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Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo

Donnerstag, 5. September 2019

German Rum Festival 2019 - Prolog

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war dieses Jahr auch am Start und kann so viel vorweg nehmen: es war ein absolut berauschendes und geiles Rum Festival, das auch abseits des offiziellen Rahmens ein echtes Fest war!



Freitag, der 30. August 2019:

Doch bevor das eigentliche Rum Fest am Samstag startete, gab es am Freitag noch das Warm Up - und was für eines! Für mich begann der Tag damit, dass ich von mir daheim erst einmal nach Flensburg fuhr, um dort, an der dänischen Grenze, zwei Rum Geeks abzuholen und diese mit nach Berlin zu nehmen. Nach insgesamt acht Stunden Autobahn erreichten wir gegen Abend dann voller Euphorie und Vorfreude endlich Berlin. Erster Sammelpunkt war für viele von uns das Peter Pane Restaurant, wo es Spitzen-Burger zur Stärkung gab - ganz offensichtlich war ich nicht der einzige, der über den Tag nicht viel gegessen hatte.😁 Von dort aus ging es dann weiter zum ersten echten Programmpunkt des Abends. 
Dominik Marwede von Rum Artesanal hatte eigens einen Berliner Ausflugsdampfer gechartert und einige Rum Geeks zu einer abendlichen Fahrt auf der Spree mit der "Golda" eingeladen. In (rum-)familiärer Atmosphäre, denn die meisten von uns, neben mir z.B. auch Marius von SCR, Maik von RUMBOOM, Caroni-Buch-Autor Steffen (aka Stefano Caroni), Christian Nagel von Our Rum & Spirits oder auch die Jungs von der Rum Tasting Notes App kannten sich untereinander, schipperten wir ca. drei Stunden durch Berlin und durften dabei einige neue Abfüllungen schon einmal vorab probieren. Zu Verkosten gab es u.a. den neue Double Cask Trelawny Jamaica Rum und den Core Range Caribbean Island Blend. Ersterer ist die Vermählung eines Hampden C<>H 1998 und eines Long Pond 2000 Fasses und zweiterer ein, in meinen Augen, wunderbar unkomplizierter Standard-Blend für Einsteiger oder unkomplizierte Abende, bei denen der Rum nicht im Mittelpunkt stehen muss. Das Highlight für viele war dabei aber wohl der 14 Jahre alte neue Savanna Traditionel "Unshared Cask", der als Single Cask und in Fassstärke exklusiv für Rum Artesanal abgefüllt wurde! Ihr Lieben, ich hatte zum Zeitpunkt des Probierens schon einige Rums auf der Zunge, und nicht zuletzt gab es auch noch leckeres Finger Food dazu, aber der erste Eindruck war wirklich hervorragend! Großes Kompliment - allerdings nicht nur für die Fass-Auswahl, sondern vor allem auch für die Organisation der Bootstour insgesamt! Es war ein tolles Event, das ganz viel Spaß gemacht, viele von uns vorab schon mal zusammen gebracht und uns alle perfekt für die kommenden Tage eingestimmt hat! Vielen, vielen Dank dir, aber auch deinem tollen und sympathischen Team, lieber Dominik! 

Savanna Rhum & Finger Food - passt! :-) 


Nach der Bootstour war der Abend aber natürlich noch nicht gelaufen. 😉 Und so beschlossen wir alle gemeinsam, weiterzuziehen in die Bar Lebensstern, wo die Jungs von Kirsch Whisky ebenfalls das German Rum Festival einläuteten und auch weitere nationale und internationale Größen der Szenen, wie die Jungs von RUMCASK, Joshua und Gregers von 1423, Lance von The Lone Caner, John Gibbons oder Johnny Drejer nach und nach dazu stießen. Es war großartig, euch alle auch mal persönlich zu treffen und eine ganz besondere Freude war es mir dabei, vielen von euch auch ein Sample vom J. Wray & Nephew 17 YO zum Sniffen geben zu können, die letzten Tropfen, die ich noch habe. Da der Rum schon so stark oxidiert ist, dass er geschmacklich nichts mehr hergibt, fand ich es sinnvoller, auf diese Weise möglichst vielen von euch noch eine Idee dieses Rums geben zu können, statt das Sample einfach zu trinken. Doch natürlich wurde dann auch noch was getrunken! 😊 So kamen unter anderem das Caroni Single Cask für Kirsch Whisky, einige Cadenheads in Fasstärke, ein Berry Bros. Versailles 1985, zwei Rums von Gardel und ein Velier Diamond 1996 ins Glas. Legendäre Rums und, ja, das kann man doch so sagen, ein legendärer Abend! Wer jetzt noch nicht in Stimmung für das Rum Festival war, der war gar nicht in Berlin. 😉 








To be continued...

Sonntag, 14. Juli 2019

1423 S.B.S. Trinidad Rum 25 YO Caroni 1993

Liebe Rum Gemeinde,

für mich vollkommen unerwartet, muss ich mich heute allerdings doch noch einmal umdrehen, zurückblicken und den Caroni Jahrgang 1993 noch einmal betrachten. Der aktuelle Caroni von 1423 S.B.S. lässt mir da keine echte Wahl...





Der Jahrgang 1993, ich hatte es im Review zum Velier aus gleichem Jahrgang erläutert, ist kein klassischer der Destillerie. Anders als aus 1994, 1996 oder 1998 gibt es hier nicht unzählige verschiedene Abfüllung von unabhängigen Abfüllern von A bis Z, sondern es gab nur einige wenige Bottlings. Von denen, auch das hatte ich erwähnt, hat mich bisher kein einziges abgeholt. Entweder erkannte man Caroni schon gar nicht mehr, oder aber der Stil war überhaupt nicht meines. Trauriger Höhepunkt für mich war eine Bristol Abfüllung für 1423 World Class Spirits vor ein paar Jahren, die ich einfach nur richtig schlecht fand! Der einzige Caroni aus 1993 der mir ad hoc einfiel, den ich noch nicht im Glas hatte war der neue von 1423, der ein Schwesterfass des unsäglichen Bristols sein soll und der den vieldeutigen Beinamen "The Beast" erhalten hat (an irgendwas erinnert mich das....😏). Da es Stimmen gab, sowohl positive als auch negative, die die Abfüllung in die gleiche Richtung verorteten wie den Bristol, wollte ich eigentlich nicht einmal mehr unbedingt probieren und so war dieser Jahrgang bei mir eigentlich durch.  Dann allerdings ergab sich durch Zufall an einem tollen Abend doch noch die Gelegenheit zu probieren und ich wurde überrascht. Der gefiel mir gar nicht schlecht. Weil ich zu diesem Zeitpunkt aber auch schon einige Rums im Glas hatte, vertagte ich ein umfangreicheres Tasting auf später. Heute bekommt ihr dementsprechend meine frischen Eindrücke dieses Rums und ich bin selbst gespannt, inwieweit ich an diesem Abend richtig lag, oder ich vielleicht doch schon ein paar Rums zu viel im Glas hatte.😉 Vielen lieben Dank nochmal an Chris für das Sample!😃



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Verkostung des 1423 S.B.S. Trinidad Rum 25 YO Caroni 1993:

Preis: der Ausgabepreis liegt bei ca. 300,- Euro. Etwa dort liegt auch aktuell noch der Marktwert, auch wenn er vielfach schon vergriffen ist. 

Alter: von 1993 bis 2019 reifte der Rum 25 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1993 bis 2008 auf Trinidad statt und von 2008 bis 2019 in Europa. Somit lag der Rum 15 Jahre in tropischem Klima und weitere 10 Jahre unter kontinentalen Einflüssen.

Fassnummer: unbekannt. Es wurden 239 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: ohne Angaben. 

Alkoholstärke: Fassstärke! Der Rum kommt mit 50,1% vol. daher.

Destillationsverfahren: unklar. Laut Label eine Column Still, aber hier gibt es aus meiner Sicht weiterhin noch keine zu 100% gesicherten Angaben. 

Mark: unbekannt. Die bisherigen 1993 waren Light Rums oder Blended Rums. Beim heutigen Rum ist das nicht definiert. 

Farbe: seeeeehr dunkel! In der Flasche geht der Rum nahezu ins schwarze, im Glas ist er minimal heller. Hier schimmert er sehr dunkelbraun-rötlich.  

Viskosität: ...

Nase: "The Beast", hat 1423 seinen Caroni ganz offensiv getauft, und diesem Beinamen wird er in der Nase auch bereits in den ersten Augenblicken gerecht. Sehr, sehr intensiver Rum! Heftig! Find ich das gut? Weiß ich noch nicht! Aber langweilig wird es heute ganz sicher nicht! Bisher war 1993 überhaupt nicht mein Fall, aber dieser hier hat auf jeden Fall "was". Ja, Erinnerungen an den Bristol Caroni 1993 für 1423 kommen hoch und auch den Velier erkenne ich entfernt wieder, aber hier gefällt mir das viel besser. Ich tippe tatsächlich mal auf einen Heavy Type Caroni, womit er der erste aus 1993 seiner Art wäre, der mir bekannt ist. Die Nase ist, wie schon erwähnt, wahnsinnig intensiv! Hoch konzentriert, unglaublich tief, reichhaltig, dreckig und komplex erscheint die Nase nach einiger Zeit des Atmens im Ballonglas. Alkoholische Schärfe ist vorhanden, aber meines Erachtens nur unwesentlich. Daran, dass es sich hier um einen Caroni handelt besteht nicht für eine Sekunde irgendein Zweifel. Ich finde natürlich die üblichen Assoziationen wie Teer, verbranntes Gummi, scharfe Lösungsmittel, trockenes Holz und Tannine wieder, aber gerade letztere nehmen hier auf jeden Fall einen Sonderstatus ein. Der Rum hat richtig Holz abbekommen! Zu viel? Ich bin sicher, dass das einige oder gar viele wohl so sehen würden. Sehe ich das so? Erneut bin ich unsicher! Für den Moment fasziniert mich, glaube ich, vor allem diese Extremität. Gemeinsam mit einer feinen Süße ist das aber definitiv sehr spannend. 

Gaumen: die 50,1% vol. erscheinen am Gaumen zunächst einmal erstaunlich dünn. Ich hätte auf eine Verdünnung mit Wasser getippt. Gleichzeitig hat der Rum aber auch gut Zug in Form von alkoholischer Schärfe. Das ist nicht so vollkommen aus dem Gleichgewicht gerissen wie beim Bristol, insbesondere, da der Alkohol sich nicht unangenehm gibt, aber andere Jahrgänge können das auf jeden Fall besser. Ist diese Phase durch und hat es sich der Rum im Mundraum erst einmal bequem gemacht, folgt eine schöne Süße in Kombination mit ganz viel 100% Caroni Flavour. Sehr extrem! Teer, Lösungsmittel, verbranntes Gummi... da ist alles dabei! Je länger der Caroni aber am Gaumen verweilt, desto stärker kommen auch die Tannine durch und machen deutlich, dass der Rum wirklich lange im Fass gelegen hat. Das geht hier dann bis ins Erlebnis von Bitterschokolade mit über 90% Kakao-Anteil, wenn man sich traut, ihn lange genug im Mund zu behalten. Der Rum wird dementsprechend immer bitterer und trockener, bis er irgendwann zu drohen scheint, wie Staub am Gaumen zu zerfallen.

Abgang: ein langer Abgang. Caroni-typische Noten und starke Tannine geleiten den Rum hinab.

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Fazit: vor mir steht tatsächlich der einzige Caroni aus 1993, der mir zusagt, was ihn wiederum gleichermaßen zu einem echten Exoten unter den Non-Velier-Caroni macht, denn da gibt es nicht viele, mit denen ich wirklich etwas anfangen kann. Er ist für Caroni durchaus stiltypisch, teilweise mutet er sogar so etwas wie über-typisch an, ohne dabei aber allzu sehr unter jenen Schwächen zu leiden, unter denen der Bristol für 1423 gelitten hat. Zwar schlägt sich ein höherer Alkoholgehalt auch hier nicht unbedingt in einem stabilen Körper nieder, aber er ist zumindest vorhanden, der Alkohol sticht nicht unangenehm und der Rum schmeckt über weite Strecken einfach gut. Das war beim Bristol leider noch ganz anders. Nichts desto trotz wird es gegen stärkere Konkurrenz auch für den S.B.S. schwierig sich zu behaupten, wenn ich dann an Spitzen-Caronis von Velier denke, weswegen er für mich am Ende dann auch nicht in die absoluten Spitzenplätze vordringen kann. Aber er schafft es zumindest mal, die Fahne für seinen Jahrgang hochzuhalten und, gemessen am heutigen Gesamt-Preisniveau, seinen Ausgabepreis wenigstens annähernd zu rechtfertigen, zumindest meiner Meinung nach. Denn die wirklich guten Caroni gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, inzwischen ja auch kaum noch unter 300,- Euro und jene Ausnahmen hat man nicht selten bereits in ausreichender Menge im Schrank stehen. Persönlich habe ich dennoch vom Kauf einer ganzen Flasche abgesehen, auch wenn er mir gefallen hat, einzig: man kann einfach nicht mehr alles kaufen was man gut findet. Klingt also dennoch nach Kaufempfehlung? Jain! So sehr ich gut mit ihm klar komme, aber anderen könnte der Caroni deutlich zu extrem, zu holzlastig, zu bitter sein. Das muss man schon mögen, weswegen hier auch noch deutlicher als sonst also vielmehr die klare Empfehlung rausgeht, den S.B.S. unbedingt selbst zu probieren und ihn nicht rein auf Basis einer Empfehlung zu kaufen.

-89/100-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 23. Juni 2019

The Hampden DOKtrine: 6 x Highest Ester Rum!

Liebe Rum Gemeinde,

lange Zeit galt das Mark DOK von Hampden als so etwas wie eine Art unbekannter heiliger Gral. Niemand hatte ihn je gesehen, aber jeder, der sich mit Hampden intensiver auseinander gesetzt hatte, wollte ihn einmal kosten. Etwas beinahe schon mystisches umgab dieses Mark: während die einen an das ultimative Geschmackserlebnis glaubten, waren sich andere schon beinahe sicher, dass ein Rum mit derart hohem Estergehalt nahezu ungenießbar sein müsste. Seit 1,5 Jahren ca. ist der Mythos schließlich Wirklichkeit geworden und wir alle konnten Hampden DOK probieren. Zeit also, 5 der für mich spannendsten DOKs, sowie eine zweifelhafte Neuerscheinung einmal nebeneinander zu verkosten!

Zur Erinnerung: mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson, ein ehemaliger Besitzer Hampdens) bezeichnet Hampden seinen Rum mit dem höchsten legal auf Jamaica möglichen Estergehalt. Die Grenze liegt hier von Gesetzeswegen bei 1600 gr/hlpa nach der Destillation und das Mark DOK bezeichnet dementsprechend Rums mit einem Estergehalt von 1500 - 1600 gr/hlpa. Laut der Klassifizierung der Jamaica Rums im Allgemeinen macht ihn das zu einem Continental Flavoured Rum. Bereits eingangs sprach ich die Kontroverse um DOK an: das Mark galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann. Die Frage der Genießbarkeit stand dabei aber immer wieder im Raum. Und da würde ich jetzt, mit sechs gefüllten Gläsern vor mir, einfach sagen: schauen wir mal! 


Die heute verkosteten DOKs:

  • Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.
  • Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.
  • 1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.
  • Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.





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Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.%

Zum Letter Of Marque DOK muss und möchte ich gar nicht mehr viel sagen. Der Rum ist schließlich auch mit mein Baby gewesen und daher wäre alles, was ich hier über ihn sagen könnte noch weniger objektiv als es die Meinung eines einzelnen ohnehin schon immer ist. Kurz die Facts: 8 Jahre kontinentale Reife weist er auf, er kommt in Cask Strength und hatte einen Ausgabepreis von ca. 50,- Euro für 0,5 Liter. Es war seinerzeit die meines Wissens nach erste Abfüllung, bei dem sich das Mark DOK auch auf dem Label eines Rums befand.


Nase: ich habe eine tiefe, ausgewogene, Hampden-typische starke Ester-Nase mit viel Klebstoff, Nagellackentferner, Marzipan und Ananas, aber auch gebackene Banane, Zitrusnoten und etwas Humus sind dabei und ein für seine 8 Jahre auch schon guter Einschlag vom Fass.

Gaumen: brutal schlägt der LOM am Gaumen ein. Bäm! Alkoholische Schärfe, Adstringens, Ester-Flut... der DOK geht die volle Distanz! Wahnsinniger Körper! Ich habe an Eindrücken Ananas, Toffee, altes Holz, Antipasti und eine für mich noch immer ungewöhnliche Reife, für einen nur 8 Jahre kontinental gelagerten Rum.

Abgang: esterige Eindrücke und Ananas begleiten den Rum, auf dem Weg nach unten, später gesellen sich auch Holznoten dazu.

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Fazit: ein starker Vertreter seiner Zunft, wenn auch kein ganz überragender. Der Reiz des Bottlings damals lag für mich seinerzeit im Unbekannten. Hampden kann durchaus noch mehr!

-85/100-




Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.

Der Compagnie Des Indes DOK ist in dieser Runde, unter jenen Rums die offiziell releast wurden, so ein wenig der unterschätzte. Er führte das Mark DOK nicht auf dem Label, ist aber aus dem gleichen Batch wie der Letter Of Marque oder auch der heute nicht mit verkostete Kintra Hampden 2009 und mit einem Jahr Reife mehr. Mit seinen 60% vol. kommt er allerdings nicht ganz in Fassstärke daher. Der Ausgabepreis lag bei ca. 100,- Euro für 0,7 Liter.


Nase: die Eindrücke vom Letter Of Marque spiegeln sich hier in auffälliger Weise wieder, auch er hat die volle Dröhnung Ester mit all dem Klebstoff, scharfen Lösungsmitteln, Ananas, Bananen, Zitrusnoten und dunkler Erde. Das Fass hat sich hier noch positiver bemerkbar gemacht als beim LOM, denn der Rum kommt in der Nase deutlich runder daher, mutet noch etwas angenehmer an. Insgesamt sind sich beide Rums aber schon sehr, sehr ähnlich.

Gaumen: der Compagnie Des Indes kommt am Gaumen weicher und etwas gnädiger daher, die Verdünnung scheint sich hier positiv bemerkbar zu machen. Adstringens und die volle Ester-Power prägen aber auch hier das Bild am Gaumen. Die Assoziierungen decken sich hingegen nahezu vollständig mit denen beim LOM. Mit zunehmender Verweildauer bemerke ich die Verdünnung, da der Rum am Gaumen nicht ganz so cremig wird wie der LOM.

Abgang: eine riesige Schoko-Toffee-Note habe ich zu Beginn! Danach sind es dann Eindrücke vom Holz und von Antipasti.

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Fazit: die Verdünnung hat den Rum in der Nase und in seiner gesamten Zugänglichkeit meines Erachtens gepusht. Nach hinten heraus fehlte dann ganz leicht die Kraft. Unterm Strich sehe ich ihn aber leicht über dem LOM.

-86/100-




Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.

Den ungelagerten DOK mit 75% vol. erhielt ich aus ungenannter (aber nicht unbekannter) Quelle. Er wurde leicht verdünnt, hat nicht mehr ganz distillation-strength. Das Sample entstammt keiner releasten Abfüllung.


Nase: hui, hier wird das Tempo dann schon merklich angezogen. Hampden-DNA! Aber das ganze kommt leider auch sehr scharf und stechend daher. Dass das kein Rum in gewöhnlicher Trinkstärke mehr ist fällt sofort auf. Auch er bietet die geballte und vielfach umschriebene Ester-Palette mit allem was dazu gehört, allerdings fehlen natürlich die gelagerten Komponenten vom Fass. So ist dann hinter der Ananas auch schon beinahe Schluss.

Gaumen: der Einschlag erfolgt nicht ganz so brutal wie erwartet, aber er erfolgt. Der Alkohol fordert die Zunge und den Gaumen schon sehr heraus. Hat sich der Sturm gelegt, empfinde ich den Rum allerdings als angenehm, lecker und typisch. Ich habe esterige Eindrücke, viel Ananas und Banane, Traube und dazu Klebstoff, sowie etwas, was mich an Savanna HERR erinnert.

Abgang: es bleiben die Erinnerungen an den HERR und etwas Traube.

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Fazit: das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich, zumal pur und ob der Extremität, häufiger trinken würde. Ich danke dem Spender dennoch, dass ich die Möglichkeit hatte, den Rum zu probieren.

-78/100-




Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.

Mein Sample des ungelagerten DOKs in distillation-strength mit 85,6% vol. erhielt ich von einem mir bekannten und lieben Connaisseur aus Dänemark. Auch dieses Sample entstammt in dieser Form keiner bisher releasten Abfüllung.


Nase: ja, okay, so langsam geht es dem Gipfel des Machbaren entgegen. Der Rum kommt sehr angenehm daher, nicht so stechend wie der DOK mit 75% vol., dafür aber noch voller und intensiver im Aroma. Großes Kino! Viel Lösungsmittel und etwas Ananas und Banane habe ich. Aber dieser Rum ist schon ein Ausrufezeichen!

Gaumen: kleine Schlücke sind angesagt, na klar. Und hier wird es nun schon wirklich krass. In mir melden sich Alarm-Rezeptoren, die dafür zuständig sind, uns vor giftigem und ungenießbarem zu schützen. Auf der Zunge bilde ich mir ein, dass sich der Rum gerade versucht durchzuätzen. Die Speichelbildung funktioniert nur noch eingeschränkt, man bekommt den Rum kaum milde "gebissen". Dennoch macht das auf eine perverse Art und Weise irgendwie Spaß. Ist der Alkohol dann weitgehend abgeklungen, was ewig dauert, ist der Rum richtig lecker und aromatisch. Ich habe Ester-Total, Banane, etwas Sahnetoffee und mediterrane Assoziationen. Ein bemerkenswerter Tropfen!

Abgang: Antipasti und etwas Humus begleiten den Hampden nach unten. 

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Fazit: Freak-Stoff! Ob sowas wirklich Platz am Markt hätte? Einmalig mit Sicherheit, aber ich glaube, die Möglichkeiten der Anwendung sind hier sehr begrenzt. Und so lecker der Rum irgendwie auch ist, aber nicht mal im Drink kann ich mir vorstellen, dass das richtig gut geht, da er vermutlich zu dominant wäre. Die Grund-Qualität liegt hier eindeutig höher als bei der Probe mit dem 75% Stoff, aber der Alkohol ist omnipräsent.

-82/100-




1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.

Der 1423 S.B.S. DOK ist eingeschlagen wie zuvor nur der Letter Of Marque, nachdem bekannt wurde, dass es sich hierbei um einen New Make DOK aus 2018 mit lediglich dreimonatiger Reifung in einem PX-Cask handelt. Mit einem Alkoholgehalt von 59,7% vol. ist er, wenn man so will, das "Leichtgewicht" in unserer heutigen Runde. Der Ausgabepreis lag bei ca. 80,- Euro für 0,7 Liter, was für einen nahezu ungelagerten Rum schon eine Ansage war. Und zumindest in meinem Fall war der Preis auch der Grund, warum ich keine Flasche gekauft habe. Mir war er deutlich zu teuer, auch wenn unser nächster und letzter Rum gleich zeigen wird, dass es auch immer noch abgehobener gehen kann.


Nase: es geht mit den Volumenprozenten wieder deutlich nach unten, dafür kommt ein wenig Fass dazu und das nimmt man deutlich wahr! Es wird zwar klar, dass auch dieser DOK noch sehr jung ist, aber das PX-Fass hat hier in nur drei Monaten schon gewirkt. Typisch Hampden, aber mit einem leichten PX-Einschlag kombiniert diese Abfüllung so ein wenig das beste aus beiden Welten, aged als auch unaged. Gefällt mir sehr gut!

Gaumen: nach der Tortur mit den 75, bzw. 85%igen Hampden gleicht dieser DOK hier einem Gaumenschmeichler. Und tatsächlich tut er das nicht nur rein wegen des geringeren Alkoholgehalts, sondern weil die Qualität hier auch richtig gut mitspielt! Ich sehe Ähnlichkeiten zum 85%igen DOK, aber das ganze kommt hier, mit ca. 25% vol. weniger, natürlich ungleich smoother daher. Am Gaumen macht sich das PX-Fass zunächst wenig bemerkbar und so steht vor mir ein doch eher noch klassischer Hampden in sehr bedacht berührter Form. Dann plötzlich, der Rum verweilt schon eine ganze Weile im Mundraum, kommt der Sherry doch noch. Das passt wirklich gut! Allerdings zeigt sich am Gaumen auch, dass der Rum eben wirklich noch nicht alt ist, kann sich, anders als in der Nase, gegen die beiden acht jährigen nicht mehr behaupten.

Abgang: Sherry und Hampden-typische Elemente weisen dem Tropfen den Weg hinab. 

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Fazit: hier hat man ganz offensichtlich mit sehr wenig schon sehr viel erreicht. Von den (in diesem Fall fast) ungelagerten DOKs bisher das mit Abstand beste und rundeste Paket! Well done!

-83/100-




Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.

Der Rom De Luxe DOK ist für mich, auf den Punkt gebracht, wohl schon jetzt der ambitionierteste Anwärter auf die Frechheit des Jahres! Bei einem Ausgabepreis von ca. 200,- Euro (!!) und Randdaten zur Abfüllung, deren Inhalt als auch Layout dem Konsumenten auf den ersten Blick eine Fassreife von 10 Jahren suggerieren, macht sich dieser Rum bei mir hochgradig unbeliebt. Die Angaben auf dem Label sind in höchstem Maße irreführend! Mit der "10" wird eine konventionelle Fassreife suggeriert und man gibt sich alle Mühe zu verschleiern, dass es sich hier lediglich um einen ungelagerten Rum mit dreimonatiger Stippvisite in einem Ex-Madeira Cask handelt, für den man aber, Achtung, nochmal, 200,- (!!) Euro haben möchte! Und ich halte es darüber hinaus an der Stelle schon auch für gewagt, bei der Lagerung im Ex-Madeira Fass von einem Finish, also einer Nachreifung, zu sprechen, wo es zuvor aber niemals überhaupt auch nur irgendeine Reifung in anderer Form gegeben hat! Die zehn Jahre im Stahltank sind vollkommen irrelevant, nehmen stilistisch auf dem Label aber den Rahmen einer Fassreife an. Für mich ist diese Abfüllung daher ein Täuschungsversuch und ein Schlag ins Gesicht vieler anderer ehrlich und transparent arbeitenden unabhängigen Abfüller! Entschuldigt, Jungs, aber überteuerte Produkte mit Pseudo-Age-Statements? Genau dafür werden Marken wie Zacapa & Co. seit Jahren stark aus der Rum Szene heraus kritisiert. Zurecht. Musste man wirklich ausgerechnet dort nun anschließen?


Nase: im Vergleich zum 1423 S.B.S. kommt dieser hier wieder schärfer und stechender daher. Das Finish macht sich auch hier bemerkbar, allerdings muss man da durch den dichten Alkohol auch erstmal hinkommen. Das Madeira Cask hat diesem Hampden irgendwas mitgegeben, was mich irritiert und mir auch, gerade im Vergleich zum vorherigen Glas, nicht so gut gefällt. Die geringe Reife des Rums kommt hier ebenfalls viel stärker heraus als beim 1423 DOK.

Gaumen: und zum Abschluss also nochmal voll in die Fresse! Klar, der Alkohol macht sich auch hier bemerkbar, ist aber deutlich besser eingebunden als bei der ungelagerten Version mit 85,6% vol.. Die Reifung im Madeira Cask hat dem Rum sicher schon etwas von seiner Schärfe genommen. Das ist damit zwar weniger brutal als beim 85% unaged DOK, aber dieser gefiel mir geschmacklich besser. Das Finish bringt eine Art Trauben-Einschlag mit rein, was mir weniger gefällt.

Abgang: im Mund bleibt ein ganz unangenehmer Ton zurück, der vermutlich vom Madeira-"Finish" stammt, ergänzt um die typischen Eindrücke von ungelagertem High Ester Rum. 

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Fazit: Viel Lärm um doch eher wenig! Mir gefielen alle Rums heute, bis auf den 75%igen unaged DOK, besser als dieser hier.

-78/100-

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Gesamt-Fazit:

"DOK is not for drinking!" ? - Jain! Diese inzwischen schon fast legendäre Aussage, die in erster Linie aber angeblich nur feststellen wollte, dass diese Art Rum weder kreiert wurde, um pur getrunken zu werden, noch dass sie in der Karibik, bzw. auf Jamaica, von den Einheimischen pur genossen wird, schlug hohe Wellen. Aus Sicht eines mitteleuropäischen Rum Snobs allerdings, bieten auch diese Monster extreme Reize und insbesondere durch Fassreife, entstehen hier meines Erachtens durchaus sehr gut genießbare Tropfen. Und doch: dieses Cross-Tasting war in höchstem Maße anstrengend und schon sehr für die Wissenschaft! Ich kann den Compagnie Des Indes, der für mich beste DOK im Feld, pur genießen und auch den knapp dahinter rangierenden Letter Of Marque, also jene beiden, die auch schon acht, bzw. neun, Jahre im Fass gelegen haben und ja, vielleicht auch noch den 1423 S.B.S.. Aber alles dahinter ist mir dann einfach zu extrem. Das kann man trinken, klar, und ich finde das auch in höchstem Maße spannend und für den Moment dann reizvoll, aber ich sehe mich damit nicht in einem Ledersessel sitzend und einfach nur genießend. Da fallen mir viele andere Rums eher ein.

Der Sieger im Cross-Tasting, ich hatte es gerade ja schon fallen gelassen, ist für mich der Compagnie Des Indes. Die Unterschiede zu unserem Letter Of Marque sind marginal, aber sie sind da und so führen die beiden das Feld für mich an. Dahinter sehe ich den 1423 S.B.S., der für mich sogar die beste Nase im Gesamtfeld und damit gar wortwörtlich die Nase vorn hatte. Er hatte erst am Gaumen dann gegenüber den beiden länger gereiften Rums das Nachsehen. Auf Platz 4 sehe ich den 85,6%igen ungelagerten DOK in distillation-strength, der zwar extrem eskalierte, für mich dann aber am Ende schon auch ein Stück zu weit von Genuss im eigentlichen Sinne geht. Den letzten Platz teilen sich der Rom De Luxe und der 75%ige unaged DOK. Beim Rom De Luxe störte mich einfach die Eigennote und der 75%ige ist für meinen Geschmack etwas zu unballanciert. Ein letztes Wort gerne noch zum Rom De Luxe: zunächst wollte ich diesen Rum eigentlich komplett boykottieren, habe mich aber letztlich dagegen entschieden, um meiner Verärgerung über ihn, siehe oben, hier auf BAT eine Plattform geben zu können, denn das war mir ein Bedürfnis!

Die Empfehlung freilich spricht sich heute eigentlich von selbst aus: der Compagnie Des Indes! Er ist der einzige aus der Runde, der mir gefallen hat, der mir sogar auch am besten gefallen hat und auch noch zu einem einigermaßen humanen Kurs erhältlich ist. Zwar empfand ich auch dessen Preis schon sehr hoch, da ich durch Letter Of Marque weiß, was Main für die Fässer haben wollte, aber das ist zumindest noch guten Gewissens vertretbar. Der Letter Of Marque wäre, zum Ausgabepreis, mein Preis-Leistungs-Sieger gewesen, aber das galt ja nur für nicht einmal 30 Minuten. Insofern ist es dann der wohl unterschätzte CDI, bei dem ich mich frage, warum es ihn noch auf dem Markt gibt, wo für den LOM teilweise vollkommen irre Summen auf dem Secondary Market aufgerufen als auch bezahlt werden.

Bedanken möchte ich mich abschließend bei den Jungs, die immer wieder unermüdlich Flaschenteilungen auf die Beine stellen, sowie bei den edlen Spendern, die sich jetzt hoffentlich angesprochen fühlen, der beiden unaged DOKs. Vielen Dank an alle, die dieses Tasting möglich gemacht haben!

Bis demnächst,
Flo