Sonntag, 28. Juli 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol. (Hip Flask)

Liebe Rum Gemeinde,

schon wieder ein Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"?! Hatten wir doch erst! Ja, ist richtig... aber den gab es in vielen verschiedenen Versionen und der heutige Rum ist ein anderer als der von neulich im großen Yachting Decanter. Ich bin gespannt! 




Die Hip Flask erwarb ich, ebenso wie zuvor schon den Yachting Decanter, in einem lokalen Shop und hatte diesen so erst einmal gar nicht wirklich auf dem Zettel. Man könnte daher auch sagen, dass ich ihn mehr oder weniger mit dazu gekauft hatte. Im Vorfeld hatte ich ihn auch schon mal probiert, nur auf die Schnelle allerdings, und war positiv überrascht. Nein, natürlich kein Top Rum, aber ein entspannter Kandidat mit leichtem Zugang, bei dem man für den Preis nicht viel verkehrt machen konnte (ich zahlte 15,- € für 200 ml) und so kaufte ich mir ein paar davon und werde heute mal schauen, was die nun wirklich können.

Über den Rum selbst kann ich leider ebenso wenig sagen, wie zuletzt bereits über den Decanter. Beide stammen von den British Virgin Islands, aber anders als der Decanter, ist der Rum aus der Hip Flask als Barbados Rum deklariert, nicht als Trinidad Rum wenn gleich auch diese Angabe ebenso zweifelhaft ist. Vermutlich stammt der Rum aus mehreren Ländern und Destillerien. Die Hip Flask fasst ein Volumen von 200 ml und ist von ihrer ganzen Beschaffenheit natürlich wie gemacht zum Mitnehmen für unterwegs. Gemeinsam haben beide dann aber wieder ihren Alkoholgehalt von 42% vol., was leider nicht so richtig viel ist. Der Rum aus dem Decanter ist gerade noch einmal am Flüssig-Tod vorbeigeschrammt, ich hoffe, das gelingt diesem hier heute auch. Definitiv sprechen müssen wir leider über eine Süßung, die diesen Messungen zufolge stattgefunden hat! Zwar ist der Nelson's Blood in den Listen nicht explizit erwähnt, aber ausnahmslos alle anderen getesteten Pusser's, und insbesondere die mit der Hip Flask vergleichbaren Abfüllungen, enthalten zum Teil leider doch sehr erhebliche Mengen an Zusätzen! Vermutet hatte ich das in meinem Review zum Yachting Decanter bereits, aber nun fand ich es auch in den Listen, in die ich zuvor lange nicht reingeschaut hatte, da mein üblicher Rum Geschmack und die kritischen Rums in der Regel nie viel miteinander zu tun haben. Schade und ärgerlich, dass hier wohl nachgeholfen wurde. Drum lasst uns, bevor uns die Laune darüber vergeht, über die Flasche selbst sprechen, denn da gibt es erneut nichts zu beklagen! Stilistisch schöpft Pussers bei der Flasche erneut aus den Vollen: Unter der Überschrift "Splice the Main Brace!" (der Befehl an Bord, eine Extra Ration Rum auszuschenken) finden sich diverse Toasts zu den verschiedenen Wochentagen. In dieser Tradition steckt immer auch ganz viel Ironie und Humor (macht euch mal einen Spaß und sucht die Bedeutung von "Splice the Main Brace!" heraus😉) und für mich persönlich ist diese mitgelieferte Kultur eigentlich das Highlight des Rums.



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: ich habe 15,- Euro für den 200ml Flachmann bezahlt. Im Netz werden aber zum Teil auch deutlich höhere Preise aufgerufen. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum weist einen Alkoholgehalt von 42% vol. auf, ist daher wohl stark verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: die Nase ist der seines Bruders im Decanter tatsächlich schon recht ähnlich. Ein schweres und kräftiges Destillat wabert mir entgegen, weiß meine Nase sofort für sich einzunehmen. Ein sehr angenehmer, rummiger Geruch, bei dem alkoholische Schärfe keine Rolle spielt, ohne, dass es den Rum dadurch schwach erscheinen lässt. Über die Herkunft des Rums gibt es wenig Zweifel: Port Mourant ist sehr dominant! Ich habe die volle Dröhnung Anis im Bouquet, dass es eine wahre Freude ist! Schon beim Decanter Rum spekulierte ich darauf, dass die Double Wooden Pot Still ganz viel mit diesem Rum zu tun hat, schließlich wird sie auf einigen Abfüllungen von Pusser's ja auch als Urheberin genannt, aber hier wird das für mich nochmal klarer. Witziger Weise wird als Herkunftsland auf dem Flachmann einzig Barbados genannt, aber ein reiner Barbados Rum kann hier definitiv ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Neben Anis finde ich auch viel Orangenzeste, süße Aprikosen-Orangen-Marmelade, Tabakblätter, Nelke, reife Bananen, Mangos und eine kräftige Note vom Holz, so dass die Verwandtschaft zum Decanter schon eng ist. Ich empfinde die Nase aber insgesamt noch als ein wenig intensiver und ausdrucksstärker. Ich hätte den Alkoholgehalt dieser Abfüllung wohl über die 42% vol. getippt. Dieser Effekt wird allerdings leider wohl auch durch die Süßung erzielt, so dass sich der Rum das nicht einzig auf die Fahne schreiben sollte. Aber wie beim Decanter gilt auch hier: sehr, sehr entspannter Rum! 

Gaumen: zunächst einmal fällt deutlich und positiv auf, dass der Rum sehr viel "bissfester" daherzukommen scheint als der aus dem Yachting Decanter. Die 42% vol. machen sich zwar auch hier bemerkbar, aber noch weniger negativ. Auch alkoholische Schärfe findet nicht statt. Einer der ersten Eindrücke danach ist dann aber tatsächlich leider auch der Zucker. Mir fiel das beim Decanter schon auf, noch ohne es dort noch zu wissen, aber nun, mit dem Wissen darum, ist das leider gar nicht mehr zu leugnen. Schade. Zumal ich das Gefühl habe, dass es der Rum nicht nötig gehabt hätte. Das entspannte, was mir beim Decanter Rum so gefiel, das hat der Pusser's aus der Hip Flask auch. Abseits des Ärgers um die Süßung macht der Rum Spaß, so fair und ehrlich muss ich da schon sein. Der Rum gibt sich, hinter der Süße, eher trocken, Port Mourant und sein Anis kommen dominant durch und machen ziemlich sicher den Mammut-Anteil dieses Blends aus. 

Abgang: Tabak und Eichenholz habe ich im Abgang und dazu leider auch eine übertriebene unnatürliche Süße mit Vanille-Aroma. Schon verrückt, wie sehr einem das dann auch auffällt, wenn man es erst einmal sicher weiß. 

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Fazit: mir gefiel der Rum leicht besser als der aus dem Yachting Decanter, aber Welten liegen nicht zwischen ihnen. Die Süßung ist bedauerlich, meines Erachtens auch unnötig und vor allen Dingen widerspricht sie all meinen Ansichten zu diesem Thema, Stichwort Deklarierung. Ich habe nichts dagegen, dass Hersteller ihre Rums süßen, denn dafür gibt es schließlich auch ganz eindeutig einen Markt, aber dann sollte es auch transparent auf dem Label stehen. Apropos Transparenz: auf der Flasche ist Barbados als Herkunftsland angegeben. Ja, mag sein, dass auch Barbados drin ist, aber wie schon beim Yachting Decanter ist auch hier klar, dass z.B. Guyana auf jeden Fall drin ist und auch die meisten Quellen zum Pusser's Rum sprechen von insgesamt sechs verschiedenen Rums. Auch hier wäre ich für etwas mehr Liebe zum Detail. Ansonsten gilt aber das gleiche wie für den Rum aus dem Yachting Decanter: entspannt auf der Terrasse oder dem Balkon genießen ist kein Problem, wenn man jeden Anspruch ablegt und -wie wir jetzt wissen- die Zuckerthematik für einen Moment aus seinem Kopf verdrängen kann. Dann, aber auch nur dann, kann der Rum Spaß machen und ist noch dazu ein echter Hingucker! Denn die gesamte mitgelieferte Tradition aus den alten Tagen der Royal Navy ist ein absoluter Traum und für mich wohl der Grund dafür, dass mich die Teile trotz des zweifelhaften Inhalts irgendwie reizen.

-ohne Wertung-


Bis demnächst,
Flo

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