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Sonntag, 31. Januar 2021

RA Barbados Rum 34 YO W.I.R.D. "Rockley Style" 1986

Liebe Rum Gemeinde,

heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ich an einer dieser Reviews sitze, bei denen ich vor lauter freudiger Erwartung schon gar nicht mehr weiß, wo genau ich eigentlich anfangen soll. Eine Vorfreude, die schon seit Monaten darauf wartet, sich endlich Bahn brechen zu dürfen und nun ist es endlich so weit: Rockley-Festtagsstimmung auf Barrel Aged Thoughts! 


Der so genannte "Rockley Style" ist ein Rum Stil, der mich schon sehr, sehr lange auf meiner Reise durch die flüssige Kulinarik der Karibik begleitet. Seit einem kalten, ungemütlichen Abend im November 2011, um genau zu sein. In meiner Review zu den beiden 1986er Duncan Taylor und Silver Seal vom letzten Jahr habe ich diese Geschichte um meinen ersten Besuch bei Herrn Andreas Schwarz in Preetz ausführlicher dargelegt. Wer da Zeit und Lust hat, kann sich dieser Lektüre gern noch einmal annehmen. Das würde ich allerdings auch davon ganz abgesehen jedem empfehlen noch einmal zu tun, denn die beiden dort begutachteten Rums sind auch für meinen heutigen Rum die Benchmark, die es zu schlagen gilt. 

Der Duncan Taylor behauptet diese Position im Grunde seit 2012 schon durchgängig für sich. Damals kam dieser mit 25 Jahren in die Flasche und war einer der eher wenigen Rockley, der mit mehr als nur 46% vol. in die Flasche kam. In der Folge hingegen wurde es dann ruhig um den Rockley Style aus 1986 - um nicht zu sagen: mucksmäuschenstill! Denn leider kam da die Jahre danach nämlich nichts mehr wirklich nach (den Jahrgang 2000 sehe ich als qualitativ nicht vergleichbar an), weswegen ich den Stil auch bereits verloren geglaubt hatte. Der Silver Seal hat uns im Sommer 2020 dann wiederum alle überrascht und auch verzaubert. Denn es zeigte sich bei der Verkostung, dass er definitiv dazu in der Lage war den Duncan Taylor herauszufordern. Im Ergebnis schaffte er es zwar nicht ihn zu übertrumpfen, meines Erachtens, aber er hat sich ergänzend und auf Augenhöhe an dessen Seite gestellt, was ich schon sehr beachtlich finde, angesichts der enormen Qualität des Duncan Taylor! Und nun schließlich kommt mit dem Rum Artesanal zu Beginn des Jahres 2021 dann direkt der nächste Rockley, der es sich zutrauen darf, es mit den beiden aufzunehmen! Inwieweit es ihm gelingen wird? Das schauen wir uns gleich an! 


Zum Rockley-Style:

Zuvor allerdings möchte ich noch ein paar Einwürfe zu "Rockley" selbst machen, bzw. eben zum "Rockley"-Style. Denn die Geschichte darum gehört zu den geheimnisvollsten, die die moderne Rumszene zu bieten hat (zumindest, wenn wir das ganze einmal auf die Geheimnisse positiver Konnotation reduzieren). Um diese in ihrer Gesamtheit darzulegen müsste ich nun vermutlich zu weit ausholen und plane das an anderer Stelle auch noch zu tun, daher schaue ich, dass ich heute erst einmal nur die wesentlichsten Punkte herausstelle. 

Zunächst einmal muss ich mit der Annahme aufräumen, es könne sich bei dem Rum um Rum aus einer Rockley Destillerie handeln. Es gab zwar früher eine Rockley Destillerie auf Barbados, aber diese existiert schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Was hingegen noch existiert, ist deren mutmaßliche alte Pot Still, die Rockley Still, die auf einigen Flaschenlabeln auch immer mal wieder angegeben wurde. Diese steht heute bei der West Indies Rum Distillery (W.I.R.D.) auf Barbados - wurde tatsächlich aber seit wiederum vielen Jahrzehnten auch schon nicht mehr genutzt, und zwar auch schon weit vor 1986 nicht mehr. Auch sie scheidet als Urheber für diesen Rum aus. Was also erstmal klingt wie eine dieser Stories aus Guyana, wo oft heute noch mit uralten Brennblasen längst vergangene Stile noch produziert werden, entpuppt sich hier als Trugschluss. Die Frage an dieser Stelle lautet also: wie kam der Name Rockley zum 1986er Batch der W.I.R.D.? Ist es wie bei einigen anderen Guyana Rums z.B., wo heute ebenfalls keine Brennblase mehr existiert und der gesamte Stil durch vollkommen anderes Material hergestellt wird? Oder handelt es sich bei der Namensgebung um reine Willkür, immerhin taucht der Name Rockley erst seit Mitte-Ende der 1990er Jahre überhaupt im Zusammenhang mit Rum der W.I.R.D. auf. Das kann leider noch immer niemand hinreichend beantworten. Zwar wird, was auf die zweite Möglichkeit der modernen Namensfindung zielt, immer wieder John Barrett als Urheber dieses Mythos genannt, aber inwieweit das stimmt, darf doch bezweifelt werden, immerhin stammt die älteste mir bekannte 1986er Abfüllung die den Namen Rockley auf dem Label trägt nicht von Bristol, sondern von Velier. Sie wurde bereits 1997 abgefüllt (sollte laut Label sogar aus der Rockley Distillery stammen) und damit ein Jahr bevor John Barrett unter dem Bristol Logo seinen ersten 1986er abfüllte. 

Weiter muss man sich aber vor allem auch die Frage stellen: um was für Rum handelt es sich bei diesen "Rockleys" eigentlich? Denn wer schon einmal einen "Rockley" und einen herkömmlichen Rum aus der Gregg's Farm Pot Still der W.I.R.D. im Glas hatte der wird sehen: das sind Rums wie Tag und Nacht, gar nicht miteinander vergleichbar! Was also lief bei diesem "Rockley" Style anders? Auch hier müssen wir bedauerlicherweise noch zu großen Teilen im Trüben fischen. Zwar gibt es einige Erklärungsansätze und Theorien, aber bisher leider keinen einzigen hinreichenden Beweis. Das ist zwar einerseits schade, habe ich doch irgendwie immer den Drang so etwas bis ins Detail entschlüsseln zu wollen, aber auf der anderen Seite macht das den Mythos Rockley auch irgendwo aus. Die geläufigen Erklärungsansätze reichen von der Fermentation mit Meerwasser, über die Nutzung eines weiteren Brennapperats (der Vulcan Chamber Still) bis hin zu der Frage, zu welchem Zweck dieser Stil eigentlich hergestellt wurde. Hier wiederum würde ich auf eine ähnliche Nutzung wie bei Hampden oder Caroni tippen, das heißt, dass dieser Stil vielleicht lediglich das Flavouring Material von W.I.R.D. war oder ist und nur aus 1986 und 2000 (sowie vereinzelter noch früherer Jahrgänge) ein eventueller Überschuss einfach nach Europa verkauft wurde. Somit könnte der sog. "Rockley" Style am Ende auch einfach nur die Essenz von W.I.R.D. sein, vergleichbar mit eben den Heavy Rums von Caroni oder Hampden DOK. Und das wiederum hieße, dass vielleicht auch "Rockley" ursprünglich nie zum trinken gedacht war, sondern von Scheer eher für eine Nutzung in der Lebensmittelindustrie eingekauft wurde. Allerdings zeigt es sich gerade im High-End-Bereich von Rum immer wieder, dass vor allem diese Rums, die nie dazu bestimmt waren pur im Glas eines Endverbrauchers zu landen, bei jenen am Ende die Augen stärker zum Leuchten bringen, als es die allermeisten anderen Rums je zu vermögen wissen. 

Und zu guter Letzt ist es möglicherweise noch wichtig zu erwähnen, dass der 1986er Rum aus der W.I.R.D. unter noch weiteren Namen auf dem Label bei diversen IB erschien. Zum Teil wurde die Destillerie auch unter den Namen West Indies Rum Refinery (W.I.R.R.) oder Blackrock Distillery geführt. Solltet ihr also Bajan Rums aus 1986 finden, die einen dieser Namen tragen: nein, das ist nichts anderes, das ist das gleiche Batch! ;-)


Aus Gründen der Transparenz sei, bevor wir nun zur Verkostung selbst kommen, an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung dieses Rums, sowie eine ganze Flasche des Rums zu Fotozwecken gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 

Picture by Dominik Marwede


Verkostung des RA Barbados Rum 34 YO W.I.R.D. "Rockley Style" 1986:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung des Rockley liegt bei 329,90€ / 0,5 Liter.

Alter: von Dezember 1986 bis Januar 2021 durfte der Rum insgesamt ziemlich genau 34 Jahre im Fass reifen. 

Lagerung: Continental Aging - der Rum lagerte während der gesamten Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: die interne Fassnummer lautet #210. Dieses Fass ergab nur noch 162 Flaschen a 0,5 Liter. 

Angel's Share: etwa 58% des Fassinhaltes gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 53,7 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: die offizielle Angabe lautet, dass der Rum im Pot Still Verfahren destilliert wurde. Über die genaue Verfahrensweise herrscht aber große Unklarheit, verschiedene Theorien dazu kursieren (s.o.). 

Mark: BBR (former BRS and WIRR) "Rockley Style"

Farbe: kräftiges, goldenes Stroh.

Viskosität: der Rum verläuft langsam und zähflüssig in eher weiten, regelmäßigen und parallelen Schieren an der Glaswand hinab.

Nase:
 Breathtaking! Absolutely breathtaking! Ca. eine Stunde habe ich das ganze jetzt atmen lassen und kann nur positiv geschockt vor meinem Glas sitzen: denn in diesem finde ich Rockley-Essenz vor! Der Rum hat, verglichen mit dem Duncan Taylor, deutlich an Kraft, Intensität und auch an Reife gewonnen. Trotz dessen, dass beide einen sehr ähnlichen Alkoholgehalt aufweisen, beim Duncan Taylor sind es 52,7, beim RA noch 53,7% vol., kommt der RA deutlich stärker daher, wenn gleich ich größten Wert drauf lege, dass das an dieser Stelle ausschließlich positiv ausgelegt wird (der Alkohol ist hier wirklich fantastisch eingebunden!). Oder mit anderen Worten: die Verdünnung des Duncan Taylor anno 2012 ist deutlich wahrzunehmen, genau wie schon beim Crosstasting gegen den Silver Seal im Sommer! Im Bouquet dominieren beim RA natürlich der Waldhonig in toller Kombination mit einer ordentlichen Portion Rauch, viel Vanille und tatsächlich auch deutlicher Mango. Hier hat der Dominik in seinem Promo-Video also mal voll ins Schwarze getroffen. Chapeau! Über all dem liegt dann auch immer wieder so eine richtig schöne, schwere Süße, etwas, was dem Duncan Taylor imho so ein wenig fehlte, so dass man wirklich schon beinahe das Gefühl bekommt, an einem Glas Honig zu sitzen, in dem ein wenig Anis und andere Gewürze schwimmen, Schiefer, sowie auch etwas an Tanninen. Letztere fallen hier allerdings wesentlich gemäßigter aus als beim Silver Seal, so dass der RA noch einmal mehr klassischer Rockley Style ist, als es der Italiener aus 2020 ist. Das Fass scheint mir hier, in der Nase zumindest, auf den Punkt gereift zu sein! Je länger die Gläser nebeneinander stehen, desto deutlicher manifestiert sich dieser Eindruck. Der Duncan Taylor fällt gegen den RA gar richtig gehend ab, das ist total krass! 

Gaumen:
 am Gaumen macht sich zunächst einmal positiv bemerkbar, dass der Rum schon einiges an Volumenprozenten verloren hat, denn der ist echt smooth! Da brennt wirklich nichts, da zwickt auch nichts, das ist einfach nur richtig entspannt und auch große Schlucke sind problemlos möglich. Das erlebe ich so und in dieser Harmonie nur ganz, ganz selten! Gleichzeitig geht das ja aber nicht mit Verwässerung einher, das stört mich beim Duncan Taylor inzwischen merklich, sondern wirkt komplett natürlich, denn der Rum kommt noch in seiner vollen Stärke daher und das merkt man dementsprechend. Der Silver Seal mit seinen fast 59% vol. hat im direkten Vergleich zwar sogar noch etwas mehr PS unter der Haube, aber die benötigt es hier gar nicht! Der Rum macht unglaublich Spaß, er ist komplex und vor allem sehr mundfüllend. In Windeseile breitet sich dieser geniale Rockley-Geschmack in der gesamten Mundhöhle aus und benetzt alles damit. Ich habe eine tolle Süße am Gaumen, Milch und Honig fließen, alles wirkt wie eine perfekte Liason und der Rum kommt dabei so cremig daher wie ein Sahnebonbon. Es setzt dann eine Menge an Anis und frisch geschnittenem Geäst ein, die mich immer wieder bei kontinental gereiften Pot Still Rums begleitet und die hier durchaus auch sehr schön und eindrucksvoll von der enormen Reife dieses Rums zeugt, ohne, dass es dazu einen ganzen Stapel Holz bedarf. Dazu kommen Stroh, eine leicht feuchte, grasige Note und tolle Mango und Papaya! Die Tannine dagegen sind zwar auch da, halten sich aber verhältnismäßig zurück und ermöglichen auf diese Weise noch einmal ein Rockley-Erlebnis, wie ich es schon seit Jahren nicht mehr für möglich gehalten hatte! Outstanding!

Abgang: das Finale ist dann letztlich auch genauso grandios wie der gesamte Rum bisher! Es verbleiben merkliche Süße und Honig, sogar etwas Mango und einige Tannine am Gaumen. Die Süße schlägt dann um ins trockene und sogar leicht bittere. Aber für 34 Jahre ist das noch fast jugendlich! Dem Silver Seal ist sein enormes Alter da schon deutlicher anzumerken. Ganz großes Kino! 

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Fazit:
 schon lange vor Erscheinen des Rums war natürlich klar, dass es um diese Abfüllung ein Hauen und Stechen geben wird, denn der Rum ist mit seinen 162 Flaschen einfach verdammt rar und RA ist inzwischen in einer Weise gefragt, wie ich es mir vor einem Jahr noch kaum hätte vorstellen können. Dazu kommt er mit einer UVP von ca. 330,- Euro auf 0,5 Liter auch noch eine ganze Ecke günstiger daher als der Silver Seal mit seinen ca. 600,- Euro auf 0,7 Liter im Sommer. Inzwischen liegt dieser allerdings auch schon bei 900,- bis 1000,- Euro und dementsprechend ist klar, warum es einen solchen Run auf diesen Rum geben wird. Jeder weiß, dass ein solcher Rum in dieser Qualität eher nicht noch einmal wiederkommt und wenn, dann vermutlich kaum zu diesen Preisen. Sollte die Jagd am Ende also nicht von Erfolg gekrönt sein, so kann ich zwar die Enttäuschung am Ende verstehen, aber ich denke, angesichts der Rahmenbedingungen sollte auch klar sein, dass das oft nicht zu vermeiden ist. Und seien wir mal ehrlich, letztlich macht meines Erachtens doch aber gerade dieser Part wiederum auch einen Teil des Reizes solcher Flaschen aus. Zwei Seiten einer Medaille. 

Doch kommen wir endlich zum Rum: der König ist tot, es lebe der König! Das erste Mal seit 2012 führt mich definitiv kein Weg daran vorbei einen neuen König des Rockley-Styles auszurufen und es freut mich natürlich sehr, dass diese Ehre ausgerechnet einem RA zuteil wird und damit einem der sympatischsten Bottler-Label, das derzeit am Markt agiert! Einfach nur Extra-Klasse, was dieser Rum bietet und ich kann und möchte mich an dieser Stelle dann im Grunde auch einfach nur noch bei dir, Dominik, und deinem Team dafür bedanken, dass ihr das möglich gemacht und dieses in jeder Hinsicht außergewöhnliche Fass nach Deutschland gebracht habt! Dieser Rockley macht schlicht und ergreifend alles richtig und vereint sämtliche positiven Eigenschaften der bisherigen Referenzen. Der 18 YO Rendsburger hatte ein richtig geiles Profil, kam in Fassstärke daher, war aber alles andere als entspannt! Der Duncan Taylor hatte eine tolle Balance, hatte mehr als die damals üblichen 46% vol., aber es fehlte ihm minimal an Süße und letzten Endes hat ihm die Verdünnung auch nicht gut getan. Der Silver Seal wiederum kam zwar ohne Verdünnung aus und hatte ein recht komplettes Profil, aber die Tannine haben da auch schon ganz schön reingeschlagen. Ihm fehlte so ein wenig das Rockley der alten Tage. Der RA hingegen zieht überall das beste raus und gönnt sich keines der kleinen Makel der anderen Rums, so dass da am Ende natürlich eine Wertung herauskommt, die -zurecht- sehr nahe an der Topwertung ist:

-97/100-

Darüber hinaus musste ich nach dem heutigen Crosstasting auch das Verhältnis zwischen dem Duncan Taylor und dem Silver Seal noch einmal korrigieren und neu bewerten und habe mich dazu entschlossen, den Duncan Taylor leicht abzuwerten, auf dann 93 Punkte. Der Silver Seal verbleibt bei sehr starken 95 Punkten. 


Bis demnächst
Flo





Sonntag, 24. Januar 2021

RA Belize Rum 13 YO Travellers 2007

Liebe Rum Gemeinde,

es geht schon wieder los, die nächste RA-Welle rollt auf uns zu und sie bringt heute eine Abfüllung aus Belize für uns mit, auf die ich mich schon sehr gefreut habe. Denn sie versöhnt mich doch ein wenig und zumindest mal für den Augenblick ein ganzes Stück weit mit dem spanischen Rumstil! Wie das funktionieren soll... Wir werden sehen!



Doch der Reihe nach. Zunächst einmal: nein, das neue Jahr 2021 gönnt uns definitiv keine Verschnaufpause, so viel steht bereits fest! Hätte man meinen können, dass es Dominik Marwede nach dem unglaublichen Jahr 2020 jetzt vielleicht erstmal etwas ruhiger um RA werden lässt, so schob der sympathische Bottler aus Bad Bevensen derlei Gedanken bereits selbst einen Riegel vor. Denn schon seit einiger Zeit ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die RA Linie direkt zu Beginn des neuen Jahres um gleich drei weitere Abfüllung erweitert wird: einen Guyana VSG 2004, einen Barbados Rockley 1986 und einen Belize 2007. Vor allem der Rockley ist natürlich ein absoluter Kracher und brachte direkt viele Augen zum Leuchten und Herzen dazu höher zu schlagen, doch Geduld, heute wird es erstmal um den Belize gehen. 

Belize? Spanischer Stil? Auf Barrel Aged Thoughts? Klar, da gab es da vor Christi Geburt irgendwann einmal eine Review von Leo zum TRC Belize 2005, wer erinnert sich nicht, aber in neuerer Zeit? Nein, in der Tat, Belize entspricht tatsächlich nicht gerade meinem Beuteschema, da lässt sich auch nichts relativieren! Okay, einer der Cadenhead damals war ganz gut und auch einige der Compagnie Des Indes waren echt okay, aber wirklich abgeholt hatte mich das nicht. Und auch dieser Belize hätte mich vermutlich -trotz RA-Label- eher nicht gepackt, doch wie es der Zufall manchmal so will, als ich ihn vor ein paar Wochen das erste Mal im Glas hatte und ihn probierte war ich direkt ziemlich angetan und mir war klar: diesen Belize werde ich wohl auf BAT bringen müssen. Warum? Weil ich Elemente in ihm fand, die ich bei einem Belize Rum eher nicht erwarten würde und mich diese schon ziemlich abgeholt haben. Doch ich möchte nicht zu viel verraten. 

Apropos verraten: ein wenig über Travellers und Belize hat Leo euch damals ja bereits näher gebracht, aber das ist lange her und ich möchte die Erinnerung gerne auffrischen. Das schrieb Leo am 1. September 2013 auf BAT : 

                             "
                                                                                                                                                            "

Was man ergänzend heute vielleicht noch sagen kann ist, dass, anders als seinerzeit in 2013, als der TRC-Travellers noch ein absoluter Exot war, inzwischen wirklich sehr viele Rums aus Belize erschienen sind und diese auch aus den verschiedensten Jahrgängen stammen. Der Rum von RA reifte sieben Jahre in tropischem Klima und kam dann nach Europa, was wiederum den Schluss nahe legt, dass einerseits Travellers seine Rums in größerem Stil selbst zu lagern scheint und andererseits, dass diese in einem größeren Schwung gemeinsam ab der Zeit um 2013 ca. nach Europa zu Main kamen. Warum Travellers plötzlich mit dem Verkauf von gereiften Qualitäten begann, wo man dies zuvor offensichtlich nicht getan hatte, ist unklar. Fest steht nur, dass sie es getan haben und damit die Portfolios vieler unabhängiger Abfüller in den letzten Jahren bereichert haben. 

RA wiederum bleiben sich auch in 2021 treu und haben einmal mehr das Design ihrer Labels minimal verändert, gemäß dem Motto: langsame Evolution statt Revolution. Der qualitative Sprung des Drucks ist dabei allerdings gewaltiger, als man es auf den ersten Blick vielleicht erfassen mag. So ist der Druck insgesamt nun wesentlich schärfer und das goldene RA Logo zeigt sich auf dem Label erhaben. Dazu gibt es bei Rums mit über 25 Jahren Reife sogar auch noch eine neue Box. Doch dazu zu gegebener Zeit mehr. Jetzt würde ich sagen, schauen wir uns dann erstmal den guten Tropfen aus Belize einmal genauer an!

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich eine Flasche dieses Rums zur Verkostung, sowie zu Fotozwecken gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des RA Belize Rum 13 YO Travellers 2007:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den Belize liegt bei 64,95€ / 0,5 Liter.

Alter: von Juni 2007 bis Januar 2021 durfte der Rum insgesamt 13 Jahre im Fass reifen. 

Lagerung: der Rum lagerte während der ersten sieben Jahre seiner Reifung in tropischem Klima und während der letzten sechs Jahre in Europa. 

Fassnummer: die interne Fassnummer lautet #118. Dieses Fass ergab noch 389 Flaschen a 0,5 Liter. 

Angel's Share: unbekannt. 

Alkoholstärke: High Proof - der Rum kommt leicht verdünnt daher und weist einen Alkoholgehalt von 58,9 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: der Rum wurde via Column Still gebrannt.

Mark: unbekannt

Farbe: schöne gold-braune Kastanie.  

Viskosität: der Rum bildet kleine Tropfen oben am Glasrand und verläuft dann in filigranen, relativ engen, parallel zueinander verlaufenden Schlieren am Glas herunter. 

Nase:
 ouh... in der Nase wartet dann auch direkt die erste große Überraschung! Das ist nicht das, was ich von den Belize-Bottlings früherer Jahre in Erinnerung behalten habe, das hier ist definitiv besser! Holy shit, was ist denn da passiert?! Selbst nach mehreren Ansätzen denke ich spontan immer wieder eher an einen tropisch gereiften Column Still Demerara aus z.B. Diamond oder Albion als an Belize. Aber fangen wir mal von vorne an. Alkoholische Schärfe ist natürlich ein Stück weit da, sie fällt aber für das verhältnismäßig junge Alter des Rums doch eher gering aus, zumal wir es ja mit einem Double Maturation Rum zu tun haben. Sieben Jahre in den Tropen sind da ein guter Grundstein, der durch sechs weitere in Europa nochmal ein wenig abgerundet wurde, aber der Rum ist eben nicht komplett tropisch gereift und das merkt man schon auch. Dennoch entsteht hier, gerade eben für das Alter, durchaus der Gesamteindruck eines schon sehr reifen Rums, der aber noch nicht komplett von seiner Reifung dominiert wird. Das Bouquet empfinde ich als nicht unbedingt besonders komplex, zugegeben, aber was mir dafür umso mehr gefällt ist die Intensität mit der der Belize um die Ecke kommt und da hat die tropische Reifung wiederum wunderbare Arbeit geleistet. Dazu ist das, was ich an Assoziationen habe auch sehr ansprechend. Diese hat Dominik in seinem Promo-Video zum Rum bereits sehr treffend zusammengefasst. Die Nase wird sehr dominiert von Kokosnuss, allerdings nicht von dieser künstlich-süßen Art von Kokosnuss wie man sie häufig bei Spirit Drinks findet, sondern von natürlichen Assoziationen. Damit einhergehend habe auch ich viel Leder und Trockenfrüchte. Dazu kommen leichte Lösungsmittel, Bourbon Vanille, Mangos, Papayas, Salzkaramell und Tannine. Und ja, letztere sind bereits überraschend deutlich ausgeprägt. Überhaupt ist der Holzeinfluss bei diesem Rum bemerkenswert. Und je länger der Rum im Glas verweilt, desto deutlicher werden tatsächlich auch die Demerara Anklänge - das ist ein absoluter Traum bis hierhin! Immer wieder führe ich das Glas zur Nase und ich nehme einen vollen Zug dieses Rums, der macht unglaublich viel Spaß!

Gaumen: der erste Eindruck am Gaumen hat für mich schon etwas leicht ernüchterndes, insofern, als dass der Belize hier dann doch seine eigentliche Herkunft nach außen kehrt und, viel deutlicher als das noch in der Nase der Fall war, offenbart, dass er am Ende des Tages doch ein Rum ist, der eher dem spanischen als dem britischen Stil zuzuordnen ist. Und doch, kann der Rum auch hier einiges. Na klar, wie schon in der Nase abzusehen war ist der Rum nicht zwingend komplex, das möchte er auch gar nicht sein, aber er ist leicht zugänglich und er ist lecker! Die Zugänglichkeit rührt nicht zuletzt sehr wahrscheinlich auch von der Verdünnung her, die in einem Rum resultiert, dessen alkoholische Schärfe diese Bezeichnung nicht wirklich verdient. Der Rum ist trotz der immerhin noch 58,9% vol. ungemein mild und auch größere Schlücke sind problemlos möglich. Tatsächlich fiel es mir bereits mit dem ersten Schluck aber auf, dass der Rum eine leichte Verdünnung erfahren hat. Das ist zwar einerseits schade, also für mich ganz persönlich zumindest, denn ich glaube, der hätte auch in der vollen Fassstärke funktioniert. Allerdings muss man dazu ergänzen, dass Connaisseure wie ich wohl eher nicht die Hauptzielgruppe dieser Abfüllung waren, sondern dieses Bottling möchte vor allem auch (fortgeschrittene) Einsteiger erreichen, die von einem wesentlich höheren Alkoholgehalt vielleicht noch teilweise verschreckt worden wären. Insofern ist die Entscheidung komplett nachvollziehbar. Dahinter habe ich dann eine leichte Süße zu Beginn, die aber wesentlich weniger ausgeprägt ist als bei vielen anderen Rums. Hier kommen dann schnell ebenfalls Kokosnuss, dieses mal auch die Bitterschokolade, sowie eine sehr dominante Tabaknote zum tragen. Dazu ein Hauch Haselnuss. Der Rum wird mit jeder Sekunde am Gaumen merklich trockener und bekommt einen starken Einschlag von trockenem Eichenholz. Teilweise erinnert mich das an Foursquare, wobei hier mehr los ist als bei den Barbadiern. 

Abgang: es verbleibt ungemein viel Tabak am Gaumen. Immer noch an Foursquare erinnernd und auch sehr spanisch anmutend nun. Es kommen merkwürdige Assoziationen zu einer Art süßlichen Holzsuppe auf, das ganze sehr trocken werdend und mit verhältnismäßig wenig Nachhall.

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Fazit:
 hier ein faires Fazit zu ziehen fällt mir schwerer als bei anderen Rums! Denn wenn ich mich rein darauf konzentriere, was ich als Fan der Schwergewichte aus Guyana, Trinidad oder Jamaica von diesem Rum, einem Belize (!), erwartet habe [Spoiler: war nicht so wahnsinnig viel😉], dann hat der Rum absolut überperformt und alles übertroffen was da vorher an Gedanken gewesen ist! Vor allem in der Nase, der für mich uneingeschränkt stärkste Part dieses Rums, hat einen der RA Belize wirklich für einen kurzen Moment von Demerara für schmales Geld träumen lassen. Und genau da bin ich dann aber auch in die Falle getappt, denn ich hätte mich natürlich gefreut, wenn dieser Eindruck auch am Gaumen noch etwas mehr Bestand gehabt hätte. Einzig: der Rum ist und bleibt ein Belize und ein Rum des spanischen Stils und einem Demerara nachzueifern ist tendenziell also gar nicht sein Anspruch. Kann ich dem Rum dementsprechend überhaupt vorwerfen, dass ihm das zu irgendeinem Zeitpunkt weniger gelingt als zu einem anderen? Nein, selbstverständlich nicht, nicht im Geringsten, überhaupt nicht! Und doch ist es ein bisschen wie früher in der Schule, wenn man vor einer Klausur mit einer 4 zufrieden gewesen wäre, während der Klausur dann gemerkt hat, dass vielleicht doch richtig was geht und am Ende unzufrieden mit einer 3+ war. Was ich also sagen möchte: RA ist es (mal wieder) gelungen, ein Fass eines Stils zu finden, dem man als festgefahrener Nerd erstmal vielleicht nicht viel zugetraut hätte, und das einen dann unerwartet positiv überrascht! Das war 2019 schon beim Australier und letztes Jahr auch beim Trinidad 2001 der Fall, und der Belize reiht sich in diese Riege munter ein! Die Nase lies mich von 90 Punkten + x träumen, der Gaumen und der Abgang haben ihn dann aber bei 86 Punkten gehalten. Wer jetzt aber vielleicht denkt, Moment mal, 86 Punkte, das ist bei dem Flo aber nicht so viel: lasst euch an dieser Stelle auf keinen Fall von meinen oft noch viel höheren Scores auf BAT blenden, denn die geben immer nur die Spitze dessen wieder, was ich überhaupt verkoste und vorstelle. Das Gros der Masse landet natürlich weit darunter, auch wenn das von außen nicht immer transparent einsehbar ist, und auch die meisten Belizes die ich bisher im Glas hatte kamen nicht in diese Regionen (wenngleich ich mir da nun auch einige andere, die ich noch nicht kenne, sicher mal noch genauer ansehen werde). 86 Punkte, das ist an dieser Stelle ein kleines Erdbeben, ich erinnere mich nicht daran, dass ich einem anderen Spanier jemals auch nur annähernd so viele Punkte gegeben habe! Der ebenfalls sehr schöne Antigua von Velier beispielsweise landete bei mir bei 82 Punkten... Und dementsprechend bleibt mir nur, diesen Rum vor allem Einsteigern zu empfehlen, die gerne von Spirit Drinks wegkommen möchten, aber auch fortgeschrittenen, die nicht immer den absoluten Oberhammer brauchen, der einen komplett aus den Latschen haut! Ihr wolltet einen Rum, den ihr ohne nachzudenken einfach mal auf den Tisch stellen könnt, egal wer gerade (18+😉) dran sitzt, einschließlich euch selbst? Da ist er! Viel Vergnügen damit!

-86/100-


Bis demnächst
Flo



Sonntag, 1. November 2020

Mai Tai mit RA Jamaica Rum JNY 2009 2nd Edition

Liebe Rum Gemeinde,

da viele von euch den neuen Jamaica Rum JNY 2009 2nd Edition von RA ja bereits schon probieren konnten, möchte nun auch ich meinen Senf noch dazu geben ;-) Genauer gesagt möchte ich das im Mai Tai tun, denn das wird für mich das Haupt-Anwendungsgebiet des Rums sein. 



Als Dominik Marwede mir vor einiger Zeit steckte, dass zum Jahresabschluss nochmal ein New Yarmouth 2009 kommen würde, da war ich überrascht und verzückt zugleich. Denn das Single Cask im Frühjahr war meines Erachtens ein echter Hammer und dementsprechend freute ich mich na klar auch auf die neue Version. Nun muss ich anmerken, genau wie ich das auch schon im Review zum Single Cask im März dargelegt hatte, dass es mich zu solchen Ester-Bomben immer weniger hinzieht was den puren Genuss anbelangt. Klar, das ist geil und das haut einen auch immer wieder aus den Latschen, wenn man da etwas neues in die Richtung probiert und mich fasziniert das jedes Mal wieder, aber dass die Rums danach noch häufig oder gar regelmäßig pur ihren Weg in mein Glas finden... das kann ich selten bestätigen. Im Mai Tai hingegen, meinem Lieblingsdrink, sind solche Rums für mich noch immer ungeschlagen! Hier fand schon das Single Cask seine Haupt-Anwendung und so wird es auch dem Second Edition ergehen. Als ich also meine Bestellung aufgab, war das Einsatzgebiet des Rums vorbestimmt! Und ja, tatsächlich stammt der Rum heute aus meiner privaten Bestellung und nicht aus einem Gratis-Sample von Dominik. Nicht, weil ich ihn nicht haben oder er ihn mir nicht geben wollte, sondern einfach, weil wir zuletzt viel über anderes sprachen und den NYE da glaube ich so ein wenig vergessen haben :D Aber nun findet er eben auf diesem Wege auf den Blog! :-) Da ich euch das Single Cask pur vorgestellt habe aber leider nie den Mai Tai dazu nachgeliefert habe dachte ich, dass mir das dieses Mal nicht passiert und reiche euch einfach gleich direkt den Mai Tai rein. 


Zum puren Genuss kann ich allerdings anmerken, dass er mir sehr gut, aber nicht ganz so gut gefiel wie das Single Cask. Sah ich ersteren noch bei 90 Punkten, würde ich die 2nd Edition eher bei 87-88 Punkten einordnen. Für den gebotenen Preis ist hingegen auch das noch immer ein Wahnsinn, lag eine Flasche doch gerade mal bei ca. 45,- Euro. Zweifelsohne ein ebenso geiler Rum und insgesamt verdammt nah dran, allerdings war mir hier der Fasseinfluss schon fast ein wenig zu doll. Da ist doch schon ein wenig mehr passiert als beim Single Cask, den ich in seiner Gesamterscheinung da einfach noch als ein wenig mehr auf den Punkt gebracht empfand. Wobei ich dazu sagen muss, dass mir das erst im unmittelbaren Vergleich auffiel. Ich habe ihn zuerst solo verkostet und dabei fiel es mir beim ersten Mal nicht wirklich auf. Im Mai Tai sollte man davon also dementsprechend wenig bis gar nichts merken und daher schauen wir uns eben auch den nun genauer an! 


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 5,5 cl RA Jamaica Rum 10 YO New Yarmouth 2009 2nd Edition
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,1 cl Limettensaft (frisch gepresst!)



Mai Tai mit RA Jamaica Rum 10 YO New Yarmouth 2009 2nd Edition:

Farblich haben wir einen archetypischen Mai Tai mit kontinental gereiftem Jamaica Rum vor uns, so wie man ihn kennt. Sehr hell und farblich nur vom Curacao und vom dunklen Zuckersirup leicht angefärbt. Da ich mit genau solchen Rums im Mai Tai "sozialisiert" wurde, ist das für mich farblich tatsächlich auch mehr klassischer Mai Tai als solche, die mit dunkleren Rums gemixt werden.

Ui, schon beim ersten Schluck wird klar, dass es heute seeehr lecker wird! Richtig, richtig geil! Fruchtig, esterig, dabei aber auch mit deutlichem Fasseinfluss der hier sehr gut und passend dazu kommt, potent, explosiv und ohne, dass einen der Alkohol erschlägt! Einmal mehr zeigt sich, dass weniger bei solchen Rums mit derart hohem Alkoholgehalt dann im Drink auch oft mehr ist. Da ist dann einfach die Balance noch stimmiger. Klar, das geht auch mit 6 cl, habe ich ja auch lange genug selbst so gemixt und das ist dann eben noch extremer, aber mir gefällt es in dieser Form doch noch besser. Und der New Yarmouth, das muss ich mal so festhalten, steht mindestens in diesem Drink einem Hampden in nichts nach! Würde man mir diesen Mai Tai blind reichen, ich würde hier auch definitiv einen Hampden im Drink wähnen, keine Frage! Wobei ein klarer Unterschied dann doch in einem Punkt auffällt und äußerst positiv ins Gewicht fällt: die weiteren Zutaten aus Curacao, Orgeat, Zucker und Limettensaft kommen hervorragend zur Geltung, ohne, dass der Rum dabei auch nur irgendwie ins zweite Glied verbannt wird. Klar, das kann Hampden auch, allerdings nur selten so rund und balanciert. Sich zurück zu nehmen, ohne dabei an Dominanz einzubüßen ist nicht Hampdens Sache. Aber New Yarmouth hat hier eben dieses kleine bisschen weniger Omnipräsenz, was im Mai Tai dann sehr vorteilhaft ist. Alles wirkt wie aus einem Guss. Und schließlich: mag mir der Rum auch pur nicht ganz so gut gefallen haben wie das Single Cask, so bekommt er das im Mai Tai wirklich vollkommen verborgen. Hier spielt das keine Rolle! Der Mai Tai ist einfach nur mega! Total süffig, komplett entspannt! Vollgas!

Fazit: 

Große Klasse! Ein in jeder Hinsicht gelungener Drink mit einem starken Rum als Kopf dieses bereits seit Jahren vertrauten Ensembles an Zutaten, die einmal mehr eine überaus stimmige Komposition darbringen. Seit 2015 (damals waren es die The Rum Cask 1998 Bottlings) waren die beiden 2009er New Yarmouths die ersten Jamaica Rums auf diesem Niveau für um die (bzw. unter) 50,- Euro die einen derart hochklassigen Mai Tai ins Glas zaubern! Wer hätte gedacht, dass sowas fünf Jahre später noch einmal denkbar wäre. Insofern: ein wirklich großartiger Mai Tai mit einem einem tollen Rum für unglaublich schmales Geld! Mit gerade einmal ca. 45,- Euro zählen die beiden New Yarmouth 2009 Releases von RA definitiv zu den Preis-Leistungs-Knallern in 2020, so wie auch so viele andere RA Releases. Da haben Dominik und sein ebenso sympathisches Team wirklich Maßstäbe gesetzt in diesem Jahr und die Messlatte für das kommende Jahr verdammt hoch gelegt! Insofern: was für ein schöner und gelungener Ausklang dieses in jeder Hinsicht so besonderen Jahres 2020! Fast schon konsequent mutet es da nur an, dass auch dieser Rum, trotz der für RA Verhältnisse schon enorm hohen Auflage, bereits direkt mit Release mehr oder weniger ausverkauft war und es teilweise sogar bis nach Kanada geschafft hat. Irre! Daher noch einmal: vielen lieben Dank an euch alle dort in Bad Bevensen und meine Hochachtung für eure Arbeit! Es macht so wahnsinnig viel Spaß das zu verfolgen und zum Teil ja auch begleiten zu dürfen! Vielen, vielen Dank! 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 13. September 2020

RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001

Liebe Rum Gemeinde,

der Rum um den es heute geht, ist vermutlich einer der meist diskutierten der letzten Tage und die ganze Geschichte darum herum für mich bereits jetzt eine der Storys des Jahres. Schließlich lag doch für einen winzigen Moment die ganz große Sensation in der Luft!



Doch von vorne: als Dominik im März 2020 ein Fass 19 YO Trinidad Distillers Limited (T.D.L.) Trinidad Rum 2001 für Rum Artesanal erwirbt ahnt er noch nicht, dass ausgerechnet dieses Fass einige Monate später zum Gesprächsthema der Rumnerd-Szene werden wird. Denn T.D.L., das gilt unter uns Freaks als das im besten Falle langweilige und im schlimmsten Fall gepanschte Trinidad. Ganz anders als Caroni, das nicht wenige als den Heiligen Gral des Rums sehen - dreckig, intensiv, aromatisch, geil! Unterschiedlicher könnten zwei Destillerien einer Insel also kaum wahrgenommen werden. Als Dominik also dieses Fass T.D.L. an Land zieht, ist das nicht primär für die Zielgruppe bestimmt, die sich sonst um die Hampdens, New Yarmouths und Enmores dieses Bottlers streitet, sondern eher für jene, die sonst bei Venezuela oder Nicaragua zuschlägt. Und genau das führte dazu, dass, obwohl Dominik von Beginn an um die Qualität des Fasses weiß, dieses zunächst komplett unter dem Radar läuft, auch bei mir, obwohl ich schon sehr frühzeitig ein Sample hatte. Dieser Rum war eigentlich für die weniger Hardcore Drinker gedacht, als Top Qualität zu ganz schmalem Preis die ob der geringeren Popularität T.D.L.s wegen auch längere Zeit am Markt verfügbar ist.




Doch "leider" hat Dominik die Rechnung ohne den Autor Steffen Mayer gemacht, der den Rum durch Zufall probierte und feststellte, dass es einige schon zu starke Parallelen zu Caroni gab, als dass der Rum es irgendwie hätte schaffen können, niemals auch nur in dessen Nähe rücken zu können. Und in der Tat, nachdem Steffen mich auf meinem Heimweg von der Arbeit anrief und vollkommen aufgeregt berichtete was er da wahrnimmt, goss auch ich mir den Rum direkt zuhause ein, den Steffen noch immer am Telefon, und probierte selbst. Und ja, auch ich habe unter diesen Eindrücken (Steffen war inzwischen kurz vor einem Herzinfarkt😅 und auf Facebook bildeten sich ungeahnte Eigendynamiken nach dessen Post) den Rum im ersten Moment eindeutig bei Caroni gesehen. Schon irgendwie speziell und vielleicht nicht ganz typisch, aber da waren all diese Parallelen und dazu ein sehr klares Bild von T.D.L. im Kopf, das mit dem Rum vor mir im Glas so überhaupt gar nichts zu tun hatte. Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass T.D.L. in der Lage war einen Rum auf diesem Niveau und mit solch einem Profil herzustellen! Und so war auch ich mir für den Moment sicher, dass Dominik hier ungeahnt einen Hidden Caroni gefunden hatte, denn es ist ja bekannt, dass auch T.D.L. alte Stocks von Caroni damals gekauft hat und eine derart lange Lagerung der eigenen Rums direkt vor Ort ist für sie auch eher untypisch.



17 Jahre tropische Reifung, dazu das Wissen, dass es grundsätzlich sein könnte, ein ganz neuer Jahrgang, der unfassbare Preis von 65,- Euro... Die Story war derart traumhaft, dass ich für meinen Teil vielleicht auch ein bisschen zu sehr daran glauben wollte, als dass mein Blick in diesem Moment noch zu 100% analytisch und objektiv gewesen wäre. Emotion und Begeisterung sind das was Rum für mich ausmacht und mir ist das auch oft wichtiger als totale Objektivität (die es eh nicht gibt), aber in diesem Fall war das ein klarer Fehler meinerseits! Dazu kam, dass ich meine 2 cl relativ schnell und eben während des besagten Telefonats trank, so dass der Rum im Glas wenig Zeit zum Atmen hatte. Doch genau die hätte er gebraucht, denn nach etwas Standzeit geht der ganze Spaß dann schon merklich von Caroni weg. Insofern habe auch ich mich da schlicht geirrt in der Frage ob es sich bei dem Rum um einen Caroni handelt. Doch fast wichtiger: habe ich mich auch in meiner Erst-Einschätzung geirrt, dass das ein verdammt guter Rum ist? Wir werden sehen!

Doch zunächst möchte ich mich noch kurz für das Sample und die zu Foto- und Verkostungszwecken kostenlos erhaltene Flasche bei Dominik und RA bedanken, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.

17 YO tropical aged TDL mit 56,5% vol.  vs. 17 YO tropical aged Caroni mit 55% vol. : deutliche Unterschiede!

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Verkostung des RA Trinidad Rum 19 YO T.D.L. 2001:

Preis: mit einem Ausgabepreis von 64,90 Euro auf 0,5 Liter war der Rum -mit Blick auf dessen Eckdaten- angenehm und außergewöhnlich günstig.

Alter: insgesamt reifte der Rum von Februar 2001 bis Juli 2020 im Eichenfass und ist damit 19 Jahre alt.

Lagerung: der Rum reifte von Februar 2001 bis ins Jahr 2018 tropisch auf Trinidad, bevor er nach England kam, wo er nochmals zwei Jahre bis März 2020 in kontinentalem Klima lag. Seit März lag er dann im Warehouse von RA.

Fassnummern: #134 (interne Zählung bei RA) ergab 389 Flaschen a 0,5 Liter.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: mit einem Alkoholgehalt von 56,5% vol. kommt dieser Rum in High Proof daher. Die Fassstärke lag bei über 66% vol. 

Destillationsverfahren: Column Still

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles Mahagoni.

Viskosität: eng und parallel zueinander verlaufende Schlieren fließen recht zügig die Glaswand hinab.

Nase: ja, und da sind die Assoziationen zu Caroni dann auch direkt! Trotz dessen, dass ich den Rum nun schon ein paar mal im Glas hatte und darum weiß, dass das hier kein Caroni ist und ich nun ja auch keinen mehr erwarte, bin ich doch jedes Mal wieder überrascht, wie deutlich die Parallelen zu Beginn zum Teil sind. Die Nase ist auch direkt sehr zugänglich, den Alkoholgehalt von 56,5% vol. merkt man kaum. So kann das doch sehr intensive und tiefe Bouquet ungestört erkundet werden und das lohnt sich auch! Da sind durchaus Teer und verbranntes Gummi vorhanden, aber auch eine Fruchtigkeit von Beeren und Kirschen, die ihn z.B. von Caronis auch unterscheidet. Die für Caroni wiederum typischen Lösungsmittel fehlen größtenteils. Darüber hinaus: MINZE! - und zwar satt, als würde ich in einem Garten voller Minze stehen, an allen Blättern gleichzeitig reiben und tief einatmen! Dahinter finde ich auch noch etwas Anis und auch ordentlich Tannine vom Fass. Nach etwa einer Dreiviertel Stunde erlebt der Rum seinen ersten größeren Wandel durch. Die Assoziationen zu Caroni werden merklich kleiner, was bleibt sind so leichte Dünste giftiger Substanzen. Dafür wird die Minze aber immer krasser und ich fühle mich plötzlich sogar auch leicht an Gardel erinnert und weiß gar nicht so richtig, warum eigentlich. Vielleicht wegen der peripher immer wieder ganz subtil durchdringenden Cola-Note. Auf jeden Fall ist die Entwicklung im Glas wirklich phänomenal und die hier dargebotene Komplexität beeindruckend! Nach ca. zwei Stunden werden dann die Parallelen zu Caroni wieder deutlicher, so dass ich hier wirklich sehr starke Verwechslungsgefahr sehe. Einzig der EU Caroni 2000 daneben verrät, dass das hier nochmal was anderes ist. Hervorragender Rum!

Gaumen: ein sehr vollmundiger, warmer und geschmacksintensiver Rum! Die Smoothness aus der Nase setzt sich auch am Gaumen unvermittelt fort, der Alkohol ist also extrem gut eingebunden. Größere Schlücke hauen allerdings auch schon ganz schön rein, so dass insgesamt etwas Vorsicht geboten ist. Mir gefielen kleinere Schlücke hier definitiv besser! Wie schon in der Nase, so bestehen auch am Gaumen klare Assoziationen zu Caroni, allerdings eher gleich zu Beginn und diese fallen auch nicht so deutlich aus wie in der Nase. Für diesen kurzen Moment allerdings, wenn dieses Caroni-Feeling eben aufblitzt, könnte man ihn tatsächlich fast mit einem verwechseln. Doch das hält wirklich nur ganz kurz an, dann nämlich geht das auch schon ein ganzes Stück weit mehr von einem Caroni weg als in der Nase. Ich habe da vor allem einiges an Salzkaramell und Anis und nach kurzer Verweildauer im Mund vor allem wieder... den ganze Mund ist voller Minze! Unbeschreiblich, ich habe noch nie derart viel Minze in einem Rum gefunden wie bei diesem hier! Mojito Premix? Es ist, als würde man einem einen ganzen Minze-Busch auf einmal wie einen Knebel in den Mund stopfen! Dazu habe ich Waldbeeren, Tee und Tannine. Hier macht sich die tropische Reifung bemerkbar, denn da entstehen nun auch zu anderen Rums wie den Demeraras klare Parallelen. Keine, die zu Verwechselungen einladen, aber man erkennt übergreifende Verwandtschaften.

Abgang: Minze und Anis bilden mit den Tanninen zusammen den Abgesang dieser tropisch gereiften Überraschung aus Trinidad! Dann wird er immer bitterer! Der Rum hält lange an, auch nach Stunden bemerke ich ihn noch. Nichts für Tage, an denen danach noch wichtige Termine anstehen.

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Fazit: auch wenn es nach diesem Jahr schon fast droht sich abzunutzen, aber was für ein glückliches Händchen der Dominik bei seiner Fassauswahl hat kann ich kaum oft genug betonen! Sehr, sehr geil! Die Ähnlichkeiten und Parallelen zu unser aller Lieblings-Lost Distillery sind ganz eindeutig vorhanden, die klaren Unterschiede sind es aber ebenso, so dass letztlich ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen Caroni handelt. Nicht ausschießen kann ich hingegen, dass der Rum entweder einmal in ein frisch entleertes Caroni Fass umgefüllt wurde (diese Praxis wird in der Karibik stets so gehandhabt, um noch stärkeren Angel's Share als ohnehin schon zu vermeiden) oder dass zu irgendeinem Zeitpunkt eine gewisse Menge an Caroni mit ins Fass kam, was ich T.D.L. durchaus zutraue. Doch mag ich mich in Bezug auf Caroni auch zunächst geirrt haben, der Rum als solcher mit all seinen Eigenheiten ist absolute Spitze und steht Caroni, rein qualitativ, in nichts nach! Vor allem aber: hätte man mir vor wenigen Wochen gesagt, dass es auch in 2020 noch möglich ist 17 Jahre tropisch gereifte Heavy Rums zu kaufen, die für 65,- Euro / 0,5 Liter angeboten werden können, hätte ich das für vollkommen unmöglich gehalten! Immerhin bekommen wir seit Jahren schon zu hören, dass ob der enormen Verdunstungsrate in den Tropen gewisse Preise schlicht nicht mehr machbar seien. Nun, dieses Fass beweist uns ein Stück weit das Gegenteil und zeigt auf, dass gerade die Destillen selbst hier grundsätzlich in der Lage sind, fantastischen Stoff zu gutem Kurs zu bringen. Ausnehmen möchte ich hier ein Stück weit die preisliche Entwicklung der Caroni bei Velier, denn hier haben wir es mit endlichem Stoff zu tun, einer ursprünglichen Menge X, die eben durch Verdunstung immer kleiner wird. Oder, um es mit einer sehr (sehr, sehr, seeeehr!) vereinfachten und fiktiven Rechnung aufzuzeigen: Luca hat 100 Liter für 1.000,- Euro gekauft. Verdunsten 80% davon, müssen also die nur 20 verbliebenen Liter die 1.000,- Euro wieder reinholen. Logisch, dass die dann teurer werden, als wenn dafür noch die kompletten 100 Liter zur Verfügung ständen. Kontinuierlich nachproduzierende Destillerien sind da dementsprechend im Vorteil und können den Rum deutlich günstiger anbieten.

Hier sehe ich für die Zukunft also deutliches Potenzial und denke, dass man auch eine Destillerie wie T.D.L./Angostura grundsätzlich etwas mehr auf dem Schirm haben kann. Allerdings ist es wie so oft, dass dort wo Licht ist, immer auch ein Schatten fällt. Und im Falle von T.D.L. ist dieser Schatten leider beträchtlich. Noch vor einigen Jahren kam heraus, dass T.D.L. Bulk aus anderen Ländern kauft und sie dann unter eigenem Label als Trinidad Rums verkaufen, bzw. das in ihren Rums verblenden. Der grundsätzliche Stil und die Original Bottlings der Destillerie sind weit weg von dem, was ich abfeiern würde und stehen nicht für Qualität. Insofern sehe ich in diesem RA Bottling noch eher eine rühmliche Ausnahme, als dass ich T.D.L. nun grundsätzlich mit anderen Augen sehen würde. Gleichwohl möchte ich nicht unterschlagen, dass man ähnliches vermutlich auch bis zur Schließung und zur Entdeckung der alten Stocks noch über Caroni gesagt hätte, wenn es damals schon mehr Nerds im heutigen Sinne gegeben hätte. Denn auch das was Caroni zu aktiven Zeiten veröffentlicht hat ist nicht zu vergleichen mit dem, was wir heute damit verbinden. Insofern ist für mich also die Frage, was T.D.L. in der Theorie kann und da gibt das RA Bottling dann doch schon leicht Grund zur Hoffnung, denn da scheint eine ganze Menge möglich zu sein. Was offenbar fehlt, ist eine Motivation für T.D.L. umzudenken... Luca, subentra! :-)

-92/100-


Bis demnächst,
Flo


Donnerstag, 3. September 2020

RA Burke's Single Blended Jamaica & Reunion Rum

Liebe Rum Gemeinde,

dürfte oder müsste ich einen, bzw. DEN unabhängigen Abfüller des bisherigen Jahres bestimmen, so wäre es wohl zweifellos RA! Was Dominik und die Heinz Eggert GmbH in 2020 auf die Beine gestellt haben ist immer wieder aufs neue unglaublich und es ist mir eine große Freunde euch mitteilen zu können: das geht so weiter!



Und weiter geht es heute tatsächlich zunächst einmal mit einem Rum, dessen Name nicht neu ist, im Gegenteil: mit dem Burke's Rum hat Dominik nicht weniger als einen Klassiker des Unternehmens neu aufgelegt und diesem frisches Leben eingehaucht. Das gilt sowohl inhaltlich, als auch für das Flaschendesign, das statt an Rum aus den 1950's zu erinnern nun schon fast als szenig durchgehen kann. Oder um es kurz zu sagen: Relaunch gelungen!




















Wer von euch den alten Burke's einmal im Glas hatte der weiß, dass das historische Produkt ein reiner Jamaica Rum war. Aus welchen Rums genau er bestand ist heute nicht mehr ganz klar, allerdings deutete vieles auf Hampden oder Long Pond hin. Das passt auch geschmacklich. Ein ungelagerter Rum mit richtig Power und erbarmungslosen 75% vol. Alkoholgehalt! Ein Brett! Das ist jetzt schon ein paar Jahre her, allerdings haben es Reste dieser damaligen Produktion teilweise bis in die Neuzeit geschafft, weswegen um das Produkt eine Art Mini-Hype ausbrach, abseits der großen Bühne. Ein Hype im Kleinen, unter Nerds. Grund genug für Dominik Marwede, bereits seit Jahren am Puls der Zeit fühlend, hier tätig zu werden. Der Burke's 2020 hatte das Ziel, weiter der Tradition der alten Burke's verpflichtet zu bleiben, aber gleichzeitig als zeitgemäßer Rum mit entsprechender Mixability daher zu kommen. Das, so viel sei verraten, ist absolut gelungen! Zum einen, weil der Rum mit 61% vol. nun sehr viel zugänglicher und wohlwollender ist. Den Unterschied merkt man deutlich, auch in den Drinks. Zum anderen aber kommt mit dem La Reunion Part noch eine gewisse Beerigkeit mit hinein, die der reine Jamaica-Burke's vorher nicht hatte. Darüber hinaus ist diese Kombination auch eine kleine Premiere, denn einen Jamaica und La Reunion Blend gab es in dieser Form noch nicht. Apropos, ich habe mit Dominik natürlich auch intensiver über den Burke's gesprochen und dieser Punkt der Eigenständigkeit war ihm sehr wichtig. Der neue Burke's sollte unter keinen Umständen als Pendant zu etwas bereits am Markt erhältlichen sein. Und so ist der nächste Verwandte, trotz aller Veränderungen und Umstellungen, also noch immer der direkte, gleichnamige Vorgänger. So pflegt man Tradition, ohne auf der Stelle zu verweilen. Well done! Lobend erwähnen möchte ich darüber hinaus die sehr detaillierten Angaben zum Blend auf dem Backlabel! So stelle ich mir eine Standard-Rum-Abfüllung (auch, wenn er das mit nur 2.000 produzierten Flaschen streng genommen nicht ist) im Jahr 2020 vor! Da auf dem Backlabel darüber hinaus auch direkt ein paar Rezept-Ideen präsentiert wurden, probiere ich davon doch glatt mal was aus!

Bedanken möchte ich mich allerdings zuvor noch für die zu Foto- und Verkostungszwecken erhaltene Flasche, dies sei auch zum Zwecke der Transparenz an dieser Stelle gerne erwähnt. Auf meine sensorische Wahrnehmung hat dieser Prozess selbstverständlich wie immer keinerlei Auswirkungen.

Burke's - alt & neu
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Daiquiri:

  • 6,0 cl RA Burke's Single Blended Jamaica & Reunion Rum
  • 3,1 cl Limettensaft (frisch gepresst!)
  • 1,5 cl J.M. Zuckersirup

  • Im Shaker geschüttelt, in eine vorgefrostete Coupette doppelt abseihen.


Der Daiquiri ist wohl zweifellos und vollkommen unumstritten DER Klassiker für einen weißen, bzw. klaren/ungelagerten Rum! Er ist das, was der Mai Tai für einen gereiften Jamaica Rum ist. Der Signature Drink! Will ich wissen was ein klarer Rum taugt, probiere ich ihn im Daiquiri aus! Und das sage ich, obwohl der Daiquiri grundsätzlich nicht unbedingt zu meinen Lieblingsdrinks zählt.

Mit dem Burkes's bekomme ich erwartungsgemäß einen sehr kräftigen, potenten und durchaus auch anstrengenden Daiquiri, der den Rum natürlich perfekt in Szene setzt und die komplette Burke's-DNA aufweist! Hier ist nichts überflüssiges, ablenkendes, spielendes und nichts wird kaschiert. Einfach nur Rum mit etwas Limette und Zucker. Klassisch-puristisch, mit all der Hemingway Folklore und in großartiger Qualität! Aber, ich erwähnte es, darauf muss man durchaus auch Bock haben. Ich habe es bei Drinks mit ungelagerten Spirituosen tatsächlich immer lieber etwas süffiger, weswegen ich zu Long Drinks mit Fillern tendiere, aber um einen Rum wie den Burke's zu bewerten kommt man um den Daiquiri eben nicht herum!



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Mojito:

  • 5,5 cl RA Burke's Single Blended Jamaica & Reunion Rum
  • 3,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)
  • 1,5 cl J.M. Zuckersirup

  • Im Shaker mit ca. 8-10 Blättern Minze (vorher anklatschen!) geschüttelt, ins vorgefrostete Longdrink Glas geben und mit etwas Soda Wasser auffüllen. Anschließend mit frischen, angeklatschten Minzeblättern garnieren. 


Direkt der nächste absolute Klassiker mit ungelagertem Rum, der dem Daiquiri in puncto Kultstatus in nichts nachsteht! Und ich sagte es ja bereits, die Longdrinks sind für mich viel eher das was ich mir mit weißem Rum auch zwischendurch mal selbst zuhause zubereite und weswegen auf diesem hier und auch den beiden weiteren die noch folgen natürlich mein besonderes Augenmerk liegt! 

Im Glas erscheint der Mojito mit Burke's nahezu klar, lediglich durch Limette und Minze kommt ein leichter Grünstich hinein, den das Soda Wasser aber auch schnell wieder kaschiert. Geschmacklich merkt man dem Mojito dessen Potenz direkt an. Man sollte jungen, kantigen und geschmacksintensiven Rum schon mögen, wenn es diese Mojito Variante sein soll. Dass er ursprünglich und für gewöhnlich eher mit leichteren und auch alkoholärmeren Rums zubereitet wird hat mich allerdings nicht davon abgehalten es trotzdem zu tun und ich fühle mich darin gerade durchaus bestätigt. Das hier ist etwas vollkommen anderes als die Geschichte mit leichten, ungelagerten Rums des spanischen Stils und mir persönlich gefällt der Mojito mit einem so deutlichen Mehr an Charakter sehr viel besser! Der Alkohol haut anfangs zwar ganz schön rein, allerdings korrigieren Schmelz- und Sodawasser dann auch ziemlich schnell einiges, so dass das ganze ziemlich bald auch recht süffig wird. Wenn man nicht aufpasst, tatsächlich auch zu süffig, so dass man mit der Menge Rum am Anfang vielleicht ein wenig spielen muss. Für mich waren am Ende 5,5 bis 6 cl ideal, so hat der Mojito dann auch noch etwas Zeit sich zu entwickeln. Mit 5 cl schmeckte er vom Start weg ideal, verwässerte allerdings etwas zu schnell für meinen Geschmack. Also Obacht! Dann aber, erhält man einen wunderbar sommerlichen, herbalen, dabei aber frischen potenten "Durstlöscher"!😉 Cheers!



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Mango Mojito:

  • 5,0 cl RA Burke's Single Blended Jamaica & Reunion Rum
  • 3,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)
  • 1,5 cl J.M. Zuckersirup

  • Im Shaker mit ca. 8-10 Blättern Minze (vorher anklatschen!) geschüttelt, ins vorgefrostete Longdrink Glas geben und mit etwas Thomas Henry Mystic Mango auffüllen. Anschließend mit frischen, angeklatschten Minzeblättern garnieren. 

Eine Variante des Mojito die in dieser Form sicherlich nicht original von mir zum allerersten Mal gemixt wird, zu der ich aber spontan die Idee hatte, als mir im Getränkeladen das Mystic Mango von Thomas Henry ins Auge fiel, nur einen Tag, nachdem das Paket mit dem Burke's bei mir eintraf. 

Im Glas wunderbar gelb-orange leuchtend und leicht mit einer Limo zu verwechseln, bringt dieser Drink von allen vieren den Sommer wohl optisch am stärksten auf den Punkt. Und während es beim klassischen Mojito noch klüger war die Menge an Rum nicht zu reduzieren, so zeigte sich dieser Schritt bei der Variante mit dem Thomas Henry Mystic Mango als der genau richtige. Ich habe den Drink auch mit 6 cl probiert und musste feststellen, dass der Rum an der Stelle dann zu dominant auftrat. Mit 5 cl allerdings kommen Minze und Mango gleichermaßen noch gut zum Zuge, ergänzen sich mit dem Rum absolut spitze und machen aus dem Mojito nochmal etwas ganz anderes und wie ich finde ziemlich geiles! Nämlich einen richtig tollen frischen, herbalen, dabei aber auch fruchtig und leichten Sommerdrink! Durch den potenten Burke's ist aber aber auch nicht zu schwach auf der Brust und bringt sich auf diese Weise also auch geschmacklich nicht in den Verdacht, mit einer Limo verwechselt werden zu können. Mein Favorit!



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Basil Burke's:

  • 5,5 cl RA Burke's Single Blended Jamaica & Reunion Rum
  • 3,1 cl Limettensaft (frisch gepresst!)
  • 1,5 cl J.M. Zuckersirup

  • Im Shaker mit ca. 8-10 Blättern Basilikum (vorher anklatschen!) geschüttelt, ins vorgefrostete Longdrink Glas geben und mit etwas Soda Wasser auffüllen. 

Eine Longdrink-Variante des Neo-Klassikers Gin Basil Smash, nur eben mit Rum anstatt mit Gin, die ich so auch häufiger und schon seit Jahren immer wieder gerne mixe!

Optisch wartet dieser Drink mit einer kleinen Besonderheit auf, denn wenn ihr das Soda Wasser ganz vorsichtig ins Glas gebt, dann bekommt ihr eine Schichtung wie auf dem Bild rechts hin. Das sieht gut aus, allerdings solltet ihr vor dem Genuss dann na klar noch einmal umrühren.
Ein Super Drink! Sollte ich diesen Drink geschmacklich maximal kurz beschreiben, würde ich ihn wohl als die etwas frischere Variante zum Mojito bezeichnen. Das Basilikum nimmt ihm ein wenig das herbe im Vergleich zum Mojito mit Minze und bringt dafür um einiges mehr Frische mit hinein. Das Teil passt wie angegossen in den Sommer und... zum Burke's! Da dieser Drink zum Beispiel auch mit dem Hampden Rum Fire so richtig gut funktioniert hat, habe ich gleich an ihn gedacht, nachdem ich mir den Burke's etwas näher angesehen und ihn probiert habe. Und ich kann sagen, dass der Gedanke der richtige war. Auch dieser Drink hat ein wenig was von einer Limo, vielleicht sogar von allen dreien geschmacklich am meisten, aber man merkt auch ihn ab dem ersten Glas.😉 Also aufgepasst!

PS: selbstverständlich funktioniert dieser Drink auch ohne Soda Wasser, dann als direktes Pendant zum Gin Basil Smash. Das macht ihn noch einmal deutlich intensiver, holt ihn komplett weg vom Limo-Charakter und ist sicher für viele wahrscheinlich sogar der bessere Drink, aber ich fühle mich eben bei den Longdrinks am wohlsten, weshalb ich mich für diese Variante entschieden habe.



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Fazit: 

Normalerweise holt mich ungelagerter Rum nicht wirklich ab, aber diesen hier kann man tatsächlich gut daheim im Backboard stehen haben! Mit einem Preis von ca. 30,- Euro ist der Rum natürlich schon ein ganzes Stück weg vom Durchschnitt dessen, was viele wohl für einen Rum in diesem Segment ausgeben, allerdings muss man hier wirklich betonen, dass man im Umkehrschluss auch eine ganze Menge mehr dafür bekommt! Die Drinks haben durch die Bank richtig gut funktioniert und sie profitierten alle von der enormen Kraft und dem vollen, intensiven und durchdringenden Geschmack dieses Rums! Ein Vergleich zu einem dieser vielen 0815 White Rums ist da nicht möglich, bzw. er wäre unangebracht. Dominik hat hier einen Blend kreiert, aus dem wahnsinnig viel fachliche, sensorische Kompetenz spricht, mit dem wir wohl alle noch viel Freude haben dürften - und der zugleich zeigt, dass er und RA mehr sind, als reine unabhängige Abfüller! Ganz ehrlich, es macht wahnsinnig viel Spaß und Freude, deinen und euren Weg mitzuverfolgen und ein kleiner Teil dessen zu sein! ...und diese Zeilen hatte ich bereits geschrieben, bevor da gestern rund um den aktuellen TDL wieder alles eskaliert ist! :D

Bis demnächst,
Flo