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Sonntag, 29. Dezember 2019

My Top 10 Rums 2010 - 2019

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem ich euch in den letzten Tagen bereits mit auf eine Reise durch das vergangene Jahrzehnt genommen und, so denke ich, klar gemacht habe, wie elementar sich die gesamte Rum Szene in den letzten zehn Jahren verändert hat, möchte ich das ganze heute mit meiner ganz persönlichen Top 10 der vergangenen Dekade krönen: den zehn für mich besten oder manchmal auch einfach nur prägendsten Rums der 2010er Jahre! 



Wenn wir also über die Highlights des gesamten Jahrzehntes sprechen, dann muss eines dabei zunächst klar sein: die erste Hälfte des Jahrzehntes war, in der Breite, deutlich ärmer an Highlights als die zweite, auch wenn sich das in meinen Top 10 und damit in der Spitze so nicht widerspiegeln wird. Erschien in den Jahren bis 2013 ca. eine Top-Abfüllung, so erhielt diese von der damals noch kleinen Szene noch um einiges mehr Aufmerksamkeit als in den Jahren danach, als hochklassige Abfüllungen immer normaler bis irgendwann gar fast alltäglicher wurden. Dementsprechend anders wurden einige Bottlings seinerzeit dafür aber auch wahrgenommen und eingeordnet, bzw. legten den Grundstein für spätere Entwicklungen. Ich werde das im einzelnen aber entsprechend erläutern. 



10. Rum Albrecht LPS Jamaica Rum 17 YO Long Pond 1993 - 53% vol.

Gleich der erste Rum in unserem Ranking ist genau solch ein spezieller Fall. Würde beispielsweise ein tropisch gereifter LPS 17 YO heute erscheinen, so wäre das Echo sicher noch immer entsprechend und ein Interesse sicher vorhanden, aber ein solches Bottling wäre heute nicht mehr bahnbrechend und der Rum sicher nicht zwingend ein Kandidat für eine Bestenliste der Dekade. 2012, bei Erscheinen war das noch vollkommen anders. High Ester Jamaica Rum mit über 50% vol.?! Da konnte man schon mal ausrasten! Denn das war selten, extrem selten! Dazu kam der Rum  mit einem Preis von ca. 40,- (!!) Euro um die Ecke! Schon damals war den meisten, die da schon aktiv waren klar: ein so guter Rum mit einem solch gigantischen Preis-Leistungs-Verhältnis (Value for Money) wird vermutlich nie wieder kommen und sie sollten in diesem Punkt auch Recht behalten. Dieses Bottling war in jeder Hinsicht einmalig und kam in einer Zeit, in der noch fast niemandem klar war, wie richtungsweisend genau dieser Rum später noch einmal sein würde. Denn er ist einer der ganz, ganz wenigen Rums, der tropisch gereift wurde UND direkt vom Bottler in der Karibik erworben wurde. Ich habe das nicht gecheckt, aber ich glaube, das können ansonsten nur Velier und -mit Abstrichen- Bristol Spirits von sich behaupten. Zukunftsmusik im Jahr 2012 in wirklich extrem guter Qualität - keine Frage, dass dieser Rum in die Top 10 musste! 

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9. Duncan Taylor Jamaica Rum 22 YO Hampden 1990 - 52,9% vol.

Und direkt der zweite Rum aus der ersten Hälfte des Jahrzehnts. Er kam ca. ein Jahr nach dem LPS auf den Markt und war einer der allerersten Hampden mit höherem Ester-Mark als LROK, der mit mehr als 50% vol. erschien. Zwar bedeuteten auch die ca. 53% vol. noch eine Reduzierung des Alkoholgehalts um fast 10% vol., aber der Qualitätsgewinn war dennoch ganz offensichtlich. Dazu konnte der Jahrgang 1990 mit diesem Bottling seinen Ausnahmestatus endgültig zementieren, den er mit dem Berry Bros. 1990 bereits mehr als angedeutet hatte. Mit einem Preis von ca. 110,- Euro war der Rum zudem kein Schnäppchen mehr, zumindest für damalige Verhältnisse. Mit dem Übertreten der damals magischen 100,- Euro Grenze setzte der Abfüller durchaus auch in dieser Hinsicht ein Ausrufezeichen. Für mich ganz persönlich stellte der Duncan Taylor Hampden 1990 damals aber vor allem aus einem anderen Grund eine echte Zäsur dar: endlich ein unabhängiger Abfüller neben Cadenhead, der Hampden nicht bis auf 46% vol. herunter verdünnte! Das gab es bis dahin nicht! Der Hampden war zudem Teil einer heute legendären ersten Serie an Abfüllungen, aus der es auch noch eine weitere Abfüllung in diese Liste geschafft und eine diese nur knapp verfehlt hat. Schade, dass in dieser enormen Qualität danach nie wieder etwas hinterher kam bei Duncan Taylor. Der Hampden Jahrgang 1990 allerdings sollte seinen absoluten Höhepunkt erst noch erleben. Doch dazu später in dieser Liste... 

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8. Samaroli Jamaica Rum 21 YO Hampden 1993 - 65% vol.

Und direkt wieder die erste Hälfte der Dekade, auch wenn dieser Rum für mich gefühlt schon beinahe eher zur zweiten Hälfte zählt, denn mit seinem Ausgabepreis von über 200,- Euro wies er bereits ein typisches Merkmal späterer Jahre auf, indem man nicht nur die 100,- Euro Grenze nahm, sondern auch direkt die 200,- Euro. Für mich damals ein unverschämt hoher Preis, den ich nicht zu zahlen bereit war. Kontrovers dürfte für viele aber auch die Platzierung des Samarolis in diesem Ranking sein, denn den würden sicher die meisten höher erwarten, bzw. selbst auch höher platzieren. Warum? Nun, weil er glaube ich für alle die es nicht unbedingt mit dem Jahrgang 1990 halten schlicht der beste Hampden aller Zeiten ist. Für mich ist es aber immerhin noch der zweitbeste Hampden. Mit schwarzer Flasche und wirklich schickem Label, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, machte das Bottling zudem auch äußerlich richtig was her. Eine Sonderstellung nimmt der Rum aber auch deshalb ein, weil es eines der ganz wenigen Abfüllungen von Samaroli ist, die wirklich und unzweifelhaft zu den absolut besten aller Zeiten zählen. Ansonsten kam von dort leider auch sehr viel Durchschnitt. Mir fällt kein einziger weiterer Samaroli ein, der es bei mir auch nur in die Top 50 der letzten Jahre schaffen würde - das ist bezeichnend! 

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7. Velier Heavy Trinidad Rum 23 YO Caroni 1996 "The Last" - 61,9% vol.

Der einzige Rum aus diesem Jahr, der es in die Bestenliste der Dekade geschafft hat, ist ein Caroni! Zudem ist es der erste in dieser Liste, der nicht aus Jamaica stammt, meiner Lieblingsinsel. Ja, das ist für viele möglicherweise etwas eintönig, aber keine Angst, es folgen auch noch weitere Ausflüge zu anderen Ländern. Der "Last Caroni" aus diesem Jahr war für mich ohne jeden Zweifel der beste Rum des Jahres 2019 und damit zugleich nochmal eine echte Überraschung, denn weder hatte ich damit gerechnet, dass nochmal ein solch guter Caroni auf den Markt kommen würde, noch hatte ich zu hoffen gewagt, dass das in derart großer Auflage nochmal passieren würde. Wahr wurde es dennoch und so war die Freude natürlich umso größer! Doch wo Licht ist, ist immer auch Schatten und so schwang mit diesem Rum natürlich auch die Gewissheit mit, dass hier gleichzeitig auch eine Ära bald zu Ende gehen wird. Caroni in größerer Auflage sind seitens Velier nicht mehr zu erwarten und die wenigen Flaschen die noch kommen, werden schwer zu bekommen sein. Die Preise werden darüber hinaus weiterhin steigen, so dass für viele selbst die 390,- Euro Ausgabepreis für den "Last" schon wie eine Aufforderung zum Kauf klangen. Perverse Verhältnisse, gerade mit Blick auf die Preisentwicklung über die gesamten letzten zehn Jahre gesehen, aber Caroni wird nun einmal nicht wieder kommen und die Nachfrage ist riesig. 

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6. Isla Del Ron Jamaica Rum 30 YO Long Pond 1982 - 56,2% vol.

Der Isla Del Ron Long Pond 1982 ist ein Rum, der mich heute mehr denn je fasziniert, denn er symbolisiert wie kaum eine andere Abfüllung den Übergang von der Rumwelt wie sie früher war, vor dem großen Boom, hin zu dem, wie wir sie heute kennen. Es handelt sich dabei nämlich einerseits um eines der allerletzten Bottlings eines alten Long Ponds aus den 1980ern und gleichzeitig aber auch um eine der ersten Abfüllungen der neuen unabhängigen Abfüller, die sich ab 2012 ca. herauskristallisierten, vielfach aus der damals bereits bestehenden Szene aus unabhängigen Whisky-Abfüllern. Das war auch hier der Fall, denn hinter Isla Del Ron steht der deutsche IB Malts of Scotland mit Sitz in Paderborn, zu dessen Premieren-Abfüllungen dieser 1982er Long Pond damals gehörte. Ähnlich wie Duncan Taylor startete auch Malts of Scotland mit riesigen Ausrufezeichen und ließ dann aber leider ziemlich nach. Neben dem Long Pond zählten auch ein 1988er Enmore, ein 2000er Mount Gay und ein 1998er Sancti Spiritus zum Portfolio. Die späteren Abfüllungen erreichten dieses Niveau meines Erachtens aber nicht mehr, und wenn, dann nur sehr vereinzelt. Schade. Nichts desto weniger gehört der 1982er meines Erachtens in jede Bestenliste, wenn wir über das vergangene Jahrzehnt sprechen. Für mich ein Ausnahme-Rum, den ich mir sehr wünschen würde, nochmal im Regal stehen zu haben. Die 130,- Euro Ausgabepreis waren damals eine echte Ansage. Aus heutiger Sicht war der Preis hingegen ein kompletter Witz!

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5. Duncan Taylor Barbados Rum 25 YO WIRD/Rockley 1986 - 52,7% vol.

Der nächste Ausflug, der nicht nach Jamaica geht und der einzige Barbadier, der es in meine Liste geschafft hat. Warum nur der eine, werden nun viele fragen. Ja, aus Barbados kommen viele tolle Rums, aber die allermeisten der anderen Rockley aus 1986 wurden bereits in den beiden vorherigen Jahrzehnten, also in den 1990er und 2000er Jahren abgefüllt, weswegen sie hier nicht auftauchen, und die wenigen Mount Gay, die mir wirklich gefielen, konnten in der Qualität nicht an jene Rums heranreichen, die sich hier heute noch so tümmeln. Daher ist Barbados leider ein wenig unterrepräsentiert, ja, aber ich hoffe noch immer darauf, dass seitens WIRD/Ferrand der Rockley-Style noch einmal ein Revival erfährt und es damit in einigen Jahren wieder mehr Barbadier in die Bestenlisten schaffen. Momentan sieht das leider eher mau aus. Mit dem 25 Jahre alten Duncan Taylor WIRD erschien dafür allerdings ein absolutes Highlight im Jahr 2012 und damit im relevanten Zeitraum. Er gehörte zur bereits angesprochenen ersten Welle an Duncan Taylor Releases und dieses war in dieser Hinsicht das beste von ihnen, sogar noch vor dem Hampden. Rockley gehört zu den für mich besten Stilen überhaupt beim Rum und es ist schade, dass er so in Vergessenheit geriet in den letzten Jahren. Alle, die erst später zum Rum kamen haben da echt was verpasst: simply the best Barbados rum ever! Der Ausgabepreis von ca. 90,- Euro treibt einem heute die Tränen in die Augen...  

PS: es handelt sich bei diesem Rum um den einzigen, der bisher kein Review auf BAT erfahren hat. Das liegt daran, dass das Review bei Erscheinen des Rums von Marco kam und bei mir die Reviews der Rockleys erst für das Jahr 2020 geplant sind. Aber auch dieser Rum wird hier noch besprochen werden! 



4. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1992 "Hangar" - 60,21% vol.

Trinidad und Caroni die Zweite! Schon 2012 erschienen, kam dieser Rum allerdings erst sehr viel später wirklich zu Ehren, nämlich im Zuge des allgemeinen und gesamten Aufstieg Veliers und damit Caronis zu einer der beliebtesten Destillerien überhaupt. Dann allerdings hat der "Hangar" so richtig reingehauen! Die Rums zählen zum so genannten Guyana Stock, also jenen Rums, die ab 2008 in Guyana bei DDL lagerten. Und 1992 gehört gleichzeitig zu den besten, aber eben auch seltensten Jahrgängen von Caroni. Gerade einmal vier verschiedene Abfüllungen hat Velier herausgebracht und auch von anderen IB gibt es meines Wissens nach keinen anderen reinen 1992er Caroni. Kein Wunder, dass diese Rums extrem gesucht sind. Der damalige Ausgabepreis von vermutlich nicht einmal 100,- Euro ist heute kaum noch zu glauben, angesichts der Tatsache, dass er Sammlern als auch Genießern in den nächsten Jahren ziemlich sicher bald mehr als das zehnfache dessen wert sein wird. Verrückt, aber diese Abfüllung ist nun mal wirklich "leider geil"!

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3. Velier Heavy Trinidad Rum 20 YO Caroni 1996 "Kirsch SC" - 62,4% vol.

Und noch einmal, ein letztes Mal, Trinidad und Caroni! Dreimal im Ranking vertreten und dreimal hochverdient! Wir nähern uns nun auch insgesamt der absoluten Spitze, bzw. wir haben sie hiermit bereits erreicht, denn alle Rums in meinen Top 3, mit diesem angefangen, kommen bei mir auf sagenhafte 98 von 100 Punkten! Wahnsinn! Im Jahr 2015 begann Velier damit, diversen Shops und/oder Händlern in Europa und der Welt Single Cask Abfüllungen zuzuteilen. Im Jahr 2016 wurde diese Ehre auch dem Deutschen Partner "Kirsch Whisky" zuteil und diese bekamen dann auch direkt das meines Erachtens absolute Highlight in der neueren Geschichte von Caroni. Eine Abfüllung, ein Fass, bei dem wirklich alles stimmte! Mit 220,- Euro ca. war der Ausgabepreis zwar auch für damalige Verhältnisse nicht von schlechten Eltern, allerdings musste man nur wenige Tage nach dem Ausverkauf auf ebay und anderen Plattformen schon ein vielfaches dessen bezahlen. Dieses Bottling markierte, zumindest hier in Deutschland, in dieser Hinsicht auch einen Wendepunkt, denn zumindest gefühlt war das DIE Abfüllung, ab der es dann preislich richtig eskalierte. Danach gab es kaum noch Schnäppchen und die Zeit in der man Velier Caroni gemütlich shoppen konnte gehörte endgültig der Vergangenheit an. 

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2. Velier Old Demerara Rum 25 YO Albion 1986 - 60,6% vol.

Platz 2 geht an die letzte Jamaica-Ausnahme und in ein Land, das in dieser Liste bisher noch gar nicht auftauchte: Guyana! Dargereicht wird dieser Demerara Rum, wie könnte es anders sein, vom italienischen Abfüller Velier, der mit insgesamt vier Abfüllungen auch der meist vertretene in dieser Top-Liste ist. Klar, zumindest einer der alten Demeraras von Velier musste hier mit rein und es ist der Albion 1986! Albion, das ist kein Geheimnis, gehört zu den Stilen, die mir trotz dessen, dass mich Guyana Rum im Allgemeinen nicht so sehr begeistert, doch sehr geflasht hat und die ich ziemlich schnell nennen möchte und muss, wenn es um meine Lieblingsrums geht. Der 1986er ist von den Albion die ich kenne (alle, bis auf 1989) der für mich mit Abstand beste und er fiel glücklicherweise in dieses Jahrzehnt, so dass ich ihn hier auch listen darf. Finde ich ihn besser als den Kirsch, weil ich ihn auf 2 statt 3 habe? Nein, nicht wirklich, aber für das Ranking hatte der Albion vielleicht dann doch den Demerara Bonus, denn der Faszination dieser Demerara Reihe, die auch die Grundlage für den Mythos Velier sind, kann man sich nur extrem schwer entziehen, auch wenn ich persönlich viele dieser Rums bei weitem nicht so hoch ranke wie viele andere. Aber dieser Albion gilt zurecht als einer der besten Rums aller Zeiten, nicht nur dieses Jahrzehnts. Ein absolutes Meisterwerk! Über Preise zu reden macht hier leider so wenig Sinn wie bei keinem anderen Rum in diesem Ranking, außer vielleicht dem Duncan Taylor Rockley, den ebenso nachvollziehbar kaum jemand überhaupt mal zum Verkauf anbietet... 

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1. The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 - 61,9% vol.

Platz 1, und ja, das ist extrem subjektiv, geht natürlich an den 1990er Hampden von The Rum Cask, der für mich den endgültigen Wiedereinstieg in die Rum Szene markierte, nachdem ich mir 2015/16 eine kleine Auszeit genommen hatte. Nein, auch diesen Rum würde ich rein qualitativ nicht über den Albion oder den Kirsch stellen wollen, aber was der Demerara Bonus beim Albion gegenüber dem Kirsch war, ist hier die Tatsache, dass Hampden meine erste Liebe ist und ich an dieser Abfüllung auch noch meinen Anteil hatte und damit emotional extrem an das Teil gebunden bin. Ausgangslage für dieses Bottling war anno 2013 eine Art Wunschliste, die ich den Jungs von The Rum Cask zukommen ließ, auf dem der Jahrgang 1990 von Hampden mit Priorität 1 ganz oben auf der Liste stand. Über drei Jahre später meldete sich Jens dann bei mir mit der Nachricht, dass man einen eben solchen Rum nun gefunden und gekauft habe. Schon nach dem ersten Probieren des Fass-Samples war ich ganz aus dem Häuschen, denn das war nicht mehr und nicht weniger als der für mich beste Hampden, der je das Licht der Welt erblickt hat! 26 Jahre Reife, so lange wie damals kein anderer Hampden vor ihm, dazu in Fassstärke, was es aus 1990 zuvor auch noch nicht gegeben hatte... ein geniales Fass ohne jede Fehlnote und ohne, dass irgendwas gefehlt hätte... für mich der König aus Hampden und (gemeinsam mit dem Kirsch und dem Albion!) der Rum des Jahrzehnts! 

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Epilog: 

Das waren sie also, meine Highlights des vergangenen Jahrzehnts! Zehn großartige Rums, alle würdig, dass man sie bei sich im Schrank stehen hat (auch wenn das auch mir bei weitem nicht bei allen gelingen konnte). Und natürlich gibt es einige Rums, die in Punkten sicher auch noch besser abgeschnitten hätten als einige aus der Liste, aber wer möchte denn noch drei weitere Caroni oder Hampden in der Liste sehen? Es ging mir schon auch darum, das Jahrzehnt ein wenig abzubilden und noch einmal aufzuzeigen, was uns alles bewegt und so richtig begeistert hat. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass eine Top 10 da ja aber auch nur begrenzt Platz bietet. Als ich Ideen gesammelt habe, waren da noch eine Menge anderer Namen, die es ebenfalls verdient haben, hier noch einmal Erwähnung zu finden. Da wären z.B. die großartigen Bottlings von A.D. Rattray, allen voran der Monymusk 1986 (den ich eher für einen Long Pond halte) und der Pampero 1992 aus dem Islay Fass, den ich für die beste Pampero Abfüllung aller Zeiten halte! Aber auch der Mount Gay 2000 und der Versailles 1985 aus der ersten Duncan Taylor Serie waren echte Highlights. Der Versailles verfehlte meine Top 10 nur denkbar knapp! Und wo wir es schon von Mount Gay haben... gerade im vergangenen Jahr kamen da mit dem Kintra 18 YO und dem The Rum Cask 19 YO die meines Erachtens besten Mount Gay überhaupt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollen die zum Teil wirklich großartigen Bottlings von Savanna, allen voran natürlich der 10 YO HERR aus 2006, der zum 60. Jubiläum von LMDW im Jahr 2016 erschien. Und nicht zuletzt gefällt mir auch die Habitation Velier Serie wahnsinnig gut, aus der z.B. der Jamaica Hampden HGML 9 YO ebenfalls nicht sehr weit weg von dieser Top 10 gewesen ist. Und, wenn ich schon dabei bin und ich meine Highlights des Jahrzehnts nennen darf, dann möchte ich natürlich auch noch einmal unseren Letter of Marque DOK in Erinnerung bringen. Nein, der war rein geschmacklich sicher kein Kandidat für die Top 10, auch wenn ich ihn sehr gut finde, aber es war ein echtes Highlight, einen solch extremen Stil mit zu entdecken und dabei geholfen zu haben, ihn der Welt zugänglich zu machen. Es war mir und uns allen eine Ehre!

Auffällig finde ich, dass wenn man eine solche Liste mit den besten Rums aus den 2000er Jahren, also des vorherigen Jahrzehnts, erstellen würde, dass man dann sehr viel Cadenhead und Bristol in dieser Liste finden würde, die im abgelaufenen Jahrzehnt aber nur noch eine Nebenrolle gespielt haben. Stattdessen wurde die Zeit dominiert von Velier und vielen kleineren neuen unabhängigen Abfüllern, die es vor zehn Jahren im Rum Business noch gar nicht gegeben hat, wie Duncan Taylor, A.D. Rattray, Isla Del Ron oder The Rum Cask. Auch ist es ein großer Erfolg, dass alle Top 10 Rums ganz selbstverständlich mit über 50% vol. daher kommen. Im vorherigen Jahrzehnt wäre es kaum möglich gewesen, Rums mit 46% vol. zu übergehen, aber in den 2010er Jahren gab es sie nahezu gar nicht mehr. Wirklich außerordentlich froh bin ich darüber, dass Rum Albrecht, bzw. Heinz Eggert, die den LPS im Ranking hatten, inzwischen als RA (Rum Artesanal) seit ca. zwei Jahren wieder sehr aktiv sind und gerade eine Menge darin investieren auch in zehn Jahren wieder mindestens einen Rum in dieser Liste platzieren zu können. 
Aber auch bei den Destillerien gab es diesen Wandel. Wir haben in den 2010er Jahren wirklich auch noch einige Perlen vergangener Tage bekommen, die es so und in dieser Form danach nicht noch einmal gab und wohl auch nie wieder geben wird. Die goldene Ära lange gereifter Long Ponds aus den 1970er und 1980er Jahren ging zu Ende, die letzten alten Demerara von Velier erschienen und Rockley erlebte seinen vorläufigen Schluss- und Höhepunkt. Da gingen definitiv goldene Zeitalter des Rums vorüber. Klar ist aber auch: die zweite Hälfte der 2010er Jahre erlebten in der Breite eine Explosion an Qualität, die in den Jahren davor so nicht vorstellbar waren und die ich persönlich auch nicht für möglich gehalten hätte. Natürlich, einige alte Stile wurden schmerzlich vermisst, ich habe sie gerade noch einmal benannt, dafür aber betraten Destillerien die Bühne, die zuvor nicht oder nur kaum bekannt waren. Rums aus Fiji begannen die Connaisseure zu begeistern, die ersten Abfüllungen von Worthy Park erschienen, Savanna wurde groß und plötzlich kamen sogar Lebenszeichen aus New Yarmouth! DDL begann damit, seine Rums auch ungesüßt und außerhalb der El Dorado Serie selbst abzufüllen, wenn auch noch nicht annähernd so erfolgreich wie Velier das gelungen war. Aber es geht voran! Die Rumwelt lebt, ist im Wandel und wir können heute nur begrenzt vorhersagen, was wir wohl in zehn Jahren in solchen Listen finden werden. Die ersten fast 20 Jahre tropisch gereiften Hampden werden wir dann gesehen haben, aber ob sie an die alten Hampden heranreichen oder diese vielleicht auch übertreffen werden? Wer weiß. Auch einen 25 YO Wothy Park wird es geben... das könnte extrem geil werden! Projekte in Grenada werden Früchte tragen... Savanna wird eine der begehrtesten Destillerien überhaupt werden... Caroni werden weiterhin erscheinen... nur zu welchen Preisen, und in welcher Qualität? Es wird noch mehr tropisch gereifte Long Pond und Monymusk geben... und, und, und... 

Ich freu' mich drauf und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020! 

Bis dahin,
Flo

Samstag, 6. April 2013

Kuba, Paraiso/Sancti Spiritus Distillery: Duncan Taylor 1998 vs. Isla del Ron 1998

Viva la Revolución!

Ja, ihr lest richtig! Heute gibt's Rum aus Kuba! Wer jetzt denkt, die Aprilscherze auf diesem Blog scheinen sich zu häufen, der irrt.
Zugegeben, die Insel Kuba gehört nicht gerade in mein typisches "Beuteschema". Im Grunde genommen habe ich mich sogar gänzlich von der Insel verabschiedet, als ich begann, mich näher mit Rum auseinanderzusetzen. Heute also die Rückkehr auf die Insel, auf der mit Havana Club mein wahrscheinlich erster Rum beheimatet ist. So ganz genau ist das heute schwer zu sagen ;)
Wie kommt's? Kuba? Entweder, deren Rum kommt in oft zweifelhaft schmackhafte Cocktails, oder aber er langweilt den anspruchsvolleren Gaumen. Ja, kubanischer Rum ist teilweise mit Vorurteilen behaftet. Warum jetzt Kuba? Verantwortlich für das heutige Tasting ist eigentlich viel weniger die Insel selbst, als viel mehr die beiden unabhängigen Abfüller, die diesen auf den Markt brachten. 
Duncan Taylor beeindruckte jüngst mit einer ganzen Serie an Rum, bei denen einige sogar bereits als die bisher besten ihres Jahrgangs gelten. Eben jener Serie gehört auch ein Kubaner an. Wie die restlichen Rums, so kommt auch er in (wohl einige Zeit vor dem Abfüllen leicht verdünnter) Fassstärke daher. Kuba in Fassstärke von einem unabhängigen Abfüller ist ein absolutes Novum und war daher nicht uneinteressant. Da im Cocktails & Dreams Forum eine Flaschenteilung der gesamten Serie anstand, riskierte ich 4 cl. Das Ergebnis wird heute verkostet. 
Auf der anderen Seite war es die Kuba Abfüllung von Isla del Ron, welche ich bei Andreas Schwarz in Preetz in dessen Fachgeschäft probieren konnte und die mich letztlich auch dazu bewogen hat, die Jamaica Abfüllung trotz des sehr hohen Preises zu riskieren. Auch dieser Rum wurde in Fassstärke abgefüllt. Da sie zusätzlich aus dem gleichen Batch stammen und fast gleich alt sind, eigenen sie sich natürlich hervorragend für einen Parallelvergleich. 
Beide Abfüllungen sind stark limitiert. Vom Duncan Taylor sind 245 Flaschen aus Cask #78 abgefüllt worden, IdR Cask #5 ergab sogar nur 195 Flaschen. Interessenten sollten sich unter Umständen nicht allzu lange Zeit lassen!
Kurz zur Destillerie: der Name der Destillerie erscheint mir nach einiger Recherche nicht ganz eindeutig. Teilweise wird er mit Paraiso angegeben, anderer Orts wieder mit Sancti Spiritus. Einige Quellen nennen auch beide Namen. Die Geschichte der Destillerie geht zurück bis ins Jahr 1844. Sie liegt in der zentralkubanischen Stadt Sancti Spiritus, welche ca. 42.000 Einwohner zählt. Sancti Spiritus ist seit 1976 die Hauptstadt einer wiederum gleichnamigen Provinz. Als eine der wenigen, wenn nicht sogar als die einzige Destillerie der Insel, gibt sie Rum an unabhängige Abfüller weiter. Wie alle anderen Betriebe auf Kuba auch, dürfte aber auch Paraiso/Sancti Spiritus dem Staa... äh, dem Volk gehören ;)


Die Abfüller:

Zu Duncan Taylor wurde in den Artikeln zur 22 jährigen Hampden Abfüllung und zur Rockley Abfüllung schon einiges gesagt, zu Isla del Ron gibt es einige Informationen im Artikel zur 1982er Jamaica Abfüllung. Daher gehe ich heute direkt zur Verkostung über.

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Verkostung der beiden Rums:


Preis: die Duncan Taylor Abfüllung liegt bei knapp unter 64 Euronen. Für den Isla del Ron muss man nicht ganz 60 Euro ausgeben, er ist also ca. 5 Euro günstiger.

Alter: beide Rums stammen aus dem 1998er Batch der Destillerie. Der Duncan Taylor wurde im November 2012, der Isla del Ron Anfang 2013 abgefüllt. Damit sind beide 14 Jahre alt. 

Alkoholstärke: der Duncan Taylor kommt mit 53,2% vol. daher, der Isla del Ron misst noch 58,5% vol..

Destillationsverfahren: beide Rums wurden in einer Column Still der Paraiso/Sancti Spiritus Distillery auf Kuba destilliert.

Farbe: beide Rums weisen hier keine merklichen Unterschiede auf. Beide sind strohig, golden. Sehr hell. Rein farblich erkennt man kaum einen Fasseinfluss. 

Viskosität: beide Rums bilden an der Glaswand zunächst einen hauchdünnen Film. Es bilden sich enge, dichte, dünne Schlieren. Der Film verweilt lange an der Glaswand und weist so auf ein eher öliges Destillat hin. Nach einiger Zeit im Glas werden die Schlieren satter, zäher und fetter.

Nase: der Duncan Taylor versprüht sofort karibisches Flair. Eine schöne Fruchtigkeit ergänzt sich mit einer guten Portion Rauch und Tabak. Eine leichte Säuerlichkeit ist da. Alkoholische Schärfe ist beinahe komplett abwesend. Ich meine, Weintrauben und weiße Schokolade und Vanille in der Nase zu haben. 
Nach ca. einer Stunde ist die Nase sehr viel trockener und komplexer geworden. Die Säuerlichkeit ist vollständig verschwunden. 
Der Isla del Ron hebt sich erstaunlich deutlich vom Duncan Taylor ab. Man erkennt zwar sofort, dass sie aus einer gemeinsamen Destillerie stammen, jedoch hat der Rum nicht diese Säuerlichkeit des Taylors. Stattdessen habe ich hier, neben dem Tabak und Weintraube, auch eine leichte Toffeenote und getoastete Eiche. Die Nase ist ganz leicht alkoholischer, aber diesbezüglich immer noch sehr zurückhaltend.
Nach ca. einer Stunde hat sich die Nase weniger verändert als beim Duncan Taylor, wurde aber auch trockener und komplexer.

Gaumen: zunächst etwas flach und verschwommen, braucht der Duncan Taylor einige Zeit, bis er sich im Mund verteilt hat. Für einen Rum dieser Stärke erstaunlich mild, wenn gleich der Alkohol schon auch da ist. Die Säuerlichkeit aus der Nase ist zunächst auch am Gaumen präsent. So richtig da ist der Rum dann erst, wenn er schon heruntergeschluckt wird. Dann dominieren plötzlich Gewürze aller Art und ich meine, hier leichte Nelke zu haben. Er geht dann ins trockene und hinterlässt ein pelziges Gefühl auf der Zunge. Nach ca. einer halben Stunde verändert sich der Gaumeneindruck positiv. Der Rum wird nun klarer und gibt einiges an Aromen mehr preis. Ich habe nun auch noch Leder und sehr präsente Maraschino.
Sehr viel deutlicher am Gaumen ist sofort der Isla del Ron. Und trotz des leicht höheren Alkoholgehalts, finde ich diesen unter diesem Gesichtspunkt angenehmer als den Taylor. Überhaupt spricht mich der gesamte Gaumeneindruck hier viel mehr an. Der Rum kommt in seinen Strukturen viel klarer daher und zeigt mehr Facetten. Er ist trockener, rauchiger, etwas würziger und hat eine angenehme, weniger säuerliche Fruchtigkeit. Süße ist wenig vorhanden. Am Ende habe ich auch hier Maraschino. Obwohl auch der Isla del Ron erst beim Herunterschlucken vollends da ist, weiß er schon zuvor zu überzeugen. 

Abgang: der wird beim Duncan Taylor geprägt von der Maraschino Kirsche, die ich am Gaumen auch nach einiger Zeit hatte. Der Abgang gestaltet sich sehr trocken und dauert einige Minuten an. Da Jamaicaner hier kein Maßstab sein können, würde ich die Zeit, die dieser am Gaumen verweilt schon als recht ordentlich sehen. 
Der Abgang ist beim Isla del Ron erstaunlich ähnlich, wenn gleich hier sicher auch die Parallelverkostung mit hereinspielt. Der Rum wird ebenfalls sehr trocken und erinnert mich entfernt an den Cadenhead SLJD aus St. Lucia, aber auch an den Bristol Classic Rum Jamaica aus Monymusk 25 YO, bei dem ich diesen Maraschino Touch schon einmal hatte.

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Duncan Taylor & Isla del Ron Cuba Rum
Fazit: mal was anderes! Das Tasting fiel mir deutlich schwerer als sonst, da ich hier völlig andere Eindrücke hatte, als ich sie sonst von Jamaicanern kenne. Daher konnte ich weniger auf Bekanntes zurückgreifen und hatte bei der Bestimmung einzelner Eindrücke viel mehr Mühe. Gut so! Ich finde den Blick über den Tellerrand wichtig und lohnend und empfand das heutige Tasting so auch als echte Bereicherung. 
Einen neuen Favoriten habe ich trotz dessen wohl eher nicht gefunden, dazu schmecken mir die jamaicanischen Rums einfach viel zu gut. 
Wenn ich einen Sieger im heutigen Tasting präsentieren sollte, so wäre es ohne Zweifel der Isla del Ron. Vor allem nach ein wenig Standzeit hat der Rum richtig Gas gegeben und widerlegte so ziemlich jedes Vorurteil über kubanischen Rum. Der Rum langweilt nicht, hat Ecken und Kanten und vor allem echte Tiefe und Komplexität, die ich, das muss ich gestehen, einem kubanischen Rum in dieser Form bis dato tatsächlich nicht zugetraut hätte. Hut ab!
Würde ich den Isla del Ron kaufen? Das ist schwer zu sagen. Das PLV stimmt auf jeden Fall, mehr noch, es ist hervorragend. Für einen Kauf ist er aber evtl. noch ein kleines bisschen zu wenig meins. Wer allerdings deutlich affiner diesem Typ Rum gegenüber ist, der sollte nicht zögern. Objektiv gesehen, ist das einfach ein klasse Rum!

So. Bei kubanischem Rum habe ich nun richtig Lust auf einen Mojito bekommen! Leider standen mir für das Tasting nur wenige Centiliter der beiden Rums zur Verfügung, so dass ich dafür auf einen anderen Rum ausweichen musste. Dieser stammt allerdings aus dem selben Batch der Paraiso/Sancti Spiritus Distillery, ist 11 Jahre gelagert worden und von der Renegade Rum Company 2009 abgefüllt worden. Der Grundcharakter der Rums ist vergleichbar.


Mojito mit Renegade Cuban Rum 11 YO:

Mojito mit Sancti Spiritus Cuban Rum
Ich mixte den Drink nach folgendem Rezept:

  • 7 cl Renegade Cuban Rum Sancti Spiritus 11 YO
  • 3 cl Limettensaft
  • 2 cl Zucker
  • eine große Hand voll Minze
  • Soda on top

Die Minze kurz in der Hand anklatschen, alles, bis auf das Soda, im Boston Shaker mit viel Eis gut schütteln, doppelt in ein Longdrinkglas auf frisches Eis abseihen und mit etwas Soda auffüllen (ca. 2-4 cl). Mit einigen Blättern Minze dekorieren.

Das Ergebnis ist ein verdammt leckerer, trotz des verwendeten gelagerten Rums erfrischender, Sommerdrink, weit weg von all den verwaschenen Mojitos schlechter Strandbars. Nun muss der Sommer nur noch kommen... ich hoffe, er fällt dieses Jahr auf einen Samstag. 
Mit den heute verkosteten Fassstärke-Kubanern wäre der Drink wahrscheinlich nicht sehr viel anders geworden, da sie trotz der etwas mehr Prozente auch eher mild waren. Am ehesten würde ich es mit dem Duncan Taylor probieren, da dieser etwas fruchtiger war. Auf Grund dessen, dass ich pur allerdings den Isla del Ron klar bevorzuge, werde ich das wohl leider eher nicht nachträglich irgendwann noch testen können.


Bis demnächst und aller Voraussicht nach wieder mit einem Jamaica-Tasting,
Flo

Sonntag, 24. März 2013

Isla del Ron Jamaica Rum 30 YO Long Pond 1982

Liebe Rum-Freunde,

das neue Jahr 2013 hat im Grunde gerade erst begonnen, aber schon jetzt steht fest: am Ende wird es ein gutes Rum Jahr gewesen sein! Allein in den letzten Wochen wurde ca. so viel guter Rum von unabhängigen Abfüllern veröffentlicht, wie im gesamten Jahr 2012 und schon weit mehr als im Jahr 2011. Es geht voran; und wie! Denn der gute Stoff kommt vor allem von Abfüllern, die bis vor kurzem noch gar keinen Rum abgefüllt haben, die sich im Whiskysegment aber allesamt schon einen Namen gemacht haben. Es steigt also nicht nur die Zahl der Abfüllungen, sondern vor allem auch der Abfüller. Gut so! Eine überaus erfreuliche Entwicklung.




Wer jetzt denkt, dass das schon alles war, der irrt. Denn die neuen Abfüllungen präsentieren sich nahezu ausnahmslos in Fassstärke und füllen damit eine Nische, die in den Augen der anspruchsvollen Rum-Connaisseuren in den letzten Jahren viel zu wenig ausgefüllt war. Dieser Missstand scheint langsam korrigiert zu werden.
Nachdem der schottische Abfüller Duncan Taylor mit seiner hervorragenden ersten Rum Range den Anfang machte (siehe unsere letzten drei Artikel), ziehen andere, wie "The Whisky Cask" (mit ihrer Serie "The Rum Cask"), "Liquid Sun" oder "Malts of Scotland" (mit ihrer Serie "Isla del Ron") nach. Letztere drei Abfüller stammen aus Deutschland und einen Jamaica Rum aus der Serie "Isla del Ron" werde ich heute hier besprechen.

Der Rum um den es heute geht stammt aus dem Jahr 1982, einem Jahr, aus dem bis vor ca. 10 Jahren schon einige Rums erschienen, aus dem nun aber schon länger nichts mehr veröffentlicht wurde. Angesichts dessen, dass die meisten Rums in einem Alter zwischen 10 und 20 Jahren abgefüllt werden, verwundert das allerdings nicht. Nun also hat es ein 30 jähriges Destillat auf den Markt geschafft. Die Abfüllung ist eine Single Cask Abfüllung, kommt in Fassstärke daher und ist auf verschwindend geringe 112 Flaschen limitiert. Verkostet wurde die Flasche Nummer 44 aus IdR Cask Nummer 001.
Ob der Rum direkt auf Jamaica erworben wurde, oder ob er bereits vor längerer Zeit den Weg in ein Lagerhaus in Europa schaffte, ist wie so oft leider nicht bekannt. Auch, dass der Rum aus der Destillerie Long Pond stammt, ist auf der Flasche nicht zu lesen. Diese Info gab der Abfüller in einem sozialen Netzwerk bekannt und wird daher auch so übernommen. 
Mit 30 Jahren ist der heute verkostete Rum der älteste aus Jamaica, der es bisher in mein Glas geschafft hat, zwei Jahre älter, als die hier ebenfalls schon vorgestellte Plantation Abfüllung aus 1983. Dementsprechend gespannt bin ich, was mich hier im Folgenden erwartet.

Der Abfüller:

Hinter der Serie Isla del Ron steckt der unabhängige Whiskyabfüller Malts of Scotland mit Firmensitz im nordrhein-westfälischen Paderborn. Unter dem Namen Malts of Scotland wird seit 2009 Whisky selbst abgefüllt und vertrieben. Unter dem Motto "Besondere Abfüllungen für besondere Momente" werden laut Inhaber Thomas Ewers sowohl die Fässer zur Abfüllung ausgewählt, als auch die Flaschen der Abfüllungen gestaltet. Neben der regulären Abfüllungen bietet Malts of Scotland auch eine Range namens "Amazing Casks" an. 
Ende 2012 wurde nun also erstmals auch Rum abgefüllt, der Anfang 2013 auf dem Markt erschienen ist. Neben der Jamaica Abfüllung gibt es auch noch je einen Rum aus Cuba (1998), Guyana (1988), Panama (1995) und Barbados (2000), sowie zwei Blends, die unter den Namen Gold und Silver angeboten werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie, die mit der selben Sorgfalt entstanden ist, wie die Whiskys des Hauses, erweitert wird. Sowohl die Whiskys, als auch die Rums werden, mit Ausnahme von Isla del Ron Silver & Gold, in Fassstärke abgefüllt.
Quelle: The Whisky Wiki

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Verkostung des Isla del Ron Jamaica Rum from Long Pond 30 YO (1982 - 2012), 56,2% vol.

Isla del Ron Jamaica Rum 30 YO (1982 - 2012), 56,2% vol.

Preis: der Preis ist sicher das unangenehmste an der gesamten Abfüllung, ca. 140 Euro muss man für den Rum bereit sein auszugeben. 

Alter: der Rum wurde 1982 destilliert und 30 Jahre später, im Jahr 2012, abgefüllt. 

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt liegt bei 56,2% vol., was der Fassstärke entspricht. 

Destillationsverfahren: hierzu wird auf der Flasche keine Angabe gemacht. Long Pond besitzt sowohl Pot- als auch Column Stills. Ich würde allerdings eher eine Pot, als eine Column Still vermuten.

Farbe: tiefes, dunkles Bernstein. Durchaus typisch für einen derart alten Rum.

Viskosität: sehr ölig. Der Rum beißt sich regelrecht am Glas fest und hinterlässt beim Hinablaufen an der Glaswand schöne, gleichmäßige, weite Schlieren. Schon hier kann man beobachten, dass man es mit einem sehr alten Rum zu tun hat. 

Nase: die Nase zeigt sich zunächst sehr zurückhaltend, was ich so nicht unbedingt erwartet hatte von einem Rum aus Jamaica. Anklänge von Karamell und diverser Gewürze bestimmen zunächst das Bild in der Nase, Anis tritt dabei am deutlichsten heraus, auch Pfeffer oder Bourbon Vanille meine ich zu erkennen. Süße finde ich hier so gut wie garnicht, die Nase ist ausgesprochen trocken, schwer und reif. Das ändert sich auch nicht, nachdem der Rum eine ganze Weile im Glas steht, allerdings wird die Nase noch voller und intensiver. Holz ist selbstverständlich präsent, allerdings empfinde ich das hier nie unangenehm oder gar overaged. zu Beginn erinnert mich die Nase schon ein wenig an Rums im CRV Stil (gebrannt, ganz untypisch für Jamaica, in einer Column Still), allerdings deutlich schöner, später aber eher an Demerara Rums aus Port Mourant oder ganz speziell an den 21 jährigen Long Pond von Silver Seal aus 1986.

Gaumen: sehr viel eindeutiger Long Pond als die Nase. Mein Verdacht, dass der Rum aus einer Pot Still stammt, bestätigt sich. Der Rum hat eine schöne Öligkeit und füllt den Mundraum angenehm aus. Die Reife merkt man dem Rum sofort an. Die 30 Jahre im Fass haben den Rum sehr weich werden lassen, was ihn trotz der Fassstärke leicht zu trinken macht. Eine Verdünnung ist nicht nötig. Im Gegenteil, die vollen Volumenprozente tun dem Rum sogar sehr gut meines Erachtens, da ich mir vorstellen könnte, dass der Rum, eben auf Grund seiner Eigenschaften, bei ca. 45% vol. zu kraftlos gekommen wäre. Ein Kompliment an den Abfüller!
Ansonsten steht Anis hier eindeutig im Vordergrund, viel klarer noch als bei der oben genannten Silver Seal Abfüllung, bei der ich diese Erinnerung ebenfalls hatte. Sogar ein letztes bisschen Rest-Süße ist da, ob gleich diese nur für einen Moment zu Beginn jeden Schluckes aufblitzt. Ansonsten gestaltet sich der Rum nicht nur in der Nase, sondern auch am Gaumen sehr trocken.

Abgang: der Abgang wird eingeleietet vom Anis, der sich für einen Moment im Mundraum festsetzt und dann verschwindet. Was bleibt, ist dann ein sehr trockener Resteindruck des Rums. Insgesamt leider aber ein doch eher kurzer Abgang, der nur ca. 30 Minuten präsent ist.

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Fazit: ein Rum, der Zeit braucht und diese auch fordert; wer sie sich nimmt, wird belohnt! Ein bis zwei Stunden sollten das Mindeste sein. Ein ausgesprochen reifer Rum, der seinen Reifezenit evtl. auch schon überschritten hat, den ich aber keinesfalls als zu überreift bezeichnen würde. Dieser Rum lebt noch, auch wenn seine Jugend ganz offensichtlich schon lange Jahre zurückliegt. Aber er blickt auf diese Zeit herab, mit aller Souveränität, die man sich denken kann. Großer Rum! Meine Hochachtung! Möchte ich noch etwas zum Preis sagen? Nein, ich glaube nicht. 

Es bleibt mein Dank und die Bitte an den Abfüller, diesen Weg weiterzugehen...

Bis demnächst,
Flo

PS: vor kurzem hatte ich ebenfalls das Vergnügen, die kubanische Abfüllung aus 1998 zu probieren, welche ich ebenfalls sehr gelungen fand, obwohl Kuba eigentlich nicht zu meinen Favoriten im Rumbereich zählt.