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Sonntag, 28. Februar 2021

The Rum Cask Guyana Rum 12 YO Port Mourant 2008 (Ex-Hampden Cask)

Liebe Rum Gemeinde,

mit ein paar Puzzleteilen hatte uns Jens Owczarek seit ein paar Tagen vor Release bereits darauf vorbereitet, dass eine neue Abfüllung erscheinen wird und am vergangenen Mittwoch war es dann auch schon soweit. The Rum Cask veröffentlichten eine 12 Jahre alte PM-Abfüllung, die für etwas über einem Jahr in einem Hampden <>H 2001 Fass reifen durfte. 



Und tatsächlich gibt es viel mehr dazu dann auch eigentlich kaum zu sagen im Vorfeld des Tastings, denn der Rum spricht meines Erachtens in weiten Teilen einfach für sich selbst am besten. Kurz aus dem Nähkästchen hinter den Kulissen geplaudert kann ich aber verraten, dass ursprünglich weder Jens Owczarek noch ich selbst wirklich davon ausgingen, dass ich den Rum am Ende auf dem Blog bringen würde, denn die reinen Randdaten sprachen erstmal nicht für mein Beuteschema. Junger PM?! Dann auch noch nach 2000 gebrannt?! Geh mir weg!! Allerdings hat mich zumindest das Hampden Finish neugierig genug gemacht ihn zu probieren und wenn man dann schon eine kleine Probe in seiner TRC-Bestellung findet... Kurz: am Ende ist das Ding dann doch irgendwie auf BAT gelandet und dieses mal sogar erst nach Release ;-) 



Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich ein Mini-Sample zur Verkostung dieses Rums gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. Wie bei allen meinen bisherigen Reviews, ist auch bei diesem kein Geld geflossen. 


Verkostung des The Rum Cask Guyana Rum 12 YO Port Mourant 2008 (Ex-Hampden Cask):

Preis: der Ausgabepreis für eine Flasche a 0,5 Liter betrug 54,90 Euro.

Alter: der Rum reifte von 2008 bis Anfang 2021 im Fass und ist somit junge 12 Jahre alt. 

Lagerung: die Reifung erfolgte mutmaßlich komplett in Europa. Es wurde dazu ein Teil eines PM-Fasses in ein Ex-Hampden <>H 2001 Cask gegeben, in dem er dann 13 Monate separat reifen durfte. 

Fassnummer: keine Angabe. Es wurden 111 Flaschen abgefüllt. 

Angel's Share: keine Angabe. 

Alkoholstärke: der Rum kommt noch mit 60,3% vol. daher, das entspricht der Fassstärke!

Destillationsverfahren: der Rum entstammt der Double Wooden Pot Still der geschlossenen Port Mourant Distillery. Über Uitvlugt kam sie im Jahr 2000 zur Diamond Distillery, bei der dieser Rum auch gebrannt wurde. 

Mark: PM (Port Mourant)

Farbe: sehr helles, blasses Stroh.  

Viskosität: viele kleine Tröpfchen bilden sich oben an der Glaswand und laufen dann eher zügig, parallel und in engen Abständen zueinander am Glas herab. Das sehr junge Alter zeigt sich hier sehr deutlich. 

Nase:
 in der Nase bedarf es wahrlich etwas Geduld! Während ich zu Beginn und auch mal mindestens noch ca. eine halbe Stunde doch noch etwas skeptisch drein schaue und mich ein wenig Frage ob das gerade wirklich deren (TRC') Ernst ist mir sowas vorzusetzen, wird es dann besser😉. Zu Beginn gehen die Assoziationen arg in Richtung eines Obstschnapses und ich empfinde das ganze als nicht wirklich gelungen. Dann aber, nach ca. 30 bis 45 Minuten geht es in eine ausbalanciertere Richtung und Gedanken an einen jungen Monymusk kommen auf. Und für alle, die sich auch an dieser Stelle jetzt noch fragen, wie sehr das Finish in den Rum hinein gewirkt hat: es ist überall - und doch auch nirgends! Nein, dieser Rum ist kein Port Mourant mehr mit vielleicht ein paar Hampden Nuancen, das hier ist eher wie ein Blend. Und was sich bei einem Blend zwischen Hampden und Port Mourant durchsetzen würde, das kann sich ja jeder vorstellen. Doch wer nun denkt, dass man diesen Rum blind mit einem Hampden verwechseln könnte, der irrt eben neuerlich. Denn tatsächlich ist aus dieser vollkommen verrückten Kombination weder ein PM mit Hampden-Finish, noch ein Hampden mit PM-Assoziationen geworden, sondern etwas drittes, vollkommen neues und anderes. Was ich hier habe, das erinnert mich eher an einen kontinental gereiften Vale Royal Wedderburn von Long Pond, wie Bristol sie vor einigen Jahren mal gebottled hat! Doch während es den Bristols (2011 war wesentlich besser als 2010!) damals an Tiefgang fehlte, kann der TRC an der Stelle punkten. Auch der Alkohol ist super eingebunden! Nach ca. 1,5 Stunden habe ich eine richtig harmonische, smoothe, geil-fruchtige Wedderburn-Jamaica Nase mit gegrillter Ananas und leichter Rauchnote, die Spaß macht! Wer jetzt immer noch einen PM sucht, dem muss ich ein letztes Mal sagen, dass er ihn, zumindest in der Nase, wohl heute nicht mehr finden wird. Das macht aber gar nichts, denn das was ich stattdessen vorfinde gefällt mir. Klar, das ist kein Rum im Spitzenfeld, muss und möchte er auch gar nicht sein, aber ich wage bereits jetzt die These, dass das Finish deutlich mehr aus diesem Rum gemacht hat, als ohne Finish anhand der reinen Eckdaten drin gewesen wäre, denn für gewöhnlich reizen mich derart junge PMs die im neuen Jahrtausend destilliert wurden mal so überhaupt nicht. 

Gaumen: am Gaumen überrascht mich der Rum dann zunächst neuerlich und zwar, weil er für sein jugendliches Alter und die Stärke von immerhin 60,3% vol. wirklich sau entspannt zu trinken ist und auch größere Schlucke problemlos drin sind. Gleichzeitig knistert der Tropfen aber auch noch genug auf der Zunge, um nicht als kantenlos durchzugehen. Das ist stark! Aber es kommt noch besser. Denn um ehrlich zu sein hatte ich ein wenig befürchtet, dass das Finish zwar aus der Nase gut was herausgeholt hat, das ganze am Gaumen aber sehr instabil daherkommen und in sich zusammen fallen würde. Oder, deutlicher gesagt: noch bis hier hin ging ich tatsächlich davon aus, dass aus diesen Notes am Ende sicher kein Review werden würde, aber nichts da! Denn spielt der Rum auch definitiv nicht in der obersten Liga mit, nach wie vor nicht, aber er liefert mir Argumente über ihn zu sprechen! Am Gaumen tendiert der Rum nämlich zwar zunächst wieder zu Vale Royal, kippt dann aber doch auch zu Hampden und entscheidet sich, anders als noch in der Nase, letztlich allerdings auch deutliche Charakteristika von Port Mourant (Bleistift / Anspitzer-Spähne, Anis) zu zeigen. Hier finden beide Stile letztlich wirklich zusammen und erneut würde ich blind sehr viel eher auf einen Blend tippen als nur auf ein Finish. Das gefällt mir sehr gut, zumal der Rum auch richtig schön cremig wird. Aber auch hier, wie schon in der Nase, gilt das immer so ein wenig unter Vorbehalt und darauf verweisend, dass wir uns hier zwar auf qualitativ hohem Niveau, aber ganz eindeutig nicht im Spitzenbereich befinden. 

Abgang: im Finish habe ich dann zunächst eher etwas Anis vom PM. Die nächsten Eindrücke gehören dann aber klar dem Hampden und seinen estrigen-fruchtigen Tönen, bevor es wieder richtig PM geht. Ganz zuletzt ist aber Hampden Banane da, die wiederum nochmal von Bleistiften abgelöst wird. Ganz stark, da passiert richtig was, ein tolles Finish! 

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Fazit:
 ein Rum, auf den die Welt ganz sicher nicht gewartet hat. Aber ich glaube, genau das gefällt mir daran! Denn dieser Rum bricht die Regeln, er bricht aus dem bestehenden System der in gewissem Maße erwartbaren Rums aus. Denn seien wir mal ehrlich: zumindest im High End Bereich dreht sich das Broker-Karussell seit vielen Jahren im Kreis und hält kaum echte Überraschungen bereit. Klar, es gibt häufigere und seltenere Batches, solche, die wir ein paar mal im Jahr sehen und dann wieder jene, die wir nur alle Jubeljahre mal zu Gesicht bekommen. Aber sie befinden sich letzten Endes alle auf dem Karussell und wir wissen das und stellen uns ein Stück weit darauf ein, dass wir sie dann und wann in die Flasche bekommen. Die tropisch gereiften Stocks, die Main im Vorfeld des vergangenen Jahres erwerben konnte, bilden da eine willkommene Ausnahme, sie waren nicht erwartbar... und eben unser heutiger Rum! Ihn wähnten wir nicht auf dem Karussell und er befindet sich auch jetzt nicht (mehr) darauf. The Rum Cask haben damit etwas eigenes geschaffen und das finde ich super, zumal ich nicht damit gerechnet hatte, dass das so gut funktioniert. Sicher, dabei ist kein Über-Rum herausgekommen, um Gottes Willen, aber das kann, muss und sollte man bei einem Rum dieser Preisklasse auch niemals erwarten! Wenn ich aber für knapp über 50,- Euro mal was anderes sehe als sonst und die Qualität dabei immer noch sehr hoch liegt, dann gibt es nicht viele Argumente die dagegen sprechen bei sowas auch einfach mal zuzuschlagen. Gleichzeitig muss sich aber auch niemand wirklich ärgern, wenn er diesen Rum verpasst hat. Es gab nur etwas zu gewinnen, aber nichts zu verlieren. Und das wiederum macht ihn eigentlich zu einer ziemlich perfekten Abfüllung, finde ich.

-82/100-


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 20. Dezember 2020

Barrel Aged Thoughts' 2020 Top 10 Rums - Part II

Liebe Rum Gemeinde,

wir nähern uns mit riesigen Schritten den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel. Höchste Zeit also noch einmal zurückzublicken auf dieses in jeder Hinsicht beispiellose Jahr und damit Herzlich Willkommen zum zweiten Teil meines Jahresabschluss-Rankings der meines Erachtens zehn besten neuen Releases in 2020! 

Picture by D.M. / RA


Was liegt heute an?

Im ersten Teil letzte Woche hatte ich euch meine Plätze 10 bis 6 noch einmal vorgestellt und heute geht es dann ans eingemachte und an die Top 5, die fünf Rums, die mich in 2020 am meisten begeistert haben! Ihr habt die fünf Rums von letzter Woche schon wieder verdrängt? Hier geht's nochmal zum gesamten ersten Teil des Countdowns und hier kommt noch einmal alles im Schnellformat:


Platz 10: Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010
Platz 9: Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore 1991
Platz 8: Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 (Employee "Buju")
Platz 7: The Rum Cask C<>H Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990 (BAT-Abfüllung)
Platz 6: Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Nitz")

Machen wir nun aber endlich weiter mit... 


Platz 5:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Dicky")

Noch ein Caroni?! Ja, ich habe sie eigentlich auf zwei Abfüllungen in meiner Top 10 beschränken wollen, aber es ging nicht, so sehr ich es auch hin und her gedacht habe. Der 1996er "Vijay" blieb für seinen Jahrgang eher unter den Erwartungen und es fiel mir daher leicht, ihn trotz der immer noch sehr guten 94 Punkte nicht mit hinein zu nehmen. Aber der "Dicky" hat mich, genau wie die "Nitz" für einen Caroni 2000 so sehr überzeugt, dass ich nicht anders konnte als ihn auch mit reinzunehmen. Da war für mich einfach kein Qualitätsunterschied und ich fand ihn in der Tendenz sogar noch leicht besser als die Nitz. Insofern führte an ihm kein Weg vorbei! 94 Punkte bekam auch der "Dicky" von mir, und ich denke, da sind wir am absoluten Zenit für den Jahrgang 2000, auch unter Berücksichtigung dessen, dass da auch einiges an weniger guten Fässern im Umlauf war. Da haben die beiden 2000er aus diesem Jahr wirklich am Limit dessen performt, was ich 2000 insgesamt überhaupt zugetraut habe. Dass es der für mich beste Caroni in 2020 "nur" auf Platz 5 geschafft hat, trotz dessen, dass die geschlossene Destillerie zu meinen absoluten Lieblingen zählt, zeigt was da an Granaten alles eingeschlagen ist in diesem so verrückten Jahr!

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Platz 4:

Silver Seal PM Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989

Ein Demerara Rum vor dem besten Caroni des Jahres?! Willkommen bei Barrel Aged Thoughts im Jahr 2020! Aber was für ein Demerara Rum das war! Im Gegensatz zu den jüngeren, ungefärbten PMs mag ich diesen richtig alten 30 YO+ und gefärbten PM Style inzwischen richtig gerne und fahre sehr auf die Granaten aus den 1970s von High Spirits oder Rendsburger total ab! Leider sind diese längst außer Reichweite und das Batch aus 1989 in diesem Alter ist so ziemlich das einzige, was da bisher für mich stilistisch zumindest einigermaßen dran kommt, auch wenn es diese einzigartige Qualität von damals natürlich nicht ganz erreicht. Und das ist letztlich auch der Grund, warum ich bei diesem Rum über die 92 Punkte nicht hinaus kam: es würde den PMs aus den 1970s einfach nicht gerecht werden. Gäbe es diese nicht oder würde ich sie nicht kennen, hätte ich hier vermutlich locker die 95 Punkte ausgepackt. Und darum musste der Silver Seal letztlich auch in meine Top 10, auch wenn einige andere in absoluten Zahlen auf den ersten Blick besser weg kamen. Der Rum ist einfach nur unfassbar lecker, intensiv, gesetzt und auf den Punkt. Für den Ausgabekurs ein Kracher! Dazu mein 250. Post auf BAT! Müssen wir noch über das sprechen, was Silver Seal uns da insgesamt präsentiert haben in diesem Jahr? Machen wir gleich! ;-) 

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Platz 3:

Rum Artesanal Jamaica Rum 25 YO New Yarmouth 1994

Auf Platz 3 steigt der für mich zweifelsfrei größte Gewinner des Jahres 2020 in meinen Countdown ein - Rum Artesanal! Was Dominik und Team da in diesem Jahr auf die Kette bekommen haben hat mich zumeist nur staunend zurück gelassen. Mit insgesamt mindestens sechs Releases die aus meiner Sicht wirklich Spitze waren und noch dazu ein fast unwirkliches Preis-Leistungs-Verhältnis aufwiesen hat man den Vogel komplett abgeschossen. Mit dem New Yarmouth 1994 im Speziellen hat man noch dazu einen echten Coup gelandet, da noch nie zuvor ein Abfüller einen derart alten New Yarmouth gebracht hatte und noch dazu in diesem bis dahin vollkommen unbekannten Stil. Der hatte es nämlich wirklich in sich, erinnerte er doch gleichermaßen an alte Appleton (nur eben in Fassstärke) als auch an tropisch gereifte Demerara Rums. Und wenn man bedenkt, dass New Yarmouth für Wray und Nephew produziert, dann liegt durchaus nahe, dass der Inhalt dieses Fasses ursprünglich mal dazu gedacht war in den Appleton Standard Blends zu landen. Glücklicherweise ist ihm dieses Schicksal erspart geblieben und der Rum landete stattdessen bei einem Jamaicanischen Broker. Als dieser seine Stocks an Velier als auch die Main Rum Company verkaufte, gehörten dazu auch ein paar Fässer New Yarmouth 1994 und so kamen letztlich wir Connaisseure in den Genuss, sowas mal im Glas haben zu können. Auch dieser Rum war mir 94 Punkte wert und auch hier wäre mit nur etwas besserer Einbindung des Alkoholgehalts noch mehr gegangen - ja, der New Yarmouth zwiebelt mit seinen ca. 68% vol. ganz schön! ;-) 

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Platz 2:

Rum Artesanal REV Demerara Rum 25 YO Enmore 1994

Und wenn für irgendwen noch irgendwelche Zweifel an der Ausnahme-Stellung von RA im ablaufenden Jahr bestanden haben, dann müssen (!) diese spätestens mit meinem Platz 2 restlos ausgeräumt sein! Diese Abfüllung markierte das Ende von RA als graue Maus auf dem viel bearbeiteten UA Markt, als auch den Anfang von RA als gleichsam national wie international führender UA, wenn es um kontinental gereifte Rums geht. Mögen einige andere durch bunte Label oder schwarze Flaschen vielleicht noch etwas mehr collectable und damit gesucht sein, aber an die Qualitäten der RA Abfüllungen insgesamt reicht da niemand heran! Kein Wunder also, dass dieses Bottling super schnell vergriffen und in der Folge auch schnell in ganz Europa gesucht wurde - meist erfolglos. Denn, und das ist bei RA schon ein wenig besonders, die Flaschen werden zu ganz, ganz großen Teilen von Genießern gekauft, die diese dann natürlich in der Regel nicht wieder hergeben. Was aber machte den REV so besonders? Nun, vor allem natürlich das: es ist ein REV! Der erste seit vielen, vielen Jahren, abgetaucht einst als elfjähriges Biest von Cadenhead mit 70% vol. und wieder aufgetaucht mit nun 25 Jahren als zahmer Gaumenschmeichler. Was das Mark wirklich bedeutet und ob es überhaupt eines ist, oder ob Cadenhead seinerzeit auch nur eine interne Bezeichnung (vergleichbar mit den Main-Kürzeln) nutzte, ist unklar. Damals wie heute ist das Teil aber eine absolute Pflaumen-Bombe und das macht diesen Rum letztlich auch aus, zumindest für mich. Ich finde das einfach wahnsinnig lecker, gediegen und nicht ohne Grund habe ich da auch schon eineinhalb Flaschen geleert in diesem Jahr. In Punkten hat es noch ein Rum in 2020 darüber geschafft, aber emotional ist der REV 1994 wohl definitiv meine Nummer 1.

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Platz 1:

Silver Seal "Rockley Style" Barbados Rum 33 YO W.I.R.D. 1986:

Ich konnte nicht anders! Mag RA für mich unter'm Strich auch unumstritten DER Dreh- und Angelpunkt in 2020 gewesen sein, aber ich musste den Rockley von Silver Seal, die einzige Neuerscheinung in 2020, die die 95 Punkte Marke knacken konnte, auf die eins setzen, und das obwohl es bei mir, bedingt durch den doch sehr steilen Kurs von 600,- Euro, für keine ganze Flasche gereicht hat. Aber was Silver Seal mit dem Rockley dieses Jahr rausgehauen haben war nun mal einfach komplett unrealistisch! Niemals nie und never ever hätte ich gedacht, dass das 1986er Batch der West Indies Rum Distillery mit seinem legendären Rockley-Style nochmal ein Revival erlebt! Ich hatte mit meinem Rum Buddy gemeinsam vor etwa einem Jahr mal den "Sloth" Rockley 1986 aus Japan im Glas, der dort vor einiger Zeit erschienen ist, und dieser war bereits so weit weg von Honig, Rauch, Vanille und Leder, dass ich das Batch bereits für alle Zeit verloren geglaubt hatte. Doch Silver Seal hat ganz tief in den Beständen von Main gegraben und der Rum Welt in 2020 den, neben Gardel, vermutlich meist unterschätzten (weil kaum bekannten) Weltklasse-Rum Style zurück gebracht, den es auf dieser Erde gibt. Für viele von euch da draußen war der Silver Seal wahrscheinlich sogar die allererste Chance überhaupt, einmal Rockley auf absolutem Spitzen-Niveau zu erleben. Denn na klar gab und gibt es auch noch immer vereinzelt Rockleys aus dem 2000er Jahrgang oder den Bristol 1986 mit Sherry Finish, aber weder die einen noch der andere spielen auch nur annähernd in dieser Liga und der Silver Seal stellt hier mit dem Duncan Taylor zusammen die neue Benchmark dar. Wohl also dem, der hier etwas von diesem Traum-Stoff ergattern konnte! 

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Und wer das nicht konnte... 2021 ist auch noch ein Jahr und vielleicht decken sich ja an dessen Ende meine emotionale Nummer 1 mit meiner nominellen Nummer 1. In diesem Sinne:

Rum Artesanal 2021

(nein, nicht das neue Logo, nur "Fan Art" 😉)
 

Epilog:

Das waren sie also, die zehn Neuerscheinungen in 2020, die mich persönlich am meisten gecatcht haben. Genug Stoff, um mindestens zwei Jahre mit Highlights zu füllen. Und ich bin sicher, ich habe da zwar mit vielen von euch Überschneidungen, aber in gleichem Maße auch Abweichungen, denn die Masse an Rums in diesem Jahr, die es ebenfalls in diese Liste verdient gehabt hätte war brutal! 



Allein RA, und da wird dann auch deutlich, weshalb die für mich in diesem Jahr eine so überragende Stellung eingenommen haben, hätten vier (!!) weitere Rums in diese Liste entsenden können! Und zwar wäre da mal mindestens der T.D.L. 2001 aus Trinidad, der auch einige Parallelen zu Caroni aufweist und auf diese Weise für einen kurzen Augenblick leichte Konfusion verursachte. Ein Caroni war es dann meines Erachtens letztlich nicht, aber ein verdammt guter Heavy Type Rum! Aber auch die beiden New Yarmouth aus 2009, die für unter 50,- Euro zu haben waren und damit mit einem sensationellen PLV aufwarten konnten, verdienen hier mindestens eine Erwähnung, ebenso wie der 1998er HD (Hampden), den ich für einen HLCF (nicht mein Lieblingsmark) erstaunlich gut fand. Und über den Long Pond 2000 z.B. haben wir da noch gar nicht gesprochen, den ich persönlich weniger gut fand, der aber gleichermaßen seine Fans gefunden hat und hier daher nicht unerwähnt bleiben soll. Ich glaube, viel mehr muss ich da nicht sagen. Außer, dass ich mich so verflucht doll freue auf das nächste Jahr... der Spoiler ist ja längst draußen, ihr alle wisst, was kommt :)



Und was für mich RA in Bezug auf kontinental gereifte Rums sind, sind Velier für mich, wenn wir über tropisch gereifte Rums sprechen. Die beiden Caroni Employees "Vijay" und "Yunkoo" hätten nach Punkten in die Top 10 gemusst, beide liegen für mich bei 94 Punkten. Aber dann wären allein fünf Caroni Employees drin gewesen, was ich dann doch als etwas zu öde empfunden hätte. Daher habe ich mich dazu entschlossen, an der Stelle ein wenig zu selektieren. Ich denke, ihr seht es mir nach. Doch Velier hat nicht nur die Karte Caroni gespielt, sondern auch mit der Appleton Hearts Collection einmal mehr Maßstäbe gesetzt. Nicht unbedingt, weil sie jeden überwältigt hätten, der sie probiert hat (tatsächlich, waren da nicht wenige auch enttäuscht), aber vor allem deshalb, weil es Luca Gargano nach Jahren und als meines Wissens nach erstem überhaupt gelungen ist, in diese Richtung etwas mit Appleton gemeinsam und unter deren Logo aufzuziehen. Und nicht zuletzt haben diverse von ihm initiierte Zoom Meetings dazu beigetragen, dass die internationale Community auch in Zeiten dieser Pandemie ein wenig zusammen kam, auch ohne Messen und reisen. Grazie, Luca! Mir gefielen der 1994er und der 1995er Appleton jeweils sehr gut, diese hatten auch den höchsten Gehalt an Congeners, der 1999er war dagegen gar nicht meins. Und als kleinen Bonus möchte ich auch nochmal den Monymusk 1997 für Begnoni herausstellen. Der wurde zwar schon 2019 gebottled, tauchte aber erst in diesem Jahr wirklich auf dem Markt auf. Mit dem 1995er zusammen für mich definitiv die Benchmark für tropisch gereiften Monymusk! 



Und dann waren da auch noch zwei Rums von Old Man Spirits (Flensburg Rum Company), die mich beeindruckt haben. Auch der Hampden 2007 und der Monymusk 1999 wären in jedem nicht außerirdischen Jahr safe in meinen Top 10 gelandet. Insbesondere der Monymusk hat für mich historischen Charakter, denn ich erinnere mich an keinen besseren im kontinental gereiften Bereich! Grandioses Debüt-Jahr, das ihr da hingelegt habt, Jungs! Ich freue mich schon darauf, auch euren Weg im nächsten Jahr weiter mitzuverfolgen. 


Und damit verabschiede ich mich dann auch heute erstmal von euch, ich bin noch nicht sicher, wann der nächste Content hier aufläuft. Ich wünsche euch noch einen besinnlichen vierten Advent und bis dann!

Flo

Sonntag, 23. August 2020

Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989

Liebe Rum Gemeinde,

ich bin mal wieder auf Abwegen und folge der Spur von gutem Demerara Rum, wobei Abwege vielleicht nicht einmal mehr ganz die treffende Bezeichnung ist - denn diese Nebenpfade entwickeln sich inzwischen mehr und mehr zu echten Hauptstraßen. Ja, ich bin über die letzten Monate zu einem kleinen Fan dieser Rums geworden, gleich wohl das längst nicht auf alle Stile zutrifft.



Zutreffend ist das allerdings ganz eindeutig, wenn wir über alte, lang gereifte Port Mourants sprechen, so wie heute. Die Rums aus den 1970er Jahren, zu vorderst natürlich die Jahrgänge 1974 und 1975, habe ich in den letzten Monaten immer mehr zu schätzen gelernt und so lag es nahe, dass ich mich auch bei anderen Rums langsam begann durchzuprobieren. Positiv aufgefallen war mir dabei auch eine Abfüllung von Duncan Taylor aus dem Jahr 2012, nämlich der Uitvlugt 1989 aus einer Pot Still. Das wiederum heißt: in Wahrheit haben wir es nicht mit einem Uitvlugt Rum zu tun, sondern eben mit einem aus Port Mourant, dessen alte Still, die Double Wooden Pot Still, zum Zeitpunkt der Destillation bei Uitvlugt stand. Da es die einzige Pot Still war die sich zu diesem Zeitpunkt dort befand besteht über die Herkunft des Rums also auch keinerlei Unklarheit. Duncan Taylor, das sei an dieser Stelle noch erwähnt, hat damals, 2012, mit einer Wahnsinns-Rum Serie für Furore gesorgt und auf sich Aufmerksam gemacht. Neben dem Uitvlugt erschienen unter anderem auch noch ein Hampden 1990, ein Rockley 1986 und ein Versailles 1985. Diese Rums sind sämtlichst Legenden! Seitdem ging die Kurve dieses Abfüllers, mindestens im Rum Bereich, allerdings auch wieder steil nach unten. Es kommt kaum etwas nach und wenn, dann passiert das nicht annähernd in dieser Qualität. Schade!




















Doch zurück zum Jahrgang 1989 von Uitvlugt/Port Mourant. Dieses ähnelt den alten PMs aus den 1970er Jahren in vielerlei Hinsicht. Zum einen natürlich im geschmacklichen Stil, zum anderen haben sie aber auch die Färbung gemeinsam, die schon bei der Befüllung des Fasses stattgefunden hat. Während der Uitvlugt mit seinen 23 Jahren im Fass aber natürlich noch bedeutend jünger daher kam als viele der Rums aus den 1970er Jahren, diese waren fast sämtlichst 30 Jahre oder älter zum Zeitpunkt ihrer Abfüllung, hat der heute vorgestellte Rum von Silver Seal in dieser Hinsicht aufgeholt. Dieser hat im Oktober letzten Jahres ebenfalls die 30 Jahre vollgemacht und eignet sich daher durchaus schon, um nun deutlichere Parallelen zu den 70s zu ziehen und zu schauen, inwieweit sich das auch praktisch annähert. Daher galt diesem Bottling natürlich meine besondere Aufmerksamkeit, als ich vor ein paar Monaten hörte, dass ein solches wohl erscheinen wird, denn weitere 1989er PMs blieben nach dem Duncan Taylor Bottling in der Folge aus.

Im Juli diesen Jahres ist das nun auch endlich passiert und wie es zu erwarten war, war der PM auch sehr schnell ausverkauft. Neben einer Anzahl von gerade einmal 206 Flaschen insgesamt ist dies allerdings wohl auch der Tatsache zu verdanken, dass er mit seinem Ausgabekurs von ca. 350,- Euro ein für Silver Seal Verhältnisse fast schon phänomenales Preis-Leistungs-Verhältnis hatte, gerade im Vergleich zu seinen Brüdern in der 2020er Release Serie. Für den Rockley 1986, noch ein Duncan Taylor 2012 Bottling, an das Silver Seal angeschlossen hat, muss man schon ca. 600,- Euro hinlegen und für den tropisch gereiften Monymusk 1984 dann sogar schon fast 1000,- Euro. Dagegen mutete der PM dann natürlich sehr erschwinglich an. Ein österreichischer Shop führt den Rum kurze Zeit sogar noch für ca. 320,- Euro, was vermutlich der günstigste Preis für diesen Rum gewesen ist. Ja, das ist immer noch sehr viel Geld, aber was man Silver Seal wirklich lassen muss, und das machen sie seit jeher besser als andere: sie liefern ein verdammt hochwertiges Packaging! Diese Boxen sind schon a la bonheur, das muss man wirklich sagen. Es heißt so oft es käme auf den Inhalt an, und ja, das stimmt auch, gleichwohl bin ich auf diesem Qualitätslevel aber auch ein Fan davon, wenn man einer Flasche diese Qualität auch unmissverständlich ansieht! Insofern: well done! Ansonsten lässt sich sagen, dass der Silver Seal Uitvlugt 1989, anders als der 2012er Duncan Taylor, unverdünnt und in Fassstärke in die Flasche kam und noch immerhin einen Alkoholgehalt von 55,8% vol. aufweist. Das wiederum demonstriert uns eindrucksvoll, dass der Duncan Taylor damals doch schon sehr viel mehr verdünnt wurde, als ich lange Zeit dachte. Denn dieser hatte damals schon nur noch 54,9% vol., trotz sieben Jahre kürzerer Reifung. Er müsste demnach wohl noch original über 60% vol. gehabt haben in 2012. Und inwieweit sich diese und noch weitere Unterschiede direkt und im Vergleich bemerkbar machen, das sehen wir uns jetzt an!



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Verkostung des Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989:

Preis: der Ausgabepreis bei Whisky Antique (gehört Max Righi, der gleichzeitig Inhaber von Silver Seal ist) lag bei ca. 350,- Euro. In einem Shop in Österreich war er für kurze Zeit aber auch für ca. 320,- Euro zu haben. Er war allerdings zuvor schon bei Whisky Antique ausverkauft, so dass er inzwischen nur noch auf dem Secondary zu haben ist.

Alter: von Oktober 1989 bis Anfang 2020 reifte der Rum 30 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand mutmaßlich vollständig in Europa statt. Die dunklere Farbe kommt durch die Färbung, die einige Demerara Rums traditionell erhalten.

Fassnummern: Silver Seal gibt als Fassnummer die #7 an, allerdings dürfte es sich dabei ausschließlich um eine interne Zählung handeln, was meinen Verdacht bestätigt, dass der Abfüller vermutlich keine bis kaum noch Fässer lagernd hat, sondern neue Bottling unmittelbar zuvor von Brokern erworben werden. Ergeben hat das Fass noch 206 Flaschen a 0,7 Liter, sowie einige wenige Magnum Flaschen.

Angel's Share: unbekannt. Er dürfte aber bei ca. 30 bis 40% liegen. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit einem Alkoholgehalt von 55,8% vol. um die Ecke. Diese dürften der Fassstärke nach 30 Jahren im Fass entsprochen haben. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt der Double Wooden Pot Still, die einst bei Port Mourant stand. Nach der Schließung Port Mourants im Jahr 1955 kam dessen Still zu Uitvlugt. Als auch Uitvlugt Ende 1999 geschlossen wurde und damit Diamond zur einzig verbliebenen Destillerie Guyanas machte, zog die Still neuerlich um und produziert bis heute Rum! 

Mark: PM (Port Mourant)

Farbe: sehr dunkles Rosé, klar ins bräunliche gehend, Kastanie. 

Viskosität: der Rum bildet lange, weite, zäh fließende, regelmäßige Schlieren, die langsam an der Glaswand hinab zurück ins Glas fließen.

Nase: direkt zu Beginn nach dem Einschenken habe ich sehr viele Lösungsmittel- und Klebstoff-Noten und auch der Alkohol ist zu diesem Zeitpunkt noch präsent. Port Mourant als Stil rieche ich direkt heraus, zeigt sich aber schon ordentlich gereift. Anders der Duncan Taylor, der sich quasi von Beginn an zugänglich gibt und noch einiges mehr an Brennerei-Charakter aufweist. Ich lasse den Silver Seal noch ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde im Ballonglas atmen. Das macht direkt einiges aus, denn nun hat sich der Alkohol bereits komplett verflüchtigt und das Bouquet liegt wie ausgebreitet vor mir. Und was für ein Bouquet! Meine Zuneigung zu alten, lange gereiften Port Mourants währt ja noch nicht so lange wie die zu Jamaicanern oder Caronis, aber hier komme ich schon sehr ins Schwärmen. Die Klebstoff-Noten sind noch immer da, zeigen sich aber nicht mehr so einnehmend. Stattdessen kommen auch ein regelrechter Schrank voller Gewürze, Lakritze, Salzkaramell, Tannine, Trockenfrüchte und leichte Pflaume. Man möchte sich in diesen Rum förmlich reinknienen um auch alles aufzusaugen, was hier an Eindrücken auf einen einprasselt. Das hohe Alter merkt man dem Rum in jeder Sekunde an, jede Nuance zeugt davon. Ein wenig wie ein Senior, der keine Gelegenheit auslässt, sein ganzes Umfeld daran zu erinnern, was er schon alles gesehen und erlebt hat. Was einem bei Greisen hingegen auch mal über sein kann, kommt hier beim 89er Silver Seal einfach nur geil! Der Duncan Taylor im Vergleich hält da nicht ganz mit. Er weist weder die Intensität noch die Komplexität des Silver Seals auf, dafür aber, wie eingangs gesagt, ein bisschen mehr Brennerei-Charakter! Ich denke, hier kommt es auf die persönliche Vorliebe an, wozu man eher tendiert. Bei mir ist es ganz eindeutig der Silver Seal!

Gaumen: der erste Eindruck ist etwas dünn, trotz der immerhin 55,8% vol. und der Tatsache, dass hier nicht mit Wasser nachgeholfen wurde, allerdings habe ich mich auch erst einmal mit einem kleineren Schluck an den Rum herangetastet. Beim Duncan Taylor ist die Verdünnung hingegen noch ungleich stärker zu merken. Hier zeigt sich, dass man da 2012 schon ordentlich Wasser mit dazu gegeben hat, auch wenn das im direkten Quervergleich sehr viel stärker auffällt als solo. Der Vorteil ist aber natürlich, dass auch größere Schlücke problemlos möglich sind und mit denen ich im folgenden auch fortfahre. Das hat gleich mehrere Vorteile, denn nun erscheint der Rum gleich um einiges vollmundiger, körperreicher und intensiver! Direkt zu Beginn vermag der Silver Seal mich allerdings auch noch in einer weiteren Hinsicht zu überraschen! Wo nämlich in der Nase, die ganz ohne Süße auskam, wirklich eher Platz war für die lange gereiften Töne, kommen nun auch Eindrücke dazu, die bisher vollkommen abwesend waren. In erster Linie ist das eben genau die eben angesprochene Süße, die hier zu Beginn viel Spaß macht und diesem Rum auch einen ungemein fruchtigen Anstrich verpasst! Denn ich finde hier wahnsinnig viel Pflaume, aber auch einiges an Anis und Lakritze, Kaffee, ordentlich Melasse, die mich schon sehr an den ebenfalls gefärbten REV von RA erinnert, sowie feine Röstaromen. Diese verleihen dem Rum auch immer wieder eine zarte Bitterkeit, die ihm sehr gut steht! Dazu kommt natürlich ein starker Einfluss des Holzes vom Eichenfass. Wer sich nun aber möglicherweise Sorgen macht, dass der Rum verholzt ist, den kann ich direkt beruhigen. Das ist nicht der Fall, bzw. mehr noch, der Rum ist davon meines Erachtens sogar weit entfernt. Das ist einfach ein richtig guter, leckerer Rum! Der Duncan Taylor kommt im Vergleich etwas weniger fruchtig daher, dafür aber mit umso mehr Lakritze und Melasse. Der Rum ist auch am Gaumen, wie schon in der Nase, spürbar jünger und auch PM-typischer. Er ist vielleicht etwas eher etwas für diejenigen, welche auch auf die ungefärbten Vertreter dieses Stils stehen.

Abgang: ein langer, warmer Abgang! Dörrobst und Melasse, sowie Tannine und viel Anis begleiten den Rum nach unten. Sehr stark!

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Fazit: vielen Dank nach Italien und an Silver Seal, dafür, dass ihr aus 1989 noch einen solchen PM ausgegraben habt! Dieser Jahrgang lag schon seit 2012 auf Eis, war überhaupt sehr selten und ich hatte schon nicht mehr wirklich damit gerechnet, dass da noch was nachkommt. Für mich ist das damit schon jetzt ein Highlight dieses Jahres, das vor Highlights ja nur so strotzt! Und trotz der enormen Konkurrenz in 2020 bin ich mir sicher, dass dieser Tropfen in meinen persönlichen Top 10 landen wird! Denn der Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989 ist einfach ein verdammt guter Rum, den man sich zu jeder Gelegenheit gut einschenken kann, der einen nie überfordert, trotzdem nicht langweilig ist und der nicht zuletzt schon nach relativ kurzer Zeit im Glas nach dem Einschenken performt und bei dem es einem einfach ein gutes Gefühl gibt, wenn man eine Flasche davon zuhause hat. Die Parallelen zu den 1970s Port Mourants wiederum zieht er sehr eindeutig, auch wenn er an die besten Vertreter dieser Jahrgänge sicherlich nicht ganz heranreicht. So ehrlich muss man schon sein. Führt man sich dann aber wieder vor Augen, dass man an diese Rums heute nur noch zu horrenden (und teils auch überzogenen) Summen herankommt, dann war der Silver Seal für seine 320,- bis 350,- Euro ganz sicher und ohne jeden Zweifel ein verdammt guter Case! Ich bereue den Kauf definitiv nicht!

-92/100-

Ein Dank geht abschließend an Malte, der diese Abfüllung geteilt hat. Vielen Dank!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 11. August 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" (Flagon 1980s)

Liebe Rum Gemeinde,

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" die Dritte! ... und die vorerst auch letzte. Nach dem Yachting Decanter und der Hip Flask, die beide schon aus dem neuen Jahrtausend stammen, zeige ich euch heute im Vergleich dazu eine Variante des Nelson's Blood im Flagon aus den 1980er Jahren!

Pusser's Nelson's Blood Family


Anders als bei den beiden neueren Pusser's Rums habe ich von diesem Flagon nur ein Sample, das aus einer Flaschenteilung auf facebook stammt. Da ich mich ohnehin gerade mit den Pusser's Rums beschäftige und der Krug schon sehr alt ist, war ich natürlich interessiert und beteiligte mich an der Teilung. Vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit dazu!
Doch nicht nur stammt dieser Rum aus einer anderen Zeit, er hat auch einen höheren Alkoholgehalt. Mit immerhin 47,75% vol. biegt der Pusser's um die Ecke und hat damit doch etwas mehr Power als die beiden anderen mit nur 42% vol.. Ein anderes großes Thema zuletzt bei den Nelson's Blood war ja der Zuckerzusatz. Ob das Unternehmen von den British Virgin Islands seine Rums bereits vor Jahrzehnten schon gesüßt hat, oder ob das erst in den letzten Jahren passiert ist, weiß ich nicht. Und auch ansonsten liegt das weitere Wissen über diesen Rum leider ähnlich im Dunkeln wie das zuvor bereits schon bei den anderen beiden Rums der Fall war. Es wird immer wieder mal im Zusammenhang mit Pusser's von einem Blend aus sechs verschiedenen Rums gesprochen, aber inwieweit das wirklich zutreffend ist, kann nicht hinreichend geklärt werden. Einzig die Double Wooden Pot Still von Port Mourant war beide Male zweifelsfrei herauszuschmecken, weswegen uns hier, wenn überhaupt, wohl auch dieses Mal nur die Tasting-Eindrücke irgendwie weiterbringen werden. 



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 47,75% vol. (Flagon 1980s):

Preis: das nette Mitglied aus dem Rum Club, das den Rum geteilt hat, hat insgesamt ca. 200,- Euro für den 750 ml Flagon bezahlt. Dieser Preis spielt für mich dann auch bereits am absolut obersten Ende des Vertretbaren. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mir einem Alkoholgehalt von 47,75% vol. um die Ecke. Die Verdünnung ist damit weniger drastisch als bei den bisher verkosteten Nelson's Blood, aber sie fand auch hier wohl statt.

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: enge, regelmäßige und satte Schlieren fließen zügig an der Glaswand zurück ins Glas. 

Nase: zunächst einmal, und das passiert tatsächlich von der ersten Sekunde an, fällt auf, dass die Nase dieses Rums wesentlich erwachsener wirkt, deutlich "echter" dazu, weniger aufdringlich im Vergleich zum Pusser's aus der Hip Flask. Der erste Eindruck stellt sich also sehr positiv dar. Im Gegensatz zu den neueren Pusser's Abfüllungen würde ich hier nicht sofort auf eine Süßung tippen. Ich schließe nicht aus, dass es sie nicht auch hier gegeben hat, aber der Verdacht kommt zumindest nicht direkt auf - ein ebenso positives Zeichen! Die Nase gibt sich überaus trocken und intensiv und durch den erhöhten Alkoholgehalt ist auch Tiefe da. Im Bouquet finde ich Anis und andere Gewürze, deutliche Röstaromen, etwas Orangenzeste, ganz peripher auch Milchschokolade, Toffee und Karamell, aber ansonsten ist da nahezu keine Süße. Anders als bei den bisherigen Pusser's habe ich hier zum ersten Mal das Gefühl, keinen reinen Rum aus Guyana vor mir zu haben. Der ist zwar zweifelsohne mit drin und die Double Wooden Pot Still ist auch dominant, aber man merkt klar, dass es sich um einen Blend handelt. Wow, gefällt mir wirklich gut!

Gaumen: am Gaumen bin ich dann doch ein wenig überrascht, denn für seine 47,5% vol. finde ich ihn doch etwas dünn, zumindest dünner als erwartet. Gleichzeitig bringt er aber auch eine leichte alkoholische Schärfe mit hinein, die so ein bisschen im Kontrast dazu steht. Schade, das gefällt mir weniger. Ist der Rum dann am Gaumen angekommen, so habe ich aber einen durchaus sehr leckeren, rummigen, wenn auch nicht sonderlich komplexen Geschmack, der für mich tatsächlich ganz nah bei dem steht, was ich mit einem Navy Rum assoziiere: er ist schwer, mundfüllend, trocken und würzig. Neben Anis und weiteren Gewürzen habe ich auch einen deutlichen Einfluss durch das Fass. Die Süße bleibt weiterhin der große Abwesende in diesem Rum. Dann kommt noch etwas Vanille dazu. 

Abgang: im Finish meine ich beinahe, Angostura herauszuschmecken, aber ich denke nicht, dass die damals schon so geschmeckt haben, wie man sie heute kennt. Der Abgang ist würzig, hat etwas frisch geschnittenes Geäst und hält eine gute Weile an.
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Fazit: rein qualitativ stellt der Rum gegenüber den neueren Pusser's Abfüllungen, wie dem Yachting Decanter oder der Hip Flask, schon einen kleinen Quantensprung dar, wenn gleich auch er mich nicht restlos überzeugt hat. Gerade wenn man sich ansieht, zu welchen Beträgen die alten Flagons inzwischen gehandelt werden muss ich sagen: das sind sie geschmacklich nicht mehr wirklich wert.  Es sind dann auch irgendwann Grenzen erreicht und ein Sample reicht vollkommen aus. Ein solches erhielt ich von einem netten Mitglied aus der Rum Club Gruppe auf Facebook, das den Flagon dankenswerter Weise zum Selbstkostenpreis geteilt hat. Vielen Dank noch einmal!
Natürlich, bereits in meinem Review zum Yachting Decanter hatte ich das deutlich herausgestellt, geht es bei diesen Rums weniger um den Inhalt als bei anderen Abfüllungen, einfach, weil die Keramikdecanter zur Dekoration der eigenen vier Wände geradezu einladen. Viele Käufer werden sich die Teile einfach hinstellen und es daher verschmerzen können, wenn sich der Rum dann nicht als absoluter Knaller herausstellt. Aber all jenen, die mit dem Gedanken spielen sie auch zu öffnen, möchte ich an dieser Stelle schon so etwas wie eine Orientierungshilfe geben. Ich würde diesen alten Flagon also auf jeden Fall den neueren vorziehen, aber die nun aufgerufenen Summen können aus meiner Sicht auch sie (inhaltlich) nicht rechtfertigen.

-83/100-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 28. Juli 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol. (Hip Flask)

Liebe Rum Gemeinde,

schon wieder ein Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"?! Hatten wir doch erst! Ja, ist richtig... aber den gab es in vielen verschiedenen Versionen und der heutige Rum ist ein anderer als der von neulich im großen Yachting Decanter. Ich bin gespannt! 




Die Hip Flask erwarb ich, ebenso wie zuvor schon den Yachting Decanter, in einem lokalen Shop und hatte diesen so erst einmal gar nicht wirklich auf dem Zettel. Man könnte daher auch sagen, dass ich ihn mehr oder weniger mit dazu gekauft hatte. Im Vorfeld hatte ich ihn auch schon mal probiert, nur auf die Schnelle allerdings, und war positiv überrascht. Nein, natürlich kein Top Rum, aber ein entspannter Kandidat mit leichtem Zugang, bei dem man für den Preis nicht viel verkehrt machen konnte (ich zahlte 15,- € für 200 ml) und so kaufte ich mir ein paar davon und werde heute mal schauen, was die nun wirklich können.

Über den Rum selbst kann ich leider ebenso wenig sagen, wie zuletzt bereits über den Decanter. Beide stammen von den British Virgin Islands, aber anders als der Decanter, ist der Rum aus der Hip Flask als Barbados Rum deklariert, nicht als Trinidad Rum wenn gleich auch diese Angabe ebenso zweifelhaft ist. Vermutlich stammt der Rum aus mehreren Ländern und Destillerien. Die Hip Flask fasst ein Volumen von 200 ml und ist von ihrer ganzen Beschaffenheit natürlich wie gemacht zum Mitnehmen für unterwegs. Gemeinsam haben beide dann aber wieder ihren Alkoholgehalt von 42% vol., was leider nicht so richtig viel ist. Der Rum aus dem Decanter ist gerade noch einmal am Flüssig-Tod vorbeigeschrammt, ich hoffe, das gelingt diesem hier heute auch. Definitiv sprechen müssen wir leider über eine Süßung, die diesen Messungen zufolge stattgefunden hat! Zwar ist der Nelson's Blood in den Listen nicht explizit erwähnt, aber ausnahmslos alle anderen getesteten Pusser's, und insbesondere die mit der Hip Flask vergleichbaren Abfüllungen, enthalten zum Teil leider doch sehr erhebliche Mengen an Zusätzen! Vermutet hatte ich das in meinem Review zum Yachting Decanter bereits, aber nun fand ich es auch in den Listen, in die ich zuvor lange nicht reingeschaut hatte, da mein üblicher Rum Geschmack und die kritischen Rums in der Regel nie viel miteinander zu tun haben. Schade und ärgerlich, dass hier wohl nachgeholfen wurde. Drum lasst uns, bevor uns die Laune darüber vergeht, über die Flasche selbst sprechen, denn da gibt es erneut nichts zu beklagen! Stilistisch schöpft Pussers bei der Flasche erneut aus den Vollen: Unter der Überschrift "Splice the Main Brace!" (der Befehl an Bord, eine Extra Ration Rum auszuschenken) finden sich diverse Toasts zu den verschiedenen Wochentagen. In dieser Tradition steckt immer auch ganz viel Ironie und Humor (macht euch mal einen Spaß und sucht die Bedeutung von "Splice the Main Brace!" heraus😉) und für mich persönlich ist diese mitgelieferte Kultur eigentlich das Highlight des Rums.



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: ich habe 15,- Euro für den 200ml Flachmann bezahlt. Im Netz werden aber zum Teil auch deutlich höhere Preise aufgerufen. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum weist einen Alkoholgehalt von 42% vol. auf, ist daher wohl stark verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: die Nase ist der seines Bruders im Decanter tatsächlich schon recht ähnlich. Ein schweres und kräftiges Destillat wabert mir entgegen, weiß meine Nase sofort für sich einzunehmen. Ein sehr angenehmer, rummiger Geruch, bei dem alkoholische Schärfe keine Rolle spielt, ohne, dass es den Rum dadurch schwach erscheinen lässt. Über die Herkunft des Rums gibt es wenig Zweifel: Port Mourant ist sehr dominant! Ich habe die volle Dröhnung Anis im Bouquet, dass es eine wahre Freude ist! Schon beim Decanter Rum spekulierte ich darauf, dass die Double Wooden Pot Still ganz viel mit diesem Rum zu tun hat, schließlich wird sie auf einigen Abfüllungen von Pusser's ja auch als Urheberin genannt, aber hier wird das für mich nochmal klarer. Witziger Weise wird als Herkunftsland auf dem Flachmann einzig Barbados genannt, aber ein reiner Barbados Rum kann hier definitiv ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Neben Anis finde ich auch viel Orangenzeste, süße Aprikosen-Orangen-Marmelade, Tabakblätter, Nelke, reife Bananen, Mangos und eine kräftige Note vom Holz, so dass die Verwandtschaft zum Decanter schon eng ist. Ich empfinde die Nase aber insgesamt noch als ein wenig intensiver und ausdrucksstärker. Ich hätte den Alkoholgehalt dieser Abfüllung wohl über die 42% vol. getippt. Dieser Effekt wird allerdings leider wohl auch durch die Süßung erzielt, so dass sich der Rum das nicht einzig auf die Fahne schreiben sollte. Aber wie beim Decanter gilt auch hier: sehr, sehr entspannter Rum! 

Gaumen: zunächst einmal fällt deutlich und positiv auf, dass der Rum sehr viel "bissfester" daherzukommen scheint als der aus dem Yachting Decanter. Die 42% vol. machen sich zwar auch hier bemerkbar, aber noch weniger negativ. Auch alkoholische Schärfe findet nicht statt. Einer der ersten Eindrücke danach ist dann aber tatsächlich leider auch der Zucker. Mir fiel das beim Decanter schon auf, noch ohne es dort noch zu wissen, aber nun, mit dem Wissen darum, ist das leider gar nicht mehr zu leugnen. Schade. Zumal ich das Gefühl habe, dass es der Rum nicht nötig gehabt hätte. Das entspannte, was mir beim Decanter Rum so gefiel, das hat der Pusser's aus der Hip Flask auch. Abseits des Ärgers um die Süßung macht der Rum Spaß, so fair und ehrlich muss ich da schon sein. Der Rum gibt sich, hinter der Süße, eher trocken, Port Mourant und sein Anis kommen dominant durch und machen ziemlich sicher den Mammut-Anteil dieses Blends aus. 

Abgang: Tabak und Eichenholz habe ich im Abgang und dazu leider auch eine übertriebene unnatürliche Süße mit Vanille-Aroma. Schon verrückt, wie sehr einem das dann auch auffällt, wenn man es erst einmal sicher weiß. 

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Fazit: mir gefiel der Rum leicht besser als der aus dem Yachting Decanter, aber Welten liegen nicht zwischen ihnen. Die Süßung ist bedauerlich, meines Erachtens auch unnötig und vor allen Dingen widerspricht sie all meinen Ansichten zu diesem Thema, Stichwort Deklarierung. Ich habe nichts dagegen, dass Hersteller ihre Rums süßen, denn dafür gibt es schließlich auch ganz eindeutig einen Markt, aber dann sollte es auch transparent auf dem Label stehen. Apropos Transparenz: auf der Flasche ist Barbados als Herkunftsland angegeben. Ja, mag sein, dass auch Barbados drin ist, aber wie schon beim Yachting Decanter ist auch hier klar, dass z.B. Guyana auf jeden Fall drin ist und auch die meisten Quellen zum Pusser's Rum sprechen von insgesamt sechs verschiedenen Rums. Auch hier wäre ich für etwas mehr Liebe zum Detail. Ansonsten gilt aber das gleiche wie für den Rum aus dem Yachting Decanter: entspannt auf der Terrasse oder dem Balkon genießen ist kein Problem, wenn man jeden Anspruch ablegt und -wie wir jetzt wissen- die Zuckerthematik für einen Moment aus seinem Kopf verdrängen kann. Dann, aber auch nur dann, kann der Rum Spaß machen und ist noch dazu ein echter Hingucker! Denn die gesamte mitgelieferte Tradition aus den alten Tagen der Royal Navy ist ein absoluter Traum und für mich wohl der Grund dafür, dass mich die Teile trotz des zweifelhaften Inhalts irgendwie reizen.

-ohne Wertung-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 26. Mai 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol.

Liebe Rum Gemeinde,

heute bin ich einmal auf Abwegen unterwegs... denn ich führe mir einen Navy Rum zu Gemüte! Eigentlich ist das gar nicht so meins... eigentlich...



Normalerweise interessiert mich bei einem Rum in letzter Konsequenz nur genau das: der Rum! Zwar habe ich rein gar nichts gegen ein schönes Label in einer dazu passenden Flasche und auch, als es letztes Jahr daran ging den Hampden DOK abzufüllen spielte das Package natürlich eine Rolle, zugegeben, aber am Ende zählt der Rum. Diesem würde ich im Zweifel ein unansehnliches Label immer verzeihen, solange er mich im Glas überzeugt. Anders herum funktioniert das "leider" nicht. Eigentlich. Heute allerdings habe ich es mit einem Tropfen zu tun, den ich tatsächlich in erster Linie wegen seines Äußeren gekauft habe und in der Hoffnung, dass der Inhalt dem Ganzen am Ende gerecht werden kann. Es geht um den Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"!

Ja, ich gebe es zu! Der Decanter hat mich schwach gemacht und der Preis stimmte ebenfalls und da konnte ich dann nicht mehr anders. Im Gegensatz zu Flaschen aller Art, haben mich die Pusser's Decanter, da gibt es ja mehrere, schon immer irgendwie fasziniert. So vollkommen aus der Zeit gefallen, sind das einfach echte Eyecatcher. Bestellt habe ich, aus Angst vor Bruch, nie einen, aber in einem Ladengeschäft und zu sehr günstigem Kurs musste ich dann zuschlagen. Und nur deshalb gibt es den Pusser's nun hier auf dem Blog zu bestaunen?! Ernsthaft, Flo?! Jein. Natürlich würde ich hier nicht über den Rum sprechen wollen, wenn er nicht schon etwas mehr wäre als reine Deko in meinem Wohnzimmer, das ist ja klar. Aber, und ja, auch das gebe ich zu: ob ich über den Pusser's auch dann sprechen würde, ob er mir überhaupt irgendwann aufgefallen wäre, wenn er in einer ganz normalen 0815 Flasche daher käme, möchte ich in Zweifel stellen. In erster Linie ging es für mich daher um die Frage, ob es sich auch lohnen würde, sich das Teil nicht nur hinzustellen sondern auch aufzumachen und ich könnte mir vorstellen, dass diese Frage auch andere umtreibt, die sowas vielleicht zuhause stehen haben und unsicher sind oder mit dem Gedanken spielen so einen Decanter zu erwerben. Hier möchte ich am Ende der Review natürlich Antworten liefern.


Was kann man über den Rum an sich sagen?

Viel ist leider nicht bekannt. Abgefüllt wurde der Navy Rum von Pusser's Rum Limited, das auf den British Virgin Islands beheimatet ist. Ob der Rum dort auch abgefüllt wurde, weiß ich nicht. Der Decanter fasst einen Liter Rum, welcher aus Trinidad & Tobago stammen soll. Hier wiederum kommt dann eigentlich nur noch Angostura in Frage, da der Rum nicht so alt ist, als dass nennenswerte Caroni Anteile noch dringend zu vermuten sind. Mit einem Alkoholgehalt von 42% vol. biegt der Tropfen nicht gerade potent um die Ecke und befindet sich eigentlich auch schon außerhalb meines Beuteschemas. Der Decanter selbst kommt äußerst stilvoll daher, wenn man denn auf diese Art Kitsch steht (so wie ich😁). Man sieht darauf eine Regatta und es befinden sich darüber hinaus auch diverse Verweise zu historischen Regatten, wie dem America's Cup, der sich bis ins Jahr 1851 zurückdatieren lässt. Am Ende des Halses vom Decanter befindet sich eine Wachsversiegelung. Ist der Rum einmal geöffnet, tritt an ihrer statt ein separat beigelegter und zum Decanter passender Korken. Soweit also dazu. Nun wollen wir sehen, was der Pusser's im Glas kann!



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: der Decanter war ursprünglich für ca. 80,- bis 100,- Euro zu haben. Inzwischen gibt es ihn allerdings nicht mehr und die Preise sind gestiegen. Ein genauer Marktwert ist aber meines Erachtens schwierig zu beziffern. 

Alter: es befindet sich nirgends eine Altersangabe. Auf der gleichnamigen Glasflasche erfährt man ein Alter von 15 Jahren, aber ob das über die Jahre immer der gleiche Rum war oder sich nur der Name durchzog, ist fraglich.

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: auch hier können keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit sehr moderaten 42% vol. daher, wurde also wohl ordentlich verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: eine wirklich schwere und kräftige, ja, im Hinblick auf den geringen Alkoholgehalt des Rums auch durchaus unerwartet kräftige Nase begrüßt und überrascht mich gleichermaßen. British-Style! Ich habe eine Fülle an Anis, wie ich sie eigentlich nur von einer Destillerie so kenne: Port Mourant! Tatsächlich wird eine Double Wooden Pot Still ja auch auf einigen Abfüllungen von Pusser's direkt benannt, was diese Vermutung also noch einmal bestärkt, dass im Blend auch Rums von Port Mourant enthalten sind. Einen reinen Trinidad Rum, so wie es auf dem Decanter geschrieben steht, schließe ich jedenfalls sicher aus. Gleichzeitig weist der Rum aber auch eine deutliche und schöne Fruchtigkeit auf, die mir gut gefällt und was, kombiniert mit Noten von u.a. Tabakblättern und Eichenholz, ein wirklich angenehmes und auch unangestrengtes Bouquet ergibt. Ein Rum, der Spaß macht! Es gibt jetzt sicher einige, die das noch viel weiter aufschlüsseln könnten oder wollten, aber mir geht es da gerade echt mehr darum, diesen entspannten Charakter dieses Rums in den Vordergrund zu stellen: das ist nichts zum tot-analysieren, das ist nur smooth. 

Gaumen: hier offenbart sich natürlich der geringe Alkoholgehalt gleich einmal als erstes und ja natürlich, man spürt die enorme Verdünnung unvermeidlich. Das ist auch sehr schade, denn bei allem was danach kommt wird deutlich, dass das mit 50% vol. oder mehr ein sehr viel besserer Rum wäre! Es brennt nichts und man kann problemlos zu größeren Schlücken übergehen. Mehr noch: der Rum gewinnt ganz eindeutig mit größeren Schlücken! Allerdings: ist das tatsächlich ein reiner Rum? Ich bin mir nicht zu 100% sicher und werde mich hier daher hüten irgendwas als Tatsachenbehauptung rauszuhauen, aber für meinen Geschmack könnte der einen ganz leichten Süß-Stich haben. Nicht unbedingt viel und ich hatte ewig nichts mehr mit Bonus-Zutaten im Glas, aber es könnte möglich sein, meiner Meinung nach. Sollte es so sein, verurteile ich das grundsätzlich, zumal so ohne jede Angabe dazu, allerdings ändert es rein geschmacklich nicht unbedingt etwas daran, dass man den guten Tropfen wirklich sehr gut und entspannt trinken kann. Guyana und Port Mourant werden neuerlich deutlich, bzw. eindeutig. Fruchtig-trocken, mit einem gesunden Körper und gerade noch an der Grenze des Machbaren, was die Verdünnung betrifft, macht das großen Spaß. Der Rum kann am Gaumen zwar nicht mit der Nase konkurrieren, meines Erachtens, schon wegen des geringen Alkoholgehalts, aber das ist wirklich ein Teil für die Terrasse und nicht um ihn kaputt zu rezensieren. 

Abgang: Tabak und Eichenholz begleiten den Rum auf seinem Weg hinab. Wirklich lange verweilt er nicht am Gaumen. 

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Fazit: kein Rum, den ich in einer gewöhnlichen Flasche gekauft hätte. Das muss ich ganz klar und eindeutig noch einmal so voranstellen! Das bedeutet nicht, dass ich den Kauf bereue, ganz im Gegenteil sogar, aber es gibt manchmal eben so Sachen, die wollen nicht so recht in irgendwelche Schubladen passen, die sind eben anders - und so ist das heute mit diesem Decanter! Den finde ich einfach geil und und für den Rum selbst sehe ich auf der Terrasse oder dem Balkon zum Grillen oder entspannen auch ein Anwendungsgebiet, und so kann ein Gesamtpaket dann auch einfach mal wider aller Prinzipien passen! Und viel mehr gibt es dazu dann auch eigentlich gar nicht zu erzählen. Wem es da geht wie mir und wer ebenfalls auf diese Optik steht und einem guten, entspannten Rum im britischen Stil ohne viel Anspruch nicht abgeneigt ist, der kann das Teil meines Erachtens guten Gewissens kaufen und bereut es dann auch nicht. Man darf eben nur keinen Über-Rum erwarten, aber ich glaube, das ist deutlich geworden.
Gespannt bin ich nun darauf, wie sich der Rum im Vergleich zu anderen Nelson's Blood verhält, ob das alles die gleichen sind oder ob es da trotz des gemeinsamen Namens Unterschiede gibt. Da möchte ich mich nach dieser Erfahrung durchaus mal durchprobieren, vor allem im Hinblick darauf, dass die Herkunftsangabe mit Trinidad & Tobago willkürlich gewählt zu sein scheint. Möglich, dass da auch Trinidad drin ist, aber definitiv nicht ausschließlich. Was da also unter Umständen noch alles drin ist bleibt im Dunkeln. Nur, noch einmal: die Frage ist bei diesem Rum tatsächlich auch eher zweitrangig. Daher möchte ich auch keine direkte Wertung vornehmen. Im Decanter gibt's für den Pusser's die 100 Punkte, im Glas wären es auf jeden Fall weniger ;-)

-ohne Wertung-

Ein herzliches Dankeschön für das Sample zur Abfüllung möchte ich noch einmal in den Süden der Republik senden!


Bis dahin!
Flo