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Sonntag, 6. September 2020

Flensburg Rum Company Jamaica 12 YO Hampden 2007

Liebe Rum Gemeinde!

allgemein in diesem Jahr und speziell jetzt zur Zeit geht es auf dem Rum Markt zu wie im Taubenschlag und so möchte ich euch heute einen weiteren Rum vorstellen, der aktuell in den Fachhandel gefunden hat! Es geht um den Flensburg Rum Company (FRC) Jamaica Rum 12 YO Hampden 2007, hinter dem das Team um Thomas Altmann von Old Man Spirits steht!



Und bei Old Man Spirits dürfte es bei vielen von euch sogar klingeln, denn die Jungs und Mädels sind in der Szene schon eine ganze Weile unterwegs und füllen schon länger auch selbst ab. Allerdings, und da findet dann auch schon die Überleitung zur Flensburg Rum Company statt, waren das bisher eher die süßen Vertreter, die unter Nerds wie mir keinen Anklang finden können. Das wird wohl auch in Zukunft so sein, und um sich da innerlich und äußerlich klar abzugrenzen, hat man mit der FRC eben gleich eine komplett neue Marke unter dem gemeinsamen Dach geschaffen. Diesen Schritt begrüße ich persönlich sehr, denn er ist konsequent und folgerichtig. Dazu hat man sich mit Kirsch Import einen Vertrieb mit ins Boot geholt, der gerade im Rum Bereich als Partner des Branchen-Primus Velier in den letzten Jahren sehr viel positives Reden von sich machen konnte! Well done!

Das erste Meeting bei Old Man Spirits in Schuby (2019)

In Kontakt kam ich mit Thomas Altmann und Klaus Heuer das erste mal vor schon fast einem Jahr, als ich die Jungs in deren Firmensitz in Schuby besuchte. Damals erläuterten mir die beiden sehr anschaulich was sie sich für die Zukunft vorgenommen haben und wohin es mit der FRC noch gehen soll. Der Großteil dessen ist natürlich noch unter Verschluss, aber da wird noch einiges und auch großes kommen, da könnt ihr gespannt sein! Besonderes Augenmerk liegt bei mir persönlich natürlich auf der Single Cask Serie, dessen viertes Release dieser Hampden nun schon ist. Zuvor wurden auch schon ein 1992er Versailles, ein 2007er Monymusk und ein 2005er aus Barbados abgefüllt, deren Qualität durchgehend super war, jedoch nicht gänzlich meinem Geschmack entsprach!



Zum heute vorgestellten Hampden hingegen muss man eigentlich nicht mehr viel sagen! Das Mark C<>H spricht im Grunde schon seit den legendären 1990er Abfüllungen für sich, spätestens aber nach dem Habitation Velier Release in diesem Jahr. Was die grundsätzliche Verwirrung und die besonderen Umstände rund um den Hampden-Jahrgang 2007 betrifft, so habe ich im Review zum Kill Devil bereits so weit es mir möglich war Klarheit geschafft. Mit jenem Rum werde ich den FRC heute natürlich auch direkt vergleichen, auch um zu sehen, wie sich das Batch in den letztes zwei Jahren so entwickelt hat. Was direkt im Vorfeld schon auffällt ist, dass der FRC nochmal um einiges mehr an Bumms hat, ganze 66,8% vol. weist er auf, während sich einige der Kill Devil 2007 bereits schon der 60% vol.-Marke näherten. Das ist ungewöhnlich, aber kommt ab und zu vor. Ich denke da auch an das "Beast" damals von The Rum Cask, der ja sogar fast bei 70% vol. war.

Eher selten kommt hingegen vor, was nach der Abfüllung des Rums geschehen ist. Dass geleerte Fässer anschließend wiederverwendet werden ist das normalste der Welt, auch, dass sie zum Finishen dienen kommt immer wieder vor, allerdings bezieht sich das in der Regel eher auf Spirituosen. Anders bei diesem Fass! Denn der Abfüller hat sich mit der Südtondern Brauerei aus Niebüll zusammengetan und sie dafür gewinnen können, eines ihrer Biere im Hampden Fass zu veredeln. Zugegeben, auch das kommt nicht zum ersten Mal vor, aber es ist zumindest das erste Mal, dass mir das Ergebnis tatsächlich auch gefällt. Und was noch erstaunlicher ist: mir gefällt sogar der Grundstoff, das "Nr. Een Pale Ale" mit 4,9% vol.. Erstaunlich ist das deshalb, weil ich alles andere als ein Biertrinker bin. Mir schmecken die meisten Biere in aller Regel nicht, aber mit diesem hier werde ich tatsächlich warm. Noch besser aber gefällt mir die gefinishte Variante aus dem Hampden Fass, denn anders als z.B. beim Hampden Bier von Hubert Corman kommt der Hampden hier tatsächlich auch raus. Vier Wochen lang ließ man das Bier im frisch (und auch komplett!) entleerten Hampden Fass nachreifen und das merkt man auch! Zum einen, weil das Bier nun plötzlich einen deutlich erhöhten Alkoholgehalt von 8,1% vol. aufweist, aber vor allem deshalb, weil plötzlich Assoziationen zu Bananen-Weizen entstehen! Ich schmecke den Rum unterschwellig immer wieder deutlich raus, ohne, dass das Finsih das ganze Bier aber überlagert hätte. Das ganze bekommt eine subtile, leicht bananige-Jamaica Note, die sich vor jedem Schluck auch in der Nase schon andeutet. Das passt richtig gut und von mir gibt es dafür einen riesig großen Daumen nach oben! 👍 "Nochmal geiler geworden!" steht auf dem Etikett, und dem kann ich mich nur anschließen!

Doch nun zum heutigen Hauptdarsteller: schauen wir, was der Rum kann!

Bedanken möchte ich mich allerdings zuvor noch kurz für die zu Foto- und Verkostungszwecken erhaltene Flasche Rum, sowie die dazugehörigen Biere, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.


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Verkostung des Flensburg Rum Company Jamaica Rum 12 YO Hampden 2007:


Preis: die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 119,90€. Darin enthalten sind auch die zwei Flaschen Bier. Bei Kirsch Import ist der Rum aber bereits vergriffen, so dass nur noch das an Flaschen da ist, was nun bei Händlern noch auftaucht. 

Alter: von November 2007 bis Sommer 2020 lag der Rum insgesamt 12 volle Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum kam als New Make nach Schottland und lag dort sieben Jahre lang im Hogshead Cask. Anschließend wurde er nach Liverpool verfrachtet und lag dort noch weitere fünf Jahre lang, bevor er im Jahr 2020 von Old Man Spirits nach Deutschland importiert und dort abgefüllt wurde.

Fassnummern: unbekannt. Das Fass ergab allerdings noch 252 durchnummerierte Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt, ich vermute allerdings zwischen 10-15%. 

Alkoholstärke: der Rum hat eine Fassstärke von 66,8% vol. und wurde vor dem Abfüllen nicht verdünnt. 

Destillationsverfahren: Double Retort Pot Still.

Mark: C<>H (Continental <Diamond> Hampden)

Farbe: ein für 12 Jahre kontinentale Reifung typisches helles, blasses Stroh. 

Viskosität: enge, regelmäßige und parallele Schlieren fließen zügig an der Glaswand hinab und ins Glas zurück.

Nase: nachdem der Rum im Glas mit Sicherheit eine gute Stunde lang atmen durfte, empfangen mich in der Nase direkt zu Beginn schon die absoluten Highest Ester Töne! Hampden, I'm coming home! Absolut konzentriert, kommt einem dieser Rum zunächst noch wie eine Art Hampden Essenz vor, was er historisch gesehen ja auch war, bzw. noch immer ist. Doch während man es sich früher nicht vorstellen konnte, dass Menschen dafür zu begeistern wären diese Rums pur zu genießen, gibt es dazu heute eine echte Fan-Gemeinde und mit mir einen Fan der frühen Stunde! Im Vergleich zum Kill Devil fallen die zwei Jahre längere Reifezeit tatsächlich deutlich auf, und das absolut positiv! Der FRC kommt im Vergleich schon deutlich voller, ausgewogener, reifer und zugänglicher daher und ist für mich bis hier her auch der auf jeden Fall bessere Rum. Der Alkohol ist, trotz der fast 3% vol. mehr beim FRC merklich besser eingebunden und sticht kaum, was ich bei einem Alter von nur 12 kontinentalen Jahren und fast 67% vol. schon beachtlich finde. Ich finde außerdem natürlich auch jede Menge Lösungsmittel und Klebstoffe der Ester. Sie bestimmen die Marschrichtung, überlagern aber nicht das gesamte Bouquet. Dieses hält auch den für C<>H so typischen Schlagabtausch zwischen Süße und Fruchtigkeit auf der einen Seite und einem krassen Säure-Einschlag auf der anderen Seite bereit. So treffen hier gegrillte Ananas, überreife Bananen, Toffee und Marzipan auf Zitronen, Antipasti und Humus. Das ganze wird wunderbar von einer schönen Vanille und etwas Holz vom Fass umspielt, welche ganz klar dafür sorgen, dass dieser Rum schon sehr in die Richtung des alten Berry Bros. & Rudd Hampden 1990 geht, nur eben in Fassstärke. Ganz stark! Nach ca. eineinhalb Stunden im Glas ist der Unterschied zum Kill Devil auch noch größer geworden. Der hält hier definitiv nicht mit!

Gaumen: der volle Einschlag! Am Gaumen kommt der Rum zunächst einmal sehr kräftig (aber nicht scharf!) und adstringierend daher! Die für C<>H typische Säure lässt die Schleimhäute ordentlich  zusammenziehen. Der Alkohol ist exzellent eingebunden, schon selten gut, wenn ich auf die gerade einmal 12 jährige Reifung auf der einen, und den Alkoholgehalt von 66,8% auf der anderen Seite blicke. Das finde ich in der Form nicht alle Tage bei einem Rum mit diesen Eckdaten vor, weswegen ich es hier auch explizit betone. Der Rum ist richtiggehend weich, für einen Hampden. Das bedeutet natürlich, dass auch größere Schlücke möglich sind, allerdings wird es dann aber auch schon sehr krass und der Hampden beißt ein wenig. Jedoch ob größere oder kleinere Schlücke, ich habe Hampden Flavour so weit das Auge reicht! Schneller und immer mehr wird der gesamte Mundraum mit dieser unfassbar rummigen Ester Note geflutet. Total geil! Ich habe ein Potpourri an gegrillter Ananas, leicht grasigen Noten, Zitronen, Humus, aber auch Chorizzo und Antipasti! Zugegeben, die Standard-Palette an Hampden Assoziationen, aber die Intensität ist immer wieder beeindruckend! Das ganze wird mit zunehmender Verweildauer im Mund immer cremiger, bis er schließlich seinen Weg die Kehle hinab findet. Der Kill Devil im Vergleich hat auch einen sehr gut eingebundenen Alkohol, allerdings schmeckt er in seinem ganzen Charakter noch sehr viel jünger und eindimensionaler, so dass er all in all meines Erachtens kein Vergleich zum FRC darstellt. Letzterer schmeckt deutlich und merklich besser und reifer.

Abgang: ein langer, warmer, erdiger Abgang, typisch für Hampden! Trockener und sogar leicht bitter werdend. Im Hintergrund die Esterpower. Sehr geil! 

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Fazit: ein überraschend guter Rum, ein richtig geiler Hampden und definitiv eine klare Empfehlung meinerseits an alle, die auf Highest Ester Hampden abfahren! Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, einzig der gleichsam außergewöhnlichen wie ungewohnten Dichte an Highlights in der Spitze in diesem Jahr (und darunter eben viele lange gereifte Demeraras oder Caronis) ist es geschuldet, dass dieser Hampden am Ende des Jahres die Top 10 möglicherweise sogar verpassen könnte. Das ist schon krass, wenn ich überlege, dass ich mir jetzt gerade in jedem anderen, normalen Jahr mit gewöhnlicher Dichte an Bottlings sicher gewesen wäre, dass er es dort locker und spielend hinein geschafft hätte! Denn den Kill Devil, der mir damals ja auch schon sehr gut gefiel, lässt er z.B. klar hinter sich und mit dem Berry's 1990 schlägt er für meinen Geschmack sogar eine echte Legende! Vielfach wurde ich in den letzten Tagen auch gefragt, wie er sich im Vergleich zum C<>H von Habitation Velier schlagen würde, der ebenfalls zu den Highlights in diesem Jahr zählt. Hier habe ich mich mit einer Antwort stets schwer getan, weil ich sie nicht miteinander vergleichbar finde, zu stark wirken sich die Unterschiede zwischen kontinentaler und tropischer Reife bei vergleichbarer Reifedauer auf den Rum aus. Ich hatte die beiden in einer Verkostungs-Session ebenfalls parallel und fand sie beide auf ihre Weise super. Klar wurde mir darüber hinaus allerdings einmal mehr, dass mag ich auch andere Stile aus anderen Ländern inzwischen deutlich häufiger im Glas haben, so ist und bleibt Hampden für mich aber immer etwas besonderes und meine erste Rum-Liebe! Dieses "Coming Home"-Gefühl habe ich bei keiner anderen Destille so stark und bei dieser Abfüllung war dieses Gefühl definitiv und in besonderem Maße ausgeprägt! 'nough said! 

-89/100-


Bis demnächst
Flo

Samstag, 7. September 2019

German Rum Festival - Tag 2

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte vorgestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet, sowie gestern über den ersten Messe-Tag. Heute gibt es daher auch noch meine Impressionen vom Sonntag, dem zweiten und leider auch schon letzten Messe-Tag. 



Sonntag, der 1. September 2019:

Endlich Sonntag! Insgeheim hatte ich mich auf den zweiten Messe-Tag fast am meisten gefreut, denn heute Vormittag, im Vorfeld des Rum Festivals, fand unser privates Tasting im Kreise der Rum Wankers statt. Der Beginn war für 11.00 Uhr angesetzt und, wie sich herausstellte, keine Minute zu früh. Als wir so alle zusammen saßen, blickte ich zunächst doch auch noch in das eine oder andere müde Gesicht. Vor allem der Typ im Spiegel sah übel aus. 😂🙈

Unser Line Up komplett aufzuführen wäre glaube ich kaum noch möglich, aber ich lasse einfach mal die Bilder sprechen, bzw. erzähle ein bisschen was dazu:



Am meisten hatte ich mich natürlich darauf gefreut, die letzten Tropfen J. Wray & Nephew 17 YO durch die Runde zu reichen, die ich noch habe. Marius von SCR nahm einen winzigen Schluck und bestätigte, warum ich den ansonsten nur zum Sniffen reiche: der Geschmack gibt einfach nichts mehr her. An ihm zu riechen ist da wesentlich spannender und ergiebiger. Daher durfte er nach dem kurzen Ausflug ins Glas dann auch sofort wieder in die Flasche zurück, damit ich ihn beim nächsten Mal wieder mitbringen kann, wenn auch Leute dabei sind, die ihn noch nicht gerochen haben.



Der Vorfreude in nichts nach stand auch dieses Tasting von insgesamt sieben Fassproben der Caroni Ceremony im April, welches uns drei Rum Lovers aus Frankreich ermöglichten, indem sie ihre Samples mit verschiedenen Leuten von uns geteilt haben. Wir wiederum haben dann mit unserer Gruppe geteilt. Merci beaucoup à L., M. et N.! :-) Meine Favoriten waren die beiden Heavy Type 1996er aus dem Guyana Stock.



Die Caroni-Trilogie wollte ich tatsächlich auch schon lange mal probieren und hatte am Wochenende dann die Gelegenheit dazu! Vielen Dank!



Auch einige alte Bristols fanden auf den Tisch. Spannend fand ich den Jamaica 16 YO. Es ist Ewigkeiten her, dass ich den im Glas hatte. Nun, nach vielen Jahren, und nachdem auch zu Long Pond viele Marks bekannt sind, würde ich ihn blind vermutlich dem Mark TECA zuordnen.



Kirsch Caroni - Schnappschuss am Rande ;-)



Der reich gedeckte Gabentisch.



Ein Sample New Make aus der Vulcan Still (eine Art Hybrid aus Pot- und Column Still) von W.I.R.D. - der hat, laut einhelliger Meinung in der Runde, ganz viel Potenzial! Vielen Dank an den edlen Spender! :-)



Diese Miniatur eines Barbancourts aus den 1950er Jahren fand ich bei einem örtlichen Händler. Ein richtig guter Rum, wie ich finde, sehr viel besser als die heutigen Bottlings aus diesem Hause. Hier findet ihr mein Review dazu: click



St. Lucia, mon amour! Dass ich auf die wenigen Bottlings die es da gibt total stehe ist, glaube ich, bekannt. Der Jahrgang 1999 ragt für mich dabei heraus und der Blackadder ist daher auch, zusammen mit dem Cadenhead 9 YO, für mich so ziemlich das beste, was es von dort je zu probieren gab.



Ganz etwas außergewöhnliches! Ein auf Zuckerrohrsaft basierender Rum aus Israel mit 53% vol.. Nimrod Rosenblatt aus der israelischen Rum Gruppe stellt diesen selbst her und verwendet dafür Zuckerrohr, das er in seinem eigenen Garten anbaut. Ihn zu beschreiben fällt mir schwer, zumal wir einfach so vieles im Glas hatten an diesem Vormittag, aber er gefiel mir gut und das Label versprach nicht zu viel! Well done!



Ein alter Demerara Versailles 1988 von Moon Import. Der Rum war nicht so meines, aber ich wollte zumindest eine Abfüllung aus meinem Baujahr mit in den Rückblick aufnehmen. ;-)



Endlich kam ich dazu, ihn mal zu probieren: den Bristol Caroni 1995. Hat er mich geflasht? Nicht wirklich. Aber spannend ist er! Auf der einen Seite klar Heavy Type, aber auf der anderen Seite hat er, nach hinten raus, auch extrem spanische Züge. Das ist nicht schlecht, aber die aufgerufenen Summen für ihn verstehe ich nicht.



Ein Caroni Bottling aus aktiven Tagen der Destillerie. Aber um es ganz geradeaus zu sagen: ich bevorzuge sehr deutlich die späteren Abfüllungen. Immerhin: angenehmer zu trinken als der ungelagerte Stallion Puncheon von gestern. 😄



Ein alter Rhum aus Martinique aus den 1920er Jahren. Definitiv eine Empfehlung, sowas mal zu probieren wenn man kann!



Eine alte Flasche Captain Morgan Black Label nebst 1920er Martinique. Der Captain ist aber aus den 1980er Jahren und damit um viele Jahrzehnte jünger.


Nach diesem doch sehr gediegenen Tasting machten wir uns dann erneut auf zum Messegelände, wo ich es an diesem Tage dann aber etwas ruhiger angehen ließ und nicht mehr viel probierte. Zwei Ausnahmen machte ich dabei aber doch noch. Zum einen probierte ich im Dunstkreis des Kirsch Whisky Standes noch den neuen Hampden Great House Rum, allerdings in einer höherprozentigen Version. Das ist zwar vom Stil her Hampden Light (OWH), aber ey, das hat mir richtig gut gefallen! Ein Klasse unkomplizierter Hampden, den ich mir in der Form auf jeden Fall kaufen würde! Super Klasse! Leider habe ich es komplett versäumt, davon ein Bild zu machen. 🙈

Picture by S.K.
Und das Highlight des Messe-Tages, zumindest für mich war es das wohl auf jeden Fall, kam dann am Sonntag-Nachmittag noch von Organisator Dirk Becker selbst, als dieser nämlich eine Flasche des nagelneuen Velier Single Cask Caroni 1996 for Bar Lamp & Shinanoya in Japan öffnete und ausschenkte. Zwei Tage zuvor noch in Japan, und zur Messe dann bereits in Berlin. Ich habe selten, wenn überhaupt, je so schnell eine Menschentraube um eine Flasche Rum sich bilden sehen. Unglaublich. "Nur eine Flasche Rum", wie Dirk selbst mehrfach betonte, aber für so viele von uns, die Caroni hoffnungslos verfallen sind, eben doch mehr als das. Nichts desto weniger: die Einstellung dazu imponierte mir. Ich hab da noch lange drüber nachgedacht. Wenn man sich das noch komplett bewahren kann, in Zeiten dieses vollkommenen Preis-Wahnsinns, dann kann ich davor nur meinen Hut ziehen! Da ich an diesem Tage nicht mehr aufnahmefähig war, bekam ich meinen kleinen Schluck mit nach Hause, wo ich in Ruhe probieren konnte. Das habe ich getan und das Review dazu kommt dann morgen hier online! 😊👍 Vielen, vielen Dank, Dirk!

Glücklich gemachte Caroni-Lovers 😊😉:

Picture by S.K.
Picture by S.K.




















Das war es dann auch schon von mir zum German Rum Festival 2019 in Berlin! Ein geiles Fest war es, es war mir ein großes Vergnügen mal wieder Gast in Berlin gewesen sein zu dürfen und komme auch gern erneut wieder! Ein großes Dankeschön vor allem auch an meinen (und am heutigen Sonntag auch unserem) Gastgeber dieser Tage, bei dem ich unterkommen durfte. Vielen, vielen Dank! Ich würde mich freuen, mich dafür eines Tages hier bei uns im Norden revanchieren zu können. 😊

Bis morgen, zum Shinanoya Caroni Review!

Flo

Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo

Donnerstag, 5. September 2019

German Rum Festival 2019 - Prolog

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war dieses Jahr auch am Start und kann so viel vorweg nehmen: es war ein absolut berauschendes und geiles Rum Festival, das auch abseits des offiziellen Rahmens ein echtes Fest war!



Freitag, der 30. August 2019:

Doch bevor das eigentliche Rum Fest am Samstag startete, gab es am Freitag noch das Warm Up - und was für eines! Für mich begann der Tag damit, dass ich von mir daheim erst einmal nach Flensburg fuhr, um dort, an der dänischen Grenze, zwei Rum Geeks abzuholen und diese mit nach Berlin zu nehmen. Nach insgesamt acht Stunden Autobahn erreichten wir gegen Abend dann voller Euphorie und Vorfreude endlich Berlin. Erster Sammelpunkt war für viele von uns das Peter Pane Restaurant, wo es Spitzen-Burger zur Stärkung gab - ganz offensichtlich war ich nicht der einzige, der über den Tag nicht viel gegessen hatte.😁 Von dort aus ging es dann weiter zum ersten echten Programmpunkt des Abends. 
Dominik Marwede von Rum Artesanal hatte eigens einen Berliner Ausflugsdampfer gechartert und einige Rum Geeks zu einer abendlichen Fahrt auf der Spree mit der "Golda" eingeladen. In (rum-)familiärer Atmosphäre, denn die meisten von uns, neben mir z.B. auch Marius von SCR, Maik von RUMBOOM, Caroni-Buch-Autor Steffen (aka Stefano Caroni), Christian Nagel von Our Rum & Spirits oder auch die Jungs von der Rum Tasting Notes App kannten sich untereinander, schipperten wir ca. drei Stunden durch Berlin und durften dabei einige neue Abfüllungen schon einmal vorab probieren. Zu Verkosten gab es u.a. den neue Double Cask Trelawny Jamaica Rum und den Core Range Caribbean Island Blend. Ersterer ist die Vermählung eines Hampden C<>H 1998 und eines Long Pond 2000 Fasses und zweiterer ein, in meinen Augen, wunderbar unkomplizierter Standard-Blend für Einsteiger oder unkomplizierte Abende, bei denen der Rum nicht im Mittelpunkt stehen muss. Das Highlight für viele war dabei aber wohl der 14 Jahre alte neue Savanna Traditionel "Unshared Cask", der als Single Cask und in Fassstärke exklusiv für Rum Artesanal abgefüllt wurde! Ihr Lieben, ich hatte zum Zeitpunkt des Probierens schon einige Rums auf der Zunge, und nicht zuletzt gab es auch noch leckeres Finger Food dazu, aber der erste Eindruck war wirklich hervorragend! Großes Kompliment - allerdings nicht nur für die Fass-Auswahl, sondern vor allem auch für die Organisation der Bootstour insgesamt! Es war ein tolles Event, das ganz viel Spaß gemacht, viele von uns vorab schon mal zusammen gebracht und uns alle perfekt für die kommenden Tage eingestimmt hat! Vielen, vielen Dank dir, aber auch deinem tollen und sympathischen Team, lieber Dominik! 

Savanna Rhum & Finger Food - passt! :-) 


Nach der Bootstour war der Abend aber natürlich noch nicht gelaufen. 😉 Und so beschlossen wir alle gemeinsam, weiterzuziehen in die Bar Lebensstern, wo die Jungs von Kirsch Whisky ebenfalls das German Rum Festival einläuteten und auch weitere nationale und internationale Größen der Szenen, wie die Jungs von RUMCASK, Joshua und Gregers von 1423, Lance von The Lone Caner, John Gibbons oder Johnny Drejer nach und nach dazu stießen. Es war großartig, euch alle auch mal persönlich zu treffen und eine ganz besondere Freude war es mir dabei, vielen von euch auch ein Sample vom J. Wray & Nephew 17 YO zum Sniffen geben zu können, die letzten Tropfen, die ich noch habe. Da der Rum schon so stark oxidiert ist, dass er geschmacklich nichts mehr hergibt, fand ich es sinnvoller, auf diese Weise möglichst vielen von euch noch eine Idee dieses Rums geben zu können, statt das Sample einfach zu trinken. Doch natürlich wurde dann auch noch was getrunken! 😊 So kamen unter anderem das Caroni Single Cask für Kirsch Whisky, einige Cadenheads in Fasstärke, ein Berry Bros. Versailles 1985, zwei Rums von Gardel und ein Velier Diamond 1996 ins Glas. Legendäre Rums und, ja, das kann man doch so sagen, ein legendärer Abend! Wer jetzt noch nicht in Stimmung für das Rum Festival war, der war gar nicht in Berlin. 😉 








To be continued...

Sonntag, 8. April 2018

Velier 1996 Single Cask Caroni 20 YO for Kirsch Whisky

Liebe Rum Gemeinde,

ich hoffe, ihr hattet schöne Ostertage und seid alle gesund und wohlauf! Anfang Februar kündigte ich an, dass bei mir einige Caroni in der Pipeline stehen und tatsächlich folgten dieser Ankündigung mit dem 18 YO Cadenhead aus 1998 und dem Krüger Whisky Caroni aus 1996 auch bereits die ersten zwei Reviews von dort, aber heute, nein, da kann und will ich keine künstliche Spannung aufbauen, heute geht es das erste Mal so richtig an's Eingemachte: verkostet wird die Velier Single Cask Abfüllung aus 1996 für Kirsch Whisky! 

Velier, da muss ich gerade einmal etwas weiter ausholen, begann bereits ab dem Jahr 2004 damit, eine große Menge an Caroni-Fässern zu kaufen und sie sowohl alsbald in Flaschen abzufüllen als auch in großem Stil auf Trinidad weiterreifen zu lassen. Während in den unmittelbar folgenden Jahren vor allem erst einmal Jahrgänge der 1980er Jahre und sogar eine Abfüllung aus 1974 erschienen, reiften jüngere Jahrgänge der 1990er Jahre und aus 2000 weiter im tropischen Klima. In dieser Zeit war die Nachfrage nach Caroni, egal ob von Velier oder von anderen unabhängigen Abfüllern, noch sehr überschaubar. Oder, um es noch deutlicher zu sagen: sie lagen wie Blei in den Regalen! Dementsprechend waren sie in diesen frühen Jahren auch noch erstaunlich günstig zu haben. Trotz einer teilweise über 20 jähriger tropischer Reifung kosteten sie weniger als 100 Euro pro Flasche. Heute ist das unvorstellbar! Im Jahr 2008 brachte Velier dann einige seiner Caroni-Fässer von Trinidad nach Guyana, in die Warehouses von Demerara Distillers Ltd. (DDL). Dorthin unterhielt Luca Gargano gute Kontakte, insbesondere zu Yesu Persaud, und Velier besaß darüber hinaus seit 2004 auch Anteile an DDL. Das gab ihnen die einzigartige Möglichkeit, sowohl Demerara Abfüllungen direkt aus den Stocks von DDL vor Ort auszuwählen und abzufüllen, als auch ihre Caronifässer dort mit lagern zu lassen. Caroni und DDL liegen nur ca. 500 km voneinander entfernt, weswegen die klimatischen Voraussetzungen der Reife vergleichbar blieben (wobei die Niederschlagsrate in Guyana höher ist als die auf Trinidad).

Als sich Yesu Persaud bei DDL 2013/2014 in den Ruhestand verabschiedete, bedeutete dies für Velier leider auch, keinen Zugang mehr zu den Stocks an Demerara Rums zu haben (DDL fokussierte eine eigene Linie nach dem Vorbild Veliers), die sich zu diesem Zeitpunkt in Europa einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuten. Velier konnte zuvor Stile wie Albion, Skeldon oder La Bonne Intention, die bis dahin einzig in den Blends der El Dorado Abfüllungen verschwanden, einer breiteren Masse an Menschen zugänglich machen. Und gerade dann, als das Interesse an diesen Rums merklich wuchs, war Velier vom Nachschub auch schon wieder abgeschnitten. Das wiederum fiel zeitlich zusammen mit einer parallel dazu in ganz Europa wachsenden Fan-Gemeinde von reinen, unbehandelten Rums in Fassstärke aus der Karibik. Somit resultierte aus dem Nachschub-Stop zum einen eine exorbitante Nachfrage nach den verbleibenden, bisher abgefüllten Demerara Rums, die noch immer vielfach in den Shops lagen, zum anderen aber auch ein nun deutlich wachsendes Interesse an den Rums aus Caroni, die bis dahin im Schatten der Demeraras standen. Velier war nun in der Position, sich einen gewissen "Nimbus" erarbeitet zu haben und so wurden die verbleibenden Rums aus Caroni ebenfalls schnell rar. Außerdem machte sich die Entwicklung auch bei neu erscheinenden Releases bemerkbar, denn sie waren in der Folge immer schneller vergriffen und stiegen auch deutlich im Preis.
Im Laufe des Jahres 2015 beschritt Velier in seiner Caroni-Linie neue Wege, indem sie Single Cask Abüllungen aus dem Jahrgang 2000 verschiedenen europäischen Partnern und Freunden widmeten. Insgesamt sechs verschiedene Fässer wurden so abgefüllt. Geehrt wurden auf diese Weise unter anderem Juul's Vin & Spiritus in Dänemark, The Nectar in Belgien, die Paul Ullrich AG in der Schweiz und natürich LMDW in Frankreich. Von jeder Abfüllung gab es nur zwischen 150 und 250 Flaschen und so war es kaum verwunderlich, dass die Flaschen gerade unter Sammlern sehr gesucht waren und sie nur selten zum trinken geöffnet wurden.
Ein Jahr später, 2016, entschied man sich bei Velier erneut zu einer solchen Single Cask-Serie, allerdings wurden nun Fässer aus dem extrem starken Jahrgang 1996 ausgewählt. Dieses Mal wurden sie für Stefano Cremaschi, Guiseppe Begnoni und Old Whisky in Italien, sowie für Kirsch Whisky in Deutschland abgefüllt. Und mit letzterem Rum wären wir dann auch nach einem langen Bogen wieder bei der heute hier besprochenen Abfüllung angekommen.

Eine Besonderheit, die beim Betrachten des Labels des Kirsch Whisky Caronis auffällt ist, dass eine Reifung komplett in Guyana angegeben wird, also von 1996 an. Andere Caroni wiederum, z.B. alle 2000er und auch die anderen 1996er Single Cask von Cremaschi, Begnoni und Old Whisky sollen eine Reifung komplett in Trinidad erfahren haben. Doch wir erinnern uns: im Jahr 2008 kamen einige Velier Caroni-Fässer von Trinidad nach Guyana. Keines war schon vorher dort und die meisten verblieben wiederum auch auf Trinidad. Die Angaben verwirrten mich daher, weswegen ich etwas recherchierte und zu dem Ergebnis kam, dass die Label-Informationen an dieser Stelle einfach falsch sind. Fully matured in Guyana? Gibt es nicht! Fully matured in Trinidad? Gibt es! Aged in Trinidad until 2008 and then at DDL in Guyana? Ebenso ja! Eine Diskussion auf Facebook zeigte sehr eindrucksvoll, dass die Angaben auch andernorts die Menschen verwirren, weswegen ich mich frage, warum gerade Velier, die so sehr auf Correctness wert legen, das nicht korrekt angegeben bekam. Denn auch die korrekte Lagerstätte gehört für mich zu einer lückenlosen und vorbildlichen Deklarierung auf dem Label eines Rums.
Davon aber einmal abgesehen, ist der Informationsgehalt auf dem Label positiv zu bemerken, gerade für ein Single Cask. Man erfährt unter anderem die Fassnummer, die mit #5623 angegeben ist, die Flaschenanzahl (298 Flaschen sind es nur), den Angel's Share (sagenhafte >85%) und natürlich auch den exakten Alkoholgehalt von 62,4% vol.. In Deutschland erschien der Rum, obwohl schon 2016 abgefüllt, im Frühjahr 2017 und erfuhr einen sofortigen Ausverkauf. Der Run auf diese Abfüllung war riesig und groteske Ebaypreise untermauerten das enorme Interesse an dieser Abfüllung und an Caroni und Velier im Allgemeinen. Nun stellt sich eigentlich nur noch eine einzige Frage: kann der Rum am Ende des Tages auch abliefern, was all diese Randnotizen bisher von ihm versprechen lassen? Denn gerade eine Single Cask Abfüllung bietet ja das größtmögliche Spektrum an Individualität. Sie kann genialer sein, als es jede Small Batch Abfüllung je sein könnte, aber der Rum verzeiht nach 20 Jahren wiederum auch keinerlei Schwächen des Fasses, in dem er gelegen hat. Wo also steht der Caroni von Kirsch Whisky, gerade im Hinblick und im Vergleich zu der enormen Qualitätsdichte des Caroni-Jahrgangs 1996? Genau das möchte ich jetzt mit euch herausfinden!



Verkostung des Velier 20 YO Kirsch-Caroni 1996:

Preis: den Rum gab es zum Ausgabepreis von ca. 220 - 300 Euro - für wenige Stunden! Anschließend vervielfachte sich der Preis leider. 

Alter: 20 Jahre reifte der Rum im Fass, von 1996 bis 2016.

Lagerung: Tropical Aged. Auf dem Label ist eine Reife komplett in Guyana bei DDL angegeben, aber tatsächlich lag der Rum erst ab 2008 dort. Von 1996 bis 2008 reifte er in Trinidad.

Fassnummer: es handelt sich um eine 298 Flaschen starke Single Cask Abfüllung mit der Nummer #5623  

Angel's Share: >85%

Alkoholstärke: 62,4% vol. - Fassstärke!

Destillationsverfahren: hier streiten sich die Gelehrten. Gewissheit konnte noch nicht erlangt werden. Die derzeitige Tendenz geht aber dahin, dass eine Pot Still bei Caroni spätestens ab 1975 nicht mehr in Betrieb war. 

Mark: HTR (Heavy Trinidad Rum).

Farbe: Mahagoni, dunkelbraun. 

Viskosität: weite, eher unregelmäßige Schlieren verteilen sich in Tropfen am Glas und laufen langsam und zäh herunter.

Nase: Volltreffer! Eine klare, stiltypische 1996er Caroni Nase, aber ganz groß heute! Der Alkohol ist zu Beginn kurz präsent und macht deutlich, dass wir hier mindestens 60% vol. im Glas haben, verflüchtigt sich aber schnell und fällt in der Folge nicht mehr in irgendeiner Weise negativ auf. Wooohhhuu! Ein traumhaftes, dunkles, intensives und sehr, sehr konzentriertes Bouquet! Der Rum benötigt und verdient sehr, sehr viel Zeit und die soll er natürlich auch bekommen. Zu Beginn habe ich eine Kombination von Caroni-typischen Komponenten wie Lack, Klebstoff, Phenolen und Teer als auch Eindrücken wie Walnuss, Bourbon Vanille, Marzipan und Rosine, sowie letztlich Tanninen und Eichenholz, die dem Fasseinfluss zu verdanken sind. Gerade Marzipan und Rosine bringen eine richtig schöne, natürliche Süße mit sich, die dem Caroni ausgesprochen gut steht! Nur ganz dezent im Hintergrund spielt auch der brennende Fahrradschlau mit. Seine große Stärke spielt der Rum aber auf die Distanz aus: denn nach hinten hin will er einfach nicht enden. Egal wie lange man am Glas riecht, die Nase findet keinen Ausgang. Da kommt immer noch irgendwo eine Komponente, an der sie sich aufhalten kann und sich festbeißt. Bedauerlich ist an dieser Stelle, dass ich nicht in Worte zu packen vermag, was da alles auf einen wartet, denn zu sehr werden meine Sinne immer wieder mit dem unfassbar geilen Bouqut dieses Caronis torpediert. Es kommen noch leichte Anflüge von Minze und irgendwo in einer Ecke ganz weit hinten meine ich dann sogar etwas Bacon noch entdeckt zu haben. Ein liquider Traum!

Gaumen: Sehr cremiges, öliges und volles Mundgefühl. Der Alkohol spielt zu Beginn kurz leicht scharf rein, macht dann aber Platz für alle Eindrücke, die mir doch etwas mehr Spaß machen! ;-) Der Rum legt sich nun richtig herrlich auf die Zunge und umschmeichelt den Gaumen. Da ist zum einen dieses typische Aroma von Caroni aus 1996, für das mir aber nach wie vor die passende Bezeichnung fehlt. Mich erinnert das irgendwie an einen Holzfußboden, wobei das natürlich, wie bei so vielen Assoziationen bei Caroni, keine real erfahrene Grundlage hat. Ich liebe diese spezielle Note! Es schwingen dann aber auch die vielen dreckigen Parts von Caroni mit, wie Teer, Lack oder Phenole, die wir auch schon in der Nase vorfanden. Hier allerdings finde ich sie noch etwas ausgeprägter. Der Rum wirkt für einen kurzen Moment wirklich überaus brennereitypisch für seine extrem lange und zudem tropische Reife. Aber genau diese tropische Reife ist es, die dann verstärkt im zweiten Anlauf durchkommt und die aus diesem Rum das Besondere macht, das er zweifellos ist. Im Hintergrund laufen jetzt immerzu diese kleinen Anis-Schübe nebenher, die typisch sind für lange gelagerte und charakterstarke Rums des englischen Stils. Und was sich durchzieht: das alles kommt wirklich unglaublich intensiv daher. High End Caroni!

Abgang: Sternanis, aber volles Rohr, der sich dazu wunderbar mit frisch geschnittenem Geäst, sowie dem Holz des Fasses verbindet. Dazu Dirty Caroni. Langanhaltend. Legendär!

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Fazit: kurz und bündig: der heute verkostete Rum ist einer der drei besten Caroni überhaupt, die ich bisher im Glas hatte! Dem Kirsch Whisky-Team ist an dieser Stelle also ein sehr glückliches Händchen bei der Auswahl des Fasses zu bescheinigen und an jenes geht an dieser Stelle daher auch mein Dank für diesen Rum! Und wie ich am Stand von Kirsch in Köln erfahren habe, so fiel die Entscheidung zugunsten des Fasses #5623 seinerzeit wohl auch sehr schnell und eindeutig.
1996, da erzähle ich Caroni-Fans kaum etwas neues, ist ohnehin ein wirklich exzellenter und herausragender Jahrgang dieser leider geschlossenen Destillerie. Man kann nahezu jede Abfüllung dieses Jahrgangs blind kaufen, ich hatte bisher nur ein einziges 1996er Bottling, welches mir nicht so gut gefiel (dazu in einem der nächsten Reviews mehr!). Aber diese Single Cask Abfüllung sticht da noch einmal unter all den anderen großartigen 1996er Caroni im Besonderen heraus! Outstanding! Chapeau! Momentan gibt es nur einen einzigen Caroni, allerdings keinen aus 1996, den ich noch über dem von Kirsch sehe. Und diesem ganz besonderen Rum werde ich mich hier auf BAT selbstverständlich ebenfalls noch widmen. Darauf könnt ihr euch schon jetzt freuen!

-98/100-


Und nun wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag! Die Frühlingssonne erfasst Norddeutschland und ich hoffe, auch ihr, von wo auch immer ihr das lest, bekommt etwas davon ab. :-)

Bis demnächst,
Flo