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Sonntag, 14. Februar 2021

Gardel Distillery: The Lost (but still unsung) Rhum

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich mich nach längerer Zeit einmal wieder meiner heimlichen Liebe der letzten Jahre widmen, die meines Erachtens noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Gardel! Doch bevor ich euch in den nächsten Wochen noch einige der besten Rums dieser verschwundenen und bisher wenig beachteten Destillerie vorstelle, u.a. kommen diese von Cadenhead, Silver Seal und Moon Import, habe ich heute zunächst noch etwas Theorie für euch!

Source: lantenne.com

Rund um den Globus bekommen Connaisseure inzwischen leuchtende Augen, wenn von Old Demerara RumHampden, Long Pond oder Caroni die Rede ist. Längst sind Abfüllungen aus diesen (teils auch bereits seit langem geschlossenen) Destillerien keine Geheimtipps unter Nerds mehr, sondern extrem gesucht und daher auch preislich leider durch die Decke gegangen. Bei Caroni ist dafür, neben der Tatsache, dass Luca Gargano sich in besonderer Weise dafür eingesetzt hat der Welt zu zeigen, welch großartiger Stoff dort produziert wurde, in nicht unerheblichem Maße dessen Status als Lost Distillery verantwortlich, nachdem die Brennerei anfangs des Jahrtausendes geschlossen wurde und somit kein Rum mehr nachproduziert werden kann. So weit, so nachvollziehbar. Doch heute möchte ich euch mit Gardel auf Guadeloupe eine weitaus weniger bekannte Destillerie vorstellen, die durchaus beweist, dass eine Schließung allein noch lange nicht automatisch auch mit Jahrzehnte darüber hinaus reichendem Ruhm einher gehen muss. Einer Destillerie, die beweist, welch eine Sonderstellung Caroni in diesem Punkt in der Rum Welt also tatsächlich innehat, eine Sonderstellung, die eben ganz eng mit dem Namen Luca Gargano verknüpft ist, der wie kein zweiter das Talent besitzt, Menschen für Rum zu begeistern. Gardel beweist viel mehr, dass eine Schließung im Rum Bereich im Normalfall dann doch eher dazu führt, dass eine Destillerie und ihr Rum ganz unromantisch und ohne großen Ruhm einfach mit der Zeit vergessen werden und von den Landkarten dieser Welt verschwinden. Unzählige Destillerien hat dieses Schicksal bereits ereilt. 

Ich entdeckte Gardel für mich dann auch, wie zum Beweis, eher durch großen Zufall und ein schon im Jahr 2002 abgefülltes The Secret Treasures Bottling im vergangenen Frühjahr 2019. Nun könnte man meinen, dass da möglicherweise ein Stil einfach nur an mir vorbeigegangen ist, nicht an der Allgemeinheit, aber ich erlebe seither und wann immer ich Menschen von Gardel vorschwärme, dann doch immer wieder die gleichen fragenden Gesichter. Kaum jemand mit dem ich bisher sprach hatte schon einmal von Gardel gehört. Nur wenige konnten mit dem Namen zumindest etwas anfangen, hatten ihn immerhin schon einmal irgendwo gehört. Noch weniger hatten schon mal einen Gardel im Glas. Allerdings waren sämtliche meiner Rum Freunde, denen ich dann einmal einen Gardel eingeschenkt habe, im Anschluss restlos geflasht! Trotzdem ist Gardel alles andere als populär oder gar Trend und das wiederum heißt auch, dass zu Gardel ungleich weniger Informationen zu finden sind, als zu den meisten anderen und wesentlich gefragteren Destillerien. Auch bei den Zugriffszahlen meiner Reviews zu Gardel Rums war das deutlich zu merken, dass sie deutlich unter denen von bekannteren Rums lagen. Das Interesse an Gardel war bisher also, sagen wir mal, um es positiv zu formulieren, ausbaufähig. Dennoch wage ich den Versuch, euch Gardel heute einmal etwas näher zu bringen und den Schleier, der die ehemalige Brennerei umgibt, zumindest ein wenig zu lüften. Denn um eines direkt vorweg zu nehmen: im Gegensatz zu vielem anderen eher unbekannterem was uns die Rum Welt da draußen noch bietet, was zwar sicher nicht schlecht, für mich aber weit weg ist vom absoluten High End Niveau, gehört Gardel, zumindest in seiner Spitze, für ohne Zweifel zu den fünf besten und interessantesten Destillerien die ich insgesamt kenne! Sie steht für mich zweifelsohne in einer Reihe mit Caroni, Hampden oder den alten Demerara Rums (zugegeben, als ganzes gesehen)! 


1. Standort:

Gardel war eine Destillerie in der gleichnamigen Siedlung Gardel, die zur Gemeinde Le Moule gehört, gelegen im Osten der zu Guadeloupe gehörenden Insel Grand Terre und nur unweit der letzten noch Rum produzierenden Destillerie auf der Insel, nämlich Damoiseau. Guadeloupe ist seit dem 19. März 1946 französisches Übersee-Departement und somit heute Teil der EU. Gardel als solches existiert, anders als z.B. Caroni, allerdings nach wie vor und ist einer der größten Produzent von Zuckerrohr der gesamten Karibik. Die Zucker-Fabrik ist also, im Gegensatz zur Destillerie, noch aktiv, lediglich die Brennapparate wurden vor vielen Jahren demontiert. 

Source: researchgate.net


Auf einer Karte Guadeloupes, auf der sämtliche noch aktiven Destillerien des französischen Übersee-Departements verzeichnet sind, fehlt Gardel folgerichtig bereits. Die Nähe zu Damoiseau ist hingegen gut zu erkennen:

Source: rumporter.com



2. Geschichte und allgmeine Informationen:

Viel ist es leider tatsächlich nicht, was wir wissen. As gesichert gilt aber, dass Gardel im Jahr 1870 vom sog. "Zuckerbaron", dem Générale Sucrière, gegründet wurde und seither und noch bis heute Zucker produziert. Von 1870 bis 1992, insgesamt also 122 Jahre lang, wurde dort auch Rum gebrannt, allerdings wurde laut Bristol Spirits in jenem Jahr deren Column Still demontiert und damit das Kapitel Rum bei Gardel für immer geschlossen. Ob es zu einem früheren Zeitpunkt überhaupt noch andere Stills dort gegeben hat ist vollkommen unklar, aber laut Bristol endet die Geschichte des Rums von Gardel auf jeden Fall ultimativ in 1992. Die tschechische Seite "Peter's Rum Labels" zitiert Bristol Spirits dazu wie folgt aus der Zeit um 2003:

"Sadly, although the Gardel estate still produces sugar, its column or patent still, made it's last drop of rhum in 1992 - and this is it [ie. Classic Rum of Bristol Spirits Limited]. In that year, after 122 years of continuous production, the still was demolished."

Leider funktioniert der Link, der auf der Seite als Quelle angegeben wird inzwischen nicht mehr, allerdings halte ich das Zitat für vertrauenswürdig, da an dieser Stelle seit vielen, vielen Jahren mit viel Akribie Informationen gesammelt werden und ich mich auch daran erinnere, dass die Seite vor ca. 10 Jahren noch aufrufbar war, als ich mich in meiner Anfangszeit viel durch dieses schon damals sehr umfangreiche Archiv klickte. Nicht zuletzt auf Grund dieser Information aber dürfte 1992 wohl der letzte Jahrgang der Destillerie gewesen sein. Vereinzelt gibt es zwar unabhängige Abfüllungen aus 1998 die laut Label aus Gardel stammen, allerdings müssen es sich dabei, folgt man der obigen Auffassung, definitiv um Labelfehler halten und diese Rums jeweils von Damoiseau/ Bellevue kommen. Das liegt auch insofern nahe, als dass 1998 für Damoiseau/ Bellevue ein unglaublich starker Jahrgang mit hohem Output war. Dennoch sind geschmackliche Ähnlichkeiten und Parallelen von Gardel und Damoiseau teilweise nicht von der Hand zu weisen (man probiere z.B. die 1991er Originalabfüllung von Damoiseau), weswegen ich vereinzelte Hinweise, dass man bei Damoiseau teilweise noch heute mit Melasse der Zuckerproduktion bei Gardel arbeitet, als sehr stichhaltig empfinde. 

Gegründet wurde die Zuckerfabrik und Brennerei Gardel, wie eingangs erwähnt, im Jahr 1870 in Grande-Terre's Moule vom „Générale Sucrière“, dem „Zuckerbaron“. Es ist heute eine der größten Zuckerraffinerien der Welt und die einzige aktive auf Guadeloupe. Gardel besitzt eine 934 Hektar große Zuckerrohrplantage und arbeitet mit mehr als 2.500 Zuckerrohrbauern auf Guadeloupe zusammen. Mit seinen fünf modernen dampfbetriebenen Mühlen verarbeitet Gardel das gesamte Zuckerrohr der Hauptinsel (jährlich: 600.000 Tonnen), um verschiedene Sorten Zucker (60.000 Tonnen), Melasse (25.000 Tonnen), Biomasse / Bagasse (180.000 Tonnen), Ethanol und einst auch R(h)um zu produzieren. Aus welchen Gründen auch immer, das kann ich leider nicht nachvollziehen, wurde die Column Still Gardels 1992 demontiert. Seitdem gilt Gardel als Lost Distillery. 


3. Destillation und Stil:

Gardel produzierte seine Rums, zumindest jene die noch bekannt sind, im Column Still Verfahren und auf der Basis von Melasse. Auf diversen Labeln wird zwar von Rhum Agricole gesprochen, also von Rhum auf der Basis von frisch gepresstem Zuckerrohrsaft, doch die Sensorik spricht da eine doch sehr eindeutige Sprache zugunsten von Melasse. Zu den Brennapparaten selbst, der Fermentation oder gar verschiedenen Marks lässt sich im Netz zu meinem Bedauern überhaupt nichts herausfinden und ich kam auch mit diversen Anfragen im französischsprachigen Raum leider nicht weiter. Nirgends sind die Informationen zu Gardel spärlicher als in diesem Punkt. 


Einige Flaschen Gardel aus einer 2020er FT



4. Bekannte Jahrgänge:

Im Gegensatz zu Hampden, Long Pond oder Caroni gibt es aus der Gardel Distillery nur äußerst wenig bekannte Jahrgänge, von denen sogar einer noch unbestätigt ist, nämlich das Vintage 1973, und einer, der Jahrgang 1998, ein fälschlich als Gardel gelabelter Jahrgang von Bellevue/Damoisseau ist. Im Jahr 2021 erschien nochmal ein gänzlich neuer Jahrgang, als Spirit of Rum mit Dirk Becker einen Gardel aus 1983 in die Flasche brachten. Dieser reifte unglaubliche 38 Jahre im Fass, davon 17 unter der tropischen Sonne Guadeloupes. Diese Info ist überaus spannend, denn vieles spricht dafür, dass unter diesem Gesichtspunkt sämtlich Rums von Gardel im Jahr 2000 nach Europa kamen. Das ergäbe auch Sinn, da kein Gardel Bottling für die Zeit vor 2000 bekannt ist.

Gardel Vintage

Bottlings

Style

Still Type

Comments

1973

Compagnie Des Indes „KAIMAN“ - 46% vol. (Part)

?

Pot- & Column Still

Not confirmed by the bottler

1977

Silver Seal 32 YO Gardel – 50,8% vol.

Rhum Agricole

?

but certainly molasses based

1982

Cadenhead Cask Strength 18 YO Gardel – 57,2% vol.

Rhum Agricole

Column Still

but certainly molasses based

Cadenhead Cask Strength 20 YO Gardel – 57,8% vol.

Rhum Agricole

Column Still

but certainly molasses based

Moon Import 18 YO Gardel – 46% vol.

Rhum Agricole

Pot Still

but certainly molasses based & Column Still

1983

Spirit of Rum 38 YO Gardel – 46,6% vol.

?

Column Still

certainly molasses based

1989

The Secret Treasures 13 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

The Secret Treasures 14 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

1992

Bristol Classic Rum 10 YO Gardel – 46% vol.

?

Column Still

certainly molasses based

Douglas Laing „Caribbean Reserve“ 9 YO Gardel – 46% vol.

?

?

certainly molasses based

Moon Import 11 YO Gardel – 46% vol.

Rhum Agricole

Pot Still

but certainly molasses based & Column Still

The Secret Treasures 11 YO Gardel – 42% vol.

?

?

certainly molasses based

1998

Alchemist 10 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based

Port Royal 10 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based

Renegade 11 YO Gardel – 46% vol.

?

?

Most certainly Bellevue/Damoisseau and molasses based


4.1. Sämtliche, mir bekannten Abfüllungen die definitiv aus Gardel stammen:

- Bristol Spirits Guadeloupe Rum 10 YO Gardel 1992 - 46% vol. (Ex-French Cask)
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Caribbean Reserve Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 13 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 11 YO Gardel 1992 - 42% vol.


5. Rums aus Gardel, die ich bereits im Glas hatte:

- Bristol Spirits Guadeloupe Rum 10 YO Gardel 1992 - 46% vol. (Ex-French Cask)
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Cask Strength Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Caribbean Reserve Guadeloupe Rum 9 YO Gardel 1992 - 46% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 13 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 14 YO Gardel 1989 - 42% vol.
- The Secret Treasures Guadeloupe Rum 11 YO Gardel 1992 - 42% vol.


Meine aktuellen Top 5 Rums aus Gardel: 

- Cadenhead Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 57,2% vol.
- Cadenhead Guadeloupe Rum 20 YO Gardel 1982 - 57,8% vol.
- Silver Seal Guadeloupe Rum 32 YO Gardel 1977 - 50,8% vol.
- Moon Import Guadeloupe Rum 18 YO Gardel 1982 - 46% vol.
- Spirit of Rum Guadeloupe Rum 38 YO Gardel 1983 - 46,6% vol.




Quellenverweise:

- https://www.erudit.org/en/journals/bshg/2015-n171-bshg02057/1032943ar/


Sonntag, 21. Juli 2019

Gardel Distillery: Secret Treasures 1989 vs. Bristol 1992

Liebe Rum Gemeinde,

heute erwartet euch auf BAT einmal wieder ein R(H)UMble! Das habe ich, zumindest gefühlt, länger nicht gemacht und zu den Rums, die ich vorstellen möchte, passt das Format wie angegossen. So let's R(H)UMble! ;-)




Was liegt heute an? 

Die Reise geht heute nach Guadeloupe, genauer gesagt in die seit einigen Jahren geschlossene Gardel Distillery. Die Situation auf Guadeloupe gestaltet sich hinsichtlich seiner Vielfalt an Destillerien ähnlich dramatisch wie die auf vielen anderen karibischen Inseln. Waren es im Jahr 1775, also zum Ende des 18. Jahrhunderts hin, noch über 70 Destillerien, so sind es heute gerade einmal noch eine Hand voll, von denen Damoiseau wohl die bekannteste sein dürfte, alleine auch durch die Vielzahl an unabhängigen Abfüllungen des Jahrgangs 1998. Gardel hingegen gehört, wie eingangs gesagt, zu jenen die es heute nicht mehr gibt. Mehr noch: Gardel dürfte auch insgesamt heute nur noch wenigen Rum Freunden überhaupt bekannt sein, denn es gab kaum Rhums von dort auf dem Markt in Europa zu kaufen. Die wenigen Abfüllungen die es von unabhängigen Abfüllern gab sind seit vielen Jahren vergriffen und es kommt auch schon seit fast 20 Jahren nichts mehr nach. So sind dann folglich auch Informationen zur Destillerie leider echte Mangelware. Laut Rum Company wurde Gardel im Jahr 1870 von einem "Zuckerbaron" gegründet und produziert auch noch bis heute Zucker, allerdings wurden die Brennblasen Gardels in den 1990er Jahren abgebaut. Deswegen dürfte der Jahrgang 1992, aus dem ich heute auch einen Rum verkosten werde, abgefüllt von Bristol Spirits, wohl einer der letzten der Destillerie gewesen sein. Der andere Rhum, der parallel ins Glas kommt, stammt aus dem Jahr 1989 und kommt vom Abfüller Fassbind, die den Rum in ihrer Secret Treasures Linie releast hatten. Nun stellt sich bei mir ja schon automatisch die Frage, wie ich überhaupt dazu komme, Rhum aus den französischen Übersee-Gebieten zu besprechen, wo ich davon doch mal so überhaupt keine Ahnung habe. Was ist da los bei mir? Und tja, was soll ich da sagen, außer: weil sie mir gefallen! Ja, richtig gehört, ich bin, Agricole-Banause hin oder her, doch noch fündig geworden beim Rhum! Zunächst gefiel mir schon der 20 YO Gardel von Cadenhead bei Rene van Hoven am Stand in Köln so gut, dass ich ihn im Jahr darauf dort gleich nochmal getrunken habe. Dann aber konnte ich auch diese beiden hier probieren und, so viel sei vorab verraten, auch diese haben mich nicht enttäuscht. Das brachte Gardel auf meinen Radarschirm und so habe ich mich dazu entschlossen, ihnen hier den Raum zu geben den sie verdienen, denn Gardel hätte größere Bekanntheit durchaus verdient, wie ich finde. 

2 x Gardel Guadeloupe Rhum: The Secret Treasures 13 YO aus 1989 vs. Bristol Spirits Ltd. 10 YO aus 1992






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The Secret Treasures Guadeloupe Rhum 13 YO Gardel 1989: 

Der The Secret Treasures ist der ältere der beiden Rums. Von 1989 reifte der Rhum insgesamt 13 Jahre bis 2002 in Fässern. Ob er tropisch oder kontinental reifen durfte oder ob es eine Mischung aus beiden Wegen war, kann leider nicht mehr wirklich nachvollzogen werden. Die Farbe deutet aber, wenn nicht nachgefärbt wurde, schon sehr stark auf tropische Reifung hin. Der Rhum weist einen Alkoholgehalt von 42% vol. auf. Das ist normalerweise doch eher wenig, bei Rhum Agricole allerdings nicht zwingend ungewöhnlich. Apropos Agricole: die Frage, ob der Rum auf Zuckerrohrsaft oder Melasse basiert, ist leider ebenfalls nicht hinreichend geklärt. Cadenhead gab auf einer Gardel Abfüllung von 1980 "RHUM AGRICOLE" als Mark an, allerdings habe ich das dem Rhum geschmacklich nicht ganz abgenommen. Wie das bei den heutigen Rums aussieht, wird sich zeigen. Die Abfüllung ist inzwischen sicherlich so etwas wie eine kleine Rarität, wenn gleich ich den Wert einer Flasche schlecht schätzen oder beziffern kann. In einem lokalen Shop bekam ich sie allerdings noch zu einem ganz annehmbaren Preis! 

Im Glas fällt mir vor allem erst einmal die für 13 Jahre wirklich außerordentlich dunkle Farbe von Mahagoni auf. Diese unterstützt, wie oben bereits erwähnt, sehr eindeutig meinen Verdacht einer tropischen Reifung. In der Nase ereilt mich dann zu Beginn gleich mal ein richtiger "Wow"-Effekt! Krasser Stoff! Geiler Stoff! Gefällt mir richtig gut! Das mag bei mir sicherlich auch daran liegen, dass ich sonst, für einen Rum Nerd, ungewöhnlich selten nach rechts oder links sehe, da mein Geschmack sehr festgelegt ist und mich selten Rums außerhalb dieses Rahmens noch richtig überraschen und begeistern gleichermaßen können. Hier ist das aber der Fall und ich bin noch immer dabei, meine Sinne zu sortieren. Die Basis-Note dieses Rums ist eine, die ich so bisher gar nicht kenne, die ich allenfalls aber als grundsätzlich agricoleartig beschreiben würde, sprich, ich würde hier schon auf ein Destillat aus frischem Zuckerrohrsaft tippen. Das geht alles in eine würzig-trocken-fruchtige Richtung und da ist auch etwas leicht parfümiertes. Mir fällt es ausgesprochen schwer, einzelne Komponenten wirklich herauszuarbeiten und zu benennen: fremdes Terrain! In jedem Fall hat er aber bereits ordentlich was vom Holz mitbekommen.
Am Gaumen kommt der Rum für seine 42% vol. sehr konsistent daher, eine Verwässerung empfinde ich nicht gravierend, ebenso wenig wie jegliche unangenehme Schärfe. Der Rhum ist vollmundig, so wie es mir gefällt, und dann in erster Linie einmal lecker! Der Grundton, der auch ein bisschen was pafümiertes-muffiges hat, ist wieder vorhanden, aber vor allem fällt mir eine Intensität an Tanninen auf - der Tropfen hat viel Holz gesehen und steht auf der bitteren Seite (bitte nicht negativ verstehen!). Das ganze ist dann auch durchaus komplex und reichhaltig, auch wenn mir hier die Erfahrung fehlt, das entsprechend umfangreich zu benennen. Höchstens Anis könnte ich bestimmen.
Im Abgang wird es dann noch einmal holzig-pafümiert und bitter. Strange, aber angenehm und lecker! Dazu verweilt der Rhum doch recht lange am Gaumen... 

-89/100-


Bristol Spirits Guadeloupe Rhum 10 YO Gardel 1992:

Der zweite der heute verkosteten Rhums kommt von Bristol Spirits Ltd. Es handelt sich dabei um eine alte Abfüllung des Jahrgangs 1992, die im Jahr 2002, nach 10 Jahren Reifung, abgefüllt wurde. Auch beim Bristol ist die Frage ob tropisch oder kontinental gereift wurde ungeklärt. Farblich tendiert aber auch dieser Rhum arg zu tropischer Lagerung, so keine Färbung vorliegt, was aber bei Bristol sehr untypisch wäre. Der Alkoholgehalt beträgt die für Bristol typischen 46% vol., womit er sich unter anderen Rhums französischen Ursprungs in guter Gesellschaft befindet. Die Agricole-Frage warf ich beim Secret Treasures ja bereits in den Raum und auch hier wird uns letzten Endes nur der Geschmack wirklich weiterhelfen können. Auch der Bristol gilt als Rarität, wobei die Abfüllung preislich über dem Pendant von The Secret Treasures liegen dürfte, schon allein weil der Abfüller sehr viel gefragter ist, als es die Rums von The Secret Treasures sind. Ich erhielt von einem geschätzten Berliner Mitglied einer privaten Rum-Runde ein Sample dieses Tropfens und bedanke mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich dafür!

Farblich unterscheidet sich der Bristol erst einmal nicht vom Secret Treasures. Die haben beide dunkles Mahagoni und muten optisch tropisch gereift an. In der Nase erkenne ich grundsätzliche Art-Verwandtschaft, aber beide Rhums unterscheiden sich doch schon auch sehr. Der Bristol hat da in noch so einen Ton drin, den ich irgendwo her kenne und der mir nicht so richtig gut gefällt. Ich habe das Gefühl, da steckt noch irgendwas an Gebäck drin, aber ich komme nicht drauf, was es ist. Holz hat auch der Bristol schon einiges und es geht insgesamt eher in die würzig-trockene Ecke, weniger in die fruchtige. Aber auch hier: einzelne Aromen zu abstrahieren fällt mir bei diesen Rhums ganz schwer!
Am Gaumen machen sich die 4% vol. mehr, die der Bristol gegenüber dem Secret Treasures hat, aus meiner Sicht nicht wirklich bemerkbar, vielleicht minimal, aber das ist in etwa das gleiche Mundgefühl im Hinblick auf die Konsistenz. Auch unter alkoholischer Schärfe leidet der Rhum nicht. Dass es sich um zwei Rhums aus der gleichen Destillerie handelt merkt man nun allerdings noch mehr, gerade im Vergleich. Wieder ist da dieser Eindruck, den ich einem Gebäck zuordne (ohne zu wissen, ob das wirklich stimmt). Mich fuchst das richtig, dass ich nicht drauf komme, was das ist. Ansonsten empfinde ich den Bristol am Gaumen stärker als in der Nase. Die Holzeinflüsse sind da, aber geringer als beim The Secret Treasures. Nach hinten heraus ist da ein wenig Anis, das den Rum dann auch in den Abgang geleitet, gefolgt von einem ordentlichen Anteil an Tanninen. Auch der Bristol zeigt im Finish einiges an Ausdauer, das finde ich gut. 

-86/100-


Fazit: 

Gardel ist anders! Und das meine ich in höchstem Maße positiv. Schade, dass wir wohl niemals eine Renaissance dieser tollen Destillerie erleben werden und uns mit den wenigen Flaschen begnügen müssen, die wir irgendwo auf dem Secondary Market noch von Zeit zu Zeit vielleicht mal finden können. Von den beiden heute verkosteten Rhums hat mir die Abfüllung von The Secret Treasures besser gefallen als die von Bristol Spirits, da sie für mich noch ein wenig mehr dieses besondere und außergewöhnliche hat, das, was ich als "Wow"-Effekt beschrieben hatte. Einfach nur geil und ganz anders als alles was ich sonst kenne! Das ist ein Rhum, an dem rieche ich und es haut mich vollkommen um! Einzig der geringe Alkoholgehalt verhindert eine absolute Top-Bewertung. Zwar ist der Rhum nicht verwässert, da hatte ich ja Entwarnung gegeben, aber wenn der jetzt um die 50% vol. hätte, wäre er vermutlich ein absoluter Killer und über die 95 Punkte Marke geklettert! Der Bristol dagegen hat zwar ebenfalls enorme Qualität, aber nach diesem Rhum suchte ich, nachdem ich den Cadenhead und den The Secret Treasures schon kannte, eben auf Grund deren außergewöhnlicher Qualität. Hätte ich statt der beiden hingegen zuerst den Bristol entdeckt und probiert, wüsste ich nicht, ob ich dann auch davon ausgehend noch nach weiteren Gardels geschaut hätte. Ich denke, das sagt viel aus und definiert die Differenz zwischen beiden Rhums sehr exakt. Überlegen war der Bristol dem Secret Treasures einzig beim Alkoholgehalt.
Spannend war die Erfahrung der Verkostung dieser beiden Rhums für mich aber auch deshalb, weil ich mich vor den Gläsern nochmal wie ein blutiger Anfänger in der Welt des Rums fühlen durfte, mit all den Schwierigkeiten und Hürden, die es so mit sich bringt, wenn man einen Rum beschreiben möchte, das ganze aber kaum in Worte gefasst bekommt. Ich habe es trotzdem getan, auch um euch alle da draußen weiter zu motivieren, den Mut zu haben ebenfalls mit euren Verkostungsnotizen herauszurücken - sei es z.B. auf Facebook oder gar auf einem eigenen Blog. Ich weiß, da zieren sich viele noch, gerade dann, wenn einem keine 47 blumige Assoziationen zu einem Rum durch den Kopf schießen, aber die braucht es aus meiner Sicht auch nicht unbedingt und immer. Als wichtiger empfinde ich die Charakterisierung, und das geht, wie ihr seht, eigentlich fast immer. Daher: nur Mut!

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo

Sonntag, 30. Juni 2019

Rhum Barbancourt Three Stars Haiti (Vintage 1955)

Liebe Rum Gemeinde,

hoch spannendes aus schon längst vergangenen Tagen habe ich heute für euch aus Haiti am Start! Durch einen glücklichen Zufall bin ich nämlich an eine alte Abfüllung vom Barbancourt Three Stars aus 1955 gekommen und ich bin sehr gespannt, wie er mir mundet!



Haiti... Barbancourt... Agricole... ! ... das ist normalerweise mal so überhaupt nicht meine Rum-Gegend. Die Berührungspunkte bisher waren marginal und wenn, dann auch stets eher wenig aufregend. Die Fläschchen habe ich bei einer günstigen Gelegenheit vor allem deshalb mitgenommen, weil sie ganz offensichtlich sehr alt waren und so mein Interesse weckten. Von daher hatte ich mich bislang aber auch nicht so sehr damit befasst, wie ich es beispielsweise mit Jamaica getan habe. Das führte folglich dazu, dass ich mir erst einmal die Geschichte der Destillerie angesehen und mit doch einiger Freude festgestellt habe, dass es sich bei Barbancourt noch um ein waschechtes Familienunternehmen handelt, dessen Geschichte bis ins Jahr 1862 zurückzuverfolgen ist und inzwischen bereits in der fünften, bzw. sechsten, Generation geführt wird! Damit ist Barbancourt eines der ältesten Unternehmen Haitis und dessen Rhum ein echter Exportschlager.


Zu Rhum Barbancourt:

Gründer dieses traditionsreichen Rhum Maison ist Dupré Barbancourt. Er führte die Firma von seiner Gründung, Ende 1862, bis zu seinem Tod im Jahr 1907 und damit über die ersten 45 Jahre. Er stammte ursprünglich aus der Cognac-Region Charente in Frankreich, bevor er nach Haiti kam, und begann damit, aus frischem Zuckerrohrsaft Rhum zu destillieren. Dabei brachte er sein Know How aus der Produktion von Cognac mit ein, in dem er Produktionsweisen übernahm und damit sehr gute Qualitäten herzustellen im Stande war. Nach seinem Tod im Jahr 1907 übernahm die Frau Dupré Barbancourts das Unternehmen, Nathalie Gardère. Sie führte Barbancourt insgesamt 21 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1928 und wiederum ihr Neffe übernahm, Paul Gardère. Paul half seiner Tante zuvor schon im Unternehmen, stand dann für 18 Jahre an der Spitze der Destillerie und übergab im Jahr 1946, mit seinem Tod, an seinen Sohn Jean Gardère. Dieser wiederum sollte bei Barbancourt eine Ära prägen, denn er führte die Firma stolze 44 Jahre lang und damit aus der Nachkriegszeit bis ins ausgehende 20. Jahrhundert! In diese Zeit fiel eine Umsiedlung der Zuckerrohrfelder innerhalb Haitis ins Plain of the Cul-de-Sac, was dazu führte, dass man zwar zwischen 1949 und 1952 keinen Rhum produzieren, die Kapazitäten aber insgesamt vergrößern konnte. Das machte den Schritt von einer kleinen, regionalen Destillerie zu einer großen weltweit erfolgreichen Rhum-Marke möglich. 1990 übernahm dann Jeans Sohn Thierry Gardère das Steuer. Damit einher ging, soweit ich es richtig verstanden habe an diversen Stellen, auch eine Veränderung bei der Produktion, nämlich die Umstellung von traditionellen, schweren Pot- auf moderne und effektivere aber auch leichtere Column Stills. Thierry führte Barbancourt bis zu seinem Tod 2017, also auch insgesamt 27 Jahre lang, und hatte während seiner Ägide unter anderem mit den Konsequenzen des schweren Erdbebens vom Januar 2010 zu kämpfen, bei dem nicht nur Teile des Lagerbestands zerstört wurden, sondern vor allem auch Mitarbeiter der Destillerie starben oder ihre Häuser verloren. Erst im Mai des selben Jahres, also fünf Monate später, nahm man die Produktion wieder auf. Mit Delphine Nathalie Gardère steht seit 2017 erstmals seit 1928 wieder eine Frau an der Spitze der Firma. Sie ist die Tochter Thierry Gardères, was bedeutet, dass die Firma ununterbrochen, seit 157 Jahren, ausschließlich in Familienhand ist. Davor ziehe ich ehrlich den Hut!

Der Rhum um den es heute im Speziellen geht ist einer, der, laut Eric Witz, aus dem Jahr 1955 stammt. Auf dem Etikett ist zwar noch der Name Paul Gardères zu lesen, der ja bis 1946 am Ruder war, aber eine Prägung am Boden der Flasche verweist wohl auf das Jahr 1955. Wie gut, dass es Menschen gibt, die sich mit der Historie von Flaschen so gut auskennen, dass sie einem dabei helfen können sie zu datieren, denn da war ich am Ende dann doch leicht überfragt. Vielen lieben Dank dafür! Das heißt für den Rhum wiederum, dass er entweder aus der Produktion kurz nach der Umsiedlung stammen und noch recht jung sein müsste, oder aber schon einige Zeit länger gereift war und noch aus Beständen von vor der Umsiedlung stammt.  Vielleicht komme ich in dieser Frage ja wiederum geschmacklich etwas weiter. Ansonsten ist nur bekannt, dass es sich um die so genannte Three Stars Abfüllung Barbancourts handelt, die laut neueren Angaben eine Reife von vier Jahren ausdrücken, aber da weiß ich nicht, wie lange das schon fest so gehandhabt ist. Ansonsten bietet das Label nicht viele Anhaltspunkte, mit Ausnahme vielleicht noch der vielen Medaillen, die der Rhum damals gewonnen hat. Das kennen wir so oder ähnlich ja auch von anderen traditionsreichen Marken. So. Und nun bin ich gespannt, wie das Teil schmeckt!





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Verkostung des Rhum Barbancourt Three Stars Haiti aus 1955:


Preis: ich denke, der Rum war einst nicht sehr teuer. Ob Sammler heute große Summen für diese Rums legen, weiß ich nicht. 

Alter: NAS - neuere Three Stars werden mit einer Reifezeit von vier Jahren angegeben, aber ob das auch 1955 schon so war, weiß ich nicht. 

Lagerung: die Fässer werden bei Barbancourt tropisch gereift worden sein. 

Fassnummern: unbekannt - es hat sich um eine massenhaft produzierte Standardabfüllung gehandelt. 

Angel's Share: unbekannt, aber im Rahmen der tropischen Verhältnisse. 

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt wird mit 86° Proof angegeben, also 43% vol.

Destillationsverfahren: damals wurde noch mit Pot Stills destilliert. 

Mark: unbekannt.

Farbe: braun, dunkler Bernstein. 

Viskosität: es bilden sich eng aneinander liegende kleine Tröpfchen an der Glaswand, die dann in schnellen, engen und regelmäßigen Schlieren zurücklaufen.

Nase: der Rum muss im Blender's Glass erst noch ein wenig atmen, bevor sich mir die Nase in Gänze offenbart und der Alkohol verflogen ist. Dann allerdings habe ich einen Rhum vor mir, der mich vor allem erst einmal zu überraschen vermag. Das scheint richtig guter Stoff zu sein! Nicht furchtbar schwer, aber auch kein Leichtgewicht. Die Nase kommt tief, voll und reichhaltig daher, wenn auch nicht zwingend komplex. An die Barbancourt von heute, die ich vor einigen Jahren mal im Glas hatte, erinnert mich da wenig. Klar, der Stil ist kein brachialer, wie bei Jamaica oder den Heavy Type Caroni, aber er hat Charakter und erinnert spontan an Blended Caroni. Dass es sich um einen Agricole handelt, hätte ich dagegen nicht vermutet. Da sich Agricole bislang allerdings immer sehr eindeutig als solcher zu erkennen gegeben hat im Glas, frage ich mich gerade, ob es sich bei dieser Abfüllung nicht eventuell um einen Melasse Rhum handeln könnte. Ansonsten erinnert mich das Bouquet eben wirklich sehr an Blended Caronis, also dem Mix aus Heavy und Light Types. Da sind viele grasige Eindrücke und Zuckerrohr, dazu auch schon eine schöne Holznote, aber eben auch die dreckigeren Komponenten aus Teer und verbranntem Gummi. In einem Blindtasting würde ich den Rum wohl dort verorten... In der Nase legt der Rum für mich einen starken Auftritt hin!

Gaumen: am Gaumen macht sich schon bemerkbar, dass der Rum mit 43% vol. doch eher vergleichsweise leicht daher kommt. Das ist schon ein ungewohntes Mundgefühl, wenn man sonst fast nur noch diese Fassstärke-Monster trinkt. Dafür sind größere Schlücke möglich. Von einer Verwässerung würde ich aber noch nicht sprechen. Was ihm etwas an Konsistenz fehlt, macht er an Fülle und Komplexität am Gaumen aber schnell wieder wett! Halleluja! Das ist ein richtig guter Rum! Ich nehme ihm den Agricole nun etwas eher ab, auch wenn das immer noch weit weg ist von dem, was ich da bisher so kannte. Blended Caroni könnte nach wie vor gut hinkommen! Der Rum hat hier viele vegetale Eindrücke, grasiges, Zuckerrohr, geschnittenes Geäst und auch eine ordentliche Holznote. Ich lege mich einfach mal fest und behaupte, dass das, wenn 1955 tatsächlich stimmt, dann auf jeden Fall Stoff von vor dem Umzug der Zuckerrohrfelder ist. Ich glaube nicht, dass es sich hier um nur drei Jahre junge Rums handelt. Nimmt man größere Schlücke wird der Rum auch ordentlich adstringierend. Das macht richtig Spaß! Zum Ende hin werden die pflanzlichen Eindrücke mehr und ich glaube wieder vermehrt an einen Agricole. 

Abgang: hier bleibt ein leicht medizinischer Touch und etwas sprittiges, wobei ich mir irgendwie fast sicher bin, dass das auch zum Teil Alterserscheinungen des Rums sind, denn dieser Eindruck passt erstens eher nicht zum bisherigen Auftritt des Rums und zweitens habe ich dahinter auch noch Rest-Anklänge, die sehr viel besser dazu passen.

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Fazit: richtig guter Stoff! Ich weiß ja, dass frühere Abfüllungen von heutigen teils erheblich abweichen, sei es in Stil als auch in Qualität, aber das hier ist heute schon eine Ansage gewesen! Ich bin schwer beeindruckt! Da hat Barbancourt ja mal richtig geilen Rum hergestellt, der in mir zusätzlich die Frage aufwirft, inwieweit Caroni nicht doch auch anderswo herzustellen wäre, denn die groben Ähnlichkeiten sind schon da! Davon ausgehend, dass die damals nicht unbedingt einen Heavy Barbancourt herstellen wollten, um 70 Jahre später irgendwelche Nerds zu beeindrucken, vermute ich, dass Kopf und Schwanz des Destillats großzügig abgeschnitten wurden, und hier vor allem das Herz zum Zuge kam. Wären sie hier damals also "großzügiger" beim Schneiden gewesen, wer weiß, was dabei am Ende rausgekommen wäre... Leider sind die heutigen Abfüllungen mit dieser Qualität nicht mehr zu vergleichen. Bei der Punktevergabe habe ich mich deshalb heute extrem schwer getan, weil auch Nostalgie mitschwingt. Ich versuche fair zu bleiben und denke aber, bei nur leicht höherem Alkoholgehalt und ohne die Alterserscheinungen im Finish wäre sicher noch mehr drin gewesen! Aber auch so sind es noch:

-89/100-



Ich hoffe, mein kleiner Ausflug in die Vergangenheit hat euch gefallen! Wir sehen uns dann hier demnächst wieder. 

Bis dahin,
Flo

Montag, 29. Mai 2017

Mai Tai mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum- und Mai Tai Liebhaber,

nachdem mich das Monster Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 gestern bereits kräftig durchgeschüttelt hat, kommt heute der zweite, in diesem Monat Mai natürlich unvermeidliche, Teil: der Test im Mai Tai! 

Der Savanna HERR egalisierte doch so einiges, was ich bisher glaubte über Rum und Rhum zu wissen. High Ester Rum, krasser als auf Jamaica, auf einer kleiner französischen Insel vor Afrika? Aber ja doch! Der Geschmack von Kaugummi und verschimmelter Erdbeere in einem hochklassigen Rum? Auch das! 
Aber funktioniert all das auch genauso gut im Mai Tai? Bei Jamaicanern aus Hampden gilt ja mehr oder weniger die Faustregel: je mehr Ester der Rum hat, desto besser funktioniert er im Mai Tai. LROK: funktioniert gut. HLCF: funktioniert fantastisch! 1990, welches Mark dieses Batch auch immer trägt: funktioniert herausragend! Nach dieser Rechnung müsste der HERR also den besten Mai Tai machen, den ich bisher hatte. Aber ein Drink ist bekanntlich mehr als reine Mathematik...

Eine Kurzfassung mit den Randdaten zur Abfüllung:

Abfüller:                Rhums Savanna 
Land/Region:       La Réunion
Destillerie:            Savanna Distillery
Alter:                        10 YO (2006 - 2016)
Alkoholgehalt:   63,8% vol.



Verkostung des Mai Tais mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006:

Milchig, gelblich, an irgendwelche Fitness-Shakes zweifelhaften Inhalts erinnernd steht dieser Mai Tai vor mir und wartet darauf getrunken zu werden.

Der erste Schluck überrascht dann aber: klar, da ist unverkennbar der HERR drin, aber der Drink zähmt ihn doch ganz ordentlich! Und zwar viel mehr, als ich das erwartet hätte. Vom HERR bleibt weniger dieses krasse, weniger Kaugummi, als man es im Vorfeld vermuten würde. Dafür kommt vor allem diese Note durch, die ich gestern im Review nicht bestimmen konnte und die ich im Verdacht habe, die Savanna Grand Arôme-typische Note zu sein. Diese Note ist es auch, die den Nachgeschmack im Mund dominiert. Ansonsten macht sich der Alkohol im Drink tatsächlich beinahe noch etwas stärker bemerkbar als er das in der puren Verkostung getan hat.
Was bisher kaum durchschien: auch dieser Drink ist imho kein wirklicher Mai Tai. Von einem solchen führt der HERR den Drink meines Erachtens dann doch etwas zu weit weg. Die übrigen Zutaten kommen zwar durch, werden vom HERR aber schon ziemlich an den Rand gedrängt. Wirklich entfalten können sie sich nicht.

Fazit: hätte ja klappen können! ;) Der Drink ist zwar gut, aber nicht nur kein Mai Tai, sondern auch nicht wirklich so herausragend, dass ich in ihm einen echten Mehrwert sehen würde. Da war mir der Rum pur um einiges lieber! Es kommt weder das wirklich extreme schön im Drink heraus, noch passt sich der Rum wirklich an. Übrig bleibt vor allem die mutmaßliche Savanna Grand Arôme Note.
Allerdings bereue ich das Experiment auch nicht, da man etwas ja ausprobieren muss, um herauszufinden, dass da nicht viel zu holen ist. Wenn Ester im Mai Tai, dann lieber aus Hampden. Die können im Drink um einiges mehr als dieser High Ester Rum aus La Réunion.

Morgen kommt hier dann der letzte Mai Tai für diesen Monat. Es wird noch einmal nach Hampden gehen.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 28. Mai 2017

Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum Gemeinde,

nach dem 18 YO Guadeloupe von The Rum Cask findet heute ein weiterer Rum aus den französischen Überseegebieten den Weg auf Barrel Aged Thoughts: der Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 von der Insel La Réunion im Indischen Ozean. HERR? Das steht für High Ester Rum Reunion! 

Bild: Sani28 by Rum Club
Die Insel La Réunion liegt auf der Südhalbkugel im Indischen Ozean ca. 700 km östlich von Madagaskar und ca. 200 km südwestlich von Mauritius. Damit liegt die Insel von den anderen typischen R(h)um Herkunftsorten und -ländern in der Karibik so weit weg wie kaum eine andere.
La Réunion ist, wie auch Martinique und Guadeloupe, französisches Übersee-Departement und der Rhum von dort ist also auch aus der EU. Der Hauptort der Insel ist das im Norden gelegene Saint-Denis. La Réunion ist mit 2512 km² Fläche ca. so groß wie das Saarland, hat mit 835.000 Einwohnern allerdings deutlich weniger als dieses (995.000 ca.). Dennoch ist die Insel wiederum deutlich größer als Martinique und Guadeloupe. Somit wird deutlich, über welch kleine Regionen wir hier teilweise sprechen, die in der Rumproduktion aber ganz groß sind. In ihrer Geschichte änderte sich der Name der Insel mehrfach. Bis 1794 hieße die Insel Île Bourbon, dann, in Napoleonischer Zeit, Île Bonaparte, danach bis 1848 nochmals Île Bourbon und schließlich La Réunion. Klimatisch ist La Réunion als tropisch und sommerfeucht zu bezeichnen, was sich auf die Lagerung der Rums auswirkt. Weltrekorde stellt die kleine Insel in seinen Niederschlägen auf. Während der durchschnittliche Jahresniederschlag auf La Réunion 1632 mm pro m² beträgt (nirgends ist die Rate höher!), fallen in Deutschland gerade einmal 700 mm pro Jahr und m² vom Himmel.
Bild: Sani28
Die Destillerie Savanna liegt, wie der Hauptort Saint-Denis, im Norden der Insel in Saint-André. Sie wurde lt. ihres Eintrags bei Wikipedia in den Jahren 1948 bis 1950 in St. Paul von Émile Hugot konzipiert und zog im Jahr 1992 nach Saint-André um. Produziert werden unter anderem Rhums aus Melasse, sowie Zuckerrohrsaft in verschiedenen Reifegraden und Stilen. Laut dieses lesenswerten Artikels beginnt die Geschichte Savannas allerdings schon um 1870. Wer einmal das Vergnügen haben sollte die Insel zu Besuchen, der kann sich auch die Destillerie ansehen. Führungen werden angeboten.
Die heute besprochene Abfüllung, der Savanna HERR Grand Arôme, wurde am 11. Mai 2006 in der Destillerie Savanna destilliert und lagerte danach 10 Jahre dort auf La Réunion im Cognacfass #502, bis er im Mai 2016 als Originalabfüllung in Fassstärke abgefüllt wurde, rechtzeitig zum 60. Geburtstag von La Maison du Whisky, einem französischen Spirituosen-Fachgeschäft. Sein Alkoholgehalt beträgt 63,8% vol.. Dieser Grand Arôme Rhum wurde aus Melasse destilliert, nicht aus frischem Zuckerrohrsaft, wie die "einfachen" Savanna, sowie die Créol. Verkauft wird der Rhum exklusiv bei LMDW in 50 cl Flaschen. Sein Preis dort beträgt 118 Euro. Es wurden insgesamt 686 Flaschen abgefüllt. Somit müsste Savanna 343 Liter aus nur einem einzigen Fass geholt haben. Bedenkt man dann noch den Angel's Share bei tropischer Lagerung, so ist das mit herkömmlichen Fässern eigentlich kaum zu bewerkstelligen, aber das sind hier zumindest die offiziellen Angaben.

Nun muss ich gleich vor Beginn des Tastings allerdings zunächst einmal gestehen: ich hatte in meinem Leben bisher noch nie einen Rum aus der Savanna Destillerie im Glas und auch nur wenige Male überhaupt Rhum aus La Réunion, hier sämtlichst von Reviere du Mat. Ich kann über den heute verkosteten Rhum daher weder wirklich sagen ob er typisch für La Réunion ist, noch kann ich ihn in irgendeiner Weise in die Ahnenreihe von Savanna einordnen. Das muss ganz klar beim Lesen des Reviews beachtet werden und gerade Fans von Rhum Agricole könnten daher häufig mit dem Kopf schütteln. Warum ich den Rhum dann, trotz offensichtlicher Ahnungslosigkeit, hier bespreche? Ich verkoste den Tropfen nicht als Fan von Savanna oder Rhum Agricole, sondern interessiere mich für den Rhum als Liebhaber von stark esterhaltigen Jamaica Rums und eben auch nur deshalb, weil der HERR nun einmal sehr esterreich ist. Inwieweit diese Rums dann wiederum überhaupt miteinander verglichen werden können wird sich natürlich noch herausstellen, aber letzten Endes werdet ihr als Leser einzig wissen, wie ich den Rum in mein persönliches bisheriges Portfolio einordne, nicht, wie der Rhum sich im Vergleich zu seinen eigentlichen Brüdern, nämlich den anderen Rhums von Savanna, darstellt. Ab diesem Moment kann also zumindest niemand mehr behaupten, er hätte nicht gewusst, worauf der sich beim Lesen dieses Artikels eingelassen hat ;)



Verkostung Savanna HERR 10 YO La Réunion Grand Arôme 2006:


Preis: für 118 Euro kann man 0,5 Liter dieses Rums bei LMDW kaufen. 

Alter: der Rhum ist 10 Jahre alt und reifte zwischen 2006 und 2016.

Lagerung: gelagert wurde der Rhum in einem Ex-Cognacfass auf La Réunion.

Fassnummer: #502.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: 63,8% vol.

Destillationsverfahren: unbekannt, vermutlich Pot Still Verfahren.

Mark: HERR.

Farbe: satt goldener Bernstein. 

Viskosität: der Rhum bildet satte, fette und eher enge Schlieren, die recht zügig die Glaswand herunterlaufen. 

Nase: Wuuuuuhuuuhuuhuuuu... DAS (!) sind mal echt fette Ester! Wahnsinn! So etwas habe ich, auch wenn ich mir nie vorstellen konnte, dass das möglich ist, selbst auf Jamaica noch nie gesehen! Wie auch bei Hampden üblich war schon beim Einschenken richtig Alarm und jetzt, nach einer Stunde im abgedeckten Glas, brennt der Rum ein echtes Feuerwerk ab! Diese Nase ist zunächst einmal vollkommen unzugänglich. Ein Konglomerat aus krassen Estern, fiesen Klebstoffnoten, Arzneimitteln, vergorener Erdbeere und alkoholischen Dämpfen scheint deutlich sagen zu wollen: Unbefugten ist der Zutritt bei Androhung des Todes nicht gestattet! Anders als bei Hampden ist der Säuregehalt hier nicht so hoch. Das fällt direkt auf. Mannomann! Das ist so ziemlich das heftigste Bouquet, das ich je in einem Glas vorgefunden habe! Ein Rhum, der Urinstinkte aktiviert. Und dieser sagt gerade: "Weglaufen, nicht trinken, is' giftig!".

Nach ca. 1,5 Stunden bricht der Rhum langsam auf und man kann seine Nase auch mal ein wenig näher ans Glas führen. Jetzt steht Kaugummi im Vordergrund in der Geschmacksrichtung "Vergorene Erdbeere". Dazu kommen weiter Uhu-Klebstoff, Hustensaft und die Einflüsse des Ex-Cognac Fasses. Das ist so eine typische Note die man kennt, wenn man schon viele Plantation Rums im Glas gehabt hat. Doch während sie bei Plantation sehr ausgeprägt und durch die Zugabe von Zucker oft sehr überzeichnet ist, findet man sie hier sehr viel dezenter bzw. natürlicher und sehr schön eingebunden wieder. Sie verleiht dem Rum eine schöne Süße, die herrlich zum Kaugummi passt. Ganz hinten habe ich dann Noten, die an Jamaica erinnern. 

Gaumen: auch hier erstmal: voll in die Fre**e rein!! Das erste was ich wahrnehme ist eine sehr auffällige Süße gleich zu Beginn, die habe ich schon im Mund, da habe ich das Glas kaum angesetzt. Danach brennt der Alkohol kurz, aber nicht wirklich lange oder allzu unangenehm. Der Rhum ist für seinen Alkoholgehalt erstaunlich dünn in seiner Konsistenz, dabei aber zu 110% mundfüllend! Es kommt einem aus der Nase und aus den Ohren wieder raus. Die Zunge wird komplett überrannt. Für einen Moment denke ich, dass ich mich mal besser auf meine Urinstinkte verlassen hätte, die sich bereits in der Nase gemeldet haben, aber dafür ist es nun schon zu spät. 
Jetzt kommt die Hubba Hubba Kaugumminote noch viel, viel krasser durch als in der Nase schon. Der HERR ist ein Rhum, der ewig lange am Gaumen verbleiben möchte. Hier rennt er einen wahren Marathon ab. Es kommen immer wieder neue Facetten durch, der Rhum endet nicht. Zwischendrin habe ich hinten heraus immer mal wieder Eisbonbons. Ihr wisst schon, diese mit dem Eisbären drauf. Wer diesen HERRn zu früh herunterschluckt, der verpasst einiges! Denn wenn sich das erste Feuerwerk nach einigen Minuten gelegt hat, kommen erstmals auch herbere Noten durch. Das ist das Startsignal für die Einflüsse des Cognacfasses und der zehnjährigen Reifung. Der Rhum hat am Gaumen inzwischen eine cremige Konsistenz angenommen und verliert mehr und mehr an Kaugummi. Jetzt kommt eine Note durch, die ich nicht wirklich einordnen kann. Bei einem Jamaicaner ist das häufig die Brennerei-typische Note, weswegen das hier natürlich auch gut der typische Charakter von Grande Arome Savanna sein könnte, aber überprüfen kann ich das an dieser Stelle leider nicht. 

Abgang: Im Abgang kommen die Kaugummi-Noten nochmal wieder und vermischen sich mit Fasseinflüssen und Holznoten von frisch abgeschnittenen Ästen. Ewig lange verweilt der HERR noch im Mund und meldet sich immer mal wieder mit frisch abgeschnittenen Ästen zurück. Auch noch nach Stunden ist er präsent.

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Fazit: außergewöhnlich! In jeder Hinsicht außergewöhnlich! Das trifft es wohl am ehesten, wenn man die Eindrücke wertend aber maximal objektiv zusammenfassen möchte, die da in den letzten Stunden auf mich eingeprasselt sind. Wahnsinn! Dieser Rhum lässt sich mit nichts vergleichen, was ich bis dato je im Glas hatte. Ein Rhum, der sicherlich spaltet! Der Kundenkreis, der auf solche extremen Aromen abfährt dürfte sehr eingeschränkt sein und selbst die Esterbomben aus Jamaica sind dagegen fast massentauglich. Tja... Vergleiche. Man ist ja irgendwie immer geneigt, bewusst oder unbewusst, solche zu suchen, da unser Gehirn nun einmal in Vergleichen arbeitet, aber da ist einfach nichts. Daher ist es auch nur logisch, dass ich vielfach von Menschen gehört habe, dass sie mit diesem Rhum, bevor sie ihn genial fanden, überfordert waren. Selbst der 26 jährige The Rum Cask Hampden 1990 hat nicht diese Dichte an Estern, ist nicht wirklich ein Vergleich. Vielleicht könnte man den DOK von Hampden heranziehen, wenn gleich hier bisher noch keinerlei verkäufliche Abfüllungen existieren. Bei meinen Recherchen zu dieser Abfüllung hatte ich da aber einige vergleichende Zeilen gelesen.
Ja, da hat mich die Savanna Destillerie ganz schön überrascht. Rhum Agricole ist ja, gleich ob aus Melasse oder Zuckerrohrsaft, eigentlich so gar nicht meins, aber dieser hier hat mich total geflasht! Erkenntnis für mich: High Ester Rum? Das geht nicht nur auf britisch geprägten Inseln, bzw. in Regionen oder Ländern wie Jamaica, Fiji und Barbados, sondern auch in einem französischen Übersee-Departement. Das kommt zwar, wie schon mehrfach erwähnt, überraschend für mich, ist aber ebenso erfreulich!
Ein paar Worte in Richtung des Preises: der ist zwar mit seinen 236 Euro/Liter happig, für einen zehn jährigen Rum insbesondere, aber ob der Besonderheit der Abfüllung gerade so noch zu vertreten. Ich fand den Rhum wirklich extrem, aber sensationell gut!

Ein riesengroßes Dankeschön geht heute an Sani28 aus dem Rum Club! Er ließ mir sowohl ein Sample, als auch Bilder der Flasche dieses tollen und außergewöhnlichen Rums zukommen. Vielen Dank dafür!

Bis morgen,
Flo