Sonntag, 25. Februar 2018

Cadenhead 'HTR' Trinidad Rum 18 YO Caroni 1998

Liebe Rum Gemeinde,

wie neulich angekündigt geht es heute, und auch in nächster Zeit noch häufiger, um eine Destillerie, die langsam aber sicher dazu avanciert meine neue Lieblingsdestillerie zu werden. Die Rede ist von Caroni!

Dargereicht wird dieser heute vom weltbekannten Traditionsabfüller William Cadenhead aus Campbeltown, Schottland. Von jenem unabhängigen Abfüller also, der in der Vergangenheit so viele große Rumabfüllungen herausgebracht hat wie kein anderer bis dahin, vor allem aus Guyana. Ich denke da, nicht ganz ohne Nostalgie, an diverse Demeraras aus den 1960er und 1970er Jahren zurück. Lang' ist's her. Denn in der Gegenwart ist es da eher ruhig geworden und Demeraras in Fassstärke werden heute eher mit Velier aus Italien assoziiert. Zwar fährt Cadenhead, zu allermeist, nach wie vor eine sehr wohltuende Preispolitik, aber echte, legendäre Kracher kamen von hier im Rumbereich leider schon länger nicht mehr. Und, man höre und staune, aus Caroni hatte Cadenhead bisher meines Wissens nach sogar noch nie einen Heavy Type Rum im Portfolio, lediglich einige Light Types (PROVIDENCE) aus 1991 waren mal dabei. Aber auch da kam der letzte in 2006 auf den Markt, also vor ganzen 11 Jahren. In 2017 hatte sich das geändert und es erwartete uns im Sommer dieses streng limitierte Single Cask Jubiläumsbottling - 228 Flaschen wurden abgefüllt. Denn Cadenhead feierte letztes Jahr sein 175 jähriges Bestehen. Wow!

Hangtag, Vorder- und Rückseite
Neben einiger Whiskys gab es zu diesem Anlass also auch die Caroni-Abfüllung und sie alle bekamen sowohl eine spezielle, grüne Box, als auch ein metallenes Hangtag um den Flaschenhals gehängt, auf dem das Jubiläum festgehalten wird. Das macht schon etwas her! Davon aber einmal ganz abgesehen kann man da nur sagen: sehr gutes Timing! Denn noch vor einigen Jahren hätte das sicher noch kaum jemanden aufhorchen lassen. Caroni gab es von diversen unabhängigen Abfüllern zuhauf und sie alle lagen wie Blei in den Regalen! Doch nach Wegbrechen der tropisch gereiften Velier-Demerara Rums wurde dann Caroni vor dem Hintergrund der Lost Distillery von einem Hype erfasst und braucht hier inzwischen leider auch Vergleiche mit der Whiskywelt immer weniger zu scheuen. Denn den Namen der schon lange geschlossenen und preislich vollkommen eskalierten Islay-Destillerie Port Ellen hört man im Zusammenhang mit Caroni in letzter Zeit doch immer häufiger. Ganz so ausgeufert ist es bei Caroni zwar noch nicht, aber wenn ich überlege, wie ruhig es in der Rumwelt insgesamt noch vor fünf bis sechs Jahren gewesen ist, dann macht die derzeitige Entwicklung um tropisch gereifte Rum und um Caroni im Speziellen doch schon einen Heidenlärm!
Frontlabel des Cadenhead HTR Caroni mit genauen 
Angaben zur Abfüllung
Doch zurück zur heutigen Abfüllung: Ausgesucht hat Cadenhead ein Fass aus dem Dezember 1998, welches bis Sommer 2017 reifen durfte, vermutlich mindestens zu einem größeren Teil in Großbritannien. Der Rum kommt mit stattlichen 65,8% vol. daher und hat dementsprechend keine Verdünnung erfahren. Das Fassmark lautet HTR, welches, je nach Quelle, entweder für "Heavy Type Rum" oder für "Heavy Trinidad Rum" steht. Destilliert wurde dieser Caroni laut Label in einer Pot Still. Inwieweit diese Angabe zutreffend ist oder überhaupt zutreffend sein kann ist allerdings umstritten. Denn die Erkenntnisse darüber mit welchen Destillationsverfahren und Brennapparaten in Caroni und bis wann noch gearbeitet wurde überholen sich momentan häufig.

Da wir es ja schon vom Caroni-Hype hatten: bemerkbar gemacht hat sich dieser leider auch beim Preis des Rums: in Deutschland lag dieser bei 205,- Euro - viel Geld! Dafür, und da bin ich (Zeitenwende hin, Zweitenwende her) von meinem Standpunkt nie abgewichen, muss mir hier für eine Empfehlung meinerseits sehr viel geboten werden! Ob es das wird, da habe ich im Jahresrückblick ja schon etwas gespoilert, aber ich werde mir das nun mit euch zusammen noch einmal etwas genauer angucken. Ich freu' mich drauf!


Verkostung des Cadenhead 'HTR' Trinidad Rum 18 YO Caroni 1998:

Preis: für eine 0,7 Liter Flasche wurden von Cadenhead in Deutschland 205,00 Euro aufgerufen. 

Alter: von Dezember 1998 bis zum Sommer 2017 lag der Rum im Fass, ist somit 18 Jahre alt. 

Lagerung: dazu werden keine Angaben gemacht. Eine Teillagerung in den Tropen bis zum Verkauf von Caroni ist möglich. Spätestens für die Zeit danach, also ab ca. Mitte der '00er Jahre, kommt aber eigentlich nur eine Lagerung in Großbritannien in Frage. 

Fassnummer: unbekannt

Angel's Share: unbekannt

Alkoholstärke: 65,8% vol.

Destillationsverfahren: angegeben ist eine Pot Still.

Mark: HTR

Farbe: dunkel, dunkler, Caroni! 

Viskosität: satt, ölig und fett wabert der Rum an der Glaswand in unregelmäßigen Schlieren. Bei einem Caroni entstehen zwangsläufig schon hier Assoziationen zu Motorenöl. 

Nase: wie sagte es Marius (SCR) letztes Jahr in einem seiner Reviews? "Caroni!" Ja, ich bin auch dafür, dass das als eigene Geschmacksbeschreibung für sich gilt. Das erspart einem als Rezensenten Erklärungen und Beschreibungen, die man am Ende aber ja wieder doch nur dann nachvollziehen kann, wenn man Caroni wirklich mal erlebt hat. Dieser Kandidat hier ist jedenfalls wirklich sehr Caroni, voll, reich- und körperhaltig und... eine Dreckschleuder, auch für Caroni-Verhältnisse! Ich habe ihn natürlich mit anderen Caronis aus 1998 verglichen und wo z.B. beim 17er von Velier in der Nase auch noch eine nicht unerhebliche und an Studentenfutter erinnernde Süße steckt, kommen bei diesem hier einfach nur Teer, Petroleum, Motoröl und Fahrradschlauch. Wahnsinn! Und da ich den 17er Velier Extra Strong erwähnte und diesen auch viele kennen: man kann sich den Cadenhead in seinem Grundcharakter vorstellen wie diesen, nur, dass man beim Cadenhead die Kindersicherung deaktiviert hat. Vollkommen humorlos! Aber Moment: sollte der Rum nicht fast 66% vol. haben? Davon merkt man in der Nase tatsächlich wenig, was mich durchaus zu beeindrucken vermag!

Gaumen: anders als in der Nase habe ich am Gaumen hingegen schon eine süßliche Note zu Beginn, aber diese verkehrt sich schon nach kurzer Zeit sehr genial auf die dreckige Seite der Macht. Wirklich überhaupt keine Chance auf einen Konsens-Rum! Was wieder auffällt: für die 65,8% vol. die er ja hat, ist der erstaunlich weich und lässt das nicht vermuten. Auch größere Schlücke sind möglich, wenn gleich das Britzeln auf der Zunge dann etwas steigt. Aber alles in allem ist der sehr weich und überaus ausgewogen. Auf den Punkt balanciert!
Fruchtige Noten finden sich hier so gut wie gar nicht, der Rum hat sich voll und ganz einem Schrottplatz verschrieben. Mehr noch als in der Nase dominieren Teer, Motoröl und Fahrradschlauch das Auftreten dieses Caroni! Dabei ist der Rum aber cremig und vollmundig, was dazu führt, dass man ihn gern sehr lange im Mund behält. Nach hinten heraus kommen immer wieder die teerigen Komponenten, die sich mit etwas Tanninen aus dem Fass vergnügen. Sehr, sehr geil! Der Rum hat wahnsinnig viele Ecken und Kanten und zeigt in jeder seiner Facetten ein hohes Maß an Charakterstärke. 

Abgang: eine kurze Note vom Holz und dazu Petroleum und Fahrradschlauch. Sehr genialer Abgang wie ich finde. Der bleibt noch eine ganze Zeit erhalten. Auch 30 Minuten später hat man noch gut von ihm. 

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Fazit: Groß! Einer der besseren Caroni die ich bisher im Glas hatte! Wer es gerne dreckig mag, dem sei dieser Rum ans Herz gelegt. Ich schrieb ja im August beim neuen 21 YO von Velier, dass ich Caroni nicht zwingend dreckig und verrucht brauche und mich auch sehr gut mit etwas smootheren Ablegern dieser Lost Distillery arrangieren kann, aber meine heimliche Liebe gilt tatsächlich oft doch eher den kompromissloseren Vertretern Caronis. Und genau einen solchen habe ich heute vor mir. Hier wird es schon sehr viel schwerer einen Neuling für Rum zu begeistern und dafür ist er auch weder gemacht noch geeignet. Dafür begeistert er mich und ich bin froh noch eine Flasche bekommen zu haben. Denn auch dieser Rum war leider ausverkauft, noch bevor man die Chance hatte zu probieren und dann zu bestellen. Warum ich trotzdem eine Flasche habe? Ich bin hier blind der Empfehlung des Rum Club Users "Tinkiwinki" gefolgt, der den Rum dort auch geteilt hat und mir seine Eindrücke vorab geschildert hat. Vielen Dank dafür und auch für das Sample! Das war ein Volltreffer! Dementsprechend: ja, der Rum war seinen Preis meines Erachtens wert. Und günstiger wird's wohl leider auch nicht mehr sehr häufig. Bei Velier sind die Preise ebenfalls auf diesem Level angelangt und ganz generell werden Caronis um 65% vol. gefühlt inzwischen recht selten. Die meisten Neuerscheinungen liegen eher bei 55% oder 57% vol. und das ist, wer Caroni liebt, der weiß was ich meine, schon ein gehöriger Unterschied. Ich persönlich sehe in diesen 10% vol. mehr einen großen Mehrwert und dementsprechend gut hat mir also auch dieser Rum gefallen.
Aus 1998 hatte ich bisher noch keinen besseren Caroni im Glas und auch die vier Vertreter von Velier aus diesem Jahrgang (15er & 17er Extra Strong, sowie 32nd & 33rd Release) reichen, obwohl ich sie alle vier ebenfalls sehr mag, vor allem den 17er und das 32nd und 33rd Release, meines Erachtens nicht an diese Single Cask Abfüllung heran (Scusi, Luca!). Das 32nd Release ist dem Cadenhead nicht unähnlich, kommt aber insgesamt noch etwas weniger extrem daher. Er ist ebenfalls ein toller Rum, aber mir gefällt der Cadenhead auf Grund seiner noch etwas stärker ausgeprägten Individualität einfach noch besser. Dieser Rum ist unheimlich charakterstark und außergewöhnlich. Ein wirklich genialer Tropfen und für mich auch der drittbeste Rum in 2017 insgesamt!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 4. Februar 2018

Es geht voran...

Liebe Rum Gemeinde,

viel ist zu tun in letzter Zeit und es ist mir schon fast peinlich, dass gefühlt jeder der wenigen Beiträge von mir in den letzten Monaten mit diesen oder ähnlichen Worten beginnt. Und doch möchte ich mit Freude vermelden, dass sich hinter den Kulissen gerade wieder ein wenig etwas regt! 


Caroni incoming... 

Zum einen konnte ich in den letzten Wochen viele großartige Rums probieren und habe dazu auch Verkostungsnotizen verfasst, die hier zu gegebener Zeit veröffentlicht werden! Momentan ziere ich mich da gerade in Bezug auf die Rums aus Caroni noch etwas, denn ich möchte, wenn ich die Rums hier vorstelle, meinen Horizont in Bezug auf Caroni zumindest dahingehend erweitert haben, dass alle Rums auch eine wirklich aussagekräftige Einordnung erfahren können. Ich habe bei Caroni nun einmal sehr spät angefangen und bewege mich auf dem Terrain dieser Destillerie noch nicht so sicher wie bei Long Pond oder Hampden. Aber ich gebe mir gerade alle Mühe, das nach- und aufzuholen. Da wird also noch einiges kommen hier!


Long Pond in da house... 

Wo wir es gerade kurz von Long Pond hatten. Nicht ohne Stolz möchte ich euch darauf hinweisen, dass die Info-Seite von Long Pond (rechts am Rand, bei den Destillerien Jamaicas) als erste neu verfasst und soweit erst einmal fertig gestellt ist! Eine noch detailreichere Version ist zwar in Planung, wird aber auf unabsehbare Zeit nicht zu realisieren sein. Doch für den Moment bin ich damit sehr zufrieden und gerade die Infos zu den Ester-Marks von Long Pond dürften viele vermutlich noch nicht kennen. In nächster Zeit werde ich auch die anderen neuen bereits vorhandenen Info-Seiten auf vergleichbare Weise füllen, damit euch nicht für alle Zeit der Hinweis entgegenkommt, dass sich die Seite im Aufbau befände. Das soll bis Sommer 2018 endlich Vergangenheit sein! 


Transparency...

Ich habe auf der Long Pond Seite auch eine Idee von Marius Lohschelder von Single Cask Rum übernommen, nämlich jeweils die Abfüllungen aufzuführen, die man selbst auch schon im Glas gehabt hat (soweit man sie noch zusammen bekommt, einige sind mir über die vielen Jahre sicher hinten runtergefallen). Ich finde das gleich im doppelten Sinne sehr genial. Zum einen dient es mir selbst als Überblick, zum anderen aber, und das finde ich noch viel besser, dient es auch der Transparenz gegenüber euch Lesern, die ihr so sehr unkompliziert meinen jeweiligen Erfahrungsschatz überblicken könnt und euch daher ein klares Bild dazu machen könnt, was meine Einschätzungen zu einem Rum wert sind, denn wenn ich beispielsweise behaupte, ein Rum sei der beste seiner Destillerie, der mir je unterkam, dann macht es ja durchaus einen Unterschied, ob ich das nach zwei, zwanzig oder zweihundert probierten Rums sage. 




Mit dieser kurzen Wasserstandsmeldung möchte ich für den Moment schließen, melde mich aber als bald als möglich zurück! 

Bis demnächst,
Flo