Sonntag, 14. Oktober 2018

Velier 13 YO STC🖤E Cambridge 2005

Liebe Rum Gemeinde,

zur Verkostung kommt heute der erste der vier brandneuen Jamaica Rums von Velier, welche alle von National Rums of Jamaica Ltd. stammen und in der Long Pond Distillery gebrannt wurden: der 13 YO Cambridge STC🖤E 2005!



So, und vermutlich ging das bereits jetzt einigen schon zu schnell, die sich noch nicht so intensiv mit Jamaica Rum und seiner Geschichte befasst haben, weswegen ich hier gerne vorab einen kleineren Bogen schlagen möchte. National Rums of Jamaica Ltd.? Long Pond? Cambridge? STC🖤E? Ja, eines nach dem anderen!


Zur Einleitung:

Im Grunde genommen muss man sich das ganze Konstrukt ähnlich vorstellen wie beim Demerara Rum, dessen Geschichte ähnlich verworren, inzwischen allerdings weit fortgeschrittener dokumentiert ist und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, in erster Linie durch eine umfassende Arbeit von Marco Freyer. Zusammengefasst: beim Demerara Rum haben wir mit Demerara Distillers Ltd. (DDL) eine übergeordnete Firma und mit Diamond eine Destillerie, die dieser Firma gehört. Diese Destillerie stellt den Rum von Diamond her, allerdings auch viele andere Rum Stile von Brennereien aus Guyana, die ihre Tore längst geschlossen haben, teilweise schon seit Jahrzehnten. Dazu zählen z.B. Enmore, Port Mourant, Uitvlugt, Versailles, Albion, Skeldon oder La Bonne Intention. Dies tut Diamond, indem es, teilweise mit den alten und erhaltenen Destillierapparaten der geschlossenen Destillerien, deren Stile (genauer bezeichnet durch ein so genanntes Mark) weiter produziert. So gibt es auch heute noch beispielsweise Port Mourant Rum (Mark: PM), obwohl die Destillerie Port Mourant schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert. Aber die Double Wooden Pot Still aus Port Mourant, die ist noch immer erhalten und produziert in der Destillerie Diamond weiter u.a. das Mark PM. Die Destillierapparate vieler anderer ehemaliger Destillerien sind heute längst verschrottet, aber teilweise ist es möglich, auch deren alte Stile durch die noch existierenden Apparate anderer Destillerien quasi nachzuahmen. Dies gilt z.B. für Albion. Da war man bei jeder neuerlichen Schließung einer Brennerei und damit verbundener Umzüge in andere Brennereien leider sehr pragmatisch. 
Was bedeutet das nun für unseren heutigen Rum oder die vier neuen Rums von Velier im Allgemeinen? Nun, wir haben mit National Rums of Jamaica Ltd. (NRJ) erneut eine übergeordnete Holding, die nicht selbst Rum herstellt, sondern, unter deren Dach verschiedene Destillerien Rum herstellen. NRJ hat sich im Jahr 2006 gegründet und bildet einen Zusammenschluss der drei Destillerien Clarendon (Monymusk), Long Pond und Innswood, von denen Innswood aber schon seit 1996 nicht mehr aktiv ist und Long Pond zwischenzeitlich nicht mehr aktiv war, seit 2017 aber wieder ist. NRJ gehört zu je einem Drittel dem Staat Jamaica in Form der National Sugar Company, der West Indies Rum Distillery auf Barbados (gehört inzwischen wiederum Ferrand in Frankreich) und DDL in Guyana. 
Innswood und Clarendon sind jeweils vergleichbar junge Destillerien, die erst um die Mitte des 20. Jahrhundert herum ihren Betrieb aufnahmen. Die Geschichte Innswoods war eine recht kurze, denn man produzierte nur von 1959 bis 1992 Rum. Danach wurden hier nur noch die Räumlichkeiten genutzt, z.B. für die Lagerung und das Blending der Rums.[1] Die Geschichte Clarendons beginnt entweder im Jahr 1938 oder 1949. Hier wird bis heute Rum produziert, u.a. auch der Rum, den wir als Monymusk kennen und der auf das Monymusk Estate zurückgeht, dessen Historie wiederum schon über 200 Jahre zurückreicht. Clarendon gehört allerdings nur zu 73% zu NRJ. Die restlichen 27% gehören Diageo, dem weltgrößten Spirituosen-Konglomerat, was wiederum dazu führt, dass ca. 90% des gesamten Outputs von Clarendon an Diageo gehen.[2] Die dritte der Destillerien im Bunde ist die im Parish Trelawny gelegene Long Pond Distillery, und nun wird es spannend. Nicht nur, weil die Geschichte Long Ponds wesentlich länger und geschichtsträchtiger ist und bereits im Jahr 1753 beginnt, als die Familie Reid die Destillerie und ihr Anwesen begründeten[3], sondern vor allem deshalb, weil Long Pond quasi das jamaikanische Äquivalent zur Diamond Destillerie in Guyana ist. Wie Diamond in Guyana, so hat auch Long Pond auf Jamaica im Laufe der Jahrzehnte (und vielleicht sogar Jahrhunderte) immer wieder verschiedene Destillerien oder aber zumindest ihre Destillierapparate oder auch nur deren Stile übernommen und stellt deshalb heute sehr viele verschiedene Rums her, die auch bei Long Ponds durch die so genannten Marks unterschieden werden. Zwar kennt Jamaica Rum bereits im Grundsatz eine Einteilung seiner Rums in vier verschiedene Stile, die sich am Estergehalt der Rums richten, allerdings unterscheidet da auch jede Destillerie auch noch einmal für sich selbst. Die vier allgemeinen Jamaica Stile sind:

Jamaican Ester Mark: Ester (gr/hlpa)
Common Clean 80-150
Plummer 150-200
Wedderburn 200-300
Continental Flavoured 700-1600



Long Pond unterscheidet seine Stile nicht nur in vier verschiedene Stile, sondern in insgesamt zwölf! Diese wiederum können dann, meist, einem der vier übergeordneten Jamaica Stiele zugeordnet werden, wobei Long Pond auch Marks führt, die einen Estergehalt aufweisen sollen, welcher keinem der vier Stile zuzurechnen ist. Das trifft unter anderem auf CRV und CQV zu, aber auch auf LPS und auf das Mark um das es heute ganz besonders geht: STC🖤E!

Long Pond Mark Ester Level (gr/hlpa)
CRV 0-20
CQV 20-50
LRM 50-90
ITP/LSO 90-120
HJC/LIB 120-150
IRW/VRW 150-250
HHHS/OCLP 250-400
LPS 400-550
STC🖤E 550-700
TECA 1200-1300
TECB 1300-1400
TECC 1500-1600


Cambridge:

Und so kommen wir dann auch zu Cambridge, denn Cambridge ist, bzw. war genau eine solche Destillerie, die es heute schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, deren Destillierapparat, vielleicht aber auch nur dessen Stil und Mark, aber in Long Pond weiterlebt. Wann genau Cambridge Estate gegründet wurde und wann dort damit begonnen wurde Rum herzustellen, ist mit Sicherheit nicht zu bestimmen. Nach allem, was ich in Erfahrung bringen konnte, geht Cambridge Estate, ebenfalls in Trelawny gelegen, auf die Familie Barrett zurück und wurde um das Jahr 1795 gegründet. Schon bereits damals wurde dort wohl auch schon Rum produziert.[4] Bittere Randnotiz ist, dass die genauesten Zeugnisse der Aktivität von Cambridge aus der Zeit von 1795 bis 1832 stammen, da in dieser Zeit Sklaven auf Cambridge gehalten wurden und das University College London die Geschichte der britischen Sklaverei in Übersee sehr umfangreich dokumentiert hat. Hier trifft unsere Lieblingsspirituose leider immer wieder auf das wohl dunkelste Kapitel seiner Geschichte, welches aber niemals unerwähnt bleiben sollte.
In einer Liste von jamaikanischen Estates im Jahr 1837 wird Cambridge dann ebenfalls nochmal aufgeführt. Eigentümer zu dieser Zeit war Edward Barrett.[5] Anschließend, nach der Zeit der Sklaverei, sind Informationen leider Mangelware. Bekannt ist lediglich, dass Cambridge sich lange im Besitz der Familie Thompson befand, bevor es im Jahr 1947 seine Pforten für immer schloss und sein Erbe anschließend in Long Pond weiterlebte. Dies geschah entweder unmittelbar, indem man eine oder mehrere Stills aus Cambridge nach Long Pond transferierte und mit denen dort weiterdestillierte, oder aber mittelbar, indem man den Stil von Cambridge mit in Long Pond bereits vorhandenen Brennapparaten nachahmen konnte. Was aber ist der Stil von Cambridge? Nun kommen wir zum schon mehrfach genannten Mark dieser verlorenen Destillerie, ST🖤E. Laut Luca Gargano steht dieses für Simon Thompson Cambridge Estate.[6] Das Mark wird von Long Pond heute noch verwendet und definiert intern Rums, die nach dem Brennen einen Estergehalt von 550 - 700 gr/hlpa aufweisen. Simon Thompson wiederum war ein früherer Besitzer von Cambridge Estate, welcher in einer Liste von Estates von 1878 aufgeführt ist.[7] Der Estergehalt des Marks entspricht nahezu dem des Marks HLCF bei Hampden, ist aber streng genommen keinem der vier Jamaica Stile zuzuordnen. Velier hat das Mark dennoch dem Coninental Flavoured Stil zugeordnet, da hier mit 700 gr/hlpa Estern zumindest noch eine theoretische Schnittmenge besteht.


Für uns Connaisseure heute aber ist Cambridge vor allem auch deshalb hoch spannend, weil es sich dabei nicht nur um eine lange geschlossene Destillerie Jamaicas handelt, sondern weil es deren Stil meines Wissens nach bis heute niemals abgefüllt zu kaufen gab, geschweige denn in länger gelagerter Form. Velier hat nun elf Fässer eines 13 Jahre tropisch gelagerten Cambridge STC🖤E aus dem Jahrgang 2005 mit 62,5% vol. abgefüllt, der in Long Pond in einer Double Retort John Dore Pot Still für NRJ gebrannt wurde. Und ja, das ist zwar alles auf den ersten Blick vielleicht ziemlich kompliziert und undurchsichtig, aber ich hoffe, dass ich euch dieses Gesamtgefüge etwas entwirren und auf diese Weise ein wenig Licht ins Dunkel bringen konnte. 


Verkostung des Velier 13 YO Cambridge 2005:

Preis: der Ausgabepreis des Rums beträgt ca. 150,- Euro. 

Alter: von 2005 bis 2018 reifte der Rum 13 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand zwischen 2005 und 2018 in den Tropen auf Jamaica statt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 11 Fässer verwendet und 3648 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: >63%

Alkoholstärke: High Proof - der Rum hat eine Trinkstärke von 62,5% vol.

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: STC🖤E (Simon Thompson Cambridge Estate)

Farbe: Kupfer, dunkler Bernstein. Optisch kommt die tropische Reife klar durch.  

Viskosität: der Rum zeichnet lange, dünne, regelmäßige Schlieren und perlt optisch durchaus ansprechend anschließend an der Glaswand.

Nase: deutlich Jamaica und auch klare und eindeutige Ester. Ich war ja gespannt, was mich hier erwartet und mein erster Gedanke und Eindruck ist erst einmal ein positiver. Mir gefällt, was da vor mir im Glas steht. Die Ester kommen anders als bei Hampden z.B.. Sie sind subtiler, weniger brachial. Das mag ich hier gerade echt gerne, zumal der Rum dadurch tatsächlich auch eine echte Ergänzung zu bisherigen Stilen darstellt. Dem Mark nach ist STC🖤E zwar das Äquivalent zu HLCF, der Cambridge kommt aber vollkommen anders als dieser daher. Ausgewogener und reifer natürlich, durch das deutlich höhere Alter, aber auch insgesamt, geht das einfach in eine smoothere Ecke. Alkoholische Schärfe nehme ich wahr, allerdings nur dezent.
Im Bouquet habe ich, neben der Ester, zunächst einmal eine starke Note von Nagellackentferner und Klebstoff, die in Marzipan und gegrillte Ananas in eine feine Süße übergehen. Hier sind die Ester wirklich sehr präsent. Dahinter empfängt mich dann aber auch schon eine deutliche, dunkle Holznote vom Fass, die mich hier in diesem Maße durchaus überrascht nach 13 Jahren. Nach längerer Zeit im Glas erinnert mich der Cambridge dann doch etwas mehr an Hampden und es kommen auch die für Hampden so typischen Anklänge von Zitrone und Humus durch. Wer weiß, vielleicht riecht HLCF nach 13 tropischen Jahren ja sehr ähnlich. Noch allerdings sind da deutliche Unterschiede. Vor allem ist der Cambridge wesentlich weniger fruchtig als ein Hampden HLCF.

Gaumen: ich habe eine kurze Süße zu Beginn und erkenne dann auch sehr schnell klar und deutlich Jamaica. Das ist mir, trotz des neuen Stils, im Grundsatz durchaus alles wohlbekannt. Alkoholische Schärfe habe ich zu Beginn, allerdings bekomme ich diese auch sehr fix gezügelt. Das passt so. Der Rum ist zunächst adstringent, wird dann angenehm cremig. Vor allem aber hat er wirklich Kraft! Von allen Aromen kommen gegrillte Ananas, Nuss und Stroh, sowie das Holz vom Fass und eine damit einhergehende leichte Bitterkeit mit am deutlichsten heraus. Das ist im letzten Punkt allerdings nicht negativ zu verstehen, sondern positiv. Ich empfinde den Cambridge als extrem gut und auch den Punkt gereift. Dahinter habe ich auch Toffee und Gewürze, die ich allerdings nicht eindeutig und im Einzelnen zuordnen kann und wieder das medizinische. Interessant finde ich, dass ich auch starke Erinnerungen an alte Long Pond aus den 1980er Jahren habe, vor allem durch Stroh und Nuss. Spannend! Als kleinen Sitekick habe ich dann immer wieder leichte Erinnerungen an Erdbeerkaugummi und damit zwangsläufig an den den im letzten Jahr erschienenen Savanna HERR. Sehr faszinierend! Der kann was!

Abgang: schöner, langer, bleibender Nachhall! Die Holznote ist auch hier wieder da, dazu Gewürzanklänge, Weihnachtsgebäck, Anis. Zum Ende hin ist da auch noch etwas leicht medizinisches. Der Rum wird trocken.

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Fazit: der Rum gibt von der Nase, über den Gaumen bis hin zum Abgang ein sehr stimmiges Gesamtbild ab. Zwischendurch habe ich ein paar Mal gedacht, dass er mir an manchen Stellen vielleicht sogar schon fast etwas zu stimmig ist, aber gerade am Gaumen zeigte er sich dann doch auch immer wieder vielschichtig und komplex und bot dann auch Überraschungen. Den HERR-Twist beispielsweise empfand ich als wirklich gelungen. Was ein Auftakt also für die vier Long Ponds! So darf es gerne weitergehen und ich hoffe, wir werden davon noch mehr sehen! Für mich ist Cambridge ein echter und grundsätzlicher Zugewinn für die Rum Landschaft und ich freue mich, dass uns der Stil auf diese Weise zugänglich gemacht wird und wir darüber hinaus auch überhaupt erst einmal von der Existenz einer ehemaligen Destillerie namens Cambridge erfahren haben. So funktioniert lebendige Geschichte!



Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis mit ca. 150,- Euro für eine Flasche allerdings auch schon sehr ausgereizt ist. Ich empfinde den Rum nicht als zu teuer, zumal nicht, da das Mark STC🖤E momentan noch das Alleinstellungsmerkmal und auch eine Limitierung genießt, er wirklich Klasse hat und sich das Preisgefüge beim Rum darüber hinaus leider im Grundsatz bereits drastisch nach oben hin verändert hat, aber viel mehr hätte er aus meiner Sicht, trotz dieser Argumente und trotz der 13 Jahre tropischer Reifung, dennoch nicht kosten dürfen. Ich glaube letztlich, dass man da insgesamt schon ziemlich genau den Preis getroffen hat, der auf dem First Market noch bezahlt wird, ohne gleichzeitig einen Secondary Market zu schaffen, auf dem der Rum dann deutlich teurer zu haben wäre.

Ein großes Dankeschön geht heute einmal mehr an den Freddy fürs Sample zur Vorab-Verkostung! Klasse!

Was nun natürlich ebenfalls wirklich groß ist, ist die Vorfreude auf den nächsten der vier Long Ponds und diese ist, nach dem wirklich tollen Cambridge, auch nochmal gestiegen!


Bis dahin,
Flo


Sources:

[1] https://cocktailwonk.com/2016/03/innswood-the-jamaican-rum-distillery-that-time-forgot.html
[2] https://cocktailwonk.com/2016/03/inside-jamaicas-clarendon-distillery-home-to-monymusk-rum-and-a-certain-captain.html
[3] https://cocktailwonk.com/2016/04/an-exclusive-visit-to-jamaicas-historic-long-pond-rum-distillery.html
[4] https://www.ucl.ac.uk/lbs/estate/view/3321
[5] http://sites.rootsweb.com/~jamwgw/1837esta.htm
[6] https://cocktailwonk.com/rum-marques
[7] http://www.jamaicanfamilysearch.com/Members/dprop02.htm




Sonntag, 7. Oktober 2018

Samaroli 21 YO Hampden 1993 Full Proof

Liebe Rum Gemeinde,

heute geht es für mich einmal mehr nach Hampden und ich bringe eine Review, welche ich euch neulich nach der Verkostung des Compagnie Des Indes Hampden 1983 bereits versprochen habe, im Grunde aber schon seit Jahren schuldig bin: es geht um den Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 Full Proof! 



Und um auch heute bei diesem Hampden vorweg gleich ein Superlativ zu bemühen: zur Verkostung kommt tatsächlich kein geringerer als der derzeit teuerste mir bekannte Rum der Destillerie überhaupt! Ebenso stolze wie gleichermaßen unglaubliche 2000,- Euro und mehr muss man inzwischen für eine Flasche dieser Abfüllung hinlegen, bei einem Ausgabepreis im Jahr 2014 von "gerade einmal" ca. 250,- Euro. Das war seinerzeit so viel Geld, dass ich alleine aus diesem Grund von einem Kauf einer Flasche abgesehen habe. Aus Investment-Sicht also definitiv schon mal ein klarer Fehler, aber viel wichtiger ist ja die Frage, ob ich den Nicht-Kauf auch geschmacklich bereue? Dazu am Ende mehr.

Der Samaroli Hampden 1993 Full Proof hatte lange Zeit ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal. Er war nämlich der einzige High Ester Hampden mit einem Ester-Mark über dem von HLCF (500 - 700 gr/hlpa), der in Fassstärke abgefüllt wurde. Zwar gab es mit dem Jahrgang 1990 auch Hampden Rums mit einem noch höheren Estergehalt (C<>H - 1300 - 1400 gr/hlpa), aber bis zum The Rum Cask 1990 mit 61,9% vol. wurde da nie einer in Fassstärke abgefüllt. Erst als diese Abfüllung im März 2017 veröffentlicht wurde und auch etwa zeitgleich der Cave Guildive aus 1993 aufkam, war der Samaroli in dieser Hinsicht nicht mehr alleine. Davon abgesehen waren Hampden in Fassstärke aber auch generell selten zu jener Zeit. Das ist zwar erst vier Jahre her, aber angesichts des heute so reichhaltigen und vielseitigen Angebots an fassstarken Hampdenabfüllungen wirkt das doch schon wie eine kleine Ewigkeit. 


Verkostung des Samaroli 21 YO Hampden 1993:

Preis: der ursprüngliche Ausgabepreis war mit über 200 Euro auch schon sehr heftig. Inzwischen sind einige Sammler sogar bereit, ein zehnfaches dessen zu bezahlen. Wirklich verrückt!

Alter: der Rum ist 21 Jahre alt und reifte von 1993 bis 2014 im Fass.

Lagerung: die Reifung fand von 1993 bis 2014 mutmaßlich in Großbritannien statt.

Fassnummer: Fass #39 ergab 260 nummerierte Flaschen. 

Angel's Share: unbekannt. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum kommt mit stolzen 65,6% vol. daher.

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: mutmaßlich <>H (Diamond H)

Farbe: strohiges Gold, wie es typisch ist für lange kontinental gelagerte Hampden Rums. 

Viskosität: satt und fett klebt der Rum an der Glaswand, bevor er in regelmäßigen, engen Schlieren zurückläuft.

Nase: Huhhh! Hampden! Eine Nase, die innerhalb von Nanosekunden jeden Zweifel darüber zerstreut, was da gerade im Glas ist. Wunderbar esterige Hampden-Nase! Der alkoholische Einschlag ist, vor allem zu Beginn, leicht da, aber er verzieht sich rasch und ist dann überhaupt nicht mehr präsent. Sehr ausgewogen, überaus komplex. Allerhöchste Liga! Außergewöhnlich! Das Bouquet reicht hier von Hochester-Einflüssen wie Klebstoff, Nagellackentferner, Banane, Mango und gegrillter Ananas, über leichte Säure von Zitronen und Limetten über dunkle Anklänge von Humus und Rauchnoten. Dazu etwas Vanille und Marzipan. Fantastisch! 

Gaumen: sehr geniale, stabile, adstringente Textur, wunderbar ölig, cremig, vollmundig und kräftig. Die Fassstärke spielt hier ihre komplette Stärke aus, weswegen der Rum zunächst auch noch sehr brachial und etwas scharf ist, aber kurze Zeit später ist dann nur noch Hampden Flavour pur da. Großartig!
Ich habe Hochester-Anklänge von Klebstoff, gegrillter Ananas, Banane, aber auch trockenere Noten von feuchter Erde und Eichenholz. Dahinter feine, dezente Säure mit Erinnerungen an diverse Zitrusfrüchte. Die Lagerung scheint mir bei diesem Rum auf den Punkt zu sein. Absolut herausragend!

Abgang: riesiger, unglaublich langer Abgang, wie man es von Hampden gewohnt ist! Gewohnt außergewöhnlich! ;-)

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The Best of Hampden!
Fazit: seltene Qualität! Vor mir steht nicht mehr und nicht weniger als einer der mit absoluter Sicherheit besten drei Hampden Rums, die ich je im Glas hatte! Die anderen beiden sind der The Rum Cask 1990 und der Duncan Taylor 1990. Das ist für mich die Hampden-Champions League! Der The Rum Cask ist in diesem Trio weiter meine Nummer 1, an ihm führt kein Weg vorbei, den liebe ich einfach, aber direkt danach, und ja, wohl noch vor dem Duncan Taylor, ordnet sich der Samaroli ein. Den Ausschlag gibt an dieser Stelle aber vor allem mein subjektiver Geschmack. Der Unterschied besteht nicht in der Qualität, sondern ausschließlich in der persönlichen Vorliebe! Der Samaroli, und der Jahrgang 1993 generell, ist etwas ausgeglichener als die beiden Rums aus 1990. Die Esterdröhnung ist nicht ganz so extrem und der Rum kommt sehr komplett daher. 1990 hat dafür noch etwas mehr Ecken und Kanten, mehr Säure und durch den nochmal deutlich höheren Estergehalt ist 1990 einfach nur, um es auf neudeutsch zu formulieren, "voll auf die Fresse" und darauf stehe ich bei Hampden total!
Apropos Estergehalt. Im Review zum Compagnie des Indes 1983 spekulierte ich auch über den Estergehalt des heute verkosteten Samaroli, bzw. dessen Mark. Gemeinhin wird für diesen das Mark <>H angenommen (900 - 1000 gr/hlpa), resultierend daraus, dass auf einem Foto des Fasses einmal das Mark JMH zu sehen gewesen sein soll und letztlich auch aus dem Geschmack selbst. Fest steht für mich auf jeden Fall, nach diversen Quervergleichen, dass der Estergehalt des Samaroli sowohl deutlich über dem der HLCF (500 - 700 gr/hlpa) aus z.B. 1992 liegt, als auch eindeutig unterhalb von dem der C<>H (1300 - 1400 gr/hlpa) aus 1990, was wiederum bedeutet, dass wir uns entweder im Bereich der <>H (900 - 1000 gr/hlpa) oder aber in dem von HGML (1000 - 1100 gr/hlpa) befinden müssen. Wie bereits früher dargelegt, geben die Bulk-Marks, wie "JM..." (Jamaica Main ...) zwar Hinweise auf das tatsächliche Mark, aber letztlich keine hinreichende, eindeutige Zuordnung. Vom Gefühl her, und auch im Vergleich zum <>H 2010 von Velier, würde ich auch auf <>H tippen, aber sicher ist das, aus meiner Sicht, nicht. Was sich jedoch sagen lässt ist, dass ein Estergehalt um 1000 gr/hlpa wohl als der optimale Kompromiss aus verhältnismäßig gemäßigter und gezügelter Kraft (LROK; HLCF) und der vollen Ladung Power (C<>H; DOK) gesehen werden kann und nicht wenige sehen den Samaroli daher auch als ihren unangefochtenen Favoriten und als die beste aller Hampdenabfüllungen.

Die Eingangsfrage, ob ich den Nicht-Kauf damals geschmacklich heute bereue, kann ich daher mit einem "Jein" beantworten. Ja, denn nach heutigen preislichen Maßstäben war der Rum das Geld auf jeden Fall wert. Und nein, weil ich für mich mit dem TRC 1990 noch einen größeren Favoriten gefunden habe und ich diesen preislich sogar noch leicht günstiger erwerben konnte. Und letztlich muss man auch einfach nicht immer jede Top-Abfüllung auch als ganze Flasche zuhause stehen haben, wenn gleich die Verlockung dazu häufig groß ist. Ich hatte zwei Samples dieses Rums (ein herzliches Dankeschön wie immer an die Sample-Dealer!) und werde sie weiter in Ehren genießen. Und in diesem Fall muss das reichen und wird das reichen.

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 30. September 2018

Compagnie Des Indes 33 YO Hampden 1983

Liebe Rum Gemeinde,

heute ist mal wieder Legenden-Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts, denn zur Verkostung kommt der bisher älteste mir bekannte Rum, sowohl nach Alter als auch nach Jahrgang, einer meiner absoluten Lieblingsdestillerien: der Compagnie Des Indes Jamaica Rum 33 YO Hampden Estate 1983!

Viele Leser werden sich nun wahrscheinlich zunächst vor allem einmal fragen, was da eigentlich genau an ihnen vorbeigegangen ist, denn ich bin mir sicher, dass es doch einige von euch da draußen geben wird, die noch niemals etwas von dieser besonderen Abfüllung auch nur gehört oder gesehen, geschweige denn, sie verkostet haben. Ich selbst hörte erstmals Ende 2016 davon, dass es einen solchen Rum geben soll, bzw., dass dazu ein oder mehrere Fässer existieren sollen, bekam aber auch erst im Laufe dieses Jahres die endgültige Gewissheit, dass er wirklich existiert und auch abgefüllt wurde, nämlich von Compagnie Des Indes. Und schließlich, im Rahmen einer Flaschenteilung in Frankreich, bekam ich als einer der ganz wenigen Menschen in Europa gar die Möglichkeit ihn einmal probieren zu können. Denn die Flasche, die ein Connaisseur dort teilte, war eine von insgesamt nur 12 (!) Flaschen, die in ganz Europa verkauft wurden. Die Flasche gab es ansonsten nahezu ausschließlich in Nordostasien zu kaufen. Laut Website von CDI wurde die Abfüllung exklusiv in Japan verkauft, einem Interview mit Florent Beuchet von CDI nach aber war der Rum für Hong Kong. Und wie dem auch sei, in Europa war da außerhalb der besagten Teilung kaum ein drankommen. Insofern ist dann eben auch zu erklären, warum viele von dieser Abfüllung gar keine Notiz genommen haben werden.
Picture by Ludo Caroni. Merci beaucoup! 
Ihr merkt es also schon, ohne Superlative werden wir heute einmal mehr nicht so richtig auskommen. Denn 1983 ist der neue bisher älteste mir bekannte Jahrgang von Hampden - bisher war das stets der Jahrgang 1990. Nun aber gibt es noch einen ganze sieben Jahre älteren Jahrgang, der seinen Weg einst in die Warehouses von Bulkhändlern gefunden hat. Und damit verbunden erleben wir auch erstmals einen Hampden, der länger als die bisherigen 26 Jahre, die die alte Höchstmarke darstellten, im Fass reifen durfte, nämlich 32 Jahre und 10 Monate. Welches Mark der Rum hat und wie hoch dementsprechend der Estergehalt ca. sein muss ist derzeit noch vollkommen unklar. Hier wird uns die Verkostung gleich hoffentlich etwas mehr verraten können. Glücklicherweise kommt der gute Tropfen auch, wie es sich für Hampden gehört, in Fassstärke daher, nämlich mit 54,1% vol.! Abgefüllt wurden nur 250 Flaschen weltweit und, wie nun schon mehrfach gesagt, nahezu ausschließlich für den nordostasiatischen Markt. Für einen Hampden-Freak wie mich war da natürlich klar, dass ich unbedingt probieren musste und genau das werde ich jetzt auch tun! Merci Ludo, pour la petite bouteille et la photo.! :-)



Verkostung des Compagnie Des Indes 33 YO Hampden 1983:

Preis: der Ausgabepreis lag umgerechnet bei ca. 850,- Euro in Südostasien, wo er, je nach Quelle, entweder in Japan oder in Hong Kong, exklusiv verkauft wurde. 

Alter: der Rum ist nach offiziellen Angaben 33 Jahre alt und reifte von Dezember 1983 bis Oktober 2016 im Fass. Sollten diese Angaben stimmen, so müsste die Altersangabe allerdings auf 32 Jahre korrigiert werden.

Lagerung: die Reifung fand von Dezember 1983 bis Oktober 2016 vermutlich in Europa statt.

Fassnummer: unbekannt. Die Abfüllung war 250 Flaschen stark. 

Angel's Share: unbekannt. Der 1990er hatte nach 26 Jahren im Fass einen Share von 29%. Für den 1983er könnte demnach ein Wert von 35 bis 40% angenommen werden, sollten die Lagerbedingungen vergleichbar gewesen sein. 

Alkoholstärke: Cask Strength - der Rum kam mit 54,1% vol. in die Flasche.

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: unbekannt. Mutmaßlich <>H (siehe Fazit).

Farbe: strohig, Gold. Ich neige beinahe dazu, von kontinentalem Gold zu sprechen, denn man sieht den farblichen Unterschied zu tropischer Reife einfach sehr gut. Selbst der 6 YO HLCF von Habitation Velier ist noch etwas dunkler. 

Viskosität: der Rum bildet kleine Tröpfchen an der Glaswand und fließt dann unregelmäßig zurück. Besonders ölig wirkt er nicht.

Nase: kräftige aber nicht brachiale Esternase und sehr eindeutig Hampden! Sehr schön! Die lange Reife merkt man dem Rum an. Ich hatte ihn neben einigen Rums mit 19, 21, 24 und 26 Jahren Reife und da fällt schon auf, dass der Compagnie Des Indes sehr gesetzt daher kommt. Alkoholische Schärfe ist überhaupt nicht vorhanden. War der 1990er TRC schon deutlich eleganter als andere Hampden, so trifft dies auf den 1983er noch einmal im Besonderen zu. Im Bouquet habe ich deutlich präsente Ester, die Assoziationen zu Nagellackentferner und Uhu wecken. Er ist weniger fruchtig als jüngere Hampden, weswegen Banane oder Ananas hier kürzer kommen als üblich. Darüber hinaus habe ich Humus, Zitrone, Marzipan, Vanille, Bacon und etwas Rauch. Dazu immer wieder auch gelagerte Töne von Eichenholz. Das Gesamtpaket ist hier sehr, sehr stimmig und gediegen und man geht einfach immer wieder mit der Nase zum Glas! Was man allerdings vergeblich sucht, sind Ecken und Kanten. Dieser Hampden ist überaus rund!

Gaumen: die Textur des Rums wirkt auf den ersten Schluck leicht instabil, zumindest bei kleineren Schlücken. Deutliche Adstringens. Was mir etwas fehlt, ist eine gewisse Vollmundigkeit. Alkoholische Schärfe ist nicht vorhanden. Im Gegenteil, er wirkt im ersten Moment sogar leicht verdünnt (was er aber nicht ist). Der Rum hat merklich Reifejahre hinter sich. Selbst der ebenfalls schon sehr gesetzte TRC 1990 hat noch deutlich mehr Wucht und auch Kanten als dieser aus 1983. Mein erster Gedanke ist also tatsächlich, dass mir da was fehlt. Auf der anderen Seite ist das einfach eine wirklich lang gereifte Spirituose, die daraus auch einiges an Eleganz gewinnt. Der Rum ist nicht totgereift, in dem Sinne, als dass er nur nach Holz schmecken würde, das ist mitnichten so, aber es fehlt eben nahezu alles, was ich als jugendliche Frische oder als Ungestüm bezeichnen würde. Ansonsten habe ich natürlich die typischen Aromen von Hampden, die jedoch schon unter einem enormen Fasseinschlag stehen. Letzterer ist sehr präsent. Am Ende heraus zeigt er auch Anis-Töne. Das ist Hampden im hohen Alter!

Abgang: esterig, trocken. Holz. Anis. Und sehr lang.

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Fazit: haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht, was den positiven Effekt der Reifung von Hampden Rums in kontinentalem Klima betrifft? Ich neige beinahe dazu das nicht nur zu bestätigen, sondern gehe sogar noch etwas weiter und behaupte, dass dieser Punkt sogar schon leicht überschritten wurde! Denn auch wenn der Compagnie Des Indes noch immer ein großartiges Beispiel für hervorragenden High Ester Rum ist, so wird doch deutlich, dass der Reife-Effekt inzwischen in die falsche Richtung geht und der Zenit überschritten ist. Nicht hoch dramatisch überschritten, aber überschritten. Hampden Rums werden nach meiner Meinung ab ca. 15 Jahren richtig gut, erreichen zwischen ca. 20 und ca. 25 Jahren Reife ihren Zenit und bauen danach ab, vor allem an Ecken und Kanten. Diese gehören aber für viele Liebhaber von Hampden zwingend mit dazu und dementsprechend werden Hampden Rums für diese Gruppe an Connaisseuren uninteressanter, je weniger sie davon in der Folge fortschreitender Reife noch aufweisen können. Schon beim 26 YO Hampden 1990 von The Rum Cask kenne ich einige, denen bei diesem schon etwas die Ecken und Kanten fehlen (auch wenn ich persönlich diesen exakt auf dem Zenit sehe) und das zeigt sich hier noch einmal deutlich gesteigert. Dessen ungeachtet war es am Ende aber natürlich dennoch ein ungetrübtes Vergnügen und Erlebnis, einen solch alten Hampden einmal im Glas gehabt zu haben. Über das Preis-Leistungs-Verhältnis oder ähnliches muss ich heute zum Glück ja auch nicht sprechen.

CDI 1983 next to TRC 1990 (C<>H) and Samaroli 1993 (<>H)

Eine zentrale Frage ist nun aber natürlich noch die nach dem Fass-Mark des Hampden 1983. Mein erster Gedanke im Glas war, dass es auf jeden Fall eines der höheren Marks sein muss, aber selbstverständlich habe ich mir, um das konkretisieren zu können, einige Vergleichsrums daneben gestellt. So habe ich den Compagnie Des Indes 1983 mit dem 26 YO TRC (C<>H), mit dem 21 YO Samaroli Full Proof (mutmaßlich <>H), dem 24 YO Rum Nation 1992 (HLCF) und dem 19 YO TRC "Beast" (mutmaßlich HLCF) verglichen. Eindeutig sagen kann ich, dass der Estergehalt des 1983er CDI unter dem des C<>H liegt und auch, dass er sehr deutlich über dem der HLCF liegt. Er hat darüber hinaus aber auch etwas weniger Ester als der Samaroli, allerdings bestehen hier mit Abstand die größten Ähnlichkeiten, so dass sich die geringfügigen Unterschiede durchaus auch aus der 12 Jahre längeren Reifung und dem Spektrum des Estergehalts innerhalb des Marks ergeben könnten. Daher vermute ich das Mark <>H und tendiere dazu, den Samaroli entweder ganz am oberen Ende der <>H Range einzustufen, oder gar bei HGML einzuordnen. Denn soweit ich weiß, ist das Mark <>H für den Samaroli bisher zwar angenommen, aber nie bestätigt worden. Das Fass trug damals wohl das Mark JMH, was aber für viele der Marks sprechen kann, von denen letztlich <>H und HGML geschmacklich noch in Frage kommen. Aber darauf werde ich in einem seperaten Review zum Samaroli Hampden 1993 Full Proof in Kürze auch noch genauer eingehen!



Abschließend möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Ludo für die Teilung auf Facebook bedanken, ohne die es mir nicht möglich gewesen wäre, dieses Stück Zeitgeschichte hier mit euch zu verkosten! Merci beaucoup encore!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 23. September 2018

Velier Antigua Distillery Limited 2012 - Blend vs. SC

Liebe Rum Gemeinde,

heute komme ich endlich dazu zwei Rums zu verkosten und miteinander zu vergleichen, auf die ich im Vorfeld, nachdem sie angekündigt waren, direkt gespannt war.




Was liegt heute an?

Die Reise geht in den ostkaribischen Inselstaat Antigua & Barbuda und hier genauer auf die Insel Antigua, auf der sich die Antigua Distillery Limited (ADL) befindet, aus welcher auch der in der Rumwelt sehr bekannte English Harbour Rum stammt.
Antigua & Barbuda gehört, wie z.B. auch Guadeloupe, zu den Inseln über dem Winde im nördlichen Teil der kleinen Antillen und ist mit einer Gesamtfläche von insgesamt 442,6 km² Landmasse vergleichbar klein wie Barbados, welches aber im südlichen Teil dieser Inselgruppe liegt. Die Hauptinsel, mit einer Fläche von 280 km², ist Antigua, auf der sich, im Norden der Insel, auch die Hauptstadt Saint John's befindet. Dort wiederum, in Saint John's, befindet sich die ADL, aus welcher der English Harbour Rum stammt. Dieser ist nach einem wohl besonders sturmsicheren Hafen im Süden der Insel benannt, in welchem der berühmte Lord Admiral Nelson Ende des 18. Jahrhunderts einen Flottenstützpunkt errichtete.
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Source:
http://www.antiguadistillery.com/antigua-distillery-limited.html
Die ADL wurde laut deren eigener Homepage im Jahr 1932 von acht einheimischen Geschäftsmännern gegründet, von denen fast alle bereits zuvor schon mit Rum zu tun hatten. Bereits ab 1929 begannen die Männer damit, Melasse im Bulk einzukaufen und zu destillieren. Im Jahr 1933 schließlich nahm die eigentliche Destillerie ihre Arbeit auf. Den Rum destillierte man dort in einer kupfernen 4-Säulen French Savalle Still. Die Melasse kam aus Antigua selbst. ADL verkaufte seinen Rum anfangs noch ungereift an lokale Rumhändler, die ihn, gelagert oder ungelagert, alle jeweils unter eigenen Labeln abgfüllten. Erst 1947 entstand mit dem Cavalier Muscovado Rum die erste Abfüllung unter eigenem Namen. Im Jahr 1991, also nach 58 Jahren in Betrieb, ersetzte man die 4-Säulen French Savalle Still durch eine kupferne 3-Säulen John Dore Still, die um zwei weitere Säulen auf fünf Säulen erweitert wurde. Laut eigenen Angaben von ADL handelt es sich bei dieser Still um die einzige reine Kupfer-Column Still in der gesamten Karibik. Im Jahr 1994 rief man die noch heute existierende und sehr bekannte English Harbour Reihe ins Leben, von der ich u.a. den 5 YO, den seit einigen Jahren nicht mehr hergestellten Extra Old und den 1981er schon probiert habe, wobei festzuhalten ist, dass mindestens der 1981er, vermutlich aber auch Teile des Extra Old, noch aus Rums der alten French Savalle Still besteht.
Diese English Harbour Rums trafen meinen Geschmack nur sehr begrenzt, da sie mir doch deutlich zu leicht und eher dem spanischen als dem englischen Stil zuzuordnen waren. Die beiden von Velier abgefüllten Rums um die es heute geht, versprechen dagegen etwas mehr Spannung. Denn die hier verwendeten Fässer sind ADL Rums mit einem Estergehalt von 218 gr/hlpa, was bei Hampden z.B. einem LROK entspräche. Auf dem Label werden sie dementsprechend auch als Heavy Traditional Rums (HTR) bezeichnet. Inwieweit sich das bemerkbar macht und sie sich von den gewohnten English Harbour Rums abgrenzen, werden wir im folgenden Quervergleich feststellen. Luca Gargano entdeckte und erwarb die insgesamt 27 Fässer am 20. Juni 2017 bei einem Besuch bei ADL auf Antigua und zeigte sich von der Außergewöhnlichkeit dieser Rums, bedingt durch den erhöhten Estergehalt, wohl sehr beeindruckt. Zu Veliers 70. Geburtstag wurde ein Fass, welches man als das beste der 27 ausmachte, das Fass #2598, als Single Cask in Fassstärke mit 68,5% vol. abgefüllt. Die übrigen 26 Fässer wurden als Blend in Full Proof mit 66% vol. abgefüllt.

Doch genug der Theorie, nun zu den beiden Rums!


Flasche + Sample der 26 Fass starken regulären Version. 
Das Foto erhielt ich dankenswerter Weise von Niki mit freundlicher 
Genehmigung es zu nutzen. Vielen Dank dafür! 

ADL 2012 Blend - 66% vol.: 

Der 2012er ADL Blend reifte sechs Jahre von 2012 bis 2018 in 200 Liter Ex-Bourbon Fässern auf Antigua. Der Alkoholgehalt beträgt 66% vol., eine Verdünnung hat demnach nicht stattgefunden. Der Ausgabepreis des Rums beträgt ca. 50-60 Euro und er ist zum Zeitpunkt dieses Reviews auch noch verfügbar. Wieviele Flaschen die Abfüllung genau ergab weiß ich nicht, allerdings kamen laut Label ganze 27 Fässer zum Einsatz. Da aber auch der Gesamt-Stock des Antigua Stocks von Velier mit 27 Fässern angegeben wird und ein Fass als Single Cask abgefüllt wurde, handelt es sich demnach um wohl "nur" 26 Fässer. Das Sample bekam ich von einem Mitglieds des "Rum Clubs", bei welchem ich mich auch sehr herzlich bedanken möchte!

Der Rum gibt sich kräftig golden im Glas und ist klar dunkler, als man das bei einem nur sechs Jahre alten Rum erwarten würde, selbst nach tropisch gelagerten Maßstäben.
In der Nase bekomme ich zunächst einen Schrecken! Der ist doch noch sehr aggressiv und ich merke dem Rum sein junges Alter sofort an. Er benötigt schon eine gute Stunde des Atmens, bis er sich schließlich etwas zahmer gibt und ich sein ganzes Bouquet erfassen kann. Vor mir steht nun ganz deutlich ein Hybrid aus englischem und spanischem Stil. Ich würde den Rum pauschal erst einmal keinem der beiden Stile eindeutig zuordnen wollen. Da sind schon deutliche Anklänge von Estern und Klebstoff, die auch etwas ins dreckige ziehen und Erinnerungen an Caroni wecken, aber da sind auch klare Noten, die ich eher Rums des spanischen Stils zuschreiben würde, wie z.B. Tabak, sehr deutliche Vanille und dunkles Karamell. Dahinter dann habe ich auch etwas herbes, kräutriges sowie eine schöne, natürliche Süße, die mir hier gut gefällt und dem Rum eine interessante weitere Facette gibt. Am ehesten würde ich hier blind auf einen Barbadier oder einen leichten Caroni tippen. Das hat was!
Am Gaumen kommt der Rum nicht so brachial, wie ich das nach der anfänglichen Nase erwartet hätte. Im Gegenteil, man kann den doch recht entspannt trinken, wie ich finde. Allerdings fällt nicht nur die alkoholische Schärfe geringer aus als erwartet, sondern auch das Aromenspektrum. Ich habe viel trockenes und auch ein wenig frisch geschnittenes Holz, dazu etwas Tabak und trockene Würze, aber ansonsten irgendwie nicht viel. Keine Fruchtigkeit und auch die Ester nehme ich hier nicht mehr wirklich wahr. Das ist sicher nicht schlecht, aber auch nicht ganz das, was ich nach der wirklich ansprechenden Nase erwartet hatte.
Im Abgang dann etwas Vanille und Würze, aber auch das nicht lange. Unspektakulär.

ADL 2012 Single Cask - 68,5% vol.:

Auch das ADL 2012 Single Cask reifte insgesamt zu 100% in den Tropen, nämlich, wie auch der Blend, von 2012 bis 2018 in Antigua in 200 Liter Ex-Bourbon Fässern. Sein Alkoholgehalt beträgt 68,5% vol., was der Fassstärke entspricht. Im Gegensatz zum Blend ist der Rum als Single Cask natürlich längst ausverkauft und es werden auf dem Secondary Market zum Teil sogar weit über 150,- Euro für ihn aufgerufen. Abgefüllt wurde das Fass #2598 anlässlich des 70. Geburtstags von Velier im Vorjahr 2017, quasi als nachträgliches Geburtstagsgeschenk, allerdings ist mir die genaue Anzahl an Flaschen nicht bekannt. Mein Sample erhielt ich von einem ganz lieben Gast aus meinem nördlichen Nachbarland Dänemark! Mange tak!

Äußerlich habe ich keinerlei Unterschiede zu seinem auflagestärkeren Bruder, dem Blend aus 26 Fässern, feststellen können. Ein schönes, sattes Gold!
In der Nase werden die Unterschiede dann jedoch schon deutlicher. Wie der Blend, so braucht aber auch der Single Cask zunächst noch eine gute Stunde Zeit, bevor man sich wirklich mit ihm auseinandersetzen mag. Dann fällt auf, dass er weniger spanischen Einschlag aufweist als sein Pendant. Er wirkt doch schon sehr viel deutlicher wie ein Rum des englischen Stils und die spanischen Einflüsse muss man etwas länger suchen. Sie fallen am ehesten in der Querverkostung auf. Der Rum ist etwas würziger, wo der Bruder auch noch etwas mehr an Süße hat. Dafür steigt der herbale, kräutrige Anteil, der hier in die Richtung Menthol geht und der mich entfernt an die 2000er Caroni erinnert. Insgesamt erscheint die Nase hier etwas komplexer und im Vergleich kann man hier sehr schön erkennen, inwiefern sich ein Single Cask ganz grundsätzlich von einer Small Batch Abfüllung abhebt.
Die Single Cask Abfüllung ist am Gaumen deutlich schärfer als der Blend. Die Ester kommen etwas besser durch und er steht noch mehr auf der trockenen Seite als sein Bruder. Auch hier ganz viel trockenes Holz, Tabak und Gewürzregal und wiederum wenig Gegenspieler. Schade, leider beeindruckt mich das nicht gerade, auch im Vergleich zum Blend.
Im Abgang dann das wiederum gleiche Spiel. Etwas Holz, etwas Tabak, deutliche Vanille und das war es dann nach ein bis zwei Minuten. 


Fazit: 

Keiner der beiden Rums hat mich komplett umgehauen, aber vor allem in der Nase haben sie durchaus einiges zu bieten. Das nimmt am Gaumen dann leider merklich ab, aber die Rums sind ja auch erst sechs Jahre alt. Ich bin also nicht im klassischen Sinne enttäuscht, jedoch habe ich doch vielleicht noch etwas mehr erwartet! Ich hatte, nach all dem Wind der um diese Fässer gemacht wurde, und mit dem Wissen, Rums mit erhöhtem Estergehalt vor mir zu haben, sehr wohl auf einen Rum spekuliert, der meine bisherigen Vorlieben auf Augenhöhe ergänzen könnte und dahin kommt er leider noch nicht ganz, vielleicht auch bedingt durch das sehr junge Alter. Letzten Endes sind die Rums, gemessen an der Standardrange von ADL, sprich, den English Harbour Rums, sicherlich sehr viel höher anzusiedeln als diese, ganz klar und eindeutig, und beide Abfüllungen waren es ohne jeden Zweifel wert mal probiert zu werden, aber Rums vom Kaliber Caroni, Hampden, Long Pond oder WIRD/Rockley greifen sie nicht an. Was absolut positiv heraus sticht ist der Preis, gerade der des Blends! Ca. 50,- Euro in Italien sind wirklich fair und da mir persönlich der Blend sogar noch einen Ticken besser gefällt als der Single Cask (für den Blend spricht letztlich vor allem die eindeutig bessere Einbindung des Alkohols), kann man den tatsächlich auch mal mitnehmen, wenn man dort eh gerade bestellt. Ich jedenfalls überlege mir das sehr ernsthaft!
Des Weiteren ist die grundsätzliche Arbeit Luca Garganos herauszuheben, der zwar, wie in diesem Fall, nicht jedes Mal direkt die eierlegende Wollmilchsau entdeckt, der sich jedoch nach den Erfolgen mit den Demeraras und den Caronis nicht etwa gemütlich zurücklehnt, sondern der weiterhin unermüdlich auf der Suche nach dem neuen und außergewöhnlichen ist und dieses der Rumwelt zugänglich macht. Dafür gebührt ihm höchster Respekt!

Und damit schließe ich für heute und sage bis demnächst!
Flo

Sonntag, 9. September 2018

Kill Devil Jamaica Rum 10 YO Hampden 2007

Liebe Rum Gemeinde,

der Sommer neigt sich langsam dem Ende entgegen und nach dem gigantischen Velier Caroni 1974 letzte Woche habe ich nun eine kleine Kuriosität für euch, denn den Rum um den es heute geht, ein 10 jähriger Jamaica Rum aus der Hampden Estate, dürfte es, zumindest auf dem Papier, überhaupt nicht geben! Warum nicht und weshalb es ihn trotzdem gibt? 

Zunächst einmal: der Rum, um den es heute geht ist der Kill Devil Jamaica Rum 10 YO Hampden aus dem Jahrgang 2007. Und schon hier erscheint der Stolperstein: wer sich mit der Hampden Distillery zu irgendeinem Zeitpunkt mal ein bisschen genauer beschäftigt hat, dem fällt nun vermutlich sofort auf, dass die Destillerie zu diesem Zeitpunkt geschlossen war, und das schon seit ca. vier Jahren! Spätestens 2003/2004 waren bei Hampden die Schotten dicht und erst im Jahr 2009 wurde sie von den Hussey Brüdern reaktiviert. Wie kann es da dementsprechend einen Hampden Rum aus dem Jahr 2007 geben, das kann doch gar nicht mehr hinkommen?! Ich selbst habe zunächst das nahe liegende, einen simplen Label-Fehler, vermutet, aber nach allem was ich vernehmen kann, hat es 2007 wohl tatsächlich eine Art "Test-Durchlauf" von National Rums of Jamaica in Hampden gegeben, aus dem angeblich u.a. dieses Fass resultiert. Genaueres hierzu weiß ich leider nicht, aber ich finde das natürlich hoch spannend!
Anschließend wird der Rum relativ schnell nach Europa gelangt sein, denn wir werden in der Verkostung hinreichende Anzeichen dafür finden, dass die Reifung nicht in den Tropen stattgefunden haben dürfte. Im Jahr 2018 dann wurde ein Fass dieses Stocks 10 jährig von Kill Devil/Hunter Laing exklusiv für "The Whisky Barrel" in 290 Flaschen abgefüllt. Glücklicherweise tat man dies in Fassstärke, 64,1% vol. kann der Tropfen noch vorweisen, so dass mein Interesse für dieses Bottling abschließend geweckt war!


Verkostung des Kill Devil 10 YO Hampden 2007:

Preis: der Ausgabepreis beträgt vergleichbar günstige ca. 65£ in Großbritannien. 

Alter: 10 Jahre, von November 2007 bis Anfang 2018, durfte der Rum im Fass reifen.

Lagerung: die Reifung fand mutmaßlich in Großbritannien statt.

Fassnummer: unbekannt. Das Fass ergab 290 abgefüllte Flaschen.

Angel's Share: unbekannt. 

Alkoholstärke: Cask Strength - der Rum kommt mit stolzen 64,1% vol. daher.

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: unbekannt.

Farbe: sehr hell, an Weißwein erinnernd. Daher vermute ich auch eine kontinentale Reifung. 

Viskosität: eher dünn, wässrig und wenig fett wirkend.

Nase: was auch immer da 2007 veranstaltet wurde, es muss eindeutig in Hampden passiert sein! Die Nase lässt schon von weitem keinen Zweifel zu! Und was für ein Hampden das ist! Das ist nicht einfach nur High Ester, das ist schon Highest Ester. Ja, der erste Gedanke geht direkt in Richtung DOK! Ich habe mir zwei DOK aus 2009 daneben gestellt und werde in meinem Verdacht direkt bestätigt. Für meine Begriffe ist das DOK, mindestens aber C<>H. Dementsprechend habe ich im Bouquet ganz viel Nagellackentferner und UHU-Kleber, der Rum ist zunächst auch leicht stechend. Die alkoholische Schärfe scheint hingegen sehr gut eingebunden zu sein, denn da fällt mir nichts penetrantes auf, trotz des doch recht hohen Alkoholgehalts bei eher kurzer Reifedauer. Der Hampden hat viele, viele Ester, wenn auch sehr smooth. Er ist sehr fruchtig, hat viel gegrillte Ananas und überreife Bananen, besitzt aber auch einen erheblichen Säureanteil - dementsprechend auch Erinnerungen an Zitronen. Dazu finden sich Marzipan und mediterrane Anklänge von Chorizo und Pepperoni, die dem Ganzen dann auch die Komplexität verleihen, die ich mir bei Hampden wünsche. 

Gaumen: der Hampden-Einschlag! ;-) Am Gaumen merkt man die 64,1% vol. sehr deutlich. Nicht besonders unangenehm, aber der Rum ist kein Easy Sipper und möchte gerne, dass man erst einmal ein wenig auf ihm herum beißt. Ist die Wucht der ersten Welle aber erst einmal über einen hinweggerollt zeigt sich schnell, dass der 2007er auch am Gaumen halten kann, was er in der Nase schon versprochen hat: der ist echt gut! Ich habe natürlich erneut Ester über Ester, aber dahinter kommt auch schon eine überaus präsente und sehr genial kommende Note von Bourbon Vanille! Diese kombiniert sich mit den fruchtigen Eindrücken der Ananas, einem Gemenge aus Erde, Zironen und Anis, sowie einer schön eingebundenen Holznote zu einem exzellenten, ausgewogenen und kurzweiligen Potpourri! Dazu ist der Rum auch sehr cremig, was ich anhand des optischen Eindrucks im Glas gar nicht vermutet hätte, was mir aber sehr gut gefällt! Die Fassstärke betreibt da an dieser Stelle wunderbare Eigenwerbung. 

Abgang: unfassbar schöner Abgang, herrlich! Da bleibt die volle Ladung Hampden DNA für Stunden hängen! So muss Hampden sein!

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Fazit: ich liebe diesen Hampden! Seine Ausgewogenheit und Komplexität bei vergleichbar jungem Alter sind seine große Stärke. Das ist auch der bisher beste DOK, der mir untergekommen ist. Und ja, ich unterstelle dem Rum nach der Verkostung einfach mal, DOK zu sein. Ich hatte bis hierher drei verschiedene DOK im Glas, einen gänzlich ungelagerten mit 85% vol., einen 9 YO von Compagnie Des Indes (Reviews folgen jeweils noch!) und natürlich unseren 8 YO Letter of Marque und meines Erachtens ist dieser Rum hier vor mir auch einer. Der 26 YO C<>H, wenn natürlich auch ungleich länger gereift, ist daneben deutlich zurückhaltender. Was man dem Rum zu Gute halten muss ist, dass er auch nochmal zwei Jahre älter ist, als der Letter of Marque (8 YO). Diese zwei Jahre taten ihm merklich gut und wie auch immer diese Geschichte 2007 entstanden ist, wir können froh darüber sein! Zwar bevorzuge ich Hampden nach wie vor noch deutlich länger gereift, aber das geht hier ganz klar und eindeutig in die richtige Richtung. Eine schöne Überraschung! Ich habe von diesem Rum nur ein Sample geordert um ihn zumindest mal probieren zu können und ich wusste ja auch nicht was mich erwartet, aber das ist doch sicher einer von denen, die ich vielleicht auch kaufen sollte. Das mache ich, da ich einen gewissen Vorrat an Hampden habe und auch weil ich gerne sehr viele unterschiedliche Rums dieser schönen Destillerie probiere, schon lange nicht mehr bei jeder Abfüllung die neu am Markt erscheint, aber hier ist es dann wohl mal wieder so weit! Wer also gerade einen schönen Hampden für gutes Geld sucht, dem spreche ich eine definitive Kaufempfehlung aus!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. September 2018

Velier Heavy Trinidad Rum 34 YO Caroni 1974

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich einen wirklich sehr, sehr alten, sehr seltenen und damit auch besonderen Rum für euch im Glas, und zwar den 34 jährigen Velier Caroni aus 1974 mit 66,1% vol.! Kein anderer Velier Caroni ist älter und auch keiner ist vergleichbar lange im Fass gelagert worden! Wow! 

Ich habe lange überlegt wie ich einen Artikel über einen so besonderen Rum wie diesen hier einleite. Der letzte vergleichbar besondere Rum, zumindest für mich ganz persönlich, war der Hampden 1990 von The Rum Cask, auch wenn die Charakteristik der Besonderheit bei diesem Rum natürlich von vollkommen anderer Art und Weise war. Die Einleitung und der gesamte Artikel zu diesem Rum waren sehr lang, was auch daran lag, dass ich eigentlich erst mit diesem Rum wieder so richtig in die Welt des Rums zurückgekehrt bin und an dieser Abfüllung sehr viel eigene Geschichte und Werdegang hing. Wenn man aber genauer hinsieht und das ganze auch mit über einem Jahr Abstand betrachtet, dann sprach dieser Rum aber im Grunde eigentlich für sich selbst. Nicht, dass er die vielen wohligen Worte nicht verdient gehabt hätte, ganz im Gegenteil, aber gebraucht hätte er sie nicht. Dieser Rum war derart außergewöhnlich, dass er für sich selbst sprechen hätte können. Diese Chance möchte ich heute dem 1974er Caroni geben, denn ich denke, wer sich mal ein wenig mit Caroni beschäftigt hat, für den ist klar, was alleine seine Randdaten bedeuten und wie einmalig dieser Tropfen damit ist. Daher werde ich keinerlei weitere Zeit oder Worte vergeuden und übergebe ganz an den Rum.


Verkostung des Velier 34 YO Caroni 1974:

Flüssiges Gold... 
Preis: den ursprünglichen Preis des Rums kenne ich nicht, dafür lag zu dieser Zeit mein Fokus zu wenig auf Caroni, aber er wird auf jeden Fall deutlich unter 200 Euro gelegen haben. Unvorstellbar, im Jahr 2018. Denn nun liegt dieser Rum jenseits der 2000,- Euro Marke!

Alter: der Rum lag von 1974 bis ins Jahr 2008 im Fass und ist somit volle 34 Jahre alt.

Lagerung: alle Velier Caroni lagen die gesamte Dauer ihrer Reifung über in tropischem Klima.

Fassnummern: unbekannt. Es gab allerdings sieben Fässer, die 2000 abgefüllte Flaschen ergaben.

Angel's Share: keine Angaben, er muss aber sehr, sehr hoch gewesen sein. Selbst nach 20 tropischen Reifejahren liegt er schon bei ca. 80-85%. 

Alkoholstärke: der Rum wurde in Fassstärke abgefüllt und misst noch 66,1% vol. - nach 34 Jahren tropischer Reife! 

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefer, dunkler, ins braune gehender Bernstein. 

Viskosität: gleichmäßige fette Schlieren bilden sich am Glasrand und kündigen einen satten, öligen Rum an.

Nase: Moooaaaaahhhh!!! Was für eine Nase! Ein Caroni, wie ich ihn zuvor schon gefühlt häufig und gleichzeitig aber noch nie im Glas hatte. Er ist klar Caroni-typisch, aber in einer Weise gereift, dass es erstmal einfach nur heftig ist. Ich bin zudem unsicher, ob ich das alles, was sich da gerade abspielt bei mir im Glas, überhaupt annähernd gerecht hier niederlegen und wiedergeben kann. Der Rum scheint tiefer zu sein als alle Meere, schwerer als ein Wal und voller als ein Glas, welches schon am Überlaufen ist. Ich mache mir jetzt erstmal gute Musik dazu an. Ich wage es kaum, jetzt über solch vergleichbar marginale Dinge wie die alkoholische Schärfe zu sprechen, aber es sei hiermit deren Abwesenheit festgestellt. Deshalb kann es nun auch weitergehen mit all den schönen Dingen, die sich hier stattdessen gerade ankündigen. Selbstverständlich sind alte Fahrradschläuche und Autorreifen, Teer und Öl ebenso dabei wie Petroleum, Holzlack und Phenole, aber das ist hier einfach noch viel mehr. Ich habe ganz viele Tannine vom Eichenfass, allerdings nicht unangenehm überlagernd, sondern perfekt eingebunden. Nüsse finde ich ebenso wie Marzipanbrote und karamellisierten Zucker und tropische Früchte. Und über dem ganzen schwebt omnipräsent eine leichte Rauchwolke von gegrilltem Bacon. Nicht aufdringlich, sondern als Garnitur und Abrundung dieses unfassbaren Bouquets. Und dann kommt eben auch immer wieder dieser typische Caroni-Schrottplatz wieder, der auch nach 34 Jahren im Fass noch aktiv ist wie eh und je. Totgereift? Come on! ;-) Das ist unzweifelhaft die mit Abstand beste Caroni-Nase, die mir bisher unterkam! Und liebe Leute, da ist auch in Wahrheit noch viel mehr, aber es ist einfach unmöglich all diese diffizilen Aromen so zu 100% einzufangen. 

Gaumen: eine unerwartete und vor allem unerwartet intensive karamellige und natürliche Süße begrüßt mich zu Beginn, die dann aufgeht in Caroni Essenz. Essenz deshalb, weil es genau das ist was ich im Kopf habe, wenn ich an richtig guten Caroni denke. Das ist diese geniale Verbindung aus all dem Dreck, die wir von Caroni her kennen, die über die ganzen Jahre so einen abgefahrenen Kick der Süße erhalten hat. Der Rum wirkt am Gaumen jünger als in der Nase und vor allen Dingen auf eine fesselnde Art und Weise einfach. Während die Nase noch unglaublich schwer zu fassen und zu begreifen war, so glaubt man am Gaumen, das gesamte Potpourri mit einem Moment erfasst zu haben. Und was jetzt negativ anmuten mag ist in Wahrheit überaus positiv zu verstehen. Der Rum ist einfach lecker und super entspannt zu trinken. Er strengt mich kein bisschen an und man möchte im Grunde einfach nur sein Glas nachschenken. Aber dann fällt einem wieder ein, dass man ein Sample eines sündhaft teuren Rums vor sich stehen hat und keine Flasche und dass nachschenken leider nicht möglich ist. Und das ist dann wohl der Augenblick, in dem ich einfach nur Danke sagen möchte an jenen lieben Menschen, der mir dieses Sample hat zukommen lassen. Ich würde jetzt normalerweise sagen, dass ich mich revanchieren werde, selbstverständlich, nur fällt mir leider noch nicht so ganz ein wie ich das anstellen soll, angesichts dessen, was ich hier heute im Glas habe. Da etwas ebenbürtiges zu finden wird sehr, sehr schwer werden, but challange accepted! ;-) Der letzte Moment am Gaumen gebührt dann wieder den Phenolen, Teer und ein paar Fahrradschläuchen. Dann ist er die Kehle runter und erst einmal für unbestimmte Zeit nicht mehr zugänglich.

Abgang: Was bleibt, ist dieser unglaublich intensive Caroni Geschmack aus den so bekannten Geschmackskomponenten! Der Rum bleibt lange und intensiv am Gaumen und trotz dessen, dass ich langsam Appetit bekomme möchte ich nichts essen, damit diese Eindrücke nicht verschwinden oder auch nur gestört werden.

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Fazit: auch das Fazit fällt heute knapp aus, denn der Rum hat ja deutlich für sich selbst gesprochen. Ohne also irgendwie darum herumzureden: dieser Caroni ist in meinen Augen, und auf der Basis meines bisherigen Kenntnisstandes, die absolute Benchmark! Ich hatte bei weitem noch nicht jeden Caroni im Glas, gerade die Caronis aus den 80s fehlen mir noch, aber inzwischen hatte ich doch zumindest die allermeisten derer schon vor mir, von denen mir Connaisseure, die noch deutlich mehr verkostet haben als ich sagen, dass sie die besten seien und man genau diese probiert haben müsse. Und von denen war keiner besser als dieser Caroni aus 1974! Weder das Kirsch Einzelfass noch ein anderer aus 1996 oder eine der Granaten aus 1992 oder 1994. Nichts. Keine Chance! Die sind zwar ebenfalls Weltklasse, aber an den 1974er kommen sie nicht heran! Somit stellt sich mir jetzt einzig und alleine noch die Frage, wie ich an eine Flasche dieses besonderen Tropfens kommen kann. Das wird schwierig... Schließen möchte ich dieses knappe Fazit mit einem abermaligen riesigen Dankeschön an den edlen Spender. Das kann ich nicht oft genug tun!

Bis demnächst,
Flo