Sonntag, 24. Juni 2018

Mai Tai mit Velier 1994 Caroni 23 YO

Liebe Rum Gemeinde,

das Wetter draußen lässt derzeit leider zu Wünschen übrig, dennoch ist mir an diesem Regentag irgendwie nochmal nach einem Mai Tai und ich werde es mit einem Caroni probieren, mit dem 1994er Guyana Stock aus 2017 um genau zu sein. 

Rum aus der geschlossenen Brennerei Caroni im Mai Tai, das ist nicht ganz neu. Schon zweimal, einmal mit dem Ancient Mariner aus 1996, einmal mit dem 17er Extra Strong aus 1998 in Kombination mit einem Hampden, habe ich in diese Richtung bereits experimentiert, das ist jetzt ca. ein Jahr her. Im Rahmen des MAI Tai 2.0 war das. Beide Male konnte mich die Kombination sehr überzeugen und heute wird es da, zumindest in der Theorie, noch einmal qualitativ nach vorne gehen, denn mit dem 23 Jahre alten 100° Proof kommt ein echtes Schwergewicht zum Einsatz! Doch werfen wir zuvor doch noch einen kurzen Blick auf das Rezept, auch wenn dieses natürlich keine echten Überraschungen bereit hält und, bis auf den substituierten Jamaica Rum, komplett an den ganz normalen Mai Tai angelehnt ist...


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic): 

  • 6,0 cl Velier 1994 Caroni 23 YO
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)





Mai Tai mit Velier 1994 Caroni 23 YO:

Äußerlich ist der Drink so dunkel, wie ein klassisch gemixter Mai Tai nur irgendwie sein kann, denn der Caroni kommt in einem tiefen, dunklen braun daher und gibt dem ganzen eine schon beinahe schlammige Farbe. Ich habe in meinem Review zum Mai Tai mit dem Velier <H> bekannt, dass ich den Drink etwas dunkler optisch durchaus ansprechender finde als sehr hell, aber hier ist mir das schon zu viel. Aber wir werden sehen, was da im Glas auf uns wartet. 

Geschmacklich kommt die Dunkelheit dann aber auch 1:1 mit herüber. Die schweren, dreckigen und wuchtigen Noten des Caroni dominieren den Drink nach Belieben und machen es den anderen Zutaten, vor allem Curacao und Orgeat, schwer, noch wirklich gewinnbringend durchzukommen. Ein echtes Schwergewicht! Die Ballance aus Süße und Säure steht zwar grundsäzlich und kann den Caroni auch zähmen und in das Konzept eines Drinks bringen, aber die typische Komposition eines Mai Tais ergibt sich nicht. 

Fazit: der Caroni drückt dem Drink klar seinen Stempel auf und tut dies auch heftiger als so mancher Hampden! Das ist dementsprechend auch kein klassischer Mai Tai mehr, der Drink ist viel mehr mit einem Rum Sour mit schwerem, lange gereiften Demerara Rum zu vergleichen. Durch den verwendeten Rum spielt sich das alles allerdings auf unglaublich hohem Niveau ab. Ich glaube, das muss man zwar schon mögen und ich denke, an einem warmen Tag hätte mich diese Kombi ganz schön angestrengt (kein Easy Drinking!), aber mir schmeckte es dennoch ausgezeichnet! 

Und damit wünsche ich euch nun einen schönen Restsonntag und vor allem auch besseres Wetter! 

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 21. Juni 2018

Mai Tai mit Velier < H > 7 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

vorige Woche hatte ich euch den Velier < H > 7 YO Hampden 2010 hier vorgestellt, heute werde ich nun schauen, wie sich der Rum in meinem Lieblingsdrink, dem Mai Tai, macht. 

Trotz dessen, dass mich auch Experimente bei den Zutaten im Mai Tai hin und wieder überzeugen konnten, z.B. mochte ich den Mai Tai mit anteilig Caroni Rum sehr gern, sind kräftige Rums aus Jamaica, insbesondere aus Hampden, nach wie vor meine erste Wahl für den Mai Tai. Dementsprechend bin ich äußerst neugierig und gespannt darauf, wie sich dieser sehr gute Vertreter dieser besonderen Gattung Rum in dem Tiki Drink macht. Ich könnte mir vorstellen, dass der Rum dem einen oder anderen Leser möglicherweise zu teuer oder schlicht zu schade ist um ihn in einem Cocktail zu vermixen, aber da agiere ich seit jeher nach dem Mehrwert-Prinzip. Kann der Drink den Rum noch aufwerten, ist er es meines Erachtens auch wert vermixt zu werden. Bei Hampden trifft das für mich auf die überwiegende Mehrheit an Abfüllungen zu! Ob das auch für den Velier <H> 7 YO Hampden 2010 gilt? Wir werden sehen!


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic): 
  • 6,0 cl Velier <H> 7 YO Hampden 2010
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)




Mai Tai mit Velier <H> 7 YO Hampden 2010:

Endlich mal wieder ein Mai Tai, der in seiner ganzen äußeren Erscheinung und damit vor allem seiner Farbe auch mal wieder aussieht wie ein Mai Tai aus dem Cocktailbuch! Gefällt mir sehr, sehr gut. Klar, geschmacklich ist das nebensächlich, aber gerade bei einem Drink trinkt das Auge meines Erachtens schon auch immer mit, weswegen es mich gerade sehr freut, dass ein qualitativ hochwertiger Hampden endlich auch einmal so ein wenig die Farbe mitbringt. 

Chumbawamba! Ist das ein geiler Drink! Geschmacklich sorgt der Velier <H> 7 YO Hampden 2010 zunächst einmal für einen brutalen Einschlag! Der ist richtig, richtig gut! Einen vergleichbar genialen Mai Tai hatte ich aus der Erinnerung heraus zuletzt mit dem TRC 1990 Hampden oder unserem Letter of Marque DOK. Und ja, das hat an dieser Stelle schon etwas von einem vorgezogenen Fazit. Aber was soll man machen?! :-)
Der Rum bringt alles mit, was es für einen guten Mai Tai braucht: High Ester Flavour en masse, Kraft und Power, Fruchtigkeit und auch einen gesunden Fasseinfluss. Und er unterdrückt seine Mitstreiter nicht, sondern bildet mit Curacao, Orgeat und Limette eine Einheit. Der Drink ist vom Rum geprägt, aber nicht gezeichnet. Und an die internationalen Leser, da google das garantiert nicht korrekt übersetzt bekommen wird: The drink is influenced by the rum, but it does not beat the drink. Und noch einmal: Liebe Leute, der ist wirklich gut! Ausgewogen und unangestrengt, aber auch kein bisschen anspruchslos. Und er benötigt weder etwas an Schmelzwasser, noch schadet dieses ihm nach ein paar Minuten. Das nennt man wohl "auf den Punkt"! 

Fazit: wem der Rum pur nicht zusagt oder ihn, wie ich, einfach nicht so oft ins Glas geben würde, weil er pur auf weniger Extreme setzt oder lieber noch länger gereifte Qualitäten aus Hampden trinkt, der sollte ihn unbedingt im Mai Tai probieren. Ich finde, er bietet dort einen echten Mehrwert und mir gefällt er im Drink wesentlich besser als pur im Glas. Da ist er mir etwas zu scharf und ich würde, wenn ich mich für einen Hampden entscheide, wohl immer einen der älteren kontinental gelagerten Hampden dem <H> vorziehen. Umso besser, dass der <H> im Mai Tai so gut funktioniert. Hier kann ich ihn wirklich ausnahmslos jedem empfehlen!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 17. Juni 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 18 YO Caroni 1992

Liebe Rum Gemeinde,

trotz WM-Fieber bin ich heute wieder mit einem Caroni am Start, denn da bringt mich momentan einfach kaum etwas davon ab, mich da immer weiter durchzuprobieren und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Erstmals gibt es auf Barrel Aged Thoughts daher heute einen Caroni aus 1992.

Ihr merkt also glaube ich schon, es geht in den Jahrgängen nun peu a peu nach hinten, das heißt, ich erschließe mir nun auch langsam die älteren Jahrgänge - bis hinein in die 1970er und 1980er Jahre, denn von dort hatte ich ja noch gar nichts im Glas! Ganz soweit allerdings bin ich heute noch nicht, denn ich lege erst einmal noch einen Zwischenstopp in 1992 ein, was, das werden wir im Folgenden noch sehen, auch unbedingt notwendig ist. Und schon jetzt sei verraten: 1992 wird mich auch noch mindestens zwei weitere Male hier auf BAT beschäftigen, vielleicht sogar noch ein viertes Mal! Dann wiederum hätte ich sie nämlich auch alle beisammen.  

1992 ist ein Caroni Jahrgang, der, im Vergleich zu anderen großen Jahrgängen, weder besonders viele verschiedene Abfüllungen (es sind derer eben nur vier), noch eine vergleichbar hohe Auflage an abgefüllten Flaschen  (18.308 Stück) hervorgebracht hat, was sie schon fast automatisch seltener und gesucht macht. Da Luca Gargano unlängst klargestellt hat, dass seine ältesten Caroni-Stocks aus 1994 stammen, steht auch fest, dass aus diesem Jahrgang nichts mehr kommen wird. Somit war hier bereits im Jahr 2012, als mit der Hangar-Serie die letzten beiden 1992er erschienen, "Schicht im Schacht". Auch von anderen unabhängigen Abfüllern sind mir nahezu keine Bottlings aus diesem Jahr bekannt. Nur Bristol hat in seine Trinity-Abfüllung ein bisschen was davon mit hineingegeben. Aber sonst?

Glücklicherweise gelang es mir, von drei der vier 1992er Vertretern noch Samples zu bekommen und mein Dank geht dementsprechend heute auch an den Rum Club Nutzer Rumlounge, der es mir ermöglicht hat, diesen gesuchten Tropfen zu verkosten. Vielen Dank! 




Verkostung des Velier 18 YO Caroni 1992:

Preis: ursprünglich lag der Rum bei weit unter 100 Euro. Heute hingegen liegt er bei mehr als 500 Euro. 

Alter: 18 Jahre. Er wurde im Jahr 1992 destilliert und reifte dann bis 2010 im Fass.

Lagerung: die Fässer wurden bis 2008 auf Trinidad und von da an bis 2010 bei DDL in Guyana gelagert.

Fassnummern: die Fassnummern der insgesamt 14 abgefüllten Fässer sind leider unbekannt. Die Flaschenanzahl betrug laut Label 6253 Flaschen. Laut neueren Informationen waren es hingegen wohl nur 3457 Flaschen. 

Angel's Share: unbekannt. Bei vergleichbar lange und ähnlich gelagerten Abfüllungen betrug er aber zwischen 70 und 80%. 

Alkoholstärke: 61,2% vol. - Full Proof! 

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. 

Viskosität: der Rum läuft eng, aber eher ungleichmäßig die Glaswand zurück hinunter ins Glas. Er wirkt schon hier sehr fett und ölig.

Nase: Uuuhh, junkyard! Typischer Caroni als hier gerade im Glas geht es kaum! Die Nase ist zunächst wahnsinnig konzentriert und möchte auch noch nicht so richtig aufmachen. Ich habe leichtes Stechen, wesegen ich meine Nase zu Beginn, trotz des schon jetzt betörenden Geruchs, noch nicht allzu weit ins Glas stecken möchte. Nach ca. 30-45 Minuten hat sich das komplett verändert und der Rum gewährt einem alle gewünschten Einblicke in sein Bouquet. Nun offenbart der Rum seine ganze Tiefe! Und da ist jetzt vor allem noch mehr Dreck, noch mehr Caroni, richtig schmutzig und verdammt kompromisslos! Petroleum, Teer, Lösungsmittel, Motoröl, kurz, alles was nicht in Kinderhände gehört, findet sich in diesem Rum an. Ein Rum, der schon in der Nase unbeschreibliche Lust darauf macht, ihn gleich zu trinken! Nach hinten heraus hat er noch etwas leicht herbales, kräuteriges. Der Stil erinnert mich von allen mir bekannten Stilen am ehesten an den Jahrgang 1996. Der Caroni ist nicht unbedingt der komplexeste den ich kenne, aber er ist bisher, in der Nase, einer der besten die ich bislang hatte. 

Gaumen: ein Monster! Am Gaumen brennt der Rum zunächst etwas auf der Zunge, wie ich finde. Ich finde ihn kaum weniger scharf als z.B. den 2000er Single Cask for The Nectar, trotz knapp 10% vol. weniger. Den Alkohol bemerkt man hier also deutlich. Aber schon jetzt laufen aber all die typischen Caroni-Aromen ein und fluten intensiv den Mundraum. Der Rum ist richtig mundfüllend und verdammt dreckig. Und, nachdem sich der Alkohol verzogen hat, auch cremig. Ich habe die üblichen Anteile an Teer, verbranntem Gummi und Phenolen, aber auch eine richtig tollen Fasseinfluss mit viel frisch geschnittenem Holz und schön eingebundenen Tanninen. Damit geht der Rum dann auch eher ins trockene über. Schönes Aromenspektrum! Blind hätte ich wohl auf einen älteren Rum als auf einen 18 jährigen getippt, aber daran sieht man eben einmal mehr sehr schön, was tropische Reife kann!

Abgang: trocken und dreckig. Es verbleibt sehr viel sehr dreckiger Caroni-Geschmack am Gaumen und der unterhält einen auch noch lange nach dem letzten Schluck. Ganz hinten heraus: Anis. Klasse, der bleibt wirklich für Stunden im Mund.

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Fazit: großer Rum! Erstaunlich ist bei diesen Qualitäten, die in diesem Fall ja z.B. schon 2010 abgefüllt wurden, vor allem, dass sie so lange in den Regalen stehen konnten, ohne, dass das Potenzial dieser Rums weitgehend erkannt wurde. Aus heutiger Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Ich für meinen Teil kann es auf meine damalige Fixierung auf Jamaica Rums schieben, aber was ging in den Menschen damals vor, die das alles schon probierten? Traf Caroni damals einfach noch nicht den Zeitgeist? Brauchte es, trotz aller Qualität, den Hype? Anscheinend.
Die heutige 1992er Abfüllung ist einer der besten Rums aus Caroni überhaupt für mich! Und er ist es deshalb, da hier für mich ganz, ganz viel von dem drin steckt, was Caroni für mich ausmacht und genau diese Komponenten hier in Verbindung mit einer exzellenten tropischen Reifung super aufgehen und eine kaum erreichte Gesamtstimmigkeit bei Caroni erreichen. Dreck, Power und edle Reife treffen in diesem Bottling einfach genial aufeinander und ergänzen sich gegenseitig. In meiner persönlichen Top 5 wird es langsam aber sicher eng, gleichwohl, Stand heute, würde er dort sicher auftauchen - zusammen mit dem Kirsch Single Cask aus 1996, dem 23 jährigen 1994er mit 59% vol., dem 2000er Nectar Single Cask und dem Cadenhead HTR aus 1998. Diese fünf Abfüllungen, stellvertretend für ihre jeweiligen Jahrgänge, stehen für mich derzeit für so ziemlich beste, was man aus Caroni probieren kann! Und trotz der enormen Qualität des heute verkosteten Rums steht sein Platz in den Top 5 auf der Kippe, denn ich werde in Kürze auch noch zwei 20 YO Vertreter aus 1992 verkosten! Unter Umständen, machen sie der 18 YO Abfüllungen ihren Platz ja noch streitig! ;-)

Und abschließend wünsche ich allen Fußballfans unter den Lesern, von wo auch immer ihr herkommt oder mit welchem Team ihr auch mitfiebert, noch eine schöne und hoffentlich erfolgreiche Weltmeisterschaft, die auch ich begeistert verfolge! Und falls ihr es mit der italienischen oder der niederländischen Mannschaft haltet: ich hoffe, wir sehen uns in 2 Jahren zur Euro wieder. Ohne euch fehlt etwas, ohne euch ist ein Turnier nur halb so schön!

Bis demnächst,
Flo

Montag, 11. Juni 2018

Velier < H > 7 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

heute widme ich mich, wenn man vom DOK im April einmal absieht, seit sehr langer Zeit einmal wieder meiner alten und langjährigen Liebe, der Hampden Distillery, und der Rum den ich mir einmal genauer ansehen werde ist der Velier <H> (sprich: Diamond H) 7 YO Hampden aus 2010 mit 62% vol.! 

Ich hatte diesen Rum hier auf BAT bereits schon einmal erwähnt und sogar ein kurzes Statement zu ihm da gelassen, nämlich als ich meinen Jahresrücklich 2017 vorgestellt hatte. Da er es in meine Top 10 2017 geschafft hat ist also klar, dass heute nicht unbedingt mit einem Verriss zu rechnen ist. Darüber hinaus hatte ich auch den Habitation Velier HLCF 6 YO Hampden 2010 hier schon im Glas. Dies war die meines Wissens nach erste Hampden Abfüllung von Velier überhaupt und mit nur einem Jahr Reife weniger (allerdings auch einem wesentlich geringeren Anteil Ester) drängt sich hier natürlich auch ein kleiner Vergleich auf. Nun ist bekannt, dass mir der HLCF noch deutlich zu unrund war, um in dieser Preisliga mitzuspielen und dementsprechend kritisch werde ich daher auch den <H> heute beäugen. 
Der heutige Rum entstammt einem riesigen Stock von 2700 Fässern aus Hampden, den Velier laut Luca Gargano dort gekauft hat. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass hier in den nächsten Jahren immer wieder auch nachgelegt werden und die <H>-Abfüllung nur der Auftakt zu einer großen Serie aus Hampden Bottlings gewesen sein wird. Überhaupt scheint Luca Gargano ein großer Fan der Destillerie zu sein, was wiederum zum einen dazu beitragen dürfte, dass die Zukunft und der Nachschub ein Stück weit gesichert ist, zum anderen aber auch dazu, dass abzuwarten bleibt, welche Auswirkungen das auf die Preise der Bottlings hat. Denn schon jetzt werden Hampden Abfüllungen immer teurer und das wird in einer schwarzen Flasche erfahrungsgemäß schon gar nicht weniger werden. Ich bin also zuversichtlich und skeptisch zugleich.
Was kann ich speziell über die heutige Abfüllung sagen? Der <H> ist der fünfte von sechs Rums der sogenannten Khong-Serie, einer Serie von Rums zum 70. Geburtstag von Velier in 2017, deren Label von Warren Khong maßgeblich mitgestaltet wurden. Auch Rums der St. Lucia Distillers, von Bielle, von Mount Gilboa, von Chamarel und ein Nine Leaves wurden abgefüllt. Der <H> lagerte 7 Jahre, von 2010 bis 2017, auf Jamaica in den Tropen und wurde mit 62% vol. unverdünnt abgefüllt. Über den Angels Share machen die Label keine Angabe, dafür erfahren wir mit <H> das Mark des Hampden. Dieses verwendet die Destillerie für seine Rums mit einem Estergehalt von 900-1000 Estern (gr/hlpa). Nach der allgemeinen Deklaration von Jamaica Rums handelt es sich dabei also um einen Continental Flavoured Rum, sprich um einen Rum, der eigentlich mal zur Herstellung von Verschnitt gedacht war. Dafür ist er aber natürlich viel zu schade und zahlreiche Rum Nerds rund um den Erdball haben längst das außergewöhnliche Potenzial erkannt, welches diese Rums pur bieten. Und inwieweit auch der heutige Rum dieses Potenzial im Stande ist abzurufen, das sehen wir jetzt!



Verkostung des Velier <H> 7 YO Hampden 2010:

Preis: der Ausgabepreis lag bei ca. 100 Euro. Die Regel waren in den Shops dann aber eher 130 bis 150 und zum Teil auch bis 180 Euro. Heute liegt er auf dem 2. Markt noch einmal höher. 

Alter: der Rum reifte sieben Jahre, von 2010 bis 2017, lang im Fass. 

Lagerung: die Reifung fand komplett in tropischem Klima statt. Verwendet wurden Ex-Bourbon Fässer. 

Fassnummern: unbekannt. Die Abfüllung setzt sich aber aus dem Inhalt von fünf Fässern zusammen. 

Angel's Share: unbekannt. Beim nur ein Jahr jüngeren HLCF betrug er aber 40%, so dass man in diesem Fall von vielleicht 45% ca. ausgehen kann. 

Alkoholstärke: 62% vol. - das entspricht, laut Label, Barrel Proof, was bedeutet, dass keine Verdünnung stattgefunden hat. 

Destillationsverfahren: Multicolumn. Keep cool, just a little joke! ;-) Natürlich kam eine Double Retort Pot Still zum Einsatz. 

Mark: <H>

Farbe: tief golden. 

Viskosität: der <H> setzt sich fett an der Glaswand fest und verhaftet dort, ehe er dann hinabfließt. Sehr ölig!

Nase: Hampden! Und nicht einfach nur Hampden, sondern es wird vom ersten Augenblick an klar, dass der Griff heute sehr weit nach oben ins Regal geht. Und das bezieht sich sowohl auf die Qualität des Rums als auch auf seinen Estergehalt, der, das merkt man sofort, sehr, sehr hoch ist! Ich erlebe die Nase als überaus voll, reichhaltig, komplex und intensiv! Die Ester sind sehr präsent, aber sie überrollen mich nicht. Der Rum präsentiert sich für Hampden, und noch dazu bei diesem Estergehalt, ungewöhnlich ausgeglichen. Der Säuregehalt ist geringer als bei einigen anderen Hampden. Das Potpourri hingegen ist so typisch Hampden wie man es sich nur vorstellen kann. Da sind natürlich vergorenes Obst, gegrillte Banane, ätzender Flüssigkleber, sehr süßes Marzipan und der mediterrane Pepperoni-Einschlag. Eingefasst wird das alles in eine schon sehr beachtliche Note vom Fass, bei denen hier nach sieben Jahren Reife schon wesentlich mehr rüberkommt, als man es von vergleichbar alten Hampden mit kontinentaler Reifung kennt und gewohnt ist. 

Gaumen: Puhh! Der ist zunächst schon erst einmal sehr scharf und brennt auch ordentlich auf der Zunge! Der kommt zunächst wirklich heftig! Ca. 10-20 Sekunden dauert es, bis der Hampden sich im Mund wohlfühlt und es schafft, sich bequem auf die Zunge zu legen. Der <H> ist unglaublich mundfüllend und heavy bodied und wartet mit der für Hampden so typischen Adstringens auf. Dann allerdings hält er, ähnlich wie in der Nase, ein ebenso stiltypisches Aroma-Spektrum bereit. Da sind Humus, etwas Limette, Chorizo, gegrillte Ananas und Banane. Aber auch wiederum mediterrane Anklänge von Pepperoni und Olive kommen durch. Zum Ende hin wird er dann immer trockener und erdiger. Was unerwartet fehlt, im Vergleich zu anderen Hampden, ist Anis. Habe ich bei Hampden eigentlich immer, suche ich hier aber vergebens. 

Abgang: Pepperoni, Olive, erdig, leichte Zitrone, frisch geschnittene Äste... ein etwas muffig-frischer-säuerlicher Abgang also. Sehr lang, natürlich. 

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Fazit: Chapeau! Mit nur einem Jahr Reife mehr als beim 6 YO HLCF hat Velier es geschafft, hier einen sehr viel runderen und insgesamt kompletteren Rum hinzulegen, dessen Verwendungszweck nicht einzig und allein in einem Einsatz im Mai Tai bestehen muss. Er kommt insgesamt schon deutlich smoother daher und macht mir auch pur im Glas Spaß. Das hatte ich so in dieser Form beim HLCF nicht! Ansonsten nähert sich mein Fazit doch sehr jenem an, welches ich schon Ende 2017 im oben erwähnten und verlinkten Jahresrückblick gezogen habe:

"[...]Es zeigt sich immer mehr, dass tropische Reifung Hampden in einigen Jahren in neue Sphären katapultieren könnte. Ich ziehe länger gelagerte Hampden mit deutlich stärkerem Fasseinfluss vor und noch werde ich da eher bei alten Stocks mit kontinentaler Reife fündig, aber die Zukunft ist eindeutig gesichert und in ca. 10 Jahren spätestens werden tropisch gereifte Hampden die alten Stocks in Sachen Fasseinfluss vermutlich abgelöst und überholt haben!"


Das kann man im Wesentlichen so stehen lassen. Ich sehe die kontinental gereiften Hampden nach wie vor noch ein Stück weit im Vorsprung. An ca. 20 Jahre oder noch länger gereifte Hampden kommen die Rums der neuen Stocks in meinen Augen noch nicht heran, auch der <H> nicht, aber das Potenzial ist auf längere Sicht eindeutig vorhanden und ich bin sicher, dass es auch genutzt werden wird. Was sich deutlich zeigt ist, dass die tropische Reifung zwar natürlich deutlich intensiver ist, im Vergleich zu kontinental gereiften Hampden, aber auch meines Erachtens Komponenten bei diesem beschleunigten Reifeprozess auf der Strecke bleiben. So werden in Europa gelagerte Hampden z.B. deutlich weicher und damit für mich grundsätzlich zugänglicher und leichter zu genießen. Das heißt, der sieben Jahre tropisch gereifte <H> hat zwar schon klare Charakteristika eines ca. 15 Jahre in Großbritannien gelagerten Hampden, aber man merkt ihm die erst sieben Jahre spätestens am Gaumen an, wo er wirklich noch sehr scharf ist und es ihm auch noch ordentlich an Tiefe fehlt. Daher kann ich mich Luca Gargano z.B. auch nicht anschließen wenn er sagt, dass ein sechs tropisch gereifte Jahre alter Rum quasi das Äquivalent zu einem 24 Jahre kontinental gelagerten Rums sei.
Tropical Aging besitzt meines Erachtens immer nur einen Vorsprung gegenüber vergleichbar lange erfolgter kontinentaler Reifung, nicht aber zu deutlich länger erfolgter kontinentaler Reifung, bzw. zu deutlich älteren Rums. So hat ein z.B. sieben Jahre tropisch gereifter Rum zwar einen Vorsprung gegenüber einem ebenfalls sieben Jahre kontinental gelagerten Rum, vielleicht auch noch gegenüber einem acht oder neun Jahre in Europa gereiften Rum, aber eben nicht mehr zu einem z.B. zwölf oder dreizehn Jahre kontinental gelagerten Rum oder gar noch länger gereiften Qualitäten, zumindest nicht in so jungen Jahren. Vielleicht relativiert sich das mit zunehmenden Jahren, aber das wäre an dieser Stelle noch pure Spekulation. Sicher ist heute nur, dass auch die Zukunft Hampden Rums bereit halten wird, sowohl tropisch als auch kontinental gelagert, und darum bin ich, als großer Fan der Destillerie, wirklich froh!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen entspannten Wochenstart und eine erfolgreiche Woche!

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 3. Juni 2018

Velier Caroni 2000 RUMble - 12 YO Extra Strong / 15 YO Millennium / 17 YO EU

Dear Rumlovers,

it's time to RUMble again! Und damit auch ein herzliches Willkommen an meine neu gewonnenen internationalen Leser, die meinen Blog nun auch noch verstärkt verfolgen, seit Barrel Aged Thoughts auf Facebook präsent ist. You are welcome! :-)






Was liegt heute an?

Erst kürzlich standen sich hier auf Barrel Aged Thoughts drei barbadische Leichtgewichte in einem RUMble gegenüber und heute soll es zu einem Fight zwischen drei Heavy Trinidad Rums aus Caroni kommen, die alle dem mutmaßlich letzten Jahrgang der Destillerie, dem Jahrgang 2000, entstammen.
Meine Wahl fiel dabei auf den 12 YO (50% vol.) der 100% Trinidad Rum Extra Strong Serie mit dem Vintage Motiv, den 15 YO (60% vol.) Millennium 2000 aus der Magnumflasche, der ebenfalls im weitesten Sinne noch zur Extra Strong Serie gezählt werden kann, da auch er das Vintage Motiv auf seinem Label hat, und den 17 YO (55% vol.) 110 Proof Bottled for the EU. Die drei weisen jeweils verschiedene Alkoholgehalte im Bereich von zwischen 50 bis 60% vol. ("High Proof") auf, die alle nicht der Fassstärke entsprechen. Diese lag bei den 2000ern bisher immer um 70% vol.. Und damit sind wir schon so ein wenig beim Thema, denn ich habe das Gefühl, dass der Jahrgang 2000 bei Caroni so ein bisschen der unbeachtete ist. Klar, es gibt die extrem gesuchten Single Cask Abfüllungen in Fassstärke, wie den letzte Woche vorgestellten Caroni for The Nectar, aber das ist eben auch eher ein Sammlerding. Unter Genießern, also Menschen, die die Flaschen am Ende auch aufmachen, läuft 2000 aber nach meiner Wahrnehmung oft etwas nebenher und steht ein wenig im Schatten der großen und (zurecht) viel gelobten Jahrgängen der 90er Jahre. Der 12er gilt als hervorragender Standard-Caroni und trotz der gestiegenen Preise noch immer als einer der Velier Caronis mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Millennium 2000 nimmt eine kleine Sonderrolle ein, da ich ihn, gerade hier in Deutschland, sehr unterrepräsentiert sehe. Ich glaube, es haben nicht viele der Magnumflaschen bis hier her geschafft. Und der EU-Caroni litt natürlich nicht zuletzt auch unter den stark gestiegenen Preisen für Caroni, so dass er für viele schon per se für einen Blindkauf ausschied. Zumindest heute aber werde ich den Schatten etwas lichten und wir werden sehen, ob tatsächlich eher ungünstige Umstände für die geringere Popularität der Rums in der Spitze von Caroni verantwortlich sind, oder ob sie sich tatsächlich hinter früheren Jahrgängen anstellen müssen, oder aber, ob der Jahrgang 2000 nicht eventuell sogar ein komplett unterschätzter ist. Wir werden sehen!













Doch jetzt möchte ich euch nicht länger hinhalten und leite direkt über zu den drei Rums!


"12 YO" 2000/2012 - 50% vol.: 

Der 12 YO aus der 100% Trinidad Rum Extra Strong Serie reifte zwölf Jahre von 2000 bis 2012 in Ex-Bourbon Fässern auf Trinidad, zumindest ist das die offizielle Angabe. Meines Wissens nach siedelte aber im Jahr 2008 der gesamte Caroni-Bestand Veliers nach Guyana zu DDL über, weshalb der Rum vier von zwölf Jahren wohl auch in Guyana lagerte. Der Rum verlor stolze >60% an die Engel. Sein Alkoholgehalt beträgt 50% vol., was bedeutet, dass man die Abfüllung um ca. 30% seines ursprünglichen Alkoholgehalts verdünnt hat. Der ursprüngliche Ausgabepreis des Rums betrug 35 bis 45 Euro. Heute ist der Rum auf dem sog. 1. Markt ausverkauft und man muss auf dem 2. Markt ca. 120 Euro und aufwärts bezahlen. Die Abfüllung ergab ca. 30.000 Flaschen. Das Sample stammt von einem Mitglieds des "Rum Clubs", bei welchem ich es käuflich erworben habe. Vielen Dank!

Im Glas erscheint der 12er dann zunächst einmal etwas heller, als man es von Caroni gewohnt ist, was sicher auch der nicht unwesentlichen Verdünnung geschuldet ist, aber man sieht ihm die tropische Reifung dennoch an. Ein schönes, kräftiges Gold!
In der Nase meint es der Rum dann zunächst einmal dreckig. Kräftige Note nach Teer und verbranntem Fahrradschlauch! Und seine Meinung ist der Rum auch im Verlauf des Tastings kaum bereit zu ändern. Das ist einfach ein Dreckstück, ganz im positiven Sinne natürlich! Ein sehr, sehr trockener Rum, dem jede Fruchtigkeit abgeht, die einige Caronis so sehr auszeichnet. Im Vergleich zu all jenen ist das hier Brennereicharakter pur! Wirklich schön!
Im Mund spielt dem Rum dann zunächst die Verdünnung einen Streich. Die merkt man hier natürlich. Aber sie ist noch gerade gering genug ausgefallen, um dass es mich nicht übermäßig stört. Der Alkohol ist dementsprechend wenig präsent, der Rum spielt sofort auf. Das tut er zunächst  mit Teer und Petroleum, aber auch mit einer kräftigen Anisnote. Der Rum ist sehr trocken und jede Fruchtigkeit sucht man vergebens.
Im Abgang setzt sich dieser Eindruck unvermindert fort. Eine trockene Note vom Holz rundet den Caroni ab. Das ist schon sehr lecker, aber verglichen mit vielen anderen Caroni früherer Jahrgänge keinesfalls überragend. Was bleibt ist die Sonderstellung ob des extrem ausgeprägten und unverfälschten Brennereicharakters. 

"Millennium 2000" 2000/2015 - 60% vol.:

Auch der Millennium 2000 Caroni reifte insgesamt zu 100% in den Tropen, nämlich, wie schon der 12 YO, von 2000 bis 2008 in Trinidad und danach bis zur Abfüllung noch sieben Jahre bei DDL. Auch wenn er meist nicht zur Serie dazugezählt wird, aber auch das Label des Millennium 2000 ziert das historische Vintage-Label der Fischer am Hafen der Extra Strong Reihe Der genaue Angels Share ist für diesen Rum leider nicht bekannt, dürfte aber um 70% liegen. Sein Alkoholgehalt beträgt 60% vol., das heißt, die Verdünnung beträgt hier nur ca. 15%, statt wie beim 12 YO, wo es heftige 30% des ursprünglichen Alkoholgehalts waren. Was der Rum ursprünglich gekostet hat kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich tippe auf ca. 150 Euro. Heute ist der Rum natürlich längst ausverkauft und er wird für ca. 400 Euro gehandelt. Die Abfüllung ergab 1420 Flaschen, allerdings handelte es sich dabei um Magnumflaschen, was das Release von allen anderen bis dahin abhob. Mein Sample stammt aus einem Tauschgeschäft zwischen einem sehr netten Mitglieds des "Rum Clubs" und mir. Vielen herzlichen Dank dafür!

Farblich im Glas kommt der 15 Jahre alte Caroni schon dunkler daher als sein drei Jahre jüngerer Bruder. Hier haben wir schon einen deutlichen Bernstein-Einschlag.
Beim Nosing fällt dann beim Millennium vor allem die sehr intensive frisch-herbe Mentholnote auf, die ich hier so deutlich vorfinde, wie bisher bei noch keinem anderen 2000er. Zwar hatte ich die Note bisher bei fast jedem Caroni aus 2000 klar drin, aber nirgends passiert das so deutlich wie bei diesem. Er besitzt in der Nase auch eine deutliche Schärfe zu Beginn, die er leider auch während der gesamten Verkostung nie ganz ablegt. Das empfinde ich doch als auffällig unballanciert, was ich nicht oft habe bei Caroni. Ganz viel läuft über peripheres Riechen. Aber selbst dann wird es schwierig, die dreckigen, Caroni-typischen Elemente aus ihm herauszuziehen. Definitiv besonders!
Der scharfe Eindruck in der Nase setzt sich am Gaumen durchaus fort. Da muss man erstmal durch einen dicken Vorhang aus Alkohol, bis man den Rum dann samtig und weich auf der Zunge liegen hat und sich seinen Annehmlichkeiten widmen kann. Menthol und Anis bestimmen das Geschmacksbild dieses Rums. Klare Unterschiede zum 12 jährigen! Insgesamt kommt aber auch er eher trocken daher, bis sich zum Schluss doch noch eine Art karamellisierende Süße andeutet.
Im Abgang dann wieder die dominanten Anis und Menthol. Ein ganz und gar untypischer Caroni! Das muss man schon mögen.



"EU 110 Proof" 2000/2017 - 55% vol.: 

Und der letzte im Bunde ist schließlich mit 17 Jahren auch der älteste der heute verkosteten Rums. Er reifte genau wie seine beiden Vorgänger von 2000 bis 2008 auf Trinidad und von 2008 bis zur Abfüllung, in diesem Fall im Jahr 2017, in Guyana und somit zu 100% in tropischem Klima. Der EU-Caroni nimmt eine kleine Sonderstellung im Caroni-Portfolio von Velier ein. Bisher gab es mit der offiziellen Release Serie, der 100% Extra Strong Serie und den Single Casks für diverse Händler und Shops drei verschiedene Arten der Releases. Der EU-Caroni gehört aber in keine dieser Serien und fällt damit so ein bisschen raus. Es gab analog dazu auch eine US-Abfüllung, die in exakt gleicher Aufmachung (aber in größerer Auflage) daher kommt und folgerichtig ausschließlich für den US-Markt gedacht war. Die EU-Version besteht aus dem Inhalt zweier Fässer, die zusammen 582 Flaschen ergeben haben. Der Alkoholgehalt beträgt, wie bei den meisten Velier High Proof Caronis, 55% vol und der Angels Share 80%. Der ursprüngliche Ausgabepreis des Rums lag bei ca. 200 Euro. Dafür hatte man allerdings kaum eine Chance ihn zu kaufen, so dass es eher 300-350 Euro wurden. Mein Sample stammt vom Kirsch Stand der Cologne Spirits. Vielen lieben Dank! 

Der 17 YO EU 2000 schließlich bietet im Glas dann das vertraute Bild eines viele Jahre tropisch gereiften Velier Caronis. Ein tiefes, dunkles Berstein! Herrlich!
Und auch in der Nase wird es wieder sehr viel vertrauter als noch beim 15er. Da sind sowohl die Caroni-Noten, als auch eine richtig schöne Note vom Holz und der Fassreifung, als auch Menthol und zum Glück auch wieder deutlich weniger präsenter Alkohol. Klasse! Bis hierhin klar und mit weitem Abstand der beste der drei!
Am Gaumen habe ich dann eine Wiederholung der Nase. Ich finde eine Mischung der beiden anderen plus schöner Note vom Fass vor! Ich habe natürlich die trockenen Brennerei-Elemente Caronis, den Teer und auch Fahrradschlauch, aber auch die Menthol-Anis-Kombination (deutlich präsenter als in der Nase). Die Holznote steht dem ganzen richtig gut und macht den Rum letztlich auch zu einem, den ich zu jenen zählen würde, für die es sich auch lohnt etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Das ist das, was den beiden anderen fehlt.
Im Abgang dann ist schön lang und lässt einen mit den Erinnerungen an diesen wirklich gelungenen Caroni zurück. Für mich der klare Sieger!



Fazit: 

Gewohnt hohes Niveau von Caroni und Velier heute, wenn auch mit kleinen bis zum Teil auch deutlichen Einschränkungen. So war zwar keiner der Rums wirklich schlecht, aber tatsächlich überzeugt im Bereich High End hat mich letzten Endes nur der 17 YO EU Caroni!

Der 12 YO, das kann man nicht oft genug betonen, war für seinen ursprünglichen Ausgabepreis von 35 bis 45 Euro einfach nur ein totaler Hammer! Für das Geld hätte man gar nicht genug Flaschen davon kaufen können, das mutet in Zeiten wie diesen vollkommen surreal an. Ein Caroni mit, im wahrsten Sinne des Wortes, Lehrbuch-Charakter, der alles mitbringt, was ein Caroni grundsätzlich braucht und einen Caroni zum Caroni macht. Ein Rum, den man als Liebhaber der Destillerie in meinen Augen zwingend kennen muss! Leider, war hier die Verdünnung ziemlich heftig, besteht er doch zu rund einem Drittel aus Wasser. Heute kostet eine Flasche auch schon mal 120 Euro auf ebay. Das ist viel Geld, aber bis vor wenigen Monaten habe ich noch die Ansicht vertreten, dass der Rum diesen Preis immer noch locker wert sei und ich mir gut vorstellen könnte, dass er auch noch höher klettert. Allerdings hatte ich den 12er auch fast immer nur solo im Glas. Während einiger 2000er Parallelverkostungen, erstmals stellte ich das im März bei Marius so deutlich fest, fiel dann aber immer deutlicher auf, dass er gegen die älteren 2000er und hier vor allem die Single Casks, nicht mithalten kann und das auch deutlich weniger schafft, als ich es ihm zugetraut hätte. Versteht mich nicht falsch, das ist ein toller Rum und ich bereue es auch nicht für zwei Flaschen davon viel Geld bezahlt zu haben, aber er ist kein High End Caroni, weshalb ich hier also auch auf keinen Fall noch mehr als den derzeitigen Marktwert bezahlen würde. Ob er die 120 Euro wert ist? Das hängt ganz sicher vom individuellen Standpunkt ab, aber auf Grund der allgemeinen Preisentwicklung bei Caroni tendiere ich hier zu "ja". Denn verglichen mit deutlich besseren Caroni ist er ja schon auch noch immer deutlich günstiger. Caroni ist allgemein sehr teuer geworden und im Verhältnis passt es dann wieder.
Dann war da auch noch der Millennium Caroni 2000 aus der Magnumflasche. Umgerechnet auf 0,7 Liter kostet der Rum noch ca. 185 Euro im Moment. Und da muss ich ganz deutlich sagen: Nein! Das ist dieser Rum nicht einmal im Ansatz wert! Sicher, es gibt bestimmt Connaisseure, die diese ganz spezielle Note schätzen und lieben, aber selbst dann bleibt die fehlende Ballance und ein meines Erachtens schlecht eingebundener Alkohol. Diese Abfüllung wäre für mich daher ausschließlich etwas zum Hinstellen. Da ich einzig zu diesem Zweck aber keinen Rum kaufe, wird er es nicht auf meine Einkaufsliste schaffen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass mir bisher keiner der Velier Caroni, die ich bisher im Glas hatte, weniger gefiel!
Aber wo Schatten fallen, da muss auch irgendwo ein Licht scheinen und das ist in dieser Verkostungs-Session ganz klar der EU-Caroni! Gleich eingangs in dieses Fazit hatte ich das so schon vorweggenommen und ich kann das an dieser Stelle letztlich nur noch einmal unterstreichen. Der 17 YO kann meines Erachtens auch ganz klar mit Rums früherer Jahrgänge mithalten und ist auch unter den 2000er Caronis insgesamt bisher für mich einer der besseren. 

Letzten Endes konnte das heutige RUMble für den Jahrgang 2000 daher zwar keine wirklich neuen Erkenntnisse im Allgemeinen liefern, jedoch konnte es bereits bestehende und sich verfestigende Erkenntnisse klar bestätigen und deren Eindrücke manifestieren. Das heißt in diesem Falle ganz konkret: Caroni 2000 ist und bleibt eine Wundertüte! Echte Legenden, und hier seien auch die Single Casks einmal mit einbezogen, wechseln sich ab mit durchschnittlichen Abfüllungen. Diese enorme Schwankung zwischen unglaublicher Qualität in der Spitze und oft durchschnittlichen Abfüllungen in der Breite habe ich bisher in dieser Form bei keinem anderen Caroni Jahrgang erlebt, was sicher auch mit dazu beiträgt, dass Caroni 2000 selten genannt wird, wenn man Connaisseure nach den ganz großen Caroni Jahrgängen fragt. Und ziemlich sicher trägt auch das dazu bei, dass man den wirklich hervorragenden EU-Caroni 2000, trotz seiner geringen Stückzahl von unter 600 Flaschen, noch immer bekommen kann, wenn man bereit ist um die 300 Euro dafür auszugeben. Da gingen die Preise anderer Caroni bei vergleichbarer Auflage doch um einiges steiler. Als Genießer heißt es am Ende also, dass jeder Rum vorher probiert werden will und das hat ja schließlich auch etwas für sich. Inwieweit das dann bei Velier Caronis dann immer auch möglich ist, das ist dann wieder ein anderes Thema. ;-)

Bis demnächst, genießt die Sonne,
Flo

Sonntag, 27. Mai 2018

Velier 2000 Single Cask Caroni 15 YO for The Nectar

Liebe Rum Gemeinde,

für den heutigen Rum werde ich mir etwas mehr Zeit nehmen, denn die benötigt der Rum der sich heute bei mir im Glas befindet, auf Grund seines Alkoholgehalts, ganz eindeutig zum atmen. Die Rede ist vom Velier Heavy Trinidad Rum 15 YO Single Cask Caroni 2000 for The Nectar mit wuchtigen 70,4% vol.!

The Nectar? Da war doch schon mal was! Richtig! Vor fünf Jahren habe ich hier auf Barrel Aged Thoughts den 28 jährigen Plantation Jamaica Long Pond Single Cask 1983 vorgestellt, der ebenfalls exklusiv für The Nectar, einen Spirituosenhändler in Belgien, abgefüllt wurde. The Nectar wurde im Jahr 2006 gegründet und sah seinen Schwerpunkt zunächst vor allem im Whiskybereich. Allerdings gesellten sich mit der Zeit auch Armagnac, Calvados, Branntwein, Grappa und eben Rum dazu. Neben der Plantation Abfüllung fiel The Nectar unter anderem auch durch eine Kooperation mit dem deutschen unabhängigen Abfüller The Whisky Agency auf. Im Jahr 2015 schließlich war es ihnen möglich, ein Single Cask Caroni 2000 für Velier auszuwählen. Um diese Abfüllung wird es hier heute gehen.

Der The Nectar Caroni 2000 ist Teil einer ganzen 2000er Single Cask Serie von Velier. Denn nicht nur das Unternehmen aus Belgien durfte ein Fass auswählen, sondern auch Juul's Vin & Spiritus in Dänemark, die Paul Ullrich AG in der Schweiz und natürich LMDW in Frankreich wurde diese Ehre zu Teil. Die beiden anderen Abfüllungen waren ein Joint Bottling zwischen LMDW und Velier, sowie eine Abfüllungen von Velier selbst. Durch eine Abfüllung für EATALY wurde diese Serie im Jahr 2017 sogar noch erweitert. Allen Abfüllungen gemein ist ein extrem hoher Alkoholgehalt von ca. 70% vol., sowie eine extrem kleine Auflage. Mehr als 250 Flaschen gibt es von keinem der sechs Rums aus 2015. Das macht sie aber natürlich auch für Sammler äußerst attraktiv.
Im Jahr 2016 kam dann eine zweite solche Serie auf den Markt, dann jedoch mit Caronis aus 1996. Hier gab es allerdings nur vier verschiedene Fässer, die abgefüllt wurden: für Kirsch Whisky in Deutschland (hier mein Review zum Kirsch Caroni Single Cask), für Stefano Cremaschi, für Guiseppe Begnoni und für Old Whisky in Italien.





Verkostung des Velier 15 YO Caroni 2000 for The Nectar:

Preis: der ursprüngliche Ausgabepreis lag bei +/- 100 Euro. Inzwischen läuft die Abfüllung auf ein vielfaches zu. Irre!

Alter: von 2000 bis 2015 reifte der Rum im Fass, ist volle 15 Jahre alt.

Lagerung: der Rum reifte während der gesamten Lagerzeit im tropischen Klima Trinidads.

Fassnummer: #4655 ➜ 180 Flaschen.

Angel's Share: >71% gingen an die Engel.

Alkoholstärke: unfassbare 70,4% vol. misst der Rum nach 15 Jahren tropischer Reifung noch an Fassstärke. 

Destillationsverfahren: unklar. Siehe frühere Reviews.

Mark: HTR

Farbe: Bernstein.

Viskosität: der Rum fließt schnell, weit und unregelmäßig zurück an der Glaswand herunter.


Nase: Boah, wahnsinnig konzentrierte Nase zu Beginn! Immer wieder muss ich zurückweichen, wenn ich mit meiner Nase dem Glas zu nahe komme, auch nach einer halben Stunde noch. Danach allerdings wird der Rum langsam aber sicher zugänglich. Zunächst mal ist festzuhalten, dass wir es klar mit einem stiltypischen Heavy Type Rum zu tun haben. Der Kandidat braucht aber, ja, ich muss das nochmal erwähnen, ganz, ganz viel Zeit... und erstmals seit vielen, vielen Jahren kommt mir gar der Gedanke, ob der Rum vor mir nicht auch ein wenig Wasser benötigen könnte. Ganz lange ist hier erstmal peripheres Nosing angesagt! Es kommt dann aber der Moment, da kommt die Nase erstmals durch diese alkoholische Wucht und endlich kann man den Rum vollkommen wahrnehmen. Nun finden sich mehr und mehr der typischen Caroni-Attribute wieder, wobei ich Leder am dominantesten habe. Dahinter, daneben, darum herum allerdings finde ich die mannigfaltigsten Eindrücke wieder, die von weihnachtlicher Gewürzmischung, über Karamell und Trockenfrüchte bis hin zu natürlich auch Teer und verbranntem Gummi reichen. Geduld ist gefragt bei diesem Rum, denn wenn man diese mitbringt, dann belohnt der Rum einen mit einer unglaublich vielschichtigen und komplexen Nase. Nach ca. 1,5 Stunden wird der Rum dann zunehmend typischer und dreckiger und schließt an das an, was man sich im Allgemeinen unter einem Caroni vorstellt. 

Gaumen: der erste Schluck überrascht. Der Rum schlägt nicht so brachial am Gaumen ein wie ich es bei über 70% vol. irgendwo erwartet hatte, allerdings gehe ich einen solchen Rum auch eher in kleinen Schlücken an. Ganz zu Beginn ist da ein kurzer alkoholischer Stich, gefolgt von einem Bitterton der mich verwirrt, dann allerdings habe ich einen überaus ausdrucksstarken und spannenden Caroni am Gaumen. Unverwechselbar! Ohne Umwege wird es dann auch sehr schnell sehr dreckig, allerdings ohne diese schon recht fortgeschrittene Reife, die die meisten anderen Caronis von Velier aufweisen, da der Rum mit 15 Jahren vergleichbar kurz gelagert wurde. Nur der 12 jährige 2000er Velier Caroni ist jünger. Und ich muss sagen: das steht diesem Tropfen ausgesprochen gut! So sehr Caroni ganz grundsätzlich und vollkommen unstrittig von einer ca. 20 jährigen Reifung profitiert, so sehr fasziniert mich hier aber auch das noch etwas ungehobeltere, puristische und dreckigere Profil dieser Destillerie, deren Charakter hier schon deutlich mehr herauskommt als bei den länger gereiften Abfüllungen. Ganz hinten und zum Schluss hin, habe ich dann auch noch die für 2000er Caronis so typische Menthol-Note, von der vor allem der 2000 Millennium Unmengen hat. Insgesamt ist der Rum am Gaumen nicht ganz so vielschichtig wie in der Nase, aber die unglaubliche Intensität an dieser Stelle macht das ganz locker wett!

Abgang: Teer! Ganz viel Teer... langanhaltender Teer. Und Teer. Hab ich Teer vergessen?

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Fazit: Schade, von diesem Rum hätte ich wirklich sehr gerne eine ganze Flasche! Fantastischer Rum, ganz, ganz groß! Ich liebe ihn! Ich glaube, von allen bisher probierten Caroni schafft es dieser hier sicher in meine aktuelle Top 5. Sicherlich, solche Top-Listen sind immer eine Momentaufnahme, aber nach inzwischen doch ca. 40 Caronis ist das ja zumindest mal ein Ausrufezeichen! Aber na klar möchte ich meinen Horizont auch weiterhin noch ausdehnen und noch mehr Caronis probieren. Und wer weiß, wo der Nectar dann am Ende tatsächlich landet. Aber egal wo das sein wird, er wird einer meiner Favoriten bleiben. Und ja, das liegt ganz klar auch an seiner Ursprünglichkeit und daran, dass er viel vom Brennereicharakter mitbringt. Beim oben schon erwähnten 12er Caroni ist das ebenfalls zu beobachten, allerdings bringt dieser als ganzes natürlich nicht die gleiche Qualität mit, die ich bei der heutigen Abfüllung vorfinde, nicht einmal annähernd. Man muss dabei aber selbstverständlich berücksichtigen, dass das eine, der 12er, eine ca. 30.000 Flaschen starke Auflage mit 50% vol. war, während der heute probierte Rum eine Single Cask Abfüllung mit 70,4% vol. ist. Ich denke, das sagt alles. Mir fehlen aus der 2000er Range noch einige Rums, die ich noch nicht probiert habe, aber von allen sechs Velier Caroni aus 2000 die ich bisher hatte, war dies der beste!

Und damit wünsche ich euch allen einen schönen Sonntag und eine erfolgreiche nächste Woche!

Bis dahin,
Flo

Donnerstag, 24. Mai 2018

Daiquiri mit Habitation Velier Foursquare White

Liebe Rum Gemeinde,

am letzten Montag hatte ich drei Foursquare von Velier in der Parallelverkostung. Dabei stach einer der drei, der Habitation Velier Foursquare White, unter den beiden anderen gelagerten, sowie dem Triptych als Referenz, deutlich heraus und firmierte dahingehend also auch nicht als Konkurrenz dieser anderen gereiften Rums. Letztere empfand ich pur zwar lecker und grundsätzlich ansprechender als den White, da ich ein Freund gelagerter Spirituosen bin, allerdings sind sie mir für das Geld was sie kosten letztlich doch zu gewöhnlich, zu unspannend, zu durchschnittlich. Für 100 Euro und mehr brauche ich einen Rum, an dem ich mich auch reiben kann, und da bieten Foursquare Rums in der Regel leider wenig Zielfläche. Der White als fast ungelagerter und reiner Pot Still Rum ließ hingegen deutlich anklingen, dass, bei aller Schwächen in der Purverkostung, er aber eine sehr ausgeprägte Mixability aufzuweisen scheint. Diesem Verdacht werde ich heute nachgehen und den Foursquare White einem Praxistest unterziehen. Das wiederum werde ich nicht in irgendeinem Drink machen, sondern ich werde ihn mir in DEM klassischen Drink für einen ungelagerten Rum zubereiten: im Daiquiri! 



Das Rezept:

- 5,0 cl HV Foursquare White 2015
- 2,5 cl Limettensaft
- 1,0 cl Zuckersirup

Limettenzeste als Garnitur

Geschüttelt, nicht gerührt ;-) und durch Strainer und Teesieb in eine vorgefrostete Coupette abgeseiht. 


Optisch, im Glas, ist das schon einmal der Traum von einem Daiquiri! Die Farbe, nicht ganz farblos, leicht blass strohig und etwas milchig, passt perfekt zu diesem Drink.

Und geschmacklich? Da, liebe Rum Gemeinde, mag ich heute nicht drum herum reden und lasse es deshalb auch sein: vor mir steht tatsächlich der Archetyp eines Daiquiri mit einem ungelagerten bzw. kaum gelagerten Rum! Genau so muss das sein! Der Rum, der mir pur etwas zu rau ist, um ihn wirklich in einem Nosing Glas genießen zu können, bringt hier alles mit rein was er hat und lässt sich angenehm von Sweet & Sour etwas einfangen. Die leichten Ester, sowie Banane und Vanille des Rums bestimmen den Charakter des Drinks und zwischendurch kommen immer wieder Zucker und Limettensaft durch. Diese verwaschen aber weder den Rum und nehmen ihm seine Ecken und Kanten, noch rauben sie der Kombination ihre Kraft. Gleichzeitig strengt der Drink aber auch kein bisschen an, das ist wirklich smooth und unkompliziert, ohne langweilig zu sein. Geil! Hier wird eine tolle Spirituose wirklich veredelt!

Fazit: so brauche ich den Daiquiri im Sommer! Herrlich frisch, knackig, rummig und damit lecker. Und natürlich reiht sich der Daiquiri damit auch in den historischen Kontext des Drinks ein (dazu mehr hier), wenn auch auf ganz anderem, ungleich höherem Niveau. Die ersten Daiquiris wurden vor über 100 Jahren gemixt, um ungenießbaren Rum durch Zucker und Limettensaft gefügiger zu machen. Ungenießbar ist der Foursquare White natürlich nicht, auch pur nicht, da ist er mir einfach nur etwas zu unrund, aber das Prinzip bleibt bestehen. Diese von mir empfundene Schwäche behebt der Drink meisterhaft und während ich normalerweise die Ansicht vertrete, dass ein Rum, den ich ausschließlich zum Mixen kaufen würde, höchstens 30-40 Euro kosten darf, so würde ich bei diesem auch 50-60 Euro zahlen! Da dürfte man bei Foursquare aus meiner Sicht also auf jeden Fall einmal darüber nachdenken, ob man einen Rum diesen Stils nicht in Serie bringen möchte und letztlich ebenso darüber, auch reine Pot Still Rums mal länger reifen zu lassen und abzufüllen. Jedenfalls ist dieser Rum spannender, als alles andere, was ich bisher aus Foursquare im Glas hatte! In die Richtung darf es gerne weitergehen...

Cheers! 


Montag, 21. Mai 2018

Foursquare RUMble II - Principia / Destino / White

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch dazu einladen, nach doch recht langer Zeit einmal wieder einem meiner RUMbles hier auf Barrel Aged Thoughts beizuwohnen! Das heißt, ich werde mich zu den heute vorgestellten Rums wieder eher etwas kürzer fassen als gewohnt, im Gegenzug werdet ihr dafür aber auch meine Einschätzung zu gleich drei Rums erhalten, statt wie gewohnt nur zu einem.





Was liegt heute an? 

Ich habe mich dazu entschlossen, mich zum zweiten Mal zur barbadischen Destillerie Foursquare zu begeben (alles zur ersten Reise könnt ihr hier noch einmal nachlesen). Die Destillerie Foursquare und ihre Galionsfigur, Richard Seale, der gerade auch in den sog. sozialen Netzwerken in der Vergangenheit immer wieder stark polarisierte, haben in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hinter sich. Während die Insel Barbados unter Nerds vor einigen Jahren noch ausschließlich durch Rockley/ WIRD besetzt war und Foursquare durch Rums wie den Doorly's XO eher ein unbeachtetes Phänomen des Massenmarktes war, so hat sich das spätestens seit Veliers 2006er Abfüllung grundlegend geändert. Welche Gründe ich dafür in der Hauptsache sehe, habe ich im oben verlinkten ersten Ausflug ausführlicher dargelegt. Innerhalb des letzten Jahres zogen dann auch der Nachfolger, der Triptych, sowie die Originalabfüllung Criterion (s. ebenfalls erstes FS-RUMble) große Aufmerksamkeit auf sich. Der Triptych hat mir dabei gut gefallen, wenngleich er mir etwas zu teuer erschien, der Criterion war preislich attraktiver, leider hingegen geschmacklich gar nicht meins. Heute kommen dann der Velier Principia, der Velier Destino und der Foursquare White aus der Habitation Velier Serie zur Verkostung. Und da mir der Triptych, wie eben gesagt, durchaus gut geschmeckt hat, wird er heute für den Principia und den Destino als Referenz herhalten. Heute also Velier-Foursquare only! Und wer nun stutzig geschaut hat: der White läuft selbstverständlich außerhalb der Konkurrenz der beiden lange gelagerten Rums. Ein direkter Vergleich ergäbe keinen Sinn und das wäre auch nicht fair. Dennoch empfinde ich ihn als spannend genug, ihn hier einmal zu betrachten und werde daher auch meine Eindrücke schildern. 

Nun aber möchte ich auch gar keine Zeit mehr verlieren und direkt zu den Rums kommen...



Velier "Principia" 2008/2017 - 62% vol.:

Der Principia wurde im Jahr 2008 bei Foursquare destilliert, dann drei Jahre lang in Ex-Bourbon Fässern und noch einmal sechs Jahre lang in Ex-Sherry Fässern gelagert. Somit reifte der Rum insgesamt neun volle Jahre und er tat dies auf Barbados, ist also tropisch gereift. Es ergab sich ein Angels Share von >43%. Der Alkoholgehalt beträgt 62% vol. Er ist in Europa derzeit noch auf dem sog. 1. Markt erhältlich, also direkt in diversen Shops. Hier werden zwischen 140 und 160 Euro aufgerufen, was nochmal ein deutlicher Anstieg zum Triptych von vor einem Jahr ist, der ca. 130 Euro gekostet hat. Ihr wisst, ich habe schon beim Preis des Triptych skeptisch geschaut und dementsprechend darf man auch die Preisvorstellung beim Principia, meines Erachtens, durchaus als ambitioniert bezeichnen. Immerhin 5400 Flaschen wurden abgefüllt. Das Sample stammt aus einer Flaschenteilung eines netten Mitglieds des "Rum Clubs". Vielen Dank für's Teilen!

Im Glas kommt der Rum in einem schönen, der tropischen Lagerung entsprechenden Bernstein daher. In der Nase kann mich der Principia zunächst dann sogar noch etwas mehr überzeugen als der Triptych. Letzterer braucht im Glas deutlich länger, während der Principia sehr schnell präsent ist. Das ungewöhnlich lange Finish macht sich beim Principia natürlich deutlich bemerkbar, unterstützt den Rum aber augenscheinlich, denn das gefällt mir hier schon wirklich gut. 
Am Gaumen ist der Rum dann trockener als ich ihn angesichts des Sherry-Finish erwartet hatte (und wie süß Sherry tatsächlich sein kann, stellte ich ja anfangs des Monats erst bei einem Tasting dreier sehr alter Sherrys fest) und er zeigt sich auch durchaus reifer, als ich das bei einem 9 YO vermutet hätte, denn es kommt sehr viel trockenes Holz durch. Gar nicht negativ, allerdings für meinen Geschmack sehr eindimensional. Irgendwie fehlt mir da einfach was. Komplexität und Vielschichtigkeit gehen ihm leider ab. Schade. Nach der Nase hatte ich da mehr erwartet. Der Alkohol, das möchte ich positiv festhalten, ist sehr gut eingebunden.
Im Finish kommt dann eben jenes vom Sherry wieder durch, denn ich habe die Nussmischung vom Studentenfutter sehr präsent. Dahinter dann eine deutliche Bitterkeit. 


Velier "Destino" 2003/2017 - 61% vol.: 

Der Destino ist der älteste Rum des heutigen RUMbles. Er reifte von 2003 bis 2015 in Ex-Madeira Fässern und anschließend noch zwei Jahre bis 2017 in sehr alten Ex-Rum Fässern. Auch der Destino reifte zu 100% auf Barbados in den Tropen. Er kommt mit 61% vol. daher. Leider ist nicht bekannt, wie hoch der Anteil der Engel gewesen ist. Der Destino wurde von Richard Seale zum 70th Anniversary Veliers abgefüllt und das Logo zieren daher auch genau 70 kleine bunte Tropfen. Es gibt ihn inzwischen leider nur noch auf dem sog. 2. Markt, d.h. über private Anbieter oder Shops, die sich auf Raritäten spezialisiert haben, da er im regulären Handel sehr schnell vergriffen war. Für ihn muss man mit mindestens 300 Euro rechnen, eher mehr. Hier wurden auch nur insgesamt 500 Flaschen abgefüllt, das heißt potente Sammler sind hier die primäre Zielgruppe. Mein Sample bekam ich von einem sehr netten Rum-Buddy aus Berlin. Auch dir einen herzlichen Dank dafür! 

Wie schon der Principia, überzeugt auch der Destino optisch durch einen klasse Bernsteinton! Er ist noch etwas dunkler als der Principia, allerdings reifte er ja auch fünf Jahre länger. 
In der Nase gefällt er mir sofort nochmal klar besser als der Principia! Er ist voller, reifer, komplexer und er wirkt im Vergleich nochmal deutlich hochwertiger. Das gilt auch für den Vergleich mit dem Triptych, den ich hier im direkten Vergleich am schwächsten sehe. Das Madeira Cask Aging prägt natürlich auch hier im Vergleich zu gewöhnlicher Ex-Bourbon Reifung den Rum und passt gut. 
Am Gaumen erlebe ich den Destino dann vollmundig, allerdings so ganz anders als z.B. den Principia. Das Profil ist hier ein ganz anderes als das aus 2008. Der Rum hat Klasse! Ich erkenne hier durchaus frühere 2003er Foursquare wieder, allerdings erlebe ich diesen hier wesentlich besser als andere vorherige. Da steckt wesentlich mehr Komplexität drin und auch Fruchtigkeit, die dem Principia z.B. leider auch fehlt. Der Alkohol ist beim Destino ebenso gut eingebunden wie beim Principia, er macht sich nicht negativ brennend bemerkbar.
Im Finish dann eine erstaunliche Parallele zum Principia, hier bleibt nämlich wieder vor allem Holz. Aber eben auch hier nicht im Sinne eines Tannine-Einschlags, sondern trockenes, gut gelagertes Holz. Sehr leckerer Rum!



Habitation Velier "White" 2015 - 59% vol.: 

Der White Rum ist streng genommen gar keiner, denn er hat sowohl ein Fass von innen gesehen, als auch darin schon etwas Farbe bekommen. Aber die Lagerzeit betrug hier nur wenige Monate im Jahr 2015, so dass die Charakteristik klar die eines rauen Ur-Produkts mit 100% Brennereicharakter ist! Die geringe Lagerzeit kam zustande, da Richard Seale Luca Gargano den Wunsch abgeschlagen haben soll, einen vollkommen ungelagerten Rum auf die Flasche zu bringen. Die wenigen Monate wären somit ein Kompromiss. Abgefüllt wurde der Rum mit 59% vol. Vom White existieren meines Wissens nach nur 400 Flaschen, was für die Habitation Velier Reihe schon sehr wenig ist und weswegen es auch ihn  nur noch auf dem sog. 2. Markt gibt. Der White stand zuletzt bei 70-80 Euro! Nochmal zur Erinnerung: wir reden über einen nahezu ungelagerten Rum! Verrückt! Abermals stammt das Sample, aber auch das Bild der Flasche, aus Berlin. Vielen Dank!

Dass der White im Vergleich zu den beiden anderen vollkommen aus der Rolle fällt war klar und deshalb bewegt er sich hier ja heute auch außer Konkurrenz. Zurecht, wie ich innerhalb von Bruchteilen von Sekunden feststellen muss, denn dieser reine Pot Still Rum ist mal so ganz anders als es seine Brüder sind. Hier ist Feuer in da House und in einem Blind Tasting könnte man den auch durchaus als gemäßigten Jamaicaner verordnen. Somit ist klar, dass wir es hier durchaus mit einem für Foursquare ungewöhnlichen Rum zu tun haben. 
In der Nase habe ich klare Ester und Anflüge von gebackener Banane und Ananas. Das ist eindeutig kein Hampden, aber ein ganz junger Worthy Park könnte es durchaus sein! Ich lege mich auch darauf fest, dass ich das blind getippt hätte! 
Am Gaumen fällt der Rum dann, gemessen an purem Vergnügen, natürlich ab, aber auch hier zeigt er deutlich sein Potenzial. Und damit meine ich vor allem, dass ich von Foursquare sehr gerne mal einen länger gelagerten reinen Pot Still Rum sähe! Das wäre sicherlich spannend und eine klare Bereicherung für deren Portfolio! Den White kann man durchaus auch pur trinken, aber in meinen Augen bietet er zu wenig Argumente dafür das zu tun, zu gut sind so viele andere Rums in meinem Bestand, die eine jahrelange Fassreifung hinter sich haben. Worauf ich aber ganz spontan Bock hätte bei diesem hier ist ein Daiquiri! Wer weiß, vielleicht probiere ich das in den nächsten Tagen mal aus. ;-) 

Fazit: 

Meinen heutigen Ausflug nach Foursquare empfand ich als sehr viel angenehmer als den ersten von vor ca. einem Jahr! Da mir zwei von drei Rums damals überhaupt nicht zusagten, war das seiner Zeit, vom Triptych abgesehen, doch ein ziemlicher Reinfall. Den klassischen Verlierer gab es im Vergleich dazu heute hingegen überhaupt nicht. Keinen der heute verkosteten Rums empfand ich als schlecht! Mir gefiel der Destino sowohl in der Nase als auch am Gaumen von den drei länger gelagerten am besten. In der Nase konnten sowohl der Principia, als auch sogar der White, den Triptych abhängen. Am Gaumen dann schlug der Triptych wiederum den Principia und natürlich auch den White. Hier hatte letzterer keine Chance, aber er fällt ja auch aus der Wertung. Nichts desto trotz hat mich der White dahingehend überzeugt, ihn die Tage mal zu vermixen. Ich glaube, der kann was! Nur: selbst wenn, so ist er leider viel zu teuer, weswegen eine ganze Flasche für mich nicht in Frage käme. Das trifft leider aber auch auf Destino und Principia zu, da mir hier für das aufgerufene Geld zu wenig Action geboten wird. Für den Destino gilt das, ob seines Sammlerpreises, natürlich noch einmal im Besonderen, trotz dessen, dass er im direkten Vergleich klar als Sieger der drei Rums hervorgegangen ist.



Und da bin ich dann auch schon bei, für mich, DEM Thema bei Foursquare, denn ich habe nach wie vor das Problem mit Foursquare, dass mir deren Rums zu wenig aus dem Durchschnitt ausbrechen. Dort bleiben sie für mich zumeist verhaftet, wenn auch auf unbestritten ganz, ganz hohem Niveau! Das reicht für mich aber nicht, um die aufgerufenen Preise in dieser Weise zu rechtfertigen. Für das Geld was die Foursquare von Velier kosten erwarte ich noch immer deutlich mehr als ich bekomme. Allerdings gibt es, auch wenn das eben ziemlich abwertend klang, doch auch eine eindeutig positive Aussicht. Denn in genau dem von mir beschriebenen Durchschnitt auf hohem Niveau liegt ironischerweise auch eine Chance, etwas, das die Rums in meinen Augen tatsächlich auszeichnet, weil sie damit eine Nische besetzen, die ich bisher deutlich zu unterrepräsentiert finde! Denn auf hohem Niveau anspruchslos sind nur ganz wenige Rums, wie ich finde. Und nochmal, nein, da steckt tatsächlich keine Häme drin, ich meine das ganz ernst. Entweder, einem Rum fehlen Anspruch UND Niveau, oder aber sie haben beides. Ich kenne kaum einen Rum, der anspruchslos wie ein 20-30 Euro Rum ist, aber die Qualität eines 70 Euro Rums hat. Die Velier Foursquare hingegen könnten das (kosten nur eben nicht das)! Schon beim Triptych war ich der Meinung, dass das ein perfekter Begleiter zu einem gepflegten Barbecue wäre: hochwertig, ungesüßt und unbearbeitet, lecker und überhaupt nicht fordernd. Ich könnte ihn nebenher trinken, ohne dass er die Aufmerksamkeit gegenüber meinen Gästen auf sich lenken würde, denn weder müsste ich mich besonders auf ihn konzentrieren, noch würde mich fehlende Qualität stören, so wie es bei vielen anderen günstigeren Rums zu solchen Anlässen der Fall wäre. Und für meine Gäste würde natürlich das gleiche gelten. Den könnte ich auf den Tisch stellen, ohne, dass danach der Rum das Gesprächsthema des Abends wäre, sondern der würde einfach nur getrunken werden und den Leuten schmecken. Aber da waren wir eben dann auch schon beim Stolperstein, dem Preis. Der passt nicht in die ansonsten perfekte Szenerie. Dass Foursquare gute Preise grundsätzlich aber machen kann, beweisen die Originalabfüllungen für jeweils +/- 70 Euro! Das ist ein Preis, den ich für die heute verkosteten Rums gerne ausgeben würde und dann auch nicht nur eine Flasche holen würde. Es geht also! Leider können mir diese wiederum aber nicht den tollen Geschmack der Rums bieten, die bisher für Velier abgefüllt wurden. Womit das zu tun hat ist für mich leider nicht offensichtlich. Da alles aus einem Haus kommt würde ich erstmal von Zufall ausgehen, allerdings häufen sich diese Zufälle inzwischen. Über eine stichhaltige Erklärung dazu, warum das so ist oder vielleicht sogar, warum es gar nicht anders sein könnte, würde ich mich sehr freuen, aber im Grunde glaube ich nicht, dass es nicht funktionieren kann! Bis dahin hoffe ich also darauf, dass wir einen solch tollen Foursquare wie wir sie bisher von Velier sahen auch bald einmal als Originalabfüllung bekommen. Und, Stichwort Habitation Velier FS White, der dürfte dann auch gerne mal rein aus der Pot Still kommen! Da wiederum, und da schließt sich der Kreis, sehe ich nämlich sogar das Potenzial für Rums, die dann auch das kosten dürften und die Preise vielleicht rechtfertigen könnten, die heute noch für die "Barbeque Foursquare" aufgerufen werden. Das wäre dann eine ganz andere Hausnummer! Diese Meinung vertrete ich in dieser Form schon seit dem Triptych und sie hat sich heute und mit diesem Tasting noch einmal verfestigt. Dennoch oder gerade deshalb hatte ich bei dem Tasting heute ganz viel Spaß und wünsche euch noch eine schöne Woche!

Bis demnächst,
Flo