Montag, 2. April 2018

Rendsburger Bürgermeister Rum Trinidad 12 YO Caroni 1996

Liebe Rum Gemeinde,

fast fünf Jahre ist es her, dass ich hier mit einem sieben Jahre alten Monymusk aus 1997 erstmals einen Rum der Whiskygalerie Krüger im Glas hatte: einen Rendsburger Bürgermeister Rum! 
Im Mai 2013 war das, nachdem ich zum wiederholten Male dort zu Gast gewesen bin. Rendsburg liegt nur unweit meiner Heimat, weswegen sich Besuche früher sehr häufig angeboten haben. Mein Fokus lag damals aber noch ausschließlich auf Jamaica Rum und so interessierte mich eben vor allem besagter Monymusk. Die berühmten Whiskyauktionatoren hatten damals allerdings auch noch Rums zweier weiterer Destillerien im Portfolio, die ich seinerzeit sogar probierte, auf die ich mich aber nicht richtig eingelassen hatte, da Guyana und Trinidad nicht meine Rum-Regionen waren. Sie hatten keine Chance bei mir, da sie keine bekamen. Es ist sehr bitter sich das eingestehen zu müssen, aber es ist leider wahr. Ich war unfassbar dogmatisch zu jener Zeit, was sich auch erst gewandelt hat, als ich von meiner Auszeit aus der Rumwelt zurück kam. Was für Guyana im großen und ganzen zwar noch immer zutrifft, da überzeugt mich eigentlich nur der Stil Albion restlos, hat sich bei Trinidad hingegen komplett gewandelt, zumindest wenn es um Rums aus Caroni geht. Und ihr merkt worauf es hinausläuft: einen der damals verkosteten Rums habe ich heute im Glas und es ist natürlich einer der beiden 12 jährigen Caroni aus 1996 mit 69% vol. (es gab zwei Fässer/Abfüllungen)! Anders als damals erhält der Caroni heute aber meine volle Aufmerksamkeit und ich werde gleich sehen, ob ich damals doch schon richtig mit meiner Einschätzung lag, dass das nicht meins ist, oder ob ich mich heute dafür ohrfeigen könnte damals keine Flasche dieser Abfüllung gekauft zu haben. Ich habe da ja schon einen Verdacht... aber wir wollen sehen! 

Witzige Anekdote am Rande, um die Selbstoffenbarung hier dann auch in Perfektion abzuschließen: ich weiß noch als wäre es gestern gewesen, dass ich die vielen Caronis dort im Laden stehen sah (Monymusk und Guyana waren quantitativ schon deutlich dezimiert) und nur dachte: 

"Mit denen (den Caronis) wird man auch an jeder Ecke zugeschmissen... und dass die Hütte (Caroni) da dicht ist ändert auch nichts daran, dass die keiner haben will!" 

Und auch wenn ich damals sicher nicht falsch lag: aus heutiger Sicht mutet diese Einschätzung einfach vollkommen lächerlich an. Tja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott eben nicht zu sorgen! ;-) 

Verkostung des Krüger Trinidad Rum 12 YO Caroni 1996:

Preis:  der ursprüngliche Preis mutete im Angesicht heutiger Caroni Preise gerade zu surreal an. Er wird wohl bei höchstens ca. 50-60 Euro für 0,7 Liter gelegen haben. Angeboten wurde er aber auch in 0,35 Liter, 0,1 Liter und 0,05 Liter Gebinde. 

Alter:  zwischen 1996 und 2009 lag der Rum im Fass, auf der Flasche ist aber ein Alter von 12 Jahren angegeben. 

Lagerung: mutmaßlich reifte der Rum zunächst in Trinidad, bis die dort lagernden Fässer nach der Schließung von Caroni schließlich Mitte der '00er Jahre nach Europa kamen. Somit nehme ich an, dass der Rum zu ca. 2/3 in Trinidad und zu 1/3 in Europa reifte. Der Geschmack der Abfüllung bestätigt eine solche Annahme auch. 

Fassnummer: #1107

Angel's Share: unbekannt

Alkoholstärke: 69,0% vol.

Destillationsverfahren: unbekannt, keine Angabe. 

Mark: keine Angabe, geschmacklich aber sicher HTR. 

Farbe: trotz der gerade einmal 12 Jahre ist der Rum schon sehr dunkel, was ebenfalls gegen eine längere Reifung in Europa spricht. 

Viskosität: satt und fett legt sich der Rum an die Glaswand und läuft träge in eher engeren und gleichmäßigen Schlieren am Glas herunter. 

Nase: ein Biest! Direkt nach dem Einschenken ist es nahezu unmöglich eine Nase zu nehmen, zu scharf ist die Nase hier noch, zu sehr regiert zunächst noch der Alkohol. Dieser Eindruck verfliegt allerdings nach ca. 15 - 30 Minuten vollständig und an seiner statt habe ich nun ein durch und durch typisches Caroni-Bouquet. Und der Alkohol? Hat sich tatsächlich trotz der immensen Stärke von 69% vol. vollständig verzogen! Ui, was ist hier denn los?! Was für ein Caroni! Die brennereitypischen Komponenten aus Teer, verbranntem Gummi und Phenolen gehen eine wunderschöne Kombination ein mit den Fassaromen, wobei Vanille hier klar am dominantesten ist. Perfekte Ballance in der Nase! Und ganz hinten und eher beim peripheren Nosing auftretend: Medizin und Kräuterschnapps (Jägermeister). Diese Note wird mit längerem Verweilen im Glas stärker und tritt mehr und mehr deutlicher auf. 

Gaumen: Irre! Zunächst einmal fällt auf, dass der Rum, trotz der 69% vol. überhaupt nicht scharf ist! Selbst etwas größere Schlücke sind möglich und man behält den Caroni gerne auf der Zunge. Ich glaube, ich habe zuvor nur sehr, sehr selten einen Rum im Glas gehabt, bei dem der Alkohol besser ins Destillat eingebunden war als bei diesem Rum. Wahrlich außergewöhnlich! Besser kann man einen Rum meines Erachtens nicht ausballancieren!
Geschmacklich bestimmen die dreckigen Caroni-Aromen den ersten Eindruck. Teer, Fahrradschlauch... ihr wisst schon ;) Sie fluten den Mund und füllen ihn gut aus. Hier zeigt sich auch noch sehr viel roher Caronistyle und man wird schlagartig daran erinnert, dass der Rum noch nicht so reif ist, wie die meisten der Vertreter, die man inzwischen so geboten bekommt. Allerdings darf man sich das nicht vorstellen wie beim Velier 12 YO mit 50% vol. So dreckig wie dieser ist der heutige Rum nicht. Denn bei ihm zeigt sich auch hier eine Ausgeglichenheit, die den Rum einfach unglaublich entspannt zu trinken macht. Die Fassaromen haben den Rum abgerundet, ohne ihm seine Ursprünglichkeit zu nehmen. Auch hier kommt wieder die Bourbon Vanille zur Geltung. Smooth. Cremig. Vollkommen entspannt! Caroni pur! 

Abgang: der Rum geht mit einem Schub Anis, verweilt dann am Gaumen und hinterlässt sein Caroni-Flair langanhaltend. 

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Fazit: ich neige hier wohl dazu, von einem nahezu perfekt gereiften Destillat zu sprechen! Zum Ausgabepreis hätte man sich mit diesem Rum damals eindecken müssen, wenn man denn die Qualität von Caroni zu dieser Zeit denn schon erkannt hätte. An mir ist die Destillerie leider viel zu lange vorbeigegangen.
Das stärkste Argument des Rums ist tatsächlich seine Ausgeglichenheit. Dreckig? Da hatte ich schon krassere Caroni im Glas! Fassaromen? Die finde ich bei einigen um die 20 Jahre gereiften Caronis von Velier deutlich ausgeprägter! Abgang? Können andere auch noch langanhaltender! Aber in dieser Kombination und unter derart genialer Einbindung des Alkohols (zur Erinnerung: der Rum hat nahezu 70% vol.!) sieht man so etwas dann eben doch eher selten. Daher muss man konstatieren, dass der Whiskygalerie Krüger mit diesem Fass Caroni ein echter Kracher in die Hände fiel, den sie dankenswerter Weise mit der Welt geteilt haben. Zu sagen, es sei der beste Caroni den ich je im Glas hatte wäre etwas hoch gegriffen, doch er befindet sich momentan definitiv in meinen Top 10! Allerdings muss ich anmerken, dass ich zwar inzwischen doch vieles aus Caroni kenne und stets danach strebe meinen Horizont dahingehend auch noch zu erweitern, ich für viele ältere Jahrgänge, insbesondere die der 1980er Jahre, aber leider zu spät dran bin und daher viele, viele Rums auch noch nicht verkosten konnte. Das kann und soll den heute probierten Rum selbstverständlich in keiner Weise schmälern und abwerten, aber ich empfehle, dies für eine Einordnung in den gesamten Kontext von Caroni doch zu berücksichtigen. Das ist nur fair!
Abschließend empfand ich diese Abfüllung aber auch dahingehend erhellend, als dass für mich endgültig klar scheint, dass es auch tropisch gelagerte Fässer als Bulk nach Europa geschafft haben müssen. Denn dieser Rum, da lege ich mich fest, würde nach 12 reinen europäischen Reifejahren niemals so schmecken wie er schmeckt. Das möchte ich ausschließen. Ich hatte bereits rein europäisch gereifte Caroni im Glas und die waren jeweils eine ganz andere Hausnummer, reichten an Tropfen wie den heutigen nicht einmal annähernd heran! Das macht diesen Rum unter den Non-Velier-Caroni zu einer kleinen Besonderheit und leider sogar schon fast einer Ausnahme!

Ich wünsche euch noch einen schönen Ostersonntag! Bleibt gesund und nehmt euch nach Möglichkeit natürlich auch gerne die Zeit für einen guten Dram!

Bis demnächst,
Flo

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