Sonntag, 11. August 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" (Flagon 1980s)

Liebe Rum Gemeinde,

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" die Dritte! ... und die vorerst auch letzte. Nach dem Yachting Decanter und der Hip Flask, die beide schon aus dem neuen Jahrtausend stammen, zeige ich euch heute im Vergleich dazu eine Variante des Nelson's Blood im Flagon aus den 1980er Jahren!

Pusser's Nelson's Blood Family


Anders als bei den beiden neueren Pusser's Rums habe ich von diesem Flagon nur ein Sample, das aus einer Flaschenteilung auf facebook stammt. Da ich mich ohnehin gerade mit den Pusser's Rums beschäftige und der Krug schon sehr alt ist, war ich natürlich interessiert und beteiligte mich an der Teilung. Vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit dazu!
Doch nicht nur stammt dieser Rum aus einer anderen Zeit, er hat auch einen höheren Alkoholgehalt. Mit immerhin 47,75% vol. biegt der Pusser's um die Ecke und hat damit doch etwas mehr Power als die beiden anderen mit nur 42% vol.. Ein anderes großes Thema zuletzt bei den Nelson's Blood war ja der Zuckerzusatz. Ob das Unternehmen von den British Virgin Islands seine Rums bereits vor Jahrzehnten schon gesüßt hat, oder ob das erst in den letzten Jahren passiert ist, weiß ich nicht. Und auch ansonsten liegt das weitere Wissen über diesen Rum leider ähnlich im Dunkeln wie das zuvor bereits schon bei den anderen beiden Rums der Fall war. Es wird immer wieder mal im Zusammenhang mit Pusser's von einem Blend aus sechs verschiedenen Rums gesprochen, aber inwieweit das wirklich zutreffend ist, kann nicht hinreichend geklärt werden. Einzig die Double Wooden Pot Still von Port Mourant war beide Male zweifelsfrei herauszuschmecken, weswegen uns hier, wenn überhaupt, wohl auch dieses Mal nur die Tasting-Eindrücke irgendwie weiterbringen werden. 



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 47,75% vol. (Flagon 1980s):

Preis: das nette Mitglied aus dem Rum Club, das den Rum geteilt hat, hat insgesamt ca. 200,- Euro für den 750 ml Flagon bezahlt. Dieser Preis spielt für mich dann auch bereits am absolut obersten Ende des Vertretbaren. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mir einem Alkoholgehalt von 47,75% vol. um die Ecke. Die Verdünnung ist damit weniger drastisch als bei den bisher verkosteten Nelson's Blood, aber sie fand auch hier wohl statt.

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: enge, regelmäßige und satte Schlieren fließen zügig an der Glaswand zurück ins Glas. 

Nase: zunächst einmal, und das passiert tatsächlich von der ersten Sekunde an, fällt auf, dass die Nase dieses Rums wesentlich erwachsener wirkt, deutlich "echter" dazu, weniger aufdringlich im Vergleich zum Pusser's aus der Hip Flask. Der erste Eindruck stellt sich also sehr positiv dar. Im Gegensatz zu den neueren Pusser's Abfüllungen würde ich hier nicht sofort auf eine Süßung tippen. Ich schließe nicht aus, dass es sie nicht auch hier gegeben hat, aber der Verdacht kommt zumindest nicht direkt auf - ein ebenso positives Zeichen! Die Nase gibt sich überaus trocken und intensiv und durch den erhöhten Alkoholgehalt ist auch Tiefe da. Im Bouquet finde ich Anis und andere Gewürze, deutliche Röstaromen, etwas Orangenzeste, ganz peripher auch Milchschokolade, Toffee und Karamell, aber ansonsten ist da nahezu keine Süße. Anders als bei den bisherigen Pusser's habe ich hier zum ersten Mal das Gefühl, keinen reinen Rum aus Guyana vor mir zu haben. Der ist zwar zweifelsohne mit drin und die Double Wooden Pot Still ist auch dominant, aber man merkt klar, dass es sich um einen Blend handelt. Wow, gefällt mir wirklich gut!

Gaumen: am Gaumen bin ich dann doch ein wenig überrascht, denn für seine 47,5% vol. finde ich ihn doch etwas dünn, zumindest dünner als erwartet. Gleichzeitig bringt er aber auch eine leichte alkoholische Schärfe mit hinein, die so ein bisschen im Kontrast dazu steht. Schade, das gefällt mir weniger. Ist der Rum dann am Gaumen angekommen, so habe ich aber einen durchaus sehr leckeren, rummigen, wenn auch nicht sonderlich komplexen Geschmack, der für mich tatsächlich ganz nah bei dem steht, was ich mit einem Navy Rum assoziiere: er ist schwer, mundfüllend, trocken und würzig. Neben Anis und weiteren Gewürzen habe ich auch einen deutlichen Einfluss durch das Fass. Die Süße bleibt weiterhin der große Abwesende in diesem Rum. Dann kommt noch etwas Vanille dazu. 

Abgang: im Finish meine ich beinahe, Angostura herauszuschmecken, aber ich denke nicht, dass die damals schon so geschmeckt haben, wie man sie heute kennt. Der Abgang ist würzig, hat etwas frisch geschnittenes Geäst und hält eine gute Weile an.
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Fazit: rein qualitativ stellt der Rum gegenüber den neueren Pusser's Abfüllungen, wie dem Yachting Decanter oder der Hip Flask, schon einen kleinen Quantensprung dar, wenn gleich auch er mich nicht restlos überzeugt hat. Gerade wenn man sich ansieht, zu welchen Beträgen die alten Flagons inzwischen gehandelt werden muss ich sagen: das sind sie geschmacklich nicht mehr wirklich wert.  Es sind dann auch irgendwann Grenzen erreicht und ein Sample reicht vollkommen aus. Ein solches erhielt ich von einem netten Mitglied aus der Rum Club Gruppe auf Facebook, das den Flagon dankenswerter Weise zum Selbstkostenpreis geteilt hat. Vielen Dank noch einmal!
Natürlich, bereits in meinem Review zum Yachting Decanter hatte ich das deutlich herausgestellt, geht es bei diesen Rums weniger um den Inhalt als bei anderen Abfüllungen, einfach, weil die Keramikdecanter zur Dekoration der eigenen vier Wände geradezu einladen. Viele Käufer werden sich die Teile einfach hinstellen und es daher verschmerzen können, wenn sich der Rum dann nicht als absoluter Knaller herausstellt. Aber all jenen, die mit dem Gedanken spielen sie auch zu öffnen, möchte ich an dieser Stelle schon so etwas wie eine Orientierungshilfe geben. Ich würde diesen alten Flagon also auf jeden Fall den neueren vorziehen, aber die nun aufgerufenen Summen können aus meiner Sicht auch sie (inhaltlich) nicht rechtfertigen.

-83/100-


Bis demnächst,
Flo

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