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Sonntag, 7. März 2021

References... Barbados W.I.R.D. Rockley-Style 1986

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem sich der Wirbel um den neuen RA Barbados Rockley Style 1986 nun ein wenig gelegt hat möchte ich die Gelegenheit nutzen und all denen die vielleicht noch nicht so lange dabei sind und die Geschichte und die Entwicklung von Rockley bis vor ein paar Wochen eher weniger verfolgt haben verdeutlichen, warum der RA eine derart exponierte Stellung in meiner Wahrnehmung eingenommen hat.



Dazu werde ich euch heute ein wenig, bisher unveröffentlichtes, BAT-Archivmaterial zur Verfügung stellen, das aus einer umfangreichen Parallelverkostung von vor einiger Zeit stammt. Darin habe ich acht verschiedene 1986er Rockley Style gegeneinander getestet, von denen fast alle zu den Referenzen dieses Stils zählen. Und die wenigen wichtigen 1986er die in diesem Crosstasting nicht dabei waren, u.a. der Cadenhead BRS 16 YO, der Green Label 15, oder der 16 YO Bristol, hatte ich zu früheren (und späteren) Zeitpunkten bereits unzählige Male im Glas, so dass ich auch sie im abschließenden Fazit durchaus mit einbeziehen kann. Und zum Abschluss erwartet euch dann sogar noch ein kleiner Bonus. Wichtige Anmerkung: zum Zeitpunkt dieses Tastings waren weder das 1986er Bottling von Silver Seal, noch das von RA überhaupt abzusehen und auch das Review zum Duncan Taylor noch nicht online, den ich im Sommer 2020 schon mal ausführlicher verkostet hatte. Ich habe die Stellen an denen das relevant ist entsprechend mit Anmerkungen versehen, so dass sowohl meine damalige, als auch die mit der Gegenwart heute abgeglichene Sicht der Dinge gleichermaßen herauskommen. Auch das ist entscheidend um den Stellenwert des RA-Bottlings für mich ganz persönlich zu ermitteln. 


Bei den zur Verkostung gekommenen Rums handelt es sich um:
  • Velier Barbados Rum 11 YO Rockley 1986 - 46% vol.
  • Cadehead's Barbados Rum 12 YO W.I.R.R. 1986 - 73,4% vol.
  • Samaroli Barbados Rum 13 YO W.I.R.R. 1986 - 57% vol.
  • The Secret Treasures Barbados Rum 14 YO W.I.R.D. 1986 - 40% vol.
  • Cadenhead Green Label Barbados Rum 18 YO - 46% vol.
  • Bristol Barbados Rum 22 YO Rockley 1986 - Ex-Madeira - 46% vol.
  • Bristol Barbados Rum 25 YO Rockley 1986 Ex-Sherry - 46% vol.
  • Duncan Taylor Barbados Rum 25 YO W.I.R.D. 1986 - 52,7% vol.

... and here we go! ;-) 




Velier Barbados Rum 11 YO Rockley 1986 - 46% vol.

Info: eine Abfüllung, die noch aus der Anfangszeit von Velier stammt, als man weder in schwarzen Flaschen, noch in Fassstärke, noch tropisch gereiften Rum abgefüllt hat, sondern -wie eigentlich alle anderen Independent Bottler- kontinental gereiften Rum von Scheer/MRC in 46% Trinkstärke. Soweit ich weiß handelt es sich hierbei allerdings auch sowohl um den ersten abgefüllten Barbados 1986 Rockley Style überhaupt, als auch um den ersten Rum der West Indies Rum Refinery, der unter dem Namen Rockley firmierte.  Mir ist jedenfalls keine Abfüllung bekannt, die aus einer Zeit davor stammt. Für die Urheberschaft der Bezeichnung "Rockley" könnte dieser Umstand nicht unerheblich sein... genaueres weiß man leider nach wie vor nicht. 

Nase:
 richtig schöne, volle Nase mit viel Vanille, viel Honig, leichten Estern, das ist typisch WIRD 86! Dahinter finde ich auch fruchtige Süße von Bananen, Pflaumen und Aprikosen, sowie Rauch. Dazu medizinische Anklänge. Durch das junge Alter fehlen Holzeindrücke nahezu vollständig. Dennoch wirkt der Rum nicht jung im Sinne von ungestüm. Der hat eine richtig tolle Nase! 

Gaumen: am Gaumen macht sich der geringe Alkoholgehalt von 46% vol. leider zunächst sehr bemerkbar, der Rum ist schon arg dünn. Dahinter erwartet mich dann allerdings, sehr, sehr viel Geschmack nach Honig und auch Vanille kommt stark durch. Er wird nun auch cremiger, was mir gut gefällt. Nach hinten heraus habe ich noch Rauch. Dazu auch Banane, eine natürliche Süße, leichte Nuss. Typisch Rockley! Nicht unbedingt komplex, was aber auch dem geringen Alter geschuldet ist. Auch Holzeinflüsse zeigen sich wenig. 

Abgang: anhaltend, etwas Honig, starke medizinische Ankläge und eine leichte Rauchigkeit begleiten den Rum auf seinem Weg hinab. 

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Fazit: der vielleicht erste abgefüllte Rockley aus 1986 überhaupt (ich kenne, wie gesagt, keinen früheren) und ein sehr solides Debüt für diesen Jahrgang, der noch so vieles bereithalten sollte in den folgenden Jahrzehnten. 

-87/100-


Cadehead's Barbados Rum 12 YO W.I.R.R. 1986 - 73,4% vol.

Info: die Fassstärke-Bombe! Dieses war der zweite mir bekannte Rockley Style Rum, der von Cadenhead im Herbst 1999 in Fassstärke abgefüllt wurde. Ein Jahr vorher gab es schon mal einen 12 YO WIRR, der sogar einen noch höheren Alkoholgehalt aufwies. Das war, so wie auch im gesamten Rumbereich, zur damaligen Zeit, Ende der 1990er Jahre, in jeder Hinsicht außergewöhnlich! Normalerweise füllte niemand sonst vor über 20 Jahren schon Rum mit über 46% vol. ab. Cadenhead waren da absolute Pioniere und legten sowohl den Grundstein als auch mehr als einmal die Messlatte für alles was danach und bis heute folgte! Schade, dass sie an diese glorreiche Ära danach nie wieder anknüpfen konnten!

Nase:
 WTF?! Hilfe!! Auch nach weit über einer Stunde im Glas ätzt dieser Kandidat noch immer alles in der Nase weg, was sich nicht rechtzeitig zurückziehen konnte. Und auch nach zwei Stunden ist noch peripheres Nosing angesagt! Natürlich sind 73,4% vol. eine heftige Ansage, aber gerade die Caroni haben gezeigt, wie zahm ein derart hoher Alkoholgehalt auch sein kann. Das ist hier definitiv nicht der Fall! Der Alkohol ist über alle Maßen präsent und stört für mich jeden Genuss bis hierher. Rockley-Style rieche ich hinter all dem leider auch nur ganz vereinzelt. Der Rum ist sehr medizinisch und hat dazu auch noch eine muffige Note von Bio-Müll. Teilweise erinnert mich das an eine Mischung aus TECA 2003 und Agricole. Wer mich kennt, der weiß, dass das nichts gutes bedeutet... 

Gaumen: der Alkoholgehalt ist auch am Gaumen deutlich präsent, aber nicht in der Art unangenehm wie lange Zeit in der Nase. Klar brennt der gut, aber für seine 73,4% vol. ist das doch umgänglicher als ich dachte. Am Gaumen kommt seine Herkunft deutlicher heraus als in der Nase. Mehr noch: am Gaumen gefällt mir der Rum plötzlich sogar richtig gut! Das ist super konzentrierte Rockley-Essenz. Spitze! Ich habe Vanille, ich habe Honig, ich habe Rauch, ich habe Medizin. Dazu habe ich Anis und sogar ein wenig Holz vom Fass, sowie Teer. Eher trockener Grundcharakter. Der Rum wird dazu cremiger und cremiger, gefällt mir immer besser.

Abgang: im Abgang bleiben dann vor allem Medizin, Vanille und ganz leicht Teer hängen. Langanhaltend.

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Fazit: Ambivalenz pur! Während mir der Rum in der Nase noch mehr oder weniger überhaupt nicht zusagte, gefiel er mir dann am Gaumen dafür richtig gut. Ich finde beide Eindrücke auch kaum vergleichbar, bzw. ähnlich. Als wären das zwei verschiedene Rums. Einmal hui, einmal pfui, quasi.

-83/100-


Samaroli Barbados Rum 13 YO W.I.R.R. 1986 - 57% vol.

Info: ein Name, ein Mythos - Silvano Samaroli! Der Maestro machte sich über Jahrzehnte einen Namen vor allem in der Whiskyszene, aber wie viele andere Independent Whisky Bottler füllte Samaroli gelegentlich auch Rum ab. Deren Qualitäten erreichten zwar meines Erachtens nur selten die Stufe für die Samaroli beim Scotch weltberühmt ist, aber diese wenigen Bottlings haben es durchaus in sich. Nachdem Samaroli starb erreichten einige von ihnen auf dem Secondary Market beinahe astronomische Kurse und auch das W.I.R.R. Bottling um das es heute geht ist nur noch äußerst selten zu finden. Zum Glück hat Olivier Scars es vor einiger Zeit mal gesplittet... Merci!  

Nase:
 der Samaroli erinnert in der Nase dann wieder sehr viel eher an einen Rockley als das beim Cadenhead WIRR 12 YO der Fall war. Vanille, Rauch, Ester und Medizin sind vorhanden, die Honignote ist dagegen eher weniger ausgeprägt, was ich schade finde, denn mir gefällt dieser Teil von Rockley normal sehr. Der Alkoholgehalt, der sich im Vergleich zum 11 YO Velier und zum 12 YO Cadenhead quasi genau dazwischen einordnet, macht sich bemerkbar. Die Nase kommt nicht ganz so geöffnet daher wie beim Velier, macht aber auch nicht ansatzweise so sehr dicht wie beim 73,4% vol.-Monster. Die 57% vol. passen gut, auch wenn auch der Samaroli längere Zeit des Atmens benötigt, bis ich das so sehe. Zu Beginn hat der Alkohol hier nämlich auch noch ganz schön reingehauen. 

Gaumen: sehr schönes, konsistentes Mundgefühl beim Samaroli. Alkohol brennt kaum, verleiht dem Rum aber Körper. Cremiger werdend. Intensiv. Honig, Vanille, Medizin, Rauch, sogar Assoziationen zu Peated Islay, was sonst bei Rockley nicht der Fall ist und was mir hier auch nicht so sehr gefällt. Komplexität mehr als bei den ersten beiden. 

Abgang: medizinisch-rauchig, Peated Islay. Langanhaltend.

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Fazit: das ist leider nicht mein Rum. Der hat zwar ganz vieles von dem, was ich schon auch mag und auch an Rockley mag, aber diese Peated Islay Note gehört da für mich einfach nicht hin und die verleidet mir den Rum leider ein wenig.

-79/100-


The Secret Treasures Barbados Rum 14 YO W.I.R.D. 1986 - 40% vol.

Info: das Leichtgewicht unter den heutigen Abfüllungen! Es mutet aus gegenwärtiger Sicht schon erstaunlich an, auf welch einem Schatz der damalige Schweizer Bottler Fassbind, der die Secret Treasures Reihe kreierte, einst saß und diesen dann sämtlich durch Verdünnung mehr oder weniger zerstört hat. Denn fast alles was ich von TST bisher hatte aus dieser Zeit war in seiner grundsätzlichen Qualität sehr gut bis überragend und ich bin mir sicher, dass uns da einige Sternstunden des Rums genommen wurden. Dennoch darf sich deren W.I.R.D. heute im Crosstasting natürlich beweisen... 

Nase:
 die Nase kommt beim TST wieder sehr Rockley-like rüber. Mit Honig, Vanille, Rauch, Ester, Medizin und einem schönen Obstsalat aus Bananen, Aprikosen und Pflaumen kommt hier alles zusammen was es für einen guten Rockley braucht. Der geringe Alkoholgehalt von nur 40% vol. macht sich dahingehend bemerkbar, dass der Rum sehr aufgemacht hat und von allen Rockley im Feld mit Abstand am leichtesten zugänglich ist. Bemerkenswert finde ich, dass ihn das, anders als das bei anderen Rumstilen oft zu sehen ist, gleichzeitig aber nicht verwaschen hat, zumindest nicht in der Nase. Die ist voll und reichhaltig. Klar, man merkt dass ein wenig die Tiefe fehlt, aber der Alkohol hat bis hierhin den Rum keinesfalls zerstört. 

Gaumen: leider sehr dünn kommt dieser Rockley am Gaumen daher. Zu dünn. Das ist Verwässerung, wie wir sie bei heutigen Abfüllungen glücklicherweise nur noch sehr, sehr selten erleben. Umso ärgerlicher: grundsätzlich ist das, rein geschmacklich, ein sehr ordentlicher Rum, in dem alles steckt, was ein guter Rockley braucht: er hat viel Honig, viel Vanille, einen medizinischen Touch, er hat Rauch, er hat Fruchtigkeit, eine feine, natürliche Süße... mit 46% vol. oder mehr wäre aus ihm eine hervorragende Abfüllung geworden. Destroyed by Dillution! :-(

Abgang: leider macht sich das wässrige auch im Abgang ein wenig bemerkbar. Ich habe frisch geschnittenes Geäst, Honig und etwas Medizin. Anhaltend, aber nicht sehr lang.

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Fazit: ein Rum, der nur im Konjunktiv so richtig Spaß macht. Ein Rum, der zwar alles mitbringt was es gebraucht hätte, um richtig gut zu sein, der aber durch die Verdünnung nahezu zerstört wurde, zumindest im Hinblick auf den Genuss am Gaumen. Ich bin mir sicher, dass dieser Rum mit 55% vol. oder mehr die 90 Punkte Marke genommen hätte. Aber wie ich schon sagte... Konjunktiv!

-80/100-





Cadenhead Green Label Barbados Rum 18 YO - 46% vol.

Info: Cadenhead , die zweite! Dieses Mal allerdings nicht aus der Cask Strength Serie, sondern aus der Green Label Reihe. Um an der Stelle ehrlich zu sein, ich habe die Green Label Reihe nie wirklich verstanden! Okay, dass man sowohl verdünnte als auch Fassstärke Rums anbieten möchte, das Konzept erschließt sich mir, aber warum man den verdünnten Rums eigentlich jede Identität nimmt, indem man sie in die Anonymität verbannt, das habe ich nie kapiert. Schade, dass diese Rums nicht gleichermaßen mit den jeweiligen Eckdaten ausgestattet wurden. Durch aufwendige, jahrelange Recherche ist es bei vielen Green Label Bottlings gelungen diese den entsprechenden Batches aus denen sie stammen zuzuordnnen, aber bei vielen Rums ist das natürlich auch gleichermaßen nicht gelungen und das hätte man sicher besser umsetzen können! Dieses Bottling konnte bereits vor vielen Jahren zweifelsfrei dem Jahrgang 1986 und dem sog. Rockley Batch zugeordnet werden, aus dem auch Abfüllungen in Fassstärke erschienen sind (s.o.). Insgesamt war dieses Release das meines Wissens nach letzte von Cadenhead aus diesem Batch. 

Nase:
 den Sprung von 14 (beim TST) zu 18 Jahren Reifung merkt man in der Nase direkt sehr deutlich. Der Cadenhead Green Label hat zu den typischen Rockley Eindrücken auch schon gut was vom Fass abbekommen. Eine ganze Reihe an Gewürzen bereichern das Portfolio. Der Honig kommt hier kürzer als gewohnt, dadurch erinnert der Rum sogar entfernt an einen Wedderburn-Long Pond. Auch der Anstieg des Alkoholgehalts von 40 auf 46% vol. im Vergleich zum Glas davor ist zu spüren. Der Rum zeigt sich konzentrierter in der Nase als der TST, kommt tiefer daher. Ansonsten aber gewohnt reichhaltig und komplex. Tolle Nase, bis auf den fehlenden Honig. 

Gaumen: auch beim Cadenhead Green Label zeigt sich zu Beginn erst einmal die Verdünnung. Nicht so brutal wie das beim TST der Fall war, aber merklich. Immerhin kommt allerdings keine Verwechslungsgefahr mit Long Pond mehr auf, das ist schon deutlich Rockley. Interessant: neben den Rockley-typischen Eindrücken von Vanille, Rauch und Medizin habe ich hier auch grünen Apfel. Durch die vollkommene Abwesenheit von Honig will richtiges Rockley-Feeling allerdings nicht so richtig aufkommen. Schade. Dazu hat der Rum auch schon gut gelagerte Noten, die seinen Charakter so ein wenig zügeln. 

Abgang: frisch geschnittenes Geäst. Medizin. Vanille. Lang anhaltend.

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Fazit: kein schlechter Rum, aber auch keiner, der für Rockley besonders typisch ist oder der mein Favorit werden könnte. Für den damaligen Ausgabepreis sicher ein Knaller aber nichts, wofür ich heute noch Sammlerpreise zahlen würde.

-87/100-


Bristol Barbados Rum 22 YO Rockley 1986 - Ex-Madeira - 46% vol.

Info: nun endlich steigt auch Bristol Spirits mit in dieses Tasting ein! Kaum ein Independent Bottler hat eine stärkere Bandbreite an Rums des 1986er W.I.R.D. Batches aka Rockley abgefüllt als der Engländer John Barrett und sein IB-Label Bristol Spirits. Zwischen 1998 und 2012 waren es über einen Zeitraum von vierzehn Jahren insgesamt fünf Abfüllungen zwischen zwölf und sechsundzwanzig Jahren Fassreife. Dieses Bottling war das vierte und vorletzte der Serie und wurde 2008 und mit einem Madeira Finish abgefüllt. Wie alle Rockleys von Bristol so kam auch dieses mit verdünnten 46% vol. daher. Allerdings hat meines Erachtens kein anderer IB die Rums mit 46% vol. in einer solchen Qualität liefern können, wie es Bristol über mehr als ein Jahrzehnt gelungen ist.

Nase:
 ist das noch ein Rockley? Ja, aber man muss suchen. Das Madeira Finish beeinflusst den Rum doch schon merklich und verformt damit auch den Rockley-Charakter ein ganzes Stück weit. Viel Honig, medizinische Anklänge, Vanille und Rauch schaffen es durch den Madeira hindurch. Der Rum ist trocken, aber schon auch noch fruchtig und mit einer gewissen dezenten Süße. Vor allem aber ist er komplex, wie noch keiner der bisherigen Rockley. Eine tolle Nase! Tief und ausdrucksstark, mit etwas sehr, sehr eigenem. Der Rum hat Power, erschlägt einen aber nicht. Hier macht sich der Alkoholgehalt von 46% vol. sehr gut. Deutlich Rockley-typisches und Madeira-Einflüsse wechseln sich immer wieder ab. Sehr gelungen!

Gaumen: am Gaumen stören die nur 46% vol. sehr viel weniger als beim Cadenhead Green Label. Hier passt das sehr gut! Der Rum ist sehr komplex, das Mundgefühl toll und der Madeira und der Rockley gehen eine tolle Verbindung ein. Ich habe sehr viel Honig, aber auch einen prall gefüllten Schrank an Gewürzen, frisch geschnittenes Geäst und trockenes Holz.

Abgang: trockenes Holz, frisch geschnittenes Geäst und Honig sind auf dem Weg nach unten dabei.  Ganz zum Schluss ein klasse medizinischer Einschlag nochmal. Lang anhaltend.

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Fazit: ein toller Rum, der zwar Rockley schon sehr weit an die Seite drängt, der als ganzes gesehen aber wirklich super funktioniert. Auch hier kann ich den damaligen Ausgabepreis nur mit einem Seufzen betrachten. Er war jeden Cent seiner einst ca. 100,- Euro wert!

-88/100-


Bristol Barbados Rum 25 YO Rockley 1986 Ex-Sherry - 46% vol.

Info: und direkt nochmal Bristol Spirits! Dieses Mal allerdings mit der fünften und letzten Rockley Abfüllung seiner Geschichte und diese wurde mit einem Sherryfinish dargeboten. Gleichzeitig war dieses Bottling in meiner Wahrnehmung allerdings auch eine Manifestation der Zeitenwende. Ein letztes Mal noch boten uns Bristol eine High End Abfüllung, die aber gleichzeitig schon nur ein oder zwei Jahre später nicht einmal mehr als eine solche wahrgenommen worden wäre, weil sich in der Folgejahren 2013/2014 eben Fassstärken im High End Bereich endgültig durchsetzten. Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es die Abfüllung, als eine der ganz wenigen aus dieser Zeit, auch noch immer einigermaßen preiswert zu kaufen. In den Jahren nach 2012 und nach Release dieses Bottlings wurde Bristol aus meiner Sicht nie wieder in einer derart exponierten Stellung auf dem Markt gesehen und auch Cadenhead, die ihren Peak praktisch im gleichen Zeitraum hatten wie Bristol, verschwanden quasi in der Bedeutungslosigkeit. An deren Stelle traten Abfüller wie Velier, Duncan Taylor und The Rum Cask, später auch RA. 

Nase:
 der nächste Rockley mit Finish und hier ist es noch ausgeprägter als beim 22 YO mit Madeira Finish! Um nicht zu sagen: der Sherry liegt schon sehr über allem! Ist das überhaupt noch ein Finish oder geht das schon eher in die Richtung einer Dosage? Vielleicht hätte man das Fass erst einmal leeren sollen, bevor man den Rum hinein gibt. ;-) Und wenn ich das ganze hier mit einer guten Portion Humor verpacke, dann darf das aber dennoch nicht darüber hinweg täuschen, dass hier der Rockley-Charakter wirklich mindestens bis ans Existenzminimum gedrängt wird, wenn nicht gar darunter. Versteht mich nicht falsch, vor mir steht eine großartige Spirituose, ich find das Endergebnis, unabhängig davon was der Rum einst war, bevor er in dieses Fass fiel, gelungen, aber als Rockley geht der einfach nicht mehr durch. 

Gaumen: wie beim Madeira tolles Mundgefühl, der Rum ist auch bei 46% vol. nicht verwässert. Der Rum steht auf der trockenen Seite. Der Sherry hat es sich auch am Gaumen gemütlich gemacht, dominiert hier nach belieben. Ich weiß gar nicht, ob ich je ein dominanteres Finish erlebt habe. Ich habe das oben ja mit einem zwinkernden Auge gemutmaßt, aber der Rum schmeckt tatsächlich, als habe man ihn mit dem Sherry verschnitten, nicht, als habe es nur ein Finsih gegeben. Das Problem: der Rum schmeckt! Nicht nach Rockley, aber er schmeckt. Das ursprüngliche Destillat kommt nur ganz vereinzelt mal durch und schnappt mit Honig und leichtem medizinischen Touch kurz nach Luft. Dazu kommt Eichenholz durch. Es ist zwar bedauerlich, dass man eines der letzten Rockley Bottlings überhaupt so gekillt hat, aber zumindest ist das Endergebnis genießbar, wenn man nicht gerade einen Rockley erwartet. 

Abgang: Honig, so viel Rockley wie zuvor nicht, Sherry dazu und eine schöne Holznote.

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Fazit: das wäre ein Rockley für Otto Rehhagel, der Fußballspiele, -Meisterschaften und -Turniere zwar mit etwas gewonnen hat was nicht mehr wie Fußball aussah, der sich danach aber hingestellt und Sätze rausgehauen hat wie "Wer gewinnt hat recht!". Ein Rum den man sich nicht wünscht, wenn man sich dazu entschlossen hat einen Rockley zu kaufen, der unter'm Strich aber abliefert, so dass sich am Ende trotzdem kaum jemand beschweren kann.

-87/100-


Duncan Taylor Barbados Rum 25 YO W.I.R.D. 1986 - 52,7% vol.

Info: Duncan Taylor ist, wie so viele andere, einer dieser Whiskyabfüller die ab 2012 auch auf die Idee kamen das mal mit Rum zu versuchen - und wie! Mit ihrer ersten Serie starteten die Jungs aus Schottland damals wie die Feuerwehr und brachten ein wahres Powerhouse an Abfüllungen auf den Markt: Hampden 1990, Uitvlugt 1989, Versailles 1985, Mount Gay 2000 und eben W.I.R.D. 1986 kamen Ende 2012/ Anfang 2013 zeitgleich auf den Markt, wiesen -damals revolutionär- alle um die 55% vol. auf und läuteten, neben anderen, eine neue Ära der unabhängigen Abfüllungen ein. Die damaligen Platzhirsche, wie Bristol und Cadenhead, hatten dem qualitativ nichts mehr entgegenzusetzen. Leider konnten Duncan Taylor das Niveau der ersten Serie nie wieder erreichen, weswegen sie heute ebenfalls schon fast wieder etwas in Vergessenheit geraten sind. Mindestens aber der Rockley hat über viele Jahre die absolute Benchmark dargestellt, bevor er zunächst 2020 von Silver Seal angegriffen und 2021 schließlich von RA geschlagen wurde!

Nase:
 der (inzwischen abgesetzte) König! Ein Rum, ein Rockley, zu dem man inzwischen kaum noch etwas sagen muss. Denn hier habe ich dann nämlich wieder alles, was Rockley ausmacht, aber in Vollendung: da ist ganz viel Honig, ordentlich Rauch, leichte Ester, starke Vanille und Bienenwachs, dazu medizinische Noten, eine angenehme Fruchtigkeit, ein schon sehr geiler Holzeinfluss und eine geniale Tiefe und Komplexität - oder kurz: milde Power. Den leicht erhöhten Alkoholgehalt bemerke ich positiv, der bringt, gerade im Direktvergleich zu vielen der Vorgängern im Tasting, Dynamik in den Rum. Hier gibt es einfach nichts zu meckern (bzw. gab, bis 2020/2021 zwei weitere Nachfolger gebottled wurden)! 

Gaumen: herausragend gute Einbindung des Alkohols, ich habe ganz leichtes Britzeln auf der Zunge, wenn auch wenig Adstringenz, ein ansonsten komplett angenehmes Mundgefühl, dazu die Rockley-typischen Assoziationen: viel Honig, etwas Bienenwachs und ordentlich Vanille, einen (gefühlt) ganzen Gewürzladen, starke Anistöne und einen fruchtigen Touch von Banane.  Das ganze dann cremiger werdend und insgesamt einfach sehr mundfüllend. Große Klasse! 

Abgang: Anis, frisch geschnittenes Geäst, Honig, Rauch, Bananen... sehr langanhaltend!

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Fazit: das war, im Tasting damals noch, der absolute King of Rockley-Style! Bis dahin sprach ich gar von nicht weniger als einem der besten Rums, die ich überhaupt kenne. Aber, ihr wisst es, da ist letztes Jahr etwas passiert, was ich mir zum Zeitpunkt des Tastings nicht einmal habe Träumen lassen. Ich sage nur RA und Silver Seal. 

-93/100-



Gesamt-Fazit:

Das waren nun also acht historische Rockley-Referenzen - einer stark herunter verdünnt, einige in Trinkstärke, zwei in erhöhter Trinkstärke und sogar auch einer in (bei Rockley extrem seltener) Fassstärke; mit Finish, ohne Finish als auch mit vermutetem Finish. Und obwohl ich nicht unbedingt mit jeder Abfüllung wirklich warm wurde, Stichwort Samaroli, Stichwort The Secret Treasures, so komme ich nicht umhin festzustellen, dass da schon durch die Bank weg eine enorm hohe Dichte an Qualität und vor allem eine sehr starke und solide Grundqualität des gesamten Batches vorhanden war. Und wo diese Rockleys aber schon sehr gut waren, sehe ich zu Abfüllungen wie dem Duncan Taylor, dem Cadenhead BRS 16 YO, dem Silver Seal und vor allem dem RA eben nochmal eine klare Steigerung. Darin lag und liegt der Hype um dieses Bottling, den einige ja nicht verstanden hatten. Nach dieser Gegenüberstellung wird das aber vielleicht klarer, und auch, warum ich auf den RA so abgegangen bin. 

Von den heute noch einmal gezeigten Abfüllungen war der Duncan Taylor natürlich der eindeutige Gewinner und das auch haushoch und in allen Lagen. Darüber müssen wir nicht einmal im Ansatz diskutieren! Ganze fünf Punkte Abstand sind es zum Bristol mit Madeira Finish, den ich von diesen acht Rockleys auf dem zweiten Platz sehe. Fünf Punkte, das könnte man nun meinen, klingen auf den ersten Blick zwar zunächst nach nicht viel. Aber bedenkt man, dass wir hier im Endeffekt wirklich um den absoluten High End Bereich sprechen, dann wird einem doch vermutlich so ein wenig klar, was das eigentlich bedeutet und dass das schon eine enorme Kluft darstellt. Sicherlich, hätten wir den Cadenhead BRS 16 z.B. noch unmittelbar daneben gehabt und wäre er Teil des Vergleichs gewesen, er hätte sich z.B. noch dazwischen eingeordnet, irgendwo bei 92/91 Punkten, genauso wie der Green Label 15, den ich irgendwo bei 89/90 Punkten sehe. Allerdings schmälert auch das nicht das absolute Ausnahme-Standing der High End Rockleys! 

Als spannend empfand ich bei diesem Vergleich aber auch den Umstand, dass ich glaube, dass man insbesondere bei den beiden Bristol zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann - je nachdem ob man sie danach einschätzt, dass man einen Rockley erwartet hat oder ob man sie unabhängig davon bewertet. Beziehe ich ersteres mit ein, landen beide Bristol bei mir ziemlich weit hinten, nämlich sowohl in der Nase als auch am Gaumen auf den hinteren drei Rängen. Bewerte ich hingegen das reine Endergebnis und gehe danach inwieweit mir der Rum insgesamt noch zusagt, obwohl der Grundcharakter des Destillats so weit verschoben wurde, landen beide bei mir in der oberen Hälfte des Vergleichsfeldes. In der Endbewertung entschied ich mich für letztere Sichtweise. Überrascht hat mich auch der Velier, der trotz des noch wirklich sehr jungen Alters schon verdammt gut mitspielt und in Fassstärke oder auch schon nur erhöhter Trinkstärke, ganz sicher über die 90 Punkte gekommen wäre. Enttäuscht allerdings war ich vom Cadenhead WIRR 12YO. Da hatte ich definitiv mehr erwartet und obwohl mir Fassstärke-Bretter sonst sehr zusagen war mir das bei dem einfach too much. Was beim Samaroli schief lief weiß ich nicht genau, ich hoffe, dass da nichts verunreinigt war oder so. Ansonsten vermute ich wirklich ein Islay Finish, auch wenn da sicher kein sehr aktives Fass genommen wurde, dafür war dieser Ton wiederum zu schwach. Schade irgendwie, ohne diesen Ton, der für mich ein Fehlton ist, wäre das mein Rum gewesen! Und gleiches gilt dann im Endeffekt auch für den The Secret Treasures, den ich nur zu gerne mal in einer unverdünnten Variante probiert hätte. Aber was nicht abgefüllt wurde, wurde eben nicht abgefüllt und so müssen wir uns mit dem begnügen was uns gegeben wurde. 



Bonus: 

Vor etwas über einem Jahr ungefähr habe ich auch den "The Sloth III" im Glas gehabt und ihn gegen den Cadenhead Barbados Green Label 18 YO, den Samaroli Barbados 20 YO W.I.R.D. 1986 und den Duncan Taylor 1986 getestet. Bis zum Erscheinen des Silver Seals in 2020 war dies der einzige mir bekannte 1986er Rockley, der nach 2012 noch abgefüllt wurde. Er kam mit 31 Jahren Fassreife und einem Alkoholgehalt von starken 67,2% vol. in die Flasche und wurde auf 152 Flaschen limitiert exklusiv in Japan zum zehnten Jubiläum von "Rum & Whisky" in Kyoto angeboten. 

Ich war auf kaum einen Rum so sehr gespannt ihn zu probieren wie auf diesen, schließlich ging ich damals davon aus, dass wir nie wieder 1986er Rockleys sehen würden, allerdings schlug meine Vorfreude beim Probieren dann schlagartig in Ernüchterung um. Ich musste nämlich feststellen, dass der Rum nicht nur nicht gut schmeckte, sondern vor allem nicht einmal mehr als Rockley Style Rum zu erkennen war. Das ganze war nur noch eine einzige, holzige, nichtssagende Brühe. Ich hielt das für das Ergebnis einer viel zu langen Fassreifung dieses Batches und wähnte den Jahrgang 1986 daher schon komplett verloren. Auch deshalb waren der Silver Seal und der RA entsprechend dazu in der Lage mich so sehr zu hypen, denn sie waren nicht nur von großartiger Qualität, sondern sie bewiesen vor allem, dass nur mit dieser Sloth III-Abfülllung irgendwas nicht gestimmt haben kann. Rockley war schließlich also doch zurück und das ist für mich auch das größte Comeback im Rumbereich, bis zu dem Tag, an dem ein neuer Skeldon 1978 oder Uitvlugt 1988 in der Tür stehen. 

Bis demnächst
Flo

Sonntag, 31. Januar 2021

RA Barbados Rum 34 YO W.I.R.D. "Rockley Style" 1986

Liebe Rum Gemeinde,

heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ich an einer dieser Reviews sitze, bei denen ich vor lauter freudiger Erwartung schon gar nicht mehr weiß, wo genau ich eigentlich anfangen soll. Eine Vorfreude, die schon seit Monaten darauf wartet, sich endlich Bahn brechen zu dürfen und nun ist es endlich so weit: Rockley-Festtagsstimmung auf Barrel Aged Thoughts! 


Der so genannte "Rockley Style" ist ein Rum Stil, der mich schon sehr, sehr lange auf meiner Reise durch die flüssige Kulinarik der Karibik begleitet. Seit einem kalten, ungemütlichen Abend im November 2011, um genau zu sein. In meiner Review zu den beiden 1986er Duncan Taylor und Silver Seal vom letzten Jahr habe ich diese Geschichte um meinen ersten Besuch bei Herrn Andreas Schwarz in Preetz ausführlicher dargelegt. Wer da Zeit und Lust hat, kann sich dieser Lektüre gern noch einmal annehmen. Das würde ich allerdings auch davon ganz abgesehen jedem empfehlen noch einmal zu tun, denn die beiden dort begutachteten Rums sind auch für meinen heutigen Rum die Benchmark, die es zu schlagen gilt. 

Der Duncan Taylor behauptet diese Position im Grunde seit 2012 schon durchgängig für sich. Damals kam dieser mit 25 Jahren in die Flasche und war einer der eher wenigen Rockley, der mit mehr als nur 46% vol. in die Flasche kam. In der Folge hingegen wurde es dann ruhig um den Rockley Style aus 1986 - um nicht zu sagen: mucksmäuschenstill! Denn leider kam da die Jahre danach nämlich nichts mehr wirklich nach (den Jahrgang 2000 sehe ich als qualitativ nicht vergleichbar an), weswegen ich den Stil auch bereits verloren geglaubt hatte. Der Silver Seal hat uns im Sommer 2020 dann wiederum alle überrascht und auch verzaubert. Denn es zeigte sich bei der Verkostung, dass er definitiv dazu in der Lage war den Duncan Taylor herauszufordern. Im Ergebnis schaffte er es zwar nicht ihn zu übertrumpfen, meines Erachtens, aber er hat sich ergänzend und auf Augenhöhe an dessen Seite gestellt, was ich schon sehr beachtlich finde, angesichts der enormen Qualität des Duncan Taylor! Und nun schließlich kommt mit dem Rum Artesanal zu Beginn des Jahres 2021 dann direkt der nächste Rockley, der es sich zutrauen darf, es mit den beiden aufzunehmen! Inwieweit es ihm gelingen wird? Das schauen wir uns gleich an! 


Zum Rockley-Style:

Zuvor allerdings möchte ich noch ein paar Einwürfe zu "Rockley" selbst machen, bzw. eben zum "Rockley"-Style. Denn die Geschichte darum gehört zu den geheimnisvollsten, die die moderne Rumszene zu bieten hat (zumindest, wenn wir das ganze einmal auf die Geheimnisse positiver Konnotation reduzieren). Um diese in ihrer Gesamtheit darzulegen müsste ich nun vermutlich zu weit ausholen und plane das an anderer Stelle auch noch zu tun, daher schaue ich, dass ich heute erst einmal nur die wesentlichsten Punkte herausstelle. 

Zunächst einmal muss ich mit der Annahme aufräumen, es könne sich bei dem Rum um Rum aus einer Rockley Destillerie handeln. Es gab zwar früher eine Rockley Destillerie auf Barbados, aber diese existiert schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Was hingegen noch existiert, ist deren mutmaßliche alte Pot Still, die Rockley Still, die auf einigen Flaschenlabeln auch immer mal wieder angegeben wurde. Diese steht heute bei der West Indies Rum Distillery (W.I.R.D.) auf Barbados - wurde tatsächlich aber seit wiederum vielen Jahrzehnten auch schon nicht mehr genutzt, und zwar auch schon weit vor 1986 nicht mehr. Auch sie scheidet als Urheber für diesen Rum aus. Was also erstmal klingt wie eine dieser Stories aus Guyana, wo oft heute noch mit uralten Brennblasen längst vergangene Stile noch produziert werden, entpuppt sich hier als Trugschluss. Die Frage an dieser Stelle lautet also: wie kam der Name Rockley zum 1986er Batch der W.I.R.D.? Ist es wie bei einigen anderen Guyana Rums z.B., wo heute ebenfalls keine Brennblase mehr existiert und der gesamte Stil durch vollkommen anderes Material hergestellt wird? Oder handelt es sich bei der Namensgebung um reine Willkür, immerhin taucht der Name Rockley erst seit Mitte-Ende der 1990er Jahre überhaupt im Zusammenhang mit Rum der W.I.R.D. auf. Das kann leider noch immer niemand hinreichend beantworten. Zwar wird, was auf die zweite Möglichkeit der modernen Namensfindung zielt, immer wieder John Barrett als Urheber dieses Mythos genannt, aber inwieweit das stimmt, darf doch bezweifelt werden, immerhin stammt die älteste mir bekannte 1986er Abfüllung die den Namen Rockley auf dem Label trägt nicht von Bristol, sondern von Velier. Sie wurde bereits 1997 abgefüllt (sollte laut Label sogar aus der Rockley Distillery stammen) und damit ein Jahr bevor John Barrett unter dem Bristol Logo seinen ersten 1986er abfüllte. 

Weiter muss man sich aber vor allem auch die Frage stellen: um was für Rum handelt es sich bei diesen "Rockleys" eigentlich? Denn wer schon einmal einen "Rockley" und einen herkömmlichen Rum aus der Gregg's Farm Pot Still der W.I.R.D. im Glas hatte der wird sehen: das sind Rums wie Tag und Nacht, gar nicht miteinander vergleichbar! Was also lief bei diesem "Rockley" Style anders? Auch hier müssen wir bedauerlicherweise noch zu großen Teilen im Trüben fischen. Zwar gibt es einige Erklärungsansätze und Theorien, aber bisher leider keinen einzigen hinreichenden Beweis. Das ist zwar einerseits schade, habe ich doch irgendwie immer den Drang so etwas bis ins Detail entschlüsseln zu wollen, aber auf der anderen Seite macht das den Mythos Rockley auch irgendwo aus. Die geläufigen Erklärungsansätze reichen von der Fermentation mit Meerwasser, über die Nutzung eines weiteren Brennapperats (der Vulcan Chamber Still) bis hin zu der Frage, zu welchem Zweck dieser Stil eigentlich hergestellt wurde. Hier wiederum würde ich auf eine ähnliche Nutzung wie bei Hampden oder Caroni tippen, das heißt, dass dieser Stil vielleicht lediglich das Flavouring Material von W.I.R.D. war oder ist und nur aus 1986 und 2000 (sowie vereinzelter noch früherer Jahrgänge) ein eventueller Überschuss einfach nach Europa verkauft wurde. Somit könnte der sog. "Rockley" Style am Ende auch einfach nur die Essenz von W.I.R.D. sein, vergleichbar mit eben den Heavy Rums von Caroni oder Hampden DOK. Und das wiederum hieße, dass vielleicht auch "Rockley" ursprünglich nie zum trinken gedacht war, sondern von Scheer eher für eine Nutzung in der Lebensmittelindustrie eingekauft wurde. Allerdings zeigt es sich gerade im High-End-Bereich von Rum immer wieder, dass vor allem diese Rums, die nie dazu bestimmt waren pur im Glas eines Endverbrauchers zu landen, bei jenen am Ende die Augen stärker zum Leuchten bringen, als es die allermeisten anderen Rums je zu vermögen wissen. 

Und zu guter Letzt ist es möglicherweise noch wichtig zu erwähnen, dass der 1986er Rum aus der W.I.R.D. unter noch weiteren Namen auf dem Label bei diversen IB erschien. Zum Teil wurde die Destillerie auch unter den Namen West Indies Rum Refinery (W.I.R.R.) oder Blackrock Distillery geführt. Solltet ihr also Bajan Rums aus 1986 finden, die einen dieser Namen tragen: nein, das ist nichts anderes, das ist das gleiche Batch! ;-)


Aus Gründen der Transparenz sei, bevor wir nun zur Verkostung selbst kommen, an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung dieses Rums, sowie eine ganze Flasche des Rums zu Fotozwecken gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 

Picture by Dominik Marwede


Verkostung des RA Barbados Rum 34 YO W.I.R.D. "Rockley Style" 1986:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung des Rockley liegt bei 329,90€ / 0,5 Liter.

Alter: von Dezember 1986 bis Januar 2021 durfte der Rum insgesamt ziemlich genau 34 Jahre im Fass reifen. 

Lagerung: Continental Aging - der Rum lagerte während der gesamten Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: die interne Fassnummer lautet #210. Dieses Fass ergab nur noch 162 Flaschen a 0,5 Liter. 

Angel's Share: etwa 58% des Fassinhaltes gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 53,7 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: die offizielle Angabe lautet, dass der Rum im Pot Still Verfahren destilliert wurde. Über die genaue Verfahrensweise herrscht aber große Unklarheit, verschiedene Theorien dazu kursieren (s.o.). 

Mark: BBR (former BRS and WIRR) "Rockley Style"

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh.

Viskosität: der Rum verläuft langsam und zähflüssig in eher weiten, regelmäßigen und parallelen Schieren an der Glaswand hinab.

Nase:
 Breathtaking! Absolutely breathtaking! Ca. eine Stunde habe ich das ganze jetzt atmen lassen und kann nur positiv geschockt vor meinem Glas sitzen: denn in diesem finde ich Rockley-Essenz vor! Der Rum hat, verglichen mit dem Duncan Taylor, deutlich an Kraft, Intensität und auch an Reife gewonnen. Trotz dessen, dass beide einen sehr ähnlichen Alkoholgehalt aufweisen, beim Duncan Taylor sind es 52,7, beim RA noch 53,7% vol., kommt der RA deutlich stärker daher, wenn gleich ich größten Wert drauf lege, dass das an dieser Stelle ausschließlich positiv ausgelegt wird (der Alkohol ist hier wirklich fantastisch eingebunden!). Oder mit anderen Worten: die Verdünnung des Duncan Taylor anno 2012 ist deutlich wahrzunehmen, genau wie schon beim Crosstasting gegen den Silver Seal im Sommer! Im Bouquet dominieren beim RA natürlich der Waldhonig in toller Kombination mit einer ordentlichen Portion Rauch, viel Vanille und tatsächlich auch deutlicher Mango. Hier hat der Dominik in seinem Promo-Video also mal voll ins Schwarze getroffen. Chapeau! Über all dem liegt dann auch immer wieder so eine richtig schöne, schwere Süße, etwas, was dem Duncan Taylor imho so ein wenig fehlte, so dass man wirklich schon beinahe das Gefühl bekommt, an einem Glas Honig zu sitzen, in dem ein wenig Anis und andere Gewürze schwimmen, Schiefer, sowie auch etwas an Tanninen. Letztere fallen hier allerdings wesentlich gemäßigter aus als beim Silver Seal, so dass der RA noch einmal mehr klassischer Rockley Style ist, als es der Italiener aus 2020 ist. Das Fass scheint mir hier, in der Nase zumindest, auf den Punkt gereift zu sein! Je länger die Gläser nebeneinander stehen, desto deutlicher manifestiert sich dieser Eindruck. Der Duncan Taylor fällt gegen den RA gar richtig gehend ab, das ist total krass! 

Gaumen:
 am Gaumen macht sich zunächst einmal positiv bemerkbar, dass der Rum schon einiges an Volumenprozenten verloren hat, denn der ist echt smooth! Da brennt wirklich nichts, da zwickt auch nichts, das ist einfach nur richtig entspannt und auch große Schlucke sind problemlos möglich. Das erlebe ich so und in dieser Harmonie nur ganz, ganz selten! Gleichzeitig geht das ja aber nicht mit Verwässerung einher, das stört mich beim Duncan Taylor inzwischen merklich, sondern wirkt komplett natürlich, denn der Rum kommt noch in seiner vollen Stärke daher und das merkt man dementsprechend. Der Silver Seal mit seinen fast 59% vol. hat im direkten Vergleich zwar sogar noch etwas mehr PS unter der Haube, aber die benötigt es hier gar nicht! Der Rum macht unglaublich Spaß, er ist komplex und vor allem sehr mundfüllend. In Windeseile breitet sich dieser geniale Rockley-Geschmack in der gesamten Mundhöhle aus und benetzt alles damit. Ich habe eine tolle Süße am Gaumen, Milch und Honig fließen, alles wirkt wie eine perfekte Liason und der Rum kommt dabei so cremig daher wie ein Sahnebonbon. Es setzt dann eine Menge an Anis und frisch geschnittenem Geäst ein, die mich immer wieder bei kontinental gereiften Pot Still Rums begleitet und die hier durchaus auch sehr schön und eindrucksvoll von der enormen Reife dieses Rums zeugt, ohne, dass es dazu einen ganzen Stapel Holz bedarf. Dazu kommen Stroh, eine leicht feuchte, grasige Note und tolle Mango und Papaya! Die Tannine dagegen sind zwar auch da, halten sich aber verhältnismäßig zurück und ermöglichen auf diese Weise noch einmal ein Rockley-Erlebnis, wie ich es schon seit Jahren nicht mehr für möglich gehalten hatte! Outstanding!

Abgang: das Finale ist dann letztlich auch genauso grandios wie der gesamte Rum bisher! Es verbleiben merkliche Süße und Honig, sogar etwas Mango und einige Tannine am Gaumen. Die Süße schlägt dann um ins trockene und sogar leicht bittere. Aber für 34 Jahre ist das noch fast jugendlich! Dem Silver Seal ist sein enormes Alter da schon deutlicher anzumerken. Ganz großes Kino! 

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Fazit:
 schon lange vor Erscheinen des Rums war natürlich klar, dass es um diese Abfüllung ein Hauen und Stechen geben wird, denn der Rum ist mit seinen 162 Flaschen einfach verdammt rar und RA ist inzwischen in einer Weise gefragt, wie ich es mir vor einem Jahr noch kaum hätte vorstellen können. Dazu kommt er mit einer UVP von ca. 330,- Euro auf 0,5 Liter auch noch eine ganze Ecke günstiger daher als der Silver Seal mit seinen ca. 600,- Euro auf 0,7 Liter im Sommer. Inzwischen liegt dieser allerdings auch schon bei 900,- bis 1000,- Euro und dementsprechend ist klar, warum es einen solchen Run auf diesen Rum geben wird. Jeder weiß, dass ein solcher Rum in dieser Qualität eher nicht noch einmal wiederkommt und wenn, dann vermutlich kaum zu diesen Preisen. Sollte die Jagd am Ende also nicht von Erfolg gekrönt sein, so kann ich zwar die Enttäuschung am Ende verstehen, aber ich denke, angesichts der Rahmenbedingungen sollte auch klar sein, dass das oft nicht zu vermeiden ist. Und seien wir mal ehrlich, letztlich macht meines Erachtens doch aber gerade dieser Part wiederum auch einen Teil des Reizes solcher Flaschen aus. Zwei Seiten einer Medaille. 

Doch kommen wir endlich zum Rum: der König ist tot, es lebe der König! Das erste Mal seit 2012 führt mich definitiv kein Weg daran vorbei einen neuen König des Rockley-Styles auszurufen und es freut mich natürlich sehr, dass diese Ehre ausgerechnet einem RA zuteil wird und damit einem der sympatischsten Bottler-Label, das derzeit am Markt agiert! Einfach nur Extra-Klasse, was dieser Rum bietet und ich kann und möchte mich an dieser Stelle dann im Grunde auch einfach nur noch bei dir, Dominik, und deinem Team dafür bedanken, dass ihr das möglich gemacht und dieses in jeder Hinsicht außergewöhnliche Fass nach Deutschland gebracht habt! Dieser Rockley macht schlicht und ergreifend alles richtig und vereint sämtliche positiven Eigenschaften der bisherigen Referenzen. Der 18 YO Rendsburger hatte ein richtig geiles Profil, kam in Fassstärke daher, war aber alles andere als entspannt! Der Duncan Taylor hatte eine tolle Balance, hatte mehr als die damals üblichen 46% vol., aber es fehlte ihm minimal an Süße und letzten Endes hat ihm die Verdünnung auch nicht gut getan. Der Silver Seal wiederum kam zwar ohne Verdünnung aus und hatte ein recht komplettes Profil, aber die Tannine haben da auch schon ganz schön reingeschlagen. Ihm fehlte so ein wenig das Rockley der alten Tage. Der RA hingegen zieht überall das beste raus und gönnt sich keines der kleinen Makel der anderen Rums, so dass da am Ende natürlich eine Wertung herauskommt, die -zurecht- sehr nahe an der Topwertung ist:

-97/100-

Darüber hinaus musste ich nach dem heutigen Crosstasting auch das Verhältnis zwischen dem Duncan Taylor und dem Silver Seal noch einmal korrigieren und neu bewerten und habe mich dazu entschlossen, den Duncan Taylor leicht abzuwerten, auf dann 93 Punkte. Der Silver Seal verbleibt bei sehr starken 95 Punkten. 


Bis demnächst
Flo





Sonntag, 20. Dezember 2020

Barrel Aged Thoughts' 2020 Top 10 Rums - Part II

Liebe Rum Gemeinde,

wir nähern uns mit riesigen Schritten den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel. Höchste Zeit also noch einmal zurückzublicken auf dieses in jeder Hinsicht beispiellose Jahr und damit Herzlich Willkommen zum zweiten Teil meines Jahresabschluss-Rankings der meines Erachtens zehn besten neuen Releases in 2020! 

Picture by D.M. / RA


Was liegt heute an?

Im ersten Teil letzte Woche hatte ich euch meine Plätze 10 bis 6 noch einmal vorgestellt und heute geht es dann ans eingemachte und an die Top 5, die fünf Rums, die mich in 2020 am meisten begeistert haben! Ihr habt die fünf Rums von letzter Woche schon wieder verdrängt? Hier geht's nochmal zum gesamten ersten Teil des Countdowns und hier kommt noch einmal alles im Schnellformat:


Platz 10: Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010
Platz 9: Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore 1991
Platz 8: Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 (Employee "Buju")
Platz 7: The Rum Cask C<>H Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990 (BAT-Abfüllung)
Platz 6: Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Nitz")

Machen wir nun aber endlich weiter mit... 


Platz 5:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Dicky")

Noch ein Caroni?! Ja, ich habe sie eigentlich auf zwei Abfüllungen in meiner Top 10 beschränken wollen, aber es ging nicht, so sehr ich es auch hin und her gedacht habe. Der 1996er "Vijay" blieb für seinen Jahrgang eher unter den Erwartungen und es fiel mir daher leicht, ihn trotz der immer noch sehr guten 94 Punkte nicht mit hinein zu nehmen. Aber der "Dicky" hat mich, genau wie die "Nitz" für einen Caroni 2000 so sehr überzeugt, dass ich nicht anders konnte als ihn auch mit reinzunehmen. Da war für mich einfach kein Qualitätsunterschied und ich fand ihn in der Tendenz sogar noch leicht besser als die Nitz. Insofern führte an ihm kein Weg vorbei! 94 Punkte bekam auch der "Dicky" von mir, und ich denke, da sind wir am absoluten Zenit für den Jahrgang 2000, auch unter Berücksichtigung dessen, dass da auch einiges an weniger guten Fässern im Umlauf war. Da haben die beiden 2000er aus diesem Jahr wirklich am Limit dessen performt, was ich 2000 insgesamt überhaupt zugetraut habe. Dass es der für mich beste Caroni in 2020 "nur" auf Platz 5 geschafft hat, trotz dessen, dass die geschlossene Destillerie zu meinen absoluten Lieblingen zählt, zeigt was da an Granaten alles eingeschlagen ist in diesem so verrückten Jahr!

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Platz 4:

Silver Seal PM Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989

Ein Demerara Rum vor dem besten Caroni des Jahres?! Willkommen bei Barrel Aged Thoughts im Jahr 2020! Aber was für ein Demerara Rum das war! Im Gegensatz zu den jüngeren, ungefärbten PMs mag ich diesen richtig alten 30 YO+ und gefärbten PM Style inzwischen richtig gerne und fahre sehr auf die Granaten aus den 1970s von High Spirits oder Rendsburger total ab! Leider sind diese längst außer Reichweite und das Batch aus 1989 in diesem Alter ist so ziemlich das einzige, was da bisher für mich stilistisch zumindest einigermaßen dran kommt, auch wenn es diese einzigartige Qualität von damals natürlich nicht ganz erreicht. Und das ist letztlich auch der Grund, warum ich bei diesem Rum über die 92 Punkte nicht hinaus kam: es würde den PMs aus den 1970s einfach nicht gerecht werden. Gäbe es diese nicht oder würde ich sie nicht kennen, hätte ich hier vermutlich locker die 95 Punkte ausgepackt. Und darum musste der Silver Seal letztlich auch in meine Top 10, auch wenn einige andere in absoluten Zahlen auf den ersten Blick besser weg kamen. Der Rum ist einfach nur unfassbar lecker, intensiv, gesetzt und auf den Punkt. Für den Ausgabekurs ein Kracher! Dazu mein 250. Post auf BAT! Müssen wir noch über das sprechen, was Silver Seal uns da insgesamt präsentiert haben in diesem Jahr? Machen wir gleich! ;-) 

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Platz 3:

Rum Artesanal Jamaica Rum 25 YO New Yarmouth 1994

Auf Platz 3 steigt der für mich zweifelsfrei größte Gewinner des Jahres 2020 in meinen Countdown ein - Rum Artesanal! Was Dominik und Team da in diesem Jahr auf die Kette bekommen haben hat mich zumeist nur staunend zurück gelassen. Mit insgesamt mindestens sechs Releases die aus meiner Sicht wirklich Spitze waren und noch dazu ein fast unwirkliches Preis-Leistungs-Verhältnis aufwiesen hat man den Vogel komplett abgeschossen. Mit dem New Yarmouth 1994 im Speziellen hat man noch dazu einen echten Coup gelandet, da noch nie zuvor ein Abfüller einen derart alten New Yarmouth gebracht hatte und noch dazu in diesem bis dahin vollkommen unbekannten Stil. Der hatte es nämlich wirklich in sich, erinnerte er doch gleichermaßen an alte Appleton (nur eben in Fassstärke) als auch an tropisch gereifte Demerara Rums. Und wenn man bedenkt, dass New Yarmouth für Wray und Nephew produziert, dann liegt durchaus nahe, dass der Inhalt dieses Fasses ursprünglich mal dazu gedacht war in den Appleton Standard Blends zu landen. Glücklicherweise ist ihm dieses Schicksal erspart geblieben und der Rum landete stattdessen bei einem Jamaicanischen Broker. Als dieser seine Stocks an Velier als auch die Main Rum Company verkaufte, gehörten dazu auch ein paar Fässer New Yarmouth 1994 und so kamen letztlich wir Connaisseure in den Genuss, sowas mal im Glas haben zu können. Auch dieser Rum war mir 94 Punkte wert und auch hier wäre mit nur etwas besserer Einbindung des Alkoholgehalts noch mehr gegangen - ja, der New Yarmouth zwiebelt mit seinen ca. 68% vol. ganz schön! ;-) 

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Platz 2:

Rum Artesanal REV Demerara Rum 25 YO Enmore 1994

Und wenn für irgendwen noch irgendwelche Zweifel an der Ausnahme-Stellung von RA im ablaufenden Jahr bestanden haben, dann müssen (!) diese spätestens mit meinem Platz 2 restlos ausgeräumt sein! Diese Abfüllung markierte das Ende von RA als graue Maus auf dem viel bearbeiteten UA Markt, als auch den Anfang von RA als gleichsam national wie international führender UA, wenn es um kontinental gereifte Rums geht. Mögen einige andere durch bunte Label oder schwarze Flaschen vielleicht noch etwas mehr collectable und damit gesucht sein, aber an die Qualitäten der RA Abfüllungen insgesamt reicht da niemand heran! Kein Wunder also, dass dieses Bottling super schnell vergriffen und in der Folge auch schnell in ganz Europa gesucht wurde - meist erfolglos. Denn, und das ist bei RA schon ein wenig besonders, die Flaschen werden zu ganz, ganz großen Teilen von Genießern gekauft, die diese dann natürlich in der Regel nicht wieder hergeben. Was aber machte den REV so besonders? Nun, vor allem natürlich das: es ist ein REV! Der erste seit vielen, vielen Jahren, abgetaucht einst als elfjähriges Biest von Cadenhead mit 70% vol. und wieder aufgetaucht mit nun 25 Jahren als zahmer Gaumenschmeichler. Was das Mark wirklich bedeutet und ob es überhaupt eines ist, oder ob Cadenhead seinerzeit auch nur eine interne Bezeichnung (vergleichbar mit den Main-Kürzeln) nutzte, ist unklar. Damals wie heute ist das Teil aber eine absolute Pflaumen-Bombe und das macht diesen Rum letztlich auch aus, zumindest für mich. Ich finde das einfach wahnsinnig lecker, gediegen und nicht ohne Grund habe ich da auch schon eineinhalb Flaschen geleert in diesem Jahr. In Punkten hat es noch ein Rum in 2020 darüber geschafft, aber emotional ist der REV 1994 wohl definitiv meine Nummer 1.

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Platz 1:

Silver Seal "Rockley Style" Barbados Rum 33 YO W.I.R.D. 1986:

Ich konnte nicht anders! Mag RA für mich unter'm Strich auch unumstritten DER Dreh- und Angelpunkt in 2020 gewesen sein, aber ich musste den Rockley von Silver Seal, die einzige Neuerscheinung in 2020, die die 95 Punkte Marke knacken konnte, auf die eins setzen, und das obwohl es bei mir, bedingt durch den doch sehr steilen Kurs von 600,- Euro, für keine ganze Flasche gereicht hat. Aber was Silver Seal mit dem Rockley dieses Jahr rausgehauen haben war nun mal einfach komplett unrealistisch! Niemals nie und never ever hätte ich gedacht, dass das 1986er Batch der West Indies Rum Distillery mit seinem legendären Rockley-Style nochmal ein Revival erlebt! Ich hatte mit meinem Rum Buddy gemeinsam vor etwa einem Jahr mal den "Sloth" Rockley 1986 aus Japan im Glas, der dort vor einiger Zeit erschienen ist, und dieser war bereits so weit weg von Honig, Rauch, Vanille und Leder, dass ich das Batch bereits für alle Zeit verloren geglaubt hatte. Doch Silver Seal hat ganz tief in den Beständen von Main gegraben und der Rum Welt in 2020 den, neben Gardel, vermutlich meist unterschätzten (weil kaum bekannten) Weltklasse-Rum Style zurück gebracht, den es auf dieser Erde gibt. Für viele von euch da draußen war der Silver Seal wahrscheinlich sogar die allererste Chance überhaupt, einmal Rockley auf absolutem Spitzen-Niveau zu erleben. Denn na klar gab und gibt es auch noch immer vereinzelt Rockleys aus dem 2000er Jahrgang oder den Bristol 1986 mit Sherry Finish, aber weder die einen noch der andere spielen auch nur annähernd in dieser Liga und der Silver Seal stellt hier mit dem Duncan Taylor zusammen die neue Benchmark dar. Wohl also dem, der hier etwas von diesem Traum-Stoff ergattern konnte! 

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Und wer das nicht konnte... 2021 ist auch noch ein Jahr und vielleicht decken sich ja an dessen Ende meine emotionale Nummer 1 mit meiner nominellen Nummer 1. In diesem Sinne:

Rum Artesanal 2021

(nein, nicht das neue Logo, nur "Fan Art" 😉)
 

Epilog:

Das waren sie also, die zehn Neuerscheinungen in 2020, die mich persönlich am meisten gecatcht haben. Genug Stoff, um mindestens zwei Jahre mit Highlights zu füllen. Und ich bin sicher, ich habe da zwar mit vielen von euch Überschneidungen, aber in gleichem Maße auch Abweichungen, denn die Masse an Rums in diesem Jahr, die es ebenfalls in diese Liste verdient gehabt hätte war brutal! 



Allein RA, und da wird dann auch deutlich, weshalb die für mich in diesem Jahr eine so überragende Stellung eingenommen haben, hätten vier (!!) weitere Rums in diese Liste entsenden können! Und zwar wäre da mal mindestens der T.D.L. 2001 aus Trinidad, der auch einige Parallelen zu Caroni aufweist und auf diese Weise für einen kurzen Augenblick leichte Konfusion verursachte. Ein Caroni war es dann meines Erachtens letztlich nicht, aber ein verdammt guter Heavy Type Rum! Aber auch die beiden New Yarmouth aus 2009, die für unter 50,- Euro zu haben waren und damit mit einem sensationellen PLV aufwarten konnten, verdienen hier mindestens eine Erwähnung, ebenso wie der 1998er HD (Hampden), den ich für einen HLCF (nicht mein Lieblingsmark) erstaunlich gut fand. Und über den Long Pond 2000 z.B. haben wir da noch gar nicht gesprochen, den ich persönlich weniger gut fand, der aber gleichermaßen seine Fans gefunden hat und hier daher nicht unerwähnt bleiben soll. Ich glaube, viel mehr muss ich da nicht sagen. Außer, dass ich mich so verflucht doll freue auf das nächste Jahr... der Spoiler ist ja längst draußen, ihr alle wisst, was kommt :)



Und was für mich RA in Bezug auf kontinental gereifte Rums sind, sind Velier für mich, wenn wir über tropisch gereifte Rums sprechen. Die beiden Caroni Employees "Vijay" und "Yunkoo" hätten nach Punkten in die Top 10 gemusst, beide liegen für mich bei 94 Punkten. Aber dann wären allein fünf Caroni Employees drin gewesen, was ich dann doch als etwas zu öde empfunden hätte. Daher habe ich mich dazu entschlossen, an der Stelle ein wenig zu selektieren. Ich denke, ihr seht es mir nach. Doch Velier hat nicht nur die Karte Caroni gespielt, sondern auch mit der Appleton Hearts Collection einmal mehr Maßstäbe gesetzt. Nicht unbedingt, weil sie jeden überwältigt hätten, der sie probiert hat (tatsächlich, waren da nicht wenige auch enttäuscht), aber vor allem deshalb, weil es Luca Gargano nach Jahren und als meines Wissens nach erstem überhaupt gelungen ist, in diese Richtung etwas mit Appleton gemeinsam und unter deren Logo aufzuziehen. Und nicht zuletzt haben diverse von ihm initiierte Zoom Meetings dazu beigetragen, dass die internationale Community auch in Zeiten dieser Pandemie ein wenig zusammen kam, auch ohne Messen und reisen. Grazie, Luca! Mir gefielen der 1994er und der 1995er Appleton jeweils sehr gut, diese hatten auch den höchsten Gehalt an Congeners, der 1999er war dagegen gar nicht meins. Und als kleinen Bonus möchte ich auch nochmal den Monymusk 1997 für Begnoni herausstellen. Der wurde zwar schon 2019 gebottled, tauchte aber erst in diesem Jahr wirklich auf dem Markt auf. Mit dem 1995er zusammen für mich definitiv die Benchmark für tropisch gereiften Monymusk! 



Und dann waren da auch noch zwei Rums von Old Man Spirits (Flensburg Rum Company), die mich beeindruckt haben. Auch der Hampden 2007 und der Monymusk 1999 wären in jedem nicht außerirdischen Jahr safe in meinen Top 10 gelandet. Insbesondere der Monymusk hat für mich historischen Charakter, denn ich erinnere mich an keinen besseren im kontinental gereiften Bereich! Grandioses Debüt-Jahr, das ihr da hingelegt habt, Jungs! Ich freue mich schon darauf, auch euren Weg im nächsten Jahr weiter mitzuverfolgen. 


Und damit verabschiede ich mich dann auch heute erstmal von euch, ich bin noch nicht sicher, wann der nächste Content hier aufläuft. Ich wünsche euch noch einen besinnlichen vierten Advent und bis dann!

Flo