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Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo

Donnerstag, 5. September 2019

German Rum Festival 2019 - Prolog

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war dieses Jahr auch am Start und kann so viel vorweg nehmen: es war ein absolut berauschendes und geiles Rum Festival, das auch abseits des offiziellen Rahmens ein echtes Fest war!



Freitag, der 30. August 2019:

Doch bevor das eigentliche Rum Fest am Samstag startete, gab es am Freitag noch das Warm Up - und was für eines! Für mich begann der Tag damit, dass ich von mir daheim erst einmal nach Flensburg fuhr, um dort, an der dänischen Grenze, zwei Rum Geeks abzuholen und diese mit nach Berlin zu nehmen. Nach insgesamt acht Stunden Autobahn erreichten wir gegen Abend dann voller Euphorie und Vorfreude endlich Berlin. Erster Sammelpunkt war für viele von uns das Peter Pane Restaurant, wo es Spitzen-Burger zur Stärkung gab - ganz offensichtlich war ich nicht der einzige, der über den Tag nicht viel gegessen hatte.😁 Von dort aus ging es dann weiter zum ersten echten Programmpunkt des Abends. 
Dominik Marwede von Rum Artesanal hatte eigens einen Berliner Ausflugsdampfer gechartert und einige Rum Geeks zu einer abendlichen Fahrt auf der Spree mit der "Golda" eingeladen. In (rum-)familiärer Atmosphäre, denn die meisten von uns, neben mir z.B. auch Marius von SCR, Maik von RUMBOOM, Caroni-Buch-Autor Steffen (aka Stefano Caroni), Christian Nagel von Our Rum & Spirits oder auch die Jungs von der Rum Tasting Notes App kannten sich untereinander, schipperten wir ca. drei Stunden durch Berlin und durften dabei einige neue Abfüllungen schon einmal vorab probieren. Zu Verkosten gab es u.a. den neue Double Cask Trelawny Jamaica Rum und den Core Range Caribbean Island Blend. Ersterer ist die Vermählung eines Hampden C<>H 1998 und eines Long Pond 2000 Fasses und zweiterer ein, in meinen Augen, wunderbar unkomplizierter Standard-Blend für Einsteiger oder unkomplizierte Abende, bei denen der Rum nicht im Mittelpunkt stehen muss. Das Highlight für viele war dabei aber wohl der 14 Jahre alte neue Savanna Traditionel "Unshared Cask", der als Single Cask und in Fassstärke exklusiv für Rum Artesanal abgefüllt wurde! Ihr Lieben, ich hatte zum Zeitpunkt des Probierens schon einige Rums auf der Zunge, und nicht zuletzt gab es auch noch leckeres Finger Food dazu, aber der erste Eindruck war wirklich hervorragend! Großes Kompliment - allerdings nicht nur für die Fass-Auswahl, sondern vor allem auch für die Organisation der Bootstour insgesamt! Es war ein tolles Event, das ganz viel Spaß gemacht, viele von uns vorab schon mal zusammen gebracht und uns alle perfekt für die kommenden Tage eingestimmt hat! Vielen, vielen Dank dir, aber auch deinem tollen und sympathischen Team, lieber Dominik! 

Savanna Rhum & Finger Food - passt! :-) 


Nach der Bootstour war der Abend aber natürlich noch nicht gelaufen. 😉 Und so beschlossen wir alle gemeinsam, weiterzuziehen in die Bar Lebensstern, wo die Jungs von Kirsch Whisky ebenfalls das German Rum Festival einläuteten und auch weitere nationale und internationale Größen der Szenen, wie die Jungs von RUMCASK, Joshua und Gregers von 1423, Lance von The Lone Caner, John Gibbons oder Johnny Drejer nach und nach dazu stießen. Es war großartig, euch alle auch mal persönlich zu treffen und eine ganz besondere Freude war es mir dabei, vielen von euch auch ein Sample vom J. Wray & Nephew 17 YO zum Sniffen geben zu können, die letzten Tropfen, die ich noch habe. Da der Rum schon so stark oxidiert ist, dass er geschmacklich nichts mehr hergibt, fand ich es sinnvoller, auf diese Weise möglichst vielen von euch noch eine Idee dieses Rums geben zu können, statt das Sample einfach zu trinken. Doch natürlich wurde dann auch noch was getrunken! 😊 So kamen unter anderem das Caroni Single Cask für Kirsch Whisky, einige Cadenheads in Fasstärke, ein Berry Bros. Versailles 1985, zwei Rums von Gardel und ein Velier Diamond 1996 ins Glas. Legendäre Rums und, ja, das kann man doch so sagen, ein legendärer Abend! Wer jetzt noch nicht in Stimmung für das Rum Festival war, der war gar nicht in Berlin. 😉 








To be continued...

Sonntag, 1. September 2019

Rum Collins mit Habitation Velier Savanna HERR White

Liebe Rum Gemeinde,

der letzte der vier White Rums aus der aktuellen White High Ester Kollektion von Habitation Velier findet heute endlich seinen Weg auf BAT und in den Rum Collins: der Savanna HERR mit 62,5% vol.! 

So wie sich der Sommer seinem Ende entgegen neigt, so setzt auch diese kleine Serie an ungelagerten Rums zum Schlussspurt an. Und so wie der Sommer, so gibt auch der heutige Rum noch einmal richtig Vollgas! Seit Mai habe ich euch in jedem der Sommer-Monate einen Habitation Velier White vorgestellt und für August war ich euch dementsprechend noch einen Rum schuldig. ;-)
Anders als der <>H for Whisky Live Paris 2018, den ich als bisher letzten der High Esters hier vorgestellt hatte, ist der Savanna HERR weit weniger limitiert und so auch noch immer verfügbar. Wer sich heute am Ende meines Reviews also angefixt fühlt, der muss nicht in die Röhre gucken - ein leider viel zu selten werdender Luxus! Genau wie die anderen Whites stammt das Sample zu diesem Rum aus einer Flaschenteilung vom Freddy, der mir zum Zwecke besserer Bilder auch das Altglas überlassen hat. Wie immer gilt dir mein besonderer und herzlicher Dank!




















Der Savanna HERR ist ein Monster! Anders lässt sich das kaum beschreiben, was da passiert, wenn verschimmelte Erdbeeren, Kaugummi und Flüssigklebstoff aufeinander treffen.  Man kann das auch pur trinken, aber empfehlen würde ich das persönlich nicht. Dazu muss ich allerdings auch einwerfen, dass ich ganz grundsätzlich kein Freund des Purgenusses ungelagerter Spirituosen bin. Da fehlt mir einfach was und es ist mir auch zu unentspannt. Daher gehe ich ohne größere Umwege zum Drink über. 


Das Rezept:
  • 5 cl Habitation Velier Savanna HERR White
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • Mit Sodawasser auffüllen. 


.
Rum Collins mit Habitation Velier Savanna HERR White:

Farblich... was soll ich sagen? ;-) Es ist ein ungelagerter, farbloser Rum, gemischt mit etwas Limette und Zucker. Da gibt es farblich nahezu keine Differenzen oder gar Überraschungen zu den bisherigen Collinses.

Dafür geht der HERR geschmacklich dann vollkommen steil und na klar in eine vollkommen andere Richtung als die bisherigen High Ester Vertreter der Reihe! Eine wahnsinns Kaugummi-Note, kombiniert mit gärenden Erdbeeren, drückt dem Drink vollkommen humorlos seinen Stempel auf. Bubblegum Collins wäre hier die treffende Bezeichnung! Das ist geil, aber auch schon fast pervers! Mir fallen da, außer zu anderen Savanna Grand Aromes, auch keine Vergleiche in der Welt des R(h)ums ein, die da auch nur in die Nähe dieses Profils kämen. Vollkommen unique! Wer glaubt, Rums aus Hampden oder Caroni seien Spalter der sollte sich unbedingt mal den HERR anschauen. Diesen Stil wird man lieben oder hassen! Im Drink funktioniert der HERR auch einfach wunderbar. Der Rhum hat Kraft, ohne dabei zu alkoholisch zu sein, er ist omnipräsent, aber er lässt es zu, dass man ihn unterstützt. Und so ergänzen Limette und Süße das Profil des Rhums ganz ausgezeichnet und machen den Collins so zum perfekten Begleiter für diesen heißen Spätsommer-Nachmittag. 

Fazit: der Savanna HERR nimmt, für mich, von allen vier ungelagerten High Ester Habitation Velier mit Abstand die Spitzenposition ein! Vor allem bei den beiden Hampden kam immer wieder das Gefühl auf, dass mir das in gelagerter Form und als Mai Tai noch besser gefiele, aber hier ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: als ich den 10 YO Savanna HERR vor einigen Jahren mal im Mai Tai versuchte musste ich feststellen, dass er seine Stärken aus dem Pur-Genuss nicht ausreichend mit in den Drink nehmen konnte. Anders der HERR White. Er bringt seine Stärken meines Erachtens erst im Collins so richtig hervor, weswegen ich hier definitiv Lust hätte, an weiteren Drinks herumzutüfteln.
Müssen wir über den Preis reden? Jein! Wie für seine drei Brüder, so gilt auch hier: meines Erachtens sind die Rums, dafür, dass sie ungelagert sind, zu teuer. Allerdings muss beim HERR berücksichtigt werden, dass der New Make wohl aus 2006 stammt und ein einmaliges Experiment seitens Savanna war. Dementsprechend ist HERR sehr rar und vor diesem Hintergrund ist der höhere Preis vielleicht nachzuvollziehen. Savanna selbst bietet ebenfalls ungelagerten HERR zu leicht günstigeren Konditionen und etwas geringerem Alkoholgehalt an, aber da ist der Preisunterschied letztlich marginal. Sollte man Savanna HERR White, als High Ester Geek, in seinem Leben mindestens einmal probiert haben? Auf jeden Fall! 

Bis demnächst,
Flo

Montag, 29. Mai 2017

Mai Tai mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum- und Mai Tai Liebhaber,

nachdem mich das Monster Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 gestern bereits kräftig durchgeschüttelt hat, kommt heute der zweite, in diesem Monat Mai natürlich unvermeidliche, Teil: der Test im Mai Tai! 

Der Savanna HERR egalisierte doch so einiges, was ich bisher glaubte über Rum und Rhum zu wissen. High Ester Rum, krasser als auf Jamaica, auf einer kleiner französischen Insel vor Afrika? Aber ja doch! Der Geschmack von Kaugummi und verschimmelter Erdbeere in einem hochklassigen Rum? Auch das! 
Aber funktioniert all das auch genauso gut im Mai Tai? Bei Jamaicanern aus Hampden gilt ja mehr oder weniger die Faustregel: je mehr Ester der Rum hat, desto besser funktioniert er im Mai Tai. LROK: funktioniert gut. HLCF: funktioniert fantastisch! 1990, welches Mark dieses Batch auch immer trägt: funktioniert herausragend! Nach dieser Rechnung müsste der HERR also den besten Mai Tai machen, den ich bisher hatte. Aber ein Drink ist bekanntlich mehr als reine Mathematik...

Eine Kurzfassung mit den Randdaten zur Abfüllung:

Abfüller:                Rhums Savanna 
Land/Region:       La Réunion
Destillerie:            Savanna Distillery
Alter:                        10 YO (2006 - 2016)
Alkoholgehalt:   63,8% vol.



Verkostung des Mai Tais mit Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006:

Milchig, gelblich, an irgendwelche Fitness-Shakes zweifelhaften Inhalts erinnernd steht dieser Mai Tai vor mir und wartet darauf getrunken zu werden.

Der erste Schluck überrascht dann aber: klar, da ist unverkennbar der HERR drin, aber der Drink zähmt ihn doch ganz ordentlich! Und zwar viel mehr, als ich das erwartet hätte. Vom HERR bleibt weniger dieses krasse, weniger Kaugummi, als man es im Vorfeld vermuten würde. Dafür kommt vor allem diese Note durch, die ich gestern im Review nicht bestimmen konnte und die ich im Verdacht habe, die Savanna Grand Arôme-typische Note zu sein. Diese Note ist es auch, die den Nachgeschmack im Mund dominiert. Ansonsten macht sich der Alkohol im Drink tatsächlich beinahe noch etwas stärker bemerkbar als er das in der puren Verkostung getan hat.
Was bisher kaum durchschien: auch dieser Drink ist imho kein wirklicher Mai Tai. Von einem solchen führt der HERR den Drink meines Erachtens dann doch etwas zu weit weg. Die übrigen Zutaten kommen zwar durch, werden vom HERR aber schon ziemlich an den Rand gedrängt. Wirklich entfalten können sie sich nicht.

Fazit: hätte ja klappen können! ;) Der Drink ist zwar gut, aber nicht nur kein Mai Tai, sondern auch nicht wirklich so herausragend, dass ich in ihm einen echten Mehrwert sehen würde. Da war mir der Rum pur um einiges lieber! Es kommt weder das wirklich extreme schön im Drink heraus, noch passt sich der Rum wirklich an. Übrig bleibt vor allem die mutmaßliche Savanna Grand Arôme Note.
Allerdings bereue ich das Experiment auch nicht, da man etwas ja ausprobieren muss, um herauszufinden, dass da nicht viel zu holen ist. Wenn Ester im Mai Tai, dann lieber aus Hampden. Die können im Drink um einiges mehr als dieser High Ester Rum aus La Réunion.

Morgen kommt hier dann der letzte Mai Tai für diesen Monat. Es wird noch einmal nach Hampden gehen.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 28. Mai 2017

Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006

Liebe Rum Gemeinde,

nach dem 18 YO Guadeloupe von The Rum Cask findet heute ein weiterer Rum aus den französischen Überseegebieten den Weg auf Barrel Aged Thoughts: der Savanna HERR 10 ans Grand Arôme Millésime 2006 von der Insel La Réunion im Indischen Ozean. HERR? Das steht für High Ester Rum Reunion! 

Bild: Sani28 by Rum Club
Die Insel La Réunion liegt auf der Südhalbkugel im Indischen Ozean ca. 700 km östlich von Madagaskar und ca. 200 km südwestlich von Mauritius. Damit liegt die Insel von den anderen typischen R(h)um Herkunftsorten und -ländern in der Karibik so weit weg wie kaum eine andere.
La Réunion ist, wie auch Martinique und Guadeloupe, französisches Übersee-Departement und der Rhum von dort ist also auch aus der EU. Der Hauptort der Insel ist das im Norden gelegene Saint-Denis. La Réunion ist mit 2512 km² Fläche ca. so groß wie das Saarland, hat mit 835.000 Einwohnern allerdings deutlich weniger als dieses (995.000 ca.). Dennoch ist die Insel wiederum deutlich größer als Martinique und Guadeloupe. Somit wird deutlich, über welch kleine Regionen wir hier teilweise sprechen, die in der Rumproduktion aber ganz groß sind. In ihrer Geschichte änderte sich der Name der Insel mehrfach. Bis 1794 hieße die Insel Île Bourbon, dann, in Napoleonischer Zeit, Île Bonaparte, danach bis 1848 nochmals Île Bourbon und schließlich La Réunion. Klimatisch ist La Réunion als tropisch und sommerfeucht zu bezeichnen, was sich auf die Lagerung der Rums auswirkt. Weltrekorde stellt die kleine Insel in seinen Niederschlägen auf. Während der durchschnittliche Jahresniederschlag auf La Réunion 1632 mm pro m² beträgt (nirgends ist die Rate höher!), fallen in Deutschland gerade einmal 700 mm pro Jahr und m² vom Himmel.
Bild: Sani28
Die Destillerie Savanna liegt, wie der Hauptort Saint-Denis, im Norden der Insel in Saint-André. Sie wurde lt. ihres Eintrags bei Wikipedia in den Jahren 1948 bis 1950 in St. Paul von Émile Hugot konzipiert und zog im Jahr 1992 nach Saint-André um. Produziert werden unter anderem Rhums aus Melasse, sowie Zuckerrohrsaft in verschiedenen Reifegraden und Stilen. Laut dieses lesenswerten Artikels beginnt die Geschichte Savannas allerdings schon um 1870. Wer einmal das Vergnügen haben sollte die Insel zu Besuchen, der kann sich auch die Destillerie ansehen. Führungen werden angeboten.
Die heute besprochene Abfüllung, der Savanna HERR Grand Arôme, wurde am 11. Mai 2006 in der Destillerie Savanna destilliert und lagerte danach 10 Jahre dort auf La Réunion im Cognacfass #502, bis er im Mai 2016 als Originalabfüllung in Fassstärke abgefüllt wurde, rechtzeitig zum 60. Geburtstag von La Maison du Whisky, einem französischen Spirituosen-Fachgeschäft. Sein Alkoholgehalt beträgt 63,8% vol.. Dieser Grand Arôme Rhum wurde aus Melasse destilliert, nicht aus frischem Zuckerrohrsaft, wie die "einfachen" Savanna, sowie die Créol. Verkauft wird der Rhum exklusiv bei LMDW in 50 cl Flaschen. Sein Preis dort beträgt 118 Euro. Es wurden insgesamt 686 Flaschen abgefüllt. Somit müsste Savanna 343 Liter aus nur einem einzigen Fass geholt haben. Bedenkt man dann noch den Angel's Share bei tropischer Lagerung, so ist das mit herkömmlichen Fässern eigentlich kaum zu bewerkstelligen, aber das sind hier zumindest die offiziellen Angaben.

Nun muss ich gleich vor Beginn des Tastings allerdings zunächst einmal gestehen: ich hatte in meinem Leben bisher noch nie einen Rum aus der Savanna Destillerie im Glas und auch nur wenige Male überhaupt Rhum aus La Réunion, hier sämtlichst von Reviere du Mat. Ich kann über den heute verkosteten Rhum daher weder wirklich sagen ob er typisch für La Réunion ist, noch kann ich ihn in irgendeiner Weise in die Ahnenreihe von Savanna einordnen. Das muss ganz klar beim Lesen des Reviews beachtet werden und gerade Fans von Rhum Agricole könnten daher häufig mit dem Kopf schütteln. Warum ich den Rhum dann, trotz offensichtlicher Ahnungslosigkeit, hier bespreche? Ich verkoste den Tropfen nicht als Fan von Savanna oder Rhum Agricole, sondern interessiere mich für den Rhum als Liebhaber von stark esterhaltigen Jamaica Rums und eben auch nur deshalb, weil der HERR nun einmal sehr esterreich ist. Inwieweit diese Rums dann wiederum überhaupt miteinander verglichen werden können wird sich natürlich noch herausstellen, aber letzten Endes werdet ihr als Leser einzig wissen, wie ich den Rum in mein persönliches bisheriges Portfolio einordne, nicht, wie der Rhum sich im Vergleich zu seinen eigentlichen Brüdern, nämlich den anderen Rhums von Savanna, darstellt. Ab diesem Moment kann also zumindest niemand mehr behaupten, er hätte nicht gewusst, worauf der sich beim Lesen dieses Artikels eingelassen hat ;)



Verkostung Savanna HERR 10 YO La Réunion Grand Arôme 2006:


Preis: für 118 Euro kann man 0,5 Liter dieses Rums bei LMDW kaufen. 

Alter: der Rhum ist 10 Jahre alt und reifte zwischen 2006 und 2016.

Lagerung: gelagert wurde der Rhum in einem Ex-Cognacfass auf La Réunion.

Fassnummer: #502.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: 63,8% vol.

Destillationsverfahren: unbekannt, vermutlich Pot Still Verfahren.

Mark: HERR.

Farbe: satt goldener Bernstein. 

Viskosität: der Rhum bildet satte, fette und eher enge Schlieren, die recht zügig die Glaswand herunterlaufen. 

Nase: Wuuuuuhuuuhuuhuuuu... DAS (!) sind mal echt fette Ester! Wahnsinn! So etwas habe ich, auch wenn ich mir nie vorstellen konnte, dass das möglich ist, selbst auf Jamaica noch nie gesehen! Wie auch bei Hampden üblich war schon beim Einschenken richtig Alarm und jetzt, nach einer Stunde im abgedeckten Glas, brennt der Rum ein echtes Feuerwerk ab! Diese Nase ist zunächst einmal vollkommen unzugänglich. Ein Konglomerat aus krassen Estern, fiesen Klebstoffnoten, Arzneimitteln, vergorener Erdbeere und alkoholischen Dämpfen scheint deutlich sagen zu wollen: Unbefugten ist der Zutritt bei Androhung des Todes nicht gestattet! Anders als bei Hampden ist der Säuregehalt hier nicht so hoch. Das fällt direkt auf. Mannomann! Das ist so ziemlich das heftigste Bouquet, das ich je in einem Glas vorgefunden habe! Ein Rhum, der Urinstinkte aktiviert. Und dieser sagt gerade: "Weglaufen, nicht trinken, is' giftig!".

Nach ca. 1,5 Stunden bricht der Rhum langsam auf und man kann seine Nase auch mal ein wenig näher ans Glas führen. Jetzt steht Kaugummi im Vordergrund in der Geschmacksrichtung "Vergorene Erdbeere". Dazu kommen weiter Uhu-Klebstoff, Hustensaft und die Einflüsse des Ex-Cognac Fasses. Das ist so eine typische Note die man kennt, wenn man schon viele Plantation Rums im Glas gehabt hat. Doch während sie bei Plantation sehr ausgeprägt und durch die Zugabe von Zucker oft sehr überzeichnet ist, findet man sie hier sehr viel dezenter bzw. natürlicher und sehr schön eingebunden wieder. Sie verleiht dem Rum eine schöne Süße, die herrlich zum Kaugummi passt. Ganz hinten habe ich dann Noten, die an Jamaica erinnern. 

Gaumen: auch hier erstmal: voll in die Fre**e rein!! Das erste was ich wahrnehme ist eine sehr auffällige Süße gleich zu Beginn, die habe ich schon im Mund, da habe ich das Glas kaum angesetzt. Danach brennt der Alkohol kurz, aber nicht wirklich lange oder allzu unangenehm. Der Rhum ist für seinen Alkoholgehalt erstaunlich dünn in seiner Konsistenz, dabei aber zu 110% mundfüllend! Es kommt einem aus der Nase und aus den Ohren wieder raus. Die Zunge wird komplett überrannt. Für einen Moment denke ich, dass ich mich mal besser auf meine Urinstinkte verlassen hätte, die sich bereits in der Nase gemeldet haben, aber dafür ist es nun schon zu spät. 
Jetzt kommt die Hubba Hubba Kaugumminote noch viel, viel krasser durch als in der Nase schon. Der HERR ist ein Rhum, der ewig lange am Gaumen verbleiben möchte. Hier rennt er einen wahren Marathon ab. Es kommen immer wieder neue Facetten durch, der Rhum endet nicht. Zwischendrin habe ich hinten heraus immer mal wieder Eisbonbons. Ihr wisst schon, diese mit dem Eisbären drauf. Wer diesen HERRn zu früh herunterschluckt, der verpasst einiges! Denn wenn sich das erste Feuerwerk nach einigen Minuten gelegt hat, kommen erstmals auch herbere Noten durch. Das ist das Startsignal für die Einflüsse des Cognacfasses und der zehnjährigen Reifung. Der Rhum hat am Gaumen inzwischen eine cremige Konsistenz angenommen und verliert mehr und mehr an Kaugummi. Jetzt kommt eine Note durch, die ich nicht wirklich einordnen kann. Bei einem Jamaicaner ist das häufig die Brennerei-typische Note, weswegen das hier natürlich auch gut der typische Charakter von Grande Arome Savanna sein könnte, aber überprüfen kann ich das an dieser Stelle leider nicht. 

Abgang: Im Abgang kommen die Kaugummi-Noten nochmal wieder und vermischen sich mit Fasseinflüssen und Holznoten von frisch abgeschnittenen Ästen. Ewig lange verweilt der HERR noch im Mund und meldet sich immer mal wieder mit frisch abgeschnittenen Ästen zurück. Auch noch nach Stunden ist er präsent.

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Fazit: außergewöhnlich! In jeder Hinsicht außergewöhnlich! Das trifft es wohl am ehesten, wenn man die Eindrücke wertend aber maximal objektiv zusammenfassen möchte, die da in den letzten Stunden auf mich eingeprasselt sind. Wahnsinn! Dieser Rhum lässt sich mit nichts vergleichen, was ich bis dato je im Glas hatte. Ein Rhum, der sicherlich spaltet! Der Kundenkreis, der auf solche extremen Aromen abfährt dürfte sehr eingeschränkt sein und selbst die Esterbomben aus Jamaica sind dagegen fast massentauglich. Tja... Vergleiche. Man ist ja irgendwie immer geneigt, bewusst oder unbewusst, solche zu suchen, da unser Gehirn nun einmal in Vergleichen arbeitet, aber da ist einfach nichts. Daher ist es auch nur logisch, dass ich vielfach von Menschen gehört habe, dass sie mit diesem Rhum, bevor sie ihn genial fanden, überfordert waren. Selbst der 26 jährige The Rum Cask Hampden 1990 hat nicht diese Dichte an Estern, ist nicht wirklich ein Vergleich. Vielleicht könnte man den DOK von Hampden heranziehen, wenn gleich hier bisher noch keinerlei verkäufliche Abfüllungen existieren. Bei meinen Recherchen zu dieser Abfüllung hatte ich da aber einige vergleichende Zeilen gelesen.
Ja, da hat mich die Savanna Destillerie ganz schön überrascht. Rhum Agricole ist ja, gleich ob aus Melasse oder Zuckerrohrsaft, eigentlich so gar nicht meins, aber dieser hier hat mich total geflasht! Erkenntnis für mich: High Ester Rum? Das geht nicht nur auf britisch geprägten Inseln, bzw. in Regionen oder Ländern wie Jamaica, Fiji und Barbados, sondern auch in einem französischen Übersee-Departement. Das kommt zwar, wie schon mehrfach erwähnt, überraschend für mich, ist aber ebenso erfreulich!
Ein paar Worte in Richtung des Preises: der ist zwar mit seinen 236 Euro/Liter happig, für einen zehn jährigen Rum insbesondere, aber ob der Besonderheit der Abfüllung gerade so noch zu vertreten. Ich fand den Rhum wirklich extrem, aber sensationell gut!

Ein riesengroßes Dankeschön geht heute an Sani28 aus dem Rum Club! Er ließ mir sowohl ein Sample, als auch Bilder der Flasche dieses tollen und außergewöhnlichen Rums zukommen. Vielen Dank dafür!

Bis morgen,
Flo