassen, da mir die wirklich allermeisten Rums in diesem Segment schon seit vielen Jahren zu langweilig erscheinen. Einzig: ein Vergleich der Appleton 12 YO durch die vergangenen Jahrzehnte ist in Planung. Aber auch da wird der Fokus nicht auf dem Thema Einstieg liegen, sondern auf dem historischen Wandel. 



Verfolgst du mit Barrel Aged Thoughts  irgendwelche kommerziellen Interessen?

Nein, der Blog war immer und ist bis heute ein reines privates Hobby. Als Rezensent bewahre ich mir damit meine UnabhĂ€ngigkeit. Diese ist mein kostbarstes Gut. WĂŒrde ich sie verlieren, wĂ€re dieser Blog nichts mehr wert. Bis auf sehr wenige Ausnahmen finanziere ich auch sĂ€mtliche Samples und Flaschen aus eigener Tasche. Gibt es Ausnahmen, dann kennzeichne ich diese. Einfluss auf meine Bewertung haben diese Ausnahmen hingegen niemals. 



Was hat es mit dem "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Sticker auf einigen AbfĂŒllungen von The Rum Cask auf sich?

Dazu muss ich etwas weiter ausholen, weswegen ich das hier noch genauer ausgefĂŒhrt habe.



Bist du ĂŒber dein Wirken fĂŒr BAT und TRC hinaus auch noch anderweitig in der Szene aktiv?

Ja, es schĂ€tzt beispielsweise auch der unabhĂ€ngige AbfĂŒller Rum Artesanal meine Meinung und holt sie sich gelegentlich ein. Das macht mir z.B. sehr viel Spaß, da das stets ein sehr reger gegenseitiger Informationsaustausch ist, bei dem ich auch immer wieder noch weiter dazu lernen kann und darf.  Des Weiteren habe ich vor kurzem damit begonnen, auch einen anderen unabhĂ€ngigen AbfĂŒller bei der möglichen Fassauswahl zu unterstĂŒtzen und werde als Autor auf noch einer weiteren Plattform aktiv werden. Mehr wird dazu sicher in KĂŒrze zu erfahren sein. DarĂŒber hinaus unterstĂŒtze ich mit viel Freude ein Buch-Projekt, zu dem ich an dieser Stelle aber ebenfalls noch nicht mehr sagen möchte. Was mir aber wichtig ist auch bei diesen Engagements festzuhalten ist, dass das alles auf unentgeltlicher Basis stattfindet. Ich war, bin und bleibe in meinem gesamten Wirken unabhĂ€ngig und frei von kommerziellen Interessen! 



Soooo... Ich hoffe, ich konnte damit viele eurer Fragen, die mich ĂŒber die vergangenen Monate via Mail oder Facebook erreicht haben, beantworten. Falls ihr weitere Fragen habt... nur zu! Nun aber wĂŒnsche ich euch erst einmal einen schönen Sonntag!

Bis demnÀchst,
Flo

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