Posts mit dem Label Albion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Albion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. Dezember 2019

My Top 10 Rums 2010 - 2019

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch in den letzten Tagen bereits mit auf eine Reise durch das vergangene Jahrzehnt genommen und, so denke ich, klar gemacht habe, wie elementar sich die gesamte Rum Szene in den letzten zehn Jahren verändert hat, möchte ich das ganze heute mit meiner ganz persönlichen Top 10 der vergangenen Dekade krönen: den zehn für mich besten oder manchmal auch einfach nur prägendsten Rums der 2010er Jahre! 



Wenn wir also über die Highlights des gesamten Jahrzehntes sprechen, dann muss eines dabei zunächst klar sein: die erste Hälfte des Jahrzehntes war, in der Breite, deutlich ärmer an Highlights als die zweite, auch wenn sich das in meinen Top 10 und damit in der Spitze so nicht widerspiegeln wird. Erschien in den Jahren bis 2013 ca. eine Top-Abfüllung, so erhielt diese von der damals noch kleinen Szene noch um einiges mehr Aufmerksamkeit als in den Jahren danach, als hochklassige Abfüllungen immer normaler bis irgendwann gar fast alltäglicher wurden. Dementsprechend anders wurden einige Bottlings seinerzeit dafür aber auch wahrgenommen und eingeordnet, bzw. legten den Grundstein für spätere Entwicklungen. Ich werde das im einzelnen aber entsprechend erläutern. 



10. Rum Albrecht LPS Jamaica Rum 17 YO Long Pond 1993 - 53% vol.

Gleich der erste Rum in unserem Ranking ist genau solch ein spezieller Fall. Würde beispielsweise ein tropisch gereifter LPS 17 YO heute erscheinen, so wäre das Echo sicher noch immer entsprechend und ein Interesse sicher vorhanden, aber ein solches Bottling wäre heute nicht mehr bahnbrechend und der Rum sicher nicht zwingend ein Kandidat für eine Bestenliste der Dekade. 2012, bei Erscheinen war das noch vollkommen anders. High Ester Jamaica Rum mit über 50% vol.?! Da konnte man schon mal ausrasten! Denn das war selten, extrem selten! Dazu kam der Rum  mit einem Preis von ca. 40,- (!!) Euro um die Ecke! Schon damals war den meisten, die da schon aktiv waren klar: ein so guter Rum mit einem solch gigantischen Preis-Leistungs-Verhältnis (Value for Money) wird vermutlich nie wieder kommen und sie sollten in diesem Punkt auch Recht behalten. Dieses Bottling war in jeder Hinsicht einmalig und kam in einer Zeit, in der noch fast niemandem klar war, wie richtungsweisend genau dieser Rum später noch einmal sein würde. Denn er ist einer der ganz, ganz wenigen Rums, der tropisch gereift wurde UND direkt vom Bottler in der Karibik erworben wurde. Ich habe das nicht gecheckt, aber ich glaube, das können ansonsten nur Velier und -mit Abstrichen- Bristol Spirits von sich behaupten. Zukunftsmusik im Jahr 2012 in wirklich extrem guter Qualität - keine Frage, dass dieser Rum in die Top 10 musste! 

Klicke hier für das Review!


9. Duncan Taylor Jamaica Rum 22 YO Hampden 1990 - 52,9% vol.

Und direkt der zweite Rum aus der ersten Hälfte des Jahrzehnts. Er kam ca. ein Jahr nach dem LPS auf den Markt und war einer der allerersten Hampden mit höherem Ester-Mark als LROK, der mit mehr als 50% vol. erschien. Zwar bedeuteten auch die ca. 53% vol. noch eine Reduzierung des Alkoholgehalts um fast 10% vol., aber der Qualitätsgewinn war dennoch ganz offensichtlich. Dazu konnte der Jahrgang 1990 mit diesem Bottling seinen Ausnahmestatus endgültig zementieren, den er mit dem Berry Bros. 1990 bereits mehr als angedeutet hatte. Mit einem Preis von ca. 110,- Euro war der Rum zudem kein Schnäppchen mehr, zumindest für damalige Verhältnisse. Mit dem Übertreten der damals magischen 100,- Euro Grenze setzte der Abfüller durchaus auch in dieser Hinsicht ein Ausrufezeichen. Für mich ganz persönlich stellte der Duncan Taylor Hampden 1990 damals aber vor allem aus einem anderen Grund eine echte Zäsur dar: endlich ein unabhängiger Abfüller neben Cadenhead, der Hampden nicht bis auf 46% vol. herunter verdünnte! Das gab es bis dahin nicht! Der Hampden war zudem Teil einer heute legendären ersten Serie an Abfüllungen, aus der es auch noch eine weitere Abfüllung in diese Liste geschafft und eine diese nur knapp verfehlt hat. Schade, dass in dieser enormen Qualität danach nie wieder etwas hinterher kam bei Duncan Taylor. Der Hampden Jahrgang 1990 allerdings sollte seinen absoluten Höhepunkt erst noch erleben. Doch dazu später in dieser Liste... 

Klicke hier für das Review!


8. Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 - 65% vol.

Und direkt wieder die erste Hälfte der Dekade, auch wenn dieser Rum für mich gefühlt schon beinahe eher zur zweiten Hälfte zählt, denn mit seinem Ausgabepreis von über 200,- Euro wies er bereits ein typisches Merkmal späterer Jahre auf, indem man nicht nur die 100,- Euro Grenze nahm, sondern auch direkt die 200,- Euro. Für mich damals ein unverschämt hoher Preis, den ich nicht zu zahlen bereit war. Kontrovers dürfte für viele aber auch die Platzierung des Samarolis in diesem Ranking sein, denn den würden sicher die meisten höher erwarten, bzw. selbst auch höher platzieren. Warum? Nun, weil er glaube ich für alle die es nicht unbedingt mit dem Jahrgang 1990 halten schlicht der beste Hampden aller Zeiten ist. Für mich ist es aber immerhin noch der zweitbeste Hampden. Mit schwarzer Flasche und wirklich schickem Label, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, machte das Bottling zudem auch äußerlich richtig was her. Eine Sonderstellung nimmt der Rum aber auch deshalb ein, weil es eines der ganz wenigen Abfüllungen von Samaroli ist, die wirklich und unzweifelhaft zu den absolut besten aller Zeiten zählen. Ansonsten kam von dort leider auch sehr viel Durchschnitt. Mir fällt kein einziger weiterer Samaroli ein, der es bei mir auch nur in die Top 50 der letzten Jahre schaffen würde - das ist bezeichnend! 

Klicke hier für das Review!


7. Velier Heavy Trinidad Rum 23 YO Caroni 1996 "The Last" - 61,9% vol.

Der einzige Rum aus diesem Jahr, der es in die Bestenliste der Dekade geschafft hat, ist ein Caroni! Zudem ist es der erste in dieser Liste, der nicht aus Jamaica stammt, meiner Lieblingsinsel. Ja, das ist für viele möglicherweise etwas eintönig, aber keine Angst, es folgen auch noch weitere Ausflüge zu anderen Ländern. Der "Last Caroni" aus diesem Jahr war für mich ohne jeden Zweifel der beste Rum des Jahres 2019 und damit zugleich nochmal eine echte Überraschung, denn weder hatte ich damit gerechnet, dass nochmal ein solch guter Caroni auf den Markt kommen würde, noch hatte ich zu hoffen gewagt, dass das in derart großer Auflage nochmal passieren würde. Wahr wurde es dennoch und so war die Freude natürlich umso größer! Doch wo Licht ist, ist immer auch Schatten und so schwang mit diesem Rum natürlich auch die Gewissheit mit, dass hier gleichzeitig auch eine Ära bald zu Ende gehen wird. Caroni in größerer Auflage sind seitens Velier nicht mehr zu erwarten und die wenigen Flaschen die noch kommen, werden schwer zu bekommen sein. Die Preise werden darüber hinaus weiterhin steigen, so dass für viele selbst die 390,- Euro Ausgabepreis für den "Last" schon wie eine Aufforderung zum Kauf klangen. Perverse Verhältnisse, gerade mit Blick auf die Preisentwicklung über die gesamten letzten zehn Jahre gesehen, aber Caroni wird nun einmal nicht wieder kommen und die Nachfrage ist riesig. 

Klicke hier für das Review!


6. Isla Del Ron Jamaica Rum 30 YO Long Pond 1982 - 56,2% vol.

Der Isla Del Ron Long Pond 1982 ist ein Rum, der mich heute mehr denn je fasziniert, denn er symbolisiert wie kaum eine andere Abfüllung den Übergang von der Rumwelt wie sie früher war, vor dem großen Boom, hin zu dem, wie wir sie heute kennen. Es handelt sich dabei nämlich einerseits um eines der allerletzten Bottlings eines alten Long Ponds aus den 1980ern und gleichzeitig aber auch um eine der ersten Abfüllungen der neuen unabhängigen Abfüller, die sich ab 2012 ca. herauskristallisierten, vielfach aus der damals bereits bestehenden Szene aus unabhängigen Whisky-Abfüllern. Das war auch hier der Fall, denn hinter Isla Del Ron steht der deutsche IB Malts of Scotland mit Sitz in Paderborn, zu dessen Premieren-Abfüllungen dieser 1982er Long Pond damals gehörte. Ähnlich wie Duncan Taylor startete auch Malts of Scotland mit riesigen Ausrufezeichen und ließ dann aber leider ziemlich nach. Neben dem Long Pond zählten auch ein 1988er Enmore, ein 2000er Mount Gay und ein 1998er Sancti Spiritus zum Portfolio. Die späteren Abfüllungen erreichten dieses Niveau meines Erachtens aber nicht mehr, und wenn, dann nur sehr vereinzelt. Schade. Nichts desto weniger gehört der 1982er meines Erachtens in jede Bestenliste, wenn wir über das vergangene Jahrzehnt sprechen. Für mich ein Ausnahme-Rum, den ich mir sehr wünschen würde, nochmal im Regal stehen zu haben. Die 130,- Euro Ausgabepreis waren damals eine echte Ansage. Aus heutiger Sicht war der Preis hingegen ein kompletter Witz!

Klicke hier für das Review!


5. Duncan Taylor Barbados Rum 25 YO WIRD/Rockley 1986 - 52,7% vol.

Der nächste Ausflug, der nicht nach Jamaica geht und der einzige Barbadier, der es in meine Liste geschafft hat. Warum nur der eine, werden nun viele fragen. Ja, aus Barbados kommen viele tolle Rums, aber die allermeisten der anderen Rockley aus 1986 wurden bereits in den beiden vorherigen Jahrzehnten, also in den 1990er und 2000er Jahren abgefüllt, weswegen sie hier nicht auftauchen, und die wenigen Mount Gay, die mir wirklich gefielen, konnten in der Qualität nicht an jene Rums heranreichen, die sich hier heute noch so tümmeln. Daher ist Barbados leider ein wenig unterrepräsentiert, ja, aber ich hoffe noch immer darauf, dass seitens WIRD/Ferrand der Rockley-Style noch einmal ein Revival erfährt und es damit in einigen Jahren wieder mehr Barbadier in die Bestenlisten schaffen. Momentan sieht das leider eher mau aus. Mit dem 25 Jahre alten Duncan Taylor WIRD erschien dafür allerdings ein absolutes Highlight im Jahr 2012 und damit im relevanten Zeitraum. Er gehörte zur bereits angesprochenen ersten Welle an Duncan Taylor Releases und dieses war in dieser Hinsicht das beste von ihnen, sogar noch vor dem Hampden. Rockley gehört zu den für mich besten Stilen überhaupt beim Rum und es ist schade, dass er so in Vergessenheit geriet in den letzten Jahren. Alle, die erst später zum Rum kamen haben da echt was verpasst: simply the best Barbados rum ever! Der Ausgabepreis von ca. 90,- Euro treibt einem heute die Tränen in die Augen...  

PS: es handelt sich bei diesem Rum um den einzigen, der bisher kein Review auf BAT erfahren hat. Das liegt daran, dass das Review bei Erscheinen des Rums von Marco kam und bei mir die Reviews der Rockleys erst für das Jahr 2020 geplant sind. Aber auch dieser Rum wird hier noch besprochen werden! 



4. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992 "Hangar" - 60,21% vol.

Trinidad und Caroni die Zweite! Schon 2012 erschienen, kam dieser Rum allerdings erst sehr viel später wirklich zu Ehren, nämlich im Zuge des allgemeinen und gesamten Aufstieg Veliers und damit Caronis zu einer der beliebtesten Destillerien überhaupt. Dann allerdings hat der "Hangar" so richtig reingehauen! Die Rums zählen zum so genannten Guyana Stock, also jenen Rums, die ab 2008 in Guyana bei DDL lagerten. Und 1992 gehört gleichzeitig zu den besten, aber eben auch seltensten Jahrgängen von Caroni. Gerade einmal vier verschiedene Abfüllungen hat Velier herausgebracht und auch von anderen IB gibt es meines Wissens nach keinen anderen reinen 1992er Caroni. Kein Wunder, dass diese Rums extrem gesucht sind. Der damalige Ausgabepreis von vermutlich nicht einmal 100,- Euro ist heute kaum noch zu glauben, angesichts der Tatsache, dass er Sammlern als auch Genießern in den nächsten Jahren ziemlich sicher bald mehr als das zehnfache dessen wert sein wird. Verrückt, aber diese Abfüllung ist nun mal wirklich "leider geil"!

Klicke hier für das Review!


3. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1996 "Kirsch SC" - 62,4% vol.

Und noch einmal, ein letztes Mal, Trinidad und Caroni! Dreimal im Ranking vertreten und dreimal hochverdient! Wir nähern uns nun auch insgesamt der absoluten Spitze, bzw. wir haben sie hiermit bereits erreicht, denn alle Rums in meinen Top 3, mit diesem angefangen, kommen bei mir auf sagenhafte 98 von 100 Punkten! Wahnsinn! Im Jahr 2015 begann Velier damit, diversen Shops und/oder Händlern in Europa und der Welt Single Cask Abfüllungen zuzuteilen. Im Jahr 2016 wurde diese Ehre auch dem Deutschen Partner "Kirsch Whisky" zuteil und diese bekamen dann auch direkt das meines Erachtens absolute Highlight in der neueren Geschichte von Caroni. Eine Abfüllung, ein Fass, bei dem wirklich alles stimmte! Mit 220,- Euro ca. war der Ausgabepreis zwar auch für damalige Verhältnisse nicht von schlechten Eltern, allerdings musste man nur wenige Tage nach dem Ausverkauf auf ebay und anderen Plattformen schon ein vielfaches dessen bezahlen. Dieses Bottling markierte, zumindest hier in Deutschland, in dieser Hinsicht auch einen Wendepunkt, denn zumindest gefühlt war das DIE Abfüllung, ab der es dann preislich richtig eskalierte. Danach gab es kaum noch Schnäppchen und die Zeit in der man Velier Caroni gemütlich shoppen konnte gehörte endgültig der Vergangenheit an. 

Klicke hier für das Review!


2. Velier Old Demerara Rum 25 YO Albion 1986 - 60,6% vol.

Platz 2 geht an die letzte Jamaica-Ausnahme und in ein Land, das in dieser Liste bisher noch gar nicht auftauchte: Guyana! Dargereicht wird dieser Demerara Rum, wie könnte es anders sein, vom italienischen Abfüller Velier, der mit insgesamt vier Abfüllungen auch der meist vertretene in dieser Top-Liste ist. Klar, zumindest einer der alten Demeraras von Velier musste hier mit rein und es ist der Albion 1986! Albion, das ist kein Geheimnis, gehört zu den Stilen, die mir trotz dessen, dass mich Guyana Rum im Allgemeinen nicht so sehr begeistert, doch sehr geflasht hat und die ich ziemlich schnell nennen möchte und muss, wenn es um meine Lieblingsrums geht. Der 1986er ist von den Albion die ich kenne (alle, bis auf 1989) der für mich mit Abstand beste und er fiel glücklicherweise in dieses Jahrzehnt, so dass ich ihn hier auch listen darf. Finde ich ihn besser als den Kirsch, weil ich ihn auf 2 statt 3 habe? Nein, nicht wirklich, aber für das Ranking hatte der Albion vielleicht dann doch den Demerara Bonus, denn der Faszination dieser Demerara Reihe, die auch die Grundlage für den Mythos Velier sind, kann man sich nur extrem schwer entziehen, auch wenn ich persönlich viele dieser Rums bei weitem nicht so hoch ranke wie viele andere. Aber dieser Albion gilt zurecht als einer der besten Rums aller Zeiten, nicht nur dieses Jahrzehnts. Ein absolutes Meisterwerk! Über Preise zu reden macht hier leider so wenig Sinn wie bei keinem anderen Rum in diesem Ranking, außer vielleicht dem Duncan Taylor Rockley, den ebenso nachvollziehbar kaum jemand überhaupt mal zum Verkauf anbietet... 

Klicke hier für das Review!


1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Platz 1, und ja, das ist extrem subjektiv, geht natürlich an den 1990er Hampden von The Rum Cask, der für mich den endgültigen Wiedereinstieg in die Rum Szene markierte, nachdem ich mir 2015/16 eine kleine Auszeit genommen hatte. Nein, auch diesen Rum würde ich rein qualitativ nicht über den Albion oder den Kirsch stellen wollen, aber was der Demerara Bonus beim Albion gegenüber dem Kirsch war, ist hier die Tatsache, dass Hampden meine erste Liebe ist und ich an dieser Abfüllung auch noch meinen Anteil hatte und damit emotional extrem an das Teil gebunden bin. Ausgangslage für dieses Bottling war anno 2013 eine Art Wunschliste, die ich den Jungs von The Rum Cask zukommen ließ, auf dem der Jahrgang 1990 von Hampden mit Priorität 1 ganz oben auf der Liste stand. Über drei Jahre später meldete sich Jens dann bei mir mit der Nachricht, dass man einen eben solchen Rum nun gefunden und gekauft habe. Schon nach dem ersten Probieren des Fass-Samples war ich ganz aus dem Häuschen, denn das war nicht mehr und nicht weniger als der für mich beste Hampden, der je das Licht der Welt erblickt hat! 26 Jahre Reife, so lange wie damals kein anderer Hampden vor ihm, dazu in Fassstärke, was es aus 1990 zuvor auch noch nicht gegeben hatte... ein geniales Fass ohne jede Fehlnote und ohne, dass irgendwas gefehlt hätte... für mich der König aus Hampden und (gemeinsam mit dem Kirsch und dem Albion!) der Rum des Jahrzehnts! 

Klicke hier für das Review!


Epilog: 

Das waren sie also, meine Highlights des vergangenen Jahrzehnts! Zehn großartige Rums, alle würdig, dass man sie bei sich im Schrank stehen hat (auch wenn das auch mir bei weitem nicht bei allen gelingen konnte). Und natürlich gibt es einige Rums, die in Punkten sicher auch noch besser abgeschnitten hätten als einige aus der Liste, aber wer möchte denn noch drei weitere Caroni oder Hampden in der Liste sehen? Es ging mir schon auch darum, das Jahrzehnt ein wenig abzubilden und noch einmal aufzuzeigen, was uns alles bewegt und so richtig begeistert hat. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass eine Top 10 da ja aber auch nur begrenzt Platz bietet. Als ich Ideen gesammelt habe, waren da noch eine Menge anderer Namen, die es ebenfalls verdient haben, hier noch einmal Erwähnung zu finden. Da wären z.B. die großartigen Bottlings von A.D. Rattray, allen voran der Monymusk 1986 (den ich eher für einen Long Pond halte) und der Pampero 1992 aus dem Islay Fass, den ich für die beste Pampero Abfüllung aller Zeiten halte! Aber auch der Mount Gay 2000 und der Versailles 1985 aus der ersten Duncan Taylor Serie waren echte Highlights. Der Versailles verfehlte meine Top 10 nur denkbar knapp! Und wo wir es schon von Mount Gay haben... gerade im vergangenen Jahr kamen da mit dem Kintra 18 YO und dem The Rum Cask 19 YO die meines Erachtens besten Mount Gay überhaupt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollen die zum Teil wirklich großartigen Bottlings von Savanna, allen voran natürlich der 10 YO HERR aus 2006, der zum 60. Jubiläum von LMDW im Jahr 2016 erschien. Und nicht zuletzt gefällt mir auch die Habitation Velier Serie wahnsinnig gut, aus der z.B. der Jamaica Hampden HGML 9 YO ebenfalls nicht sehr weit weg von dieser Top 10 gewesen ist. Und, wenn ich schon dabei bin und ich meine Highlights des Jahrzehnts nennen darf, dann möchte ich natürlich auch noch einmal unseren Letter of Marque DOK in Erinnerung bringen. Nein, der war rein geschmacklich sicher kein Kandidat für die Top 10, auch wenn ich ihn sehr gut finde, aber es war ein echtes Highlight, einen solch extremen Stil mit zu entdecken und dabei geholfen zu haben, ihn der Welt zugänglich zu machen. Es war mir und uns allen eine Ehre!

Auffällig finde ich, dass wenn man eine solche Liste mit den besten Rums aus den 2000er Jahren, also des vorherigen Jahrzehnts, erstellen würde, dass man dann sehr viel Cadenhead und Bristol in dieser Liste finden würde, die im abgelaufenen Jahrzehnt aber nur noch eine Nebenrolle gespielt haben. Stattdessen wurde die Zeit dominiert von Velier und vielen kleineren neuen unabhängigen Abfüllern, die es vor zehn Jahren im Rum Business noch gar nicht gegeben hat, wie Duncan Taylor, A.D. Rattray, Isla Del Ron oder The Rum Cask. Auch ist es ein großer Erfolg, dass alle Top 10 Rums ganz selbstverständlich mit über 50% vol. daher kommen. Im vorherigen Jahrzehnt wäre es kaum möglich gewesen, Rums mit 46% vol. zu übergehen, aber in den 2010er Jahren gab es sie nahezu gar nicht mehr. Wirklich außerordentlich froh bin ich darüber, dass Rum Albrecht, bzw. Heinz Eggert, die den LPS im Ranking hatten, inzwischen als RA (Rum Artesanal) seit ca. zwei Jahren wieder sehr aktiv sind und gerade eine Menge darin investieren auch in zehn Jahren wieder mindestens einen Rum in dieser Liste platzieren zu können. 
Aber auch bei den Destillerien gab es diesen Wandel. Wir haben in den 2010er Jahren wirklich auch noch einige Perlen vergangener Tage bekommen, die es so und in dieser Form danach nicht noch einmal gab und wohl auch nie wieder geben wird. Die goldene Ära lange gereifter Long Ponds aus den 1970er und 1980er Jahren ging zu Ende, die letzten alten Demerara von Velier erschienen und Rockley erlebte seinen vorläufigen Schluss- und Höhepunkt. Da gingen definitiv goldene Zeitalter des Rums vorüber. Klar ist aber auch: die zweite Hälfte der 2010er Jahre erlebten in der Breite eine Explosion an Qualität, die in den Jahren davor so nicht vorstellbar waren und die ich persönlich auch nicht für möglich gehalten hätte. Natürlich, einige alte Stile wurden schmerzlich vermisst, ich habe sie gerade noch einmal benannt, dafür aber betraten Destillerien die Bühne, die zuvor nicht oder nur kaum bekannt waren. Rums aus Fiji begannen die Connaisseure zu begeistern, die ersten Abfüllungen von Worthy Park erschienen, Savanna wurde groß und plötzlich kamen sogar Lebenszeichen aus New Yarmouth! DDL begann damit, seine Rums auch ungesüßt und außerhalb der El Dorado Serie selbst abzufüllen, wenn auch noch nicht annähernd so erfolgreich wie Velier das gelungen war. Aber es geht voran! Die Rumwelt lebt, ist im Wandel und wir können heute nur begrenzt vorhersagen, was wir wohl in zehn Jahren in solchen Listen finden werden. Die ersten fast 20 Jahre tropisch gereiften Hampden werden wir dann gesehen haben, aber ob sie an die alten Hampden heranreichen oder diese vielleicht auch übertreffen werden? Wer weiß. Auch einen 25 YO Wothy Park wird es geben... das könnte extrem geil werden! Projekte in Grenada werden Früchte tragen... Savanna wird eine der begehrtesten Destillerien überhaupt werden... Caroni werden weiterhin erscheinen... nur zu welchen Preisen, und in welcher Qualität? Es wird noch mehr tropisch gereifte Long Pond und Monymusk geben... und, und, und... 

Ich freu' mich drauf und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020! 

Bis dahin,
Flo

Donnerstag, 14. Februar 2019

New Rare Demeraras: Albion 2004 & Skeldon 2000

Liebe Rum Gemeinde,

ja, auf diese Rums hat glaube ich nahezu die gesamte Rum Welt gewartet! DDL hat im Rahmen seiner El Dorado Rare Collection jeweils einen Rum der Stile Albion und Skeldon abgefüllt, die wohl in den letzten Jahren zu den gesuchtesten Stilen des Demerara Rums überhaupt zählten. Ich bin gespannt!






.
Albion:

Wenn wir über Albion sprechen, dann komme ich zwangsläufig zunächst einmal auf die Frage, was ich euch dazu überhaupt noch erzählen kann, was ihr noch nicht bereits irgendwo gehört habt. Marco Freyer hat sich auf seinem Blog intensiv mit Demerara Rum im Allgemeinen auseinander gesetzt und diesen beleuchtet und auch ich habe ich sogar neulich erst ein wenig über diesen alten Stil von Albion erzählt, als ich euch den 1986er von Velier vorgestellt habe. Da es dabei aber vornehmlich um das Mark AW ging, werde ich nun gleich noch ein paar Worte über das Mark AN verlieren, aber ihr werdet merken, dass sich die Informationen grundsätzlich sehr ähneln.

Zur Erinnerung: wenn wir heute über Albion sprechen, dann geht es dabei nicht vorwiegend um die guyanische Brennerei, die von 1802/1803 bis 1968 bestand und die damit also bereits seit 50 Jahren schon keinen Rum mehr produziert, sondern vielmehr um deren mutmaßlichen damaligen Rumstil. Dieser, bezeichnet mit dem Mark AN, hat nämlich bis heute überlebt und wird nach wie vor produziert. Zunächst geschah das von 1968 bis 1994 in der Enmore Distillery und mit deren Wooden Coffey Still aus dem Jahr 1880. Dafür, dass möglicherweise auch mit der alten Still aus Albion gebrannt wurde, gibt es keinerlei Hinweise, weswegen davon nicht ausgegangen werden kann. Als Enmore geschlossen wurde, ging diese Wooden Coffey Still zu Uitvlugt, die wiederum im Jahr 1999 die Lichter ausmachte. Ob in dieser Zeit, von 1994 bis 1999, ebenfalls das Mark AN produziert wurde weiß ich nicht, aber die Möglichkeit hat in jedem Fall bestanden. Von Uitvlugt gelangte die Wooden Coffey Still dann zu Diamond, die nun mehr letzte verbliebene Destillerie in Guyana, wo mit ihr weiterhin destilliert wurde und noch immer wird. Das betrifft möglicherweise auch nach wie vor das Mark AN, denn die Abfüllung um die es heute geht stammt aus dem Jahr 2004 und somit eindeutig aus der Zeit in Diamond. Ob das Mark AN allerdings noch immer mit der Wooden Coffey Still gebrannt wird oder ob das über die Metal Coffey Still von Blairs passiert ist hingegen nicht ganz klar.

Und wer nun schon seit einigen Zeilen verwirrt sein sollte, weil er die Wooden Coffey Still aus Enmore fest mit dem Mark EHP in Zusammenhang bringt und nun glaubt, er habe sich geirrt, den kann ich beruhigen, denn beides schließt sich nicht aus. Doch eins nach dem anderen. Es gab in den letzten ca. 50 Jahren insgesamt nur noch eine Handvoll Brennapparate in Guyana, mit denen dort nachweislich gearbeitet wurde und noch immer gearbeitet wird. Diese sind folgende:

  • Wooden Coffey Still aus Enmore (ursprüngliches Mark: EHP)
  • Single Wooden Pot Still aus Versailles (VSG)
  • Double Wooden Pot Still aus Port Mourant (PM)
  • French Savalle Column Stills aus Uitvlugt (ICBU)
  • Blairs Metal Coffey Still aus Diamond (unklar, möglicherweise SVW)


Mit diesen fünf Brennapparaten lassen sich aber nicht nur die dazugehörigen ursprünglichen fünf Marks herstellen, sondern auch noch einige Marks mehr. Das Mark AN, jenes aus Albion, um das es heute geht, stammte in der Vergangenheit eben aus der Enmore Coffey Still, bzw. kann von dieser erzeugt werden. Das Mark <B> ist das ursprüngliche Mark von Blairmont und wurde später von den French Savalle Stills von Uitvlugt produziert. Das Mark SWR ist jenes von Skeldon und wurde wiederum mit einer Coffey Still von Diamond gebrannt. Dieses wird uns in wenigen Minuten noch weiter beschäftigen. Und schließlich gibt es da noch den Stil von La Bonne Intention (LBI), von dem aber unklar ist, mit welchem der Brennapparate er hergestellt wird.

Doch sehen wir uns nun endlich den Albion an...




Verkostung des El Dorado 14 YO Albion 2004:

Preis: der günstigste Preis, den ich für den Albion gefunden habe, lag um ca. 200,- Euro herum. Das war, im Vergleich zu den vielfach aufgerufenen 250,- Euro und mehr, sehr fair.

Alter: der Rum ist 14 Jahre alt und reifte von 2004 bis 2018 im Fass.

Lagerung: die Reifung fand von 2004 bis 2018 bei DDL in Guyana statt.

Fassnummern: unbekannt. Auch die genaue Auflage entzieht sich leider meiner Kenntnis. 

Angel's Share: unbekannt. Er wird aber, gemessen an den angenommenen 10-12% pro Jahr in den Tropen, bei ca. 75% insgesamt gelegen haben. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat eine Fassstärke von 60,1% vol.

Destillationsverfahren: der Albion entstammt einer der Coffey Stills von Diamond. Ob es jene von Enmore ist, die Diamond von Uitvlugt übernahm, oder die Blairs Metal Coffey Still von Diamond selbst ist nicht ganz klar.

Mark: AN - das ursprüngliche Mark von Albion. 

Farbe: Mahagoni, Kastanie. 

Viskosität: weite, unregelmäßige Schlieren fließen träge und peu a peu an der Glaswand herunter.

Nase: Wow! Ich habe dem Rum lange Zeit im Glas gegeben, ca. zwei Stunden werden es insgesamt gewesen sein, und das hat sich auch gelohnt! Mich erwartet ein tiefes, volles Bouquet. Das Mark AN lässt sich erahnen, wenn man die alten Rums kennt. Sowohl den Jahrgang 1983 als auch den Jahrgang 1994 finde ich hier eindeutig wieder, wenn auch in jüngerer Form und auch mit ein wenig mehr Power, zumindest was den 1983er betrifft. An Assoziationen finde ich eine salzig-fleischige Note, die irgendwie dreckig daher kommt, viel Nelke, etwas Jod, etwas unreife Banane und immer wieder Nelke und Milchcreme-Schokolade. Dazu kommt auch ein ordentlicher Holz-Einschlag vom Fass. Das waren 14 durchaus intensive Jahre der Reifung! Im Hintergrund nehme ich ganz leichte florale-parfümierte Anklänge wahr. Ich fühle mich insgesamt auch leicht an Caronis aus dem Januar 1998 Batch erinnert, aber in etwas besserer Form.

Gaumen: der Rum, das gefällt mir, kann auch in größeren Schlücken getrunken werden, der Alkohol ist sehr gut eingebunden! Auch die Viskosität mag ich. Der Rum ist angenehm cremig und dann adstringierend. Ich habe im ersten Eindruck einen Anflug von trockenem, behandelten Holzfußboden, allerdings nicht in einer süßen Variation, wie bei einigen Caroni z.B., sondern in einer Weise, die mich eher an Foursquare Rums erinnert. Diese kombiniert sich dann mit etwas medizinischem und Orangenzesten und bestimmt den Gesamteindruck des Rums am Gaumen. Für einen kurzen Moment  und trotz dessen, dass er insgesamt wirklich trocken daher kommt, frage ich mich, ob der Rum leicht gesüßt wurde, allerdings ich gehe nicht davon aus. Leider trifft dieser Albion meinen Geschmack am Ende nur äußerst bedingt. Mein Fall ist er nicht. Schade, da hatte ich nach der Nase etwas mehr erwartet.

Abgang: sehr trocken. Ich habe trockenes Holz und frisches Geäst. Noch immer zieht es mir dabei den Mund zusammen.

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: ohne große Umschweife kann ich festhalten, dass ich mehr erwartet hatte. Ich liebe die Albions aus 1983 und 1986 und ich hatte gehofft, auch diesen hier lieben zu können, doch da fehlen mir einfach die Reife und die genialen Momente. Versteht mich nicht falsch, der Rum hat mit 14 Jahren in den Tropen bereits wirklich viel Holz gesehen, aber die 25 Jahre, die die alten Vintages reiften, sind da eben nochmal eine andere Ansage. Wenn ich jetzt böse wäre, so würde ich glatt vermuten, dass dieses Bottling vielleicht offen legt, dass die Genialität der alten Velier-Abfüllungen eher darin bestand, durch hervorragende Fassreife einen eigentlich eher schwachen Grundcharakter zu kaschieren, aber dafür hätte man wohl die alten Albions mal in dem Alter testen müssen, um darüber Auskunft zu erhalten. Eventuell sind diese ja aber auch noch etwas anders gebrannt worden (wenn wirklich die Still zur Produktion gewechselt wurde). Nichts desto trotz fand ich es bezeichnend, Elemente von Foursquare gefunden zu haben und ansonsten aber wenig, was ich als interessanten Brennereicharakter hätte ausmachen können. Schade! Die Nase rettet ihn in die 80+ Range, aber kaufen würde ich eine volle Flasche, auch zu einem Kurs von ca. 200,- Euro, nicht.

-87/100-


-------------------------------------------------------------------------------------------------

Skeldon:

Und wo ich euch zu Albion noch einiges erzählen konnte, wird es da bei unserem zweiten Rum heute schon schwerer, denn in Bezug auf Skeldon und das Mark SWR bin ich noch Jungfrau.😄Ich habe zwischen 2011 und 2014 nahezu alle großen Demerara Rums von Velier im Glas gehabt und jeden der Stile zumindest einmal probiert - außer Skeldon! Da gab es von Velier einen aus dem Jahr 1973 und einen aus 1978, aber beide habe ich nie probiert. Damals lagen meine Interessen einfach anders und heute wäre mir das schlicht zu teuer. So wird der Skeldon 2000 von DDL also auch mein erster überhaupt und ich denke, da wird es, eben angesichts der Preise, auch vielen von euch Lesern so gehen. 
Was die Destillerie Skeldon betrifft, so kann ich auch hier nur auf den oben verlinkten Artikel von Marco verweisen, werde mich aber daran versuchen, euch die wesentlichen Informationen kurz zusammenzufassen. Grundsätzlich gibt es zwischen den beiden heute besprochenen Stilen viele Gemeinsamkeiten. Genau wie Albion ist Skeldon eine ehemalige Destillerie in Guyana, die es so heute nicht mehr gibt. Es gab sie von frühestens 1802 und spätestens vom Jahr 1834 an, bis sie im Jahr 1960 geschlossen wurde. Somit gibt es sie sogar fast noch ein Jahrzehnt länger schon nicht mehr als Albion. Doch auch der Stil von Skeldon, intern durch das ursprüngliche Mark der Destillerie, SWR, gekennzeichnet, wurde über die Jahrzehnte bewahrt und von anderen Destillerien weiterproduziert. Zunächst scheint das in Uitvlugt geschehen zu sein, wenn ich Marco da richtig verstanden habe, und dann spätestens ab dem Jahr 2000 in Diamond. Allerdings erschließt sich mir dann nicht ganz, warum bei den alten Velier (aus 1973 und 1978) eine Coffey Still angegeben wurde, die schon damals in Diamond gestanden haben müsste (auch die alten Diamonds wurden mit ihr gebrannt), wo es in Uitvlugt eine solche Still aber meines Wissens nach nicht gegeben hat. Somit vermute ich, wurde das Erbe Skeldons schon weit vor der Schließung Uitvlugts in Diamond bewahrt und das Mark SWR von der Diamond Coffey Still von Blairs hergestellt. Eine der ursprünglichen Brennanlagen von Skeldon hat es hingegen, wie bei Albion, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, nicht bis in die Neuzeit geschafft. 

Und das soll es dann auch bis hier hin mit der Theorie gewesen sein, nun wollen wir uns den Rum ansehen! 




Verkostung des El Dorado 18 YO Skeldon 2000:

Preis: ca. 230,- Euro war der günstigste Preis für den Skeldon, den ich in den Niederlanden gefunden habe, während der reguläre Ausgabepreis aber eher bei 290,- Euro zu liegen scheint. Letzteren Preis empfinde ich hier schon als äußerst opulent. 

Alter: der Rum ist 18 Jahre alt und reifte von 2000 bis 2018 im Fass.

Lagerung: die Reifung fand von 2000 bis 2018 bei DDL in Guyana statt.

Fassnummern: unbekannt. Die genaue Auflage entzieht sich leider auch bei dieser Abfüllung meiner Kenntnis. 

Angel's Share: unbekannt. Gemessen an den angenommenen bis zu 10-12% pro Jahr in den Tropen, könnte er aber bei über 85% insgesamt gelegen haben. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum kommt mit der Fassstärke von 58,3% vol. daher.

Destillationsverfahren: der Rum wurde mit der Blairs Metal Coffey Still von Diamond gebrannt.

Mark: SWR - das ursprüngliche Mark von Skeldon. 

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni. Noch dunkler, als der Albion. 

Viskosität: fette, satte und unregelmäßige Schlieren fließen langsam, zäh und träge an der Glaswand herunter.

Nase: auch nach mehr als zwei Stunden im Glas noch, gibt sich die Nase verschlossen und hoch konzentriert. Die Zeit braucht er, im Blender's Ballon Glas zumindest, auch unbedingt! Zwar hat sich die alkoholische Schärfe längst verzogen, aber der Rum versucht seine Geheimnisse lange zu bewahren. Die weiteren vier Jahre der Reife merkt man ihm, im Vergleich zum Albion, an. Der Skeldon wirkt alt und gesetzt. Es fällt mir, als jemandem der die alten Skeldons nicht kennt, schwer mir vorzustellen, wie das ganze wohl mit nochmal einem Jahrzehnt Reife mehr aussieht. Die dunkle Farbe überträgt sich bis in die Nase. Eine leicht salzig-fleischige Note habe ich auch hier. Eine kräftige Demerara-Würze rieche ich und Jod ist ebenfalls wieder präsent. Überhaupt zeigen sich die Assoziationen recht ähnlich zum Albion, wobei mir der Gesamteindruck hier etwas besser gefällt. Der Fasseinfluss ist beträchtlich, aber nicht zu extrem, und gerade die Velier Demeraras haben ja, zumindest bei anderen Stilen kann ich das bestätigen, immer wieder gezeigt, dass da auch noch ein paar Jahre mehr gehen. Zumal ich persönlich solche lange und dunkel gereifte Rums durchaus auch sehr gerne mag, sofern mir der Grundcharakter zusagt. Das ist hier in der Nase der Fall.

Gaumen: auch der Skeldon ist sofort angenehm zu trinken und schreckt nicht durch alkoholische Schärfe ab. Cremige Viskosität, ins adstringierende gehend. Am Gaumen habe ich dann Eindrücke von Orangenzeste, wieder in Kombination mit der Foursquare-Note. Ernsthaft jetzt? Das ist alles in allem schon ein leicht komischer Moment gerade. Nein, das ist natürlich nicht der gleiche Rum und ich nehme auch die dezenten Unterschiede wahr, aber die Ähnlichkeit zum Albion ist schon sehr, sehr groß, geradezu signifikant! Meines Erachtens könnten die beiden Rums auch aus der gleichen Brennblase sein! Wäre das so angegeben, würde ich es nicht in Zweifel ziehen. Da sind die Unterschiede zwischen dem Albion 2004 und den alten Albions von 1983 und 1986 schon wesentlich größer als jetzt die Differenzen zwischen Albion 2004 und Skeldon 2000! Das überrascht mich schon sehr. Nach hinten heraus geht die Fourquare-Note dann in einen Anflug von Espresso über. Ich hörte, dass das bei den lange gereiften Velier aus 1973 und 1978 sehr extrem gewesen sein soll, aber das kann ich selbst nicht bestätigen. Hier fällt das jedenfalls äußerst dezent aus. 

Abgang: trockenes Holz, die Foursquare-Note, begleitet den Rum auf seinem Weg nach unten. Unspektakulär.

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: leider holt mich auch der Skeldon, wie schon der Albion, am Ende nicht vollkommen ab. Zwar gefällt er mir alles in allem etwas besser als der Albion, aber die Ähnlichkeiten sind groß und der grundsätzliche Geschmack sagt mir dementsprechend auch hier nicht ganz zu. Da ich nie einen Vergleich zu den legendären Skeldon aus den 1970er Jahren hatte, war ich gespannt und unvoreingenommen, aber nichts desto trotz natürlich auch voller großer Erwartungen, was da wohl kommen würde. Die Ähnlichkeit zu Albion hat mich überrascht, da ich zuvor niemals Stimmen vernommen habe, nachdem die alten Stile sich ähnlich gewesen seien, im Gegenteil. Daher liegt die Vermutung nahe, dass auch zwischen Skeldon 2000 und jenen aus den 70s Unterschiede bestehen. Wer weiß, vielleicht hat sich die Destillationsablauf ja tatsächlich verändert, oder aber, es hängt doch alles an der extremen Reife. Ich kann das an dieser Stelle aber nicht festmachen. Die leichten Unterschiede zum Albion in eine für mich bessere Richtung verhelfen ihm zu einer leicht besseren Benotung, aber wirklich den Bock fett macht das nicht und auch den Skeldon würde ich, auch zu den günstigst möglichen Konditionen, nicht kaufen.

-88/100-


Mein besonderer Dank geht heute an den Freddy, der die Flaschen geteilt und mir die leeren Flaschen für die Fotos zur Verfügung gestellt hat und auch an Richard Blesgraaf, der die Abfüllungen zu sehr fairen Konditionen rausgehauen hat! Vielen Dank!


Bis demnächst,
Flo


Sonntag, 13. Januar 2019

Velier Demerara Rum 25 YO Albion 1986

Liebe Rum Gemeinde,

der Jahreswechsel ist durch und ihr seid alle hoffentlich gut ins neue Jahr 2019 hereingerutscht - das bedeutet also, dass dies der erste Rum ist, der in diesem Jahr auf BAT verkostet wird. Und dementsprechend habe ich mir da mit dem Albion 1986 auch gleich mal eine echte Granate für euch rausgesucht! Let's go!



Moment mal?! Erst Scoring, nun Demerara Rum?! Auf BAT?! Alles neu in 2019?! Ja, zugegebener Maßen bin ich grundsätzlich kein besonders großer Fan der Rums aus Guyana und dementsprechend waren diese bisher auch durch mich hier nicht vertreten. Das war bis 2015 immer der Part von Leo oder Marco und blieb im Anschluss daran, nach Leos Ausstieg und Marcos Umzug, leider verwaist. Leider, da ich weiß, dass viele von euch da draußen sehr auf Demeraras abfahren, aber ich kann mich nur schwer konstruktiv zu einem Stil äußern, der mir selbst nicht zusagt. Warum dann aber der Albion? Ganz einfach: der Albion-Stil ist die berühmte Ausnahme von der Regel! Dieser Stil gefällt mir nämlich ganz hervorragend.

Doch zunächst zum Rum selbst: beim Thema Albion muss ich ein klein wenig weiter ausholen, denn grundsätzlich haben wir es dabei mit einer Destillerie in Guyana zu tun, die es schon seit bereits fünfzig Jahren nicht mehr gibt, seit 1968 nämlich, und die dementsprechend auch gar nicht mehr unmittelbar für den heutigen Rum verantwortlich ist, gar nicht mehr verantwortlich sein kann. Wie der Name Albion dennoch auf das Label gelangen konnte? Nun, bei Albion handelt es sich, vereinfacht gesagt, inzwischen nicht mehr um eine aktive Brennerei, sondern nur noch um deren mutmaßlichen damaligen Stil, der als solcher auch über die Jahrzehnte noch namentlich erhalten blieb und in Form von Marks weiterhin zum Repertoire verschiedener Destillerien in Guyana gehörte und möglicherweise auch nach wie vor gehört. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich für Demerara Rum, denn inzwischen existiert mit der Diamond Distillery nur noch eine einzige Destillerie in Guyana, aber es gibt trotzdem noch viele verschiedene Stile die auch namentlich bekannt sind und die auch immer wieder von unabhängigen Abfüllern auf die Flasche gebracht werden. Weitere Beispiele sind Port Mourant oder Enmore, die auch beide Schnittpunkte mit der Geschichte Albions haben.

Der Stil Albion wird durch die Marks AN und AW bezeichnet. Ob diese auch schon zu aktiven Zeiten Albions (1802/1803 bis 1968) verwendet wurden, oder nachträglich von späteren Destillerien zur Differenzierung und Unterscheidung von ihren hauseigenen Rums eingeführt wurden, weiß ich nicht. Laut Marco Freyer wurde der ursprüngliche Rum von Albion möglicherweise bereits in einer hölzernen Coffey Still gebrannt, während es gleichzeitig aber auch Hinweise gibt, dass in Albion in den Jahren vor der Schließung auch mit der Double Wooden Pot Still von Port Mourant destilliert wurde, welche sich zu diesem Zeitpunkt, in den 13 Jahren zwischen der Schließung Port Mourants im Jahr 1955 und der Schließung Albions im Jahr 1968, dort befunden haben soll. Unklar scheint mir dagegen, warum die Still von Port Mourant nach 1968 zu Uitvlugt ging, während das stilistische Erbe Albions anschließend bei Enmore produziert wurde, denn für alle neuzeitlichen Albions wird eine Wooden Coffey Still als Quelle angegeben, und da stand die letzte ihrer Art in Guyana eben in Enmore (bis auch dieses 1994 geschlossen wurde). Für unseren heutigen Rum bedeutet das also, dass es sich ganz genau betrachtet um einen Enmore Rum handelt, der im Jahr 1986 in der EHP Still im alten Stile Albions gebrannt wurde. Da wiederum ein Stil Albions nachgeahmt wurde, der wohl zwischen 1955 und 1968 mit der Double Wooden Pot Still von Port Mourant erzeugt wurde, trägt der Rum das Mark AW und nicht das Mark AN, welches wohl eher für den ursprünglicheren Stil stand.  Hinweise darauf, dass einer der ursprünglichen Brennapparate von Albion die Zeit der Destillerie Albion überdauert haben könnte, gibt es nicht. Eine solche Still war an keinem der Rums, die wir heute als Albions kennen, in irgendeiner Weise beteiligt. Lediglich der Geschmack soll an den Rum angelehnt sein, wie er damals produziert wurde. Hinreichend nachzuvollziehen ist das aber leider nicht mehr. Das Fass, in welchem der Rum lag trug die Nummer #10546 und lag vermutlich mindestens bis zur Schließung Enmores 1994 dort. Anschließend wanderten die Stills aus Enmore nach Uitvlugt, von wo sie Ende 1999 nach Diamond kamen. Ob das auch für die Fässer galt oder ob alte Lagerhallen aus Enmore möglicherweise weitergenutzt wurden, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Spätestens ab dem Jahr 2000 lag dann aber wohl alles bei Diamond. 2011 wurde der Rum dann mit einem Alkoholgehalt von 60,6% vol. abgefüllt.
Wer da noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre dieses Artikels zu Demerara Rum.

Zum ganz persönlichen Gossip gehört es, dass ich zu diesem Tropfen auf der Cologne Spirits 2018 am Stand von Rene van Hoven gekommen bin, wo es den Albion zu einem, für heutige Verhältnisse, unfassbar fairen Preis zu probieren gab. Von den insgesamt vier Albions, die es in Fassstärke gibt, war dies, nach dem 25 YO Albion AN 1983 und dem 17 YO Albion AN 1994, der insgesamt dritte für mich. Und um den Rum auch einmal ganz in Ruhe für den Blog, und damit für euch, verkosten zu können, konnte ich gar ein kleines Sample für zu Hause erwerben. Vielen Dank noch einmal an Rene!






Verkostung des Velier 25 YO Albion 1986:

Preis: der Ausgabepreis wird bei ca. 120 Euro gelegen haben. Heute hingegen wird es nicht einmal reichen, eine Null hinten dran zuhängen. Kaum irgendwo hat der Preiswahnsinn so zugeschlagen wie bei den Full Proof Demeraras von Velier.

Alter: der Rum ist 25 Jahre alt und reifte von 1986 bis 2011 im Einzelfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1986 bis 2011 bei DDL in Guyana statt.

Fassnummer: #10546

Angel's Share: unbekannt. Er wird aber, gemessen daran, wie hoch er bei vergleichbaren Rums ausfällt, bei über 85% gelegen haben. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat eine Fassstärke von 60,6% vol.

Destillationsverfahren: der Albion entstammt einer Wooden Coffey Still.

Mark: AW

Farbe: wunderbares tief braunes Kupfer, Mahagoni. 

Viskosität: satte, fette und breite Schlieren bilden sich an der Glaswand, die schnell an der Glaswand herunterlaufen. Wahnsinnig ölig!

Nase: Boah! Was für eine Nase! Sehr, sehr voll und reichhaltig. Tief. Komplex. Was für eine Bombe! Das hohe Alter und die tropische Reife merkt man dem Rum sofort an. Alkoholische Schärfe habe ich, nach ca. 45 Minuten des Atmens, kaum. Das Bouquet ist überaus üppig und erinnert mich spontan an sehr alte, tropisch gereifte Caroni. Ich habe zu Beginn eine deutliche Klebstoffnote (Pritt-Stift) und dahinter eine herrliche, natürliche Süße, die mich an Rosinen und andere Trockenfrüchte erinnert. Dazu kommen auch Karamell und Toffee. Danach gesellen sich dann sowas wie Holzlack, Petroleum, Terpentin und etwas Metallisches dazu, was mich an dieser Stelle besonders an die Caroni erinnert. Dahinter donnern dann aber auch schon die Tannine heran, und das gewaltig! Jetzt habe ich ganz viel Eichenholz vom Fass dabei, allerdings super integriert. Der Rum ist nicht verholzt, überhaupt nicht! Peripher erhasche ich Leder und Anis. Wow! Ich könnte ewig an diesem Rum herumschnüffeln.

Gaumen: mhmmm! Ein wunderbar gesetztes Destillat! Die alkoholische Schärfe blitzt nur zu Beginn kurz auf und macht dann Platz für Rum-Flavor ohne Ende. Der Albion ist vollmundig, wunderbar cremig und auch dezent adstringent. Das folgende Aromenfeuerwerk wird von einer schönen Süße eingeleitet, der eine unfassbar geile Holznote mit Earl Grey Tee und Anis folgt. Süße und Bitterkeit gehen hier in einer sehr, sehr gewinnbringenden Liaison zusammen. Mit dabei ist auch Teer, der mich wiederum sehr an Caroni erinnert, sowie etwas medizinisch anmutendes. Darauf folgt eine tolle Spur Nelke, die in den Abgang führt.

Abgang: Holzlack und Eichenholz satt! Dazu kommen Anis und Nelke. Trocken, bitter, aber nicht unangenehm bitter. Der Albion 1983 z.B. war in puncto Bitterkeit sehr viel intensiver. Das ist ganz große Klasse!

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: ich bin wahrlich kein ausgewiesener Fan von Demerara Rum und selbiges gilt auch für viele Rums aus Column Stills... und doch zählt dieser Albion für mich zu den wirklich allerbesten Rums, die es jemals für bares Geld zu kaufen gab! Es ist dieser eine Stil, der für mich ganz persönlich nicht nur die Ausnahme von der Regel in Bezug auf Demerara Rums markiert, sondern der darüber hinaus auch so einiges in den Schatten stellt, was bei mir generell schon auch einen sehr hohen Stellenwert genießt. Sollte ich meine persönlichen Top 5 Rums überhaupt benennen müssen, so wäre dieser Rum also sehr wahrscheinlich dabei. Mein Favorit unter den Demerara Rums ist er selbsterklärend ohnehin und auch mein Favorit unter den Albions, die ich bisher im Glas hatte (AN 1983 FP, AW 1986 FP & AN 1994 FP) ist ganz klar und eindeutig der Albion 1986. Er ist darüber hinaus eine Demonstration dessen, was tropische Reife kann und wir können denke ich alle nur hoffen, dass uns eines Tages seitens DDL wieder die Möglichkeit eröffnet wird, solche Rums erneut kaufen und trinken zu können* - ein Ausnahme-Tropfen, mehr als würdig hier auf BAT den Jahresauftakt und das erste große Ausrufezeichen im neuen Jahr zu setzen!

-97/100-


*das heutige Review entstand, noch bevor die Ankündigung draußen war, dass es von DDL im Rahmen der El Dorado Rare Collection demnächst eine Albion-Abfüllung aus dem Jahr 2004 (und auch einen Skeldon aus 2000) geben wird. Das feiere ich natürlich sehr und bin schon gespannt wie nur irgendwie, wie sich diese neuen Rums machen werden. Nach Möglichkeit stelle ich euch die Tropfen dann auch vor.

Ich wünsche euch allen an dieser Stelle nun noch einmal einen entspannten Start ins Jahr, wünsche euch gutes Gelingen bei all euren Vorhaben und Vorsätzen, seien sie vielleicht auch noch so ambitioniert, und wie immer natürlich auch ein glückliches Händchen auf der Jagd nach flüssigen Schätzen. Das werden wir alle wohl auch in diesem Jahr wieder brauchen.

Bis dahin,
Flo